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Raumschiff Bluefox --- Episoden 22-24

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    Was bisher geschah...

    Folge 22: Angriff der Borg (Teil 2)


    Denise Werwealy und ihr Bruder Fabius Werwealy waren die einzigen Crewmitglieder der Bluefox, die im Maschinenraum zurückblieben. Ein paar gerettete Techniker von anderen Schiffen arbeiteten noch vereinzelt an verschiedenen Stationen auf dem Unterdeck des Maschinenraums. Die Geschwister Werwealy machten sich also auf dem Oberdeck an die Arbeit an den Umweltsystemen.
    Fabius las den Bericht eines Panels und leitete es an seine Schwester weiter:
    «Es scheint, als würden alle Umweltsysteme, nicht nur diejenigen im Maschinenraum verrückt spielen. Die Temperatur ist auf dem ganzen Deck angestiegen!»
    «Gehe mal in die Jeffriesröhre. Vielleicht hast du dort mehr Erfolg.» schlug Denise vor.
    «Gute Idee.» erwiderte ihr um fünf Jahre jüngerer Bruder. Er kroch in die Jeffriesröhre.
    Da hörte er ein merkwürdiges Geräusch!
    «Hallo!» reagierte Fabius. – «Arbeitet denn sonst noch jemand in dieser Sektion?» fragte er mit lauter Stimme. Er erhoffte sich eine Antwort von irgendeinem Crewmitglied in der Jeffriesröhre. Doch keiner antwortete. Da rief Denise ihm plötzlich zu: «Redest du mit mir?»
    «Nicht direkt! Sind noch andere Leute hier drinnen?» fragte Fabius. Denise antwortete:
    «Es hat sich niemand bei mir abgemeldet. Es dürfte niemand drinnen sein.»
    Fabius kroch weiter und kam zu einer Kreuzung. Er wollte geradeaus kriechen. – Da packte ihn auf einmal etwas Grobes am Arm! Denise hörte nur noch einen kurzen Schrei von ihrem Bruder! Sie rief besorgt: «Fabius? Alles in Ordnung da drinnen?»
    Als sie keine Antwort bekam, fand sie das sehr merkwürdig und kroch ebenfalls in die Röhre hinein. Sie rief nochmals den Namen ihres Bruders. – Wieder keine Antwort. Sie kroch weiter bis zu der Kreuzung. Erst blickte sie nach rechts, dann nach links. – Sie konnte ihren Augen nicht trauen! Aber da war es schon viel zu spät. Auch sie wurde von der Gestalt vollkommen überrascht! Sie hatte nicht mal den Hauch einer Chance, sich zu wehren!

    Inzwischen beamten die drei Technikertrupps von der Bluefox in die Halle und arbeiteten bereits seit zwei Stunden fleißig an der Rakete. Auch Cpt. Bluefox und Lore halfen tüchtig mit! Während einer kleinen Arbeitspause ging der Captain ganz nahe zur Rakete hin und berührte vorsichtig eine Stelle. Lore, der gleich neben ihm stand, fragte ihn verwundert:
    «Warum berühren Sie die Rakete?»
    «Wissen Sie, Lore, als ich noch ein kleiner Junge war, durfte ich dieses Schiff einmal im Museum hinter 30 Zentimetern Panzerglas betrachten. Jetzt darf ich es sogar berühren! Das ist etwas ganz Besonderes!» antwortete der Captain.
    «Verändert sich mit der Berührung des Schiffes Ihr Gefühl?» fragte der Androide.
    «Ja. Das würde ich sagen.» antwortete Bluefox.
    Lore berührte die Rakete auch. Allerdings kam er nicht auf das, was er sich erhofft oder erdacht hatte. Das hängte bestimmt damit zusammen, daß er seinen Emotionschip deaktiviert hatte. Er bemerkte nur stirnrunzelnd:
    «Es gibt Unvollständigkeiten im Titanmantel, Temperaturschwankungen am Ansaugrohr.»
    «Für die Menschen ist es eben noch einiges mehr. Ich finde, daß Berührungen den Fühlenden mit der Materie irgendwie verbindet!» meinte Cpt. Bluefox.
    Als der Captain mit seinem Satz fertig war, rief plötzlich Cnslr. Knight, die den beiden bereits eine Weile zugehört hatte, hinunter: «Darf ich die holde Dreisamkeit stören?»
    «Counselor? Auch hier?» reagierte der Captain.
    «Keine Spur von Örgelisauer, Captain. In der ganzen Basis haben wir nichts gefunden!» antwortete Cnslr. Knight.
    «Ich begreife das nicht. Dieses Schiff muß doch sein Ein und Alles gewesen sein. Abgesehen davon muß diese Rakete in weniger als 24 Stunden starten, sonst sind die Vulkanier über alle
    Berge!» bemerkte Cpt. Bluefox.
    «Captain, wir müssen uns langsam mit der Annahme anfreunden, daß Hanspeter Örgelisauer beim Angriff auf die Basis getötet wurde.» meinte Cnslr. Knight.
    «Wenn das wahr ist, dann stirbt die Zukunft mit ihm.» entgegnete der Captain mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck.
    Cnslr. Knight und Cmdr. Ceagy stiegen die Treppen hinunter, bis sie bei Bluefox und Lore ankamen. Cmdr. Ceagy bewunderte die alte Rakete und sagte zum Captain:
    «Das war mal eine Atomrakete aus dem dritten Weltkrieg! Wirklich erstaunlich, was Örgelisauer daraus gemacht hat. Wenn die Borg wüßten, wieviel Arbeit dahintersteckte, um diese Rakete umzubauen, dann hätten sie es sich überlegt, sie einfach zu zerstören. Atomwaffen hätten sie sicherlich assimilieren können!» scherzte der Erste Offizier.
    «Wohl kaum, Commander. So eine alte Technologie würden die Borg nicht mal als Brotzeit assimilieren.» erwiderte Cpt. Bluefox schmunzelnd. Lore bemerkte:
    «Es ist eine Ironie des Schicksals. Örgelisauer sucht sich eine Massenvernichtungswaffe aus, um damit eine Ära des Friedens einzuleiten.»
    Da hörte der Captain auf einmal etwas, was ihm überhaupt nicht paßte! Er bekam irgendwie ein Geräusch in seine Ohren, welches ihn ganz stark an die Borg erinnerte! Er horchte noch einmal ganz genau hin. War es wieder ein Traum? Nein, diesmal nicht! Er konnte es spüren!
    Irgendwie hatte ihn der Geist des Kollektivs nochmals überrascht!
    Cnslr. Knight merkte, daß mit Cpt. Bluefox etwas nicht stimmte. Sie fragte ihn sofort:
    «Captain, alles in Ordnung?»
    In diesem Moment besann sich Cpt. Bluefox wieder, gab der Schiffsberaterin aber keine Antwort, sondern begann plötzlich, schnell zu gehen! Er schritt Richtung Ausgang der Basis. Die Anderen liefen hinter ihm her. Der Captain funkte an die Bluefox:
    ««Brücke, hier spricht der Captain! Ist bei Euch oben alles okay?»»
    ««Hier Danny Chollet. Fast alles. Die Umweltsysteme im Maschinenraum sind etwas durcheinander. Warum?»» entgegnete Lt. Cmdr. Chollet. Cpt. Bluefox klärte seinen Sicherheitschef auf:
    ««Ich komme mit Lore auf die Bluefox zurück. Machen Sie sich auf den Transport gefaßt.»» Er schloß den Kanal durch das Antippen seines Kommunikators.
    Cmdr. Ceagy war sichtlich besorgt. Er hatte keine Ahnung, was dem Captain soeben widerfahren war und er konnte sich wahrlich keinen Reim daraus machen!
    «Sie bleiben hier und suchen Örgelisauer, Commander. Steevy, Sie bleiben ebenfalls unten.
    Es wird weiterhin an der Rakete gearbeitet. Ich bin vollkommen in Ordnung. Vertrauen Sie
    mir, Commander. Lore, Sie begleiten mich.» befahl Cpt. Bluefox.
    Der Captain funkte noch einmal an Lt. Cmdr. Chollet, der inzwischen auf der Bluefox das Kommando hatte:
    ««Danny, welcher Art sind die Umweltschwierigkeiten?»»
    ««Die Luftfeuchtigkeit ist auf 73 Prozent gestiegen. Die Temperatur ist in der letzten Stunde um zehn Grad angestiegen.»»
    ««Zehn? Ich höre wohl nicht recht! Ich bin schnellstens oben!»»
    Bluefox und Lore beamten an Bord der Bluefox. Ceagy und Knight guckten etwas verdutzt dorthin, wo sich Lore und Bluefox gerade dematerialisiert hatten.

    Inzwischen auf der Krankenstation:

    «Ich denke, sie wird wieder vollkommen gesund.» meinte Dr. Strike.
    «Dr. Snyder, Sie wissen, daß wir die junge Frau um jeden Preis bewußtlos halten sollten.» erinnerte die Chefärztin ihre Stellvertreterin.
    «Es ist so heiß!» meinte Dr. Crossnicholls.
    «Ja, stimmt. Das ist mir aufgefallen. Ich schaue einmal, was der Grund sein könnte.» meinte Dr. Snyder und lief zum Computertisch hinüber.
    Da fiel auf einmal für etwa zwei Sekunden das Licht auf der Krankenstation aus!
    «Und was war das?» fragte Dr. Crossnicholls etwas verängstigt.
    Dr. Strike funkte sicherheitshalber an den Maschinenraum:
    ««Strike an Maschinenraum!»» – Keine Antwort. – ««Strike an Brücke!»»
    Da hämmerte etwas sehr Kräftiges an die Tür der Krankenstation! Die Tür kriegte eine Beule! Das war mehr als besorgniserregend, denn solche Türen besaßen starke Tritaniumlegierungen, die als Isolations- und Schutzmittel dienten.

    Cpt. Bluefox und Lt. Cmdr. Lore kamen unterdessen auf der Brücke an. Der Captain verlangte von Lt. Cmdr. Chollet einen Bericht.
    «Wir haben soeben den Kontakt zu Deck 36 verloren! Innere Sensoren, Kommunikation, Hauptkontrolle, einfach alles! Ich wollte gerade ein Sicherheitsteam hinschicken zur Überprüfung.» rapportierte Chollet. Doch Cpt. Bluefox entgegnete wie aus der Pistole geschossen:
    «Nein! Sie verriegeln Deck 36 und postieren Wachen rund um die Uhr.» Nach dieser Anweisung fragte der Captain F. Strike:
    «Patrick, was waren die letzten Werte der Umweltsysteme auf Deck 36?»
    «Der Luftdruck war zwei Kilopascal über normal, die Luftfeuchtigkeit betrug 92 Prozent und die Temperatur 39,1 Grad Celsius.» berichtete F. Strike – zum Schock des Captains!
    Nach einem kurzen Augenblick faßte sich Cpt. Bluefox wieder und sprach, fast wie in Trance:
    «39,1 Grad Celsius – wie in einem Borgschiff!»
    Einen Augenblick lang blieb alles totenstill auf der Brücke, sicher fast eine halbe Minute!
    Cpt. Bluefox brach das Schweigen als Erster und meinte nervös:
    «Das war unser Fehler! Unsere Schilde waren immer unten! Sie haben sich hierher transportiert, ohne entdeckt zu werden!»
    «Und jetzt?» fragte F. Strike, sichtlich beunruhigt.
    «Jetzt assimilieren sie die Bluefox und dann – die Erde.» antwortete Cpt. Bluefox.
    Der Captain begab sich zum zentralen Funksystem und wollte Kontakt mit dem Außenteam auf der Erde aufnehmen. – ««Bluefox an Ceagy!»»
    Auf der anderen Seite, wo eigentlich der Erste Offizier hätte antworten sollen, hörte man nur ein Knistern, kurz darauf gar nichts mehr!
    In diesem Moment wurde es plötzlich stockfinster auf der Brücke! Kurz später wieder hell, dann wieder dunkel! Es wechselte sich immer so ab.
    «Was zum Teufel ist da los?» wollte Cpt. Bluefox wissen. Lt. Cmdr. Haldman warnte:
    «Die gesamten Hauptsysteme werden in den Maschinenraum umgeleitet! Waffen, Schilde, Antrieb und vieles mehr!»
    «Schnell, Commander Lore, sperren Sie den Hauptcomputer!» befahl Cpt. Bluefox.
    Lore eilte zum Hauptschaltpult am hinteren Teil der Brückensysteme. Er tippte unfaßbar schnell eine wirre Zahlenkombination ein. Daraufhin bestätigte er seinen Code noch einmal.
    Lore klärte die Brückenmannschaft auf:
    «Ich habe den Hauptcomputer mit einem fraktalen Verschlüsselungscode isoliert. Ich denke nicht, daß die Borg im Stande sind, ihn zu knacken.»
    «Gut gemacht, Lore!» lobte Cpt. Bluefox seinen ehemaligen Chefingenieur.
    – Der Captain war immens froh, daß er, wenn es wirklich oberbrenzlig wurde, immer noch einen Rückhalt hatte, der ihm und seiner Crew schon mehrere Male aus der Patsche geholfen hatte und es wohl auch in dieser Situation, zumindest für die kommenden Stunden wieder tun konnte. Ohne Lore, das war sich Cpt. Bluefox sehr wohl bewußt, wäre die Bluefox-E während der Mission im Andromeda-Asteroidengürtel zur Leichenhalle geworden – ohne Sauerstoff, ohne Rettungsmöglichkeiten. Damals zögerte Lore das Unaufhaltbare entscheidend heraus, bis die Romulaner ein gutes Herz hatten mit der Bluefox-Crew und sie alle retteten. –
    Lt. Cmdr. Haldman gab erneut einen kurzen Ereignisbericht durch:
    «Captain, die Borg haben die Stromversorgung vollkommen abgeschaltet, ausgenommen auf
    Deck 36.» – «Die Borg werden mit Sicherheit nicht auf Deck 36 bleiben.» entgegnete der Captain mit totaler Überzeugung.

    Auf der Krankenstation hämmerte natürlich eine Borgdrohne an die Tür, welche von der kybernetischen Kreatur bereits ziemlich malträtiert worden war bereits kurz vor dem Einbruch stand!
    Dr. Strike blieb nichts anderes übrig, als die junge Frau aus dem 21. Jahrhundert aufzuwecken. Schließlich wollte die Chefärztin, daß alle überleben.
    «Kommen Sie, kommen Sie! Wachen Sie auf!» feuerte Dr. Strike die Patientin an.
    Auf einen Schlag richtete sich die völlig orientierungslose Frau auf und fuchtelte mit ihren Händen herum!
    «Ganz ruhig! Bitte, ganz ruhig!» rief Dr. Strike. Dr. Snyder eilte der Chefärztin zu Hilfe.
    Dr. Strike erklärte:
    «Wir müssen die Jeffriesröhren benutzen, um hier rauszukommen! Debbie, ist das medizinische Notfallprogramm noch aktiv?»
    «Ja, ich denke schon.» antwortete Dr. Crossnicholls auf die Frage von Dr. Strike.
    «Computer, das Medizinische Holographische Notfallprogramm aktivieren!» befahl Dr. Strike dem Computer. Ein holographischer Doktor erschien neben dem Biobett, auf dem sich vorhin gerade noch die Patientin aus der Vergangenheit befand.
    Er sprach: «Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls!»
    «Zwanzig Borg werden gleich diese Tür durchbrechen! Versuchen Sie, sie etwas aufzuhalten!» befahl Dr. Strike dem MHN.
    «Aber, Doktor, ich bin ein Arzt und kein Türstopper!» entgegnete das Medizinische Holographische Notfallprogramm.
    «Das ist mir egal! Wir müssen schauen, daß wir weiterleben! Erzählen Sie ihnen Witze, tanzen Sie oder sonst der Gockel was, aber verschaffen Sie uns ein paar wichtige Sekunden!» rief Dr. Strike gereizt. Dann verschwand sie in der Jeffriesröhre und schloß die Luke von innen.
    Da schafften es die Borg, die Tür zu öffnen und betraten sogleich den Vorraum der Krankenstation! Der holographische Doktor sprach zu ihnen:
    «Laut medizinischen Forschungsergebnissen der Sternenflotte können Borgimplantate schwere Hautreizungen hervorrufen!» – Er machte eine Pause. Er kam auf einmal an der Wand an, weil er ständig rückwärts laufen mußte. Die Borg kamen immer näher!
    «Vielleicht möchten Sie eine allergetische Salbe?!» schlug das MHN vor und die Mundwinkel schossen in die Höhe zu einem breiten Grinsen. Als der Doktor jedoch merkte, daß die Borg überhaupt nicht auf Kooperation aus waren, sackten die Mundwinkel wieder herab und er schloß die Augen. – Er konnte sich denken, was die Borg nun versuchten, mit ihm anzustellen.
    Der photonische Arzt hatte seinen Dienst aber nicht schlecht erfüllt und der Gruppe von
    Dr. Strike wichtige Sekunden Zeit verschafft! In der Zeit, in welcher der Doktor die Borg aufzuhalten versuchte, krochen die Ärztinnen und ein Sicherheitsoffizier mit der jungen Frau durch den engen Korridor der Jeffriesröhre. Die Zweite in der Kolonne, Dr. Snyder, fragte
    Dr. Strike an einer Kreuzung: «Wohin?» – Die Chefärztin entschied völlig spontan:
    «Nach links! Einfach nur noch runter von diesem Deck!»
    Alle folgten ihr. Nur die junge Frau, die am Schluß der Kolonne war, nicht! Sie kroch nach rechts! Das war natürlich purer Schwachsinn, aber sie wollte eben frei sein!

    Derweil wurden im Frachtraum die Waffen für allfällige, allem Anschein nach unausweichliche Kämpfe gefaßt. Lt. Cmdr. Chollet warf jedem ein Kompressionsgewehr zu. Während der Sicherheitschef die länglichen Phasergewehre mit Schwung verteilte, erklärte Cpt. Bluefox erklärte die Mission:
    «Wir müssen zum Maschinenraum. Das Hauptproblem: Wir werden viele Drohnen
    erschießen müssen. Falls wir den Maschinenraum erreichen sollten, kommt folgende Schwierigkeit noch hinzu: Wir riskieren mit unseren Partikelwaffen, den Warpkern zu treffen. Besser wäre es, ein Loch in einen der beiden Plasmakühltanks links und rechts vom Kern zu schießen. – Lore?» Der Captain schaute Lore an. Der reagierte sogleich und erwiderte:
    «Ausgezeichnete Idee, Captain. Plasmakühlmittel löst organische Stoffe in Flüssigkeit auf, welche danach sofort durch die entstandene Hitze verdampft.»
    Lt. Cmdr. Chollet bemerkte: «Die Borg sind aber nicht vollkommen organisch.»
    «Das macht nichts. Die Borg sind eine biologische, humanoide Lebensform und können ohne ihre organischen Komponenten nicht überleben.» erklärte Cpt. Bluefox. Daraufhin machte der Captain eine Pause und schaute alle noch einmal genau an.
    «Noch eine wichtige Information, bevor Sie sich alle in die Gruppen verteilen: Es könnten Ihnen Föderationsoffiziere begegnen, die bereits assimiliert sind. Sie sollten dann trotzdem schießen!» befahl er. – Die Leute schauten komisch aus der Wäsche! Bluefox versicherte:
    «Sie tun ihnen damit einen Gefallen, glauben Sie mir das!»
    Mit gemischten Gefühlen und einer großen Portion Unsicherheit teilten sich die Offiziere in zwei Gruppen auf. Die eine wurde von Cpt. Bluefox geführt, die andere von
    Lt. Cmdr. Chollet. Lore gesellte sich zu Bluefox‘ Gruppe.

