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Dennis Reed - Dämonenjäger

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  • Dennis Reed - Dämonenjäger

    Nachdem ich dieses Teil nun seit ein paar Jahrhunderten auf meiner Festplatte gehortet habe, habe ich mich jetzt doch mal entschlossen, es in irgendeiner Weise zu veröffentlichen. *g* Jedenfalls ist das der Auftakt zu einer Serie, zu der ich schon seit Jahren die Idee in meinem Kopf habe, deren Ausführung ich jedoch immer weiter von mir weg geschoben habe. Und ich gebe hauptsächlich Dingen wie den eigenen Internet-Anschluß (insbesondere der Flatrate *grumpf*) die Schuld. *hust* Wie dem auch sei... Ich habe mir das was ich bis jetzt hatte, neulich ein wenig durchgesehen und noch ein, zwei Seiten angehängt.



    * * * * * * *


    Nun war endlich der Moment gekommen. Der Moment in dem er endgültig aufgab.

    Dennis Reed liess den Kopf auf das Lenkrad seines Autos fallen und wollte der Verzweiflung seiner Seele freien Lauf lassen. Als er jedoch aus Versehen mit seiner Stirn die Hupe traf, richtete er ihn muffig wieder auf. Noch nicht mal in einem der traurigsten Momente seines Lebens war ihm volle Ruhe gegönnt.

    Er blickte wieder durch die Frontscheibe seines Wagens und seufzte noch einmal.

    Er war in den Graben gefahren, schön.

    Kann ja jedem mal passieren. Wenn man die englischen Landstrassen Richtung Birmingham fährt, muß man schon damit rechnen, daß von irgendwoher aus dem Nichts plötzlich so ein dämliches Reh auftauchen kann, und meint in genau dem Moment über die Strasse laufen zu müssen, in dem ein Auto eben diese im höchsten Tempo zu benutzen gedenkt. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit zugegebenerweise doch recht niedrig war.

    Natürlich war er ausgewichen! Als Greenpeace-Sympathisant war es seine absolute Pflicht es zu tun! Auch wenn er es als nicht solcher wohl ebenso getan hätte.

    Weniger schön an der ganzen Sache war jedoch, daß er direkt in den Graben gefahren war.

    Aus dem kam man nur schwer wieder heraus.

    An den Schaden, der möglicherweise an seinem Wagen entstanden war, mochte er gar nicht erst denken.

    Aber dem Reh ging es gut.

    Wenigstens das.

    Blödes Vieh.

    Dennis' ausdruckslose Miene hatte sich nicht verändert.

    Irgendwie war ihm nun alles egal.

    Die ganzen letzten Tage war alles schief gegangen. Und mit dem Wörtchen "alles" war auch wirklich alles gemeint.

    Zuerst hatte es mächtig Krach mit seiner Freundin gegeben, weil er nicht mit ihr auf die grosse Familienfeier ihrer Eltern gehen wollte. Schon die letzten beiden Male hatte er es dort als furchtbar empfunden. Mit ihrer Famlilie konnte er nicht so richtig und die Familie nicht mit ihm - erst recht nicht mit den Eltern. Daß er beim nächsten Mal nicht dabei sein wollte, hatte er Zoe zwar schon lange vorher angekündigt, aber jetzt wo die neue Feier kurz bevorstand, schien sie es offenbar völlig vergessen zu haben.

    Sie hatten sich daraufhin so laut gezofft, daß die alte Frau von nebenan damit drohte die Polizei zu rufen.

    Also waren sie leiser geworden.

    Und Dennis vernünftig.

    Auch wenn er sich ein paar Minuten später deswegen selbst verflucht hatte.

    Halbherzig hatte er mit ihr den Koffer gepackt, um das gemeinsame Geschenk hatte Zoe sich selbst kümmern müssen. Der Haussegen hing nun irreparabel schief. Das war zwar schon vorher der Fall, aber nun halt noch ein kleines bisschen mehr.

    Auf der Autofahrt hatten sie dann kein Wort miteinander gesprochen. Die einzigen Sätze die fielen, waren: "Ich mache mal das Radio an.", "Halte mal bei der nächsten Tankstelle, ich muß auf Toilette.", "Wie spät ist es jetzt?" und "Viertel nach drei."

    Als sie schließlich bei ihren Eltern angekommen waren, hatten sie versucht ihren Groll aufeinander so gut es ging zu verbergen.

    Natürlich klappte das nicht.

    Zoes Eltern und ein paar andere bereits eingetroffene Familienmitglieder reagierten daraufhin etwas irritiert, also versuchten die beiden sich aus dem Weg zu gehen.

    Natürlich klappte auch das nicht.

    Also stritten sie sich.

    Natürlich nicht an einem Ort, an dem sie unbeobachtet waren, sondern draussen am Gartentisch, als gerade der Salat zu den gegrillten Rippchen verteilt wurde.

    Zoe war weinend nach oben ins Haus gerannt und Dennis bekam lauter böse Blicke zu spüren.

    Seine Freundin hatte zwar ganz eindeutig mit dem Streit angefangen, aber da Familienmitglieder so ziemlich grundsätzlich auf der Seite ihrer eigenen Sippschaft stehen, hatte er nicht viel Beistand zu erwarten.

    Ohne seine Augen vom Teller zu heben, aß er Salat und Rippchen auf, wartete noch ein bisschen, stand auf und ging dann die Strassen auf und ab, um einen klaren Kopf zu bekommen. Er hätte noch gerne gesagt, wie gut die Rippchen und der Salat geschmeckt hätten (beides war wirklich extrem lecker gewesen), aber das wäre in dem Moment wohl unangebracht gewesen.

    Blöderweise hatte er sich dann im Ort verlaufen, und als es dunkel wurde, wäre er beinahe in den Wald gelaufen und hätte sich dann dort verirrt.

    Er fand erst sehr spät nach Mitternacht zurück, jedoch schliefen schon alle und er musste das ganze Haus wachklingeln, damit sie ihn reinliessen.

    Spätestens jetzt hatte er bei Zoes Familie bis in alle Zeiten verschissen.

    Am nächsten Morgen, also heute, hatte sie sich von ihm getrennt, und zwar im Beisein ihres Bruders und ihrer Mutter.

    Also hatte Dennis seine Koffer ins Auto geschleppt und war losgefahren.

    Sollte Zoe doch mit dem Zug fahren.

    Blöderweise sollte es ihm erst später einfallen, daß Zoe den Weg nach Hause besser kannte als er. Also verfuhr er sich erstmal tüchtig.

    Wenige Stunden später hatte er schließlich den Unfall.

    Er war sich nicht ganz sicher, aber durfte man Rehe einfach so erschiessen, auch ohne Jagdschein?

    Dennis seufzte und kam zu den Schluss, daß er endlich etwas tun musste, wenn er keine nassen Füsse bekommen wollte.

    Er öffnete die Autotür und kraxelte hinaus. Zu seiner eigenen Verwunderung schaffte er dies ohne in den Graben zu fallen.

    Er stellte sich auf die Strasse und überlegte was er nun tun sollte.

    Er schaute nach links und nach rechts. Es war kein Wagen zu sehen, kein Mensch der ihm helfen konnte.

    Wenn er überlegte, war ihm die ganze Zeit, die er die Strasse langgefahren war, kein Auto entgegengekommen. Noch nicht mal Fahrradfahrer oder ein Fussgänger.

    Naja. Das musste ja noch nichts heissen.

    Er konnte ja erstmal etwas abwarten.

    Er setzte sich auf einen Kilometerstein, der nicht weit von dem Auto entfernt war und fand sich mit der Situation ab.

    Das Handy hätte jetzt vielleicht geholfen. Dumm nur, daß es sich in der Reisetasche von Zoe befand. Aber wahrscheinlich hätte es hier in der Wallachei sowieso keinen Empfang gehabt.

    Dennis trommelte gelangweilt mit seinen Handflächen auf den Seiten den Kilometersteines. Nach einer Minute wurde ihm das zu langweilig und er hörte damit auf.

    Der Stein wurde schnell zu kalt und unbequem, also setzte er sich ins Gras und lehnte sich an ihn an. Er stützte seine Arme auf den Knien ab und schaute in den Himmel.

    'Wenigstens sieht es nicht nach Regen aus.' dachte er, bemerkte aber, daß der Abend nicht mehr allzu lange auf sich warten liess.

    Ganz im Gegensatz zu einem Menschen, der ihm aus der Patsche helfen konnte. Es liess sich einfach keiner blicken.

    Also beschloß Dennis es selbst in die Hand zu nehmen. Wenn der Retter nicht zum Propheten kommt, dann muß der Prophet halt zum Retter gehen.

    Er stand auf, klopfte sich die Erde von der Hose ab und ging einfach los. Ob oder wann er auf einen Ort treffen würde wusste er nicht, aber das war ihm egal. So wie er es im Gefühl hatte, konnte er hier noch mehrere Stunden verbringen, ohne daß etwas geschehen würde. Und er hatte keine grosse Lust, im Dunkeln noch beim Wagen zu sitzen. Naja, Lust war falsch formuliert, es wäre ihm einfach zu unheimlich.

    Während er die Landstrasse entlang ging, blickte er zu den Feldern, die sich links und recht von ihm befanden. Felder, Felder, nicht als Felder... Die mussten doch irgendjemandem gehören? Aber er konnte kein Haus ausmachen, das an ihnen angrenzen würde. Wahrscheinlich gehörten sie einem Bauer, dessen Landsitz sich über mehrere Kilometer erstreckte. Gut möglich, daß er erst in einer Stunde auf das Haus traf. 'Hoffentlich ist dann auch jemand zuhause.' ging es Dennis durch den Kopf, verdrängte den Gedanken aber schnell wieder. Sein Pech wollte er jetzt nicht auch noch herausfordern.

    Er ging immer weiter, ohne daß sich etwas an dem Zustand ändern wollte. Einfach kein Haus, weit und breit.

    Dennis musste unwillkürlich an die uralte Tankstellenwerbung denken, in der jemand, auf der Suche nach Benzin, eine ebenso langweilige Landstrasse entlangging und über den Bildern „I´m walking“ von Fats Domino lief. Kaum hatte er das Lied in seinem Kopf, hatte er auch schon einen Ohrwurm.

    Die Strasse machte eine Biegung und wurde zunehmend von Bäumen eingerahmt.

    Der Ohrwurm fing an zu nerven.

    Die Baumdichte nahm wieder ab und legte ein weiteres Feld frei, das er zuvor kaum hatte sehen können.

    Doch was war das? An ihm grenzte ein paar Kilometer entfernt ein Haus. Nein, es war nicht nur ein Haus, es waren mehrere Häuser. Ein ganzes Dorf.

    „Endlich!“ seufzte er erleichtert. „Ich bin gerettet.“

    Sein Gang wurde etwas eiliger, wenn auch nicht zu schnell. Das Dorf kam immer näher auf ihn zu.

    Als es nur noch wenige Meter entfernt war, bemerkte er über dem Eingang eines Hauses, welches sich direkt an der Strasse befand, ein kleines Schild. Die Schrift und die Farben sahen irgendwie nach Werbetafel aus und als er dort ankam, stellte er mit Freuden fest, daß er recht hatte. 'Bailey´s' nannte sich der Schuppen. Es schien nicht nur eine Tankstelle, sondern auch ein kleiner Supermarkt zu sein. Obwohl 'Supermarkt' wohl etwas übertrieben wäre. Ein Tante Emma Laden traf es eher.

    Dennis sah durch das Fenster, konnte aber nichts erkennen. Es war zwar mittlerweile schon recht dämmerig geworden, aber damit hatte es nichts zu tun. In dem Laden wurde nicht mehr gearbeitet, die Lichter waren aus. Aber es schien so, als wäre den ganzen Tag niemand hier gewesen. Es war schließlich Wochenende.

    'Und morgen muß ich wieder zur Arbeit...' erinnerte er sich seufzend. 'Ob ich das wohl noch schaffe?'

    Dennis ging ein paar Schritte zurück und sah sich um. Direkt neben dem Haus befand sich eine kleine Strasse, die wohl weiter in den Ort ging.

    'Wenn ich da langgehe, finde ich bestimmt noch irgendwas anderes.' dachte er und war bereits dabei dem Gedanken Folge zu leisten, als plötzlich ein Mann aus dem Laden kam, in dem sich vorhin noch niemand befunden hatte. Er war äusserst groß, vielleicht um die zwei Meter, war mindestens 50 Jahre alt, hatte einen buschigen Oberlippenbart und trug einen unschönen Wollpullover.

    Dennis bekam einen kurzen Schreck, war aber froh endlich jemanden gefunden zu haben.

    „Oh, hallo!“ begrüsste er den Mann. „Ich habe schon gedacht, hier wäre keiner mehr.“

    Der Mann musterte ihn misstrauisch. „Hier ist auch keiner mehr.“ sagte er.

    Was sollte das jetzt heissen? Egal, Dennis ging einfach darüber hinweg. „Wissen Sie, ich habe da einen Autounfall gehabt, und...“

    „Was machen Sie hier?“ fragte der Ladenbesitzer unwirsch dazwischen.

    'Unfreundliche Art.' dachte Dennis. 'Typisch englische Dorfbewohner, die jeden, der nicht zu ihrem Ort gehört, aus reinem Zwang rüde behandeln müssen.' „Das wollte ich gerade sagen.“ verteidigte sich Dennis. „Ein paar Kilometer von hier habe ich ein Reh...“

    „Wie haben Sie hierher gefunden?“ brummte der Mann.

    „Ich...“ sagte Dennis verunsichert. „Ich bin einfach die Landstrasse entlang gegangen, das ist alles.“

    Der Ladenbesitzer sah ihn nur noch genauer an. „Hm.“

    Stille.

    „Ähm...“ machte Dennis vorsichtig. „Vielleicht bin ich nur etwas geschafft und kaputt, oder ich verstehe die ganze Situation einfach nur falsch, aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich mich entschuldigen müsste, ohne zu wissen warum.“

    Der Mann sagte immer noch nichts.

    „Ich... ähm... Also, wenn ich irgendetwas falsch gemacht haben sollte, sagen Sie mir ruhig was es ist.“

    Der Ladenbesitzer fing an, sich wieder zu regen. Er hob seinen Zeigefinger und kratze sich an der Nase. „Um diese Zeit kommt hier normalerweise keiner vorbei.“

    „Naja, ich habe auch gehofft, ich wäre zu dieser Uhrzeit längst wieder zuhause, aber...“

    „Eigentlich kommt hier nie jemand vorbei.“

    Dennis wusste nicht, was er darauf sagen sollte. „...so?“ Er machte ein entschuldigendes Grinsen. „Kommt wohl nicht so oft vor, daß hier jemand einem Reh ausweicht und deswegen in den Graben fährt, so wie ich?“ Wenn er ihm sein Problem auf diese Weise unter die Nase rieb, würde er dann vielleicht reagieren?

    Der Ladenbesitzer zögerte mit einer Antwort. „Nein, das passiert in der Tat nicht sehr oft.“

    Das war alles was er dazu zu sagen hatte?

    „Das Reh ist übrigens tot.“ sagte Dennis herausfordernd.

    Sobald jemand das Wort 'tot' in den Mund nahm, schellten bei allen Menschen im Normalfall sämtliche Alarmglocken. Warum also nicht einfach ganz dreist lügen?

    „Hm.“ machte der Mann. „Kann man nichts machen.“

    Dennis konnte es kaum fassen. „Tja, dann, hm... Also, eigentlich bin ich auf der Suche nach Hilfe.“ sagte er. „Damit ich den Wagen wieder aus dem Graben bekomme. Er macht sich in ihm nämlich nicht gerade schön.“ lächelte er.

    Der Mann sah ihn nur weiter abschätzend an.

    „Ein Handy habe ich nicht bei mir, sonst hätte ich ja jemanden gerufen. Feuerwehr, Polizei oder so, aber naja.“

    „Hier hat keiner ein Handy.“ sagte der Mann.

    „Tja.“

    „Die funktionieren hier auch gar nicht.“ setzte er hinzu.

    „Das ist ja auch nicht so schlimm.“ sagte Dennis. „Ich will Sie ja eigentlich auch nur fragen, ob Sie mir weiterhelfen können. Ob es hier jemanden gibt, der sich mit sowas auskennt, oder sonst irgendwie weiter weiß. Ich bin dann ja auch sofort wieder verschwunden.“ Er unterlegte seinen letzten Satz mit beteuernden Gesten. Er würde wirklich sofort wieder verschwunden sein. Wenn alle Leute hier im Dorf so wie dieser gastfreundschaftliche Mann waren, dann würde er es hier eh nicht lange aushalten wollen.

    Der Mann blickte zur Seite und verzog nachdenklich seine Lippen.

