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USS Wellington (Erster Versuch)

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  • USS Wellington (Erster Versuch)

    Hier eine Vorabversion der ersten paar Absätze der Geschichte rund um die USS Wellington, ein Schiff der Miranda-Klasse. Die Geschichte spielt irgendwann zur Zeit der letzten Kinofilme. Im Vordergrund steht nicht die Supertechnik der Föderation, sondern das Schicksal und die Entwicklung von Angehörigen einer Raumschiffbesatzung.

    Anregungen, Kritik usw. ausdrücklich erwünscht!



    --- X ---

    "Computerlogbuch der WELLINGTON, Sternzeit 4357.2, kommandierender Offizier Lieutenant Commander Allister. Wir befinden uns seit mehreren Monaten im Raumdock und hoffen, dass die Zeit des Wartens bald vorbei ist. Dieses
    Schiff, eines der wenigen die eine komplette Aufrüstung wirklich verdient haben, steckt voller Erinnerungen. Erinnerungen an Abenteuer, Geschichten, Liebe, Zuversicht und Hoffnung. Aber auch Erinnerungen an Krieg, Trauer und Tot. Der bisherige Kommandant - Captain Vorek - ist während der letzten Mission dieses Schiffes gefallen. Die WELLINGTON
    soll nun ein letztes mal aufgerüstet werden und zu einer der inzwischen selten gewordenen 5-Jahres-Erforschungsmissionen aufbrechen ... Computer, Aufzeichnung Pause!"

    Lieutenant Commander Allister lehnte sich in seinem Sessel zurück. Er saß im Büro des Captains an seinem Schreibtisch und dachte nach. Wenn dieses Schiff zu seinem nächsten und wahrscheinlich letzten Abenteuer ausläuft, würde er auf das nächste Wrack versetzt werden, um die Reparatur und Aufwertung zu überwachen. Das war sein Job, er war kommissarischer Kommandant des Raumdocks und übernahm für die Zeiten der Werftarbeiten formal das Kommando über die hier stationierten Schiffe. Verließen Sie das Dock, wurden Sie von der Sternenflotte wieder an "richtige" Captains übergeben.

    Er zuckte mit den Schultern und seufzte leise. Er hoffte dass auch für Ihn eines Tages diese Chance kommen würde - er auf einem "seiner" Schiffe bleiben dürfte. Aber er hatte schon sehr lange gehofft. Er war zu lange Offizier um nicht so wissen, warum er nicht befördert wurde. Es gab solche und solche Offiziere. Er war nie durch besondere Abentteuerlust aufgefallen, hatte sich um keine halsbrecherischen Missionen beworben - er hatte in den letzten Jahren einfach seine Arbeit getan. Natürlich immer zu äußersten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, aber alte Raumschiffwracks zu reparieren war kein gutes Zeugnis zum Führen eines Schiffes. Bisher war er zwar immer zufrieden mit seiner Aufgabe gewesen, aber auch an ihm nagte der Zahn der Zeit, und er fühlte sich rastlos, aufgeregt, und unerfüllt. Sein Commodore nannte das eine "Midlife-Crisis". Was wusste der schon ...

    "Computer, Aufzeichnung fortsetzen ... Die WELLINGTON ist ursprünglich ein Schiff der ersten MIRANDA-Klasse gewesen, auf dem Papier ist Sie es sicher immer noch, aber in ihrem Inneren hat sich einiges getan. Als das letzte Schiff dieser Klasse hat sie das Privileg, mit dem neuen Computer- und Antriebssystemen ausgestattet zu werden. Die meisten der Werfttechniker können sich zwar nicht an das alte Design der WELLINGTON gewöhnen, aber inzwischen behandeln Sie das Schiff beinahe wie ein Modell, ein Relikt aus der Vergangenheit. Bereit, noch einmal im alten Glanz zu erstrahlen. Für mich ist das eine traurige Aussicht.

    Beinahe zwei Drittel der Technischen Systeme wurde in den letzten Wochen ausgetausch, darunter die Sensoren, der
    Reaktor, die Impulsmotoren - und natürlich die Waffen und Schildgeneratoren. Bald werden diese neuen Systeme an das Computernetzwerk der WELLINGTON angeschlossen werden - und damit wird Sie das kampfstärkste Schiff dieses Raumsektors ... Das wiederum ist auch keine Auszeichnung, denn auf Platz zwei kommt bereit das Langstreckenshuttle der vulkanischen Dependance auf Antares. Nach dem Umbauplan des Raumdocks sind wir etwas dem Zeitplan hinterher, aber ich bin zuversichtlich dass wir in spätestens 21 Tagen den ersten Testlauf der neuen Systeme in Angriff nehmen können."

    Im Maschinenraum der WELLINGTON, einer großen, fünfeckigen Halle die sich über je zwei Decks und Sektionen des Schiffsrumpfes erstreckte, herrschte angestrengtes Treiben. Überall sah man das Flackern und Blitzen von Schneidbrennern, Schweißgeräten und Plasmabrennern. Die Techniker der Werft arbeiteten mit Hochdruck an der Integration der neuen Systeme, wurden aber beinahe stündlich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Der Leitende
    Ingenieure, Lieutenant Commander Tom Wales, stand an der breiten Reling des Reaktorkerns und diskutierte mit einem der Vorarbeiter. Der neue Warpreaktor war zwar bereits seit mehreren Wochen eingebaut - und der erste Betriebstest
    verlief problemlos - , aber die Effizienz lies stark zu wünschen übrig. Von dem Energieausstoß, den man von einem Reaktor dieser Größe und Bauart erwarten konnte, kamen nur cirka zwei Drittel bei den Schiffssystemen an.
    Der Rest "verpuffte" als Wärme Dämpfung irgendwo in den armdicken Leitungen. Dies war für Tom inakzeptabel. Und das tat er auch kund - obwohl er damit natürlich nicht zum Liebling der Techniker-Crew wurde.

    Wütend kickte er mit dem Fuß einen Stapel Verpackungsfolie zur Seite und schmiss das Datenpad auf das Geländer der
    Reling. "Ich kann das alles nicht glauben!" In Tom´s Gesicht mahlte es, und die umstehenden Beobachter, obwohl natürlich in ihre momentane Arbeit "vertieft" erwarteten sozusagen sekündlich dass der Lieutenant Commander mit
    den Füßen auf den Boden stampfte. Der Vorarbeiter, der ihm gegenüber stand, tat ihnen leid. Er gestikulierte wild und versuchte sich zu rechtfertigen.

    "Wir haben einfach nicht genug Personal! Von den Zweihundertdreissig Technikern an Bord musste ich schon fast die Hälfte zum Einbau der taktischen Systeme abkommandieren, ich hab einfach keine Leute um die Leitungen zu putzen - was soll ich denn machen? Der Reaktor läuft und liefert Energie, das ist die Hauptsache. Soll sich doch der Chefingenieure später mal darum kümmern!" Tom´s Schultern zuckten resigniert, und mit einer Hand "wedelte" er den
    Vorarbeitern zurück zur Arbeit. Er lehnte sich abermals an das Geländer und lies seinen Blick durch den Ausladenden Maschinenraum schweifen. Überall lagen Verkleidungen, Verpackungsmaterial und noch einzubauende
    Computerplatinen herum. Die meisten der Kontrollpanele waren irgendwie hochgeklappt, ausgebaut oder einfach noch gar nicht vorhanden. Fast in jeder Konsole "hing" ein Techniker um die Energie- und Datenleitungen zu verschweissen. Es war ein heilloses Durcheinander. Und genau in diesem moment ging das schwere Hangarschott des Maschinenraumes auf.

