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ein Versuch, eine kleine Geschichte... Privateer

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  • ein Versuch, eine kleine Geschichte... Privateer

    Hi!

    Hm, ich weiß nicht so recht, ob das hier rein passt, aber ich versuche es einfach mal.
    Es geht um eine Fanfiction, basierend auf "Privateer II - The Darkening".

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    „Das Erwachen”


    Hermes. Für die meisten Bewohner des Tri-Systems war dies nur ein unbedeutender, dreckiger Planet, der das Glück hatte, zumindest von der Lage her nahe an den Metropolen Crius und Hades zu liegen. Dieses öde Stück Land war schon vor Jahren von Industrie und Handwerk verlassen worden, jetzt waren es Söldner, Piraten und andere eher unschöne Subjekte, die den Planeten besiedelten. Schmutz und Unrat bedeckten fast jede Strasse, man roch überall den ständigen Verfall der Gesellschaft. Der Tag begann und endete hier mit Tod, entweder durch Gewalt oder durch eine der zahlreichen Seuchen, die hier präsent waren. Alles in allem war dies ein Ort, den der vernünftige Mensch meiden sollte. Und all dies ging vermutlich auch jenem Fremden durch den Kopf, der erst vor wenigen Augenblicken das Cockpit seiner Maschine mit dem festen Asphalt der Landebahn getauscht hatte. Die Luft unter der Maschine flimmerte noch von der Hitze der Triebwerke, als ein Mann von der Wartungscrew auf ihn zu ging. „Sie haben da ja einen netten Vogel. Irgendwas dran zu machen?” Er deutete mit dem Kopf in Richtung Hangar. „Nein, danke.” Der Fremde deutete auf das kleine Anzeigegerät in den Händen des Mechanikers, offenbar war seine Zeit knapp bemessen und er wollte kein längeres Gespräch anfangen.. „Oh, ja doch.” Per Fingerabdruck bestätigte der Unbekannte seine Landung, dann ging er wortlos in Richtung der Dockschleusen, begleitet von den Blicken des Mechanikers. „Typen gibt's.” Mit diesen Worten wandte sich dieser wieder dem Alltagsgeschäft zu, er steuerte den nächsten Piloten an.
    Um diese Zeit platzte das Sinner’s Inn, eines der wenigen größeren Lokale auf Hermes, schon fast aus allen Nähten. Der Ausschank von Alkohol war auf Hermes erst vor zehn Jahren wieder erlaubt worden, innerhalb kurzer Zeit gab es wieder mehr Süchtige von Schnaps als von irgend einer anderen Droge. Nicht, dass es nichts anderes gab. Doch der Fusel war im Verhältnis eher billig, und meist blieb nur ein Kater am Morgen danach. Das Sinner’s Inn hatte seinen Zenit schon vor Jahren überschritten, trotzdem blieb eine Vielzahl von Besuchern der schmutzigen Bar treu. Hier im Sinner’s Inn floss das Bier im Übermaß, die meisten der mehr oder weniger Anwesenden würden das Lokal nicht mit eigener Kraft verlassen. Neben hochprozentigen gab es auch noch jede Menge an Glücksspielen und jungen Damen, die für ein paar Credits die Gäste mehr als nur nach Hause brachten. Die Luft im Lokal war erfüllt von lauter Musik, schreienden Menschen und dem ständigen und nervtötenden Geräuschen der Spielautomaten. Kurz, bei allem Fortschritt, den die Menschheit in den letzten Jahren erlebt hatte und den man sich voller Stolz auf das Banner der Zivilisation schrieb, gab es hier jeden Abend den Beweis, dass die Evolution per Promille wieder zurück geschraubt werden konnte. In all dem Durcheinander den Überblick zu behalten war selbst für den Besitzer, Joe Krane, nicht leicht. Um ehrlich zu sein – Joe war das Durcheinander seiner Gäste eher egal, was in seinen Augen zählte waren allein die Credits, die sie mit durch die Eingangspforte brachten. Es gab jedoch auch ein paar Gestalten, die sich auf neue Gesichter spezialisiert hatten. Und ihnen fiel der Mann, der gerade zur Tür rein kam, sofort auf. Im Halbdunkel des Raumes wurden Handzeichen gegeben, die alle auf den Fremden wiesen. Zwei Typen stellten sich ihm in den Weg. Der neue Gast hielt etwa einen halben Meter Abstand von ihnen ein. Die beiden musterten ihr Opfer. Das sah nicht sonderlich gefährlich aus, trug keine erkennbaren Waffen. Offenbar nur ein weiterer Privateer... also ein leichtes Ziel, zumindest in ihren Augen. Der kleinere der beiden ergriff das Wort. „Sieh mal, ein neuer Freund. Du brauchst doch noch Freunde oder? Und wir hier sind die besten Freunde, die du dir wünschen kannst.” Er sah auf seinen Kollegen, der fuhr fort. „Und weißt Du, so eine Freundschaft, die, na ja, ist eben nicht immer umsonst.” Er griff hinter sich und zog ein langes, scharfes Stilett aus seinem Hosenbund. Ihr Opfer zuckte nicht einmal mit der Wimper, sondern hob die rechte Hand. Wer jetzt etwas genauer in das Gesicht des Fremden gesehen hätte, der wäre vielleicht der Auffassung gewesen, dass er sichtlich amüsiert war. Er deutete an, dass die netten Zeitgenossen etwas näher kommen sollten. Die blieben jedoch besser dort, wo sie waren. Angst vor Verfolgung brauchten sie nicht zu haben, die Miliz blieb dieser Spelunke lieber fern. Der Fremde sah in den Raum. Ihm wurde schnell klar, dass er mit diesem Problem allein fertig werden musste. Er zeigte mit der Hand auf den Kerl mit dem Stilett. „Da haben wir wohl ein Problem.” Der Typ sah kurz auf seinen Freund, dann wieder mit Dauergrinsen auf den Fremden. „Warte es ab, wer hier gleich Probleme haben...” Er kam nicht mehr dazu, den Satz zu beenden. Das sicher geglaubte Opfer zeigt auf einmal unglaubliches Potential. Der Störenfried sah nicht mal genau, was ihn traf. Vermutlich war es genau die Hand gewesen, die kurz zuvor noch auf ihn gezeigt hatte. Plötzlich war da ein Schmerz. Der anfängliche Schock war blitzschnell verschwunden. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass sein Unterkiefer gebrochen war. Er ließ alles fallen, der Schmerz raubte ihm fast die Sinne. Mit unglaublicher Panik sah er auf den Mann, der noch vor wenigen Sekunden sein Ziel gewesen war. Der hatte inzwischen seinen Kumpel in der Mangel. Es wurde ein kurzer, lautloser Kampf. Seinem Freund wurde langsam schwarz vor Augen, er rang nach Luft. Der Fremde ließ ihn aber nicht los. Er versuchte, einen Schlag in die Seite des Mannes zu bringen. Der Schlag gelang auch, aber er hatte das Gefühl, auf eine Metallplatte zu treffen. Den Schmerz in seiner Hand fühlte er kaum, doch hatte er sich ein paar seiner Fingerknochen bei dem Manöver gebrochen. Luft! Der Fremde ließ ihn los, er taumelte zur Seite, fiel nach vorn auf die Knie. Sein Blick fiel auf seinen Partner, der verzweifelt versuchte, den Blutstrom aus seinem Mund zum Stillstand zu bringen. Das Stilett! Er griff danach, versuchte auf die Beine zu kommen. Mit schwerem Atem stach er zu. Das heißt, er versuchte es. Sein Arm wurde jedoch abgefangen, die Waffe glitt aus seinen Händen. Ein Schlag traf seine Brust. Ein zweiter nur Bruchteile einer Sekunde später seinen Nacken. Und die Welt um ihn herum wurde schwarz... Er schlug hart auf den Boden auf. Direkt neben seinen Partner, der versuchte, sich rücklings näher an die Wand zu begeben. Noch immer lief das Blut in Strömen aus seinem Mund. Der Blick des Verletzten blieb am Gegner hängen. Die Verletzung stammte nicht nur von der Hand des Fremden, sondern vielmehr von einem schweren Schlagringmesser, das dieser jetzt wieder in die Scheide zurück schob. Die Waffe war im Mantelärmel eingearbeitet, deshalb hatte man sie nicht gesehen. Der Fremde kam langsam näher. „Nein, bitte...” Der verletzte Angreifer sank immer weiter in Richtung Boden, er hielt sich die Hände schützend vors Gesicht. Der Fremde blieb vor ihm stehen, sah auf ihn herab. Dann griff er zu seinem kleinen Multicomputer, der sich in Brusthöhe am Mantel befand, und aktivierte den Notfallkanal. „Zwei Verletzte im Sinner’s Inn.” Langsam deaktivierte er das Gerät und wandte sich von dem blutüberströmten Mann ab. In wenigen Minuten, das wusste er, würden beide in Richtung Hospital unterwegs sein. Und keiner der zwei würde eine Aussage machen. Der Fremde wandte sich dem Tresen zu. Dort zeigte keiner auch nur im Ansatz Interesse an den Zwischenfall von eben. Er nahm auf einem der kleinen Barhocker Platz. „Nettes Empfangskomitee.“ Er strich sich mit der Hand durchs Haar. Der Barkeeper ging auf ihn zu. „Bitte lassen Sie in Zukunft den Ärger draußen.” Er deutete mit dem Kopf in Richtung Ausgang. „Und versuchen Sie das besser nicht auf Crius. Was kann ich Ihnen bringen?” „Informationen.” Der Barkeeper beugte sich vor. „Es ist hier normalerweise üblich, vorher was zu trinken. Das Gespräch gibt es dann umsonst.” Er stellte ein Glas mit einer trüben Flüssigkeit vor seinen neuen Gast hin. Der Gast griff danach und hielt es zunächst unter seine Nase. Der scharfe Geruch stammte garantiert nicht nur von den hohen Prozenten des Alkohols. Er stellte das Glas wieder hin und griff erneut zum Computer. „Ich habe Ihnen gerade eine kleine Summe überwiesen, für das Getränk, versteht sich.” Der Barkeeper warf kurz einen Blick auf seine Registrierkasse, ein schiefes Lächeln glitt über sein Gesicht. „Nun, da Sie etwas zu trinken haben, können wir uns unterhalten. Ich bin Joe.” Er reichte seine Hand über die schmutzigen Tresen. Der Fremde erwiderte den Gruß. „Sie suchen nach Arbeit, oder? Ich meine, Ihre Talente haben wir ja schon gesehen.” Er wischte sich die Hände an einem Handtuch, das über seine Schulter hing, ab. „Ich sehe schon, Sie sind ein Mann fürs Grobe. Oder?” Der Gast sah kurz in sein Glas. „Arbeit habe ich genug. Ich suche aber jemanden.” Joe zog die Augenbrauen hoch. „Nun, ich kann mich ja mal umhören. Natürlich brauche ich noch einen Namen.” „Santana, Angus Santana!” Joe schien kurz zu überlegen. „Santana ist auf Anhur. Dort hat er sein Büro.” „Ich weiß das auch. Ich will aber wissen, ob und wann er seinen Schreibtisch verlässt!” Joe rückte näher an seinen Gast heran. Er sah nach rechts und links, dann auf seinen Gegenüber. „Hören Sie, ich glaube, dass Sie da einen Fehler machen. Santana ist ein Senator. Er hat Verbindungen zur höchsten Ebene. Sie sterben bei dem Versuch.” Sein Gast zögerte nicht lange mit der Antwort. „Es interessiert mich recht wenig, was er glaubt zu sein. Er schuldet mir noch meinen letzten Sold. Außerdem hat ein Auftrag dieses Mannes dazu geführt, dass mein Partner sein Leben verloren hat. Er hat also noch was bei mir gut, und ich lasse ungern Rechnungen lange offen stehen.” „Alle Politiker sind so, mein Freund. Aber ich werde sehen, was ich tun kann.” Der Fremde stand auf und überreichte Joe seine Visitenkarte. „Sie erreichen mich unter dieser Nummer.” Der Unbekannte drehte sich in Richtung Tür um und ging. Im Vorbeigehen warf er einen kurzen Blick auf die beiden Typen, die ihm fast die Laune ruiniert hatten. Der medizinische Dienst war bereits dabei, die zwei zu versorgen. Der, dem er den Kiefer zertrümmert hatte, sah ihm angstvoll hinterher. Der Fremde drehte sich noch mal kurz um, warf einen letzten Blick auf das Lokal, dann ging er. Joe sah ihm nach, dann sah er auf die Karte, die ihm der Fremde da gelassen hatte. „Nun, Ser Deacan Tron, ich glaube, du hast dir da ein Problem eingebrockt. Dein Gegner ist nicht zu unterschätzen. Auf der anderen Seite, vielleicht schaffst du uns ja ein Übel mehr vom Hals.” Er steckte die Karte ein, griff das unbenutzte Glas seines Gastes und übergab es an seine Bedienung. „Tisch zwei.” Die Dame ergriff das Glas und begab sich zum genannten Tisch.

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::.

    Gefällt's?

    Deacan

  • #2
    Mal 'ne Frage: soll ich das fortsetzen oder ist das zu weit vom SciFi Mainstream entfernt?

    (sind nämlich Auszüge aus einen -unveröffentlichten- Buch meinerseits, das es zwar in gedruckter Form gibt, das aber nicht so ohne weiteres veröffentlicht werden kann - es ist halt ein Kreuz mit Copyrights und so'n Zeug...)

    Anbei: mal als Anhang - die kleine Auflage für meinen Freundeskreis, als kleines Geschenk gedacht...

    Deacan

    PS: hatte schon mal überlegt, das ganze als .pdf irgendwo zu hinterlegen...
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von Deacan; 14.02.2006, 20:15.

    Kommentar


    • #3
      hmm..mja, hab schon schlechteres gelesen
      Achte etwas auf den Satzbau und die Wortwahl. Beim Kampf hatte ich etwas mühe zu volgen, vielleicht lags aber auch mehr an der Uhrzeit.
      Understanding the scope of the problem is the first step on the path to true panic.

      - Florance Ambrose

      Kommentar


      • #4
        Auf der Suche nach einer Bleibe wurde Deacan schnell fündig. Es gab freie Zimmer in Massen, die meisten Besucher auf Hermes blieben aber nie über Nacht. Ein Grund war die Tatsache, dass sich so mancher Gast am nächsten Morgen in ziemlich totem Zustand wieder fand.
        Die Miliz war dann immer sehr bestürzt, mehr aber auch nicht. Jeder wusste, dass man mit ein paar Credits jeden der Typen in Uniform kaufen konnte. Einige waren sogar selbst zum Mord bereit, insofern der Preis stimmte.
        Deacan blieb jedoch keine Wahl, er wollte sich hier noch mit einigen anderen Söldnern treffen, die jedoch erst in etlichen Stunden hier eintreffen würden. Er wählte schließlich ein Motel mit Namen Free End, das nach außen wenigsten halbwegs so aussah, als würde hier die Bettwäsche nach jedem Gast gewechselt werden. Zumindest unterschied sich die Wandfarbe des Motels von dem Strassendreck davor um einige Farbnuancen. In der Vorhalle standen einige junge Damen, die sich selbst nach etwas mehr als nur einem Schlafplatz umsahen.
        Kaum war Deacan sich mit dem Motelbetreiber handelseinig, kamen auch schon zwei der Damen auf ihn zu. Sie bauten sich vor dem Privateer auf, als würde es kein Morgen geben. Das Wort „aufreizend“ würde wohl an dieser Stelle eher geschmeichelt klingen – es kam der Sache nur ansatzweise nahe.
        „Party on, Kleiner. Ist noch Platz in deinem Bett?”
        Deacan verzog keine Miene und schob die Kleine grob beiseite. Für derartige Dinge hatte er keine Zeit. Die Reaktion der jungen Dame kam postwendend. Der blonde Engel griff dem Söldner kurzerhand an die Hose.
        „Ist da wirklich kein Platz mehr?“
        Deacan hielt inne, dachte kurz nach. Vielleicht waren die zwei ja doch zu etwas zu gebrauchen.
        „Ihr wollt also Spaß haben, ja? Dann kommt mit.”
        Die beiden Mädchen, die bestimmt noch nicht das zwanzigste Lebensjahr überschritten hatten, lächelten sich gegenseitig an.
        „Geschafft!” sagte die Blonde und schlug ihrer Freundin leicht in die offene Hand. Sie folgten Deacan dichtgedrängt in die zweite Etage. Etwas Gutes hatte das Ganze aber doch, das schwere Parfum seiner aufdringlichen Begleitung lenkte ungemein von den anderen Gerüchen ab, die wie ein Dunstschleier über den Fluren hingen.
        Schnell hatte er sein Zimmer gefunden und schloss die Tür auf. Seine Begleiterinnen schoben sich an ihm vorbei, betraten den Raum als erste. Deacan holte kurz tief Luft, bevor er selbst eintrat. Die Mädels waren inzwischen dabei, sich ihrer Kleidung zu entledigen und sie taten das mit atemberaubender Geschwindigkeit.
        „Moment.”
        Die beiden sahen sich an, zuckten dann kurz mit den Schultern.
        „Sag uns, was du magst. Wie wäre es mit...”
        Deacan kam auf sie zu, hielt ihr den Mund zu. Eigentlich wollte er ohnehin nicht das hören, was jetzt über ihre Lippen kommen würde, aber der wahre Grund für seine Reaktion lag ganz woanders. Sie stutzte, er legte seinen Zeigefinger auf seine Lippen.
        „Psssst!“ Er griff nach seinem Computer, stellte den aktiven Scanmodus ein und untersuchte das Zimmer. Volltreffer. Unter dem Rahmen eines absolut geschmacklosen Bildes entdeckte das Gerät verräterische Spuren. Deacan nahm es von der Wand. Auf der Rückseite befand sich ein kleiner Sender, ein leicht modifiziertes System von Abhörgeräten. Alles in allem keine schlechte Arbeit. Es wirkte sogar fast professionell.
        Deacan war sich sicher, dass die Anlage nicht speziell ihm gegolten hatte. Fast alle Motels betrieben einen separaten Abhörraum. Man wusste ja nie, vielleicht war aus dem einen oder anderen Gast noch mehr rauszuholen? Er entfernte kurzerhand die Energiezelle und nahm den Speicherchip an sich. Dann scannte er den Raum nochmals, fand aber nichts.
        „Bist du jetzt langsam fertig? Oder sind wir die nächsten für dein elektronisches Spielzeug da?”
        Die Blonde wurde langsam ärgerlich. Außer ihren Strümpfen trug sie nichts mehr. Deacan war aber nicht nach Sex, obgleich er aber zugeben musste, dass beide durchaus hübsche Exemplare der seltsamen Spezies Frau waren. Er brauchte aber etwas anderes.
        „Komm her.”
        Er wies auf einen Stuhl. Sie kam seiner Aufforderung nach und nahm breitbeinig darauf Platz. Er ging auf sie zu, baute sich vor ihr auf. Die andere lag auf dem Bett und schaute den beiden zu. Auch ihr Bekleidungsniveau lag bei null.
        „Hör mir zu. Ich habe ehrlich gesagt nicht die Absicht, hier mit euch eine Nummer zu schieben.”
        Das Girl auf dem Bett reagierte zuerst.
        „Soll das heißen, du willst nicht? Oder du kannst nicht?”
        Deacan warf ihr einen kurzen Blick zu.
        „Keine Angst. Ihr seid nicht umsonst hier, ich bin durchaus großzügig. Wie klingen dreihundert Credits, für jede von euch?”
        „In Voraus?”
        „Ja. Und pro Tag. Ich schätze mal, das ist mehr, als ihr normalerweise verdient, oder?”
        Die Blonde griff nach Deacans Hand.
        „Wofür brauchst du uns? Willst du uns dabei zusehen?”
        „Ich sagte doch, ich verlange nicht nach Sex. Ihr sollt für mich arbeiten, oder besser gesagt, etwas tun. Es ist einfach und ungefährlich. Bei Erfolg gibt es eine Art Prämie. Einverstanden?”