    „Nun,“ sprach Dennis weiter. „Wenn es hier niemanden gibt der mir weiterhelfen kann, darf ich dann zumindest einen Telefonanruf machen? Dann kann ich wenigstens jemanden von ausserhalb holen lassen.“

    Der Mann dachte kurz nach und sah dann wieder Dennis an. „Die Telefone funktionieren zur Zeit nicht.“ sagte er feststellend.

    „Oh, äh, was?“

    „Ja.“ sagte der Mann. „Die Leitungen sind kaputt.“

    Dennis zuckte überrascht mit seinen Augenbrauen. „So? Ja... Warum denn das?“

    Der Mann zuckte mit seinen Achseln.

    „Und... wann werden sie repariert?“

    Der Mann zuckte wieder mit den Achseln.

    „Aber... ich muß hier doch irgendwie wieder weg.“ sagte Dennis, mittlerweile nun schon fast verzweifelt. „Ich muß schon morgen wieder zur Arbeit, wissen Sie?“

    „Ich denke, daß die Telefone morgen auch wieder funktionieren.“

    „Also, werden sie doch wieder repariert?“

    „Ja.“

    „Aber eben haben Sie doch gesagt, Sie wüssten es nicht.“

    Der Mann zuckte mit den Achseln.

    So langsam kam Dennis das alles sehr merkwürdig vor. Entweder war dieser Mann extrem beschränkt oder hier stimmte generell etwas nicht.

    „Naja... aber... Was soll ich denn jetzt machen?“ sagte Dennis. „Wenn ich bis morgen keine Hilfe holen kann... wo bleibe ich dann so lange?“

    Der Mann sah Dennis wieder abschätzend an. „Warten Sie einen Augenblick. Ich komme gleich wieder.“ Er drehte sich um und ging ins Haus zurück.

    Dennis sah ihm hinterher. Seltsam. Wirklich seltsam. Er wusste zwar, daß in manchen Orten die Leute auf Fremde sehr abweisend reagierten, aber daß dies gleich so extrem war, hätte er sich niemals vorstellen können. Wenn er gleich gewusst hätte, daß er in so einem Kaff hängen blieben würde, hätte er sich gleich die Reise sparen und sich die gespannte Atmosphäre im Haus von Zoes Eltern geben können.

    Er ging auf das Haus zu und schaute nochmals durch die Fenster. Vielleicht konnte er ja erkennen, was der Mann dort drin machte? Aber es befand sich weiterhin kein Licht in dem Raum und bis auf die Umrisse von ein paar Möbelstücken konnte er kaum etwas ausmachen. Er sah auch nichts was sich bewegt hätte. Der Mann war nicht aufzufinden; wusste der Teufel, was er trieb.

    Auch wenn er wusste, daß es kaum etwas bringen würde, drückte er sein Gesicht noch stärker an die Scheibe. Naja, es brachte nicht nur kaum etwas, es brachte überhaupt nichts. Er sah nur nicht mehr wie sich sein Gesicht auf dem Glas spiegelte.

    „Wonach suchen Sie denn?“ fragte ihn plötzlich von der Seite die vorwurfsvolle Stimme des Mannes.

    Dennis' Herz schlug einen Purzelbaum und ließ sofort von der Glasscheibe ab.

    „Ich... ich habe Sie nur gesucht, was Sie so machen, äh...“ stammelte er herum.

    „Der Bürgermeister wird Ihnen helfen können.“ sagte der Mann unvermittelt.

    Dennis ließ sich von seiner Antwort bereitwillig ablenken. „Oh ja? Was kann er denn machen?“

    „Sie können die Nacht über bei ihm bleiben.“

    Er verstand nicht ganz. „Wie, bleiben?“

    „Bis die Leitungen wieder funktionieren.“

    „Ähm, Telefon? Ach so, ja.“ sagte Dennis. „Dann kann ich bei ihm übernachten?“

    „Das sagte ich doch.“

    Innerlich stellte sich Dennis nun darauf ein, daß er morgen nicht mehr rechtzeitig an seinem Arbeitsplatz sitzen würde.

    „Und... wie... haben Sie ihn gefragt? Ich meine, das Telefon ist doch...“

    „Er ist gerade bei mir.“ sagte der Mann.

    „Oh, das ist ja gut!“ sagte Dennis erfreut. „Dann kann ich ihn ja gleich...“

    „Das geht nicht.“ blockte er sofort ab.

    „Ah, äh, nein?“

    „Wir haben gerade eine Besprechung.“

    Der Bürgermeister hat eine Besprechung mit dem Besitzer der Tankstelle. Warum nicht?

    „Und ich darf ihn... euch jetzt nicht stören, nicht wahr?“

    Der Mann schloß seine Augen und schüttelte mit dem Kopf.

    „Und, mh, was mache ich jetzt?“ fragte Dennis. „Kann ich so lange zu Ihnen rein und auf ihn warten?“

    „Sie können in den Pub gehen und auf ihn warten.“

    Ein freundliches 'Nein' wäre Dennis lieber gewesen.

    „Er holt mich dort ab? Aber da kann ich doch gleich hier...“

    „Nein, sie werden im Pub warten.“

    „Und dann gehe ich mit dem Bürgermeister zu ihm nach Hause?“

    „Nein. Sie werden zu seinem Haus gebracht.“

    'Mein Güte, ist das umständlich.' dachte Dennis, hütete sich aber, das laut auszusprechen.

    „Ich kann aber auch ein Zimmer in einer Gaststätte nehmen. Ich will dem Bürgermeister wirklich nicht so viele Umstände machen.“

    „Wir haben keine Gaststätte.“

    'Wer will bei dieser Gastfreundschaft hier auch schon Urlaub machen?' dachte Dennis.

    „Na gut, dann... machen wir es halt so.“ sagte er.

    Eine kurze Pause entstand, Dennis wartete darauf, daß der Mann etwas darauf sagte, doch das tat er nicht. Er sah ihn immer noch kritisch an.

    „Tja.“ räusperte sich Dennis. „Dann werden wir es so machen.“ Etwas nervös spielte er mit seinen Fingern herum. „Also... wo ist denn diese Gaststätte?“

    „Wir haben keine Gaststätte.“

    „Äh, den Pub meine ich.“

    „Sehen Sie die kleine Strasse, neben meinem Haus?“ sagte der Ladenbesitzer und zeigte in die Richtung.

    Dennis folgte seinem Finger und nickte.

    „Gehen Sie die einfach lang. Etwas weiter geradeaus finden Sie ihn.“

    Als sei dies schon Erklärung genug gewesen, drehte er sich einfach um, und wollte wieder zurück ins Haus gehen.

    „Halt!“ rief Dennis. „Wie sieht er denn aus?“

    Der Mann drehte seinen Kopf zu ihm. „Sie werden es erkennen.“

    „Naja, und wenn nicht?“

    Es sah aus, als würde der Mann kurz überlegen, bevor wieder die selbe Antwort gab. „Sie werden es schon erkennen.“

    „Aber...“

    Doch bevor Dennis weitersprechen konnte, hatte der Mann schon hinter sich die Tür geschlossen.

    So richtig willkommen fühlte er sich hier nicht. Wenn die anderen Dorfbewohner genauso waren wie dieser Tankstellenbesitzer, dann stellte er sich den Abend ganz nett vor. Ein herrlicher Ausklang des Tages, er hätte ihn sich nicht besser ausmalen können.

    Aber vielleicht war der Mann ja nur der einzige komische Kauz in diesem Örtchen. Es war ja nicht gesagt, daß die anderen genauso sein mussten. Vielleicht waren die restlichen Leute ja sogar alle ganz nett und freundlich? Möglicherweise lachten sie sogar über den Tankstellenmann, kannten sich mit seinen Macken aus. Ja, so musste es sein. Irgendwie musste Dennis sich ja Mut zusprechen.

    Er ging die Hauswand entlang und gelangte auf die Strasse, die allerdings mehr wie ein mit Kies überschütteter Feldweg aussah. Naja, die Gemeinde hatte bestimmt nicht viel Geld.

    Er konnte bereits die nächsten Häuser sehen. Alles typische, englische Landhäuser, wie man sie immer auf Postkarten oder im Fernsehen sieht, und man sich nie vorstellen kann, daß wirklich in ihnen jemand wohnt. Als Stadtkind konnte Dennis sich das jedenfalls nicht.

    Bei einigen Häusern war bereits das Licht angegangen. Das ließ ihn erst bewusst werden, wie spät es bereits wirklich war.

    Nicht weit von ihm entfernt konnte er ein kleines Haus sehen, das ein etwas anderes Erscheinen als die anderen hatte. Es wirkte etwas zweckmässiger und es gab keinen Vorgarten. Zudem waren ein paar Fahrräder an der Wand angelehnt. Das konnte nur der Pub sein. Er ging nicht davon aus, daß es eine Familie gab, bei der jedes Mitglied mindestens drei Fahrräder besass.

    Er ging auf das Haus zu, fühlte sich dabei aber auf eine unerklärliche Art und Weise unwohl. Irgendwie hatte er das Gefühl beobachtet zu werden.

    Er sah um sich, konnte aber nichts direkt Auffälliges entdecken.

    Wahrscheinlich waren es die Blicke der Dorfbewohner, die garantiert durch die Gardinen aus den Fenstern starrten. Dennis konnte sich gut vorstellen, daß sie alle neugierig waren, wer bloß dieser komische Kerl sein konnte, der bei ihnen unangemeldet durch den Ort spaziert.

    Er gab den Gedanken auf, daß der Mann von der Tankstelle der einzig abweisende Typ im Ort war.

    Schließlich kam er bei der Tür des Pubs an. Er räusperte sich ausgiebig und machte sie vorsichtig auf.

    Richtig, genau wie er erwartet hatte. In dem Moment, in dem er sie öffnete, konnte er für eine halbe Sekunde noch ein belebtes Durcheinander von Stimmen hören. Vielleicht sogar noch ein herzhaftes Lachen. Doch kaum als Dennis gesamtes Antlitz zu erkennen war, war alles sofort verstummt.

    Ungefähr dreizehn Gesichter starrten ihn durchdringend an. Der Ausdruck war genau der selbe wie der des Tankstellenbesitzers.

    'Hui.' dachte Dennis. 'Also los!'

    „Guten Abend!“ Er hob seine Hand und winkte den Männern unbeholfen zu.

    Es kam keine Antwort.

    Dennis war die Situation mehr als nur unangenehm. Er fing an zu schwitzen und sah sich unsicher um.

    „Ich... ich... wollte hier nur auf... den Bürgermeister warten, weil... ähm... ich hatte nämlich einen Autounfall und das Reh...“ Er versuchte seine stammelnde Rede mit einem Lächeln aufzulockern. „Tja, das ist jetzt halt tot, nicht wahr?“

    Ein älterer Mann mit einem gefährlich langem und buschigen Bart nahm einen Schlug aus seinem Bierkrug, stellte diesen dann ab und fragte: „Was für ein Reh?“

    „Äh... Da draussen!“ zeigte Dennis. „Dumme Sache. Es tut mir ein bisschen leid, das Tier.“

    Wieder sagte keiner was.

    Dennis wartete darauf, daß er endlich im Boden versank, doch auch das wollte einfach nicht passieren.

    „Ich... brauche deswegen erstmal ein Bier!“ sagte er schließlich laut und entschlossen und ging ebenso laut und entschlossen auf den Tresen zu. Die Leute folgten ihm mit ihren Blicken. Dennis setzte sich auf den einzigen Barhocker der noch frei war und rief dem Barkeeper zu: „Gib mir ein Ale! So ein richtig kaltes!“

    Der Barkeeper, der gerade einen Krug abtrocknete und auf irgendetwas herumzukauen schien das wie ein überdimensionaler Zahnstocher aussah, musterte ihn erst misstrauisch, füllte dann zögernd den Krug auf und stellte ihn Dennis vor die Nase.

    „Dankeähmm...“ machte Dennis. „Wieviel... kostet das denn hier bei euch?“

    Der Riesenzahnstocher im Mund des Barkeepers rutschte von der einen Mundecke zur anderen.

    „Das geht aufs Haus.“ sagte er ebenso wortkarg und auf das nötigste reduziert wie sich auch schon der Mann an der Tankstelle äusserte.

    „Oh!“ sagte Dennis. „Wirklich?“ Er schaute um sich und versuchte den ganzen Leuten ein Lächeln zuzuwerfen. Dies machte er allerdings so eilig und flüchtig, daß er niemanden genau ansah, was auch durchaus seine Absicht war. „Das ist... sehr gastfreundlich!“ Er nahm einen Schluck, um zu beweisen, daß ihm das mit dem Bier auch wirklich ernst war. Doch kaum als der erste Tropfen an seine Zunge kam, verspürte er auch schon ein Würgegefühl. Die Reize die ihm übermittelt wurden, sagten ihm, daß das, was er nun in seinen Mund kippen würde, das ekelhafteste Gebräu sein würde, das er je zu sich genommen hatte. Und wie er sehr schnell darauf feststellen musste, hatten seine Reize recht gehabt. Aus reiner Nettigkeit versuchte er den Schluck etwas grösser zu machen, um einen Gefallen an dieser Säure vorzutäuschen. Er wollte ihnen damit sagen: 'Hey, schaut! Ich bin einer von euch!' Doch daß ihn die Augen dabei verrieten, war wohl nur schwer zu verbergen.

    Leicht benommen stellte er den Krug wieder ab. „Aaaah, ist das gut!“ krächzte er. Jetzt wo er keine Nässe mehr auf seiner Zunge verspürte, fühlte sie sich an, als wäre sie mit äusserster Kraft ausgewrungen worden. „Ichäch... das ist wirklich hervorragend!“ Er versuchte verzweifelt im Mund Speichel zu sammeln, der die Zunge mit etwas Flüssigkeit versorgen sollte. Doch dieser war so dick, daß er seinen Zweck nicht ernsthaft erfüllen konnte.

    Die Dorfbewohner sahen ihm dabei zu, wie er etwas nervös auf dem Hocker hin und herrutschte und sich immer wieder den Hals hielt. Dennis nahm wieder einen Schluck.

    „Lecker, verdammt lecker!“

    „Finden Sie?“ sagte der Barkeeper. „Nicht jeder mag es.“

    „Doch, doch, sehr gut.“ sagte Dennis und stellte den Krug rasch wieder ab. „An dem Geschmack findet man zwar nicht sofort Gefallen...“ versuchte er sich vorsichtig zu äussern. „Aber das ist halt wie mit Oliven oder Peperoni, nicht wahr? Bei denen muß man auch erst ein paar gegessen haben, bis man sie mag.“

    „Ich mag keine Oliven.“ sagte der Barkeeper.

    „Oh, ähm, müssen Sie mal probieren! Sehr gut! Aber nicht so gut wie das Bier!“

    „Und Sie warten auf den Bürgermeister?“ fragte er. Allerdings klang es mehr wie eine Feststellung denn wie eine Frage.

    „Ja.“ sagte Dennis. „Oder zumindest auf einen, der mich zu ihm bringen soll.“

    „Aha.“ sagte er und wand sich von ihm ab. Er ging wieder auf dem Stapel von Krügen zu, die er noch alle abtrocknen musste.

    „Der kommt wohl später... irgendwann.“ sagte Dennis, der verzweifelt versuchte, irgendwie im Gespräch zu bleiben. Er würde es nicht ertragen können, hier weiter rumzusitzen während die Gäste ihm beim Schweigen zugucken. Doch der Barkeeper reagierte einfach nicht mehr. „Ich denke mal... in einer halben Stunde ist er wieder da.“

    Weil der Barkeeper weiterhin nichts sagte, wand Dennis sich seinem Nebenmann zu, der an einer Pfeife paffte.

    „Das dauert bestimmt nicht lange.“ sagte Dennis zu ihm.

    Der Mann drehte seinen Kopf zur Seite.

    Dennis wand sich sich seinem anderen Nachbarn zu, der etwas jünger als der Durchschnitt in diesem Raum war. „Oder was denken Sie?“

    „Er kommt garantiert sehr bald.“ antwortete er.

    „Na, das klingt ja schon mal ganz gut.“ sagte Dennis und legte ein Lächeln auf, das von dem Mann allerdings nicht erwidert wurde, was Dennis dazu veranlasste eben dieses sehr schnell ersterben zu lassen. „Naja... dachte ich jedenfalls.“

    Ohne ein Wort von sich zu geben, stand der Mann einfach auf und ging in eine andere Ecke des Pubs.

    „Jaaa...“ machte Dennis und blickte ihm hinterher. „Ich wollte sowieso gerade gehen... auf Toilette, meine ich.“

    Dennis rutsche von seinem Barhocker und flüchtete in Richtung WC-Tür. Er riss sie geradezu auf, stolperte hinein, und warf sie wieder hinter sich zu. Mit einem verzweifelten „Uff.“ lehnte er sich an sie und fuhr mit der Hand durch seine Haare.

