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Der große Niedergang [Miniserie im Andromeda-Universum]

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  • Der große Niedergang [Miniserie im Andromeda-Universum]

    "Der große Niedergang" ist eine selbst verfasste Miniserie (selbstverständlich nur geschrieben) in der Welt von "Gene Roddenberrys Andromeda". Die Rechte an den Figuren der Serie gehören mir selbstverständlich nicht. Mit der Handlung von "Andromeda" hat das hier reichlich wenig zu tun, allerdings spielt es in der selben Welt, nur 300 Jahre früher.

    Nachdem ich „Staffel 6 in Eigenregie von DoktorAxt und Darth.Hunter“ fertig gelesen hatte, kam ich auf die Idee, eine eigene Geschichte zu „Andromeda" zu entwerfen. „Der Große Niedergang“ wird aus einigen (wenigen) zusammenhängenden Episoden bestehen. Die Handlung spielt von 9784 n.C bis 9786 n.C und zeigt den Krieg und Untergang des Commonwealth. Obwohl es sicherlich kein Meisterwerk (sondern eher das genaue Gegenteil) ist, könnte es vielleicht doch dem Einen oder Anderen gefallen. Mit der ersten Episode werde ich bald fertig sein.

    Für Tipps, Anregungen, Kritik o.Ä. bin ich selbstverständlich offen und würde mich über die eine oder andere Bemerkung freuen.





    I. Der Krieg hat begonnnen!

    "Der Feind meines Feindes
    ist trotzdem noch mein Feind."

    Drago Museveni, n.C. 8427


    Gerade hatte er einen wunderschönen Sonnenuntergang am Strand von Sinti gesehen. Sie gehörten zu den schönsten in der bekannten Welt. Es war einfach eine herrliche Kulisse, wenn die Sonne sich im Meer widerspiegelte und schließlich versank. Nur zu schade, dass es nicht real gewesen war.

    Laco nax Agros zog den Übertragungsstecker aus seinem Dataport. Er zog den Kragen seines Hawaii-Hemdes hoch, um das unschöne Stück Technik zu verbergen. Es war leider Pflicht für alle Mitglieder von Argosy Special Operations. Gerade war er aus der VR-Matrix der Slipstream-Bar zurückgekehrt. Die kleine Filiale der großen Kette lag nahe des Raumhafens von Esthashi Tarn, der größten Anlaufstelle für Raumfahrer in den bekannten Welten. Laco setzte sich auf einen Hocker und klopfte dem castallianischen Barceeper auf die Schulter. Dieser drehte sich um und bedachte den Vedraner mit einem unfreundlichen: "Hm?". Laco bestellte sich einen vedranischen Feuerwhisky, das wohl stärkste Zeug, das im Commonwealth erlaubt war. Während er den Drink zubereitete sagte er zu seinem Stammkunden: "Hey, Laco. Heute Mittag war ein Pilot hier, der von der Erde hier her flog. Er sagte, dass er noch kurz bevor er in den Slipstream sprang einen Hilferuf von der Raumflugszentrale auf der Erde erhalten hat. Anscheinend wurden sie irgendwie überfallen. Weißt du was davon?" "Unmöglich", sagte der Vedraner. "Es gibt keine Flotte in den bekannten Welten, die ein so gut geschütztes System wie das irdische überfallen könnte". "Und die Magog?", fragte der Castallianer. "Nein, ihre Quarantänezone ist von unseren Drohnen überwacht. Nicht ein Schwarmschiff kommt da raus, ohne dass die Ehrengarde davon was mitbekommt. Das ist sicher alles nur erfunden. Schluss aus!" Er schüttete den Whisky auf einen Schluck hinunter und schüttelte sich heftig. "So, mein Freund, ich muss gehen. Wir sehen uns, ich hab' noch ne' Woche Urlaub". Laco gab dem Barceeper ein paar Trohn Trinkgeld und verließ das Lokal. Jetzt stand er auf einer der höheren Ebenen von Esthashi Tarn, der Hauptstadt von Tarn Vedra, der Hauptstadt des Commonwealth, der "Mitte des Universums".

    Laco nax Agros war Vedraner, mit 34 Jahren für die Maßstäbe seines Volkes noch sehr jung. Er war vor Jahren in die Ehrengarde eingetreten und vor zwei Wochen zum Captain befördert worden. Danach hatte er erst einmal drei Wochen Urlaub bekommen, die er in vollen Zügen auf Tarn Vedra genoss. Er würde das Komando auf einem neuen Schiff der Eternal Vigilance Klasse, der Ikarus, übernehmen. Einen Teil seiner neuen Crew kannte er bereits, unter anderem seinen ersten Offizier. Er war Nietzscheaner und hieß Tarik al Ashraf. Auch der perseidische Chefingenieur Caton war ihm durchaus bekannt. Er hatte mit beiden auf der selben Raumstation gedient. Sein Steuermann und sein taktischer Offizer waren ihm noch nicht bekannt, aber das hatte ja auch noch Zeit. Es würde ja so schnell keine Zwischenfälle geben, schon jahrhundertelang hatte das Commonwealth keinen Krieg mehr gehabt, dann würde es doch wohl auch keinen geben, wenn er das Kommando über die Ikaros übernahm. Doch schon Minuten später würde sich herausstellen, das er sich geirrt hatte.

    Gemächlich trottete er die Straße entlang, es wurde langsam Abend in Esthashi Tarn. Ein Großteil der Bevölkerung Tarn Vedras bestand aus Vedranern, hier nahe des Raumhafens sah man jedoch auch viele andere Spezies. Genau genommen gab es bis auf die Magog und die Pyrianer keine, die man hier nie zu Gesicht bekam. Plötzlich leuchteten auf den Fassaden der Weltraumkratzer blaue Lichter auf, Alarmlichter. Dann erschien auf holographischen Bildschirmen, den Holoscreens, das graue Gesicht eines Perseiden. Es war der Kriegsminister des Commonwealth. Eine öffentliche Bekanntmachung also. Alle Passanten sahen zu den Bildschirmen auf, der Politiker räusperte sich und begann zu sprechen:

    "Sehr geehrte Bürger des Commonwealth
    Ich habe euch eine Nachricht zu überbringen, und einige Bitten.
    Seit heute Morgen geht etwas seltsames im Gebiet des Commonwealth vor. Wir haben den Kontakt zu vielen unserer Welten verloren. Orbitale Lebensräume, Asteroidenkolonien, Schiffe, Kernwelten, aber auch weit entfernte Kolonien im äußeren Rand. Es handelt sich dabei wohl um Überfälle unserer Feinde. Da ist nur ein Problem. Welche Feinde haben wir? Die Magog können es nicht sein, ihre Territorien werden zu stark kontrolliert, und unsere diplomatischen Beziehungen mit den Pyrianern sind ausgezeichnet. Ehrlich gesagt: Wir wissen nicht, wer dafür verantwortlich ist, aber wir wissen, dass etwas im Gange ist. Deshalb bitte ich Euch um Vorsicht. Reist nicht ohne Eskorte, am besten aber im Geleitzug im Schutze der Ehrengarde. Ich bin besorgt um Euer aller Sicherheit, deshalb bitte ich Euch, uns die Gewährleistung Eurer Sicherheit nicht zu erschweren. Des weiteren bitte ich alle Ehrengarde-Offiziere des Ranges Captain oder höher, sich im Hauptquartier der Garde zu einzufinden, zu einer dringenden Lagebesprechung. Wenn es Neuigkeiten gibt, werde Ich es dem ganzen Volk zukommen lassen.
    Lang lebe die Kaiserin!"

    Die Holoscreens verschwanden. Gemurmel erhob sich in der Bevölkerung, die sich hier am Platz versammelt hatte, ja, Unsicherheit breitete sich unter ihnen aus. Laco hatte die Nachricht gehört, er wurde ins Gardehauptquartier gebeten, und dort würde er sich hinbegeben. Er tippte auf den Communicator, um sich ein Transportmittel zu holen. Kurz darauf landete ein unbemannter Floater. Laco stieg ein. Eine Computerstimme fragte ihn nach seinem Zielort. Er stellte die manuelle Steuerung ein, zog seine ID durch und hob ab. Floater-Motoren gaben keine Geräusche ab, deshalb gab es in der Stadt auch keinen Verkehrslärm. Bald hatte er die Weltraumkratzer hinter sich gelassen und überflog den Raumhafen. Man meinte, dass er sich bis zum Horizont erstreckte, und in Wirklichkeit hatte er auch gigantische Dimensionen. Selbst die 4.300 Meter langen Schiffe der Glorious-Heritage-Klasse konnten hier problemlos landen. Als er den Raumhafen überquert hatte, sah er vor sich ein gigantisches Bauwerk. Es war das Hauptquartier der Ehrengarde. Es hatte die Form einer Pyramide ohne Spitze, mit vier mittigen Auskerbungen. Es war in Wirklichkeit aus den selben widerstandsfähigen Materialien gebaut wie die Schiffe der Ehrengarde, jedoch mit weißem Marmor überzogen. An drei Seiten wurde das Gebäude vom Meer umschlossen, von der vierten Seite nählerte sich Laco. Auf einer der vielen Plattformen landete er und rannte ins Innere. Riesige Hallen erwarteten ihn, schlicht, aber doch voller Pracht und Ausstrahlung. Viele Captains und Admiräle der Ehrengarde rannten die Gänge entlang, sie waren sichtlich in Aufruhr. Die meisten waren uniformiert, und nicht wie Laco in Zivil hier. Endlich fand er, was er gesucht hatte, eine Röhre mit AG- Feld. Er tippte erneut auf seinen Communicator und schon wurde er vom Feld hochgehoben, bis zur Ebene mit dem Konferenzsaal. Viele Offiziere hatten sich vor den großen Ebenholztüren schon eingefunden und warteten auf ihre Öffnung.

    Laco blickte in die Runde und versuchte, bekannte Gesichter zu finden. Bald sah er Captain Yeshgar. Sie war Inari und ein paar Jahre älter als er, kommandierte aber ein Schiff der selben Klasse, die Renewed Valor. Er sprach sie an:
    "Hi, wir haben uns ja schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen."
    "Seit dem Seminar auf Arazia vor drei Monaten über die Eternal Vigilance- Klasse", war ihre Antwort.
    "Sag mal, weißt du mehr als ich?", fragte Laco.
    "Nein, niemand weiß wirklich mehr, als der Kriegsminister gesagt hat. Dieser Umbrit da drüben wurde angeblich Zeuge, wie irgendwelche Schiffe die GS25355 angegriffen haben."
    "Na toll, hoffentlich wird das nichts schlimmes, ich hab' nämlich noch ne' Woche Urlaub".
    "Ja, das sieht man", sagte sie und betrachtete skeptisch sein Hawaii-Hemd, das nicht wirklich zu seiner blauen Haut passte.
    "Aber was soll schon sein, niemand legt sich mit dem Commonwealth an!".
    "Ja, du hast wohl recht".
    Ihre Unterhaltung wurde unterbrochen, als das Triumvirat, der Kriegsminister und sein Stellvertreter, sowie der Kommandant der Ehrengarde ankamen. Die Torflügel schwangen auf und die Offiziere setzten sich an den großen Konferenztisch. Es war kalt in diesem Raum und es fiel kaum Licht herein, was eine düstere Athmosphäre auslöste. Nach dem sie alle Platz gefunden hatten, erhob sich der erste Triumvir, Tri-Koupa, ein Mensch. Normalerweise gebührte der vedranischen Kaiserin das erste Wort, allerdings war sie nicht anwesend.

    "Guten Tag
    Wie Ihr vielleicht, eher wahrscheinlich schon gehört habt, gibt es einige merkwürdige Zwischenfälle im Raumgebiet des Commonwealth. So hat es anscheinend Überfälle auf wichtige Systeme der Kernwelten gegeben, z.B Alaxaai, Erde, Cratapos, einige Schiffe sollen sogar im Raumgebiet nahe San Ska Re gesichtet worden sein.
    "Wer ist so dumm und greift Kernwelten des Commonwealth an?", warf Admiral Constanza Stark ein. "Sie sind mit Millionen von Lancern gesichert, planetaren und orbitalen Verteidigungsnetzwerken, ganz zu schweigen von der ständigen Anwesenheit von Ehrengarde-Schiffen... Nebenbei hat jedes dieser Systeme eine Heimatgarde, die es mit einer ganzen Flotte unserer Schiffe aufnehmen könnte. Wenn jemand diese Welten-"
    "Ich weiß, was Ihr damit sagen wollt", unterbrach sie der Triumvir. "Aber wir haben nun mal Berichte, dass diese Welten angegriffen wurden, ob diese glaubwürdig sind, wissen wir nicht. Aber eines wissen wir. Wir haben einen Feind, und wenn er Kernwelten angreift, ist es kein Geringer."

    Der zweite Triumvir, Ezaca Prince, ein Nietzscheaner warf ein: " Und wenn schon, es könnte das Gleiche sein, wie 9778. Da haben die Arbeiter der Relaisstationen gestreikt, und schon war die Ehrengarde mobilisiert, weil man auf einen Angriff wartete. Und was hatten wir davon? Astronomische Kosten. Wenn ihr mich fragt, ist das alles halb so wild. Wir sollten nichts überstürzen und einen klaren Kopf behalten. Wir wissen ja noch nicht einmal, wer uns überhaupt angreift!"

    "Ach ja?", kam sofort der Einwurf eines Than-Generals. "Ich habe davon gehört, dass die Schiffe der Angreifer von nietzscheanischer Bauweise sind. Wer sagt mir, dass das keine Verschwörung ist? Wer sagt mir, dass das keine nietzscheanische Verschwörung ist? Wer sagt mir, dass Ihr nicht mitten drin steckt, Herr Triumvir?"

    "Lasst diese sinnlosen Anschuldigungen, General!", antwortete Tri-Prince. "Es sind nietzscheanische Schiffe, das mag ja sein, aber Ihr wisst genau so gut wie ich, dass es viele kleine nietzscheanische Stämme gibt, die nach dem Vertrag von Antares aus dem Commonwealth austraten und zu Raumpiraten wurden. Diese könnten es ebenfalls sein! Schiebt also niemandem die Schuld zu, bei dem es Euch später Leid tun könnte, Herr General!"

    "Aus jetzt!", schlichtete der erste Triumvir die Situation. "Wir wissen nicht, wer uns angreift. Das müssen wir herausfinden. Wir schicken ein Aufklärungsschiff, das uns die Antwort bringt. Admiral?"
    Admiral Stark sagte: "Ich schicke die Ikarus, ein Schiff der Eternal Vigilance Klasse. Captain Agros!"
    "Ja Sir" Laco wollte schon aufstehen, als doch noch ein sehr interessantes Thema angesprochen wurde.

    "Wenn es wirklich Nietzscheaner sind, sollten wir die Bürger davor warnen!", sagte der Kriegsminister.
    "Seid Ihr wahnsinnig? Sobald wir auch nur einen Ton sagen, wird es zu Verfolgungen kommen. Niemand kann dem Pöbel klarmachen, dass wir einfach noch nicht wissen, wer unsere Feinde sind. Und wenn auch nur einmal das Wort "Nietzscheaner" fällt, könnte das für Angehörige meiner Rasse zu einer ernst zu nehmenden Gefahr werden", meinte Tri-Prince.
    "Das verstehe ich", erwiederte der Kriegsminister. "Nur die Kaiserin könnte dem Volk klarmachen, was wir erwarten."
    "Wo ist Kaiserin Sucharitkul überhaupt?", kam ein Einwurf.
    "Sie ist auf dem Weg zu einer diplomatischen Mission nach Lucretia.", sagte der Vedraner, der hinter ihrem Ehrenplatz stand.
    "Ist Lucretia nicht die Heimatwelt des Sabra-Stammes?"
    "Ja, das ist sie."
    "Wenn das so ist, könnte die Kaiserin in Gefahr sein."
    Admiral Stark sagte: "Captain Yeshgar, machet Euch sich auf den Weg, sorgt für die Sicherheit der Kaiserin und bringet sie wenn möglich zurück nach Tarn Vedra. Hier ist sie während einer Krise am Sichersten."
    "Ja, Sir"
    "Wegtreten!"
    Auch Laco nutzte die Gelegenheit und stand auf.
    Mit "Lang lebe die Kaiserin!" verabschiedeten sie sich vom Krisenstab.
    Für Laco war es eine Erleichterung, aus dem düsteren Zimmer zu kommen. Der Stab würde sicherlich noch mehrere Stunden tagen. Zum Anderen bedeutete es natürlich, dass er wichtige Informationen vielleicht nicht hören würde.
    "Könnten wir nicht Missionen tauschen?", fragte Captain Yeshgar auf dem Weg nach draußen.
    "Befehl ist Befehl", erwiderte Laco. "Daran kann man mal nichts ändern"
    "Aufspüren wer unser Feind ist, ist aber sicherlich noch einfacher, als Kindermädchen für die Kaiserin zu spielen, weil sie wieder mal nicht auf sich selbst aufpassen kann!"
    Laco blieb stehen. "Es ist unklug, etwas schlechtes über die Kaiserin zu sagen, während ich dabei bin."
    "Es ist nur so, dass ich nicht weiß, was auf mich zukommt."
    "Sei froh, ich habe mein Schiff noch nie betreten, ich kenne noch nicht mal meine Stabscrew! Nach dir". Sie hatten einen AG-Schacht erreicht. Borotep Yeshgar stürzte sich als erste den Schacht hinunter, Laco kurz danach. Es dauerte relativ lange, bis sie ganz unten ankamen. Auf der untersten Ebene fuhren unterirdische Transportzüge durch Tarn Vedra. Man versuchte, so etwas unter der Oberfläche zu halten, um die wunderschöne Natur dieses Planeten zu erhalten. Die beiden stiegen in einen Zug, der kurz vor ihnen hielt. Wenige Sekunden später stiegen sie wieder aus - auf einem viel größeren Halteplatz, wohl dem größten auf Tarn Vedra. Sie befanden sich unter dem Raumhafen. Diese Züge konnten nur mit Hilfe von AG-Spulen sehr schnell beschleunigen und trotzdem die Passagiere nicht an der Hinterwand zerdrücken.

    Laco und Borotep verabschiedeten sich schnell, dann ließ sich Laco auf einem weiteren AG-Feld auf die Oberfläche tragen. Nach kurzer Zeit fand er einen Raumgleiter, der das Dock ansteuerte, an dem die Ikarus lag. Ein Flug von einem Planeten in den Weltraum war nichts besonderes, eigentlich nicht anders, als eine Fahrt mit einem Floater. Der etwa 100 Meter lange Transporter hob von der Oberfläche ab und machte sich auf in Richtung Star City. Dieser Name hatte sich dank menschlichen Einflusses durchgesetzt. Und es war wahrhaftig eine Stadt im Weltraum. Viele hundert Raumstationen, Docks, Werften, Handelsplätze, Lagerstätten, Verladestationen, Treibstofforbiter, Hangars, Forschungsstationen, Reperaturbuchten, Relaisposten, Kontrollstationen und vieles mehr waren miteinander zu einer gigantischen Stadt im Weltraum verbunden. Umsäumt wurde es von orbitalen Raketenbatterien der Ehrengarde, die sich wie eine Stadtmauer um Star City schlangen. Bald trat der Shuttle in die Stadt im Weltraum ein, dort gab es ein reges Treiben von Transportern, Landungsbooten, Yachten, Patrouillenbooten, Slipfightern, Kurierschiffen und privaten Raumgleitern. Der Shuttle dockte kurz darauf an einer Werft an. In der Werft befanden sich mehrere Schiffe, die alle der Ehrengarde angehörten. Der leichte Kreuzer der Eternal-Vigilance-Klasse war bei weitem nicht der größte, aber mit Abstand der grazilste und schönste. Die geschwungenen Balken und Ausleger ließen das Schiff jedoch auch sehr zerbrechlich aussehen, was allerdings nicht so war.
    Diese Form hatte durchaus seinen Sinn. Die Kampflingen konnten von diesen Auslegern her ausgefahren werden. Außerdem ließ sich das Schiff besser im Slipstream fliegen, und weitere Strecken waren möglich. Der letzte Vorteil war, dass es so für einen potentiellen Feind unheimlich schwierig wurde, das Schiff zu orten. Und das war auch sehr praktisch für die Benutzung als Aufklärungsschiff.

    Laco stieg aus dem Raumgleiter und versuchte, die Station schnell hinter sich zu lassen und auf sein Schiff zu kommen. Immerhin hatte er es eilig. Der Weg nach Luftschleuse 3 war leicht zu finden und schon nach wenigen Minuten betrat Laco nax Agros zum ersten Mal sein Schiff. Ein Crewman hielt ihn auf.
    "Entschuldigung, Zivilisten ist der Zutritt nicht gestattet!" Laco zeigte ihm seine ID.
    "Verzeihung, Sir. Captain an Deck", rief er, aber niemand war in Hörweite.
    Auf dem Weg zur Brücke lief ihm sein erster Offizier Tarik al Ashraf über den Weg. Der Nietzscheaner fragte:
    "Ist das die neue Uniform des Captains?" Laco trug noch immer sein Hawaii-Hemd und verfluchte sich innerlich, es ausgerechnet heute angezogen zu haben.
    "Lass das Schiff sofort startklar machen! Ich möchte ablegen, sobald es geht."
    "Sir?"
    "Wir haben einen Auftrag von der Ehrengarde, eine Aufklärungsmission"
    "Welcher Art?"
    "Ich werde dich informieren, sobald ich weitere Informationen habe."
    "Sie hatten das Kommandodeck erreicht."

    Tarik sagte: "Das hier ist Laco nax Agros, unser neuer Kommandant."
    Einer der Ulanen salutierte. "Captain auf der Brücke." Die Crew blieb stehen und sah ihn an. Laco wusste, dass jetzt eine kurze Ansprache fällig war.
    "Guten Tag.
    Wir werden noch heute das Dock verlassen und untersuchen, was es mit Gerüchten über einen Überfall auf das Commonwealth auf sich hat. Ich werde Euch informieren, sobald ich mehr weiß. Ich bitte Euch, um 6.00 auf dem Observationsdeck zu erscheinen. Danke.
    Lang lebe die Kaiserin!"

    Die ganze Zeit hatten seine Augen auf dem Kalderaner geruht, der in der Mitte der Brücke auf dem einzigen Stuhl saß, auf dem Stuhl des Piloten. Wer sich sonst noch auf dem Kommandodeck aufhielt, hatte Laco kaum bemerkt. Der Ulan sprach ihn an.
    "Sir, ich bin First Signifer Fletcher. Darf ich Euch zu Eurem Quartier bringen, Sir?"
    "Ja gerne."
    "Sir, wenn Ihr mir bitte folgen würdet, Sir?"
    "Ja. Und ein paar weniger Sirs im Satz würden mir auch nicht weh tun."
    "Ja, Sir"
    "Mr. Fletcher, wer ist eigentlich dieser Kalderaner?"
    "Das ist Lieutenant Chiquon, Sir. Er ist schon knapp zehn Jahre bei der Ehrengarde und immer noch Lieutenant. Er hat es schwer, nur weil er Kalderaner ist."
    "Vielleicht ist er auch noch Lieutenant weil er unfähig ist, aufzusteigen."
    "Sir, er gehört zu den wenigen Kalderanern bei der Ehrengarde und ihr Vedraner diskriminiert sie immer noch, wegen Sachen, die vor 9.000 Jahren passiert sind. Dabei ist er ein guter Pilot und ein fähiger Offizier."
    "Wir werden sehen."
    Sie kamen bei Lacos Quartier an. Es war nur ca. 30 Meter von der Brücke entfernt und lag auf dem selben Deck, was bei einem Notfall sehr praktisch war.
    "Kann ich sonst noch etwas für Euch tun?"
    "Ja, lasst mir bitte meine beiden Koffer mit dem Gardesymbol auf die Ikarus nachschicken."
    "Jawohl, Sir".

    Laco sah sich in seinem Quartier um. Es war klein, aber geräumig. Ein Bett, ein Schreibtisch und ein Bad. Außerdem gab es an der Wand noch einen Holoscreen, der den Blick auf die Sterne simulierte. Echte Fenster gab es nur auf dem Observationsdeck, und diese mussten so verstärkt werden, dass sie einem Angriff standhalten konnten. Nach kurzer Zeit ertönte ein Signal. "Sir, wir haben eine Nachricht für Euch."
    "Stellt sie durch!"
    Ein Hologramm von Admiral Stark erschien.
    "Und? Gefällt sie Euch?"
    "Bitte?"
    "Die Ikarus. Gefällt sie Euch?"
    "Ja, Sir. Klein aber fein."
    "Gut. Captain Agros, ich habe Instruktionen für Euch."

    Es war sechs Uhr. Der gesamte Offiziersstab hatte sich auf dem Observationsdeck versammelt. Laco sprach gerade mit der Than-Offizierin Lieutenant Commander Elacta Blutroter Feuerball in tiefschwarzer Nacht. Sie war taktischer Offizier auf der Ikarus und hatte von allen Seiten gute Bewertungen bekommen, obwohl sie erst vier Jahre bei der Ehrengarde war. Auch Laco hatte sich mittlerweile uniformiert und war sehr dankbar gewesen, dass ihm eine Garderobe bereitstand. Als schließlich auch noch der letzte der Offiziere eingetroffen war - der Anführer der Lancer, Colonel Mathew McDill - begann Laco seine Rede.

    "Guten Abend
    Wie Ihr alle wisst, gibt es Meldungen über Zwischenfälle im Gebiet des Commonwealth. Angeblich sind es nietzscheanische Raumpiraten, die sich wegen des Vertrages von Antares vom Commonwealth gelöst haben. Angeblich soll es auch Angriffe im Raum der Dynastie von Alaxaai gegeben haben."
    Murmeln breitete sich unter den Offizieren aus.
    "Unser Auftrag lautet:
    -Nachsehen, ob die Gerüchte wahr sind
    -Kontakt mit dem Planetenparlamentspräsidenten aufnehmen
    -Der Ehrengarde Bericht erstatten
    Nur aus diesem Grund sind wir vorzeitig von Tarn Vedra aufgebrochen. Aber ich hoffe, dass sich die Gerüchte nicht bewahrheiten und es sich nur ein Missverständnis oder so etwas handelt. Allerdings erwarte ich von Euch allen trotzdem höchste Alarmbereitschaft, wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Aus diesem Grund gebe ich auch Code Black.
    Lang lebe die Kaiserin!"

    Als er seine Rede beendet hatte, nahm Laco sich ein Glas Wasser und stellte sich ans Fenster. Man sah kaum, dass sich das Schiff bewegte, allerdings flog es doch 40 PSL. Für ein Kriegsschiff dieser Größe war das recht schnell, allerdings hatten sie ja auch keine Zeit zu verlieren. Er sagte zu Elacta:
    "Ich hoffe nur, dass irgend etwas los ist und die uns nicht einfach so rausgeschickt haben. Noch nicht einmal die volle Besatzung ist an Bord! Und als wäre das nicht genug, kostet diese Mission mich auch noch meine Letzte Woche Urlaub."
    Die Than überlegte kurz und antwortete: "Mag ja sein, aber ich hoffe trotzdem, dass es sich um nichts Ernstes handelt. Angeblich wurden auch Welten nahe San Ska Re angegriffen. Und auf einem der umliegenden Asteroiden lebt meine Familie. Ich hoffe nur, dass ihnen nichts zugestoßen ist."
    "Ist eine Than-Familie nicht eine Paarungsgruppe mit Hunderten von Mitgliedern?"
    "Ja. Aber wir sind trotz allem eine Familie, bei der man sich um den anderen sorgt. Und wenn sie wirklich..." Sie stockte
    "Ach was, niemand, der ein bisschen bei Trost ist, greift das Commonwealth an. Es muss sich praktisch um ein Missverständnis handeln."
    "Das hoffe ich"
    "Wenn Ihr mich jetzt bitte entschuldigen würdet. Ich habe einen langen Tag hinter mir und muss noch einen Plan für den Missionsverlauf anfertigen."
    "Bis morgen"

    Es war 7:45 am nächsten Morgen, als Laco sein Büro verließ und sich auf den Weg zum Kommandodeck machte. Er zog noch den Kragen seiner Uniform hoch und betrat die Brücke. Die sichtlich erschöpfte Besatzung der Gamma- Schicht wartete schon sehnsüchtig auf ihre Ablösung. Als Laco auf die Brücke kam, folgte das übliche "Captain an Deck", gefolgt von "Rühren". Der Vedraner trat zur Wissenschaftsstation, wo die diensthabende Offizierin auf einmal eifrig begann, die Sensoren neu zu kalibrieren. Laco fragte sie:
    "Was tut der Käfer so früh hier? Sein Dienst beginnt erst in 15 Minuten."
    "Sir?"
    "Der Kalderaner. Was tut er schon hier?"
    "Lieutenant Chiquon ist in den drei Wochen, die er an Bord ist, immer 30 Minuten vor Dienstbeginn erschienen. Er ist pünktlich wie ein Nightsider bei einer Zwangsversteigerung. Laco gefiel es gar nicht, dass seine Crew so gut von diesem Käfer dachte.
    Vedraner und Kalderaner waren Blutsfeinde, und das schon seit ungefähr 9.000 Jahren. 859 n.C hatten die Vedraner die Kalderaner als erste außerirdische Rasse entdeckt. Sie hatten ihnen den Vorschlag gemacht, sie in ihr Reich als Gleichgestellte aufzunehmen. Die Käfer töteten jedoch die gesamte Besatzung des Schiffes und bauten eigene Raumschiffe mit Slipstream- Antrieb. Sie griffen vedranische Kolonien an und trieben sie immer weiter aus der kleinen Magellanischen Wolke. Die Vedraner kamen allerdings wieder. Und als sie schließlich Kalderesh eroberten, warfen diese 895 n.C Atomsprengköpfe auf die vedranischen Truppen, die danach furchtbar entstellt waren und großteils Opfer der Strahlung wurden. Allerdings konnten die Kalderaner die Gefahr nicht einschätzen und wurden so Opfer ihrer eigenen Dummheit. Und obwohl man 4.000 Jahre später den Planeten wieder bewohnbar machte, sahen die Kalderaner die Vedraner immer noch als ihre schlimmsten Feinde. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Bei der erstbesten Gelegenheit würde Laco versuchen, diesen Käfer loszuwerden.
    Endlich kam auch Lieutenant Commander Elacta aufs Kommandodeck. Nach einer Begrüßung stellte sie sich an ihren Platz an der taktischen Konsole. Es war fast 8.00, schön langsam dürften auch die anderen Offiziere schön langsam kommen. Der Kalderaner sagte:
    "Slipstream in 3, 2, 1, Übergang!"
    Die Ikarus flog in das Portal, das sich vor ihr geöffnet hatte. Als die kurze Phasenverschiebung überwunden war, wunderte sich Laco nur noch um so mehr. Hatte der Käfer gesprochen? Normalerweise brachten Kalderaner nur ein Kreischen heraus. Er musste also einen einoperierten Translator haben. Die Sache wurde immer seltsamer. Laco wunderte sich mittlerweile, wie gut dieser Lieutenant Chiquon den Slipstream beherrschte. Laco wäre nicht überrascht gewesen, wenn dieser Kalderaner die Strecke Tarn Vedra - Alaxaai in zwei dritteln der normal benötigten Zeit geflogen hätte. Nun waren alle Offiziere der Alpha-Schicht angekommen und übernahmen das Kommandodeck.

    "Commander al Ashraf! Erstattet mir Bericht über Bestückung, Mannschaft, und Status!"
    "Sir, wir sind ausgestattet mit 4 ELS- Raketenwerfern, 3 PDLs, 4 AP-Kanonen, 24 Janus-Drohnen und 12 Oracle-Drohnen. Wir sind voll bestückt, haben also 10.000 Raketen an Bord, unter anderem OM5, DM5 und PM6. Die AP-Tanks sind zu 99,7% gefüllt, die Deuterumtanks zu 99,2%. Die Mannschaft besteht aus 139 Crewmen und 19 Offizieren, dazu noch einen 32 Mann starken Zug Lancer. Aber wir haben neun Crewmen zu wenig. Um die Einteilung habe ich mich allerdings schon gekümmert. Code Black läuft einwandfrei, alle Sensorensysteme laufen durch und eine größere Anzahl an Drohnen überwacht die Systeme. Das heißt, im Normalraum, Sir"
    "Gut, sonst noch etwas?"
    "Nein, Sir"
    "Übergang in den Normalraum bei 3, 2, 1, Übergang", berichtete Chiquon.
    "Alle Kampfdrohnen ausschwärmen lassen!", befahl Tarik.
    Elacta bemerkte: "Dieses System gehört schon zum Regierungsbereich der Alaxaai-Dynastie."
    Laco fragte: "Was gibt es in diesem System?"
    "Eine Relaisbasis, mittlere Größe, 15 Mann Besatzung"
    "Gut, man soll das Schiff dorthin steuern!"

    Sobald sie in Echtzeit übertragen konnten, befahl Laco einen Comm-Kanal aufzubauen.
    Ein älteres menschliches Gesicht erschien auf dem linken Bildschirm.
    "Guten Tag
    Ich bin Übertragunsüberwacher Taciao, von HyperspaceNetworks. Kann ich etwas für Euch tun?"
    Laco fragte: "Gibt es einen Streik oder andere Übertragungspannen in diesem Netzwerk? Wir haben nämlich beunruhigende Neuigkeiten und wollten deren Glaubwürdigkeit testen."
    "Nein, nichts dergleichen, hier läuft alles Bestens, Taciao, over"

    Tarik bemerkte: "Das war eine Warnung. Er beherrscht zwar den Blinzelcode der Ehrengarde nicht, aber seine Pulsfrequenz war erhöht und seine Augen flackern unruhig. Ich denke, er wird dort drüben als Gefangener gehalten. Laco meinte:
    "Was schlagt Ihr vor?"
    "Wir sollten sie noch mal kontaktieren und sie auffordern, sich zu ergeben. Es ist kein anders Schiff in der Nähe, wir könnten sie also auslöschen."
    "Nein, sie haben Geiseln, so geht das nicht."
    "Ruft ihn ein weiteres Mal!"
    Als der Kanal offen war, sagte Laco: "Das müssen wir überprüfen. Wir würden gerne auf Eure Station kommen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist."
    "Wenn... wenn Ihr meint... dann... ich weiß nicht, ob die Firma das erlaubt."
    "Die Firma ist Teil des Commonwealth. Erwartet die Ankunft von zwei Technikern. Laco nax Agors, over"

    Mathew McDill fragte: "Ihr wollt nicht wirklich zwei Techniker da rüberschicken, oder?"
    "Nein, das habe ich nicht vor. Wir schicken alle 32 Lancer da rüber. Es ist kein Schiff angedockt, also kann es sich nur um ein paar Leute handeln. In einen normanlen nietzscheanischen Truppenshuttle passen sechs, höchstens sieben Mann, und mit denen werden wir fertig. Colonel McDill, macht Eure Männer bereit!"
    "Ja, Sir"
    "Mr. al Ashraf, Ihr übernehmt das Kommando."
    Dieser erwiderte: "Sir, wäre es nicht sinnvoller, wenn ich gehen würde? Nur zu Eurer Sicherheit, versteht sich."
    "Nein... nein, das muss wirklich nicht sein. Ich denke...ich gehe selbst rüber." Mit einer Kopfbewegung deutete Laco Elacta an, ihm zu folgen. Nachdem sie das Kommandodeck verlassen hatten, sagte er:
    "Haben sie ein Auge auf Commander al Ashraf. Wenn er was dummes macht... Ihr wisst schon."
    "Ja Sir, Ihr könnt euch voll und ganz auf mich verlassen. Passt auf euch auf."
    "Wir sehen uns"

    Wenig später standen Laco und Mathew McDill mit 31 Lancern im zugegeben sehr engen Hangardeck der Ikarus. Sie hatten ihre Ehrengarde- Kampfanzüge an, jedoch ohne den Helm. Man hatte herausgefunden, dass er die Ulanen mehr behinderte, als ihnen nützte. Sie stiegen in das Landungsboot, welches speziell für diese Klasse etwas kleiner entworfen worden war. Es hob ab. Laco überprüfte ein letztes Mal seine Ausrüstung. Eine ausgefahrene Kampflanze und zwei zusätzliche als Seitenwaffen. Ein ECM-Generator an seinem rechten Handgelenk und der Communicator am linken. An seinem Gürtel hingen zwei Dutzend Plasmagranaten. Der Kampfanzug selbst war noch in der Entwicklungsphase. Er konnte einen direkten Treffer aushalten, der Ulan konnte danach sogar noch kämpfen. Gegen Plasmawaffen bot er weniger Schutz, man konnte einen Treffer allerdings trotzdem überleben. Anstatt des klobigen Helmes trugen die Lancer Brillen mit eingebautem Head-Up-Display. Auch verhinderten sie, dass die Kämpfer vom Mündungsfeuer ihrer eigenen Waffen geblendet wurden. Die Strategie stand fest. Als das Boot landete und sich die Hangartore schlossen, verließen die Truppen nicht wie erwartet über die Luftschleuse das Fahrzeug, sondern über eine Rettungsluke, die zum Dach des Shuttles führte. Aus der eigentlichen Luftschleuse stiegen zwei Techniker, besser gesagt zwei Hologramme von Technikern.
    "Hoffentlich schießen die bald, die Reichweite des Emitters geht langsam zu Ende", flüsterte Mathew.
    Da hörten sie eine Stimme:
    "Hände hinter den Rücken und umdrehen! Sofort!" Daraufhin zogen die Hologramme ihre Waffen. Weißes Mündungsfeuer aus den Waffen derer, die einen Hinterhalt gelegt hatten, erfüllte den Raum. Und das war es, auf was die Ulanen gewartet hatten. Sie warfen Plasmagranaten, feuerten Plasmasalven und schossen Effektoren auf ihre Feinde. Es dauerte nur ein paar Sekunden, dann war alles um. Am Boden lagen die Leichen von vier nietzscheanischen Marines.
    "Verdammt, da laufen wahrscheinlich noch mehr rum, die uns gesehen haben!"

    Sie erreichten das Kontrollzentrum wenig später. Es war verriegelt. "Los!", befahl McDill und vier Lancer machten sich sogleich an die Tür, um sie mit ihren Kampflanzen zu öffnen. Bald war der Türrahmen zerschnitten und die Männer traten zurück. Eine Plasmasalve zerschmetterte schließlich die Tür selbst und die Ulanen traten durch den Staub hindurch mit erhobenen Waffen ins Kontrollzentrum. Etwa zehn Gefangene lagen gefesselt am Boden. Ein Nietzscheaner stand nahe ihnen und richtete ein dreiläufiges Gewehr auf sie. Mit der richtigen Einstellung konnte er sie alle mit einem Schuss töten.

    "Waffen runter, oder diese Kludges werden sterben. Ich sagte: Waffen runter!" Durch ein Kopfnicken signalisierte Laco den Ulanen, ihre Waffen zu senken. Er verwickelte den Mann in ein Gespräch:
    "Was geht hier eigentlich vor? Und wer seid Ihr?
    "Hier geht eine Geiselnahme vor und ich bin Soldat der Revolutionsarmee"
    "Das ist eine Doppelhelix an Eurem Oberarm. Das bedeutet doch, Ihr seid Ehemann und Vater."
    "Nur Ehemann"
    "Aber als solcher habt Ihr doch die Pflicht, so lange zu überleben, wie möglich, nicht wahr?"
    "Ja"
    "Und Ihr wisst, dass Ihr, sobald Ihr die Geiseln erschießt, tot seid, nicht wahr?"
    "Ja"
    "Und wenn Ihr es nicht tut, werdet Ihr überleben, in Gefangenschaft, aber lebend. Eine Gerichtsverhandlung und ein paar Jahre Knast sind nicht so schlimm wie der Tod!"
    "Ansichtssache"
    "Also legt jetzt diese Waffe weg und lasst uns Euch helfen!"
    Langsam, mit sich selbst ringend und mit zitternden Händen nahm der Nietzscheaner ganz langsam den Finger vom Abzug und - Colonel McDill schlug ihm seine ausgefahrene Kampflanze so hart ins Gesicht, dass Blut spritze und einige Knochen brachen. "Mitten in die Fresse!", rief er. Ein weiterer Lancer schlug ihm seine Kampflanze in den Bauch und drückte den Abzug durch. Blitze des Elektroschocks zuckten um die Spitze, dann brach der Mann zusammen und Kampflanzen wurden dem Bewusstlosen unter die Nase gehalten.

    Andere Männer kümmerten sich um die Geiseln - nahmen ihnen die Fesseln ab und befreiten sie von ihren Knebeln. Laco sah sich währenddessen die Kommunikationsaufzeichnungen an. Sie waren so weit zugeschnitten worden, dass man nicht mehr erkennen konnte, was wirklich geschehen war, deshalb ließ er es bleiben und wandte sich den Geiseln zu. Er erkannte Mr. Taciao wieder und sprach ihn an.
    "Was ist hier passiert?"
    "Es war ziemlich unspektakulär. Ein Schiff ist aus dem Slipstream gesprungen, hat zwei Garuda-Fighter und einen Truppenshuttle zu uns geschickt, Nietzscheaner sind ausgestiegen und haben uns teilweise gefangen genommen und die, die sich gewehrt haben erschossen. Dann sind die Schiffe wieder abgezogen und die Übers haben die Hyperraumleitung von Alaxaai nach Tarn Vedra kontrolliert. Weiß die Ehrengarde davon?"
    "Sie weiß, dass etwas passiert ist, aber nicht was. Wir bringen Euch jetzt besser auf mein Schiff, die Ikarus." Er wandte sich von dem Mann ab.

    "Colonel McDill! Lasst Kurs auf Alaxaai setzen, volle Kraft."
    "Nein", schrie Taciao, der Laco am Ärmel packte. "Tausende Schiffe haben dieses System überfallen! Ich habe selbst die Notrufe gehört, obwohl wir hier gefangen gehalten wurden. Mit einer gigantischen Flotte haben sie das System überfallen! Fregatten, Kreuzer, Träger, Raffinerieschiffe, aber auch ein gigantischer Dreadnought. Wenn Ihr nach Alaxaai springt, ist das Euer Tod!"
    "Aber ich habe nun mal den Auftrag, genau das zu tun. Die Ikarus ist ein Aufklärungsschiff, das bemerkt man so leicht nicht."
    "Ihr habt mich nicht richtig verstanden! Die pulverisieren Euch, noch bevor Ihr die Waffen geladen habt!"
    "Was sollte ich denn an Eurer Stelle tun?"
    "Die Besatzer auf der Station sagten zueinander, dass Händler auf Alaxaai noch gern gesehen wären. Wenn Ihr mein Frachtboot im Hangar benutzt, zieht Ihr keine Aufmerksamkeit auf Euch. Das ist Eure einzige Chance, da lebend wieder rauszukommen."
    "Gut. Mr. McDill, Befehl zurück. Im Hangar findet Ihr ein Frachtboot. Lasst es auf die Ikarus bringen und für eine Mission nach Alaxaai ausrüsten."
    "Ja, Sir"
    Dann rief Laco: "Alle sammeln und zum Abzug bereitmachen. Nehmt den Gefangenen mit!" Wenig später verließen sie die Relaisstation.

    Sie standen im Hangar der Ikarus. Tarik meinte: "Das ist also das Transportmittel, das uns nach Alaxaai bringen soll?"
    "Genau so ist es", antwortete Chefingenieur Caton. "Außerdem habe ich diese Beförderungsmittel mit den nötigen Modifikationen ausgestattet, die für eine solche Expedition eventuell von Nutzen sein könnten."
    "Er hat sie aufgemotzt, würde man auf Common sagen", bemerkte ein weiterer Ingenieur. Der perseidische Chefingenieur sagte:
    "Wir haben zwar keine Waffensysteme eingebaut, bis auf einen PDL, denn die würden nur Aufmersamkeit erregen. Allerdings haben wir sie mit neuen ECM-Generatoren und Schilden ausgestattet, und ihr eine metallische Panzerschicht verpasst."
    "Irgendwie sieht das Teil aus, wie ne' Kartoffel. Kann diese Mühle überhaupt in den Slipstream?"
    "Ja, denn wir haben auch eine neue GFG-Linse eingebaut."
    "Gut", sagte Laco. "Alle Ausrüstugungsteile sind an Bord. Wenn wir auf Alaxaai ankommen, bin ich der Schiffseigner, der Deuterium transportiert. Du, Tarik, wirst der mir zugeteilte nietzscheanische Aufseher sein, der dafür sorgen soll, dass ich die Ware nicht an jemand anderen liefere. Das dürfte Vertrauen erweckend sein. Wenn wir auf Alaxaai sind, machen wir uns auf die Suche nach dem Planetenparlamentspräsidenten und bringen ihn in dieser Mühle zurück zur Ikarus. Während unserer Abwesenheit übernimmt Lieutenant Commander Elacta das Kommando. Noch Fragen?"
    "Ja, nur eine", sagte Tarik. "Was ist, wenn sie es nicht schlucken?"
    "Dann müssen wir entweder ganz schnell verschwinden, oder wir sind tot. Keine weiteren Fragen? Dann los!"

    Caton hatte ganze Arbeit geleistet. Für so ein klobiges Ding ließ dich das Schiff ganz gut fliegen. In Tanks hatten sie Deuterium geladen, das sie auf Alaxaai als Täuschungsmanöver verkaufen würden. Das Schiff trat aus dem Slipstream aus. Obwohl ihre Sensorensysteme alles andere als gut waren, konnten sie mehrere tausend Schiffe orten. Eines der Schiffe war riesig. Die Bauweise war dem Commonwealth vollkommen unbekannt, und sie wussten nicht, wo diese ganze Flotte herkam. Die Schiffe waren wirklich nietzscheanischer Bauweise, es musste sich um eine Invasionsflotte handeln, die genau von diesem Dreadnought aus befehligt werden würde.
    "Wow", bemerkte Tarik. Dieses Riesenvieh wäre eine ernst zu nehmende Gefahr, sogar für eine XMC."
    "Oh ja. Hoffen wir, dass wir nicht gegen ihn kämpfen müssen."
    Sie waren noch 20 Lichtminuten vom Planeten entfernt, und weil diese Kiste nur 10 PSL lief, dauerte es noch über drei Stunden, bis sie Alaxaai erreichten. Das orbitale Verteidigungsnetz war außer Betrieb und die Schiffswerften wurden jetzt anscheinend nietzscheanisch geführt. Sie wurden vom Planeten kontaktet.
    "Hier Alaxaai Raumflugskontrollzentrale - bitte identifiziert Euch!"
    "Deuteriumfrachter EC-235K4 - bitten um Landeerlaubnis"
    "Erlaubnis gewährt. Ihr werdet von unseren Schiffen eskortiert."
    Zwei planetare Fighter nahmen Aufstellung an beiden Seiten
    Tarik bemerkte: "Wenn wir jetzt irgendwas dämliches machen, knallen die uns ab!"

    Der Flug zum Raumhafen war problemlos verlaufen. Als sie aus ihrem Transporter stiegen, wurden sie von einem Trupp nietzscheanischer Soldaten begrüßt. Sie schienen Tariks Geschichte zu glauben und schleppten das Frachtschiff zu einem der Deuteriumtanks um es auszupumpen. Laco meinte:
    "Wir müssen noch in die Stadt, ein paar Ersatzteile besorgen."
    Der wachhabende Offizier entgegnete: "Ich denke nicht, dass sich das einrichten lässt. Wenn Ihr uns sagt, was Ihr braucht, könnten wir es für Euch besorgen."
    Laco erwiderte: "Gut. Wir brauchen eine XMA-Linse Typ 2, aber nicht von Typhoon Technology, sondern von der Orginalfirma. Des weiteren eine Antiprotonen-Abdichtungsklappe Durchmesser 12 cm. Außerdem noch AP-Regulator, der mit einen Typ 2 Fusionsreaktor kompartibel ist."
    Tarik fügte hinzu: "Des weitern noch Proviant, eine AG-Spule und-"
    "Das reicht", sagte der Nietzscheaner. "Besorgt euch euer Zeug selber!"

    Die Stadt war reichlich verwüstet. Überall sah man Kampfspuren von Waffen, Einschlagspuren von Raketen und die Ruinen, die Plasmagranaten hinterlassen hatten. Die Straßen waren wie leer gefegt. Hin und wieder sah man einen Floater über die Stadt düsen, sonst sah man allerdings nicht besonders viel. Als sie im Regierungsviertel angekommen waren, klopfte Laco einfach gegen die nächstbeste Haustür. Ein Hologramm erschien
    "Kann ich was für Euch tun?"
    "Ja", antwortete der Vedraner. "Wir suchen den Präsidenten."
    "Der ist nicht hier! Verschwindet" Das Hologramm verschwand.
    Diese Antwort bekamen sie an den meisten Türen. Sie trennten sich, um effektiver zu sein. Tarik hatte überhaupt keinen Erfolg. Da der Präsident politisch verfolgt wurde, hielt man ihn für einen Besatzer, der versuchte ihn zu finden. Nach einigen Stunden aber hatte Laco Erfolg.

    Mit "Entschuldigung. Ich suche den Präsidenten" meldete er sich
    "Der ist nicht hier", sagte die Frau an der Tür. "Aber kommt doch rein"
    Laco nahm die Einladung an.
    "Wer seid Ihr?", fragte die Frau.
    "Ich bin Captain Laco nax Agros, Argosy Special Operations. Ich habe den Auftrag, den Präsidenten zu retten."
    "Ich kann Euch helfen", sagte sie. "Wieso sollte ich Euch vertrauen?"
    Er zeigte ihr seine schwarze ID. Eine solche bekamen nur Mitglieder von Argocy Special Operations.
    "Gut. Ich habe ein Mitglied des Planetenparlaments in meinem Keller versteckt. Der kann Euch helfen."
    Sie führe Laco zu dem Politiker. Der im sterben liegende Mann sagte Laco, wo er den Präsidenten fand.

    Wenig später standen Tarik und er vor dem Versteck. Es war ein eingestürztes Haus, unter dem sich ein Bunker befand. Ein Mann öffnete das Schott. Insgesamt hatten sich sieben Flüchtlinge dort versteckt. Laco sprach den Präsidenten an:
    "Was ist passiert?"
    Der groß gewachsene Mann antwortete mit arrogantem Tonfall:
    "Diese Verräter haben uns angegriffen, zu tausenden kamen ihre Schiffe aus dem Slipsteam. Die Heimatgarde kämpfte heldenhaft, war aber unterlegen. Sie versuchten, den Planeten zu bombardieren, unsere PDLs konnten aber alles abfangen. Darum landeten sie ihre Marines auf dem Planeten und schossen alles kurz und klein. Sie stürmten das Regierungsgebäude, schossen alle nieder. Ich und einige andere konnten gerade noch fliehen. Das war gestern morgen. Und seit da hört man immer Schüsse auf den Straßen. Sie versklaven die Menschen, versteht Ihr? Sie setzen sie als Arbeiter ein und wer sich weigert, wird erschossen!"
    "Herr Präsident. Wir haben den Auftrag, Euch nach Tarn Vedra zu bringen. Das hier ist ein ECM-Generator, den solltet Ihr bei euch tragen. Und das hier sind Folien mit falschen Fingerabdrücken und falscher DNS. Stülpt sie über die Finger und man kann Euch bei einer Kontrolle nicht erkennen".

