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    Ich habe mir gedacht mal eine Kurzgeschichte die ich vor einiger schrieb hier zu posten, in der Hoffnung das einige ihren Spaß beim Lesen haben werden.


    Ein lautes Raunen ging durch die Menge als er die Arena betrat. Aus dem Publikum waren Hochrufe zu hören und ein vereinzeltes aber deutlich hörbares „verzieh dich du Depp“.
    Er sah hinauf und erkannte seinen Bruder, dem er Freikarten für die heutige Vorstellung besorgt hatte.
    Zwischen den beiden gab es so etwas wie echte Bruderliebe. Sie hatten sich schon immer gut verstanden und jeder kannte die Gedanken des anderen bevor dieser sie aussprach.
    Langsamen Schrittes ging er in die Mitte der Arena. Wo sein Gegner ein gigantischer, scheinbar nur aus Muskelmasse bestehender germanischer Krieger schon auf ihn wartete. Der Mann fraß wahrscheinlich eine komplette Hammelherde zum Frühstück ging es ihm durch den Kopf.
    Die Zuschauer schienen sich gegenseitig mit ihren wilden Rufen anzuheizen und verwandelten das Kollosseum in einen brodelnden Hexenkessel. „Rominus! Rominus!!“ hallte es ihm weiten Rund. Obwohl die rund 25000 Kehlen es nahezu im Takt riefen, dröhnte ihm die Stimme seines Bruders, der „Rominus ist doof“ rief in seinen Ohren. Wir sprechen uns noch, dachte er nur.
    Der mutierte Germane hatte unterdessen eine gewaltige Streitaxt in seine Hände genommen und schwang sie kraftvoll durch die Luft. Diese konnte sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen und schrie bei jeder Ausholbewegung laut auf.
    Als er sich ihm bis auf wenige Meter genährt hatte entblößte der Germane mit einem Grinsen zwei Reihen fauliger, gelber Zähne.
    Mit einem fröhlichen „hi Großer“ begrüßte er den Mann. „Übrigens ist Opium rauchen schlecht für deine Gesundheit.“ Der Mann schien zu ahnen was er meinte und stülpte seine gewaltigen germanischen Lippen über seine gelben germanischen Zähne.
    „Ich mach’ dich platt du Winzling“, rief er ihm dann entgegen und deutete auf seine Axt.
    Die Zuschauer waren verstummt und warteten gespannt auf den Beginn des Kampfes. Sein Bruder war gerade dabei eine der an den Tickethäusschen erhältlichen Rominus Fahnen zu verbrennen.
    Rominus überprüfte noch einmal kurz seine Rüstung und die Vollzähligkeit seiner Waffen. Schwert, Kampfaxt, gezackter Dolch, alles da.
    Dann sandte er noch ein kurzes Stoßgebet gen Himmel und zeigte dem in der Loge vor einem großen Gong stehenden Kampfrichter den erhobenen Daumen.
    Ehrfürchtige Stille kehrte ein, nur durchbrochen durch das Knistern der Flammen vor dem Platz seines Bruders.
    Seit 5 Jahren kämpfte er nun schon als Gladiator in der Arena und jedes Mal wieder war dieser Moment der Anspannung für ihn der schlimmste. Der ihm gegenüber stehende Krieger schnaufte verächtlich und stampfte einmal kurz mit seinem rechten Bein auf. „Ist es eingeschlafen Großer? Passiert mir auch manchmal. Du hättest dich vielleicht besser aufwärmen sollen.“
    Dabei deutete Rominus auf das Bein des Mannes. Aus dem Munde des Germanen war kein Laut zu hören. Doch mit seinem Blick warf er ihm das Wort „töten“ entgegen.
    Auch wenn er äußerlich gelassen wirkte so wusste er doch, das der Mann ein mehr als ernst zu nehmender Gegner war. In seiner Heimat war er bestimmt unter dem Kampfnamen Schädelspalter oder der Berg bekannt. Wie zum Teufel kann man nur so groß sein?
    Dann ertönte der Gong und die Massen gerieten außer sich vor Ekstase.
    Wie erwartet stürzte sich die wandelnde germanische Walze mit einem lauten Schrei auf ihn. Rominus tat das was ihm in dieser Situation am sinnvollsten erschien und lief vor ihm weg.
    „Hey, was soll das? Bleib stehen du Feigling.“ Mit großen Augen stampfte der Krieger wie ein Berg auf Beinen hinter ihm her. „Ich bin doch nicht bescheuert“, rief Rominus im Laufen.
    Die verdutzten Zuschauer verfolgten das Geschehen unter ihnen mit staunenden Blicken und offenkundiger Verwirrung.
    Nach drei Runden durch den knöcheltiefen Sand atmete der mutierte Germane schon hörbar schwer und seine Schritte wurden langsamer.
    Weshalb sich Rominus auch entschloss zu stoppen. Der überraschte Krieger bekam dies zu spät mit und schlitterte mit großen Augen an ihm vorbei. Diese Gelegenheit nutzte Rominus zu einer seiner gefürchtetsten Attacken und sprang den Mann mit beiden Beinen voran in die Weichteile. Die Zuschauer, die dies mit einem lauten „ooohhhhh“ quittierten nannten diese Aktion den Nussknacker. Er selber nannte sie das rote Gesicht. Denn wie auch in diesem Fall war es die unausweichliche Reaktion seiner Gegner. Aktion und Reaktion ging es ihm durch den Kopf.