    Auf der Erde:

    Die Menschen in Eglisau hatten sich vom Angriff der Borg wieder erholt. An einigen Stellen mußte noch aufgeräumt werden, aber so richtig schlimm war es nicht mehr.
    Im hintersten Partyzelt lief schon wieder eine Fete! Schon von weit draußen war die dröhnende Rock’n Roll-Musik zu hören.
    Im Zelt drinnen saß Cnslr. Knight! Warum? Das Außenteam war mit den Reparaturen fertig, konnte aber nicht an Bord der Bluefox beamen, weil dort oben schon das reinste Chaos ausgebrochen war. Davon wußte das Außenteam nichts, weil es ja Cpt. Bluefox nicht mehr schaffte, mit Cmdr. Ceagy oder einem anderen Mitglied des Außentrupps Kontakt aufzunehmen. Weil die Crewmitglieder der Bluefox auf der Erde von der Suche nach Hanspeter Örgelisauer bereits ziemlich erschöpft waren, beschlossen sie, sich dem Fest anzuschließen. Ein Großteil des Außenteams vergnügte sich im Partyzelt von Eglisau.
    Cnslr. Knight jedoch schien, schon nicht mehr so richtig anwesend zu sein! Sie stützte den Kopf auf die linke Handfläche ab und schaute etwas belämmert auf den Tisch!
    Von außen kam Cmdr. Ceagy ins Zelt herein. Er rief dreimal den Vornamen von
    Cnslr. Knight – Steevy –, doch die hörte nichts, weil die Musik im Zelt schaurig laut war!
    Cmdr. Ceagy setzte sich zu Cnslr. Knight hin und nannte sie noch einmal bei ihrem Vornamen. – «Steevy?!» Da schaute sie endlich zu ihm auf und hatte ihn erhört!
    «Was?» gab sie zurück.
    «Die Musik ist verdammt laut. Ich schalte sie ab!» meinte Cmdr. Ceagy, stand wieder auf und zog den Stecker aus der Musikanlage.
    «Nein, Andrew! Schalten Sie die Musik nicht ab!» rief Cnslr. Knight.
    Da flog eine Whiskyflasche haarscharf an Ceagys Kopf vorbei!
    «Wer ist denn der Trottel? Wer hat ihm gesagt, er solle die Musik abschalten?!» rief ein älterer Mann von der Bar aus zu Cnslr. Knight hinüber. Der Mann schien, schon ziemlich betrunken zu sein!
    «Hey! Sie hätten mich fast abgeschossen mit dieser Flasche!» rief Cmdr. Ceagy empört.
    «Schade um den Inhalt.» fügte er hinzu.
    «Beruhigen Sie sich, Andrew. Ich habe eine Überraschung parat!» meinte Cnslr. Knight. «Aha, schießen Sie los!» meinte Cmdr. Ceagy gespannt.
    Cnslr. Knight wandte sich zu dem älteren Mann, der sich Ceagy und Knight näherte und sprach:
    «Darf ich vorstellen – Andrew Ceagy...» – Sie wandte sich nun zu Cmdr. Ceagy. –
    «...Hanspeter Örgelisauer!»
    «Ist das ein Freund von Ihnen?» wollte Örgelisauer sogleich wissen.
    «Ja.» antwortete Cnslr. Knight.
    «Ihr Mann?» fragte Örgelisauer.
    «Nein.» gab Cnslr. Knight schmunzelnd zur Antwort.
    «Gut!» gab Örgelisauer mit einem langgezogenen ‚u’ zurück und kicherte.
    «Und das hier, Beevy...» wollte Örgelisauer anfangen, doch Cnslr. Knight unterbrach ihn und sagte genervt: «Steevy!»
    Sie wußte nicht, ob er es verstanden hatte. Auf jeden Fall fuhr er fort:
    «Das hier – das ist guter Stoff!» meinte er. Er zeigte ihr eine Flasche mit hochprozentigem Inhalt, stellte sie hin und schenkte Cnslr. Knight etwas davon in ein Glas, das bei ihr stand. Auch sich selber schenkte er ein, bedeutend ausgiebiger.
    Cmdr. Ceagy wollte ihn etwas fragen: «Dr. Örgelisauer, haben Sie...» – Doch Örgelisauer hörte nicht auf Cmdr. Ceagy. Er guckte zu Cnslr. Knight und sprach einen Toast aus:
    «Auf die Phoenix! Sie ruhe in Frieden!» – Danach trank er das Glas in einem Zug aus!
    Cnslr. Knight nahm ebenfalls einen Schluck. Kaum hatte sie das undefinierbare Alkoholgetränk heruntergeschluckt, mußte sie sofort heftig husten! Örgelisauer hingegen schwang mit seinem linken Arm dreimal kräftig durch und prustete: «Oh, Wow!»
    Als er sah, daß es Cnslr. Knight nicht so behagte, sah er die Flasche ein Weilchen an.
    «Na ja, so gut war der auch nicht.» – meinte er plötzlich und warf die Pulle achtlos in hohem Bogen einige Meter von sich weg. Kurz darauf zerschellte die Buddel an einer eisernen Platte.
    «Andrew, ich denke, wir müssen ihm die Wahrheit sagen.» meinte Cnslr. Knight.
    Ceagy entgegnete: «Die Wahrheit ist, daß die Zeitlinie...» – Weiter kam er nicht, weil ihn die Schiffsberaterin plötzlich mit lauter Stimme unterbrach:
    «Die Zeitlinie? Wir haben überhaupt keine Zeit, um über die Zeit zu sprechen! Soviel Zeit haben wir nicht!» rief Cnslr. Knight aus. Nach einer kurzen Pause fragte sie Cmdr. Ceagy:
    «Was habe ich gesagt?» Cmdr. Ceagy lachte und meinte vergnügt:
    «Sie sind betrunken!»
    «Das bin ich nicht!» dementierte der Counselor. Ceagy jedoch erwiderte bloß:
    «Oh, aber ja doch!» Knight gab es auf und erklärte, was passiert war:
    «Er hat gesagt, er rede nicht mit mir, wenn ich nicht mit ihm trinke. Also haben wir dann zusammen getrunken. – Irgendwas. – Es heißt Tequila, oder so ähnlich. Nur auf diese Weise konnte ich herausfinden, wer er eigentlich ist! Und jetzt weiß ich, daß er der Mann ist, den wir suchen! Und dann kommen Sie und kritisieren meine Untersuchungsmethoden!»
    Sie betonte dreimal kräftig und drückte mit ihrem Zeigefinger bei jeder Betonung energisch auf die Brust des Ersten Offiziers. Der entschuldigte sich und konnte sich einen weiteren Lacher nicht verkneifen. Cnslr. Knight stand auf und wollte rauslaufen. Cmdr. Ceagy wollte sie etwas stützen, aber sie wehrte ihn ab! Einen Moment später erklärte der Counselor:
    «Ich habe nur versucht, mich anzugleichen!»
    «Das ist Ihnen gelungen!» erwiderte Ceagy. Knight meinte verzweifelt:
    «Ich habe ihm unsere Alibigeschichte erzählt, aber er hat mir nicht geglaubt!»
    «Es bleibt uns keine Zeit mehr! Wenn wir ihm die Wahrheit sagen, glauben Sie, er kann damit umgehen?» fragte Cmdr. Ceagy.
    «Wenn Sie meine Meinung als Schiffscounselor hören wollen – und das wollen Sie doch – er ist verrückt!» antwortete Cnslr. Knight.
    «Gut, ich werde das in mein Logbuch eintragen.» bemerkte Cmdr. Ceagy.
    Örgelisauer torkelte inzwischen zur Musikanlage und versorgte sie wieder mit Strom. Die laute Musik ertönte wieder. – Noch schriller als zuvor, so schien es Cmdr. Ceagy. Zu all dem Unheil begann Dr. Hanspeter Örgelisauer auch noch zur Musik zu tanzen! Das sah ziemlich schräg aus, besonders wenn er seine Version des legendären „Michael Jackson-Griffs“ – mit der offenen Hand an das beste Stück – zeigte! Der Alkohol zeigte plötzlich auch auf
    Cnslr. Knight Wirkung: Sie kippte um! – Cmdr. Ceagy konnte nur noch den Kopf schütteln!
    Auf der Bluefox waren derweil die beiden Teams unterwegs zum Maschinenraum.
    Es war fast vollkommen dunkel. Nur das Blinken der roten Neonröhren an den Wänden auf beiden Seiten, auf Bauchhöhe der Offiziere, erhellte die langen Korridore kurz. Die Neonlichter signalisierten natürlich die rote Alarmstufe.
    Zuerst sah es noch friedlich aus. Die Teams verließen die Brücke auch erst gerade.
    Dann wechselten die Leute aus Cpt. Bluefox‘ Team das Deck, indem sie eine Luke im Boden öffneten und hinuntersprangen. Die Decks waren bloß 2½ Meter hoch. Man mußte also, wenn man an sich an den Rand des Oberdecks hängte, höchstens einen Meter in der Luft zurücklegen, um auf das Unterdeck zu gelangen. Für geübte Leute wie die Offiziere der Bluefox war ein Meter noch keine wirklich gefährliche Höhe.
    Die Gruppe des Captains erreichte Deck 35, also das Deck über dem Maschinenraum. Lore übernahm kurzfristig die Führung und bog in eine Kurve. Er schaute, ob die Luft rein war. – Sie war rein, aber die Wände waren bereits mit etlichen Röhren und Kabeln versehen!
    «Hier waren sie also schon.» bemerkte Cpt. Bluefox. Lore meinte plötzlich:
    «Captain, ich empfinde irgendeine Art Angst! Das ist ein faszinierendes Gefühl!»
    «Lore, ich kann Ihnen wohl glauben, daß diese Sache sehr heikel ist. Ich denke aber, es ist besser, wenn Sie Ihren Emotionschip vorübergehend deaktivieren.» bat Bluefox Lore.
    «Das ist eine gute Idee, Sir. – Erledigt.» sprach Lore. Der Captain bemerkte:
    «Lore, ich beneide Sie manchmal.»
    Die Gruppe setzte ihren gefährlichen Trip zum Maschinenraum fort. Immer wieder trafen sie auf deutliche Anzeichen dafür, daß es sich die Borg auf der Bluefox bequem machten.
    Da gelangten sie an eine Stelle, wo der Boden durchgebrannt war! Man konnte also Deck 36
    von Deck 35 aus sehen! Cpt. Bluefox kommentierte die Situation mit seinem typischen
    Humor für brenzlige Lagen:
    «Nett von den Borg, nicht? Jetzt müssen wir nicht mehr bis zur Luke laufen!»
    Sie stiegen also vorsichtig hinunter. Kaum waren alle wieder richtig auf dem Boden angelangt, waren auch schon prompt einige Borgdrohnen zu sehen, die an den Wänden der Korridore arbeiteten und eigene Leitungen montierten. Zum Glück mißachteten sie die Gruppe der Sternenflottenoffiziere. Cpt. Bluefox informierte zur Beruhigung des Teams:
    «Sie ignorieren uns, wie ich erwartet hatte. Das ist auch gut so.»
    Zwei Borgdrohnen marschierten nebeneinander durch den Korridor. Die Offiziere machten ihnen schön Platz. Cpt. Bluefox sah, daß zwei Sicherheitsoffiziere noch deren Kompressionsgewehre nach oben hielten. Sofort intervenierte er:
    «Waffen runter! Sie ignorieren uns natürlich nur so lange, bis sie uns als Bedrohung ansehen. Wir benützen die Phasergewehre erst im Notfall. Verstanden?»
    «Aye, Sir.» bestätigten die beiden Securitys.
    Die Gruppe setzte ihren Marsch zum Maschinenraum fort.

    Das Team von Lt. Cmdr. Chollet schritt gerade mit einer hohen Marschgeschwindigkeit durch einen Korridor. Mitten auf dem Weg wurden sie plötzlich von einer sich rapide öffnenden Luke an der Wand erschreckt! Alle richteten sofort ihre Phaser und Kompressionsgewehre Richtung Luke.
    «Halt! Ich bin’s nur!» rief Dr. Strike, natürlich ebenfalls stark erschrocken! Sie stieg heraus. Ihr folgten Dr. Snyder und Dr. Crossnicholls sowie vier weitere medizinische Offiziere der Sternenflotte.
    «Sind sie nun auch noch in die Krankenstation eingedrungen?» fragte Lt. Cmdr. Chollet.
    «Was für eine Frage, Danny! Natürlich sind sie das! Wir haben eine Patientin aus der Vergangenheit verloren. Sie hat keine Ahnung von all dem. Sie ist uns anscheinend bei einer Kreuzung in den Jeffriesröhren nicht gefolgt. Wer weiß, wo und was sie nun ist. – Ich habe zu wenig gut aufgepaßt.» erklärte Dr. Strike. Der Sicherheitschef entgegnete:
    «Das ist nicht Ihre Schuld, Nicole. Sie und Ihr Team mußten fliehen und Sie waren sicherlich alle in großer Aufregung.» Er machte eine kurze Pause und ließ die Ärztinnen erst einmal
    richtig durchatmen. Wenig später fügte er hinzu:
    «Es besteht große Gefahr für alle unbewaffneten Offiziere, daher schlage ich vor, daß Sie, Doctor, mit Ihrem Team wieder auf die Brücke zurückkehren. Lieutenant Monty wird Sie begleiten.»
    «Ich stimme Ihnen voll zu, Danny, da können Sie Gift drauf nehmen!» erwiderte Dr. Strike.
    Lt. Monty von der Sicherheit, der mit der medizinischen Equipe mitkam als Beschützer, machte sich mit dem Ärztinnenteam sogleich auf den Weg zur sicheren Brücke auf dem obersten Deck.
    Zwei Minuten später gelangte das Team des Captains sicher bei der Tür des Maschinenraums an. Als die Gruppe um eine Ecke bog, kurz bevor sie ihr Ziel erreichte, erschrak der mometan führende Cpt. Bluefox gewaltig! Er sprach: «Huch, haben Sie mich erschreckt!»
    Lt. Cmdr. Chollets Gruppe erreichte Deck 36 also auch bereits. Nun waren sie zu zehnt.
    Sie standen nun also vor der Maschinenraumtür, doch wie wollten sie diese öffnen?
    «Den manuellen Auslöser!» sprach Cpt. Bluefox und deutete auf eine Konsole rechts vor der Tür. Lore ging zur Konsole hin und wartete, bis alle aufgeschlossen waren. Der Captain nickte Lore zu. Der Androide tippte einen Code ein. – Der Schließmechanismus war nun nicht mehr aktiv.
    «Anklopfen wäre vielleicht eine Lösung.» witzelte Bluefox.
    Das Scherzen sollte dem Captain sogleich vergehen, als die ersten Drohnen sich von ihren Regenerationsalkoven lösten und auf die zehnköpfige Menschengruppe zusteuerten!
    Hinter Lt. Cmdr. Chollets Rücken aktivierte sich eine Drohne! Chollet merkte es aber gerade noch rechtzeitig und bevor er dem Hybridenwesen mit seinem Kompressionsgewehr eins über die Rübe hämmerte, schrie er noch zu den anderen Crewmitgliedern hinüber:
    «Phaser bereithalten!»
    Es fielen etliche Phaserschüsse. Die meisten trafen ihre Ziele haargenau.
    «Lore, geben Sie mir Feuerschutz!» wies Bluefox Lore an und rannte zur Tür, damit sich diese öffnete. Doch dort stand bereits eine Drohne! Diese wollte gerade zu einem wuchtigen Schlag ausholen, da kam Lt. Cmdr. Chollet ihm zu Hilfe und riß der kybernetischen Lebensform ihr Hauptstromkabel am Hinterkopf aus! Der Borg zuckte und sackte zusammen!
    Lore mußte wieder seinen Captain verteidigen und schoß auf eine frontal kommende Drohne. Doch die Drohnen paßten sich auf einmal allesamt an die Schußfrequenz der Phaser sowie der Kompressionsgewehre an!
    «Sie haben sich angepaßt!» rief Lore zur Information.
    Nun war Handarbeit gefragt. Lore ging zum Borg hin und hackte ihm mit beiden zusammengefalteten, geballten Fäusten in die Augengegend!
    Der Borg fiel auf einen toten Gesellen und rührte sich nicht mehr!
    Dann kamen gleich zwei Drohnen auf den Androiden zu! Doch auch dafür wußte er eine Methode. Er umschlang den führenden Borg mit beiden Armen und warf ihn zu seinem sich nähernden Kollektivkameraden! Beide Drohnen strauchelten rückwärts und kippten um! Die Kabel der beiden Borg verhakten sich ineinander. Dadurch konnten sie nicht mehr aufstehen!
    Lore nutzte die Schwäche der Borgdrohnen, nämlich ihren reduzierten Gleichgewichtssinn, voll aus!
    Die anderen, etwas unerfahreneren, jungen Crewmitglieder hatten gegen die Drohnen einige Probleme! F. Stephen Ceagy zum Beispiel versuchte gerade, einer Drohne mit seinem Kompressionsgewehr eine zu verpassen, doch die Drohne konnte sich verteidigen und schmierte ihrerseits dem jungen Wissenschaftsoffizier eins voll ins Gesicht. Der flog rückwärts auf den harten Boden! Ceagy blieb liegen, in der Hoffnung, die Drohne würde ihn übersehen.
    Tatsächlich überstieg der Borg F. Ceagy, den Bruder des Ersten Offiziers, und marschierte weiter – den Fähnrich ließ er liegen. F. Ceagy atmete auf!
    Aber auch die anderen hatten Mühe, so wie F. Patrick Strike. Er wollte eine Leiter hochsteigen, die auf ein höhergelegenes Deck führte, aber da zerrte ihn eine Drohne am Bein und der Steuermann fiel einen guten Meter wieder hinunter! Danach kletterte der Borg die Leiter hoch. Es war also zum Glück nicht die Absicht der Drohne, F. Strike zu assimilieren.
    Weitere Sicherheitstruppen der Sternenflotte trafen auf Deck 36 als Verstärkung ein und enterten sogleich den Hauptmaschinenraum. Sie lieferten sich eine verbitterte Schlacht mit den Borgdrohnen, die den Menschen nur schon rein körperlich überlegen waren.
    Ein unbekannter Security der Sternenflotte erreichte eine Luke, hinter der sich eine sichere Jeffriesröhre befand. Er öffnete sie und duckte sich, um gut hineinkriechen zu können. Da packte ihn plötzlich von hinten eine Drohne am Arm und am Kopf und zerrte ihn in den Stand! Der Mann schrie wie am Spieß, weil die derart unsanfte Methode des Borg ihm starke Schmerzen bereitete! Sie ließ ihn mit einer Hand los. Aus dieser Hand schossen auf einmal zwei Röhrchen heraus – direkt an den Hals des Sicherheitsoffiziers! Sie durchbohrten den Hals ohne Probleme und blieben für einige Sekunden drinnen stecken!