    „Verdammt, wo bin ich hier nur gelandet?“ ächzte er.

    So verweilte er einen kleinen Moment bis er sich schließlich wieder fasste und auf das Waschbecken zuging. Er drehte den Hahn für das kalte Wasser auf, hielt seine Hände unter den Strahl und fuhr dann mit ihnen durch sein Gesicht. Diese Abkühlung hatte er wirklich bitter nötig.

    Er seufzte und betrachtete sich selbst im Spiegel.

    Oh ja, diese Falte unter dem rechten Auge hatte er vorher garantiert nicht gehabt, daran hätte er sich erinnert. Die hatte sich garantiert im Laufe der letzten paar Stunden entwickelt, da war er sich ziemlich sicher.

    Dennis bewegte sein Gesicht näher in Richtung Spiel, um sich die besagte Stelle genauer ansehen zu können. Mit dem Zeigefinger zog er sorgfältig die Linien seines Auges nach und überprüfte sie ganz genau. Plötzlich erstarrte er in der Bewegung.

    „Was mache ich hier eigentlich?“ fragte er sich fassungslos.

    Er lehnte sich kopfschüttelnd über sich selbst wieder zurück, allerdings nicht ohne dabei den Blick von dem Spiegel zu verlieren. Nun wo er ein besseres Sichtfeld auf das Reflektiergerät hatte, fiel ihm ein rotfarbenes Gekrakel auf, welches sich direkt hinter ihm befand. Er drehte sich neugierig um, um zu gucken, mit welchem Beinahe-Kunstwerk die Wand verziert worden war.

    Ein großer Judenstern? Was hatte das denn zu bedeuten?

    Er runzelte die Stirn.

    Nein, das war ein Pentagramm.

    Ein Pentagramm in einer Bartoilette eines kleinen Kaffs, irgendwo auf dem Lande.

    Bis jetzt war ihm am gesamten Dorf noch keine Kleinigkeit aufgefallen, die nicht exzentrisch war, aber das toppte alles.

    Ohne sich was dabei zu denken, kratzte er mit dem Fingernagel an der Farbe herum.

    Wenn das wirklich Farbe war.

    Denn nachdem er dies für etwa zwei Sekunden getan hatte, kam ihm diese für seine Begriffe ungewöhnlich bröckelig vor.

    Weil es vielleicht keine Farbe war?

    Langsam zog er seinen Finger zurück und sah sich mit einem belustigten 'Ach nein, das kann einfach nicht sein.'-Gesichtsausdruck seine Fingerkuppe an.

    Nachdem er dies etwa 5 Sekunden lang getan hatte, verschwand sein Lächeln jedoch endlich.

    Also gut. Wenn das Zeug mit dem das Pentagramm an die Wand geschmiert war, wirklich das war was er vermutete, und es mit der Tatsache verband, daß dieses Gebilde sich hier ganz selbstverständlich und für jedermann sichtbar in diesem Raum befand (was eindeutig hieß, daß jeder im Dorf davon Bescheid wusste), dann wurde ihm diese kleine Gemeinde nur noch unheimlicher als sie es ohnehin schon war.

    Was sollte er nun tun? Flüchten?

    Das wäre eine wahnsinnig saudumme Idee. Er hatte ja selbst gesehen, daß dieser Ort über mehrere Kilometer hinweg der einzige in dieser Einöde war. Wo hätte er hin sollen? Und wenn er flüchten würde, dann bliebe das von den misstrauischen Dorfbewohnern nicht unbemerkt. Gut möglich, daß sie sich sofort auf die Suche nach ihn machen würden. Und Gott wusste was sie dann mit ihm machen würden.

    Selbst wenn die Flucht eine gute Idee gewesen wäre, die einzige Möglichkeit hätte sich ihm wohl nur jetzt geboten. Dies war der einzige Ort an dem er unbeobachtet war. Sobald er den Toilettenraum wieder verliess, war er unter permanenter Aufsicht der beunruhigenden Satanisten-Bevölkerung. Wenn er also hätte abhauen wollen, so hätte er dies durch das Fenster direkt über dem Pentagramm machen müssen, aber eben dieses war dummerweise mit recht stämmigen Eisenstangen vergittert.

    Was sollte er nun tun?

    Das konnte er nur schwer sagen. Das Einzige dem er sich sicher war, war, daß er wohl nur noch mehr Misstrauen erregen würde, wenn er sich noch länger in der Toilette aufhielt. Wenn er hier nicht bald wieder verschwand, um sich auf seinen alten Platz zu setzen, würde garantiert einer vorbeikommen, um nachzusehen was er hier trieb.

    Dennis schluckte. Er wand sich wieder dem Waschbecken zu, wusch seine Hände, um sie von der Beinahe-Farbe zu befreien, trocknete sie ab und stellte sich vor die Tür, die zurück in den Pub führte.

    Er nahm all seinen Mut zusammen und machte die Tür auf.

    Aus irgendeinem Grund schien sich die Atmosphäre während seiner Abwesenheit etwas gelockert zu haben. Zwar waren die Gespräche der Leute weiterhin nicht so angeregt wie in dem Moment als er den Pub betreten hatte, aber immerhin schien die Stimmung nicht mehr so gespannt zu sein.

    'Dann schwebe ich offenbar doch nicht ganz so akut in Lebensgefahr wie angenommen.' dachte Dennis, wenn auch nur mit einer ¼-Überzeugung.

    Er wollte sich wieder auf seinen Platz setzen, um dort weiterhin auf das Ende des Horrorszenarios zu warten, als er bemerkte, daß sich auf dem Platz, von dem er vorhin noch jemanden vertrieben hatte, ein neuer Gast platziert hatte. Ein Gast, der so ganz und gar nicht in diese Umgebung passen wollte, sei es dieser elende Pub oder das noch elendere Dorf.

    Eine etwas nachdenklich ins Leere blickende junge Frau mit schulterlangen blonden Haaren nippte an ihrem Krug und schien alles was um sie herum geschah nicht wahrzunehmen.

    'Na, das ist doch eine weitaus angenehmere Gesellschaft als das was ich hier bisher angetroffen habe.' dachte Dennis erleichtert. Zumindest war sie ansatzweise in seinem Alter.

    Er bewegte sich auf seinen Hocker zu, auf den er sich sogleich schwungvoll setzte.

    „Hallo.“ lächelte er die Frau an. „Sie warten nicht zufällig hier auch auf jemanden?“

    Die Frau wurde von seiner Stimme aus den Gedanken gerissen. Mit einem überraschten „Hm?“ stellte sie ihren Krug auf den Tresen ab und blinzelte ihn verwirrt an.

    „Ich habe sie nur gefragt, ob sie auf jemanden warten.“ lächelte Dennis weiter.

    Die junge Frau musterte ihn kurz. „Ach... Sie sind der Kerl mit dem kaputten Wagen, nicht wahr?“

    Dennis ließ seinen Kopf in ein zögerliches Nicken fallen. „Ja, der bin ich. Aber woher wissen Sie, daß...“

    „Naja, was erwarten Sie denn?“ sagte sie gleichgültig und wand sich wieder ihrem Bier zu. „Glauben Sie etwa tatsächlich, daß so eine Information länger als 10 Minuten braucht, um sich in so einem kleinen Dorf zu verbreiten? Natürlich weiß ich wer Sie sind.“

    „Heh.“ gab Dennis gezwungen von sich. „Aber Sie wissen bestimmt nicht wie ich heisse, oder?“

    Sie warf ihm aus den Augenwinkeln einen genervten Blick zu.

    „Dennis Reed ist mein Name.“ sprach er einfach weiter.

    Sie hob ihre Augenbrauen an und nahm einen Schluck.

    „Und.... Ihr Name ist?“ fragte er unsicher an.

    Ohne so richtig darauf reagieren zu wollen, wischte sie einfach nur ihren Mund mit dem Handrücken ab. „Was soll das werden? Ein Flirt?“

    Dennis blinzelte erschrocken und brauchte eine Sekunde, um sich zu fangen. „Ein Flirt?“ fragte er irritiert. „Nein! Ich will wirklich nur...“

    „Und ich will für den Moment einfach nur in Ruhe gelassen werden, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“ unterbrach sie ihn und sah ihm unterschwellig gereizt in die Augen.

    Dennis schluckte und nickte verständnisvoll mit dem Kopf.

    „Dann vielen Dank.“ sagte sie und setzte wieder zu einem Schluck an. „Ich habe nämlich nicht vorgehabt mich an dem letzten Abend nerven zu lassen, bevor...“ Sie blieb mitten im Satz hängen, erstarrte für einen Moment in der Bewegung... und kippte sich schließlich doch noch das Gebräu in den Mund.

    Dennis sah sie erwartungsvoll an. „Bevor... bevor was?“

    Langsam wurde sie richtig ärgerlich. „Ich glaube nicht, daß Sie das irgendetwas angeht, Mr Reed.“

    Dieser wich sofort zurück. „Tut mir leid, ich wollte doch nur...“

    „Mir egal was sie wollen, aber offenbar können Sie Ihre Klappe tatsächlich nicht halten.“

    „Entschuldigung.“ sagte Dennis und hob seine Arme „Aber es kann doch nicht verboten sein, zu...“

    Sie stand unvermittelt auf und griff nach der Jacke, die auf dem Tresen lag. „Jajaja... blabla... Ich gehe jetzt.“

    Der Barkeeper, der sich mit einem anderen Gast unterhielt, sah überrascht auf. „Katrina, du willst schon gehen? Du bist doch gerade erst gekommen.“

    „Ja, es tut mir leid.“ entschuldigte sie sich halbherzig. „Aber hier finde ich noch weniger Ruhe als bei mir zuhause. Ob ich nun dort nervös die Räume auf und ab gehe oder ob ich mich hier von der Seite dumm anquatschen lasse, macht für mich auch keinen Unterschied mehr.“

    „Na gut.“ sagte der Barkeeper enttäuscht und warf Dennis ein kurzen, aber giftigen Blick zu. „Dann spanne dich noch ein bisschen aus. Das Bier brauchst du auch nicht zu bezahlen.“

    „Das ist nett, danke.“ sagte sie, während sie den Reissverschluß ihrer Jacke schloß.

    „Aufgeregt, wegen später, hm?“ fragte er sie besorgt.

    „Ja, das kann man wohl sagen.“ seufzte sie. „Ein bisschen mulmig ist mir schon.“

    „Du brauchst keine Angst zu haben, wir sind ja alle da.“

    Sie lächelte ihm zu. „Danke.“

    „Bis später.“ zwinkerte er väterlich.

    „Bis später.“ gab Katrina zurück und verließ relativ eilig den Pub.

    Dennis, der dem Schauspiel verwirrt beigewohnt hatte, sah den Barkeeper fragend an. „Was ist denn mit ihr und weswegen ist sie so aufgeregt?“

    Der Blick des Mannes verfinsterte sich sofort. „Halten Sie Ihren Mund. Sie haben für heute schon genug dumme Fragen gestellt.“

    Dennis rollte mit den Augen. „Entschuldigung, daß ich mir Sorgen gemacht habe. Kommt sicherlich nicht wieder vor.“ brummte er leise und spielte lustlos mit seinem Krug herum.

    Der Barkeeper tat langsam zwei Schritte nach vorne, sein Blick wurde zunehmend düsterer. Dennis wich mit seinem Barhocker ein paar Zentimeter zurück und sah den Mann verängstigt an.

    'Verdammt.' dachte er schwitzend. 'Jetzt habe ich es geschafft einen dieser satanistischen Hinterwäldler zu reizen.'

    Der Barkeeper ballte beide Hände zu Fäusten und stützte sich mit ihnen auf dem Tresen ab, sah Dennis dabei bedrohlich in die Augen. „Nun hören Sie mir mal zu, mein Lieber. Ich weiß nicht genau was Sie für ein Problem haben und warum Sie wirklich hier sind, aber ich schlage vor, daß sie von nun an ganz ruhig auf ihrem Platz sitzen bleiben und keinen Pieps mehr von sich geben.“

    Dennis schluckte und fing an zu schwitzen. „A... a... aber ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich draussen einen Unfall...“

    Der Barkeeper beugte seinen Oberkörper weiter nach vorne. Es waren nur wenige Zentimeter die die Gesichter der beiden voneinander trennten.

    „Erzählen Sie ruhig was Sie wollen, mir ist das komplett egal. Ich will einfach nur, daß Sie ihre Klappe halten bis Sie endlich abgeholt werden. Haben wir uns vestanden?“

    Dennis nickte zaghaft, die Hand mit dem Krug zitterte vor Aufregung.

    „Dann ist ja alles geklärt.“ Der Mann liess von ihm ab und wand sich wieder den anderen Leuten die am Tresen saßen zu.

    Dennis zog am Kragen seines Shirts herum, sein Herz fing an sich zu beruhigen. Von der Seite konnte er leise vernehmen wie sich der Barkeeper mit ein Gästen über ihn unterhielt. Ein paar Wortfetzen kamen ihm dabei zu Ohren. 'Störenfried'... 'merkwürdig'... Richtig Sorgen machte ihm jedoch 'Spion'.

    'Spion'? Hielten sie ihn etwa tatsächlich für einen Spion? Was sollte er denn hier spionieren? Was ging in diesem Dorf wirklich vor sich?

    Die Sorge um sein Leben, die er vorhin bei der Unterhaltung mit der blonden Frau für kurze Zeit vergessen hatte, kehrte nun langsam wieder zurück.

    'Danke.' dachte er wütend. 'Danke, du dämliches Reh. Auf welchem Feld du nun auch immer rumhüpfen magst, ich hoffe, du verreckst noch an einem vergammelten Kleeblatt.'

    Er machte sich auf seinem Hocker so klein wie möglich, blickte starr auf seinen Bier und wagte es gar nicht mehr sich zu bewegen.

    Hinter dem Tresen, direkt über der Kasse, hing eine Uhr, welche er erst jetzt aus den Augenwinkeln bemerkte. Verstohlen wagte er einen Blick, um die Zeit zu überprüfen. Es war bereits 7:00 Uhr.

    Seufzend legte er seinen Blick wieder auf den Krug, und beschloß die Zeit einfach abzuwarten.

    Doch sie kroch nur so dahin.

    Immer und immer wieder sah er zur Uhr, die Minuten schienen kein Ende zu nehmen.

    Halb lustlos, halb aufgeregt spielte er mit dem Krug herum, drehte ihn hin und her, sah dabei zu wie der Inhalt von der einen zur anderen Seite schwabbte.

    Er dachte über Zoe nach, versuchte zu ergründen, ob der ganze Streit nicht irgendwie hätte vermieden wären können. Inwiefern war es ihre Schuld, daß es zu diesem Superkrach kam? Hatte er nicht auch genügend dazu beigetragen?

    Je mehr er darüber sein Hirn zermarterte, hatten sie beide sowieso nie wirklich zueinander gepasst. Wirklich schön waren nur die ersten paar Monate gewesen. Das ganze letzte Jahr bestand dagegen nur aus Streitereien, die mal mehr, mal weniger schlimm waren. Aber angenehm oder gar romantisch war an ihrer Beziehung schon lange nichts mehr gewesen. Eigentlich war er insgeheim sogar froh, daß es nun endlich zu dieser Trennung kam, auch wenn die Umstände nicht gerade optimal waren. Wahrscheinlich konnte er diese neue Freiheit noch nicht einmal mehr lange geniessen, da in diesem Dorf jederzeit die Gefahr bestand, daß ihm jemand die Kehle durchschneiden konnte.

    Plötzlich spürte er wie jemand von hinten mit einer kräftigen Hand auf seine Schulter tippte.

    Vor Schreck gab er einen kleinen Schrei von sich und kippte dabei beinahe den Bierkrug um.

    Er drehte sich um, erwartete dabei einen stämmigen Mann, blickte dann jedoch in das strenge Gesicht einer älteren Frau.

    „Sie sind also der mit der Autopanne?“ fragte diese mit feststellender Stimme.

    Dennis nickte großäugig.

    „Dann kommen Sie mit mir mit. Ich bin diejenige auf die sie den ganzen Abend gewartet haben.“


    * * * * * * *




    Wenn jemand hier Lust dazu haben sollte, kann er sich das ja mal durchlesen und mir eventuell ein paar Zeilen zu dem "work in progress" schreiben. Mein Gefühl ist jedenfalls, daß sich der Dialog mit dem Tankstellenbesitzer ein bisschen im Kreis dreht und sich ein paar Beschreibungen etwas wiederholen, aber vielleicht sehen andere das ja ganz anders. *g*
    ...somebody is videotaping me in my spaceship...

