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[abgeschlossene Geschichte] Kybernetik

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    „6 Uhr 15, Zeit zum Aufstehen!“ Noch klang das Weckmodul in Makáshis Bett nett. Aber nicht mehr lange. Da Makáshi sich nicht rührte, spielte es erst leise sanfte Musk.
    „Ja, gleich.“ gähnte Makáshi und drehte sich um. Aber das Weckmodul ließ natürlich nicht mit sich feilschen. Die Musik wurde immer lauter und härter.
    „Ja ja, schon gut, ich bin ja wach!“ rief Makáshi, aber erst als sie sich vom Bett erhoben hatte ließen die harten Bässe nach.
    „6 uhr 20, höchste Zeit, dass du hochkommst!“ quäkte das Modul.
    „Scheißding.“ murmelte Makáshi und schlurfte ins Bad.
    Etwa 20 Minuten später kam sie fertig angezogen wieder heraus und kämpfte sich noch mit der Bürste durch ihren Kopfpelz. In der Küche wartete bereits das Frühstück auf sie: eine Schüssel Raktas und eineTasse dampfener Rinabutter.
    Makáshi nahm einen Schluck und drehte sich dann zum Postfach um, in dem es gerade geklappert hatte. Sie entnahm einen Brief und setzte sich an den Tisch um ihn zu öffnen.
    Es war -wieder einmal- ein Verweis wegen zu schnellen Fahrens, nur diesmal wurde ihr mitgeteilt, dass ihr beim nächsten Vergehen die Fahrerlaubnis entzogen werden würde.
    Makáshi legte den Brief unbeeindruct zur Seite und beendete ihr Frühsück.

    Obwohl sich ihre Wohnung im 130sten Stockwerk einer Wohnanlage befand, lag Makáshis Garage direkt neben ihrer Wohnung.
    Glücklicherweise gabes Antischwerkraftmobile, die keine Straßen mehr brauchten. Man konnte von jeder beliebigen Höhe aus starten.
    Makáshi öffnete das Garagentor und stieg in ihren Wagen. Der Bordcomputer wies sie ebebfalls noch einmal darauf hin, keine Dummheiten zu machen, dann erst ließ er sie losfahren. Sie fuhr aus der Garage und brachte den Wagen auf die richtige Verkehrshöhe.

    Während der morgendlichen Rush-hour war es selbst für Makáshi nicht schwer. das Tempolimit zu beachten. Üblicherweise waren die Straßen einfach zu voll, um die erlaubte Höchstgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften zu überschreiten. Dennoch kam es gelegentlich vor, dass...
    So wie jetzt.
    Endlich zeigte die Lichtanlage Blau und Makáshi wollte die Kreuzung überqueren. Mitten auf der Kreuzung wurde sie jedoch hart getroffen. Sie hatte nicht gesehen, wo der Stoß herkam, sie wusste nur, dass sie mit irgendetwas kollidiert war.- und dass die Steuerung des Antischwerkraftmoduls, das den Wagen in der Luft hielt, ausgefallen war!
    Sie fiel...
    Sie versuchte, den anderen Fahrzeugen und Lichtanlagen auszuweichen, doch sie fiel immer schneller...

    *****

    Langsam öffnete sie die Augen. Sie lag in einem Bett, das Zimmer, in dem sie sich befand, machte einen sterilen Eindruck. Die kahlen, hellgrünen Wände ließen eigentlich nur einen Schluss zu: Sie befand sich in einem Krankenhaus.
    Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie nur mit dem linken Auge sah. Das rechte war doch offen?
    Ja, war es. Aber es war blind.

    Die Tür ging auf und ein Mann kam herein. An seinem gelben Kittel erkannte Makáshi ihn als Arzt.
    „Ah, gut, dass Sie wach sind. wir befürchteten schon, Sie würden ins Koma fallen.“
    „Wie ... lange...?“
    „Wie lange Sie schon hier sind? Fast drei Tage. Und wir sind noch lange nicht fertig mit Ihnen, fürchte ich. Ich bin übrigens Dr. Terem.“

