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Die Tränen der Sterne: Swan

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  • Die Tränen der Sterne: Swan

    Eine Kurzgeschichte aus meinem eigenen Universum. Der volle Roman auf dem das hier basiert ist noch in Arbeit.. Sie dient dazu, einen der Hauptcharaktere etwas näher zu beleuchten.

    Zusammenfassung: Zwei Jahre nach dem Abflug des Darnika-Expeditionskorps nagen Zweifel an Reiko 'Swan' Yoshida.. mitten in einer Krise.

    1900 Wörter.

    Die Kurzgeschichte
    2012

    Ein neuer Tag brach auf Pitara an, nach ihrer Zählung der neunzehnte seit sie hier abgesetzt worden waren. Reiko sass zwischen den Trümmern von dem was mal ein Lagerhaus gewesen war, jetzt eine Ruine dank zweier langer Wochen anhaltender Kämpfe.
    Momentan war alles ruhig, dachte sie dankbarerweise während sie an einigen getrockneten Früchten knabberte.

    Vor drei Wochen war eine kleine Yel-Flotte nahe Darnikas Kolonie entdeckt worden, zehn Lichtjahre entfernt, und mit direktem Kurs auf die einzige Stadt von Zweihunderttausend Einwohnern. Sowohl die Darnika-Flotte als auch das kleine Kontigent der irdischen Expeditionskräfte waren schnell mobilisiert und stellten sich den Yel im Orbit von Pitara, drängten die Maschinen erfolgreich ab. Eine Handvoll Drohnenschiffe entkamen allerdings dem Sperrfeuer, dass die vereinte menschliche Flotte niederlegte und legte weit ausserhalb der Kolonie eine Bruchlandung hin.

    Sofort wurde die Evakuierung der Stadt veranlasst, um die Zivilisten aus dem Kreuzfeuer heraus zu halten, zu dem es zweifelsohne kommen würde. Die Kolonie war ein Grossproduzent von raffinierten Legierungen und ein metallurgisches Zentrum, und aus diesem Grund von grosser Wichtigkeit für ihre Verbündeten auf Darnika.

    Drei Tage später begann der Ansturm der Maschinen. Bis auf fünftausend Pechvögel und Sturköpfe waren alle Zivilisten entkommen. Fünftausend sassen nun gemeinsam mit den Truppen die sie beschützen sollten in der Stadt fest.
    Anfänglich flog Reiko noch Luftunterstützung mit den anderen Blue Lions, aber Tag um Tag ging ihr Material zur Neige; Und nicht zuletzt die Ankunft einer weiteren Yel-Flotte, der damit verbundene Rückzug der Menschen und das Auftauchen von Luftabwehr-Maschinen verhinderte einen weiteren Einsatz ihrer effektivsten Maschinerie, zwang sie zu einem Guerilla-Krieg gegen die unermüdliche Maschinerie der Yel.

    Neunzehn Tage, erfüllt von Schlafmangel und einer konstanten Gefahr von Angriffen durch die Yel. Mini-Panzer rollten durch die Strassen, feuerten mit ihrem Maschinengewehr auf alles was sich rührte; Zweibeinige Mechas mit wesentlich schwereren und unnennbaren Waffen, sowie nicht zuletzt die vierbeinigen Luftabwehr-Giganten, wandelnde Festungen. Und nicht zu vergessen diese lästigen 'Ameisen', sechsbeinige Maschinen, kaum mehr als zwei Handbreit im Durchmesser, die Steine auf sie warfen. Steine, von allen Dingen!