  • #2
    ich hab weniger kritik als eine bitte!!!

    poste mehr!! es hat mir gefallen und es ließ sich flüssig und gut lesen. ich bin schnell reingekommen und würde mich freuen wenn ich lesen könnte wie weitergeht
    http://s1.sigamp.com/users/nero/newsig.png

    Kommentar


    • #3
      Oh... das sehe ich ja jetzt erst... Danke!

      Na, dann will ich mal noch mehr davon hier reinklatschen.



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      Plötzlich spürte er wie jemand von hinten mit einer kräftigen Hand auf seine Schulter tippte.

      Vor Schreck gab er einen kleinen Schrei von sich und kippte dabei beinahe den Bierkrug um.

      Er drehte sich um, erwartete dabei einen stämmigen Mann, blickte dann jedoch in das strenge Gesicht einer älteren Frau.

      „Sie sind also der mit der Autopanne?“ fragte diese mit feststellender Stimme.

      Dennis nickte großäugig.

      „Dann kommen Sie mit mir mit. Ich bin diejenige auf die sie den ganzen Abend gewartet haben.“

      Ohne großartig auf eine Antwort von ihm zu warten, drehte sie sich sofort um, und schritt zum Ausgang.

      „He! Warten Sie!“ Dennis sprang sofort auf und hetzte ihr hinterher.

      Er folgte ihr durch die Tür, die automatisch hinter ihm zufiel.

      Mittlerweile war es schon arg dunkel geworden, die Luft war ebenfalls kühler.

      „Nun beeilen Sie sich schon.“ raunte die Frau Dennis zu. „Ich habe heute schließlich auch noch etwas vor.

      „Ich komme ja schon.“ sagte dieser schuldbewusst und ging ihren zielstrebigen Schritten nach.

      Während sie durch den Ort gingen sah Dennis sich um. Irgendwie brannten weitaus weniger Lichter in den Häusern als er es um diese Zeit annehmen würde. Entweder befanden sich die ganzen Leute einfach nicht zuhause, oder sie bevorzugten es tatsächlich im dunkeln zu sitzen.

      Dennis versuchte die giftige Stimmung zu lockern. „Hier scheint tatsächlich der Hund begraben, nicht wahr?“ lachte er zaghaft.

      Ihrer Stimme nach zu urteilen, empfand die Frau diesen Scherz alles andere als schmeichelhaft. „Der Hund begraben?“ fragte sie mißlaunig zurück.

      Sofort merkte Dennis, daß er in ein Fettnäpfchen getreten war. Mal wieder... Wie sollte er sich da nun wieder rausreden?

      „Ich meinte...“ brachte er zögerlich aus sich heraus. „...es ist nicht viel los, bei euch in diesem Dörfchen, oder?“

      Die Frau blieb stehen und wandte sich ihm forsch zu. „Wie genau meinen Sie das?“

      Verdammt, er hatte alles nur noch schlimmer gemacht. „Ich... ich... ach, vergessen Sie's. Ich habe einfach nur versucht einen Witz zu machen, das ist alles.“

      Ihr Gesichtsausdruck rutschte ins leicht grimmige ab. „Das war wirklich sehr witzig.“

      „Ja... ich... danke.“

      Die Frau stieß einen abfälligen Laut aus, drehte sich wieder um und ging weiter.

      Während er ihr sofort wieder auf Schritt und Tritt hinterher hechtete, biß er innerlich ein ganzes Serienfabrikat von Tischkanten durch. 'Ich versuche auch wirklich immer alles, um dumm auffallen zu können.' Verstohlen blickte er wieder von einer Seite zur anderen. Wenn schon nicht mit seiner Führerin reden konnte, dann wollte er doch zumindest etwas vom Örtchen sehen. Auch wenn es in der Dunkelheit wegen der mangelhaften Beleuchtung nicht viel zu bestaunen gab.

      Wenn er sich Mühe gab, konnte er bei den Häusern, in denen kein Licht brannte, sowas ähnliches wie einen Garten ausmachen. Bei dem einen oder anderen sah er sogar ein Auto in der Einfahrt stehen. Und als er für einen kleinen Moment nicht richtig acht gab, stolperte er beinahe über ein Paar Rollerblades, die jemand vor dem Zaun liegen gelassen hatte. Da diese jedoch nicht sonderlich groß waren, musste dies heissen, daß sie einem Kind gehörten.

      Es gab also Kinder in diesem Dorf.

      Irgendwie beruhigte ihn dieser Gedanke. Er verlieh dieseem Ort etwas menschliches.

      Aber wahrscheinlich wurde das Kind ab eines bestimmten Alters eh für irgendetwas geopfert. Er wollte darüber lieber gar nicht erst weiter nachdenken.

      „Hier jetzt rein.“ sagte die Frau kurzbündig und bewegte sich zielstrebig auf den kleinen Weg des Hauses direkt neben ihnen zu. Dennis tat wie geheissen und folgte ihr bis vor die Haustür, über der eine kleine Gaslampe hing und ein wenig Schwummerlicht spendete.

      Sie klopfte laut und wartete zusammen mit ihrem Begleiter vor der Türschwelle.

      Es dauerte nicht lange und es machte ihnen jemand auf. Vor ihnen stand ein bärtiger Mann der etwa Mitte 50 Jahre alt war und aus irgendeinem Grund, den Dennis nicht näher bestimmen konnte, eine wichtige Ausstrahlung hatte, die ihm sofort sagte, daß hier der Bürgermeister vor ihm stand.

      „Anne?“ sagte der Mann fragend und warf seinen Blick sogleich auf Dennis. „Ah, wie ich sehe, hast du unseren... Gast mitgebracht.“

      „Ja, ich habe dann doch noch Zeit dafür gehabt.“ lächelte sie, was Dennis sehr überraschte, denn daß so etwas wie ein Lächeln auf ihrem Gesicht stattfinden konnte, hatte er sich bis vor einem kurzen Moment nur sehr schwer vorstellen können.

      Der Mann mit dem Bart lächelte zurück. „Sehr schön.“ Doch als er sich Dennis zuwand, waren mindestens 40 % der Freundlichkeit sofort aus dem Gesicht gewichen. Was für Dennis jedoch nichts neues war. Es machte ihm mittlerweile nichts mehr aus, er war es bereits gewohnt so behandelt zu werden. Trotzdem versuchte er ein wenig entgegenkommend zu sein. Satanist oder nicht, immerhin war er der Bürgermeister.

      „Guten Abend. Sie sind der Bürgermeister, nehme ich an?“ Er hielt ihm die Hand hin.

      Der Mann war etwas zögerlich, nahm sie aber letzten Endes doch noch entgegen. „Ja, der bin ich.“ antwortete er reserviert. „Ich hoffe, Sie haben sich in unserer kleinen Kneipe wohl gefühlt.“

      Sollte er nun lügen?

      „Ach doch, ja, es war dort sehr gemütlich.“ sah er ihn mit einem leichten Hauch von Ehrfurcht in den Augen an.

      Der Bürgermeister rang sich ein halbes Lächeln ab. „Übertreiben Sie nicht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß die Leute ein wenig abweisend zu Ihnen waren. Immerhin sind wir hier in einem Dorf, in dem man nicht sehr oft Fremde zu sehen bekommt. Daß sie sich dann so verhalten ist völlig normal, versuchen Sie es nicht schönzureden.“

      Über diese freundlichen Sätze war Dennis doch etwas überrascht. Wenn er sich nicht falsch erinnerte, waren dies überhaupt die ersten gutgemeinten Wörter gewesen, die er seit dem Beginn des Tages gehört hatte.

      „Oh. Äh... danke.“ sagte er verdutzt.

      „Danke? Wofür?“

      Dennis wollte gerade seinen Mund für eine Antwort aufmachen, da kam ihm auch schon die Frau (Wie war noch ihr Name? Anne?) zuvor.

      „Wenn du nichts dagegen hast, gehe ich jetzt wieder. Für mich gibt es hier ja nichts mehr zu tun, nicht wahr?“

      Der Bürgermeister nickte ihr lächelnd zu. „Ja, natürlich. Von hier aus schaffe ich schon alles alleine.“

      „Dann ist gut.“ sagte sie, erwiderte sein Lächeln und machte sich davon. „Wir sehen uns später!“ winkte sie ihm zu.

      „Ja, bis dann!“ rief der Bürgermeister ihr nach.

      Dennis drehte sich kurz um und schaute ihr hinterher. „Sie kommt später noch einmal vorbei?“

      „Ähm... nein.“ überlegte sein Gastgeber kurz. „Wir haben nur... später noch eine Sitzung, das ist alles.“

      „Eine Sitzung?“ fragte Dennis. „Jetzt noch? Um diese Uhrzeit?“

      „Wir müssen es halt dann machen, wenn auch alle anderen Zeit haben. Eher geht es nun mal nicht.“

      'Ja, weil es absolut ungewöhnlich wäre eine schwarze Messe am hellichten Tag abzuhalten, nicht wahr?' dachte Dennis grimmig. Wer wusste was sie bei dieser Sitzung wirklich taten. Vielleicht wurde das Rollerbladekind nach allen Regeln der Kunst auf einem Opfertisch ausgeweidet, während irgendwelche blasphemischen Psalmen dazu gemurmelt werden.

      „Nun ja, wollen Sie nicht mit reinkommen? Es ist doch recht kühl hier draussen.“

      Das klang für Dennis nach einer gar nicht mal so schlechten Idee. „Natürlich, warum nicht, Mr...“

      „Ich heisse McGillen, Mr Reed.“

      Das machte ihn ein kleines bisschen verwirrt. „Woher wissen Sie...“

      „...Ihren Namen? Warum wundert Sie das? Wenn Sie hier ihn hier irgendjemandem gegenüber erwähnt haben, müssen Sie davon schon ausgehen, daß er sehr bald darauf in der gesamten Gemeinschaft zirkuliert.“

      Dennis überlegte kurz. Wem hatte er nochmal den Namen gesagt? Er konnte sich nicht mehr erinnern.

      „Aber nun kommen Sie schon endlich.“ forderte Mr McGillen ihn nochmals auf. „Sie wollen ja bestimmt nicht hier draussen die Nacht verbringen.“

      „Ähm... nein.“ liess Dennis sich aus seinen Gedanken reissen und ging durch den Türrahmen.

      Mr McGillen schloß hinter ihm die Tür.

      Dennis ließ seinen Blick über die Inneneinrichtung des Hauses fahren. Ein typisches, englisches Landhaus, würde er sagen. Neben der Holzgarderobe auf der ein paar Jacken hingen, stand eine alte Wanduhr, die gemütlich vor sich hintickte. Der Boden war mit einem relativ abgenutzten Wollteppich ausgelegt und auf der Kommode stand neben einer Schale mit Holzobst eine Reihe von eingerahmten Fotos, die wahrscheinlich einige Familienmitglieder zeigten. Allerdings wurde er das Gefühl nicht los, als ob irgendetwas aus der Einrichtung fehlen, wenn nicht sogar wissentlich kurz vor seiner Ankunft entfernt. Er kam nur nicht so recht darauf was das sein könnte. Vielleicht bildete er sich dies aber auch nur ein. Woher sollte er schließlich wissen was dieser Mann mit der Dekoration seines Hauses anstellte? Aber trotzdem... Dieses Gefühl war einfach da...

      „Sie können Ihre Jacke ruhig neben den unseren aufhängen.“ sagte ihm der Bürgermeister.

      „Unseren?“ fragte Dennis, während er seine Jacke auszog.

      „Ja, ich lebe hier zusammen mit meiner Tochter.“ erklärte er. „Aber Sie haben ja bereits mit ihr Bekanntschaft gemacht.“

      Dennis stutzte. „Habe ich das? Wann?“ Er überlegte für eine Sekunde, dann fiel es ihm ein. „Oh.“

      Wie auf Kommando hörte er hinter sich auf einmal die Stimme der jungen Frau der er kurz zuvor im Pub begegnet war. „Guten Abend, Mr Reed. Lange nicht gesehen.“

      Er drehte sich um und sah wie sie mit einem dampfenden Becher in der Hand halb angelehnt im zum Wohnzimmer führenden Türrahmen stand. Ihr Blick traf ihn nach wie vor abwertend, sie nahm ihn ganz offenbar immer noch nicht für voll.

      „Oh. Hallo.“ antwortete Dennis.

      Sie rollte mit ihren Augen. „Ja. Hallo.“

      Ihr Vater musterte skeptisch ihren Becher. „Eben noch ein Bier und nun ein Kaffee? Wird dir da nicht schlecht?“

      „Es ist gar kein Kaffee, sondern Kräutertee. Und schlecht wird mir davon nicht.“ antwortete sie und nahm gleich daraufhin zur Demonstration einen Schluck.

      Mr McGillen sah sie wehleidig an. „Naja, du musst es wissen. Aber pass nur auf, daß sich später vielleicht doch nicht dein Magen zu Wort meldet.“

      „Ich bin jetzt schon unruhig genug. Wenn mir schlecht wird, dann sicher nicht von dem Gemisch in meinem Magen.“ Sie zwinkerte ihm zu und zog an beiden durch den Flur vorbei, offenbar in Richtung Küche.

      „Ach, übrigens!“ fiel Mr McGillen ein. „Hast du das Bett im Gästezimmer bezogen?“

      Katrina stopte. „Nein, wieso? Das hatte ich doch schon getan, nachdem Garreth und Susan uns zuletzt besucht hatten.“

      McGillen warf ihr einen leicht tadelnden Blick zu. „Das ist bereits drei Monate her.“

      Sie zuckte nur mit den Schultern, drehte sich um und verschwand in die Küche.

      McGillen seufzte und kratzte sich am Kopf. „Tut mir leid, Mr Reed. Normalerweise sind wir in diesem Hause etwas gastfreundlicher.“

      Dennis winkte ab. „Das macht mir nichts. Ich werde die Bettwäsche schon überleben.“

      „Mir ist es dennoch etwas unangenehm. Sie müssen bis jetzt insgesamt einen schlechten Eindruck von unserem Dorf haben.“

      Schlechter Eindruck? Also, er hatte ganz sicher ein Bild von dem Ort gemacht, nur wusste er nicht, ob er es 'schlecht' nennen sollte. Eigentlich fiel es ihm überhaupt schwer seinen Eindruck genauer zu definieren.

      „Ach...“ sagte er schließlich. „Ihre Tochter hat sicher nichts gegen Gäste. Ich glaube eher, daß sie etwas gegen mich hat.“

      „So?“ fragte McGillen überrascht. „Ach, Sie meinen weil Sie mit ihr im Pub geflirtet haben? Jedenfalls hatte sie mir so etwas erzählt.“

      „Ich habe nicht mit ihr geflirtet.“ brummte Dennis. „Ich habe nur versucht ein Gespräch anzufangen.“

      „Es ist doch nun wirklich nichts schlimmes dran, es zuzugeben.“ erwiderte McGillen verdutzt. „Nur weil ich ihr Vater bin, müssen Sie doch nicht so verklemmt tun. Ich werde schon nicht Ihren Kopf abhacken, nur weil Sie meine Tochter attraktiv finden.“

      Langsam wurde Dennis ungemütlich. „Aber ich habe nicht nicht mit ihr geflirtet. Warum glaubt mir das denn niemand?“

      Der Bürgermeister schüttelte verständnislos den Kopf. „Sie benehmen sich wirklich kindisch, muß ich Ihnen sagen.“

      Dennis hatte nun die Wahl. Er konnte sich über seinen Gastgeber aufregen, damit einen Rauswurf und ein eventuelles Messer in seinem Rücken riskieren, oder er blieb ruhig und hatte für die Nacht ein Dach über den Kopf. Die zweite Möglichkeit war ihm eindeutig lieber, also schloß er für einen kurzen Moment seine Augen, ging in sich und zwang sich dazu sich abzuregen. Als er sie wieder öffnete, hob er beschwichtigend seine Hände. „Es ist ja auch egal, belassen wir es dabei.“

      McGillen nickte. „Mein Reden.“ sagte er zustimmend. „Aber wir können uns noch gerne etwas weiter unterhalten, wenn Sie wollen. Wie wäre es, wenn Sie in die Küche kommen und dort einen Tee mit uns trinken?“

      Zusammen mit der schlecht gelaunten Katrina, die keine Gelegenheit ausließ ihm zu zeigen, wie idiotisch sie ihn fand? Er konnte sich sicher einen geselligeren Abend vorstellen. Ausserdem war ihm diese ganze kleine Satanistengemeinschaft unheimlich, und nur weil der Bürgermeister sogar schon fast sympathisch wirkte, wollte er deswegen noch lange nicht mit ihm ein nettes Pläuschen halten. Auch wenn das mit Sicherheit der Anstand von ihm erwartete.