    Jason Allister, seines Zeichens kommissarischer Captain der WELLINGTON im Raumdoch, Sternenflottenoffizier im Range eines Lieutenant Commander und alter Bekannter von Tom Wales blieb im Eingangsbereich des Maschinenraums
    stehen und blickte sich um. Hinter ihm schlossen sich die beiden schweren Schotts wieder und ächzten - die neuen Türen waren zwar funktionsfähig, aber für eine ordentliche Schmierung war noch keine Zeit. Die beiden Freunde gingen aufeinander zu und gaben sich freundschaftlich die Hand. Lieutenant Commander Wales spielte auf die alte Tradition an, den kommandierenden Offizier eines Schiffes ohne Rücksicht auf dessen tatsächlichen Rang "Captain" zu nennen und salutierte lässig.

    "Melde gehorsamst, alles läuft zu Ihrer vollen Zufriedenheit Captain!" Er entspannte sich wieder und die gewohnten Lachfalten um seine Augen kamen zurück. " ... natürlich nur wenn Du nicht auf die Idee kommst, mit diesem Raumschiff zu fliegen, ein Gefecht auszuführen, irgendetwas zu scannen oder die Replikatoren zu benutzen. Dann müsste ich Dir jetzt eine ziemliche Katastrophe melden, und dafür hat der Tag doch viel zu nett angefangen, oder?"

    Allister klopfte Tom beruhigend auf die Schulter. "Keine Panik, Mann - ich hab die Berichte heute Morgen schon gelesen. Es ist nicht Deine Schuld. Irgendwie werden wir das hier schon fertig bekommen, und wenn ich den Koloss aus dem Dock raussschieben muss." Funken stoben über Sie hinweg und mit einem metallischen Knall warf der neben Ihnen stehende Techniker die frisch eingebaute Konsole in die Einrastungen. Sofort fing die Anzeige an zu flackern, es knisterte leise, dann ging das Panel aus - um dann mit einem befreihenden Summton seinen Dienst gänzlich aufzunehmen. Auf der Konsole stand in leuchtenden Lettern "Main Propulsion System". Der Techniker stellte das Schweissgerät aus, hob den Sichtschutz vom Gesicht und grinste zufrieden. "Mein Gott, endlich!"

    Auf Jasons fragenden Blick reagierend, zog er den Kommandierenden zu dieser Konsole. "Die Hauptkontrollen sind online. Wenn der Energieanschluss bis hierher funktioniert hat, dann könnte ich den Reaktor von hier aus bedienen! Was
    meinst Du, wollen wir es ausprobieren?" Der Captain kannte den Ingenieure inzwischen so gut, dass er genau wusste was Tom damit bezwecken wollte. Auch wenn er zweifelsfrei ein begnadeter Techniker war, er war abhängig von Lob und Anerkennung. Jason tat ihm den Gefallen.

    "Nun gut Lieutenant Commander, zeigen Sie was Sie bisher hier unten gemacht haben - ich habe Gerüchte gehört dass hier nicht gearbeitet sondern Poker gespielt wird!" Er kniff grinsend die Augen zusammen. Tom rieb sich die
    Hände vor Vergnügen und stellte sich mittig vor die Konsole. "Aye Sir, na dann wollen wir mal unserem Ruf gerecht werden ..." Er tippte auf die Tastatur vor ihm. Auf dieser Anzeige lief noch nicht das verbesserte LCARS System,
    Tom wollte hier kein Risiko eingehen - Sie mussten sich ohnehin an einen engen Zeitplan halten, und ein Ausfall der neuen Software konnte Sie um Tage zurückwerfen. Jason stand hinter ihm und beobachtete die Monitore.

    Starting Main Impuls Engines ...

    Ein Ruck ging durch das Schiff und in der oberen Gallerie des Maschinenraums zuckte ein Lichtbogen aus der Wandverkleidung. kleine Flammen züngelten aus der Korridorplatte, verlöschten dann aber wieder. Das dünne vibrieren
    der Impulsmotoren riss nicht ab, ein Teilerfolg.

    Main Warp Engines started ...

    Der Maschinenraum, vorher durch die fahlen weissen Deckenlampen erhellt, erstrahlte nun in glühendem Blau. Das stampfende Geräusch der Materie/Antimaterie Reaktion erfüllte den Raum und schwoll auf eine fast ohrenbetäubende
    Lautstärke.

    Sequencing Intermix Ration ...

    Das dumpfe Getöse wurde wieder leiser, das bläuliche Glühen erlosch beinahe, nur um Sekunden später wieder gleißend hell zu werden. Nur der Lärm blieb auf einem erträglichen Maße - das war das Geräusch, welches man 24 Stunden am Tag, Sieben Tage die Woche in einem Raumschiff hören konnte, der Warpreaktor hatte gezündet.

    Main Reactor at 84%

    Tom drehte sich lachend um, es war ein durchaus befreiendes Lachen, denn man sah ihm die höchste Konzentration der letzten Sekunden an. Er lehnte sich gegen die Konsole und stieß seufzend die Luft aus. "Himmelherrgott, endlich ..." Jason lachte und knuffte Tom freundschaftlich gegen die Schulter. "War ja klar Commander Wales, ich habe nichts anderen erwartet!"

    Die beiden großen Warpspulen des Schiffes fingen an in gleißendem Blau zu leuchten. Die Impulsantriebe glimmten Rot und die Hauptenergie durchflutete das Schiff. Konsolen flackerten und starteten Ihre Anzeige, Beleuchtungen sprangen an und die Sekundärsystem wurden mit Energie versorgt. Die WELLINGTON war wieder am Leben.

    --- X ---
    Zuletzt geändert von Jay; 01.01.2005, 14:33.

  • #2
    ... und hier folgt der zweite Teil:



    --- X ---

    "Computerlogbuch der WELLINGTON, kommandierender Offizier Lieutenant Commander Allister, Nachtrag. Vor zwei Tagen konnten wir den neuen Materie-Antimateriereaktor in Dauerbetrieb nehmen. Die Crew um Lieutenant Commander Wales hat ganze Arbeit geleistet, und alle wichtigen Systeme die für einen reibungslosen Flugbetrieb wichtig sind, arbeiten innerhalb normaler Parameter. Nach Aussage des Leitenden Ingenieures wurde der neue Warpkern in die bereits bestehenden Energieverteilungssysteme integriert. Die einzige Sorge der Techniker sind die unterschiedlichen Plasmaspannungen, die Ihren Ursprung schlicht und ergreifend im unterschiedlichen Alter haben - der Reaktor ist vier Monate alt, die Plasmaleitungen zu den Sekundärsystemen inzwischen mehr als Achtzehn Jahre. Wir werden dies auf unserem anstehenden Testflug nachvollziehen."

    Lieutenant Commander Allister saß auf dem bequemen Sessel in der mitte der Hauptbrücke und starrte auf den großen Rechteckigen Bildschirm. Die entfernten Sterne verschwommen leicht - Jason schob das auf noch nicht justierten Sensoren. Sie hatten mit beinahe majestätisch langsamer Geschwindigkeit die äußeren Perimeter des Raumdocks verlassen und der Steuermann berechnete fieberhaft den Kurs, der Sie zum Rande des Sternensystems, um den äußeren Asteroidengürtel herum und wieder zurückbringen würde.

    Dieser erste Flug - der gleichzeitig ein Belastungstest für die Struktur des Schiffes sein sollte - war eine Routineaufgabe. Dennoch spürte Jason in sich, wie immer in diesen Situationen, eine freudige Erregung auf das Gefühl, wenn ein Schiff aus dem Dock flog, auf Warpgeschwindigkeit ging und somit die absolute Brillianz des menschlichen Erfindungsgeistes bewies.

    Gemäß den Sternenflottenreglements war die WELLINGTON mit einer minimalen Rumpfcrew ausgestattet, die meisten Techniker des Raumdocks genossen heute Ihren "freien Tag". Sie würden ab Morgen, wenn die Ergebnisse des Testfluges vorlagen, noch genug zu tun haben. Zur momentanen Crew gehörte ein technischer Stab unter der Leitung von Lieutenant Commander Tom Wales, es waren knapp dreissig Mann, die momentan im Maschinenraum letzte Hand an
    den Antrieb legten. Darüberhinaus war ein Arzt und zwei Schwestern auf der Krankenstation anwesend.