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        • #5
          Auf der Suche nach einer Bleibe wurde Deacan schnell fündig. Es gab freie Zimmer in Massen, die meisten Besucher auf Hermes blieben aber nie über Nacht. Ein Grund war die Tatsache, dass sich so mancher Gast am nächsten Morgen in ziemlich totem Zustand wieder fand.
          Die Miliz war dann immer sehr bestürzt, mehr aber auch nicht. Jeder wusste, dass man mit ein paar Credits jeden der Typen in Uniform kaufen konnte. Einige waren sogar selbst zum Mord bereit, insofern der Preis stimmte.
          Deacan blieb jedoch keine Wahl, er wollte sich hier noch mit einigen anderen Söldnern treffen, die jedoch erst in etlichen Stunden hier eintreffen würden. Er wählte schließlich ein Motel mit Namen Free End, das nach außen wenigsten halbwegs so aussah, als würde hier die Bettwäsche nach jedem Gast gewechselt werden. Zumindest unterschied sich die Wandfarbe des Motels von dem Strassendreck davor um einige Farbnuancen. In der Vorhalle standen einige junge Damen, die sich selbst nach etwas mehr als nur einem Schlafplatz umsahen.
          Kaum war Deacan sich mit dem Motelbetreiber handelseinig, kamen auch schon zwei der Damen auf ihn zu. Sie bauten sich vor dem Privateer auf, als würde es kein Morgen geben. Das Wort „aufreizend“ würde wohl an dieser Stelle eher geschmeichelt klingen – es kam der Sache nur ansatzweise nahe.
          „Party on, Kleiner. Ist noch Platz in deinem Bett?”
          Deacan verzog keine Miene und schob die Kleine grob beiseite. Für derartige Dinge hatte er keine Zeit. Die Reaktion der jungen Dame kam postwendend. Der blonde Engel griff dem Söldner kurzerhand an die Hose.
          „Ist da wirklich kein Platz mehr?“
          Deacan hielt inne, dachte kurz nach. Vielleicht waren die zwei ja doch zu etwas zu gebrauchen.
          „Ihr wollt also Spaß haben, ja? Dann kommt mit.”
          Die beiden Mädchen, die bestimmt noch nicht das zwanzigste Lebensjahr überschritten hatten, lächelten sich gegenseitig an.
          „Geschafft!” sagte die Blonde und schlug ihrer Freundin leicht in die offene Hand. Sie folgten Deacan dichtgedrängt in die zweite Etage. Etwas Gutes hatte das Ganze aber doch, das schwere Parfum seiner aufdringlichen Begleitung lenkte ungemein von den anderen Gerüchen ab, die wie ein Dunstschleier über den Fluren hingen.
          Schnell hatte er sein Zimmer gefunden und schloss die Tür auf. Seine Begleiterinnen schoben sich an ihm vorbei, betraten den Raum als erste. Deacan holte kurz tief Luft, bevor er selbst eintrat. Die Mädels waren inzwischen dabei, sich ihrer Kleidung zu entledigen und sie taten das mit atemberaubender Geschwindigkeit.
          „Moment.”
          Die beiden sahen sich an, zuckten dann kurz mit den Schultern.
          „Sag uns, was du magst. Wie wäre es mit...”
          Deacan kam auf sie zu, hielt ihr den Mund zu. Eigentlich wollte er ohnehin nicht das hören, was jetzt über ihre Lippen kommen würde, aber der wahre Grund für seine Reaktion lag ganz woanders. Sie stutzte, er legte seinen Zeigefinger auf seine Lippen.
          „Psssst!“ Er griff nach seinem Computer, stellte den aktiven Scanmodus ein und untersuchte das Zimmer. Volltreffer. Unter dem Rahmen eines absolut geschmacklosen Bildes entdeckte das Gerät verräterische Spuren. Deacan nahm es von der Wand. Auf der Rückseite befand sich ein kleiner Sender, ein leicht modifiziertes System von Abhörgeräten. Alles in allem keine schlechte Arbeit. Es wirkte sogar fast professionell.
          Deacan war sich sicher, dass die Anlage nicht speziell ihm gegolten hatte. Fast alle Motels betrieben einen separaten Abhörraum. Man wusste ja nie, vielleicht war aus dem einen oder anderen Gast noch mehr rauszuholen? Er entfernte kurzerhand die Energiezelle und nahm den Speicherchip an sich. Dann scannte er den Raum nochmals, fand aber nichts.
          „Bist du jetzt langsam fertig? Oder sind wir die nächsten für dein elektronisches Spielzeug da?”
          Die Blonde wurde langsam ärgerlich. Außer ihren Strümpfen trug sie nichts mehr. Deacan war aber nicht nach Sex, obgleich er aber zugeben musste, dass beide durchaus hübsche Exemplare der seltsamen Spezies Frau waren. Er brauchte aber etwas anderes.
          „Komm her.”
          Er wies auf einen Stuhl. Sie kam seiner Aufforderung nach und nahm breitbeinig darauf Platz. Er ging auf sie zu, baute sich vor ihr auf. Die andere lag auf dem Bett und schaute den beiden zu. Auch ihr Bekleidungsniveau lag bei null.
          „Hör mir zu. Ich habe ehrlich gesagt nicht die Absicht, hier mit euch eine Nummer zu schieben.”
          Das Girl auf dem Bett reagierte zuerst.
          „Soll das heißen, du willst nicht? Oder du kannst nicht?”
          Deacan warf ihr einen kurzen Blick zu.
          „Keine Angst. Ihr seid nicht umsonst hier, ich bin durchaus großzügig. Wie klingen dreihundert Credits, für jede von euch?”
          „In Voraus?”
          „Ja. Und pro Tag. Ich schätze mal, das ist mehr, als ihr normalerweise verdient, oder?”
          Die Blonde griff nach Deacans Hand.
          „Wofür brauchst du uns? Willst du uns dabei zusehen?”
          „Ich sagte doch, ich verlange nicht nach Sex. Ihr sollt für mich arbeiten, oder besser gesagt, etwas tun. Es ist einfach und ungefährlich. Bei Erfolg gibt es eine Art Prämie. Einverstanden?”

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          • #6
            *

            Das einfallende Licht der Sonne weckte Monica, so der Name des blonden Girls. Neben ihr lag Jenna, noch immer im Tiefschlaf. Sie sah sich um. Der Raum war mit Ausnahme des Mobiliars leer, von ihrem nächtlichen Kunden war weit und breit nichts zu sehen. Was war eigentlich in den vergangenen Stunden geschehen?
            „Verflucht, Jenna, ich glaube der Kerl hat uns beschissen.”
            Sie griff Jenna an die Schulter, versuchte sie zu wecken. Jenna reagierte langsam, sie streckte sich quer übers Bett.
            „Was ist? Wie spät ist es eigentlich?”
            „Der Kerl haut ab, zahlt möglicherweise nicht, und alles was dir dazu einfällt ist es, zu fragen wie spät es ist? Erst die Kohle, dann der Spaß, oder? Wieso haben wir das gestern vergessen?”
            „Vielleicht; weil ich Vertrauen erwecke?”
            Deacan stand in der Tür. Mit schweren Schritten ging er auf das Bett zu. Monica rückte näher an Jenna. Erst jetzt bemerkte sie das ungewöhnliche Aussehen von Deacan. Er trug unter seinem Mantel eine Art Schutzweste aus kugelsicherem Material, schwere Stiefel, fingerlose Handschuhe aus Leder mit aufgesetzten Metallnieten. Er war wohl noch nicht zum rasieren gekommen. Eine kleine kreisrunde Narbe zierte seine Stirn. Eine zweite seine Schläfe. Langes, dunkles Haar umrandete sein Gesicht, es bedeckte seine Schultern. Er machte einen weiteren Schritt auf das Bett zu.
            „Ich dachte mir, dass ihr vielleicht Hunger habt. In dieser Bleibe gibt es leider nichts zu essen, ich schlage daher vor, zu gehen.”
            Monica griff zu ihrem Datenträger. Das Gerät war ähnlich aufgebaut wie Deacans Multicomputer, es war allerdings nur für die Identität des Besitzers und dessen Kontostand wichtig, sozusagen eine Art Personalausweis und Kreditkarte. Sie wollte es gerade überprüfen, als Deacan nach ihrer Hand griff und sie festhielt.
            „Also erwecke ich kein Vertrauen, mh? Wirklich schade, aber nur zu, überprüf das Gerät. Du wirst feststellen, dass dein Kontostand jetzt wieder im grünen Bereich ist.”
            Monica überlegte kurz. Es gab keinen eigentlich Grund ihm zu trauen. Also warf sie einen Blick auf ihre Credits. Ihr Gastgeber hatte tatsächlich nicht gelogen, als er sagte, das er gezahlt hatte. Sie wies auf Jenna, die sich die Bettdecke über den Kopf gezogen hatte und mit dem Aufstehen noch immer nichts am Hut hatte. „Jenna hat ebenfalls wieder Geld, die vereinbarte Summe.” Deacan setzte sich auf die Bettkante. Er griff nach Monicas Kleidung, hielt sie ihr unter die Nase.
            „Wie war es doch mit dem Frühstück? Keine Angst, Rechnung geht an mich.”
            „Wenn das so ist.”
            Monica nahm Deacan das Klamottenbündel ab. Der Privateer erhob sich, zeigte auf Jenna. „Wecke sie. Ich erwarte euch in fünfzehn Minuten vor dieser Absteige. Wir sprechen dann beim Essen über den Gefallen, um den ich euch gestern gebeten habe.”
            „Sagen Sie, sind Sie verheiratet?”
            Monica sah Deacan an. Der zog nur die Augenbraue hoch.
            „Ist das wichtig?”
            Monica zwängte sich in die viel zu enge Korsage.
            „Ich dachte nur, ein Kerl wie Sie, mit so viel Kohle, der hat doch bestimmt jemanden, der auf ihn wartet. Ich meine mit Kind und so.”
            Deacan reagierte mit einem Lächeln.
            „Um deine Neugier zu befriedigen: nein. Weck einfach die Kleine, und dann komm.”
            Er trat durch die Tür nach draußen und warf sie ins Schloss. Monica konnte deutlich seine Schritte hören, die sich rasch entfernten. Sie stieß Jenna in die Seite.
            „Süße, erheb dich. Ich spüre, das wir kurz davor stehen, diesen blöden Ort hier zu verlassen.”
            „Wir sind noch nie lange in einem Motel geblieben.”
            „Ich meine nicht das Motel, sondern diesen verfluchten Planeten. Hermes.”
            Jenna streckte den Kopf unter der Decke hervor.
            „Bist du sicher?”
            „Sicher nicht, aber dieser Typ könnte unsere Eintrittskarte zur Freiheit sein. Überall ist es besser als hier. Glaub mir.”
            „Und was willst du woanders machen? Unser Beruf ist nicht überall erlaubt.”
            „Und? Hat uns das jemals gestört? Komm hoch, dieser Typ, wie war doch gleich sein Name?”
            „Deacan.”
            „Ja, genau, Deacan wartet auf uns.”
            Jenna erhob sich und trottete ins Bad. Dabei versuchte sie, ihre in alle Richtungen abstehenden Haare irgendwie zu bändigen.
            „Ich glaube, ich sollte nie wieder so lange schlafen. Ich fühle mich wie gerädert. In Zukunft nur ‘ne schnelle Nummer, und dann ab zum nächsten, hörst du?”

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            • #7
              Teil 5

              Auf Hermes ein Zimmer zu kriegen, das war so gesehen leicht. Einen Ort zu finden, wo man ohne Risiko etwas essen konnte, war dagegen um so schwerer.
              Ein Risiko gab es deshalb, weil die meisten Lokale alles andere als sauber waren. Nach gut zwanzig Minuten intensiver Suche entdeckte Deacan ein kleines Bistro im alten Stil von Crius, dem vielleicht saubersten Planeten des gesamten Tri-Systems.
              Auf den Tischplatten hier lagen sogar echte, saubere Tischdecken und das Besteck war nicht aus Kunststoff.
              Da Deacan wie fast alle Privateers nicht sesshaft war, war er auf Lokale und ähnliches angewiesen, er hatte schon viel gesehen und noch mehr probiert.
              Aber die Art, wie Monica und Jenna ihr fades Essen herunterschlangen, war einzigartig.
              „Kaut ihr eigentlich mal zwischendurch?”
              Jenna sah auf Deacan, die Hälfte der Nudeln hing ihr noch aus dem Mund.
              „Was?”
              Monica griff zum Glas, die darin befindliche Imitation von Orangensaft war an sich recht gut gelungen. Mit hastigen Schlucken leerte sie es.
              „Kann ich bitte noch eins bekommen?”
              Deacan stellte ihr sein Glas hin. Sie nickte dankend.
              „Weist du, meist bleibt nicht viel zum Essen. Ich meine an Geld. Meist wird man von Pennern angemacht, die einen modifizierten Scanner dabei haben.
              So einen wie du. Die greifen sich deine Karte, ziehen dir das Geld runter, und wenn du echt Pech hast, benutzen sie dich noch zum..., du weißt schon was.”
              Jenna ergriff das Wort.
              „Wir können froh sein, wenn uns jemand mal was ausgibt. Kommt leider viel zu selten vor. Das Problem ist, das es hier zu viele von unserer Sorte gibt.”
              Sie gestikulierte mit ihrer Gabel.
              „Nur die Hälfte des hier anschaffenden Personals müsste verschwinden, und wir könnten halbwegs gut leben.”
              Deacan gab dem Kellner ein Zeichen. Der kam auch gleich an den Tisch.
              „Sie wünschen?”
              „Bringen sie noch mal das gleiche. Für uns alle.”
              Der Mann zögerte einen Moment.
              „Nun, sehen Sie, ich möchte Sie darauf hin weisen, dass erst die bereits eingenommene Mahlzeit bezahlt werden muss.”
              Deacan griff an seinen Mantelkragen, zum Multicomputer. Er überwies nicht nur die Summe für die erste Runde, sondern auch gleich die zweite Rechnung.
              Der Kellner verschwand mit eiligen Schritten in Richtung Küche.
              „Der Typ glaubt wohl, dass wir pleite sind, oder?”
              Monica sah ihm ärgerlich hinterher. Deacan winkte ab.
              „Nein, er ist gezwungen, so zu handeln. Jeder hier will meist erst das Geld sehen. Sogar die Lokale. Und ihr beide müsstet das doch wohl am besten wissen, oder?”
              Jenna legte die Gabel auf den leeren Teller. Dann griff sie nach Deacans Hand.
              „Ich habe nicht mehr so viel Spaß gehabt, seit... ich weiß es nicht mehr. Du bist anders. Wo kommst du eigentlich her?”
              Der Söldner wollte sie nicht vor den Kopf stoßen. Er war nicht anders. Vielleicht nicht so kalt im Umgang mit anderen Menschen. Es sei denn... sie funkten ihm dazwischen.
              Er konnte eiskalt töten, nicht auf Planeten, das verbot seine Mitgliedschaft in der Söldnergilde, sondern draußen, im All. Dort hatte sein Ziel kein richtiges Gesicht, es war nur Metall, geformt und mit Waffen versehen.
              „Ich stamme von Tersa, der Raumstation.”
              In Gedanken war er aber noch immer mit Jennas Meinung über ihn beschäftigt.
              „Was diesen Gefallen angeht, du könntest uns jetzt mehr davon erzählen.”
              „Nun gut. Ich brauche euch, um einen Freund von mir zu überwachen.”
              Jenna sah auf, ihre Augen funkelten, als wäre sie bereits Feuer und Flamme.
              „Ehrlich? Wir sollen für dich spionieren?”
              „Nicht so ganz. Sein Name ist Ferdos. Er arbeitete bis vor kurzem als Sekretär für Angus Santana. Ich denke mal, ihr kennt ihn von seinen Wahlsendungen vor einem Jahr.”
              Monica dachte kurz nach,
              „Meinst du diesen geleckten Kerl, der immer mit diesem Baron Vonx herum spaziert?”
              „Ich sehe, du schaust dir nicht nur die Angebote für knappe Unterbekleidung an. Ich sorge dafür, dass ihr in die Nähe von Ferdos gelangt.
              Versucht, möglichst lange in seinen Diensten zu bleiben! Ach ja, bevor ich es vergesse: der Typ ist ehrlich gesagt ein wenig pervers, aber ich denke, dass ihr damit klar kommt, solange es dauert bezahle ich euch.”
              Jenna erblickte das Essen, dass gerade an den Tisch gebracht wurde.
              „Großartig!”
              Sie ergriff wieder ihre Gabel und begann sich das Mahl einzuverleiben.
              „Wie kommen wir in Kontakt?”
              Deacan griff in seine Manteltasche. Er förderte zwei kleine Metallpins ans Tageslicht.
              „Tragt das. Wo ist egal. Es sind Speicherchips. Jedes Wort im Umkreis von drei Metern wird aufgezeichnet. Wenn er von euch genug hat, kommt zu mir und liefert die Dinger ab.”
              „Du sprachst von einer Prämie, erinnerst du Dich?”
              „Ich habe es nicht vergessen. Ich bringe euch von diesem Ödland runter. Das Ziel bestimmt ihr. Einverstanden?”
              Monica vergaß das Essen.
              „Wirklich? Du bringst uns von hier weg?”
              „Ja. Ich werde außerdem dafür sorgen, dass ihr gut unterkommt.”
              Er sah Jenna an, sie antwortete mit einem Lächeln. Dieser Typ schien wirklich ihr Ticket nach draußen zu sein. Wenn nicht noch was dazwischen kommen würde.
              Deacan machte aber nicht den Eindruck, als ob er sich von irgendwas abbringen ließe.
              Nach dem Essen arrangierte Deacan ein „zufälliges” Aufeinandertreffen der beiden Mädels und seiner Zielperson.
              Die zwei stellten sich recht clever an, was realistisch gesehen auch nicht so schwer war – Männer können meist besser gucken als denken, innerhalb von wenigen Minuten verschwanden sie mit ihrem Opfer in dessen Hotel.
              Was sie dort trieben, war ihm egal, Hauptsache, er erhielt die Informationen, die er benötigte.