      „Nun...“ fing er an. „Das Angebot ist sicher sehr nett, aber ich glaube, ich ziehe mich lieber gleich in das Gästezimmer zurück, wenn Sie nichts dagegen haben. Der Tag war ziemlich anstregend und ich würde mich gerne einfach nur noch aufs Ohr legen.“

      Das Gesicht des Bürgermeisters war sichtlich enttäuscht. „Schade.“ sagte er. „Ich hatte eigentlich gehofft, daß ich mich kurz vor der... Sitzung noch ein wenig mit meinem Gast unterhalten könnte. Das hätte sehr gemütlich werden können.“

      Dennis seufzte. „Ja, das sehe ich auch so.“ lügte er schamlos, aber freundlich. „Aber so müde wie ich bin, kann ich mich wirklich nicht mehr auf ein nettes Gespräch konzentrieren. Tut mir leid.“

      McGillen zuckte akzeptierend mit seinen Schultern. „Naja, da kann man nichts machen. Aber dann kann ich Ihnen ja wenigstens jetzt das Gästezimmer zeigen.“

      Dennis nickte zustimmend. „Habe ich nichts gegen.“

      „Gut.“ sagte McGillen. „Es ist im Obergeschoß. Folgen Sie mir einfach.“

      Der Bürgermeister ging die Holztreppe hinauf, die sich gleich neben ihnen befand. Dennis folgte ihm sofort. Jeder Schritt löste einen knarrenden Laut aus, die Treppe war also nicht mehr allzu neu.

      Oben angekommen, zeigte ihm McGillen den Flur.

      „Die Türen die dort hinten sehen, brauchen sie nicht weiter zu interessieren. Da befinden sich nur jeweils die Schlafzimmer von mir und meiner Tochter. Hier allerdings...“ sagte er und drehte sich mit ausgestrecktem Zeigefinger um. „...befindet sich das Badezimmer. Waschzeug und Handtücher dürften schon bereit liegen... es sei denn, Katrina hat sich darum nicht gekümmert. Jedoch... die Toilette haben wir in einem seperaten Kämmerchen, und zwar gleich neben dem Zimmer in dem Sie schlafen werden.“

      Dennis zeigte auf die Tür, die noch übrig blieb. „Das düfte dann wohl dieser Raum sein, nehme ich an?“

      „Genau.“ bestätigte McGillen. „Einen Moment, ich schließe Ihnen auf.“ Er holte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche hervor und öffnete mit ihr die Tür. McGillen setzte als erster einen Schritt in den Raum und knippste mit einem altmodischen Drehschalter an der Wand die Zimmerdeckenlampe an. „So!“ sagte er präsentierend. „Das hier wird für diese Nacht Ihr Reich sein. Es ist vielleicht etwas karg, aber ich denke, es sollte reichen.“

      Dennis nickte. Es befand sich tatsächlich nicht viel in dem Raum. Die einzigen Dinge die ihn bevölkerten, waren das bereits erwähnte Bett mit den seit 3 Monaten nicht ausgewechselten Bezügen, eine direkt daneben stehenden Kommode, auf der eine Nachttischlampe platziert war, und ein kleines Regal, in dem sich jedoch bis auf ein Buch und ein paar dekorierende Bierkrüge nichts befand. Das Zimmer war nicht viel größer als das welches er damals noch im Haus seiner Eltern hatte, was aber auch völlig okay ging. Weder stellte er größere Ansprüche und er hatte auch nicht wirklich geglaubt hier ein Drei Sterne-Hotel vorzufinden. Und für die eine Nacht die er hierbleiben musste, war es wirklich okay.

      „Tja...“ sagte McGillen. „Gepäck haben Sie ja nicht dabei, nicht wahr?“

      Dennis schüttelte den Kopf. „Nein. Alles was ich mithatte, befindet sich noch im Wagen. Und das dürfte mittlerweile eh völlig durchnässt sein.“

      „Nun...“ murmelte der Bürgermeister und schaute auf seine Armbanduhr. „Wenn es nicht schon so spät wäre, würde ich sogar noch jemanden hinfahren lassen, der die Sachen für Sie herbringt. Aber es ist leider kaum noch Zeit übrig, bis unsere Sitzung beginnt.“

      „Warum? Ist denn dort tatsächlich jeder Dorfbewohner anwesend?“ fragte Dennis betont blauäugig.

      „So gut wie. Ja. Die Kinder einmal ausgenommen.“

      „Und... Ihre Tochter... Katrina hieß sie, nicht wahr?“

      McGillen nickte.

      „Sie ist wegen dieser Sitzung so aufgeregt?“ stocherte er neugierig herum. „Warum denn das?“

      Für einen kurzen Moment glaubte Dennis soetwas wie ein Misstrauen in seinen Augen aufflackern zu sehen.

      „Sie wird eine Rede halten.“ antwortete McGillen schließlich. „Und da es ihr allererstes Mal ist, ist ihr ein wenig mulmig.“

      Dennis glaubte ihm kein Wort. Trotzdem nickte er mit dem Kopf. „Ah, ach so.“

      „Warum fragen Sie?“ bohrte der Bürgermeister argwöhnisch nach.

      'Oh nein.' seufzte Dennis innerlich. 'Nicht der auch noch. Dabei war er bis jetzt der einzige mit dem ich mich zumindest ansatzweise normal unterhalten konnte.'

      „Nur so.“ gab er unschuldig zur Antwort. „Ich habe nur hin und wieder heute gehört, daß sie wegen heute Abend aufgeregt sei. Zuletzt noch vor ein paar Minuten unten im Flur. Ich habe mich nur gefragt, was wohl der Grund gewesen sein könnte.“ Dennis machte sich Sorgen, daß sein Auftritt vielleicht ein wenig zu defensiv herüberkam, aber die verflogen schnell, als er sah, wie McGillen eine abwinkende Geste machte.

      „Schon gut.“ sagte dieser zufrieden. „Ich denke einfach nur zu paranoid, weil wir hier Fremde überhaupt nicht gewohnt sind.“

      Wenn sich Dennis nun schon die Gelegenheit bot, dann wollte er auch weiter nachfragen. „Paranoid? Aber warum denn das?“

      „Ach, nichts.“ sagte McGillen herunterspielend. „Wirklich nichts. Einfach nur trottelige Gedanken, die nichts bedeuten. Denken Sie sich nichts dabei.“

      Mit dieser Antwort musste Dennis sich wohl oder übel abfinden.

      „Nun...“ sprach McGillen weiter. „Gibt es noch irgendetwas mit dem ich Ihnen weiterhelfen könnte? Wollen Sie etwas zu essen, zu trinken?“

      Dennis schüttelte den Kopf.

      „Also nicht.“ stellte der Bürgermeister fest. „Wie sieht es mit Ihrer Schlafenszeit aus? Wann wollen Sie aufstehen?“

      „Gute Frage. Da ich es morgen eh nicht mehr rechtzeitig zur Arbeit schaffen werde, muß es nicht sonderlich früh sein. Wann stehen Sie denn auf?“

      „Spätestens um sieben. Wäre es Ihnen recht, wenn ich Sie um diese Zeit wecke?“

      „Geht in Ordnung.“ sagte Dennis. „Dann bin ich vielleicht sogar spätestens mittags wieder verschwunden.“

      „Das wäre wohl auch nicht das schlechteste. Wir haben morgen noch viel zu tun, also werden wir uns dann nicht mehr viel um Sie kümmern können.“

      „Gut, dann machen wir es so.“ sagte Dennis und war froh, daß nun wohl nun alles geklärt wäre. Morgen vormittag würde er endlich dieses irre Dorf verlassen haben und auf dem Weg nach Hause sein.

      „Na, dann ist ja alles in bester Ordnung.“ lächelte sein Gastgeber zufrieden. „Dann kann ich Sie ja nun allein lassen, nicht wahr?“

      „Können Sie. Ich lege mich dann gleich hin.“

      „Okay.“ sagte McGillen und versetzte sich in Aufbruchstimmung. „Aber wenn Sie noch irgendeine Frage haben sollten, oder etwas wollen, können Sie Katrina und mich unten finden. Aber das auch nur noch eine gute Stunde, dann müssen wir beide nämlich los.“

      „Ist gut.“

      „Dann werde ich Ihnen mal eine gute Nacht wünschen.“

      „Vielen Dank.“ gab Dennis zurück. „Ihnen auch noch einen netten Abend. Und eine schöne Sitzung!“

      „Danke.“ sagte McGillen und verliess den Raum.

      Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, atmete Dennis erleichtert aus. „Tja... dann mal viel Spaß beim Hühnerschlachten... Bluttrinken... und all den anderen Orgien.“

      Er liess sich auf das Bett plumpsen und blieb für einen Augenblick so liegen. Zwar setzten bereits die ersten Anzeichen einer Entspannung ein, nur fand er das grelle Zimmerdeckenlicht äusserst ungemütlich. Er richtete sich wieder auf, knippste die Nachttischfunzel an und schaltete dafür die Lampe an der Decke aus.

      Oh ja, das war schon gleich sehr viel angenehmer.

      Er massierte seine Stirn und sah aus dem Fenster. Es war bereits stockduster.

      Was sollte er jetzt tun? Sich wie angekündigt tatsächlich schon hinlegen und versuchen zu schlafen? Es hatte wohl gestimmt, als er sagte, daß er sehr erschöpft sei, aber einschlafen konnte er ganz sicher nicht. Jedenfalls nicht ohne dabei ein Radio laufen zu lassen. Eigentlich war es grundsätzlich unmöglich für ihn ohne ein Radio einzuschlummern, weswegen er ein großes Problem auf sich zukommen sah. Das würde garantiert keine angenehme Nacht werden. Und das auch nicht nur wegen fehlender Gute Nacht-Musik... Auch wenn der Bürgermeister ganz nett war, so konnte er ihm immer noch nicht so recht über den Weg trauen. Konnte er sich schließlich wirklich sicher sein, daß keiner mitten in der Nacht in diesem Raum aufkreuzte und ihn für irgendeinen dämlichen, zusammenphantasierten Dämon opferte? Ihm den Kopf abhackte? Oder vielleicht sogar noch etwas viel schlimmeres?

      'Denk einfach nicht daran.' befahl er sich. 'Ständig über soetwas nachzugrübeln bringt dir überhaupt nichts. Das macht dich nur panisch.'

      Er seufzte und warf beiläufig einen Blick auf das Regal. Dabei fiel ihm wieder das Buch auf, das wirklich einzige das sich in diesem Raum befand.

      „Naja, dann wollen wir mal sehen was sie ihren Gästen, die es hier ja angeblich niemals gibt, gutes zu lesen geben wollen.“

      War vielleicht keine schlechte Idee sich mit einem Buch die Zeit zu vertreiben. Vielleicht schlief er dann ja darüber ein.

      Er griff ins Regal und zog es zu sich.

      Ach herrje. Wilde... 'Das Bildnis des Dorian Gray'. Davor hatte er sich schon in der Schulzeit gedrückt. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie er es mal in einer der höheren Klassen hat lesen müssen, aber dann aber nicht getan hatte, weil seine Lust dazu nicht sonderlich groß gewesen war. Dafür hatte er sich jedoch vorgenommen den Film zu schauen, der einen Tag vor der Klausur im Nachtprogramm der BBC lief. Nur dummerweise war er bereits vor lauter Müdigkeit nach zwei Minuten eingeschlafen und musste ganz ohne Vorkenntnisse seinen Aufsatz schreiben. Er konnte selbst bis heute noch nicht einmal sagen, worum es in diesem alten Schinken überhaupt ging. Wie er sich dann jedoch durch die Klausur gerettet hatte, konnte er auch nicht mehr sagen, erst recht nicht welche Zensur er für sein Machwerk bekam. Vielleicht hatte er es auch nur verdrängt. Aber da er sich zu erinnern meinte, daß er in Englisch nie eine wirklich schlechte Bewertung bekommen hatte, musste er es irgendwie geschafft haben aus seinem Unwissen doch noch etwas produktives herauszuquetschen, auch wenn er sich absolut nicht vorstellen konnte, wie das möglich war. Nun... vielleicht fand er es ja heraus, wenn er sich nun Jahre später endlich das Buch vornahm.

      „Okay, Mr Wilde. Dann zeigen Sie mir mal was sie so draufhaben.“

      Er nahm das Buch in die Hand und legte sich aufs Bett.

      Zuerst sah er sich den Einband an. Schein eine uralte Auflage zu sein, wenn nicht sogar eine der ersten. Wahrscheinlich gehörte sie dem Bürgermeister persönlich. Erstaunlich was für antiquariatische Werte hier im Hause rumlagen und sie einfach den Gästen zum frass vorwarfen.

      Er schlug die erste Seite auf und fing an zu lesen.

      Oder nein... Besser, er versuchte es, aber er konnte sich nicht so recht konzentrieren. Er setzte immer wieder neu an, verlor sich jedes Mal aber schon wieder nach ein paar Worten. Dennis war einfach noch viel zu aufgewühlt.

      Genervt legte er das Buch auf den Nachttisch und starrte in den schwach beleuchteten Raum hinein. Um ein wenig Spannung abzubauen, klopfte er mit seiner rechten Hand auf der Bettdecke herum.

      Nach ein paar Minuten wurde ihm jedoch auch das zu langweilig und er beschloß zu den Waschräumen zu gehen. Er musste zwar überhaupt nicht auf Toilette, aber vielleicht konnte er sich dort ja ein wenig umsehen und kontrollieren, ob Katrina für ihn tatsächlich ein paar Handtücher herausgelegt hat. Das war sicherlich interessanter als passiv auf dem Bett zu verrotten.

      Mit einem leichten Ächzer richtete er sich auf und bewegte sich auf die Tür zu. Er öffnete sie und betrat den Flur. Wo war jetzt nochmal das Badezimmer? Ach ja, auf der rechten Seite.

      Er wollte gerade einen Schritt vorwärts gehen, als er die Stimmen seiner Gastgeber hörte, die ihrem Klang nach zu urteilen von der Küche aus nach oben schallten.

      Eigentlich kam er sich sehr schlecht vor, als er sich bei der Idee erwischte, das Gespräch einfach mitzuhören. Aber erstens war dies sicherlich besser als Langeweile, zweitens war er äusserst neugierig und drittens würde es wohl eh niemanden jucken, solange die beiden nur nichts davon mitbekamen.

      Nachdem er seine Gewissensbisse arrogant zur Seite geschafft hatte, ging er auf das Treppengeländer zu und lehnte sich an ihm an, um die beiden besser hören zu können. Der Stimme nach zu urteilen war es Mr McGillen der gerade sprach.

      „...aber das liegt auch nur daran, daß du heute so aufgekratzt bist. Wenn nicht heute die Opferung wäre, dann würde dich das doch nicht weiter kümmern.“

      Opferung? Na, das war doch noch sehr viel interessanter als angenommen. Viel wichtiger noch: dieses Wort bestätigte nun endgültig was er bereits dachte.

      „Als ob ich die einzige wäre.“ entgegnete die Stimme von Katrina. „Sieh und hör dir doch mal die anderen Leute alle an. [it]Jeder[/it] hier im Dorf vermutet bei diesem Reed nichts gutes. Und sie haben [it]kein[/it] Bier/Kräuterteegemisch im Magen.“

      Jetzt fiel auch noch sein Name. Mittlerweile hielt er das Gespräch nicht nur für spannend, sondern auch für höchst informativ.

      „Ach, jetzt komm doch nicht wieder damit an... Das war doch nur eine Bemerkung, die ich noch nicht mal wirklich ernst gemeint hatte.“

      „Sagst du jetzt!“

      „Katrina...“ sagte McGillen besorgt, aber auch unüberhörbar genervt.

      „Naja, also nun hör mal... Kaum steht das Opfer-Ritual kurz bevor, taucht aus dem Nichts dieser Mann auf und stellt sich in allem was er tut unglaublich dämlich an und stellt neugierige Fragen. Jeder hier hat ein Auge auf ihn geworfen, der einzige der nur kein Verdacht schöpft, bist du.“

      „Ich habe nicht gesagt, daß sein Auftauchen nicht verdächtig ist...“

      „Aha!“

      „...aber nachweisen können wir ihm auch nichts. Und ich finde, so lange wir keinen konkreten Beweis gegen ihn haben, sollten wir ihn auch wie einen Unschuldigen behandeln.“

      Die Stimme von Katrina seufzte. „Du bist wie immer viel zu fair. Aber allein das stört mich vielleich noch nicht so sehr wie die Tatsache, daß du ihn tatsächlich bei uns wohnen lässt!“

      „Ist es so nicht viel besser? So haben wir schließlich ein Auge auf ihn und wir können beide besser beurteilen, was er wirklich hier will.“

      „Jetzt komme mir nicht damit!“ Katrinas Stimme bekam langsam einen zittrigen Touch. „Du hast uns hier einen möglicherweise hochgefährlichen Mann ins Haus geholt, und das kurz bevor dieses wichtige Ereignis bevorsteht!“

      'Ich und hochgefährlich?' dachte Dennis entgeistert. 'Was zur Hölle denken die bloß von mir?'

