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Lost in Translation

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  • Lost in Translation

    Ich hab den Film grad gesehen. Hier erstmal was zum Inhalt:

    Im noblen Park Hyatt Hotel in Tokio begegnen sich - an der Hotelbar, wo sonst - die beiden Amerikaner Bob (Bill Murray in der vielleicht besten Vorstellung seiner Karriere) und Charlotte (Scarlett Johansson, "Ghost World"). Er ein gemachter Schauspielstar, der für den Dreh eines lächerlichen Whiskey-Werbespots angereist ist, sie die junge Gattin eines gefragten Fotografen (Giovanni Ribisi), der auf seinen Reisen nicht wirklich Verwendung für seine Frau hat. Bob und Charlotte kommen ins Gespräch, weil sich ihnen im fremden Tokio und im Mikrokosmos ihres Hotels nicht viele andere Gelegenheiten bieten, und stellen einige Gemeinsamkeiten fest, denn beide befinden sich in einer deutlichen Lebenskrise: Bob - in klassischer Midlife-Crisis - steckt seit gut zwei Jahrzehnten in einer Ehe, die offensichtlich jegliches Feuer verloren hat, gleichzeitig fehlt ihm der Antrieb, etwas an seinem an sich ganz angenehmen Dasein zu ändern. Charlotte ist noch jung und impulsiv und fragt sich jetzt bereits, ob ihre Heirat nicht ein Fehler war, während sie sich gleichzeitig Sorgen macht, emotional schon abgestumpft zu sein. Gemeinsam brechen die beiden schließlich aus dem sicheren Hafen ihres Hotels aus und erkunden die fremdartige Welt Japans.

    Diese exotische Fremde ist es auch, die für die erste Hälfte von "Lost in Translation" der Ursprung des feinen, zielgenau treffenden und enorm komischen Humors ist. Vor allem Bobs Kampf mit den Eigenheiten jenes Landes, in dem alles klein, automatisch, schnell, bunt und irre höflich ist, erscheint dem multikulturell erfahrenen Zuschauer als wahrhaftig und ehrlich und gerade deshalb als hoch amüsant. Manche Stimmen warfen Sofia Coppola einen latenten "Anti-Japanismus" vor, weil sie sich hier über ihr Gastgeberland lustig machen würde, doch wer so etwas sagt, hat mal wieder nix verstanden: Interkulturelle Unterschiede sind ein Fakt der Realität, und die amüsante Note der lieben Not, sich in einer entsprechend fremden Kultur zu bewegen, hat nichts mit Intoleranz gegenüber dem Exotischen zu tun, sondern mit der eigenen Unfähigkeit, sich ausreichend in die andere Mentalität hineinzuversetzen. Natürlich lacht man über die verrückten jungen Leute in den Spielhallen oder über den japanischen Bekannten von Charlotte, der beim Karaoke "God save the Queen" von den Sex Pistols zum Besten gibt, aber dieses Lachen ist nie böse gemeint - es ist das Ergebnis eines verwunderten, gänzlich unschuldigen Staunens ob dieser unverständlichen Andersartigkeit. Drum ist auch der Titel des Films für sich allein schon brillant, spielt er doch gekonnt mit der Erkenntnis, dass es in jeder Kultur und Sprache Dinge gibt, die sich nicht angemessen übersetzen lassen, die man als Außenstehender also gar nicht richtig verstehen kann. Und das ist auch nicht weiter tragisch, denn dann kann man immer noch Staunen - und Lachen.

    Ist "Lost in Translation" in diesem Sinne zunächst vor allem eine intelligente Komödie über dieses merkwürdige ferne Land Japan, wandelt er sich langsam zu einem ernsthaften Portrait der besonderen Beziehung zwischen Bob und Charlotte. Fast unmerklich versteckt Coppola diese atmosphärische Kehrtwende geschickt in eben jener Karaoke-Szene, bei der man zuerst noch über den die Sex Pistols imitierenden Japaner lacht. Doch dann greift Bob zum Mikrofon und singt erst "(What's so funny about) Peace, Love and Understanding" und dann Roxy Music's sehnsüchtiges "More than this", und irgendwo dazwischen verlassen wir einen Film über Japan und betreten einen Film über zwei Menschen, die sehr ernsthaft über die Frage nachdenken, was es für sie tatsächlich noch geben kann. Der Ort, an dem alles anders ist, wandelt sich zu einem Ort, an dem alles anders sein kann, und für kurze Zeit genießen Bob und Charlotte die Sicherheit, die nur eine Reise fern der Heimat bieten kann. Wo man auf einen gänzlichen Fremden trifft und den Mut hat, sich diesem zu öffnen, eben weil er ein Fremder ist.