              *
              Der Söldner selbst hatte jetzt ein Treffen der anderen Art.
              Hermes war der Ort der halbjährigen Konferenz einer der vielen Söldnergilden, und Deacan war verpflichtet, daran teilzunehmen.
              Den Mitgliedern der Gilde standen besondere Aufträge zu, sie arbeiteten nicht nur als Geleitschutz für Frachtmaschinen oder als Kontrolle für diverse Handelsrouten. Nein, ihr Aufgabengebiet war weit spezieller.
              Es umfasste Operationen, die direkt von der CIS, der Miliz des Tri-Systems also, in Auftrag gegeben wurden. Normalen Piloten standen derartige Aufträge nicht zu, sie mussten sich mit dem zufrieden geben, was das sogenannte Kabinensystem der CCN hergab.
              Die CCN, die Behörde für Handel und Verkauf, vergab Missionen zum Schutz von Frachtern, die in deren Auftrag flogen. Richtig zur Sache ging es hierbei meistens nicht. Dies waren eher Aufträge für Piloten, die es lieber ruhig und gesittet haben wollten.
              Deacan trat der Gilde vor etwa zwei Jahren bei, zuvor flog er als Flügelmann für ein paar Credits mit den Spitzenpiloten. Die erkannten sehr schnell seine Begabung, so dass kurze Zeit später sich die Gilde bei ihn meldete.
              Zunächst zögerte er. Die Nachrichten waren zu jener Zeit voll von Meldungen über tote Piloten, die meisten von ihnen waren im Gildenauftrag unterwegs.
              Die immer stärker werdende Präsenz von Piraten in den Sektoren rund um Hermes und Anhur kostete Dutzenden von Piloten das Leben. Auf der anderen Seite lockte natürlich das Geld. Nicht selten gab es vier- oder sogar fünfstellige Summen.
              Deacan trat schließlich den White Wolfs bei, eine der älteren und größeren Gilden. Er besuchte inzwischen zum vierten Mal die Versammlung, bisher verlief es dort immer nach dem gleichen Schema: Wie viele Abschüsse, wer wird vermisst, neue Waffen und Schiffsmodule.
              Beim letzten Treffen ging es außerdem um eine geplante Großoffensive gegen den Papago-Clan, bei der die CIS Hilfe benötigte. Aufgrund der angekündigten Prämien standen viele Söldner bereit, von denen aber etliche ihr Können und die Leistung ihrer Jäger überschätzten.
              Als Deacan den riesigen und angenehm hellen Saal betrat, bemerkte er das Fehlen von einigen Piloten der Gilde. Es wurden von Jahr zu Jahr weniger, neue und talentierte Piloten waren selten.
              Die Versammlung fand im angemieteten Liberty Hotel statt, zum ersten Mal. Der genaue Ort wurde immer bis kurz vor Beginn geheim gehalten, um unliebsame Gäste fern zu halten. Auch wechselte man stets den Ort, es wäre ein Verlust für das gesamte Tri-System, wenn die einzelnen Piratenclans ihre Drohung, jeden Söldner der Gilde auf einen Schlag kalt zu stellen, in die Tat umsetzen würden.
              Deacan fand schnell seinen Platz, freundlich, aber bestimmt wies er den Kellner ab. Er war nicht zum Feiern hier, vielmehr hoffte er auf ein privates Gespräch mit dem Gildenführer.
              Der saß wie immer am Kopfende der Tafel und studierte aktuelle Berichte seiner Leute. Deacan sah sich um. Sieben Plätze an der langen Tafel waren verwaist, es war unwahrscheinlich, dass die Besitzer noch erscheinen würden. Als einige Minuten später die Kellner den Saal verließen und die Türen verschlossen, wurde es still.
              Der Vorsitzende, Kyle Ricards, erhob sich. Die vergangenen Jahre hatten tiefe Spuren in seinen Gesicht hinterlassen, das wenige Haar wurde mehr und mehr grau.
              „Meine Freunde. Wieder ist ein halbes Jahr hier im Tri-System vergangen, wieder haben wir uns versammelt, um Bilanz zu ziehen. Leider ist es traurige Tradition geworden, dass wir mit einer Schweigeminute für unsere verstorbenen Kameraden beginnen.”
              Ricards senkte den Blick. Die meisten der Piloten taten es ihm gleich,
              Deacan jedoch sah in die Runde. Als er die gesuchte Person am anderen Ende des Tisches fand, atmete er hörbar auf.
              Das Ziel seines Interesses hieß Jake Kenner, er hatte sich vor einem Jahr auf Deacans Bitte hin um die Mitgliedschaft beworben und war akzeptiert worden. Kurze Zeit zuvor diente er Deacan als Flügelmann.
              Während dieser Zeit bekam er den Ruf eines zuverlässigen Piloten, einige Leute waren sogar der Meinung, mit ihn zu fliegen käme einer Lebensversicherung gleich.
              Die Minute des Schweigens wurde wieder von Ricards beendet. Er setzte sich, griff nach seinen Unterlagen und begann mit den Berichten der Piloten.
              Richtige Erfolge waren nicht zu verzeichnen, selbst wenn die Abschusszahlen wieder mal in die Hunderte ging. Seltsamerweise ging den Piraten nie der Nachwuchs aus. Was einen vernunftbegabten Menschen dazu bewog, ohne guten Grund Kopf und Hals zu riskieren, auf die Miliz zu feuern und schließlich als Steckbrief zu enden, keiner konnte das so recht verstehen.
              Es dauerte noch über zwei Stunden, ehe Ser Ricards zum Ende kam. Er wünschte den Piloten viel Glück bei ihrer Arbeit, verteilte noch einige Listen mit gesuchten Personen und begann dann damit, sich unter das Volk zu mischen.
              Jede dieser Versammlungen endete mit einer kleinen Feier, Alkohol gab es ohne Ende, viele Piloten vermieden es aber zu trinken, meist wartete noch ein Auftrag auf sie.
              Deacan drängte sich an dem völlig überladenen Buffet vorbei in Richtung Ricards. Der war gerade in ein Gespräch mit einen jüngeren Privateer vertieft.
              Deacan konnte sich gut vorstellen, um was es da ging. Er hatte es ja nicht nötig, anderen Leuten Honig ums Maul zu schmieren, nein, über diese Dinge war er schon lange hinaus gewachsen. Demonstrativ baute er sich vor Ricards auf, sodass dieser ihn gar nicht übersehen konnte.
              Ricards sah kurz in Deacans Gesicht, dann klopfte er seinem jungen Gesprächspartner auf die Schulter.
              „Weiter so, mein Junge. Würden Sie mich bitte kurz entschuldigen, ich stehe Ihnen in Kürze wieder zur Verfügung. Amüsieren Sie sich noch gut.”
              Sein Blick zeigte sehr deutlich, wie entnervend das Thema der Konversation gewesen sein musste. Er wies mit der Hand in Richtung Tür. Deacan nickte, und begab sich schnellen Schrittes in die angegebene Richtung.
              Ricards hatte einige Mühe zu folgen, die meisten wollten ihn irgendwie nicht gehen lassen. Er überwand jedoch die Massen und wies Gespräche ab, er habe etwas Wichtiges zu erledigen gab er dann als Erklärung an. Deacan hielt ihm die Tür zu einem kleinen Büro auf. Ricards atmete schwer.
              „Ser Tron, ich hoffe, es ist wichtig. Sie wissen doch, wie sehr meine Anwesenheit hier geschätzt wird.”
              Er ließ sich in einen antiken, dunkelgrünen Sessel fallen. Deacan lächelte, Ricards tat ihm für einen kleinen Augenblick lang leid. Tauschen würde er aber nie mit ihm. Um keinen Preis.
              Er blieb vor dem Gildenführer stehen.
              „Es geht um Sindas.”
              „Er ist tot. Wie sechs andere auch.”
              Der Söldner glaubte Gleichgültigkeit in Ricards Stimme zu hören.
              „Laut ihrem Bericht starb er während eines Auftrages für Telca Industries.”
              „Und?”
              „Warum lügen Sie? Ser?”
              Deacan spürte den Blick von Ricards.
              „Mein Freund, hier haben die Wände Ohren. Passen Sie besser auf, was sie sagen. Sonst könnte es passieren, das einer meiner Piloten ein Kopfgeld auf sie aussetzt.”
              Ein diabolisches Grinsen legte sich auf Ricards Lippen. Deacan ging einen Schritt auf ihn zu.
              „Sindas letzter Auftrag kam von Santana. Sie haben ihn doch wohl empfohlen, oder nicht?”
              „Ich weiß echt nicht, was Sie von mir wollen. Sindas hat Santanas Auftrag abgelehnt. Danach flog er für die Firma Telca.
              So steht es in jedem Bericht, sowohl von mir als auch von Seiten der CIS. Sie wollen doch hoffentlich nicht behaupten, dass unsere Miliz lügt?”
              Ricards lehnte sich zurück. Ich kann auch anders, dachte Deacan still für sich. Er ging um Ricards Sessel, bis er genau hinter ihm stand.
              „Sie wissen, dass ich Sie töten könnte?”
              Ricards regte sich nicht einmal.
              „Sie? Sie sind an meine Gesetze gebunden, an die Gesetze der Gilde. Jeder Söldner hier würde Sie wie ein wildes Tier jagen, Sie hätten keine Chance. Versuchen Sie es ruhig.”
              Deacan beugte sich über Ricards Schulter.
              „Ich will Antworten.”
              Ricards lachte. Erst leise. Doch es begann sich zu steigern, insbesondere was die Lautstärke anging.
              Es reicht!
              Deacans Arm umschlang Ricards Hals, der versuchte sich zu wehren, doch der Söldner ließ ihn keine Möglichkeit dazu, er zog den Gildenführer regelrecht aus seinem Sessel nach oben.
              „Reden Sie! Sindas starb, weil er Ihnen im Weg war, oder? Wo ist sein Flugrekorder? Diese Dinger halten sogar einen Crash mit tausend Kilometer pro Sekunde aus, er kann also nicht zerstört werden. Wo ist er?”
              Deacan begann, kräftiger zuzudrücken.
              „Wieso verschwinden mehr und mehr von den alten Privateers?
              Kaum war Sindas weg vom Fenster, trat Santana an mich heran. Sie hätten mich empfohlen, das waren seine Worte. Er sagte außerdem, es hätten schon andere Söldner ihrer Gilde für ihn gearbeitet.
              Seltsamerweise kann sich hier niemand daran erinnern. Wissen Sie, was mich dieser Auftrag beinahe gekostet hätte? Es war kein Zufall, dass ich kurz vor den Zielkoordinaten von mehr als zehn Kiowans angegriffen wurde. Sie scannten meine Maschine, erst als sie mein ID - Signal erkannten, starteten sie ihren Angriff.
              Ich fand es seltsam, das die Typen mit Brute Raketen vom Typ Mark II bestückt waren. Die gibt es nur für Söldnergilden. Ich weiß, dass ich tot sein sollte. Tut mir leid, dass es nicht geklappt hat. Und jetzt zum letzten Mal: Reden Sie!”
              Ricards schnappte nach Luft.
              „Sie sind unwichtig, Ser Tron! Glauben Sie ernsthaft, jemand hätte Interesse daran, Sie zu töten?”
              Das war nicht das, was Deacan hören wollte. Dummerweise wurde ihr kleines Plauderstündchen jäh unterbrochen.
              Der junge Typ von vorhin war wohl das Warten leid, er wollte sein Gespräch mit Ricards fortführen. Es schien wichtig zu sein, denn selbst auf das normalerweise übliche höfliche Anklopfen hatte er verzichtet. Er reagierte überstürzt, als er den Raum betrat, zog einen Blaster und zielte auf Deacan.
              Ricards schrie ihn an.
              „Töten Sie den Dreckskerl!”
              Deacan wollte auf keinen Fall die Kontrolle verlieren. Er konnte das Spiel auch.
              „Er ist tot, wenn du abdrückst. Überlege es dir gut!”
              Jetzt war guter Rat teuer! Deacan hatte damit gerechnet, dass er unterbrochen werden würde.
              „Ich dachte immer, es wäre verboten, Waffen zur Versammlung zu tragen. Das war doch Ihre Anweisung, oder?”
              Ricards lief blau an, seine Stimme bekam einen bizarren Klang.
              „Schiessen Sie! Los doch!”
              Der Junge war sichtlich unentschlossen. Er schien Sinn und Nutzen seiner Handlung abzuwägen. Seine Unsicherheit konnte aber auch Risiken mit sich bringen.
              Er drückte ab.
              Deacan warf sich, zusammen mit Ricards und dem Sessel, auf dem er gesessen hatte, zur Seite. Ricards rollte beiseite, versuchte sich in Sicherheit zu bringen.
              Deacan benutzte den Sessel als Deckung. Er griff zum MACS (Multiple Access Computer System bzw. Multicomputer).
              „Start Operation Tron eins!”
              Der Schütze ging auf Ricards zu, half ihm auf die Beine. Ricards wusste, wo sich sein Ziel befand.
              Er nahm den Blaster des jungen Söldners an sich, das war wohl etwas, was er selber erledigen wollte.
              „Du warst mal sehr gut, Deacan. Du hättest es zu etwas bringen können. Warum kannst du nicht einfach alles so belassen wie es ist. Ist es so schwer, mal die Klappe zu halten?”
              Er versuchte, näher an sein Ziel heran zu treten.
              „Steh auf, und ich mache es schmerzlos!”
              Der Söldner sah auf sein MACS, Timing war jetzt entscheidend.
              „Da Sie mich sowieso töten, warum erzählen Sie mir nicht, was hier Sache ist?”
              Ricards feuerte einen Schuss in Deacans Richtung ab, Staub wirbelte auf. Der Gildenführer hatte also nicht die Absicht, zu reden.
              Deacan verspürte auf einmal ein leichtes Zittern des Bodens, das langsam stärker wurde.
              Ricards bemerkte jetzt auch, dass etwas nicht stimmte. Die gesamte Einrichtung begann sich zu verschieben, nichts blieb an seinem Platz. Hinzu kam ein lautes Kreischen. Ricards hielt sich die Hände an die Ohren, der Lärm wurde unerträglich.
              Sein Blick wanderte in Richtung Fenster. Dort tauchte ein Schatten auf, der langsam größer wurde.
              Es war Deacans Jäger. Wie ein bösartiger Racheengel schwebte er vor dem Fenster.
              Deacan gab per MACS einen letzten Befehl an seinen Jäger. Zwei hochenergetische Ladungen lösten sich von der Maschine. Mühelos durchschlugen sie das Fenster und die gegenüberliegende Wand. Tausende von Glassplittern schlugen Ricards und seinem Helfer entgegen, die Druckwelle warf sie zu Boden.
              Jetzt!
              Deacan sprang hinter seiner Deckung auf.
              „Computer, Höhe minus zwei Meter, Drehung neunzig Grad horizontal!”
              Der Jäger reagierte sofort und verlor die angegebene Höhe. Deacan kletterte auf den Fenstersims.
              Das war die einzige Chance für ihn lebend zu entkommen. Er drehte noch einmal seinen Kopf nach hinten. Ricards war offensichtlich nur leicht verletzt, er war gerade dabei, sich zu erheben. Sein Blick fiel auf Deacan. Der Blaster lag etwa drei Meter von ihm entfernt.
              Der gejagte Söldner wollte ihm aber nicht eine zweite Chance zum Schuss geben. Er sprang, und landete auf der Tragfläche. Unter seinem Gewicht begann die Maschine leicht zu schwanken. Nach wenigen Sekunden war das Gleichgewicht jedoch wieder hergestellt.
              Deacans Blick ging nach oben. Am Fenster erschien Ricards, er hatte den Blaster wieder in der Hand und zielte auf ihn.
              Deacan legte sich flach auf die Tragfläche.
              „Höhe plus zehn Meter!”
              Es gab einen ungeheuren Ruck, Deacan wurde regelrecht nach unten gedrückt, während die Maschine an Höhe gewann. Ricards blieb keine Möglichkeit zu feuern, die heißen Abgasstrahlen zwangen ihn, sich zurück in den Raum zu begeben.
              Obwohl das Wort „begeben” nicht so ganz richtig ist - vielmehr wurde er in den Raum zurück geschleudert. Halbtaub und aus unzähligen Schnittwunden blutend, erhob sich Ricards vom Boden. Er stand auf und wischte sich so gut es ging den Staub vom Anzug.
              Er ging auf die Überreste des Fensters zu und konnte gerade noch Deacans Maschine davon fliegen sehen.
              Der junge Söldner kam hinter ihm zum Vorschein.
              „Sollen wir ihn verfolgen?”
              Ricards drehte sich um.
              „Verfolgen? Ihn? Sinnlos. Keine Angst, der kommt früher zurück, als uns lieb sein kann. Aber informieren Sie unsere Freunde da draußen. Sie sollen ein Auge auf ihn haben.
              Wenn es sich einrichten lässt, dann eliminieren Sie ihn. Ach ja, sagen Sie bitte alle Termine für heute ab. Und lassen Sie sich etwas für unsere werten Gäste einfallen, ich glaube kaum, dass ihnen meine Abwesenheit gefallen wird. Ich bin in meinem Büro.”
              „Soll ich den medizinischen Dienst anfordern?”
              „Tun Sie das. Und lassen Sie sich eine Erklärung hierfür einfallen, ich denke doch, dass ich auf Sie zählen kann.”
              Ricards zeigte auf die verwüstete Einrichtung, dann verließ er humpelnd den Raum.
              Er wusste, die Probleme hatten erst angefangen.

              Kommentar


              • #8
                Teil 6

                *
                Deacan war nicht sicher, ob Ricards ihn zum Steckbrief machen würde, also vermied er es, direkt im Raumhafen von Hermes zu landen.
                Statt dessen ging er außerhalb der City runter, genauer gesagt auf einem alten Überschussdepot des CCN. Hier, zwischen alten Raumfähren und Transportern, fiel sein Jäger nicht weiter auf.
                Nachdem er aus dem Cockpit geklettert war, aktivierte er sofort sein MACS.
                Er wollte den Nachrichtenkanal verfolgen und sehen, ob sein Name mit im Spiel war. Nebenbei interessierte er sich natürlich auch dafür, wie viel er Ricards wert war - wenn er zum Abschuss freigegeben werden würde.
                Überraschenderweise tat sich nicht viel. Es gab zwar einen kurzen Bericht über den Vorfall, darin hieß es aber, dass es eine Plasmaexplosion gegeben hätte. Keine Verletzten. Auch in den aktuellen Steckbriefen fand er seinen Namen nicht wieder.
                Ricards hatte wohl Angst davor, dass die CIS sich mit der Sache befassen würde. Für Deacan hieß das, aufs Versteck spielen konnte er verzichten.
                Er schaltete das MACS auf Datenübertragung.
                „Lokalisiere Jäger von Jake Kenner, ID 3440-A.”
                Einen Augenblick später meldete das Gerät Bereitschaft.
                „Jake, dies ist eine Aufzeichnung von Deacan. Tut mir leid, dass ich so plötzlich gehen musste, aber die Umstände waren, sagen wir mal, zwingend.
                Ich möchte dich treffen. Die Koordinaten übertrage ich mit dieser Sendung. Komm allein. Es ist wichtig. Ich kann allerdings nur bis einundzwanzig Uhr hier warten. Wenn du diese Nachricht später liest, melde dich über MACS.”
                Deacan beendete das Ganze mit der Abschaltung des Gerätes. Jetzt hieß es warten. Und hoffen, dass sein alter Freund noch der war, den er von früher her kannte.
                Geschlagene zwei Stunden dauerte sein Nichtstun. Dann vermeldete sein MACS die Ankunft eines Jägers. Ein Pilot war an Bord, männlich. Das ID-Signal verriet Deacan, dass es sich um Jake handelte.
                Er sandte ein Signal an ihn, das ihm die beste Landemöglichkeit offenbarte. Deacan sah der Maschine beim landen zu. Staub und Dreck flog ihm entgegen, als der Jäger über seinem Landepunkt einschwenkte, langsam an Höhe verlor und schließlich zum Stillstand kam.
                Der Pilot kletterte aus seiner Kanzel. Die knapp zwei Meter bis zum Boden sprang Jake hinab, das Ganze wirkte ziemlich unbeholfen. Eigentlich kein Wunder, Jake war es gewohnt, über eine Leiter würdig und stilvoll wieder festen Boden zu betreten.
                Er reagierte auch entsprechend sauer.
                „Hör mal, Deacan, nächstes Mal bestellst du mich bitte zum Raumhafen, ja? Hier werde ich nur schmutzig.”
                Er zeigte auf seine helle Hose, und seine Mimik und Gestik unterstrichen seinen Unmut noch.
                Deacan verkniff sich jede Bemerkung hierzu.
                „Nun, wie hat dir mein Auftritt bei Ricards gefallen?”
                Jake sah ihn fragend an.
                „Wie meinst du das? Ich dachte, du wärest einfach so gegangen. Ich meine, du warst doch schon weg, als es draußen diesen Defekt in der Plasmaleitung gab.”
                Der Privateer schüttelte den Kopf.
                „Vergiss mal schnell den Blödsinn, den Ricards da erzählt hat. Ich brauche deine Hilfe, Jake.”
                „Wie tief steckst du im Dreck, wenn ich das mal so fragen darf, Deacan? Du würdest nie um Hilfe fragen. Also, wo brennt es denn?”
                Deacan drehte sich um, ging einige Schritte auf seine Maschine zu.
                „Brennen tut es überall, mein Freund. Die Dinge haben sich verändert, sehr schnell sogar. Selbst in unserer Branche ist nichts mehr so, wie es sein sollte.”
                Er drehte sich wieder um, warf einen Blick auf Jake. Der sah so aus, als würde er gar nichts von dem verstehen, was Deacan ihm erzählte.
                „Jake, es würde zu weit führen, dir alles zu erklären. Nur so viel - traue keinem, halte dich von Ricards fern und pass auf, für wen du arbeitest. Ich denke mal, dass du keine Schwierigkeiten haben wirst, das mal zu befolgen.”
                „Willst du mir auch noch vorschreiben, wo ich essen soll?”
                „Das ist kein Spaß, Jake. Glaub mir, wäre der heutige Tag anders verlaufen, wäre ich jetzt tot.”
                Jake wirkte fassungslos.
                „Was? Mach keine Sachen.”
                Deacan ging auf ihn zu, er legte seine Hand auf Jakes Schulter.
                „Wie oft habe ich dir deinen Arsch gerettet? Jetzt tu du zur Abwechslung mal was für mich.”
                „In Ordnung, wenn wir dann quitt sind?”
                „Einverstanden. Und jetzt hör zu.”
                Deacan benötigte etwa eine Stunde, um Jake mit dem notwendigen Wissen zu versorgen.
                Jake hörte aufmerksam zu, etwas, was er normalerweise nicht zu tun pflegte. Er unterließ sogar die dummen Kommentare, mit den er sonst nur so um sich warf.
                Er begriff den Ernst der Lage sehr schnell, auch, dass er der nächste auf Ricards Abschussliste sein könnte. Er verzichtete auf Notizen, diese könnten, wenn sie entdeckt würden, ihm mehr schaden als nutzen.
                Er verabschiedete sich von Deacan, man vereinbarte ein neues Treffen in ein paar Tagen. Dann ging er wieder zu seinem Jäger, kletterte mit Deacans Hilfe ins Cockpit und verließ den Ort. Das, was er tun sollte, war nicht ungefährlich, aber eben wichtig.
                Nicht nur für Deacan, sondern für alle hier im Tri-System, soviel hatte er verstanden.