    *****

    Dr. Terem hatte recht, die Ärzte waren wirklich noch lange nicht mit Makáshi fertig. Sie musste eine ganze Menge Operationen über sich ergehen lassen, bei denen ihre start beschädigten Organe nach und nach durch kybernetische Prothesen ersetzt wurden und die leichtbeschädigten Geräte erhielten, die sie unterstützen sollten. Zum Beispiel erhielt ihr rechter Arm bei der fünften Operation ein Exoskelett.
    Als Dr. Terem Makáshi bei seinem ersten Besuch mitteilte, was zu tun war, war sie alles andere als begeistert.
    „Was? Sie wollen mich zu einer Borg machen?“ rief sie.
    „Na hören Sie mal!“ er war überrascht. „Sie tun ja so, als wäre es etwas Schlimmes, nach so einem Unfal weder ein normales Leben führen zu können!“
    „Das meine ich doch gar nicht! Und das wissen Sie! Ich meine, Sie haben doch bestimmt mitbekommen, wie Leute mit solchen Prothesen behandelt werden! Die sehen aus wie Cyborgs! Deshalb nennt man sie ja Borg.“
    „Wenn Sie mich fragen, die Leute, die sich über diese Prothesen und ihre Träger lustig machen, sind nur neidisch.“
    „Neidisch?“ Makáshi kreischte fast. „Worauf denn? auf das maschinenhafte Aussehen etwa?!
    „Nein. Auf die verbesserten Fähigkeiten, die die Prothesen verleihen.
    Sehen Sie, die Prothesen ersetzen Ihre Organe nicht nur. Sie sind besser. Mit dem Exoskelett können Sie Ihren Arm viel schneller und präziser bewegen als vorher. Auch die Hand-Augen-Koordination wird sich verbessern. Mit dem künstlichen Lungenflügel können Sie länger unter Wasser bleiben -in Ihrer Akte steht, Sie tauchen gerne- und das neue Auge, das Sie von uns erhalten werden, ermöglicht eine detailliertere Fernsicht. Und so weiter.
    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass irgandwann alle solche Implantate haben wollen, nicht nur Kranke und Verletzte. Und nicht nur hier, auf Parla. Auch auf den Planeten, mit denen wir Handel treiben.“
    „Bitte?“ Makáshi war entsetzt. „Sie meinen, Gesunde werden sich freiwillig so verstümmeln lassen?“
    „Nicht verstümmeln,“ erwiderte Dr. Terem. „Verbessern.“


    *****


    Trotz Dr. Terems Rede weigerte Makáshi sich weiterhin, sich operieren zu lassen. Erst ihre jüngere Schwester Laira konnte sie davon überzeugen, dass alles besser war, als gelähmt im Bett zu liegen und die Fliegen an der Decke zu zählen, wie sie es nannte.
    Laira wohnte bei Ihrem Freund Berek, den sie zu ihrem Besuch bei Makáshi im Kramkenhaus mitgebracht hatte. Beide mussten ganze zwei Stunden auf sie einreden, sie daran erinnern, was sie doch noch alles tun wollte, und das ohne diese Prothesen nicht mehr möglich war; welche Chancen sie sich nahm wenn sie die Operationen verweigerte.
    Doch schließlich hatten sie sie soweit, dass sie einwilligte.
    Als die Operationen vollständig waren, bestand ihr Körper zu etwas mehr als 40% aus künstlichen Teilen.
    Ihren rechten Arm umgab ein filigranes Exoskelett, an Ihren Knien und Fußgelenken waren Teile der Implantate zu sehen, die den gelähmten Gliedmaßen wieder zur Bewegung verhalfen. Ihr künstliches Auge wäre nicht so auffällig gewesen, hätte die Kontrolleinheit an der Schläfe nicht sein müssen.
    In ihrem Gehirn befand sich die kleine Zentraleinheit, die die einzelnen Implantata koordinierte und steuerte. Das Besondere allerdings wasen die Nanosonden, Diese waren kleiner als ein Blutkörperchen und befanden sich millionenfach in Makáshis Blutkreislauf. Sie kümmerten sich um den Datentransfer zwischen den einzelnen Implantaten und warteten sie.
    Dr. Terem erklärte Makáshi die Funktionsweise der Implantate.
    „Falls etwas nicht so funktionieren sollte, wie vorgesehen, dann schickt Ihre Zentraneinheit eine entrsprechende Nachricht an unseren Hauptcomputer. Wir können Ihnen dann sofort mitteilen, was zu tun ist, meistens genügt eine kleine Rejustierung. Im schlimmsten Fall müssen Ihre Nanosonden ausgetauscht werden. Das geschieht über diese Röhrchen.“
    Er legte einen Finger auf Makáshis linke Handwurzel und zwei feine Röhrchen schossen aus ihrem Handrücken, so plötzlich, dass sie kurz erschrak. Dr. Terem nahm den Finger wieder weg und die Röhrchen verschwanden wieder unter der Haut.
    „Sie sehen, es ist alles nicht halb so kompliziert, wie es aussieht.“ Er lächelte aufmunternd. „Ihre Verbindung zu userem Computer und die Arbeit Ihrer Nanosonden dürften sogar besser sein als die der anderen Bo-, äh, Patienten. Ihre Zentraleinheit ist eine Neuentwicklung und daher leistungsstärker als ihre Vorgänger.“

