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[Kurzgeschichte]Auf der Straße

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  • [Kurzgeschichte]Auf der Straße

    Ich gehe langsam aber stetig die große, lange Straße herab. Schritt für Schritt, immer weiter. Es ist warm, ein schöner Sommertag, wie so viele schon vor ihm und die Luft ist von einem angenehmen sanften Wind erfüllt, der leider stark an Qualität verliert durch die vielen Autoabgase in der Innenstadt. Einen Schritt nach dem anderen bewege ich mich über das harte Pflaster des Bürgersteiges. Menschenmengen – in endlosen Schaaren strömen sie mir unaufhaltsam entgegen. Endlose Mengen von Individuen auf ihrem alltäglichen Weg durch die Straßen der Stadt. Wohin gehen sie alle? Welchers ist ihr Ziel? Wird irgendeiner von ihnen heute vielleicht den wichtigsten Moment seines Lebens erleben? Jeden Tag die gleichen Fragen – und keine Antworten. Ein tiefes Brummen rechts von mir, schon wieder der große Lastwagen von Bo-Frost, der hier immer vorbeifährt. Und wieder hinterlässt er eine neblige Wolke auf der breiten Straße, als er diese langsam herabfährt. Es ist soviel Verkehr, dass er fast 2 Minuten braucht um mein Sichtfeld hinter der Wölbung der Straße schlussendlich zu verlassen. Ich lasse meinen Blick schweifen – hinüber zur anderen Straßenseite, auf der sich die vielen Geschäfte befinden. Der gleiche Anblick wie stets zuvor. Der riesige Kaufhof, der Drogeriemarkt mit der heruntergekommenen, total verschmierten Kunstglasscheibe, das winzig kleine Hutgeschäft, welches glaube ich schon da gestanden hatte als die Kirche noch errichtet wurde, und die kleine Pizzeria, bei der ich oft essen gehe. Sie machen da eine sehr gute Pizza. Aber irgendwann hat man auch von dieser Pizza genug. Hinter mir irgendwo bellt ein Hund, ein lautes, tiefes Bellen, ich denke es ist ein großer Hund. Ein kleines Kind schreit vor mir irgendwo schrecklich laut – so wie kleine Kinder nun einmal schreien. Wieder wandert mein Blick zur anderen Straßenseite – würde man mich heute fragen warum...ich weiß es nicht... – ich tat es einfach. Und dann...ja dann...ich kann es kaum beschreiben...auf einmal blieben alle Autos, wie durch eine unsichtbare Kraft festgehalten, einfach stehen. All die Menschenmengen, die gerade noch in einem endlosen Fluss von Plaudern durch die Straßen geeilt waren, erstarrten wie durch Geisterhand. Alle Geräusche, alle Bilder...alles verschwamm um mich. Wie ein trüber, wässriger Dunst legte sich ein sanfter Schleier auf meine Umgebung. Das Bellen des Hundes, das Schreien des Kindes...alles verschwand im Hintergrund um diesem einen, perfekten Moment platz zu machen. Und mit einem mal, da gab es nur noch dich. Obwohl zwischen uns die ganze, breite Straße lag, sah ich dich so deutlich vor mir, als hättest du direkt vor mir gestanden. Welch Königreich würde ich dafür geben, noch einmal in diese Augen zu sehen. Sie rissen mich fort von diesem einöden, trostlosen Fleck, der mir mit einem Mal so seltsam fern erschien, und brachten mein Herz zu einem Ort, von dem nur ein Narr denken würde, der Himmel würde ihm als Name auch nur annäherend gerecht. Und als du deinen Mund zu einem traurigen Lächeln verformtest, da drangst du plötzlich in mein Herz ein und es gab dir den Namen Mondenkind. Es war nur ein kurzer Moment, aber in jenem kurzen, unvergesslichen Moment, da wusste ich, warum ich lebe und dass ich nie wieder jemandem wie dir begegnen würde. Dann durchzuckte ein tiefer Schmerz mein innerstes als ich sah und hörte, dass die ganze Welt um mich wieder zum Leben erwachte und ich sah hinab zum Boden. Mein Herz blutete schmerzvoll und alleingelassen, dass solch unfassbares Glück nun zerstört werden musste. Und ich spürte, wie die Niedergeschlagenheit mich ergriff und mein Leben langsam in die ewige Trauer herabsackte. Da berührte mich etwas an der Schulter. Aufgeschreckt aus meinen Gedanken drehte ich mich um....und da standest du wieder. Und da wurde mir endlich klar, dass du keine Fantasie warst, du warst echt. Du bist real. Du lebst!
    Danke
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