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Memoiren, gefunden in der Badewanne von S. Lem

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  • Memoiren, gefunden in der Badewanne von S. Lem

    Dieses weniger bekannte Buch von Lem zählt für mich zu seinen besten Werken. Alleine schon die Einleitung ist brillant. Hier werden die USA aus Sicht einer weit entfernten Zukunft beschrieben – samt der antiken Gottheit Kap-Eh-Thaal, deren Namen man aber eher selten aussprach und stattdessen den Begriff Thol-Llar für Gott verwendete – herrlich. Ich musste Tränen lachen.

    Mit dem Beginn der echten Geschichte wird das Buch aber bitterernst und wirklich böse. Ich habe selten so fiesen Spott in einem Buch erlebt. Ein Agent irrt auf der Suche nach den Parametern seiner Mission durch die Korridore einer gigantischen Geheimdienstzentrale. Diese riesige Behörde, die sich selbst „Gebäude“ nennt, ist von den Agenten des „Anti-Gebäudes“ vollkommen durchdrungen, ebenso wie es auch das „Anti-Gebäude“ vollkommen durchdrungen hat.
    Was dann folgt ist ein verwirrender Alptraum aus Paranoia und totaler Hilflosigkeit der einzelnen Person.

    Hier bekommen alle ihr Fett weg. Die kommunistischen „allwissenden“ Geheimdienste werden hier ebenfalls so extrem dargestellt wie der Verwaltungswahn und der blinde Glaube an das stete Funktionieren der Bürokratie. Das ein einzelner Mensche solchen Verwaltungs-Molochen machtlos gegenübersteht wird durch den (bewusst) namenlos gehaltenen Hauptprotagonisten dargestellt, der mehr oder weniger planlos von einer sonderbaren Situation in die nächste gerät – permanent verraten und betrogen.
    Wer schon einmal mehrere Stunden als Bittsteller in einer Behörde verbringen musste, kennt diese Empfindung.
    Das Ende möchte ich nicht verraten. Nur soviel – es kommt wie es kommen musste.

    Fazit: ein Buch, genial bis in das kleinste Detail. Lems Rundumschlag gegen die Bürokratie und die „Spionitis“ ist allen Freunden von guter Satire anzuraten.


    Wie fandet Ihr dieses Werk?
    "All dies könnte bloß eine aufwändige Simulation sein,
    die in einem kleinen Gerät auf jemandes Tisch läuft."
    (Jean-Luc Picard über das Wesen der Wirklichkeit)
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