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    Dies ist Rohentwurf zu Kapitel 1, falls es Leute gibt denen meine Geschichte gefällt, folgt gerne mehr. Über Kritik (auch wenn sie vernichtend ist) und Anregungen freue mich mich immer. Ich weiss das noch ein paar Zeitfehler und Tippfehler drin sind, die werd ich bei Gelegenheit verbessern.

    Endzeit


    Kapitel 1: Der erste Schritt

    Sie hatten ihre Reise noch nicht begonnen, geschweige denn wussten sie, außer Michael, Intra und Jesko was ihnen bevor stand und spürten aber trotzdem deutlich, um so deutlicher das sie der Mut verließ. Ein Mut den sie niemals hatten und sich doch seit so vielen ungewissen Stunden und Tagen und Wochen und Jahren einzureden versuchten. Wie von unsichtbarer Hand geleitet waren sie sich aber sicher das der Tag bevor steht an dem sie alle ihrem Schöpfer ins Angesicht zu blicken haben und sich an die alte Welt erinnern müssen. Der Tag an dem Kinder zu Soldaten, zu Waffen, zu Helden oder Märtyrern, zu Schicksals-Schmied werden müssen.

    Niemand wusste wo die Schritte ohne Wiederkehr hinführen werden aber sie wussten ganz sicher das jeder Schritt ein endgültiger sein wird, einer der Brücken verbrennt, Herzen zerreißt und Tränen versteinert.
    Einer der keine Möglichkeit zur Rückkehr lässt und einen weiteren zwingend erforderlich macht, denn wer steht, der stirbt. So steht es geschrieben in den alten Büchern und so wird es sein wenn das heute geschriebene zu den noch älteren Büchern zählt, falls es nach ihnen noch jemanden geben wird der Bücher schreibt oder sie wenigstens lesen kann.

    Trotzdem war klar das sie keine Wahl hatten, sie die vom Schicksal auf grausame Weise vereint wurden, um einen Weg zu gehen, den keiner sehen kann und den niemand kennen wollen würde, könnte er sehen wohin er führt. Geboren in Leid aus Wut und Betäubung auf der Suche nach nichts, dem einzigen Sinn und Zweck einer irgendwie existenten Bestimmung zu folgen.

    Es ist ein dunkler Pfad gesäumt mit Tod, Leid, Schmerz, Verrat und Verderben, dies ist eine unumstößliche Tatsache welcher sie sich nicht nur bewusst sind, welche sie irgendwie herbeisehnen und gleichzeitig für seine tolle und faire Logik verachten.

    Wenn Michael in die Gesichter der anderen blickt kann er erkennen das sie sich dessen ebenfalls bewusst sind. Das Gefühl einem 10 jährigen Jungen in die Augen zu sehen und nichts zu lesen außer der absoluten Gewissheit in sein sicheres Ende zu marschieren wie die tapfersten aller Soldaten von Altwelt, machte ihn auf eine gewisse Weise stolz und erhellte seine Seele in dieser feuchten, übel riechenden und sterbenden Welt. Er konnte förmlich spüren wie sich unser aller Herkunft beginnt in den Fängen des Dunklen zu winden und zu ächzen, man riecht die Verzweiflung in jedem seiner Geschöpfe, man schmeckt im Atem den Geruch des Todes. Es ist als würde sie absichtlich Fehler in der Evolution begehen, die Hunde und Katzen blind auf die Welt kommen lassen, nur um künftige Generationen zu verschonen. In dieser Welt haben sich unaussprechliche Dinge eingefunden deren Freude Trauer ist, deren Nahrung Verderben und deren Parfum die Verwesung.