      „Katrina, nun beruhige dich doch.“

      Doch diese schien nur noch aufgewühlter zu werden. Das was Dennis zu hören bekam, klang als würde sie mit den Tränen kämpfen. Jedenfalls schoben sich zwischen ihre Worte unregelmässige Schnieflaute.

      „Das sagst du so einfach. Du hast überhaupt keine Ahnung wie sehr mich das alles belastet.“

      „Oh doch, das kann ich mir sehr gut vorstellen.“ versuchte McGillen sie zu beruhigen.

      „Das Ritual setzt mir einfach zu sehr zu, ich glaube ich bekomme das alles nicht auf die Reihe.“

      „Du brauchst doch keine Angst vor der Opferung haben.“ sprach er besänftigend weiter. „Es wird auch schneller vorbei sein als denkst, glaube mir.“

      Die Kinnlade von Dennis plumpste regelrecht auf den Boden. Hatte er das richtig verstanden? Sie sollte für irgendwas geopfert werden? Und ihr eigener Vater liess das einfach zu?

      „Ich hoffe, es wird schnell vorbei sein.“ sagte Katrina mit zittriger Stimme. „Ich denke schon seit Tagen an nichts anderes mehr. Ich...“ Sie brach in Tränen aus.

      Dennis hörte nun nichts anderes mehr als das Weinen von Katrina. Vermutlich wurde sie von ihrem Vater getröstet.

      Daß der überhaupt so handeln konnte... Dennis wollte es nicht fassen. Er schickte seine Tochter in den sicheren Tod und spielte dabei auch noch den mitfühlenden Vater. Nein... er spielte es sicher nicht nur, er war tatsächlich mitfühlend. Aber da die Tötung in seinen Augen das Richtige war, nahm er dies einfach als selbstverständlichen Vorgang hin, den man halt durchführen muß. Und obendrein schien Katrina das genauso zu sehen, weil so halt die Dinge in diesem Dorf abliefen.

      Pervers...

      Daß er auch noch mitten im Geschehen stand, fand er nur noch verstörender.

      Dennoch... diese Tränen...

      Sie tat ihm unendlich leid.

      Auch wenn sie ihn wie den letzten Dreck behandelte... gönnen tat er ihr dies nicht.

      Ohne daß es ihm bewusst war, krallten sich seine Hände an dem Geländer fest. Er hielt es nicht länger aus, er musste wieder in das Zimmer zurück. Das Schluchzen ging ihm einfach zu nahe.

      Er lockerte seinen Griff vom Treppengeländer und schlich betroffen in das Gästezimmer zurück.

      * * * * *

      Dennis lag wieder auf dem Bett und starrte die Decke an. Er versuchte sich von dem abzulenken was er gerade mitbekommen hatte, aber er konnte es einfach nicht. Egal woran er dachte, ihm kam immer wieder das Gespräch zwischen Katrina und ihrem Vater in den Sinn.

      Er stöhnte wütend auf, griff nach dem Kopfkissen und drückte es mit beiden Händen auf seinen Kopf.

      'Verdammt, jetzt denke doch endlich an was anderes. Denke an was anderes!'

      Sie wird sterben.

      'Das wird sie nicht, ich habe das Gespräch sicher nur falsch verstanden. Ist doch möglich.'

      Das hast du nicht.

      'Ist doch egal, das geht mich nichts an. Morgen bin ich hier wieder weg.'

      Du liegst hier oben auf dem Bett und in ein paar Stunden wird sie tot sein.

      'Das kann mir völlig egal sein. Morgen wenn ich wieder in meiner Wohnung bin, werde ich alles vergessen haben und mich um andere Dinge kümmern.'

      Sie wird tot sein.

      'Hör jetzt bitte auf!'

      Während du im Bett liegst und schläfst wird sie von den Leuten im Dorf getötet.

      „Oh... VERDAMMT!!“

      Er warf das Kissen in die Ecke, richtete sich auf.

      Es nützte nichts, er konnte keine Ruhe finden. Nicht mit der Gewissheit was mit Katrina geschehen würde. Dabei mochte er sie noch nicht mal sonderlich, weder hatte er überhaupt einen Bezug zu ihr. Aber das Wissen, daß ein Mensch den er kannte sterben... nein, umgebracht werden sollte, und dies unabwendbar war, machte ihm furchtbar zu schaffen.

      Und wenn er wieder in Birmingham war, würde er für den Rest seines Lebens immer wieder daran zurückdenken müssen... Daß ein Mensch in seiner unmittelbaren Umgebung getötet wurde und er davon gewusst hatte...

      Er vergrub verzweifelt den Kopf in seine Hände.

      Warum bloß diese Gewissensbisse? Er konnte eh nichts dagegen tun. Es war noch nicht mal seine Schuld! Selbst wenn er auf den Gedanken kommen würde sie zu retten... wie sollte das funktionieren? Ein einzelner gegen ein ganzes Dorf? So konnte er sich auch gleich neben Katrina auf den Opferaltar legen.

      Aber trotzdem... er würde für immer damit leben müssen, daß er nichts versucht hatte.

      „Oh, Mann...“ greinte er. „Warum geschieht mir das? Was habe ich bloß getan, daß ich das hier erleben muß?“

      Aus irgendeinem Grund kam wieder der Krach mit Zoe in den Sinn. War dies die Bestrafung für die Trennung? So ein Blödsinn... Er kam jetzt aber wirklich auf jeden Schnapsgedanken.

      Auf einmal hörte er Geräusche, die von unten aus dem Flur zu kommen schienen. Er hob seinen Kopf, hörte genau hin. Die Stimmen von McGillen und seiner Tochter schienen irgendetwas zu murmeln. Aber so wie es klang schien sich Katrina etwas gefangen zu haben.

      Er stand auf, öffnete so leise wie möglich die Tür und lugte durch den Spalt. Sehen konnte er zwar nichts, aber er tat dies ohne weiter darüber nachzudenken.

      „Hast du die Kutte?“ hörte er den Bürgermeister fragen.

      „Ja, ich hole sie gerade.“ sagte Katrina.

      Dennis hörte für einen kurzen Augenblick das Knartschen einer Schranktür. Dann blieb es für eine kurze Zeit still, kein Geräusch war zu hören.

      Auf einmal meldete sich McGillen wieder zurück. „Du schaffst das schon.“ sagte er fürsorglich mit einem optimistischen Unterton.

      „Danke.“ sagte Katrina erleichtert.

      „Wollen wir dann gehen?“

      Dennis hörte keine Antwort. Wahrscheinlich wurde sie nur genickt.

      „Also gut. Dann komm.“

      Das Licht ging aus. Ein Türenknarren, ein paar Schritte, ein Rummsen.

      Stille.

      Dennis atmete erleichtert aus. Er wusste jedoch selbst nicht so recht warum. Wahrscheinlich weil die angespannte Stimmung mit dem Weggang der Familie ein wenig verflogen war. Zumindest traute er sich nun wieder heraus.

      Er zog die Tür nun ganz auf, trat nach draussen in den Flur.

      Nachdenklich blieb er stehen.

      Warum tat er das? Was hatte er jetzt vor?

      Er wusste es selbst nicht.

      Sich das Haus ansehen? Ein wenig in ihm hin und herlaufen?

      Was sollte das bringen?

      Trotzdem fiel ihm auf, wie er dabei war die Treppe nach unten zu gehen.

      'Du kannst hier eh nichts bei dieser Dunkelheit sehen, du Schwachkopf. Und wenn du das Licht anstellst, wird man das von draussen sofort sehen.'

      Dann lasse das Licht eben aus.

      Nun stand er im Hausflur.

      Und jetzt?

      Er sah sich um.

      Ja. Niemand befand sich mehr im Haus. Er war komplett allein.

      Sein Blick fiel auf die Garderobe an der seine Jacke hing.

      Er seufzte.

      Oh Gott, er musste völlig verrückt sein.

      Er ging auf die Garderobe zu, nahm die Jacke ab und zog sie sich an.

      'Du bist wirklich völlig verrückt.'

      Dann ging er auf die Haustür zu und öffnete sie vorsichtig.

      'Du hast sie nicht mehr alle.'

      Er lugte nach draussen. Es war niemand auf der Strasse zu sehen. Dies stachelte Dennis dazu an die Tür nur noch weiter aufzuziehen und einen Schritt nach draussen zu wagen.

      'Wenn du nun die Tür hinter dir schließt, ist das dein sicherer Tod.'

      Er zog sie hinter sich zu, rastete mit einem Klack in das Schloß ein.

      'Okay, jetzt [it]ist[/it] es dein Tod.'

      Oh ja, das war er ganz sicher. Denn egal was er hier draussen nun anstellen würde... er konnte nicht mehr in das Haus zurück. Ohne einen Haustürschlüssel in seinen Taschen war das absolut unmöglich.

      „Oh Gott, du bist ein Idiot... ein totaler Idiot...“ schimpfte er murmelnd vor sich hin.

      Plötzlich hörte er aus der Ferne das Geräusch von herannahenden Schritten. Panisch sah er sich um. Irgendwo musste es doch eine Möglichkeit geben sich zu verstecken.

      Alles was er in der Hast finden konnte war die Gartenhecke. So schnell er konnte rannte er auf sie zu und verbarg sich hinter ihr, nicht ohne dabei einen Blick auf die Strasse zu halten.

      Es dauerte nicht lange und er sah durch den Heckenspalt zwei Gestalten an sich vorbeilaufen. Beide trugen dunkle Kutten, die deren Gesichter verbargen und nur schwer erkennen liessen ob es sich bei den Trägern um Frauen oder Männer handelte.

      Dennis wartete so lange ab bis sie einige Meter von ihm entfernt waren, dann traute er sich langsam wieder aus seinem Versteck. Zögerlich ging er auf die Strasse und sah den beiden Menschen nach. Sollte er es sich tatsächlich trauen und ihnen folgen?

      Er vergewisserte sich, ob sonst noch jemand auf den Anmarsch war. Gut, es schien sonst keiner da zu sein. Also konnte er es wagen.


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      Fortsetzung folgt...
      ...somebody is videotaping me in my spaceship...

      Kommentar


      • #4
        uuuuuuuuuuund weiter bitte
        http://s1.sigamp.com/users/nero/newsig.png

        Kommentar


        • #5
          Hier ist der Rest. Freut mich, daß es wenigstens EINER hier liest!


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          Es dauerte nicht lange und er sah durch den Heckenspalt zwei Gestalten an sich vorbeilaufen. Beide trugen dunkle Kutten, die deren Gesichter verbargen und nur schwer erkennen liessen ob es sich bei den Trägern um Frauen oder Männer handelte.

          Dennis wartete so lange ab bis sie einige Meter von ihm entfernt waren, dann traute er sich langsam wieder aus seinem Versteck. Zögerlich ging er auf die Strasse und sah den beiden Menschen nach. Sollte er es sich tatsächlich trauen und ihnen folgen?

          Er vergewisserte sich, ob sonst noch jemand auf den Anmarsch war, schaute nach links und rechts. Gut, es schien sonst keiner da zu sein. Also konnte er es wagen.

          Er ging den beiden Figuren einfach nach und hoffte dabei, daß er dies so unauffällig wie möglich tat. Aber da er seine Schritte sehr leise hielt, beführchtete er nichts. Zumindest momentan.

          Doch als das vermeintliche Trio bereits ein paar Straßen entlanggegangen war, kam Dennis ein kleiner Gedanke.

          'Dort wo die hinrennen, gibt es garantiert noch mehr von der Sorte. Und da willst du wirklich hin? Bist du lebensmüde?'

          Ganz offenbar schon. Denn trotz dieser plausiblen Einwände, die ihm sein Gehirn zuspielte, ging der Körper immer noch den zwei Gestalten hinterher.

          Vielleicht hätte sich an diesem Umstand etwas geändert, wenn Dennis mehr Zeit gehabt hätte darüber vernünftig nachzudenken, aber ehe er sich versah, war er auch schon am Ziel. Oder besser gesagt die zwei Kuttenträger, welche nun zielstrebig auf ein Gebäude zugingen, das ein wenig den Eindruck eines Gemeindehauses machte.

          Dennis blieb an der Straßenecke stehen und sah zu wie die beiden von dem zweckmässig aussehenden Kasten verschluckt wurden.

          Und nun?

          Er schaute wieder um sich.

          Kein anderer befand sich mehr auf den Straßen. Er war allein. Gut möglich, daß die zwei Leute die letzten waren, die noch auf dieser ominösen Sitzung gefehlt hatten.

          Sollte er es nun tun, oder nicht?

          Ein Versuch war es wert.

          Er ging quer über die Straße auf das Haus zu (noch einmal nach links und rechts guckend, ob nicht doch noch einer auftauchte), legte die Hand an der Tür an und hoffte, daß sie von den komischen Figuren abgeschlossen worden war, damit er endlich eine Ausrede gefunden hatte sich nicht mehr um diese Sache kümmern zu müssen.

          Die Tür war offen. Na gut.

          Vorsichtig, ganz vorsichtig zerrte er an sie und wagte einen Blick durch den sich entstehenden Spalt. Es war dort drinnen ziemlich dunkel, aber dennoch konnte er sehen, daß sich zumindest in der näheren Umgebung niemand aufhielt. Wahrscheinlich war dies eh nur der Flur, während sich die ganzen Leute in einem komplett anderen Raum aufhielten.

          Vom Mut beflügelt, vergrösserte er den Spalt. Nun wurde es immer deutlicher. Nein, hier war niemand.

          Er zog die Tür ganz auf und betrat das was sich tatsächlich als Flur herausstellte.

          Jedoch als einer, die nicht komplett in sich geschlossen war. Der Zwei Meter-Schlauch in dem er stand, wurde durch einen Türrahmen beendet, in dem sich jedoch nichts befand. Wahrscheinlich war die Tür irgendwann einmal entfernt worden.

          Was er durch diese Öffnung jedoch unverkennbar sehen konnte, war das von ein paar Kerzen ausgehende Schwummerlicht und einige Gestalten, die regungslos in der Gegend standen.

          Dennis ging sachte ein paar Schritte vor, um mehr in der Nähe des Türrahmens zu sein und um von dort aus besser sehen zu können, was sich dort in der Halle abspielte. Dabei streifte er mit seinem Ärmel irgendetwas weiches, filziges. Vor Schreck zuckte er zur Seite, glaubte sich nun ertappt und entdeckt, doch dann sah er, daß das, was er soeben berührt hatte, eine von mehreren an der Wand aufgehängten Kutten war.

          Er blickte sie für einen kurzen Moment an, runzelte überlegend die Stirn, dann griff er zu.

          Nachdem er zwei, drei Kutten durchprobiert hatte, fand er eine die ihm einigermassen passte und zog sie sich über.

          Dennis atmete ein paar Mal tief ein und aus, dann zog er die Kapuze über seinen Kopf. Die Schritte durch den Türrahmen folgten dann nur noch automatisch.

          Doch als er diesen vollständig durchschritten hatte, blieb ihm sprichwörtlich das Herz stehen. In dieser Halle hatte sich tatsächlich das komplette Dorf versammelt. Knapp 40 Leute standen formiert in einem Kreis und machten den Eindruck als würden sie sich auf etwas vorbereiten.

          Es dauerte auch keine Sekunde, daß ihn einer bemerkte.

          „Hey!“ zischte ihm einer unter seiner Kapuze zu. „Jetzt komm schon! Wir wollen gleich anfangen!“

          Dennis schluckte und ging auf die unheimliche Runde zu.

          „Dabei dachte ich, es wären schon alle hiergewesen. Mann, Mann...“ murmelte der Mann vor sich hin.

          Dennis hob seine Hände und wedelte entschuldigend mit ihnen herum. Das musste als Antwort reichen. Schließlich konnte er nicht sprechen, ohne dabei gleich mit seiner Stimme aufzufliegen.

          Er reihte sich in den Kreis ein, versuchte dabei so natürlich wie möglich zu wirken, auch wenn das gemessen an seinem aufgeregten Puls keine so leichte Übung war.

          Dabei bemerkte er das riesige Pentagramm auf dem Boden, um das die ganzen Leute herumstanden. Doch das Pentagramm wurde nicht von einfachen Kreidestrichen gebildet, sondern von einer langen Zeile aus kleinen Schriftzeichen, die Dennis jedoch absolut nichts sagten. Außer daß sie ganz bestimmt irgendeine magische Funktion darstellen sollten.

          Aber was nun? Worauf warteten hier alle?