    Jason tippte auf die Kontrollen an den Enden der Sessellehne und lies sich eine kleine Übersicht über den Schiffsstatus anzeigen. Über dem Menü "Tactical" leuchtete ein rotes "Offline" - normalerweise würden bei einem Sternenflottencaptain nun alle inneren Alarmglocken klingeln, aber Allister war die Ruhe selbst - die Phaserbänke und Torpedosysteme waren zwar physisch bereits in die Hüllenstruktur eingebaut, besaßen aber noch keinen Anschluss
    an das interne Energieverteilungsnetz, geschweige denn dass Sie justiert oder eingestellt waren. Aber in den Zwölf Jahren seiner Arbeit im Raumdock hatte er erst einmal einen Phaser benutzen müssen - als die Tür eines Turboliftes klemmte.

    Auf der Haupbrücke der WELLINGTON war es angenehm ruhig, im Hintergrund hörte man das dumpfe Wummern des Reaktors, direkt vor ihm saß Fähnrich ...Fähnrich ... wie hieß er gleich? Jason stützte sein Kinn auf und überlegt.
    Ah ja, richtig! Fähnrich Cavanaugh, frisch graduiert und in seinem "Praxisjahr" nach der Akademie, bevor er einen festen Posten auf einem Schiff der Sternenflotte bekommen würde. Jason´s Mine erstarrte unmerklich. Sogar dieser Frischling würde in nicht mal Zwölf Monaten auf einem Schiff dienen, am Rande des bekannten Universums, während er selbst nur wieder Schiff um Schiff flott machen und verabschieden würde.

    Hinter ihm, an der breiten Wand voller Konsolen und Monitore, saß Lieutenant Lisa Starr, beinahe ein "alter Hase" wie er selbst Vor einigen Jahren hatten Sie eine romantische Beziehung begonnen, die aber von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Und so ware Sie das geworden, worüber Jason vorher nur hätte lachen können - "gute Freunde". Sie saß vor den wissenschaftlichen Anzeigen, Ihre Aufgabe während des Fluges würde es sein die Sensoren zu justieren und natürlich Daten über das Schiff selbst zu sammeln, die dann später im Raumdock ausgewertet werden.

    Ausser Ihnen Dreien waren noch vier oder fünf Crewmen damit beschäftigt, die letzten Reste sichtbarer "Arbeit" von der Brücke zu entfernen, Sie waren hier oben so gut wie fertig mit den Umbauarbeiten, und Jason wollte dass hier "Klarschiff" herscht, wie er es so gerne bezeichnete.

    "Mister Cavanaugh, Kurs setzen auf die äußeren Planetenbahnen, parabler Vektor, wir fliegen bis zum Tellerrand!" Der junge Fähnrich tippte, drehte und drückte auf seiner Konsole herum und drehte sich dann zum Captain um "Kurs gesetzt, Aye!"

    Jason lehnte sich zur Seite und drückte auf den kleinen blauen Knopf, über dem in weißen Lettern "Interkom" stand. "Brücke an Maschinenraum. Tom, sind wir soweit?" Lieutenant Commander Tom Wales hastete mit langen Schritten zur Wand des Maschinenraums und drückte dort ebendfalls auf eine kleine, fast unscheinbare "Interkom"-Taste. Es knackte leise im Lautsprecher, dann war seine Stimme auf der Brücke zu hören.

    "Ja Sir, von uns aus kann es losgehen!" Jason lehnte sich zurück, er wollte die "Show" genießen. Der Brückenchronometer zeigte ganz genau 18:34 Uhr als er das Kommando zum Aufbruch gab. "Bringen Sie uns auf Warp 1!"

    Der große, bullige Primärrumpf der WELLINGTON drehte sich langsam nach Steuerbord. Als die große Untertassensektion genau in Richtung des äußeren Randes des Sternensystems zeigte, gellte ein Pfeiffen durch das Schiff - und das Dröhnen des Warpantriebes schwoll zu fast unterträglicher Lautstärke an. Dann zitterte die Hülle, es war als ob Sie ein Reibeisen streiften. Jasonst Hände krampften sich automatisch an den Lehnen seines Stuhls fest ... Dann kam der Übergang.

    Mit einem grellen Blitz und einem lauten Knall, der das Schiff im Inneren wie eine überdimensionale Glocke vibrieren lies, übertrat die WELLINGTON die Schwelle zur Lichtgeschwindigkeit. Schlagartig wurde es Ruhig im Schiff. Die WELLINGTON passierte den zweiten Planeten der Sonne und flog in einer langgezogenen Parabel weiter aus dem System hinaus. Bei der Geschwindigkeit würden Sie knappe Acht Tage benötigen, bis Sie in den Leerraum jenseits
    des Sonnensystems eintauchen würden. Soviel Zeit würden Sie sich natürlich nicht nehmen. Nach wenigen Minuten, in denen auf so ziemlich allen Anzeigen im Maschinenraum und auf der Brücke Werte über Qualität und Stabilität der
    Schiffssysteme eintrafen, hörte man im Maschinenraum abermals die Stimme des "Captains". Aus den Lautsprechern klang sie blechernd und mit einem Hall verzerrt, ein Nebeneffekt der puren Größe der "Halle", in der sich der Warpreaktor befand.

    "Tom, wir machen weiter. Geschwindigkeit auf Warp 6 erhöhen. Mal sehen wie sie reagiert!" Der Leitende Ingenieure Lieutenant Commander Wales ging um den Warpkern herum. An der breiten Reling waren in regelmäßigen Abständen
    Kontrollstationen angebracht, von denen aus man den Antrieb direkt einstellen konnte. Nach wenigen Sekunden bestätigte er die Order von der Brücke, und ein Energieschub wurde in die beiden blau glühenden Warpgondeln
    geleitet. Das Schiff machte einen "Satz" nach vorne und beschleunigte.

    Warp 6 ...

    Der Rumpf der WELLINGTON vibrierte wieder stärker, das Rauschen der Überlichtmotoren schwoll zu einem schnellen, lauten Schlagen an und in den beiden Verbindungstunneln zu den äußeren Gondeln platzten zwei oder drei
    Plasmaleitungen auf. Aber das Schiff hielt seine Geschwindigkeit. Mit unglaublicher, dem menschlichen Verstand kaum begreifbarer Geschwindigkeit näherte sich der Nachbau der legendären "MIRANDA" dem äußeren Rand des Systems. Nach drei, vielleicht vier Minuten lies Jason den Steuermann wieder auf Impulsgeschwindigkeit gehen, nochmals ging ein dumpfer Schlag durch das Schiff, dann waren Sie wieder langsamer als das Licht.

    Fähnrich Cavanaugh lehnte sich in seinem Sessel zurück und grinste zufrieden. "Alles in Ordnung Sir, der Antrieb ist noch ganz und wir sind genau dort, wo uns unser Kurs hinbringen sollte. Zwölftausend Kilometer voraus beginnt der Asteroidengürtel um Antares XII. Verdammt, bin ich gut!"

    Jason lache, stand auf und ging in den hinteren Bereich der Brücke, dort wo Lieutenant Starr die Ergebnisse der Sensorenaufzeichnungen prüfte. Sie schaute kurz auf, lächelte und nickte. Alles in Ordnung. Er richtete sich auf. "Tom, herzlichen Glückwunsch, ihr habt es geschafft - die Mühle fliegt wieder. Wir treffen uns in einer Viertelstunde in der Offiziersmesse zum Feiern. Allister Ende!" Der junge Steuermann und die Wissenschaftsoffiziering schauten ihn belustigt an. Lisa knuffte den Lieutenant Commander. "Im Ernst? Was gibt es denn schönes?"