    Jetzt standen sie am Tor des Raumhafen. Der Präsident und Laco, als Raumfahrer verkleidet. Tarik hatte sich unter die Wachmannschaft gemischt und sollte ihnen im Bedarfsfall Feuerschutz geben. Die beiden gingen durch das Gate, als sie aufgehalten wurden. "Euer Schiff steht bereit. Hier ist die Bezahlung", sagte er und drückte Laco einen Stapel Trohn in die Hand. "Wenn ihr mir noch Eure Fingerabdrücke geben würdet." Sie taten es und versuchten, nicht nervös zu blicken. "Alles in Ordnung", sagte der Offizier freundlich. "Guten Flug"

    Sie gingen so unauffällig wie möglich. Laco konnte Tarik nirgends sehen. Die Sache gefiel ihm gar nicht. Sie hatten bereits drei viertel des Weges hinter sich gebracht, als sie laute Stimmen und Alarmrufe hörten. Laco ließ die Münzen fallen und begann zu rennen. Mit seinen vier kräftigen Beinen war er viel schneller als der Präsident, der hoffnungslos versuchte, ihn einzuholen. Dann fielen die ersten Schüsse. Dank der ECM wurden sie nicht getroffen. Aber es gab kein Abwehrfeuer. Wo war Tarik? Als ihr Schiff nur noch zehn Meter weit weg war, hörte Laco den Präsidenten aufschreien. Er drehte sich um und sah, dass der Mann ein faustgroßes Loch im Hinterkopf hatte. Es war aus. Laco stieg in das Schiff, gefolgt von Tarik, der sich aus einer Menge Wachleute löste. Sie hatten die Türen noch nicht geschlossen, als sie abhoben. Schüsse wurden ihnen nachgeschickt, aber nicht einmal die Plasmawaffen konnten ihnen etwas anhaben.
    "Warum habt Ihr nicht gefeuert?", schrie Laco seinen Freund an.
    "Ich konnte mir aussuchen, ob er oder ich draufgehen würden. Mal sehen, ob die GFGs etwas taugen!", sagte Tarik und das Schiff beschleunigte nach dem Verlassen der Athmosphäre auf über 40 PSL. Es war jedoch nicht schnell genug, um die Garuda-Fighter hinter sich zu lassen. Sie wurden beschossen und Funken regneten von der Decke. Allerdings konnte keiner der Treffer ernsthaften Schaden ausrichten, und die größeren Schiffe schossen nicht ein mal auf sie. Sobald sie die stärkste Gravitation überwunden hatten, öffnete Tarik ein Slipstream-Portal und steuerte das Schiff hinein. Nachdem sie den Slipstream verlassen hatten sah Laco plötzlich auf der Anzeige ein Licht aufleuchten. AP-Overload, las er.
    "Verdammt, Nein"
    "Wir müssen das Cockpit abstoßen!"
    Tarik drückte auf den Knopf und das Cockpit schoss, jäh von der Halterung befreit, in die Höhe. Keinen Augenblick zu früh. Als sie sich wenig von der Mühle entfernt hatten, schmolz der Kern und brach mit der Hitze die Wände des AP-Speichers. Der Tod für jedes Raumschiff. Eine grelle Explosion erfüllte den Weltraum - dann wurde es still. Es konnte sich nur um einige Minuten handeln, aber Laco kamen sie wie Stunden vor. Er schwebte in dem engen Cockpit umher, Tarik hatte noch den Pilotengurt an, als sie Sensordrohnen bemerkten. Diese aktivierten ein AG-Feld und zogen das Cockpit so - langsam aber sicher - in den Hangar der Ikarus. Laco bemerkte gleich die Gravitation, als sie das Hangartor seines Schiffes passierten. Er fiel unsanft zu Boden. Besser gesagt an die Decke. Tarik hing, noch immer angegurtet, kopfüber am Pilotenstuhl. Es dauerte relativ lange, bis die Crewmen das Cockpit aufbrechen konnten. Und Laco war heilfoh, dieses Gefängnis endlich hinter sich zu lassen. Er sagte noch zu Tarik:
    "Das war vielleicht ein Höllentrip! Komm doch heute Abend bitte in meine Kabine"

    Soeben war er mit seinem Bericht fertig geworden. Er überlegte sich noch immer, wieso es schief gegangen war. Hatte ihre Tarnung versagt? Hatte Tarik sie verraten? Oder lag der Fehler wo ganz wo anders? Und vor allem: Warum hatte ihm sein erster Offizier keinen Feuerschutz gegeben, sondern ihn im Stich gelassen. Er gedachte, heute all diese Fragen zu klären. Es schien ein nietzscheanischer Aufstand zu sein. Und er hätte alles darauf verwettet, dass Commander Al Ashraf eingeweiht war. Anders konnte er es sich nicht erklären, obwohl Tarik und er schon befreundet waren, seit sie die Akademie besucht hatten. Er selbst war zwar einige Jahrgangsstufen unter seinem älteren Freund, jedoch hatten sie es geschafft, als Argosy-Einheiten auf die selbe Station (GS23053) versetzt zu werden. Und obwohl Tarik auf der Station geblieben war und Laco auf einen Kreuzer der Glorious Heritage Klasse versetzt wurde, waren sie noch immer Freunde und dienten jetzt auf dem selben Schiff. War dieser Mann zu so einem Verrat fähig?

    Laco wurde aus seinen Gedanken gerissen, als jemand an der Tür anklopfte und fragte: "Darf ich reinkommen?" Es war die Stimme Tariks. Laco packte seine Kampflanze, fuhr sie aus und trat zur Tür. "Ja, komm rein", antwortete er. Die ovale Tür fuhr zur Seite und Laco sah, dass auch Tarik seine Kampflanze erhoben hatte. Laco drückte ab und ein relativ schwacher Elektrostoß umzuckte das Ende der Lanze.Er sprang auf den Nietzscheaner über. Dieser fiel zu Boden und blieb reglos liegen. Laco trat seine Waffe beiseite und zog ihn in sein Quartier. Langsam kam er wieder zu sich. Der Vedraner richtete seine, mittlerweile eingefahrene, Kampflanze auf seinen Freund.

    "Beantworte mir drei Fragen!
    Erstens: Wirst du mir die beiden nächsten Fragen wahrheitsgemäß beantworten?"
    "Nein"
    "Zweiten: War diese Frage wahrheitsgemäß beantwortet?
    "Nein"
    "Drittens: Wirst du mich verraten?"
    "Ja"
    Wenn das nicht seltsam war?
    "Tarik al Ashraf. Wer bist du?"
    "Ich bin Commander Tarik al Ashraf. Dienstnummer TE5799C34532. Geboren im Stamm der Kondor."
    "Nein Tarik, bist du mein Freund oder mein Feind?", wollte Laco wissen
    "Beides", antwortete der Nietzscheaner.
    "Was geht da vor? Ist es eine Aufstand?"
    "Es ist ein taktischer Offensivkrieg"
    Laco gingen Tariks dumme Antworten bald auf die Nerven.
    "Wer steckt dahinter?"
    "Saladin Gree"
    "Wer?"
    "Er ist Nietzscheaner. Sein Name ist Saladin Gree"
    "Welcher Stamm?"
    "Kein Stamm. Man geht davon aus, dass er die genetische Reinkarnation von Drago Museveni ist."
    "Und? Ist er es? Was hat er damit zu tun? Was will er von uns?"
    "Nein, er ist es nicht. Allerdings ist seine DNS mit der des Dragos zu 99,3% identisch. Er hat einige Stämme unter einer Flagge vereint und will das Commonwealth durch ein nietzscheanisch dominiertes Imperium ersetzen."
    Laco lachte auf.
    "Das Commonwealth ersetzen? Das Commonwealth ist viel zu stark."
    "Nein, mein Freund. Im Gegenteil. Das Commonwealth ist schwach. Viel zu schwach. Saladin sagt dazu, dass das Commonwealth keine Heimat für die Starken ist. Seid dem Vertrag von Antares geht das Commonwealth Kompromisse ein. Das ist ein Zeichen von Schwäche. Als ihr Vedraner auf Kalderesh besiegt wurdet und Atombomben auf ihre Städte abwarft, da war das Commonwealth noch stark. Aber die Zukunft sieht anders aus. Saladin sagt, dass das Commonwealth, wenn es so schwach bleibt, die Magog nicht besiegen kann. Und seit dem Vertrag von Antares stimmen die meisten Stämme ihm zu."
    "Moment, hast du gerade gesagt, die Ehrengarde, hätte die Atombomben abgeworfen? Und was heißt die meisten?"
    "Ja, die Ehrengarde hat die Atombomben abgeworfen und die meisten... nun ja... das heißt..."
    "Sag mir, mit wie vielen Stämmen wir es zu tun haben?"
    "Mit allen"
    "ALLEN?"
    "Ja. Drago Museveni hat sie gerufen und alle sind sie gekommen."
    "Das kann nicht sein. Unmöglich." Fassungslos versuchte er, es zu verarbeiten.
    "Mein Volk hat vor allem die Commonwealth-Schiffswerften überfallen. Alles begann mit der Vernichtung wichtiger Gardeschiffen und -posten. Sie haben unter anderem die Andromeda Ascendant oder die Yacht der Kaiserin überfallen."
    Laco glaubte es nicht. Die Anführerin seines Volkes war ohne Nachkommen tot? Jeder Vedraner verehrte sie, das gehörte zu ihrer Kultur. Um von seinem Entsetzen abzulenken, fragte Laco:
    "Bleibt nur noch die Frage, Tarik, warum hast du mich nicht umgebracht? Auf Alaxaai?"
    "Ich wollte es nicht, Laco. Aber ich konnte euch keinen Feuerschutz geben, da mich sonst die anderen Soldaten umgeschossen hätten. Und um zu vermeiden, vor Gericht zu kommen, hätte ich dich heute Abend töten müssen. Aber ich habe gezögert und wurde besiegt. Du weißt, ich hätte als erster abdrücken können, aber ich tat es nicht. Und jetzt, da du weißt, dass ich eigentlich Mittwisser und Verräter war, wirst du mich sicher dem Gericht übergeben, das mich zum Tode verurteilen wird."
    "Ja", sagte Laco. "Das sollte ich wohl"
    "Du wirst es bereuen, wenn du es nicht tust, Laco"
    Der Vedraner rang mit sich. Zum einen war der Nietzscheaner sein Freund, andererseits hatte er das Commonwealth verraten. Und wenn er ihn wirklich dem Kriegsgericht übergab, dann würden sie ihn töten. So viel stand fest.
    "Tarik. Du hast mein Leben verschont. Du hättest genau so gut abdrücken können. Außerdem habe ich nicht das Recht, über dich zu richten. Hast du deine Seite gewählt?"
    "Ja. Ich bin Offizier der Ehrengarde und kämpfe im Krieg für das Commonwealth"

    Das Schiff trat aus dem Slipstream. Der Kaldereaner verstand es wirklich, ein Schiff zu manövrieren. Endlich waren sie, drei Tage nach ihrem Aufbruch, ins vedranische System zurückgekehrt. Sie hatten Kurs auf Star City gesetzt. Von der Crew bemerkte niemand etwas vom Bruch des Vertrauens zwischen Laco und seinem ersten Offizier. Nach außen hin gaben sie sich so wie immer. Allerdings war Laco jetzt in einer schwierigen Situation. Sein erster Offizier musste eine Vertrauensperson sein. Und dieser Kondor-Nietzscheaner, der versucht hatte, ihn zu töten, war nicht wirklich die Sorte Person, der man vertraut. Ganz anders als seiner taktischen Offizierin. Zu Lieutenant Commander Elacta Blutroter Feuerball in tiefschwarzer Nacht hatte er während dieser drei Tage schon viel Vertrauen gefasst. Ihm wäre lieber gewesen, wenn sie erster Offizier geworden wäre. "Sir, wir erhalten eine Nachricht von Tarn Vedra", sagte Leanne Bogacy, die Kommunikations- und Wissenschaftsoffizierin. "Geben sie sie auf den Hauptschirm!", befahl Laco. Es war ein perseidischer Admiral.

    "Captian Agros. Ihr werdet gebeten, nach Eurer Ankunft das Gardehauptquartier zu besuchen und der Sitzung des Krisenstabes beizuwohnen. Danke.
    Lang lebe die Kaiserin!"

    Laco schritt erneut den langen Gang entlang, der mit dem Konferenzraum des Krisenstabes endete. Mit jedem Schritt wurde ihm mulmiger. Was sollte er dem Krisenstab mitteilen? Dass das Commonwealth dem Untergang geweiht war? Dass ein Bürgerkrieg bevorstand? Dass die Nietzscheaner bereits hunderte Welten überfallen und die Kommunikation gekappt hatten? Dass vielleicht schon ein Groß der Ehrengarde vernichtet war? Nun stand er vor der schweren Ebenholztür. Vier Ulanen standen vor der Tür und zogen die beiden hölzernen Flügel auf. Tageslicht fiel in den spartanisch eingerichteten, düsteren Raum. Er war nur mit einem bogenförmigen Tisch ausgestattet. In der Mitte der konvexen Seite des Tisches war der leere Ehrenplatz der vedranischen Kaiserin. Daneben waren die Sitze des Kriegsministers und des Kommandanten der Ehrengarde. Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich die drei Sitze des Triumvirats. Am ganzen Tisch saßen sicher über hundert Leute. Alle waren Admiräle oder Generäle der Ehrengarde, dazu noch zivile Experten und Forscher für alle Fälle. Aller Augen waren auf Laco gerichtet. Der Perseide, der ihn kontaktiert hatte, sagte:
    "Ihr seid als erster zurückgekehrt. Was habt Ihr zu berichten?"

    "Es gibt einen Zusammenschluss aller nietzscheanischer Stämme unter der Führung von Alpha Saldin Gree. Sie haben strategisch wichtige Stellungen überfallen, vor allem Schiffswerften. Die Alaxaai-Dynastie ist gefallen, auch der Präsident. Das Schiff der Kaiserin wurde bei Lucretia überfallen und vernichtet. Sucharitkul XII ist tot. Der Krieg hat begonnen."

    Entsetzen trat in die Augen der Anwesenden. Und es war das letzte, was die meisten von ihnen je fühlen sollten. Der zweite Triumvir, ein Nietzscheaner namens Ezaca Prince, erhob sich und öffnete seinen Mantel. Er griff über Kreuz in die Taschen und zog zwei dreiläufige Schnellfeuerpistolen heraus. Dann kam ein Geräusch, das Laco hasste. Der ansteigende Piepton beim Laden einer Waffe. Fassungslosigkeit trat in die Augen der Krisenstabsmitglieder. Prince sagte:
    "Ja, der Krieg hat begonnen" Und er drückte ab.
    Zuletzt geändert von Omikron; 14.04.2010, 18:10.
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  • #2
    Dank des immensen Interesses habe ich einen weiteren Teil verfasst. Hinzufügen möchte ich, dass alles sehr knapp geschildert wird. Jedoch würde es sehr lange dauern, einen großen Zeitraum auszuführen. Ich bitte dies zu entschuldigen. Diesmal sind es in Arial, Schriftgröße 12, 14 Seiten geworden, 3 weniger als das vorrausgegangene.



    II. Antworten und Fragen

    „Der Feind greift uns an!
    Entweder er tötet uns
    oder wir ihn.
    Den Luxus der Unschuld
    könnt Ihr Euch nicht leisten!
    Zu den Waffen!“


    Kalderanischer General, n.C 894


    Das Rattern der Waffen erfüllte den Raum. Laco war noch gerade rechtzeitig unter den bogenförmigen Tisch abgetaucht, als Tri-Prince begann, mit den beiden Schnellfeuerpistolen den Krisenstab abzuschlachten. Das weiße Mündungsfeuer, das die Pistolen abgaben, erfüllte den Raum. Die Schreie Verwundeter drangen an Lacos Ohr und schlagartig wurde ihm bewusst: Tri-Prince war einer der Drahtzieher dieser Revolte. Und jetzt nahm er dem Commonwealth den Kopf, indem er hier den Krisenstab abschoss. Laco packte seine Kampflanze und feuerte blind Effektoren ab. Er hatte nicht getroffen, das Feuer ging weiter. Alle Überlebenden hatten sich bereits unter den Tisch gerettet und Prince begann jetzt, sie aufzusammeln. Die Tore öffneten sich und die vier wachhabenden Ulanen betraten den Raum. In Laco erwachte die Hoffnung, diese Konferenz doch zu überleben. Sie wurde jedoch sehr schnell zunichte gemacht, als die Ulanen begannen, auf die unter dem Tisch kauernden Personen zu feuern. Wenn er nicht schnell etwas tat, würde niemand überleben. Neben ihm fiel ein Than.
    Er öffnete die Kampflanze, drehte den Energiespeicher um und baute sie wieder zusammen. Er hatte nur diesen einen Versuch. Konzentrieren. Und. Er schleuderte die Kampflanze am Boden entlang zur Tür. Die Ulanen bemerkten nichts. Das war ihr letzter Fehler gewesen. Ein gigantischer Feuerball brach tosend aus der Lanze hervor, die zur Plasmagranate geworden war. Die Ulanen wurden trotz des Kampfanzuges in hohem Bogen durch die Luft geschleudert. Diese Gelegenheit der Ablenkung wurde genutzt. Der perseidische Kommandant der Ehrengarde stürzte sich todesmutig auf den Nietzscheaner, da er ihm am nächsten war. Er schaffte es tatsächlich, Prince zu Fall zu bringen, stürzte jedoch auch selbst. Das erstickte Feuer der Pistolen war zu hören, dann flog der völlig entstellte und zerschossene Körper des Anführers in hohem Bogen vom Boden. Die Kraft dieser Munition war nicht zu unterschätzen. Einige Generäle schafften es, rechtzeitig anzukommen und Tri-Prince zu überwältigen. Sie schlugen seine Arme so lange gegen eine scharfe Kante, bis das Blut spritzte und er seine Waffen fallen lassen musste. Nach einigen schweren Schlägen ins Gesicht blieb er bewusstlos liegen.
    „Los!“, forderten sie einander auf. „Tötet ihn. Er hat es nicht anders verdient.“
    Sie waren sich alle einig, dass dieser Nietzscheaner sterben musste. Aber niemand wollte den Abzug drücken und die todbringende Kugel auf ihre kurze Reise schicken.

    Laco sagte: „Wir sollten Wachleute rufen, damit sie ihn festnehmen“
    „Seid Ihr verrückt?“, fragte ein chichenischer Admiral. „Diese Wachleute“ (er deutete zur Tür) „haben gerade eben versucht uns zu töten. Andere wollen das vielleicht auch!“
    Ein junger Vedraner trat an ihre Seite.
    „Ich habe bereits Männer geholt, denen wir vertrauen können“
    Laco fragte: „Wem kann man denn in diesen Zeiten noch trauen?“
    „Männern, die der Kaiserin mit ganzem Herzen ergeben sind – waren“
    „Ihr meint die kaiserlichen Klingen?“, fragte Laco.
    „Ja. Diese Bruderschaft hat ausschließlich den Zweck, die Kaiserin zu schützen. Und sie hat versagt!“

    Laco schritt auf und ab. Dabei fielen ihm die beiden Pistolen des Angreifers ins Auge. Er bückte sich, um sie genauer zu untersuchen. Es waren wirklich nur gewöhnliche Typ 3 Pistolen. Sie waren nur mit normalen Magazinen, nicht einmal mit Effektoren geladen. Laco wollte nach seiner Kampflanze greifen, um die Waffen zu vergleichen. Da fiel ihm auf, dass er sie vernichtet hatte, um den Angriff abzuwehren. Kurzerhand griff er nach den beiden Pistolen, hob sie auf und steckte sie sich an den Waffengurt.
    Ein perseidischer Offizier wies ihn zurecht:
    „Lasst die liegen, das sind Beweisstücke!“
    Laco erwiderte: „Und nachdem sie Beweisstücke waren, werden sie wieder Waffen sein! Ich hatte meine Kampflanze schon an der Akademie. Es war die erste Waffe mit der ich je geschossen habe, die Waffe mit der ich meinen ersten Magog umlegte. Die Waffe, mit der ich meinen ersten Fühlenden um die Ecke brachte. Und weil ich sie für Euer Leben geopfert habe, glaube ich, dass diese hier mir zustehen.“ Er klopfte auf die beiden Pistolen, stand auf und schritt davon.

    Das Stöhnen dutzender Verwundeter drangen an Lacos Ohren. Er wusste nicht, was schlimmer war. Dass all diese Leute tot waren, oder dass alle hier hoffnungslos versagt hatten. Dass das Commonwealth nicht einmal in der Lage war, seinen eigenen Krisenstab zu schützen. Dass der Triumvir in der Lage gewesen war, die Wachmannschaften zu infiltrieren. Laco konnte nicht sagen, welche Töne, die an sein Ohr drangen, die schlimmsten waren.
    Das Schweigen der Toten, die Schreie der Verwundeten oder die Wehklagen der Lebenden.
    Weitere Ulanen kamen zusammen mit Ärzten und Rettungsteams an. Laco sah in die Runde. Tri-Koupa wurde auf einem AG-Bahre in ein Hospital gebracht, Tri-Prince wurde abgeführt und eingesperrt, Tri-Amana wurde eine Decke über den Kopf gezogen. Der Kommandant der Ehrengarde war tot. Mit unnatürlicher Körperhaltung und elf dampfenden Löchern im Bauch starrten seine toten Augen die Decke an. Der Kriegsminister sagte noch letzte Worte zu einem der Ulanen, nach einem „Lang lebe die Kaiserin!“ schloss er die Augen und verstarb. Admiral Constanza Stark hatte anscheinend überlebt. Sie war unverletzt und sprach mit den anderen Überlebenden. Es hatte nur wenige Sekunden gedauert, die fähigsten Politiker des Commonwealth auszulöschen. Anscheinend waren nur noch so viele Flottenadmirale am Leben, dass man sie an den Fingern abzählen konnte. Und sicherlich hatte das Commonwealth noch lange darunter zu leiden. Vielleicht den ganzen Krieg lang. Da wurde Laco erst bewusst, dass sich das Commonwealth schon über drei Tage im Krieg befand, ohne es zu wissen. Und nun war bei diesem Anschlag der Kopf der Verwaltung außer Gefecht gesetzt worden. Es bestand also eine ernsthafte Gefahr für das Commonwealth!

    Laco hörte den leisen, ja fast schon geflüsterten, Gesprächen der Überlebenden zu. Auch sie diskutierten, was jetzt zu tun war.
    „Wenn der Triumvir wieder auf den Beinen ist, müssen wir ihm unbedingt Sondervollmachten erteilen. Da die Kaiserin nicht mehr unter uns ist, brauchen wir eine starke Führungspersönlichkeit, die die Kontrolle übernimmt“, hieß es da.
    „Auf keinen Fall!“, sagte ein anderer.
    „Ja. In der Commonwealth-Charta steht deutlich, dass man nur der Kaiserin unter Kontrolle der Konklave Sondervollmachten erteilen darf. Und selbst wenn der Triumvir diese Ausnahme erhalten würde, müsste er kontrolliert werden. Und auch das wäre Arbeit der Kaiserin. Außerdem ist er nicht auf den Beinen.“
    „In so einem Fall dürften der Kriegsrat und der Krisenstab einen Nachfolger bestimmen, der zwei Monate die absolute Macht übernehmen darf. Das wäre in diesem Fall der Kriegsminister. Wo ist der überhaupt?“
    Eine Than zeigte auf einen Toten unter einer Decke.
    „Aber wir brauchen jemanden, der diese Verantwortung übernehmen kann. Die Konklave allein ist nicht handlungsfähig. Sie ist viel zu langsam, um auf so eine Bedrohung angemessen zu reagieren!“

    Der Vedraner, der zu den Beschützern der Kaiserin gehört hatte, sagte:
    „Still jetzt! Seht Ihr nicht?“
    Mehrere Dutzend Kameraleute hatten bereits den Konferenzsaal gestürmt und begannen eifrig, ihre Holocams aufzubauen. Der Vedraner nahm Laco beiseite und flüsterte:
    „Ich bin Actrao nax Culyti. Ich gehörte zu den kaiserlichen Klingen. Folge mir!“
    Er schritt aus dem Raum und Laco ging ihm nach. Reporter folgten ihnen.
    Sie wurden mit Fragen bombardiert, hüllten sich jedoch in Schweigen.
    Die Journalisten folgten ihnen auf Schritt und Tritt. Es wurden immer mehr. „Neuigkeiten ziehen sie an, wie Haie das Blut“, hätte Lacos Vater dazu gesagt.
    Als sich die beiden die AG-Röhren hinunterstürzten, wartete unten schon eine weitere Meute auf sie. Auch in den Zügen konnten sie nicht ungestört reden. Actrao stieg am Raumhafen aus, bestieg jedoch einen anderen Zug, der sie in einigen Sekunden weit außerhalb der Stadt brachte. Als sie ausstiegen warteten bereits mehrere Trupps Ulanen und schirmten die beiden von den Reportern ab. Als sie sich von einem AG-Feld nach oben tragen ließen, wurden sie ihre Verfolger endgültig los.

    „Pressefreiheit ist eine Strafe, findet Ihr nicht?“, fragte die Klinge.
    Laco antwortete nicht. Sie standen in der höchsten Halle, die er jemals gesehen hatte. Sie war mindestens 50 mal so hoch wie ein ausgewachsener Vedraner.
    „Wo sind wir?“, fragte Laco.
    „Ihr wisst es, nicht wahr?“ Die Wände waren aus Marmor, schlicht, edel und mit dem Zeichen der Kaiserin, der Sonne verziert.
    „Sind wir... in... ihrem Palast?“
    „Ja. Das hier ist die kaiserliche Residenz.“
    Sie machten sich auf den Weg, Laco wusste nicht, wohin. Sie erreichten kurz darauf ein Zimmer, das wie das Büro der Klinge aussah.

    „Hier. Ich nehme an, du hast einen Dataport.“ Laco nickte, während der andere Vedraner ihm den Datenstecker reichte. Laco schloss ihn in seinen Dataport an, sogleich kam das übliche Schwindelgefühl und die Achterbahnfahrt, die man beim Laden einer VR-Matrix durchmachte.
    Laco nahm den Platz des Beobachters ein und stand wieder im Konferenzsaal. Hier war auch der Anschlag durchgeführt worden. Eine Nachrichtensprecherin begann zu sprechen.
    „Wir wissen nicht, was hier vorgefallen ist, aber die Folgen davon sind dramatisch! Wie wir erfahren haben, hat einer der hier Anwesenden mit einer überall erhältlichen Schnellfeuerpistole des Typs 3 von Typhoon Technology um sich geschossen. Die Waffe wurde noch nicht gefunden. Unter den Opfern sind unter anderem der dritte Triumvir, der Kriegsminister und sein Stellvertreter und der Kommandant der Ehrengarde. Auch viele andere wichtige Persönlichkeiten wurden getötet. Die meisten der sich hier zum Krisengipfel getroffenen Fühlenden wurden in Behandlung gebracht. Viele sind so schwer verletzt, dass sie bereits im Sterben liegen.
    Wir bekommen gerade eine weitere Sondermeldung herein. Die hier anwesende Admiralin Constanza Stark berichtet, dass ein Krieg mit einem vereinigten nietzscheanischen Imperium begonnen hat. Angeblich wurden vor drei Tagen wichtige Einrichtungen des Commonwealth angegriffen, darunter auch das Flaggschiff, die Andromeda Ascendant. Auch der hier verübte Anschlag kann also den Nietzscheanern zugeschrieben werden. Wie soll es weitergehen, das Commonwealth ist führungslos? Ein Triumvir liegt im Koma, die beiden anderen sind höchstwahrscheinlich tot! Und eine Frage beschäftigt uns noch immer:
    Wo ist eigentlich die Kaiserin?“

    Die Verbindung zur VR-Matrix wurde unterbrochen. Laco kam schnell wieder zu sich. Actrao sagte: „Habt Ihr gehört? Sie wissen noch nichts über das Schicksal der Kaiserin. Und das muss auch unbedingt so bleiben, versteht Ihr?“
    „Ja“, antwortete Laco. „Siebentägige Staatstrauer. Bei Beginn eines Krieges können wir uns das nicht leisten.“
    „Ihr wisst, dass die Kaiserin im Commonwealth keine wirkliche Macht hatte. Jetzt aber, im Krieg, ist das anders. Sie hat als einzige das Recht, unter Kontrolle des Triumvirats, Sondervollmachten zu erhalten. Sie, das Triumvirat und die Kriegsminister sind die einzigen, die jetzt die Macht übernehmen könnten. Aber die sind alle tot! Die Konklave kann nicht schnell genug reagieren, die Kommunikation ist teilweise abgeschnitten, also können wir keine Neuwahlen durchführen? Wusstet Ihr, dass die Kaiserin keine weiblichen Nachkommen hat?“
    „Ja“, sagte Laco leise. „Das wusste ich“
    „Dann sieh dir dieses Hologramm an!“
    Er entriegelte ein 3-Phasen-Schloss und nahm einen Holoprojektor aus der Schatulle. Ein Hologramm der vedranischen Kaiserin erschien. Sie musste es vor über zehn Jahren aufgenommen haben. Zwar zierten auch damals schon strenge Züge ihr Gesicht, jedoch war sie wohl zu diesem Zeitpunkt von Trauer gezeichnet.

    „Mein treuer Freund Actrao. Ich habe erst kürzlich meinen Ehemann verloren. Wie du weißt, wurde ich nicht mit weiblichen Nachkommen gesegnet. Sollte ich von Euch gehen, bevor ich jemanden in die Welt gesetzt habe, der meine Nachfolge antreten könnte, möchte ich, dass Ihr dies erfahrt. Ich habe eine Tochter. Als ich noch so jung war, wie Ihr heute seid, und noch nicht dieses schwere Amt übernommen hatte, durchreiste ich das Weltall, auf der Suche nach Antworten. In einem Kloster auf dem Planeten Yakosh fand ich meine Antworten. Ich verliebte mich dort in einen Vedraner, der aus dem Orden austrat und mit mir auf Reisen ging. Elf Monate später bekamen wir eine Tochter. Wir ließen uns auf einem Planeten nieder. Dann brach eine Seuche aus, die meinen Partner dahinraffte. Da die Gefahr für mein Leben stieg, kehrte ich nach Tarn Vedra zurück. Dort wurde mein Kind von meiner Mutter allerdings als Bastard angesehen und sie wollte sie in ein Waisenhaus stecken. Da ich allerdings nicht wollte, dass meine Tochter in diesen Verhältnissen aufwächst, schickte ich sie nach Yakosh zu den Mönchen. Ich hoffe, dass sie es dort gut hat, denn ich sorge mich um sie. In dem eben schon genannten Falle bestimme ich dieses Mädchen zu meiner Nachfolgerin. Findet sie! Niemanden sonst könnte ich diesen wichtigen Auftrag anvertrauen. Lebt wohl, Actrao.“

    Das Hologramm verschwand. Actrao beherrschte es anscheinend perfekt, seine Gefühle zu verbergen. Mit unbekümmerter Mine sagte er:
    „Du weißt, dass auf Tarn Vedra jetzt ein Chaos ausbrechen wird. Ich sehe es als meine Aufgabe an, dies zu verhindern. Und nicht nur darum, weil ich zu den engsten Vertrauten der Kaiserin gehörte. Da du der einzige überlebende Vedraner im Krisenstab bist, vertraue ich dir diese wichtige Aufgabe an. Finde die Tochter der Kaiserin und bring sie nach Tarn Vedra!“

    Yakosh, Yakosh, so weit Laco wusste, musste es irgendwo im Diogenes-Cluster liegen. Man würde ihm die Informationen aus dem intergalaktischen Archiven bald geben. Selbstverständlich durfte seine Crew nicht erfahren, nach wem sie suchten. Niemand durfte es erfahren! Heute war er auf die Ikarus zurückgekehrt, die bereits kriegsbereit gemacht wurde. Laco wusste, wieso man die Prinzessin auf Tarn Vedra brauchte. Indem man ihr Sonderrechte verlieh, konnte der geschwächte Krisenstab die Autorität der Konklave überbrücken. Sie würde keine Regentin werden, nur ein weiteres Werkzeug. So wie Laco ein Werkzeug Actraos war. Aber in diesen Zeiten konnte man sich nicht auf seine Prinzipien verlassen. Sie hatten Krieg, und im Krieg zählte doch immer Geschwindigkeit. Und dafür brauchte das Commonwealth eben eine neue Kaiserin. Laco machte sich auf dem Weg zum Observationsdeck. Dort fand er wenig überrascht Lieutenant Commander Elacta. Sie stand in ihrer Freizeit oft am Fenster und beobachtete die Sterne. Jetzt sah sie auf Tarn Vedra hinab. Ein feiner Ring aus winzigen Asteroiden umkreiste den Planeten langsam.
    „Jetzt haben wir also offiziell Krieg“, stellte sie fest.
    „Ja. Die ganze Ehrengarde wird gerade mobilisiert.“
    „Die Gefahr zu sterben, ist hoch. Habt Ihr Angst?“
    Laco zögerte. „Ja. Und es wäre dumm, keine Angst zu haben. Und das ist es, was die Nietzscheaner ausmacht. Sie sind genetisch optimiert und furchtlos. Aber das macht sie auch leichtsinnig. Und Leichtsinn, sagte schon Huascar nax Yoweri, ist der Weg zum Tod.“
    „Ich habe keine Angst“, sagte die Than. „Keine Angst um mich. Aber um meine Paarungsgruppe. Ich sollte bei ihnen sein. Seht ihr? Mein Panzer ist grün. Das bedeutet in unserer Anatomie, dass ich als Kriegerin geboren bin. Mein Auftrag ist es, die Familie vor allen Gefahren zu schützen. Deshalb wäre es mir lieber gewesen, in der Heimatgarde zu dienen.“
    „Warum seid Ihr dann hier?“, fragte Laco.
    „Wir sind arm. Und die Ehrengarde zahlt besser.“
    „Das heißt, Ihr seid nur des Geldes wegen hier? Kein edles Motiv, keine Prinzipien?“
    „Ist es denn kein edles Motiv, für den Lebensunterhalt der Familie zu kämpfen?“
    Laco dachte lange nach. „Doch. Bei uns Vedranern ist es ähnlich. Da auf eine Vedranerin acht männliche Vedraner kommen, ist die Familie hier auch nach einem bestimmten Prinzip aufgebaut. Normalerweise hat eine Vedranerin nur tiefe Gefühle für einen ihrer Partner. Das ist der höchste in der Hierarchie. Danach kommt eine Art „Verwalter“ für die Familie. Dann folgten früher zwei Jäger, diese Positionen braucht es jetzt freilich nicht mehr. Sie haben sich in Arbeiter, bzw. Geldverdiener etc. gewandelt. Die weiteren Mitglieder waren Krieger, die sich während Friedenszeiten um das Wohl der Familie gesorgt hatten. Zwischen den Männern gibt es keine Machtkämpfe, nur die Frauen bestimmen, wer in ihrer Gunst auf- oder absteigt. Da in modernen Zeiten jedoch eine Familie nicht mehr so wichtig ist, gibt es viele Männer, die beschlossen haben, ehelos zu leben, da sie in einer Familie nicht gebraucht werden. Das war zum Beispiel mein Grund, in die Ehrengarde einzutreten.“
    „Wieso?“
    „Ich komme aus einer niedrigeren Familie. Ich denke nicht, dass mich eine Frau erhören würde“

    Ein Hologramm der KI der Ikarus erschien. „Bitte kommt aufs Kommandodeck, das Schiff ist bereit, auszulaufen. Als Laco und Elacta aufs Kommandodeck kamen, hatte gerade die Beta-Schicht dienst. Von ihnen kannte Laco noch nicht so viele.
    „Sir, worauf sollen wir Kurs setzen?“ Alle erwarteten, dass er jetzt einen Kurs in Richtung nietzscheanischer Terretorien gab.
    „Setzt Kurs auf den Diogenes-Cluster.“
    „Sir, das führt uns mitten durch Sabra-Terretorium.“
    „Dann nehmt einen Umweg! Ich weiß, wir fliegen nicht in Richtung Front. Die Ikarus wird als ... Aufklärungsschiff eingesetzt. Vertraut mir, wir haben eine wichtige Mission!“

    Das Schiff verließ den Slipstream. Nachdem die Ehrengarde mobil gemacht hatte, war der Krieg auch auf der Ikarus zu spüren. Sie hatten eine Verstärkung der Mannschaft, einen 4-Schicht-Dienst, zusätzliche Lancer, und vier Slipfighter dazubekommen. Zwar mussten die Fighter über die Rampen starten, da es keine Startröhren gab, wobei die Beschleunigung die Treibstoffvorräte recht schnell aufbrauchte, jedoch waren Fighter, die in einer Kampfsituation Raketen abwehren konnten, immer sehr hilfreich. Bisher waren sie nur auf wenige nietzscheanische Patrouillen gestoßen, die nach ihrem erscheinen recht schnell abzogen, allerdings waren sie auch schon einmal in einen Kampf verwickelt worden. Ein Transporter des Commonwealth wurde angegriffen, die Ikarus hatte die Angreifer gegrillt. Die Crew wusste noch immer noch nichts von der Mission der Ikarus erfahren, und Laco war nicht gewillt, sie einzuweihen.

    Leanne Bogacy, die Kommunikationsoffizierin, verkündete:
    „Wir bekommen einen ersten strategischen Bericht der Ehrengarde herein“
    „Öffnet ihn!“, sagte Tarik al Ashraf.
    Gezeigt wurden die Sternenkarten dreier Galaxien. Der Milchstraßen-, der Andromeda-, und der Triangulumgalaxie. Blau markierte Bereiche stellten die Terretorien des Commonwealth, rot markierte die der Nietzscheaner dar. Der Vergleich war direkt lächerlich. Die Gebiete des Commonwealth waren sehr viel größer, als die des Imperiums! Eine Stimme erklärte:
    „Wir haben einen schweren Schlag durch die Streitkräfte der Nietzscheaner erhalten. In schnellen Schlägen haben sie vor allem Werften, Docks und Anlegungsstellen vernichtet. Durch Sabotage nieztscheanischer Offiziere konnten unsere Verteidigungssysteme außer Kraft gesetzt werden. Sie setzten Fighter und Kreuzer ein, und ihr Plan scheint aufgegangen zu sein. Sie haben unsere Stationen zerstört, aber die Schiffe haben kaum Schaden genommen. Aber Schiffe, die nicht aufgetankt, repariert oder gewartet werden können, helfen uns im Krieg nicht viel.
    Drei Fronten bilden sich langsam in den drei Galaxien aus. Man muss verstehen, dass die Nietzscheaner nur ein kleines Gebiet zu verteidigen haben. Sie werden sozusagen zu Mittelmächten. Ihre Schiffe müssen nicht schnell sein, da sie in einem kleinen Gebiet schnell zu versetzen sind. Keine ihrer Schiffe sind sonderlich elegant und gut durch den Slipstream zu steuern, am wenigsten die neuen Dreadnoughts. Diese Schiffe sind zwar schwächer bewaffnet als unsere Kreuzer der Glorious Heritage Klasse, allerdings sind sie schwerer gepanzert und führen eine große Anzahl Fighter mit sich. Die erste Welle Garde-Schiffe wurden geschickt, um den Einfall zu verlangsamen. Mit einer zweiten, größeren Welle werden wir die Containment-Strategie verfolgen. Nach ca. einem Monat werden wir wohl so weit sein, alle weiteren verfügbaren Truppen bereit zu haben und eine Roll-Back-Strategie einläuten zu können. Wichtige Systeme sind, ohne dass wir es bemerkt hätten, in feindliche Hände gefallen. Nachdem die Ehrengarde die nietzscheanische Raumflotte in ihre Territorien zurückgedrängt haben wird, werden unsere Lancer die Planeten zurückerobern. Nach ersten Schätzungen werden wir von der Infanteriestärke etwa 20 mal so stark sein wie die Nietzscheaner. Unsere Raumflotte wird die des Feindes etwa fünf mal übertreffen. Sobald es neue strategische Berichte gibt, werden wir Euch informieren.
    Lang lebe die Kaiserin!“

    Das Hologramm verschwand.
    „Und wo geht jetzt unsere Reise hin? Aufklärungsmission in Sabra-Terretorium?“, mutmaßte Tarik.
    „Nein“, antwortete Laco. Unser Auftrag ist... innenpolitischer Natur.“
    „Hat er etwas mit dem Attentat zu tun?“, hakte Tarik nach.
    „Nun ja, nicht direkt...“
    „Kein Wort mehr“, unterbrach ihn Ikarus. „Die Mission ist als „Geheim“ eingestuft!“

    Der Antrieb wurde heruntergefahren, das Schiff auf Standby gesetzt. Sie hatten Yakosh erreicht. In den vergangenen Tagen war es ihnen gelungen, einige feindliche Einheiten außer Kraft zu setzen. Sie hatten drei Transporter und ihre Eskorten vernichtet. Der Transporter setzte gerade auf der mit Gras bewachsenen Tundra auf. Sobald die Maschinen runtergefahren waren, stiegen Laco, Tarik, Mathew, der Kalderaner und eine Eskorte aus. Sie machten sich auf den Weg zum Kloster, denn sie waren anstandshalber außerhalb gelandet. Als der Zug die Mauern erreicht hatten, klopften sie an das bronzebeschlagene Tor. Das ganze Gebäude sah irgendwie nostalgisch aus. Ein Mann in einem langen türkisfarbenen Talar öffnete das Tor.
    „Ihr seid Krieger der Ehrengarde. Willkommen. Was führt Euch in diese abgelegene Gegend?“
    „Bedauerlicherweise ein schreckliches Attentat“
    „Das kann ich nicht verstehen. Wir haben fast nie Kontakt zur Außenwelt. Was könnten wir damit zu tun haben?“
    „Nun ja, könnten wir-“ er machte eine Kopfbewegung zum Kloster.
    „Gerne. Folgt mir bitte“
    Laco und seine Begleiter machten sich auf zum Gebäude. Der Mönch führte sie zu einem weiteren Mann, der wie der Vorsteher des Klosters aussah. Er ließ sie allein.

    „Wie man mir sagte, hat Euch ein Anschlag in diese Gegend gebracht. Ich frage mich wohl zurecht, was genau Ihr hier sucht.“
    „Nun ja... Ich denke schon“
    Der unterstellte Mensch zog eine Augenbraue hoch.
    „Nun gut. Das Commonwealth befindet sich in einem Krieg gegen ein Imperium der Nietzscheaner. Es gab einen Anschlag auf unsere politische Führung. Die Kaiserin, das Triumvirat und fast der ganze Krisenstab sind tot. Wir suchen praktisch... nun ja... eigentlich sind wir auf der Suche nach... einer Person, die das Commonwealth mit starker Hand anführen kann.“
    „Ah ja. Ich weiß. Ihr seid auf der Suche nach Sucharitkul. Der Prinzessin von Tarn Vedra.“
    „Ahm. Ja. Eigentlich schon. Woher wisst Ihr das?
    „Wir hatten darauf gewartet, dass dieser Tag kommt.“
    Laco zuckte die Schulter: „Und?“
    „Bitte?“
    „Ist sie hier?“
    „Bedauerlicherweise fürchte ich, dass Ihr sie hier nicht findet werdet.“
    „Wie überraschend“, sagte Laco sarkastisch. „Wo ist sie denn?“
    „Sie ist schon vor Jahren von uns gegangen“
    „Nicht Euer Ernst!“
    „Ach so, nein. Tot ist sie nicht, nein, nein. Sie hat nach der Erleuchtung gesucht, und erkannte, dass sie sie hier nicht finden würde“
    Obwohl Laco die Antwort bereits erahnte, fragte er:
    „Und wo erstrebte sie die Erleuchtung zu finden?“
    Der Mönch antwortete: „Wieso sollte ich Euch trauen?“
    Laco zeigte ihm seine ID.
    „Das ist doch nur ein Stück Technik. Es zeigt mir, dass Ihr beim Geheimdienst seid, und in irgendwems Augen vertrauenswürdig, aber das ist kein Grund für mich, Euch zu trauen!“

    Laco hatte den Raum des Abts verlassen und dachte nach. Als er dem Bruder versucht hatte, seine Vertrauenswürdigkeit zu erweisen, war ihm eingefallen, dass er es nicht konnte. Diese Menschen lebten weit abseits des Kerns. Nur zu selten verirrte sich hier jemand her. Sie kannten die Regeln des Commonwealth nicht an. Wieso sollten sie auch? Diese Welt würde den Krieg wohl am unbeschadetsten überstehen. Er ging auf und ab. Während er so vor sich hin grübelte, kam ein Mönch vorbei, der ihm ,wie die meisten, unbekannt war.
    „Ich habe gehört, dass Ihr nach der Prinzessin sucht“, sagte er mit der Stimme eines Bären.
    „Ja, allerdings. Aber ich kann Euren Anführer nicht überzeugen, mir ihren Aufenthaltsort zu verraten.
    „Das wäre auch sehr unvernünftig von ihm. Das Wohl mehrerer Galaxien lastet nun auf seinen Schultern. Er kann solch wichtige Informationen nicht an Fühlende übergeben, die sein Vertrauen nicht erlangt haben.“
    „Ich könnte ihm einfach meine Kampflanze an den Schädel halten, dann würde er schon auspacken!“
    „Ihr irrt Euch gewaltig“, sagte der Bruder „Wir alle, voran Abt Bradás, haben gelobt, ohne Waffen zu leben. Und wenn schon. Wenn Ihr abdrücken würdet, würdet Ihr es nicht erfahren. Es zu erfahren ist Euer Ziel, das heißt, Euere Drohung, ihn zu erschießen, ist nichtig.“
    „Ich hoffe nur, dass Ihr nie auf jemanden treffen werdet, der aus anderen Beweggründen Waffen auf Euch richtet!“
    „Auf Dauer kann nur eine Gesellschaft ohne Waffen überleben. Das Commonwealth hat lange überlebt, aber auf Dauer kann es nicht existieren. Es hat die Perfektion noch nicht erreicht. So lange es Hass und Mord gibt, wird es nie Frieden, wirklichen dauerhaften Frieden, geben.“
    „Sagt das den Magog! Hätten wir den Rat von euch Pazifisten befolgt, und die Ehrengarde aufgelöst, hätten sie nicht nur Delta B-Tor und ein paar weitere Welten, sondern die gesamten bekannten Welten verschlungen!“
    „Auch die Magog, eher vor allem die Magog, können die Perfektion nie erreichen, da ihre Gesellschaft auf Vergewaltigung basiert. Aber niemand sollte die Möglichkeit haben, Milliarden Fühlender willkürlich töten zu können!“
    „Ihr sprecht von den Novabomben, nicht wahr?“
    „Ja, genau davon spreche ich“

    Der Mönch und Laco diskutierten noch lange, bis es auf Yakosh dunkel wurde. Sie hatten beschlossen, im Kloster zu übernachten. Laco dachte nach. Auf extrem lange Sicht gesehen konnte eine Gesellschaft, in der Misstrauen, Angst und Hass herrschten, eine Gesellschaft, in der es Waffen gab, eine Gesellschaft, in der man mühelos jemanden das Leben nehmen konnte, das wertvollste, was ein Fühlender besaß, so eine Gesellschaft konnte nicht überleben. Laco sah die Männer, die er mitgenommen hatte, am Feuer sitzen. Es war kalt hier draußen, trotzdem wollte er sich nicht zu ihnen gesellen. Er setzte sich leise in den Schatten der Mauer und hörte einfach nur zu. Sie sprachen über Konflikte des Commonwealth, über den Krieg, und in was alles die Ehrengarde früher schon verwickelt war. Laco hörte jetzt genauer hin. Jetzt sprachen sie über den Kalderanischen Krieg.
    Chiquon sagte:
    „Die Vedraner sagen immer, wir hätten noch keine Raumschiffe besessen, als wir den ersten Kontakt hatten. Das stimmt so nicht. Wir hatten bereits mehrere Planeten in unserem System kolonisiert, allerdings nicht die Fähigkeit, den Slipstream zu nutzen. Als dann die Vedraner auf einem ihrer schlanken Schiffe zu uns kamen, nahmen wir sie freundlich auf. Sie boten uns an, Mitglied in ihrem Imperium zu werden. Als unser damaliger Anführer das ablehnte, vergiften sie ihn bei einer Feierlichkeit. Allerdings flog es auf, und sie wurden hingerichtet.“
    „Moment mal“, unterbrach ihn Mathew. „Es wird gesagt, dass ihr die Vedraner einfach umgebracht hättet. Und jetzt sagt Ihr, dass sie den Krieg begonnen haben?“
    „Der Sieger schreibt die Geschichte“, meinte Chiquon. „Auf jeden Fall hatte mein Volk seine Raumflotte slipstreamtauglich gemacht. Wir kolonisierten viele Planeten in der Nähe unserer Heimat. Unser Reich begann sich auszudehnen und zu gedeihen, doch die Vedraner bemerkten uns. Sie schickten ihre Raumflotte in unsere Gebiete, ihre Ulanen landeten und vernichteten unsere Kolonien. Sie haben so viele von uns ausgelöscht, dass man sie gar nicht mehr zählen konnte. Als sie sich unaufhaltsam unserer Heimat näherten, gründeten meine weisen Vorfahren die „Kalderanische Allianz“. Mit diesen Schiffen und Truppen gelang es uns tatsächlich, die Vedraner aus der kleinen magellanischen Wolke zu vertreiben. Wir begannen erneut zu expandieren, wir dachten der Krieg wäre zu Ende. Wir hegten wieder Hoffnung, dass unsere Zivilisation in dauerhaftem Frieden und Wohlstand leben könnte – wir motteten sogar einen Teil unserer Raumflotte ein, da sie nicht mehr gebraucht wurde. Doch dann kehrten sie zurück“
    Lacos Gedanken überschlugen sich. Dieser verdammte Käfer log seiner Mannschaft vor, dass die Vedraner die Bösen wären. Diese Version der Geschichte war erstunken und erlogen! Was dachte er sich dabei? Jedes Kind wusste, dass es sich nicht so zugetragen hatte!
    „Die Vedraner hatten neuere Raumschiffe. Sie besaßen eine Projektilbewaffnung und waren nicht mehr bloß einfache Truppentransporter. Die Vedraner überrollten uns. Sie waren gnadenlos. Meine Vorfahren waren bereit, unter der Bedingung zu kapitulieren, dass Kalderesh unabhängig blieb, sie jedoch Tribut ans Commonwealth entrichteten. Damit waren sie aber nicht einverstanden. Sie landeten ihre Truppen auf unserer Welt. Die Zivilisten wurden bewaffnet und wir kämpften zwei Jahre gegen sie.“
    „Ihr habt verloren“, sagte Tarik.
    „Wenn wir nur verloren hätten“, entgegnete der Käfer.
    „Meine Leute hatten die Ulanen von Tarn Vedra besiegt. Sie waren überall auf dem Rückzug. Die meisten waren tot. Meine Leute waren bereit, Frieden mit den Vedranern zu schließen, doch ihre Kaiserin wollte keinen Gegner im Universum haben, der es mit ihr aufnehmen konnte. Sie befahl ihrer Garde, Atomsprengköpfe, die tödlichsten Waffen, die die Vedraner damals hatten, auf Kalderesh abzuwerfen. Es befanden sich noch immer tausende Vedraner auf unsrer Heimatwelt, als die Bomben zündeten. Über unseren großen Städten weinte der Himmel Feuer, die Erde brannte, und unsere Bevölkerung starb. Und die, die durch die Explosionen getötet wurden, hatten es noch am besten. Die Strahlung ließ die anderen langsam dahinsiechen, und die, die das überlebt hatten, wurden Zeuge davon, wie unsere Heimat mit dem Tode rang – und verlor.
    Die Erde wurde heiß, Wüsten breiteten sich aus. Wo einst weite Grasebenen waren, breiteten sich Sanddünen aus. Wo Berge waren, wurden karge Schotterflächen erschaffen. In diesen zwei Monaten starben über 95% meines Volkes. Dann entschloss man sich zum Exodus. Fast alle überlebenden Kalderaner verließen Kalderesh. Sie breiteten sich in der gesamten bekannten Welt aus.“

    Laco musste gehen. Er konnte es sich nicht anhören, wie dieser Mistkäfer das Geschehene verdrehte. Die Käfer hatten Atomsprengköpfe abgeworfen, und waren dann Opfer ihrer eigenen Dummheit geworden. Man konnte es in jedem Geschichtsbuch nachlesen. Er glaubte nicht, dass seine Crew so naiv war, und die Version des Kalderaners auch noch glauben würde. Aber diesen Chiquon musste er sich wirklich dringend mal vornehmen. Wenn dieser Käfer kein Spion der Nietzscheaner war, dann wusste Laco wirklich nicht mehr weiter. Dummerweise lief ihm gerade jetzt in seiner Wut Abt Bradás über den Weg.

