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Der Baader Meinhof Komplex

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  • Der Baader Meinhof Komplex

    Deutschland in den 70ern. Die radikalisierten Kinder der Nazi-Generation, angeführt von Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), der ehemaligen Starkolumnistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) kämpfen gegen das, was sie als das neue Gesicht des Faschismus begreifen: Die nordamerikanische Politik in Vietnam, dem nahen Osten und der dritten Welt, unterstützt von den führenden Köpfen der deutschen Politik, Justiz und Industrie. Baader, Meinhof und Ensslin gründen die Rote-Armee-Fraktion und erklären der Bundesrepublik Deutschland den Krieg. Die Brutalität ihrer Terrorkampagnen eskaliert. Es gibt Tote und Verletzte. Der Mann, der ihre Taten zwar nicht billigt, aber dennoch versucht zu verstehen, ist auch ihr Jäger: Der Leiter des Bundeskriminalamtes Horst Herold (Bruno Ganz). Obwohl er große Fahndungserfolge verbucht, ist er sich bewusst, dass die Polizei allein die Spirale der Gewalt nicht aufhalten kann.

    Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger (DAS PARFUM – DIE GESCHICHTE EINES MÖRDERS, DER UNTERGANG) bringt für Constantin Film Stefan Austs Standardwerk über den RAF Terrorismus DER BAADER MEINHOF KOMPLEX auf die Kinoleinwand. Regisseur Uli Edel (LETZTE AUSFAHRT BROOKLYN, CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO) inszeniert die dramatischen Ereignisse, die von 1967 bis zum "Deutschen Herbst" 1977 die demokratischen Grundpfeiler der Bundesrepublik Deutschland ins Wanken brachten.
    Quelle: Der Baader Meinhof Komplex | film.de

    Das Konzept des Filmes geht meiner Meinung nach nicht ganz auf. Er funktioniert weder als Unterhaltungsfilm noch als Dokumentarfilm so richtig.

    Negativ fällt zunächst vor allem auf, dass man als jemand, der nicht so in neuester Geschichte bewandertert ist, so einige Probleme hat, der Handlung zu folgen. Für diese Leute büßt der Film einiges an Qualitäten ein. Meine Schwester wusste z.B. überhaupt nichts davon, wer dieser Schleyer war und was es mit dieser Flugzeugentführung in Mogadischu auf sich hatte. Der Film bombadiert den Zuschauer nur so mit Informationen, ohne dabei ins Detail zu gehen. Was damals wirklich alles passiert ist, lässt sich auf diese Weise nur schwer erahnen.
    Hinzu kommt die unglaublich große Anzahl an Figuren und Locations, die es dem Zuschauer manchmal sehr schwer macht, dem Geschehen zu folgen. Zum Beispiel wird sehr detailliert gezeigt, wie man dem Dutschke in den Kopf geschossen hat, obwohl das nicht wirklich etwas mit der Geschichte von Ulrike Meinhof und Andreas Baader zu tun hatte. Weniger wäre auch hier sicher mehr gewesen. Vielleicht hätte man besser einige historische Fakten herausgelassen und sich dafür mehr Zeit nehmen sollen, um sich dem Innenleben der Hauptfiguren (Meinhof, Baader, Ensslin) anzunähern.

    Aus dramaturgischer Sicht stört mich, dass der Film irgendwie "unrund" ist. Normalerweise hat ein Film einen Anfang und ein Ende, wobei am Ende meist inhaltlich auf irgendeine Art Bezug zum Anfang genommen wird. Zum Beispiel, indem man irgendein Motiv wieder aufgreift oder wenigstens die Hauptfigur zeigt. "Der Baader Meinhof Komplex" wirkt dagegen eher wie eine bloße Aneinanderreihung historischer Fakten. In der ersten Szene sieht man Ulrike Meinhof im Badeurlaub – die letzte Szene zeigt, wie Schleyer hingerichtet wird. Da gibt es irgendwie keinen Zusammenhang.