    Cpt. Bluefox, Lt. Cmdr. Chollet und Lt. Cmdr. Lore versuchten, so schnell wie möglich ebenfalls eine sichere Jeffriesröhre zu finden. Lore stand gerade bei einem Tor. Da öffnete sich dieses Tor von selbst – es fuhr langsam nach oben. Allerdings blieb es nach etwa einem Siebtel der normalen Höhe stehen. Lore merkte dies nicht. Das sollte sich zu seinem Schicksal entwickeln! Ein Borg, der, von Lore aus gesehen, hinter dem Tor stand, zerrte den Zweiten Offizier an seinen Unterschenkeln und brachte ihn dadurch zu Fall! Dann schleifte er den Androiden durch den Spalt hindurch! Sofort schnellte das Tor wieder nach unten. Lore war im Hauptmaschinenraum verschwunden und keiner außer Lt. Cmdr. Chollet und Cpt. Bluefox bemerkte diese schon fast schelmische Aktion der Drohne!
    Lt. Cmdr. Chollet und Cpt. Bluefox begaben sich durch den Haupteingang in den Maschinenraum und schnappten sich die nächstgelegene Möglichkeit, auf das Oberdeck zu gelangen. Es gelang ihnen, eine freie Leiter zu finden und an ihr hochzuklettern. Der Captain zeigte auf eine Luke. Der Sicherheitschef reagierte schnell, rannte zu dieser Luke hin und öffnete sie. Bluefox begab sich, nachdem er einen Sicherheitsabstand abwartete, ebenfalls sofort zur Luke. Chollet kroch hinein, Bluefox kauerte bereits nieder, als ihm plötzlich eine männliche Stimme zurief: «Captain! Hilfe! Bitte – Hilfe!»
    Cpt. Bluefox erblickte die Person, die ihn gerufen hatte. Es war der Sicherheitsmann, der vor kurzer Zeit von einer Drohne mit deren Röhrchen am Hals markiert worden war!
    Der Sicherheitsoffizier hatte bereits ein dunkelgraues Gesicht und ein seesternförmiges Borgimplantat an der linken Wange! Bluefox richtete seinen Handphaser auf den Offizier. Er hatte die Absicht, den Mann zu erschießen, denn er hatte ja noch erklärt, daß man den Individuen einen Gefallen täte, weil man sie von ihren Schmerzen befreien konnte. – Der Captain feuerte also, ohne länger darüber nachzudenken, auf diesen unter fürchterlichen Schmerzen leidenden Security. Gleich danach stieg er sofort durch die offene Luke in die Jeffriesröhre. Als er vollständig drinnen war, schloß er den Deckel von innen sofort wieder.
    Cpt. Bluefox erwischte die Röhre äußerst knapp, denn drei Sekunden später war bereits eine Drohne daran, mit einem Kreissägeblatt, das in ihrer Armprothese integriert war, die Luke auszuschneiden! Bluefox kroch bis zu einer Kreuzung und bog nach links ab. Da zerrten plötzlich zwei kalte, trockene Hände an seinen Schultern und brachten ihn aus dem Gleichgewicht! Wenig später umschlangen sie den Bauch des Captains und schleiften ihn halb im Stand in eine Ecke, wo sie dann ihren Griff endlich lockerten.
    Cpt. Bluefox riß sich sofort los, erhob sich wieder und drehte sich blitzschnell um. Dummerweise löste sich sein Handphaser aufgrund dieser abrupten Bewegung aus dem
    Halfter der Uniform und schlitterte ungefähr zwei Meter in die Richtung, wo diese Hände ihn so unsanft hinzerrten!
    Die andere Person hob den Phaser sofort auf und richtete ihn auf Cpt. Bluefox!
    «Verdammt noch mal, was machen Sie denn hier?» fragte Cpt. Bluefox. – Ihm war diese Person selbstverständlich von seinem Außeneinsatz auf der Erde bekannt! Es war die junge Frau, die sich von der Gruppe aus der Krankenstation nach deren gelungenen Flucht mutwillig abgesondert hatte! Sie fuchtelte mit ihrem Phaser herum und schrie Bluefox nach dessen Frage an: «Halten Sie den Mund!» – «Beruhigen Sie sich!» besänftigte der Captain die junge Frau.
    «Wer sind Sie?» fragte sie mit energischem Ton.
    «Mein Name ist Matthew Bluefox. Ich bin Captain dieses Schiffes.» antwortete Cpt. Bluefox. «Sie können mir auch sagen, daß der Mond aus Emmentalerkäse besteht!» entgegnete sie.
    «Es ist wirklich wahr!» sprach der Captain verzweifelt.
    «Ach, so. Dann habe ich jetzt mal eine Frage an den Captain dieses Schiffes! Könnten Sie mich vielleicht wieder hier raus bringen?» wollte die Dame wissen. Sie begann, wieder aggressiver zu werden.
    «Also gut, folgen Sie mir!» antwortete Cpt. Bluefox.
    Er kroch ihr voraus. Er wollte wirklich, daß die beiden sicher an einen Ort im Schiff kämen, wo gerade keine Borgdrohnen waren!
    «Langsam!» rief die Frau, immer noch mit einer Hand den Phaser haltend.
    Cpt. Bluefox und die junge Dame kamen zu einer Tür der Jeffriesröhre. Bluefox öffnete sie.
    «Glück gehabt.» bemerkte er erleichtert. Die beiden verließen die Röhre und standen nun in einem der kleineren Frachträume. Sie fragte verwundert:
    «Und wo sind wir jetzt?» – «Wir sind hier in einem Frachtraum. Von hier aus kann ich eventuell zu einem Kontrollpult gelangen. Die Energie ist ausgefallen. Verstehen Sie, wir sind Gefangene auf unserem eigenen Schiff!» gab der Captain zur Antwort.
    «Wer nahm Sie und Ihre Kollegen gefangen?» fragte die Frau.
    «Die Borg.» antwortete Cpt. Bluefox.
    «Borg – klingt schwedisch.» bemerkte die Schweizerin aus der Vergangenheit. – Sie glaubte dem Captain langsam und begriff nun doch mit der Zeit, daß er nicht freiwillig von Gefangenschaft und den damit verbundenen negativen Gefühlen redete.
    «Hören Sie, ich denke, wir sitzen beide im selben Boot. Geben Sie mir bitte diesen Phaser. Ich möchte nicht, daß jemand zu Schaden kommt.» bat Cpt. Bluefox die nervöse Frau.
    Sie kam einen Schritt auf ihn zu und legte ihm den Phaser mit einer schnellen Bewegung in seine ausgestreckte rechte Hand. Sie sprach in Erstaunen:
    «Das war meine erste Strahlenkanone!» – Der Captain schaute sich den Phaser an und bekam einen Nachschrecken! Er musterte kurz die Anzeige des Phasers und bemerkte:
    «Maximale Feuerkraft! Wenn Sie den abgefeuert hätten, dann hätten Sie mich pulverisiert!» Er bat die nun etwas schüchtern gewordene Dame: «Schauen Sie mal dorthin.»
    Sie wanderte mit ihren Augen in die Richtung, wo Cpt. Bluefox hinzeigte. Der Captain öffnete die Hauptluke, welche einen Blick direkt in den Weltraum ermöglichte. Sie konnte ihren Augen nicht trauen! Was sie sah, übertraf ihre gesamte Vorstellungskraft! Cpt. Bluefox zeigte auf bestimmte Stellen. Er nannte die gezeigten Orte beim Namen:
    «Das Schwarze Meer, die Donau, der Rhein. Die Alpen überfliegen wir gleich, aber halten Sie den Atem an. – Es ist ein langer Weg bis nach unten! – Oder wollen Sie doch lieber mit mir einen Weg durch das Raumschiff suchen, bis wir in Sicherheit sind?» fragte er mit einem Schmunzeln, in der vollen Sicherheit, sie würde auf die zweite Variante setzen, was sie auch tat. Sie antwortete ohne langes Überlegen: «Ich denke, ich komme mit Ihnen mit.»
    «Wie ich schon sagte, mein Name ist Matthew Bluefox. Wie lautet Ihrer?» fragte der Captain. «Annie.» gab sie zur Antwort. – Nun war die Angst auch bei ihr etwas überwunden.
    «Willkommen an Bord, Annie.» sprach Cpt. Bluefox und lächelte kurz. Er wollte ihr den Bammel so gut und leicht wie möglich nehmen.
    Annie folgte Cpt. Bluefox in die Jeffriesröhre, aus welcher der Captain vor wenigen Minuten hinauskam. Bluefox kannte sein Schiff zumindest so gut, daß er bei irgendeinem Deck wieder herauskommen konnte, wenngleich er auch nicht immer genau wußte, auf welcher Ebene er wohl landen würde.

    Auf dem Holzweg war der arme Lore. – Er wurde in einen speziellen Regenerationsalkoven
    verfrachtet! Der Alkoven neigte sich automatisch um 90 Grad, so daß er mit etwas Phantasie
    ein Bett darstellte – allerdings ein etwas unbequemes Bett, wohlbemerkt. Auf einmal setzte sich der Alkoven samt Lore in Bewegung und glitt einige Meter weit nach oben und nach vorne, in die Richtung des Warpkerns. Ungefähr fünf Meter vom Kern entfernt hielt er an und blieb stehen.
    Lore schaute sich um. Er konnte den Warpkern sehen, der mit einer grünen Flüssigkeit durchflutet wurde. Es war also nicht mehr das blaue Warpplasma, sondern irgendetwas anderes, was die Borg mitgebracht hatten. Dann guckte er zu einer Schalttafel hinüber. Etwa vier Borgdrohnen waren daran beschäftigt, den Verschlüsselungscode herauszubekommen, den Lore ja noch eingetippt hatte!
    «Ihre Bemühungen, den Code zu knacken, werden nicht erfolgreich sein! Ebenso wenig wie
    Ihr zweites Vorhaben, nämlich mich in das Kollektiv zu assimilieren!» meinte Lore.
    Da erklang eine sanfte weibliche Stimme von der Decke her mit einem leichten Echo:
    «Tapfere Worte. Ich habe sie schon von über tausend Spezies in über tausend Sprachen gehört. Aber jetzt sind sie alle Borg!»
    Lore schaute hoch, aber er konnte nichts und niemanden erkennen! Er entgegnete ins Nichts:
    «Ich gleiche keiner Lebensform, welcher Ihnen je begegnet ist! Die Codes meines Neuralnetzes können nicht mit Gewalt entfernt werden!»
    «Sie sind ein unvollkommenes Wesen, geschaffen von einem unvollkommenen Wesen. Ihren Schwachpunkt zu finden ist nur eine Frage der Zeit.» hauchte die Stimme herunter.
    Dann begann eine Drohne, Lores Androidenkopfhaut mit zwei handeigenen Bohrern zu durchlöchern!

    Auf der Erde:

    Hanspeter Örgelisauer, Cmdr. Ceagy und Cnslr. Knight verließen das hinterste Partyzelt. Auch Lt. Cmdr. Steaner gesellte sich zu den drei Personen.
    Örgelisauer kicherte, weil er immer noch nicht glaubte, daß die Crewmitglieder der Bluefox mit einem Raumschiff auf die Erde gekommen waren und daß eine kybernetisch-organische Rasse aus der Zukunft die Erde angreifen wollte. Er faßte zusammen:
    «Also wenn ich das richtig verstehe, Commander: Eine kybernetische Spezies aus der Zukunft machte eine Zeitreise und kommt genau hierher in diesem Moment, um die Menschheit zu versklaven! Das ist irre! Solch eine Story habe ich noch nie gehört! Und Sie, Sie wollen die also aufhalten?!» fragte er. – «Ganz recht.» antwortete Cmdr. Ceagy.
    «Tod und Teufel! Sie sind ein Held!» grölte Örgelisauer. Cmdr. Ceagy aber meinte:
    «Wir werden es Ihnen beweisen. – Tanya!»
    Lt. Cmdr. Steaner stand an einem irdischen Teleskop und suchte die Bluefox. Sie fand sie auch kurz darauf.
    «Da ist sie!» rief Lt. Cmdr. Steaner. Sie winkte zu den drei anderen hinüber und forderte den Eglisauer Erfinder auf: «Kommen Sie und schauen Sie sich das bitte einmal an!»
    Örgelisauer torkelte zum Teleskop und guckte hindurch. Zuvor sagte er noch:
    «Ja, ich mag eine gute Peepshow!»
    Als er dann aber wirklich die Bluefox-F am Nachthimmel sehen konnte, fiel ihm fast der Kinnladen herunter! Dann drehte er sich um, grinste verschmitzt zu den Crewmitgliedern der Bluefox hinüber und meinte: «Das ist ein Trick!»
    Er lief zur Vorderseite des Teleskops, blickte plötzlich ernst drein und fragte:
    «Wie machen Sie das?» Lt. Cmdr. Steaner antwortete mit einem verschmitzten Lächeln:
    «Es ist Ihr Teleskop!»
    «Und Annie ist jetzt auf diesem Schiff da oben?» fragte Örgelisauer.
    «Ja, genau.» antwortete der Erste Offizier.
    «Und was soll ich jetzt machen?» fragte der verdutzte Schweizer. Cmdr. Ceagy antwortete:
    «Ganz einfach, Doktor. Sie führen morgen früh Ihren Warpflug durch, wie geplant.»
    «Warum morgen früh?» fragte Örgelisauer. Cmdr. Ceagy klärte ihn auf:
    «Weil an diesem Zeitpunkt ein fremdes Schiff dieses Sonnensystem durchfliegen wird.» «Fremd? Sie meinen – Außerirdische? Noch mehr böse Jungs?» fragte Örgelisauer mit deutlich erkennbaren Stirnfalten. Lt. Cmdr. Steaner intervenierte:
    «Gute Jungs. Sie sind auf einem Erkundungsflug.» Cmdr. Ceagy erklärte:
    «Verstehen Sie es jetzt, Doktor? Wenn diese Jungs merken, daß die Menschen jetzt schneller als das Licht fliegen können, dann werden sie neugierig und ändern ihren Kurs! Sie werden die Erde ansteuern und den ersten Kontakt mit den Menschen herstellen, genau hier!» «Hier?!» staunte Örgelisauer.
    «Genauer gesagt, dort drüben.» antwortete Lt. Cmdr. Steaner. Die Chefingenieurin zeigte auf eine kleine Anhöhe vor der Waldgrenze.
    «Diese Erfindung ist von unglaublichem Wert! Mit dem Warpantrieb werden ganze Raumflotten gebaut! Die Menschheit wird ein Ganzes. Durch diese Erfindung vereinen sich alle Länder und setzen sich zusammen! Krieg, Armut und Krankheit wird es in den kommenden hundert Jahren nicht mehr geben! Und abgesehen davon, Sie persönlich werden noch einiges verdienen dabei. Aber wenn Sie diesen Warpflug nicht durchführen, bevor es 11:15 Uhr ist, dann wird dies alles niemals geschehen!» Der Erste Offizier war äußerst gespannt darauf, was Örgelisauer antworten würde. – Aber der antwortete noch nicht. Zuerst fragte er noch etwas: «Aber was seid Ihr denn? Astronauten auf so einer Art „Star Trek“?»
    «Ich weiß, daß das alles sehr schwer für Sie zum Verstehen ist, aber wir brauchen einfach ganz dringend Ihre Hilfe!» appellierte Cmdr. Ceagy.
    Hanspeter Örgelisauer schaute für einen Augenblick lang in die Sterne. – Dann erwiderte er:
    «Warum nicht?»
    Unterdessen ging auf der Bluefox die Menschenjagd der Borg auf den Decks weiter. Ein älterer Security, der von der U. S. S. Netherwell zur gerettet und nun als nützliche Einsatzkraft gebraucht wurde, wollte gerade abdrücken. – Da funktionierte plötzlich gar nichts mehr bei seinem Kompressionsgewehr! Er drückte immer wieder auf den Feuerknopf, aber kein Schuß fiel! Die Drohne erreichte den Offizier, packte ihn am Hals und assimilierte ihn mit dem bekannten Verfahren. – Der Sicherheitsmann folgte der Drohne nach kurzer Zeit automatisch, schon ganz im Geiste des Kollektivs!
    Nur noch wenige Drohnen fielen den Kompressionsgewehren der Sternenflottenoffiziere zum Opfer. Gerade konnten F. Strike und F. Ceagy wieder zwei Drohnen erschießen, aber bereits nach einigen Sekunden paßten sich die Borg auch an diese neue Frequenz an!
    Bald waren nur noch wenige Crewmitglieder übrig. Der Widerstand war nun wirklich je länger, je mehr zwecklos geworden.
    Ein Vierertrupp, der zur Gänze aus fremden Sternenflottenoffizieren bestand, brach gerade eine Tür ein. Aus dem Dunkel erschienen plötzlich acht rote Laserstrahlen. Es waren natürlich Drohnen, die sich dem dunklen Korridor entlang in die Richtung der Sicherheitskräfte bewegten. Die kybernetischen Teilchen, die sich überall an den Körpern der Borgdrohnen befanden, bewegten sich intensiv und erzeugten ein zirpendes Geräusch!

    Lt. Cmdr. Chollet erreichte zum Glück noch rechtzeitig die Brücke sowie auch Dr. Strike mit ihrem Team inklusive Sicherheitsoffizier Monty. Auf der Brücke konnte man nichts anderes tun als warten und hoffen, daß noch mehr Leute diesen sicheren Ort erreichen würden.
    Lt. Cmdr. Haldman war an der Ops und Lt. Humble am Steuer.
    Da öffnete sich tatsächlich eine Notöffnung im Boden. – Es waren F. Strike und F. Ceagy! «Berichten Sie!» verlangte Lt. Cmdr. Chollet von den beiden völlig erledigten Offizieren.
    «Die Borg kontrollieren die Decks 44 bis 18! Aber bei der Einnahme von Deck 18 haben sie aufgehört! Wir waren, ehrlich gesagt, total überrascht, wenn nicht minder erfreut!» berichtete
    F. Ceagy.
    «Sie haben mehr als die Hälfte des Schiffes assimiliert! Warum hören sie jetzt auf? Gillian, was befindet sich alles auf Deck 18?» fragte Lt. Cmdr. Chollet.
    «Die Sternenkartographie, die Deflektorsteuerung – nichts Lebenswichtiges.»
    antwortete Lt. Cmdr. Haldman. Der Sicherheitschef entgegnete verwundert:
    «Sie hätten dort nicht aufgehört, wenn es ihnen nicht einen taktischen Vorteil verschaffen würde! Fähnrich Strike, Fähnrich Ceagy, Sie gehen wieder auf Posten und erstatten mir alle zehn Minuten Bericht. Entfernen Sie sich nicht allzu weit von der Brücke.» befahl er.
    Es war Lt. Cmdr. Chollet selbstverständlich bewußt, daß dies besonders für die jüngeren Leute wohl die härteste Mission ihrer Karriere sein würde. Aus seiner Laufbahn als Offizier in der Sternenflotte kannte er ebenfalls keine vergleichbare Mission!

    Im Maschinenraum war Lore immer noch auf dieser Trage festgeschnallt. Er bekam zwei Armschellen und zwei Fußschellen verpaßt!
    Wieder begann diese merkwürdige, leicht hallende Frauenstimme von der Decke zu sprechen:
    «Sind Sie bereit?» fragte sie. Ohne auf die Frage näher einzugehen, fragte Lore zurück:
    «Wer sind Sie eigentlich?» – «Ich bin die Borg.» antwortete die Stimme. Lore intervenierte:
    «Das ist ein Widerspruch! Die Borg sind ein Kollektiv. Es gibt keine Individuen!»
    Der leitende Wissenschaftsoffizier konnte plötzlich mit seinen Augen verfolgen, wie sich ein Kopf mit etwas Körperpartie, der an drei Strippen festgemacht war, abseilte! Aus einer Luke im Boden fuhr auf einmal ein dazu passendes Unterteil herauf und stand zur Kombination mit dem oberen Teil bereit! Nach ein paar Sekunden pflanzte sich die obere in die untere Körperpartie ein. – Es war nun ein Ganzes!