                *
                Da er - im Augenblick zumindest – nicht offiziell zur Fahndung ausgeschrieben wurde, begab Deacan sich zu später Stunde wieder zum Raumhafen von Hermes.
                Erstens wollte er nach Monica und Jenna Ausschau halten, zweitens wollte er noch einmal mit Joe, dem Besitzer des Sinner’s Inn sprechen.
                Es war ausgesprochen ruhig, er lief zwar mehrfach anderen Söldnern über den Weg, die grüßten ihn aber nur freundlich und gingen dann wieder ihres Weges.
                Innerlich war Deacan aber sehr unruhig. Er ahnte, das Ricards nicht so ohne weiteres die Sache auf sich beruhen lassen würde.
                Sein erstes Ziel waren aber die Anschlagtafeln des CCN. Er wollte es nicht riskieren, einen Auftrag der Gilde anzunehmen, da Ricards dann wüsste, wo er sich befand.
                Zudem: Credits konnte man immer gut gebrauchen, auch wenn die Prämien der CCN alles andere als üppig waren. Er war allerdings nicht der einzige, der hier nach einem Job suchte.
                Vor ihm stand eine junge Dame, die sich offensichtlich zum ersten Mal ins Terminal des CCN-System einloggte. Amüsiert beobachtete Deacan die Bemühungen des dunkelhaarigen Girls, Zugriff zu bekommen.
                Sie strich immer wieder einzelne Haarsträhnen aus ihren Gesicht und verlor langsam die Geduld. Nervös sah sie sich um, war sich aber wohl zu fein, um Hilfe zu bitten.
                „Verflucht, wieso funktioniert das Ding nicht!”
                Sie trat wütend gegen die Bodenplatte. Deacan hatte genug gesehen.
                „Versuchen Sie es mal mit Freundlichkeit.”
                Er bekam einen Blick zugeworfen, der nur eines bedeuten konnte: du kannst mich mal! Sie holte tief Luft, stemmte ihre Arme in die Hüfte und drehte sich langsam um.
                Deacan verzog jetzt keine Miene.
                „Also?” „Also was? Hören Sie, ich brauche keine Hilfe, verstanden?”
                Der Söldner fuhr sich mit der Hand quer übers Gesicht.
                „Sicher? Wann soll ich dann wieder kommen, ich meine, wann sind Sie fertig, mit was auch immer?”
                Sie zeigte auf das Display.
                „Hören Sie, was kann ich dafür, wenn dieses blöde Ding hier meine ID-Karte nicht anerkennt?”
                Deacan sah nach unten, um sein Grinsen ein wenig zu verbergen.
                „Nun, die ID-Card allein genügt nicht, um hier Zugriff zu bekommen.”
                Jetzt war sie es, die versuchte, ihren Blick zu verstecken. Nervös trat sie von einem Fuß auf den anderen.
                Er sah sie jetzt wieder an, so ganz war das Grinsen aber noch nicht aus seinen Mundwinkeln verschwunden. Er trat einen Schritt auf sie zu.
                „Darf ich...?”
                Sie nickte leicht. Er griff nach ihrer Hand, sie zog sie zurück.
                „Moment, so haben wir nicht gewettet!”
                Deacan wies auf eine kleine Fläche neben dem Anzeigendisplay.
                „Dort müssen Sie ihre Hand drauflegen. Sie wird eingescannt, um sicher zu gehen, dass ihre ID-Card nicht von Fremden benutzt wird.”
                Sie wirkte etwas beschämt, legte aber ihre Hand auf die Scannerfläche.
                „Merken Sie sich, welche Hand Sie da drauf hatten. Ihr Name?”
                Sie sah ihn wieder seltsam an.
                „Nicht für mich, für Ihren Zugang.”
                „Ach ja, nun - McCumber, Chyna McCumber.”
                Plötzlich erschien auf dem Display die Worte „Willkommen”.
                Deacan machte eine einladende Handbewegung.
                „Sehen Sie, und genau so machen Sie das jetzt jedes Mal. Übrigens, Sie sind gerade fünfzig Credits los geworden.”
                „Wieso?”
                „Die übliche Anmeldegebühr. Ist aber nur einmal zu zahlen. Sie sollten sich nach Anhur begeben, dort befindet sich die Zentrale der CCN.
                Wenn sie sich dort als Privateer melden, bekommen Sie jedes Mal, wenn sie das CCN-System nutzen, eine aktuelle Liste mit kleinen Kampfaufträgen, die einigermaßen Geld einbringen.”
                Sie wandte sich dem Display zu, Deacan trat respektvoll einige Schritte zurück.
                „Darf ich Sie zum Essen einladen? Ich meine als kleines Dankeschön?”
                Sie drehte ihren Kopf in Richtung ihres Gesprächspartners.
                „Nun gut, warum auch nicht.”
                Deacan ließ seinen Blick an ihr auf und ab wandern.
                Sie war wohl noch sehr jung, vielleicht Mitte Zwanzig. Möglicherweise stand ihm ja noch ein netter Abend bevor.
                Er ließ es sein, selbst noch einmal das CCN-System zu nutzen, und verließ mit seiner neuen Bekanntschaft das Handelszentrum, dass er bereits beobachtet wurde, bemerkte er noch nicht...

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                • #9
                  Teil 7

                  Seine Begleitung zeigte Geschmack, zumindest was das Lokal anging.
                  Zwar war Deacan nicht unbedingt ein Freund der Kochkünste vom Planeten Hermes, aber da er die Rechnung diesmal nicht selber tragen musste, war ihm das egal.
                  Sera McCumber schien sich auf Hermes gut auszukennen, sie steuerte ohne Umweg sofort ihr Ziel an. Deacan versuchte sich die Umgebung irgendwie einzuprägen, er kannte diesen Stadtteil, der anscheinend zu der Oberschicht von Hermes gehörte, nicht besonders gut und wollte langes Suchen zum Raumhafen verhindern.
                  Schließlich erreichten sie ein Lokal mit Namen Saint Croix. Von außen wirkte es sehr teuer, alles war im neofranzösischen Stil erbaut. Sogar der Anstrich der Fassade schien mindestens einmal im Jahr erneuert zu werden.
                  Der Ober empfing Sera McCumber mit freundlichen Worten, daraus schloss Deacan, dass sie hier öfter zu essen pflegte. Die Blicke, die der Ober allerdings für Deacan übrig hatte, waren nicht gerade sehr freundlich.
                  Okay, er war halt nur ein Söldner, er rasierte sich nicht jeden Tag, aber auch er atmete nur Luft... Deacan war das aber gewöhnt, er schwieg und folgte seiner neuen Bekanntschaft zum Tisch.
                  „Schon mal hier gewesen?”
                  Er wollte erst ja sagen, sah sich kurz um.
                  „Nicht direkt, ich war aber schon mal in der Nähe.”
                  Gut gelogen. Er fühlte sich sichtlich unwohl. Keine zwei Tische weiter saßen zwei ältere Paare, die sich von Deacans Aufzug gestört fühlten. Jedenfalls wurde dort immer wieder auf Deacan gezeigt und getuschelt.
                  Der Privateer warf den Leuten einen Blick zu, der eiskalt seine Meinung widerspiegelte. Chyna McCumber griff sich die Speisekarte.
                  „Soll ich für Sie wählen?”
                  Deacan lehnte sich gelangweilt über den Tisch.
                  „Bitte, wenn es Ihnen Spaß macht.”
                  Sie sah leicht über die Karte auf ihren Gast.
                  „Wissen Sie, was ich unfair finde? Da lade ich einen wildfremden Mann ein, und der verschweigt einfach seinen Namen.”
                  Deacan glaubte ein leichtes Funkeln in ihren Augen zu erkennen.
                  „Ser Deacan Tron. Reicht das, oder soll ich noch meine Lebensgeschichte dazu packen?”
                  Sie senkte die Karte.
                  „Warum denn so unfreundlich? Das waren doch Sie, der da sagte: versuchen Sie es mal mit Freundlichkeit, oder?”
                  „Tut mir leid, aber irgendwie ist das heute nicht mein Tag.”
                  Der Privateer mühte sich ein Lächeln ab. Der Kellner erschien mit Getränken auf einem Tablett.
                  Er griff zur Weinflasche, hielt sie ihr unter die Nase.
                  „Wie immer, ein Wein vom Feinsten.”
                  Sie nickte zustimmend, der Kellner begann, einzuschenken. Deacan sah eher zufällig in das Glas, das der Kellner vor ihm abstellte.
                  Und sein Blick wurde ernst. Denn in dem klaren Wein sah er sehr deutlich einen kleinen roten Lichtstrahl, der mit Garantie nicht von der Deckenbeleuchtung stammte.
                  Ein Laser, wie er normalerweise auf Schusswaffen montiert wurde! Der dazu passende Schütze musste irgendwo in der Nähe sein, er hatte aber keine freie Schussbahn, das erkannte Deacan schnell.
                  Er rückte seinen Stuhl ein wenig weiter in den Raum, um zu verhindern, dass das Zielgerät ihn doch noch erfassen würde. Sein Blick blieb an McCumbers Tasche hängen.
                  „Sagen Sie, haben Sie vielleicht etwas Make-up wie zum Beispiel Puder dabei?”
                  Sie sah ihn komisch an.
                  „Glänzt meine Nase, oder brauchen Sie es für Ihre? Sagen Sie, Sie sind doch normal, oder etwa nicht? Gibt es etwas, was ich nicht weiß?”
                  Ups. Der Söldner begriff, die Frage war blöd, trotzdem, er brauchte genau das, wonach er gefragt hatte.
                  Also, anders.
                  „Wissen Sie, was ein Zielpunktprojektor ist?”
                  Er wies auf sein Glas. Jetzt sah auch sie den roten Lichtstrahl.
                  „Puder, richtig?”
                  Deacan nickte, sie griff in ihre Handtasche und zog eine kleine Dose hervor.
                  „Und wozu?”
                  Deacan antwortete nicht, er öffnete die Dose, und blies ein wenig des Puders in die Luft. Zwischen den Staub konnte man jetzt sehr deutlich den Richtstrahl sehen.
                  „Sehen Sie, das Zeug ist nicht nur fürs Näschen da. Ich glaube, da will doch jemand tatsächlich auf uns schießen. Und der das versucht, sitzt da drüben in dem Haus. Zweite Etage, würde ich mal so sagen.”
                  „Und nun?”
                  „Statten wir ihm doch einen kleinen Besuch ab.”
                  Er zeigte in Richtung Küche.
                  „Wir nehmen den Hinterausgang. Ich hoffe, dass Sie nicht allzu böse sind, ich meine wegen des Essens und so.”
                  Sera McCumber zuckte kurz mit den Schultern, wollte aber wenigstens noch einen Schluck Wein zu sich nehmen.
                  Deacan stand auf, immer bemüht, den Richtstrahl aus dem Weg zu gehen. Er schob den Kellner grob beiseite, dann griff er ihre Schulter und zog sie mit sich. Sie behielt das Glas in der Hand und folgte Deacan.
                  Der kämpfte sich durch die Küche. Dort reagierte man gelassen auf sein Erscheinen, man kannte ihn nicht und wollte wohl auch nicht wissen, wer er ist und was er hier zu suchen hatte. Es wäre ja möglich, dass er sauer reagieren und einigen Leuten möglicherweise die Hälse umdrehen könnte. Vorbei an Kochtöpfen, Pfannen und allerlei Geschirr erreichten sie den Hinterausgang.
                  Deacan orientierte sich kurz, dann suchte er nach einer Möglichkeit, den Gegner vor seinen Scanner zu bekommen. Er fand sie schließlich in Form einer kleinen Mauer, er kletterte hinauf und konnte somit über das Dach des Lokals sehen. Sera McCumber wartete unten ungeduldig.
                  „Und? Was ist jetzt?”
                  Deacan sah kurz nach unten.
                  „Moment noch.”
                  Er griff zum MACS und stellte den aktiven Scann ein. Das Gerät zeigte innerhalb von Sekunden einen Grundrissplan des Gebäudes und suchte dann nach Wärmequellen. Etage für Etage. In der zweiten dann: Volltreffer!
                  Für das ungeübte Auge war kaum ein Unterschied zwischen den unzähligen Plasmaleitungen und der dort anwesenden Person auszumachen, Deacan allerdings erkannte die leichten Bewegungen der Zielperson. Sonst schien niemand im Haus zu sein.
                  Zufrieden begab er sich wieder nach unten. Sera McCumber kam interessiert näher, sie versuchte einen Blick auf seinen Scanner zu erhaschen.
                  Der hielt ihr das Gerät kurzerhand unter die Nase.
                  „Zwei Wege führen nach oben. Der eine ist versperrt, mit jeder Menge Müll. Aber der hier ist ideal, um mal kurz Hallo zu sagen.”
                  Deacan wollte sich gerade auf den Weg machen, als sie ihn zurückhielt.
                  „Eine Frage bitte. Ist es normal, dass Sie als Zielscheibe dienen? Oder ist das heute hier das erste Mal?”
                  Deacan wischte sich mit der Hand übers Gesicht.
                  „Die Wahrheit?” Sie sah ihn aufmerksam an. „Nun ja, wie soll ich es sagen - es gibt Tage, da geht alles schief. So wie heute. Aber ich werde Ihnen das später erklären, in Ordnung? Sehen Sie es einfach als kleines Abenteuer am Rande.”
                  Eigentlich würde sie sich nicht damit zufrieden geben, aber irgendwie schien die Aussicht auf etwas Adrenalin sehr verlockend zu sein. Sie machte eine Handbewegung, als würde sie Deacan einladen, zu was auch immer.
                  Der nickte zustimmend und begab sich leise und langsam auf das zuvor gescannte Haus zu. Offenbar hatte der Schütze immer noch nicht gecheckt, das Deacan und McCumber schon auf und davon waren.
                  Jedenfalls zeigte das MACS ganz deutlich, dass er noch immer am Fenster kniete und sein Ziel suchte. Er bemerkte auch nicht, wie sein Ziel und dessen Begleitung die Gasse überquerten und durch die aufgebrochene Tür eintraten.
                  Licht gab es hier keines, aber das Restlicht von der Strasse genügte auch. Sera McCumber zeigte in Richtung des Liftes, aber Deacan entschied sich dagegen. Erstens war der Lift vermutlich sowieso nicht mehr in Betrieb, und selbst wenn, wäre das eine erstklassige Falle für beide. Der Attentäter müsste schon taub sein, um den Lift zu überhören.
                  Also blieb die Treppe. Die war allerdings auch nicht besser, der Zahn der Zeit hatte deutliche Spuren an ihr hinterlassen. Jeder Schritt, jede Stufe höher wurde mit knarrenden Tönen begleitet. Deacan zog die Stirn in Falten. So hatte er sich das nicht vorgestellt.
                  Als sie endlich die gewünschte Etage erreichten, tauchte ein neues Problem auf. Sera McCumber bemerkte es zuerst. Etwa in Kniehöhe hatte jemand einen dünnen Draht gespannt.
                  Deacan griff zum MACS. Sprengstoff. Das Zeug war rechts und links an die Wände geschmiert und dann verkabelt worden. Der Scann zeigte, dass hier ein Profi am Werk war.
                  Polycybriat. Extrem selten und teuer. Man konnte es wie Farbe auf Wände und Treppen verteilen, und der Transport war kinderleicht, erst wenn man es trocknen ließ, wurde es teuflisch, schon kleine Berührungen reichten zur Zündung. Zum Endschärfen war keine Zeit, man kletterte vorsichtig über den Draht.
                  Mit dem Rücken zur Wand ging man weiter in Richtung des vermeintlichen Täters. Die Tür zu dessen Raum stand leicht offen, Deacan versuchte, einen kurzen Blick in das Innere zu werfen. Dummerweise warf er so ungewollt einen Schatten in den Raum, den der Täter offenbar bemerkte.
                  Jedenfalls hörte er das Geräusch eines Blasters, der geladen wurde. Er sah kurz auf McCumber, die begriff sofort: Runter!
                  Zahllose Schüsse durchsiebten die Wand, einige davon verfehlten Deacan nur knapp. Das wirklich Dumme an diesen Waffen war nur, dass sie sehr, sehr oft feuern konnten, bevor ihre Energie zur Neige ging.
                  Sera McCumber griff in ihre Handtasche, und zog ein kleines Gerät heraus.
                  „Das ist ein Geschenk von meinem Dad. So eine Art Mittel gegen Typen wie den da.”
                  Sie wies Deacan an, sich die Ohren zu zuhalten, dann warf sie ihr „Mittel” zu dem immer noch schiessenden Kerl in den Raum. Zunächst geschah nichts. Dann aber brach die Hölle los. Ein Kreischen, das durch Mark und Bein ging.
                  Deacan versuchte erst gar nicht, sich vorzustellen, wie es wohl dem Kerl auf der anderen Seite der Wand erging. Nach etwa zehn Sekunden war es dann vorbei. Die Stille war einfach befreiend.
                  Deacan hob vorsichtig den Kopf. Mit all dem Kalk und Mauerwerk, der von ihm herab rieselte, musste er einen bizarren Anblick bieten. McCumber sah aber auch nicht anders aus.
                  „Gibt es dieses Mittelchen auch auf Rezept?”
                  Er stand auf, aber langsam. Er wollte erst die Tür öffnen, doch sie kam ihm zuvor. Sie betrat den Raum, wedelte mit der Hand den Staub weg.
                  „Da liegt der Komiker. Ich fürchte nur, dass der vorläufig keine Fragen beantwortet. Der dürfte nämlich taub sein.”
                  Deacan zeigte kein Interesse an ihrer Bemerkung, das hier war eindeutig wichtiger. Der Schütze lag mit dem Gesicht zum Boden, Blut lief aus seinen Ohren, offenbar waren ihm beide Trommelfelle geplatzt. Der Söldner drehte ihn auf den Rücken.
                  Nein, dieses Gesicht kannte er nicht. Seine Kleidung ließ auch keine Rückschlüsse auf seine Herkunft zu. Auf der Suche nach Hinweisen durchsuchte er die Hosentaschen des Unbekannten. Wieder nichts. Keine ID-Card, nichts.
                  Nur der Blaster sowie die Scharfschützenwaffe blieben noch.
                  „Und?”
                  Sera McCumber stand hinter Deacan, sie sah ihm über die Schulter.
                  „Nichts zu machen. Die Seriennummer fehlt, rausgeätzt. Vermutlich stammt die Waffe aus alten Armeebeständen.”
                  Er warf noch mal einen Blick auf den Täter. Der war noch immer ohne Bewusstsein, und dieser Zustand würde auch noch einige Zeit andauern.
                  Sera McCumber ging jetzt auch in die Knie, sie wollte Deacan wohl irgendwie helfen.
                  „Was ist mit seiner Uhr?”
                  Sie wies auf das Handgelenk.
                  „Nun, davon gibt es Tausende. Ist keine Sonderanfertigung, und nicht viel wert. Lass sie ihm.”
                  Doch die Dame war neugierig. Bei ihrer kleinen Untersuchung rutschte der Ärmel des Unbekannten ein wenig nach oben. Auf der Haut wurde eine Zeichnung sichtbar, ein Tattoo.
                  Jetzt fand auch Deacan sein verlorenes Interesse wieder. Er zog den Ärmel ganz nach oben. Erstaunt zog er die Augenbrauen hoch.
                  „Schau an, der Kiowan-Clan macht also auch Hausbesuche.”
                  Sera McCumber verstand nicht ganz, was ihr Gegenüber damit meinte.
                  „Wie bitte?”
                  Deacan strich sich nachdenklich übers Haar.
                  „Ein Kiowan. Ich schätze mal, der wird sicher irgendwo gesucht. Das ist nichts weiter als ein Pirat. Abschaum, Müll oder wie ich sie nenne: Prämie. Allerdings habe ich noch nie gehört, das diese Typen Aufträge zum Mord annehmen. Dafür gab es bisher Söldner.”
                  „So wie du?”
                  Deacan wandte seinen Blick vom Piraten ab, hin zu Sera McCumber.
                  „So wie ich.”
                  Sie rückte etwas näher an ihn heran.
                  „Was machen wir mit dem da?”
                  „Der medizinische Dienst wird sich um ihn kümmern. Wir sind dann aber schon weg.”
                  „Soll das heißen, Sie erstatten keine Anzeige?”
                  Deacan stand auf.
                  „Zwecklos. Der lebt sowieso nicht lange genug, um zu plaudern. Seine Freunde werden dafür sorgen. Da ist selbst die CIS machtlos. Vor allem hier auf Hermes.”
                  Er deutete ihr mit einer Kopfbewegung an, zu gehen. Danach rief er über das MACS den Notarzt.
                  Vermutlich würde der Kiowan inmitten des Transports verschwinden. Oder der Transport selbst würde in die Luft fliegen. Die CIS wäre so oder so nicht in der Lage, die Sache zu verhindern. Deacan gingen
                  Tausende Gedanken durch den Kopf. Schon wieder Kiowan. Erst im All, jetzt hier. Eine Verwechslung konnte er ausschließen, in der heutigen Zeit gab es so etwas wie Irrtümer nicht mehr.