    Der rotgesichtige Germane stieß ein jämmerliches Heulen aus und Tränen liefen ihm über sein Gesicht. Rominus zeigte sich beeindruckt von der Leistung des Mannes einzig mit seinen momentan sehr ausdrucksstarken Augen das Wort „warum“ und mehrere große Fragezeichen zu formen.
    Schnelles Schrittes lief er auf den jammernden Koloss zu. „Ich würde Eis empfehlen Großer“, rief er während er ihm mit dem stumpfen Ende seiner Axt mit lautem Krachen eine über den Schädel zog.
    Die Menge johlte begeistert auf und wieder ertönten die „Rominus!“ Sprechchöre. Das laute Buhen einer einzelnen Person versuchte er zu überhören.
    Erst da fiel ihm auf, das er nur noch das abgebrochene Ende seiner Axt in Händen hielt. „Wow! Du hast aber auch einen Eisenschädel Großer.“
    Langsam wich das tiefe rot im Gesicht des Germanen einem hellen pink. „Interessant“ kommentierte Rominus dies.
    Dann erhob sich der Berg mühsam und funkelte ihn aus zornigen Augen an. „Ich brech’ dich in zwei Teile.“ Daran hatte er auch nicht den geringsten Zweifel. Sollte der mutierte ihn zu fassen bekommen würde er ihn wahrscheinlich auspressen wie einen Schwamm.
    „Weißt du, ich war auch einmal in Germanien“, meinte er als der nun rosa leuchtende Mann auf ihn zu kam. „Dort gab es viele hässliche Menschen. Aber du … du schlägst dem Fass den Boden aus.“ Allerlei lustige Flüche ausstoßend spurtete der Krieger auf ihn zu.
    Kurz bevor er ihn erreichte zog Rominus etwas aus seiner Rüstung und hielt es ihm entgegen.
    Verwirrt blieb der Mann stehen und sah ihn an. „Was’n das?“ „Das mein Freund“, begann Rominus „ist ein Schweizer Taschenmesser. Es ist aus rostfreiem Edelstahl gefertigt, hat lebenslange Garantie und 46 Funktionen, toll was?“
    Fröhlich lächelnd hielt er dem erstaunten Hünen das Messer vor die Nase.
    Die Menge hielt den Atem an und nur ein vereinzelter „wer hat’s erfunden?“ Ruf erscholl.
    „Siehst du, hier ist eine Säge, hier ein Korkenzieher und hier eine Schere.“ Bei jeder einzelnen Funktion stieß die Menge weithin hörbare „Ohhhhhs“ und „Ahhhhhhs“ aus. „Aber das Beste daran ist… dieser gewaltige hölzerne Hammer.“ Wie die pfiffigen Schweizer diesen in das nur handflächen große Werkzeug integrieren konnte war ihm immer noch ein Rätsel.
    Dann holte er kurz aus und rammte den Krieger den Hammer senkrecht von oben mit solcher Wucht auf dessen germanischen Dickschädel, dass es ihm den Hammer aus der Hand schlug und der Mann bis zu den Knien im Sand verschwand.
    „Na holla, das nenne ich doch mal eine durchschlagende Wirkung.“
    Der germanische Krieger, der gerade eine neue um seinen Kopf rotierende Spiralgalaxie entdeckt hatte gab ein alten germanischen Kinderreim von sich und kippte hinten über.
    Die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und brachen in offenen Jubel aus.
    Dann ertönte direkt neben Rominus eine Stimme. „Cut, die Szene ist im Kasten. Das hatte zwar nicht einmal entfernt Ähnlichkeit mit dem Drehbuch, war aber gut. Sagt den Produzenten wir machen aus dem Streifen eine Monumentalkomödie und besorgt mir einen neuen Germanen, der hier ist kaputt.“
    Während die Techniker große Kabeltrommeln an ihm vorbei rollten, klopfte sich Rominus den Staub aus der Kleidung. Einige Meter entfernt waren vier Männer mit großen Schaufeln damit beschäftigt den nun Weihnachtslieder singenden Germanen auszugraben.
    Als ihnen dies endlich gelang nahm einer der Männer ihn an der Hand und führte ihn aus der Arena. „Nu’ komm’ schon, so schlimm war es doch gar nicht.“ „Haberer Brabflm“, tat der Riese seine Meinung kund. „Komm Großer, Wenn du lieb bist kriegst du nachher auch einen schönen Rindereintopf mit ganzen Kühen.“ Mit diesen Worten verschwanden die beiden aus Rominus’ Blickfeld.
    "Hey", hörte er die Stimme des Regisseurs. "Wir sollten noch einmal über die Zeile "tut so als ob ihr kämpft" im Drehbuch sprechen. Du scheinst da etwas falsch verstanden zu haben. Verdammt, der Typ den du gerade verdroschen hast ist ein Star in Deutschland. Wenn er viel Glück hat kann er jetzt noch auf Kindergeburtstagen als Dekoration auftreten. Das geht so nicht." "Du sagst doch immer ich solle mich in die Rolle hinein versetzen, sie leben." "Du bist nicht zufällig mit Captain Chaos verwandt? Aber was mich wirklich interessiert, wie verdammt noch einmal haben die Schweizer den Hammer ist das Messer bekommen?"
    "Not born. SHIT into existence." - Noman the Golgothan
    "Man schicke dem Substantiv zwanzig Adjektive voraus, und niemand wird merken, daß man einen Haufen Kot beschreibt. Adjektive wirken wie eine Nebelbank."
    Norman Mailer