    Der Vorsteher des Klosters fragte:
    „Und? Könnt ihr Eure Vertrauenswürdigkeit jetzt schon beweisen?“
    „Nun ja“, sagte Laco. „Kaiserin Sucharitkul kam hierher und verliebte sich in einen Vedraner, der danach den Orden verließ. Sie zogen durch die Welten und bekamen eine Tochter. Ihr Gefährte starb. Da aber auf Tarn Vedra das Mädchen nicht als Thronfolgerin anerkannt wurde, schickte man sie zu ihrer eigenen Sicherheit hierher. Und da wuchs sie dann auf“
    „Ah ja. Ihr kennt die Geschichte also. Aber diese Informationen könntet Ihr auch haben, wenn Ihr ihr nach dem Leben trachten würdet. Ich stelle Euch jetzt eine Frage. Beantwortet sie wahrheitsgemäß. Würdet Ihr einen nietzscheanischen Feind, wenn er während einer Schlacht entwaffnet auf dem Boden läge, töten?“
    Laco dachte lange nach. Dann sagte er:
    „Ja, ich würde ihn töten. Denn in einer Schlacht kann man sich schnell eine Waffe besorgen, und dann wäre er eine Gefahr für mich.“
    „Ihr wisst, dass wir ohne Waffen leben?“
    „Ja, das weiß ich“
    „Nun ja. Jetzt werde ich auspacken. Wir haben hier im Kloster jemanden... Sie ist eine Art... nennen wir sie ein Orakel. Es ist zwar nicht sehr passend, reicht uns aber fürs Erste. Ich wollte sie niemanden gegenüber erwähnen, der eine Gefahr für Sucharitkul wäre. Ich habe mit ... dem Orakel gesprochen. Sie wollte, dass ich dir diese Frage stelle, und dich dann zu ihr vorlasse. Und das werde ich jetzt tun. Wenn einer weiß, wo sich die Prinzessin aufhält, dann sie“

    Der Abt führte ihn immer tiefer unter die Gemäuer des Klosters. Sie gingen Gänge mit steinernen Wänden entlang, die von Fackeln beleuchtet wurden. Die flackernden Lichter der echten Pechfackeln zauberten einen Tanz von Schatten auf die Wände. Der Mönch blieb stehen.
    „Hinter dieser Tür findet Ihr sie. Seid respektvoll“
    Laco trat ein. Es war dunkel in dem Raum. Es gab keine Lichtquelle und man sah absolut gar nichts. Eine Stimme begann zu sprechen. Sie war nicht in Trance, also ganz anders, als man sich ein Orakel vorstellte.

    „Laco nax Agros“
    „Das wusstet Ihr?“
    „Nein. Bruder Bradás sagte es mir“
    „Ihr wisst, warum ich hier bin?“
    „Nein“
    „Ich suche Prinzessin Sucharitkul“
    „Ich dachte, dass jener Tag einst kommen würde“
    „Wo ist sie?“
    „Sie ist nicht hier“
    „Ich habe nicht gefragt, wo sie nicht ist“
    Die Stimme schwieg kurz. „Ich weiß nicht, wo sie ist, aber ich kann dir sagen, wie du sie findest“
    „Wieso?“
    „Ich habe die Zukunft gesehen“
    „Und wie kann ich sie finden?“
    „Folge deinen Idealen, Laco nax Agros“
    „Meine Ideale führen mich in den Krieg, und dann kann ich sie nie finden“
    „Du wirst sie finden. Früher oder später“
    „Was nun? Früher oder später“
    „Laco nax Agros“

    Sie war nicht mehr bereit, mit ihm zu sprechen. Das Gespräch hatte nur wenige Sekunden gedauert. Laco wusste, dass es nichts bringen würde, nachzuhaken, Er stand auf und versuchte, den Ausgang zu finden. Er stieß sich den Kopf an der Tür an und trat hinaus. Der Abt wartete noch.
    „Und? Konnte sie Euch weiterhelfen?“
    „Nicht wirklich“
    „Das betrübt mich. Sucharitkul war wie eine Tochter für mich. Ich habe sie großgezogen und ihr beigebracht, weise zu denken und zu handeln. Ich habe ihr Gerechtigkeit, Loyalität und einen klaren Verstand beigebracht“
    „Wenn das so ist“, konterte Laco „wieso ist sie dann von hier fortgegangen? Sie ist viel zu wichtig für das Commonwealth, als dass sie einfach so durch die Galaxien reisen kann! Das soll weise sein?“
    „Ihr habt vergessen, dass die Kaiserin sie hierher gebracht hat, weil sie sie nicht als ihre Tochter ansah“
    Laco schwieg. Der Abt hatte Recht. Laco spürte plötzlich eine Vibration seines Communicators. Er nahm Kontakt zur Ikarus auf. Es war Lieutenant Commander Elacta.
    „Sir, zwei nietzscheanische Kreuzer und ein Zerstörer sind aus dem Slipstream gekommen. Ihre Fighter schwärmen aus und halten auf uns zu. Sie sehen aus, wie Sklavenjäger“
    „Können wir sie besiegen?“
    „Nein, Sir. Mit einem Zerstörer und einem Kreuzer könnten wir es aufnehmen, aber nicht mit zweien.“
    „Flüchtet in den Slipstream. Schickt ab und zu einen Scout, um euch über unsere Lage zu informieren. Wir kommen hier schon klar.“
    „Ja, Sir. Lang lebe die Kaiserin!“
    Das Bild verschwand.
    „Was ist los?“, wollte Abt Bradás wissen.
    „Sklavenjäger. Versammelt alle im Hof!“

    Die gesamte Gemeinde des Klosters hatte sich eingefunden. Laco musste zu ihnen sprechen. Sie mussten sich unbedingt verteidigen!
    „Freunde. Feinde sind gekommen, um euch zu versklaven. Wollt ihr das?“
    Ein verunsichertes „Nein“ ging durch die Menge.
    „Eure Feinde haben Waffen, ihr nicht. Ich habe einige Kisten Gewehre in meinem Transporter. Einige meiner Männer holen sie bereits“
    In der Menge rief jemand:
    „Wir haben uns entschieden, ohne Waffen zu leben! Wieso sollten wir das jetzt ändern, nur weil es einmal schwierig wird?“
    „Diese Männer wollen euch alle entführen und für Zwangsarbeit einsetzen. Wehrt euch!“
    Jemand sagte: „Wenn das der Wille Gottes ist, dann soll es doch so geschehen“
    „Vielleicht ist es aber auch der Wille Gottes, dass ihr euch ein Gewehr schnappt und den Übers mal kräftig in den Arsch tretet!“
    Die Menge schwieg.
    „Was ist daran denn so schwierig zu verstehen?“
    „Wenn wir auf sie schießen, wird viel Blut vergossen werden. Und das wollen wir nicht“, sagte Abt Bradás.
    „Wenn ihr nicht auf sie schießt, dann schießen sie auf euch!“
    „Ich dachte, sie wollen Sklaven“, kam es aus der Menge.
    Laco verstand diese Leute nicht. Der Abt sagte:
    „Wir haben so lange ohne Waffen überlebt, dann werden wir auch jetzt überleben“
    Die Lancer, die die drei Kisten aus dem Shuttle geholt hatten, kamen gerade zurück.
    „Bitte“, sagte Laco. „Bedient euch!“

    Keiner der Mönche machte Anstalten, nach einer der Waffen zu greifen. Colonel McDill fragte:
    „Wenn sie keine Waffen nehmen, sind sie geliefert. Und wir auch“
    Laco befahl: „Schüttet die Waffen über den Hof. Wenn die Party losgeht, werden sie mitfeiern“
    Man sah das rote Glühen eines Atmosphäreneintritts im tiefschwarzen Nachthimmel.
    Die Lancer hatten sich verschanzt. Die Party konnte beginnen, allerdings fehlten noch einige Gäste. Minuten vergingen. Plötzlich klopfte jemand ans Tor. Ein Mönch eilte hin und öffnete den Sehschlitz.
    „Guten Abend, meine Herren. Was führt Euch zu so später Stunde in unser bescheidenes Heim?“
    Man hörte einen undeutlichen Befehl, dann blitzte ein Licht auf und der ins Gesicht getroffene Mönch fiel tot zu Boden. Das Tor wurde aufgesprengt. Eine ganze Kompanie Soldaten in graubraunen Rüstungen stürmte durch das Tor. Durch ein Nicken gab Tarik den Feuerbefehl. Laco hatte seine beiden Schnellfeuerpistolen gezogen, zielte und drückte ab. Strahlend weißes Licht strömte aus dem Lauf seiner Waffen, als die kleinen todbringenden Geschosse auf die Nietzscheaner zuhielten. Ihre ECM-Einheiten waren nicht so wirkungsvoll wie die der Ehrengarde, die ersten Männer stürzten tot zu Boden.
    „Verschanzen und Feuer erwidern!“, befahl der Kommandant der Nietzscheaner.
    Rotes und blaues Licht aus den Waffen der Ehrengarde erfüllte die Nacht. Die ersten Plasmagranaten flogen. Explosionen erschütterten den Boden. Getroffene Körper wirbelten durch die Luft.
    „Plasmafeuer!“, schrie Laco, als er sah, dass sich ihre Feinde erfolgreich verschanzt hatten. Längliche Strahlen schossen aus den Kampflanzen und Gewehren hervor. Wo sie aufschlugen, blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Die Nietzscheaner antworteten mit Streufeuer. Man konnte sich nicht mehr zum Schießen erheben, ohne getroffen zu werden. Laco registrierte einige feindliche Befehle.
    „Blaues Team unter Feuerschutz vorrücken! Vorbereiten zum Einkesseln!“
    So weit durfte es nicht kommen. Keiner der Mönche hatte es sich anders überlegt. Niemand hatte zur Waffe gegriffen. Ihnen war nicht mehr zu helfen.
    „Strategischer Rückzug zu Sammelpunkt Bravo. Gegenseitige Deckung. Langsam gaben die Lancer und Ulanen ihre Stellungen auf.
    Sie schalteten ihre Waffen auf Abwehrfeuer um und zogen sich zurück. Durch das vorher gesprengte Loch in der Mauer flohen sie auf die Wiesen. Der ganze Trupp hatte sich bald gesammelt. Sie hatten einen Mann verloren. Als sie so auf der Wiese lagen und durch ihre HUDs das Geschehen auf dem Berg verfolgten, hörten sie Schüsse und Schreie. Die Nietzscheaner würden keine Gnade walten lassen. Flammen traten aus dem Kloster aus. Geschrei. Das wütende Geschrei eines Kommandanten hörte sich so an, als ob er es genoss. Mathew sagte:
    „Mein Gott, wir müssen diesen Menschen helfen!“
    „Wir haben es versucht, mein Freund. Wir haben es versucht.“
    Tarik fügte hinzu: „Jetzt noch sein Leben sinnlos aufs Spiel zu setzen wäre dumm. Sie haben sich geweigert, sich zu wehren, und das haben sie jetzt davon“

    Nach etwa einer halben Stunde schritt eine Kolonne Fühlender aus dem Kloster heraus. Es waren wahrscheinlich an die hundert Nietzscheaner, die alle überlebenden Mönche gefangen hatten. Diese hatten die Augen verbunden und ihre Hände waren hinter ihren Rücken gefesselt. Sie waren alle aneinander gekettet, wurden geschubst und getreten, ab und zu fiel ein Schuss, der einen Schwächeren tötete. Die Lebenden mussten diese Toten mitschleppen, und kamen zunehmend ins stolpern. Dann wurde wieder auf sie eingetreten. Letzte Granaten wurden ins Gebäude geworfen, das daraufhin völlig abbrannte. Die Flammen warfen einen unruhigen Schein auf die Wiese.
    Mit lautem Brummen hob das Shuttle der Nietzscheaner vom Boden ab und schob sich weiter in Richtung All. Als das letzte Glühen verschwunden war, erhoben sich die auf dem Gras liegenden Männer. Es war so schnell gegangen, eine friedliche Zivilisation zu vernichten. Laco interpretierte es in größerem Stil, dem Imperium und dem Commonwealth.
    „Wie konnten wir das nur zulassen?“, fragte Laco.
    „Uns trifft keine Schuld“, antwortete Tarik. Sie haben es ihrer eigenen Dummheit zu verdanken“
    „Mein Freund, die Aufgabe der Ehrengarde ist es, solche Leute zu beschützen. Wir haben unsere Pflicht vernachlässigt“
    „Sie wollten sich nicht verteidigen. Es wäre Selbstmord gewesen, die Stellungen zu halten. Wir wären tot und sie trotzdem Sklaven. Ich finde es besser, wie es ist“
    Laco antwortete nur verdrossen: „Nietzscheaner“

    Sie waren zurück auf der Ikarus. Der Vedraner wischte sich mit einem Tuch über das Kinn und zuckte vor Schmerzen zurück. Anscheinend war seine Wunde schlimmer, als er gedacht hatte. Dunkelblaues Blut rann an seinen Mundwinkeln hinab. Er war wohl von Splittern getroffen worden. Das war eigentlich seltsam, da ihn seine ECM-Einheit hätte schützen müssen, aber es kam ab und zu vor. Er sah in den Spiegel. Seine kurz geschorenen schwarzen Federn, die den Kopf bedeckten, waren vollkommen zerzaust. Die bunten, unterarmlangen Federn, die seinen Nacken zierten, hatten nichts abbekommen. Er strich sie glatt und steckte sie unter den Kragen seiner Uniform. Vor tausenden von Jahren hatten die Vedraner sie gebraucht, um Artgenossen beim Kampf um ein Weibchen abzuschrecken. Mittlerweile waren sie nur noch Zeichen des Stolzes und der Ehre. Dieser Federkamm zog sich den ganzen Rücken entlang, sichtbar waren allerdings nur die, die am Nacken waren. Vedranerinnen fehlten diese Federn, allerdings hatten sie diese ja auch nie gebraucht. Laxo hatte tiefgrüne Augen. Die Pupillen wurden bei Licht zu Schlitzten, wie bei einer Katze. Über den Augen hatten Vedraner auf jeder Seite ein Paar schräg stehender Knochen, die eine ähnliche Funktion hatten, wie die Augenbrauen bei Menschen.

    Laco war eben auf dem Medizindeck, wo man seine Wunde mittels Nanobots versorgt hatte, und machte sich nun auf den Weg zum Kommandodeck. Er gab den Befehl, Kurs auf Langoan-Drift zu setzen.

    Als die Ikarus im Langoan-Sytstem angekommen war, erhielt Laco per Kurierdrohne eine Nachricht von Actrao nax Colyti. Sie war als „Geheim“ eingestuft.
    „Laco nax Agros
    Ein Kurierschiff steht auf der Station für dich bereit.
    Macht dich schnellstmöglich auf den Weg nach Tarn Vedra.
    Wenn sie bei dir ist, bring sie nicht mit, sondern übergib sie den Klingen auf der Station. Sie werden sich dir zu erkennen geben.
    Wenn du auf Tarn Vedra bist, kontaktier mich. Wir treffen uns dann bei Sani nax Rifati.
    Lang lebe die Kaiserin?“

    Die Kurierschiffe der Alactritous Missive Klasse waren sehr schnell, und konnten sehr weite Strecken im Slipstream zurücklegen. Eskorten brauchten sie nicht, da sie jedem Feind an Geschwindigkeit überlegen waren. Der Transporter landete gerade auf dem gigantischen Raumhafen von Tarn Vedra. Er hatte seinem Freund eine Nachricht geschickt, und machte sich auf den Weg zur Bronzestatue von Sani nax Rifati. Sie befand sich vor dem gigantischen Ehrengardehauptquartier. Die Statue war fast hundert Meter hoch und glänzte im Licht der Sonne. In seinen ausgestreckten Armen hielt der Mann zwei antike vedranische Kampfstäbe, die so ähnlich aussahen, wie ausgefahrene Kampflanzen. Rifati war einst Kommandant der Ehrengarde gewesen, er hatte viele Reformen durchgebracht und einen drohenden Bürgerkrieg verhindern können. Allgemein wurde er als der größte Held in der Geschichte des Commonwealth angesehen. Die Größe der Statue war aber verschwindend gering im Vergleich zu der Größe des Hauptquartiers. Das Gebäude war ungefähr vier Kilometer hoch, und hatte eine Diagonallänge von ca. drei Kilometern. Die Straße, auf der Laco stand, war 100 Meter breit und führte genau in eine der vier großen Aussparungen des Pyramidenförmigen Gebäudes. Normalerweise war dieser Platz überlaufen, in Kriegszeiten war der Zutritt zu Ehrengarde-Gelände Zivilisten jedoch untersagt. Hier und da schlenderten ein paar Offiziere, aber Laco hatte Actrao bald gefunden.

    „Und?“, begrüßte ihn der Vedraner.
    Laco schüttelte den Kopf.
    „Bedauerlich“, sagte Actrao
    Laco erzählte ihm, was er gehört hatte.
    Actrao antwortete: „Ich werde dich von deinem Dienst auf der Ikarus entbinden. Du wirst ein Sonderkommando führen, dessen Auftrag es ist, die Prinzessin ausfindig zu machen.“
    Laco entgegnete: „Ich bitte darum, das nicht tun zu müssen. Das Orakel sagte, ich solle meinen Überzeugungen folgen, wenn ich sie finden will. Und ich bin überzeugt, dass ein Soldat im Krieg auf seinem Schiff und an der Front gebraucht wird. Es mag mir zwar nicht gefallen, aber es ist so.“
    „Glaubst du an das, was man dir gesagt hat?“
    „Ich muss. Wir haben keinen anderen Anhaltspunkt“
    „Gut. Ich gebe dir die Ikarus und schicke dich an die Front. Kehre nach Langoan-Drift zurück! Ach ja. Das mit deiner Waffe tut mir leid. Nimm bitte diese hier und lege diese unzivilisierten Pistolen ab!“
    „Ja, Sir“
    Actrao gab ihm eine kleine Schachtel, ein bisschen länger als 30 cm. Sie war eingehüllt in ein Blaues Tuch mit gelber Sonne, des Zeichens des Commonwealth. Eine Kampflanze.
    „Wenn Ihr die Prinzessin seht, werdet Ihr Euch damit zu erkennen geben können. Laco nax Agros!“
    Laco nickte, drehte sich um und ging weg.
    Actrao rief ihm nach:
    „Ach, Laco...
    Lang lebe die Kaiserin!“
    Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


    Kommentar


    • #3
      Tja, nach einiger Zeit ist wieder einmal eine Folge fertig geworden. Da es anscheinend wirklich viele interessiert, (Achtung, Ironie) poste ich jetzt "Operation Strike Backlash". In Open Office (Arial, 12) sind es diesmal siebzehn Seiten geworden.


      III. Operation Strike Backlash

      “Das oberste Gebot
      für das Gelingen einer Argosy-Mission ist,
      absolute Planung,
      absolute Perfektion,
      absolute Pflichtbewusstheit”

      Argosy-Kommandant Uatan Tracit, 94 CY


      Ungeduldig wartete Flottenmarschall Odin Athorak auf der Brücke seines Schiffes. Seine Nerven waren gespannt, und so langsam wie das schwarze Loch hinter dem Heck seines Schiffes rotierte, schien für ihn die Zeit zu vergehen. Er fuhr sich langsam an den Knochenklingen entlang. Genau so wie er war seine ganze Besatzung ein einziges Nervenbündel. Was, wenn der Feind seinen Köder nicht schluckte? Wenn sie es durchschauten und mit einer kampfstarken Truppe zurückkehren würden? Er stand auf und ging umher. Seine Männer saßen in den Kontrollbuchten unterhalb. Nervös sahen sie auf ihre Geräte. Niemand wagte es, ein Wort zu sagen. Odin setzte sich wieder. Das ging alle paar Minuten so. Wieso war jemand, der das Kommando über das wohl mächtigste Raumschiff in den bekannten Welten führte, so unruhig? Er hatte eine Flotte von 10.000 zum Kampf gerüsteten Schiffen unter sich! Ganz einfach. Der Hinterhalt musste schnell gelingen. Sobald es dem Feind gelang, Kuriere zu starten, waren sie erledigt. Er blickte erneut auf den Bildschirm und sah Hephaistos IV. Der Planet war längst evakuiert worden, aber man machte den Ehrengarde-Schiffen nun Glauben, dass der Planet evakuiert werden müsste. Mehrere kleinere Schiffe waren ihnen bereits in die Falle gegangen, aber das Schiff, auf das sie hier warteten, war noch nicht da. Die Andromeda Ascendant.
      Auf diesem Flaggschiff der Ehrengarde hatte das Imperium einen Verräter, der einen sehr mächtigen Gegner ausschalten würde. Die Mission der Andromeda war es, eine Ladung Novabomben zu transportieren. Wenn es ihnen gelang, diesen Vorrat an Massenvernichtungswaffen zu zerstören, ohne selbst draufzugehen, hatten sie in diesem bald beginnenden Krieg sicherlich die Nase vorne.
      Er ging erneut auf und ab. Die Andromeda gehörte wohl zu den wenigen Schiffen, die noch stärker waren, als die Zerberus, sein Flaggschiff. Obwohl der über 5.000 Meter lange Dreadnought weniger stark bewaffnet war, hatte er eine stärkere Panzerung und vermochte, gigantische Mengen Kampfflieger aufzunehmen. Die Zerberus gehörte zur Apocalypse-Klasse. Diese Schiffe gehörten zu den Geheimprojekten Saladin Grees, der eine riesige nietzscheanische Flotte aufgestellt hatte. Das Schiff war frontal mit Raketenbatterien ausgestattet, die Hauptbewaffnung trug sie jedoch an den Seiten. Auf kurze Distanz konnte dieses Schiff seine Feinde mit monströsen Gauss-Kanonen ausschalten. Die teilweise tonnenschweren Projektile waren durch Abfangraketen kaum zu zerstören, und sie vom Weg abzulenken war auch sehr schwierig. Bei einem Aufschlag hatten sie eine ähnlich vernichtende Wirkung, ähnlich den AP-Kanonen der Ehrengarde. Als weitere Bewaffnung besaß sie noch Railguns zum Abschuss von Fightern. Waffen zur Abwehr von Raketen brauchte es dank der dicken Panzerung kaum, jedoch war das Schiff trotzdem mit einer Palette PDLs ausgestattet.
      “Sir, wir haben ein Slipstream-Ereignis, zwölf Lichtsekunden vorraus!”, meldete einer der Offiziere. Es war die Andromeda Ascendant.
      “Schickt die Botschaften!”, befahl Odin.
      Das Geschrei und Betteln von Zivilisten war nun auf der Brücke der Andromeda zu hören. Ohne etwas zu ahnen näherte sie sich dem Hinterhalt. Sie schöpften keinen Verdacht, da sie die Flotte für zivile Schiffe hielten. Sobald sie in Reichweite schwerer Waffen waren, gab Odin den Feuerbefehl.
      Die Rohre der Seitengeschützte schnellten zurück, mit Explosionen traten auf fast Lichtgeschwindigkeit beschleunigte Stahlprojektile heraus. Die Andromeda war zu tief ins System gesprungen, das schwarze Loch verhinderte eine schnelle Öffnung eines Slipstream-Portals. Wenn Gaheris Rhade jetzt ganze Arbeit leistete, würde vom Flaggschiff des Commonwealth bald nur noch Weltraumschrottteile übrig bleiben. Immer weiter ging das Feuer. Minutenlang hämmerten Raketen auf die Andromeda Ascendant ein. Sie feuerte keine Novabombe. Rhade hatte es geschafft. Es dauerte fast drei Minuten, bis das Schiff Raketen auf sie schickte. Diese wurden mühelos abgefangen. Die Andromeda begann sich langsam zu bewegen. Aufs schwarze Loch zu. Dann immer schneller. Ein Offizier berichtete:
      “Sir, sie starten ihre Rettungskapseln”
      “Egal! Sorg dafür, dass das Schiff vernichtet wird, bevor Hunt auf dumme Gedanken kommt!”
      Immer schneller raste die Andromeda auf die Singularität zu. 30 PSL, 31, 33... Das Feuer der Raketen verfolgte sie.
      “Verdammt, Hunt lässt ein Schleudermanöver durchführen! Manöver Athorak Sigma ausführen!”
      Fighter scherten aus, um das Schiff auf der anderen Seite abzufangen.
      “Irgendwann muss doch diese verdammte Sardinenbüchse auseinander fliegen!”, schrie er. Doch irgendwas schien auf der Andromeda nicht zu funktionieren. Im entscheidenden Moment gelang es ihr nicht, die Kurve zu kratzen. Sie steuerte immer weiter aufs Schwarze Loch zu, immer weiter.
      Athoraks Sensoren wurden geblendet, sie konnten nicht mehr feuern.
      Die Perle von einem Kriegsschiff trudelte auf die Quantensingularität zu, steuerlos, bald würde sie verschluckt sein.
      Immer weiter, immer tiefer hinein, immer, immer weiter...

      “Das ist euer Plan?”, rief Laco nax Agros und schlug mit der Faust auf den hölzernen Tisch. “Dort angreifen, wo sie ganz zufällig am allerstärksten sind?”
      Er war mit seinem Kurierschiff nach Langoan-Drift zurückgekehrt. Sogleich hatte man ihn in eine Sitzung über die anstehende militärische Operation gerufen, an der auch die Ikarus beteiligt sein sollte.
      “Jetzt erkläre ich es Euch nochmal”, sagte Commodore Warrick. Der Mensch würde die Operation anführen.
      “Wir haben es mit Containment-Strategie versucht. Und es hat nicht geklappt. Die Nietzscheaner waren darauf vorbereitet. Und immer wenn wir eine Verteidigungslinie hatten, kamen sie und zerschlugen auch diese. Nur, damit wir noch eine errichten konnten, die sie wieder zerschlugen. Es wird Zeit, zurückzuschlagen!”
      “Und wieso ausgerechnet da, wo sie am stärksten sind?”
      “Eben weil sie es dort nicht erwarten!”
      “Ich sag‘ Euch mal was, Stephe! Herodotus ist von der Front aus gesichert durch Minenfelder. Minenfelder in allen Systemen, durch die man den Planeten im Slipstream erreichen könnte! Dann noch Minen im Herodotus-System, ganz zu schweigen von planetaren und orbitalen Verteidigungssystemen. Raketenwerfer, Plasmakanonen, Gauss-Kanonen, Railguns, Lasergeschütze, die ganze Palette. Habe ich die Heimatflotte von Herodotus schon erwähnt? Nein? Na gut. Sie ist mindestens so stark wie die Kampfgruppe, die wir hier zusammenstellen können. Die blasen uns schon weg, wenn wir zehn Sprünge in die Nähe dieser Welt kommen! Das ist Selbstmord!”

      “Und genau da kommt Ihr ins Spiel! Operation “Strike Backlash” kann ohne Euer Sondereinsatzkommando gar nicht funktionieren. Aber ich habe schon einen Plan: Eines unserer Spionageteams hat einen Asteroiden gefunden, von dem aus die Draganer das Minenfeld kontrollieren. Es heißt Gamma 224b5. Ihr geht da rein, polt das Feld auf unseren Sender um, Draganer kommen, Draganer machen Boom und Herodotus gehört uns”
      “Das hört sich ja verdammt einfach an”, sagte Laco sarkastisch. “Soll ich Euch etwas aus dem Souvenirshop mitbringen, wenn ich die Basis gestürmt habe?”
      “Laco. Wir wissen, dass es ein verdammt schwieriger Auftrag wird, aber habt Ihr jetzt das goldene Argosy-Special-Operations-Abzeichen oder habt Ihr es nicht?”
      “Stephen, das ist glatter Selbstmord. Wie sollen wir da reinkommen? Und vor allem: Wie wieder raus?”
      “Ich hab‘ da einen Plan...”

      Der Plan des Commodores hatte Laco nicht wirklich gefallen. So riskant. Wenn nur ein Schritt in seinem Plan nicht funktionieren würde, könnten die Drago-Kazov, denen dieses System gehörte, die Flotte des Commonwealth problemlos in Stücke sprengen. Die Ikarus hatte einen leistungsstarken Slipstream-Antrieb. Es war durchaus möglich, dass man es mit ihr mitten ins System schaffte, ohne entdeckt zu werden. Dabei war sie ja ein größeres Raumschiff. Aber unbemerkt mit einem Tarn-Transporter an der Station anzudocken... das war wohl unmöglich. Laco musste einen Plan aufstellen. Er sollte wohl einen Zug Lancer zur Ablenkung mitschicken. Er würde auch gehen. Eine gute Argosy-Truppe für so eine Mission sollte aus nicht mehr als vier Mann bestehen. Tarik eventuell. Er war Nietzscheaner, wenn man ihn in die richtige Uniform steckte, konnte man ihn überall hinschicken und der Feind würde keinen Verdacht schöpfen. Außerdem brauchte er noch jemanden, der sich mit dem Anschließen eines Senders besser auskannte, als Laco. Caton eventuell, der Typ war genial. Aber der Perseide war so ängstlich, nicht geschaffen für Stresssituationen. Er konnte ihn auf keinen Fall mit ins Kreuzfeuer nehmen. Aber er wusste niemanden, der ein vergleichbar guter Techniker war. Er würde den Perseiden mitnehmen. Eventuell noch einen guten Piloten. Da kannte er nur einen und er verwarf die Idee so schnell, wie sie ihm gekommen war.
      “Ikarus, teile Commander al Ashraf und Mr. Caton mit, dass ich sie um 4:00 auf dem Observationsdeck sprechen möchte!”
      “Ja, Sir”

      Laco musste derweil noch seine neue Kampflanze auspacken und auf seine DNS eichen. Er nahm den blauen Banner des Commonwealth ab und sah erstaunt, dass es keine normale Metallschachtel, sondern ein Kästchen aus weißem Material war. Vielleicht synthetisches Elfenbein. Vielleicht auch Echtes. Er öffnete es behutsam. Auf rotem Samt lag eine neue Waffe. Aber keine gewöhnliche. Es war weder eine blaue Ulanenlanze, noch ein bronzefarbene Argosylanze. Sie war von vorne bis hinten glänzend schwarz. Nur einzelne Stellen waren golden, zum Beispiel die Aussparungen an der Seite oder die kleinen Schlitze am Mittelteil der Lanze. Sie sah so edel aus. Der Abzug war mit einem wahrscheinlich synthetischem Diamanten besetzt. Obwohl sie aussah, wie eine Waffe, mit der man nicht feuern kann, wusste Laco doch, dass sie wohl tödlicher war, als alles andere, was er jemals in der Hand gehabt hatte. In der Schachtel lagen auch noch andere Teile. Eine Energiezelle, die ein “Radioaktiv”- Symbol trug, ein Effektorspeicher, ein Materiespeicher, und ein Holoemitter. Laco berührte die Kampflanze.
      “Waffe auf Ihre DNS geeicht. Name?”
      “Laco nax Agros”
      Er nahm die Waffe aus der Schachtel und den Holoemitter in die Hand. Er aktivierte ihn und sah wenig überrascht das Gesicht Actraos. Der Anführer der kaiserlichen Klingen, wie Laco schlagartig bewusst wurde, begann zu sprechen.

      “Wenn Ihr diese Kampflanze jetzt in Euren Händen haltet, seid Ihr Mitglied in unserer Bruderschaft. Ich werde Euch nun mit der Bedienung dieser Kampflanze vertraut machen.
      Diese Kampflanze besteht wie die anderen auch aus Feryllium. Dieses eines der widerstandsfähigsten Materialien, die uns bekannt sind. Der Effektorspeicher ist der selbe wie bei anderen Kampflanzen, genau wie der Materiespeicher. Anders ist die Energiezelle. Es ist eine Plutoniumzelle, die einiges mehr an Energie liefert, als eine Herkömmliche. Sie ist mit biologischem Strahlenschutz versehen, es besteht also keine Gefahr. Man kann die Lanze auch an einen Ehrengarde- Energieanschluss schließen, dadurch wird die Zelle mittels Nanotechnik aufgeladen. Notfalls kann man sie auch aus der Kampflanze entfernen und zu einem winzigen strahlungsarmen nuklearen Sprengkopf umbauen. Danach kann man die Kampflanze auch mit einem Standardenergiespeicher versehen. Baut jetzt die Plutoniumzelle in die Lanze ein!”
      Laco nahm die Kampflanze, zog am Ledergriff und drückte ihn auf der anderen Seite ein, bis die Kamflanze aufsprang. Er nahm die Energiezelle und baute sie ein. Waffen zu zerlegen und wieder zusammenzubauen beherrschte er blind.
      “Jetzt nehmt den Effektorspeicher und setzt ihn am vorderen Ende des Laufes ein!”
      Gesagt, getan.
      “Nun müsst Ihr nur noch den Materiespeicher einbauen. Euch wird auffallen, dass noch etwas Platz bleibt. Da könnt Ihr Metallteile einlegen, die von den Nanobots zu Munition umgebaut werden”
      Das war wirklich interessant. Eine Funktion, die wohl oft nützlich war, da nie die Geschosse ausgingen. Und Energie hatte die Lanze jetzt wirklich genug!

      “Kommen wir zu den Funktionen.
      Erstens: Standardfunktion: Eingefahren kann die Kampflanze in beide Richtungen Effektoren abfeuern. Es ist eine intelligente Waffe und merkt an der Haltung, in welche Richtung die Geschosse abgefeuert werden sollen. Ist der Effektorspeicher leer, kann nicht mehr gefeuert werden. Allerdings hat er eine sehr hohe Kapazität. Gleiches gilt für die ausgefahrene Kamfplanze.

      Zweitens: Abwehrfunktion: Die Kampflanze feuert mit ihren Effektoren automatisch auf feindliche Munition und schützt somit Euch und Eure Männer. Die Präzision ist einwandfrei.

      Drittens: Kampfstab: Mit einer geringen Drehung am Griff fährt sich die Kamfplanze zum Kampfstab aus. Er ist äußerst widerstandsfähig und perfekt für den Nahkampf geeignet.

      Viertens: Schockstab: Der ausgefahrene Kampfstab kann bei Bedarf auch geladen werden. In verschiedener Intensität kann er bei Berührung einen Feind schocken bis töten. Es ist auch möglich, auf geringe Distanzen Energiestöße abzufeuern.

      Fünftens: Plasmafeuer: Die Kampflanze kann einen intensiven Strahl Plasma abfeuern. Mögliche Verwendungen sind das Öffnen von Toren oder der Zerschuss von feindlichen Stellungen. Die Intensität des Feuers kann individuell eingestellt werden. Die Kamflanze benutzt für das Plasma entweder Umgebungsmaterial, soweit vorhanden, oder Material aus dem Materiespeicher.

      Sechstens: Greifhaken. Es ist möglich, mit der Kampflanze Greifhaken abzufeuern. Auch ist ein 100-Meter- Nanokabel enthalten. Für längere Strecken muss eigens Kabel benutzt werden. Das Nanokabel kann ca. 200 kg tragen.

      Siebtens: Taschenlampe: Durch einen geringen Ausstoß Plasma wird Licht erzeugt.

      Achtens: Schneide-bzw. Schweißwerkzeug: Durch eine etwas höhere Ladung Plasma wird aus der Kampflanze ein Werkzeug, mit dem man einfach Türen ect. öffnen kann.

      Neuntens: DNS-Eichung: Mittels Eichung auf DNS kann die Kampflanze nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich gemacht werden. Die Eichung erfolgt durch die Berührung im passenden Modus. Allen Anderen kann ein Stromschlag einstellbarer Intensität verpasst werden.

      Zehntens: Schnellfeuermodus: Eingefahren und ausgefahren kann die Kampflanze den Schnellfeuermodus verwenden. In der Sekunde werden mehrere Hundert Geschosse abgefeuert. Es empfiehlt sich, Standardmunition zu verwenden, da die größeren Effektoren sonst sehr schnell verbraucht werden.

      Elftens: Nanofeuermodus: Durch das Abfeuern von Nanobots kann ein Gegner auf Distanz bewusstlos gemacht oder ohne Spuren zu hinterlassen, getötet werden. Dieser Modus sollte aufgrund der begrenzten Nanitenanzahl sparsam eingesetzt werden.

      Zwölftens: Mono-Molekularpeitsche: Diese Kampflanze kann geladen und zu einer M-Peitsche gemacht werden. Dieser Modus ist sehr energieintensiv. Es sollte beachtet werden, dass eine M-Peitsche alle Materialien durchdringen kann und so nicht für die Benutzung auf einem Raumschiff geeignet ist. Vor der Benutzung sollte viel geübt werden, da es sehr schwierig ist, diese Waffen zu kontrollieren. Es wird zu äußerster Vorsicht geraten!

      Diese Waffe ist eine edle Waffe! Behandelt sie so!
      Lang lebe die Kaiserin!”
      Das Hologramm verschwand.

      Laco sah lächelnd auf sein neues Spielzeug hinab. Er drehte an dem goldenen Ring vor dem Ledergriff, welcher die Lanze umspannte. Ein orangeroter etwa fingerlanger Strahl trat aus der Kampflanze hervor. Die Mono-Molekularpeitsche. Langsam pulsierte der Strahl. So kurz war diese Peitsche? Was konnte da schon passieren? Ganz leicht schwang Laco die Lanze. Der auf mehrere Meter Länge angewachsene Strahl durchschlug mit Leichtigkeit die ovale Tür seines Quartiers. Schnell schaltete er das Teil ab und steckte die Kampflanze weg.
      “Ähm, Ikarus?”
      “Alles gesehen, Captain”, sagte eine Stimme.
      “Sei doch so gut und schick‘ ein paar Nanobots hier runter, die das... du weißt schon”
      “Ja, Sir!”
      “Ach, Ikarus. Wie spät ist es?”
      “4:02:32”

      Laco musste los. Es sah nicht gut aus, wenn sich ein Captain verspätete. Die Tür öffnete sich, gab aber ein Knirschen von sich. Der Vedraner rannte den Gang entlang, bog zwei mal ab, rannte eine Schräge hinunter und hatte auch schon die breite Panzertür des Observationsdecks erreicht. Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, setzte er sich zu Tarik und Caton.
      “Ich habe den Bericht durchgelesen. Kannst du vergessen! Ich bin kein Selbstmörder!”, sagte Tarik.
      Der Perseide fügte hinzu: “Ich kann mich der Meinung meines werten Vorgesetzten nur mit bestem Gewissen anschließen. Die Wahrscheinlichkeit, dass so eine Mission von Erfolg gekrönt sein wird, ist, meines Erachtens nach, relativ gering!”
      “Wir müssen es nur richtig anstellen. Ich werde euch jetzt meinen Plan mitteilen. Danach heißt es “üben, üben, üben”. In der VR-Matrix können wir die Mission so oft durchspielen wie wir wollen”
      Tarik sagte misstrauisch: “Und wenn irgendwas anders ist, als geplant, sind wir tot”
      Laco bestellte sich ein Bier und sagte:
      “Wir werden mit der Ikarus mitten ins System springen. Mitten in den Asteroidengürtel. Sie werden uns nicht sehen! Dann alle Energie abstellen, um nicht von den Minen vaporisiert zu werden.
      Dann starten wir einen Tarn-Transporter und lassen uns zu dem Kontrollasteroiden treiben. Wir docken unbemerkt an einer der Rettungskapseln an. Ein Zug Lancer rückt in Richtung Kommandozentrum vor. Wir drei gehen in Richtung Sendebasis und bauen unbemerkt eine Bombe ein. Dann wird Tarik unter die Nietzscheaner geschleust, die versuchen, ihr Kommandozentrum zu verteidigen. Durch das HUD kann dir Mr. Caton helfen, einen Sender einzubauen, der die Minen auf unser Signal laufen lassen wird. Die Übers werden nichts bemerken, da sie in eine Schießerei verwickelt werden. Wenn das geschafft ist, ziehen wir uns zum Transporter zurück, fliegen in Richtung Ikarus ab und springen in den Slipstream. Was sagt ihr?”
      “Idiotisch, selbstmörderisch, geisteskrank, unmöglich”
      Caton sagte: “Wieso denn die Ikarus in Gefahr bringen? Könnten wir nicht gleich den Transporter nehmen?”
      “Nein, das könnten wir nicht. Die Ikarus hat starke GFG-Linsen, dadurch können wir auch im Asteroidenfeld in den Slipstream gehen und müssen nicht an den Rand des Systems.”
      “Keine Erfolgsaussichen, keine Überlebenschancen”, folgerte der Nietzscheaner.
      Laco sagte: „Hey. Ich brauch dich'“
      Tarik sah den Vedraner gequält an. „Gut. Ich bin dabei!“

      Der Tag war gekommen. Die Argosy-Truppe hatte in der letzten Woche so viel trainiert, die Mission musste einfach klappen. Der Kommandostab der Flotte hatte sich ein letztes Mal auf Langoan-Drift getroffen. Commodore Warrick war in den letzten Tagen immer unruhiger geworden, wie ein Wolf. Er war nervös, weil er die Kampfgruppe in die Schlacht führen würde. Die Pax Magellanic war das Flaggschiff der Flotte. Dazu gesellten sich Zerstörer der Righteous Fist of Heaven Klasse, die die nötige Feuerunterstützung gaben. Die Pride of Kaldera Schiffe gaben der Kampfgruppe den nötigen Feuerschutz. Dazu gab es noch alles an Korvetten und Fregatten aller Art. Auch einige Träger für Slipfighter bzw. Kampfdrohnen hatten sich zur Flotte gesellt. Auch schwere Kreuzer hatten sich hier versammelt. Sie sahen so ähnlich aus wie die XMCs, allerdings leichter gebaut. Sie waren eine Art “Zwischenstufe” zwischen den eben genannten und den Eternal Vigilance Schiffen. Die erste Kampfgruppe würde sofort angreifen. Später würde noch eine Flotte Träger hinzukommen, die vor allem für planetare Einsätze konzipiert waren. Den Höhepunkt bildeten drei Träger der Victory‘s Crucible Klasse. Einige der Schiffe konnte man von den Fenstern des Konferenzraumes aus gut erkennen.
      “Denkt Ihr, dass wir siegen können?”, fragte Warrick in die Runde
      Betretenes Schweigen und vereinzeltes Kopfschütteln folgte.
      “Wir werden die Heimatflotte von Herodotus in das System von Gamma 224b5 locken. Sie werden die umgepolten Minen zu spüren bekommen. Wir können sie einfach auslöschen.
      Als Warrick wegsah, tippte sich Tarik an die Stirn.
      “Laco nax Agros. Admiral Stark vertraut Euch. Ich vertraue Admiral Stark. Egal was passiert, ich schicke morgen meine Flotte da rein!”
      “Ich werde Euch nicht enttäuschen, Sir”, sagte Laco.
      Warrick schloss die Versammlung mit: “Ich erwarte, dass alle ihr Bestes geben!
      Wegtreten!
      Lang lebe die Kaiserin!”

      Die Ikarus war bereit in den Slipstream zu springen.
      “Steuermann! Bring uns rein!”
      Ein silberblaues Slipportal öffnete sich vor der Ikarus und zog sie hinein. Sie ließen Langoan-Drift hinter sich. Es ging wenige Minuten lang das silberne Netz von Strings entlang, bis sich ein Ende zeigte und der Käfer das Schiff aus dem Slipstream steuerte. Sogleich wurde alle Energie abgestellt. Die Beleuchtung fiel aus, die Bildschirme blieben schwarz. Laco machte sich auf den Weg zum Hangar, wo der Transporter bereitstand. Niemand schien die Ikarus entdeckt zu haben, das verschlungene Design hatte sich also bezahlt gemacht.
      Laco hatte bereits seinen Kampfanzug angezogen und sich bewaffnet. Er zog seinen Helm heraus und klappte ihn auf. Es war die selbe Technik wie bei den Kampflanzen. Daraufhin sah er den Perseiden Caton im Raum stehen. Er sah im Kampfanzug so dämlich aus, dass sich Laco das Lachen nicht verkneifen konnte. Tarik war eben aufgetaucht und sagte:
      “Was gibt's da zu lachen? Wir sind so gut wie tot!”
      “Beachte einfach nur die drei P und die Sache läuft”
      “Aber sicher doch!”
      “Pessimist!”
      Die Lancer hatten sich bereits in zwei Truppen zu je 15 Mann und einem Anführer aufgeteilt. Die Aufgabe der Alpha-Truppe war es, einen Scheinangriff durchzuführen, um von der Argosy-Mission abzulenken. Die Bravo-Truppe hatte dafür zu sorgen, dass sie auch wieder heil rauskamen. Chiquon betrat den Hangar. Leider war er der beste Pilot an Bord und somit am Besten geeignet, den Transporter zu fliegen. Die Soldaten gingen an Bord. Die Anführer tauschten noch letzte Worte aus, dann hob das Shuttle ab, schaltete die Maschinen aus und ließ sich in Richtung Kommandoasteroid treiben.

      Nach einem viertelstündigen Flug erreichten sie den Felsbrocken. Durch leichtes Zünden der Manövrierdüsen setzte der Transporter sanft auf der Oberfläche auf. Direkt über einer Rettungskapsel. Man hörte das Zerbersten von Metall, dann öffnete sich die Luftschleuse. Da nicht richtig angedockt war, wurde augenblicklich die ganze Luft aus der Luftschleuse und der Rettungskapsel gesaugt. Da die Lancer das erwartet und bereits ihre Helme aufgesetzt hatten, war das jedoch kein Problem. Sie öffneten die Luke der Rettungskapsel und stiegen in die Station. Danach schlossen sie sie wieder. Der ganze Zug hatte es problemlos in die Festung geschafft. Jetzt trennten sich die Wege. Während der Beta-Trupp sich verstreute und versteckte, versuchte der Alpha-Trupp, unbemerkt in die Nähe des Kontrollzentrums zu kommen. Laco, Tarik und Caton machten sich auf dem Weg zur Sendebasis. Tarik war so uniformiert, wie ein nieztscheanischer Marine. Über seiner Schulter hing ein Gewehr, an seiner Seite eine Pistole vom Typ 1. Er ging vorraus, der Vedraner und der Perseide folgten ihm in einigen Metern Abstand. Ab und zu kamen sie an anderen Nietzscheanern vorbei, die sie jedoch nicht sahen. Für Laco war jeder Schritt so lang wie eine Meile und jeder Atemzug schien eine Stunde zu dauern. Ein weiterer Marine passierte Tarik. Laco und Caton drückten sich in die Nieschen an den Seitenwänden, aber der Soldat sah sie. Bevor er „Hey“ schreien konnte, hatte ihm Commander al Ashraf ein schmales Lederband um den Hals gelegt und strangulierte ihn. Der Soldat versuchte mit aller Kraft am Band zu zerren, war aber nicht stark genug. Im Schatten stehend versuchte der Nietzscheaner fast zwei Minuten lang, das Band von seinem Hals zu bekommen, bis er schließlich bewusstlos wurde und dann starb. Ein weiterer Feind hatte Tarik aber gesehen. Er zog seine Waffe und hielt sie dem Ehrengarde-Offizier an den Kopf.
      „Verräter! Du hast einen von uns ermordet!“
      „Nein, ich habe dem besoffenen Idioten nur zu seinem Quartier helfen wollen, als er gestürzt ist!“
      Der andere Soldat glaubte ihm kein Wort.
      „Los, knie dich hin, wir erledigen es gleich jetzt.“
      „Sieh doch, nach, er ist nur bewusstlos! Ich schwöre es bei meiner Ehre als Soldat des Nietzscheanischen Imperiums!“
      Er hob seinen Arm zum typischen nietzscheanischen Gruß, und zeigte ihm seine Knochenklingen. Der Feind nahm die Pistole runter und erwiderte den Gruß. Laco sah zu, als Tarik blitzschnell seine Klingen ausfuhr und dem Nietzscheaner in die Brust rammte. Immer und immer wieder. Seiner Kehle konnte kein Schrei mehr entrinnen. Als er zu Boden glitt, war er tot.
      Tarik bemerkte: „Danke für die Hilfe, ihr Helden!“
      Als Laco hilflos mit den Schultern zuckte, machte Tarik eine Kopfbewegung in Richtung der Toten. Sie nahmen sie und verstauten sie in der nächstbesten Nische. Allerdings mussten sie aufpassen, kein Blut auf dem Boden zu verspritzen, um keine Spuren zu hinterlassen.
      Sie gingen weiter in Richtung Sendebasis. Als sie die schwere rechteckige Panzertür erreicht hatten, warteten sie in einer Ecke darauf, dass McDill seinen Angriff begann. Signal konnten sie keines schicken, da sie sonst ihre Anwesenheit verraten hätten. Es dauerte lange, bis endlich der Alarm ertönte. Tarik benutzte das Kommunikationssytem und meldete den Marines in der Sendebasis:
      „Achtung! Kommandostation wird überfallen! Sofort alle ausrücken!“
      Das Schott öffnete sich und ein Trupp nietzscheanischer Soldaten kam heraus. Das Argosyteam saß im Schatten und sprang auf, bevor sich das Schott wieder schloss. Gerade rechtzeitig sprangen sie durch die rechteckige Tür. Nur ein Offizier saß noch auf seinem Platz und überwachte die Vorgänge. Alle waren bestens ausgebildet, daran bestand kein Zweifel! Blitzschnell zückte er seine Waffe, jedoch nicht schnell genug. Eine Ladung Naniten aus Lacos Lanze tötete den Nietzscheaner ohne Spuren zu hinterlassen.
      Jetzt musste alles schnell gehen. Wie geplant verteilten sie sich über das Zentrum.
      An der Lanze drehen. Die Wandverkleidung abnehmen. Die Kabeln auseinanderdrücken. Das Plasma der Kampflanze bohrte sich in die Wand. Das geschmolzene Metall lief hinab. Das Loch abkühlen. Alles lief streng nach Zeitplan. Die Atomgranaten einführen. Den Zünder justieren und mit einem Datalinksignal versehen. Das ersparte aufwändige Verkabelung. Eine kleine Metallplatte nehmen und über die Stelle schweißen. Kabel zurück, Wandverkleidung wieder anbringen. Das selbe drei mal in kürzester Zeit. Für jeden. Schließlich hatten sie es dann doch geschafft.
      „Hoffentlich fällt es nicht auf“, sagte Caton.
      „Tarik, ab zum Kontrollzentrum! Caton, Ihr kommt mit mir!“
      Laco warf sich die Leiche des Nietzscheaners über die Schulter. Die Tür öffnete sich nicht.
      „Verdammt“, sagte Tarik. „Wir sollten uns durchschießen!“
      „Auf keinen Fall!“, antwortete Laco. „Die dürfen nicht wissen, dass wir hier waren!“
      Commander Caton hatte sich aber schon etwas anderes überlegt und war dabei, die Türsteuerung kurz zu schließen. Augenblicke später öffnete sich das Schott und sie konnten hindurch treten. Tarik trennte sich von ihnen. Die beiden übrig gebliebenen machten sich auf dem Weg zum Alpha-Trupp. Als Laco und Caton an den Leichen der nietzscheanischen Marines vorbeikamen, warf sich der Vedraner den erdrosselten über die andere Schulter.
      „Commander! Nehmt Ihr den Anderen. Passt auf, dass kein Blut auf den Boden tropft!“
      „Ja, Sir“
      Angeekelt packte der Perseide den toten Körper des Sodaten und trug ihn in seinen Händen fort. Er meinte: „Wenn uns jetzt jemand sieht, sind wir tot!“
      „Das könnt Ihr laut sagen“
      Das Glück war auf ihrer Seite, und sie konnten die Stelle, von der der Alpha-Trupp aus das Kontrollzentrum angriff, erreichen. Sie legten die drei toten Körper auf den Boden, natürlich nicht alle nebeneinander. Es musste so aussehen, als wären sie mit einer Schießerei mit den Lancern umgekommen. Was er nun tun musste, ekelte Laco an, aber es musst sein. Er zog die beiden Kampflanzen und feuerte mit der Hinterseite je zwei Effektoren auf die toten Körper. Das Blut spritzte, und es sah wirklich so aus, als wären sie im Kampf gefallen. Auch den dritten musste er so entstellen, allerdings war es hier schwieriger, da dieser auch die Klingenwunden hatte. Nach getaner Arbeit wirbelte er seine Waffen herum und steckte sie zurück. Caton hatte sich bereits mit Hilfe seines Dataports verlinkt, um Tarik die nötigen Anweisungen zu geben. Dieser Teil der Mission sah vor, dass ein neuer Sender eingebaut wurde, der die Minen auf Ehrengarde-Signaturen abstimmte. Dies war allerdings schwierig, da der Sender nicht entdeckt werden durfte, und er mitten im Kontrollzentrum eingebaut werden musste. Aber Tarik brachte das schon irgendwie unbemerkt hin. Das Panzerschott war schon fast zerschossen. Die Ulanen hatten ihre Stellungen eingenommen, um einen Gegenangriff aufhalten zu können.