    Dass Sofia Coppola keine Freundin einfacher Lösungen ist, hat man schon deutlich an ihrem Erstling gesehen, als sie vom kollektiven Selbstmord von fünf wunderschönen, unschuldigen jungen Mädchen erzählte und fast konsequent jedes Motiv für die Tat verweigerte. Entsprechend bleibt bei ihr die besondere Beziehung zwischen Charlotte und Bob auch eine besondere Beziehung, die ihren Zauber zu keinem Zeitpunkt durch einen viel zu nahe liegenden Sprung in die Kiste verliert. Hier geht es um die Möglichkeit von Verständnis, Erfüllung, Glück, um das Versprechen von "more than this". Darum steht ihre Beziehung über einer profanen, physischen Ebene, und darum geht es den Zuschauer auch nichts an, was sich die beiden in ihrer letzten gemeinsamen Szene ins Ohr flüstern.

    Getragen von seinen zwei gnadenlos brillant agierenden Hauptdarstellern, Sofia Coppolas eigenen ausgiebigen Erfahrungen als Japan-Reisende und ihrem unglaublich ausgeprägten Sinn für Ästhetik (der ja schon "The Virgin Suicides" ausmachte) ist "Lost in Translation" ebenso komisch wie schmerzhaft ehrlich, ebenso schön wie faszinierend, und auch bei einem Starttermin am 8. Januar ganz sicher einer der besten Filme, die man dieses Jahr zu sehen bekommen kann.

    Quelle: Filmszene.de
    In einem Wort - GRANDIOS. Überall wird geschrieben, Bill Murray gäbe hier eine der besten wenn nicht DIE beste Leistung seiner Karriere ab ... die Journalisten haben recht damit. Man kann es kaum beschreiben, man muss es gesehen haben. Der Film ist einfach nur genial.

    Wer hier grossartige Story, Action oder eine geradlinige Komödie erwartet ist völlig falsch. Der Film erzählt einfach nur wie sich Charlotte und Bob kennenlernen und im fremden Tokio ihre Langeweile bekämpfen. Und doch ist der Film soviel mehr. Der Film ist langsam, aber nicht langweilig.

    Also ... unbedingt ansehen.

    WJ

  • #2
    OK, thanks, dann werd ich mir den mal notieren für meinen nächsten freien Abend Wenn ich dann mal etwas früher in die Federn komme, damit ich dann während des Films nicht einschlafe, wird ja auch heute mal wieder ne kürzere Nacht
    "All I ask is a small Ship and a Star to steer her by."

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    • #3
      Original geschrieben von WarpJunkie
      Wer hier grossartige Story, Action oder eine geradlinige Komödie erwartet ist völlig falsch. Der Film erzählt einfach nur wie sich Charlotte und Bob kennenlernen und im fremden Tokio ihre Langeweile bekämpfen.
      Dies ist im Prinzip eine nette Zusammenfassung der Geschichte und vielmehr passiert auch eigentlich nicht. So hat mich der Film dann auch etwas leer und verwirrt zurückgelassen, da die Charaktere in die gleiche Ausgangslage zurückkehren in der sie schon zu Beginn des Films waren. Sie dürfen nur mal für eine Woche aus ihrem Leben ausbrechen und es mit einer netten Person, für die sie eine gewissen Zuneigung und Freundschaft, vielleicht Liebe empfinden, verbringen. Leicht deprimierend.

      Von diesem Leeregefühl mal abgesehen, konnte der Film aber wirklich überzeugen. Das ganz Ambiente im Hotel und dieser verrückt schönen Stadt Tokio nehmen einen gefangen. Bill Murray zeigt eine geniale Leistung und sein Zusammenspiel mit der wahnsinnig süßen Scarlett Johannson macht wirklich Spaß. Die Beziehung der beiden entwickelt sich erfreulich kitschfrei in hübschen Dialogen und Szenen. Eingefangen in bezaubernden Bildern und unterlegt mit einem perfekt dazu passenden Soundtrack kann man sich entspannt zurücklehnen und den Film genießen.
      Für einen Euro durch die Spree, nächstes Jahr am Wiener See. - Treffen der Generationen 2013
      "Hey, you sass that hoopy Ford Prefect? There's a frood who really knows where his towel is." (Douglas Adams)

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      • #4
        Komm gerade aus dem Kino und bin schon sichtlich verwirrt
        Während des Films dachte ich stellenweise ´Na ja, so gut , wie der Film gehypt wird ist er ja nun auch nicht...´, aber als ich dann draussen war (und bin) denk ich mir ´Boahh, geiler Film!!´.