    Reiko seufzte und starrte in den Himmel. Einige wenige Sterne waren noch im anbrechenden Morgen sichtbar, einige bewegten sich vergleichsweise schnell – die Yel-Flotte im Orbit. Warum diese Maschinen darauf verzichteten, die Kolonie einfach vom Orbit aus zu erledigen und stattdessen einen langsamen und mühsamen Bodenangriff vorzogen , entzog sich ihrer Vorstellungskraft.
    „Geht's dir gut?“ fragte ihr Kollege und vormaliger Ausbilder Yuri Tziolkovsky. Sie wandte ihm das Gesicht zu mit einem starren Blick, sah ihn nicht.
    „Ich lebe noch, oder?" antwortete sie leise, ignorierte die Blutspritzer die den linken Arm ihres Fluganzugs zierten. Die Überbleibsel eines unglücklichen Soldaten von Darnika, der wortwörtlich im feindlichen Feuer explodiert war.
    „Das habe ich nicht gemeint.“ meinte Yuri. „Du bist unkonzentriert. Schon wieder.“ Ein leiser Vorwurf war hörbar der Reiko aus ihrer Starre aufschrecken liess. Sie erinnerte sich daran sich vor zwei Jahren für das Expeditionskorps freiwillig gemeldet zu haben. Sie erinnerte sich daran, Marcus an der Luftschleuse zum Kreuzer gegenüberzustehen. 'Hab keine Zweifel, Marcus. Denn Zweifel sind ein Luxus, die dir das Genick brechen können. Und gebrochene Genicke habe ich schon genug gesehen, dass es für drei Leben reicht.' hallten ihre Worte an ihren Schützling in ihrem Kopf wider, verfolgten sie.
    Yuri liess die Luft in seinen Lungen mit einem Zischen entweichen. „Konzentrier' dich, Swan. Sonst siehst du deinen Fliegerjungen nicht wieder.“ sagte er, ihre Gedanken erratend.
    Reiko beendete ihre kleine Mahlzeit. „Es ist nur ein wenig schwer sich daran zu erinnern, wofür wir eigentlich hier sind.“ sagte sie schliesslich. „Fünf bis sechs Dutzend Lichtjahre von unserer Heimat.“

    1993
    Eine stille und helle Sommernacht, genau so wie sie es mochte. Sie liebte es die Sterne zu beobachten, und diese Erfahrung wurde durch den Vollmond nur noch verbessert. Sie sass unter einem Sakura-Baum, ein einsamer Baum in einer hügeligen Landschaft. Am Fuss dieses Hügels reflektierte ein See den Nachthimmel, wie ein perfekter Spiegel. Kein Geräusch war zu hören mit Ausnahme des Windes, der ihr immer wieder Strähnen ihres pechschwarzen Haares in ihr Gesicht blies. Sie beobachtete die Sterne, die sich nahe des Mondes glommen. Sie fingen ihre Vorstellungskraft, und seit Jahren wünschte sie sich, diese zu besuchen, so unwahrscheinlich es ihrem rationalen Selbst auch vorkam. Ein Teil von ihr erlaubte sich dennoch zu träumen.

    Kaum hörbar näherte sich ihr eine weitere Person, liess sich ebenso im Gras nieder. Der Mond erhellte ihr Gesicht gerade genug, dass Reiko ihre Mutter erkennen konnte.
    „Was machst du hier draussen, Reiko-chan.“ brach sie das Schweigen. Keine Sorge in ihrer Stimme, kein Vorwurf. Nur eine Frage.
    „Sterngucken.“ antwortete Reiko kurz und knapp, den Blick auf das Firmament gerichtet. Die beiden sassen gemeinsam, schwiegen. Die Mutter musterte ihr Kind. Nunmehr Fünfzehn, und sie wurde ihr immer ähnlicher.
    „Wenn ich da oben wäre,“ begann Reiko, zeigte dabei auf den Mond, „glaube ich, dass ich nie wieder zurück kommen wollte.“ Sie wandte ihr Gesicht ihrer Mutter zu, die eine Augenbraue gehoben hatte. „Warum denkst du das?“ fragte sie mit einer hörbaren Erheiterung.
    „Ich habe hier alles gesehen. Warum sollte ich zurück?“ kam die beinahe trotzige Erwiderung.
    Masako lehnte sich zurück, spürte den soliden Stamm des Sakura-Baums hinter ihr, in Gedanken versunken.
    „Die Welt geht seltsame Wege, Reiko.“ sagte sie schliesslich. „Und um der Wahrheit genüge zu tun, die meisten würden durchdrehen wenn sie da oben festsässen.“
    Sie kicherte leise. „Ausserdem ist es gut sich dann und wann daran zu erinnern, was man eigentlich zu beschützen und fördern gedenkt."
    „Was sollte das sein?“
    fragte Reiko, nicht ohne Neugier in der Stimme.
    „Abgesehen von Kenji? Und wichter noch, dir? Sieh dich um.“ forderte Masako ihre Tochter auf.
    Reiko tat wie geheissen, mit einem sichtbar verwirrtem Ausdruck im Gesicht.
    „Ich sehe hier nichts spezielles. Nur etwas Gras, den See und diesen Sakura.“
    Die Mutter hob ihre Hand, legte sie auf Reikos Wange, zwang ihre Tochter sanft sie anzusehen. „Es mag nur Gras sein. Oder ein Sakura. Aber was du noch nicht begriffen hast ist, dass beides eine Rarität im Weltraum darstellt.“ sagte Masako mit viel Ernst.
    „Halte es in Ehren. Du magst lange keinen Sakura sehen wenn du dich wirklich für unseren Weg entscheidest.“
    Sie liess die Hand sinken. „Wenn die Welt blass aussieht, kann es helfen sich an das zu erinnern was du liebst und schätzt.“
    „Ich verstehe nicht.“
    sagte Reiko schliesslich, über die Worte ihrer Mutter nachdenkend.
    „Vielleicht wirst du es einmal.“ antwortete sie. „Wenn du erfahrener bist.“