                  Kommentar


                  • #10
                    Teil 8

                    *
                    So richtig hatte Deacan jetzt keine Lust mehr, Essen zu gehen.
                    Doch Sera McCumber konnte ihn überreden, offenbar hatte der kleine Zwischenfall ihr nicht den Appetit verdorben.
                    Diesmal wählte Deacan das Lokal, es gab Fast Food in Form von Hotdogs. Dazu einfaches Bier. Sera McCumber wirkte zunächst skeptisch, als sie dann jedoch erkannte, dass es Deacan offenbar schmeckte, begann auch sie zu essen.
                    Dabei kam man ins Gespräch.
                    Sie war die Tochter eines wohlhabenden Firmenbesitzers, der sein Geld mit diversen Frachtern gemacht hatte und wohl auch an den einzelnen Börsen tätig gewesen war. Seine Frau schien dabei so etwas wie seine rechte Hand zu sein.
                    Ursprünglich sollte Sera McCumber in die Firma einsteigen, doch sie stellte sich stur und setzte ihren Kopf durch. Pilotin, das war ihr Traum.
                    Ihr Vater finanzierte ihr das seltsame Hobby, sie zeigte sogar etwas Talent und flog anfangs als Begleitung für seine Frachtschiffe. Kurze Zeit später wollte sie aber mehr Action.
                    So kam es, dass sie sich ein wenig umhörte, bis sie die vielleicht schlimmste Ecke im Tri-System fand, Hermes mit Namen. Ihr Weg dorthin lief über mehrere Umwege, sie hatte hier und dort Arbeit angenommen, war aber stets bemüht gewesen, immer näher an das Hermes-System zu gelangen.
                    Das Geld wurde dabei niemals knapp, ihr Dad überwies regelmäßig größere Summen auf ihr Konto.
                    Auf Hermes angekommen, kam sie hier nach kurzer Zeit mit der üblichen Arbeitsuche nicht weiter, man brauchte keine ehrlichen Piloten, und Frachter machten meist einen riesigen Bogen um Hermes, zumindest wenn sie teures Gut an Bord hatten.
                    Blieb also nur das CCN-System. Dort begegnete sie dann Deacan.
                    Dieser erzählte allerdings nur zögernd von sich selbst, dass er auf Tersa zur Welt kam, dass sein Vater Frachterpilot war und ums Leben kam, als er noch sehr klein war, dass seine Mutter daraufhin einen Job in einer Bar angenommen hatte und er meist allein zu Hause war, bis er mit achtzehn Jahren abhaute und als Bordschütze auf einem Shuttle anfing.
                    Dort lernte er das Fliegen von A bis Z, ein Jahr später hatte er genug Geld, um sich einen kleinen Jäger zu kaufen.
                    Er flog anfangs eher zum Spaß, doch zeigte sich sehr schnell, dass er Talent zum Raumkampf besaß und Wingman eines Veteranen wurde. Der schulte dann seine Instinkte und Fähigkeiten.
                    Deacan wurde sehr schnell zum verhassten Kopfgeldjäger, sein Konto wuchs unaufhörlich, sodass er seiner Mutter Geld zukommen ließ. Die lehnte es anfangs ab, als Deacan sie aber besuchte, machte er ihr klar, dass er es nur gut meinte und sie seiner Meinung nach ein besseres Leben verdienen würde. Seitdem sahen sie sich ein-, vielleicht zweimal im Jahr.
                    Deacan machte Sera McCumber auch klar, dass ein professioneller Privateer keinen wirklich großen Freundeskreis besaß. Das Leben war meist zu kurz, um Freundschaften zu pflegen.
                    Sicher, noch ein paar Jahre und er könnte sich zur Ruhe setzen. Aber die Fliegerei im All, das war wie eine Sucht.
                    Deacan war sich sicher, dass man eines schönen Tages seine Leiche aus dem Cockpit kratzen würde. Sera McCumber wollte mehr hören und vor allem sehen, sie bat Deacan, mal mit auf Tour zu kommen.
                    Der sagte dazu nichts, sondern zuckte nur mit den Schultern. Für sie hieß das: Vielleicht.
                    Sie beschloss, ihn zu begleiten, zumindest bis er etwas gegenteiliges sagen würde. Und wenn er das tun würde, hätte sie zig Möglichkeiten, ihn zu überreden. Denn wenn sie einmal einen Entschluss gefasst hatte, blieb sie stur und beharrte darauf, bis sie ihren hübschen Kopf durchgesetzt hatte.
                    Deacan ahnte nicht mal, was er sich da aufgehalst hatte.
                    Die Zeit verging während der kleinen Plauderei sehr rasch, als Deacan kurz auf seine Uhr sah, fielen ihm Monica und Jenna wieder ein.
                    Die zwei warteten bestimmt im Sinner’s Inn auf ihn. Um Sera McCumber nicht einen Korb geben zu müssen, lud er sie kurzerhand ein, mitzukommen.
                    Und die sagte nicht nein, sie hatte sozusagen Blut geleckt und wollte mehr.
                    Wo dieser Privateer war, da konnte Gefahr nicht weit sein. Die kleine Millionärstochter glaubte, endlich einen Weg gefunden zu haben, um ihren Durst nach Abenteuern stillen zu können.
                    Auf dem Weg zum kleinen Sünder, wie Joe`s Kneipe unter Piloten auch genannt wurde, war Sera McCumber ungewöhnlich still.
                    Deacan bemerkte ihr Verhalten, er sah, dass sie ständig ihre Augen durch die Gegend wandern ließ.
                    Sicher, er wusste, das Kiowans niemals zweimal den selben Fehler machen. Sie hatten ihn weder im All noch auf festem Boden erwischt. Das nächste Mal würde jemand anderes mitmischen. Vermutlich ein anderer Clan. Oder ein Söldner, der heiß auf ein Kopfgeld war.
                    Obwohl Deacan nicht daran glaubte, dass die Kiowans Geld dafür zahlen würden.
                    Nicht, dass so etwas noch nie getan hätten. Vor einigen Jahren boten die Kiowans eine sehr hohe Summe für die Ermordung eines CIS Piloten, der eine Art Privatkrieg gegen sie führte.
                    Es fanden sich tatsächlich einige Piloten, die dumm genug waren, den Auftrag anzunehmen. Das Ergebnis waren zehn tote Söldner und jede Menge toter Kiowans.
                    Kurze Zeit später schlug der Tod dann doch zu, eine gekaufte Nutte vergiftete das CIS-Mitglied, um einen Tag später, als die Fahndung nach ihr lief, selber im Leichenschauhaus einzutreffen.
                    Eben Alltag hier.
                    Im kleinen Sünder war es voll wie immer. Unser Privateer hatte diesmal keine Schwierigkeiten mit netten Menschen, die sich für sein Geld interessierten. Er ließ seinen Blick quer durch den Raum schweifen.
                    Joe stand hinter dem Tresen, er erkannte seinen Gast sofort und nickte ihm zur Begrüßung zu.
                    Auch Monica und Jenna waren unter den Gästen, sie saßen weiter hinten in einer Ecke. Deacan sah auf Sera McCumber, dann zeigte er in Richtung Tresen.
                    „Hören Sie, setzen Sie sich da drüben hin und bestellen Sie etwas. Ich komme gleich nach.”
                    Mit diesen Worten ging er auf Jenna und Monica zu. McCumber sah ihm hinterher.
                    Als sie erkannte, wohin er ging, wurde sie leicht ärgerlich. Soso, keine Freundschaften. Aber für schnelle Bettbekanntschaften hatte er also Zeit.
                    Sie setzte sich in Richtung Tresen in Bewegung. Dort angekommen, setzte sie sich auf einen der vielen Barhocker, bestellte ein Bier und versuchte, Deacan irgendwie im Auge zu behalten.
                    Der hatte inzwischen den Tisch von Monica und Jenna erreicht. Man begrüßte sich sehr herzlich, mit Umarmung und flüchtigem Kuss.
                    Deacan setzte sich zu ihnen. Nun, sehen konnte Sera McCumber alles, nur hören nichts. Vor allem bei dem Lärm hier. Innerlich platzte sie vor Neugier und hoffte, dass Deacan ihr erzählen würde, was er dort zu besprechen hatte.
                    Der war in ein sehr konstruktives Gespräch vertieft. Jenna legte die Metallpins, die sie von Deacan erhalten hatte, auf den Tisch.
                    „Wenn du wieder mal Hilfe brauchst, ruf nach uns.”
                    Deacan griff sich seine Pins, dann lehnte er sich leicht über den Tisch.
                    „Ihr solltet besser von hier verschwinden. In letzter Zeit ist die Luft in meiner Nähe alles andere als gesund. Also, wo wollt ihr hin?”
                    Monica überlegte kurz.
                    „Du stehst also zu deinem Wort?”
                    „Hast du etwas anderes erwartet?”
                    „Nein. Wir haben uns geeinigt.”
                    Sie zeigte auf Jenna.
                    „War nicht gerade leicht. Wir wollen nach Anhur.”
                    Deacan nickte. Er griff zum MACS.
                    „Ich reserviere für euch einen Flug, heute noch.”
                    Das Gerät lieferte in wenigen Sekunden die Buchungsbestätigung.
                    „Auf euren ID-Cards sind die Tickets drauf. Wenn ihr dort seid, fragt am Informationsterminal nach Ser Gerald Neils. Ich kenne ihn seit Jahren. Er wird euch ein Quartier und Arbeit verschaffen. In Ordnung?”
                    „Wer genau ist dieser Neils?”
                    „Er leitet die CCN Operationen auf und um Anhur, ich fliege oft für ihn. Im Gegenzug hilft er mir, wenn ich Personen unterbringen muss.”
                    Jenna schien überrascht zu sein.
                    „So etwas passiert öfter?”
                    Deacan lehnte sich zurück.
                    „Was glaubst du? Ich beseitige nicht nur Piraten, manchmal muss ich auch Personen schützen. Und Neils ist dabei ein wichtiger Partner. Gebt ihm das, er weiß dann, was zu tun ist.”
                    Deacan griff in die Tasche, und legte eine kleine Anstecknadel in Jennas Hand.
                    Die sah sich das Schmuckstück gleich näher an.
                    „Was ist das?”
                    „Nun, es gehört Neils. Immer, wenn ich jemanden zu ihm schicke, bekommt die betreffende Person diese Nadel. Sozusagen eine Art von Erkennungssignal.
                    Er wird nach einem Passwort verlangen, um sicher zu gehen, dass ihr keine Betrüger seid. Sagt dann einfach: Storm. Mein Jäger trägt diesen Namen. Noch Fragen?”
                    Nein, es gab keine mehr. Beide verabschiedeten sich von Deacan mit der gleichen Herzlichkeit wie anfangs zur Begrüßung. Dann verließen sie auf schnellsten Wege die Kneipe.
                    An den Tresen schien schon ein Bier auf Deacan zu warten, zumindest hob Joe, der Barkeeper, ein solches hoch und wies Deacan an, doch näher zu kommen.
                    Der ließ sich das nicht zweimal sagen, er nahm neben Sera McCumber Platz und griff nach dem Glas.
                    „Ist das der Zeitvertreib eines Privateers?”
                    Deacan sah seiner Begleitung ins Gesicht. Da war es wieder, dieses Funkeln in ihren Augen, diesmal wirkte es aber anderes.
                    „Die beiden haben mir einen kleinen Gefallen getan, mehr nicht.”
                    Er setzte sich das Glas an die Lippen, nahm einen Schluck und stellte es dann wieder ab.
                    „Soso, einen Gefallen. Der hat bestimmt Spaß gemacht, wenn man auf solche Gefallen steht.”
                    In ihrer Stimme waren deutlich Stimmungsschwankungen zu hören.
                    „Spaß?”
                    „Ja sicher. Wer könnte schon nein sagen, bei dieser Aufmachung.”
                    Deacan überlegte kurz, dann zierte ein Lächeln sein Gesicht.
                    „Waren Sie schon mal auf Janus IV?”
                    „Was hat das damit zu tun?”
                    „Sie wären überrascht. In den dortigen Bars haben die Frauen noch viel weniger an als die zwei von eben.”
                    Sie griff hastig zum Glas.
                    „Noch weniger? Gibt es denn dort keine Sittengesetze?”
                    Deacan gab Antwort.
                    „Janus ist so etwas wie ein Mekka der Vergnügungssüchtigen. Ob Mann, ob Frau, dort kriegt jeder, was er oder sie will. Und glauben Sie mir, die beiden sind harmlos dagegen.”
                    Er wollte erst das Thema wechseln, dann kam ihm jedoch ein anderer Gedanke.
                    „Eifersüchtig?”
                    Sera McCumber spielte die Entrüstete.
                    „Ich? Hören Sie mal, was denken Sie sich eigentlich?”
                    „Ihre Reaktion auf mein kleines Meeting eben erinnerte mich fast ein wenig an eine Frau, die ihren Mann zurecht weißt.”
                    Sie lachte kurz höhnisch. Deacan lockerte das Gespräch wieder auf. Er hob sein Glas.
                    „Vorhin, da haben sie kurz das „Sie” vergessen. Wie wäre es, wenn es dabei bliebe?”
                    McCumber sah auf. Warum auch nicht.
                    „Also, dann: Chyna.”
                    Sie hob ebenfalls ihr Glas.
                    „Deacan.“
                    „Wie wäre es, haben Sie, nein- hast du Lust, nachher mit in den Hangarbereich von Hermes zu kommen? Ich würde gerne einen Blick auf deinen Jäger werfen. Es ist immer interessant, mal zu sehen, wie andere die Gefahren da draußen meistern.”
                    „Nun gut, aber nur, wenn ich im Gegenzug deine Maschine mal von innen kennen lerne.“
                    Ein Lächeln ging über Chynas Gesicht.
                    „Hast du Liegesitze?”
                    Sie rückte näher an Deacan heran, verführerisch schlug sie die Beine übereinander. Der Söldner setzte das Glas ab.
                    „Ich glaube eher nicht. Die Drakkar ist nicht für so etwas geeignet. Ein wenig zu eng, würde ich mal sagen.”
                    „Schade. Aber egal, die Jendevi, die in meinem Besitz ist, ist genauso liebesfeindlich.”
                    „Darf ich kurz unterbrechen?”
                    Deacan ließ seinen Blick von Chyna los. Joe Kane, der Barkeeper und Besitzer des Kleinen Sünders, war näher gekommen.
                    Er entdeckte eine kleine Bierpfütze auf dem Tresen, mit der bloßen Hand wischte er diese weg. Deacan hoffte auf Informationen.
                    „Was haben Sie für mich?”
                    „Nicht sonderlich viel. Ich habe mir erlaubt, ein paar Leute zu befragen. Keine Angst, die sind in Ordnung und loyal. Sie wollen also Santana?”
                    Joe sah auf seine Hand, dann streifte er sie an seinem Hemd ab.
                    „Nichts lieber als das.”
                    „Dann viel Spaß. Es geht das Gerücht um, dass er mit der, sagen wir Unterwelt zusammen arbeitet.”
                    „Das ist nichts neues.”
                    „So? Kiowan. Es heißt, dass seine persönlichen Leibwächter ehemalige Kiowan sein sollen.”
                    Deacan sah kurz in die Runde.
                    „Gibt es Beweise?”
                    „Sicher. Es scheint aber, dass alles unter der direkten Regie Santanas geschieht. Er versucht, die Kiowan gesellschaftsfähig zu machen. Wer weiß, wo diese Typen noch überall drin stecken.”
                    Dieser Satz war für Deacan ausschlaggebend. Er trank sein Glas aus und bedankte sich bei Joe.
                    Zwar hatte dieser ihm nicht helfen können, was Santanas Reiserouten betraf, er versprach jedoch, sich weiterhin umzuhören.

