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"Das Szepter von Ragnos" (ST/SW-Crossover)

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  • "Das Szepter von Ragnos" (ST/SW-Crossover)

    So, angespornt durch diverse vs.-Diskussionen über ST und SW, gebe ich hier mal meine persönliche Fanfic zum Besten:

    Zeitliche Einordnung:
    ST-Universum: Irgendwann 2406, Charaktere und Background stammen aus meinen bisherigen "Cyborg Task Force"-Fanfics (nicht hier veröffentlicht). Da es Diskrepanzen zum Canon gibt, bitte ich das einfach als alternative Zeitlinie abzutun.
    SW-Universum: Ein bis zwei Jahre nach "Jedi Knight: Jedi Academy". Ich gehe hierbei vom "bösen" Ende aus.

    Kapitel 1: Offenbarung

    Das rote Leuchten des Alarms tauchte die Brücke der USS Revelation in düsteres Zwielicht, als das Deck erzitterte. Crewmitglieder hatten Mühe sich in ihren Sitzen zu halten und die antrainierte Routine war längst einem hektischen Treiben gewichen. Captain Richard bemühte sich vergeblich um eine gefasste Miene angesichts ihrer momentanen Situation und kam sich mehr und mehr hilflos vor. Eine Energieleitung irgendwo oberhalb seines Stuhls explodierte und überschüttete ihn mit einem heißen Funkenregen. Der Kommandant des Forschungsschiffes unterdrückte den Reflex, vor Schmerz zu schreien, als die Glut seinen Nacken verbrannte und nur eine Sekunde später entwich mit einem Keuchen sämtliche Luft aus seinen Lungen, als ihn eine neue Erschütterung in die Klammern warf, die ihn eigentlich inmitten all des Chaos auf seinem Platz halten sollten. Er verschwendete einen wertvollen Moment an den Gedanken, den Computer anzuweisen die Klammern zu entfernen. Allen blauen Flecken und Quetschungen an seinem Brustkorb zum Trotz entschied er sich jedoch, dass ein durch die Zentrale taumelnder Captain der Moral der crew nicht gerade förderlich war. Es war fast schon ironisch, fand Richard. Als die Revelation vor gut einem halben Jahr in ein Gefecht mit remanischen Dissidenten verwickelt worden war, hatte die Brücke längst nicht so zerstört ausgesehen. Und jetzt stellte eine ungewöhnliche Raumanomalie sich als zuviel für den hochgerüsteten Hightech-Koloss heraus. Richard wandte sich an den Vulkanier an der wissenschaftlichen Station, wobei er sich beinahe den hals ausrenken musste. Die verdammten Klammern behinderten seinen Oberkörper zu sehr, um ihm selbst einfache Drehungen zu erlauben.
    „Commander Koris, haben sie irgendwas über die Anomalie herausfinden können?“
    Der in Stein gemeißelte Gesichtsausdruck vulkanischer Konzentration wich nicht eine einzelne Sekunde von dem blassen Gesicht und irgendwie schien Koris als einziger die Balance halten zu können, wenn das Schiff erbebte.
    „Negativ, Sir. Allerdings deutet die schubweise Ausstrahlung von Chronoton- und Verteron-strahlung auf eine Art von Wurmloch hin. Allerdings scheint diese Öffnung in Raum und Zeit verschoben und extrem instabil zu sein Ich kann nicht mit letzter Sicherheit feststellen, wohin es uns bringen würde, sollten wir den Ereignishorizont passieren.“
    Richard verdrehte die Augen, wie er es immer tat, wenn der Vulkanier sich allzu wissen-schaftlich und gestelzt ausdrückte. Also immer, wenn Koris den Mund aus einem anderen Grund öffnete, als um Luft zu holen.
    „Mit anderen Worten: Wir sollten da besser nicht reingezogen werden, weil wir nicht wissen wo wir sonst landen und ob wir von dort wieder weg kommen“, übersetzte er mehr für sich, als für den Rest der Crew. Koris zog angesichts des Kommentars seiner eigenen Analyse eine Augenbraue hoch.
    „Das waren exakt meine Worte, Captain.“
    „Haben sie das gehört, Miss Deborah?“, fragte Richard seine Navigatorin ohne einen Zweifel daran zu haben, dass sie jedes Wort perfekt verstanden hatte. Allerdings sah kybernetisch aufgerüstete Frau zum ersten Mal seit Richard sie kannte – immerhin ein ganzes Jahr – völlig hilflos aus. Wäre dies eine andere Situation gewesen, er hätte Mitleid mit ihr gehabt.