    Jason lief mit federnden Schritten die einzelnen Stationen ab, wischte hier eine Staubflocke weg und tippte dort ein, zweimal auf die Tastatur. Er war außergewöhnlich gut gelaunt, wie immer direkt nach einem erfolgreichen
    ersten Testflug war die Anspannung und die leichte Melancholie von ihm urplötzlich abgefallen. Es schien, als bräuchte er diese Erfolgserlebnisse um sich selbst wieder einzuordnen. Nun gut, die Offiziere und Mannschaften, die schon seit Jahren mit Ihm auf der Werft zusammenarbeiteten, wussten Ihn "zu nehmen" und kannten diese Eigenart
    bereits.

    Sie waren allerbester Laune. In der Offiziersmesse gab es ein kleines, aber feines Buffet, ein paar Gläser kühle und äußerste erfrischende Getränke, und die meisten Anwesenden Offiziere und Mannschaften hatte sich in kleinen
    Grüppchen in hochtechnische Diskussionen vertieft, hier und da wurde sogar über die Gerüchte einer neuen Raumschiffsklasse geredet - alles in Allem war es eine entspannte Atmosphäre. Die kleine Messe war mit den Zwanzig
    Anwesenden schon beinahe bis oben hin voll, trotzdem hatten Jason, Tom und Lisa eine "stille" Ecke gefunden und unterhielten sich über Ihre Pläne in der Zukunft.

    Das Projekt Wellington, welches Sie in den vergangenen 8 Monaten beschäftigt hatte, näherte sich seinem Ende, in den
    kommenden Wochen würden noch die taktischen Systeme fertiggestellt und getestet werden, dann noch eine Generalprobe, bei der bereits die zukünftigen Führungsoffiziere des Schiffes anwesend sein würden - und dann
    Urlaub. Zwei Monate lang. Die totale Entspannung. Was danach kam, war allerdings fraglich, denn es lag noch in den Sternen bzw. in der Verantwortung des Sternenflottenauptquartiers, ob dieses Raumdock nahe des dritten Planeten im Antares System weiter bestehen würde, oder ob die Reparatur- und Umrüstkapazitäten in die nahe gelegene Ournal-Station verlegt würde. Beide Optionen waren noch offen.

    Die "Feier" war ungefähr anderthalb Stunden am Gange, als einer der noch auf dem Schiff verbliebenen Werftmechaniker die Messe betrat. Er lies seinen Blick suchend über die Menge gleiten, entdeckte dann an der gegenüberliegenden Wand geleht, den kommandierenden Offizier. Sich drei Dutzend mal entschuldigend, bahnte er sich einen Weg durch die feiernde Meute und salutierte dann vor dem Lieutenant Commander. "Sir, Commodore Browl auf Subraum für Sie!" Tom und Lisa setzten Ihre Gläser ab und schauten verwundert zu Jason. Dieser blickte vielsagend auf die beiden runter. "Da gönnt uns jemand das Feiern nicht ... Alles klar Crewman, ich bin sofort auf der Brücke!" Der Techniker verschwand wieder im Gewirr der Partygäste.

    Jason stellte sein Glas hin, zog seine Uniform zurecht und bedeutete den beiden durch ein Kopfnicken, ihm zu folgen. Auf der Brücke angekommen, setzte er sich in den Sessel des Captains. Tom und Lisa standen hinter ihm, Sie lässig nach hinten gelehnt, er auf die Konsole vor ihm gestützt. Auf dem Hauptbildschirm erschien der Commodore, ein junger Flottillenchef, erst seit 6 Monaten im Stab der Admiralität, deshalb hatte man ihm auch vorerst diesen unbedeutenden Raumsektor zugewiesen. Jason grüßte förmlich und fragte nach dem Grund des Anrufes, man währe ja sowieso in wenigen Stunden wieder am Raumdock.

    Der Commodore beugte sich vor, man sah ihm an dass ihn dieses Gespräch von seinem alltäglichen Verwaltungstrott ablenkte - und dass ihm das überhaupt nicht recht war. "Jason, wir haben im IRIS System einen automatischen Notruf von einem andorianischen Frachter empfangen. Durch Isis Drei wird das Signal aber einigermaßen zerstückelt und Subraumbarke im inneren Planetenring ist ausgefallen, nun ja, kein Wunder, die ist ja auch schon ein paar Dutzend Jahre alt. Alles in Allem klingt es so, als ob Sie probleme mit Ihrem Antrieb haben. Ihr seid das einzige warpfähige Schiff in der Nähe, die SUPERIOR und die FLAWLESS liegen hier beide ohne Reaktor, also können wir das vergessen. Schaut Ihr im Isis System nach dem Rechten? Ihr dürftet in wenigen Stunden da sein ..."

    Jason blinzelte unglaubwürdig. War das hier seine Chance, einmal eine "richtige" Mission zu kommandieren? Der Hilferuf eines andorianischen Frachters mit Antriebsproblemen klang zwar nicht ereignisreich , aber hier bot sich eine greifbare Möglichkeit, wenigstens mal den Ansatz einer Mission zu "schmecken". Er schaute kurz zu seinem Ingenieur hoch, dieser zuckte nur mit den Schultern - der Warpantrieb würden ihnen diesen Langzeittest danken. Jason schaute wieder zum Bildschirm. "In Ordnung Sir, wir schauen uns das mal an, je nach dem was wir da vorfinden, werden wir den restlichen Zeitplan verschieben. Wellington Ende!"

    Tom ging um den Captains Sessel herum und rümpfte die Nase. "Tja dann wird´s wohl nichts aus dem kleinen rest Urlaub, den ich mir eigentlich über´s Wochenende gönnen wollte. Ich bin unten, wenn Ihr mich braucht sagt
    bescheid!" Damit verlies er die Brücke.

    Lisa hatte sich wieder an die hinteren Kontrollen gesetzt und justierte die Sensorenanordnung des Schiffes. "Wenn wir im Isis System ankommen, brauche ich ein paar Minuten um die Scanner einzustellen. Aber dann sollten wir den Andorianer aufspüren können, wenn er da ist ..." Jason nickte und rieb sich mit der Hand den leichten Blauschimmer, der sich
    seit heute Morgen in seinem Gesicht gebildet hatte. "Mister Cavanaugh, Kurs setzen auf das Isis System, Warpfaktor 6."

    Die Antwort kam prompt, man konnte spüren dass der Steuermann genauso gespannt war wie der Lieutenant Commander. "Aye Aye, Kurs gesetzt und Geschwindigkeit programmiert".

    Jason lehnte sich zurück und schaute für ein paar Sekunden auf den Bildschirm. Die Schwärze des Weltalls schien sie gleichzeitig einzuladen und abzulehnen. Und doch fühlte er wie schon seit seiner Jugend diese Sehnsucht nach dem unendlichen Schwarz dort draussen. Nun würde er diesem Schwarz einen kleinen Schrittnäher kommen. "Beschleunigen!"

    --- X ---
    Zuletzt geändert von Jay; 01.01.2005, 15:18.

    Kommentar


    • #3
      "Computerlogbuch der WELLINGTON, Kommandierender Offizier Lieutant Commander Allister. Wir haben vor zwei Tagen das Raumdock im Antares System verlassen, um den ersten Testflug mit den neuen Antriebssysteme hinter uns zu bringen. Auf Wunsch von Commodore Browl unterbrachen wir die Tests und flogen in das Isis System, um auf den Notruf eines andorianischen Frachtschiffes zu antworten. Wir sind vor sechs Stunden im Isis System angekommen, konnten bisher aber auf unseren Sensoren weder das Schiff noch eine Notrufboje ausmachen. Lieutenant Starr ist der Meinung, dass entgegen der Anzeige der Computer unsere Sensoren nur mit minimaler Reichweite arbeiten. Wir fliegen fast blind, vielleicht haben wir den Frachter bereits verpasst, aber noch geben wir nicht auf."