    Fortsetzung folgt...
    Zuletzt geändert von Narbo; 22.03.2002, 16:21.

  • #2
    Folge 23: Angriff der Borg (Teil 3)



    «Ich bin der Anfang, das Ende – die Eine, die Viele ist!» sprach die Person. Es war eine weibliche Borgdrohne. Vom Hinterkopf aus führten einige, genau parallel verlaufende Schläuche zum Rücken hin. Mit viel Phantasie hätte dies als „Frisur“ bezeichnet werden können. Sie ging auf Lore in dessen Alkoven zu und sprach: «Ich bin Borg.»
    «Ich grüße Sie!» entgegnete Lore freundlich, wenn auch zugleich fasziniert. Er fragte sie:
    «Ich bin neugierig! Kontrollieren Sie das Borgkollektiv?»
    «Sie vermuten eine Unvereinbarkeit, wo keine existiert! Ich bin das Kollektiv!» antwortete die „Königin“ der Borg.
    «Vielleicht sollte ich meine Frage anders formulieren. Ich würde gerne Ihre Organisationsstruktur verstehen. Sind Sie die Anführerin?» fragte Lore.
    «Ich bringe Ordnung in das Chaos.» antwortete die Königin.
    «Eine interessante, wenn auch rätselhafte Antwort.» bemerkte Lore.
    «Sie sind das Chaos, Lieutenant-Commander Lore!» sprach die Borgkönigin mit ernster Stimme. Sie fuhr nach einer kleinen Pause fort:
    «Sie sind der Widerspruch! Eine Maschine, die menschlich sein möchte!»
    «Da Sie scheinbar so viel über mich wissen, sollten Sie sich auch im Klaren sein, daß mein Ziel, menschlicher zu werden, mein Weg dazu ist, mich zu verbessern!» erklärte Lore.
    «Auch unser Bestreben ist es, uns zu verbessern. Wir wollen uns zur Vollkommenheit entwickeln.» erklärte die schleimige Dame.
    «Verzeihen Sie, aber die Borg entwickeln sich nicht. Sie erobern!» korrigierte Lore die Borgkönigin.
    «Indem wir andere Kulturen in unser Kollektiv assimilieren, bringen wir sie näher an die Vollkommenheit heran!» beschrieb die „Borg Queen“.
    «Irgendwie hege ich Zweifel an Ihren Motiven.» stellte Lore fest.
    «Weil Sie noch nicht auf die richtige Weise – stimuliert wurden!» erwiderte die Königin mit einem Schmunzeln auf ihren Lippen. Kurz darauf veränderte sich Lores Gesichtsausdruck erheblich! – «Ah! Sie haben meinen Emotions-Chip reaktiviert! Warum?» fragte er.
    «Haben Sie keine Angst!» hauchte die Borgkönigin. – «Ich hab keine Angst!» kicherte Lore.
    Die Borgkönigin öffnete die rechte Armschelle. Was Lore sah, konnte er fast nicht glauben!
    «Wissen Sie, was das ist, Lore?» fragte die Queen.
    «Ich nehme an, Sie versuchen, organische Haut auf meine Skelettkonstruktion zu übertragen!» antwortete Lore.
    «Was für eine kalte Beschreibung für so ein wunderschönes Geschenk!» flüsterte die Queen.
    Sie kam mit ihrem Gesicht ganz nahe an die Stelle, wo die Menschenhaut auf Lores Arm platziert war und hauchte die Stelle schwach, aber lang anhaltend an! Lore mußte grinsen! Es kitzelte ihn natürlich und er bekam eine Gänsehaut an der Stelle, wo die Menschenhaut eingepflanzt wurde! Sie richtete sich langsam wieder auf und wollte von Lore wissen:
    «Hat Ihnen das gefallen?»
    Der Androide war noch vollkommen überwältigt und brachte nur ein hohes „Hu!“ heraus!

    Unterdessen erreichte Cpt. Bluefox mit Annie ein Deck, wo noch keine Borgdrohnen waren. Er erzählte ihr etwas von der Föderation:
    «In der Föderation der Vereinten Planeten sind über 150 Planeten eingeschlossen. Die sind fast 10'000 Lichtjahre weit auseinander verstreut.»
    «Sie kommen sicher nicht oft nach Hause.» bemerkte Annie.
    «Tatsächlich neige ich dazu, dieses Schiff als mein Zuhause zu betrachten.» antwortete der Captain. – Sie liefen über das Promenadendeck, welches sich auf Deck 17 befand. – Annie staunte über das Schiff und fragte Cpt. Bluefox: «Wieviel hat dieses Ding denn gekostet?»
    «Wissen Sie, Annie, heute ist der Reichtum nicht mehr die treibende Kraft im Leben der Menschen. Sie sehen also: Es gibt im 24. Jahrhundert kein Geld!» erklärte Cpt. Bluefox.
    «Es gibt kein Geld?» staunte Annie. Sie konnte es fast nicht glauben.
    «Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Ein junger Schiffsbauer ist mit Dutzenden anderen Ingenieuren daran beteiligt, ein neues Raumschiff zu entwerfen und danach auch zu bauen. Es ist das Pionierschiff für eine neue Raumschiffsklasse. Wenn es fertig ist, darf er mit seinen Kollegen auf dem Jungfernflug dabei sein! Er durchläuft jedes Deck – und plötzlich sieht er da eine gewisse Stelle, von der er noch genau weiß, daß er sie selbst gefertigt hat! Die Gewißheit, an einem riesigen Projekt mitgearbeitet zu haben, ist für so einen jungen Menschen das Größte! Dieses Gefühl ist viel größer und umfassender als die Sicherheit, ein Millionär zu sein! Und die Rohstoffe werden nicht eingekauft, sondern von Planeten und Monden abgebaut, neuerdings auch repliziert! Aus diesen erlangten Ressourcen werden die Raumschiffe dann hergestellt.» erklärte der Captain.
    «Wie groß ist dieses Schiff?» fragte Annie.
    «Es hat 46 Decks. Es ist 700 Meter lang und 80 Meter breit.» antwortete Cpt. Bluefox. «Einfach unglaublich! Ich habe vier Monate gebraucht, um genug Titan zusammenzubringen für ein Viermetercockpit! Die Frontpartie war besonders heikel.» erzählte Annie.
    Bluefox war froh, daß seine Gesprächspartnerin nun etwas offener wurde mit der Zeit.
    Wenig später kamen die beiden an einer Kontrolltafel vorbei, die in der Wand eingebaut war. Der Captain ging dorthin, um etwas zu checken. Er bemerkte:
    «Gut, sie haben den Verschlüsselungscode noch nicht geknackt.» Annie fragte Bluefox:
    «Wie heißen nochmals diese schwedischen Zombies, von denen Sie erzählt haben?»
    «Borg.» antwortete Cpt. Bluefox knapp.
    «Genau.» entgegnete Annie und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Sie fuhr fort:
    «Aber jetzt, wegen dem Geld: Sie wollen sagen, daß Sie für diesen wichtigen Job hier nicht bezahlt werden?»
    «Nein, nein. Wir arbeiten heute, um uns selbst zu verbessern und dem Rest der Menschheit so gut wie möglich zu helfen, daß die sich auch verbessern können.» antwortete Bluefox. Er schmunzelte plötzlich und fügte hinzu:
    «Eigentlich sind wir genau so wie Sie und Doktor Örgelisauer!»
    Annie mußte kurz lachen. – Doch dieses Lachen blieb ihr sogleich im Halse stecken, als die beiden um eine Ecke kamen und sie nach links schaute! – Sie mußte lauthals schreien!
    Der Captain erschrak auch und rief sofort in aller Geistesgegenwärtigkeit: «Zurück, zurück!»
    Sie ging sofort hinter dem relativ großgewachsenen Schiffskommandanten in Deckung. Sie schritten sorgfältig und vor allem langsam durch die Drohnenmenge hindurch. Die Borg ignorierten die beiden zum guten Glück. Cpt. Bluefox und Annie stellten für die Drohnen im Moment wirklich keine Gefahr dar.
    «Eindeutig keine Schweden!» bemerkte Annie. Der Captain jedoch war plötzlich nicht mehr in der Stimmung, über diesen Schwedenscherz zu lachen. Er mußte nun nämlich nicht nur auf sich, sondern auch auf Annie aufpassen. Das brauchte die doppelte Konzentration!
    Als Annie und Bluefox gerade bei einer T-Kreuzung des Decks nach links abbiegen wollten, berührte die Schweizerin aus dem 21. Jahrhundert aufgrund einer Unaufmerksamkeit eine vorbeilaufende Borgdrohne mit ihrer Schulter! Sie schrie laut auf! – Doch der Borg machte keine abnormalen Bewegungen und setzte seinen Marsch fort! Laute Schreie bedeuteten für die Borg also noch keine Gefahr. Annie zitterte nun am ganzen Körper! Die Touchierung mit der Drohne fuhr ihr ziemlich stark ein. Sie fragte stotternd:
    «Gibt es nicht noch einen anderen Weg?» – «Ich weiß, was ich tue.» antwortete Cpt. Bluefox.
    Der Captain hatte einen Plan. Er mußte einen Borg-Neuroprozessor haben. Solch ein Neuroprozessor zeichnete alle Pläne und Vorgänge des Kollektivgeistes auf und speicherte sie für die kommenden Minuten. Bluefox wollte daher natürlich einen möglichst frischen Prozessor. – Dafür brauchte er jedoch eine lebendige oder kurz zuvor getötete Drohne.
    Er konnte selbstverständlich keinen Borg töten in dieser Drohnenschar, denn sonst wären die
    anderen zwanzig Kollektivgenossen in hörbarem Umkreis mit Sicherheit nicht so gut gelaunt gewesen, wie sie es zur Zeit noch waren.
    Zum Glück von Cpt. Bluefox gelangten er und Annie zu einer Holodecktür!
    Bluefox meinte erfreut: «Das ist ja wie Ostern und Weihnachten an einem Tag!»
    Er bediente das Schaltpult des Holodecks. Er gab ein Programm ein, das möglichst viele Menschen auf einer kleinen Fläche beinhaltete.
    «Wie wäre es mit etwas aus dem klassischen Fernsehen?» fragte der Captain und rief, ohne eine Antwort abzuwarten, sogleich ein ihm gut bekanntes Programm auf:
    "The Big Goodbye, Star Trek – The Next Generation, Chapter 12".
    Nachdem Bluefox seine Einstellungen abgeschlossen hatte, zückte er auf einmal ohne Vorwarnung seinen Handphaser und feuerte Richtung Nordwand des Korridors!
    «Verdammt, was machen Sie?» rief Annie.
    Bluefox drückte den Auslöseknopf für das Holoprogramm und öffnete die Tür des Holodecks. Nachdem er und Annie das Deck mit vollem Körperumfang betreten hatten, schloß sich die Tür sogleich wieder und blieb auch geschlossen, weil es Bluefox absichtlich so programmiert hatte. Das war auch sehr klug von ihm, denn nur drei Sekunden später hämmerten zwei Drohnen auf die Holodecktür ein! Bluefox hoffte, sie würde der geballten Schlagkraft der beiden Drohnen für mindestens so lange widerstehen, bis er und Annie sich erfolgreich und ungesehen unter die Leute gemischt haben würden.
    Das Holodeckszenario bestand aus einem gut bevölkerten Tanzparkett. Das prunkvolle, helle Lokal erinnerte an die früheren Dekaden des 20. Jahrhunderts. Im Hintergrund lagen der Gesang einer Frauenstimme und die Klänge von Tanzmusik einer Liveband. Sofort mischten sich Bluefox und Annie unter das Volk. Passend zur Szenerie wechselte nebenbei noch die gesamte Kleidung der beiden einzigen echten Menschen auf dem Holodeck.
    Die beiden Drohnen benötigten in der Tat nur wenige Sekunden, um die Tür des Holodecks erfolgreich zu öffnen und ins laufende Programmgeschehen einzugreifen!
    Der holographische Portier des Etablissements stellte sich vor die beiden kybernetischen Wesen und wies sie zurecht:
    «Tut mir leid, meine Herren, aber wir schließen! Wir haben strenge Bekleidungsvorschriften! Also, wenn ihr nicht sofort geht...» – Weiter kam der Empfangsherr nicht, denn er wurde von den Drohnen mit deren roten Laserstrahlen untersucht! Nun wußten die Borg, daß es ein Hologramm war. Sie sahen in ihm nur noch ein unbedeutendes Hindernis.
    Cpt. Bluefox konnte nun die beiden grauen Gestalten auch durch die Menschenmasse hindurch deutlich erkennen! Er tanzte mit Annie ebenfalls, dadurch machten sie keine komische Falle! Annie guckte immer zu den beiden Borg hinüber. Bluefox mahnte sie nervös:
    «Nein, nein, nein! Sehen Sie mich an! Verhalten Sie sich ganz natürlich! Wir sind für diese Drohnen jetzt Freiwild!»
    Er lief nach dem Schluß des Liedes zur Bar hinüber und fragte: «Wo ist Freyer, der Chef der Bar?» – «Oh, tut mir leid, Sir, der hat heute frei. Der ist erst morgen wieder da.» antwortete der Stellvertreter. Bluefox schnalzte mit den Fingern und sprach:
    «Das ist das falsche Kapitel!»
    Da flog plötzlich der Portier in hohem Bogen mitten in die Menschenmenge hinein! Die Drohnen wollten so schnell wie möglich durch die Masse hindurchgelangen, denn sie konnten Bluefox an seinem Gesicht erkennen!
    «Computer, neu anfangen: Kapitel 13!» befahl der Captain dem Computer.
    Ein neues Szenario bildete sich. – Freyer stand nun tatsächlich hinter der Theke.
    Bluefox haute Freyer sofort an und sprach: «Freyer! Wie geht es dir denn?»
    «Gut, gut! Das Geschäft boomt, die Leute fliegen richtiggehend auf unsere Hotelbar!» antwortete der holographische Barkeeper. Annie dachte sich leise:
    «Da ist was dran. Sie fliegen sogar fast bis zur Theke hervor!»
    «Ich habe ein Problem. Da draußen hat mir einer mit Mord gedroht! Ich brauche kurz dein Gewehr! Ist das möglich?» fragte Bluefox. Das war natürlich gelogen.
    «Ja, einen Moment!» antwortete Freyer und nahm das Gewehr unter dem Kassentisch hervor. Er sprach zum Captain: «Hier hast du es. Aber pass’ auf! Es ist geladen.»
    «Danke sehr, Kamerad! Und weiterhin viel Spaß mit Martinis und Bräuten!» bedankte sich Bluefox mit einem Scherz der damalig modernen Zeit. Er befahl dem Computer sogleich: «Computer, Sicherheitsprotokolle abschalten!»
    Gleich nach dem Bestätigungston eröffnete der Captain das Feuer auf die beiden Drohnen! Die Holomenschen konnten sich in Rettung bringen, denn Bluefox war ein sehr genauer Schütze! Und wenn schon, es hätte nicht viel ausgemacht, wenn er einen Tänzer oder eine Tänzerin getroffen hätte, denn es waren ja keine Menschen aus Fleisch und Blut, sondern aus Photonen und Kraftfeldern.
    Cpt. Bluefox mußte gar nicht viele Schüsse abgeben, denn die beiden Drohnen hatten gegen unassimiliertes Hartmaterial aus dem Jahre 1938 wenig Stich! Kurze Zeit später lagen die Borg bereits flach! Er befahl dem Computer: «Alle holographischen Modelle deaktivieren!»
    Nun waren nur noch die beiden toten Borg, Annie und Cpt. Bluefox im Raum.
    Der Captain untersuchte eine Drohne und konnte ihr aufgrund seiner Kollektivkenntnisse den Neuroprozessor ohne große Suchaktionen entnehmen. Annie rief entsetzt:
    «Mein Gott! Das ist eine von Ihren Uniformen!»
    «Ja, richtig. Das war Fähnrich Montgomery vom Raumschiff Netherwell. Das war keiner von unserer Crew, aber trotzdem aus der Sternenflotte.» erkannte Bluefox.
    «Pech, was?» bemerkte Annie. – «Pech.» wiederholte Bluefox.
    «Was ist das?» fragte Annie und zeigte auf das kleine Gerät, das der Captain aus der Panzerung der Drohne herauszerrte.
    «Das ist ein Neuroprozessor. Jeder Borg hat einen. In diesem Prozessor sind alle Instruktionen, die diese Einheit vom Kollektiv erhalten hat, enthalten.» antwortete
    Cpt. Bluefox. Er überflog die Instruktionen nur kurz, aber er wusste sofort, wie er zu reagieren hatte. Er entschied: «Wir müssen zur Brücke!»
    Sogleich machte er sich mit Annie auf den Weg dorthin.

    Auf der Erde waren die Ingenieure daran beschäftigt, die Warprakete für den Start klarzumachen. Inzwischen war bereits die Sonne aufgegangen und ermöglichte den Technikern somit, einige Arbeiten auch mal an der frischen Luft ausführen zu können. Dies brachte ein wenig Stimmung in die Arbeit hinein. Alle waren gut gelaunt.
    Hanspeter Örgelisauer gab den Ingenieuren und Technikerleuten immer wieder Anweisungen und Vorgaben, wie sie die Rakete zurechtmachen sollten.
    Lt. Cmdr. Steaner fragte ihn, ob sie die Warpformel richtig zusammengestellt hätte. Hanspeter Örgelisauer schüttelte den Kopf und fragte sie mit grossen Augen:
    «Das ist aber nicht gerade jedermanns Kost! Sie können das einfach so aus dem Kopf?!»
    «Wissen Sie, wir lernen so etwas als Grundtheorie an der Sternenflottenakademie. Den Basiskurs für Warpfeldtheorie muß man an der Akademie belegen! Und das erste Kapitel heißt: „Hanspeter Örgelisauer“!» erklärte die Chefingenieurin.
    Örgelisauer hatte schon genug von diesen Vorstellungen, daß er in der kommenden Zeit hoch angesehen und gepriesen würde, aber er wollte ja primär ordentlich Geld kassieren für diesen Flug. – «Wissen Sie, Commander, ich werde von den Ingenieuren Ihres Teams immer so komisch angestarrt und man redet immer von mir. Das ist für mich etwas sehr Komisches.» meinte er laut zu diesem Thema. Das andere behielt er für sich.
    «Ehrlich gesagt, Doktor, ich bin auch sehr angetan von Ihrer Erfindung! Sie wissen es vielleicht noch nicht, aber auf dieser Anhöhe dort drüben wird in 25 Jahren eine Statue von Ihnen stehen!» sagte Steaner.
    «Eine Statue?!» Örgelisauer wünschte, er höre nicht recht!
    «Na klar, aus Marmor! Zwanzig Meter hoch! Und Sie schauen in den Himmel und Ihre Hand ragt zu den Sternen und richtet sich sozusagen der Zukunft entgegen!» schwärmte Steaner. Den Eglisauer Raketentüftler interessierte die Sache nicht mehr, daher wollte er das Thema
    mit einem klassischen Dialogkiller beenden. Er sprach: «Ich muß mal schiffen!»
    «Schiffen? Ich sehe hier nirgendwo ein Schiff!» wunderte sich Lt. Cmdr. Steaner. Sie war nicht so geübt in Begriffen und Redensarten im Soziolekt des mittleren 21. Jahrhunderts!
    «Müssen die Leute im 24. Jahrhundert nie pinkeln?» fragte Örgelisauer genervt.
    «Ah, schiffen! Verstehe!» lachte Steaner.
    «Entschuldigen Sie mich.» sagte Örgelisauer und entfernte sich von der Anlage, wo sich die Partyzelte und die Raketenbasis befanden. Auf halbem Wege drehte er sich nochmals zu Steaner um und bemerkte:
    «Ach ja, die Warpformel war übrigens richtig. Sie haben gut aufgepaßt!»
    Lt. Cmdr. Steaner schmunzelte kurz zu Örgelisauer hinüber. Der erwiderte ihr Lächeln und drehte daraufhin endgültig ab.