          Verstohlen und ohne dabei seinen Kopf zu bewegen, musterte er die anderen im Kreis an, hoffte darauf, daß sich endlich etwas tun würde.

          Dann vernahm er auf einmal ein lautes Rummsen welches so klang, als ob eine größere Eisentür zufallen würde. Er wand wie die meisten anderen der anwesenden Leute den Kopf in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war, und sah wie sich der Kreis für einen Moment teilte. Sie machten Platz für zwei Menschen, die einen mit einer Decke verhüllten großen, kubusförmigen Gegenstand hereinrollten. Als das Objekt genau in der Mitte des Pentagramms stand, liessen sie von ihm ab und reihten sich unter den anderen ein.

          Dennis schluckte. So langsam schien es tatsächlich ernst zu werden.

          Plötzlich vernahm er eine tiefe männliche Stimme, die von irgendeinem der Leute im Kreis kommen musste, nur konnte er nicht ausmachen von wem genau, geschweige denn aus welcher Richtung. Die Worte klangen nach einer langen Beschwörungformel, welche immer wieder von vorn begann, sobald sie an ihrem Ende angelangt war. Die Sprache konnte er ebenso wenig verstehen, aber sie hatte einen leicht lateinischen Klang. Seltsam, denn galt Latein nicht immer als die Sprache Gottes? Nun, das hinderte den Satanskult wohl noch lange nicht daran sie zu nutzen. Soweit Dennis wusste, war Luzifer ja auch ein gefallener Engel. Warum hätte er sich also die Mühe machen sollen irgendeine neue Sprache zu erfinden, nur weil er den Arbeitsplatz gewechselt hatte?

          Auf einmal fiel eine weitere Stimme in die Formel ein, sprach die Worte im exakt selben Rhythmus mit. Dann kam noch eine Stimme hinzu. Und noch eine. Und eine weitere. Die Geschwindigkeit in der sich die Dorfbewohner dem Chor anschlossen nahm mit jeder Sekunde zu.

          Dennis spürte wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Die Darbietung wurde immer unheimlicher. Als dann auch seine beiden Nebenmänner von dem Treiben assimiliert wurden, fiel er in eine leichte Panik. Wenn er jetzt der einzige in diesem Saal ist, der nicht die Worte mitsprach, und dies aus Unkenntnis der lateinischen Sprache auch überhaupt nicht konnte... würde dies den Leuten auffallen?

          Er spürte wie vor Angst seine Hände zitterten.

          'Reiss dich zusammen!' befahl er sich. 'Die sind alle zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als saß sie darauf achten was ihre Nachbaren sagen.'

          Dennis blieb einfach nur still, rührte sich nicht. So lange er dies tat, würde ihm sicher keiner Beachtung schenken.

          Derweil war der unheimliche Stimmenchor auf seinem Höhepunkt angelangt. Es gab unter den Dorfbewohnern keinen einzigen mehr, der nicht an ihm beteiligt war.

          Das war auch der Moment in dem Dennis beobachtete wie etwas merkwürdiges mit dem verhüllten Klotz vor sich ging. Er schien ein wenig zu ruckeln, als ob sich in ihm etwas bewegen würde.

          Was da wohl drin sein mochte? Doch am Ende nicht etwa Katrina? Bei der Größe konnte durchaus ein ganzer Mensch hineinpassen.

          Plötzlich trat einer der Kuttenträger aus dem Kreis hervor und ging auf den vor sich hinruckelnden Gegenstand zu. Dann hob er zögernd seine Hände hoch, setzte sie an der Kutte an, zog sie mit einem entschlossenen Ruck herunter... und Dennis sah das Gesicht Katrinas. Die blonden schulterlangen Haare... diese Augen... Eindeutig. Kein Zweifel, das war sie.

          Aber wenn sie vor dem bedeckten Kasten stand... was befand sich dann in ihm?

          Als ob sie ihm eine Antwort darauf geben wollte, nahm Katrina mit einem ungewissen Gesichtsausdruck das Tuch in beide Hände... und zog es nach einem kurzen Innehalten herunter.

          Das was dabei zu Tage gebracht wurde, liess Dennis die Haare zu Berge stehen.

          Ein Käfig erschien, der mit seinen dicken Eisenstäben nicht gerade den Eindruck erweckte wenig ausbruchssicher zu sein.

          Doch das was sich in dem Käfig befand und dabei herumrandalierte, war weder ein Mensch, noch ein Tier. Auch wenn das vierbeinige Reptilienwesen noch gerade als Tier durchgehen konnte... wenn ihm nur ein Tier bekannt wäre, das so aussah. Stattdessen sah das Etwas wie ein als Krokodil verkleideter Schäferhund aus, welcher ein brennendes Holzscheit verschluckt hatte, um den Effekt mit den schmauchelnden Nüstern hinzubekommen.

          Sollte dies tatsächlich ein Dämon sein? Spielten ihm seine Sinne keinen Streich? Hiess dies, daß Himmel und Hölle tatsächlich existierten?

          Andererseits konnte es genauso gut auch ein Trick der Dorfbewohner sein. Möglicherweise sogar vom Bürgermeister, der für diese Zeremonie ein Tier präpariert hatte, um bei den Gläubigen großen Eindruck zu schinden. Die Frage wäre dann nur wie er das gemacht hatte... denn es sah erstaunlich echt aus.

          Derweil bückte sich Katrina und fummelte an einer der Ecken des Käfigs herum. Es war unmissverständlich, daß sie im Begriff war ihn zu öffnen.

          Dennis wollte ihr aus einem Reflex heraus zurufen es nicht zu tun, konnte sich aber gerade noch zurückhalten.

          Einen kleinen Augenblick später gab der Käfig ein lautes Klacken von sich und die vordere Gitterstäbenwand öffnete sich automatisch.

          Als ob das 'Tier' keinen Freiheitsdrang hätte, blieb es im Käfig sitzen und schnaubte nur wild. Katrina hob ihren Oberkörper wieder an und blickte angsterfüllt, aber dennoch beherrscht, auf das Wesen herab.

          Plötzlich schwollen die Stimmen des Chors an. Ihr Klang wurde immer bestimmender, zwingender, so als würde der Höhepunkt der Zeremonie kurz bevorstehen.

          Katrina's Atmung schien stärker und heftiger zu werden. Sie schloß ihre Augen, machte den Eindruck, als würde sie auf etwas warten.

          Dennis sah wie sich wieder jemand aus dem Kreis löste und langsam von hinten auf sie zuging. Dabei öffnete er für einen Augenblick seine Kutte und holte mit einer geisterhaften Geste ein Schwert hervor. Er kam näher und näher...

          Nervös blickte Dennis zwischen dem Schwerträger, Katrina und dem Monster hin und her. Es war offensichtlich was sich hier anbahnte. Katrina wartete darauf, daß der Mann sie von hinten erstechen würde, um für den seltsamen Dämon geopfert zu werden.

          Dennis fing an sich schlecht zu fühlen, sein Puls raste. Es trat tatsächlich das sein, was er sich die ganze Zeit über ausgemalt hatte. Seine Hand fing wieder an zu zittern.

          Sollte er sie nun tatsächlich retten? Deswegen war er schließlich erst hierher gekommen. Und er wollte sicherlich nicht den Anblick ertragen, wie Katrina von dem Dämon aufgefressen werden würde.

          So oder so... sobald die Zeremonie vorbei sein würde, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß seine Tarnung aufflog.

          „Tu es!“ sagte eine Stimme in ihm. „Auch wenn dies deine letzte Tat wäre... mache heute zumindest eine einzige Sache richtig!“

          Er nahm all seinen Mut zusammen und schritt - nein rannte! - auf den Schwertträger zu. Dieser blieb verdattert stehen und wusste nicht so recht wie ihm geschah. Doch er hatte keine lange Zeit darüber weiter nachzudenken, denn Dennis riß ihm das Schwert aus der Hand und sprang auch gleich in Richtung Katrina.

          Nun bekam auch der Kreis mit, daß hier etwas grundlegend falsch lief. Die ersten Stimmen stockten, andere zogen nach.

          Katrina öffnete ihre Augen und sah sich verunsichert um, um einen Sekundenbruchteil später von Dennis zur Seite gestossen zu werden.

          „Was...?“ fragte sie verwirrt und taumelte zur Seite.

          Dennis stand nun an der selben Stelle an der sich bis eben noch Katrina befunden hatte, und hob mit beiden Händen das Schwert an, die Spitze nach unten zeigend.

          Das Monstrum unter ihm schnaufte, sah ihm genau in die Augen. Offenbar wusste es, was ihm bevorstand. Es fing bedrohlich an zu knurren und duckte sich, als ob es sich auf einen Sprung vorbereiten würde.

          Dennis holte weiter mit dem Schwert aus. Er konnte selbst kaum glauben, daß er so viel Mut in sich hatte.

          Währenddessen realisierten nun alle um ihn herum, was er eigentlich vorhatte.

          Katrina schrie ihn an. „Halt! Nein! Was tust du da?“

          Sie, der Kuttenträger neben ihr und viele andere aus dem Kreis eilten auf ihn zu, um ihn aufzuhalten. Doch das war Dennis völlig egal. Mittlerweile war ihm auch Katrina ziemlich gleichgültig. So wie das Vieh ihn ansah, war es nur noch die Frage wer von beiden den anderen zuerst tötete.

          Dann stieß der Dämon einen schrillen, echsenartigen Schrei aus und sprang!

          Dennis reagierte schnell und liess das Schwert durch die oberen Gitterstäbe des Käfigs sausen und rammte es mit voller Kraft in des Monsters Rücken. Er war erstaunt wie leicht es in den Körper des Dämons eindrang. Als ob er einen Löffel in ein aufgetautes Speiseeis mit Schokoladenkruste stossen würde.

          Aber das Vieh war noch lange nicht tot. Sich im aufgespiessten Zustand befindend, hing es im Käfig fest und konnte ihn nicht verlassen. Schrill vor sich hinkreischend versuchte es sich zu bewegen, fuchtelte mit seinen Pranken nach Dennis.

          „Hör auf!“ schrie Katrina ihn von der Seite an. „Hör endlich damit auf! Was machst du da?“

          Sie griff nach Dennis Arm, wollte ihn wegziehen, doch dieser hatte das Schwert so stark im Griff, daß sie damit den Tötungsprozess nur noch beschleunigte. Dennis, den Griff des Schwertes immer noch in der Hand haltend, fiel zur Seite und schlitzte so das Biest regelrecht auf. Dies erledigte es endgültig. Begleitet von einem fürchterlichen Gestank, quollen die glibbrigen Gedärme aus dem Körper heraus und das Vieh fiel mit einem protestierenden Krächzen in sich zusammen, regte sich keinen einzigen Zentimeter mehr.

          Im selben Moment durchströmte Dennis dabei ein angenehmes, warmes Gefühl, welches irgendwie von dem Schwert auszugehen schien. Weswegen auch immer. War dies die Befriedigung, den Dämon getötet zu haben? War das überhaupt normal? Er hatte ja noch nie jemanden getötet, erst recht kein dämonisches Wesen.

          Währenddessen war um ihn herum der sprichwörtliche Teufel los. Die ganzen Leute huschten hektisch um ihn herum, wirkten schon beinahe panisch. Manche hatten bereits ihre Kapuzen abgenommen und ihre Gesichter zum Vorschein gebracht. Manche erkannte er sogar aus dem Pub wieder. Selbst der Mann von der Tankstelle war dabei.

          Alle redeten wirr durcheinander.

          „Was hat er bloß getan?“

          „Wer zum Teufel ist das?“

          „Hat er ihn wirklich getötet?“

          „Sowas ist noch nie passiert!“

          „Was sollen wir jetzt tun?“

          Verwirrt folgte Dennis dem Treiben, wusste nicht, was nun geschehen würde.

          Dann sah er auf einmal Katrinas wutentbranntes Gesicht auf sich zukommen. Sie fuhr ihre Hände aus und zog brutal seine Kapuze herunter.

          „Oh, verdammt, ich wusste es doch! Du bist es!“ schimpfte sie, als sie sah, wer sich darunter verbarg. „Ist dir klar was du soeben getan hast?“

          Er war sich nicht ganz sicher, ob sie wirklich eine Antwort von ihm erwartete, aber er sprach trotzdem. „Ich habe dich eben gerettet?“ fragte er zurück.

          „Falsch!“ grollte sie. „Du hast möglicherweise gerade ganz England ins Unglück gestürzt, du Schwachkopf!“

          Dennis verstand gar nichts. „Was?“

          „Was machen wir jetzt mit ihm?“ hörte er eine Stimme hinter sich fragen.

          „Am besten einfach umbringen.“ sagte eine andere. „Du meine Güte, was für eine Scheisse...“

          „Umbringen wäre wahrscheinlich die beste Lösung.“ nickte Katrina und sah Dennis dabei genau in die Augen. Dieser versuchte von ihr zurückzuweichen, merkte dann aber, daß dies gar nicht ging, weil sie ihn an beiden Armen festhielt. Diese Frau war wirklich aussergewöhnlich kräftig.

          „Nein...“ hörte er plötzlich eine Stimme sagen, die ihm sehr bekannt vorkam. Kurz darauf konnte er auch sehen, zu wem diese gehörte. Mr McGillen stellte sich neben seine Tochter, sah Dennis mit einem sehr vorwurfsvollen Blick an. „Hier wird niemand umgebracht, auch wenn ich es selbst sehr gerne tun würde. Wenn er stirbt, verlieren wir die Aura.“

          Die Aura?

          „Darf ich ihn dann wenigstens bewusstlos schlagen?“ fragte Katrina mit funkelnden Augen.

          McGillen nickte. „Ich bitte drum.“

          Katrina liess nicht lange darauf warten. Das letzte was Dennis sah, war wie ihre Faust auf sein Gesicht zuflog.

          'Ich sterbe dann also doch nicht?' dachte er noch kurz, dann wurde alles um ihn herum schwarz.


          * * * * *


          Dennis kam wieder zu sich, verspürte schreckliche Kopfschmerzen. Stöhnend hob er einen Arm und massierte sich die Stirn.

          Er blinzelte benommen.

          Weich.

          Er lag also in einem Bett.

          Hatte er das alles nur geträumt? Falls ja... dann bestens. Wenn nicht, dann... nun.

          Er stöhnte laut, richtete angestrengt seinen Oberkörper auf, rieb sich die Augen.

          Nachdem er diese einigermassen wechgequetscht hatte, öffnete er sie und stellte fest, daß er im schwach belichteten Gästezimmer der McGillens lag.

          Also doch nicht nicht das Haus von Zoes Eltern. Schade.

          Aber vielleicht war er vorhin beim Lesen eingeschlafen und die Geschehnisse ausserhalb des Hauses tatsächlich nur im Traum zusammengesponnen?

          Er griff zur Seite, erwartete, daß er dabei auf das Buch stiess, welches im Schlaf aus seinen Händen gefallen sein muß. Stattdessen platschte seine Hand auf etwas, das sich wie ein Rücken anfühlte.

          Erschrocken zuckte Dennis zusammen und wand seinen Kopf zur Seite.

          „Suchen Sie etwas, Mr Reed?“ fragte ihn der mürrisch dreinblickende Kopf von McGillen, in dessen Mund eine leicht vor sich hinrauchende Pfeife steckte.

          „Ich, ähm... das Buch...“ stammelte er.

          „Welches? Dorian Gray? Das sollte in diesem Moment ihre geringste Sorge sein.“

          Dennis kombinierte was diese Worte ihm wohl sagen sollten, dann sah er ihn ernüchternd an. „Es ist also dann kein Traum gewesen.“ stellte er fest.

          „Nein.“ erwiderte McGillen. „Leider, leider, leider nein.“

          „Aber...“ sagte Dennis zögernd und tastete seinen Körper ab. „Ich lebe doch noch, oder?“

          „Wenn Sie es nicht tun mehr tun würden, dann wären unsere Probleme noch sehr viel größer als sie es ohnehin schon sind.“ Er seufzte und deutete mit einem Zeigefinger auf die Pfeife. „Sehen Sie das hier? Ich dachte, ich könnte heute Abend wieder damit anfangen. Aber allem Anschein nach, werde ich diesen Plan über Board kippen müssen. Daß ich sie dennoch rauche, mache ich auch nur, um mir zumindest für einen kurzen Moment das Gefühl zu geben, daß alles glatt gegangen wäre.“

          Dennis zitterte irritiert mit dem Kopf. „Weil... ich ihren Dämon getötet habe, können Sie nicht rauchen?“

          „Wenn man die Kette bis zum Ende verfolgt... ja.“

          Dennis hatte für ihn nur ein verächtliches Halblachen übrig. „Es tut mir wirklich leid, daß sie Ihre Pfeife nicht benutzen können, weil ich ihre Tochter vor dem Opfertod gerettet habe.“

          Die Augen seines Gastgebers wurden groß. „Opfertod?“ wiederholte er das Wort. „Ich wollte sie schon fragen, was sie sich eigentlich dabei gedacht hatten, aber DAS erklärt tatsächlich einiges... Was übrigens nichts daran ändert, daß ich sie immer noch am liebsten auf der Stelle tot sehen würde.“

          „Denken Sie etwa, ich sehe dabei zu, wie Ihre Tochter von einem Ihrer irren Satanisten abgeschlachtet wird?“ sagte er und massierte sich wieder die Stirn, welche immer noch etwas schmerzend vor sich hinpocherte.