    Die Welt existiert nicht mehr so wie wir sie kannten, das wurde Michael jedesmal erneut klar wenn sie den schmalen Tunnel zum Höhlensystem hinab stiegen. Die kleineren Kinder und die verletzten oder verstümmelten, wie Sophie wurden an einem Seil hinabgelassen dessen Sitz eine alte Kinderschaukel war. Er konnte sich noch gut an die grosse grüne Schaukel im Garten seiner Eltern erinnern, zwischen einer Trauerweide und dem alten Pflaumenbaum (der schon lange keine Früchte mehr trug, aber seine Grossmutter sass so gerne in seinem Schatten). Im Sommer roch die Luft im Garten nach frischem Gras, sein Vater mähte den Rasen mindestens einmal die Woche. Alle zwei Wochen musste er entlüftet werden und bei grosser Hitze gewässert, sie roch nach den Blumen in den Beeten seiner Mutter, nach der Limonade die er auf seinem Hemd verschüttet hatte und nach dem Fluss der in der Nähe floß, der dessen Bett heute eine dürre Furche durch die halbe Stadt ist. Unzählige Stunden hatte er mit Sandra zusammen Mom und Dad beim Grillen oder Unterhalten beobachtet, von ihrem Thron aus, von der Schaukel, bis spät Abends als die ersten Eulen durch die Lüfte flogen und man von überall das Lachen der Nachbarn auf ihren Grillfesten hören konnte.

    Die Erinnerung an diese Dinge war für ihn nur halb so schmerzhaft wie die ersten 2-3 Sekunden nach dem wachwerden, die in denen man realisiert wieder im echten Leben zu sein und erneut den Traum sterben lassen muss.

    Sie waren jetzt seit genau 289 Tagen alleine in den Höhlen, Walter und Ingrid hatten sie zurück gelassen weil Michael nun alt genug war sich um die Gruppe zu kümmern und weil jemand nach den Alten sehen musste, weil Walter genau wusste das die Kinder hier nicht noch einen Winter bleiben könnten und sie in Wirklichkeit verzweifelt auf der Suche nach einem sicheren Ort waren.

    Seit dem haben sich viele Dinge ereignet die nicht absehbar waren. Michael wuchs mit jedem Tag an seiner Herausforderung und ist schon lange nicht mehr einfach nur der älteste und vernünftigste. Er ist zu einem richtigen Anführer herangewachsen und weiss die Zeichen zu deuten. Es bahnt sich etwas an, dies sagen ihm seine Träume, sein Verstand und vorallem sagt ihm dies Sier! Das Orakel hat begonnen sich zu verändern, es ist ernster geworden, tollt seltener mit den Kindern.
    Sein Fell hat begonnen dichter zu werden und sein Körper wirkt deutlich kräftiger. „Ech isch balt zeit zu jehn“ - Michael nickte, er wusste das Orakel sprach die Wahrheit. Nur wohin soll er die Kinder führen? In ihren Tod, das ist sicher, nur ist es nicht besser sie ohne Angst sterben zu lassen? Der Winter kommt irgendwann und der Kältetod ist ein guter Tod, Michael selbst war in den früheren Jahren einige male kurz davor. Man wird müde und schläfrig und merkt garnicht das es nicht die Träume sind die kommen, sondern das es das Leben ist, das geht.
    Soll er sie wirklich aus der halbwegs sicheren Unterkunft der Höhlen in eine Welt voller Geschöpfe führen die entweder hungrig nach Fleisch oder Qual sind? Keiner von ihnen ist den Endzeit-Wesen gewachsen, auch nicht als Gruppe... und doch ist es ihre einzige Chance. Denn hier zu bleiben bedeutet einen Tod ohne Gegenwehr und er hatte nicht vor sich in sein Schicksal zu ergeben.

    In den großen Geschichten ist dies der stets der Zeitpunkt in dem die Helden neue Hoffnung schöpfen, nur die echte weiße Armee aus dem Süden oder das große Göttliche aus dem Osten, oder sei es meinetwegen der Graue Zauberer mit den 3000 Reitern wird sich uns nicht zeigen, wir sind auf uns gestellt, so oder so... Ist dies auch so ziemlich der einzige Aspekt der gute verheißt, wir ziehen niemanden mehr mit rein... oder gibt es vielleicht schon niemanden mehr den wir mit rein ziehen könnten?

    "RUNTER! KLAPPE HALTEN" schrie Michael plötzlich, sofort herrschte Stille! 17 Kinder zwischen 8 und 15 Jahren waren auf der Stelle ruhig, duckten sich so tief sie konnten und hielten teilweise sogar den Atem an.

    Wie das Geräusch eines alten schweren eisernen Tors das aus der Halterungsschiene gesprungen ist schleift etwas ca. 2 Meter über unseren Köpfen vorbei, zurück und in leichten kreisförmigen Bewegungen wieder in die Ferne. Man konnte deutlich sein schnaufen und sein eitriges, krankes schnüffeln und riechen hören, man konnte spüren wie es seine Nüstern blähte und Luft in sich einsog die es sicherlich nicht zum Leben brauchte, es brauchte sie um Witterung aufzunehmen, die Witterung des Feindes. Die Gools sind nun öfter auf der Suche...