    „Jawohl, Captain. Aber tun kann ich trotzdem nicht viel.“
    Ihre Finger flogen mit übermenschlicher Geschwindigkeit und Präzision über die Konsole und versuchten, das Schiff einigermaßen stabil zu halten, bis es ihnen gelang einen Ausweg zu finden. Aber sie musste sich bereits nach kurzer Zeit den Kräften des unbekannten Phänomens geschlagen geben. Sie spürte, dass sie das Ringen allmählich verlor und musste um jeden Zentimeter kämpfen, den sie das Schiff vom Ereignishorizont entfernt halten wollte. Zwar schaffte es dieses Genie von einem Chefingenieur, ein gewisser Commander Lark, ihr immer wieder noch ein Quentchen Energie für die Triebwerke zu liefern, aber trotzdem verloren sie den Kampf. In jeder normalen Situation hätte sie dem Sog mühelos entkommen können, doch die Strahlung wirkte sich verheerend auf die Schiffssysteme aus. Die Triebwerke funktionierten zwar, aber sie reagierten verzögert oder gar nicht und bekamen nicht genug Energie.
    Sie warf einen Blick auf den Hauptschirm. Der violette Schlund der Anomalie füllte bereits den gesamten Sichtbereich aus und schien stetig zu wachsen. Obwohl sie sich beinahe sicher war, dass diese Illusion von ihrer langsamen Annäherung herrührte, konnte sie ein Wachsen der Anomalie nicht völlig ausschließen. Immerhin hatte sich das Phänomen bereits einmal ruckartig vergrößert, was sie in diese missliche Lage gebracht hatte. Eigentlich sollten sie nur vorläufige Scans abschließen und dann die Sternenflotte kontaktieren. Doch jetzt kämpften sie mit dem Sog des Schlundes um ihre Existenz.
    Chris hatte Admiral Kathryn Janeway getroffen und sich mit ihr über die Reise der Voyager unterhalten. All die Eindrücke, die sie damals gewonnen hatte, sagten ihr eines: Wenn sie jetzt in den Schlund gezogen wurden und am anderen Ende der Galaxis erschienen – oder schlimmer, in einer anderen Galaxis – dann würde Richard nicht in der Lage sein, sie nach Hause zu bringen. Sie vertraute ihrem Captain und schätzte ihn als fähigen Offizier, aber er war weniger gesellig und zu wenig fürsorglich, um mit Janeway verglichen zu werden.
    Alle anderen verließen sich also auf sie. Sie durfte jetzt nicht scheitern! Sie durfte einfach nicht!Also biss sie die Zähne zusammen und konzentrierte sich auf die Sisyphusaufgabe, die an ihren nerven zerrte. Für jeden Meter, den sie sich erkämpfte, verlor sie anderthalb aufgrund rapider Änderungen im Feld des Wurmlochs. Früher oder später würden sie hineingezogen. Eine Ansicht die offenbar von dem Vulkanier Koris geteilt wurde.
    „Kontakt mit dem Ereignishorizont in acht Minuten, zwölf Sekunden bei derzeitiger Annäherung.“
    Chris biss sich auf die Unterlippe. Was konnten sie tun? Welche Mittel standen ihnen zur Verfügung? Sie ging alle Möglichkeiten durch, doch nichts führte zum Erfolg. Ein Szenario bot ihnen jedoch eine Überlebenschance. Wenn auch eine geringe.
    „Captain!“, rief sie aus, „Ich glabe ich habe eine Möglichkeit. Es ist nicht sicher, aber...“
    „Raus damit, Lieutenant!“, bellte Richard und stellte damit unter Beweis, dass ihn die Chancen auch nicht groß kümmerten. Eine geringe Chance war weitaus besser als gar keine.
    „Wenn wir den Deflektor rekonfigurieren, so dass er mit der Strahlung interagiert, könnten wir ihn als eine Art Segel benutzen und dadurch vielleicht den notwendigen Schub aufbauen, um dem Sog zu entkommen.“
    „Klingt gut. Koris?“
    In dem Moment in dem sie den Vulkanier den Kopf schütteln sah, wusste sie, dass alles verloren war. Wenn er dem Captain etwas von „unnötigen Risiken“ einredete, würde der ihren Plan weit von sich weisen. Egal wie pragmatisch Richard war, wie für alle guten Captains ging das Leben seiner Crew vor. Und wo immer das Wurmloch hinführte, am anderen Ende bestand immerhin eine gute Chance zu Überleben, und sei es das Exil auf einem öden Planeten. Hier war der Tod mehr als wahrscheinlich, denn wenn der Plan fehlschlug und die ohnehin überlasteten Deflektoren zusammenbrachen, dann überschüttete das Phänomen sie mit einer tödlichen Welle aus Strahlung.