      Der Leitende Ingenieure des Raumdocks, Lieutant Commander Wales, arbeitete mit Hochdruck im Maschinennraum. Nach diesem langen Flug hatten die noch schlecht eingestellten Warpgondeln doch einiges abbekommen. Aufgrund der Sensordaten und den Aufzeichnungen des Computers konnten Sie eine annähernd optimale Einstellung für den Reaktor herausfinden. Tom und seine Crew schweissten, schraubten und konfigurierten ununterbrochen seit beinahe 36 Stunden. Das, was Sie unterwegs schaffen konnten, brauchten Sie nach Ihrer Rückkehr nicht mehr im Raumdock zu erledigen. Vielleicht konnten sich dadurch doch noch ein, zwei freie Tage "zwischendurch" erschleichen. Eine kleine Gruppe von Technikern hatte sich sogar schon daran gemacht, die neuen Phaserbänke an das Energieverteilungsnetz anzuschließen, aber die Konfiguration der alten Plasmaleitungen, die in den Sekundärsystemen unter der Hülle lagen, gestaltete sich schwieriger als Erwartet. Tom hatte der Brücke einen besuch abgestattet und stand gegen eine Konsole gelehnt und mit einem Glas Wasser in der Hand neben der Wissenschaftlichen Station.

      Lisa und Jason standen neben ihm. Die Wissenschaftsoffizieren durchforstete die Sensoraufzeichnungen der vergangenen Stunden. "Sir, nach diesen Protokollen könnte im Orbit des Fünften Planeten ein Schiff , höchstens in der Größe eines Shuttles, gestrandet sein. Ich empfange nur minimale Energieemissionen, aber die Hüllenstruktur ähnelt der eines mittelgroßen Frachtschiffes aus dieser Region. Sollen wir unser Glück versuchen?"

      Jason reckte sich und strich seine Uniform gerade. Obwohl er äußerst gespannt war ,wie diese "Mission" ausgehen würde, war er nicht so Dumm um einer Gefahr blindlings in´s Messer zu laufen. Und "blindlings" war genau das Wort, welches hier angebracht war. Sie hatten nochmals eine komplette Diagnose der Scanner durchgeführt und waren nun zu dem Schluss gekommen, dass Sie eine maximale Leistung von höchstens Zwölf bis Fünfzehn Prozent hatten. Für Warpnavigation war das durchaus ausreichend, aber eine wirkliche Abtastung eines kompletten Sternensystems war nahezu unmöglich. Sie "stocherten im Nebel", und das gefiel dem Lieutenant Commander ganz und gar nicht.

      Tom Wales, dem man deutlich ansah, dass er erst mal am Ende seiner körperlichen und geistigen Kräfte angelangt war, nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas und seufzte vernehmlich. "Cap, wenn das so weitergeht kommen wir mit einem komplett überholten Schiff wieder zurück ins Raumdock - nicht ,dass das so bald passieren würde, aber uns gehen die Materialien aus und meine Jungs brauchen alle mehr als nur eine Mütze voll Schlaf. Meinetwegen untersuchen wir diese Anzeige noch, aber dann sollten wir uns schleunigst auf den Weg nach Hause machen. Lisa nickte zustimmend, Sie war ohnehin nur "aushilfsweise" hier und wollte auch bald wieder nach Hause auf die Raumstation und von dort aus zu Ihrem neuen Posten auf die SUPERIOR.

      Jason überlegte kurz, Sie waren insgesammt seit 2 Tagen auf der Suche nach dem Ursprung des Notrufes, und diese Sensorenanzeige war so gut wie jede anderen Anomalie auf der Anzeige. Er klopfte Lisa auf die Schulter und nickte. "In Ordnung, dieser kleine Abstecher noch, und dann sind wir weg hier. Inzwischen sind sowohl die SUPERIOR als auch die FLAWLESS auf Warteposition, und wenn wir nicht bald zurück sind können wir den Zeitplan für die nächsten sechse Wochen von Grund auf neu erstellen ..."

      Er ging die kleine Ballustrade herunter und setzte sich auf den bequemen Sessel in der Mitte der Brücke. "Fähnrich, setzen Sie einen Kurs auf die Koordinaten der Sensorenkontrolle. Geschwindigkeit Warp 3!"

      Fähnrich Cavanaugh hantierte an seiner Konsole und korrigierte die Werte des Navigationsdeflektors. Er hatte sich in den vergangenen Tagen bereits so auf diesem Platz "eingelebt", dass im Gegensatz an allen anderen er nicht unbedingt wieder zurückfliegen wollte, jedenfalls nicht so schnell wie möglich. Ihm war bewusst, dass das hier eine seltene Gelegenheit war, dem Einerlei des Praxisjahres zu entfliegen - und er wollte es auskosten. "Aye Sir, Kurs gesetzt, Geschwindigkeit programmiert!"

      Jason lehnte sich nach hinten und zupfte seine Uniformjacke zurecht. "Dann mal los ... Beschleunigen!"

      Der Reaktor des Schiffes spie eine ungeheure Energiemenge aus, die blau schimmernden Gondeln des Warptriebwerkes blitzten auf und die WELLINGTON wurde schneller als das Licht.



      "Computerlogbuch der WELLINGTON, Nachtrag. Wir haben den Orbit des Fünften Planeten erreicht und tatsächlich befindet sich hier in unmittelbarer Nähe ein Shuttle von bisher unbekannter Bauart. Lieutenant Starr sagt, die Sensoren zeigen unterschiedliche Warpsignaturen, die in den vergangenen Stunden und Tagen dieses System betreten und wieder verlassen haben. Die wahrscheinlichsten Flugbahnen kreuzen alle den Fünften Planeten - aber bisher hat das kleine Schiff auf keinen unserer Rufe geantwortet. Die Scanner zeigen deutlich zwei Lebenszeich an Bord, die aber scheinbar in unregelmäßigen Abständen verschwinden und wiederkommen. Es ist uns nicht möglich, eine Nachricht an Commodore Browl zu schicken, da die ISIS Sonne Subraumnachrichten bis zur Unkenntlichkeit fragmentiert. Wir sind auf Abfangkurzs gegangen und haben das Shuttle in Traktorstrahl genommen. Tom und ich werden hinüberbeamen und nach dem Rechten sehen."

      Tom und Jason standen auf der halbrunden Plattform des Transporters. Sie hatten "für alle Fälle" jeder einen Phaser in der Hand und den Tricorder im Gürtel. Der "Captain" richtete das Wort an den Transporterchief, der eigentlich auch nur ein Techniker des Raumdocks war, sich aber mit der Benutzung des Transporters gut auskannt - kein Wunder, er reparierte und installierte Transportersysteme schon seit mehr als Zwanzig Jahren. "Sind wir soweit? Ich möchte das gerne hinter mich bringen!" Der Crewman tippte auf seine Konsole. "Ich versuche Sie so weit wie möglich an das Zentrale Schott heranzubringen, aber genauso wie die Lebenszeichen dort drüben verschwinden oder ... ich würde das eher "verwischen" nennen, na jedenfalls verwischen genauso die Koordinaten der Transporterscanner. Stand by, ich glaube ... ja, ich habe eine Koordinate. Bereitmachen zum beamen!"

      Jason nickte, entsicherte seine Waffe und stellte den Phaser auf Betäubung. Ein kurzer Blick auf seinen Nebenmann, er sah dass Tom das gleiche im Sinn hatte, dann hörte er schon das vertraute Summen der Molekularscanner, und in einer Kaskade aus hellem Licht verschwand der Transporterraum vor seinen Augen.


      Sie materialisierten in einem schmalen Gang, kaum breit genug für zwei Personen Ihrer Größe. Der Gang selbst war seltsamerweise hell erleuchtet - Sie vermochten später nicht zu sagen warum, aber irgendwie hatten Sie beide erwartet, in vollkommenes Dunkel gebeamt zu werden. Es roch nach verbranntem Metall und Tom steckte seinen Phaser wieder in den Gürtel, er benötigte beide Hände für den Tricorder. Jason schaute sich um. Hier war nichts von einer Besatzung zu entdecken, hatte die Crew sie schon bemerkt? Oder war die Crew nicht mehr in der Lage, sich bemerkbar zu machen? Immerhin schien das Lebenserhaltungssystem noch zu funktionieren. Tom drehte sich um und hielt Jason den Tricorder hin. "Schau Dir das an, hier ist gar nichts!" Jason überblickte kurz die Anzeige des handlichen Scanners und schüttelte dann den Kopf. "Wie kann das sein"?