      Die Tür wurde von innen aufgesprengt. Schüsse fielen durch den Rauch, die Lancer schossen zurück. Das Feuergefecht dauerte einige Minuten an, dann stellte sich heraus, dass die Marines den sechzehn Mann der Ehrengarde überlegen waren. Sie stürmten heraus, warfen sich zu Boden und konnten so auf die gedeckten Lancer schießen. Zwei Mann fielen. McDill rief zum Rückzug. Laco schrie: „Nein! Stellungen halten, wir müssen unbedingt die Stellung halten!“ Nachdem ein weiterer Soldat gefallen und drei schwer verletzt worden waren, zog sich die Garde schließlich zurück. Laco blieb an Ort und Stelle, um den operierenden Techniker zu schützen. „Mathew! Lockt sie weg!“ Der Rückzug der Männer tat seine Wirkung. Ein Großteil der Nietzscheaner folgte den Soldaten.

      Lediglich fünf waren zurückgeblieben und feuerten auf Laco. Sie waren zu weit entfernt, um zu treffen. Seine ECM-Einheit lenkte all ihre Kugeln vorbei. Laco erwiderte das Feuer. Die Effektoren aus seiner Kampflanze streckten zwei von ihnen nieder. Es waren intelligente Geschosse, die es tatsächlich schafften, auch auf Distanz und trotz ECM-Generatoren zu treffen. Die Marines sahen ein, dass sie nicht trafen und versuchten, die Distanz zu verringern. Der Vedraner fuhr seine neue Kampflanze aus. Er schwang den glänzend schwarzen Kampfstab und rannte auf seine Feinde zu. Durch einen Rundumschlag auf ihre Waffen konnten sie ihn nicht mehr treffen. Sie schlugen auf ihn ein. Es war schwierig, sie soweit zu kontrollieren, dass niemand schießen konnte. Minutenlang dauerte das Gefecht an. Einer der Marines packte Lacos Lanze und zerrte daran. Seine durch einen Elektroschock getötete Leiche fiel zu Boden. Der andere hechtete sich auf Laco und riss ihn zu Boden. Sie rangen um die Überhand, die schließlich an den Nietzscheaner ging. Er richtete sich auf, und versuchte, mit seinem Stiefel Laco ins Gesicht zu treten. Doch dieser kam ihm zuvor. Er zog seine zweite Kampflanze und erschoss ihn. Der letzte hatte jedoch Zeit gehabt, Verstärkung anzufordern, seine Pistole zu ziehen und auf Laco zu zielen. Er schloss mit seinem Leben ab. Der Über zog den Abzug, das Geräusch zweier Kugeln ertönte und – Laco war nicht tot. Der Nietzscheaner schoss noch öfter, traf aber nicht. Anscheinend gab Laco irgendwer Feuerschutz. Er griff seinen Kampfstab wieder und wollte auf den Feind losgehen, als weitere Marines auftauchten. Laco ging in Deckung und schoss. Er traf nicht. Doch Sperrfeuer kesselte ihn ein. Er konnte sich nicht mehr zum Schießen erheben, die Nietzscheaner arbeiteten sich langsam vorwärts.

      Jetzt war er sicher tot. Er kniete sich schützend über den Perseiden und schoss blind. Er konnte den Vormarsch der Feinde etwas aufhalten, Caton brauchte mehr Zeit. Die Offensive war zu stark. Sein mysteriöser Feuerschutz musste sich zurückziehen. Laco sprang auf, hechtete sich auf den Gang und schoss wieder. Die Marines gingen in Deckung. Als sie wieder nach vorne sprangen, musste sich Laco wieder zurückziehen. Mündungsfeuer und Rauch erfüllte den Korridor. Caton zog gerade den Übertragungsstecker aus seinem Dataport, als einer der Nietzscheaner vorsprang und direkt auf die beiden losging. Laco rang mit ihm.
      „Caton! Schieß“
      Der Perseide hatte vor Angst schützend die Hände vor das Gesicht gepresst.
      „Verdammt, Schieß endlich!“
      Der Ingenieur zog die Kampflanze und zielte auf den Nietzscheaner, traute sich aber nicht abzudrücken.
      „Bring ihn um! Oder ich bring dich um!“, schrie Laco.
      Caton drückte ab. Der Nietzscheaner brach zusammen. In diesem Moment erfüllte ein Feuerball den Korridor, Leichen flogen durch den Raum. Das war sicher nicht Caton gewesen!
      Tarik al Ashraf schritt langsam erhobenen Hauptes durch den Rauch auf die beiden Offiziere zu.
      Alle Nietzscheaner hier waren tot – bis auf Tarik. Laco atmete durch.
      „Gehen wir, oder was?“, fragte Tarik.
      Caton war auch schon wieder zu sich gekommen und sagte: „Wir sind nicht mehr im Zeitplan. Der Bravo-Trupp wurde angegriffen und sie halten sich nicht gut. Wenn wir Pech haben, kommen wir nicht mehr zurück!“
      „Gut, gehen wir!“, sagte Laco.

      Der Mann, der ihm Feuerschutz gegeben und ihm somit das Leben gerettet hatte, war First Signifer Fletcher, der Ulan, der ihn am ersten Tag an Bord zu seiner Kabine gebracht hatte. Er kauerte im Schatten und war wohl leicht verletzt.
      „Habt Ihr Schmerzen? Können wir gehen?“
      „Ja, Sir. Es muss gehen. Geht Ihr voraus. Ich gebe Euch Feuerschutz, Sir“
      Der kleine Trupp machte sich auf den Weg zurück zum Shuttle.
      „Und?“, fragte Laco.
      Tarik sagte: „Ich hab' genau das gemacht, was mir der Perseide gesagt hat. Und eines sag' ich dir: Das Teil entdeckt niemand. Ich bin auch unbemerkt“- Er schoss einen passierenden Feind ab. „Ich bin auch unbemerkt wieder rausgekommen. Das wird heftigst knallen, das sag ich dir.“ Bald trafen sie auf die Überreste ihres Zugs. Sie hatten ein Feuergefecht mit Feinden, die den Weg zum Shuttle blockieren. Laco fragte McDill:
      “Wie groß sind die Chancen, dass wir hier heil durchkommen?“
      „Ich würde sagen, sie reichen von sehr, sehr gering bis zu nicht vorhanden!“
      „Sagt allen, sie sollen die Helme anziehen, und sich festhalten!“
      „Sir?“
      „Tu es!“

      Laco hatte einen Plan. Schnell setzte er seinen eigenen Helm auf. Wenn sie blieben, würden sie sterben. Wenn sie diesen Plan durchzogen, war zwar die Wahrscheinlichkeit, dass sie sterben würden, auch relativ hoch, allerdings konnten sie ja nichts verlieren!“
      Der Vedraner feuerte zwei Effektoren. Dann überquerte er den Korridor. Eng an die Wand gepresst zog er seine schwarze Kampflanze. Langsam drehte er den goldenen Ring, stellte sich der Wand gegenüber und drückte den Abzug durch. Das pulsierende Ende einer Mono-Molekularpeitsche erschien. Wie ein Verrückter drosch Laco auf die Wand ein. Durch tiefe Schnitte wurde die Luft in den Weltraum hinaus gesogen. Immer wieder hämmerte er, bis schließlich die Hülle ächzend nachgab und sich ein großes Loch in der Wand bildete. Aber nicht groß genug. Schlag um Schlag vergrößerte sich die Öffnung und schreiend stürzte ein Nietzscheaner in den Raum.
      Als Sicherheit wollte Laco ein weiteres Mal die Öffnung vergrößern, verschätzte sich aber. Der Sog war so groß, dass der Vedraner von den Beinen gerissen wurde und ins endlose All hinaustrieb. Er rief über seine im Helm integrierte Kommunikationseinheit nach Hilfe.
      „Captain Agros wurde in den Weltraum hinausgesogen!“, meldete ein Lancer.
      Darauf hin hörte man Catons Stimme: „Hinausgeblasen!“
      Fieberhaft überlegte Laco, was er tun konnte. Dann nahm er die Kampflanze, stellte sie auf „Nanokabel“ und feuerte es in Richtung Basis. Es hakte gerade noch ein. Zwei Meter mehr und es hätte nicht mehr gereicht. So jedoch konnte er sich am Kabel entlangziehen.

      Die wenigen übrig gebliebenen Ulanen kletterten langsam aus der Station heraus. Die Helme gaben für kurze Zeit die Möglichkeit, auch im Weltraum zu operieren. Jedoch sollten sie sich auf den Weg machen, zum Shuttle zu kommen. Langsam gingen sie, einander an den Händen haltend, auf dem Asteroiden entlang. Der Transporter stand noch immer reglos an der selben Stelle wie vorher. Tarik sprach Laco an.
      „Captain, wir können nicht starten“
      „Wieso“, fragte Laco.
      „Ihre Fighter sind bereits ausgeschwärmt. Wenn wir jetzt fliegen, dann schießen sie uns mit Sicherheit in Stücke!“
      „Dann fliegen wir eben nicht!“, war die Antwort des Vedraners.
      Sie näherten sich dem Transporter. Niemand hatte ihn entdeckt.
      Das Shuttle war kleiner als die anderen Standardtransportschiffe. Die richtig Großen waren teilweise länger als hundert Meter, dieses hier war wohl nur etwa zwanzig Meter lang, etwa wie ein Slipfighter.
      Die Luftschleuse öffnete sich und die Ulanen betraten das Schiff. Sie nahmen die Helme ab. Chiquon, der im Schiff gebliebenen war, salutierte.
      „Sir, wir sind bereit zum Abflug, Sir“
      „Wie dämlich kann man sein, verdammt? Wenn wir die Maschinen hochfahren, schießen die uns in Stücke, da müsstest sogar du drauf kommen!“ Er hatte versucht, den Käfer zu kränken, allerdings war ihm das anscheinend nicht gelungen.
      „Ja, Sir. Verzeihung, Sir.“
      „Leute, ich will, dass sich jeder einen Raumanzug besorgt. Einen echten, mit dem man notfalls tagelang im Raum schweben kann!“
      Die Männer eilten zum Frachtdeck: „Und ein bisschen Bewegung. Je länger wir hier sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, entdeckt und aus dem All gesprengt zu werden.“ Zu Chiquon sagte er: „Hey, du! Ich will den Autopilot aktiviert haben, sie sollen das leere Schiff zerstören!“
      „Aye, Sir“
      Der Käfer eilte davon. Auch Laco schlüpfte nun in einen Raumanzug. Das Modell für die Vedraner hatte vier Beine, von ihnen gab es auf dem Schiff nur zwei Stück. Es dauerte etwa zehn Minuten, bis alle ihre Anzüge angelegt hatten und zum Start bereit waren. Die Luftschleuse wurde geöffnet, sie nahmen sich an den Händen und trieben ins All hinaus. Per Fernsteuerung aktivierte der Shuttle seine Energie und hob ab. Er flog in Richtung Rand des Systems. Bald war er verschwunden. Die Nietzscheaner sahen nun also den Trupp im Frachter flüchten und zerstörten ihn. Er war ein genialer Plan gewesen. Der Shuttle war außer Sichtweite. Die Männer begannen nun damit, ihre Düsen so zu justieren, dass sie auf die nahe Ikarus zuflogen. Die einfachsten Methoden waren doch oft die besten. In der Ferne sah man eine Explosion. Die Nietzscheaner hatten den Köder geschluckt und das Schiff vernichtet. Damit wurden sie nicht länger verfolgt.

      Es hatte Stunden gedauert, doch endlich kam die Ikarus in Sichtweite. Es war mit Sicherheit das schönste Schiff, das je gebaut worden war. Diese geschwungenen Formen... ein Meisterwerk aus der Baukunst der Ehrengarde. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis sie das Schiff erreicht hatten, die Antriebe der Raumanzüge konnten ja schließlich sehr stark beschleunigen.

      Die Tore des Hangars der Ikarus öffneten sich langsam. Der kleine Trupp Überlebender glitt sanft hinein – bis die künstliche Schwerkraft sie in ihren Bann zog. Sie fielen sehr unsanft zu Boden. Laco fluchte und riss den Helm vom Kopf, sobald sich die Tore geschlossen hatten. Er atmete die in den Raum strömende Luft langsam und tief in sich hinein. Commander Elacta kam zur Begrüßung. Sie waren gerade dabei, die restlichen Teile der Raumanzüge von ihren Körpern zu entfernen.
      „Und? War Eure Mission ein Erfolg?“, fragte die Than.
      „Wir werden sehen...“
      „Sollen wir das System verlassen?“
      Tarik antwortete: „Auf keinen Fall! Diese Idioten glauben, dass unsere Mission ein Fehlschlag war und wir beim Flüchten zerstört wurden“
      Laco fügte hinzu: „Ja, und wenn unsere Flotte ins System springt und ihre Minen nicht mehr funktionieren, werden sie den größten Schock ihres Lebens erhalten“
      „Und den Letzten“, meinte Tarik sarkastisch.
      Laco fragte nun McDill, der noch immer mit seinem Raumanzug kämpfte: „Und? Wie hoch sind unsere Verluste?“
      „Hoch, Sir. Mit 35 Mann sind wir rüber, mit neun zurückgekehrt. Mr. Chiquon nicht eingeschlossen. Unsere Verluste waren wohl höher als die ihren.“
      Laco klopfte dem Menschen auf die Schulter. „Wir konnten die Argosy-Mission durchziehen. Und in der kommenden Schlacht werden Ihre Verluste deutlich höher sein als unsere. Und zwar mehr als 26 Mann!“
      Zu Elacta sagte er: „Ich muss mich noch waschen, die Waffen versorgen und mich auf dem Medizindeck melden, danach komme ich auf die Brücke! Lasst die passiven Sensoren langsam durchlaufen, niederer Frequenzbereich. Sie dürfen uns auf keinen Fall entdecken, aber ich möchte die Flotte sehen, wenn sie ins System springt.“
      „Wird die Flotte überhaupt angreifen, wenn wir ihnen kein Signal senden?“
      „Commodore Warrick hat gesagt, dass er heute angreift. Das ist ein Worte eines Ehrengarde-Offiziers. Wagt Ihr, dies zu bezweifeln?“
      „Nein... natürlich nicht... sonst noch was?“
      „Ja. Ich möchte, dass Ihr das Schiff gefechtsbereit macht. Macht die Slipfighter klar, prüft die Geschütze und so weiter. Aber sie dürfen uns auf keinen Fall entdecken, ist das klar?“
      „Ja, Sir“
      „Gut, wir treffen uns in einer Stunde.“

      Odin saß an seinem Schreibtisch. Man hatte ihn nach seinem Erfolg auf Hephaistos nach Herodotus versetzt. Er hatte mit einem dermaßen billigen Trick verdammt viele Schiffe vernichtet. Unter Anderem die Andromeda Ascendant, und die 40 Novabomben, die sie transportierte. Na gut, er hatte sie nicht vernichtet, aber sie war mit Sicherheit vom schwarzen Loch verschluckt worden. Dieser Rhade hatte saubere Arbeit geleistet. Wegen seiner Freundschaft zu Dylan Hunt hatte ihm Odin dies eigentlich nicht zugetraut.
      Seinem eigenen Bekannten, Tarik al Ashraf, hätte er es allerdings zugetraut, dieser hatte seinen Captain aber nicht verraten. Damit war er ein Verräter an seiner eigenen Rasse. Wenn er ihn in die Finger bekommen würde...

      Odins Gedankengang wurde durch eine Nachricht vom militärischen Hauptquartier auf Herodotus unterbrochen. Der Mann auf dem Bildschirm und Odin begrüßten sich in typisch nietzscheanischer Weise durch das Vorzeigen ihrer Armpanzer.
      „Flottenmarschall Athorak. Wir haben eine beunruhigende Nachricht von Gamma 224b5 erhalten.“
      „Und?“
      „Ein Truppe Lancer ist in unser Zentrum eingedrungen und hat versucht, den Minenkontrollraum zu erreichen.“
      „Und?“
      „Nun, wir konnten sie zurückschlagen, kein einziger konnte eindringen. Als sie sich auf ihr Schiff zurückzogen, haben wir es samt Mannschaft vernichtet, als es geflohen ist.“
      „Und?“
      „Es wäre vielleicht sinnvoll, die Heimatflotte in einen Alarmzustand zu versetzen, es könnte sich um ein Vorzeichen eines Angriffs handeln“
      „Wieso verschwendest du meine Zeit?“, schrie Odin. „Das war ein Spürtrupp, sonst nichts. Die Garde hat sich noch nicht von diesem vernichtenden Schlag erholt, sie werden uns nicht angreifen! Wieso soll ich mich um ein gelöstes Problem kümmern?“
      „Verzeihung, Sir. Ich habe es für eine Bedrohung gehalten und sofort Fountainhead informiert. Aber wenn Ihr-“

      Odin hatte die Verbindung abgebrochen. Was hatte sich dieser Zwerg dabei gedacht, einfach Fountainhead zu informieren – ohne seine Zustimmung! Wenn nun wirklich ein Angriff kam, und er nichts unternommen hatte, obwohl er Bescheid gewusst hatte, würde er sicher seinen Posten verlieren. Oder sein Leben. Er kontaktierte die Brücke der Zerberus.
      „Die ganze Gruppe auf Alarmzustand 7 setzen. Alle Maschinen auf Standby halten. Nichts herunterfahren!“
      Niemand in diesem Sektor konnte sich zur Zeit mit Odins Flotte messen. Er hatte zwar von einer erhöhten Aktivität auf der Langoan-Station gehört, allerdings waren das viel zu wenig Schiffe um Herodotus anzugreifen. Eine nietzscheanische Kernwelt! Flottenmarschall Odin Athorak verzog das Gesicht und widmete sich wieder seinen Aufgaben.

      Die Ikarus lag noch immer tot im All. Die Nietzscheaner hatten ihre Suche schon lange eingestellt. Wieso kam die Commonwealth-Flotte nicht? Warrick hatte ihm versichert, dass er angreifen würde. Mit jeder Sekunde, die verstrich, wurde Laco nervöser. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Nietzscheaner die Atomgranaten entdeckten. Wohl eine Frage von langer Zeit, aber trotz allem eine Frage von Zeit. Der Sensor rotierte ein weiteres Mal langsam. Die Ehrengarde benutzte vier verschiedene Arten von Sensoren, die auf drei Displays angezeigt wurden.
      Auf der Hauptanzeige war ein dreidimensionales Bild des Schiffes zu sehen. Es war äußerst detailliert. Diesen Sensor benutzte man für kleinere Gefechte, Schiff gegen Schiff. Raketen wurden z.B als kleine grüne Pyramiden angezeigt, Drohnen und Slipfighter wurden abgebildet. Ähnlich war der mittlere Sensor, jedoch war der für größere Reichweite ausgelegt und nicht so detailgetreu. Raketen wurden hier nur als Punkte dargestellt, Fighter als Würfel. Auf dem letzten war das ganze System abgebildet, die Schiffe erschienen nur noch als Punkte. Ein erfahrener Kapitän musste Überblick über alle Anzeigen haben und sich trotzdem auf eine konzentrieren können. Der Sensor war wieder rundum gewandert und es war keine Flotte hergesprungen... Und wieder... immmer wieder...
      Laco stand auf und trank etwas, setzte sich wieder, starrte wie gelähmt auf die Anzeigen. Beim kleinsten Geräusch zuckte er nervös mit dem Kopf. Den anderen Offizieren schien es nicht sehr anders zu gehen. Lediglich Lieutendant Commander Elacta Blutroter Feuerball in tiefschwarzer Nacht war noch die Ruhe selbst. Keine Flotte. Das hier war einer der wichtigsten Einsätze im noch jungen Krieg. Das Gelingen der Operation Strike Backlash schien daran zu hängen, ob Commodore Warrick ihm wirklich genug vertraute. Keine Flotte. Wo blieben sie bloß? Theoretisch hätte die Kampfgruppe schon vor einer halben Stunde hier sein sollen. Wenn sie nicht bald kamen, würden – Flotte!!
      Das Sensorensystem zeigte erste Slipstreamereignisse am Rand des Sonnensystems an. Die ersten Scouts und Slipfighter flogen ins System. Sie waren so weit draußen, dass sie außerhalb des Minenfeldes waren.
      Dann kamen größere Schiffe. Korvetten, Fregatten, Bomber, Verteidigungsschiffe, Träger, leichte Kreuzer, Kreuzer, schwere Kreuzer, leichte Zerstörer, Munitionsschiffe, Minenjäger und die Krönung der Flotte: Schwere Schlachtkreuzer der Glorious Heritage Klasse. Ein Großteil der siebten Flotte war nun im System von Gamma 224b5 angekommen.
      „Sir, wir erhalten einen Nachricht... Aber ich denke, sie ist nicht für uns bestimmt.“, sagte Leanne Bogacy.

      „Nietzscheaner!
      Hier spricht Commodore Stephen Warrick von der Pax Magellanic. Ich gebe Euch jetzt die einzige Chance zur Kapitulation! Erwarte Antwort!
      Warrick, Over!“

      „Sie werden sich nicht ergeben, da sie glauben, ihre Minen schützten sie“, meinte Tarik. Der lockige Kopf von Ikarus erschien auf dem linken Bildschirm. „Ich habe die Nachricht analysiert. Es sind Befehle darin versteckt. Sie sagen, dass wir die Sprengsätze zünden sollen, sobald sie im Minenfeld sind, die Nietzscheaner aber auch. Und wir sollen auf keinen Fall antworten!“
      „Werden wir nicht. Alles bereit machen, das Signal zu senden!“

      Ein weiteres Mal wurde Odin bei seiner Arbeit gestört. „Sir! Wir erhalten eine Nachricht, dass Gamma 224b5 angegriffen wurde. Wir sollten sofort alle Schiffe dorthin beordern.“
      „Und wenn es nur eine Ablenkungsangriff ist? Keiner, der noch bei Trost ist, greift ein dermaßen vermintes System an!“
      „Sie greifen es an, und wenn wir nichts tun sind sie beim nächsten Sprung in Herodotus!“
      „Ja... ich lasse die Flotte klarmachen und fliege nach Gammawasweißich. Athorak, Over“

      Die Ehrengarde näherte sich dem Minengürtel. Es gab erste Explosionen nahe der Schiffe. Sie hatten ihre Kampfklingen ausgefahren. Minenjagdboote der Seven Pillars Klasse fuhren vor den Hauptschiffen her und räumten ihnen, so gut sie konnten, den Weg frei. Es dauerte Minuten, bis endlich wieder etwas passierte. Weitere Slipstreamereignisse. Garuda-Fighter, Kreuzer, Zerstörter und Fregatten brachen aus den Portalen hervor.
      „Wir erhalten eine Nachricht“
      Ein raues Gesicht eines älteren Mannes erschien auf dem Bildschirm. Sein Haaransatz begann schon, sich leicht grau zu färben, das Haar war zu einem handlangen Zopf zusammengebunden. Seine Augen waren so hart wie die von Constanza Stark. Sein Auftreten war eindrucksvoll.

      „Commonwealth-Truppen!
      Hier spricht Flottenmarschall Odin Athorak vom Stamm der Drago-Kazov im Auftrag von Saladin Gree. Ich bin Oberbefehlshaber der Streitkräfte von Herodotus. Ich gebe Euch jetzt die Gegenchance zur Kapitulation. Unsere Flotten sind gleich stark, aber wir haben die Minen auf unserer Seite. Ich gebe Euch... keine Bedenkzeit.
      Athorak, Over!“

      Laco sagte: „Die Minen sind auf seiner Seite, hm? Das wollen wir doch mal sehen. Den Impuls bereitmachen!“
      „Sir, die Flotten zielen aufeinander. Die Übers sind mitten im System, das gibt ihnen einen Vorteil“
      „Laco, der Impuls ist geladen“, sagte Tarik. „Sollen wir ihnen einheitzen“
      „Jawohl. Für die Kaiserin!“
      Zeit verstrich.
      „Und?“
      „Nichts ist passiert. Weder haben die Granaten gezündet, noch wurden die Minen umgepolt.“
      „Verdammt! Sie müssen es bemerkt und entfernt haben. Wir werden alle draufgehen!“
      Caton meinte: „Es könnte auch eventuell sein, dass sie sie nicht entdeckt haben, unseren Impuls jedoch blockiert haben. Wenn wir näher rangehen und einen Impuls im oberen EM-Band senden, könnte das den Zünder trotzdem auslösen.“
      Tarik hielt nicht viel von diesem Vorschlag. „Sie haben uns senden gesehen und wissen, wo wir sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie das Feuer auf uns eröffnen. Die beiden Flotten schießen ja schon aufeinander.“
      „Wir müssen es versuchen“. Laco war einer Meinung mit dem Perseiden, kannte aber auch die Gefahr.
      „Bring uns hin! Sensorsignal vorbereiten!“

      Laco konnte nur tatenlos zusehen, wie sich seine Männer an die Arbeit machten. Es würden sicherlich einige Sekunden sein, in denen durch das verstärkte Senden alle Sensorsysteme ausfallen würden. In dieser Zeit konnten auch die PDLs nicht arbeiten, die Ikarus würde so blind sein, wie ein Nightsider bei Sonnenschein.
      „Sir, wir bekommen eine Nachricht herein“
      Es war Commodore Stephen Warrick.

      „Laco, du Mistkerl!
      tu was, die mischen uns hier auf!
      wieso zünden diese Minen nicht, verdammt?
      Wir werden so heftig beschossen und können wegen der Minen nicht flüchten.
      Ich habe mich auf dich verlassen!
      Du-“
      „Sir, die Verbindung wurde unterbrochen. Wir sind jetzt bereit, das Signal zu senden.“
      Elacta warnte ihn. „Ein Schwarm Garuda-Fighter ist auf dem Weg zu unserer Position. Egal, was wir tun, wir müssen es schnell machen.“
      „Schaltung auf's Schiff“ Ikarus aktivierte die Lautsprecher. „Hier spricht Captain Agros. Haltet Euch gut fest, die nächsten paar Sekunden können hart werden, over!“
      Er atmete tief durch. „Los. Aktiviert den Impuls“

      Alle Sensoranzeigen wurden schwarz, alles war geblendet. Ein Impuls, der die Zünder auf den Granaten aktivieren sollte, wurde von der Hauptsensorphalanx der Ikarus aus gesendet. Die Sekunden verronnen so langsam, dass man jede Einzelne stöhnen hörte. Eine Explosion erschütterte das Schiff. Torpedierung. Weitere Raketen schlugen auf der Ikarus ein, sie konnte sich nicht verteidigen. Beim letzten Aufschlag wurde das halbe Kommandodeck zerfetzt. Die Schreie der Verletzten gingen im Lärm der Explosion unter.
      Tarik schrie: „Impuls gesendet! Wir fahren die Sensoren wieder hoch“
      Die Flammen leckten an den Wänden des ganzen Raumes.
      „Antiprotonenwaffen klarmachen und auf die Feinde zielen, sobald möglich!“
      Die Sensoren waren wieder ganz da. Was er sah, erfreute Laco. Alle Schiffe der Nietzscheaner wurden heftig von explodierenden Antiprotonenminen erschüttert. Sobald ein Schiff zu nah an eine dieser tödlichen Teile herankam, wurde es aus dem Universum gepustet. Die angreifenden Fighter wurden von der Ikarus mit Leichtigkeit vernichtet.

      Laco befahl: „Das gesamte Feuer auf das Zentrum der Feinde verlegen. Wir lassen sie auseinander brechen. Die Raketen donnerten auf die schwer angeschlagenen Kreuzer zu, schlugen Lecks und ließen sie schließlich komplett kollabieren.

      Odin sah fassungslos, was die Ehrengarde mit seiner Flotte machte. Aus heiterem Himmel waren seine eigenen Minen an seinen Schiffen explodiert. Selbst die unsinkbare Zerberus war schwer angeschlagen, eine Mine hatte das Haupt-Steuerbordtriebwerk zerlegt.
      „Volle Breitseite. Alle Geschütze auf den XMC ausrichten. Meinen Feuerbefehl abwarten!“
      Eine weitere Mine detonierte an Backbord und brachte das Schiff aus dem Ruder.
      „Sir, die Pax Magellanic und ihre Begleitschiffe schießen alles auf uns ab, was sie haben!“
      „Kurs zum Systemsrand setzen. Volle Kraft!“
      „Die Minen-“
      „Sind egal! Tu es einfach!“
      „Ja, Sir“

      Unglaublich. Der riesige Dreadnought pflügte sich, ohne Rücksicht auf Verluste, durch das Asteroidenfeld. Zu seiner Linken und Rechten zerfetzte es die Minen, Löcher und Beulen wurden in die meterdicke Panzerschicht des Schiffes gerissen. Eines seiner beiden Haupttriebwerke war schon zerstört worden, die Tore der lamellenartig angeordneten Hangardecks wurden duchstoßen.
      „Mein Gott. Die sind verrückt“, sagte Elacta.
      „Wir bekommen den Befehl, das ganze Feuer auf den Dreadnought zu konzentrieren“
      „Tut es. Geschützrohre 1-10 laden und feuerbereit machen! Alle Antiprotonenwaffen auf's Ziel ausrichten!“
      „Alles klar“
      „Leert die Magazine, Feuer!“
      Die Raketen der Ikarus flogen auf das Schiff zu, trafen, zeigten aber kaum Wirkung.
      „Nochmal das Ganze!“
      Das Schiff wurde durch das konzentrierte Feuer schwer beschädigt, jedoch nicht schwer genug. Sobald sie weit genug von der Sonne entfernt waren, öffneten sie ein Slipstreamportal und sprangen – irgendwo hin.

      „Sollen wir ihnen folgen?“, fragte Chiquon.
      „Die Frage ist, ob wir ihnen folgen können“, antwortete Laco.
      „Wir können ihnen folgen“, sagte dieser. „Bei so schweren Schäden werden sie sicherlich irgendwo ein Pionenleck haben“
      Laco hasste es, wenn dieser Recht hatte.
      „Wir erhalten einen Befehl, das System nicht zu verlassen“, sagte Lieutendant Bogacy. „Wir sollen das Feuer auf die übrig gebliebenen Schiffe eröffnen“
      „Dann lasst uns das tun. Alle Geschütze nachladen!“
      „Geladen“
      „Feuer!“

      Die letzten kläglichen Reste der Heimatflotte von Herodotus wurden von den gnadenlos auf sie eintrommelnden Geschossen der Ehrengarde-Flotte vernichtet. Einige konnten noch in den Slipstream springen, einige konnten evakuiert werden, einige vernichteten sich selbst, andere wurden zerstört.

      „Wir erhalten eine Nachricht von der Pax Magellanic“
      „Hier spricht Commodore Warrick. Ich sende an die ganze Kampfgruppe.
      Heute ist ein großer Tag für die Ehrengarde und ein großer Tag für uns alle.
      Wir haben ihnen einmal mehr gezeigt, wozu wir fähig sind.
      Einige Schiffe bleiben in diesem System, um die Invasionsflotte zu eskortieren.
      Alle anderen Schiffe versammeln sich um die Pax Magellanic und machen sich bereit, direkt nach Herodotus zu springen.
      Warrick, Over.
      Lang lebe die Kaiserin!“

      „Kurs setzten auf die Pax Magellanic. Löscht das Feuer und flickt Ikarus soweit zusammen, dass wir auch die nächste Runde überleben. Es ist nämlich noch nicht überstanden!“
      Elacta sagte: „Was uns wohl jetzt erwarten wird? Das war die erste echte Schlacht meines Lebens“
      Laco meinte: „Ja, es war auch meine erste. Die erste Schlacht, in der wirklich Fühlende gestorben sind. Die erste echte Schlacht in diesem Krieg. Ich weiß nicht, wie es weitergeht, ich weiß nicht, was uns noch erwartet, aber eines weiß ich gewiss. Es war nicht die letzte Schlacht.“

      Die Schiffe gingen in die sich öffnenden silbrig blauen Slipstreamportale über. Auf nach Herodotus!
      Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


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      • #4
        Ich seh da sleider jetzt erst.
        Ich denke mal das es nicht viele interessenten findet ist das es im falschen Forum steht.

        Das ganze ist ja eine Fanfiction und sollte demnach in das dementsprechende Forum.

        Ich verschieb das ganze mal dorthin.
        Banana?


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        - Treffen der Generationen 2012
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        • #5
          Ich wollte es ehrlich gesagt im Andromeda-Forum eröffnen, dass die Fans von Andromeda auch merken, wenn etwas Neues da ist. Aber hier wird es wohl sinnvoller sein...
          Zuletzt geändert von Omikron; 18.05.2010, 16:27.
          Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


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          • #6
            Schade das deine Story kaum resonanz bekommt. Sie hat etwas. Ich bin zwar nacht DER Andromedafan aber ich mag dein Geschreibsel, das hat irgendwie Stil!

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            • #7
              Auch dieses Mal sind es in Open Office, Schriftgrad 12, wieder 17 Seiten geworden. Viel Spaß beim Lesen!

              IV. Entscheidungen


              “Wer wir wirklich sind
              entscheiden nur die Taten,
              die wir Tag für Tag tun.”

              Spiritueller Mönch Zecati, 6420 n.C


              Episch langsam schoben sich die Schiffe immer näher an den Planeten Herodotus heran. Die letzten Linien der orbitalen Verteidigungslinien waren ausgeschaltet worden. Mehrere tausend Schiffe der siebten Flotte hatten Stellung über der nietzscheanischen Welt eingenommen. Teilweise war es die Kampfflotte, die die feindliche Flotte über Gamma 224b5 vernichtet hatte, jedoch auch eine Invasionsflotte, die aus mehreren Planetfall Readiness Groups bestand. Die Phoenixe, Slipfighter im planetaren Einsatz, schwärmten aus den Startröhren ihrer Trägerschiffe.
              Der Widerstand gegen die Invasoren hatte auch im Herodotus-System nicht aufgehört. Die planetaren Verteidiger hatten alles daran gesetzt, die Ehrengarde auf Distanz zu halten – ohne Erfolg natürlich. Die Minen im System waren längst untauglich, die Verteidigungsstationen waren auf Distanz von den Schiffen der Righterous First of Heavens Klasse vernichtet worden. Herodotus hatte auch noch eine sehr starke planetare Verteidigung. Diese auszuschalten, war nun Aufgabe der startenden Phoenixe. Sobald das geschehen war, konnte das Lancer Korps auf dem Planeten landen. In sehr großer Zahl.
              Zwei Legionen Männer der siebten Armee standen bereit. Das Lancer Korps stellte insgesamt etwa 32 Milliarden Mann unter Waffen. Das waren jedoch nicht zu viel, da sie über die ganze lokale Gruppe verstreut arbeiteten. Die hier anwesenden Legionen 47 und 51 waren die ersten gewesen, die mobilisiert worden waren. Auf Befehl von Commodore Warrick hin loggte sich Laco nax Agros in die Kern-KI seines Schiffes ein, um mit den anderen Anführern der Operation ein letztes Meeting in der VR-Matrix abzuhalten. Er fand sich in der blauen virtuellen Umgebung wieder.

              Die meisten anderen Kommandanten waren bereits anwesend. Einer davon war eine Ulanin mit sehr hohem Rang. Vor etwa zwanzig Jahren hatte sie auf Delta B-Tor die Zivilisten vor räubernden Magog beschützt, und auch in weiteren Angriffen eine sehr große Rolle gespielt. In dieser kurzen kriegerischen Phase war sie sehr schnell aufgestiegen. Danach hatte sie viele Feldzüge gegen Piraten und anderen Abschaum der Galaxis geführt. Für viele Bürger des Commonewealth war sie eine Heldin. Mittlerweile war die menschliche Frau zum General der 47. Armee ernannt worden, dem höchsten militärischen Rang des Lancer Korps. Ihre Aufgabe war es nun, die Bodentruppen auf Herodotus so schnell wie möglich zum Sieg zu führen. Sie war General Skyfalls.

              Als der letzte Kommandant angekommen war, begann Commodore Warrick zu sprechen.
              „Wir haben die gesamte orbitale Verteidigung von Herodotus zerstört. Gute Arbeit! Unsere Slipfighter sind gerade dabei, die schweren Gauss- und Plasmakanonen auf dem Planeten zu vernichten. Wie Ihr alle wisst, ist es normalerweise kein Problem für uns, einen Planeten einfach zu sprengen. In diesem Fall schon. Eine so gut gesicherte Kernwelt wie Herodotus wird durch viele Maßnahmen geschützt. Zum einen gibt es über den Planeten verstreut viele Punktverteidigungslaser, die alle Strike Arrows abfangen, die wir abschießen. Sollten wir es schaffen, unsere seismischen Sprengköpfe auf der Oberfläche zu zünden, bringt uns das auch nicht viel. Seismogeneratoren fangen die Schwingungen ab und verteilen sie über den ganzen Planeten. Außerdem ist es auch gar nicht unser Ziel, den Planeten zu sprengen. Wir wollen ihn erobern und somit die Nietzscheaner von einem ihrer wichtigsten Stützpunkte für militärische Industrie abschneiden. Das ist unser weiterer Plan:“

              Eine Animation erschien und General Skyfalls sprach weiter. „Wir schalten hier die planetare Verteidigung aus. Als erstes werden Ulanen mit Raketenrucksäcken abspringen. Dann schicken wir die Lancer in ihren Ung Taes runter. Diese nehmen diese Ebene hier, die wir später zum Raumhafen ausbauen. Dort können wir auch das gesamte militärische Gerät umladen. Die Kampfroboter und -panzer und so. Noch Fragen?“

              „Ja“, sagte ein Than-Captain. „Wer bildet die Sturmtruppen?“
              „Die Jetpacktruppen werden gut ausgebildete Männer sein. In der ersten Welle schicken wir dann E1-Lancer. Danach schicken wir Truppen vom Commonwealth-Command-Corps und von Argosy runter.“ Die schönen Worte konnten nicht verbergen, dass es sich bei der ersten Welle um Kanonenfutter handelte.
              Skyfalls sprach weiter. „Wir werden vier verschiedene Landungszonen ansteuern. Wir haben bereits die passenden Plätze nahe der Ebene gefunden. Wir schicken die Kapseln so runter, dass sie einen Kreis bilden. Damit können unsere Einheiten leicht raus. Phoenixe geben uns Deckung. In den Deckungskreis hinein laden wir Panzer und Kampfroboter. Dann schießen wir uns mit schweren Waffen von innen nach außen. Wir bilden hier eine Linie, fallen in ihren Rücken und bilden dann einen Kessel. Mit den schweren Geschützen bomben wir sie dann raus. Von vier Seiten beginnen wir den Angriff auf die Ebene. Sie ist etwa hundert Kilometer lang. Wir müssen sie erobern, wenn wir von dort aus eine ganze Invasionsarmee versorgen müssen. Der Ausbau zum Raumhafen ist schon geplant“
              Eine neue Nachricht wurde durch die KI gesendet. „Wir haben die Nachricht erhalten, dass die planetaren Verteidigungssysteme vermutlich in etwa 30 Minuten außer Gefecht sein werden“
              „Gut. Ihr wisst, was Ihr zu tun habt.
              Lang lebe die Kaiserin!“

              Laco beendete die Übertragung und kehrte in die wirkliche Welt zurück. Er dachte nach. Was sollte er jetzt tun? Sollte er auf der Ikarus bleiben und Zeug nach Herodotus schaukeln? Oder sollte er mit runter auf die Oberfläche gehen, wo er gebraucht wurde? Die Oberfläche war auf alle Fälle gefährlicher als der Dienst im Weltraum. Wenn man es sich aussuchen durfte, war es also klüger, hier zu bleiben, wo man die Ereignisse kontrollieren konnte. Andererseits hatte er eine Mission zu erfüllen.

              „Folge deinen Idealen, Laco nax Agros. Du wirst sie finden. Früher oder später“

              Das hatte die Stimme zu ihm gesagt. Glaubte er daran? Es waren also nur seine Entscheidungen, die dafür sorgten, ob er sie fand? Wenn er seinen Idealen treu blieb, musste er mit auf den Planeten. In der zweiten Angriffswelle vielleicht, in der Ersten war es sowieso Selbstmord. Aber niemand der bei Verstand war, würde freiwillig bei einer Invasion in vorderster Front kämpfen! Was sollte er nur tun?

              Laco stand im Hangar der Arkansas. Er hatte sich entschieden. Das Schiff war ein Athmospheric Attack Carrier und hatte die Hauptaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Lancer auch heil auf dem Planeten ankamen. Für jeden der Kessel waren hundert Kapseln der Ung Tae Klasse vorgesehen, von denen jeder einen Zug Lancer, also 32 Mann, befördern konnte. Nach unten hin hatten die Kapseln einen fest montierten AP-Kanonenturm. Es musste sehr eindrucksvoll sein, wenn hunderte dieser Kleinstschiffe Feuer vom Himmel regnen ließen. Angetrieben wurden sie von vier kleinen Triebwerken, die an den unteren Ecken der Kapsel montiert waren. Nach oben hin verengte sich die Konstruktion immer weiter, auf dem Dach der Kapsel war eine Gauss-Geschütz montiert. In der Minute konnte es 1200 15-Millimeter-Projektile abschießen, allerdings war die Munition eher begrenzt. Es war sowieso eine technische Meisterleistung, soviel Zeug auf so kleinem Raum unterzubringen. Auch die ganze Ausrüstung der Lancer wurde in dem Ung Tae untergebracht.

              Alle Soldaten hatten sich Gewehre über die Schulter geschwungen. Die standartmäßigen P2-Razor Gewehre von Typhoon Technology waren zwar verhältnismäßig klein und leicht, aber trotzdem tödlich. Sie gaben blaues Mündungsfeuer ab und hatten einen sehr großen Munitionsspeicher. Die Waffe konnte auch ordentlich etwas wegbrutzeln, wenn man mit Plasmafeuer schoss. Die wenigsten Lancer benutzten wirklich Kampflanzen. Man brauchte eine lange Ausbildung, um diese Waffen wirklich zu beherrschen, die richtige Benutzung war kompliziert. Auch war das Zielen sehr schwierig, sofern man kein HUD trug. Die meisten trugen als Zweitwaffe statt der Kampflanze eine einfache Pistole. Die ersten Lancer bestiegen langsam ihre Kapseln. In den nächsten Minuten würde nur der Zufall entscheiden, wer leben, und wer sterben würde. In der Kapsel konnte man nichts tun, um einen Abschuss zu verhindern.

              Laco sagte: „Ich habe mich durchgefragt, das ist glaube ich meine Kapsel. Seid ihr der 1. Zug, 3. Kompanie, 8. Regiment, 4. Brigade?“
              „Ja, das sind wir. Mit wem haben wir die Ehre?“
              „Ich bin Captain Laco nax Agros, von der Ikarus“
              Laco bestieg das Fahrzeug, hinter ihm schloss sich die Panzertür und der Ung Tae hob ab. Nach ein paar Minuten sagte der Truppführer: „Wir sollten jetzt alle schon einmal unsere Jetpacks anlegen.“
              „Jetpacks?“, fragte Laco.
              „Klar, das ganze 8. Regiment gehört zur 1. Luftlandedivision“
              „Moment mal. Jetpacks? Das ist doch hier die zweite Welle, oder?“
              Die Ulanen begannen, laut zu lachen. „Junge, du bist in der falschen Legion. Wir sind von der 47., die Kapsel, in die du wolltest, ist der 1. Zug, 3. Kompanie, 8. Regiment, 4. Brigade, von der 51. Legion!“
              „Lancersprache!“, fluchte Laco. „Da soll sich noch einer auskennen!“
              „Hey...“ sagte Laco. „Ich hab' so was noch nie gemacht! Ich.. ich muss hier raus, wir müssen umkehren. Wir...ähm“
              „Argosy-Angsthasen“, meinte der Zugführer und seine Männer begannen erneut herzhaft zu lachen.
              „Nimm erst einmal diesen Jetpack. Den schnallst du dir über den Rücken“ Laco tat es. Die Kapsel trat in die obere Athmosphäre ein.
              „Dann nimmst du deinen Helm. Den musst du unbedingt aufsetzen, wenn wir springen. Wir lassen uns einfach nach unten fallen, und schießen auf alles, was sich bewegt. Wir zünden die Jetpacks sofort, bremsen aber erst richtig, sobald wir die 400 Meter haben“
              „Ihr seid hier also nicht die Typen, die den 2. Kessel errichten sollen?“
              „Nein. Wir sind die, die die Vorarbeit leisten“
              „Oh Gott! Wieso bin ich nur in diese Kapsel gestiegen?“

              Die Lancer machten sich erneut über Argosy lustig. Die kameradschaftliche Feindschaft der beiden Truppenteile war schon lange in der Ehrengarde verankert. Laco hatte sich inzwischen den Jetpack übergeworfen.
              „Das überleben wir nie. Ich wollte eigentlich in die zweite Welle und nicht zum Kanonenfutter!“ Ohne es zu wollen, hatte Laco die Männer beleidigt. Sie wussten zwar, dass sie von Argosy als Menschenmaterial eingesetzt wurden, allerdings hatten sie gedacht, dass diese noch den Anstand haben würden, das nie zuzugeben.
              Der Truppführer sagte: „Agros, von allen, die hier runterkommen, haben wir die besten Überlebenschancen.“
              Die Kapsel wurde von irgendetwas getroffen. Schweigend saßen die Männer auf ihren sehr engen Plätzen. Lacos Blick schweifte durch die Runde. Die meisten Kämpfer waren Menschen, auch einige Frauen waren darunter. Des weiteren sah man Than, Perseiden, und zwei Nightsider.
              Ein Lancer, dem Abzeichen nach der Koordinationsmann, sagte: „Sir, wir haben Sprunghöhe erreicht“
              „Alle Mann Helme aufsetzen und bereit machen!“
              Rege Betriebsamkeit durchsetzte den Ung Tae. Alle waren bereit zum Absprung, als die Luke geöffnet wurde. Sie sprangen hinaus.
              Unter Laco erstreckte sich eine Welt. Das ganze Grün und Leben war atemberaubend, und es war kaum vorstellbar, wie leicht es der Ehrengarde fiel, einen solchen Planeten zu vernichten. Die Ulanen taten ihren Job einwandfrei. Sobald sie ausgestiegen waren, fassten sie sich an den Händen und stürzten kopfüber in die Tiefe. Auch aus anderen Kapseln stiegen jetzt Kämpfer aus, die mit der gleichen Disziplin ihrem Ziel entgegeflogen. Zu Lacos Entsetzen wurde ihre Lancerkapsel von einer Rakete getroffen und zu einem eindrucksvollem Feuerball. Die Triebwerke fielen aus, und sie flog ungebremst in die Tiefe. Die Ulanen zogen jetzt ihre Gewehre. Durch ihre HUDs konnten sie von hier oben schon feststellen, wo der Feind stand, und ihn unter Beschuss nehmen. Langsam bremsten die Männer ab, ihr Ung Tae schlug in einer gewaltigen Explosion auf dem Boden auf. Auch Laco verlangsamte jetzt seinen Sturzflug und zog seine Kampflanze. Er schoss Effektoren auf die Männer am Boden ab, die die Invasion bereits erwarteten. Der Zug setzte auf dem Boden auf.