                    Kommentar


                    • #11
                      Teil 9

                      Der Privateer hatte genug gehört und gesehen, er verließ mit Chyna die Kneipe und machte sich auf, um wie zuvor abgemacht, dem Raumhafen einen kleinen Besuch abzustatten.
                      Sie brauchten keine zwanzig Minuten dorthin, die Gassen waren menschenleer. Und die Gassen wirkten etwas sauberer, das fehlende Tageslicht ließ den Dreck zumindest für ein paar Stunden verschwinden.
                      Alles in allem war es eine schöne Nacht, aber es fehlte etwas.
                      Vogelgesang.
                      Auf fast allen anderen Planeten mit Atmosphäre gab es Vögel, nur Hermes und Hades bildeten die Ausnahme. Der Hauptgrund hier war die Tatsache, dass es kein Wasser an der Planetenoberfläche gab. Es wurde mit enormem Aufwand aus der Tiefe herauf geholt und war zu kostbar, um es draußen in Teichen oder kleinen Seen zu vergeuden.
                      Die Temperaturen kletterten im Sommer bis auf über fünfzig Grad, kein Wasser hatte da die Chance, der Verdunstung zu entgehen. Wie gesagt, es gab hier keine Vögel, die Nächte waren unheimlich still, nur ab und zu unterbrochen von den Geräuschen der Triebwerke der startenden und landenden Jäger.
                      Der Hangarbereich konnte nur von den Piloten selbst betreten werden, wer kein MACS dabei hatte, kam erst gar nicht rein.
                      Chyna besaß eine ältere Version dieses Gerätes, allerdings war es nur zum Zugang und zum starten ihrer Maschine zu gebrauchen. Die kleinen Spielereien, die Deacans MACS drauf hatte, wurden von ihr nicht benötigt. Zumindest jetzt noch nicht.
                      Der Hangarbereich selbst war schlichtweg gigantisch. In der Länge maß er fast achthundert Meter, er war siebzig Meter breit und komplett überdacht. Wenn man abheben wollte, wurde eine der vielen Dachluken geöffnet.
                      Das Verhalten hier waren extrem streng reglementiert. Kein Feuer, keine Schusswaffen. Man konnte Waffen kaufen, aber immer nur so viele, wie man am Jäger montieren konnte. Auf diese Weise versuchte man illegalen Waffenhandel zu unterbinden.
                      Die Piratenclans hatten allerdings eigene Bezugsquellen, egal wann und wo man auf sie stieß, ihre Maschinen waren stets in perfektem Zustand und ihre Raketenaufhängungen immer bestückt.
                      Chyna hatte enormes Interesse an Deacans Maschine, sie wollte diese unbedingt zuerst sehen. Der Söldner hatte nichts dagegen, er führte sie in den hinteren Bereich des Hangars.
                      „Da ist sie.”
                      Er zeigte auf einen kleinen Jäger im Militärlook. Chyna blieb davor stehen, sie zögerte einen Augenblick die Maschine zu berühren, Deacan nickte aber verständnisvoll.
                      „Was kann sie?”
                      Chyna war hin und weg.
                      „Vierhundert Meter pro Sekunde, mit Nachbrennern über tausend. Vier Geschütze, zwei Typ Kraven Mark IV und zwei Masse-Ionen-Kanonen, drei Proxima und zwei Phytonraketen.
                      Plus maximaler Ausrüstungsstandart, also Schildregenerator Typ drei, dasselbe gilt für den Nachbrennerbooster. Laserkühlsystem Typ vier. Und einen Notschild, der für etwa zwanzig Sekunden den Jäger unverwundbar macht.
                      Er funktioniert mit Subraumtechnologie.”
                      „Ich habe davon gehört, es hieß aber, man könne es nur einmal verwenden.”
                      „Das war mal so. Die Spulen brauchen knapp fünf Minuten um sich wieder aufzuladen, das ist das einzige Problem dabei.”
                      „Noch etwas?”
                      Deacan zog die Stirn in Falten.
                      „Reicht das nicht?”
                      Chyna pfiff leise durch die Zähne.
                      „Das Ding muss doch einen Wahnsinnswert haben, oder?”
                      Deacan winkte ab.
                      „Über Geld spricht man nicht.”
                      „Ach nein? Auch dann nicht, wenn es dabei um Missionsprämien geht?”
                      „Nun, das ist ein wenig anders. Im Gegensatz zu anderen Söldnern kann ich mir inzwischen meine Auftraggeber aussuchen. Man hat eben so seinen Ruf.”
                      Chyna schritt um den Schiffsbug herum, mit der linken Hand fuhr sie fast zärtlich über das Metall. Deacan verlor sie aus den Augen, er hörte aber ihre Schritte sehr genau.
                      „Ich dachte immer, Leute wie du würden mit Freij oder Faldari Jägern arbeiten.”
                      Der Privateer ging auf Chynas vermeintliche Position zu, er ging geduckt unter seiner Maschine hinweg.
                      „Viele denken da genau wie du. Sicher, diese Jäger sind nicht schlecht, sie haben aber einen kleinen Nachteil.”
                      Er hatte jetzt wieder Chyna vor Augen. Sie schenkte ihm einen kurzen Blick, um sich dann wieder der Drakkar zu widmen.
                      „Was für einen Nachteil?”
                      „Der Preis für Reparaturen. Die Dinger sind extrem empfindlich was Treffer angeht. Die Drakkar hier ist einfach und billig. Die meisten Piloten legen sich Repairdroids zu, um wenigstens einen Teil der Kosten zu verhindern.
                      In der Regel fressen die Kosten für Wartung und Instandsetzung mehr als die Hälfte des Solds auf. Und darauf kann ich gerne verzichten.”
                      Deacans MACS meldete sich kurzerhand per Audiosignal und der Privateer ging auf Empfang. Er trat einige Schritte zur Seite, las kurz den Inhalt der Mail, die ihn erreicht hatte, dann steckte das Gerät wieder an seinen Platz.
                      „Sag mal, wo steht eigentlich deine Maschine?”
                      Chyna ließ ihren Blick nicht von der Drakkar, während sie Antwort gab.
                      „Die steht noch in der Werkstatt. Willst du sie sehen?”
                      „Später. Wie ich sehe, hast du mehr Interesse an Technik als an Menschen, mh?”
                      „Tja, Maschinen lügen nicht. Entweder sie funktionieren oder nicht.”
                      Deacan überlegte kurz. Die Mail, die er eben gelesen hatte, stammte von Hades.
                      Die CIS wollte ihn sprechen, genauer gesagt ein Mann namens David Hassan. Es schien dringend zu sein, er sollte sich beeilen. Da Chynas Jäger nicht verfügbar war, blieb ihm nur eine Alternative.
                      Er wollte sie nicht alleine zurück lassen, immerhin fand er Gefallen an ihr. Also startete er einen direkten Versuch.
                      „Hör mal, ich muss dringend nach Hades. Und ich kann leider nicht warten, bis deine Jendevi wieder klar ist. Also, wie sieht es aus?”
                      Chynas Blick wanderte vom Jäger weg hin zu Deacan. Am liebsten wäre sie aufgesprungen, hatte laut „Ja!” gerufen.
                      Sie versuchte aber, cool zu bleiben.
                      „Dann los, ich meine, wenn ich dich nicht störe.”
                      Statt einer Antwort schob Deacan eine Leiter an seinen Jäger heran, er kletterte hinauf und öffnete das Cockpit. Dann schwang er sich auf seinen Sitz. Chyna stand noch unten.
                      „Willst du auf eine Einladung warten? Na los, komm schon hoch!”
                      Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Die Stufen der Leiter nahm sie im Eilschritt, schob dann ihren Hintern auf den Platz hinter Deacan und schnallte sich an. Das Cockpit hier erschien ihr viel größer als das ihrer Jendevi, es war heller und die Aussicht war besser. Sie konnte sogar über Deacans Schulter sehen und alles, was vorn passierte, mitverfolgen.
                      Per Intercom holte Deacan die Starterlaubnis ein, dann gab er Schub. Ein Ruck ging durch den Jäger. Schnell verließ man den Hangar und flog von der Planetenoberfläche weg, hinaus ins All.
                      „Ich glaube, wer diesen Anblick einmal gesehen hat, kommt nie wieder von der Fliegerei los.”
                      Deacan zeigte mit der Hand nach hinten, wo sich Hermes befand. Der Planet war in diffuses Licht gehüllt, am Rand konnte man schon den Sonnenaufgang erkennen. Das Licht wurde intensiver, Deacan aktivierte den Sichtschutz.
                      Er kontrollierte kurz die Instrumente, und hielt nach der nächsten Jumpboje Ausschau. Ein kurzes Geräusch lenkte jedoch seine Aufmerksamkeit auf das Radar. Es zeigte einen Kontakt an.
                      Deacan erhöhte die Reichweite des Gerätes. Zwei rote Punkte verhießen nichts Gutes. Er schaltete den ID-Scanner seiner Maschine ein, um zu erfahren, mit was er es hier zu tun bekäme.
                      „Schwierigkeiten?”
                      Chyna hatte Deacans Aktionen mitverfolgt, sie kannte die Prozedur nur zu gut.
                      „Eine Vendetta und eine Tacon. Sie sind beschäftigt.”
                      „Und womit?”
                      Deacan ließ den Scanner weiter suchen.
                      „Schon klar. Die haben es auf einen Transporter abgesehen. Entfernung etwa vierhundert.”
                      Chyna spürte, wie ihr Puls nach oben jagte. Natürlich hatte auch sie schon Piraten gejagt, sie nutzte aber dabei stets einen Wingman, oder sie blieb in der Nähe der Geschütztürme ihres Frachters. Deacan aber war allein.
                      „Dann los.”
                      Er gab per Nachbrenner enorm Schub. Ohne die Trägheitsdämpfer im Schiff wären beide jetzt tot. Auf Chynas Platz gab es keinerlei Instrumente, also sah sie dem Piloten ständig über die Schulter.
                      Langsam wurde der Frachter größer, es war ein Schiff Typ Ilia, eine ältere Version.
                      Und jetzt konnten sie auch die Angreifer erkennen. Beide versuchten, dem Geschützfeuer des Frachters auszuweichen. Deacan schaltete zunächst die Vendetta als Ziel auf.
                      Der Pilot hatte die Drakkar wohl noch nicht bemerkt, oder er sah in ihr keine Bedrohung. Deacan kam unaufhaltsam näher. Kurz bevor die Vendetta wieder hinter den Aufbauten der Ilia abtauchen konnte, eröffnete er das Feuer.
                      Die Kravenlaser schnitten sich durch das All und schlugen auf den Schilden des Gegners ein. Bereits mit den ersten Treffern verloren diese fast die gesamte Energie.
                      Der Vendetta-Pilot versuchte sich aus der Schussbahn heraus zu manövrieren. Zwecklos. Deacans Drakkar war ihm in diesem Punkt überlegen. Erneut lösten sich von der Drakkar Salven tödlicher Energie. Sie verfehlten ihr Ziel nicht.
                      Das Heck der Vendetta wurde regelrecht zerfetzt. Treibstoff floss ins All, die Elemente für die Steuerung versagten. Ein letztes Mal betätigte der Söldner den Abzug, und der Gegner verschwand in einer Explosion.
                      Die Tacon hatte versucht, Deacan und dessen Beute einzuholen, ihre geringe Geschwindigkeit ließ das jedoch nicht zu. Jetzt war sie das Ziel. Eine einfache Aufgabe.
                      Die Tacon besaß zwar enorme Feuerkraft, konnte diese allerdings nur bei langsamen und unbeweglichen Zielen nutzen. Deacans Jäger war aber weder langsam noch träge. Seine Geschütze trafen genau ins Schwarze.
                      Die Tacon wehrte sich mit einer Rakete. Deacan drehte ab. Laut den Sensoren handelte es sich um eine Brute-Rakete. Schnell und zielgenau.
                      Viel Zeit blieb ihm nicht, selbst mit Nachbrennern holte das Geschoss ihn so oder so ein.
                      Chyna sah die Rakete jetzt auch, da flog der Tod, und ihr Name stand darauf. Sie sah sich schon in einer Rettungskapsel, als die Rakete plötzlich ihren Kurs änderte. Ging ihr der Treibstoff aus? Nein, gewiss nicht.
                      Der sichere Tod drehte ab und schoss auf die Tacon zu. Zum Ausweichen war es zu spät. Sie schlug genau ins Cockpit ein, man sah Luft entweichen. Die Tacon begann zu trudeln, Deacan flog frontal auf sie zu und feuerte. Nach wenigen Treffern zerbarst der Feind in viele Trümmer, die still von dannen schwebten.
                      Chyna atmete auf. Aber wieso hatte die Rakete sie verfehlt? Das ergab keinen Sinn. Gab es Systeme, die so kuriose Ereignisse herbei führen konnten?
                      „RTS.”
                      Deacan hatte Chyna Gesichtsausdruck wohl bemerkt und war jetzt bemüht, Antworten zu geben. Er ließ ihr keine Zeit für eine Frage.
                      „Return to Sender. Eine nützliche kleine Erfindung der CIS.
                      Dieses kleine Ding sendet einen Impuls aus, der in drei von vier Fällen die Zielaufschaltung von anfliegenden Raketen löscht und statt dessen die ID des Angreifers in den Suchkopf einpflanzt.
                      Man kommt sehr schwer an so etwas ran, ich habe es seit vier Monaten. Um genau zu sein, neben mir fliegen offiziell nur elf andere zivile Jäger damit herum.”
                      Deacan drehte seinen Kopf wieder nach vorn, er überflog noch einmal den Frachter, vollzog eine Siegerrolle und drehte dann in Richtung Jumpboje ab.
                      Laut Navigationscomputer würde der gesamte Flug rund zwei Stunden in Anspruch nehmen. Zwei Stunden Langeweile. Zumindest war es normalerweise so.

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                      • #12
                        Teil 10

                        *
                        Während des Fluges war Chyna unheimlich still.
                        Ihr gingen tausend Sachen durch den Kopf, angefangen von Dingen wie der Frage, warum sie ein derartiges Risiko einging und ihren Hals mit in die Schlinge, die eigentlich für Deacan bestimmt war, hinein legte.
                        Ihr Blick wanderte nach draußen. Viel zu sehen gab es nicht, im Hyperraum war alles dunkel, ab und zu flog mal ein Frachter oder die Miliz vorbei.
                        Da ihr Vordermann sich weder rührte noch einen Ton von sich gab, vermutete sie, dass er eingeschlafen war und auf diese zugegeben recht entspannende Weise sich die Flugzeit verkürzte.
                        Deacan schlief aber nicht. Er hatte gerade die Pins, die er von Jenna und Monica auf Hermes zurück bekommen hatte, beim Wickel. Sein MACS scannte die Aufzeichnungen und wandelte sie in Textdateien um.
                        Das was er da zu lesen bekam, war absolut nicht jugendfrei. Aber auch nicht sonderlich hilfreich. Keine Informationen, die Deacan hätte verwenden können. Eben Pech. Aufgeben war für ihn aber nicht drin, er musste also anderes an die Sache heran gehen. Direkter. Und damit wurde es leider auch schwieriger.
                        Deacan sah in der Reflexion der Frontscheibe Chyna und die Langeweile, die sie vor sich her schob. Er beschloss, für ein wenig Unterhaltung zu sorgen, und drehte sich in ihre Richtung. Sie schien in Gedanken versunken zu sein und bemerkte daher zunächst die neue Sitzposition des Piloten nicht.
                        Erst als der mit dem Finger vor ihrer Nase schnippte, kehrte sie in die Realität zurück.
                        „Wie weit waren wir denn weg?”
                        Deacan legte das Kinn auf seine Hand.
                        „Wer weiß. Interessiert es dich wirklich?”
                        Er zog, wie so oft, die Augenbrauen hoch.
                        „Erzähl einfach.”
                        „Ich dachte nur kurz an mein Zuhause, weißt du? Ich meine, ich wüsste gern, was dort derzeit so abläuft.”
                        Falsches Thema, Deacan kannte Heimweh nicht und konnte hier nicht mitreden. Er wollte aber auch nicht so einfach das Thema wechseln.
                        „Möglicherweise könnten wir ja einen kleinen Abstecher zu dir nach Hause machen. Wenn wir hier fertig sind.”
                        Chyna versuchte, es Deacan in punkto Augenbrauen hoch ziehen gleich zu tun, es wirkte aber ein wenig anders, lustiger eben.
                        „Da wir gerade beim Wort „Fertig” sind: wäre es nicht an der Zeit, dass du mir ein wenig mehr über bestimmte Dinge erzählen würdest? All diese kleinen Sachen passieren doch wohl nicht täglich, oder?
                        Man versucht, dich abzuknallen, dann sagst du, im All hätte man das auch versucht. Also, ich höre dir gerne bei deinem Versuch zu, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.”
                        Der Söldner merkte, es nützte nichts, noch weiter den Geheimnisvollen raus hängen zu lassen. Chyna wollte Fakten. Nun gut, vielleicht fand sie ja eine brauchbare Lösung.
                        Er holte kurz Luft, wandte seinen Blick von Chyna ab.
                        „Nun, alles begann vor zwei Jahren. Damals übernahm ein Mann namens Lev Arris die Kontrolle über den Clan.”
                        „Welchen Clan?”
                        „DEN CLAN. Der Name Kronos sagt dir sicher etwas, oder? Die Vendetta vorhin, das ist ein Schiff des besagten Clans. Er hat niemals einen richtigen Namen gehabt, aber er war für Terror und Tod hier verantwortlich.
                        Selbst die CIS hatte keine Chance gegen ihn. Erst als Arris das Steuer übernahm, kehrte kurz Ruhe ein. Wie er das gemacht hatte, weiß keiner. Vermute ich mal. Es wird aber erzählt, das Arris Bruder den Clan ursprünglich geführt hatte.
                        Arris soll ihn mit Hilfe der CIS getötet haben, eigentlich eine gute Tat, der man den Segen geben sollte. Danach kehrte kurzzeitig Ruhe ein, es gab sogar wieder regen Handel entlang der äußeren Sonnensysteme.”
                        „Und warum hat sich diese Lage nicht stabilisiert?”
                        Deacan sah kurz auf seine Cockpitinstrumente.
                        „Den genauen Grund kenne ich nicht. Das Verschwinden des großen Clans verursachte aber einigen Wirbel bei den kleineren Piratenclans, sie verloren einen wichtigen Partner, insbesondere was Waffenlieferungen betrifft. Und ich glaube, dass einige von ihnen versuchen, neue Beziehungen zu knüpfen.”
                        Deacan hielt kurz inne.
                        „Diese neuen Partner könnten die Privateers sein.”
                        Chyna lehnte sich zurück.
                        „Die Gilden? Ist das dein Ernst?”
                        „Ja, leider. Deshalb habe ich auch den ganzen Tumult rings um mich herum.
                        In letzter Zeit verschwanden etliche der alten Söldner. Meist auf seltsame Weise. Nicht, das denen nie was passieren würde. Aber das sind echte Profis, die wissen, wann man sich zurückziehen muss.”
                        „Und du warst also der Nächste auf der Liste der zu entfernenden Störfaktoren?”
                        „Allerdings. Es hätte auch fast geklappt. Zum Glück hatte ich nur kurz vorher etwas Geld in ein Paar Warpschilde investiert. Das hat mir den Hals gerettet.”
                        „Und weiter?”
                        „Dummerweise fing ich an, Fragen zu stellen. Und jetzt stehe ich fast allein da.”
                        Chyna verzog ihr Gesicht, als würde sie in etwas saures beißen.
                        „So allein wie du denkst bist du nicht.”
                        Sie tippte sich mit den Finger auf die Brust.
                        „Super, die Kavallerie ist also schon an Bord.”
                        Sie bemerkte sofort den sarkastischen Tonfall in Deacans Stimme.
                        „Sicher, ich bin vielleicht nicht so ein guter Pilot wie du, dafür habe ich sehr einflussreiche Freunde. Ich habe demnach doch einen gewissen Nutzfaktor, oder etwa nicht?”
                        „Warten wir es ab. Im Moment kann ich jede Hilfe gebrauchen, die ich kriegen kann.”
                        Deacan wandte sich wieder nach vorn den Instrumenten zu und ließ einige Diagnoseprogramme laufen.
                        Die Zeit verging angenehm schnell, man hatte sich auch noch so einiges zu erzählen. Deacan hatte versucht, Chyna ein wenig von den Machtverhältnissen innerhalb des Tri-Systems zu berichten, er machte ihr aber auch klar, dass sich alles binnen weniger Stunden verändern konnte.
                        Seine Begleitung interessierte sich besonders für den großen Clan, und warum wieder Schiffe dieser Organisation im Umlauf waren. Deacan vermutete, dass es innerhalb des Clans zu Konflikten gekommen war und ein Teil der Clanmitglieder die alte Lebensweise wohl nicht aufgeben wollte.
                        Vormals war der Clan eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen gewesen, mit Beziehungen bis in die höchsten Ebenen.
                        Es kam jedoch zum Machtwechsel, und aus friedlichen Frachtpiloten wurden potentielle Killer. Wie gesagt, Lev Arris hatte zur Zeit das Kommando, er schien aber einen großen Teil seiner Leute nicht im Griff zu haben. Deacan würde Arris gerne kennen lernen, bisher ergab sich jedoch keine Möglichkeit dazu.
                        Arris glich ohnehin eher einem Phantom als einer realen Person.