      Lieutenant Commander Wales hatte sich eine Computeranzeige an der Wandverkleidung angeschaut. Vor seinen Augen schien eine Skala in einer unbekannten Schrift angezeigt zu werden, aber er konnte nur raten, was Sie da sahen. "Zumindest läuft das Lebenserhaltungssystem, die künstliche Schwerkraft, und sogar das Licht haben Sie angelassen. Aber nicht im geringsten Anzeichen für Leben. Wo zur Hölle ist die Crew dieses Schiffes?"

      Jason ging ein paar Schritte den Gang herunter, bis er zu einer Kreuzung kam, konnte aber in keiner der Richtungen irgendetwas entdecken. Er drehte sich zu seinem Chefingenieur um. "Also auf den Planeten gebeamt sind Sie nicht, sogar unsere minimalen Sensoren hätten die Lebenszeichen auf einem Klasse L Planeten ausmachen können. Vielleicht sind Sie von einem der anderen Schiffe mitgenommen worden? Ach nein, wir haben ja vor ein paar Stunden noch Lebenszeichen ausmachen können ... Und die Lebenserhaltung ... Ich verstehe das nicht."

      Tom zuckte mit den Schultern, inzwischen waren Sie an einem großen Schott angelangt, dass sich automatisch öffnete. Sie betraten einen großen Raum, der neben einer Vielzahl von kleinen Monitoren und Konsolen einen großen Frontbildschirm und eine Art Kommandantensessel beherbergte. Die Anzeigen auf den Kontrollkonsolen sahen so aus, als ob die Brücke des Schiffes erst vor wenigen Minuten verlassen wurde. Tom untersuchte die einzelnen Stationen so gründlich, wie es auf einen ersten Überblick möglich war. Jason war von dem großen Frontalbildschirm gebannt, denn er zeigte eine große Aufnahme der ISIS Sonne und eine Art Zielkreuz war über dieses Bild gelegt, die Schnittstelle des Kreuzes zeigte genau in die Mitte der Sonne. Was hatte das zu bedeuten? Er rief Tom zu sich und zeigte ihm das Bild. Der Ingenieur schüttelte mit dem Kopf. "Ich weiss es nicht Cap, aber ich weiss dass das hier kein andorianischer Frachter ist. Dies hier ..." er machte eine ausladene Handbewegung, "... das hier soll sich ein richtig ausgerüstetes Forschungsteam der Sternenflotte anschauen. Wir können hier nichts ...:" Er konnte den Satz nicht beenden, denn in dem moment ging das Inferno los ...

      Unter Ihren Füßen begann der Boden zu vibrieren, ein lautes Klingeln durchfuhr die vermeintliche "Brücke" des fremden Schiffes und sie fühlten deutlich, dass sich das Schiff bewegte. Jason tippte auf seinen Kommunikator. "Allister an Wellington, was ist hier los?" Lisa Starr meldete sich sofort. "Sir, wir messen einen ziemlich starken Energieanstieg im Inneren dieses Shuttles, es scheint als ob die Maschinen hochgefahren werden. Es könnte sein dass ... moment ... Captain, das Shuttle scheint irgendeine Art von Waffe aktiviert zu haben, die Energiesignaturen ähneln einem Protonenpuls. Ich glaube es wird heiß hier!" Jason und Tom nickten sich gegenseit zu. "Alles klar, Wellington, zwei Personen klar zum beamen. Energie!"

      Der Transporterchief der Wellington hatte die Transmission mitgehört und bestätigte den Transporterprozess. In einem flackerden Licht materialisierten die beiden Offiziere wenige Meter vor ihm auf der Plattform. Kaum waren die beiden wieder auf der Wellington, stürmten Sie aus dem Transporterraum und waren nach wenigen Minuten auf der Brücke. Jason hetzte zum mittleren Sessel und lies sich in das Polster fallen. "Status!"

      Tom, der im hinteren Teil der Brücke an den Maschinenkontrollen saß, schaute auf die Sensorenanzeige neben ihm. Die Wissenschaftsoffizierin Lieutenant Starr drehte sich auf Ihrem Sessel in Richtung Hauptbildschirm um. "Sir, der Energieoutput des Shuttles steigt weiter an und übersteigt Dreitausend ... dreitausendfünfhundert ... dreitausendsiebenhundert Cochrane ... Es bewegt sich!" Jason starrte gebannt auf den großen Hauptschirm. Tatsächlich hatte sich das kleine Schiff in Bewegung gesetzt und löste sich aus dem Orbit. In einer langgezonenen Parabel drehte es seinen Bug der Wellington entgegen. "Sir ..." Tom´s Stimme hatte beinahe verzerrt geklungen, aber Jason schnitt ihm das Wort ab. "Hab´s gesehen, Ausweichmanöver, voller Impuls, Schilde hoch!" Aus dem Bug des Shuttles hatte sich ein greller Energiestrahl gelöst und raste mit unvorstellbarer Geschwindigkeit auf den Rumpf der Wellington zu. Eindeutig eine Energiewaffe. Der Steuermann reagiert sofort und schaltete den Impulsantrieb auf Notstart. Die kaum getesteten und noch nicht ausgepegelten Impulsmotoren heulten auf und beinahe in Zeitlupe drehte sich der Rumpf der Wellington von dem anderen Schiff weg. "Schilde? Was für Schilde?" Jason hatte sich umgedreht, der Leitende Ingenieure tippte fieberhaft auf seiner Konsole. "Was meinst Du, was für Schilde?"

      Tom´s Augen flogen zwischen den Anzeigen und dem Captain hin und her. "Cap, wir haben noch keine Schilde, der Generator sollte eigentlich erst Übermorgen angeschlossen werden!" Allister verkrampfte sich. Ein Blick auf den Bildschirm genügte ihm. "Auf Einschlag vorbereiten!"

      Die WELLINGTON konnte von relativer Geschwindigkeit Null nicht so schnell beschleunigen wie das kleine aber scheinbar gut bewaffnete Schiff vor Ihnen. Ein Ausweichen war unmöglich, der Energieblitz schlug in das obere Drittel der Untertassensektion ein und schlug ein metergroßes Loch in die Aussenhaut. Das Schiff erzitterte und das überbeanspruchte Material der Hülle kreischte, als es in der ungeheuren Hitze der gegnerischen Waffe vaporisierte. Als hätte ein Schlag die Wellington getroffen wurde das Schiff geschüttelt. Eine Stichflamme schoss aus der Operationskonsole und beißender Rauch erfüllte den Raum. Fähnrich Cavanaugh musste schreien, damit seine Stimme den Lärm übertönte. "Sir, Impulsantrieb ausgefallen, vorderer Navigationsdeflektor offline. Wir sind blind!" Jason war aufgesprungen und in den hinteren Teil der Brücke gelaufen. "Fähnrich, versuchen Sie es manuell, wir müssen aus dem Orbit raus, und raus aus dem inneren Planetenring. Von hier aus können wir das Raumdock nicht erreichen."

      Er wurde von einem weiteren ohrenbetäubenden Schlag übertönt, eine zweite Entladung war in die Warpgondel an Backbord geschossen und riss das Verbindungssegment beinahe entzwei. Die gellende Sirene der Schiffssysteme war beinahe noch schlimmerer als der dichte Rauch, es war irgendein Kühlgase, welches die Brücke flutete. Lisa hustete, Tom wischte sich die Augen, sie brannten wie Feuer. Er schaute seinen Captani an. "Sir, noch ein gut platzierter Schuss und wir verlieren die Eindämmung ..." Lieutenant Commander Allister´s Gesicht war wutverzerrt. "Gibt es irgendeine Chance, die Schilde hochzufahren?" Tom´s Hände verkrampften sich. "Der Generator ist bereits installiert, ich muss die Verbindung zur EPS Leitung per Hand einrasten, dann könnte es klappt, aber er ist noch nicht eingestellt, ich habe kein Ahnung wieviel Leistung er so mitmacht!" Jason stützte sich auf die Schulter des Technikers. "Wie lange?"