              Obwohl die Ehrengarde technisch sehr hoch entwickelt war, musste man sich hier auf viel ältere Techniken verlassen. Kommunikation war unmöglich, da man sonst entdeckt werden würde, das gleiche galt für den Einsatz von Sensorensystemen. Lediglich konnte man die Daten der Aufklärungsdrohnen empfangen, ohne seine Position preis zu geben. Der Zug war hier mitten im Urwald gelandet. Er war zwar nicht tropischer Natur, jedoch auch ziemlich unberührt. Es war kalt und es schien geregnet zu haben. Durch das Zirpen der Grillen hindurch kämpften sich die 33 Soldaten durch den Matsch.
              „Da vorne steht ein Späher“, wurde gemeldet.
              Einer der Soldaten lud seine „Razor“ mit einem Effektor. Diese Geschosse trafen einen Feind fast immer, während normale Kugeln wegen der ECM-Einheiten oft daneben gingen. Er legte an, zielte, schoss und traf. Der Nietzscheaner war augenblicklich tot. Der Zug rückte vor.
              Laco sah sich das Kommunikationsgerät des Soldaten an und sagte: „Hier sehen wir die Standorte ihrer Einheiten. Wenn wir unsere Verteidigung in den Lücken zwischen diesen beiden Kompanien aufstellen, können wir ausreichend Feuerschutz geben“
              Die Lancer stimmten ihm zu und machten sich auf den Weg. Jeder von ihnen hatte ein Bauteil dabei, das für die Aufstellung eines Defensivlasers gebraucht wurde. Er sollte den folgenden Kapseln Feuerschutz geben, allerdings musste man ihn auch lange genug verteidigen können. Auf dem Weg sahen sie Rauch aufsteigen. Nachdem sie sich nahe genug rangeschlichen hatten, sahen sie, dass es der Einschlagkrater ihrer Kapsel war. Von ihr selbst waren große Stücke übrig geblieben, da sie sehr stark gepanzert war. Jeder Insasse jedoch wäre bei diesem Absturz unweigerlich ums Leben gekommen.

              Die Nietzscheaner hatten die Kapsel auch schon entdeckt. Einige Marines in Rüstung traten auf die Teile zu, sie hatten den Lancer-Zug nicht gesehen.
              „Schöner Treffer“, stellte der Kommandant der Nietzscheaner fest. „Von den tausenden Kludges, die hier landen werden, hat es auf jeden Fall schon mal drei Dutzend zerbrutzelt“ Er kratzte sich am Kinn und sah zum Himmel auf. „Gegend sichern!“, befahl er. Die Soldaten der Ehrengarde zogen sich zurück.
              „Wir dürfen nicht in Feuergefechte verwickelt werden“
              Die Ulanen folgten ihrem Anführer. Ab und zu mussten sie sich in das Unterholz werfen und sich so weit in den Matsch drücken, wie es ging, um nicht gesehen zu werden. Nach einer Zeit zogen die Nietzscheaner wieder ab und der Zug machte sich erneut auf den Weg. Nachdem sie eine größere Wiese erreicht hatten, begannen sie mit dem Aufbau des Lasergeschützes. Obwohl es einige Komplikationen gab, stand der PDL, als man erste rote Punkte am morgendlich dämmernden Himmel sah.

              Die Invasion begann. Immer tiefer gruben sich die mächtigen Landungsschiffe. Eskortiert von Slipfightern stürzten tausende 1-Mann-Kapseln und Ung Taes in die Tiefe. Auch große Transporter mit mehreren hundert Metern Länge kamen dem Boden von Herodotus immer näher. Diese transportierten schweres Kriegsmaterial, wie planetare Kampfroboter, Floater-Panzer, Spähfahrzeuge, Artillerieraketenwerfer usw. Die Raketen der Verteidiger von Herodotus hoben in Schwärmen ab und schossen auf die landenden Lancer zu. Automatisch begann das provisorische Lasergeschütz, die Raketen anzuvisieren und zu vernichten. Explosionen dominierten den Himmel über Herodotus.

              Plötzlich fielen Schüsse und einige Männer des Zugs fielen mit Löchern in der Brust zu Boden. Man hatte sie entdeckt. Die restlichen Lancer sprangen in Deckung und begannen, die Angreifer unter Beschuss zu nehmen. Allerdings waren sie nicht stark genug. Eine Plasmagranate des Feindes zerfetzte das Geschütz, das nun keine Raketen mehr abfangen konnte. Es war zwar nur eines von zwanzig und sein Ausfall war verschmerzbar, allerdings nur, wenn die Anderen weiterarbeiteten. Es sah nicht so gut aus. Einige Landungsfahrzeuge wurden abgeschossen und fielen wie ein Meteor in die Tiefe, wo sie zerschellten. In einigen Kilometern Höhe begannen die Fahrzeuge langsamer zu sinken und kamen schließlich komplett zum Stillstand.
              „Deckung suchen und Köpfe runter!“, schrie Laco. Alle wussten, was jetzt geschehen würde und befolgten den Befehl sofort. Tausende Feuerlanzen schossen vom tief blauen Himmel auf den Boden herab. Wo sie aufkamen, breitete sich ein Inferno aus, das seinesgleichen suchte. Die Ung Taes feuerten mit Antiprotonenwaffen auf die Oberfläche. Ein Teil der Antiprotonen rekombinierte zwar mit der Athmosphäre, ein Großteil kam jedoch unten an. Wo sie aufschlugen, wurden Stellungen neutralisiert, indem die Antiteilchen mit Materie reagierten. Die bei dieser Reaktion freigewordene Energie fetzte alles weg, was noch im Weg stand. Nachdem alle bekannten Verschanzungen der Nietzscheaner ausgeräuchert waren, nahm die Armee ihren Sinkflug wieder auf. Jetzt begann auch wieder das Feuer der Marines auf Laco und seinen Zug. Sie konnten sich nicht mehr bewegen, da sie komplett eingekesselt waren. Sobald die Kapseln gelandet waren, nahm Laco Kontakt auf.
              „Achtung! Feuer 30 Meter um unsere Position!“
              Die Gauss-Geschütze der Ung Taes schwenkten herum und schossen alles nieder, was dem Zug im Weg stand. Das Feuer ratterte, aber letztendlich waren alle Angreifer tot oder geflohen. Laco stand auf und stieg aus dem Trichter, in dem sie Deckung gesucht hatten. Die anderen taten es ihm nach. Im Laufschritt eilten sie zu den ersten Kapseln, die gelandet waren. Die Schleusen öffneten sich und weitere Teile der 47. und 51. Legion stiegen heraus.
              „Ich bin Colonel Arthur, mit wem habe ich das Vergnügen?“
              „Captain Laco nax Agros. Könnt Ihr mir sagen, wo ich General Skyfalls finde?“
              Der Colonel zeigte auf ein größeres Landugsboot, das soeben auf der Oberfläche aufsetzte.
              „Dank Euch“
              Es war verhältnismäßig ruhig. Ab und zu ertönten Schüsse, aber eigentlich hatten sich alle die Landung viel härter und verlustreicher vorgestellt. Laco eilte zu dem Transporter, in dem sich der General befinden sollte. Dort wurden gerade die Tore des Frachtbereichs geöffnet. Ein gigantischer Kampfroboter, mindestens so hoch wie ein Slipfighter lang, setzte sich auf und verließ den Transporter. In seinem Kopf saßen normalerweise bis zu 3 Lancer, die alles überwachten. Das war zwar nicht nötig, bei einer Unterbrechung des Datalinks aber sehr hilfreich.

              Die Nietzscheaner gingen jetzt zum Gegenangriff über. Die Kampfroboter fuhren ihr Geschütze aus und schossen Dauerfeuer. Die Gauss-Geschütze auf den Ung Taes konzentrierten ihr Feuer und richteten immensen Schaden an. Die Lancer gingen in Deckung und schossen. Auf der einen Seite sah man überall blaues Mündungsfeuer, auf der Anderen weißes. Über dem Schlachtfeld ging die Sonne auf und läutete einen blutigen Tag ein. Ohne schwere Panzer hatten die Nietzscheaner keine Chance, den Brückenkopf der Ehrengarde zu zerschlagen. Es dauerte lang, bis die Marines endlich sahen, dass sie keine Chance hatten, zu gewinnen. Zehn Minuten nach dem Beginn ihrer Offensive zogen sie sich zurück.

              General Skyfalls stieg aus ihrem Shuttle und sog die von Qualm durchzogene Morgenluft von Herodotus ein.
              „Der Duft einer gewonnenen Schlacht!“, sagte sie und packte ihre Kampflanze. „Auf zu mehr!“
              Es dauerte noch den ganzen Tag, bis die ganze 47. und 51. Legion auf dem Planeten gelandet waren. 640000 Lancer waren jetzt bereit, eine wichtige Welt des Feindes zu erobern.

              15. Tag des Krieges, Pelosana-System


              Nach fünfzehn Tagen im Kriegseinsatz lag die Zerberus schon wieder im Trockendock. Ihre bräunliche Hülle war an vielen Stellen von eigenen Minen aufgerissen worden. Nachdem Odin es doch noch geschafft hatte, sie im Slipstream aus dem System zu bringen, hatte es einen gewaltigen Absturz der Systeme gegeben. Sie war ins vierzehn Sprünge entfernte Pelosana-System geschleppt worden. Die frontalen Raketenwerfer waren schwer beschädigt worden. Am Top hatte das Schiff fast nichts abbekommen, da hier die Panzerung am stärksten war. Schlimm hingegen hatte es die unteren Decks erwischt. Die Fighter waren dabei gewesen, aus dem Hangar auszuschwärmen, als die Explosionen das ungeschützte Innere vernichtet hatten.
              Hunderte von kleinen Versorgungsschiffen brachten Material, um die Zerberus wieder kriegstauglich zu machen. Sie war nicht das einzige Schiff in der Werft, aber mit Sicherheit das größte. Die Schiffe der Apocalypse Klasse waren das Äquivalent der Glorious Heritage Klasse der Ehrengarde. Die Pelosana-Schiffswerft war von mittlerer Größe. Sie war die Werft der Herodotus-Flotte gewesen, bevor sie auf Gamma 224b5 vernichtet worden war. Nur 52 Schiffe hatten überlebt. 52 Schiffe von der ganzen Flotte! Odin war erzürnt darüber gewesen, wie leicht das Commonwealth ihn in die Falle gelockt hatte. Glücklicherweise hatte er in seinem Bericht an den Alpha der Drago-Kazov erwähnt, dass der Kommandant der Station die volle Verantwortung trug. Das Kreuz würde ihm also vorerst noch erspart bleiben. Seit der Schlacht herrschte auf der Werft wieder Hochbetrieb. Man hatte sie in den Orbit von Pelosana gebaut, weil der Planet perfekt dafür geeignet war. Er war vulkanisch und seismisch hoch aktiv. Seine Minen waren sehr stark ausgebaut und auf dem Planeten wimmelte es von Metallraffinerien. Als Flottenwerft war dieser Standort also perfekt. Die Zerberus war noch lange nicht einsatzbereit. Glücklicherweise hatte sie kaum innere Schäden abbekommen, die Beschädigungen waren aber trotzdem schwer zu reparieren. In einem knappen Monat würde sie wieder einsatzbereit sein. Odin war jetzt gespannt darauf, wie sich die Alphas der Stämme in der Herodotus-Krise einigen würden.

              16. Tag des Krieges, Fountainhead

              Er war wiedergekehrt. Nur ein Mann saß am Ende des langen hölzernen Tisches. Der Mann spielte mit dem Messer in seiner Hand. Es war der Dolch des Drago Museveni und er trug den Mantel des Drago Museveni. Er saß hier und wartete auf die Alphas der Stämme. Der Mann war Drago Museveni, reinkarniert als Saladin Gree.
              Er vertiefte sich wieder in die Probleme, die ihn die ganze Zeit beschäftigten. Sein Bündnis hielt nicht zusammen. Das Commonwealth war viel zu stark. Sein Imperium war wie ein Kartenhaus im Sturm. Und Saladin war wie ein Klebstoff, der dafür sorgte, dass das Kartenhaus nicht auseinander brach. Spätestens jetzt hatten es wohl alle erfahren, dass die Ehrengarde einen Gegenangriff gestartet hatte. Sein Gelingen war Saladin ein Rätsel. Die Drago-Kazov würden jetzt bestimmt fordern. Und er war den Draganern viel schuldig, also sollte er nachgeben. Das würde aber den anderen beiden starken Stämmen, den Sabra und den Jaguar, missfallen. Die drei Stämme waren schon immer irgendwie miteinander verfeindet. Nur dieses Gleichgewicht der Mächte hatte den Frieden so lange bewahrt. Jedoch war in diesem Krieg dafür zu sorgen, dass dieses Gleichgewicht bestehen blieb. Wenn ein Stamm zu stark werden würde, würde das ganze Bündnis in sich zusammenbrechen, und das musste Saladin versuchen, zu verhindern.

              Die schweren Flügeltüren schwangen auf und die Anführer der nietzscheanischen Völker betraten den Raum. Sobald sie sich auf ihre Plätze gesetzt hatten, begann eine Flut von Forderungen, Bitten und Informationen auf Saladin einzuregnen. Er benutzte seine alte Taktik und ignorierte sie, bis völlige Stille eingekehrt war. Er sah Tia Cheng, dem Alpha des Drago-Kazov Stammes, in die Augen und erteilte ihm so die Erlaubnis zu sprechen.
              „Saladin. Ihr habt schon von Herodotus gehört, nehme ich an“
              Saladin nickte mit dem Kopf.
              „Und was... ist jetzt zu tun?“
              „Was würdet Ihr tun?“, fragte Saladin. Jetzt begann wieder so ein gefährliches Spiel. Cheng musste für seinen Clan, aber auch für das Imperium sprechen.
              „Ich würde, naja, ein paar Einheiten... nach Herodotus abkommandieren, um... diesen für die imperiale Kriegsmaschinerie wichtigen Planeten zu halten“
              Der junge Alpha der Jaguar, Angelo Bolivar, fragte: „Es könnte sein, dass ich schlecht informiert bin, aber soweit ich weiß, hat Herodotus eine sehr starke Heimatflotte, an denen sich auch Truppen meines Stammes beteiligt haben. Dürfte man erfahren, was mit ihnen geschehen ist?“ Natürlich wusste der Erzherzog ganz genau, aber er wollte das Bekenntnis der Niederlage aus dem Mund seines Gegners hören.
              „Ähm... Durch einen... unerklärlicheren Informationsfehler hat man uns in eine Falle gelockt“
              Saldadin setzte einen nach. „Soweit ich weiß, ist euer Flottenmarschall Athorak für diese Niederlage verantwortlich. Wie wurde er bestraft?“
              „Nun ja...“ Cheng versuchte irgendwie, die Lage zu retten. „Wir wissen nicht, ob die Schuld allein bei Athorak liegt. Soweit das noch nicht bewiesen ist, möchten wir keinen hinrichten. Wir brauchen ja fähige Männer, oder nicht?“
              Der Alpha des mächtigen Majorum-Stammes griff Saladin scharf an: „In diesem Krieg sind erst zwei Wochen vergangen, und die Garde geht schon zum Gegenangriff über? Soweit hätte es doch frühestens in einem Monat kommen dürfen!“
              „Es ist eine Schande, was auf Herodotus passiert. Aber wir lassen uns nicht von unserem Kurs abbringen. Wir werden die Truppenteile planmäßig weiter ins Commonwealthgebiet vorschicken. Wir werden ihnen keine Pause gönnen. Ihr werdet sehen, dass sie bald begreifen, dass der Preis, den sie zahlen, viel größer ist, als der den sie bekommen. Sie werden Herodotus nicht erobern!“

              Jetzt kam wieder die übliche Prozedur. Cheng empörte sich, weil er keine Hilfe bekam, die anderen Stämme kritisierten sich gegeneinander, Saladin ignorierte sie. Als es wieder ruhiger wurde, sagte er: „Tia, du weißt doch, dass ich die Stämme nach dem Krieg vereinigen werde. Wir werden ein großes nietzscheanisches Imperium haben. Dir wird alles gehören, genau so wie allen anderen. Du musst dich nur noch ein bisschen gedulden“.
              „Ich verstehe, Saladin. Jedoch wäre ich erfreut, wenn Herodotus-“
              „Meine Entscheidung ist gefallen! Weitere Themen?“

              „Ja, die Mobilmachung der Ehrengarde“, warf der Alpha der Kondor ein.
              Saladin antwortete: „Nach sechzehn Tagen hat die Ehrengarde 34.000 Kriegsschiffe mobilisiert. Wir gehen davon aus, dass weitere 30.000 bald folgen werden. Wie wir wissen, besitzt die Garde etwa 150.000 Kriegsschiffe, die in zehn Flotten unterteilt sind. Auf Anordnung von Ezaca Prince befindet sich ein größerer Teil ihrer Flotte draußen in den äußeren Regionen der lokalen Gruppe. Sie sollten Piratenbasen ausfindig machen und vernichten. Da alle Kommunikationskanäle gestört sind, wird es noch sehr lange dauern, bis sie wissen, dass Krieg herrscht. Und noch sehr viel länger, bis sie hier sind und am Krieg teilnehmen können. Die Schiffe, die noch hier sind, sind zur Zeit auch noch keine große Bedrohung. Wie gesagt, etwa die Hälfte der Schiffe in den Kerngebieten wurde beim ersten Angriff lahm gelegt. Das heißt: Die Ehrengarde hat diese Schiffe, sie würden sogar noch funktionieren, aber die Werften und Stationen sind zerstört, deshalb können sie die nicht mehr einsetzen. Inwiefern sie ihre 210.000 Unterstützungsschiffe mobilisiert haben, ist uns noch nicht bekannt. Allerdings wissen wir, dass vom Lancer Korps erst die 31., die 47., die 51., die 70., und die 98. Legion völlig bereit sind. Das sind 1.280.000 Soldaten. Insgesamt haben sie 320.000.000 Soldaten. Sie liegen schlecht in der Zeit, schlechter als wir vermutet haben. Mein Plan:
              Das Commonwealth hat viele Ressourcen im Diogenes-Cluster. Von denen müssen wir sie abschneiden. Ich hatte mir überlegt, die Sabra für diesen Kriegszug auszuwählen. Wir haben das Hrusca- und das Babo-System. Von da an springen wir mitten in die feindlichen Zentren. Sie sind schlecht verteidigt, sobald wir die wichtigsten Welten haben, werden alle Handelsrouten zusammenbrechen. Und wenn es soweit ist, können wir die meisten Schiffe wieder an die Hauptfront schicken“
              Die meisten Alphas waren seiner Meinung. Es war wichtig, die ungeschützten Bereiche des Commonwealth zu dem Zeitpunkt zu vernichten, wo sein Militär noch schwach war.

              „Weitere brennende Themen?“
              Diesmal meldete sich wieder Erzherzog Bolivar zu Wort. „Was ist mit der Regierung des Commonwealth. Der Krisenstab ist wiederhergestellt. Wie steht es um den ersten Triumvir?“
              Saladin wusste nicht genau, wie viel Informationen er preisgeben durfte. „Die Konklave ist voll entscheidungsfähig, ist aber durch Verfahrensfragen und Gerichtsverhandlungen abgelenkt. Der Krisenstab ist wieder voll besetzt, seine Mitglieder sind aber teilweise inkompetent oder fehlen im Admiralsstab der Ehrengarde. Triumvir Koupa ist stabil, allerdings ist er noch immer im Koma, und es ist nicht möglich, mit ihm zu reden. Die Entscheidungsgewalt liegt allein beim Krisenstab. Die Kaiserin ist tot. Es wird also keine Notstandsvollmachten geben, und somit auch keine...“ Er wollte es nicht aussprechen. „Sie werden keine Novabomben auf uns abfeuern, bevor es zu spät für sie ist“ Die Alphas schienen erleichtert zu sein, dass praktisch das ganze Commonwealth lahm gelegt war. Die Sitzung dauerte noch bis in den späten Abend hinein, bis es über Fountainhead dunkel wurde...

              21. Kriegstag, Langoan Drift


              Mit einem Ruck dockte die Ikarus seitlich an der Raumstation an. Tarik al Ashraf stand auf und kratzte sich an dem kurzen Bart, der kunstvoll sein Kinn umrundete. Vor mehreren Stunden hatten sie Herodotus verlassen, um sich hier wieder einzufinden. Weitere Truppenteile der siebten Flotte waren mittlerweile eingetroffen. Insgesamt waren es mehr als zwei schwere Kreuzergruppen. Von den 360.000 Schiffen der Ehrengarde waren zur Zeit etwa gut die Hälfte einsetzbar. Auf zwei Kriegsschiffe kamen durchschnittlich etwa drei Versorgungsschiffe. Die Versorgungsschiffe reichten von Protonen-, Antiprotonen-, Deuterium-, oder Ersatzteilfrachtern über Raffinerieschiffe, Verpflegungsschiffe, Shuttles, Munitionstransporter bis hin zu riesigen Mannschaftstransportern wie der Victory's Crucible Klasse oder gigantischen Singularitätsschiffen, die die Energieversorgung der ganzen Flotte sicherstellten. Solange Laco auf Herodotus war und mit den Lancertruppen kämpfte, gehörte die Ikarus Tarik. Seine Aufgabe würde es in den nächsten Tagen und Wochen sein, die Versorgungsflotten von Langoan Drift nach Herodotus zu eskortieren. Die Ikarus sollte immer vorausspringen und den anderen Schiffen mitteilen, ob Gefahr drohte.

              Soviel Gefahr konnte es aber nicht sein, schließlich hatten die Nietzscheaner ja nicht einmal auf die Invasion von Herodotus reagiert. Sie hatten mit ihren schnellen Angriffen weitergemacht, als sei nichts geschehen. Und jetzt war es immerhin schon eine knappe Woche her, seit die Truppen des Commonwealth gelandet waren. Tarik hätte viel Blut und Leid ersparen können, wenn er das Commonwealth einfach früh genug gewarnt hätte. Aber er wusste auch, dass er es nicht getan hätte. Nachdem sie von der Alaxaai-Mission zurückgekehrt waren, war Tarik fest entschlossen gewesen, seinen Freund Laco nax Agros zu töten. Er hatte es wirklich tun wollen! Das war doch irgendwie abwegig. Wenn er es wieder tun müsste – Tarik würde wahrscheinlich wieder zögern, Laco würde ihn erneut überwältigen. Und wenn die Garde herausfinden sollte, dass Tarik von dieser Mission gewusst hatte, würde vermutlich nichts anderes als die Strahlungszelle auf ihn warten. Das war die Art des Commonwealth, Todesurteile zu vollstrecken. Die Nietzscheaner bevorzugten alte Methoden, den Strang, das Kreuz, den elektischen Stuhl oder die Axt. Und eines davon würde nun vermutlich Odin Athorak einholen.

              Laco hatte zwar bereits geahnt, dass Tarik Odin kannte, allerdings hatte er keine Ahnung, wie gut. Tarik war mit der ersten Tochter von Odin Athorak verlobt. Er hätte seine Erlaubnis gehabt, sie zu heiraten, wenn er Laco getötet hätte. Und sein Selbsterhaltungstrieb war auch darauf ausgelegt, all dies zu tun. Tariks Stamm, die Kondor, waren nichts Halbes und nichts Ganzes. Doch wenn er Hera geheiratet hätte, wäre er jetzt schon Mitglied im mächtigen Drago-Kazov Clan. Er hätte ein paar Kinder, würde für sie nach dem Krieg ein Grundstück an einem See kaufen,...

              „Sir, Admiral Yoky kommt an Bord“
              Tarik wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ihm Ensign Bogacy die Mitteilung unterbreitete.
              „Ich komme sofort“
              Er traf den Admiral auf dem Observationsdeck.
              „Tarik al Ashraf, Commander. Ich bin erfreut, Euch kennen zu lernen. Ich bin Rear Admiral Yoky“
              Sie schüttelten sich die Hände. Der Admiral war zu Tariks Überraschung ein Perseid.
              „Ich bin im Auftrag des Admiralsstabs der Ehrengarde hier. Da sich Captain Agros entschlossen hat, mit den Bodentruppen der Garde auf Herodotus zu kämpfen, übergebe ich das Kommando über dieses Schiff jetzt ganz offiziell an Euch“
              „Danke, Sir“. Tarik wartete noch auf etwas anderes. Mehr.
              „Des weiteren haben wir entschlossen, Euch zum Captain zu befördern. Wir wissen, dass das sehr kurzfristig ist und in der jetzigen Krise Eures Volkes unüberlegt erscheint, aber bis die ganze Ehrengarde kriegsbereit ist, brauchen wir fähige Männer in hohen Rängen“
              „Sonst noch irgendwelche Fragen?“
              Das war ja schnell gegangen. „Nein, Sir“
              „Ich werde dann nach Langoan Drift zurückkehren. Captain al Ashraf“
              „Admiral“

              28. Kriegstag, Herodotus


              Der Phoenix stürzte sich aus dem Weltraum hinab. Der Slipfighter war gerade dabei, im Sturzflug feindliche Basen ausfindig machen und zu vernichten. Der Slipfighter sah dem Centaur relativ ähnlich. Seine Ausleger waren jedoch enorm verbreitert und nach hinten erweitert, damit er in einer Athmosphäre ohne Energie eine Zeit lang dahingleiten konnte.

              Im Cockpit dieses Phoenix saßen Laco nax Agros und ein schwerkraftangepasster Kanonier. Er warnte ihn: „Zieh die Kiste hoch!“
              „Noch nicht“
              „Jetzt!“
              „Noch nicht... Jetzt!“
              Mit einem heftigen Ruck wurde der Phoenix nach oben gerissen. Nur wenige Meter über den Baumwipfeln flogen sie dahin, der Kanonier nahm alle Stellungen unter Beschuss, die er erreichen konnte. Als sie das Feindesland überquert hatten, ließ Laco den Slipfighter wieder steigen. In wenigen Sekunden erreichte er eine Höhe von über zehn Kilometern. Ohne künstliche Gravitation hätte das niemand ausgehalten. In dieser Höhe schien ihnen die Sonne noch ins Gesicht, am Boden war sie schon lange untergegangen. Als der Slipfighter hoch genug war, begann Laco erneut einen Sturzflug. Es war immer die selbe Prozedur.

              Laco befand sich jetzt genau zwei Wochen auf Herodotus. Der Kampf bei den Bodentruppen war schrecklich. Entweder wurde getroffen, oder man überlebte. Dieser Job im Slipfighter gefiel ihm schon viel mehr, da man hier sein Schicksal kontrollieren konnte. Jetzt wurde er aber eines Besseren belehrt.

              Ein heftiger Ruck ging durch den Phoenix, eine Rakete hatte ihn getroffen. Der Antrieb fiel aus, der Fighter trudelte ungebremst in die Tiefe.
              „Wir müssen aussteigen!“, rief der Schwerkraftweltler.
              „Nein, wir haben keine Jetpacks da!“, entgegnete Laco.
              „Verdammt! Wir können das Cockpit nicht abstoßen. Der Mechanismus klemmt!“, schrie der Kanonier.
              „Wenn ich Mechaniker wäre, könnte ich den Antrieb vielleicht wieder reparieren!“
              „Wenn ich Protonen in die Reservetanks schicke, gibt es für ein paar Sekunden einen Powerschub. Kannst du den nutzen?“, fragte der Schwerkraftweltler.
              „Wir haben keine andere Wahl!“
              „Gut. Drei, Zwei, Eins, und... Jetzt!“
              Eine Stichflamme zog sich hinter dem stürzenden Phoenix her und Laco schaffte es gerade noch, den Vogel soweit in die Höhe zu bekommen, dass er nur noch mit einem Winkel von etwa 10° sank. Dann fiel die Energie wieder aus. Das spezielle Design dieser Fighters zahlte sich jetzt aus. Die übertrieben flachen Flügel ließen ihn sanft dahingleiten, so schien es.
              Der Schwerkraftweltler sagte: „Höhe: 500 Meter, langsam fallend. Jetzt 450, 430, 400“
              Der Fighter flog immer noch 1500 Kilometer in der Stunde. Das war zwar verhältnismäßig langsam, aber immer noch zu schnell.
              „200, 160, 120, 80 Meter, 60“
              Der Fighter schlug auf den Kronen der Bäume auf. Wie ein Rasiermesser schnitt er sich durch. Die Piloten wurden heftig durchgerüttelt. Als eine Lücke in den Bäumen war, schlüpfte der Phoenix hinein und seine getroffene Tragfläche zerschellte an einem Baum. Es gab eine Explosion, der Fighter kam zum stehen und fiel die letzten Meter zu Boden.

              Laco schnitt sich mit seiner Kampflanze ein Loch durch die eingeklemmte Scheibe und versuchte, aus dem Fahrzeug zu kommen. Zum Glück hatten sie schon alle Protonen und Antiprotonen entlüftet, sonst hätte es eine Katastrophe gegeben. Mit Mühe schaffte es Laco, den Kanonier aus dem Fighter zu ziehen. Er schien schwer verletzt.

              Als Erstes injizierte Laco ihm Nanobots, die seine Wunden heilen sollten. Dummerweise war alles medizinische Gerät draufgegangen, Laco konnte also nur erste Hilfe leisten.
              „Pass auf. Du bleibst hier. Ich versuche, Hilfe zu holen“
              Der Mensch keuchte.
              „Hey. Ich verspreche dir, ich bin bald zurück. Alles wird gut!“

              Laco rannte los und bemerkte einen stechenden Schmerz in seinem rechten hinteren Fuß. Blaues Blut lief an seiner Rüstung hinab.
              „Ganz toll“, dachte er sich.
              Nach wenigen Minuten hatte er eine Klippe erreicht, von der aus man das ganze Tal sehen konnte. Es war bereits dunkel. Die nächste Lichtquelle schien auf einem Feld etwa einen Kilometer entfernt zu sein. Das war sein Ziel. Laco setzte seine HUD-Brille auf und rannte weiter. Ohne viel Mühe fand er bald zwei Wärmesignale. Er zog seine Kampflanze, presste sich zu Boden und wartete, bis die Lebewesen näher gekommen waren. Als sie ihn passiert hatten, sprang er auf und richtete seine Kampflanze auf sie.
              „Ich bin Captain Agros. Ich brauche Eure Hilfe“
              Der Mann drehte sich um. Zu Lacos Überraschung war er Vedraner.
              „Mein Name ist Xucai Weneja. Sehr erfreut“
              „Und was ist das für ein Teil?“, fragte Laco und richtete seine Waffe auf das zweite Lebewesen.
              „Das? Das ist ein Schäferhund. Ein Tier, das mir hilft“
              „Wieso benutzt Ihr nicht einfach einen Sensor?“
              „Einen Sensor kann man austricksen, eine gute Nase kaum. Übrigens: Seid Ihr in diesem Teil gesessen, das vom Himmel gefallen ist?“
              „Ja. Da oben liegt noch ein Mann. Er braucht unsere Hilfe! Gehen wir!“
              Sie machten sich auf den Weg zurück.
              „Das habe ich mir gedacht. Als ich die Explosion sah, nahm ich mir meinen Erste-Hilfe-Koffer und bin mit Sani nax Rifati auf die Suche gegangen“
              Laco starrte ihn ungläubig an. „Ihr habt dieses Vieh nach dem größten Helden in unserer Geschichte benannt?“
              „Wieso nicht?“
              „Wer seid Ihr eigentlich?“
              „Ich wohne schon länger auf Herodotus. Ich bin in diesen abgelegenen Bereich gezogen, weil ich Ruhe haben wollte von den ganzen Raumschiffen, Gefahren, dem Lärm und... ich wollte einfach raus, versteht Ihr?“
              Laco konnte es tatsächlich verstehen.
              „Und wieso seid Ihr nicht auf Tarn Vedra geblieben?“
              „Ihr kennt doch den Landschaftsschutz auf der Heimatwelt. Ich wollte ein Haus im Wald, und bei den unberührten Gebieten auf Tarn Vedra geht das gar nicht.“

              Die beiden erreichten den brennenden Slipfighter. Xucai beugte sich über den Körper, begutachtete seinen Hals und sagte: „Es tut mir Leid. Für ihn können wir nichts mehr tun“
              Das traf Laco wie ein Schlag. War der Mann gestorben, weil er schlecht geflogen war? Oder war er jetzt tot, weil er zu lange gebraucht hatte, Hilfe zu holen? Oder hätte er ihn nie allein lassen dürfen?
              Eine andere Stimme in seinem Kopf sagte, dass das Blödsinn war. Sie waren im Krieg, Laco hätte nichts gegen den Abschuss machen können, auch anders landen wäre unmöglich gewesen. Und Hilfe zu suchen war die einzige sinnvolle Lösung, wo er doch keine große Hilfe hätte leisten können.
              „Wir müssen ihn anständig bestatten. Jetzt“, meinte Laco.
              „Könnt Ihr vergessen! Er ist tot und Ihr seid verwundet. Ich bringe Euch zu mir nach Hause. Dort versorge ich Eure Wunden“
              „Aber wir können ihn nicht einfach hier liegen lassen!“
              „Wir werden ihn bestatten, wenn ich weiß, dass es Euch gut geht. Stellt Euch mal vor, Ihr sterbt in meinem Haus! Dann bin ich dran! Entweder durch die Übers oder durch Eure Leute!“
              „Muss ich das verstehen?“
              „Nein... nein, ich denke nicht...“

              Die beiden Vedraner und der Hund machten sich auf, zu Xucais Haus zu kommen.
              „Und? Wie läuft Euer Aussteigerleben?“
              „Seit dem Krieg schrecklich. Ich lebe in ständiger Angst, dass mein Haus von irgendetwas getroffen wird. Wieso muss es diesen Krieg nur geben?“, fragte er vorwurfsvoll.
              „Wir haben ihn nicht begonnen!“
              „Das haben wir auch über den kalderanischen Krieg gesagt“
              „Wollt Ihr damit sagen, die Garde hätte die Kalderaner angegriffen?“
              „Natürlich. Was denn sonst?“
              „Die Kalderaner haben uns provoziert. Sie haben die Männer beim ersten Kontakt getötet!“
              „Diese Leute haben den Kalderanern auch gesagt, dass ihre Heimatwelt erobert werden wird. Was hätten wir wohl getan, wenn das die Kalderaner über Tarn Vedra gesagt hätten?“
              „Wir hätten ganz bestimmt keine Atombomben auf unsere Heimat geworfen, und den Käfern die Schuld gegeben!“, entgegnete Laco.

              Xucai blieb stehen und lachte: „Ihr glaubt das nicht wirklich, oder?“ Eine Pause entstand. „Ihr glaubt es wirklich?“
              „Natürlich! Das kann man in jedem Geschichtsflexi nachlesen!“
              „Ihr meint, dass die Kalderaner Atombomben abgeworfen haben?“
              „Klar!“
              „Da seid Ihr auf dem Holzweg. Jeder weiß mittlerweile, dass wir die Bomben abgeworfen haben“
              Laco atmete aus. „Das ist nicht möglich. Unser Volk würde das nie tun!“
              Xucai meinte: „Laco. Ich sag' Euch mal was. Unser Volk hat Dinge getan, die wir uns heute nicht mal mehr im Traum vorstellen könnten! Das größte Elend haben wir wohl auf Teutonia 6 ausgelöst. Es war eine eigene Kolonie, die sich von Tarn Vedra lösen wollte. Und die Ehrengarde hat Teutonia 6 erobert. Kennt Ihr nicht die Geschichte der verlorenen Ritter?“
              „Natürlich... jeder kennt sie“
              „Die Ehrengarde hat auf auf Befehl der damaligen Kaiserin Yoweri alle getötet! Alle!“
              „Aber das auf Kalderash war anders?“
              „Ach ja? Die Invasion war gescheitert. Und da haben unsere Truppen Nuklearsprengköpfe abgeworfen. Kalderash wurde vollkommen unbewohnbar. Alle überlebenden Kalderaner kapitulierten und startenden einen Exodus. Sie verließen ihre Heimat – vermeintlich für immer. Aber das hat dem Commonwealth auch nicht gepasst. Wir Vedraner waren kein expandierendes Volk. Wir hatten Angst, dass sich die Kalderaner zu weit ausbreiten und zu mächtig werden könnten. Also haben wir bei der Gründung des Commonwealth Kalderash wieder bewohnbar gemacht und die Kalderaner zurückgeschickt. Sie sollten nicht mächtiger werden, wie wir. Und es hat geklappt. Die Kalderaner haben sich weniger ausgebreitet, sie leben hauptsächlich in Kolonien in der magellanschen Wolke“
              „Moment mal. Wollt Ihr sagen, dass wir die Kalderaner soweit unterdrückt haben?“
              „Genau das“
              „Wieso steht es denn in den Geschichtsflexys anders?“
              „Weil der Sieger die Geschichte schreibt“
              „Das kann und will ich nicht glauben“
              „Ihr werdet sehen“
              Sie haten Xucais Haus erreicht. Es war eine einfache Metallunterkunft, die es von den großen Konzernen massenweise zu kaufen gab. Er hatte sie ganz nett geschmückt. Seine Wohnung bestand aus zwei Geschossen und mehreren Räumen, die er insgesamt recht rustikal und nostalgisch eingerichtet hatte. In einer Ecke des Raumes prasselte sogar ein echtes Feuer!
              Laco nahm die Rüstung ab und zuckte vor Schmerz zusammen. Seine Verletzung war wohl schlimmer, als er vorerst angenommen hatte. Er bemerkte auch ein großes Loch in der Uniform vom Oberschenkel abwärts.
              „Kann ich mich irgendwo umziehen?“, fragte er.
              „Zuerst versorgen wir das Bein“, sagte Xucai und nahm einen Zylinder, der Naniten enthielt. Er rammte ihn Laco in den Fuß, welcher daraufhin aufschrie. Dann fuhr er mit einem Gerät über die Wunde, das sie säubern sollte. Danach nahm er ein weißes Tuch und spannte es um die Brandwunde herum.
              „Das ist eine alte, aber bewährte Methode“, sagte er. Geht nach oben und zieht Euch was sauberes an. Diese dreckige zerfetzte Uniform ist jetzt nichts. Als Laco wiederkam, trug er eine vierbeinige blaue Jeans und ein ebenfalls blaues Oberteil.
              „Das gefällt mir. Passt zu meiner Haut“. Die beiden Vedraner lachten. Sie unterhielten sich noch lange über alles, was ihnen gerade einfiel. Xucai war nicht schlecht erstaunt, dass Laco eigentlich wirklich das Kommando über ein Sternenschiff der Eternal Vigilance Klasse hatte.

              Plötzlich hielt Xucai den Finger vor den Mund.
              „Ich höre etwas“, flüsterte er.
              „Ja ich auch“, wollte Laco antworten, als die Tür aufgebrochen wurde. Herein kamen zwei Menschen, beide in Ehrengarde-Rüstung. Xucai zuckte zusammen.
              „Wen haben wir denn da?“, fragte einer der Lancer.
              „Ich bin Captain-“
              „Schnauze!“, sagte der Mann. Er richtete seine Razor auf die beiden Vedraner. „Los! Untersuchen!“
              Der andere Mann kam auf Xucai zu und hielt ihm einen rötlichen Scanner an die Haut. Das Selbe tat er mit Laco.
              „Und?“, herrschte ihn sein Vorgesetzter an.
              „Der eine ist Xucai Weneja. Er war Petty Officer bei den Argosy-Truppen. Er ist ein gesuchter Deserteur. Auf seinen Kopf sind 500 Trohn ausgesetzt“
              „Und der andere?“
              „Er ist Laco nax Agros. Er ist Captain bei den Argosy-Offizieren“
              „Auch ein Deserteur“
              „Nein-“, sagte Laco, wurde aber von einem schreienden Lancer erneut unterbrochen.
              „Ihr Blueskins seid doch alle die gleichen! Von dir wissen sie nur noch nicht, dass du auch geflohen bist, Abschaum!“
              „Nein, verdammt! Ich bin der Pilot des Phoenix gewesen, der im Wald abgestürzt ist“
              „Und das ist die Uniform eines Fighterpiloten? Ganz zufällig haben wir den Piloten tot neben seiner Maschine gefunden, was sagste jetzt?“
              „Der Mann war mein Copilot-“
              „Halt die Fresse! Ich werde mir das Kopfgeld für euch desertierenden Schweine abholen!“
              Laco versuchte es nochmal. „Versteht doch bitte. Wir sind abgestürzt und ich wurde verletzt. Wir-“
              „Los, auf die Beine“, flüsterte der Lancer drohend.
              „Was?“
              „Auf die Beine verdammt, oder ich schieß' dich ab, wenn du dahockst!“
              Zögernd standen Xucai und Laco auf. Xucai klopfte mit seinen Händen auf seine Hinterbeine und Laco verstand das Zeichen, das er ihm damit gab.
              Der rangniedrigere Ulan sagte: „Hände hinter den Kopf und an die Wand stellen. Los, an die Wand!“

              Dann überschlugen sich die Ereignisse. Die Lancer machten sich bereit, die Vedraner zu erschießen, diese verlagerten ihr Gewicht auf die Vorderbeine. Kurz vor dem Abdrücken schlugen sie mit den Hinterbeinen aus. Lacos Füße erwischten einen der Männer in der Magengrube und im Unterleib. Laco stürzte sich zu Boden und tastete nach seiner Kampflanze auf dem Tisch. Die Ulanen hatten sich bald wieder gefangen, richteten ihre Gewehre auf Laco. Zwei Effektoren drangen in ihre Brust ein. Rotes Blut spritzte im Raum herum, einer der Männer drückte noch reflexartig ab und verwüstete die ganze Inneneinrichtung. Laco stürzte zu den Verletzten.
              „Schnell. Hol den Erste-Hilfe-Koffer!“, sagte Laco panisch.
              „Hey. Diese Leute wollten uns gerade umbringen!“
              „Du hast es ja verdient!“, brüllte Laco.
              Er nahm den Zylinder, drückte ihn in ihre Körper, wusste aber, dass es aussichtslos war. Er hatte seine Entscheidung getroffen und musste jetzt damit leben. Die beiden waren tot und daran konnte niemand mehr etwas ändern.

              „Nein... Es hätte nicht soweit kommen dürfen“, stöhnte Laco.
              „Hätten wir uns umbringen lassen sollen?“
              „Wenn du nicht dein Volk verraten hätte, wäre hier niemand gestorben!“
              „Ich soll mein Volk verraten haben?“
              „Ja. Deserteur! Was soll ich jetzt mit dir anstellen?“
              „Töte mich doch!“
              „Jemand hat mal zu mir gesagt, dass ich meinen Idealen folgen muss, wenn ich meine Bestimmung finden will! Ich muss Entscheidungen treffen. Und zwar jetzt! Ich könnte dich mit Leichtigkeit töten, aber für was sind dann die Beiden hier gestorben?“
              „Wofür? Gibt es einen guten Grund zum Sterben? Die sind tot, weil du sie umgebracht hast!“
              „Ich habe sie nur umgebracht, um dein Leben zu verschonen! Ein Fehler, wie ich jetzt sehe!“
              „Du wolltest doch nur deinen eigenen Arsch retten!“
              „Ich werde jetzt gehen. Ich werde dir den jämmerliches Dasein überlassen. Xucai Weneja. Ihr seid ein Verräter am Commonwealth und an unserem Volk. Ich will Euch nie wieder sehen!“ Laco ging.
              „Du bist der Verräter!“ Lacos ECM-Einheit rettete ihm das Leben. Xucai schoss doch tatsächlich auf ihn. Laco warf sich auf den Boden und zog seine Waffe erneut. Er fuhr die Lanze aus, rammte sie Xucai in den Bauch und zerrte ihn hinaus auf das Feld.
              „Genug der Strafe“, sagte er, als er eine Plasmagranate zog, sie aktivierte und in die Wohnung des Vedraners warf. In tausend Stücken regnete das Haus auf die beiden hinab.
              „Verräter! Mörder! Eidbrecher! Deserteur!“
              „Laco. Ich verfluche dich! Wenn wir gehen, sollst du zurückgelassen werden!“, schrie er ihm hinterher. Laco ignorierte es. Ein schrecklicher Fehler, wie sich viel später herausstellen sollte...

              33. Tag des Krieges, Pelosana-System


              Das Dockpersonal der Werft hatte es überrschend schnell geschafft, die Zerberus wieder kriegsbereit zu machen. Odin hatte einen neuen Befehl. Er sollte den Konvois der Ehrengarde auflauern, und sie vernichten. Wenn man die Belagerer von Herodotus aushungerte, würden sie mit der Zeit aufgeben. Die Zerberus sprang in den Slipstream. Ungeheuer träge flog sie zwischen den Strängen ins nächste System. Mit solch einem gigantischen Schiff in den Slipstream zu gehen, war schwer. Glücklicherweise war die nietzscheanische Slipstreamtechnologie der der Ehrengarde weit überlegen. Nietzscheaner waren sogar dabei, den Slipstream zu kartographieren, während die Ehrengarde in den letzten zehntausend Jahren kaum Fortschritte auf diesem Gebiet gemacht hatte. Ein Portal brach auf und die Zerberus glitt heraus.
              „Geht auf einen weiten Kurs um den Stern und schaltet dann auf Minimalenergie! Maximaler Tarnmodus!“, befahl Odin.
              „Aye, Sir!“

              34. Tag des Krieges, irgendwo im Kaa Arm der Andromeda-Galaxie


              Die Ikarus unter Captain Tarik al Ashraf war bereit, dem Konvoi vorauszuspringen. Federleicht flog sie sich im Slipstream. Dies war der dritte Konvoi Schiffe, den Tarik nach Herodotus eskortieren sollte. Hauptsächlich bestanden die Ladungen der Schiffe aus Vorräten, Treibstoff, medizinischem Gerät, Ersatzteilen oder Munition. Das selbe brachten auch diese Schiffe mit. Ohne die Ikarus waren es zwölf kleine Schiffe, die insgesamt 204 Mann Besatzung hatten. Das Schiff der Eternal Vigilance Klasse verließ den Slipstream.
              „Analyse!“, forderte Tarik.
              „Immer das selbe“, antwortete Ensign Bogacy. „Ein binäres Sternensystem, vier Gasriesen und ein Zwergplanet, unbewohnbar“
              „Sonst noch was?“
              „Ja. Der dritte Planet hat Ringe und es gibt einen sehr metallreichen Kometen, der in einer elliptischen Bahn um die Sonne kreist“
              „Gut. Teilt der Flotte mit, dass sie springen kann!“
              „Ja, Sir“

              Die Flotte war komplett angekommen.
              „Kurs setzen aufs nächste Slipportal!“
              „Ja, Sir“, sagte Chiquon.
              Tarik sah sich um. Er fühlte sich unwohl, wenn die Than Elacta auf der tatkischen Station stand. Sie war immer sehr nachdenklich, fürchtete sich oft. Deshalb hielt Tarik sie für schwach. Wieso aber sollte man sich andererseits nicht fürchten, wenn man so einen starken Feind hatte? Das wäre ja geradezu selbstzerstörerisch. Tarik musste wieder grinsen, dass man ihn zum Captian befördert hatte. Normalerweise hätte er für diese Auszeichnung noch Jahre warten müssen, aber eine solche Feldbeförderung hatte ihm das erspart. Im Krieg wurden fähige Offiziere gebraucht, und alle wussten, das Tarik einer war. Die Flotte flog tiefer ins System. Einer der Sterne war ein Neutronenstern, der andere ein gelber Zwerg. Neutronensternsysteme waren wegen ihrer Gravitation gefährlich, da Schiffe mit schlechtem Slipstreamantrieb nur springen konnten, wenn sie am Rand des Systems waren. Und fast alle Unterstützungsschiffe hatten miserable GFG-Linsen! Aber dieses System war ungefährlich, und das war auch gut so. Tarik gähnte, schlug sein Buch „Jenseits von Gut und Böse – Vorspiel einer Philosophie der Zukunft” wieder auf und begann, weiterzulesen. Schon nach einigen Minuten wurde er wieder gestört, diesmal von Lieutenant Commander Elacta Blutroter Feuerball in tiefschwarzer Nacht.
              „Sir, ich empfange Energiesignale“
              „Hm?“
              „Sie kommen von dem Kometen, den wir gesehen haben?“
              Tarik sagte nichts.
              „Sir, ich empfange jetzt weitere Signale. Sie sehen aus wie – Raumjäger, Sir, mehrere Staffeln, sie kommen genau auf uns zu!“

              Tarik sagte ruhig: „Die Flotte soll volle Energie auf ihre Antriebe geben. Wenn nötig sollen sie Antiprotonen in die Haupttanks injizieren, aber wir müssen so schnell wie möglich zu diesem Slipportal!“
              Die Nachricht wurde geschickt.
              „Sir...dieser Komet... das ist gar kein Komet. Es ist ein riesiges Raumschiff. Es ist von der selben Baureihe wie das, das wir auf Gamma 22b45 vernichtet haben!“
              „Nein“, sagte Tarik. Das ist das Schiff, das wir auf Gamma 22b45 nicht vernichtet haben! Das ist die Zerberus!“
              „Sir, das Schiff hat Raketen gestartet, sie kommen auf die Flotte zu!“
              „Defensivraketen, volle Streuung, Feuer!“

              Elacta überraschte ihn. Alle Angst war von ihr abgefallen. Sie war zu Eis geworden, koordinierte das Feuer der Ikarus perfekt. Da begriff Tarik, dass sie niemals um sich selbst Angst gehabt hatte.
              Tarik fragte: „Kann die Flotte springen?“
              „Nein, Sir. Der Neutronenstern hat eine zu große Gravitation. Wir sind ungefähr zehn Lichtmiunten von den nächstmöglichen Portalen für die Flotte entfernt“
              „Viel zu spät“
              „Sir, eines der Unterstützungsschiffe wurde von den Fightern getroffen. Sein Antrieb fällt aus. Was sollen wir tun?“
              „Wir lassen es zurück! Leanne, kann die Ikarus hier springen?“
              „Natürlich kann die Ikarus- Ihr wollt die Flotte doch nicht im Stich lassen, oder?“
              „Ich muss tun, was ich tun muss. Die GFG-Linsen laden, Slipstreamanker aber noch nicht ausfahren!“
              Niemand reagierte auf seinen Befehl. „Los jetzt!“, brüllte er. Zögerlich wurde das Schiff sprungbereit gemacht.
              „Alle Raketen jetzt offensiv auf die Zerberus richten und feuern, wowie bereit!“

              Die Geschosse flogen auf das Riesenschiff zu. Da die Fighter gerade in Angriffsposition waren, konnten sie nicht abgefangen werden. Einige wurden von den PDLs vernichtet, aber ein Großteil kam durch und schlug auf der Panzerung auf.
              „Sir, diese Raketen haben sie nicht mal gekitzelt!“
              „Nachladen und wieder feuern!“
              Chiquon sagte ruhig zu Tarik: „Sir. Die GFG-Linsen sind geladen. Ihr müsst Euch jetzt entscheiden, ob wir springen, oder nicht. Wenn wir die Anker nicht ausfahren, oder den Antrieb nicht runterfahren, werden die Linsen zusammenschmelzen“
              Raketen trafen die Ikarus. Das Schiff wurde durchgerüttelt, Funken schossen von der Decke.
              „Ich kann die Anker nicht ausfahren! Wenn er sie zerschießt, können wir nicht springen!“
              „Das weiß ich, aber-“
              „Wie lange noch?“
              „Sir?“
              „Wie lange noch, bis sie zerschmelzen?“
              „Weiß nicht, höchstens noch eine Minute!“
              „Wir brauchen mehr Zeit, um der Flotte Feuerschutz zu geben!“

              Die Ikarus wurde von einer vollen Breitseite Gauss-Geschosse getroffen. Es gab schwere Treffer an der Außenhülle, zwei Kampfklingen zerbrachen und der Backbord Ausleger wurde zerschossen. Mit einem lauten Ächzen brach er aus der dorsalen Verankerung. Glücklicherweise wurde er aber immer noch von der Verbindung mit dem anderen Ausleger gehalten.
              Das Licht fiel aus. „Captain, wir haben schwere Treffer. Wenn wir mit dem Defensivfeuer länger den Konvoi schützen, gehen wir drauf und dann erst der Konvoi. Wenn wir aber uns schützen, geht nur der Konvoi drauf“
              Die Zerberus feuerte eine weitere Salve.
              „Sir, wir müssen jetzt die Slipstreamanker ausfahren. Nur noch eine halbe Minute!“
              „Gebt eine lezte Defensivsalve für den Konvoi! Anker noch nicht ausfahren!“
              „Sir!“
              Die Ikarus wurde erneut getroffen, diesmal sogar noch schwerer als Vorher. Die Geschosse hintierließen riesige klaffende Löcher im Hauptrumpf des Schiffes.
              „Jetzt die Anker ausfahren! Portal öffnen und in den Slipstream!“
              „Aber der Konvoi!“
              „Das war ein Befehl!“
              Das Schiff fuhr seine GFG-Linsen aus. Ein silbrig blaues Slipstreamportal brach auf und die Ikarus verschwand. Als hätte es sie nie gegeben...
              Zuletzt geändert von Omikron; 27.05.2010, 11:36.
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              • #8
                Diesmal 16 Seiten. Viel Spaß beim Lesen!

