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[Kurzgeschichte]Erinnerung

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    Es war still im Zimmer. Er saß da, in seinem alten, knarrenden Stuhl aus Holz, der wahrscheinlich schon lange vor ihm existiert hatte. Mahagoni-Holz...unglaublich hochwertiges Material, ein bisschen angekratzt von den vielen Jahren der Abnutzung, aber nichts destotrotz ein wertvoller Besitz. Kein Geräusch, nur das leise, kontinuierliche Ticken der Uhr, deren Pendel im stetigen Rhythmus schwingt...täglich 86400 Sekunden... Tick... Tack... Tick... Tack....wie lange würde sie das noch weiter so tun? Wie lange hatte sie das schon getan? Sie hatte es schon getan, damals, in der Wohnung seines Urgroßvaters...alte Traditionen hatte sie miterlebt, Momente des Glücks, Momente der Tränen – und nichts davon würde ihren Rhythmus verändern... in der Wohnung seines Großvaters...und auch in der seines Vaters...Sie war dabei, als sie aufwuchsen, sie sah ihre ersten, kurzen Schritte in die weite Welt. Liebe, Sorgen Scheidung, Pech, Trauer, Tod...das alles hatte sie miterlebt....doch was war es für sie? Immer nur ein stetiges, unaufhaltsames Tick... Tack... Tick... Tack.... Sie schlug weiter, lange nachdem sein Großvater verschieden war und sein Vater in den letzten Atemzügen auch diese Welt verlassen musste. Eiskalt, ohne Reue, ohne ein Zögern hatte sie weitergeschlagen...Tick Tack Tick Tack...und sie würde es weiter tun. Seinen Tod würde sie mitverfolgen, überstehen, ohne Mitgefühl, ohne Trauer, sie würde einfach weiterticken, niemals würde es sie stören, niemals würde es ihren Lauf der Dinge verändern, und auch seine Enkel würde sie begleiten...wachsen sehen...sterben sehen...doch für sie würde es immer weiter gehen. Er sah hinauf...nicht fähig seinen Blick von der Uhr zu nehmen... wenn er sterben würde, dann würde es ihr egal sein....sein ganzes Leben...all seine Erfahrungen...für sie waren es nur weitere 2.5 Milliarden Sekunden...langsam spürte er, wie ein gewisser Neid in ihm aufstieg...und blinder Hass...diese Uhr musste das alles nicht erleben...keine Schmerzen...keine Scheidung...keine Krankheiten...sie würde nur dort oben hängen und weiter spöttisch ticken...auch dann, wenn sein Licht schon lange erloschen sein würde. Immer noch saß er da. Immer noch starrte er die Uhr an. Langsam erhob er sich wieder aus seinem alten Stuhl...wieviele Stunden er dort gesessen hatte vermochte er nicht zu sagen. Seine zornige, emotionsbeladene Miene war wie verschwunden und auf seinem Gesicht war nur eine Spur von Entschlossenheit zurückgeblieben, als er zu dem großen Wandschrank aus Buchenholz ging und langsam die große Tür öffnete. Die alten Gelenke der Tür quietschten lautstark und das Ticken der Uhr verschwand für einen Augenblick im Hintergrund der Geräusche. Langsam streckte er seine Hand aus und holte den alten Vorschlaghammer hervor, der sich schon seit Jahrhunderten im Besitz seiner Familie befand. Langsam drehte er sich um, langsam aber entschlossen. Dann hob er seine Hände mit dem alten Hammer, dessen Schlagfläche ein wenig zerbeult war, denn seine Familie hatte bis vor wenigen Generationen ausschließlich aus Handwerkern bestanden. Ein lautes Splittern war zu vernehmen, als er den Hammer mit ernster Miene in die Uhr schlug und man hörte Glasscherben zu Boden stürzen, bevor sie für immer verstummte.

  • #2
    Sooooo.....irgendwie hatte ich das Bedürfnis die Geschichte ein bissl zu überarbeiten...