    „Die Wahrscheinlichkeit des Versagens der Deflektoren liegt bei...“ Koris rechnete kurz eine unglaublich komplexe statistische Aufgabe im Kopf, bevor er fortfuhr. „Dreiundachtzig Prozent. Ich rate ihnen dringend von diesem Vorhaben ab, Lieutenant!“ Hätte Chris es nicht besser gewusst, hätte sie angenommen, der Vulkanier hätte soeben seinen Rang ausgespielt, um ihren Plan mit Nachdruck als hirnrissig darzustellen.Einfach wunderbar, jetzt würde Richard sicher ablehnen. Doch der Captain überraschte sie.
    „Haben sie eine bessere Idee, Koris? Uns läuft hier die Zeit davon!“
    „Ich habe tatsächlich eine weitere Möglichkeit, Captain. Momentan wird unser Warpfeld von dem Strahlungsniveau beeinträchtigt, doch dass lässt sich beheben, indem wir die Resonanz auf die Fluktuationen des Phänomens angleichen und zwar an die Perioden der gerinsten Strahlung. Dadurch könnten wir mit Warpgeschwindigkeit entkommen.“
    Chris biss sich auf die Lippe. Auf diese Idee war sie gar nicht gekommen und sie hörte sich plausibel an. Allerdings war Warp-Physik nie ihr Glanzfach an der Akademie gewesen. Es konnte ihre rettung sein, aber auch ihr Verderben. Genau wie ihre eigene Idee, aber aus ihrer Sicht bot Koris' Plan die höhere Trefferchance.
    „Drei Minuten, Captain.“
    „Deborah?“, fragte Richard durch zusammengebissene Zähne. Also war er sich auch nicht sicher, wem er den Vorzug geben sollte. Ihr Herz raste. Wie sollte sie sich entscheiden? Richard war der Captain, warum entschied er das nicht einfach? Vielleicht war das aber auch einer der Bestandteile der Ausbildung, die Chris noch vor sich hatte: Das Delegieren an besser Qualifizierte. Sie überlegte nicht weiter. Sie war qualifiziert diese Entscheidung zu treffen und selbst mit ihrem menschlichen Ego klang Koris' Theorie für sie plausibler.
    „Koris, ich brauche präzise Daten von ihnen!“
    Der Vulkanier lieferte sie ihr wie aus der Pistole geschossen.
    „Warp fünf-Komma-drei-vier-sechs. Die Wahl des Zeitpunkts überlassen wir dem Computer.“
    Chris Finger flogen über die Tasten und gaben einen Kurs ein, dann den Warpfaktor. Zuletzt stellte sie die Auslösung auf Computerautomatik um.
    „Bereit!“
    Koris klopfte auf seinen Kommunikator.
    „Computer, löse Warptransfer aus, wenn die Amplitude der Strahlungskurve minimal ist.“
    „Bestätigt.“
    Deborah klammerte sich an ihre Konsole und wartete auf noch heftigere Erschütterungen. Sie biss die Zähne fest zusammen, um sich nicht versehentlich die Zunge abzubeißen. Jetzt lag alles in der Hand des Computers...
    „Amplitude verringert sich...“, meldete Koris.
    Chris erwartete den Schock.
    Sie wurde nicht enttäuscht.
    Mit einem Mal begann der Warpantrieb zu summen, als die Feldspulen das Feld aufzubauen begannen, welches das Schiff in den Subraum befördern und auf mehrfache Lichtgeschwindigkeit beschleunigen würde. Das Summen wuchs an und wurde zu einem Kreischen. Und in diesem Moment wusste Chris, dass es nicht funktioniert hatte. Warum es fehlgeschlagen hatte, konnte sie nicht sagen, aber der Feldgenerator pumpte zu viel Energie in ein von der Strahlung überlagertes Feld, dass die geforderte Stärke nie erreichen würde. Sie wollte etwas sagen, doch dann explodierte irgendeine Energieleitung und die Hauptenergie versagte. Und damit die Impulstriebwerke. Mit einem Mal schoss die Revelation auf das Portal zu...
    Und hindurch.
    Chris flog von den Erschütterungen durch die Brücke und stieß mit der Schläfe an irgendeinen harten Gegenstand. Um die Kante ihrer eigenen Konsole oder ihr Blut darauf zu erkennen, konnte sie mit einem Mal nicht klar genug denken. Und ebensowenig sagten ihr Richards Worte „Computer! Alle Systeme sichern!“ etwas. Und dann wurde es schwarz um sie...