                V. In der Kapsel


                „Die volle Ergebenheit zum Anführer
                steht an erster Stelle.
                Alles Andere ist zweitrangig!“

                Kalderanische Heeresführung, 753 n.C.

                „Und wieso wollt Ihr nicht länger auf Herodotus bleiben?“, fragte General Skyfalls.
                „Ich kann es nicht. Nachdem, was mir vor vier Tagen mit diesem Slipfighterabsturz passiert ist, kann ich irgendwie nicht verkraften. General, ich habe unsere eigenen Leute töten müssen. Leute, die treu für das Commonwealth gekämpft haben“
                „Ihr habt meine Frage noch immer nicht beantwortet. Warum habt Ihr sie getötet?“
                „Ich kann mich nur wiederholen“, sagte Laco. „Zu meiner eigenen Verteidigung!“
                „Könntet Ihr...etwas diskreter werden?“
                „Nein, das hab' ich Euch schon gesagt!“
                „Natürlich. Ihr wollt also zurück auf die Ikarus. Das wird Captain al Ashraf aber gar nicht gefallen“
                „Captain al Ashraf?“, fragte Laco verwundert. „Captain?“
                „Ja, Admiral Yuky hat ihn zum Captain befördert. Nun ja, ich kann ja kaum von Euch verlangen, hier auf Herodotus zu bleiben, wenn Ihr es nicht...könnt!“

                Eine neue Nachricht erreichte das Hauptquartier der Lancer.
                „Tja, Captain Agros. Captain al Ashraf hat wohl nicht sehr gut auf Euer Schiff Acht gegeben. Es wurde überfallen und beschädigt. Sein ganzer Konvoi wurde dabei, wie es scheint, vernichtet“
                „Wie steht es um die Ikarus?“
                „Hier steht: Schäden an den äußeren Auslegern und Hüllenbrüche am Hauptrumpf“
                „General. Habe ich die Erlaubnis, auf die Ikarus zurückzukehren?“
                „Ja. Erlaubnis erteilt“

                Das Schiff verließ den Slipstream. Die Schäden der Ikarus waren nicht so schlimm, wie anfangs befürchtet. Tarik hatte bereits die Nachricht erhalten, dass er wieder zum Commander degradiert wurde und Laco wieder auf das Schiff kam. Er war wohl am kürzesten überhaupt Captain gewesen!
                „Sir, Captain Agros' Shuttle ist auf dem Weg und bittet um Erlaubnis, in Hangar 2 anzudocken“
                „Erlaubnis erteilt. Commander Elacta, Ihr habt das Kommando. Ich bin auf Hangardeck 2“

                Das massige Schiff fuhr die Landestützen aus und setzte auf. Die Hangartore schlossen sich und das Stickstoff-Sauerstoff-Gemisch wurde in den Raum zurückgepumpt. Die Luftschleuse öffnete sich. Tarik betrat den Hangar und sah, dass Laco gerade aus dem Shuttle stieg.
                Dieser sagte: „Captain...al Ashraf. Ich bitte um Erlaubnis, mein Schiff betreten zu dürfen!“
                „Erlaubnis erteilt, Captain Agros“
                Die beiden machten sich auf dem Weg zur Brücke. „Tarik, mein Freund. Keine zwei Minuten darf man dich aus den Augen lassen, ohne dass du etwas Dummes anstellst!“
                „Laco, das war nicht meine Schuld!“
                „Sicher. Wie hoch sind unsere Verluste?“
                „Die Ikarus hat elf Mann verloren, Sir“
                „Und der Konvoi?“
                Tarik kratzte sich am Kopf. „Ich kann es nicht beschönigen. Ich habe den Konvoi im Stich gelassen und alle 204 Mannschaftsmitglieder ihrem Schicksal überlassen“
                „204 Seelen... Bedauernswert“
                „Laco. Du musst verstehen, dass es Selbstmord gewesen wäre, zu bleiben. Die Zerberus war zu stark, selbst wenn sich die Ikarus geopfert hätte, wäre wahrscheinlich trotzdem nur ein Teil des Konvois durchgekommen“

                Sie erreichten das Kommandodeck. Laco wurde von allen Seiten freundlich begrüßt. Die Alpha-Schicht tat gerade ihren Dienst. Der Vedraner war erleichtert, als er sah, dass bei dem Gefecht keiner seiner Freunde umgekommen war. Als er Chiquon sah, kamen verschiedene Emotionen in ihm hoch. Einerseits hasste er Kalderaner, seit seiner Kindheit war ihm gelehrt worden, dass sie schlecht, böse und verräterisch waren. Andererseits sagte ihm sein Gewissen, dass Kalderaner genau so Fühlende waren, wie Vedraner, Menschen, Nietzscheaner, Than, Nightsider und alle anderen Mitglieder des Commonwealth. Außerdem waren jetzt die verschiedenen Thesen zum kalderansichen Krieg an die Ohren des Vedraners gelangt. Laco sagte: „Ich bin dann wieder da. Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich habe etwas Wichtiges in meinem Quartier zu tun.

                Die ovale Tür öffnete sich. An seiner Kabine hatte sich nichts geändert. Laco legte seine Kampflanze ab, lud die Plutoniumenergiezelle auf und setzte sich an den Schreibtisch. Er suchte das dünne Kabel des VR-Anschlusses und machte sich bereit. Er zog den Kragen seiner Uniform runter und führte den Verbindungsstecker langsam in den Dataport ein. Das Quartier verschwand vor seinen Augen und nach einer kurzen Achterbahnfahrt der Sinne fand er sich in Ikarus' virtueller Realität wieder. Er ging ein Stück dahin und sagte:
                „Ikarus?“
                „Captain“
                „Hast du hier irgendwo historische Daten oder sowas?“
                „Natürlich“
                Eine Wand verschob sich und Laco hatte einen Zeitstrahl des Commonwealth vor sich.
                „Mal sehen...Hier. Kalderanischer Krieg“
                Er öffnete den Ordner.
                „Zeitabschnitt von 859 n.C. bis 895 n.C. Kurzzusammenfassung“

                Er las das Erwartete. Nach dem Erbeuten eines Ehrengarde-Schiffes und der Ermordung der Besatzung baute das kalderanische Militär eigene slipstreamfähige Raumschiffe. 870 n.C. erklärte die frisch gegründete kalderanische Allianz dem Commonwealth den Krieg. Mit Überraschungsangriffen gelang es den Kalderanern, die Ehrengarde aus der kleinen Magellanischen Wolke zu vertreiben. Mit neuen Waffen gelang es den Vedranern 890 n.C. ins Gebiet der Kalderaner zurückzukehren. Als 895 n.C. die kalderanischen Verteidigungsstreitkräfte auseinander brechen zu drohen, befiehlt die Heeresführung, Atombomben auf die vedranischen Streitkräfte auf Kalderash abzuwerfen. Durch schwere Verstrahlung von Kalderash beginnen die Überlebenden einen Exodus und kapitulieren gegen Ende 895 n.C. den Vedranern gegenüber.

                Erleichtert kehrte Laco in sein Quartier zurück und nahm den Übertragungsstecker heraus. Obwohl alle etwas Anderes behaupteten, hatte er sich jetzt den Beweis der Intergalaktischen Universität geholt, dass er Recht gehabt hatte. Er konnte und wollte keinen Frieden mit dem Käfer Chiquon schließen.

                Der Ton einer einkommenden Nachricht brachte Laco auf andere Gedanken.
                Die Botschaft war vom perseidischen Admiral Yuky.
                „Captain Agros. Ich habe gehört, dass Ihr nun zurück auf der Ikarus seid. Sobald das Schiff einigermaßen repariert ist, habe ich den nächsten Auftrag für Euch. Die Sabra und die Drago-Kazov haben eine Eroberungskampagne im Diogenes-Cluster gestartet. Wir haben dort kaum Schiffe und können kaum etwas dagegen tun. Da die Schiffe, die sie entsandt haben, aber nicht mehr an der Front im Einsatz sind, sind ihre Linien brüchig geworden. Eine leichte Kreuzergruppe hat das ausgenutzt und versucht, tief ins Terretorium des Feindes vorzustoßen. Wie Ihr wisst, ist der Feind nicht in der Lage, eigene Singularitätskraftwerke zu errichten. Die bereits vorhandenen müssen jetzt von uns zerstört werden. Sobald wir das geschafft haben, müssen sie auf Fusionskraftwerke zurückgreifen, um Energie für die Antiprotonengewinnung zu bekommen. Dann haben wir die Chance, ihre Ressourcenknappheit auszunutzen.
                Die leichte Kreuzergruppe, die ich vorhin angesprochen habe, wird von Captain Theodore Roosevelt auf der Gladiator angeführt. Sie sollte ein solches Singularitätskraftwerk zerstören und dann in den Commonwealthraum zurückkommen. Sie ist überfällig. Euer Auftrag ist, die Lage auszukundschaften und, wenn nötig, militärisch einzugreifen!
                Lang lebe die Kaiserin!“

                „Endlich haben wir einen neuen Auftrag“, dachte Laco sarkastisch. Die Schäden an der Ikarus waren nicht gerade so klein, wie er gehofft hatte. Einige davon konnten die Nanobots relativ leicht beheben, für den Schaden am Ausleger brauchte man jedoch eine Werft, zumindest aber Arbeiter in Raumanzügen und viel Metall. Wenn man das Schiff notdürftig zusammenflickte, würde es aber immer noch einen Tag dauern, bis es wieder einsatzbereit war. Und das war vielleicht zu spät für Captain Roosevelt und seine leichte Kreuzergruppe!

                35. Tag des Krieges


                Sie hatten Glück gehabt. Eines der Unterstützungsschiffe über Herodotus war ein Reparaturdockschiff gewesen. Es hatte sich um die Wunde Stelle der Ikarus geschlungen und die äußere Hülle innerhalb von 22 Stunden repariert. Die inneren Schäden konnten jetzt auch leicht behoben werden. Es war 10:30 CT (Commonwealth Time) und Laco saß gerade auf der Brücke der Ikarus. Seit einer Stunde steuerte sie der Käfer von der Andromeda-Galaxie in den Dreiecksnebel. Besonders viel zu tun hatte er nicht gerade, da sie Strings in diesen leeren Gebieten immer sehr geradlinig dahinliefen.
                Laco arbeitete den Missionsplan aus, Tarik las sein Buch, Elacta studierte die Strategiekarte, Leanne tat anscheinend gar nichts, ein Ulan lehnte an der Wand und gähnte und Lieutendant Unac, der Wissenschaftsoffizier, machte Brotzeit. Verstohlen sah Laco wieder zu Chiquon auf. Er hätte eigentlich kaum etwas tun müssen, vielleicht ein paar mal den Hebel zu bedienen. Aber er saß so aufrecht und konzentriert in dem Sessel, als ob er auf einer noch nie benutzten Verbindung zwischen einem Neutronenstern und einem Quasar flog. Laco versuchte sich einzureden, dass diese Konzentration ein Zeichen dafür war, dass Chiquon ein schlechter Pilot war. In Wirklichkeit aber wusste er es, ohne es zugeben zu wollen, besser.

                Stunden später, eigentlich mitten in der Beta-Schicht, befand sich Captain Agros erneut auf dem Kommandodeck. Er hatte die Nachricht erhalten, dass die Ikarus im Diogenes-Cluster angekommen war.
                „Sir, wo sollen wir mit der Suche beginnen?“, fragte Leanne.
                „Nahe des Zewaki-Systems. Dort war das Einsatzziel der Kampfgruppe und wenn sie zerstört wurde, dann in der Nähe dieses Systems!“

                35. Tag des Kriege, Esthashi Tarn


                Actrao stand am Abgrund. Unter ihm ging es hunderte Meter in die Tiefe. Er stand im Tagunssaal der Konklave auf Tarn Vedra. Actrao war auf der obersten Etage des Gebäudes, er stand hinter dem Ehrenplatz der vedranischen Kaiserin. Die Konklave war das Regierungsorgan des Commonwealth. Sie wurde nicht bei einzelnen Wahlen gewählt, wie die Triumvire, sondern ständig. Jeder Bürger des Commonwealth konnte seine Stimme einem Senator geben, der bei genügend Stimmen einen hohen Rang in der Konklave hatte. Machte er jedoch keine gute Arbeit, konnte das Volk seine Stimme einem anderen Senator geben, wann immer es wollte. Die Konklave war so immer in Schwung und die Arbeit kam nicht zum Stillstand. Auch gab es hier kein Parteiensystem. Die Senatoren schlossen sich über manche Themen einfachen Interessengruppen an, die sich bei der Lösung eines Problems einfach auflösten. Ja, die Konklave war wie ein Meer, in dem die Wellen immer auf und ab gehen, ein Meer, das niemals zum Stillstand kommt. Actrao sah auf die gegenüberliegende Seite. Etwas tiefer als der Platz der Kaiserin lagen die Plätze der Triumvire. Alle drei waren seit Kriegsbeginn leer geblieben, genau wie Sucharitkuls Platz. Heute aber öffnete sich der Torflügel und ein Mann auf Floaterstuhl kam herein. Er war schrecklich entstellt und konnte sich nicht bewegen. Er musste auch künstlich ernährt und beatmet werden, geistig war er aber voll da. Es war Tri-Koupa, der erste und jetzt auch einzige Triumvir des Commonwealth.
                Eine Etage unter dem Triumvirat saß der Krisenstab. Sie übernahmen jetzt auch die Regierungsgewalt der beiden toten Triumvire, bis Neuwahlen durchgeführt werden konnten. Das ging nicht provisorisch, alle Bürger des Commonwealth mussten abstimmen dürfen. Da dies durch die Unterbrechung der interstellaren Kommunikation nicht möglich war, gab es auch keine Neuwahlen. Nachdem Tri-Prince den Krisenstab aber fast vollkommen ausgelöscht hatte, bildeten weniger qualifizierte Leute das Rückgrat der Regierung des Commonwealth.
                Unter diesen beiden Etagen war die Konklave aufgeteilt. Der Raum war kreisrund und zylinderförmig. Bei der Hälfte der Breite, also genau beim Durchmesser, wurde der Raum von unten nach oben aufgeteilt. Die Senatoren saßen übereinander auf hundert Stockwerken. Diese etagenförmigen Halbkreise verengten sich nach unten hin etwas. Direkt unter Actrao, also im Halbkreis den Senatoren gegenüber befanden sich eigentlich nur Holoscreens. Der Halbkreis, in dem die Senatoren saßen, war von oben nach unten in drei Teile getrennt. Die drei Kammern der Konklave bildeten drei unabhängige Regierungen, die miteinander das Commonwealth regierten. Der Raum hatte einen Durchmesser von 25 Metern und war 250 Meter tief. Das waren gewaltige Dimensionen, immerhin war das Gebäude schon etwa 6.000 Jahre alt. Von außen sah es mit seinen Säulen aus wie ein römischer Tempel – nur viel, viel höher. Es stand auf einem Hügel im Regierungsviertel von Esthashi Tarn – direkt am Meer.

                Jetzt wurden auch die anderen Tore geöffnet und die Senatoren betraten die Konklave. Actrao nahm seinen Platz hinter dem Trohn der Kaiserin ein. Wenn er dort stand, war er ihr offizieller Sprecher, jedoch ohne ihre Sonderrechte. Die Delegierten setzten sich an ihre Plätze und verlinkten sich mit der VR-Matrix. Das war insofern praktisch, da es tausende Senatoren waren, und in diesem riesigen Saal die Stimmen einfach untergegangen wären. Seit der Erfindung der virtuellen Realität war die Arbeit der Konklave auch sehr viel produktiver. Der oberste Sprecher der 1. Kammer hatte als Erster das Wort.
                „Guten Tag, sehr geehrte Abgeordnete.
                Die heutige Sitzung steht unter dem Zeichen des Krieges. Wir möchten hier verschiedene offene Fragen klären“
                Über die virtuelle Realität hörte man ihn so klar reden, als ob er neben Einem stehen würde.
                „Als Erstes wollen wir alle wissen, wo sich Kaiserin Sucharitkul befindet. Nach Euren Informationen ist sie in einem geheimen Bunker in Sicherheit. Warum nimmt sie dann aber keinen Kontakt zu uns auf?“
                Actrao wusste, dass das, was jetzt vor ihm lag, wohl der unangenehmste Augenblick seines Lebens sein würde.
                „Hohes Haus“, begann er. „Die Kaiserin von Tarn Vedra, Sucharitkul XII wird nie auf Eure Rufe antworten“. Er legte eine kunstvolle Pause ein. „Sie ist tot“

                Eine Art Panik breitete sich in der Konklave aus. Niemand hatte gewusst, wie schlimm es wirklich war. Es dauerte fast zehm Minuten, bis sich der Aufruhr wieder gelegt hatte und Actrao weitersprechen konnte.
                „Ihr kaiserliches Schiff wurde bereits am ersten Tag des Krieges in einen nietzscheansichen Hinterhalt auf Lucretia gelockt. Ich bitte um Verzeihung für die Geheimhaltung, allerdings hätte eine öffentliche Bekanntmachung zu einer siebentägigen Staatstrauer geführt, was die sowieso schon langsame Mobilisierung der Ehrengarde nochmals gebremst hätte. Jetzt, wo die gesamte Garde einsatzbereit ist, durfte ich es aber sagen. Sie war eine große Persönlichkeit und ihr Tod wiegt schwer. Möge sie ins Jenseits eingelassen werden“
                „Und möge das ewige Licht ihren Pfad erleuchten“, kam von den Delegierten.
                Sofort wurden neue Fragen laut. Man hatte sich darauf verlassen, dass die Kaiserin im Notfall Vollmachten beantragt hätte und somit den Einsatz von Novabomben autorisiert hätte. Auf einen Antrag für Novabomben musste die Erlaubnis der Kaiserin eingebracht werden. Das stand so in der Commonwealth-Charta.
                „Mach schnell, Laco“, flüsterte Actrao zu sich selbts.
                Bald wurden auch Stimmen laut, dem Triumvir Notstandsvollmachten zu geben. Dieser meldete sich aber auch zu Wort.
                „Ich werde diese Vollmachten niemals gutheißen und niemals annehmen. Die vedranische Kaiserin ist – war – eine Gelehrte. Sie war die Einzige, die wirklich die Folgen einer Novaautorisierung abschätzen konnte. Ich bin erst zwei Jahre im Amt, wohl ein brillanter Politiker, aber auf diesem Gebiet kenne ich mich nicht aus. Ich werde nicht die Verantwortung über eine Entscheidung übernehmen, deren Tragweite ich nicht erfassen kann. Ende!“

                36. Tag des Krieges, irgendwo im Diogenes-Cluster


                „Wir haben jetzt tagelang gesucht und nichts gefunden! Die Gruppe wurde sicher zerstört. Wir sollten zurückfliegen, bevor es uns genauso geht, wie ihnen!“
                Solche Bitten und Kommentare musste sich Laco oft anhören. Die Leute hatten natürlich Angst. Die Ikarus war im Feindgebiet unterwegs, und es war nur eine Frage der Zeit, bis man sie finden würde! Aber da draußen warteten wahrscheinlich die Besatzungen von fünfzehn Kriegsschiffen darauf, gerettet zu werden. Es war schwierig, aber man konnte einen Krieg nicht gewinnen, ohne Risiko einzugehen. Laco war auf dem Medizindeck, wo ein Than-Arzt sein Bein behandelte. In der Medizin wurden am öftesten Nanobots eingesetzt. Sie waren gut für alles. Sie konnten Nerven abklemmen, um Schmerz zu lindern. Sie konnten Krebszellen gezielt ausmerzen. Sie konnten zu einer viel schnelleren Wundheilung beitragen. Für viele andere Behandlungen benutzte man spezielle chemische Salben. Eine dieser Salben trug der Arzt gerade auf Lacos Bein auf, um die Entzündung zu stoppen. Es hatte sich bereits ein tief blauer Schorf über der Wunde gebildet. Als der Arzt mit seiner Behandlung fertig war, stand Laco auf, um in sein Quartier zu gehen.

                Auf dem Weg traf er einen Slipfighterpiloten. Auch er riet Laco dazu, mit dem Schiff kehrt zu machen.
                Dieser entgegnete: „Da draußen sind Männer, die gerettet werden wollen!“
                „Und hier drin sind Männer, die nicht sterben wollen!“
                „Ich werde das nicht diskutieren. Wir haben die Informationen von der Garde, und wir werden die Suche nicht aufgeben, bis wir diese Infos abgearbeitet haben!“
                „Zumindest die Informationen, die uns die Garde zukommen hat lassen! Über Zensur müssen wir ja nicht reden!“
                „Bitte?“
                „Wer weiß, wie viel uns die Garde verschweigt? Das war doch schon immer so!“
                Laco entgegnete zornig: „Ich werde diese Mission nicht diskutieren! Wegtreten!“
                Der Mann sah Laco finster an und ging weg. Zensur? Im Commonwealth? Dieser Gedanke war wirklich absurd! Zu dieser Zeit! Zu dieser Zeit?...Nein, vermutlich nicht, aber früher... so ungefähr zur Zeit des kalderanischen Krieges. Laco fiel es wie Schuppen von den Augen und er fiel in den Laufschritt. Als er zu seinem Quartier kam, öffnete er es schnell, setzte sich an den Schreibtisch und steckte sich den Übertragungsstecker in den Dataport. Er fand sich in der virtuellen Realität wieder.

                „Ikarus! Nochmal alle Informationen zum kalderanischen Krieg abspielen! Zeitraum 859 n.C. bis 895 n.C.“
                Die selben Informationen wie beim letzten Mal erschienen.
                „Ikarus! ID auf „Black“ erhöhen. Sicherheitsstufe 97!“
                „Laco. Ihr habt weder eine Sicherheitsstufe 97 noch eine ID „Black““
                „Abwarten, mein Freund“
                „Seltsam“, bemerkte Ikarus. „Die Informationen sind kompatibel. Wo habt Ihr ein solch hohe Identity-Stufe her?“
                „Ich bin Undercover-Mitglied beim privaten Sicherheitsdienst der Kaiserin!“
                „Höchst interessant. Ich lasse Euch die Informationen zukommen, die für diese hohe Stufe freigegeben sind“
                Das Bild veränderte sich. Plötzlich waren ganz andere Informationen dargestellt, die man in keinen Geschichtsflexys fand.

                Laco las: Kalderanischer Krieg: Kurzzusammenfassung: Der Konflikt zwischen dem kalderanischen Volk und dem vedranischen Imperium begann im Jahr 859 nach der Gründung des Commonwealth. Ein Schiff der Ehrengarde entdeckte das kalderanische System. Man fand heraus, dass der dritte Planet bewohnt war und setzte Kurs. Der Erstkontakt zwischen Vedranern und Kalderanern verlief anfangs gut. Es war die erste intelligente nicht von Tarn Vedra stammende Rasse, die entdeckt wurde. Als später von vedranischer Seite aber Angebote gemacht wurden, dem Imperium als zweitrangige Rasse beizutreten, wurde das von kalderanischer Seite als große Beleidigung angesehen. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen hochrangigen Kalderanern und den Mitgliedern der Ehrengarde. Schließlich fiel ein Schuss und traf einen kalderanischen Würdenträger. Die gesamte Delegation der Vedraner wurde daraufhin hingerichtet. Als die Kalderaner das Schiff der Ehrengarde auseinander nahmen, entdeckten sie den wirklichen Schatz. Den Slipstream-Antrieb. Er wurde in alle Schiffe der lokalen kalderanischen Flotte eingebaut, eine Kolonisierungswelle war die Folge. In den folgenden Jahren wurde die Flotte von Kalderash immer größer, ihre Spitze erreichte sie im Jahr 872 n.C. Als Kaiserin Yoweri VIII 869 n.C. den Angriff auf Kalderash befahl, ahnten die Kalderaner das bevorstehende Schicksal noch nicht. 870 n.C wurde die kalderanische Allianz gegründet, ein Bündnis der kalderanischen Kolonien mit der Heimatwelt, die Schutz vor den einfallenden Vedranern bieten sollte. Der Krieg zog sich Jahrzehnte lang hin, jedoch nicht sehr aktiv. Mit der Erfindung der Atombomben auf Seite der Vedraner neigte sich das Kriegsglück klar auf die Seite des Imperiums. 890 n.C. waren alle kalderanischen Kolonien in Besitz des Commonwealth. Dann befahl Kaiserin Yoweri VIII 890 n.C. den Angriff auf Kalderash. In fünf Jahren sarb dort ein Großteil der Soldaten der Garde, da die kalderanischen Zivilisten den Aufrufen ihrer Regierung gefolgt waren und sich gegen die Invasion wehren. 895 n.C. sah es so aus, als könnten die Kalderaner die Truppen der Ehrengarde aus Kalderash vertreiben. Als es zur Gegenoffensive kam, unterzeichnete Kaiserin Yoweri den Einsatz von planetaren Nuklearsprengköpfen auf Kalderash. Auf einen Schlag werden 20.000 Atombomben, der gesamte Bestand der Ehrengarde, auf Kalderash abgeworfen. Alle Überlebenden beschlossen einen Exodus, hatten aber nicht genug Schiffe. Gegen Ende des Jahres 895 n.C. kapitulierten die zwölf Millionen überlebenden Kalderaner dem Imperium gegenüber. Schiffe für die Evakuierung von Kalderash wurden geschickt. Zum Zeitpunkt des Auszugs waren noch zehn Millionen Kalderaner am Leben. Sie verstreuten sich über die gesamte bekannte Welt und gründeten überall Kolonien. Viele starben noch an Strahlenschäden. Am Schluss waren noch etwa vier Millionen Kalderaner am Leben. Der Krieg hatte insgesamt etwa viereinhalb Milliarden Fühlenden das Leben gekostet.
                siehe des Weiteren: Kalderanisch-vedranische Feindschaft, Expansionskrise, Terraforming Kalderashs, weitere Folgen

                Laco tippte „Expansionskrise“ an.
                Nach Kalderashs Bombardement zogen vier Millionen Kalderaner hinaus in die Galaxis. Sie gründeten überall Kolonien, und verstreuten sich in den folgenden tausend Jahren im gesamten bekannten Universum. Der vedranischen Regierung wurde sofort klar, dass dies aufgehalten werden musste. Da das vedranische Volk große Verbundenheit zu seiner Heimatwelt zeigte, expandierte es nicht. Das kalderanische Volk hingegen vermehrte sich in ein paar Jahrhunderten wieder auf mehrere Milliarden. Sollten die Kalderaner zu zahlreich werden, würden sie irgendwann im Commonwealth die Oberhand bekommen. Die Vedraner beschlossen, die kalderanische Expansionspoloitik einzudämmen. Durch Vergünstigungen, Sonderangebote usw. versuchte die Regierung des Imperiums, die Kalderaner zurück in die kleine Magellanische Wolke zu drängen. Die Expansionskrise erreichte ihren Höhepunkt im Jahre 4279 n.C. bei der Gründung des demokratischen Commonwealth. Eines der ersten Projekte war die Wiederherstellung der Natur Kalderashs. Durch Strahlungshemmer wurde die Radioaktivität zu 99,5 % genommen, 4303 n.C. war Kalderash wieder zu einer so blühenden Metropole wie vorher. Das Commonwealth bot den Kalderanern als „Wiedergutmachung“ einen kostenlosen Umzug in ihre ehemalige Heimat oder eine nahe Kolonie an. Dieser „Ruf der Heimat“ wurde von vielen Kalderanern gehört. Die weitere Expansion des kalderanischen Volkes konnte mittels dieses Wohlstands wieder eingedämmt werden. Heute leben auf Kalderash etwa 19 Milliarden Fühlende, von denen etwa drei viertel Kalderaner sind.

                Jetzt tippte Laco „Kalderanisch-vedranische Feindschaft“ an.
                Schon anfangs sahen die Vedraner die Kalderaner als geringere Rasse an. Beide Rassen sind sehr stolz. Während des Krieges respektierten die Kalderaner die Vedraner als Gegner, die Vedraner sahen in den Kalderanern mindere Wesen. Die Feindschaft selbst begann aber erst bei der Bombardierung Kalderashs durch die Ehrengarde. Der Hass auf die blauhäutigen Feinde ist zu einem wichtigen Bestandteil der kalderanischen Kultur geworden. „Der meistgehasste Blutsfeind“ wurde zu einem gebräuchlichen Ausdruck der Kalderaner den Vedranern gegenüber. Diese nannten die Kalderaner oft „Käfer“ oder „Mistkäfer“. 4279 n.C. beschlossen die Kalderaner, den Vedranern offiziell zu vergeben. Experten behaupten aber, dass der Hass noch immer in beiden Völkern tief verwurzelt ist. Noch immer träumen kalderanische Konservative von der Trennung Kalderashs vom Commonwealth, was aber unmöglich geworden ist. Kalderash gehört zu den Kernwelten des Commonwealth, und die kalderanische Kultur ist mittlerweile genau so eingewurzelt wie die vedranische, die perseidische, die menschliche, oder die der Than.

                Laco öffnete die Augen. Nein, ihm wurden die Augen geöffnet. Geschockt saß er in seinem Stuhl. Er war 34 Jahre alt. Sein ganzes Leben hatte er einer Lüge geglaubt. Einer Lüge der Propaganda seines Volkes. Schon als Kind hatte man ihn gelehrt, dass die Kalderaner und sein Volk erbitterte Feinde waren, und dass das immer so bleiben würde. Er hatte geglaubt, dass sein Volk immer das Richtige getan hatte, und dass stets die Kalderaner die „Bösen“ gewesen waren. Und das Schlimmste: Chiquon. Er war der erste und einzige Kalderaner, dem Laco jemals begegnet war. Er war ein treuer Offizier, den er zu lange diskriminiert hatte. Er war im Unrecht gewesen und hatte Chiquon unfair behandelt. Wie sollte er sich entschuldigen? Sein Stolz ließ nicht zu, dass er eine einfache Entschuldigung abgab. Vielleicht sollte er ihn befördern. Ja, das würde er mit Sicherheit tun. Da wurde ihm zum ersten Mal klar, dass er Chiquon noch nie beim Namen genannt hatte. Er hatte immer Nur „Steuermann“, „Lieutenant“ oder „Käfer“ gesagt. Und wie würde dieser darauf reagieren?

                Die Alarmlichter der Ikarus leuchteten auf und die Sirenen gingen an.
                „Code Blue! Alle Stationen besetzten. Code Blue! Alle Stationen besetzen!“
                Laco wollte aufstehen, spürte dann aber den Schmerz. Er hatte noch nicht einmal den Übertragungsstecker entfernt. Zornig holte er das nach und wollte nach seiner Kampflanze greifen. Wo hatte er die nur hingelegt? War ja egal! Er rannte los und kam wenig später auf dem Kommandodeck an.
                Elacta sagte: „Ein nietzscheanischer Kreuzer und ein Zerstörer voraus. Sie haben zehn Fighter dabei und feuern auf uns. Wir erwidern das Feuer und starten die Slipfighter und Drohnen!“
                „Ladet die Rohre mit Anti-Fighter-Raketen und schießt sie auf die Garuda-Boote!“
                Die Ikarus feuerte. Zwei Fighter wurden vollkommen vernichtet.
                „Jetzt ladet die Rohre mit Standard-Offensivraketen! Dauerfeuer! Ich will ihre Schwachstellen herausfinden!“
                Die grünen Raketen entfernten sich mit knappLichtgeschwindigkeit von der Ikarus. Sie wurden ausnahmslos abgefangen.
                „Sir, sie verlegen ihre Fighter nach vorne!“
                „Distanz?“
                „Etwa 5 Lichtsekunden, Geschwindigkeit 20 PSL!“
                „AP-Kanonen bereitmachen! Die PDLs sollen alles abfangen, was sich nähert. Dauerfeuer beibehalten!“
                Elacta konterte: „Sir, unsere PDLs können nicht alles abfangen. Die Nietzscheaner schießen mit mehreren Batterien auf uns, irgendetwas wird durchgehen!“
                „Analysiert ihren Angriff und macht Schwachstellen aus!“
                Raketen der Fighter trafen das Schiff. Funken sprühten von der Decke.
                „Jetzt die AP-Kanonen. Feuer! Maximale Streuung!“
                Die Kanonen feuerten, trafen aber keinen der Fighter.
                „Sir, die Drohnen sind gestartet!“
                „Alle Einheiten nach vorne verlegen!“, befahl Tarik.
                „Sir, die Slipfighter sind gestartet. Alle Stationen besetzt und bereit!“
                „Die Slipfighter zur Raketenabwehr einsetzten!“
                Wieder trafen Raketen die Ikarus.
                „Sir, wir haben einen Frontalen PDL verloren!“
                Die Garuda-Fighter wendeten und machten sich zu einer weiteren Angriffswelle bereit. Jetzt traf eine der AP-Kanonen.
                „Jetzt sind nur noch sieben Fighter draußen. Einer von ihnen ist leicht beschädigt!“
                Eine Sensordrohne der Ikarus wurde durch einen Treffer zerstört.
                „Sir, zwei unserer Raketen sind durchgekommen. Minimaler Schaden am Kreuzer!“
                Elacta meldete: „Wir haben einen ihrer Fighter getroffen. Er trudelt auf die Ikarus zu!“
                Eine Erschütterung meldete den Aufschlag des Jägers auf das Schiff.
                „Ein weiterer PDL wurde zerstört!“
                Nach einiger Zeit meldete Ikarus: „Ich habe die Verteidigungsmuster analysiert. Wir können einen Treffer landen!“
                Elacta berichtete: „Einer unserer Slipfighter wurde zerstört, außerdem haben wir zwei weitere Drohnen verloren! Jetzt hat der Feind einen Fighter weniger!“
                Laco fragte: „Haben wir Negativsprengköpfe an Bord?“
                „Nur Einen“, war Elactas Antwort.
                „Ladet ihn! Wir schicken ihn mit einer Salve zum Kreuzer und hoffen, dass er durchkommt!“
                Die Ikarus wurde noch einmal schwer am Top getroffen.
                „Alles fertig?“, fragte Laco.
                „Aye, Sir“
                „Magazine leeren, Feuer!“

                In einer Sekunde wurden 80 Raketen gestartet. Nachdem sie eine Lichtsekunde von der Ikarus entfernt waren, aktivierten sie ihren Antrieb, um nicht linear auf die Feindschiffe zu zulaufen. Wäre das der Fall gewesen, wären sie sehr leicht abzufangen gewesen. Eine der Raketen hatte einen Negativsprengkopf an Bord. Das waren die schwersten konventionellen Waffen, die das Commonwealth verwendete. Die Nietzscheaner konnten eine Negativwaffe durchaus orten, allerdings konnten sie nicht orten, in welcher der Raketen der Sprengkopf war. Negativwaffen waren tödlich. Durch ein Fusion von Antiteilchen und ihrer Rekombination an der feindlichen Hülle wurde so viel Energie frei, dass man mit einer Waffe einen ganzen Asteroiden sprengen konnte.

                „Sir, sie fangen die Raketen ab, Eine nach der Anderen!“ Bald hatten sie so gut wie alle Raketen vernichtet. Die mit der Negativbombe aber schwenkte aus und flog im toten Winkel ihrer PDLs weiter. Sie erreichte ihr Ziel. Mit einem Schlag wurde das Feindschiff auseinander gerissen. Jubel brach auf der Ikarus aus.
                „Jetzt ist nur noch der Zerstörer übrig. Zehn direkte Offensivsalven, daraufhin auf Defensivfeuer umstellen und die übrigen Fighter auslöschen!“
                Alle weiteren Garuda-Boote wurden vernichtet, aber erst nach der Zerstörung zweier weiterer PDLs.
                „Sir, ich messe Negativwaffen. Drei Signale. Kommen direkt auf uns zu!“
                Tarik meinte: „Sie haben drei Raketen gestartet, wenn die uns treffen, sind wir tot!“
                Elacta fügte hinzu: „Mit dem übrigen PDL können wir nur eine abfangen!“
                „Alle Waffen auf den Zerstörer richten. Wir müssen ihn vernichten, bevor uns diese Raketen treffen!“
                Die Ikarus erhielt ein Signal von einem Fighterpiloten.
                „Hier ist Wolfeman. Meine Waffen sind blockiert, aber ich kann mich in eine der Raketen stürzen!“
                Laco wusste, dass er diesen Mann in den Tod schickte. „Tut es!“
                Der Pilot verabschiedete sich mit: „Lang lebe das Commonwealth und die Kaiserin!“
                Die Explosion beim Auftreffen auf den Slipfighter war gigantisch. Die nietzscheanischen Negativwaffen waren mindestens genauso stark wie ihre Gegenstücke der Ehrengarde.
                „Immer noch zwei kommen auf uns zu!“
                Eine wurde von einem PDL abgefangen, die Andere schlug auf eine Kampfklinge der Ikarus auf. Die Beleuchtung fiel aus, alle wurden durch den Raum geschleudert. Rauch und Feuer breiteten sich auf der Brücke aus, wurden aber automatisch gelöscht bzw. abgesaugt. Die KI fiel aus, ebenso wie Antrieb, Waffen, Kommunikation, Sensoren und alles Andere.
                „Schnell“, brüllte Laco. „Stellt die Energie wieder her. Da draußen ist ein Zerstörer, der uns grillen will!“

                Insgesamt dauerte es zehn Minuten, bis die Sensoren wieder funktionierten. Sie zeigten den Zerstörer nicht an. Die beiden übrigen Slipfighter landeten im Hangar der Ikarus. Laco befahl, einen der Piloten auf die Brücke zu schicken. Er gab Entwarnung und schickte die beiden nicht diensthabenden Schichten wieder ins Bett.
                Zum kalderanischen Piloten sagte er: „Lieutenant Chiquon... Ich... würde es bevorzugen, wenn Ihr... noch etwas bleiben würdet“. Der Kalderaner stand zwar auf und übergab den Pilotenstuhl an den diensthabenden Offizier, blieb aber wortlos auf der Brücke.
                Laco sah sich noch schnell die erste Verlustliste durch. Anscheinend waren bei diesem Gefecht dutzende Fühlende auf der Ikarus umgekommen.
                Der Pilot des Slipfighters kam aufs Kommandodeck. Es war der selbe, der Laco auf dem Korridor angesprochen hatte.
                „Chief Petty Officer Greyman meldet sich, Sir“
                „Mr. Greyman... was hat den Zerstörer zerstört?“
                „Nichts, aber er war so schwer beschädigt, dass sie sich entschlossen, in den Slipstream zu springen, bevor die Slipfighter bei ihnen ankamen“
                „Auch wir sollten diesen höchst unglückseligen Ort verlassen, bevor sie mit Verstärkung zurückkommen“, sagte Laco.
                Der Pilot fragte: „Sir, ich nehme einmal an, dass wir jetzt die Mission abbrechen, oder?“
                Laco fuhr ihn an: „Nein! Wir brechen diese Mission nicht ab. Sie ist nicht abgeschlossen, und ich werde diese Männer nicht im Stich lassen! Wenn ich meine Bestimmung finden will, muss ich meinen Idealen folgen, und meine Ideale sagen mir, dass ich diese Männer nicht ihrem Schicksal überlassen soll, ist das klar?“
                „Sir-“
                „Ist das klar?“, schrie Laco.
                Der Pilot nickte kurz.
                Laco kommandierte: „Steuermann, bringt uns in den Slipstream. Wir springen ins Casaio-System!“
                Dieser tat nichts.
                „Steuermann, ins Casaio-System!“
                Immer noch nichts. Laco merkte nicht, wie angespannt die Situation war.
                „Wollt Ihr Euch meinem Befehl widersetzen?“, fragte Laco drohend.
                „Sir, ich kann diesen Befehl nicht guten Gewissens ausführen“
                „Sergeant“, sagte der Vedraner zum wachhabenden Offizier. „Bringt den Ensign in die Arrestzelle!“
                Auch dieser rührte sich nicht.
                „Verdammt! Was soll das werden?“, polterte Laco.
                Der Slipfighterpilot antwortete: „In einer Demokratie nennt man so etwas Abstimmung. In der Ehrengarde nennt man es Meuterei!!“. Und er zog seine Kampflanze.
                „Laco griff zur Seite – und merkte, dass er seine Waffe nicht dabei hatte. Andernfalls wäre der Pilot schon tot gewesen. Jetzt zogen auch die anderen Beteiligten ihre Waffen. Ehe er sich versah, waren alle Kampflanzen auf Laco gerichtet. Nein, nicht alle, die Chiquons war auf den Steuermann der Gamma-Schicht gerichtet.
                „Los! Waffe fallen lassen und auf den Boden legen!“, befahl der Lancer.
                Der Steuermann sagte: „Waffe runter und an die Wand, los!“
                Chiquon machte keine Anstalten, dem Befehl zu folgen.
                Laco deutete ihm an, sich zu ergeben. Er ließ die Waffe fallen. Der Pilot fuhr seine Lanze aus und schlug sie Laco ins Gesicht. Dunkelblaues Blut lief ihm aus den Mundwinkeln.
                „Los! Vorwärts!“, schrie ein Mann. Er drückte Laco und Chiquon jeweils eine Kampflanze an den Rücken und führte sie vom Kommandodeck. Laco rechnete fest damit, jetzt in der Arrestzelle zu landen.

                Er irrte sich. Einer der Meuterer drückte auf einen Knopf, das Schott zu einer Rettungskapsel öffnete sich. „Rein da, aber schnell!“, befahl der Pilot.
                Laco begann zu protestieren und bekam dafür erneut eine Kampflanze an den Schädel.
                „Merk dir eins!“, sagte der Pilot. „Mein Leben ist mir wichtiger als alles Andere im verdammten Universum!“. Auf seine Knopfdruck schloss sich das Schott. Laco klopfte gegen die Scheibe, aber da war es schon zu spät. Die Kapsel wurde mit Wucht aus der Ikarus gepresst. Kurz darauf zündeten die Düsen und sie kam zum Stillstand.

                Das – war wirklich die schlimmste Situation, in der er sich jetzt befinden konnte. Er war mit einem Kalderaner in einer Rettungskapsel für zwei Mann. Man hatte ihn in einem unbewohnten System ausgesetzt und eine Bande Meuterer hatte sein Schiff übernommen. Konnte es noch schlimmer kommen? Ja, das konnte es. Vor der Ikarus tat sich ein Slipstreamportal auf und verschluckte das Schiff. Das – war das Ende!

                37. Tag des Krieges, Ikarus


                Es war 7:30 CT. Langsam wurde das Licht in Tariks Quartier hochgefahren. Es war zwar eine sanfte Weise des Erwachens, aber trotz allem eine Unangenehme. Tarik streckte sich, stand auf und zog sich die Uniform an. Heute wollte er nicht duschen, obwohl er es nach der Schlacht gestern Nacht dringend nötig gehabt hätte. Wie immer schmiss er sich in die schwarze Uniform, steckte sich zwei Kampflanzen in die Halterungen und einen Wurfstern in den linken Stiefel. Er fuhr sich durch die Haare und kämmte auch den kurzen Bart. Dann verließ er sein Quartier und machte sich auf zum Observationsdeck.

                Als er den Raum betrat, sah er die Mitglieder der Besatzung tuschelnd zusammen sitzen. Als er zu ihnen sah, wandten sie ihre Blicke schnell ab. Tarik fand das nicht weiter seltsam und setzte sich an den kleinen Tisch, wo er sich morgens immer mit Elacta und Laco traf. Sie saß schon mit schwarzem Kaffee und Essen am Tisch, das Tarik ekelhaft fand. Es waren Zusammensetzungen der Pilze auf San Ska Re von denen sich die Thanlarven ernährten. Tarik holte sich sein Essen und setzte sich zu ihr.
                „Weißt du, was da los ist?“, fragte sie ihn.
                „Nein, was soll schon sein“, entgegnete er. „Die sind vermutlich wegen dem Gefecht so verstört. Ich kann's verstehen. Sie haben wohl viele gute Freunde verloren“
                „Nein, ich denke, dass ist etwas Anderes. Sie sind so... schockiert irgendwie“
                „Das hängt alles mit der Situation zusammen. Die Mission, das Gefecht, die Gefallenen... sieh dir doch nur mal die Lücken in der Besatzung an!“
                Tatsächlich waren weitaus weniger Leute beim Frühstück als sonst. Als Tarik seien Toast fertig gegessen hatte, machten sich die Beiden auf den Weg zur Brücke. Es war seltsam, dass Laco nicht aufgetaucht war. Sonst aßen sie doch immer miteinander!

                Als er das Kommandodeck betrat, war Tarik erst richtig verunsichert. Nicht wegen der beachtlichen Schäden, sondern weil Chiquon noch nicht an seinem Platz war. Die einzige Erklärung dafür war, dass er in der Schlacht gefallen war. Aber Tarik konnte schwören, ihn gestern nach dem Gefecht noch gesehen zu haben. Und er wusste auch, dass Laco ihn hier behalten hatte. „Vielleicht hat er ihn ja umgebracht“, dachte Tarik scherzhaft. Er stellte sich an den Platz des XO und begann seine Arbeit zu tun. Seine Aufgabe war es, die Organisation der Reparaturarbeiten zu führen.

                Nach etwa zehn Minuten wurde ihm mulmig. Die Beiden waren noch immer nicht aufgetaucht, alle anderen Männer der Alpha-Schicht waren jedoch anwesend. Er beugte sich zu Elacta vor und fragte: „Was ist da los?“
                „Keine Ahnung“, war ihr Kommentar.
                Sie befragten Ikarus. Er riet ihnen, nach Frachtdeck 1 zu gehen. Beide Offiziere machten sich auf den Weg. Die Tür zu Frachtdeck 1 öffnete sich. Anscheinend war der Raum gerade verlassen. Die Tür schloss sich.
                „Wer ist da?“, fragte Tarik mit erhobener Waffe.
                Zwei Männer traten aus dem Dunkel hervor.
                „Ihr wollt sicher wissen, wo Captain Agros ist, nicht wahr?“
                „Ja“, sagte Elacta.
                „Es ist gestern zu einem Konflikt gekommen. Letztendlich entschieden sich der Captain und der erste Steuermann, das Schiff zu verlassen“
                „Ihr habt die beiden von Bord geworfen?“, fragte Tarik .
                „Es gab eine Meuterei. Das wissen aber nur wir vier und die anderen Männer, die auf der Brücke waren. Wir haben uns darauf geeinigt, dass die beiden mit einem Slipfighter geflogen sind, der dann zerstört wurde. Wir haben das Nötige schon inszeniert“

                Tarik dachte nach. Was konnte er tun? Wenn er die Meuterer verhaften ließ, wusste er offiziell davon. Und dann müsste er zurückfliegen und Laco holen. Und das war Selbstmord. Die Nietzscheaner rückten ihnen auf die Pelle und wenn sie jetzt zurückflogen, würden sie aus dem Alle gepustet werden. Wenn er aber die Meuterer inhaftierte und nicht zurückflog, bekam er riesige Probleme mit dem Kriegsgericht. Er musste also mitspielen und Laco als tot erklären. Außerdem war er wahrscheinlich schon längst tot. Das versuchte Tarik jedenfalls, sich einzureden.
                „In Ordnung. Die beiden sind Fighter geflogen und wurden getötet“
                „Was ist mit den Informationen der KI?“, setzte Elacta nach.
                „Die haben wir bereits manipuliert. Ikarus glaubt, dass die Beiden tot sind“
                „Noch eine Frage“, sagte Tarik. „Was ist mit der Rettungskapsel geschehen?. Offiziell?“
                „Versehentlicher Fehlstart während des Kampfes“
                Elacta wollte noch wissen: „Wieso musstet ihr die Beiden über Bord werfen?“
                „Weil uns sonst das Kriegsgericht gekriegt hätte. Und so weit soll es doch nicht kommen“, sagte er drohend. „Auf jeden Fall habt Ihr, Tarik, nach der Schlacht beschlossen, die Suche aufzugeben und ins Commonwealthgebiet zurückzufliegen. Noch Fragen?“

                38. Tag des Krieges, irgedwo im Diogenes-Cluster


                Antriebslos trieb die Kapsel durchs Weltall. 28 Tage. Das war die Zeit, die ihnen noch blieb. Alle Rettungskapseln der Ehrengarde waren auf 30 Tage ausgelegt. Sie waren nach Standardart mit einer Ferylliumhaut überzogen, einer der härtesten Materialien überhaupt. Sie verhinderte das Austreten des Sauerstoffs. In der Kapsel gab es kein AG-Feld. Die Luft war sehr dünn, aber kaum mit Stickstoff durchsetzt. Im Großen und Ganzen war alles darauf ausgelegt, die Personen im Inneren müde zu halten. Und es klappte. Die Zeit bisher war Laco nicht vorgekommen, wie zwei Tage. Schlafen, dösen, einnicken. Man wurde nie so richtig wach. Ab und zu entleerte man seine Blase über einen Schlauch, das Fehlen eines AG-Feldes hätte den Urin im Inneren der Kapsel herumschweben lassen. Außerdem konnte ein Recyclingsystem den Urin wieder aufbereiten. Auch für Nahrung war gesorgt. Die Kapsel war mit Feldrationen der Ehrengarde gefüllt. Sie sahen aus, wie rechteckige Platten und hatten ungefähr den Geschmack einer Mischung zwischen nasser Tageszeitung und Tofu, aber noch ein bisschen fader. Allerdings enthielten sie alle essentiellen Nährstoffe. Man konnte, wenn man wollte, diese Feldrationen sein ganzes Leben lang essen. Die Nahrung hier war aber sehr begrenzt, sie reichte für zwei Personen auch etwa 30 Tage lang. Ebenso das Lebenserhaltungssystem. Die Kapsel war zwar mit Biopacks ausgestattet, die im Normalfall Jahre halten konnten. Aber wegen Flüssigkeitsmangel starben sie nach ca. 30 Tagen nach dem Ablegen. Zu dieser Zeit wurden sie auch nicht mehr künstlich beleuchtet, da auch die Energiezellen, die für die Temperaturregelung verantwortlich waren, nach 30 Tagen leer waren.