      Tom drehte sich wieder zu seiner Anzeige. "Ein paar Minuten, an der Energie soll´s nicht scheitern!" Der Captain schlug ihm auf die Schulter. "Na los, schnell schnell!" Tom sprang auf uns hastete in den Turbolift. Inzwischen hatte sich die Wellington aus dem Orbit gelöst und flog mit minimaler Geschwindkeit dem Rand des Sonnenschattens zu. Das kleine Shuttle hatte sich hinter Sie gesetzt und kam näher. Der junge Steuermann wischte sich den Schweiss von der Stirn. "Zwölftausend Kilometer ... Zehntausend ... Achttausend .. Sechstausend ... Sir es feuert wieder!"

      Diesmal dauerte es nur einen Bruchteil einer Sekunde. Das fremde Schiff war inzwischen so nahe dass die tödlichen Finger der Energiewaffe nur einen Augenblick brauchten, um sich in den Rumpf der Wellington zu fressen. Und diesmal war der Schuss gut platziert. Zu gut.

      Der Schlag war schlimmer als erwartet, Jason wurde von den Füßen gerissen, die kurz aussetzende Schwerkraft hob ihn hoch, nur um ihn nach ein paar Lidschlägen wieder unsanft auf den Boden der Brücke zu befördern. Noch bevor er den Schmerz fühlte, hörte er das dumpfe Knacken in seinem Brustkorb, eine Rippe brach und bohrte sich in seinen Lungenflügel. Für einen Moment übermannte ihn die Überraschung und er konnte nicht atmen, dann entwich die Luft aus seiner Lunge und mit dem ersten Atemzug kam der Schmerz, der ihm fast die Sinne raubte. Irgendwo zwischen dem prasseln der Funken und den Schreien der Crewmen hörte er die vertraute Stimme seines Freundes. "Maschinenraum an Brücke, der Generator ist angeschlossen und bereit. Ich fahr ich jetzt hoch, entweder klappt es oder wir bekommen es nicht mehr mit!" Jason wollte etwas sagen, aber er röchelte nur und etwas warmes, metallisches war in seinem Mund. Er spuckte, und sah dass es sein eigenes Blut war.

      Das Shuttle flog jetzt direkt hinter Ihnen, und das unheilvolle Glühen seiner Waffenphalanx machte deutlich, was nun kam. Und tatsächlich zuckte ein weiterer Energiestrahl auf das Schiff zu, diesmal wie ein Schnitt mit einem Skalpell, genauestens gezielt, und zwar auf den hinteren Teil des Maschinenraums. Dort, wo der Reaktor stand.

      Doch Tom war schneller. Um genau zu sein, war er genau zwei Sekunden schneller, denn das Schutzschild hatte sich bereits aufgebaut, und so prallte die gegnerische Waffe auf die Barriere aus energetischen Felder, wurde abgelenkt, teilweise absorbiert. Der Schildgenerator knisterte, funkte, aber hielt stand. Der Lieutenant Commander hatte sich wieder aufgerappelt und sich schwer atmend auf den Sessel des Captains gesetzt. "Status Mister Cavanaugh?" Der Steuermann hielt sich mit beiden Händen an seiner Konsole fest. "Impulskraft wiederhergestellt, Schildgenerator arbeitet bei knapp Vierzig Prozent. Kurs aus dem Sonnenschatten liegt immer noch an, wir ..." Er wurde abermals unterbrochen, inzwischen feuerte Salve um Salve der fremden Waffe auf die Schilde der Wellington. Jason aktiverte das Interkom. "Brücke an Maschinenraum, wie sieht es da unten aus?"

      In der großen Reaktorhalle hastete der Chefingenieure Tom Wales an das kleine Kontrollfeld des Interkom und aktiverte die Gegensprechfunktion. Er musste fast schreien, denn das heulen des überanspruchten Feldgenerators und das dumpfe klopfen des reaktors ,der an den Grenzen seiner Belastbarkeit arbeitete, übertönte jede normale Stimmlage. "Wir halten durch, aber ich muss den Reaktor abschalten, er ist nicht justiert und die Intermixrate fluktiert. Ein paar Minuten sind noch drin, aber dann werden wir alle in einer Antimaterieexplosion gegrillt!" Auf der Brücke hatte sich auch Lieutenant Starr wieder aufgerappelt und saß erneut an den Kontrollen. Sowohl Sie als auch der junge Steuermann schauten den Captain an. Es war eine Entscheidung zu treffen.

      "Tom, kannst Du die Waffen online bringen? Wir brauchen ein oder zwei gezielte Schüsse, an Flucht ist hier nicht zu denken, das kleine Ding ist viel schneller als wir, bevor wir annähernd aus der Störstrahlung der Sonne raus sind, ist uns unser Heck unter Hintern weggeschossen ..."

      "Cap, mehr als ein oder Zwei Schüsse sind sowieso nicht drin, ich habe gerade die vordere Phaserbank direkt an die Energieleitung des Warpkerns angeschlossen. Also ziel bitte genau, denn nach dem zweiten Schuss schmelzen uns die Emitter!"

      Der kommandierende Offizier drehte sich wieder in Richtung des Hauptschirms, sein Körper spannte sich. "Cavanaugh, Einhundertachtzig Grad Drehung, bringen Sie uns genau auf Frontalkurs!" Der Steuermann nickte nur, und das Schiff wurde in eine so enge Kurve geworfen, dass die Trägheitsdämpfer nicht die komplette Fliehkraft abfangen konnten. Sie wurden in Ihre Sitze gepresst und Jason schrie auf, der Schmerz in seiner Brust raubte ihm fast den Verstand. "Starr, Zielautomatik, auf den höchsten Energieausstoß des shuttles!" Starr schrie, sie war beinahe histerisch ... "Ziel erfasst!"

      Für einen Lidschlag schien in der Brücke die totale Ruhe zu herrschen, Jason kniff die Augen zusammen und ballte die Faust. "Feuer!"

      Die feuren Finger der Schiffsphaser frassen sich beinahe lichtschnell in die Hülle des fremden Schiffes und lösten in Sekundenbruchteilen eine Explosion im Reaktor des Schiffes aus. Ein greller Blitz, dann schien das Schiff von Innen heraus zu verglühen. Und dann war es vorbei.



      "Computerlogbuch der Wellington, Chefingenieur Wales. Wir konnten den überraschenden Angriff des fremden Schiffes noch gerade abwehren. Den Sensoraufzeichnungen nach war das Schiff nicht übermäßig schwer bewaffnet, aber da die taktischen Systeme der Wellington zum Zeitpunkt des Angriffes samt und sonders offline waren, lagen wir quasi auf dem präsentierteller. Lieutenant Commander Allister befindet sich auf der Krankenstation, ausser ihm haben noch ein Dutzend weitere Crewmen leichtere und schwerere Blessuren davongetragen, glücklicherweise haben wir keinen Todesfall zu beklagen. Fähnrich Cavanaugh hat eine Notbarke gestartet, die schon vor mehr als zwei Stunden den Sensorschatten der Sonne hätte passieren müsse, aber noch haben wir weder etwas von der Raumstation noch von einem anderen Schiff gesehen. Die Reparaturen gehen nur schleppend voran, da wir nur ein gutes Dutzend einsatzfähige Techniker zur Verfügung haben. Der Warpantrieb und der Impulsantrieb sind schwer in mitleidenschaft gezogen, wir haben Hüllenbrüche auf mehreren Decks und die Navigationssensoren sind nur noch ein geschmolzener Klumpen Metall. Der Angriff hat der Wellington mehr oder weniger das Rückrat gebrochen, aber wir tun alles um wenigstens wieder nach Haus zu humpeln. Der Warpreaktor ist abgeschaltet, die Notenergie versorgt momentan die Lebenserhaltung und den Schildgenerator, den ich bis auf weiteres aktiviert lasse. Irgendwie habe ich das Gefühl, als wenn dieser Vorfall nicht die einzige negative Überraschung ist, die uns im ISIS System noch erwartet."