    "Ech schind Dinje insch Rohlen jepracht und jeschenise in jang jesetzt die sich nich aufhalen lassen", "sprach" das Orakel, während es seinen langen pelzigen Hals auf Annas Beine legte. Ein Orakel kann nicht im eigentlichen Sinne sprechen, es gibt manchmal lediglich bestimmte Laute von sich welche durchaus einen Sinn ergeben können, wenn sie denn gehört und verstanden werden und diese "Worte" sind entweder die Zukunft oder erzählen von ihr.
    Den Rest seiner Zeit verbringt Sier, wie die kleineren Kinder das Orakel nennen, damit Insekten zu fangen, an Wurzeln zu kauen oder besonders wertvolle oder wichtige Gegenstände zu verstecken. Sein etwas plumpes Äußeres wirkt auf tolpatschig und erinnert an eine Mischung aus Marder und Ameisenbär, ist er allerdings auf der Jagd nach Käfern, Mäusen oder anderen kleinem Getier bewegt er sich erstaunlich anmutig mit unfassbarer Schnelligkeit und Präzision. Er war ein Kuscheltier, ein Wachtier, ein Raubtier aber vorallem war er Sier das Orakel.

    Einmal hatte es Sophies (Annas kleine Schwester) einziges Spielzeug, eine Puppe ohne Haare mit einem halben rechten Bein und verstümmelten Armen in einem Teil der Höhle versteckt, in welche die kleineren Kinder nur selten gehen, da dort die Magie anwesend ist, die Magie welche auch Sier auf diese Welt gebracht hat und die Kinder am Leben hält, jedenfalls scheint sie es zu tun.
    Sophie hatte alle verrückt gemacht und solange geschrien bis jeder bei der Suche half, Sier saß die ganze Zeit vor dem Feuer und beobachtete das geschäftige Treiben mit zunehmender Begeisterung. Er sprang im Kreis, drehte sich auf den Rücken und tollte mit einem Stück Holz durch die ganze Wärmehöhle, wirbelte den Sand auf und grunzte vergnügt. Immer wenn eines der Kinder an einer aberwitzigen Stelle (zwischen den Lebensmittelvorräten, in den Krügen mit Wasser, ja sogar in den ausgehöhlten Melonen und Kürbissen) nach der Puppe suchte, kläffte Sier verdächtig heiser und unterdrückt "Waaaf Waaach Wlaaaf Waaaf".

    Das Lachen eines Orakel bringt gesunde Kinder auf die Welt und heilt die Kranken, haben die Alten immer gesagt, doch hat kein lebender Mensch einen Sier je Lachen gehört! Sein erwartungsfreudiges Bellen klang für Michael und Sophie aber sehr stark nachdem unschuldigen Gelächter eines kleinen Kindes das sich über die Grimassen der über die Krippe gebeugten Person erfreut. Wer es hörte musste ebenfalls Lachen und selbst Sophie konnte nicht wirklich böse sein...


    Die kleinen Kinder, so wie Sophie, fürchten sich vor der Magie weil sie schon zu viel Erfahrungen mit Zauber machen mussten als das sie Guten erkennen könnten, zumal alles Schlechte versucht Gut zu wirken. Aber sie alle lieben Sier mit seinen großen runden tiefschwarzen Augen, welche stets Intelligenz und Würde auszudrücken scheinen, seinem braunen mit weißen Streifen durchsetzten Fell, welches irgendwie immer sauber zu sein scheint und fürchterlich kuschelweich und warm ist.

    Ob die Orakel wirklich intelligent sind bezweifelte Michael häufig, besonders dann wenn er Sier mal wieder die mit Widerhaken besetzten graugrünen Stacheln eines Dornwurf aus der Nase ziehen musste.