    Sie öffnete ihre Augen und wünschte instinktiv, es nicht getan zu haben. Die Brücke lag in Trümmern, sie vermochte sich nicht zu bewegen und ein pochender Schmerz erfüllte ihren ganzen Kopf. Ihr Sichtfeld verschwamm und erst einen Augenblick später erkannte sie, dass es sich um Tränen handelte, die ihr die Sicht nahmen. Sie blinzelte und wurde eines Schemens am Rande des Sichtfelds gewahr. Mit einiger Mühe konnte sie den Kopf drehen, um in diese Richtung zu sehen. Sie wollte um Hilfe bitten, doch ihre Stimme war nur noch ein heiseres Wimmern. Dennoch machte der Laut die Gestalt aufmerksam und veranlasste sie, zu ihr zu treten. Die humanoide Form beugte sich zu ihr herunter und starrte sie an.
    Hätte Chris zu schreien vermocht, hätte sie es getan. Hätte sie wegkriechen können, hätte sie sich in Sicherheit gebracht. Hätte sie kämpfen können, sie hätte die totenbleiche Gestalt angegriffen. Doch sie konnte nichts tun und so starrte die Fratze sie weiter an, ein bleicher, totenschädelartiger Kopf mit glänzenden, schwarzen Augen ohne Pupillen oder Lider. Erst als die Stimme des Wesens ertönte wurde ihr die Tatsache bewusst, dass sie durch eine Art Atemfilter sprach.
    „Die hier lebt auch noch. Nehmt sie mit!“
    Die Gestalt mit dem weißen Helm erhob sich und schulterte einen Gegenstand, eine Waffe wie Chris instinktiv wusste. Weitere Gestalten mit ebensolchen Helmen traten zu ihr und hoben sie trotz ihrer schwachen Proteste auf. Als man sie von der Brücke trug, nahm sie durch ihren verschleierten Blick die leblosen Objekte war, die die Leichen ihrer Kameraden sein mussten... Und mit einem Mal wurde ihr die eigene Lage bewusst. Sie befand sich an einem völlig unbekannten Ort und war vermutlich die einzige Überlebende der Crew der Revelation. Und nach allem was sie wusste, war sie nun auch noch eine politische Gefangene...
    Sie befand sich in der Hölle.
    Und irgendwo in ihrem Kopf blitzte ein Gedanke auf, der alles noch schlimmer machte: Wusste Garret, dass sie lebte? Oder trauerte er bereits um sie? Wusste er überhaupt vom Verschwinden des Schiffes?
    Sie wusste es nicht.
    Würde es vermutlich nie erfahren.
    Damit, mit diesem simplen und kurzen Gedankengang hatte sie mit ihrem Leben abgeschlossen...



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