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[Buchbesprechung] Stanislaw Lem - Solaris

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  • [Buchbesprechung] Stanislaw Lem - Solaris

    Der Planet Solaris ist von einem zähflüssigen Ozean bedeckt - ein Ozean, der in den Träumen der Wissenschaftler von der Erde ließt und diese Träume Wirklichkeit werden lässt.
    Mir hat das Buch gefallen, da die Geschichte wirklich fesselnd ist. Die Spannung wird größtenteils dadurch erzeugt, dass dem Leser keine Antworten, geliefert werden, sondern dass diese unerklärlichen Phänomene einfach da sind. Jeder kann sich seine eigene Theorie zusammenstellen. Es geht um ein Rätsel, bei dem die Menschheit gescheitert ist. Der Ozean ist jedenfalls lebendig, jedoch konnte nie ein Kontakt hergestellt werden. Ganze Wissenschaftlergenerationen haben den Planeten studiert, aber immernoch sind die meisten Rätsel nicht gelöst. Die Geschichte ist geprägt durch Resignation, was ich aber teilweiße deprimierend fand. Auch der Protagonist (es ist übrigens in der Ich-Form geschrieben) strotzt nicht gerade vor Ehrgeiz. Als er auf der Station ankommt, und vom Tod seines Kollegen erfährt, hätte ich mir eigentlich erwartet, dass dies gleich der Erde gemeldet wird, aber ich bekam den Eindruck, dass das ganze Unternehmen schon ein bisschen ziellos war.
    Teilweiße war mir die Ausdrucksweiße auch ein bisschen zu abgehoben oder ungewohnt, aber nicht schlecht.

    Ich würde es als "Sehr gut" bewerten.
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    Gut
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  • #2
    Wie findet ihr dieses Buch?

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    "Archäologie ist nicht das, was sie glauben. Noch nie hat ein X irgendwo, irgendwann einen bedeutenden Punkt markiert."

    „And so the lion fell in love with the lamb“

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    • #3
      Habe nur den Film gesehen ...

      Ich wollte mir das Buch vor einiger Zeit schon kaufen, jedoch hab ich es nicht gefunden - und bei Amazon wollt ich damals nicht bestellen. Mal schaun ob ich es diesmal in der Stadt finde.

      Wenn das Buch und Film in etwa gleich sind, dann bin ich sicher, dass mir das Buch gefallen wird.

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      • #4
        Solaris ist vielleicht das beste Buch, was ich jemals gelesen habe.

        Faszinierend auf wievielen Ebenen Lem hier arbeitet:

        - die Psyche der Wissenschaftler, in Kombination mit Schuld und Verdängung
        - die Beschreibungen des Ozeans, welche faszinieren, aber kein schlüssiges Bild ergeben
        - die Unfähigkeit der Menschen, vollkommene Fremdartigkeit zu verstehen
        - das Ende des Werkes lässt einen absolut ratlos zurück, kein Mensch begreift die Aktionen des Ozean
        - das Buch lässt sich auf unzählige Arten lesen und deuten

        ...und ein netter Seitenhieb (selten in der SF) auf die Wissenschaft(ler) - anstatt zu gestehen, dass sie keine Ahnung vom solarischen Ozean haben, entsinnen die "Experten" eine These nach der nächsten - das kommt mir so herrlich vertraut vor
        "All dies könnte bloß eine aufwändige Simulation sein,
        die in einem kleinen Gerät auf jemandes Tisch läuft."
        (Jean-Luc Picard über das Wesen der Wirklichkeit)

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        • #5
          Zitat von EA-Loyalist Beitrag anzeigen
          Solaris ist vielleicht das beste Buch, was ich jemals gelesen habe. [...]
          So weit würde ich nicht gehen, aber es ist eines der besten, wobei ich aber Stanislaw Lem selbst für den besten SF-Autor halte. Für mich zählen intelligente Ideen mehr als Hunderte von Seiten, angefüllt mit pseudofuturistischem Schlachtgetümmel.