    Sie blutet flüstert Anna und drückt ihre kleine Schwester an sich, bzw. das was die Dunkelheit von dem kleinen vielleicht 8 oder 9 Jahre alten Mädchen übrig gelassen hat. Ihre blonden langen Locken fielen in dreckigen Schmieren die Wange hinab und klebten an ihrem Hals, auf dem Rest ihres rechten Beines kauerte sie neben ihrer Schwester und biss sich so feste auf die Lippen, um keinesfalls ein Geräusch zu machen, das ein kleiner Rinnsal Blut ihr Kinn hinab lief. Ihr Gesicht hatte tiefe Furchen wie man sie sonst nur bei alten Frauen und Männern sehen kann, Gesichter in denen sich in erster Linie eine lange Leidens zeit abzeichnet. Ihr Kleid, aus den Hosen und shirts von mindestens 30 schon lange verstorbenen Menschen hergestellt war nass, schmutzig und roch nicht weniger übel als der Rest dieser Kloake in der wir nun seit ich denken kann leben.

    Michael musste immer an einen erschöpften, halbtoten Engel denken wenn er sie so betrachtet. "So muss ein Engel aussehen der mit dem Teufel gekämpft hat" dachte er erneut und wandte seinen Blick wieder dem selbst gebauten Periskopähnlichem Sichtobjekt zu welches aus einem alten Abflussrohr in die Wohnhöhle reichte. Dies ist das einzige Auge was permanent die Welt da oben sehen muss und vermutlich auch das einzige Auge was auf Grund dessen noch nicht freiwillig blind wurde.

    Michael war der älteste mit ca. 17 Jahren und daher auch der Anführer, er gehörte zur einer Gruppe von Kindern die noch die alte Zeit kannten. Die Zeit bevor sich die Dinge veränderten und das Unvermeidbare eintrat.
    Eine Zeit in der Kinder Eltern hatten, zur Schule gingen, Hausarrest bekamen und bei guten Noten eine doppelte Portion Nachtisch.


    Es waren genau 6 Tage nach seinem 4. Geburtstag als sich alles veränderte, als ein Aufschrei die in früheren Zeiten freien Länder Dartos erschütterte.
    Als Tod und Verderben in der Luft lag, als Angst und Verzweiflung begannen den Lauf der Dinge zu bestimmen und das Schicksal aller Generationen für immer zu verändern. Als das Dunkle den Weg ins Helle fand, um genau zu sein, als es ihn gezeigt bekam.

    Ab diesem Tag änderte sich alles und erst langsam aber nun immer schneller schien auch unsere Herkunft zu begreifen das sich die Zeiten geändert haben, alles nicht organische unterlag einem erstaunlichen Alterungsprozess der stetig schneller zu werden schien. In diesem Tempo würde es in weniger als 10 Jahren keine Überreste von Altwelt mehr geben. Metall rostete und zerfiel gleichzeitig zu kleinen Flocken die rasch kaum noch von Sand zu unterscheiden waren, die großen Straßen waren schon seit vielen Monden nicht mehr mit den Auto-Leichen von Altwelt gesäumt, was dem bitteren Regen und der neuen Sonne dauerhaft ausgesetzt war, zerfiel in einem atemberaubenden Tempo, vor allem wenn es Überbleibsel von Altwelt waren. Mauern und Beton bekamen schneller Risse als Efeu an ihnen hoch wachsen konnte und fielen bei geringen Erschütterungen in sich zusammen, die Straßen waren größtenteils längst zu Wegen aus kleineren Schuttbrocken verkommen und das Höhlensystem in dem die Kinder lebten war vor weniger als 10 Jahren noch die Kanalisation einer Großstadt gewesen, nun erinnerte nichts mehr daran und es sah aus wie von Wassermassen in das Erdreich gewaschene Gänge, Wölbungen, Katakomben und Höhlen.

    Es gab eine Speisehöhle die am tiefsten lag und daher auch die kälteste war, dort lagerte alles Essbare was die größeren auf ihren Streifzügen finden konnten oder in geheimen Gärten anbauten. Man konnte aber nichts essen was zu lange das Licht der Sonne gesehen hat und erst Recht nicht was an bestimmten Plätzen wuchs. Es gab eine kleine Anzahl von Obst und Gemüsepflanzen welche nicht gediehen in vergiftetem Boden oder bei kranker Luft. So konnte man sicher sein das man Melonen, Kartoffeln, Kürbisse, Bohnen, Möhren, Äpfel und Mirabellen essen konnte, denn wenn sie wuchsen, waren sie auch genießbar. Es gab neben den alten Tieren auch einige neue Rassen die nachdem Krieg durch die Weltenfenster kamen, manche waren friedlich andere gefährlich, einige essbar andere wiederum giftig oder bitter.
    Unter ihnen waren auch die Sebrenner, eine unseren Hühnern äußerlich ähnliche Rasse die allerdings keine Flügel, sondern sehr starke und vor allem schmackhafte Beine besaß. Die Sebrenner sprangen zwar höher und weiter als Kängurus waren aber sehr einfach zu fangen, da sie aus einer Welt ohne Feinde zu stammen schienen und daher fast von selbst in die Käfige liefen.