                Laco hatte gerade einen klaren Moment gehabt. Er richtete sich auf, schwebte auf die andere Seite der 2-Mann-Kapsel und nahm ein Medikament aus dem Kästchen. Sie sollten den Muskelabbau verhindern und reichten für zwei Personen – 30 Tage. Er jagte sich das Zeug in den Hals, desinfizierte das Injektionsröhrchen und legte es zurück. Er sah aus dem Fenster. Grenzenlose Leere in alle Richtungen. Wie sollte er noch 28 Tage in dieser verfluchten Kapsel aushalten? Und vor allem mit dem da! Chiquon schlief gerade, so wie er es die meiste Zeit tat, wenn Laco wach war. Dieser hatte jetzt das dringende Bedürfnis, ihn zu wecken, weil er jemanden zum Reden brauchte. Er unterließ es dann aber doch. Stattdessen prüfte er noch das Ortungssignal, stellte aber keine Fehler fest. So ein Leuchtfeuer konnte ihr Leben retten, wenn sie die Ehrengarde finden würde. Dann packte der Schlaf Laco wieder. Er setzte sich an seinen Platz, schnallte sich fest und streckte die Beine aus...

                39. Tag des Krieges, Ikarus


                „Sir, wir haben zwei Sensorkontakte, Entfernung, 20 LM“, meldete Elacta.
                „Bericht!“, forderte Tarik.
                „Es sind zwei Schiffe des Commonwealth. Das Eine ist ein Schiff der Pride of Kaldera Klasse, das Andere gehört zur Honor of Ugroth Klasse“
                „Ein Verteidigungsschiff und ein schwerer Kreuzer“, schlussfolgerte Tarik. Die Ikarus näherte sich auf Echtzeitkommunikationsreichweite.
                „Sie rufen uns“, sagte Ensign Bogacy.
                „Kanal öffnen!“
                Das Gesicht eines Menschen erschien am rechten Bildschirm. Er schein etwa Mitte 30 zu sein, schien aber wegen des verdreckten und blutigen Gesichtes viel älter.
                „Ich bin Captain Teddy Roosevelt von der Gladiator. Von der Kampfgruppe ist nur sie und die Bright Silver davongekommen. Die anderen Überlebenden haben wir, so gut wir konnten, aufgenommen, aber wir sind vollkommen überbelastet! Nietzscheaner verfolgen uns, wir haben kaum noch Nahrung und Treibstoff. Wir brauchen unbedingt Hilfe!“
                „Ich bin Ca..ommander al Ashraf von der Ikarus. Wir haben den Auftrag, Euch zu finden und zu helfen“
                „Können wir einen Teil der Überlebenden an Bord Eures Schiffes bringen?“
                „Ja, aber ich muss Euch warnen, dass es schwer beschädigt ist“
                „So beschädigt wie die Gladiator kann sie gar nicht sein“, sagte Roosevelt und beendete die Übertragung.

                Dutzende Rettungskapseln landeten im Hangar der Ikarus. Tarik war gerade in der Kontrollstation, als er die Leute sah, die aus den Kapseln stiegen. Meistens waren es Acht Leute in 8-Mann-Kapseln, ab und zu waren auch 2-Mann-Kapseln dabei. Die Männer waren verdreckt, verletzt und kaum versorgt. Viele mussten aus ihren Kapseln getragen werden. Tarik dachte, dass sie den Proviant und die Medikamente auf der Ikarus recht schnell aufbrauchen würden. Die Meuterer waren auch auf dem Hangardeck eingetroffen. Als sie das Elend sahen, das diese Fühlenden durchgemacht hatten, schienen sie geschockt zu sein. Kein Wunder, wo doch sie darauf bestanden hatten, diese Leute im Stich zu lassen. Eigentlich war es ja auch nur Zufall, dass sie die Überlebenden hier getroffen hatten, aber trotzdem war es ein gutes Gefühl, dass Laco und Chiquon nicht umsonst „gestorben“ waren. Hätten sie Lacos Plan befolgt, hätten sie die beiden Schiffe wohl nie getroffen. Ein Transporter landete neben den Fluchtkapseln. Es war Captain Roosevelt, der ausstieg. Tarik ging mit ihm zum Observationsdeck, um die Lage zu besprechen.

                „Anfangs lief die Mission sehr gut“, berichtete Roosevelt. Die Kreuzergruppe kam unbehelligt ins Zewaki-System. Als wir das Singularitätskraftwerk angriffen, wurden wir aber bemerkt. Die Heimatflotte konnte uns lange genug auf Distanz halten, bis eine Unterstützungsflotte eingetroffen ist. Ich hatte die Wahl zu springen und meinen Arsch zu retten, oder den Auftrag auszuführen“
                „Und Ihr habt Euch für den Auftrag entschieden“, schlussfolgerte Tarik.
                „Ja. Dreizehn Schiffe meiner Flotte wurden zerstört, aber wir konnten den PSP-Generator zerstören. Viele Fühlende mussten Sterben, aber wir haben gesiegt!“
                Tarik wusste, wie wichtig dieser taktische Schlag für das Commonwealth war, denn die rohstoffarmen Nietzscheaner von effizienter Energieproduktion abzuschneiden, war eine Möglichkeit, ihre Flottenbewegungen einzuschränken. Aber so viele Leben zu riskieren. Aber ohne Risiko konnte man einen Krieg nicht gewinnen!

                42. Tag des Krieges, Herodotus

                Wenn sie sich nur nicht so verschanzen würden! General Skyfalls stand im Kommandozentrum der schweren Bodenartillerie der Ehrengarde. Sie schossen auf die Stellungen der Nietzscheaner. Die hatten sich alle Zivilisten geholt, die sie kriegen konnten. Das Militär hatte es wirklich geschafft, alles zu mobilisieren, was man mobilisieren konnte. Ein Projektil schlug neben der Stellung ein. Die Explosion war heftig, allerdings hatte Skyfalls schon viel mehr erlebt. Die Hoffnung der Ehrengarde, Herodotus schnell erobern zu können, war schon tot. Es würde wohl ein sehr langer und verlustreicher Kampf werden! Und wofür? Das wusste nicht einmal der General.

                51. Tag des Krieges, irgendwo im Diogenes-Cluster


                Halbzeit! Laco und Chiquon saßen jetzt genau fünfzehn Tage in dieser verdammten Kapsel. Langsam wurden sie wahnsinnig. Das viele Dösen und Schlafen konnte jetzt nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass sie über zwei Wochen in einer von Gott verdammten, 2x2 Meter-Kapsel saßen. Laco hatte Angst. Angst, weil sie jetzt die Hälfte ihrer Zeit hinter sich hatten. Wenn die Garde sie nicht fand, würde Laco mit 34 Jahren sterben. Das war nur ca. 15% seiner Lebenserwartung! Andererseits war Laco auch froh, schon die Hälfte der Zeit hinter sich zu haben. Er sah dem 30. Tag in der Kapsel auch mit Erlösungsgedanken entgegen. Dann würde er sich nicht mehr mit dem Kalderaner in die enge Kapsel zwängen müssen, sondern zu seinen Vorfahren ins Jenseits übergehen können. Im Prinzip war Laco schon gläubig. Natürlich glaubte er in diesem Zeitpunkt an keine alten vedranischen Götter, die Auf Tarn Vedras Mond lebten. Er glaubte an den „Fluss der Energie“, an das Göttliche als höhere Macht. Als eine Macht, die das Universum erschaffen hatte. Die Wunder des Universums waren Laco Beweis genug, dass eine höhere Macht existierte, genau so wie das Sein und die Entstehung des Universums überhaupt. Sein Volk glaubte schon immer, dass man mit einer reinen Seele ins Jenseits aufgenommen wurde. Und Laco glaubte, dass er eine reine Seele hatte. Nein, nicht ganz. Und das musste er jetzt aus der Welt schaffen.

                „Chiquon, wacht auf!“, sagte Laco.
                Dieser drehte sich auf die andere Seite und versuchte, weiterzuschlafen. Das ließ Laco nicht durchgehen.
                „Chiquon, wacht endlich auf!“, sagte Laco lauter.
                Der Kalderaner richtete sich auf und sah Laco ins Gesicht. Kalderaner und Vedraner in einer Rettungskapsel vereint, und jetzt kam der wirklich unangenehme Teil. In der Kapsel gab es kaum Licht.
                Laco sagte zögerlich: „Lieutenant Chiquon. Ich hätte eine Bitte“
                Der Kalderaner sagte nichts.
                „Könntet Ihr bitte die Schutzbrille abnehmen? Ich möchte Euch in die Augen sehen“
                Die Brille brauchten die Kalderaner bei normalen Lichtverhältnissen unbedingt, da ihre Augen keine große Helligkeit aushielten. Chiquon setzte sie ab und seine Augen kamen zum Vorschein. Der Anblick des Kalderaners widerte Laco an, aber er musste da jetzt durch!
                „Lieutenant Chiquon. Bevor wir sterben, wollte ich Euch noch um Verzeihung bitten. Wir kannten uns über einen Monat und es war jeden Tag mein Ziel, Euch das Leben auf der Ikarus ein bisschen härter zu machen. Ich gebe zu, dass ich Euch anfangs nicht in meiner Besatzung wollte, und wenn der Krieg nicht ausgebrochen wäre, hätte ich Euch sofort versetzen lassen“
                „Das kann ich nachvollziehen“, sagte Ciquon. Laco glaubte ihm nicht.
                „Es ist nur so, dass meine Erziehung... nun ja... man hat mir praktisch beigebracht, dass Kalderaner und Vedraner... bestimmte Todfeinde sind und dass man daran nichts ändern kann. Vor 51 Tagen habe ich etwas anderes erfahren“
                „Ob Ihr es glaubt, oder nicht, Captain Agros. Auch ich wurde so erzogen wie Ihr. Mir wurde beigebracht, die Vedraner zu hassen. Aber in meiner unmittelbaren Nachbarschaft lebte – ob Ihr es glaubt oder nicht – ein vedranischer Junge. Wir hatten früher oft zusammen gespielt, aber dann wurde es ihm von seinen Eltern verboten. Und daraufhin mir von meiner Familie. Sie wollten mit eintrichtern, dass alle Vedraner böse sind. Und ich wollte aus dem System raus. Ich bin weggelaufen und der Ehrengarde als Pilot beigetreten“
                „Aber wieso wurdet Ihr auf die Ikarus verstetzt?“, wollte Laco wissen.
                „Ich war anfangs Pilot bei den Patrouilleflügen entlang der Magog-Quarantänezone. Dann wollten sie mich auf eine Station in der Carina-Zwerggalaxie versetzen. Ich habe zugestimmt. Meine Fähigkeiten als Pilot waren fast verkommen, als sie mir anboten, auf einem Schiff erster Steuermann zu werden. Ich durfte zwischen vier Schiffen wählen“
                „Und warum habt Ihr ausgerechnet die Ikarus genommen?“
                „Weil ich las, dass der Captain Vedraner ist“
                Das war ein Schock für Laco.
                „Ich wollte anscheinend dem ganzen Universum beweisen, dass unsere beiden Völker in Frieden zusammenleben können“
                „Und ich habe mich Euch gegenüber wie ein...Ihr wisst schon...verhalten“, gab Laco zu.
                „Ja, das habt Ihr, Captain, und nicht gering!“
                „Ich hatte keine Ahnung, wie gleich unsere Völker eigentlich sind. Ich wünschte, ich könnte das was ich getan habe, irgendwie wiedergutmachen“
                Laco überlegte eine Weile. „Lieutenant Commander Ciquon. Es war mir eine Ehre, mit Euch dienen zu dürfen!“
                Der Kalderaner schmunzelte über die Beförderung zum Lieutenant Commander. „Ich sollte jetzt etwas sagen, wie „die Ehre war auf meiner Seite“, nicht war?“
                „Lasst es lieber“, sagte Laco.
                „Captain Agros. Ich danke Euch für die Beförderung“
                „Mr. Ciquon. Ich bin Laco“
                Der Kalderaner sagte: „Ich würde Euch...dir auch gerne erlauben, mich mit dem Vornamen anzusprechen, aber ich habe keinen. Aber...du kannst jetzt ruhig „du“ zu mir sagen“
                Laco nickte. „Lieutenant Commander“
                „Captain. Ich danke dir, dass ich meine...verdiente Beförderung doch noch erhalten habe. Zumindest zwei Wochen kann ich diesen Rang noch haben, bevor wir gleichzeitig verdursten, verhungern, ersticken und erfrieren“
                „Ja“, sagte Laco. „Das war das Mindeste“. Dem Vedraner vielen schon die Augen zu. Er sah noch, wie Chiquon sich seine Brille aufsetzte, dann döste er weg.

                53. Tag des Krieges, irgendwo im Diogenes-Cluster


                „Laco. Laco nax Agros, wach auf!“
                Es war gerade so gemütlich. Laco wollte nicht aufwachen.
                „Du sturer Vedraner, wach endlich auf!“, hörte er Chiquon sagen.
                Laco drehte sich auf die andere Seite. Schock!
                Chiquon hatte ihn doch tatsächlich geschlagen! Jetzt war er jedenfalls wach.
                „Was ist denn?“, fuhr er den Kalderaner an.
                Dieser rutschte vom Fenster weg und sagte: „Das Ortungssignal hat funktioniert. Da draußen ist ein Raumschiff!“
                Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


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                • #9
                  Da hat jemand viel zu viel Zeit, aber wieder ist es gut geschrieben! Schade wiederum das du so wenig Resonanz bekommst!

                  Kommentar


                  • #10
                    Zu viel Zeit?
                    Ich schreibe hauptsächlich, wenn mir die Lernerei für die Abschlussprüfung auf den Geist geht. So zur Ablenkung, dass ich den Kopf freikriege. Aber zur Zeit kann man wirklich kaum etwas Anderes tun. Wenn das Wetter schöner wird, wird es wahrscheinlich nicht mehr so schnell gehen. Aber danke nochmals.
                    Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


                    Kommentar


                    • #11
                      Wieder ist ein Kapitel fertig geworden. In diesen 14 Seiten lässt die Spannung vielleicht ein wenig nach, allerdings habe ich vor, das bald wieder zu ändern. Ich bitte, auch zu beachten, dass hier ein sehr großer Zeitraum geschildert wird. Mehr als zwei Monate.

                      VI. Der Weg der Bestimmung

                      „Wenn du es suchst,
                      wirst du es nicht finden
                      wenn du es nichts suchst,
                      wirst du es finden“

                      Vedranische Philosophin Eylaja, 6420 n.C.


                      „Aber es ist kein Raumschiff des Commonwealth!“, sagte Laco.
                      „Nein, sieht aus wie ein nietzscheanisches Schiff“, fügte Ciquon hinzu.
                      Sie waren siebzehn Tage in der Rettungskapsel gewesen, als man sie gefunden hatte. Das Raumschiff machte ein Manöver, als wollte es an der Kapsel andocken. Laco und Chiquon spürten schon, wie das künstliche Schwerkraftsfeld des Raumschiffes sie nach unten drückte, dann ging ein Ruck durch die Rettungskapsel. Das Schott wurde von außen aufgeschweißt. Als das runde Stück Metall scheppernd zu Boden fiel, sah Laco – wie sollte es auch anders sein – Waffen auf sich gerichtet. Nietscheaner zerrten Laco und Chiquon aus der Kapsel. Die Beiden wollten sich für ihre Rettung bedanken, und bekamen im Gegenzug die Gewehre über den Schädel gezogen. Sie hatten ihre inzwischen schon stinkenden Ehrengardeuniformen an, was sie in den Augen der Nietzscheaner noch mehr als Feinde dastehen ließ.
                      Laco sagte: „Endlich wurden wir gefunden. Wir hatten so lange darauf gehofft“
                      Chiquon hakte gleich in das Spiel ein. „Wir wollten von der Ehrengarde zum Imperium überlaufen und haben uns in dieser Kapsel aus unserem Schiff geschssen! Wir haben schon fast gedacht, dass-“
                      „Erzähl das deinem Schöpfer“, sagte ein Nietzscheaner und richtete sein Gewehr auf die Offiziere.
                      Sein Vorgesetzter stutzte ihn zurecht: „Du weißt doch, warum wir hier sind, oder?“
                      „Ja, Sir“
                      „Dann tu deinen Job und halt die Fresse, wenn du nicht gefragt bist!“
                      „Ja, Sir“
                      „Bring sie aufs Internierungsdeck, dann komm ins Cockpit!“
                      „Aye, Sir“. Der Nietscheaner stieß Laco sein Gewehr in die Rippen und drängte die Beiden vorwärts. Er öffnete eine Panzertür und stieß die Offiziere in einen schlecht beleuchteten Raum.

                      „Vom Regen in die Traufe“, war Ciquons Kommentar zu ihrer misslichen Situation.
                      „Endlich hat uns das nietzscheanische Militär gefunden“, meinte Laco.
                      Eine Stimme sage: „Sie sind nicht vom Militär, sondern freiberufliche Sklavenjäger“.
                      „Jetzt geht’s mir schon viel besser“, sagte Laco zornig.
                      „Das ist wirklich etwas wert“, meinte Chiquon. Das Militär würde uns als lebendige Schutzschilde benutzen. Sollten sie den Krieg gewinnen, kämen wir in die Minen. Da sie ihn aber verlieren, würden sie uns töten, bevor ihr Planet erobert wird. Als Beute der Sklavenjäger werden sie uns irgendwo absetzen, von wo man leichter ausbrechen kann“.
                      Laco teilte Chiquons positive Sichtweise der Dinge nicht. Ohne zu antworten, sah er sich um. Seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt. Der Raum schien brechend voll zu sein. Überall saßen oder lagen Fühlende. Sie alle waren Beute der Sklavenfänger geworden.
                      „Weiß einer von euch, wo sie uns hinbringen?“, fragte Laco. Schweigen war die Antwort. Da er sonst nichts tun konnte, suchte der Vedraner sich einen einigermaßen freien Platz und legte sich hin.
                      „Vielleicht könnten wir aus irgendwas eine Bombe basteln. Ich bin von Argosy Special Ops, ich kann aus allem eine Bombe machen“
                      Die Antwort: „Wir haben nur Kleidungsfetzen und unsere Körper“
                      „Daraus kann nicht mal ich einen Sprengsatz machen“

                      54. Tag des Krieges, Sinti


                      Es hatte lange gedauert, bis die drei schwer beschädigten Schiffe den Orbit von Sinti erreicht hatten. Sie hatten immer wieder Haken schlagen müssen, um ihren Verfolgern zu entkommen. Sie hatten auch noch Gefechte mit Garuda-Fightern schlagen müssen, aber alle drei Schiffe waren durchgekommen. Die Gladiator, die Bright Silver und die Ikarus waren heute, 14:20 CT im System von Sinti angekommen. Schlepper hatten ihre Bucky-Kabel ausgeworfen und die drei Schiffe zu den Reparaturwerfen gezogen. Hier sollten sie nicht nur notdürftig zusammengeflickt, sondern wirklich repariert werden. Tarik hatte seinen Missionsbericht an die Ehrengarde geschickt. Die hatten ihm alles, auch das über Lacos und Chiquons Tod, abgekauft und ihm ihr Beileid ausgesprochen. Die Trauerfeier um Laco sollte auf Tarn Vedra stattfinden. Danach hatten sie Tarik vorerst das Kommando der Ikarus zugesprochen, ihn jedoch nicht zum Captain befördert. Das konnte er verkraften. Tarik wusste nicht genau, was aus der Ikarus werden würde. Vielleicht würde sie wieder der 7. Flotte zugeteilt werden, vielleicht aber auch der 4. auf San Ska Re oder der 1. auf Acheron. Jetzt, nach 54 Tagen im Einsatz, wollte Tarik wieder mal festen Boden unter den Füßen haben. Obwohl „fester Boden“ mit Drago Musevenis Worten nur eine Illusion war. Der Transporter verließ die Hangarbucht der Ikarus und steuerte auf den Planeten zu. Tarik wollte einfach mal Ruhe, bis er wieder gebraucht wurde. Vielleicht sollte er sich den Sonnenuntergang ansehen. Der auf Sinti war einer der schönsten in der bekannten Welt, so hieß es. In Wahrheit aber, so wurde ihm klar, versuchte er nur, der Ikarus zu entkommen. Er wollte weg von dem Schiff, das sein Freund geführt hatte, und den er schon zweimal verraten hatte. Nach der Alaxaai-Mission und in der Rettungskapsel. Hier versuchte er sich wieder einzureden, dass es nichts gebracht hätte, nach der Rettungskapsel zu suchen. Aber Tarik wusste, dass er sein Doppelspiel aufgeben musste. In nächster Zeit würde er sich für eine Seite entscheiden müssen. Welche das war, stand für ihn noch... in den Sternen.

                      56. Tag des Krieges, Enkindu


                      Sie waren an Bord des Sklavenschiffes eigentlich ganz gut durchgekommen. Die Aufseher hatten ihnen täglich zu Essen und zu trinken gegeben, und heute war großer Waschgang gewesen. Die Nietzscheaner hatten ihnen frische Kleidung gegeben und sie mit Mittel angesprüht, das einen angenehmen Duft absonderte. Kleidung zwar, die nicht einmal den Stoff wert war, aus dem sie gefertigt war, aber immerhin frisch. Der Zweck dieser Gutmütigkeiten war klar. Ein höherer Preis auf dem Sklavenmarkt. Denn wer hätte schon stinkende und dreckige Sklaven kaufen wollen?
                      Das Schiff trat in die Athmosphäre eines Planeten ein. Das Rattern der losen Gegenstände erfüllte den Raum. Es dauerte nicht besonders lang, bis das Schiff wieder ruhig auf eine Landestelle zuglitt. Man merkte den dumpfen Aufschlag, der Transporter hatte auf der Oberfläche aufgesetzt. Die schwere metallene Tür wurde aufgestoßen, schwaches Licht fiel in das Internierungsdeck. Für die Augen der Gefangenen waren es stechende Lanzen aus Licht, die in den Augen schmerzten. Der Nietscheaner brüllte irgendetwas. Laco hörte ihm gar nicht zu. Er konnte sich fast denken, wie es weiterging. Sie wurden jetzt auf den Sklavenmarkt gedrängt, und so lange präsentiert, bis sie schließlich irgendwer für den Preis eines Feuerwhiskys kaufte.

                      Laco schien Recht behalten zu haben. Er stand, wie hunderttausende andere Fühlende auf einem Podest. Reiche Nietzscheaner kamen vorbei, aber keiner hatte Interesse, irgendjemanden zu kaufen, sofern es kein Schnäppchen war.
                      „Kommt schon, nur hundertfünfzig Eagles. Hundertfünfzig für einen kräftigen Umbriten, ist das kein Angebot? Er ist in klasse Zustand, ganz frisch reingekommen“. So etwas hörte Laco oft. Abstoßend.
                      Ein Nietzscheaner schien sich für das Angebot zu interessieren.
                      „Was sagtet Ihr? Einhundertfünfzig Eagles? Für diesen Umbriten?“
                      „Das ist auch ein kräftiger Kerl! Sieh dir diese Arme an! Für die Arbeit in deiner Fabrik bestens geeignet!“
                      „Ihr wisst doch, dass der Markt gesättigt ist. Niemand braucht mehr Sklaven, zur Zeit meine ich. Da könnt Ihr doch keinen so hohen Preis verlangen!“
                      „Aber seht ihn Euch doch mal an! Vor dem Krieg hätte man für so einen Kerl sicher zweitausend Eagles bezahlt!“
                      „Vor dem Krieg gab es keine Sklaverei“, sagte der Interessent.

                      „Sagen wir hundertzwanzig Eagles. Mein letztes Angebot“
                      „Ich möchte ihn irgendwie schon kaufen, das ist gute Ware... Ich würde dir, sagen wir achtzig Eagles für ihn bezahlen“
                      Es war jetzt klar, dass der Umbrit für mehr als achzig, aber weniger als hundertfünfzig Eagles den Besitzer wechseln würde.
                      „Achtzig? Der ist das Doppelte wert!“
                      „Schade. Ich hätte ihn gerne ge-“
                      „Wartet. Sagen wir hundertzwanzig“, versuchte ihn der Verkäufer aufzuhalten.
                      „Hundert. Mein letztes Angebot“, meinte der Interessent.
                      „Sagen wir hundertzwanzig und Ihr bekommt diesen Kludge dazu!“
                      Er zeigte auf einen schmächtigen Menschen, der neben Laco stand.
                      „Der ist krank und nichts wert. Ich nehme den Umbriten für hundertzehn“
                      „Hundertzwanzig mit dem Kludge, mein bestes Angebot“
                      Der Käufer willigte ein. „Gut. Gib mir den Umbriten für hundertzwanzig. Den Kludge kannst du behalten“
                      „Nein, nein, der frisst nur viel und ist nichts wert. Nehmt ihn, sonst bekommt Ihr den Umbriten nicht“
                      „Gut, ich nehme ihn auch noch“

                      Die beiden Fühlenden wurden vom Podest geholt, losgemacht und dem Käufer in die Hand gedrückt. Hundertzwanzig draganische Eagles wechselten den Besitzer. Der Käufer zog seine Pistole, hielt sie dem Menschen an den Kopf und drückte ab. Er ließ ihn liegen und ging mit dem Umbriten davon. Solche Szenen wiederholten sich öfter. Die Sklaven wurden jetzt gezwungen, die Leiche wegzuschaffen und den blutigen Sand zu entfernen. Es wurde bereits Abend auf dem Planeten, und weder für Laco noch für Chiquon hatte sich ein Käufer gefunden...

                      57.Tag des Krieges


                      Noch immer gab es keinen Käufer. Was würden die Sklavenhändler wohl mit den Leuten tun, die niemand wollte? Laco wusste es nicht. Erschießen vielleicht? Das wäre aber nicht profitbringend. Wie Laco oft gehört hatte, war der nietzscheanische Sklavenmarkt zur Zeit mehr als gesättigt. Noch brauchten sie keine Sklaven, aber bei der Schinderei in den Munitions- und Waffenfabriken würde sicherlich eine Zeit kommen, wo wieder mehr Menschenmaterial benötigt werden würde.
                      „Das war ein mieses Geschäft“, urteilten die Sklavenfänger. „Heute bei Sonnenuntergang ist Schluss. Ab da müssen wir alle Kludges rauswerfen, die nicht verkauft sind! Die Nietzscheaner setzten die Preise drastisch runter, am Schluss musste man für jeden Sklaven nur noch zwei draganische Eagles bezahlen. Bei Sonnenuntergang wurden alle übrigen Sklaven in Fahrzeuge gepackt und irgendwo hingebracht. Man schaffte sie jetzt weg, damit man sie nicht mehr durchfüttern msuste. Nach einer kurzen Fahrt öffneten sich die Tore des Floaters und die Sklaven wurden hinausgestoßen.

                      Sie fanden sich auf einem Platz im Zentrum einer Großstadt wieder. Die Floater hoben ab und verschwanden sehr schnell. Die Stadt schien früher sehr wohlhabend gewesen zu sein, jetzt merkte man davon nichts mehr. Die Weltraumkratzer waren großteils zerbombt und ausgebrannt. Überall in der Stadt waren Zelte und Hütten aus Holz oder Blech aufgestellt. Laco wollte gehen, als er Gestalten hinter den Häusern sah. Etwa zu zwanzigst hatte man sie hier abgesetzt, aber viele kleine Gruppen kamen auf sie zu. Die meisten waren Menschen, sie hatten alle zerrissene Kleidung an und sahen insgesamt sehr heruntergekommen aus. Sie bildeten einen Kreis um die Ausgesetzten. Laco hätte sich in diesem Augenblick nichts mehr gewünscht als seine Kampflanze. Aber er hatte keine Waffe, keiner von ihnen.

                      Die Anderen rannten auf sie zu. Ihr Ziel war klar. Laco ballte seine Hände zu Fäusten und schlug dem Erstbesten, den er erwischte ins Gesicht. Der Kampf dauerte etwa eine halbe Minute, vielleicht auch eine Ganze. Am Schluss lagen alle Neuankömmlinge, auch Laco, verprügelt auf dem Boden. Wie die Hyänen fielen die Räuber über sie her. Sie tasteten alles ab, auf der Suche nach irgendetwas Wertvollem. Bei Laco wurden sie nicht fündig, also ließen sie ihn liegen und plünderten Andere aus, die noch etwas bei sich haben konnte.

                      Laco lag auf dem Boden. Die Räuber waren längst verschwunden und Laco wischte sich sein eigenes Blut aus dem Gesicht. Er drehte sich auf den Rücken, um aufzustehen. Eine blaue Hand ergriff seine und half ihm auf die Beine. Laco sah in das Gesicht einer Vedranerin. Jeder Andere hätte es wohl als schrecklich aussehend bezeichnet. Ein dunkelblauer Schorf zierte die linke Wange. Auf der rechten Seite hatte sie eine Narbe, die sich von der Stirn bis ans Ohr zog. Ihr ganzes Gesicht war mit Schmutz beschmiert. Auch ihre Kleidung sah nicht viel besser aus. Ihr ledernes Oberteil schien ziemlich neu zu sein, die vierbeinige Hose war aber oft geflickt worden und hatte Risse und Löcher. In Lacos Augen war sie aber wunderschön. Er wusste, dass nichts ging, aber seine Gedanken gehörten ihm.
                      „Hi, ich bin Walang nax Tao“, sagte die Frau. „Mit wem habe ich die Ehre?“
                      „Captain Laco nax Agros, Argosy Special Operations von der Ehrengarde“. Laco war verblüfft, wie er gerade seinen Mund beim Angeben zuhörte.
                      „Freut mich Laco. Und wer ist dein kalderanischer Freund?“, fragte Walang.
                      „Das ist Lieutenant Commander Chiquon, ebenfalls von der Ehrengarde“
                      „Und? Seid ihr neu hier? Ach, was soll die Frage, natürlich seid ihr neu“
                      „Allerdings. Gerade erst eingetroffen“
                      „Ihr kommt erst mal mit mir“, sagte Walang und begann zu gehen. Sie schien nicht auf die Beiden warten zu wollen.
                      Laco rannte ihr nach. Sie hatte einen ganz schönen Schritt drauf.
                      „Es wird bald dunkel. Und dann geht die Party erst richtig los, wenn Ihr versteht. Schießereien, Plünderungen, Einbrüche, Raubzüge... da würde ich lieber zu Hause sein“
                      Das erklärte dann jedenfalls, wieso sie so schnell ging. Ciquon hatte sie eingeholt.
                      Laco fragte nach: „Auf welcher Welt sind wir hier überhaupt?“
                      „Das ist Enkindu“, gab ihm Walang zur Antwort. „Vor dem Krieg war es eine recht reiche Welt, nahe an der Grenze zum Jaguar-Stamm. Am ersten Kriegstag schalteten nietzscheanische Verräter in der Heimatgarde unsere planetare Verteidigung ab. Die Jaguar bombardierten unsere Städte und eroberten gemeinsam mit dem Sabra-Stamm unsere Welt in weniger als zwölf Stunden. Seitdem sieht man hier kaum noch Übers, denn die Sklaven, die sie brauchten, haben sie gleich nach der Eroberung mitgenommen. Seitdem wurde der ganze Planet zum Ghetto. Wir können uns hier zwar frei bewegen, allerdings kommen wir nicht von diesem Planeten herunter“
                      „Und wenn die Nietzscheaner wieder Sklaven brauchen?“, fragte Chiquon.
                      „Dann kommen sie mit Panzerkonvois rein, es gibt Schießereien und sie holen sich, wen sie wollen. Das ist aber bisher erst zweimal vorgekommen“

                      Sie bogen in eine Seitenstraße ab.
                      „Enkindu wurde zu etwas, was die Nietzscheaner „Sklavenplanet“ nennen. Ursprünglich war die Welt durch die Than kolonisiert worden, noch vor ihrem Beitritt zum Commonwealth. Unsere Kristallindustrie und die Lage an einem Slipstrem-Nexus haben Enkindu zu einem strahlenden Leuchtfeuer des Commonwealth werden lassen“

                      Walang öffnete die Hintertür zu einem kleinen Gebäude. Sie bat Laco und Chiquon, einzutreten. Chiquon traute der ganzen Sache nicht. Auf einer Welt, auf der alle nur an ihren eigenen Arsch dachten, wurden sie von einer Vedranerin gerettet, die sie zu sich nach Hause nahm, obwohl sie sie nicht einmal kannte! Laco hingegen war ihr schon lange verfallen und dachte an gar nichts mehr, außer sie. Sie durchquerten in einem Raum und kamen in einen, der Laco wohl bekannt war. Er hatte die Standarteinrichtung einer Slipstreambar. Die bogenförmige Theke mit den Gläsern in den Kästen, in der Mitte einen freien Platz und sieben runde Tische halbkreisförmig am anderen Ende aufgestellt. Die Slipstreambars waren im ganzen Commonwealth Anlaufstellen für Raumreisende aller Art. Nach einer langen Reise wurden sie zu einer Art Heimat für die Heimatlosen. Fast auf jeder Kolonie gab es eine dieser Bars, auf so dicht besiedelten Planeten wie Enkindu sicher tausende.

                      Die Bar hier sah aber nicht dem Standard der Kette ähnlich! Die beiden Fenster und die mittige Tür waren mit Brettern verbarrikadiert. Zusätzlich waren Tische vor die Tür gestemmt. An den Wänden waren Kampfspuren und auch einige Einrichtungsgegenstände waren beschädigt. Es fiel kaum Dämmerungslicht in den Raum, was ihm einen recht unangenehmen Eindruck gab.
                      „Nett habt Ihr es hier“, sagte Chiquon.
                      „Hat diese Bar dir gehört?“, wollte Laco wissen.
                      „Vor dem Krieg? Nein. Aber jetzt gehört sie mir. Der ursprüngliche Besitzer wurde wohl von den Übers geholt oder umgebracht, was weiß ich. Mein Zuhause wurde von einer Bombe getroffen, als ich unterwegs war. Also hab' ich mich nach einer neuen Wohnung umgesehen. Und hier sind wir“
                      „Warum habt Ihr uns hergeholt?“, frage Chiquon. Laco fand die Frage dämlich. Antwort wusste er aber keine. Genau so verlegen schien Walang zu reagieren. Schließlich sagte sie:
                      „Ich... Die Nacht ist gefährlich geworden. Man sollte immer jemanden haben, der Wache hält. Deshalb brauchte ich zwei Mann, die das Haus verteidigen können. Das ist doch ein Deal. Ihr bekommt ein Bett und Verpflegung, wenn ihr ein Drittel der Nacht Wache schiebt“
                      Diese Erklärung hörte sich auch ziemlich daneben an. Chiquon nahm das aber hin, weil sie unbedingt wo unterkommen mussten und Laco, für den war es eh schon zu spät, „nein“ zu sagen.
                      „Also. Seid ihr dabei?“, frage Walang.
                      Chiquon und Laco nickten.

                      70. Tag des Krieges, Fountainhead


                      „Und so werden wir mit unseren Fightern durch ihre Linien brechen und ihre Streitmacht spalten. Danach können sich unsere Kreuzer den Überresten ihrer flüchtenden Flotte annehmen. Wir werden danach San Ska Re einkreisen und ihre orbitale und planetare Verteidigung ausschalten. Danach können wir unsere Truppen landen“
                      „Seid Ihr fertig?“, fragte Saladin gelangweilt.
                      „Ja, mein Herr. Dieser Plan könnte uns den zweitwichtigsten Planeten-“
                      „Ich habe verstanden. Ihr müsst verstehen, dass es aber noch andere Ziele gibt“
                      Die Alphas hatten sich wieder einmal zusammengesetzt, um über die weitere Kriegsführung zu diskutieren.
                      „Herodotus. Wir brauchen diesen Planeten und müssen ihn zurückerobern. Dazu ziehen wir die Streitkräfte aus dem eroberten Diogenes-Cluster zurück und schicken sie ins Pelosana-System, unsere neue Basis im Kaa-Arm. Aus dem Orion-Arm schicken wir Truppen in den Dreiecksnebel, dass sie einen Angriff auf San Ska Re vermuten. Sie werden Schiffe von Herodotus abziehen und dann können wir ihre Blockade brechen und unsere Bodentruppen enorm verstärken. Wir müssen das tun, bevor sie die letzten Seismogeneratoren ausgeschaltet haben. Sie dürfen diese Welt nicht zerstören, sie ist zu wichtig für uns“

                      Die anderen Alphas schienen mit Saladins Plan einverstanden zu sein. Besonders Tia Cheng von den Drago-Kazov schien erleichtert über die Entscheidung Saladins zu sein. Seit die Ehrengarde all ihre verbliebenen Truppen einberufen hatte, ging die Kriegsführung eher schleppend voran, aber trotzdem im Zeitplan.
                      Saladin sprach weiter. „Operation Beetle möchte ich wie geplant gegen Ende des Jahres durchziehen. San Ska Re muss fallen, wenn wir die totale Vorherrschaft in der Triangulumgalaxie wollen“
                      Die Anderen stimmten ihm zu, aber mit weit weniger Begeisterung. Sie alle wussten, dass eine Invasion von San Ska Re sehr verlustreich werden würde, aber es führte kein Weg daran vorbei.
                      „Operation Snake sollte bald durchgeführt werden. Wir sind in diesem Raumsektor schwach und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Garde durchbricht. Operation Homeland wird erst nächstes Jahr anlaufen. Die Newport Orbital Shipyards sollten zwar eingenommen werden, sind aber wegen der Sabotage noch immer außer Betrieb. Eine Invasion von Erde lässt sich daher problemlos verschieben. Sonst noch was?“

                      Bolivar fragte: „Was ist mit Kalderash und Zhu Zhu Whai? Das sind doch auch relativ wichtige Welten“
                      „An Zhu Zhu Whai werden wir uns nicht wagen. Es ist zu tief im Feindgebiet. Auch Kalderash werden wir vorerst nicht angreifen. Wir werden aber die Oppostition im Planetenparlament, Untergrundorganisationen und Widerstandskämpfer unterstützen. Irgendwann können wir vielleicht einen Aufstand der Kalderaner erarbeiten. Bis dahin ist aber noch ein langer Weg. Wir sollten das durchführen, was vorerst oberste Priorität hat“
                      Keiner schien noch etwas sagen zu wollen.
                      „Die heutige Sitzung ist geschlossen“

                      73. Tag des Krieges, Sinti


                      Die Ikarus war vollständig repariert und bestückt. Alle Crewmitglieder waren an Bord und die freien Stellen waren wieder bestetzt. Die Ikarus ging in den Slipstream über. Der Flug ging ruckartig, ein paar mal kollidierte das Raumschiff mit den Strängen. Der Pilot war weniger als mittelmäßig. Er konnte das Schiff nicht annähernd so gut durch den Slipstream bringen, wie Chiquon es vermocht hatte. Sie waren gerade auf dem Weg nach Acheron, wo sie die erste Flotte unterstützen sollten. Sie war relativ gut davongekommen, hatte aber ihr Flaggschiff verloren. Acheron war nicht wirklich der Heimathafen der ersten Flotte, da der ihr eigentlicher Heimathafen bombardiert worden war. Sie war allerdings eine stark befestigte Welt, deren stellare Verteidigung auch beschädigten Schiffen Schutz geben konnte. Tarik glaubte nicht daran, dass die Nietscheaner Acheron angreifen würden, da es kaum strategischen Wert hatte.

                      75. Tag des Krieges, Enkindu


                      Seit Wochen war der Ablauf der selbe. Laco, Walang und Chiquon hatten die Bar wieder eröffnet. Ein bisschen sauber gemacht und die Bretter von den Fenstern genommen. Seitdem kamen täglich viele Gäste, die einfach etwas zu Essen brauchten oder sich nur schlicht und ergreifend mit Alkohol ihre Probleme wegsaufen wollten. Laco stand in der Küche und versuchte, etwas Essbares zu zaubern. Er war anfangs schockiert gewesen, wie sehr er das Kochen verlernt hatte. Eigentlich hatte er eine Ausbildung als Koch machen wollen, dann war seine Mutter aber schwer erkrankt. Sie hatte einen Tesserakteingriff gebraucht, um nicht zu sterben. Dieses Verfahren war neu und sehr, sehr teuer. Laco war Argosy Special Operations beigetreten, um Geld zu verdienen. Dann führte kein Weg zurück und er hatte aus seiner Ehrengardekarriere das Bestmögliche gemacht. Walang bediente die Gäste und Chiquon stand mit dem Gewehr in der Ecke und sorgte für Ruhe. So lebten sie tagsüber.

                      Nachts wurde die Slipstream-Bar zum Zentrum des Widerstandes auf Enkindu. Das Zeug, das sie tagsüber für Essen und Trinken tauschten, konnte der Widerstand bestens verwenden. Einmal die Woche trafen sich die drei mit vierzehn Widerstandskämpfern aus der Stadt. Von den Besatzern gab es keine Probleme. Die kamen nur ab und zu mit Panzern in die Stadt, es gab Schießereien und sie verließen sie wieder. Als wollten sie der Bevölkerung nur klar machen, dass sie noch immer die Herrscher auf Enkindu waren.

                      Das versuchte der Widerstand zu ändern. Sie hatten nur sehr beschränkte Mittel und würden nie in der Lage sein, Panzer der Nietzscheaner abzuschießen. Laco wollte versuchen, irgendwie von dieser Welt zu kommen, aber der Widerstand hatte auch keine Mittel. Eine groß angelegte Rebellion könnte zwar gelingen, da alle schweren Einheiten der Nietzscheaner zur Zeit an der Front waren. Wenn sie aber gelang, würden sicher Atom- oder Neutronensprengköpfe auf Enkindu abgeworfen werden. Ein militärischer Schlag konnte also nicht gelingen.

                      Walang und Laco waren sich in letzter Zeit viel näher gekommen. Der Höhepunkt ihrer Beziehung war letzte Nacht gewesen. Es war so lange her, als Laco mit Jemanden geschlafen hatte. Es war vor seiner Zeit bei der Ehrengarde gewesen. Bei Vedranern war das aber normal. Das sehr ungleiche Verhältnis von männlichen und weiblichen Vedranern führte meist dazu, dass sich nur einer von sechs Männern mit einer Frau paaren konnte. Laco hatte nie geahnt, dass er einst zu diesem Sechstel gehören würde. Jetzt war es aber so und er war mehr als glücklich darüber. Wie es weitergehen sollte, wusste er noch nicht, aber wenn es ging, wollte er mit Walang diesen Planeten irgendwann irgendwie verlassen. Aber wie?

                      84. Tag des Krieges, auf irgendeinem Asteroiden


                      „Ihr braucht Euch keine Gedanken machen. Der Krieg läuft perfekt“, sagte Saladin.
                      „Das wird meinen Meister freuen“, sagte der ernste Mensch.
                      „Da bin ich ganz sicher“, meinte Saladin.
                      Der Meister des Menschen war eine mystische Kraft, soviel wusste Saladin. Diese Macht hatte ihm sehr bei der Erschaffung seines Imperiums und der Vorbereitung des Krieges geholfen. Er war es auch gewesen, dem er den Namen Drago Museveni verdankte. Die Diener dieser Macht waren meist Furcht einflößende Gestalten, mit denen nicht zu Spaßen war. Es war wie ein Gott für sie. Sie nannten ihn den Abyss. Saladin wusste nicht, wer oder was der Abyss war. Genauso wenig kannte er sein Ziel. Er hatte ihm aber geholfen – ohne Gegenleistung. Deshalb war es Saladin auch recht egal, was dieser Typ wollte.
                      „Ich denke, alles ist geklärt. Mein Meister wird Euch in Kürze wieder rufen“, meinte der Diener des Abyss.
                      „Ich werde ihm antworten“, sagte Saladin.

                      96. Tag des Krieges, Acheron

                      Die Ikarus wurde schon wieder verlegt. Der Kriegsrat fand, dass die erste Flotte zu stark besetzt war. Sie hatten gut zehntausend Kriegsschiffe, davon etwa einhundertfünfzig schwere Schiffe. Der Kriegsrat hatte dreitausend Schiffe nach San Ska Re abkommandieren lassen. Sie dachten, Acheron hätte einen zu geringen strategischen Wert für die Nietzscheaner, San Ska Re aber einen zu Hohen. Die Ikarus ging in den Slipstream.

                      Teddy Roosevelt auf der Gladiator war auch nach Acheron versetzt worden. Die erste Flotte lag ziemlich verstreut, etwa fünfhundert Schiffe waren auf Acheron stationiert. Nachdem ein Drittel der Flotte nach San Ska Re abkommandiert worden war, musste die erste Flotte mehr in die Defensive gehen, immerhin hatten sie ja ein großes Raumgebiet zu kontrollieren. Acheron Delta war nicht ideal, aber die vielen Verteidigungssysteme erlaubten den Truppen auch, das System alleine zu lassen. So wie jetzt. Die Flotte befand sich auf einer Offensive in feindliche Gebieten. Die nietzscheanische Industrie war hier eher ungeschützt. Es gab ein paar befestigte Systeme, aber die interessierten nicht. Es gab unverteidigte Fusionskraftwerke, Metallminen, Deuteriumsynthetisierer bei den Sternen, Raffinerien, Kristallbergwerke, Verarbeitungsanlagen, Antiprotonen-Generatoren und vieles mehr, was man leicht zerstören konnte. Die Gladiator feuerte auf einen Asteroid, der mit seiner Mine in Stücke zerbarst. Als alles Wichtige vernichtet oder ausgeplündert war, formierten sich die Schiffe wieder. Sie hatten eine Korvette und vier Slipfighter verloren, ein lächerlicher Preis für die Schäden, die sie dem Imperium zugefügt hatten. Als die Flotte bereitstand, sprangen die Schiffe gemeinsam in den Slipstream. Sie folgten Scouts, die eine Pionenspur hinterließen, nach Acheron.

                      Der Steuermann der Gladiator lenkte das Schiff aus dem Slipstream. Das Portal schloss sich hinter dem Kreuzer.
                      „Sir, wir erhalten Berichte“
                      „Lasst hören“
                      „Ich orte knapp zweihundert nietzscheanische Schiffe, Sir“
                      „Was?“
                      „Sie haben Stellung um Acheron eingenommen. Sie landen Truppen auf dem Planeten“
                      „Wie?“
                      „Sie müssen irgendwie das Verteidigungssystem ausgeschaltet haben“
                      Die Gladiator bekam eine Nachricht vom Flaggschiff.
                      „Wir drehen ab und gehen in den Slipstream“
                      „Seid Ihr sicher?“, fragte Roosevelt. „Wir könnten sie besiegen, wir sind doppelt so stark wie sie“
                      „Nein. Sie haben die Raketenbatterien auf ihrer Seite und sind vermutlich nur durch einen Spion so tief reingekommen. Hört dieser Spuk denn nie auf?“
                      „Sir?“
                      „Wir fliegen. In Richtung San Ska Re!“
                      Die Flotte floh in den Slipstream, doch ihre Feinde nahmen die Verfolgung auf. Es sollte eine lange Jagd werden...

                      99. Tag des Krieges, Fountainhead


                      „Es hat wunderbar funktioniert. Der Plan ist aufgegangen. Die Lücken in unserer Verteidigung haben den Feind übermütig werden lassen. Sie haben angegriffen und großen Schaden angerichtet. Während die Flotte aber fort war, haben wir unsere Schiffe nach Acheron gebracht, unser Informant hat die stellare Verteidigung ausgeschaltet. Unsere Schiffe waren schon 1 LS an Acheron, bis sie den Virus behoben hatten. Wir konnten unsere Truppen landen und den Ehrengarde-Stützpunkt Acheron erobern“
                      „Verluste?“, fragte Saladin.
                      „Nur 50 Schiffe und drei mobile Infanteriedivisionen. Ein lächerlicher Preis für ein so bedeutendes System!“
                      „Es ist wirklich ein Grund zum Feiern“, sagte Saladin Gree ernst. Er war nicht so euphorisch wie Flottenadmiral Ho Tschi Minh. Der war ein hochrangiger Mann vom Stamm der Gungadin.
                      „Acherons Eroberung ist ein großer Schritt. Aber machen wir uns keine Illusionen. Wir müssen den Krieg wieder vorantreiben, das Commonwealth darf sich vom Erstschlag nicht erholen!“
                      Zustimmende Blicke.
                      „Wir können sie nicht von ihrer Ressourcenversorgung abschneiden, sie haben zu Viele. Auch müssen wir aufpassen, dass sie unsere Ressourcen nicht abschneiden. Sie haben drei unserer Singularitätskraftwerke zerstört. Wir können diese Teile selbst nicht bauen, also müssen wir die Restlichen besser beschützen. Sollten wir auf die altmodischen Fusionskraftwerke zurückgreifen müssen, steigt unserer Deuteriumverbrauch ins Unerreichbare!“
                      Wieder unterbrach ihn niemand. Sie hatten Respekt vor Drago Museveni gelernt.
                      „Unser nächstes Ziel muss die Vernichtung der feindlichen Werften sein“
                      Saladin aktivierte einen Holoscreen.
                      „Ein Drittel der feindlichen Schiffsproduktionen läuft in diesen Werften ab. Star City Shipyards auf Tarn Vedra, Headwaters of Invention Shipyards auf San Ska Re und Newport Orbital Shipyards auf Erde. Tarn Vedra können wir nicht angreifen. Selbst mit der ganzen Andromedaflotte könnten wir ihre Verteidigung kaum überwinden, außerdem ist es durch tausende Ehrengarde-Schiffe verteidigt. Die anderen beiden Werften können wir angreifen. Ho Tschi Minh wird nach diesem Erfolg das Kommando über Operation Homeland erhalten. Wir können zwar noch bis nächstes Jahr warten, aber der Sabotageschaden der Newport Orbital Shipyards wird bald behoben sein. Dann muss Erde fallen! Operation Beetle aber wird sofort anlaufen. Wir lassen die gesamte Triangulumflotte aufmarschieren und schicken sie nach San Ska Re“
                      „Wer wird den Oberbefehl haben?“
                      „Ihr, Mr. Bolivar. Sonst noch Fragen?“

                      101. Tag des Krieges, Enkindu


                      „Sie ist was?“, fragte Chiquon in der Bar. Deutlich zu laut.
                      „Sie ist schwanger“, sagte Laco. „Das bedeutet, wir bekommen ein Kind“
                      „Ich weiß, was es bedeutet“, konterte Chiquon. „Es kommt nur so... überraschend“
                      „Ja. Und dann habe ich ihr einen Heiratsantrag gemacht. Laut Tradition trennt man sich die Federn im Nacken ab und überreicht sie der Frau. Wenn sie sie verbrennt, heißt es Ja. Beantwortet das deine Frage?“
                      Chiquon antwortete nicht, so erstaunt war er. Laco hätte viel Geld bezahlt, ihn so zu sehen.
                      „Und ihr...ihr wollt dann....demnächst heiraten, oder wie?“
                      „Ja, so habe ich mir das vorgestellt“
                      „Du kennst sie doch erst zwei Monate!“
                      „Lang genug“, sagte Laco.
                      „Und? Was hat sie gesagt?“
                      „Sie war fast so überrascht wie du. Aber sie hat Ja gesagt“
                      „Wow. Ich freue mich für dich, Laco. Wann habt ihr euch die Hochzeit vorgestellt?“
                      „In zehn Tagen. Am Commonwealth-Day“
                      „Und in sechs Monaten werdet ihr dann ein Kind haben?“
                      „In etwa acht Monaten“
                      „Was wäre dir lieber? Sohn oder Tochter?“
                      „Tochter. Aber ein Sohn ist wahrscheinlicher“
                      „Hey, darauf trinken wir einen“, schlug Chiquon vor.
                      „Gerne, aber ich hab nur...was weiß ich, was das für ein Zeug ist. Runter damit!“

                      110. Tag des Krieges, San Ska Re


                      Captain Borotep Yeshgar war zurück auf der Renewed Valor. Sie hatte sich auf dem Planeten mit Sara Riley getroffen. Sie war die Verlobte von Dylan Hunt, einem guten Freund von Yeshgar. Sie und Captain Ismael Khalid, ein Nietzscheaner, hatten versucht, Borotep für ihre Idee zu gewinnen. Die Rettung der Andromeda Ascendant aus dem schwarzen Loch im Hephaistossystem. Yeshgar hätte ihnen gerne geholfen, dachte aber, die Lage sei aussichtslos. Sara hatte ihr versichert, dass Captain Khalid ein Schiff bekommen würde, allerdings wohl nicht mehr als einen Lastkahn. Die Beiden hatten versucht, an Yeshgars Gewissen zu appellieren. Sie war daraufhin zornig geworden und hatte ihnen gesagt, dass sie in den beiden ersten Kriegsmonaten schon drei gute Freunde verloren hatte: Dylan Hunt, Laco nax Agros und Bob Sanders. Aber am Meisten würde sie ausrichten, wenn sie auf der Brücke ihres Schiffes gegen die Nietzscheaner kämpfte, statt auf die Jagd nach einem zerstörten Schiff zu gehen. Immerhin deuteten alle Zeichen auf einen nietzscheanischen Angriff auf San Ska Re. Yeshgar hatte den Beiden viel Glück gewünscht und hatte sich auf den Weg zurück zum Schiff gemacht.

