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[Deck 47] Crewquartier von Nerissa Valéry

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  • [Deck 47] Crewquartier von Nerissa Valéry

    Lieutenant Valérys Quartier entspricht dem Standart-Habitat für Offiziere auf Sternenbasis 247. Ein zentraler Wohnbereich wird durch einen Schlafraum und eine Nasszelle ergänzt.

    Es gibt einen großen Spiegel.




    [09.12.2380; 16:22]

    Sie blieb in der Tür stehen und betrachtete den Raum.
    Nichts.
    Nichts.
    Nichts.
    Sternenflotten-Habitat-Pattern 25/B-2: Offiziersquartier.
    Nichts.
    Nerissa trat in den Raum. Warf ihre Tasche auf das Bett. Setze sich daneben und stütze das Gesicht in die Hände.
    Nichts.
    Kein Schluchzen. Kein Seufzen. Ihr Schmerz war schon lange über sicht- und hörbare Zeichen hinaus.
    Einen Augenblick dachte sie darüber nach, Licht zu machen. Entschied sich aber dagegen. Die Finsternis tat ihr gut. Sie erinnerte sich einer Zeile aus einem uralten Stück: 'Wenn's so recht schwarz wird um mich herum, hab' ich meine besten Besuche.'
    Und auch ich, dachte Nerissa, denn im Dunkel erscheint mir das Schwarz meiner Seele nicht mehr so tief.
    Sie griff in ihre Tasche, wog das Hypospray einen Augenblick in der Hand - und legte es dann wieder zurück.
    Nein!, bellte es in Nerissas Verstand. Nein! Nein, sag ich!
    Aber ihr Körper verlangte danach.
    Ein kleines zischendes Geräusch im Dunkel.
    Sonst nichts.
    Nichts.
    Zuletzt geändert von Evi Kerzel; 27.03.2009, 19:09.

  • #2
    [09.12.2380; 21:08]

    "So da sind wir, Lieutenant Valéry", Mira grinste.
    "Ich hätte mein Quartier niemals wiedergefunden... möglicherweise hätte ich den Computer um Hilfe anflehen müssen!"
    "Ganz bestimmt sogar..." Die Inderin schüttelte den Kopf und setze eine zerknirschte Miene auf - die allerdings nicht sehr überzeugend war - ebenso wenig, wie ihr tadelnder Tonfall: "Das wirkt sich nämlich sehr negativ auf die Karriere aus... Offiziere, die ohne fremde Hilfe Ihr Quartier nicht finden. Das ist übel."
    "Nicht wahr?", sagte Nerissa und klopfte gegen die Tür. "Aber Sie haben mich gerettet, Ensign."
    "Ich kann noch mehr für Sie tun."
    Nerissa blinzelte nervös: "Was sagten Sie gerade?"
    "Nichts."
    "Sind Sie sich ganz sicher?"
    Mira nickte. Dann wurde ihr Gesichtsausdruck besorgt: "Geht es Ihnen nicht gut?"
    "Doch, doch - wohl die Aufregung des Tages...", Nerissa betätigte den Summer. Die Tür öffnete sich.
    "Dann schlafen Sie gut", sagte Mira und blieb stehen.
    "Sie auch", erwiderte Nerissa und blieb stehen.
    Sie blieben stehen, eine lange Weile vor der geöffneten Tür. Ein merkwürdiges Bild gaben sie wohl ab, stehend und wartend. Schließlich sagte Mira: "Ist ganz dunkel da drin."
    "Muss man Licht machen", erst jetzt bemerkte Nerissa, dass die Inderin gar nicht den Raum gemeint hatte - nicht nur jedenfalls.
    "Vielleicht...", setze Nerissa an und verstummte wieder.
    "Vielleicht erzähle ich Ihnen, von Ihrer Mannschaft? Sie haben die Akten zwar gelesen, doch da steht ja nicht alles drin."
    Nerissa musste unwillkürlich düster lächeln: "Das ist wahr. Wir sind mehr, als einige Quods an Daten..." Nerissa nickte dann und sagte: "Kommen Sie rein."
    Während sich die Tür schloss, fragte Mira: "Haben Sie eine Haarbürste?"

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    • #3
      [09.12.2380; 21:20]

      Mira saß auf Nerissas Bett und hatte die Knie an Kinn gezogen. Die Inderin lächelte, als ihre Vorgesetze aus dem Bad trat. „Sternenflotten-Standartunterwäsche“, diagnostizierte Mira, um dann sehr ernst hinzuzufügen: „Ich hätte Ihnen aber mehr Stil zugetraut, Madam.“

      Nerissa zog am Saum des grauen Hemds: „Na, na Ensign. Werden Sie mal nicht frech. Sie beleidigen nicht nur Ihren vorgesetzten Offizier, sondern auch die Flottenschneiderei. Und diese Leute sind gefährlich – die wissen nämlich, wie man mit einer Schere umgeht.“

      „Verzeihung, Madam!“, rief Mira mit schlecht gespielter Erschrockenheit.

      „Ich verzeihe Ihnen...“, Nerissa setzte sich neben den Ensign, „... diesmal.“

      „Ich werde Sie nicht wieder enttäuschen.“ Es gab ein kurzes Schweigen. Mira fand, dass es in Nerissas Quartier besser roch, als in allen anderen. „Danke für die Bürste“, sie reichte sie an Nerissa zurück.

      „Sie haben schönes Haar“, sagte Nerissa und wollte es berühren, aber Mira neigte den Kopf zur Seite: „Bitte nicht. Niemand darf mein Haar anfassen. Entschuldigen Sie.“

      „Da gibt es nichts zu entschuldigen.“

      Mira schwieg und lächelte. Ihre Zähne blitzen zwischen den zart gezeichneten Lippen hervor.

      „Madam“, sagte sie schließlich, „ich würde es mir sehr wünschen.“

      „Wovon sprechen Sie?“, fragte Nerissa.

      „Das wissen Sie, Nerissa“, Mira drehte sich langsam zu ihrer Vorgesetzten herum: „Bitte. Es wird schön. Sie brauchen keine Angst zu haben.“

      Nerissa schluckte: „Ich habe keine Angst.“

      Darauf lachte Mira sanft und streichelte die Wange der anderen Frau: „Wir alle haben doch Angst. Das ist unsere Existenz. Und irgendwann schauen wir zurück und sehen, dass wir noch leben... wegen der Angst oder trotz ihr?“

      Mira rutschte näher. Ihre Hand bewegte sich: „Ich will es. Und Sie wollen auch...“

      „Nein. Ich... ich...“

      „Keiner wird es erfahren. Da sind nur Sie und ich“, Mira biss sich auf die Unterlippe. „Es wird Zeit. Das wissen Sie. Tun Sie es“, sie zog ihre Hand zurück. Das PADD aus der Reisetasche hielt sie Nerissa hin: „Lesen Sie mir vor. Lesen Sie laut, was Sie geschrieben haben. Das wird Ihnen helfen.“

      Nerissa betrachtete das PADD dann Mira: „Es wird Ihnen nicht gefallen.“

      „Mir gefällt, wenn Sie lesen. Also kann es mir nur dann nicht gefallen, wenn Sie sich weigern zu lesen.“

      „Ihre Logik ist entwaffnend. Da Sie sonst keine Ruhe geben werden... nehmen Sie sich lieber ein Kissen – das können Sie drücken, wenn es zu schlimm wird.“

      Und Nerissa las.

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