  • #2
    ich hab sie damals geliebt und ich liebe sie jetzt immer noch . Ich "hasse" es, wenn dann plötzlich die Stelle kommt "Schnitt!"/"Cut!"
    Normalerweise wüsste ich gar nich wo ich anfangen sollte aufzuzählen, an welchen Stellen ich mich weggeschmissen hab vor lachen, aber "wer hats erfundn?!" war einfach nur
    "It's Zen, right?" - "Is it?" | ~Ich mag Gefühle nicht, sie passen nicht unters Mikroskop und in kein Reagenzglas~
    ...trau dich nur zu spinnen, es liegt in deiner Hand! (PUR-Abenteuerland) | Bitte um Vergebung, nicht um Erlaubnis!(Brom)

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    • #3
      Immer wieder spaßig wenn man es liest... aber das hatte ich Dir ja schon geschrieben

      Wann gibts mal wieder was neues? Ich warte schon gespannt
      It is the heart that gives - the fingers just let go. (Nigerianisches Sprichwort)

      Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (A. Einstein)

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      • #4
        Zitat von Liska Beitrag anzeigen
        Wann gibts mal wieder was neues? Ich warte schon gespannt
        Bei mir ist momentan ein klein wenig der Stress ausgebrochen. Deshalb bin ich in den letzten Wochen auch nur selten im Forum. Eine kleine Geschichte hatte ich im letzten Monat geschrieben. Wenn du preX ganz lieb fragst schickt sie sie dir vielleicht mal.
        "Not born. SHIT into existence." - Noman the Golgothan
        "Man schicke dem Substantiv zwanzig Adjektive voraus, und niemand wird merken, daß man einen Haufen Kot beschreibt. Adjektive wirken wie eine Nebelbank."
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