    Wirklich gelungen finde ich aber die realistische Darstellung der Gewalt. Man bekommt als Zuschauer ein gutes Gefühl dafür, was Terror und Gewalt eigentlich bedeutet. Man spürt z.B. richtig, wie die Knochen knacken, als die Schah-Sympathisanten mit ihren Knüppeln auf die Demonstranten losgehen. Oder die Szene, in der die Leibwache von dem Schleyer weggemäht wird … da wird nichts beschönigt.
    Am meisten unterhaltsamsten fand ich die Szenen über den Gerichtsprozess in Stammheim. Wie Meinhof-Baader-Ensslin den Richter als Arschloch bezeichnen und der Richter mit dieser Situation völlig überfordert ist … einfach köstlich. Mir ist in dieser Szene aufgefallen, dass man sich als Zuschauer ziemlich stark mit den „Helden“ des Films identifiziert und dem Richter am liebsten auch eine reinhauen möchte. Ob diese Reaktion so beabsichtigt war?
    Zuletzt geändert von Largo; 05.10.2008, 17:58.
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  • #2
    Mir war der Film - von stilistischen Mängeln abgesehen - einfach etwas zu vereinfachenden. Am Anfang sah das ja noch so aus, als würde der Film diofferenziert auf die Hintergründe der Täter eingehen. Am Ende des Films war aber nichts mehr davon übrig.
    Irgendwo auch kein Wunder, wenn da in 15 Minuten zwei Generationen RAF abgehandelt werden. Ich behaupte mal von mir, mich etwas in neuerer deutscher Geschichte auszukennen, aber selbst für mich waren das am Ende zu viele Gesichter. Dabei ging dann die Charakterisierung selbiger völlig den bach runter. Dabei wäre es sehr interessant gewesen zu erfahren, warum die so gehandelt haben, wie sie gehandelt haben. Auch die anfänglichen Beweggründe von Baader und Ensslin wurden nur sehr grob beleuchtet. Einzig bei Meinhof hat der Film fast alles richtig gemacht.

    Letztlich muss ich einfach sagen, dass der Film sich da zu viel vorgenommen hat. Da wurde ein zu großes Stück deutscher Geschichte behandelt. Und das ist nämlich das Hauptproblem: die Geschichte wurde nur abgefrühstückt. Charakterisierung von Opfern und Täter, differenzierte, behutsame Darstellung der damaligen Zeit usw. blieb alles auf der Strecke. Hängen blieben nur ein paar "cool" Sprüche von Bleibtreu "Was'n das für eine scheiß bourgeoise Fragestellung, eh? Mir machen das, und wenn wir dabei draufgehen."
    Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
    Makes perfect sense.

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    • #3
      Ich bin auch der Meinung, dass man mit dem Baader Meinhof Komplex zu viel wollte in einen gut 2 Stunden langen Film. Im Grunde wirkt das ganze wirklich "nur" wie eine aneinanderreihung der wichtigsten Stationen in der Reihe zur Gründung der RAF - Benno Ohnesorf erschossen - check, 68er Stundenrevolten - check, Rudi Dutschke in den Kpf geschossen - check; Ausbildung im Terrorcamp - check, Stammheimprozess - check, usw...
      Das wird dann noch vermischt mit einigen Charakterszenen, die aber nicht immer wirklich funktionieren wollen. Gerade die Motivation der "Hauptgruppe" bleibt einem auch nach dem Ansehen mehr oder weniger ein Rätsel. Ulrike Meinhof ist wohl noch die einzige, bei der man es nachvollziehen kann - vom Leben enttäuscht findet sie in der RAF so etwas wie ein neues Lebensziel, wird aber auch später von den anderen hintergangen. Andreas Baader ist eh nur durchgeknallt, für ihn ist alles ein großes Spiel. Und Gudrun Enslin ist die brave Pastorentochter, die einfach mal Revoluzzer spielen will.
      Und die zweite und dritte Generation (Mohnhaupt, Klar und Co.) brauchte man halt, damit man den Deutschen Herbst als Höhepunkt mit hineinbringen konnte, aber bei denen bleibt die Motivation vollends im dunklen - der einzige in deren Reihen ist noch der Anwalt, den ich sogar gut verstehen kann, immerhin lassen die Gefängniswachen seinen Mandanten wirklich eiskalt, man muss es so sagen, krepieren.