          „Nicht meine Tochter sollte getötet werden...“ erklärte McGillen ruhig. „sondern der Dämon.“

          Dennis hörte ruckartig mit der Massage auf und sah den Bürgermeister mit überraschten Augen an. „Oh.“ gab er verdutzt von sich.

          McGillen nickte wie selbstverständlich.

          „Aber... Aber... der Mann hinter ihr mit dem Schwert? Er wollte doch...“

          „...das Schwert überreichen, damit sie das Ritual durchführen konnte.“

          „Oh.“ machte Dennis wieder. „Aber... ist es nicht egal, wer von uns beiden nun den Dämon getötet hat? Tot ist tot, ist doch beides das selbe.“

          „Tja...“ sagte McGillen ganz und zog ausgiebig an seiner Pfeife. „Das ist die Stelle an der unsere Probleme erst so richtig anfangen. Katrina sollte nämlich zur neuen Dämonenjägerin gekürt werden.“

          Dennis Blick wurde lang und ungläubig. „Dämonen...jägerin?“ Dieses Wort musste er sich erst auf der Zunge zergehen lassen. „Ist das Ihr Ernst? D... Dämonen gibt es wirklich? Das war keine Attrappe?“

          McGillen antwortete nichts darauf, sondern sah ihn einfach nur an.

          „Also... also seid ihr keine Satanisten?“ fragte Dennis erstaunt.

          Der Bürgermeister hob nur mitleidig eine Augenbraue.

          „Aber Moment...“ fiel Dennis ein. „Mir ist es doch völlig egal, ob ich nun das Vieh getötet habe... oder ihre Tochter. Ich will ja keine Dämonen jagen. Wenn sie es möchte, dann kann sie es auch ruhig tun. Ich sehe das mit dem Ritual nicht so eng.“

          „Das würde ich im Prinzip auch nicht, ich bin kein Traditionalist.“ sagte McGillen. „Eigentlich kann sogar jeder Idiot Dämonen jagen, sobald er nur das ausreichende Fachwissen hat. Nur besitzt er dann halt nicht die Aura.“

          „Die Aura...“ sagte Dennis überlegend. „Ist die wichtig?“

          „Die ist sogar sehr wichtig.“ nickte McGillen. „Natürlich ist der Dämon tot, wenn er von einem x-beliebigen Menschen umgebracht wurde. Nur ändert das halt nichts an der Sache, daß die ganzen Seelen, die er in seinem langen Dämonenleben gesammelt hat, trotzdem in der Hölle bleiben, um ihren Bestand zu sichern.“

          „Und... und wenn man diese Aura hat...“

          „...dann werden sie alle befreit, und die Hölle hat sie verloren. Genau.“

          „Und diese Aura besitze ich jetzt?“

          „Nun, meine Tochter hat sie jedenfalls nicht. Also bleiben ja nicht mehr allzuviele Möglichkeiten übrig.“

          Das war also dieses komische Gefühl gewesen, das durch ihn hindurch geströmt war, als er den Dämon getötet hatte?

          „Dann... dann machen sie das Ritual doch einfach nochmal, und...“

          „Es wäre sehr schön, wenn das tatsächlich ginge, aber man kann es leider nur alle 25 Jahre durchführen.“

          „Tatsächlich?“ Innerlich spürte Dennis bereits, daß dies nichts gutes für ihn bedeuten konnte. Er wusste nur noch nicht recht was genau.

          „Ja, tatsächlich.“ stimte McGillen ihm zu. „Da die Höllenhunde immer 25 Jahre brauchen, um aus dem Ei zu schlüpfen.“

          „25 Jahre?“ fragte Dennis fassungslos. „Aber... ihr habt doch nicht nur dieses eine Ei, oder?“

          „Doch, nur das eine, da ein Höllenhund, kurz nachdem er ausschlüpft, schon das nächste legt. Dann wird er getötet, mehr als ein Ei können sie in ihrem ganzen Leben nicht legen. Und mehr Höllenhunde gibt es nicht, da sie in der Hölle bereits ausgerottet wurden, als die andere Seite herausfand was sich mit ihnen anstellen lässt.“

          „Es gibt nicht mehr Höllenhunde...“ krächzte Dennis mit glasigen Augen.

          „Nein, das nicht, aber noch weitere Eier. Aber die sind für ganz andere Länder bestimmt, die ebenfalls ihre Dämonenjäger brauchen. Und denen können wir schließlich keines abluchsen.“

          „Und... und was heisst das jetzt?“ fragte Dennis, dessen unwohles Gefühl mit jeder weiteren Sekunde wuchs. „Daß ich Englands Dämonenjäger bin? Aber ich habe von sowas doch überhaupt keine Ahnung!“

          „Dann haben Sie das Problem in dem wir stecken vollstens erfasst.“

          „Aber... gibt es denn keine Möglichkeit es rückgängig zu machen? Kann ich diese... Aura nicht irgendwie auf jemand anderes übertragen?“

          „Genau das wissen wir eben nicht, weil es in der ganzen Geschichte noch keinen Fall dieser Art gab. Jedenfalls nicht, bevor Sie hier aufkreuzten.“

          Dennis schluckte und blickte starr in die Leere. „Oh nein.“

          „Genau so sehe ich es auch.“ sagte McGillen und nahm einen weiteren Zug von seiner Pfeife. „Viele hier im Dorf halten Sie übrigens immer noch für einen Spion... oder zumindest einen Saboteur, der von der anderen Seite geschickt wurde. Ich war so ziemlich der einzige, der daran gezweifelt hat. Und jetzt bin ich mir endgültig sicher, daß ich recht habe. Kein Spion oder Saboteur der Welt wäre so idiotisch unwissend und tölpelhaft wie sie zu Werke gegangen.“

          „Aber... Katrina ist doch trotzdem keine Dämonenjägerin geworden.“

          McGillen warf ihm einen verächtlichen Blick zu. „Das war wirklich sehr witzig, Mr Reed.“

          Plötzlich klopfte es an der Tür. Der Bürgermeister wand ihr seinen Kopf zu. „Ja, bitte?“

          Sie öffnete sich und ein jüngerer Mann kam herein, den Dennis als den identifizierte, der im Pub kurz neben ihm gesessen hatte.

          „Ich habe Mr Blair gerade am Telefon bescheid gegeben.“ sagte dieser. „Er war sehr wütend und beinahe außer sich.“

          „Wie wir alle.“ sagte McGillen. „Danke, Eric. Ich werde später noch einmal selbst mit ihm reden.“

          „Darum hatte er auch gebeten.“

          „Ich werde es auch gleich hiernach machen.“ erwiderte er. „Geh du ruhig nach Hause. Mehr kannst du momentan auch nicht tun.“

          Eric nickte verständig mit dem Kopf und verliess wieder das Zimmer, allerdings nicht ohne dabei Dennis kurz einen wütenden Blick zuzuwerfen.

          Dieser brauchte einen kurzen Augenblick, um sich zu sammeln. „Mr Blair?“ fragte er. „Doch nicht etwa... Tony Blair? Der Regierungschef?“

          „Welcher sonst?“ sagte McGillen. „Ohne Regierungsunterstützung wäre unsere Arbeit auch um einiges schwieriger. Unsere Gelder würden nicht ausreichen und unser Dorf wäre dann wohl auch nicht auf allen Landkarten fehlen, um es geheim zu halten.“

          Dennis war sprachlos und sah ihn einfach nur an.

          McGillen stand mit einem tiefen Seufzer vom Bett auf. „Mir tut es jetzt nur leid um Katrina. Ihr hat diese Arbeit sehr viel bedeutet und sie wurde jahrelang darauf vorbereitet.“

          „Tut... tut mir leid.“ zwang Dennis aus sich heraus.

          Der Bürgermeister zuckte mit den Achseln. „Ihre Mutter wurde von einem Dämon getötet, wissen Sie? Sie hatte gehofft ihn zu finden, um ihre Seele zu befreien. Etwas was ich all die Jahre nie geschafft habe...“ schloß er mit trauriger Stimme ab. „Vielen Dank, daß sie uns diese Hoffnung nun endgültig zunichte gemacht haben, Mr Reed.“

          Dennis versuchte darauf irgendetwas zu erwidern, er wusste nur nicht was.

          Seufzend ging McGillen auf die Tür zu und öffnete sie. Dann zögerte er jedoch, nahm die Pfeiffe aus seinem Mund und betrachtete sie. „Eigentlich dachte ich, ich könnte damit nach all den Jahren wieder anfangen. Ich hatte damit aufgehört, damit ich im Kampf nicht plötzlich kurzatmig werde und somit irgendeinem Dämon unterliege. Aber offenbar werde ich wohl nun Dämonenjäger bleiben müssen bis ich 80 bin. Mit der Aussicht habe ich nun nicht unbedingt gerechnet. Gararoth wird's freuen.“ Er sah wieder auf und blickte Dennis giftig an. „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.“

          Dieser öffnete seinen Mund, doch bevor er irgendein Wort aus sich herausbringen konnte, verschwand McGillen und rammte hinter sich die Tür zu.

          Dennis behielt lange Zeit seinen Blick auf die Tür, dann liess er seinen Oberkörper zurück ins Bett plumpsen.

          Das konnte doch alles nur ein schlechter Scherz sein? Dies war doch nicht wirklich real?

          „So ein verdammter...“

          Er richtete sich wieder auf, stieg vom Bett.

          Irgendwas musste er doch dagegen tun können, er konnte doch auf keinen Fall in dieser Lage bleiben. Er fühlte sich vollkommen hilflos.

          Was nun? Wie sollte es nun weitergehen?

          Ohne zu wissen was er sonst tun sollte, ging er auf die Zimmertür zu, verliess den Raum.

          Er stellte sofort fest, daß im Haus immer noch Licht brannte. Aus irgendeinem Raum der unteren Etage klang die Stimme McGillens, der offenbar ein Telefongespräch führte. Wahrscheinlich mit der britischen Regierung.

          Diese ganze Situation war doch vollkommen absurd!

          Sein Blick fiel auf die Tür zu Katrinas Zimmer. Ob sich wohl im Moment darin aufhielt?

          Er schlich leise auf sie zu, lehnte seinen Kopf an und horchte. Ein leises unregelmässiges Schluchzen war zu vernehmen.

          Kein Zweifel, Katrina war am Boden zerstört.

          'Und ich bin dafür verantwortlich.' dachte Dennis seufzend.

          Er liess wieder von der Tür ab, ging auf die Treppe zu und trottete diese lustlos runter. Was er unten wollte, wusste er selbst nicht so recht.

          Nun im Flur stehend, sah er sich gleichgültig um.

          Nichts war hier los.

          Er zuckte mit den Achseln und drehte sich wieder um, um sich zurück in das Gästezimmer aufzumachen. Doch da fiel ihm etwas auf, das er zuvor noch nicht gesehen hatte. Nicht weil er blind oder unachtsam gewesen war... es hatte sich nur kurz zuvor hier nur noch nicht hier befunden. Dann erinnerte er sich, daß er, als er zum ersten Mal hier unten stand, spürte wie irgendetwas zu fehlen schien. Nun, es war ein großes Portrait, welches zuvor eine große Lücke an der Wand hinterliess und mit seiner neuen Anwesenheit diese nun wieder schloß. Offenbar hatte man das Bild kurz zuvor abgehängt, damit Dennis es beim Betreten des Hauses nicht sah.

          Er ging näher heran, um es sich genauer anzusehen.

          Auf ihm war ein um mindestens 20 Jahre jüngerer McGillen zu sehen, der stolz mit einem Schwert posierte, während er in der rechten Hand einen bluttriefenden Dämonenkopf hielt.

          „Was für ein scheusslicher Kitsch.“ murmelte er kommentierend und ging wieder die Treppe hoch.


          * * * * *


          Zielstrebig, aber ohne Hast, kämpfte sich ein kleines rotes, spitzohriges Wesen den Weg durch zahlreiche Flammenwände frei. Sie konnten ihm nichts anhaben, seine Haut war feuerfest. Dennoch boten sie ein wenig Widerstand, welcher aber noch viel größer gewesen wäre, wenn das Wesen keine Zutrittserlaubnis gehabt hätte. Ohne diese Vollmacht wäre es ihm unmöglich gewesen diese zu durchqueren und sie hätten ihn wie harte Steinmauern nicht durchgelassen. Wobei Steinmauern für das Wesen überhaupt kein Problem dargestellt hätten.

          Nachdem es die letzte Wand durchschritten hatte, stand es in einem großen, von Flammen umhüllten Saal, in deren Mitte ein riesiger Thron stand. Auf ihm saß ein großer, ebenfalls rötlich gefärbter Dämon, aus dessen Kopf riesige Hörner ragten.

          Er schien ein kleines Nickerchen zu halten, bekam das Auftauchen des Besuchers gar nicht mit. Schon lange war er nicht mehr unbedingt der Jüngste und mit den Jahren etwas träge und weniger entscheidungsfreudig geworden. Wahrscheinlich würde es nicht mehr lange dauern, daß der Herrscher der Nord-Keltischen Hölle abgelöst werden würde. Doch das interessierte das kleine Wesen nicht weiter. Bis dahin war Gararoth sein Gebieter und so lange würde ihm auch seine Loyalität gelten. Als Sekretär war es seine Pflicht ihm und der Hölle treu zu bleiben.

          Es räusperte sich und versuchte damit auf sich aufmerksam zu machen.

          Gararoth öffnete verschlafen seine Augen und suchte nach dem, der für dieses Geräusch verantwortlich war.

          „Ah... Befunis...“ gab er schläfrig von sich. „Was gibt es?“

          „Es scheint als hätten wir einen neuen Pugnator. Der alte McGillen hat soeben abgedankt.“

          „Tatsächlich?“ gab Gararoth neugierig von sich. „Naja, es war mittlerweile damit zu rechnen. Nun... seine Tochter verspricht zumindest etwas Abwechslung.“

          „Der neue Pugnator ist nicht seine Tochter.“ verneinte Befunis.

          Diese Information weckte Gararoth vollständig auf. „Nicht?“ sagte er überrascht. „Wer ist es dann?“

          „Ich weiß es nicht.“ sagte Befunis und verbeugte sich dabei entschuldigend. „Es ist jemand, der uns völlig unbekannt und in keiner Kartei aufgeführt ist. Wir arbeiten bereits unter Hochdruck daran mehr über ihn herauszufinden.“

          „Hm.“ brummte Gararoth nachdenklich und kraulte mit den Klauen sein langes Kinn. „Eine sehr interessante Wendung. Nun denn... Ich denke, wir werden ihn auf jeden Fall bei dem morgigen Begrüssungsfest genauer kennenlernen. Ich freue mich schon darauf.“

          „Das tun wir alle. Ich habe bereits dafür gesorgt, daß die Vorbereitungen dafür begonnen haben.“

          „Oh, das ist sehr schön.“ freute sich Gararoth. „Diese Begrüssungsfeste sind immer wieder eine sehr heitere Angelegenheit. Eine wundervolle Tradition.“

          „So denke ich ebenfalls.“
          „Nun gut... Du kannst wieder gehen, Befunis.“ sagte der Oberdämon. „Ich werde mir derweil noch einen kleinen Schlummer gönnen, um dann gut erholt die Feier antreten zu können. Ich möchte diesem reizenden Ereignis auf keinen Fall im unausgeschlafenen Zustand beiwohnen. Dafür ist es viel zu selten.“

          „Selbstverständlich, Eure Regenz.“ sagte Befunis und verneigte sich abermals. Er drehte sich um und verliess wieder den Saal so wie er gekommen war.

          Derweil schloß Gararoth glücklich seine Augen und freute sich auf den morgigen Tag.


          ~ Ende von Story 1 ~
          ...somebody is videotaping me in my spaceship...

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          • #6
            also mein fazit des erstens teils: tolle story, schöne wendung am schluss und kaum fehler die ich finden konnte.

            ich kann nur noch mal betonen das mir die story und auch die idee wirklich gefällt und ich nur hoffe das das nicht alles war was du bisher geschrieben hast

            also hoffe ich mal auf viele weitere episoden und viel spaß für mich beim lesen


            LG
            nero
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