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American Sniper

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    Von Clint Eastwood bin ich normalerweise andere, kritischere Filme gewohnt. Wer "Flags of our Fathers" & "Letters from Iwo Jima" kennt weiß, dass man Kriegsthemen auch differenzierter betrachten kann. Aus diesem Grund sind diese Filme imho auch Meisterwerke des Genres. Der neue Film von Eastwood kommt einem wie ein Werbefilm der US-Marines bzw. Navy Seals vor und verklärt mit falschem Heldentum und Patriotismus den Irakkrieg und lässt die wahren Hintergründe dieses Krieges - völkerrechtswidriger Angriffskrieg mit Hunderttausenden von Toten - im Dunkeln. Die Gegner (zumeist vermummt!) bleiben blass, einseitig und müssen als gesichtsloses Kanonenfutter der Amerikaner herhalten. Zu allem Überfluss werden diese noch als grausame Bestien dargestellt. Diese Schwarz-Weiß-Malerei (Amis gut - Muslims böse) nervt dann auch in der gesamten Länge des Films.

    Die Figur des Chris Kyle bleibt mehr oder weniger blass und man hat den Eindruck, hier einen typischen Rassisten vor sich zu haben. Er entstammt eine typischen weißen, rechten, republikanischen Familie, wo der autoritäre Vater als Sir angeredet wird. Der US-Waffenkult und das Sternenbanner werden zelebriert. Später kommen die Anschläge auf die US-Botschaften. Kyle tritt den Navy Seals bei. Warum eigentlich? Bringt Rodeo-Reiten nicht mehr den gewissen Kick? Schließlich muss der 11. September als Auslöser für den Irakkrieg herhalten. Schon mal was von Geschichtsrevisionismus gehört Mr. Eastwood?

    Dass der Irak aufgrund einer Lüge von den Amerikanern überfallen wird, wird verschwiegen. Und so manipuliert auch der weitere Handlungsverlauf den Zuschauer. In Falludscha und Umgebung findet man überwiegend Terroristen, die sich den Amerikanern in den Weg stellen. Als Alibiargument für das Töten von Zivilisten schmerzt die Behauptung, dass alle Zivilisten, die nichts mit Al-Kaida & Co. zu tun haben, die Stadt schon verlassen hätten und nur Kollaborateure des Terrors und Mitläufer geblieben sind. Man ist sich auch nicht zu schade, ein Kind und eine Frau zu Beginn des Films zu erschießen, die sich der Besatzungsmacht mit einer Granate entgegenstellen. Schließlich paktieren diese mit dem Feind! Die Story um den Gegenspieler unseres "Helden", der die tapferen Amerikaner um die Ecke bringt, verkommt dann auch als für die Handlung sinnlose Dreingabe.

    Als einzig positives am Film sehen ich den Umstand, dass es Eastwood gelungen ist, die seelische Veränderung der Figur des Kyle, aufgrund der Schrecken des Krieges, mehr oder weniger glaubhaft darzustellen. Trotzdem kommt man bei nüchterner Betrachtungsweise nicht umhin, in Chris Kyle nicht den stilisierten Helden, sondern einen erbarmungslosen Killer zu sehen.

    Der kitschig, patriotische Schluss, mit den Realszenen des Heldenbegräbnis, hätte er sich allerdings sparen können.

    So ist der Film für mich nur ein typischer Propagandafilm, der zwar spannend ist, leider aber kein Raum für Kritik an der amerikanischen Außenpolitik (Pro-Irakkrieg) bzw. an der zu Recht umstrittenen Figur des Chris Kyle zulässt.

    *** 3 Sterne
    Zuletzt geändert von Astrofan80; 09.12.2015, 16:00.
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