    Ein paar lieferten Eier, ein paar andere wurden auch mal geschlachtet, wenn gleich auch nur die jüngeren von ihrem Fleisch aßen. Die älteren Kinder bekamen das Fleisch der Fremdlinge nicht herunter, waren aber glücklich den kleinen dieses weiße, grob faserige und offensichtlich leckere Fleisch bieten zu können.
    Dann gab es eine Schlafhöhle die im Winter allerdings nicht genutzt werden konnte, dort hatten die Kinder die saubersten Stoffe, Kissen und Polsterungen die sie finden konnten auf dem Boden ausgebreitet, es hingen zahlreiche Vorhänge und Gardinen von den Decken, der Boden war übersät mit weichem Fließ, Schaumstoffpolsterungen aus Autos, Bussen, Eisenbahnen, aus Federn von echten Hühnern. Die meiste Zeit über roch es hier aber trotz aller Mühe und Vorbereitungen und sorgfältiger Pflege ziemlich moderig und die Stoffe, welche in regelmäßigen Abständen gewechselt werden mussten, neigten sich auch allmählich dem Ende.

    Durch einen schmalen Gang kam man in die Wärmehöhle welche gerade groß genug war alle 34 Kinder, die sie einst waren, aufzunehmen . In der Mitte türmte sich eine große Feuerstelle, direkt über ihr befand sich ein alter Kanalisationsschacht der auf eine frühere Kreuzung führte die mittlerweile von Büschen, seltsamen Pflanzen und einer sich ausbreitenden Sumpf ähnlichen Flechte verdrängt wurde. Der Kanalisationsschacht funktionierte wie ein Kamin und ermöglichte so das entzünden eines Feuers, auch wenn die Gelegenheiten immer seltener wurden in denen Michael gestattete eins zu entzünden, es schlichen einfach zu viele Gools in letzter Zeit in ihrer Nähe herum und keiner sollte durch Rauchzeichen aufmerksam gemacht werden.

    Der nächste Winter, lang, kalt und windstill würde entweder ihrer aller Kältetod oder die Entdeckung durch Gools (und das wäre tragischer weise noch der glücklichste Fall) bedeuten. Gools töten schnell, sie haben kein Interesse daran mit ihren Opfern zu spielen, in den meisten Fällen beißen sie einem den Kopf ab oder reißen die unterlegenen Körper einfach in zwei Teile.

    Michael war ein groß gewachsener hübscher Junge den man in der alten Zeit niemals für 17 gehalten hätte, jeder hätte ihm anstandslos Zigaretten oder Alkohol verkauft und er hätte sicherlich für seine Freunde die "Ab 18 Kinokarten" gekauft. Er sah mit sein blonden wild gewachsenen Haaren und der hünenhaften Statur wesentlich älter aus, er war mindestens 1,85m vielleicht sogar 1,9m groß, und sah eher aus wie Mitte 20.

    Für einen Überlebenden des Weltenkrieges hatte er eine sehr gute Genlinie wie man an seinem Sohn Jeremias erkennen konnte. Er war eines der wenigen Babies die gesund, ohne Mutationen oder schwere Behinderungen in diese sterbende Welt voll Bösem geboren wurden.

    Die Babies sofern sie nicht schon bei der Geburt oder kurz danach starben, kamen zu "den Alten" weit außerhalb der Stadt in den unterirdischen Stollen der früheren Bergwerke, falls sie den Weg dorthin überlebten, versteht sich.

    Dort befand sich auch die Mutter von Michaels Sohn, SEINE Jeri, sie hatte viel Blut verloren als sie Jeremias allein in einer dunklen Ecke der Höhlen zur Welt brachte. Sie sollte sich bei den Alten erholen, sich um das Kind kümmern und wieder zu Kräften kommen, dies war nun fast 1 Jahr her und seit dem hatte sie niemand mehr gesehen oder auch nur etwas von den Alten gehört.