      Das führt auch zum Bild des Staates, der eigentlich immer nur als uniforme Masse in Erscheinung tritt, mit gleichgültig agierenen Vollstreckern der Staatsmacht - ganz klar im Gegensatz zu der bunt gemischten RAF-Truppe. Einzig Bruno Ganz darf als BND Mitarbeiter in einer Szene mal so einen Ansatz von Verstehenwollen äußern, ansonsten bekommen wir die Gegenseite gar nicht zu gesicht. Hier hätte zB ein Gespräch unter Polizeibeamten gereicht, die Angst davor haben, von der RAF getötet zu werden. So bleibt die Sympathie dorch leider zu stark auf den Leuten der RAF hängen.

      Ach ja, der Stammheimprozess muss damals aber wirklich ziemlich schlecht strukturiert gewesen sein, so viel wie man da Baader, Enslin und Co. hat durchgehen lassen - das ist etwas, was ich nicht nachvollziehen konnte. Der Vorsitzende Richter war auf jeden Fall total überfordert mit der Situation...

      Also als Fazit:
      Ein Film der zu viel in zu kurzer Zeit will und dabei viele Themen nur streift und sich schon den Vorwurf der einseitigkeit gefallen lassen muss...

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      • #4
        Also für alle, die dieses Thema damals miterlebt haben (ich selbst habe nur noch die letzten Ausläufer bewußt mitbekommen) muß dieser Film sehr oberflächlich erscheinen.
        Ich denke allerdings, daß die Geschichte der RAF viel zu vielschichtig und kompliziert ist, um in einem solch "kurzen" Film angemessen bearbeitet werden zu können.
        Für die nachfolgende Generation, die die RAF nur noch aus Geschichtsbüchern kennt, ist der Film aber immerhin ein kleiner Einblick in die Thematik und macht vielleicht Interesse, dieses Teil deutscher Geschichte mal genauer zu betrachten.
        Am Firmament der Greifer gleitet, durch Feld und Wald sein Herrscher schreitet. Sein Herrscher? Nun so scheint es wohl.
        Die Freiheit ists, die beide lieben, doch nur der Vogel kann sie fliegen. So reist in seinem Geiste mit: Der Falkner.

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        • #5
          In einem anderen Forum wurde von einem User die Problematik angesprochen, die solche Filme über jüngere Geschichte mitbringen, wenn sie die Dinge nicht inhaltlich besonders präzise darstellen. Ist nun tatsächlich eingetroffen:

          Streit um ''Baader-Meinhof-Komplex'' - ''In geschmacklosester Weise'' - Kultur - sueddeutsche.de

          Ich habe den Film zwar noch nicht gesehen (Vermtl. nächste Woche), kann das aber schon nachvollziehen. Womöglich hätte man hier die Angehörigen der Opfer stärker in den Produktionsprozess miteinbeziehen sollen.
          Flassbeck Economics | Keynes-Gesellschaft | Steve Keen's Debtwatch

          "It is better to die for an idea that will live, than to live for an idea that will die." - Steve Biko

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          • #6
            Ich habe den Film letzte Woche gesehen, und mir hat er sehr gut gefallen. Zwar muss ich Largo recht geben, dass man der Handlung teilweise nur noch schwer folgen kann, allerdings sind solche geschichtlichen Vorgänge auch sehr komplex, mit vielen Faktoren die dort hineinspielen, und das hat der Film meiner Meinung nach gut zeigen können.

            Ich finde auch die Darstellung beider Seiten nicht wirklich einseitig. Die Mitglieder der RAF werden sowohl menschlich als auch unmenschlich gezeigt, ebenso die Staatsmacht. Fand ich ganz okay so. Zumal das Anliegen des Filmes imho auch nicht war, eine detaillierte psychologische Analyse von Tätern und ihren Gegnern durchzuführen (dazu gibt es glaube ich auch schon einige Filme), sondern eben die Geschehnisse der Zeit im Sinne einer noch relativ unterhaltsamen Chronik wieder zu geben. Fand ich persönlich ziemlich gelungen.


            Zum von SF-Junky verlinkten Artikel: nach zweimaligem Lesen konnte ich ehrlich gesagt noch nicht richtig erkennen, was hier kritisiert wird. Liest sich für mich nach "wir hassen die RAF (was man aus ihrer Perspektive natürlich verstehen kann), also ist auch alles was von ihr gezeigt wird automatisch menschenunwürdig und geschmacklos". Naja, so richtig begründet, was warum geschmacklos sein soll, wird dort nicht.