    2012

    „Ja, es ist schwierig.“ gestand Yuri ein. „Aber wir haben hier fünftausend die sich auf unsere Hilfe und Verteidigung verlassen. Wir müssen konzentriert bleiben. Damit wir nach Hause können. Wir alle.“ Reiko stand auf, ging zu einem grossen Loch in einer der Aussenwände, sah sich in der Stadt um, eine Stadt so vertraut und doch fremd.. so ausserirdisch.
    „Nach Hause.“ flüsterte sie. „Hier gibt es keine Sakura.“ fuhr sie fort. „Es ist grün.. aber es ist nicht zu Hause.“
    „Swan?“
    Sie wandte sich dem Russen wieder zu. „Nur etwas, was mir jemand vor beinahe Zwanzig Jahren versucht hat zu erklären.“
    Plötzlich erhellte ein brilliantes Licht den Himmel über ihnen, bereits nach wenigen Sekunden verblassend. Die Lichtpunkte über ihren Köpfen hatten begonnen, sich zufälliger und unregelmässiger zu bewegen als noch wenige Minuten zuvor. Massive Statik klang aus dem Helmlautsprecher. „Was zum..?“ fragte einer der anderen Blue Lions.
    Eine Sekunde oder zwei später verschwand die Statik zum grössten Teil, machte Raum für eine definitiv menschliche Stimme.
    „Jutland an Lions, seid ihr noch da?“
    Ein breites Lächeln tauchte auf Reikos Lippen auf, als sie die Stimme des Flugkontrolloffiziers erkannte. Yuri antwortete. „Ja, sind wir, und entgegen aller Erwartungen vollzählig obendrein.“
    „Sehr gut.“ Die Statik schwoll an und ab, wie ein Ozean aus Störungen, aber die Stimme war stets klar und deutlich verständlich. „Wir sind gerade dabei, die Yel-Blockade zu durchbrechen, wir dürften bald Nachschub reinbringen können.“
    „Das sind exzellente Neuigkeiten, da ist allerdings ein 'aber' zu hören?“
    „In der Tat. Jemand muss die zwei Luftabwehr-Walker ausser Betrieb setzen bevor wir wieder mit Luftunterstützung reinkommen können."

    Reiko überprüfte die Rucksäcke ihrer Kameraden, schüttelte den Kopf.
    „Wir haben keinen Sprengstoff, der so etwas in die Knie zwingen kann.“ antwortete Yuri bedauernd.
    „Kein Problem. Habt ihr noch Laser-Marker?“
    „Ja.“
    „Bringt die an. Die Sechsundneunziger werden dann den Rest erledigen, mit herzlichen Grüssen von der Darnika-Flotte.“
    „Sind schon auf dem Weg.“


