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Briefe eines Toten

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  • Briefe eines Toten

    Er galt seiner (1986) als sowjetische Antwort auf den amerikanischen Film The Day After und den britischen Film Threads:

    briefe eines toten - Google-Suche

    Jahrelang habe ich Informationen über diesen Film nur aus zweiter Hand erhalten, und Bilder gesehen, die aus dem Film stammen sollten, wie diese hier:

    "Briefe eines Toten" - Google-Suche

    Briefe eines Toten - Über diesen Film - Film - Cinema.de

    die z.T. sehr schockierend wirkten. Dadurch hatte dieser Film bei mir eine gewisse Dämonisierung erfahren. Nun aber ist es mir endlich möglich gewesen, den Film auf youtube (siehe Link oben) anzusehen, und ich muss sagen, der ist viel harmloser als ich immer gedacht hatte, auch als The Day After oder Threads.

    So versprüht der Sepia-Farbton (teilweise auch blau) eine Form von Unrealismus und Unechtheit, im Gegensatz zu o.g. Bildern, deren Horrorwirkung nicht zuletzt durch die Echtfarben bedingt ist (besonders die Gruppe von Kindern, die in Strahlenschutzkleidung durch eine Einöde wandert), zudem wird überhaupt nicht Bezug darauf genommen, in welchem Land und in welcher Stadt die Szenen spielen. Da es sich um einen russischen Film handelt, liegt es nahe, dass er in Russland spielt, in den Szenen findet sich aber nichts was darauf hindeutet.

    Auf diese Weise wirkt der Film eher wie ein Brechtsches Theaterstück: Bertold Brecht war stets darauf bedacht, dass sich die Zuschauer nicht emotional in seine Stücke hinversetzen, sondern es rational und analytisch aus der Distanz betrachten, ein von Brecht hierzu benutztes Stilmittel war, die Handlung in einer fremden Kultur (z.B. "Der gute Mensch von Sezuan" in China) spielen zu lassen, um dem Zuschauer möglichst wenig Identifikationsmöglichkeiten zu geben.

    Verstärkt wird dieser Eindruck durch unrealistisch anmutende Handlungselemente: so erinnert sich der Professor (die Hauptfigur) daran, wie er, als der Krieg ausbrach, in der Kommandozentrale den diensthabenden Offizier hörte, wie dieser versuchte, den durch einen Computerfehler ausgelösten Abschuss der Atomraketen zu stoppen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass in einem realen Land, sei es nun die Sowjetunion oder ein anderes, ein Mann wie der Professor etwas in der Kommandozentrale der Raketenstreitkräfte verloren hätte.
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