    Makáshi benötigte noch einige Wochen um sich mit ihren Prothesen vertraut zu machen, dann stand einer Rückkehr in ihren Alltag nichts mehr im Weg.
    Wenn ihr auch bei dem Gedanken an die Nanosonden in ihrem Blutkreislauf und die ständige Verbindung zum Hauptcomputer im Krankenhaus doch etwas mulmig wurde.

    *****

    Die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz im Büro eines Verlagshauses stellte sich allerdings als nicht so einfach heraus. Ihre Freunde freuten sich zwar, dass Makáshi wieder zurück war, aber einige ihrer Kollegen gingen ihr plötzlich aus dem Weg. Zwar war sie schon vor ihrem Unfall nicht mit allen blau gewesen, aber jetzt... Makáshi wusste genau, was los war: sie war jetzt eine Borg und daher unbeliebt. Stimmte es, was Dr. Terem gesagt hatte? Waren die anderen wirklich neidisch auf ihre Implantate?
    Doch trotz der verschlechterten Atmosphäre gab Makáshi sich Mühe, genauso gut zu arbeiten wie vorher. Glücklicherweise schien zumindest ihr Chef nichts gegen Borg zu haben.
    Nur gab es da etwas, das ihre Konzentration störte.
    Sie hörte Stimmen.
    Anfangs war es nur leises Geflüster und trat nur selten auf, auch verstand sie die Worte nicht. Doch mit der Zeit kamen die Stimmen immer häufiger und wurden deutlicher.

    *****

    Eines Tages war Makáshi gerade in einer Einkaufspassage unterwegs, als sie eine der Stimmen ganz deutlich verstand. Sie, beziehungsweise ihr Besitzer, schien zu überlegen, ob er eines der ausgestellten Dekorationsstücke vor einem Laden für seine Wohnung kaufen sollte.
    Makáshi sah sich um. Tatsächlich, da stand ein etwas älterer Mann vor einem Laden für Einrichtungsartikel. Er sagte aber nichts. Makáshi war verwirrt. Hörte sie etwa seine Gedanken? Wenn ja, dann müsste er auch...
    Er ging zwei Schritte weiter, um die Stücke von einer anderen Seite sehen zu können, und da sah sie es: er hate ebenfalls ein Exoskelett am Arm. Und da war etwas Silbernes an seinem Ohr. Er wollte sich gerade für die Figur einer Tänzerin in einem blauen Kleid entscheiden, als Makáshi beschloss, ihre Theorie zu testen. Sie konzentrierte sich auf ihn und dachte:
    ,Die im roten Kleid finde ich schöner.‘
    Der Mann zuckte kurz zusammen und drehte sich dann langsam um. Er sah Makáshi und sein Blick fiel sofort auf ihr Exoskelett.
    „Waren Sie das eben?“ fragte er. Man konnte ihm ansehen, dass ihm die Sache etwsa unheimlich war.
    „Äh, ja.“ Auch Makáshi war nicht ganz wohl dabei.
    „Wie kommt es, dass ich Sie so deutlich höre?“ fragte er. „Ich habe ja vorher schon Stimmen gehört, aber immer nur wie aus der Ferne, und ich habe nur sehr selten mal ein Wort verstanden.“
    „Nun,“ erwiderte Makáshi, „mir ging es genau so. Sie sind der erste, den ich genau verstanden habe.
    Wissen Sie, was das für Stimmen sind?“
    „Ich vermute, das sind die Gedanken der anderen Borg.“
    „Mhm, das dachte ich mir auch schon. Das muss mit der Verbindung zum Hauptcomputer zusammenhängen.“
    „Genau, aber bisher waren es nur undeutliche Fetzen. Warum habe ich Sie Wort für Wort verstanden?“ wollte er wissen.“
    „Keine Ahnung. Vielleicht liegt das an meiner Zentraleinheit. der Arzt sagte, es sei eine Neuentwicklung.“
    „Aha, meine ist schon etwas älter. Vor sechs Jahren bin ich vom Balkon gefallen, als ich ein Fenster streichen wollte. Das war im fünften Stock. Was war bei Ihnen?“
    „Ein Verkehrsunfall vor zwei Monaten.“
    „Mhm.“ Er drehte sich wieder zum Laden um. „So, Ihnen gefällt also die Rote besser. Ich bin aber eher für Blau.“ Er lächelte Makáshi noch einmal zu, nahm die Figur vom Ausstellungspodest und ging in den Laden, um zu bezahlen.
    In ihren Gedanken hörte sie noch einmal seine Stimme: ,Ich heiße übrigens Sareq.‘