      Das Schiff war in einem schlimmeren Zustand als der Ingenieur es im ersten Moment wahrhaben wollte. Dies wurde im immer mehr bewusst, je mehr Schadensmeldungen bei ihm eintrafen. Er hatte stellvertretend das Kommando übernommen und den Großteil seiner Technikercrew an die Lebenswichtigen Systeme des Schiffes geschickt. Die Notenergie arbeitete zwar stabil, aber wollte so schnell wie möglich wieder die volle Kapazität des Materie/Antimaterie Reaktors zur Verfügung haben. Aber über etwas machte er sich noch mehr Kopfzerbrechen.

      Lieutenant Lisa Starr, Wissenschaftsoffiziering der Wellington und der Steuermann Fähnrich Cavanaugh hatten sich gemeinsam im Maschinenraum eingefunden und saßen auf provisorischen Hockern um den großen Kontrolltisch. Tom hatte hier eine kleine Kommandozentrale eingerichtet. "Kann es eine Fehlfunktion der Sensoren sein? Sie arbeiteten auch vor dem Angriff nicht mit voller Stärke ... " Lisa schüttelte den Kopf. "Die Reichweite der Scanner war auf ein Minimum beschränkt, aber als das fremde Schiff seine Hauptenergie aktivierte, konnte ich die Frequenz eindeutig erkennen. Es besteht kein Zweifel ..."

      Fähnrich Cavanaugh lehnte sich mit den Ellenbogen auf den großen Tisch und betrachtete die kleine Anzeige. Die Sensorenaufzeichnungen sprachen eigentlich eine eindeutige Sprache. "Also ein Energiekern der Sternenflotte. Ich kann das nicht glauben ... War das vielleicht ein Schmugglerschiff? Nein, das ist auch keine Antwort. Nach dieser Aufzeichnung ..." er beugte sich noch etwas mehr dem Monitor entgegen ... "handelt es sich um einen Warpreaktor eines Schiffes der Oberth Klasse. Mein Gott, was da wohl dahintersteckt."

      Tom löschte die Anzeige und lehnte sich zurück. "Egal was es mit dieser Energiesignatur auf sich hat, ich möchte wissen warum sich das Raumdock nicht meldet. Sogar wenn Sie nicht explizit danach suchen, die Langreichweitensensoren der Station müssen die Barke längst entdeckt haben, und zumindest eines der Warpshuttle hätte uns vor Stunden erreichen sollen. Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen, aber was ist wenn das Dock genauso wie wir unvorbereitet angegriffen wurde? Immerhin waren wir das einzige einigermaßen intakte Schiff an der Station, ohne uns ist Sie so gut wie wehrlos. Andererseits sind wir nicht im Grenzland, sondern im Raum der Föderation und so etwas wie heute kann eigentlich nicht unentdeckt bleiben."

      Sie schwiegen einige Momente. Trotz der totalen Technisierung der Menschheit und der überlegenen Technologie beschlich Sie alle ein sehr seltsames Gefühl, gestrandet auf einem kaum noch einsetzbaren Schiff, in einem bisher völlig unwichtigen und kaum beflogenen Sternensystem, scheinbar abgeschnitten von der Kommunikation. Es war eine sichtlich vertrackte Situation.

      Das schwere Schott des Maschinenraums ging auf und ächzte dabei mitleiderregend. Und mitleiderregend war auch die Gestalt, die in die große Halle hereingehumpelt kam. "Cap!" Tom lachte befreit und lief auf seinen Freund zu. Er umarmte ihn, lies dann aber sofort wieder ab als er das unterdrückte Keuchen von Jason hört. "Oh Sorry Cap!" Tom machte einen Schritt zurück, strahlte aber immer noch und man konnte sehen, wie die Last der Verantwortung von seinen Schultern genommen wurde. Er war ein begnadeter Techniker, aber er war keine Führungsperson, das war ihm bewusst und er konnte seine Stärken durchaus einordnen.

      Jason hatte die Uniformjacke abgelegt, der Verband um seinen Brustkorb spannte und bei jedem Schritt wich ihm die Luft pfeiffend aus der Lunge, das atmen tat ihm sichtlich schwer. "Na hier sieht´s ja aus ... Kaum bin ich mal nicht da, kommt ihr nicht mal mehr zum Fegen!" Trotz der Schmerzen rang er seinem Gesicht ein Grinsen ab. "Und, kleine Zusammenfassung?"

      Tom nahm ein Padd in die Hand und reichte des dem kommandierenden Offizier. "Nicht gut, wirklich nicht gut. Zuerst die gute Nachricht oder erst die schlechten?" Jason wiegelte ab. "Nun gut, ich fang mit der guten Nachricht an. Die Energieversorgung für die Lebenserhaltung und für den Schildgenerator läuft auf niedrigem Niveau, aber konstant. Ehrlich gesagt war´s das aber auch schon..."

      Auf Jason´s Fragenden Blick konnte Tom nur mit den Schultern zucken. "In den anderen Schiffssystemen sieht es weit weniger rosig aus. Die Sensoren sind ausgefallen, meine Techniker sind dabei zumindest die Navigationsdeflektoren wieder online zu bringen, damit wir wissen was um uns herum passiert, aber eigentlich können wir genauso gut aus dem Fenster schauen. Sekundärsysteme sind ganz unten in der Prioritätsliste, die Phaserbanke sind komplett durchgeschmort, allein einer der Torpedoschächte ist betriebsbereit, ich hab auch keine Ahnung warum. Natürlich ist der auch ohne Sinn und Zweck, solange die Sensoren offline sind."

      Der Lieutenant Commander hatte seinen Kopf in beide Hände gestützt. Für ein paar Augenblicke sagte niemand etwas. "Kommunikation?"

      Lisa stand auf und legte eine Hand auf Jason´s Schulter. "Die Subraumsender sind offline, aber die Kurstreckenkommunikation funktioniert. Wenn also ein Schiff in das System einfliegt, werden wir es rufen können." Eigentlich, so dachte Allister, sagt man immer es sieht schlimmer aus als es ist. Aber eigentlich war es noch schlimmer, als es aussah. Wieso musste das alles passieren? Was hatte er falsch gemacht? Warum wurden sie angegriffen? In seinem Kopf machte sich ein großer schwarzer Fleck breit. Er konnte einfach nicht verstehen. Ein Techniker kam aufgeregt zu Ihnen gerannt und salutierte vor Tom.

      "Sir, die Eindämmung des Reaktors ist wiederhergestellt. Wenn wir die Zündungssequenz durchgehen, können wir Warp Zwei, vielleicht Warp 3 erreichen!" Tom schlug mit der Faust auf den Tisch. "Na bitte. Das ist nicht die Welt aber bringt uns in ein paar Stunden zurück zur Raumbasis. Der Rest ist doch erst einmal unwichtig. Captain?"

      Der kommandierende Offizier, Lieutenant Commander Allister, streckte sich und stand auf. "In Ordnung, lasst uns nach Hause. Tom, Du zündest den Reaktor. Wir versorgen alle Systeme die noch funktionstüchtig sind mit Hauptenergie. Dann sollen sich deine Leute um den Navigationsdeflektor kümmern, und dann setzen Sie einen Kurs nach Hause, Mister Cavanaugh. Alles klar?"

      Wie aus einem Munde antworteten Sie "Aye Sir!" Vier Stunden später beschleunigte die WELLINGTON auf Warpgeschwindigkeit und verlies das ISIS System.

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