    Auf der Bluefox erreichten Cpt. Bluefox und Annie die Brücke! Der Captain wurde von verwunderten Gesichtern empfangen!
    «Captain! Ich dachte...» – wollte Dr. Strike einen Satz anfangen, aber Bluefox unterbrach die Chefärztin: «Die Berichte über meine Assimilierung ins Borgkollektiv sind stark übertrieben! Nicole, ich habe noch eine Dame gefunden, Sie in der Krankenstation vermißt hatten. Darf ich vorstellen: Annie.» Er wandte sich zu Annie und sprach:
    «Annie, das sind Doctor Nicole Strike und Lieutenant-Commander Danny Chollet.»
    Dr. Strike war froh, daß der Schweizerin nichts passierte. Sie sagte zu Annie:
    «Sie haben doch sicher auch einen Nachnamen.»
    «Casperyte. – Annie Casperyte.» sprach Annie.
    «Oh, das ist ein klangvoller Nachname, jedoch schwierig zu merken. Ich werde Sie, wenn Sie nichts dagegen haben, weiterhin Annie nennen.» meinte Cpt. Bluefox.
    «Kein Problem, Captain.» entgegnete Annie mit einem leichten Lächeln.
    «Nun, da die erfreulichen Ereignisse am Ausklingen sind, kommt jetzt eher wieder ein Tiefflieger, denke ich.» leitete Cpt. Bluefox das neue Hauptthema ein. Er fuhr fort:
    «Die Borg wollen auf unserer Deflektorschüssel unterhalb der Brücke, also auf der Außenhülle des Schiffes eine Interplexboje aufbauen.» Der Captain wurde von Chief Whiteman unterbrochen: «Interplex?» – Bluefox erklärte den Begriff genauer:
    «Das ist ein Subraumtransmitter. Wenn sie die Boje aktivieren, können sie Kontakt mit den Borg aufnehmen, die im 24. Jahrhundert leben!»
    «Aber in der Gegenwart sind die Borg noch im Delta-Quadranten!» meinte Dr. Strike.
    «Sie werden durch einen weiteren Zeitstrudel Verstärkung schicken. Die Menschheit wird ein leichtes Ziel darstellen – ohne jeglichen Widerstand.» erwiderte der Captain. Er fragte seinen Sicherheitschef: «Mr. Chollet, gibt es etwas zu berichten?»
    «Vieles, aber ich halte mich kurz und erzähle nur das Nötigste. Die Borg kontrollieren mehr als die Hälfte des Schiffs. Wir hatten versucht, die Brücke und die umliegenden Decks wieder mit Energie zu versorgen. Erfolglos, wie Sie an der Dunkelheit erkennen können.» faßte
    Lt. Cmdr. Chollet zusammen.
    «Und was machen wir jetzt mit den Borg, die da auf der Hülle spazieren und ihren Transmitter aufbauen?» fragte Dr. Strike. Der Captain erklärte seinen Plan:
    «Ich habe eine Idee. Wir müssen uns Raumanzüge besorgen und die Lage vor Ort erkunden. Mehr als drei Personen wären aber zu viel. Es gibt drei Magnetschloßkonsolen außerhalb der Hülle. Wenn wir die Magnetschlösser deaktivieren, löst sich die Deflektorschüssel vom Schiff. Die Borg müssen die Boje ja auf der Schüssel platzieren. Das wäre unsere Chance!»
    Sogleich gab Cpt. Bluefox Einsatzbefehle, ohne groß auf Reaktionen zu warten, da die Zeit relativ knapp war und keiner genau wußte, wie schnell die Borg im Aufstellen einer Kommunikationsanlage im offenen Raum waren. Bluefox sprach:
    «Commander Chollet und Chief Whiteman kommen mit mir. Ich weiß, daß unser Transporterchef einen Kurs in der Schwerelosigkeit absolviert hat. Deshalb habe ich ihn einem Führungsoffizier vorgezogen. In der Zwischenzeit übernimmt Doctor Strike die Brücke und nimmt die Berichte der Einsatzoffiziere auf den Decks entgegen. Nicole, versuchen Sie mit der Brückencrew nach wie vor, die Systeme wieder mit Energie zu versorgen. Annie, wenn Sie wollen, können sich einmal die Brücke und die Beobachtungslounge ansehen. Das bringt Sie auf etwas andere Gedanken als immer nur über diese Schweden.»
    Lt. Cmdr. Haldman drehte sich in die Richtung des Captains, runzelte die Stirn und fragte:
    «Welche Schweden denn? – Ah, Sie Scherzkeks!» Haldman fand die Antwort gleich selbst heraus und mußte lachen. Cpt. Bluefox bemerke mit einem Schmunzeln auf den Lippen:
    «Diese Bezeichnung für unsere liebenswerten Kollektivgegner ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern auf dem von Annie!» Er zwinkerte Annie mit einem Auge kurz zu.
    Man wollte jedoch nicht noch mehr Zeit unnötig verstreichen lassen und so machten sich
    Cpt. Bluefox, Lt. Cmdr. Chollet und Chief Whiteman ohne Umwege zum einzigen Frachtraum auf, der noch nicht von den Borg heimgesucht oder assimiliert worden war. Dort holten sich die drei Crewmitglieder Raumanzüge und spezielle, auch im offenen Raum funktionstüchtige Kompressionsgewehre.
    «Wir können maximal drei Schüsse abfeuern, dann haben sie sich darauf eingestellt.» meinte Lt. Cmdr. Chollet.
    Das Dreierteam verließ das Innere der Bluefox durch einen speziellen Übergang. Kurz darauf waren sie auch schon bereits im freien Weltraum draußen. Sie begannen, der Hülle entlang zu spazieren bis zur Deflektorschüssel. Es sollte doch ein Stückchen Weg vor dem Außenteam liegen bis dorthin.

    Auf der Erde suchte man schon längere Zeit Hanspeter Örgelisauer, der nach seinem Austritt zur Toilette verschollen blieb!
    Lt. Cmdr. Steaner und Cmdr. Ceagy machten sich auf die Suche nach ihm. Mit ihnen waren noch zwei andere Suchtrupps von der Erde, darunter Bekannte von Örgelisauer unterwegs. Wenig später teilten sie sich auf, um eine größere Fläche absuchen und überblicken zu können. Da machte Lt. Cmdr. Steaner den Ersten Offizier plötzlich auf sich aufmerksam:
    «Moment, Commander! Ich habe ein menschliches Lebenszeichen, 511 Meter vor uns!»
    «Ist es Örgelisauer?» fragte Cmdr. Ceagy.
    «Ich müßte einen Bewegungsscan machen.» antwortete die Chefingenieurin.
    «Tun Sie das.» befahl Cmdr. Ceagy. Er schaute auf den Tricorder von Steaner. Er konnte erkennen, daß die Person ein kleines Fläschchen in der Hand hatte und es zwischendurch immer wieder zu Munde führte! Er meinte aufgeregt:
    «Er ist es, Tanya! Wir müssen ihn kriegen! Sonst ist die Menschheit im Eimer!» Sie rannten sogleich los, um Örgelisauer einzuholen.

    Im Maschinenraum tat sich nicht viel. Die Borg bastelten nach wie vor am ganzen Körper von Lore herum. Auf Befehl der Borg Queen machten die Drohnen aus ihm einen biologischen Menschen! Die Borgkönigin sah ihren Drohnen und dem armen Lore zu. Damit es dem Androiden nicht langweilig wurde, begann er, Fragen an die Queen zu stellen:
    «Sagen Sie mal, Sie benutzen doch ein Neuro-Relais auf Primärbasis zur Übertragung der organischen Nervenimpulse in die Zentraldatei meines Positronennetzes, oder?»
    Er bekam aber keine Antwort. Das wunderte ihn nicht mal besonders, dennoch wollte er die Borgkönigin weiter aus der Reserve locken und machte weitere Hypothesen:
    «Wenn das der Fall ist, wie haben Sie das Problem des stärker werdenden Signalfadings bei den organisch-synthetischen Stoffen gelöst, wenn...» – Das ständige Aufstellen von Hypothesen und das Stellen von für die Borg irrelevanten Fragen des Androiden nervte die Borgkönigin und sie fuhr Lore mitten in den Satz: «Reden Sie immer so viel?»
    «Nicht immer, aber immer öfter!» antwortete Lore und lachte los! Als er sich nach einigen Sekunden wieder einigermaßen erholt hatte, fügte er hinzu:
    «Clausthaler – nichts, was ein Borg braucht!» Erneut wurde Lore von einem Lachanfall richtiggehend durchgeschüttelt! Dieses Lachen endete aber plötzlich abrupt! Lore meinte:
    «Ich habe mein Ziel erreicht.»
    «Welches Ziel denn?» fragte die Königin verwundert. Lore antwortete:
    «Nun, Sie haben endlich meinen Emotionschip wieder deaktiviert. Danke sehr.»
    Die Borg Queen schüttelte kurz den Kopf und lief langsam um den liegenden Alkoven herum, an dem Lore festgeschnallt war. Es war ein spezieller Alkoven. Er unterschied sich in einigen Kriterien von den anderen Regenerationseinheiten deutlich: Erstens war er mobil, zweitens konnte man darauf jemanden festschnallen und drittens sah er vollkommen anders aus. In der oberen Hälfte glich er eher einem Sessel als einem normalen Borgalkoven. Die Queen bemerkte:
    «Warum bestehen Sie immer noch auf dieser primitiven, linguistischen Kommunikation? Ihr androides Gehirn ist zu so viel mehr fähig.» Lore erwiderte:
    «Sie wissen doch: Mein Bestreben ist es, menschlicher zu werden.»
    «Menschlich. – Wir waren einmal genau wie Sie: Schwach, fehlerhaft, organisch. Aber uns
    gelang die Einbeziehung der Synthetik. Jetzt benutzen wir beides, um die Vollkommenheit zu erreichen.» erklärte die Königin. Sie schaute Lore starr an und fügte hinzu:
    «Sie sollten das selbe Ziel haben!» Lore konterte:
    «Zu glauben, man sei vollkommen, ist oft ein Anzeichen von Wahnvorstellungen!»
    «Einfache Worte! Sie kommen von einem einfachen Wesen, welches das angreift, was es nicht versteht!» sprach das Oberhaupt des Kollektivs. Doch Lore hatte auch gegen diese Aussage etwas einzuwenden und entgegnete:
    «Eins verstehe ich! Sie haben kein besonderes Interesse an mir! Ihr Ziel ist es, die Zugangscodes für den Bluefox-Computer zu knacken. Das können Sie vergessen! Ich habe die Codes programmiert!» Hätte Lore seinen Emotionschip noch aktiviert gehabt, dann hätte er sich in diesem Moment wohl total überlegen gefühlt! Die Borgkönigin hauchte leise:
    «Diese Codes zu bekommen ist eines unserer vielen Ziele. Aber um es zu erreichen, möchte ich helfen, das Ihre zu erreichen.»
    Ein Borg hatte seine Hautimplantationsarbeit am linken oberen Arm von Lt. Cmdr. Lore beendet und klappte die Armschelle zu. Doch genau in dem Moment schlug Lore dem Borg mit eben diesem kurz frei bewegbaren Arm eins voll ins Gesicht und öffnete mit einigen Tippkombinationen auf einer Konsole des Alkoven die restlichen Schellen! Diese Kombinationen hatte er einige Male einer Drohne abgucken können.
    Die Queen war für einen Moment total verwirrt und konnte nicht reagieren! Lore schlug mehrere Drohnen kampfunfähig! Dann wollte er zum Warpkern, in der Absicht, ein Loch in einen der Plasmakühltanks zu schlagen, aber die Queen realisierte die Lage schnell wieder und errichtete ein spezielles, unsichtbares Borgkraftfeld! Gleichzeitig versuchte sie, Lore zu stoppen, indem sie den Emotionschip des Androiden reaktivierte! Lore rannte voll in das Energiefeld hinein und wurde zurückgeschleudert! Hinter ihm standen bereits vier persönliche Wachdrohnen der Queen und umzingelten den Androiden! Ehe Lore reagieren konnte, näherte sich ihm eine Drohne blitzschnell und verpaßte ihm mit ihrem stechgabelähnlichen Armwerkzeug einen Stich in seinen, bereits mit organischer Haut überzogenen Arm! Dies hinterließ selbstverständlich eine blutende Wunde! Lore hielt sich mit der anderen Hand die Blessur zu und machte ein schmerzverzerrtes Gesicht! Die Queen gab den Drohnen ein Zeichen, daß sie wieder an ihre Arbeit gehen sollten. Sie ging zu Lore hin und bemerkte spöttisch:
    «Da stehen Sie und drücken das wunderbare Fleisch an sich, das ich Ihnen geschenkt habe!» «Ich versuche, menschlicher zu werden. Es tut weh, auch wenn es nicht weh tut!» wimmerte Lore.
    «Sie werden wirklich immer menschlicher, Lore, das merke ich! Jetzt haben Sie gerade versucht zu lügen!» konterte die Queen mit ernster Miene.
    «Meine Programmierung sieht nicht vor, mich derartigen Gefühlen zu stellen!» meinte Lore. Das stimmte wirklich, jedoch tat es der Queen natürlich kein bißchen leid und sie mußte fast lachen über die momentane Hilflosigkeit des Androiden! Sie näherte sich ihm und fragte ihn
    auf einmal etwas ganz anderes, etwas viel Persönlicheres:
    «Sind Ihnen die körperlichen Formen des Vergnügens vertraut?»
    Sie kam weiter auf ihn zu und stoppte erst, als ihr Gesicht nur noch wenige Zentimeter von Lores Gesicht entfernt war! Die Queen grinste. Lore wußte zwar, auf was die Königin anspielte, aber es war ihm natürlich total unangenehm! Er antwortete ihr, möglichst formell:
    «Falls Ihre Anspielung auf Sexualität hinzieht: Ich bin voll funktionsfähig, programmiert auf multiple Techniken!» Die Queen verlangte:
    «Sagen Sie mir, wann Sie sie das letzte Mal benutzt haben!»
    «8 Jahre, 4 Monate, 6 Tage, 17 Stunden, 24 Minuten...» – Sie unterbrach Lores übergenaue Zeitangabe und hauchte: «Viel zu lange!»
    Daraufhin gab sie ihm einen feuchten, kalten, schleimigen Kuß! Er ekelte sich zwar etwas, weil sein Emotionschip leider wieder aktiv war, aber er mußte diesen Kuß über sich ergehen lassen.

    Inzwischen waren die drei Weltraumspaziergänger an ihrem Ziel, der Deflektorschüssel, angekommen. Sie sahen mindestens zwölf Borgdrohnen, die an ihrer Arbeit beschäftigt waren. Jede Drohne hatte auf dem Rücken eine Leuchtstange montiert. Diese Stangen sollten von den Borg in die dazu passenden Verankerungen auf der Deflektorschüssel gesteckt werden, um eine einseitige Langstreckenfunkverbindung in die Gegenwart aufzubauen, damit seitens der Borg für Nachschub gesorgt war.
    «Wir sollten Verstärkung herbeordern!» riet Lt. Cmdr. Chollet Cpt. Bluefox. Doch der meinte: «Wir haben keine Zeit dafür.»
    Der Captain schaute sich das Ganze an und erkannte:
    «Sie wollen die Boje sogar auf dem Partikelemitter aufbauen. Das ist ja noch gediegener! Dann müssen wir nicht einmal die ganze Schüssel in den Weltraum schicken, aber wir müssen die oberen drei Magnetschlösser trotzdem deaktivieren. Na dann, los geht’s!»
    Die drei Crewmitglieder wanderten nun bis in die Wölbung der Schüssel hinunter. Dort befanden sich drei Computerpanels für die Bedienung der Magnetschlösser.
    «Jeder an einen!» befahl Cpt. Bluefox. Sie verteilten sich auf die drei Panels.

    Auf der Erde war man Hanspeter Örgelisauer auf der Spur. Cmdr. Ceagy und
    Lt. Cmdr. Steaner waren ihm schon sehr nahe gekommen. Auch die anderen Suchtrupps konnten ihn sehen! Ceagy gab der linken Gruppe ein Zeichen, daß sie von hinten an ihn heranlaufen sollten. Ceagy und Steaner wollten frontal gehen. Somit hatte er keine Chance, davonzurennen. Sie schafften es durch die zahlenmäßige Überlegenheit, Örgelisauer zu drei Viertel zu umzingeln und zur vorübergehenden Aufgabe zu zwingen!
    Cmdr. Ceagy fragte den Erfinder des Warpantriebs: «Suchen Sie immer noch die Toilette?»
    «Ich will nicht wieder zurück!» rief Örgelisauer.
    «Hören Sie, Doc, wir schaffen es nicht ohne Sie! Haben Sie schon vergessen, was alles auf dem Spiel steht?» redete Lt. Cmdr. Steaner auf den Eglisauer ein.
    «Ich will aber keine Statue sein!» rief er und entwischte durch die einzige einigermaßen freie Lücke!
    «Dafür haben wir keine Zeit!» meinte Cmdr. Ceagy, zückte seinen Handphaser und schoß auf der niedrigsten Stufe Richtung Örgelisauer! – Der fiel einen Wimpernschlag später hin und blieb kurz liegen. Die Gruppe konnten ihn dadurch wieder einholen. Auf dem Weg fragte Ceagy Steaner mit einem Schmunzeln auf den Lippen: «Sie haben ihm von der Statue erzählt?» – Die Chefingenieurin konnte sich, da die Gefahr gebannt war, das Lachen auch nicht verkneifen!