    *****

    Seit der Begegnung mit Sareq hörte Makáshi die Stimmen deutlicher. Oft verstand sie sie genau und konnte sie auch gut voneinander unterscheiden. Langsam konnte sie auch ihre Besitzer identifizieren. Da war zum Beispiel Latika, ein Junge aus der Nachbarstadt. Seine Gedankenstimme erzählte häufig vom Alltag in der Schule und den Hoverballspielen mit seinen Freunden.
    Oder Ne‘ir, die fast auf der anderen Seite des Planeten lebte und oft Geldsorgen hatte, weil sie, als sie zur Borg wurde, ihre Arbeit verloren hatte und ihr Lebenspartner jetzt alleine die Familie versorgen musste.
    Nach einiger zeit hörte Makáshi die Stimmen fast ständig und sie hatte sich so an sie gewöhnt, dass sie sich sehr alleine vorkam, wenn die Stimmen einmal weg waren.
    Und immer wieder kam es vor, dass sie sich nicht sicher war, ob der Gedanke, den sie gerade dachte, ihr eigener war, oder ob er von einer der Stimmen stammte.

    *****

    „Dr. Terem?“
    Wie er das hasste! Junge Ärzte auszubilden war eine Sache, aber die ständigen Fragen dieses Schülers waren kaum zu ertragen.
    „Was ist denn schon wieder?“ fragte Dr. Terem ungeduldig.
    „Ist Ihnen aufgefallen, dass die Verbindung zwischen den patienten mit kybernetischen Implantaten immer stärker wird?“
    Dieser Trottel! Wieso blieb er nicht bei dem, was man ihm sagte? Patieten mit kybernetischen Implantaten, wie umständlich!
    „Sie meinen die Borg? Zwischen ihnen gibt es keine Verbindung.“
    „Aber sehen Sie doch, hier, diese Daten!“ Der junge Arztschüler deutete energisch auf den Bilschirm. Dr. Terem sah kaum hin.
    „Mein lieber, junger Freund. Die Borg sind ale mit unserem Computer verbunden. Der ständige Datenstrom in beide Richtungen garantiert, dass die Implantate richtig funktionieren. Aber die einzelnen Borg sind nicht untereinander verbunden.“ Er lächlte nachsichtig und sprach geduldig, so als würde er einem kleinen Kind erklären, warum zwei und zwei vier ergibt.
    „Wenn die Patienten aber durch unseren Computer miteinander verbunden sind-“ setzte der Arztschüler an, wurde aber von Dr.Terem unterbrochen.
    „Nichts da! So etwas ist völlig unmöglich! Das System ist sicher. Und jetzt will ich nichts mehr von diesem Unsinn hören!“

    *****

    Mitten in der Nacht fuhr Makàshi plötzlich aus dem Schlaf hoch. Erst wusste sie nicht so recht, was sie geweckt hatte, doch dann entdeckte sie es: es war ein Gefühl. Es war aber nicht ihr Gefühl. Trotzdem war es ziemlich heftig. Sie identifizierte es fast sofort.
    Es war Überraschung, fast Panik. Und langsam wurde es zu grimmiger Freude.
    Makàshi lauschte in sich hinein und fand bald die Urheberin des Gefühls. Es war Ne‘ir.
    ,Ne‘ir, was ist los?‘ fragte Makàshi stumm.
    ,Es ist meine Nachbarin.‘ kam die Antwort sofort. ,Ständig hat sie sich über uns lustig gemacht . Jetzt ist sie eine von uns. Und ich habe sie dazu gemacht. Hörst du sie?‘
    Makàshi lauschte. Tatsächlich, da war eine neue Stimme. Doch sie war nicht wie die anderen. Sie klang sehr verängstigt, so als wüsste sie nicht, was passiert war.
    Dann fiel Makàshi etwas auf.
    ,Was meinst du damit, du hast sie dazu gemacht?‘
    ,Meine Nanosonden.‘ antwortete Ne‘ir. ,Sie wollte mich nicht vorbeilassen, sie hat mich beschimpft. Und plötzlich hab ich meine Hand gehoben und ihr einige meiner Nanosonden in den Hals gespritzt. Ich hab gar nicht nachgedacht, es war wie ein Reflex.‘
    Jetzt fühlte Makàshi selbst das gleiche, was Ne‘ir zuvor gefühlt hatte: erst Überraschung und Panik, dann grimmige Freude. Und sie merkte, dass sie damit nicht alleine war.
    Zum ersten Mal fühlten sämtliche Borg auf ganz Parla dasselbe.