    Michael hatte schon lange die Hoffnung aufgegeben und war sich sicher das sie alle einem Gool oder etwas viel schlimmerem zum Opfer gefallen waren. Wären die andern, die er allesamt als seine Familie sah nicht gewesen, hätte er alle Gegenstände die er für Waffen aus der alten Zeit hielt umgeschnallt und wäre los gezogen um seine Frau und seinen Sohn zu suchen.

    Er war sich aber bewusst das die anderen ohne ihn keine 2 Tage überleben würden. Trotz seines noch jungen Alters war er der geborene Anführer, er hatte außergewöhnlich gute Reflexe und einen messerscharfen Verstand, welcher den Kindern schon mehr als einmal das Leben gerettet hatte.
    Die Kleineren bewunderten ihn und liebten ihn wie einen Vater, für die Größeren war er ein Held und der unumstrittene Anführer.
    Außer Jeri hatte aber niemand gewusst wie es in ihm wirklich aussah.
    Während seiner Gefangenschaft hatte er viele Dinge gelernt, unter anderem niemals ein Gefühl zu zeigen. So konnte er innerlich weinen während er den anderen in der Wärmehöhle spannende Geschichten erzählte. Er war ein großer Geschichtenerzähler und zog sie alle in seinen Bann, selbst wenn er die gleiche Geschichte aus Müdigkeit ein zweites Mal erzählte.

    Michael war fasziniert von Technik und Geschichten aus Altwelt, er sammelte jeden Fetzen eines Buches den er irgendwo in den endlosen Ruinen auftreiben konnte und riskierte sogar für eine einzige Seite sein Leben. Ein Buch, genauer gesagt eine Geschichte über zwei Geschwister deren Eltern heimlich als Geheimagenten arbeiten, hatte ihm geholfen das Sichtgerät durch welches er in diesem Moment blickt, zusammen mit Jesko, dem zweit ältesten zu bauen. Sie hatten die Bruchstücke eines Spiegels tief begraben unter Schutt und Geröll zufällig entdeckt. Daher war er auch nicht stumpf wie die anderen Bruchstücke von Spiegeln welche sie manchmal benutzten. Sie hatten drei Scherben in einem L-förmigen Rohr so angeordnet das man damit wie in einem U-Boot „um die Ecke“ sehen konnte. Man konnte zwar nicht viel erkennen aber es reichte um die umliegende Gegend nach auffälligen Dingen abzusuchen wenn sie ein Feuer machen wollten oder einige von ihnen die Höhlen verlassen musste, um Essen zu besorgen oder andere Dinge die man zum überleben benötigt.
    Die Streifzüge führten sie mit der Zeit immer weiter weg vom Einstieg und wurde daher immer gefährlich, sie führten sehr nah an eine andere Welt, jedenfalls war Jesko davon überzeugt. Laut dem Orakel erkennt man Dimensions-Türen, Fenster und andere Welten an einem Gefühl, einem vibrieren, dem verschwimmen von Gerüchen, dem milichig werden dessen was man sieht, dem verlieren von Gedanken... man schwebt zwischen den Welten.
    Michael vermutete das es sich bei den anderen Welten nicht nur um böse handelte und das die Türen sich eher willkürlich öffnen als einer höheren Logik folgend. Kommt man in ihre Nähe ist es sehr schwer abzugrenzen in welcher Welt man sich befindet. Es ist ein schleichender Übergang und es ist durchaus möglich versehentlich direkt in eine andere Welt zu schlendern, jedenfalls könnte es so sein.