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            • #7
              Zitat von T`Pau Beitrag anzeigen
              Also für alle, die dieses Thema damals miterlebt haben (ich selbst habe nur noch die letzten Ausläufer bewußt mitbekommen) muß dieser Film sehr oberflächlich erscheinen. ...

              Ich als Ossi weiß ehrlich gesagt nicht was ihr Wessis mit dieser RAF immer habt. Aber ok, die RAF ist eben keine gemeinsam erlebte Geschichte, sie ist eben BRD-Geschichte.

              Für mich wars daher nur ein Film. Und dieser Film wollte ein Blockbuster werden und hat das wie so viele deutsche Filme nicht geschafft. Dazu trägt schon dieser Overkill von Personen bei. Hier wird geknallt, dort gebombt und dort gehungert. Zehn Jahre und hunderte Personen spielen mit, manche nur wenige Film-Sekunden. Hier wäre weniger wirklich mehr gewesen.

              Also insgesamt viel Action, viel cooles Gelaber und sehr, sehr viel Überladung mit Charakteren und Ereignissen.

              Als Geschichtsfilm aber vollkommen nutzlos.



              Ein kleines Land kann nicht mit einem großen wetteifern, wenige nicht mit vielen; die Schwachen nicht mit den Starken.

              - Mencius

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              • #8
                Zitat von Elemmir Beitrag anzeigen
                Zum von SF-Junky verlinkten Artikel: nach zweimaligem Lesen konnte ich ehrlich gesagt noch nicht richtig erkennen, was hier kritisiert wird. Liest sich für mich nach "wir hassen die RAF (was man aus ihrer Perspektive natürlich verstehen kann), also ist auch alles was von ihr gezeigt wird automatisch menschenunwürdig und geschmacklos". Naja, so richtig begründet, was warum geschmacklos sein soll, wird dort nicht.
                Soweit ich es verstanden habe, geht es den Leute darum, dass man in dem Film dramaturgisch hochgebrezelt inszeniert sehen kann, wie ihr Ehemann/Vater ermordet wird, und das obwohl obendrein noch nicht mal sicher ist, ob es überhaupt so passiert ist, wie dargestellt. Ob das stimmt oder nicht, kann ich hier jetzt nicht beurteilen - aber vielleicht tut sich ja einer unserer forumseigenen Historiker den Streifen bald an bzw. hat das schon getan und klärt uns darüber auf.

                Wie auch immer, ich würde sowas glaube ich auch nicht so toll finden.
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                • #9
                  Zitat von Souvreign Beitrag anzeigen
                  Das führt auch zum Bild des Staates, der eigentlich immer nur als uniforme Masse in Erscheinung tritt, mit gleichgültig agierenen Vollstreckern der Staatsmacht - ganz klar im Gegensatz zu der bunt gemischten RAF-Truppe. Einzig Bruno Ganz darf als BND Mitarbeiter in einer Szene mal so einen Ansatz von Verstehenwollen äußern, ansonsten bekommen wir die Gegenseite gar nicht zu gesicht. Hier hätte zB ein Gespräch unter Polizeibeamten gereicht, die Angst davor haben, von der RAF getötet zu werden.
                  Da bin ich anderer Meinung. Die Versuchung ist immer da, von allem so viel wie möglich zu zeigen: trauernde Opfer, ängstliche Polizisten, überforderte Politiker usw. Aber wenn man zu viele Perspektiven zu berücksichtigen versucht, dann besteht die Gefahr, oberflächlich zu werden. Ich bin der Meinung, der Film hätte davon profitiert, wenn man die Geschichte ausschließlich aus der Sicht der drei Hauptprotagonisten erzählt hätte. Die Macher wären aus meiner Sicht gut beraten gewesen, die Szenen mit Horst Herold, Rudi Dutschke, dem Attentäter vom Dutschke, der Sekretärin vom Hitler oder der dritten RAF-Generation herauszulassen, um dafür mehr Zeit zu haben, sich mit dem Seelenleben von Baader/Meinhof/Ensslin zu beschäftigen. Mit den anderen Aspekten (der politischen Ebene, der Polizeiarbeit, den Opfern) hätte man sich ja im Rahmen anderer Projekte beschäftigen können. Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass es nur einen einzigen Film über die RAF-Zeit geben darf. Man muss nicht alles in einen Film reinpacken.