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                        • #13
                          Teil 11

                          Die Computerstimme seiner Drakkar lenkte die Aufmerksamkeit des Piloten wieder nach vorn.
                          Laut Sensoren befanden sich mehrere große Objekte, sprich Schiffe, im Orbit von Hades. Eigentlich war das nicht außergewöhnlich.
                          Doch der Bordcomputer würde keinen Alarm schlagen, wenn es sich dabei nur um einfache Militärschiffe handeln würde. Die Drakkar fiel aus dem Hyperraum, der Planet Hades wurde größer und Deacan erkannte sofort, dass hier etwas nicht stimmte.
                          Wieder meldete sich die Computerstimme.
                          „Warnung! Sie sind als Ziel aufgeschaltet! Warnung!”
                          Der Pilot stellte den Alarm ab und versuchte den Angreifer per Radar ausfindig zu machen. Irgend etwas schien jedoch seine Systeme zu stören. Also, anders. Wozu hat der Mensch Augen? Er ließ seine Blicke quer durch das All schweifen, etwas zu erkennen war extrem schwierig, hier gab es nur sehr wenig Licht, mal abgesehen von Hades, der leicht rot schimmernd vor ihm lag.
                          Die Sonne stand hinter dem Planeten, so das dies noch erschwerend dazu kam. Dann allerdings glaubte er etwas sehr Grosses zu erkennen, das sich ihm frontal näherte.
                          Er aktivierte den Nachbrenner, wollte näher heran um eine positive ID zu bekommen. Das Schiff, das sich da näherte, hatte wohl etwas gegen ihn. Jedenfalls eröffnete es das Feuer.
                          Schweres Abwehrgeschützfeuer, um genau zu sein. Damit wollte Deacan beim besten Willen keine Bekanntschaft machen und drehte ab.
                          Jetzt erkannte er den Angreifer: Papagos, ein schwerer Kreuzer...
                          Deacan hatte keine Torpedos geladen und wollte sich auf keinen Kampf einlassen. Kaum war jedoch der Kreuzer aus seinem Blickfeld verschwunden, tauchte ein weiterer vor ihm auf. Dieser war gerade aus dem Hyperraum gesprungen und befand sich wohl in der Endtransitphase.
                          Er wurde bedrohlich größer, man konnte jetzt Aufbauten ausmachen, sogar die Geschütztürme erkennen. Und genau diese schwangen wütend herum und nahmen Deacans Drakkar aufs Korn.
                          Zum Ausweichen blieb kaum Zeit. Die ersten Salven verfehlten den Jäger und verloren sich im Raum. Die nächsten trafen jedoch genau ihr Ziel. Die Schilde der Drakkar begannen schwächer zu werden.
                          Raus hier!
                          Per Nachbrenner versuchte Deacan etwas Raum zwischen sich und den Kreuzer zu bringen. Die Anzahl der Treffer verringerte sich, die Schilde der Drakkar begannen sich wieder aufzuladen.
                          Der Söldner warf einen Blick über die Schulter, die Kreuzer nahmen die Verfolgung auf. Deacan schätzte ihre Chance, ihn einzuholen, gleich Null ein. Er wollte einen Bogen um sie herum fliegen, um dann auf Hades zu landen.
                          Plötzlich aber ging ein Ruck durch den Jäger. Deacan sah auf die Statusanzeige seiner Schilde. Diese hatten gerade rund fünfundzwanzig Prozent ihrer Leistung verloren. Man begann, nach der Ursache zu suchen.
                          Ein Treffer! Und zwar mit einer Rakete. Das RTS war wohl ebenfalls gestört. Jetzt erst erkannte der Privateer, dass er es nicht nur mit zwei Kreuzern, sondern auch mit etlichen Jägern zu tun hatte. Diese hatte sich hinter dem ersten Kreuzer versteckt gehalten, jetzt jagten sie hinter der Drakkar her.
                          Rechts und links jagten Laserstrahlen dicht an Cockpit vorbei. Abdrehen! Die Verfolger versuchten, dran zu bleiben und weitere Treffer zu landen. Deacan hingegen versuchte, zuerst einmal die Anzahl der Verfolger zu bestimmen.
                          Vier, fünf Jäger. Allesamt vom Typ Tembler. Sehr schnell und gut bewaffnet.
                          Trotz seines Geschicks konnte er nicht allen Laserstrahlen ausweichen. Einen Treffer nach dem anderen musste er einstecken.
                          Eine Tembler brach aus der Formation aus. Jetzt war Deacan am Zug. Er drehte seine Maschine und bekam die Tembler vor sein Fadenkreuz. Deacan feuerte kurz seine Geschütze ab, dann klinkte er eine Proxima-Rakete aus.
                          Diese schlug in den Bug der Tembler ein und tat dort ihr vernichtendes Werk. Der Jäger brach in der Mitte auseinander, die Trümmer verteilten sich im Raum.
                          Einer weniger! Man hätte Grund zur Freunde gehabt, wäre da nicht noch ein hübsches Quartett, das hinter einem her jagte. Und die vier machten es dem Söldner schwer, am Leben zu bleiben.
                          Außerdem bemerkte er, dass sie ihn in Richtung der Kreuzer trieben. Er versuchte mehrfach auszubrechen, doch ohne Erfolg. Eine Snipe-Rakete verfehlte seine Tragfläche nur knapp. Sie explodierte jedoch genau vor ihn und nahm ihn jede Sicht.
                          In den wenigen Sekunden, die Deacan blind flog, steckte er mehr Treffer ein, als sein Jäger vertrug. Die Heckpanzerung ging jetzt flöten, Deacan aktivierte den Warpschild. Dieser würde ihn für zwanzig Sekunden nahezu unverwundbar machen.
                          Er nutzte diesen Moment, stoppte die Maschine. Eine Tembler kam nicht rechtzeitig zum Stillstand und knallte genau in Deacans Jäger. Dank der Warpschilde passierte der Drakkar nichts, die Tembler hingegen riss sich die rechte Rumpfseite auf und verlor dabei die Steuerung. Man brauchte nicht einmal mehr zu feuern, der angeschlagene Gegner war keine Bedrohung mehr.
                          Nummer zwei strich er von der Liste. Als Deacan wieder Schub gab, hatte der Warpschild seine Schuldigkeit getan und brach zusammen, darunter hatten die Standartschilde noch immer nicht ihre volle Stärke erreicht.
                          Erneut wurde die Drakkar mit Blasterstrahlen eingedeckt, von denen etliche ihr Ziel erreichten. Dem Söldner blieb nur die Flucht nach vorn. Da er sowieso in Richtung der Kreuzer getrieben wurde, hoffte er, zwischen ihnen durch zu fliegen. Vielleicht trafen sie sich ja gegenseitig, oder erwischten einen der verbliebenden Temblerjäger.
                          Er wusste aber auch, wie genau die Zielcomputer auf diesen Kreuzern arbeiteten, und dass seine Chancen, heil aus der Sache zu kommen, eigentlich gleich null waren. Er sah nach hinten, zu Chyna. Die sagte keinen Ton und klammerte sich an der Rückenlehne ihres Vordermannes fest.
                          Deacan war froh, keinen hinter sich zu haben, der vor Angst schrie oder gar tobte. Sein Blick ging wieder nach vorn. Die Kreuzer wurden größer, genau wie die Tembler hinter ihm. Deacan wartete auf den Beginn des Kreuzerfeuers, um irgendwie ausweichen zu können. Er hoffte es zumindest.
                          Dann brach die Hölle los. Helles Licht begleitete die ersten Salven, die nach Deacans Jäger griffen und trafen. Die Drakkar verlor innerhalb von Sekunden sämtliche Schildenergie, der Pilot feuerte blindlings seine restlichen Raketen ab, mehr zur Beruhigung als in der Hoffnung, damit realen Schaden anzurichten.
                          Teile der Panzerung lösten sich, doch die Drakkar hatte wohl nicht vor, zu zerbrechen. Die Tragflächen wurden regelrecht zerfetzt, das rechte Triebwerk versagte den Dienst. Ein weiterer Treffer ließ die Elektronik ausfallen. Sicherungen knallten durch, die Luft im Cockpit füllte sich mit beißendem Rauch.
                          Etwas explodierte vor Deacan, Teile der Instrumententafel flogen ihm entgegen. Er verspürte einen stechenden Schmerz und griff sich an die Schulter. Ein scharfes Stück Kunststoff hatte sein Shirt durchtrennt und steckte jetzt tief im Fleisch. Blut floss ihm über den Arm, er versuchte, die klaffende Wunde mit Gewalt zuzudrücken. Chyna hatte das Ganze wohl mitbekommen, sie griff Deacan über die Schulter.
                          „Mach du vorne weiter, ich drücke die Wunde zu.”
                          Der Pilot hätte gern ein Wort des Dankes gesagt, allein der Schmerz hinderte ihn daran. Er griff wieder zum Controllstick. Innerlich verfluchte er jetzt seine Lage. Jede Bewegung der rechten Hand verursachte unsägliche Schmerzen.
                          Auf wundersame Weise, oder sagen wir einfach mal mit Glück, schaffte er es tatsächlich, den Flug inmitten der Kreuzer zu überleben. Seine Geschwindigkeit sank, zwei der Tembler waren noch immer hinter ihn her.
                          Kämpfen war sinnlos. Es musste anderes gehen.
                          Er ließ Treibstoff ab, ein riskantes Manöver, zumal die Gegner wieder das Feuer eröffneten. Zeitgleich kam er Hades immer näher. Er klinkte zwei Minen aus, beide zündeten schon bei Annäherung. Die Tembler konnten gar nicht ausweichen. Die Sprengkraft beschädigte die Jäger zwar schwer, machte sie aber nicht kampfunfähig.
                          Deacan war inzwischen gefährlich nahe an die Atmosphäre von Hades gekommen, die Rumpfnase der Drakkar begann zu glühen. Der Eintrittswinkel war extrem schlecht gewählt. Für Richtungskorrekturen blieb dem Söldner jedoch keine Zeit. Er hoffte, dass die Verfolger ihren Anflug abbrechen würden, sobald auch sie in die Atmosphäre eintauchen. Er sah nach hinten. Tatsächlich drehte eine Maschine ab, die zweite verabschiedete sich mit einer letzten Geschützsalve.
                          Das Heck der Drakkar begann zu brennen, jetzt da es genügend Sauerstoff gab. Die Maschine tauchte durch die Wolkendecke von Hades.
                          Deacan wusste, das er keine Überlebenschance hatte, wenn er es nicht schaffen würde, in der Nähe einer der großen Kuppelstädte zu landen. Er hatte sämtliche Instrumente verloren und musste sich daher auf seine Augen und seinen Instinkt verlassen.
                          Hades war auf dieser Planetenseite noch immer dunkel, die Sonne würde erst in Stunden hier aufgehen. Mit ihr würde aber auch der Tod kommen, ihre intensive Strahlung ließ die Temperaturen hochschnellen.
                          Nicht weit entfernt entdeckte Deacan das Licht einer Siedlung. Er flog direkt darauf zu. Die Drakkar ließ sich nicht stabilisieren, ein leichtes Trudeln setzte ein.
                          Deacan versuchte wenigstens das Fahrwerk auszufahren. Er verspürte einen leichten Ruck, es gab jedoch keine Möglichkeit zu überprüfen, ob es auch verriegelt war.
                          Der Boden kam näher, dann schlug die Drakkar auf.
                          Das Bugrad brach ab, der Rumpf begann sich in den weichen Boden zu graben. Die Gurte rissen, Deacan schlug hart auf die Überreste der Instrumententafel auf. Nach knapp zweihundert Metern kam er dann zum Stillstand.
                          Jetzt hieß es so schnell wie möglich die Maschine zu verlassen. Der Rumpf war völlig verzogen, das Cockpit ließ sich daher nur mit Gewalt öffnen.
                          Deacan legte sich auf den Rücken und begann, gegen das Glas zu treten. Nach dem zweiten Versuch brach der Verschlussbolzen ab, das Cockpit schwang auf.
                          Chyna kletterte flink heraus, Deacan hatte gerade noch die Kraft, sich herausfallen zu lassen. Er schleppte sich mit Chynas Hilfe einige Meter vom Wrack weg. Dann glaubte er einen Landgleiter zu sehen, der sich rasch dem Ort des Crashs näherte.
                          Die Luft war dünn, er bekam Atemnot, ihn wurde schwarz vor Augen, seine Sinne schwanden...

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                          • #14
                            Teil 12

                            *
                            Wie geht es ihm?”
                            „Er ist noch ohne Bewusstsein, aber dieser Zustand wird nicht mehr lange anhalten. Er hat viel Blut verloren und wird noch einige Tage hier bleiben müssen.”
                            „Kann ich zu ihm?”
                            „Ich denke mal, das geht in Ordnung. Aber nicht lange.”
                            Die Krankenschwester wies der jungen Dame, die einen Aktenkoffer unter ihrem Arm trug, die Richtung zu der von ihr gesuchten Person. Die Schwester ging voran und blieb dann schließlich vor einer grauen Tür stehen.
                            „Zehn Minuten, nicht länger.”
                            Sie öffnete die Tür, die Frau nickte ihr dankend zu, dann betrat sie leise den Raum. Die Einrichtung hier war extrem spartanisch, aber dieses Hospital gehörte nun mal dem Militär.
                            Der Patient lag mit geschlossenen Augen auf dem Bett, ein Druckverband verdeckte seine Schulter. Sonst konnte man keinerlei Verletzungen erkennen.
                            Die junge Frau rückte ihre Bluse zurecht, griff sich einen Stuhl, schob ihn ans Bett und nahm Platz. Sie hob den Aktenkoffer hoch, legte ihn sich auf den Schoss und entnahm ihm einige Formulare.
                            Dann sah sie in Richtung des Patienten. Da der sich noch immer nicht rührte, beschloss sie, sich erst einmal den Akten zu widmen. Ein ziemlich großer Teil war bereits ausgefüllt worden. Der Mann hier, so stand es in den Papieren, hatte einen Absturz überlebt und war dann bewusstlos gefunden und hierher gebracht worden.
                            Eine Zeugin, die gleichfalls den Crash überstanden hatte, war bereits verhört worden, ihren Angaben zufolge waren sie im Orbit von Hades angegriffen worden.
                            Die Frau schüttelte nur ungläubig den Kopf, als sie das las. Ein Angriff, noch dazu hier, wo sich das Hauptquartier der CIS befand, das war einfach unmöglich. Der Raum um Hades herum besaß ein Frühwarnsystem, das sich seit Jahren bewährt hatte. Niemand kam hier rein, ohne gescannt zu werden und das System hatte noch nie versagt. Hinzu kam die Tatsache, dass es hier mehr Militärschiffe gab als irgendwo anders.
                            Die Chance, ungesehen um Hades herum zu fliegen, lag bei Null.
                            Plötzlich griff jemand ihr an den Arm. Der Mann war aufgewacht, sah sie kurz an und ließ sie dann los.
                            Er ließ seinen Blick quer durch den Raum wandern, dann fiel er zurück auf sein Kopfkissen.
                            „Der Hässlichkeit des Raumes nach zu urteilen bin ich auf Hades, im Militärhospital denke ich mal.”
                            Er holte tief Luft, sein Gesichtsausdruck wirkte schmerzverzerrt. Er sah zur Decke hinauf.
                            „Ich schätze mal, dass Sie nicht zur Zimmerdekoration gehören, oder?”
                            Sie sah ihn an.
                            „Schön zu sehen, das Sie noch Sinn für Humor haben.”
                            Noch bevor er etwas sagen konnte, fuhr sie fort.
                            „Mein Name ist Sera Dana Manley. Und laut dieser Unterlagen sind Sie Ser Deacan Tron, Privateer, registriert auf Crius. Ich bin hier, um Sie zu den Ereignissen gestern im Orbit um Hades zu befragen.”
                            Deacan dachte kurz nach. Gestern? Verdammt, er hatte Zeit verloren, kostbare Zeit.
                            „Hören Sie, ich denke mal, dass Sie schon eine Aussage haben, von einer Dame namens Chyna McCumber. Ich habe ihrer Aussage nichts mehr hinzu zu fügen.”
                            „Sie haben den Report doch noch nicht einmal gelesen.”
                            „Ja, genau. Und so bleibt es auch. Noch Fragen?”
                            Dana Manley war einfach gesagt baff. Ihre Augen wurden groß, als sie sah, das er wankend aufstand, sich die medizinischen Sensoren von der Haut nahm und auf den einzigen Schrank im Raum zuging.
                            Er öffnete ihn - und er war leer. Langsam drehte er sich um.
                            „Sehr witzig. Wo sind meine Sachen und mein MACS?”
                            Manley verschränkte die Arme über der Brust. Ihr Blick wanderte an Deacan hinab. Der stand ohne Bekleidung im Raum, bis vor kurzem hatte die Bettdecke deren Funktion übernommen.
                            „Also bitte, gehen Sie.”
                            Sie wies mit ihrem Kopf in Richtung Tür.
                            „Ihre Sachen bekommen Sie jedoch erst wieder, wenn wir uns unterhalten haben.”
                            Sie hob den Stapel Papiere hoch. Deacan strich sich entnervt mit der Hand übers Gesicht. Warum nicht. Dana Manley klopfte mit der Hand auf das Bett.
                            „Und je eher wir anfangen, desto schneller...”
                            Sie kam nicht mehr dazu, den Satz zu beenden. Die Tür ging auf, Deacan erkannte Chyna. Die blieb in der Tür stehen, ihr Blick ging von Deacan zu Manley.
                            „Darf man mitmachen?”
                            Sie ging einige Schritte in den Raum.
                            „Oder störe ich euch bei etwas?”
                            Gute Frage, die sogar ihre Berechtigung hatte. Da weder der Söldner noch Dana Manley etwas sagten, ging Chyna auf Deacan zu und blieb vor ihm stehen.
                            Ihr Blick glitt an ihm herab.
                            „Warum ist er nackt?”
                            Manley holte Luft.
                            „Sagen wir, Ihr Freund hier wollte gerade ohne Erlaubnis abreisen. Zum Glück, oder zum Pech für ihn, wissen wir das zu verhindern. Wer geht schon ohne Klamotten los, mh?”
                            Ohne ihren Blick von Deacan zu lassen, ging Chyna um ihn herum, wie zufällig streifte ihre Hand dabei seinen Körper.
                            „Und? Gefällt er ihnen?”
                            Sie drehte ihren Kopf in Manleys Richtung.
                            „Ich denke, das es mir nicht zusteht, eine Meinung dazu zu äußern.”
                            „Gut.”
                            Chyna sah jetzt wieder auf Deacan.
                            „Wenn er in diesem Aufzug bleibt, dann bin ich dafür, dass er noch ein paar Tage hier bleiben muss.”
                            Sie hob mit der Hand Deacans Kinn leicht nach oben. Erneut ging die Tür auf.
                            „So, die Besuchszeit ist für...”
                            Die eintretende Schwester blieb wie angewurzelt in der Tür stehen. Sie sah kurz in die Runde, dann schloss sie wortlos und offenbar peinlich berührt die Tür.
                            Eigentlich war nichts komisches an der Szenerie, trotzdem, weder Deacan noch Manley oder Chyna konnten sich das Lachen verkneifen.