        Der Film lebt aber wirklich von seinen Beiden Hauptdarstellern, wobei ich sagen muss, das mich vor allem Scarlet Johannsen wirklich beeindruckt hat! Diese latente Anziehung zwischen den Beiden ist wirklich unglaublich. Das ganze angesiedelt im schillernden und farbenfrohen Tokio als unglaublichem Kontrast zwischen den Beiden und der Umwelt!

        Wer auf ruhige oder melancholisch angehauchte Filme steht sollte diesen wirklich nicht verpassen!
        "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
        "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

        Member der NO-Connection!!

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        • #5
          Ja, nun da der Film nen Golden Globe gewonnen hat, wird der vielleicht auch noch von mehr Leuten geguckt werden...verdient hat es der Film auf jeden Fall....
          "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
          "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

          Member der NO-Connection!!

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          • #6
            Hab den Film gerade gesehen, und eine Handlung sucht man vergebens. Aber dennoch oder gerade deswegen ist der Film sehr gut. Im Grund passiert den ganzen Film nichts, aber es ist nett anzuschauen und ich hab den ganzen Film ein Schmunzeln im Gesicht gehabt.
            Bill Murray ist aber das beste, er spielt seine Rolle sehr authentisch.
            Beeindrucked hat mich auch wie in manchen Scenen mit dem Sound gearbeitet wurde, so zum Beispiel als er nachts das Fax seiner Frau bekommt.

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            • #7
              Ich weiß nicht wieso, aber dieser Film hatte mir ziemlich gut gefallen. Es ist keine großartige Story, aber dennoch sehr teifsinnig. Ich finde den Film eifnach klasse und es ist endlich mal nicht typisch Hollywood
              "Indeed" Teal'C "Darth Vader"
              "Do or do not, there is no try" Yoda
              "Nur Pessimisten schmieden das Eisen, solange es heiß ist. Optimisten vertrauen darauf, daß es nicht erkaltet." Peter Bamm

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              • #8
                Ein wirklich toller Film. In erster Linie wird hier natürlich weniger eine Handlung erzählt, als vielmehr Stimmungen vermittelt und Charaktere gezeichnet. Dabei macht es einfach Spaß, die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere zu beobachten und ihren kitschfreien Dialogen zu lauschen.

                Ich finde es jedenfalls gut, dass auch junge Regisseure das Vermögen haben, ihre Geschichten auf eine unaufgeregt-langsame Weise zu erzählen.
                Mein Profil bei Last-FM:
                http://www.last.fm/user/LARG0/

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                • #9
                  Ein wahrlich traumhafter Film, sehr still. Wie schon erwähnt lebt dieses Machwerk von zwei Komponenten, den zwei Hauptdarstellern und den Bildern.

                  Irgendwie kann man sich sehr gut mit den beiden identifizieren, in einer völlig fremden Welt mit anderen Gewohnheiten, Sprachbarrieren usw.

                  Bill Murray als alternder, mürrischer Schauspieler ist einfach klasse. Ich empfehle daher auch unbedingt: Broken Flowers.
                  'To infinity and beyond!'

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                  • #10
                    toller film. einer der wenigen, wo man auch mal heulen darf. dabei ist er garnicht sentimental dargestellt. eine glaubhafte story mit einigen lustigen stellen. bill murray gibt sich gewohnt besonnen.
                    sqrt(x^2) = Frieden

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                    • #11
                      Wirklich nicht übel, hätte garnicht erwartet, dass er mit gefällt, schließlich war garnicht mit Explosionen zu rechnen . Nachdem der Film aber überall als wahnsinnig toll beschrieben wurde, habe ich ihn mir nun doch nagesehen und siehe da er ist es wirklich.

                      9/10
                      When I get sad, I stop being sad, and be AWESOME instead. True story.

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