                  Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                  S... aber vielleicht tut sich ja einer unserer forumseigenen Historiker den Streifen bald an bzw. hat das schon getan und klärt uns darüber auf.
                  Gut, dass Du es ansprichst. Ich bin auch schon sehr gespannt über seine Meinung.
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                  • #10
                    Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                    Zum von SF-Junky verlinkten Artikel: nach zweimaligem Lesen konnte ich ehrlich gesagt noch nicht richtig erkennen, was hier kritisiert wird. Liest sich für mich nach "wir hassen die RAF (was man aus ihrer Perspektive natürlich verstehen kann), also ist auch alles was von ihr gezeigt wird automatisch menschenunwürdig und geschmacklos". Naja, so richtig begründet, was warum geschmacklos sein soll, wird dort nicht.
                    In der Welt gab es ein Interview mit der Tochter des Ermordeten zur Thematik:
                    WELT DEBATTE - Weblogs - Sex, Macht und Politik - Mainstream Report von Bettina Röhl - Der RAF-Film verletzt die Menschenwürde

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                    • #11
                      Naja, wenn man sich das Interview duchrliest, dann sehe ich zumindest stellenweise ein etwas eigenartiges Verständnis von Pressefreiheit u.ä. durchschimmern.

                      Ja, es ist richtig, dass der Film einseitig ist, seine Gewalt zelebriert und den Tätern mehr Zeit widmet als den Opfern. Aber das ist nunmal Thema des Films. Andere Filme konzentieren sich auf die Opfer, dieser nicht - wobei er den Job ja leider nicht sehr gut macht.
                      Die Ermordung Pontos mag historisch nicht korrekt sein und filmisch ihre Schnitzer haben, aber so graumsam, wie hier behauptet wird, finde ich sie IMO nicht. Wobei das als Unbeteiligter etwas schwer zu bewerten. Jedoch finde ich es etwas... naja, fast lächerlich sein Bundesverdienstkreuz wegen einem Film eines Bernd Eichingers zurückzugeben. Eine klare Überreaktion, die auch gar nichts mit dem Film zu tun hat.

                      Was allerdings wirklich schlimm und enorm schlechter Stil der Filmemacher ist, dass die Angehörigen der Opfer nicht vorher über den Film, seine Inhalte informiert worden sind und den Film nicht sehen konnten, bevor dies der breiten Öffentlichkeit möglich war. Hier hätte man wirklich mehr Taktgefühl zeigen sollen.
                      Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
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                      • #12
                        Zitat von Harmakhis Beitrag anzeigen
                        Jedoch finde ich es etwas... naja, fast lächerlich sein Bundesverdienstkreuz wegen einem Film eines Bernd Eichingers zurückzugeben. Eine klare Überreaktion, die auch gar nichts mit dem Film zu tun hat.
                        Ich habe den Film zwar noch nicht gesehen (aber wird in den nächsten Tagen passieren) aber ich denke das muss man ein bisschen differenzierter betrachten. Es ist schon ein grober Unterschied ob man seinen Vater/Ehemann verloren hat oder ob man in diesem speziellen Fall ein "Außenseiter" ist. Wie würdest du es finden wenn man deinen Vater/Ehemann/Ehefrau in einer vielleicht zurecht sinnlosen Szene in einem Film ermordet, die wahrscheinlcih nicht annähernd der Wahrheit entspricht. Also ich kann es mir ja nicht vorstellen, aber ich denke das ist sicherlich ein schwerer Schock für die engsten Angehörigen des Opfers.
                        Die Zeit ist das Feuer in dem wir verbrennen.

                        Ich war Teil der Lösung - und mein größtes Problem.

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                        • #13
                          Naja, die Frage ist doch aber auch wie man es hätte sonst machen sollen. Wenn man die Ermordung Ponto's gar nicht gezeigt hätte, hätte es gewirkt als sei dieser Fakt vollkommen unwichtig. Und zur historischen Genauigkeit: ich bin kein RAF-Experte, aber soweit ich weiß ist der tatsächliche Tathergang noch unbekannt, dass heißt, bis auf diejenigen die ihn umgebracht haben weiß niemand wie es wirklich gewesen ist. Selbst die Ehefrau von Ponto war ja dem Interview nach nicht im selben Raum. Von daher ist es schon schwer, sich hier an die Fakten zu halten, wenn niemand die Fakten kennt.