    *****

    War das Leben für die Borg vorher schon schwer gewesen, so war es jetzt, nach Ne‘irs Übergriff auf ihre Nachbarin, eine Katastrophe. Fast alle verloren auf einen Schlag ihren Arbeitsplatz, jeder ihrer Schritte wurde überwacht. Gesellschaftlich wurden sie fast völlig isoliert, oft wandten sich sogar ihre Freunde und Verwante von ihnen ab. Selbst zuhause in ihren Wohnungen fühlten sie sich nicht mehr sicher. Doch dadurch wurde der Hass auf die „Normalen“, den die meisten Borg aufgrund der Diskriminierung schon lange in sich trugen, nur noch verschärft.
    Makàshi hielt weitee Übergriffe für immer wahrscheinlicher.

    *****

    Im Aufenthaltsraum eines Krankenhauses saßen einige junge Assistenzärzte und diskutierten erregt die neuesten Ereignisse.
    „Wie konnte so etwas nur passieren?“
    „Undankbares Pack! Da hilft man ihnen nach einem Unfall, oder so, damit sie normal weiterleben können, und dann das!“
    „Das Opfer war doch selbst schuld! So wie sie diese Borg verspottet hat!“
    „Und damit war sie nicht allein, Die Meisten danken so.“
    „Wenn ich so behandelt werden würde, ich würde irgendwann bestimmt auch so ausrasten.“
    „Trotzdem, undankbares Pack!“
    „Aber wie konnte das denn nur passieren? Die Nanosonden waren doch nie für so etwas vorgesehen!“
    Einer der jungen Ärzte war besonders bertoffen.
    „Ich hab es ihm ja gesagt! Ich habe es meinem Ausbilder doch gesagt! Aber er wollte es nicht hören!“
    „Was denn?“
    „Die Borg sind irgendwie miteinander verbunden, wahrscheinlich über den Hauptcomputer. Und die Nanosonden haben sich auch irgendwie verändert. Sie sind viel aggressiver.“
    „Um Traigas Willen!“
    „Da muss man doch etwas tun!“
    „Witzbold, was denn?“
    „Ich fürchte, dieser Übergriff war noch lange nicht der letzte!“

    *****

    Irgendetwas war geschehen. Aber Makàshi konnte nicht sagen, was.
    Seit Ne‘ir ihre Nachbarin assimiliert hatte, die Borg hatten sich darauf geeinigt, es so zu nennen, war viel passiert, aber noch nie so etwas, da war sie sich sicher.
    Es kam immer öfter vor, dass alle dasselbe dachten oder fühlten. Und ab und zu geschah es, dass Makàshi, die durch die Anderen über alles informiert war, an etwas dachte und die anderen dartauf reagierten, zum beispiel, indem sie etwas erledigten, das Makàshi gerade tun wollte. Fast wie ferngesteuert. Doch warum reagierte Makàshi nicht genau so auf die Gedanken der Anderen?
    Schließlich war es Sareq, der es herausfand:
    ,Es liegt an deiner Zentraleinheit. Sie ist besser als unsere. Zwar ist es der Hauptcomputer, der uns verbindet, aber du hast die Kontrolle.‘

    *****

    Makàshi und der junge Arzt hatten Recht behalten, Ne‘irs Nachbarin blieb nicht die einzige, die assimiliert wurde. Es war wieder passiert und würde auch weiterhin passieren. Es schien, als ob die Borg immer so reagierten, wenn sie sich bedroht fühlen. Doch je mehr Parlaraner sie assimilierten, desto feindseliger wurden sie behandelt und desto mehr fühlten die sich bedroht.
    Und die Chefärzte, besonders Dr.Terem, wollten es immer noch nicht wahrhaben. Sie behaupteten immer noch, dass mit dem Computer und den Nanosonden alles in Ordnung sei.