    Auf der Außenhülle der Bluefox:

    Die drei Crewmitglieder verteilten sich auf die gleiche Anzahl Magnetschloßkonsolen.
    Bluefox erinnerte zuvor noch einmal beide Kollegen:
    «Damit es funktioniert, müssen alle drei Magnetschlösser geöffnet sein. Die Klappen klinken sich dann aus und der Partikelemitter löst sich von der Plattform.»
    Bluefox öffnete seine Konsole und wechselte zwei Schlüsselkarten aus. Die acht schlitzförmigen Öffnungen waren bis auf den zweiten Schlitz von links mit Karten belegt.
    Er nahm die Karte im vierten Schlitz von links heraus und ließ sie in die freie Öffnung hineingleiten. – Auf dem Panel war nun zu lesen: „Zugang gewährt.“ – Der magnetische Verschluß war gelöst.
    Die anderen beiden Offiziere versuchten ebenfalls so rasch als möglich, an ihren Konsolen den magnetischen Verschluß zu lösen. Als Chief Whiteman sein Panel erreichte und gerade beginnen wollte, eine Schlüsselkarte herauszuklauben, unterbrach ein Borg seine Arbeit und lief zu Chief Whiteman hin! Die Drohne hatte keine Leuchtstange mehr auf dem Rücken, weil sie ihre Hauptarbeit bereits erfolgreich abgeschlossen hatte. Zum Glück bemerkte es der Transporterchef aber rechtzeitig und feuerte einen Schuß aus seinem Kompressionsgewehr ab. Der Borg verlor seine Schwerkraft und segelte in den Weltraum hinaus! Whiteman konnte an seiner Konsole den magnetischen Verschluß erfolgreich lösen.
    Immer wieder konnten die Borg eine der vielen Leuchtstangen auf der Plattform des Emitters
    anbringen. 18 Stangen mußten am Schluß erfolgreich in den Verankerungen stecken, um eine Verbindung zur Gegenwart herstellen zu können. Zur leichten Beruhigung von Cpt. Bluefox steckten jedoch erst vier dieser 18 Stangen – und das Außenteam befand sich nun doch bereits zwei Minuten auf der Hülle. Der Captain rechnete für sich und sein Team, daß sie in weniger als einer Viertelstunde die ganze Sache erledigt haben sollten.
    Nun kam ein Borg auf Lt. Cmdr. Chollet zu. Der Sicherheitschef bemerkte ihn sofort und feuerte, doch der Schuß prallte auf ein grün aufleuchtendes persönliches Sicherheitsfeld unmittelbar vor der Drohne!
    «Sie haben sich darauf eingestellt!» schrie Chollet zu den anderen. Er nahm aus einer Tasche seines Weltraumanzuges plötzlich eine Überraschung für die Borg heraus! Es war eine massive Eisenkugel, etwas größer als ein Baseball! Mit solchen Kugeln spielte man sonst eigentlich eine beliebte französische Sportart mit dem Namen Pétanque. Mit dieser Kugel und den bloßen Händen mußte sich der Steirer gegen die kybernetisch weiterentwickelte Lebensform, die auf ihn zukam, verteidigen!
    Kurz bevor der Borg Chollet erreicht hatte, holte der tapfere Kunstturner in einem weiten Radius aus und beförderte die Pétanque-Kugel in direktester und schnellster Linie in die Richtung, wo sich bei humanoiden, männlichen Lebewesen normalerweise die Genitalien befanden!
    Lt. Cmdr. Chollet verfehlte sein Ziel nicht und traf den Borg heikel an dessen empfindlichster Stelle! Da auch Borgdrohnen nicht vollkommen kybernetisch, sondern zu einem kleinen, aber bestimmenden Teil noch organisch waren, sollte dieser Treffer seine Wirkung nicht verfehlen. Die Drohne sackte erst in die Knie, dann vollkommen auf den Boden! In diesem Zustand war der Borg nicht mehr im Stande, sich auf etwas vorzubereiten und Chollet konnte ihn mit Leichtigkeit durch einen Schuß aus seinem Kompressionsgewehr erlösen.
    Nach dieser vollends gelungenen Aktion hatte auch der Sicherheitschef die notwendige Zeit, sich um den magnetischen Verschluß zu kümmern und die Schlüsselkarten auszutauschen.
    «Magnetischer Verschluß ist an allen drei Konsolen gelöst!» rief Lt. Cmdr. Chollet noch zur allgemeinen Orientierung.
    Nun mußte man etwas Neues tun. An jeder Kontrollkonsole gab es zwei Hälften. Die linke Hälfte diente zur Auswechslung der Schlüsselkarten, was ja erledigt war, jedoch auf der rechten Seite mußte nun mit viel Kraftaufwand ein Griff herausgezogen, um 90 Grad gedreht und dann wieder hineingedrückt werden. Cpt. Bluefox nahm sich den Stahlgriff als Erster vor und schaffte es auch nach ungefähr zehn Sekunden. Dieses Verfahren war ihm nicht unbekannt, weil dies schon auf früheren Missionen trainiert wurde, um den Deflektor zu modifizieren. Der Griff konnte in verschiedene Positionen gedreht und wieder in die
    Verankerung hineingepreßt werden.
    Es dauerte nicht lange, bis ein weiterer Borg, der nichts mehr zu tun hatte, vom Emitter herunterstieg und sich jemanden als Opfer aussuchte. Er fackelte nicht lange und marschierte
    direkt auf den Captain zu. Doch der hatte eine Schlaumeieridee in der Trickkiste! Er schoß ein Loch in den Boden, direkt unter der Drohne!
    Durch die Luft, die von innen mit einer unfaßbaren Geschwindigkeit herausströmte, blies es den Borg gleich einige Meter in die Höhe! Aufgrund der neuen Umstände war es ein Leichtes, die Drohne abzuschießen, weil die dann mit sich selbst wohl genug beschäftigt war.
    Lt. Cmdr. Chollet konnte den zweiten Arbeitsschritt an seiner Konsole ebenfalls gleich vollführen, weil er gerade nicht von einer Drohne belästigt wurde.
    Auch Chief Whiteman war nun daran, den Griff zu bearbeiten. Doch der Transporterchef hatte mehr Mühe als Cpt. Bluefox und Lt. Cmdr. Chollet.
    Eine Drohne beendete ihre Arbeit und näherte sich Chief Whiteman. Dieser war aber so sehr an dem Griff beschäftigt, daß er sich für einige Sekunden nicht konzentrierte. Er blickte nicht konsequent nach vorne, wo sich die gefährlichste Handlung abspielte! Das sollte sein Schicksal sein...

    Fortsetzung folgt...

    Kommentar


    • #3
      Folge 24: Angriff der Borg (Teil 4)


      Die Drohne erreichte den Transporterchef und rang ihn zu Boden! Cpt. Bluefox schrie noch zu Chief Whiteman hinüber, aber da war es schon viel zu spät. Whiteman und der Borg verschwanden plötzlich hinter dem Panel und waren somit für die anderen beiden Offiziere unsichtbar.
      Als die Drohne ihr Werk an Thierry Whiteman vollendet hatte, erhob sie sich wieder und mußte sogleich ihr Zeitliches segnen, weil sie nicht auf einen präzisen Schuß des Captains von der linken Seite aus gefaßt war! Das kybernetische Wesen schwebte langsam von der Hülle weg.
      Bluefox war nun anscheinend ein beliebtes Ziel der Borg geworden, denn es dauerte keine halbe Minute, bis bereits eine weitere Drohne auf den Captain zukam! Der schoß, aber es nützte nichts mehr. Der Borg hatte sich definitiv angepaßt. Es war auch für einen Kunstschuß zu spät und Bluefox sah sich ziemlich in der Klemme! Zudem hatte ja Thierry Whitem die Arbeit an seiner Kontrolle noch nicht beendet! Bluefox schaute zu Whitemans Konsole hinüber. Ein Gedanke schwirrte plötzlich durch die Synapsenbahnen seines Gehirns! Ohne überhaupt zu wissen, ob es klappen würde, löste er seine magnetische Verbindung zur Hülle und schwebte etwas in die Höhe! Wenige Sekunden später schwebte er etwa drei Meter über dem Boden und die Drohne konnte ihm nichts mehr anhaben! Er versuchte, irgendwie zu steuern und auf die andere Seite der Deflektorschüssel zu gelangen. Es glückte ihm eher nur mittelprächtig. Er fuchtelte mit den Armen umher und kam sich wie in einem tiefen Schwimmbecken vor! Jedoch schaffte er einigermaßen, die Höhe sowie auch die Flugrichtung zu kontrollieren. – Mit letzter Kraft gelang es dem Captain, sich am Panel von Chief Whiteman festzuhalten! Er remagnetisierte sich per Knopfdruck an seinem Raumanzug.
      Cpt. Bluefox hatte nun also wieder festen Boden unter den dicken Schuhsohlen. Er beendete die Arbeit des Chiefs erfolgreich und problemlos. – Alle drei Magnetschlösser waren offen!
      Die Borg konnten just in diesem Moment die 18. Stange anbringen, jedoch hatten sie keine Zeit mehr, ein Signal zu senden, weil sich der Emitter unter ihnen bereits von der Hülle löste! Die Borgdrohnen waren verwirrt und konnten sich daher nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren! – Die Boje schwebte immer weiter von der Deflektorschüssel weg, bis sie plötzlich nach ungefähr 20 Metern stehenblieb!
      «Oh, das Sicherheitskabel!» bemerkte Lt. Cmdr. Chollet und schoß es entzwei. – Der Emitter tuckerte immer weiter von der Bluefox weg.
      «Sie können immer noch Schaden anrichten!» rief Bluefox zu Chollet hinüber. Der Sicherheitschef feuerte mit seinem Kompressionsgewehr auf den Emitter! Drei Sekunden später, als der Minitorpedo die Boje erreichte, explodierte die Einheit mit allen restlichen Borgdrohnen darauf! Cpt. Bluefox rief Lt. Cmdr. Chollet fröhlich zu: «Mission erfüllt!»
      «Fast erfüllt!» sprach eine Stimme auf einmal direkt hinter dem Captain! Der drehte sich um und konnte hinter dem nach außen gewölbten Glasvisier Chief Whiteman erkennen! Überall waren bereits Kabel und anderes Borgzeug im Gesicht des Transporterchefs eingenistet.
      Der Borg-Whiteman schmierte Cpt. Bluefox, ohne auch nur einen Moment zu zögern, zu Boden! Daraufhin wollte der gerade eben Assimilierte das gleiche Verfahren an Bluefox anwenden, als er plötzlich abhob! – Chollet leistete noch einmal ganze Arbeit.
      «Danke, Commander!» rief Cpt. Bluefox zu Lt. Cmdr. Chollet hinüber.
      Nach dieser atemberaubenden Außenmission machten sich Bluefox und Chollet wieder zurück auf den Weg zur Brücke.

      Im Maschinenraum kommentierte die Borg Queen diesen Zwischenfall mit folgendem Satz:
      «Wir haben unsere Pläne geändert, Lore.»
      Die Queen war binnen Sekunden über alles, was im Kollektiv passierte, informiert und sie
      konnte somit alles planen, bevor Gefahr entstehen konnte.

      Inzwischen konnten die Crewmitglieder der Bluefox Hanspeter Örgelisauer dazu überreden, ihnen wieder zu helfen. Der Start der Rakete sollte also zum Glück nicht verschoben werden. Die Techniker leisteten sehr gute Arbeit und die Phoenix war für den Start schon fast bereit, nur noch die exakte Besatzung dazu fehlte. Es war aber auch noch eine Stunde Zeit bis zum Start.
      In diesem Moment betraten Andrew Ceagy und Hanspeter Örgelisauer das erste Mal das Cockpit der neu zusammengeflickten Warprakete.
      «Sie haben noch eine Stunde, Doktor.» informierte Cmdr. Ceagy.
      «Ja, ja. Ich werde jetzt noch einmal gründlich die Checkliste durchgehen.» erwiderte Örgelisauer.
      «Wie fühlen Sie sich?» fragte der Erste Offizier.
      «Ich habe einen Kater, Alarmstufe Rot! – Entweder vom Whisky oder von Ihrem Laserstrahl. Oder von beidem.» antwortete Örgelisauer und mußte lachen. Er fügte hinzu:
      «Aber ich bereit, Geschichte zu machen!»
      Cmdr. Ceagy war froher denn je. Er hatte das erste Mal das Gefühl, daß es der Eglisauer Trinker nun endlich ernst meinte.
      ««Fähnrich Crossnicholls an Commander Ceagy: Das Starttor kann jetzt geöffnet werden.»» funkte die Technikerin von der Bodenstation aus an den Ersten Offizier. Der antwortete:
      ««Hier Ceagy: Sie können es aufmachen.»»
      Die Rakete stand ja senkrecht. Somit öffnete sich das Tor direkt über der Raketenspitze.
      Dr. Örgelisauer fühlte sich von der Sonne geblendet und hielt sich die Hand an die Stirn.
      «Sehen Sie sich das an!» forderte Ceagy Örgelisauer mit erheiterter Stimme auf und zeigte auf die Mondsichel, die nur wenig neben der grellen Sonne deutlich erkennbar war.
      «Haben Sie denn keinen Mond im 24. Jahrhundert?» fragte Örgelisauer und rollte die Augen.
      «Doch, doch. Aber in unserer Zeit leben über 50 Millionen Menschen auf ihm!
      Da sind Orte wie Tyco City, New Berlin, sogar ein Lake Armstrong an einem solchen Tag!» schwärmte Cmdr. Ceagy. – «Aha.» murmelte Örgelisauer.
      «Und wissen Sie, Doktor,...» – wollte Cmdr. Ceagy einen Satz anfangen, aber Örgelisauer ahnte, auf was der Erste Offizier hinauswollte und unterbrach ihn:
      «Bitte! Sagen Sie mir jetzt nicht, das sei alles mir zu verdanken! Ich habe langsam genug gehört von diesem großen Hanspeter Örgelisauer! Ich weiß nicht, wer Ihre Geschichtsbücher schreibt und woher diese Informationen kommen, aber Sie haben wirklich komische Vorstellungen von mir! Das klingt ja so, als sei ich so etwas wie ein Heiliger oder ein Visionär für Sie!» klagte Örgelisauer.
      «Ich halte Sie nicht für einen Heiligen, Doc. Aber Sie hatten eine Vision! Und jetzt sitzen wir hier drinnen!» stellte Cmdr. Ceagy fest. Örgelisauer schmunzelte und schaute Ceagy an:
      «Wollen Sie wirklich wissen, worin meine Vision besteht?» – Er machte eine Pause und holte zu einem Ausruf aus: «In Schweizer Banknoten, in echtem Stutz!»
      Seine Stimme wurde wieder normallaut und er fuhr fort:
      «Ich habe dieses Schiff gebaut, damit ich mich zur Ruhe setzen kann auf einer tropischen Insel – voller nackter Weiber! Das ist Hanspeter Örgelisauer! Das ist seine Vision! Wissen Sie, ich fliege nicht mal gern! Ich fahre mit dem Postauto oder mit den SBB! Ich habe dieses Schiff nicht gebaut, um eine neue Ära der Erdgeschichte einzuleiten! Glauben Sie, ich will zu den Sternen?»
      Cmdr. Ceagy mußte einfach lachen über die Redensart des später populärsten Mannes des
      22. Jahrhunderts und der folgenden Zeit!
      Örgelisauer redete weiter, ohne die Antwort des Ersten Offiziers abzuwarten. – «Diese historische Figur, dieser Held, von dem Sie dauernd reden, ist mir nie begegnet! Und das wird wohl auch nie passieren!»
      «Irgendwer hat mal gesagt: „Versuche nicht, ein großer Mann zu sein, sei einfach ein Mann!
      Und lasse die Geschichte ihr eigenes Urteil fällen!“» zitierte Cmdr. Ceagy.
      «Das ist rhetorischer Unsinn! Wer hat das gesagt?» wollte Örgelisauer wissen.
      «Sie! Zehn Jahre später!» antwortete Ceagy mit einem breiten Grinsen.
      Dr. Örgelisauer schüttelte wieder den Kopf. Cmdr. Ceagy mahnte ihn:
      «Sie haben nur noch 58 Minuten, Doc! Nutzen Sie die!»

      Auf der Bluefox:

      Bluefox und Chollet kamen auf der Brücke an, als auch gerade F. Strike durch die versteckte Bodentür erschien. Der eigentliche Steuermann, den man kurzerhand zum Sicherheitsoffizier umdisponierte in dieser aufreibenden Schlacht mit den Borg, begrüßte Cpt. Bluefox und gab sogleich einen Bericht durch:
      «Captain, willkommen zurück! Ich habe leider gerade eine unangenehme Meldung. Die Borg sind wieder auf dem Vormarsch. Sie haben gerade drei unserer Verteidigungscheckpoints überrannt! Sie stellen sich auf jede unserer Modulationen ein. Es ist, als würden wir mit Platzpatronen schießen!»
      «Dann müssen wir schauen, daß die Phaser effektiver werden. Und bis dahin, Fähnrich, sollen Ihre Männer die Stellung halten!» befahl Cpt. Bluefox.
      «Sir?!» F. Strike war sich nicht sicher, ob das hinhauen würde.
      «Kampf „Mann gegen Mann“, wenn es sein muß.» wiederholte der Captain sein Verlangen.
      «Aye, Sir.» bestätigte F. Strike mit einem deutlich erkennbaren Stirnrunzeln und drehte ab. Da hielt ihn Lt. Cmdr. Chollet an der Schulter fest und sprach: «Warten Sie, Fähnrich.»
      Der Sicherheitschef wandte sich zu Cpt. Bluefox und wollte diesen Befehl anfechten:
      «Captain, unsere Waffen sind nutzlos! Wir sollten die Selbstzerstörung aktivieren und das Schiff per Rettungskapseln verlassen!» – «Nein!» war die prompte Antwort des Captains!
      In Cpt. Bluefox’ Stimme konnte man nun eine deutliche Steigerung der Wut spüren!
      Dr. Strike versuchte, nicht mit einem Gegenbefehl zu reagieren, wie es Chollet gemacht hatte, sondern sie wollte Cpt. Bluefox den Ertrag ersichtlich machen. Sie meinte:
      «Wenn wir die Bluefox zerstören, dann vernichten wir auch die Borg!»
      «Wir werden die Bluefox nicht verlieren, Doctor. Nicht an die Borg, nicht unter meinem Kommando!» rief Bluefox aus.
      Der Kommandeur der Bluefox wollte seinen Mann stehen und zeigen, daß er kein Feigling war. Aber sollte dieses Handeln gut sein? War es nicht blauäugig?
      Auf der Brücke wurde es plötzlich still. Cpt. Bluefox zog sich zum Nachdenken in die Beobachtungslounge zurück. Lt. Cmdr. Chollet ging mit F. Strike, dem Bruder von
      Dr. Strike, wieder in die unteren Decks, um den Borg entgegenzutreten. Dr. Strike übernahm die Brücke. Annie war auch immer noch im Kommandozentrum der Bluefox und kam sich ein wenig fehl am Platz vor. Sie fragte Dr. Strike: «Und was machen wir jetzt?»
      «Wir führen seine Befehle aus.» antwortete die Chefärztin und verteilte Aufgaben:
      «Commander Haldman, Sie und Lieutenant Humble beginnen mit der Modifizierung des Waffensystems...» – Annie fiel Dr. Strike ins Wort:
      «Aber wenn wir das Schiff in die Luft jagen und heil verlassen können, dann los!»
      «Wenn der Captain einmal einen Entschluß gefaßt hat, gibt es keine Diskussion mehr!» mahnte Dr. Strike die Eglisauerin. Annie jedoch winkte bloß ab und ging Richtung Tür der Lounge! Dr. Strike rief Annie zurück, in der Hoffnung, sie würde diesen Schritt nochmals überdenken. Aber da öffnete sich bereits die Tür und Annie verschwand in der Lounge.
      Dr. Strike strich einige Strähnen ihres dunklen Haares zurück, die ihr ins Gesicht gefallen waren und schloß kurz die Augen. Es galt nun einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht durchzudrehen.
      In der Beobachtungslounge ging es derweil ans Eingemachte. Annie rief aus:
      «Sie elender Mistkerl!» – «Das ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt!» entgegnete Bluefox.
      «Okay, ich verstehe einen Dreck vom 24. Jahrhundert, aber alle da draußen denken, gegen die Borg zu kämpfen und die Stellung zu halten, sei Selbstmord!» meinte Annie.
      «Wissen Sie, ich kenne die Borg. Keiner von meiner Crew kennt sie so gut wie ich! Ich bin einmal in deren Kollektiv assimiliert worden. Das ist noch kein halbes Jahr her! Sie hatten ihre kybernetischen Implantate überall in mir eingepflanzt! Ich war mit ihrem Gehirn verbunden! Ich war einer von ihnen! Sie können sich vorstellen, meine Teure, ich sehe die Borg deshalb unter einem ganz besonderen Blickwinkel und ich weiß, wie man sie bekämpft!» erklärte Cpt. Bluefox die Fakten. Annie interpretiete seine Erklärung wiefolgt:
      «Sie wollten es ihnen also heimzahlen, nicht wahr?» Cpt. Bluefox widersprach:
      «Nein, im 24. Jahrhundert unterliegen wir nicht mehr dem Gefühl der Rache. Unsere Sensibilität ist weiterentwickelt.» Annie jedoch war überhaupt nicht gleicher Meinung wie der Captain und diesem Unmut machte sie sogleich auch Luft:
      «Blödsinn! Ich habe doch gesehen, wie Sie die beiden Borg auf dem Holodeck erschossen haben! Sie haben es doch geradezu genossen!»
      Da erhob sich Bluefox plötzlich und sprach entsetzt: «Wie können Sie es wagen!»
      «Kommen Sie, Captain, Sie sind nicht der erste Mensch, für den es ein Nervenkitzel ist, jemanden zu ermorden! Ich sehe so was andauernd!» meinte Annie.
      «Raus hier!» schrie Cpt. Bluefox.
      «Und wenn nicht? Dann töten Sie mich? So, wie Sie Fähnrich Montgomery getötet haben? Entschuldigen Sie, ich wollte Ihre kleine Jagd nicht unterbrechen!»
      «Hier geht es nicht um Rache!» wiederholte Cpt. Bluefox seine Meinung.
      «Lügner!» rief sie aus.
      «Hier geht um die Rettung der Zukunft der Menschheit!» konterte Bluefox.
      «Jagen Sie das verdammte Schiff in die Luft!» – Annie war auf 180!
      «Nein! Nein!» schrie Bluefox, so laut wie er nur konnte, und schlug mit dem Kompressionsgewehr, das auf dem Tisch lag, eine großflächige Glasscheibe ein! Dahinter befand sich seine Sammlung mit den goldenen Modellschiffen der Sternenflotte. Diese waren natürlich ebenfalls zum größten Teil zerstört. Der Captain repetierte sein Hauptziel:
      «Ich werde die Bluefox-F nicht aufgeben.» – Seine Stimme war auf einmal wieder ganz ruhig geworden. Er begann, zu gestikulieren, wenn er sprach:
      «Wir haben schon zu viele Rückschläge erfahren, zu viele Kompromisse sind wir eingegangen. Die Borg greifen unser Schiff an – und wir weichen zurück. Sie dringen in unseren Raum ein – und wir weichen zurück. Sie assimilieren ganze Welten – und wir weichen zurück!» Seine Stimme wurde wieder lauter:
      «Aber hier wird der Schlußstrich gezogen! Bis hierher und nicht weiter!»
      Er ballte beide Hände zu Fäusten und schrie plötzlich:
      «Und ichich werde sie bezahlen lassen für ihre Taten!»
      Es wurde für einen Moment lang totenstill. Cpt. Bluefox ging ans obere Ende des langen Besprechungstisches zurück, wo er an der separaten Öffnung dieses Kompressionsgewehrs herumbastelte, mit dem er vorhin seine Schiffssammlung zum Ruin gemacht hatte. Annie nahm die rechte Hälfte von einem der goldenen Schiffsmodelle heraus und fuhr mit ihren Fingern darüber hinweg. Sie schaute zum Captain auf und sprach leise zu ihm:
      «Sie haben Ihre Schiffchen zerbrochen.»
      «Ja, ich weiß. Unser großes Schiff wird auch mal zerbrechen. Und ich wäre der Schuldige sowie auch der Verantwortliche für alle diese guten, tollen Persönlichkeiten. – Auch für Sie! Man muß auch einmal aufhören.» realisierte der Schiffsverantwortliche und ging wieder auf die Brücke, Annie sogleich hinter ihm her.
      Die ganze Brückenmannschaft schaute Cpt. Bluefox an, in der Erwartung und der Hoffnung, daß er entscheiden würde, das Schiff zu verlassen. – Er befahl schließlich:
      «Beginnen Sie mit der Evakuierung der Bluefox. Machen Sie die Rettungskapseln startklar. Fliegen Sie alle zu einem unbewohnten Fleck, damit wir uns aus der Geschichte raushalten können.» – Die Besatzung atmete auf!
      Auf der Erde war man definitiv für den Start bereit. Neben Cmdr. Ceagy und natürlich Örgelisauer himself wollte auch noch Lt. Cmdr. Steaner als technische Stütze mitfliegen. Die drei Warpastronauten im Cockpit schnallten sich an und das Tor zum Raketeninneren wurde geschlossen. Die letzten Kontrollen wurden durchgeführt und die letzten Checks gemacht. Hanspeter Örgelisauer fing an: «ATR-Einstellung?» – «Bereit!» bestätigte Tanya Steaner.
      «Mem-Bus?» fragte Örgelisauer. – «Aktiv!» antwortete Andrew Ceagy.
      «Vorzündungssequenz einleiten!» befahl Örgelisauer.

      «Selbstzerstörungssequenz einleiten! Autorisation: Bluefox-79-PI-OMEGA.» befahl Cpt. Bluefox.
      «Computer, Selbstzerstörung bestätigen! Autorisation: Strike-23-ALPHA-GAMMA.» sprach Dr. Strike.
      «Computer, Selbstzerstörung zustimmen! Autorisation: Chollet-37-BETA-DELTA.» bestätigte Lt. Cmdr. Chollet.
      Die Computerstimme sprach:
      «Selbstzerstörungssequenz aktiv. Warte auf Zeitangabe bis zur Warpkernüberladung.»
      «Hier Captain Bluefox! Zeit bis zur Überladung des Warpkerns: 15 Minuten, stiller Countdown. – Einleiten!» befahl Bluefox.
      «Selbstzerstörungssequenz wurde eingeleitet. Warpkernüberladung in 15 Minuten. Es wird keine weitere Warnung geben.» bestätigte die Computerstimme.
      «Das war also die Bluefox-F.» bemerkte Dr. Strike.
      «Wir haben sie nicht einmal richtig kennenlernen können.» meinte Cpt. Bluefox.
      Lt. Humble am Steuer fragte: «Glauben Sie, man wird eine Neue bauen?»
      «Es gibt noch viele Buchstaben im Alphabet.» antwortete Cpt. Bluefox.
      Die Zeit drängte von nun an, daher verließen alle Offiziere die Brücke ziemlich rasch und nahmen sich je eine Rettungskapsel. Mit diesen Kapseln nahmen sie einen direkten Kurs auf die Erde.
      Cpt. Bluefox jedoch blieb alleine auf der Brücke zurück, setzte sich in den Kommandosessel und atmete tief durch. – Doch da hörte er auf einmal wieder diese Borggeräusche sowie eine Stimme, die ihn rief! Bluefox besann sich sofort wieder und wußte, wessen Stimme es war. Es kam automatisch aus seinem Munde: «Lore!»

      ««Zentrale an Phoenix: Die letzten Kontrollen wurden beendet. Noch 40 Sekunden bis zum Start! Viel Glück!»» funkte Cnslr. Knight von der Basis aus an das Dreierteam in der Rakete. Der Counselor selbst kam nicht mit. Es war ihr etwas zu schnell in so einem altmodischen Ding. Warp 1 könnte für eine ehemalige Atomrakete doch den einen oder anderen Stundenkilometer zu viel sein. Auch in der Rakete war man offensichtlich vollends fertig.
      «Sind alle bereit, Geschichte zu machen?» fragte Ceagy mit fröhlichem Gesicht.
      «Ich immer!» antwortete Steaner schmunzelnd. Doch dann sagte Örgelisauer plötzlich:
      «Oh Gott! Ich glaube, ich habe etwas vergessen!» – «Was?!» rief Ceagy erschrocken.
      «Ich weiß nicht. Vermutlich nichts Wichtiges.» antwortete Örgelisauer.
      Cmdr. Ceagy war bereits wieder erleichtert und drückte den Hauptzündungsknopf.
      Aus dem Antrieb der Rakete quoll viel Dampf und Rauch. Es dauerte nur noch 20 Sekunden bis zum Start. Counselor Knight zählte über Funk die letzten Sekunden runter.
      «Oh, Gott! Jetzt weiß ich’s wieder!» rief Örgelisauer plötzlich.
      «Was denn?» fragte Ceagy, erneut von einem starken Schrecken heimgesucht.
      «Ich kann ohne sie nicht starten!» rief Örgelisauer panisch.
      «Tanya, wir müssen abbrechen!» rief Cmdr. Ceagy.
      «Nein, nein, ich habe sie!» sprach Örgelisauer auf einmal.
      Ceagy gab ein „Uff!“ von sich. Der baldige Pilot des ersten warpfähigen Raumschiffes hielt eine neongelbe, sechseckige Scheibe in der Hand. Er schob sie in eine Art Tonband.
      Cnslr. Knight war bereits bei „Sieben“, als auf einmal ein Riesenkrach in der Rakete zu hören war! Knight erschrak gewaltig und warf den Kopfhörer als Reaktion des Schreckens in hohem Bogen weg!
      In der Rakete schrie Örgelisauer: «Ja! Das ist Rock’n Roll!»
      Das Warpschiff startete aus der Rampe unter dem Boden. Die Erde vibrierte richtiggehend im Umkreis von über 200 Metern um die Startramoe! Wenig später schoß die Phoenix in Sekundenschnelle zum Himmel und verschwand aus dem Blickfeld der vielen Zuschauer, die auf der Oberfläche standen und darauf warteten, bis das Höllending in die Lüfte gleiten würde. – Bereits nach 40 Sekunden verließ die Phoenix die Erdatmosphäre!
      Noch immer dröhnte die Rockmusik im Inneren des Passagierraums. Cmdr. Ceagy schrie nach vorne: «Können Sie das vielleicht auch ein bißchen leiser stellen?»
      Hanspeter Örgelisauer schaltete die Musik sogar ab. Er brauchte sie nur für den Kick am Start, damit er keine Angst bekam!
      Die Warpgondeln wurden überprüft. Alles war in Ordnung.
      Als Cmdr. Ceagy aus dem Fenster schaute, bemerkte er vollends begeistert:
      «Wow! Diese Aussicht! Sehen Sie sich einmal um!»
      Örgelisauer guckte links aus dem Pilotenfenster hinaus. Er konnte in seiner rechten Blickhälfte den schwarzen Weltraum und die vielen weißen Pünktchen sehen. In der linken Hälfte befand sich eine riesige blaue Fläche. – Es war der atlantische Ozean! Örgelisauer war von diesem Anblick nun doch begeistert und gab ein „Wow!“ von sich.
      «Sie haben noch gar nichts gesehen!» bemerkte Cmdr. Ceagy, für den so eine Perspektive nichts Neues mehr war. Jedoch war es etwas Einzigartiges, die Erde aus dem Warpschiff von Hanspeter Örgelisauer zu betrachten!

      Auf der Bluefox waren unterdessen schon fast alle Mitglieder von Bord gegangen. Annie wollte gerade in eine Kapsel steigen, als sie plötzlich vom Captain gerufen wurde. – Sie blieb stehen und drehte sich um. Cpt. Bluefox sprach:
      «Ich habe hier etwas für Sie.» Er überreichte ihr ein Pad. Sie fragte verwundert:
      «Was ist das?» Bluefox erklärte:
      «Das sind noch die schriftlichen Befehle, daß man sich eine ruhige Region auf der Erde suchen und warten soll, bis der erste Kontakt mit den Vulkaniern erfolgreich abgeschlossen ist. Geben Sie dies einem der Crewmitglieder, wenn Sie jemanden treffen.»
      Annie nahm das Pad an sich und ahnte: «Sie kommen nicht mit. Habe ich Recht?»
      «Ja. Wissen Sie, es ist noch jemand auf diesem Schiff und ich muß ihn retten. Er hat mich auch gerettet, als ich Gefangener bei den Borg war. Jetzt schulde ich ihm dasselbe.» erklärte Bluefox.
      «Na dann, viel Glück!» entgegnete Annie und verschwand in der Kapsel. Bluefox ging ebenfalls, jedoch zum Maschinenraum, in dem Lore nach wie vor festgehalten wurde.
      Er lief ziemlich schnell, mit großen Schritten. Innert weniger als zwei Minuten war er an der Tür zum Maschinenraum angelangt.
      Es begegnete ihm bis zu dieser Stelle keine einzige Drohne! Er betrat also den Maschinenraum. Selbst im Hauptraum der Borg wurde er nicht angegriffen, sondern ignoriert von den Drohnen, die seinen Weg zum Warpkern kreuzten. Alles war grün! Keine Spur von Menschlichkeit war mehr zu sehen!
      Da rief auf einmal die Stimme der Borgkönigin zu Bluefox:
      «Was ist, Andronus? Erkennst du mich nicht wieder?»
      Bluefox schaute sofort zu dem Ort, wo die Stimme herkam. Da kam die Borgkönigin auch schon aus dem Dunkel hervor. Das ehemalige Sprachrohr der Borg hatte plötzlich ein etwas mulmiges Gefühl! Der Captain hatte mehrere ultrakurze, wenn nicht gar blitzschlagähnliche Visionen, in denen die Borgkönigin und er – in Form des Andronus – ganz dicht beieinanderstanden und sich ansahen! In einem dieser Bilder hatte die Queen sogar ihre Hand an die Wange von Bluefox gelegt!
      «Ich kenne dich! Du warst die ganze Zeit über da! Du hast uns alle gesteuert. – Doch wie du siehst, bin ich wieder geheilt geworden!» sprach der Captain.
      «Organische Gehirne sind doch nicht so zerbrechlich, wie ich immer dachte.» bemerkte die Borg Queen. Bluefox wunderte sich und sprach:
      «Aber eine Sache verstehe ich nicht. Dieses Schiff und alle Borg in ihm wurden vernichtet!»
      «Du hast wohl vergessen, daß wir uns nicht nur regenerieren! Wir reinkarnieren auch einige wichtige Teile des Kollektivs. Ich bin so ein wichtiger Teil. Auch du warst eine wichtige Figur in meinem Kabinett! Wir hätten alles gemacht, um Andronus wieder zu bekommen! Doch diese Chance bietet sich mir jetzt ohne riesigen Aufwand.» erklärte die Queen.
      «Wo ist Lore?» fragte Bluefox.
      «Ah, dein Hilfsandroide. – Er ist in einem der vielen Alkoven dort drüben.» antwortete die Borgkönigin.
      Es dauerte nicht lange, bis Cpt. Bluefox Lore entdeckte. Doch als der Captain erkannte, wie Lore plötzlich aussah, traf ihn fast der Schlag! Er fragte die Queen mit erregter Stimme:
      «Was hast du mit ihm da gemacht?»
      «Ich habe ihm gegeben, was er haben wollte: Fleisch und Blut! Meine Arbeit ist beinahe abgeschlossen. Er ist schon fast zur Gänze ein biologischer Mensch!» antwortete sie.
      «Laß’ ihn gehen! Er ist nicht der, den du willst.» – «Willst du dich uns anbieten?» fragte die Königin. Bluefox realisierte:
      «Ich mich anbieten – das ist es! Es reichte nicht, daß ihr mich assimiliert habt! Ich mußte mich den Borg freiwillig zum Geschenk machen! Und zwar dir!» – «Du schmeichelst mir! Ich überwachte damals die Assimilierung von Millionen Individuen! Es war nicht anders bei dir!» konterte die Queen. Doch Bluefox war sich seiner These sicher und sprach:
      «Du lügst! Du wolltest mehr als nur eine Borgdrohne! Du wolltest eine Person mit einem eigenen Geist, der die Kluft zwischen den Menschen und den Borg überbrücken konnte. Du wolltest einen Gleichgestellten! – Aber ich bekämpfte dich!»
      «Du kannst dir das Leben nicht vorstellen, das du dir selbst versagt hast!» meinte die Königin. Bluefox kam auf die graue, schleimige Person zu und wollte sie verführen! Er sprach mit einer ruhigen Stimme:
      «Es ist noch nicht zu spät. Andronus könnte bei dir sein, so wie du ihn haben wolltest: Als Gleichgestellter. Laß‘ Lore gehen, dann nehme ich meinen Platz an deiner Seite ein. Freiwillig, ohne Widerstand.» – Die Queen war sichtlich erstaunt und erwiderte lächelnd:
      «Welch eine noble Gesinnung! Eine Qualität, die uns manchmal fehlt. Wir werden diese Eigenschaft den Unsrigen hinzufügen.»
      Sie strich Bluefox über sein kurzes, dunkelbraunes Haar und sprach mit einer fast schon flüsternden Stimme: «Willkommen daheim, Andronus!»
      Wieder strich sie mit ihrer Hand über die Wange des Captains. Einige Sekunden verstrichen, bis die Königin sich wieder von Bluefox abwandte und sich umdrehte. Sie deaktivierte ein Borgkraftfeld um den Alkoven von Lore und sprach: «Lore, Sie dürfen gehen.»
      Doch der erwiderte zum totalen Erstaunen von Cpt. Bluefox: «Nein. Ich möchte nicht gehen!»
      «Den Gleichgestellten habe ich bereits gefunden, wie Sie sehen.» – Sie legte ihren Arm um Cpt. Bluefox, der sich besonders in diesem Moment wahrlich wünschte, eine andere weibliche Person außer der Borgkönigin hätte ihn mal so zärtlich angefaßt!
      Andererseits war Bluefox natürlich total überrascht, daß Lore nicht fliehen und sich in Sicherheit bringen wollte! Die Aktivierung der Selbstzerstörung war dem Volk im Maschinenraum sicher nicht unbekannt. Bluefox machte sich auch Gedanken darüber, ob Lore sogar zu den Borg übergelaufen war in der Zwischenzeit. – Nichts war unmöglich, das begriff der Captain schon lange!
      «Lore, deaktivieren Sie die Selbstzerstörungssequenz!» befahl die Borgkönigin. Lore ging vom Alkoven weg und war auf dem Weg zur Hauptkonsole des Maschinenraums!
      «Nein, Lore! Tun Sie das nicht!» rief Bluefox. – Aber der Androide hörte nicht auf den Captain, sondern gehorchte der Queen! Lore tat, was ihm das Kollektivoberhaupt befahl! Bluefox kriegte fast eine Krise! Lore tippte auf der Konsole kurz herum, bis die Computerstimme sprach: «Selbstzerstörungssequenz deaktiviert.»
      Bluefox schwitzte ohnehin schon wie ein Olympiasieger aufgrund der extrem heißen und feuchten Verhältnisse im Maschinenraum, doch das Verhalten des Androiden ließ das Blut
      in seinen Adern fast kochen! Er schien, nicht mehr ganz bei Sinnen zu sein!
      Die Borgkönigin erteilte Lore einen weiteren Befehl:
      «Jetzt können Sie die Verschlüsselungscodes außer Kraft setzen und die gesamte Schiffskontrolle mir übergeben!» – Auch das machte Lore, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken! Der Computer bestätigte auch dieses Vorgehen.
      Der Captain lief zu Lore hin, schaute ihn flehend an und sagte:
      «Geben Sie diese Codes wieder ein, Lore. Bitte!» Doch Lore wandte sich vom Captain ab und ging zur Borgkönigin hin.
      Bluefox spürte plötzlich, wie ihn zwei Drohnen von hinten unsanft an seinen Schultern anpackten! Lore sprach leise, jedoch gut hörbar für Cpt. Bluefox:
      «Der Captain wird eine ausgezeichnete Drohne.»