    Zwanzig Minuten schleichen und kleinere Auseinandersetzungen mit Mini-Panzern und Ameisen folgte eine ganze Stunde Stille und Beobachtung. Die zwei Walker hatten sich auf einem enormen Plaza positioniert, bewegten sich kaum; Die Rohre ihrer Luftabwehrwaffen bewegten sich hin und her, als ob sie nach Zielen suchten. Nur wenige andere Maschinen waren sichtbar. Scheinbar waren diese der Ansicht, dass reine Grösse Angriffen zuvorkam.
    „Was machen wir?“ fragte Reiko. Sie hatte keine Ahnung, wie sie trotz allem auch nur nah genug herankommen sollten ohne jegliche Kampfmaschine in der Stadt auf ihre gegenwärtige Position aufmerksam zu machen. Sie starrte die Titanen an, als ob ihr Blick alleine diese Behemots in Brand setzen würde. Kein Cockpit, nichts, was auch nur annähernd auf die Nutzung durch eine organische Spezies hinweisen würde. Pure Maschinerie. Pure Effizienz.
    „Wir kleben die Marker fest, was sonst?“ lachte Yuri. Ein Licht schien in Reiko anzugehen als sie sich ihrem Kollegen zuwandte. „Brilliant.“ sagte sie, kaute leicht an ihrer Unterlippe. Sie liess ihren Rucksack auf den Boden gleiten, begann durch dessen Inhalt zu gehen. Schnell fand sie, was sie suchte – eine Handvoll formbarer Masse, die Vorstellung der Flotte was Explosivstoffe anging.
    „Du weisst genau, dass das Zeug nicht einmal einen Kratzer in deren Lack machen wird.“ meinte Yuri trocken, wohlwissend, dass solche Sprengstoffe nur gegen Türen und leichte Panzerung half.
    „Ich weiss. Aber hau fest genug drauf und es klebt praktisch überall.“
    Yuris Augen weiteten sich. „Du willst die Marker da drin einbetten.“
    „Und sie dann mit Locke's Granatwerfer dort rüber befördern.“
    fuhr sie fort, deutete dabei mit einem Kopfnicken zu den Maschinen. „Sollte ein Einschlag sein, der es zum kleben bringt.“
    Yuri lachte auf. „Du bist eindeutig zuviel mit Marcus unterwegs!“ brachte er schliesslich hervor, als ihm der Lachanfall wieder zu Luft kommen liess. „Sein Wahnsinn beginnt abzufärben!“
    „Vielleicht. Aber es ist ein guter Wahnsinn.“
    Sie nahm den Granatwerfer an. „Alles oder nichts.“ sagte sie noch. Mit dem markanten Geräusch von Druckluft beförderte sie den ersten Marker in Richtung der Titanen. Reiko glaubte zu sehen wie dieser in einem bildschönen Bogen flog und die Seite eine der Maschinen traf.
    Yuri holte ein Fernglas hervor und sah sich das ganze genauer an. „Sieht so aus als ob es funktioniert hat.“ Er schüttelte ungläubig seinen Kopf, wandte sich einer beschäftigten Reiko zu welche bereits an einem zweiten Marker arbeitete. Einmal mehr beschleunigte Druckluft ein Projektil zu seinem Ziel, erneut blieb die Kombination aus Sprengstoff und eines Markers kleben. „Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Du spinnst.“ Reiko zuckte lediglich mit den Schultern. „Vielleicht sollten wir es Marcus nachmachen und den Wahnsinn mit offenen Armen empfangen. Wäre zumindestens Garant für ein interessantes Leben."
    Yuri schüttelte seinen Kopf. „Sieht so aus als ob wir hier fertig wären. Lions an Kontrolle, die marker sind platziert und aktiv. Habt ihr das Signal?“
    „Positiv, Lions. Jetzt raus da, Piloten. Die Sechsundneunziger kommen im Tiefflug rein, aber sie habens nicht so mit der Zielgenauigkeit wie ihr. Zwei Minuten.“
    „Bestätigt, Kontrolle.“
    antwortete Reiko. Sie schnappte sich ihren Rucksack. „Bewegung, Leute. Ich für meinen Teil habe genug von dieser Welt.“
    Ich wurde schon als linkslinker Linksmarxistengutmenschlinker bezeichnet. Was soll das sein?
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