    Es war still im Zimmer. Er saß da, in seinem alten, knarrenden Stuhl aus Holz, der wahrscheinlich schon lange vor ihm existiert hatte. Mahagoni-Holz...unglaublich hochwertiges Material, ein bisschen angekratzt von den vielen Jahren der Abnutzung, aber nichts destotrotz ein wertvoller Besitz. Kein Geräusch, nur das leise, kontinuierliche Ticken der Uhr, deren Pendel im stetigen Rhythmus schwingt...täglich 86400 Sekunden... Tick... Tack... Tick... Tack....wie lange würde sie das noch weiter so tun? Wie lange hatte sie das schon getan? Sie hatte es schon getan, damals, in der Wohnung seines Urgroßvaters...alte Traditionen hatte sie miterlebt, Momente des Glücks, Momente der Tränen – und nichts davon würde ihren Rhythmus verändern... in der Wohnung seines Großvaters...und auch in der seines Vaters...Sie war dabei, als sie aufwuchsen, sie sah ihre ersten, kurzen Schritte in die weite Welt. Liebe, Sorgen Scheidung, Pech, Trauer, Tod...das alles hatte sie miterlebt....doch was war es für sie? Immer nur ein stetiges, unaufhaltsames Tick... Tack... Tick... Tack.... Sie schlug weiter, lange nachdem sein Großvater verschieden war ohne dass sie auch nur eine Sekunde inne gehalten hätte und sein Vater in den letzten Atemzügen auch diese Welt verlassen musste. Eiskalt, ohne Reue, ohne ein Zögern hatte sie weitergeschlagen...Tick Tack Tick Tack...und sie würde es weiter tun. Seinen Tod würde sie mitverfolgen, überstehen, ohne Mitgefühl, ohne Trauer, sie würde einfach weiterticken, niemals würde es sie stören, niemals würde es ihren Lauf der Dinge verändern, und auch seine Enkel würde sie begleiten...wachsen sehen...sterben sehen...doch für sie würde es immer weiter gehen. Er sah hinauf...nicht fähig seinen Blick von der Uhr zu nehmen... wenn er sterben würde, dann würde es ihr egal sein....sein ganzes Leben...all seine Erfahrungen...für sie waren es nur weitere 2.5 Milliarden Sekunden...langsam spürte er, wie ein gewisser Neid in ihm aufstieg...und blinder Hass...diese Uhr musste das alles nicht erleben...keine Schmerzen...keine Scheidung...keine Krankheiten...sie würde nur dort oben hängen und weiter spöttisch ticken...und der Grenze des menschlichen Schicksals weiterhin trotzen - auch dann, wenn sein Licht schon lange erloschen sein würde. Immer noch saß er da. Immer noch starrte er die Uhr an. Das alte Holz stöhnte ein wenig, als er sich langsam wieder aus seinem alten Stuhl erhob...wieviele Stunden er dort gesessen hatte und einfach nur die Uhr angestarrt hatte vermochte er nicht zu sagen – zuviele waren es gewesen. Seine zornige, emotionsbeladene Miene war wie verschwunden und auf seinem Gesicht war nur eine Spur von Entschlossenheit zurückgeblieben, als er zu dem großen Wandschrank aus Buchenholz ging und langsam die große Tür öffnete. Die alten Gelenke der Tür quietschten lautstark und das Ticken der Uhr verschwand für einen Augenblick im Hintergrund der Geräusche. Sein Rücken knackte ein wenig, als er sich vorsichtig nach unten bückte und in das unterste Regal griff. Eine kleine Wolke aus Staub schlug ihm entgegen, die er mit seinen Händen aufgewirbelt hatte. Und er musste unweigerlich husten, auch dies unterbrach das stetige Ticken der Uhr nicht. Langsam streckte er seine Hand aus und holte den alten Vorschlaghammer hervor, der sich schon seit Jahrhunderten im Besitz seiner Familie befand. Wieder knisterten seine Gelenke, als er sich langsam aber entschlossen wieder aufrichtete. Erneut musste er husten, als er sich langsamen Schrittes zurück zu der großen Uhr begab. Dann hob er schwerfällig seine Hände mit dem alten Hammer, dessen Schlagfläche ein wenig zerbeult war - hatte seine Familie doch bis vor wenigen Generationen ausschließlich aus Handwerkern bestanden. Ein lautes Splittern war zu vernehmen, als er den Hammer mit ausdrucksloser Miene in die Uhr schlug und man hörte das helle Klirren von Glasscherben, die zu Boden stürzen. Ein tiefer Schreck durchfuhr ihn und seine Miene erstarrte ein letztes mal, als er realisierte, dass noch immer das unerträgliche Ticken aus dem uralten Uhrenkasten zu vernehmen war, und erneut zersplitterte Glas, als er mit einem lauten Geräusch auf die Scherben hinabfiel.
    Dann verstummte die Uhr.

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