                            Kommentar


                            • #15
                              Teil 13

                              *
                              Dana Manley hörte Deacans Ausführungen über eine Stunde lang zu und machte sich unendlich viele Notizen. Das Gespräch war sehr aufschlussreich, aber auch erschreckend.
                              Wenn es die Piratenclans schaffen konnten, die Sicherheitssysteme von Hades zu umgehen, dann waren die anderen Planeten ein noch leichteres Ziel.
                              „Die Kreuzer hätten Alarm auslösen müssen. Wie zum Teufel haben die das gemacht?”
                              Manley kaute nervös auf ihrem Stift herum. Chyna hob die Schultern und schüttelte den Kopf.
                              Deacan, der inzwischen wieder im Bett Platz genommen hatte und mit der Bettdecke seinen Körperbau verdeckte, sah zur Tür. Oder besser: durch sie hindurch. Er schien mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Manley holte ihn jedoch zurück.
                              „Ser Tron, wir wissen natürlich, dass der Verlust Ihrer Maschine auch durch unsere Nachlässigkeit mitverschuldet wurde.”
                              Na endlich kamen auch mal gehaltvolle Aussagen...
                              „Und?”
                              Dana Manley schien die passenden Worte für ihre Antwort zu suchen, man sah ihr eine gewisse Nervosität an.
                              „Nun ja, wir, wie soll ich es sagen - wir werden Ihnen ihre Maschine ersetzen. Insofern das möglich ist.”
                              Deacans Blick heftete sich an Manleys Augen.
                              „Ihre Ausflüchte können Sie sich sparen. Machen Sie es möglich, klar? Oder wollen Sie, dass jeder hier im Tri-System von der Unfähigkeit der CIS erfährt?
                              Geben Sie es zu, Sie sind nicht von der Sicherheit. Sie arbeiten garantiert für das Milizkommando hier, nicht wahr?”
                              „Bitte für wen?”
                              Chyna schien die Lage nicht ganz zu verstehen. Dana Manley hingegen tat so, als wäre sie nicht gemeint.
                              „Meine Karte, Ser Tron, weist mich als offizielle Mitarbeiterin der Sicherheitskräfte hier auf Hades aus. Ich bin nicht mehr als eine kleine Angestellte, die ein paar Fragen beantwortet haben möchte.”
                              Sie versuchte sich in einer Unschuldsmiene.
                              „Ach ja?”
                              Deacan sah ihr tief in die Augen. Sie wusste nicht genau, was er als nächstes tun würde. Plötzlich sah der Privateer zur Tür, so als ob dort jemand herein kommen würde. Manley sah instinktiv in die neue Richtung.
                              Und machte damit einen kleinen Fehler. Denn Deacan war schnell. Schneller als sie glaubte. Mit einer blitzschnellen Bewegung der linken Hand griff er der völlig überrumpelten Dame hinten unter ihre Jacke.
                              Zum Vorschein kam eine kleine, halbautomatische Blasterwaffe. Die Mündung hielt Deacan ihr unter die Nase.
                              „Nettes kleines Spielzeug, nicht wahr? Eine Spectre mit Zielpunktprojektor, noch dazu fabrikneu. Die werden Sie wohl kaum draußen gekauft haben.
                              Tut mir furchtbar leid, das Ding fiel mir bereits vorhin auf, als ich Sie von der Seite sah. Die Holster des Geheimdienstes sind zwar klein, aber sie sitzen ein wenig doof am Körper. Immer, wenn der Träger eines solchen Blasters sitzt, kann man das Griffstück sehen, es zeichnet sich deutlich unter dessen Kleidung ab.
                              Reden wir?”
                              Manley überlegte kurz, dann griff sie langsam nach Deacans Hand mit der Waffe, umfasste sie und drückte sie nach unten. Da er in ihr keine Bedrohung oder gar einen Feind sah, ließ er es zu.
                              „Ich warte.”
                              Deacans Blick war stechend, Manley kam es vor, als würde er sie durchschneiden. Manley wandte ihren Blick von Deacan ab, hin zur Tür. Wie auf Kommando öffnete sich diese.
                              Und Manley erhob sich, entfernte sich ein paar Schritte von Deacan und nahm militärische Haltung an. Deacans und Chynas Blicke blieben an der nun offenen Tür hängen.
                              Dort, in diffuses Licht gehüllt, konnten beide die Umrisse eines Mannes erkennen, der jedoch zögerte, einzutreten. Der Privateer hasste solche Auftritte.
                              „Warum kommen Sie nicht rein? Oder sollen wir zu Ihnen raus kommen?”
                              Der Mann gab keine Antwort, senkte kurz den Kopf. Er schien wohl noch zu überlegen, ob sich ein Gespräch mit seinen Gästen lohnen würde.
                              Dann gab er sich offenbar einen Ruck, betrat den Raum. Deacan suchte sofort Blickkontakt. Kannte er den Mann? Sein Gesicht war aschfahl, blass und starr. Man sah ihm förmlich an, dass er mit riesigen Problemen zu kämpfen hatte.
                              Er trug eine Uniform, seltsamerweise ohne großartiges Dekor, keine Orden, keine Einsatzspangen, keine Rangabzeichen... Seine Schritte wirkten müde, er hob seine Füße kaum vom Boden ab. Auf seine Art und Weise wirkte er älter als er vermutlich war, Deacan schätzte ihn auf Mitte Vierzig.
                              „Ser David Hassan, habe ich recht?”
                              Chyna schnipste mit den Fingern. Der Mann verzog keine Miene, er nickte nur kurz.
                              „Schön zu sehen, dass mich wenigstens ein paar Leute noch kennen.”
                              Chyna sah zu Deacan, sie wies dabei mit den Kopf auf Hassan.
                              „Das ist der Typ, der vor ein paar Jahren die Lorbeeren für die Vernichtung des Clans geerntet hat. Sein Bild ging damals quer durch das gesamte Tri-System.”
                              Auch bei Deacan machte es jetzt „Klick”. Hassan nickte seiner Mitarbeiterin kurz zu, die daraufhin ihre starre Haltung aufgab und sich wieder auf den Stuhl setzte.
                              Hinter Hassan kam ein weiterer Mann zum Vorschein, offenbar ein Wachmann, er brachte zwei weitere Stühle herein. Hassan bot zuerst Chyna einen Platz an, bevor er sich selber auf die Sitzfläche des zweiten Stuhls fallen ließ.
                              Das also war er, Retter des CCN, das Genie hoch zehn. Deacan lächelte etwas spöttisch. Kein Preis oder Geld des gesamten Tri-Systems wäre es wert, Hassans Position einzunehmen. Er war fest davon überzeugt, das Hassan ihn um Hilfe bitten würde.
                              Dem CIS waren ja fast alle Privateers davongelaufen, und das sogar zu Recht. Seit dem erneuten Auftauchen des totgeglaubten Clans hatten viele ihren Glauben in die CIS verloren, und noch weniger bauten auf den Geheimdienst hier. Hassan saß nur still da. Er ahnte, das Deacan konsequent Nein sagen würde, egal was er ihm zahlen würde. Es musste also anders gehen.
                              „Ser Tron, ich muss sagen, das ihr Ruf sie treffend beschreibt. Also, die Sache mit Manleys Holster, ich wäre nicht darauf gekommen. Respekt.”
                              Der Privateer wirkte gelangweilt.
                              „Sind Sie hier, um meine Fingerfertigkeit zu bewundern? Wenn ja, tut es mir leid, ich gebe keine weitere Vorstellung. Lassen sie mich gehen, zusammen mit ihr.”
                              Er wies auf Chyna.
                              „Gehen, und wohin?”
                              Dana Manley mischte sich ein. Hassan hob kurz die Hand, er unterband damit ihren weiteren Redefluss.
                              „Haben sie eine Ahnung, was passiert, wenn ihr kleines Abenteuer da draußen bekannt gemacht wird?”
                              Hassans Blick glitt ins Leere. Deacan zögerte nicht mit der Antwort.
                              „Wie lange können die das schon? Seit wann existiert diese Technologie, und woher stammt sie?”
                              Hassan suchte kurz nach einer Antwort.
                              „Wir wissen es nicht, aber das war der sechste Angriff, den wir nicht verhindern konnten. Und es wird immer schlimmer. Die verwendete Technologie ist unbekannten Ursprungs und uns ist niemand bekannt, der in der Lage wäre, so etwas zu bauen.
                              Als einzige Konsequenz blieb uns die Verdopplung unserer Milizstreifen draußen, aber das wirkt auch nicht immer.”
                              Hassan gab Manley ein Zeichen, sie verstand sofort, kramte in ihren Akten und holte ein Dokument hervor, dass sie Deacan übergab. Während der das Schriftstück überflog, gab Hassan einige Erklärungen dazu ab.
                              „Eine Auflistung aller Vorfälle, die Zeitspanne beträgt etwa drei Monate. Bei vielen dieser Angriffe vermuten wir lediglich, dass die selben Jungs dabei waren, die auch ihren Jäger vom Himmel geholt haben. Alles Spekulationen. Es gibt kaum Beweise.”
                              „Bis jetzt.”
                              Manley übergab Deacan ein weiteres Blatt Papier. Sie wies mit ihrem Zeigefinger auf einen bestimmten Abschnitt.
                              „Der Angriff gestern hatte auch etwas Gutes. Zum ersten Mal haben wir einen Augenzeugen, oder besser zwei. Außerdem hat ihr Flugrekorder perfekt funktioniert.”
                              „Und?”
                              „Wir werten die Daten noch aus, aber es hat den Anschein, es ob zumindest die Kiowans einen Weg gefunden haben, die Energiesignaturen ihrer Schiffe zu minimieren, sodass sie von Fernaufklärungssensoren praktisch nicht mehr aufgespürt werden können.”
                              Deacan sah von den Akten auf.
                              „Klasse. Das erklärt einiges. Das gestern waren aber Papagos, und keine Kiowanpiraten, oder?”
                              „Ja, schon richtig. Wir wissen aber, dass die Kiowans die Ersten waren, die solche Systeme einsetzten. Die Papagos haben es vermutlich von ihnen gekauft.”
                              Hassan, der die ganze Zeit über nur still zugehört hatte, griff jetzt ein.
                              „Und genau hier liegt der kleine Fehler.”
                              „Fehler?”
                              Chyna hakte nach.
                              „Chyna, Kiowans und Papagos, die zusammen arbeiten, das ist so, als wenn du versuchen würdest, einem Hund ein paar Flöhe schmackhaft zu machen. Die Typen würden sich eher gegenseitig abschlachten, aber doch nie Technologie oder gar Postkarten austauschen.”
                              Deacan legte die Blätter aus der Hand. Hassan ergriff wieder das Wort.
                              „Es muss jemanden geben, der beide Seiten mit diesem Zeug versorgt. Und wir wollen, dass dieser jemand schnellstens aus dem Verkehr gezogen wird, bevor der nächste Clan versorgt ist.”
                              Hassans Blick wanderte zu Deacan.
                              „Womit ich zu Ihnen komme.”
                              Der Söldner sah Hassan in die Augen.
                              „Nein, nein, vergessen Sie das mal schnell wieder. Ich habe weder die Zeit noch die Lust hinter Piraten herzujagen, die mein Radar unterwandern können.
                              Tut mir leid, Hassan, aber ich arbeite gerade an einem anderen Problem, das vielleicht genau so wichtig ist. Außerdem ist es von persönlicher Natur und hat damit Vorrang, alles andere muss warten. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?”
                              „Nun, Ser Tron, normalerweise kann ich Sie nicht zwingen, uns zu helfen. In diesem Fall jedoch sieht die Lage etwas anders aus.”
                              „Sie können mich nicht zwingen, egal was sie vorhaben.”
                              „Ach ja? Wie sieht es zur Zeit mit ihren Jäger aus, mein Freund? Fliegen wird der garantiert nicht mehr, und vielleicht wissen sie ja, wie lange es manchmal dauern kann, ehe Ersatz da ist...”
                              Hassan dehnte die letzten Worte, er wollte ihnen wohl einen gewissen Nachdruck verleihen. Deacan dachte kurz nach. Hassan hatte dummerweise irgendwie recht. Ohne seinen Jäger wäre er aufgeschmissen.
                              Aber den Lakaien für die CIS spielen, nein danke.
                              „Hassan, ich warne Sie. Legen Sie sich besser nicht mit mir an, Sie könnten verlieren.”
                              Eine recht simple Drohung, er ahnte, wie Hassan darauf reagieren würde. Und siehe da, Hassans Gesicht spiegelte ein düsteres Lächeln wieder, das einen frösteln ließ.
                              „Sie haben natürlich die Wahl. Für uns, oder ein paar Tage hier und etwa drei, vier Monate Bearbeitungszeit für die Wiederbeschaffung Ihrer Maschine. Also, wie sieht es aus?”
                              „Wir machen es, aber auf unsere Art.”
                              Chyna gab die Antwort für Deacan, noch ehe der etwas sagen konnte. Sie erntete einen bösen Blick von Deacan, der gerne alleine entschieden hätte. Sicher, die Entscheidung wäre nicht anderes ausgefallen, trotzdem hätte er etwas drastischer reagiert, möglicherweise hätte er Hassan mal eben kurz die Nase verbreitert.
                              Chyna wollte aber keinen Streit, so entschied sie kurzerhand. Deacan winkte verärgert ab, was soll's, ändern konnte er sowieso nichts mehr. Hassan stand auf, und ging auf seine Mitarbeiterin zu.
                              „Sie werden natürlich mit Dana Manley zusammenarbeiten. Sie ist eine meiner besten Kräfte hier.”
                              Jetzt wurde Deacan richtig sauer. Er wies auf Chyna.
                              „Ich arbeite allein. Normalerweise. Mit ihr habe ich einen Passagier mit im Boot, ich kann keinen zweiten gebrauchen der wie ein Klotz am Bein ist.”
                              „Sie arbeiten mit ihr oder gar nicht. Ich diskutiere darüber nicht mit Ihnen. Sehen Sie das als Auflage von mir. Irgendwer muss Sie ja im Auge behalten, oder?”
                              Deacans Reaktion war eine Mischung aus bitteren Sarkasmus und Ironie.
                              „Chyna kann das auch allein.”
                              Hassan zog nur die Augenbrauen hoch. Er legte seine Hände auf Manleys Schultern.
                              „Ich beneide Sie nicht, um diese Aufgabe.”
                              Hassan suchte Augenkontakt zu seiner Mitarbeiterin.
                              „Viel Glück.”
                              Er klopfte ihr auf die Schulter. Manley holte tief Luft, dann stand sie auf.
                              „Nun, Ser Tron, werde ich veranlassen, dass Sie ihre Bekleidung wieder bekommen. Ich warte dann draußen auf Sie.”
                              Deacan sah sie an.
                              „Was wird aus meiner Maschine?”
                              „Eins nach dem anderen, Mister Privateer.”
                              Hassan war inzwischen zur Tür gegangen, er drehte sich noch einmal um und warf einen letzten Blick in den Raum. Sein Blick war voller Selbstzufriedenheit, vielleicht auch mit ein wenig Hoffnung. Dieser Söldner hier war zwar nicht gerade sein Wunschkandidat, trotzdem schätzte er dessen Chancen sehr hoch ein. Deacan würde Hilfe brauchen, das war ihm klar.
                              Er winkte Manley zu sich nach draußen und schloss hinter ihr die Tür.
                              „Manley, ich wünsche, dass Sie den beiden jede Hilfe bieten, die sie brauchen. Jede.”
                              Sie nickte kurz.
                              „Was ist mit seiner anderen Aufgabe?”
                              Hassan zögerte. Er kannte nicht die ganze Geschichte um die Ereignisse von Senator Angus Santana. Vielleicht gab es ja eine Verbindung.
                              Hassan mochte Santana nicht, die Art und Weise wie er Kiowanpiraten Asyl gewährte und sich mit ihnen umgab, das war alles andere als zufriedenstellend. Noch nie zuvor hatte es jemand gewagt, einen solchen Schritt zu tun. Santana hatte behauptet, wenn man diesem Pack eine andere Umgebung bieten würde, wären sie zur friedlichen Koexistenz bereit.
                              Hassan traute der Sache nicht, am liebsten würde er Santana vor ein Gericht zerren und ihn der Kooperation mit Piraten anklagen, schuldig sprechen und anschließend exekutieren. Letzteres würde er sogar persönlich übernehmen. Noch war es aber nicht soweit.
                              „Lassen Sie ihn nur machen. Keine direkte Einmischung, klar? Erstatten Sie mir regelmäßig Bericht.”
                              Manley nickte erneut, Hassan legte seine Hände auf den Rücken und ging langsamen Schrittes davon. Seine Agentin sah ihm nach. Bis zum heutigen Tag hatte Hassan noch nie persönlich Kontakt zu einen Privateer aufgenommen, mit einer Ausnahme: Lev Arris.
                              Doch der war spurlos verschwunden, nach dem Tod von Kronos und der Vernichtung des zugehörigen Clans. Wie auch immer, Hassan hatte Deacan Tron Hilfe angeboten und sie sollte dafür sorgen, dass er sie bekam. Sie warf noch einmal einen Blick auf Ser Trons Akte. Er schien nicht gerade begeistert zu sein, mit ihr arbeiten zu müssen.
                              Es war wohl noch eine Menge Überzeugungsarbeit nötig, bis er sie zu schätzen lernen würde. Immerhin - sie konnte nahezu alles organisieren. Das würde Deacan schnell merken.
                              Sie griff zu ihrem MACS und öffnete einen Kanal.
                              „Manley an Staring. Ich komme in ein paar Minuten zu Ihnen. Es geht um den Jäger für Ser Tron, ich hoffe inständig, dass er fertig ist. Manley Ende.”
                              Laut Anzeigedisplay hatte die Nachricht ihren Empfänger erreicht, die Bestätigung konnte sie lesen. Ein Mitarbeiter des CIS trat an sie heran, er trug ein Bündel unter seinem Arm. Die Agentin wies auf die Tür hinter ihr.
                              „Sagen Sie bitte dem Mann dort drinnen, dass er sich etwas beeilen soll, ja?”
                              Der Mann nickte und öffnete die Tür. In ein paar Stunden würde Deacan wieder unterwegs sein, und sie würde wie sein eigener Schatten an ihm dran bleiben.

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