                          Zitat von Harmakhis Beitrag anzeigen
                          Was allerdings wirklich schlimm und enorm schlechter Stil der Filmemacher ist, dass die Angehörigen der Opfer nicht vorher über den Film, seine Inhalte informiert worden sind und den Film nicht sehen konnten, bevor dies der breiten Öffentlichkeit möglich war. Hier hätte man wirklich mehr Taktgefühl zeigen sollen.
                          Volle Zustimmung, das hätte man selbstverständlich tun sollen.

                          Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                          Die Macher wären aus meiner Sicht gut beraten gewesen, die Szenen mit Horst Herold, Rudi Dutschke, dem Attentäter vom Dutschke, der Sekretärin vom Hitler oder der dritten RAF-Generation herauszulassen, um dafür mehr Zeit zu haben, sich mit dem Seelenleben von Baader/Meinhof/Ensslin zu beschäftigen.
                          Naja, das kann man so nicht sagen, denke ich. Grade bei so einem Phänomen wie der RAF, dass ja seine Wurzeln auch und gerade in der jeweiligen Zeit und den Vorkommnissen in dieser Epoche hatte, sollte man Ursachen und Anlässe schon zeigen. Wenn man dies nicht zeigt, wird der Film gerade als "Geschichtsfilm" im weitesten Sinne, eher schlechter.

                          Mit den anderen Aspekten (der politischen Ebene, der Polizeiarbeit, den Opfern) hätte man sich ja im Rahmen anderer Projekte beschäftigen können. Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass es nur einen einzigen Film über die RAF-Zeit geben darf. Man muss nicht alles in einen Film reinpacken.
                          Ach, es gibt ja schon unzählige Filme über die RAF, zum Beispiel "Baader", "Stammheim", "Deutschland im Herbst" und weitere. Die sind zum Teil auch wesentlich spezifischer in dem was sie zeigen. Von daher finde ich schon, dass der "Baader Meinhof Komplex" mit einer Art großen Rundschau der Jahre 1967 - 77 seine Nische gefunden hat.

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                          • #14
                            Ich empfand den Film als absolut verkrampft in der Suche danach, epochal wirken zu wollen. War jedenfalls mein Eindruck.
                            Eichinger hat hier IMO sich allzusehr auf Effekthascherei konzentriert, anstelle sich sachlich und abgeklärt diesem ganzen Thema zu nähern.
                            Schade eigentlich, so genial das Bühnenbild des Gerichtssaals in Stammheim war (IMO war das Originalschauplatz), so schlecht war halt der Inhalt des Filmes. Der Saal spiegelt genau die Sachlichkeit und Kühle wieder, welche ich in der Betrachtungsweise der Ereignisse vermisse.
                            "Education is the most powerful weapon which you can use to change the world."Nelson Mandela
                            DEUTSCHE AIDS-HILFE-DRK
                            ÄRZTE OHNE GRENZEN-AMNESTY INTERNATIONAL DEUTSCHLAND

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                            • #15
                              So, ich hab mir gestern am Abend mit einem Freund den Streifen angesehen u. ich muss sagen mir hat er relativ gut gefallen. Mein Bekannter hatte absolut keine Ahnung vom Film, deshalb hab ich ihm vorher ein kleines Manuskript gegeben, damit er ungefähr weiß was in dem Film abgeht. Und was soll ich sagen: Nachdem dieser Unwissende das Skript u. den Film gesehen hat war der total begeistert bzw. geschockt was die RAF damals aufgeführt hat. Ich für meinen Teil konnt mich aber auch sehr gut mit dem Film unterhalten. In so einen Film der mehr oder weniger eine ganze Epoche zeigt sollte man sowieso nicht ohne Vorwissen rein gehen, weil er dann doch sehr verwirrend sein kann.

                              Für mich persölnich war es ein wirklich gelungenes Spektalek in der der geschichtliche Hintergrund mMn nicht auf der Strecke blieb (Kulissen usw.). Wer sich für jüngere Geschichte interessiert muss das sehen.
                              Die Zeit ist das Feuer in dem wir verbrennen.

                              Ich war Teil der Lösung - und mein größtes Problem.

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