          Bei Solaris ist ja die Ausgangssituation im Roman, dass nur noch drei Wissenschaftler an Bord der Station sind, Sartorius, Snaut und Gibarian. Psychologe Kelvin kommt von weit her an Bord, um nach dem Rechten zu sehen, und findet Snaut, der ihn mit riesigen Augen ansieht. Man weiß, dass der Ozean irgendwas von der Anwesenheit der Menschen begreift, es gibt ja die "Gäste", aber wie Du sagst, vieles bleibt für Interpretationen offen, und im Grunde haben die Wissenschaftler aufgegeben.

          Faszinierend ist die von Lem erdachte Historie der Solaris-Forschung und Kelvins Versuche, herauszukriegen, was eigentlich noch Realität ist, was teilweise an typische Szenarien bei Philip K. Dick erinnert, den Lem durchaus auch zu schätzen wusste. Anders als aber in "Eden" oder "Transfer", auch in den 60-ern geschrieben, macht Lem hier praktisch keine politisch-sozialen Aussagen. "Solaris" ist jedoch ein philosophisch anspruchsvoller Roman, der ein glänzendes Beispiel dafür liefert, auf welches Maß an Fremdartigkeit Menschen bei der Erforschung der Galaxis stoßen könnten.

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          • #6
            Wie bei so vielen Dingen ist das Geschmackssache.

            Die Ausgangssituation war an sich schon interessant.
            Als ich das Buch zum ersten mal gelesen habe, habe
            ich eine Standard -Auflösung erwartet, anfangs verstand nicht
            die genaue Intention des Ozeans und das tue ich bis heute nicht.
            Selten hat mich ein Buch so fasziniert.

            Ich halte Lem auch für den besten SF-Autor ever:
            Das thematisch ähnliche "Fiasko" war auch gut, richtig klasse sind aber die "Sterntagebücher" - gleichermaßen
            geistreich wie witzig.
            "All dies könnte bloß eine aufwändige Simulation sein,
            die in einem kleinen Gerät auf jemandes Tisch läuft."
            (Jean-Luc Picard über das Wesen der Wirklichkeit)

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            • #7
              Zitat von EA-Loyalist Beitrag anzeigen
              Als ich das Buch zum ersten mal gelesen habe, habe ich eine Standard -Auflösung erwartet, anfangs verstand nicht die genaue Intention des Ozeans und das tue ich bis heute nicht.[...]

              Spoiler
              Was man bezgl. des Ozeans sagen kann, ist, dass er das Unterbewusste der Menschen an Bord der Station "auslesen" kann und dort die Dinge findet, die die Leute, besonders auch emotional, am stärksten beschäftigen, und er produziert diese Gäste. Die Frage ist, ob der Ozean so kommunizieren will, oder ob er dies selbst unterbewusst tut. Nimmt man die Geschichte der Solaris-Forschung, sieht es so aus, als ob der Ozean lange gebraucht hat, die Menschen überhaupt wahrzunehmen, bzw. auf sie zu reagieren. Aber es gibt auf jeden Fall eine Verbindung Ozean-Mensch. Man kann annehmen, dass ein Kontakt stattgefunden hat, aber die Natur des Kontaktes ist unklar.

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              • #8
                Genau das meinte ich ja, die Unfähigkeit der Kommunikation von zwei verschiedenen Wesen. Der Ozean und die Menschen nehmen anscheinend von einander Notiz, nur scheinen sie einander nicht zu begreifen.
                "All dies könnte bloß eine aufwändige Simulation sein,
                die in einem kleinen Gerät auf jemandes Tisch läuft."
                (Jean-Luc Picard über das Wesen der Wirklichkeit)

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                • #9
                  Ich stimme mit "gut". Auf Wikipedia findet sich die schöne Bemerkung:
                  Die Veröffentlichung von Solaris wurde 1962 im Rahmen des Druckgenehmigungsverfahren durch die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandlung in der DDR abgelehnt – mit der Begründung, alle Lesarten des Romans mündeten in „Pessimismus und Negation“. Eine spätere Ablehnung verwies auf eine „auf wackligen Füßen stehende“ Logik.
                  Lem gefiel die dem entgegen stehende, ins Positive gewendete Verfilmung mit Clooney ganz und gar nicht, aber ich denke, Lem denkt einfach zu kalt und rational. Der Vorwurf, dass bei ihm alles in Pessismus und Negation endet, trifft zu. Gegen Ende seines Lebens wurde es bei Lem eher noch schlechter als besser.

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