    Anna stand auf, nahm ein Stück des gewaschenen Stoffes, welcher nur noch für Verbände benutzt wird da saubere und intakte Stoffe immer seltener werden, und tränkte in einem ausgehöhlten Kürbis, ihn im befand sich frisches Wasser der Horne, ein kleiner Nebenfluss der Roda, welcher zwar mittlerweile ungenießbare Fische und gefährliche Krebsähnliche Tiere führt aber sein Wasser war schon von jeher gut und genießbar. Der einfachste Weg war auf Überbleibsel aus Altwelt zu achten, so hatten sich Frösche, Rotfedern und sogar ein paar Aale durch die aus den Angeln geratene Welt und Zeit gerettet und führten ihr sorgenfreies Leben umgeben von einer sterbenden Welt weiter.
    Sie tupfte Sophie vorsichtig das Blut vom Kinn und bemühte sich so gut es geht das schmutzige Gesicht zu säubern. „Es ist weg“ sprach Michael während er sich die überanstrengten Augen rieb. Er hockte sich neben Sophie, streichelte ihre Wange und wollte etwas aufmunterndes sagen, sie zum lachen bringen aber brachte nur ein Lächeln über die Lippen. Die bevorstehende Entscheidung drohte ihn zu Zerfressen, er kam sich vor wie ein Verräter da er einen Grossteil der vor ihnen liegenden Dinge für sich allein behielt.

    Es war an der Zeit ein Gespräch mit seinem Freund, mehr seinem Bruder, Jesko und Intra zu führen einem genauso hübschen wie besonnenen und intelligenten Mädchen, welches etwas jünger als Michael und Jesko schien, ihr wahres Alter kannte niemand mehr und sie selbst konnte sich auch nicht an Altwelt erinnern. Ihre Resistenz gegen eine Vielzahl von Krankheiten aus der alten Welt ließ aber vermuten das sie als Baby oder Kleinkind zumindest noch geimpft wurde.
    Auf der Flucht vor einem Gool ist sie vor einigen Monaten in einen kleinen Hain aus Büschen aus Neuwelt geflüchtet und hat sich dort kauernd die Haut ihres rechten Armes, welcher nur noch aus ledriger narbenhaut zu bestehen scheint, an einer Pflanze welche von den Kindern Feuerkraut getauft wurde verbrannt.

    Ohne auch nur das leiseste Geräusch von sich zu geben harte sie dort zwischen fremdartigen Pflanzen mit Sophie in ihren Armen aus, sie schützte das kleine Mädchen mit ihren beiden Armen und auch als das Feuerkraut begann die Haut auf ihrem Arm in eine fiebrig gelb rote Masse zu verwandeln war nicht das leiseste Atmen von ihr zu vernehmen. Sie gab es nie zu aber sie konnte ihren Arm nur noch unter starken Schmerzen benutzen, die Narben hatten die Haut so sehr gestrafft das ein beschwerdefreies anheben unmöglich wurde. Sie hatte nie geklagt und es sich nie anmerken lassen. Nur Jesko konnte es ihrem Gesicht ansehen, hatte er es doch in unendlichen vielen Stunden beobachtet. Er würde sofort seinen eigenen Arm für sie geben aber es gab nichts was er für sie tun konnte. Er selbst hatte noch die wenigsten Spuren und Blessuren davon getragen, abgesehen von fünf runden Narben die von den Klauen eines Gool stammen war sein Körper noch unversehrt, obwohl er einige Male seine Gesundheit und natürlich auch sein Leben riskiert hatte um einem anderen zu Hilfe zu kommen. Er war nicht so Intelligent wie Michael und Intra und war eher ein Träumer als ein Anführer aber er war stark im Herzen, edelmütig in der Seele und wahrhaftig im Angesicht, dies schätzte Michael sehr. Deshalb fiel es ihm auch nicht schwer vor den beiden Schwäche oder Angst zu zeigen, nur in diesem Fall hatte er bislang noch kein Wort über die immer näher rückende Reise verloren.
    So nah wie heute war noch kein Gool am Versteck vorbei geschlichen und die Art wie er sich bewegte und seine Nüstern blähte war ein deutlicher Beweis für eine Witterung die er aufgenommen haben musste. Gools sind nicht sehr intelligent, jeder zweitklassige Jagdhund hätte mühelos der Witterung in die Höhlen folgen können.
    Dafür haben sie aber sehr viel Ausdauer und Michael weiß genau das dieser Gool wiederkommen wird, bis er zufällig die Quelle des köstlichen Geruches findet. Auch dies war ein eindeutiges Zeichen in naher, in sehr naher Zukunft mit Jesko und Intra sprechen zu müssen.

    Um in seinen Entscheidungen nicht ganz so einsam zu sein und um sich Rat oder Zuspruch zu hohlen teilte Michael mit den beiden alle seine Entscheidungen.

  • #2
    Nicht mal ein "Boah was ein Scheiss"?

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