    *****

    Die assimilierten Personen reagierten zunächst verängstigt, doch auch sie gewöhnten sich an die Stimmen, die inzwischen fast vollständig zu einer einzigen geworden waren. Auch mit Implantaten wurden sie versorgt. Unter den Borg befanden sich ein ehemaliger Arzt und einige Techniker, die neue Implantate bauten und entwickelten, und sie den neuen Borg einpflanzten. Auf diese Weise wurden die Borg immer mehr. Und alle gehorchten Makàshi.

    *****

    Die Behörden versuchten verbissen, die Ausbreitung der Borg zu stoppen, doch je mehr sie sich anstrengten, desto häufiger wurden die Assimilationen.
    Schlißlich fasste Parlas Regierung den fatalen Entschluss, die Borg vom Planeten zu verbannen -oder noch besser: sie zu vernichten!

    Doch auch dieser Plan konnte nicht funktionieren. Die Borg wussten sofort, was los war, und ließen sich das natürlich nicht gefallen.

    Makàshi war wütend, die ging in ihrer Wohnung auf und ab, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen.
    Sareq, Ne‘ir und Latika waren ebenfalls da. Latika saß mit angezogenen Beinan in einem Sessel, er hatte Angst, Ne‘ir hatte auf dem Sofa platzgenommen und strahlte Zuversicht und Selbstvertrauen aus und Sareq stand neben Latikas Sessel.
    „Was machen wir jetzt?“ fragte Latika unsicher.
    „Uns fällt shon etwas ein.“ antwortete Sareq beruhigend.
    „Uns vernichten, ha!“ murmelte Makàshi.
    „Das schaffen die doch gar nicht!“ erwiderte Ne‘ir. „immer, wenn jemand einen Borg angegriffen hat, wurde er assimiliert.“
    „Na ja, fast jeder.“ warf Sareq ein.
    „Warum machen die das?“ fragte Latika.
    „Sie haben Angst vor uns.“ erklärte Ne‘ir. ,Selber schuld.‘
    „Und vielleicht hatte Dr. Terem doch recht.“ überlegte Makàshi. „Vielleicht sind sie doch neidisch.“
    „Das hat der Arzt gesagt?“ Latika war überrscht. „Aber warum?“
    „Weil wir ihnen überlegen sind.“ antwortete Ne‘ir selbstbewusst. „Wir sind besser, wir sind perfekt!“
    „Und wir werden nich zulassen, dass sie uns vernichten!“ sagte Makàshi energisch. „Sie wolle so perfekt sein wie wir? Gut, sollen sie!“

    Alle bisherigen Assimilationen waren mehr oder weniger Zufälle gewesen, doch nunerteilte Makàshi ausdrücklich den Befehl dazu.

    *****

    Dr.Terem und einige andere Ärzte befanden sich in dem Raum, in dem der Hauptcomputer stand, um die neuesten Daten auszuwerten, die einen der jüngeren Ärzte so geschockt hatten. Doch Dr. Terem war sich sicher, dass sie ach diesmal wieder nur auf eine kleine Störung hinwiesen und eigentlich nichts bedeuteten.
    Einer der anderen Ärzte reichte ihm gerade eine der Holofolien, als die Tür plötzlich aufgestoßen wurde.
    Es waren Borg.
    Allen voran die junge Patientin, die er zuletzt operiert hatte.
    Makàshi.
    „Was wollen Sie?“ fragte er überrascht. „Wie kommen Sie hier herein? Borg sind nicht autorisiert -“
    „Uns doch egal!“
    Zwei der Borg gingen auf den Hauptcomputer zu. der Arzt, der sich ihnen in den Weg stellen wollte, wurde sofort assimiliert.
    „Was wollen Sie damit?“ wollte Dr.Terem wissen.
    „Durch diesen Computer sind wir miteinander verbunden. „erklärte Makàshi. „Wir stellen ihn sicher,damit uns keiner trennen kann.“
    „Was?“ rief Dr. Terem fassungslos. „Aber das ist unmöglich! So etwas konnte und kann niemals geschehen!“
    „Das war ein Irrtum.“ erwiderte Makàshi. „Sie werden alle assimiliert werden.“
    „Niemals!“ Dr. Terem und die anderen verbliebenen Ärzte wollen fliehen, doch Makàshi packte ihn und presste ihre Hand an seinen Hals.
    „Widerstand ist zwecklos!“
    Dr. Terem spürte, wie die feinen Röhrchen an ihrer sich in seinen Hals bohrten und die Nanosonden sich in seinem Körper verteilten.
    Dann hörte auch er die Stimme.
    Sag "Qapla'"! *knips*

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    www.uss-hathor.de
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