      Die Phoenix war schon fast für den Sprung auf Warp klar!
      «Plasmainjektoren sind online, da sieht alles gut aus!» berichtete Lt. Cmdr. Steaner.
      «Die Geschwindigkeit beträgt jetzt 20'000 Kilometer pro Sekunde! Wir müssen die Warpmauer in fünf Minuten durchbrechen, damit sie aufmerksam werden!» informierte Cmdr. Ceagy. – Dr. Örgelisauer rief: «Warpgondeln sind einsatzbereit!»
      Es wurde immer lauter im Cockpit, je schneller die Phoenix wurde! Cmdr. Ceagy rief:
      «Na dann, los!»
      «Warpfeld sieht gut aus! Strukturintegrität ist konstant!» berichtete Lt. Cmdr. Steaner.
      Örgelisauer schaute auf den digitalen Tachometer und rief entsetzt: «Meine Güte!»
      Ceagy und Steaner mußten lachen. Ceagy rief nach vorne:
      «Ganz ruhig, Doktor! Ich bin sicher, daß Sie hier sind, um es zu verabschieden!»

      Inzwischen wurde Cpt. Bluefox auf den früheren Alkoven von Lore befördert und ein Borg hielt ihm als Bedrohung ein handeigenes Kreissägeblatt an den Kopf, falls er ausbüxen wollte! Lore berichtete der Queen: «Ich bringe nun die externen Sensoren online.»
      Auch im Maschinenraum befand sich ein großer Bildschirm, aber erst seit die Borg einen installiert hatten! Der Captain, die Queen und Lore schauten unterschiedlich gespannt auf den Schirm. Der Captain erschrak, während die Königin hämisch grinste und bemerkte:
      «Das ist das Häufchen Zukunft der Menschheit.» – Auf dem Schirm war nämlich die Phoenix zu sehen. Lore verfolgte das Geschehen am Bildschirm androidisch gelassen.

      Im nun von Lore anvisierten Warpschiff ratterte es inzwischen wie wild! Man war nun kurz vor der Warpschwelle! Örgelisauer warnte: «Jetzt kommt der kritische Punkt!»
      «Nähern uns Lichtgeschwindigkeit! Noch 15 Sekunden bis zur Warpschwelle!» informierte Cmdr. Ceagy den Piloten.

      Die U. S. S. Bluefox jedoch war bereits auf Abfangkurs mit der Phoenix! Die Borgkönigin befahl Lore: «Eliminieren Sie diese Rakete!»
      Lore schoß tatsächlich drei Quantentorpedos auf die Phoenix ab! Sie näherten sich rasant der kleinen Rakete! Der Captain stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch!
      Es sah so aus, als würden die Torpedos im nächsten Moment einschlagen, als Lore die drei Geschoße im letzten Moment vom Ziel weglenkte, so daß sie die Phoenix verfehlten!
      Die Queen drehte sich blitzartig zu Lore hin und schrie ihn an! Der Androide jedoch erwiderte
      kurz und bündig mit drei bekannten Worten: «Widerstand ist zwecklos!»
      Die folgenden Momente wurden zu den turbulentesten, die Cpt. Bluefox seit seiner Geburt erleben durfte, so schien es ihm zumindest!
      Lore schlug mit seinem Ellbogen ein Loch in einen der Plasmakühltanks! Das gelbgrüne Plasmakühlmittel schoß mit einer extremen Geschwindigkeit aus dem Leck! Lore pustete es gleich einige Meter von seiner Position weg! Die Queen wußte natürlich auch um die Gefährlichkeit des Plasmakühlmittels, welches auch den Borg schaden konnte. Sogleich versuchte sie, sich in Sicherheit zu bringen. Mit solch einer Reaktion hätte sie nun wirklich nie in ihrer Existenz als Königin des Kollektivs gerechnet!
      Zum Glück stand der Captain einige Meter hinter der Queen. Somit hatte er noch ein wenig
      mehr Zeit! Er klammerte sich mit beiden Händen an eine eiserne, ziemlich dicke Strippe, die auf einmal – eigentlich zur Rettung der Borgkönigin bestimmt – heruntergelassen wurde. Dieses Kabel war durch die Hitze und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit alles andere als ideal, um sich für längere Zeit daran festhalten zu können! Trotzdem schaffte es Bluefox, sich an der Strippe festzuklammern. Es vergingen keine drei Sekunden, als auf einmal die Borgkönigin wie verrückt an seinen Beinen zerrte! Sie schaffte es auch noch an die Kletterhilfe, bevor das Kühlmittel sie erreichte. – Nun bestand wirklich höchste Lebensgefahr für den Captain und die Borgkönigin!
      Für ein Weilchen ging es noch halbwegs gut, jedoch konnte Cpt. Bluefox für gar nichts mehr garantieren!
      Da löste sich auf einmal eine zweite Strippe von der Decke und stürzte unmittelbar neben Bluefox in die Tiefe! Der total schweißgebadete Captain versuchte, mit seinem Strippenteil zu schwingen und somit das andere Kabel zu erreichen. Zwei Kabel wären für ihn schon die halbe Überlebensmiete gewesen! Er schaffte es auch, nach und nach in Schwung zu kommen. Als er glaubte, nahe genug an der anderen Strippe dran zu sein, ließ er mit der rechten Hand los und ergriff blitzartig das andere Kabel! Er hatte kurzzeitige Gleichgewichtsprobleme, vermochte jedoch selbst, sich wieder aufzufangen. Bluefox hatte nun also zwei Strippen, an denen er sich festhalten konnte.
      Ein drittes Kabel wurde heruntergelassen. Doch das nützte Cpt. Bluefox momentan nicht mehr besonders viel. – Dies änderte sich jedoch schlagartig, als der Captain bemerkte, daß diese letzte Strippe sich mit dem Geländer des Oberdecks verhedderte und einen idealen Übergang in die sichere obere Ebene des Maschinenraums darstellte!
      Bluefox versuchte, noch einmal umzuseilen. Dazu mußte er an den beiden Kabeln nach oben hangeln, um direkt über dem querhängenden „Seil“ zu sein. Das war jedoch nicht sehr einfach, denn die Königin hing immer noch wie eine Klette an ihm!
      Da schrie die Queen plötzlich laut auf und guckte in die grüne Nebelsuppe! Zwei weitere Hände ergriffen nun ihre Beine! Die ganze Sache sah nun wie eine richtige Kette aus! Lore war natürlich der neue „Untermieter“ der Königin.
      Das konnte jedoch auf Dauer wirklich nicht mehr gut gehen! Lore konnte sich gut festhalten an den Beinen der Borgkönigin und Bluefox hatte gerade einen relativ guten Halt. Er verließ sich einfach nur noch auf seinen Körper, während sich die Königin nur noch an einem Bein des Captains festhalten konnte! Da konnte die Borgkönigin für einen kurzen Moment das Gesicht von Lore erkennen, als sie hinunterblickte! Sie erschrak ein wenig, denn mit dem Androiden hatte sie auch nicht mehr gerechnet. Sie dachte, sie habe sich irgendwo verfangen. Diesen kurzen Augenblick der Unkonzentriertheit seitens der Queen nutzte Lore voll aus und zerrte genau in diesem Moment mit voller Kraft! – Die Borgkönigin verlor definitiv den Halt an Bluefox’ Bein und stürzte mit der künstlichen Lebensform in das Plasmakühlmittel!
      Der Captain konnte sich mit viel Kraft und nicht weniger Glück an seinen beiden Strippen festklammern und verlor nur wenig an Höhe. Als er realisierte, daß er sich nun relativ frei bewegen konnte, versuchte er noch einmal, mit einem zielsicheren Hechtsprung die dritte Stippe anzupacken und sich endgültig in Sicherheit zu bringen.
      Er holt wieder Schwung, jedoch diesmal diagonal von links hinten nach rechts vorne, um einen direkteren Weg schwingen zu können.
      Wieder klappte alles perfekt und er konnte schnell und effizient viel Schwung sammeln, um seiner Intuition zufolge die querhängende Strippe zu erreichen.
      Als sich Bluefox sicher fühlte, katapultierte er sich mit voller Kraft von seinen beiden Kabeln weg und flog in hohem Bogen in die Richtung der rettenden Querstrippe. – Während er sich in der Luft befand, schrie er einfach nur noch laut heraus und dachte nichts mehr! Er konzentrierte sich nur noch auf dieses querhängende Kabel und näherte sich diesem mit hoher
      Geschwindigkeit! Er streckte beide Hände aus und bereitete sich auf die Ankunft vor. –
      Bluefox konnte sich tatsächlich an der Strippe festhalten, jedoch machte er durch den Schwung, der noch übrigblieb, gleich eine ganze Umdrehung!
      Als er sich wirklich sicher fühlte, schoß ihm der erste Gedanke wieder durch den Kopf. Und der Inhalt dieses Gedankens war nicht zuletzt auch für ihn selbst äußerst überraschend: Er dachte an den Sicherheitschef und Kunstturner Lt. Cmdr. Chollet und sprach leise:
      «Für Danny wäre dieses Abenteuer wohl das reinste Paradies. Dieser unwillkürliche Felgaufschwung vorhin hätte sein Herz noch schneller schlagen lassen als meines, nehme ich an. Nun ja, vielleicht hätte er weniger Angst gehabt als ich!»
      Der Captain hatte nun einen wirklich guten Halt, denn er konnte sich wie an einer Reckstange festhalten. Daher kam ihm wohl auch dieser Vergleich mit dem Kunstturnen so prompt in den Sinn.
      Er hangelte sich zum Oberdeckgeländer hinüber und erreichte es auch nach kurzer Zeit. Er konnte darüber hinwegklettern und gelangte – endlich auf sicherem Boden – an eine Computerkonsole. Dort war es ein Leichtes, den Dampfabzug einzuschalten und somit das tödliche Plasmakühlmittel schnellstens zu entfernen.
      Cpt. Bluefox stieg die Leiter zum nun wieder betretbaren Unterdeck hinunter und konnte die Borgkönigin sehen. – Sie lag leblos auf dem Boden. Das Einzige, was von ihr übrigblieb, war ihr Borgskelett, welches aus lauter einzelnen undefinierbaren Fragmenten bestand.
      Die Herrin der Borg war soeben gestorben!
      Die Drohnen sackten nach und nach aus ihren Alkoven und blieben auf dem Boden liegen!
      Cpt. Bluefox orientierte sich nach seinem Hechtsprung und dem ganzen vorherigen Szenario erst einmal richtig! Er hatte einen richtigen Brummschädel bekommen durch die vielen Ereignisse und durch die unmenschlichen Umweltbedingungen! Da wisperte ihm plötzlich eine Stimme vom Warpkern her zu. Es war Lore.
      Bluefox drehte sich zum Kern hin und konnte den Wissenschaftsoffizier sehen. Er lag am Sockel des 14 Meter hohen Warpkerns angelehnt. Der Captain erkundigte sich sofort, ob bei Lore alles in Ordnung war. Der Androide antwortete:
      «Ich glaube, ich sehe um einiges schlimmer aus, als ich mich – fühle!» entgegnete Lore.
      «Commander, ich werde Ihnen einen Doktortitel für Schauspielerei verleihen! Das war wirklich erste Sahne, was Sie in den letzten Minuten geboten haben! Ich muß aber gleichzeitig bemerken, daß es hart, sogar sehr hart an der Grenze war!» sprach Cpt. Bluefox.
      «Ehrlich gesagt, Sir, es hat mir unheimlich Spaß gemacht!» gestand Lore.
      «Das kann ich gut nachvollziehen.» erwiderte Cpt. Bluefox. Lore fragte den Captain:
      «Wissen Sie, was mich am meisten beunruhigte, wenn ich jetzt darauf zurückblicke?» Bluefox antwortete logischerweise: «Nein.» – «Ich fand sie wirklich eine wunderbare Persönlichkeit. Sie hatte einen ungeheuren Willen! Das hat mir unglaublich imponiert. Ich weiß, das klingt jetzt sicherlich merkwürdig, aber ich muß sagen: Schade, daß sie tot ist. Ich war wirklich kurz im Begriff, sie bei allem zu unterstützen!» beschrieb Lore seine Gefühle. Bluefox war sichtlich erstaunt und fragte Lore:
      «Für wie lange?» Der leitende Wissenschaftsoffizier antwortete schmunzelnd:
      «0,68 Sekunden, Sir. Für einen Androiden ist das schon fast eine Ewigkeit!»
      Cpt. Bluefox konnte nicht anders, als einfach nur ausgiebig zu lachen über solch einen Satz, wie ihn nur der Androide Lore bringen konnte!

      In der Zeit, wo auf der Bluefox die Hölle los war, beschleunigte die Phoenix auf Warp!
      Hanspeter Örgelisauer schrie wie am Spieß! Er hatte selbstverständlich noch nie so einen Nervenkitzel erlebt. Nach einer vorhin festgelegten Zeit ging die Phoenix wieder aus dem Warp. Örgelisauer fragte, als sich die Rakete der Erde zuwandte: «Ist das die Erde?»
      «Ja, das ist sie.» antwortete Cmdr. Ceagy.
      «Sie ist so winzig!» staunte Örgelisauer. Der Erste Offizier erwiderte gelassen:
      «Sie wird bald viel größer werden!»

      Computerlogbuch der Bluefox, Captain Bluefox, 5. April 2063

      ««Die Warpreise der Phoenix war ein Erfolg – wieder einmal. Alle gelangten heil auf der Erde an. Die Bluefox-F ist zum Glück auch noch existent. Lore und ich beamten uns ebenfalls auf die Erde, um ein großes Spektakel erleben zu dürfen: Das vulkanische Schiff hat die Warpsignatur der Phoenix bemerkt und ist nun auf einem Rendezvous mit der Geschichte.»»


      Das vulkanische Raumschiff durchbrach die Erdatmosphäre und landete genau bei dem Punkt, wo im 24. Jahrhundert schließlich die Statue vom Erfinder des Warpantriebs
      Dr. Hanspeter Örgelisauer stehen sollte. Es war bereits eine Stunde nach Mitternacht.
      Als das mehr hohe als breite Raumschiff der Vulkanier zur Gänze auf dem Erdboden aufgesetzt hatte, wurde eine große Rampe ausgefahren. Daraufhin öffnete sich langsam ein Tor. – Zwei spitzohrige Leute erschienen und betraten als erste außerirdische Rasse Boden des Planeten Erde und ganz nebenbei betraten sie auch als erste außerirdische Rasse Schweizer Boden! – Hanspeter Örgelisauer traute seinen Augen nicht!
      Annie war natürlich auch wieder auf der Erde und stand direkt neben dem Schweizer Erfinder. Cpt. Bluefox trat vor und fragte Hanspeter Örgelisauer schmunzelnd:
      «Wie wäre es, wenn Sie Ihre außerirdischen Gäste als erster Erdenbewohner begrüßen würden?» Örgelisauer konnte es fast nicht fassen! Er sprach:
      «Mein Gott! Sie kommen wirklich aus einer anderen Welt!» Cmdr. Ceagy ergänzte:
      «Und sie wollen den Mann kennenlernen, der das Warpschiff flog!»
      Dr. Örgelisauer ging auf den vorderen Vulkanier zu. Dieser hob die rechte Hand an und spreizte den Ringfinger und den Mittelfinger sowie den Daumen und den Zeigefinger auseinander zum Vulkaniergruß! Örgelisauer versuchte es auch, aber es gelang ihm nicht so recht. Schließlich streckte er dem Vulkanier schlicht und einfach seine Hand aus und sagte:
      «Auch wenn Sie es vielleicht nicht verstehen, möchte ich Ihnen sagen: Willkommen auf der Erde!»
      Der Vulkanier jedoch verstand sehr wohl und sprach: «Leben Sie lang und erfolgreich!» «Danke!» entgegnete Dr. Örgelisauer und schmunzelte. Cmdr. Ceagy flüsterte
      Cpt. Bluefox ins Ohr:
      «Ich glaube, es wird Zeit, daß wir uns zurückziehen. Diese Nacht könnte sonst noch sehr lange werden. Ich habe nämlich fast das Gefühl, daß Örgelisauer seinen Gästen etwas anbietet und seine schreckliche Musik laufen läßt. Diese schlechte Soundqualität aus diesen uralten Jukeboxes schmerzen schon fast in meinen Ohren.»
      «Einverstanden, Andrew. Wir haben das ja schon ein paar Mal in den Geschichtsbüchern der Sternenflotte gesehen.» stimmte der Captain zu und wies alle anderen Crewmitglieder in der Nähe hin, man solle sich in den nächsten Minuten hochbeamen lassen.

      Eine Stunde später waren alle wieder auf der Bluefox angelangt und die Brücke war wieder voll besetzt. Lt. Cmdr. Chollet berichtete:
      «Die Gravitationsfelder des Mondes haben unsere Warpsignatur verdeckt. Die Vulkanier haben uns nicht bemerkt.»
      Bluefox reagierte äußerst zufrieden. – Lt. Cmdr. Haldman informierte den Captain:
      «Ich habe unseren Antrieb auf die chronometrischen Daten der Borgsphäre angeglichen. Somit können wir durch einen anderen Zeitstrudel wieder in die aktuelle und auch in die richtige Zeitlinie zurückkehren.» Cpt. Bluefox meinte glücklich:
      «Gut gemacht! Dann können wir ja bereits wieder zu unserer Erde fliegen!»
      Er befahl dem Steuermann: «Patrick, setzen Sie einen direkten Kurs, der uns ein wenig von der Erde wegführt, damit wir den Strudel passieren können.»
      Der Pilot bestätigte den Befehl und ließ das Flaggschiff der Föderation beschleunigen.
      Wenig später öffnete Lt. Cmdr. Haldman den Zeitstrudel und die Bluefox verschwand darin!
      Auf der Erde guckte Annie der Bluefox noch durchs Teleskop nach, bis sie verschwand. Hanspeter Örgelisauer führte derweil die Vulkanier in das hinterste Partyzelt.
      Dort angekommen, steckte er sogleich die Musikanlage ein und der gute, laute Rock’n Roll ertönte aus den Lautsprechern! – Die beiden Vulkanier erschraken erst gewaltig, aber schon bald gewöhnten sie sich an die Musik und setzten sich an einen Tisch. Dort tranken sie mit dem Erfinder des Warpantriebs zusammen ein Gläschen Tequila!

      --- ENDE ---

      Fortsetzung folgt...
      Zuletzt geändert von Narbo; 22.03.2002, 16:22.

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