                      Und jetzt war es also wirklich soweit. San Ska Re stand ein Angriff durch die Nietzscheaner bevor. Ein wohl sehr harter Angriff. Die Verteidiger hatten an die 8.000 Kriegsschiffe. Davon waren etwa Hundert Großkampfschiffe. Die vierte Flotte wurde angeführt von der Million Voices, einem Schlachtkreuzer der Glorious Heritage Klasse. Zehntausend Slipfighter unterstützten die Schiffe des Commonwealth. Auch knapp 15.000 Unterstützungsschiffe sollten in der Schlacht mitkämpfen. Sie waren zwar meist schlecht bewaffnet und kaum geschützt, aber in dieser Schlacht wurden alle Schiffe gebraucht. Auch Schiffe der Heimatgarde von San Ska Re sollten eingesetzt werden. Tausende Jäger der Brilliant Carapace Klasse warteten nur darauf, den Feind anzugreifen. Die Valor war in voller Kampfbereitschaft. Die Kampfklingen waren ausgefahren und alle Drohnen gestartet. Die Raketen waren geladen, und die AP-Kanonen ausgefahren. Die Valor konnte jederzeit auf einen Feind schießen, der aus dem Slipstream kam. San Ska Re musste unbedingt gehalten werden! Nach dem Verlust von Acheron. Erste Entsatztruppen waren bereits zur Unterstützung der Garde eingetroffen, allerdings hatte Yeshgar auf mehr Unterstützung gehofft. So viele Schiffe der Ehrengarde hatten nicht mehr an einem Ort Aufstellung genommen, seit... seit dem Massaker auf Delta B-Tor.

                      Nach zwei Stunden die Meldung, auf die sie alle angstvoll gewartet hatten.
                      „Wir orten hunderte Slipportale, am Rand des Systems!“
                      Nietzscheanische Schiffe kamen aus den Portalen. Sie waren in etwa so viele wie die der Ehrengarde, aber fast nur Kriegsschiffe und deshalb überlegen. Fighter, Korvetten, Fregatten, Kreuzer, Zerstörer und Dreadnoughts sprangen nach San Ska Re.
                      „Die Flotte bekommt eine Meldung!“
                      Ein Mann mittleren Alters sprach zur Ehrengarde: „Hier spricht Angelo Bolivar, Alpha des Jaguar-Stammes von der Apocalypse. Ich gebe Euch hiermit die Chance zur Kapitulation, weiß aber, dass sie nicht genutzt werden wird“
                      „Die Standarddrohung“, sagte Yeshgar.
                      Die nietzscheanische Flotte pflügte sich durch die stellare Verteidigung im System von San Ska Re. Die Garde wartete direkt im Orbit des Planeten, um durch die orbitale Verteidigung einen Vorteil zu erringen.

                      Vier Lichtminuten Entfernung. Die Apocalypse schoss die erste Rakete. Sie brauchte eine halbe Ewigkeit, bis sie bei den Verteidigern ankam. Die Million Voices hatte ihre Kampfklingen schräg gestellt und ließ die Rakete absichtlich darauf auftreffen. Das war der offizielle Beginn der Kampfhandlungen. Drei Lichtminuten. Die Angriffsjäger der Nietzscheaner schwärmten aus den Reihen der Kreuzer aus und bildeten eine erste Angriffswelle. Die Drohnen der Ehrengarde wurden weiter nach vorne geschickt. Garuda-Fighter durchbrachen das Abtastungsnetz von San Ska Re. Raketen schossen auf sie zu. Die Fighter starteten Marschflugkörper, die auf die Schiffe der Ehrengarde zuflogen. Die PDLs fingen sie ab. Als die Fighter nahe genug an den Großkampfschiffen waren, schossen diese mit ihren AP-Kanonen, auf alles, was sich bewegte. Es war ein gefährliches Spiel. Die Fighterpiloten mussten versuchen, durch die Feuerstöße zu manövrieren und in wenigen Kilometern Entfernung ihre Bomben auszuklinken, damit die Verteidiger sie nicht mehr abfangen konnten. Diese mussten versuchen, alle Fighter zu zerstören, bevor sie in die gefährliche Zone eindrangen. Nur noch eine Lichtminuten zwischen den beiden Flotten. Die orbitale Verteidigung schoss noch immer nicht. Die beiden Raumflotten bedeckten sich aber gegenseitig mit Dauerfeuer. Das war der taktische Teil. Diese Abtastung sollte Schwächen in der feindlichen Verteidigung aufzeigen. Um den Feinden keine Chance zum Setzen einer Negativbombe blieb, rotierten die Schiffe der einzelnen Flotten normalerweise untereinander. Da durften aber auch keine Lücken in den von PDLs geschützten Bereichen bleiben. Es war ein Spiel mit dem Feuer. Zehn Lichtsekunden. Jetzt wurde es interessant. Jetzt hatte man nur noch sehr wenig Zeit, eine ankommende Rakete zu orten, die PDLs auszurichten und sie abzufangen. Die Slipfighter der Garde scherten aus und griffen die nietzscheanischen Kreuzer an. Sie wurden schwer dezimiert, konnten aber ordentlichen Schaden anrichten. Jetzt feuerten auch die Verteidigungssysteme von San Ska Re. Sowohl die Orbitalen, als auch die Planetaren. Abrupt zogen sich die Nietzscheaner zurück und gingen in die Defensive, als ob sie das nicht erwartet hätten. Ihre ganze Flotte zog sich einige Lichtsekunden zurück. Yeshgar durchschaute es sofort, wie auch die Führung der Flotte. Bolivar gab sich überrascht und zog sich zurück. Mit dieser defensiven Haltung wollte er überstürzte Angriffe der Ehrengarde provozieren, damit sie ihre Deckung öffnete. Nicht ein Schiff der Garde folgte seinem Plan. Die Nietzscheaner schossen wieder aus großer Entfernung auf die Garde. Sobald die Fighter zum Angriff übergehen wollten, schalteten die Kreuzer auf Defensivfeuer und blockten sie ab. Das Gute war, dass die Nietzscheaner aus dieser Entfernung nicht mit ihren tödlichen Gauss-Kanonen feuern konnten. Die Garde aber auch nicht mit den AP-Kanonen. Eine Rakete traf die Renewed Valor. Minimaler Schaden. Die zähen Brilliant Carapace Klasse Jäger gingen jetzt zum Angriff über. Sie beschädigten einige Feindschiffe schwer.
                      „Sir, feindliche Fighter kommen auf uns zu!“, wurde Yeshgar gemeldet.
                      Die verbliebenen Slipfighter konnten den Ansturm des Feindes nicht aufhalten. Viele Garudas durchbrachen die Abwehrlinien und kamen in den Rücken der Ehrengarde. Die Antiprotonenkanonen sorgten für schwere Verluste unter ihnen, allerdings landeten sie vor ihrer Vernichtung noch schwere Treffer an den schlecht gepanzerten Unterstützungsschiffen der Garde. Acht wurden zerstört. Die Than-Jäger zogen sich zurück in die Reihen der Ehrengarde. Garuda-Fighter durchbrachen erneut die Verteidigung des Commonwealth und schalteten die PDLs eines schweren Kreuzers aus. Eine Negativbombe des Feindes riss ihn in tausend Fetzen. Yeshgar fluchte.

                      Die Stunden zogen sich dahin. Auf beiden Seiten wurde schön langsam die Munition knapp. Die Schiffe der Garde waren zwar in der Lage, Munition zu produzieren, jedoch nicht in dieser Geschwindigkeit. Die Valor zog sich zurück und wurde musste nun stark verteidigt werden. Munitionstransporter dockten an und luden in unglaublicher Geschwindigkeit Raketen und Antiprotonen auf die Valor. Dies war der Augenblick für die Feinde, einen schwachen Moment auszunutzen. Sie versuchten, durchzubrechen, hatten aber keinen Erfolg. Der Transporter dockte ab und der leichte Kreuzer schoss wieder aus vollem Rohr. Die selben Szenen spielten sich auch auf nietzscheanischer Seite ab. Die Ehrengarde baute auf Verteidigung. Irgendwann würde den Feinden die Munition zu Neige gehen. Und das war der Zeitpunkt für den Angriff. Der Garde konnte das ja nicht passieren. Sie kämpften immerhin im Orbit ihres zweitgrößten Munitionsdepots. Die Valor verlor zwei Sensordrohnen. Zur Zeit waren noch etwa 7.000 Schiffe auf Seite der Ehrengarde im aktiven Einsatz. Die Anderen waren zerstört, meistens aber nur beschädigt, manövrier- oder kampfunfähig. Die Nietzscheaner gingen immer mehr in die Defensive. Man merkte fast, wie ihre Kampfkraft jede Minute nachließ. Die Valor landete mit Hilfe einer Negativbombe einen Treffer, der einen feindlichen Kreuzer vollständig vernichtete. Das einzige, was der Ehrengarde in einer Schlacht wirklich fehlte, waren richtig fette Zerstörer. Die Nietzscheaner hatten zu diesem Zweck die Apocalypse Klasse. Der Ehrengarde sollte die Glorious Heritage Klasse für diesen Zweck dienen. Sie war zwar ein starkes Schiff, aber kein Zerstörer. Ein Begleitschiff der Million Voices wurde zerstört. Die Valor musste drei schwere Treffer einstecken. Zwei ihrer Slipfighter schossen eine nietzscheanische Fregatte manövrierunfähig. Die Nietzscheaner drangen wieder einmal nach vorne.

                      Trotz großer Verluste zeichnete sich jetzt schon jetzt ein Sieg der Commonwealth-Truppen an. Ihre Hand legte sich um die Kehle der nietzscheanischen Truppen und erdrosselte sie ganz langsam. Diese mussten jetzt sehr mit ihrer Munition sparen. Sie konnten die Truppen des Commonwealth nicht dazu bringen, ihre Stellungen zu verlassen und somit den Schutz der orbitalen Waffenplattformen aufzugeben. Noch war ihre Niederlage nicht sicher, aber alles deutete darauf hin, dass sich die Nietzscheaner bald zurückziehen werden müssten.
                      Plötzlich drangen die Nietzschener wieder nach vorne und durchbrachen die Linien des Commonwealth auf Breite. Die Ehrengarde-Schiffe feuerten ihre AP-Kanonen, die Nietzscheaner versenkten ein Urangeschoss nach dem anderen in der Hülle eines Gardeschiffes. Die Nietzscheaner verloren Schiff für Schiff. Von allen Seiten trommelten Fightergeschosse, Raketen, Antiprotonen, orbital und planetar gestützte Waffen auf sie ein. Ein feindliches Schlachtschiff wurde direkt neben der Valor vaporisiert. Die einheitliche Deckung der Nietzscheaner war zu Ende. Das Commonwealth konnte viele Treffer mit Negativbomben landen. Jetzt war klar, dass die Nietzscheaner nichts mehr vor der Niederlage retten konnten. Doch plötzlich wurde Yeshgar klar, die Nietzscheaner die Commonwealthlinien durchbrochen hatte. Das nietzscheanische Militär lud seine Raketen mit allen übrigen Negativsprengköpfen. Ein Schwall Raketen stürmte auf die Headwaters of Invention Shipyards zu. Der gigantische Komplex wurde an vielen Stellen getroffen und brach in gigantischen Explosionen auseinander. Verzweifelt versuchten Ehren- und Heimatgarde, die Geschosse abzufangen. Erfolglos. Weiter und weiter trommelte das Feuer nietzscheanischer Geschütze auf die Schiffswerften ein. Die Valor konnte noch einige Negativbomben auf die Feinde schießen, die Vernichtung des Werftenkomplexes aber nicht verhindern. Als das nietzscheanische Militär abdrehte, war nur noch eine langsam expandierende Trümmerwolke von den Headwaters of Invention Shipyards übrig geblieben.
                      Der Admiral meldete sich bei allen Schiffen: „Ich weiß, wir haben sehr schwere Verluste. Aber wir werden sie verfolgen, bis zum Ende des Universums. Dämpfungsfelder aktivieren und ihnen hinterher!“
                      Einige tausend Schiffe begannen die Verfolgung der nietzscheanischen Truppen. Die letzten Feinde verließen San Ska Re über den Slipstream. Eine gewonnene Schlacht? Nein. Die Ehrengarde hatte tausende Schiffe verloren, die Verteidigung von San Ska Re war erheblich geschwächt worden. Hunderttausende auf beiden Seiten mussten ihr Leben lassen. Der Werftenkomplex, der ungefähr ein Zehntel der Flotte des Commonwealth gefertigt hatte, war schwer getroffen worden. Große Stücke schwebten noch im Raum. Es bestand Hoffnung auf Teilreparatur, aber für die nächsten Kriegsmonate würde die Schalcht um San Ska Re eine Niederlage des Commonwealth bedeuten...

                      110. Tag des Krieges, Ikarus


                      Tarik hatte sich mit einem Teil der ersten Flotte getroffen. Die Nachricht des Verlustes von Acheron hatte ihn schwer getroffen. Die kleine Flotte war im Moment unterwegs nach San Ska Re. Dieser Planet durfte auf keinen Fall in die Hände der Nietzscheaner fallen! Die Flotte hatte unter ständigen Angriffen der Nietzscheaner zu leiden. Ihre Verfolger ließen sie nicht mehr los. Beim letzten Gefecht hatte die Gladiator von Teddy Roosevelt schweren Schaden genommen. Ihr Backbordausleger war von den Urangeschossen zerfegt worden. Was das Commonwealth tun würde, wenn San Ska Re fiel, wusste Tarik nicht. Er hatte seine innere Gespaltenheit noch immer nicht überwunden. Für Tarik hieß es jetzt abwarten. Eine günstige Gelegenheit. Immer nur... abwarten.

                      111. Tag des Krieges, Enkindu.

                      Heute war Commonwealth-Day. Und Lacos Hochzeitstag. Heute begann das Jahr 9785 n.C. war angebrochen. Heute vor 9785 Jahren hatte Huascar nax Yoweri das Commonwealth ausgerufen und seine Frau zur ersten vedranischen Kaiserin gekrönt. Das waren noch Zeiten gewesen. Heute aber hatte auch das zweite Jahr des Krieges in der nietzscheanischen Rebellion begonnen. Laco hatte sich bereits in Schale geschmissen. Er hatte seine schwarze Gardeuniform an – selbstverständlich geflickt und gewaschen. Walang nax Tao und er machten sich später auf den Weg zu einem Geistlichen, den Walang angeblich schon lange kannte. Sie selbst hatte auch luftige dunkle Kleidung an, die bei diesen heißen Temperaturen schon angemessen war. Sie stiegen in einen alten Floater, den der Widerstand aufgetrieben hatte und fuhren in eine weit entferntes Gebiet der Stadt. Es sah genau so aus wie der Rest. Zerbombt. Alle großen Gebäude waren vollständig ausgebrannt und es gab keine Anzeichen, dass jemand versucht hätte, aufzuräumen. Die meisten Einwohner lebten in den wenigen unversehrten Gebäuden oder in Blechhütten, die sie aus den Trümmern zusammengesteckt hatten. Der Floater hielt vor einem solchen Gebäude. Es war einst ein Weltraumkratzer gewesen, jetzt war nur noch die unterste Ebene bewohnt.
                      „Und da lebt dein Priester?“, fragte Laco.
                      „Ja“, antwortete Walang. „Noch nicht sehr lange. Ungefähr seit Kriegsbeginn“
                      Sie stiegen aus dem Fahrzeug und gingen langsam auf das Gebäude zu. Der Eingang war erneuert worden. Zwei schwere Torflügel schützten ihn. Sie standen offen. Laco und Walang traten ein, die Hände aufeinander gelegt. Mönche in grünen Kutten eilten umher. Die Beiden gingen langsam gerade aus. Mitten in die Kapelle hinein. Zumindest sah es von innen aus, wie eine Kapelle.

                      Lacos Erstaunen war fast grenzenlos. Wen er sah, war niemand Anderes als Bruder Bradás, dem er vor über drei Monaten auf Yakosh begegnet war. Sklavenjäger hatten ihn und die Mönche gefangen und verschleppt. Anscheinend war auch er nicht gekauft und in dieser gottverlassenen Stadt ausgesetzt worden.
                      „Ihr habt euch also gefunden“, sagte er.
                      Es war diese Standardfloskel, durch die Laco alles klar wurde.

                      „Sie hat nach der Erleuchtung gesucht, und erkannte, dass sie sie hier nicht finden würde”. “Folge deinen Idealen, Laco nax Agros”. “Du wirst sie finden. Früher oder später”. „Sucharitkul war wie eine Tochter für mich“. Warum er? Warum hier? „Ihr habt euch also gefunden“ Gefunden. Gefunden. Sie war-

                      „Sucharitkul, Thronerbin von Tarn Vedra. Willst du meine Frau werden?“
                      Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


                      Kommentar


                      • #12
                        VII. Auferstanden!

                        „Die Gerüchte
                        über meinen Tod
                        sind reichlich übertrieben“

                        Mark Twain, 6816 n.C.

                        „Ich, Triumvir Koupa, zurzeit Regierungschef des Commonwealth, habe in Einverständnis des Kriegsrats und des Krisenstabes, beschlossen, dem nietzscheanischen Imperium gegenüber zu kapitulieren. Als Reparation sind wir bereit, dem Imperium jährlich 100.000 Billiarden Trohn und die nach der Commonwealth-Charta entsprechenden Einheiten Ressourcen zukommen zu lassen. Ich erwarte die Antwort der Führung des Imperiums“, las Tia Cheng der Drago Kazov vor.
                        „Niemals“, sagte Saladin. „So gigantisch sich diese Summen auch anhören, wenn wir zustimmen, hat das Commonwealth Zeit, eine Abwehr aufzubauen. Wir waren ihnen strategisch schon immer unterlegen, aber wir dürfen nicht zulassen, dass sie das ausnutzen können“
                        „Seid Ihr sicher?“, fragte Bolivar. „Immerhin könnten wir mit diesem Zeug unsere Schiffswerften über ein Jahr lang laufen lassen“
                        „Nein. Wir werden nicht darauf eingehen. Es ist ein Bluff“

                        114. Tag des Krieges, Enkindu


                        Ganz behutsam nahm er den Plasmawerfer und hob ihn an seine Schulter. Er vergrößerte und zielte. Der Garuda-Fighter war in der Mitte des Fadenkreuzes. Laco fixierte das Ziel und lud seine Waffe. Der Jäger flog in etwa hundert Kilometern Höhe über Enkindu. Der Plasmawerfer war voll aufgeladen. Laco biss die Zähne zusammen und schoss. Der Fighter war an der Front beschädigt und stürzte trudelnd in die Tiefe.
                        Laco sagte: „Treffer“
                        Sie stiegen in den Floater und flogen los, um das Wrack auszuschlachten. Laco, seine Frau Sucharitkul, Chiquon und zwei Mitglieder des Widerstandes versuchten, feindliche Jäger abzuschießen und sie zu zerlegen. Chiquon war eben erst von einer Mission zurückgekehrt. Er wollte natürlich alles über Lacos und Sucharitkuls Trauung wissen.
                        „Du bist also eigentlich...die Prinzessin von Tarn Vedra, oder?“
                        „Ja, genau“
                        „Und wieso lebst du unter falschem Namen?“
                        „Walang Tao ist altirdisch und bedeutet Niemand“
                        „Sehr kreativ“, warf Laco sarkastisch ein.
                        „Ich wurde auf Yakosh großgezogen und hatte mich nie als Prinzessin von Tarn Vedra gefühlt. Kaiserin Sucharitkul XII wollte mich nicht, darum sehe ich mich auch nicht als ihre Tochter“
                        „Du irrst dich“, sagte Laco. „Ich habe eine Aufzeichnung gesehen. Sie hat es sehr bedauert, dass sie dich weggeben musste. Sie hatte es nie tun wollen, sondern müssen“
                        „Ja, sicher“. Sucharitkul glaubte ihm kein Wort.
                        Ciquon meinte: „Eines würde mich noch interessieren, Walang. Verzeihung, Sucharitkul. Wieso hast du Yakosh verlassen und bist in diese Sklavenwelt gegangen?“
                        „Es ist schon wieder eine Zeit her, seit ich weggegangen bin. Trance sagte mir, dass ich mein Glück nicht auf Yakosh finden würde. Also zog ich hinaus in die Welt. Ich war auf Enkindu, als der Krieg ausbrach“
                        „Entschuldigung“, sagte Ciquon. „Wer ist Trance?“
                        „Trance Gemini. Sie war eine Zeit lang in unserem Kloster auf Yakosh. Sie ist ein Wesen... wie mir noch nie eins begegnet ist. Sie hat lila Hautfarbe und einen affenartigen Schwanz. Außerdem hat sie ab und zu... Visionen. Sie war ein sehr seltsames Wesen. Meist ist sie in ihrem dunklen Zimmer gesessen. Man hat sie fast nie zu Gesicht bekommen“
                        Trance Gemini. Sie war Lacos Orakel gewesen, von dem Bradás gesprochen hatte. Woher hatte sie gewusst, dass Laco Sucharitkul hier finden würde? Laco stellte diese Frage seiner Frau. Sie sagte nur: „Mir hat sie gesagt, dass ich nach zwei befreundeten Feinden suchen sollte. Das war der eigentliche Grund, wieso ich euch geholfen habe“
                        Laco wusste genau, dass er diese Trance Gemini irgendwann noch einmal aufsuchen würde.

                        Die fünf Fühlenden lagen, fest in den Boden gepresst, im Schatten mehrerer Sträucher. Das Gras kitzelte Lacos Gesicht. Er schaute auf. Ihre Vorsicht war umsonst gewesen. Der Fighter war mit so einer Wucht auf der Oberfläche aufgeschlagen, dass alle Insassen sofort umgekommen waren. Der Jäger selbst schien neben einigen Bränden noch in recht gutem Zustand zu sein. Laco gab mit einer Kopfbewegung den Befehl zum Vorrücken. Vorsichtig schlichen sie auf den Fighter zu und sahen nach der Besatzung. Alle drei tot. Die beiden Widerstandskämpfer begutachteten gleich die Schäden und sahen nach, was sich aus dem Fighter noch alles herausholen ließ. Ihr Ergebnis war erstaunlich.
                        „Er ist in verdammt gutem Zustand, so flach ist er abgestürzt. Ein paar Handgriffe und er wird wieder flugtauglich zu sein“
                        „Wahnsinn“, meinte Chiquon. „Könnten wir damit von Enkindu entkommen?“
                        „Wahrscheinlich. Aber nur drei von uns“
                        Spannung breitete sich unter den Männern aus. Laco konnte den Fighter nicht reparieren, er musste also vorsichtig sein.
                        „Als Erstes müssen wir das Teil zum Fliegen bringen. Alles Andere ist zweitrangig“
                        Laco stieg in den knapp dreißig Meter langen Garuda-Fighter und zog die verkohlten Leichen aus dem Cockpit. Er machte sich schon mit den Systemen vertraut, während seine Freunde die Maschinen reparierten.
                        „Wir haben nicht viel Zeit“, bemerkte Chiquon. „In wenigen Minuten werden draganische Kampfmaschinen hier eintreffen und die Lage untersuchen“

                        Sie hatten eine AP-Ventil ausgetauscht und die Sensorsteuerung repariert. Die Brände waren gelöscht und der Fighter flugbereit. Und das Alles hatte nur etwa eine Viertelstunde gedauert!
                        Jetzt kam der unangenehmere Teil.
                        Sucharitkul fragte: „Wer soll jetzt fliehen? Im Cockpit haben nur drei Leute Platz!“
                        Kaum merkbar wanderten die Hände der Widerstandskämpfer zu ihren Waffen.
                        Laco sagte: „Sucharitkul muss auf alle Fälle fliegen. Sie muss ins Commonwealth, um den Krieg schneller zu beenden“
                        „Dann wären noch zwei Plätze frei“, stellte Chiquon fest.
                        „Wir sollten das auslosen“, schlug Laco vor. Er hob ein Ästchen vom Boden auf und brach es in vier verschieden lange Teile. Er zeigte sie so, dass man nicht erkennen konnte, welches das Kürzeste war. Die Drei zogen jeweils Eines. Laco sah sich das übrig gebliebene an. Das Zweitlängste. Einer der beiden Menschen hatte das Längste gezogen. Sucharitkul, Laco und der Mensch würden Enkindu also verlassen. Das konnte Laco nicht zulassen. Blitzschnell, wie man es nur bei Argosy Special Ops lernte, zog er seine Waffe und feuerte je eine Kugel auf die Beine der beiden Widerstandskämpfer. Sie knickten ein und wälzten sich vor Schmerzen auf dem Boden.
                        „Was hast du getan?“, schrie Chiquon.
                        „Dein Leben gerettet. Und jetzt steig in den verfluchten Fighter“
                        Fassungslos hatte seine Frau zugesehen, wie Laco auf seine Freunde schoss, nur um einen noch besseren Freund zu retten. Sie war entsetzt. Mit wenigen Schüssen aus seiner Pistole zerstörte Laco den Plasmawerfer und stieg dann ins Cockpit. Chiquon hatte sich schon ans Steuer gesetzt. Der Garuda-Fighter hob ab, als die Beiden wieder aufstanden. Da der Plasmawerfer nicht mehr funktionierte, waren sie keine Gefahr. Der Jäger beschleunigte und stieg in wenigen Sekunden auf mehrere Kilometer Höhe an.

                        „Verdammt, Laco. War das wirklich nötig gewesen?“, fragte Chiquon.
                        „Ja, verflucht noch mal. Sonst würdest du immer noch da unten hocken“
                        „Aber war es wirklich nötig, sie umzuschießen? Wir hätten das sicher klären können!“
                        „Nein, Ciquon. Hätten wir nicht. Die hätten uns genau so verraten wie wir sie“
                        „Zieh uns da nicht mit rein“, sagte Sucharitkul. „Du hast sie abgeknallt. Du hast sie auf dem Gewissen, nicht ich und nicht er“.
                        „Du hast es mir selbst gesagt. Auf einer Sklavenwelt regiert der Stärkere und der Stärkere ist der, der die Waffe am schnellsten ziehen kann und das bin ich“
                        „Aber musstest du sie gleich umballern?““, kritisierte ihn Ciquon. Diese Leute sind unsere Freunde und-“
                        „Noch ein verdammtes Wort und ich flieg runter und lass dich wieder aussteigen! Ich habe das für dich getan, mein Freund, nicht für mich. Und ich würde es wieder tun, wenn-“

                        Laco wurde durch eine Transmission unterbrochen. „Retro Romeo, Retro Romeo, bitte melden“
                        „Verdammt, die haben uns entdeckt“
                        „Wir sollten eine Sprachverbindung aufbauen“, schlug Sucharitkul vor.
                        „In Ordnung“ Laco justierte das Kommunikationsgerät und antwortete.
                        „Hier ist Retro Romeo. Gibt es irgendein Problem? Over“
                        „Hier Enkindu Kontrollzentrale. Lagebericht, Over“
                        „Unser Fighter wurde anscheinend von einem Plasmastrahl getroffen und ist abgestürzt. Haben ihn aber repariert und sind wieder auf Patrouille, Over“
                        „Bitte Namen und Dienstnummer durchgeben, Over“
                        Laco störte die Transmission. Sie waren bereits in der oberen Athmosphäre angekommen, aber jetzt würden sie wahrscheinlich auffliegen. Laco hörte Chiquon fluchen.
                        „Bitte? Die Verbindung ist sehr schlecht. Bitte wiederholen, Over“
                        Er suchte in den Datenbänken des Fighters verzweifelt nach irgendwelchen Daten zur Besatzung.
                        „Bitte Namen und Dienstnummer durchgeben, Over“
                        „Ähm. Namen und Dienstnummer. Moment bitte. Ich ähm. Flight Officer Jordan Fletcher. Dienstnummer NE-72304, Over“
                        Der Fighter war aus der Athmosphäre ausgetreten. Laco fragte Chiquon, wie lange es noch bis zum Slipportal dauern würde. Seine Antwort, bestenfalls fünf Minuten, entmutigte Laco.
                        Der nervige Kanal wurde wieder geöffnet. „Uns ist kein Jordan Fletcher mit der Dienstnummer NE-72304 bekannt. Bitte bestätigen, Over“
                        „Das kann ich nicht verstehen. Ich bin sicher registriert...“

                        „Laco, die kaufen uns das nicht ab“, sagte Sucharitkul. „Sie haben schon ihre Waffensysteme auf uns gerichtet“
                        „Retro Romeo, wir werden eine Patrouille zur Kontrolle schicken, Over“
                        „Friss Scheiße, du Idiot. Lang lebe die Kaiserin!“, schrie Laco und beendete die Übertragung.
                        „Hast du sie noch alle?“, fragte Sucharitkul.
                        „Ist doch eh schon egal. Wie lange noch?“
                        „Etwa zwei Minuten“
                        „Wir sollten uns kampfbereit machen“, schlug Sucharitkul vor.
                        „Auf keinen Fall“, wiedersprach Laco. „Maximaler Stealth-Modus“

                        Enkindu war nur noch eine blaue Kugel, die der Fighter hinter sich zurückgelassen hatte. Mit etwa 60 PSL flog der Garuda zur die Sprungzone, wo Chiquon ein Slipportal öffnen konnte. Raketen flogen dem Fighter hinterher. Die gesamte auf Enkindu stationierte Flotte nahm die Verfolgung des Jägers auf.
                        „Es sieht gut aus. Wir haben einen relativ großen Vorsprung“, sagte Laco.
                        „Was meinst du mit relativ groß?“, fragte seine Frau.
                        „Oh Gott, wir werden alle sterben!“
                        Die Nietzscheaner hatten Raketen gestartet.
                        „Das sind Anti-Strikecraft-Raketen. Wenn uns auch nur eine von denen trifft, befördert sie uns direkt ins Jenseits!“
                        „Ich leite Antiprotonen aus den Reservetanks ins Haupttriebwerk um!“, sagte Chiquon.
                        Ein gewaltiger Ruck ging durch den Fighter.
                        „Wir fliegen jetzt 69 PSL, 70“, berichtete der Kalderaner.
                        „Entfernung der Raketen 20 LS“
                        „Das gibt uns knapp eineinviertel Minuten“
                        Die Zeit zog sich ewig lang dahin.
                        „Die Auswirkungen der Schwerkraft sind noch immer nicht beherrschbar! Ich kann kein Portal öffnen!“
                        „Aufschlag in 10 Sekunden. 9, 8, 6, 5, 4“
                        Ein strahlend blaues Slipstreamportal tat sich vor dem Garuda-Fighter auf. Laco war noch nie in seinem Leben so glücklich gewesen, ein solches zu sehen. Selbst Chiquon hatte erhebliche Probleme mit dem Flug durch den Slipstream. Er kollidierte oft mit den Strängen. Mit der Zeit wurde es besser.
                        „Dir ist schon klar, dass die uns verfolgen, oder?“, sagte Sucharitkul.
                        „Ja, sagte Laco. „Und? Wir haben den besten Piloten in der Andromeda-Galaxie!“
                        „Ja“, sagte Chiquon. „Aber nur noch Treibstoff für drei Sprünge!“

                        Währenddessen: Zwei Schlachten, zwei sich verfolgende Flotten. Nach der Katastrophe auf Acheron waren die Streitkräfte des Commonwealth vor dem Militär des Nietzscheanischen Imperiums geflohen. Unter diesen Schiffen waren auch die Ikarus und die Gladiator. Von der anderen Richtung näherten sich die deutlich größeren Flotten. Nach der gewonnenen Schlacht auf San Ska Re jagten die schwer dezimierte Flotte der Ehrengarde die Nietzscheanische, die noch größere Verluste erlitten hatte. Sie trieben sich gegenseitig in die Arme. Beide Flotten waren nur noch wenige Sprünge voneinander entfernt. Ohne es zu wissen. Bald sollten sie sich treffen. Im Dreiecksnebel, unweit von Enkindu...

                        „4 Minuten und 43 Sekunden“, berichtete Ensign Bogacy.
                        „Verdammt“, fluchte Commander Tarik al Ashraf. „Sie haben 29 Sekunden im Slipstream augeholt!“
                        Die nietzscheanischen Verfolger waren zu weit entfernt, um auf die Schiffe des Commonwealth zu feuern. In den letzten Gefechten waren aber einige Gardeschiffe so schwer beschädigt worden, dass die Nietscheaner rasant aufholten. Eines diese fliegenden Wracks war auch die Gladiator. Ein Großteil ihrer Mannschaft war schon auf die sichereren Schiffe umverteilt worden. Die Garde durchquerte das System, bis sie wieder die Sprungzone erreicht hatten.
                        „Alle Schiffe laden ihre GFG-Linsen, Commander“
                        „Gut. Kommando zum Übergang in den Slipstream abwarten. Und...Jetzt“
                        Die Flotte sprang in den Slipstream.

                        So abrupt sie das eine System verlassen hatten, tauchten sie jetzt im Nächsten wieder auf.
                        „Flotte vollständig“
                        Erneut begann das Rennen mit der Zeit. Vielleicht würden die Nietzscheaner jetzt ein bisschen zurückfallen, vielleicht auch noch weiter aufholen.
                        Die Sekunden verstrichen zäh und langsam. Die Verfolger waren der Flotte der Garde überlegen. Diese war in mehrere Teile zerspalten worden, sie hatten den Kontakt zueinander verloren. Die Flotte versuchte, den nächsten größeren Stützpunkt der Garde auf San Ska Re zu erreichen. In diesem Schneckentempo konnte es aber noch Tage dauern, bis sie dort ankommen würden.
                        „Sir, ich orte ein Slipstreamereignis“
                        „Was? Jetzt schon? Das waren höchstens zwei Minuten!“
                        „Wie konnten die so viel aufholen?“, wunderte sich Elacta.
                        „Ich weiß nicht, Sir... Es ist ein nietzscheanischer Fighter, Garuda Klasse. Entfernung: 30 LS“
                        „Was? Ein einzelner Fighter greift uns an?“
                        „Nein... er hat die Waffensysteme nicht aktiviert“
                        „Egal. Startet Raketen. Wir putzen ihn weg!“

                        „Das war der letzte Sprung, Laco“, sagte Chiquon an Bord des Fighters. „Die Energie ist fast alle“
                        Sucharitkul meldete: „Ich habe in etwa 30 Lichtsekunden Entfernung eine große Anzahl Schiffe geortet. Bauweise der Ehrengarde“
                        Laco und Chiquon atmeten erleichtert auf. Anfangs. Dann wies sie Sucharitkul jedoch darauf hin, dass sie in einem nietzscheanischen Fighter saßen, und deshalb wie Feinde aussahen. Und die Kommunikation war ausgefallen! Laco wurde blass.
                        „4 Raketen fliegen auf uns zu“, meldete Chiquon.
                        „Das ist einfach nicht mein Tag. Jeder schießt auf mich“
                        Die Raketen kamen näher. Chiquon versuchte, abzudrehen, konnte den Raketen aber nicht ausweichen. Zu seiner Überraschung waren sie noch immer nicht tot.
                        „Laco, die Sprengköpfe haben nicht gezündet!“

                        „Der Jäger ist ja immer noch da“, bemerkte Tarik.
                        Elacta erklärte: „Ich konnte noch rechtzeitig die Zündvorrichtung abstellen. Siehst du denn nicht, dass da was nicht stimmt?“
                        „Die wollen uns in eine Falle locken, das stimmt nicht“, schrie Tarik. „Die Waffen scharf machen und-“
                        „Commander. Ich orte weitere Slipstreamereignisse. Unsere Verfolger sind wider da. Und dort, wo der Fighter herkam, öffnen sich auch weitere Portale. Nietzscheaner“
                        Tarik sah fassungslos auf die Sensorenanzeige. Auch von der anderen Seite des Systems kamen jetzt nietzscheanische Schiffe aus dem Slipstream. Die Flotte wurde eingekesselt.

                        „Wir haben noch immer keine Kommunikation“, meinte Sucharitkul.
                        „Ja, und unsere Verfolger sind da. Und von zwei anderen Seiten nähern sich andere nietzscheanische Flotten. Die Garde ist eins zu zehn unterlegen!“
                        „Und sie versuchen, uns abzuschießen!“ Slipportale taten sich auf und die flüchtende nietzscheanische Flotte aus der Schlacht von San Ska Re flog in das System.

                        Die beiden Flotten feuerten aufeinander. Die Aufmerksamkeit der beiden Mächte war von dem kleinen Fighter abgelenkt. Laco steuerte das Schiff in die Nähe der Ehrengardeflotte. Chiquon steuerte den Fighter souverän durch das Feuer der Streitkräfte. Ab und zu musste er einer AP-Ladung der Garde ausweichen.
                        „Das da vorne ist ein Schiff der Eternal Vigilance Klasse“, sagte Chiquon. „Wie die Ikarus“
                        „Es ist die Ikarus“, meinte Laco.
                        „Wie kannst du dir da so sicher sein?“, meinte die Vedranerin. „Die Schiffe sehen für mich alle gleich aus“
                        „Setze einen Kurs auf das Schiff. Volle Kraft voraus!“

                        Die Brücke der Ikarus wurde durch einen Raketentreffer durchgeschüttelt.
                        „Tarik, der Fighter hält genau auf uns zu!“
                        „Soll ich ihn abschießen, Sir?“
                        Tarik zögerte. „Nein, die Nietzscheaner sind hinter ihm her, das heißt, er ist unser Freund“
                        „Drago Museveni hat einst etwas Anderes gesagt“, meinte Elacta.
                        „Öffnet den Hangar und holt den Jäger rein“, befahl Tarik.
                        „Ein offenes Hangartor im Kampf? Das ist-“
                        „Sir, ich habe weitere Slipstreamereignisse. Es sind Schiffe des Commonwealth, 30 LS entfernt!“
                        Die Ikarus wurde von einer Rakete schwer getroffen.
                        „Wie viele?“
                        „Hunderte, wenn nicht tausende. Das gleicht diesen Kampf wieder aus!“
                        Es war die Flotte von San Ska Re, die die Nietzscheaner verfolgt hatte.

                        Im Fighter:
                        „Wir halten weiter auf die Ikarus zu?“
                        „Und wenn sie uns für Feinde halten?“
                        „Dann sind wir tot!“
                        Der Jäger wurde erschüttert.
                        „Sie haben uns mit den Bucky-Kabeln erfasst. Sie ziehen uns in ihren Hangar“
                        Der Fighter donnerte ins Hangardeck des Schiffes der Eternal Vigilance Klasse.
                        „Das Cockpit noch nicht öffnen! Der Raum ist noch nicht mit Luft gefüllt!“
                        Lancer der Ehrengarde rannten aufs Hangardeck, als Laco, Sucharitkul und Chiquon aus dem Fighter stiegen. Die Drei hielten ihre Hände hoch, denn die Lancer zielten mit ihren Gewehren auf sie. Sie waren erstaunt, ja, fast geschockt. Keiner von ihnen hatte erwartet, die beiden vor Monaten im Kampf gefallenen Soldaten jemals wiederzusehen. Mathew McDill befahl seinen Männern, die Waffen zu senken.
                        „Captain Agros, Lieutenant Chiquon. Ihr lebt?“
                        „Sieht so aus“, antwortete Laco.
                        „Und wer ist eure Begleiterin?“
                        Eine Rakete traf das Schiff.
                        „Das ist-“
                        „Mein Name ist Walang nax Tao. Ich bin mit Laco verheiratet“
                        „Colonel! Ihr solltet wieder Eure Stationen besetzen. Und ich möchte nicht, dass irgendwer von unserer Anwesenheit erfährt!“
                        „Aye, Sir“

                        Laco durchschritt gerade die Luftschleuse, als er vor sich eine Phasenverschiebung sah. Die Ikarus war also in den Slipstream gesprungen. Das Gefühl legte sich sofort wieder. Der Kampf war vorbei, so schnell wie er begonnen hatte.
                        Laco und Sucharitkul suchten sein altes Quartier auf. Er öffnete das Schott. Das Quartier sah fast so aus, wie er es verlassen hatte. Einiges war entfernt worden, wahrscheinlich das Zeug, das er in seinem Testament erwähnt hatte. Die kleine Schatulle mit der Kampflanze war aber noch an ihrem Platz. Laco nahm die edle Waffe heraus und steckte sie anstatt der Pistole in seinen Gürtel.
                        Laco sagte zu Sucharitkul: „Ich habe noch etwas sehr Wichtiges zu erledigen. Würdest du bitte hier warten?“
                        Sie nickte stumm.

                        „Commander al Ashraf. Ich habe den Befehl erhalten, mich auf Hangardeck 1 zu melden“, sagte der Steuermann der Ikarus.
                        „Geht. Es hat sicher irgendetwas mit dem Garuda-Fighter zu tun. Das Schiff ist im Moment außer Gefahr. Wenn Ihr zurück seid, will ich einen genauen Bericht haben!“
                        „Aye, Sir“
                        Der Steuermann der Ikarus verließ das Kommandodeck. Er bog rechts ab und schritt den Korridor entlang. Vier Decks ließ er sich auf einem AG-Feld nach unten tragen. Dann traf er Chief Petty Officer Greyman, einen der Slipfighterpiloten, seinen guten Freund. Vor knapp drei Monaten hatten sie gemeinsam eine Meuterei geführt.
                        „Na, was geht?“
                        „Muss in den Hangar. Weiß nicht wieso“, sagte Greyman unfreundlich.
                        „Ich bin auch auf dem Weg zum Hangardeck“
                        Die Beiden gingen eine Linkskurve, als sie plötzlich das unangenehme Geräusch einer geladenen Waffe hörten.
                        „Hände hinter den Kopf und an die Wand“, sagte eine männliche Stimme. Sie spürten, wie ihnen ihre Waffen aus den Halterungen gezogen wurden.
                        „Was soll das“, schnauzte Greyman und drehte sich um. Hinter ihm stand der Geist von Captain Laco nax Agros – in Fleisch und Blut.
                        „Oh, Gott!“
                        Laco, noch immer in Fetzen gekleidet, hielt die glänzend schwarze Kampflanze auf die Männer gerichtet. Mit der anderen Hand betätigte er einen Schalter, der die Luke zu einer Rettungskapsel öffnete.
                        „Bitte. Tretet doch ein“
                        „Captain. Wir...“
                        Laco versetzte ihnen mit geladener Lanze einen Energiestoß.
                        „Sofort rein in die Kapsel oder ich drück' ab!“
                        Zögernd setzten sich die Offiziere in die Zwei-Mann-Kapsel.
                        Laco sagte: „Ich habe von Ikarus erfahren, dass dieser eine Lancer da, der auch gemeutert hat, gefallen ist. Stimmt das?“
                        „Ja, Sir. Und-“
                        „Meuterei und Aussetzung in einer Rettungskapsel sind grauenhafte Dinge“
                        „Wenn Ihr uns jetzt so bestraft, seid Ihr kein Bisschen besser als wir“, erklärte Greyman.
                        „Hör gut zu! Rache ist genau mein Ding. Ich bin kein Mann der Gnade! Du nennst mich grausam, das mag stimmen. Vielleicht habe ich eine schwarze Seele, aber das wird euch Beiden sicherlich nicht helfen!“
                        „Captain, Ihr müsst uns glauben! Wir wollten nicht gegen Euch meutern. Es war keine Absicht. Wir taten das nur zum Wohl des Schiffes! Bitte verzeiht uns! Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass wir nie etwas Böses im Sinn hatten, sondern-“
                        „Erzähl das deinem Schöpfer“, sagte Laco, schloss die Luke der Kapsel und schoss sie in den Raum hinaus.

                        Eine Stunde später. Laco und Chiquon standen vor der Tür zum Kommandodeck. Sie hatten sich bereits wieder ihre Uniformen angezogen. Sucharitkul war auf dem Medizindeck.
                        „Jetzt gilt es“, sagte Chiquon.
                        Sie traten durch die Tür auf die Brücke der Ikarus.
                        Chiquon rief: „Captain an Deck!“
                        „Bitten um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen, Commander al Ashraf“
                        Die Brückenbesatzung drehte sich um und sah sprachlos in die Gesichter der tot geglaubten Kameraden. Tarik wurde blass und wechselte kurz einen Blick mit Elacta, die kaum merklich den Kopf schüttelte.
                        „Captain Agros, Lieutenant Chiquon“
                        „Lieutenant Commander Chiquon“, verbesserte ihn Laco.
                        „Wir dachten, ihr wärt im Diogenes-Cluster gefallen!“
                        „Wir haben überlebt“, sagte Laco, ohne weiter darauf einzugehen.
                        „Und ihr wart das in dem Garuda-Fighter!“
                        „Ganz recht, Tarik“
                        „Tut mir Leid, dass ich nicht ganz auf dem Laufenden bin. Ich sollte eigentlich von einem meiner Männer einen Bericht erhalten, doch er ist noch nicht zurückgekehrt“, meinte Tarik verwundert.
                        „Und er wird auch nicht mehr zurückkehren!“
                        „Die Kapsel!“, begriff Tarik.
                        „Ich habe ihnen das Gleiche angetan, was sie mir angetan haben!“
                        „Aber was-“
                        „Hör mir zu, Tarik. Wir sind hier in der Nähe von Enkindu, und ich habe keine Ahnung vom Stand des Krieges und so weiter. Aber: Wir müssen unbedingt nach Tarn Vedra, so schnell wie möglich“
                        „Wieso?“, wollte Tarik wissen.
                        „Das erzähle ich dir in meinem Quartier, in einer Stunde!“

                        Laco hatte gerade sein Schiff inspiziert und kam zurück in sein Quartier. Im Großen und Ganzen hatte Tarik die Kiste gut in Ordnung gehalten. Auch Sucharitkul war schon wieder zurück.
                        „Und?“
                        Sie erklärte ihm: „Ich hatte ein paar Schrammen abbekommen, die hat der Arzt aber leicht heilen können. Und unserem Kind fehlt auch nichts“
                        Erleichtert atmete Laco aus und küsste seine Frau. Durch ein Signal bemerkten sie, dass Tarik vor der Tür stand. Laco öffnete und der Nietzscheaner trat herein.
                        Laco sagte: „Tarik, das ist Sucharitkul, Prinzessin von Tarn Vedra, und meine Frau“
                        Sie sah in scharf an. Er entgegnete: „Ich vertraue Keinem meiner Besatzung mehr als ihm“
                        Sie hatten nämlich abgemacht, der Crew zu verschweigen, wer sie wirklich war.
                        „Sehr erfreut“, sagte Tarik.

                        Tarik verließ Lacos Quartier. Er war erstaunt über das, was er gehört hatte. Über eine Stunde hatten er und die vedransische Prinzessin berichtet, was ihnen widerfahren war. Tarik beeindruckte auch Lacos ungebrochenes Vertrauen in ihn. Konnte er dieses Vertrauen ausnutzen? Musste er dieses Vertrauen ausnutzen? Der Zwiespalt in Tariks Seele wurde immer größer. Er war seit Jahren Lacos Freund, kannte ihn schon ewig. Er und der Vedraner waren durch dick und dünn gegangen. Es war eine Freundschaft, von der man meinen könnte, das sie nie wieder zerbrechen könnte.
                        Auf der anderen Seite erinnerte er sich auch an den Schwur, den er Odin Athorak gegenüber geleistet hatte. Das nietzscheanische Imperium hatte auch davon profitiert, dass er es nicht verraten hatte. Aber er wusste, dass er weitergehen musste. Und die Gelegenheit, die sich ihm hier bot, musste er am Schopf packen! Er wusste genau, was passieren würde, wenn Lacos Frau nach Tarn Vedra kommen würde. Sie würden sie dazu zwingen, das Omega-Protokoll zu unterzeichnen und somit der Ehrengarde den Einsatz von Novabomben erlauben. Und Tarik wusste, dass er, wenn er dies zuließ, sein Volk in den Tod schickte. Es brauchte dann nur einige starke Kampfgruppen, die die Linien durchbrechen konnten und Novasprengköpfe auf die Sonnen von Fountainhead, Enga's Redoubt, Venseremos, Lucretia, Omaha und Majorum zu werfen. Die Ballungszentren des nietzscheanischen Volkes und Militärs wären ausgelöscht, alle Anderen könnte man problemlos mit konventionellen Mitteln vernichten.
                        Und Tarik al Ashraf war der Einzige, der das verhindern konnte. Aber er war nicht bereit, seinen Freund Laco dafür zu verraten. Er war kein Soldat des Nietzscheanischen Imperiums, das war nicht seine Angelegenheit, verdammt! Oder doch?

                        122. Tag des Krieges, Tarn Vedra


                        „Dies ist alles, was ich über den Krieg weiß:
                        Einer gewinnt, einer verliert
                        und nichts ist nachher so,
                        wie es vorher war“

                        Stille.

                        „Bürgerinnen und Bürger des Commonwealth.
                        Ich, ehemals Fleet Admiral Constanza Stark, habe heute Morgen erfahren, dass ich ab dem heutigen Tag das ehrenvolle Amt der stellvertretenden Kriegsministerin des Commonwealth bekleiden darf. Nach der gestrigen Wahl des zweiten Triumvirs und dem daraus folgenden Ergebnis wurde ich in die Konklave gerufen, wo mir meine Ernennung verkündet wurde. Ich danke allen Wählern des Commonwealth für ihre Stimmen und ich sehe es als meine Aufgabe an, jene zu schützen, die mir die Aufgabe auferlegt haben, sie zu schützen.

                        Vier Monate. Heute auf den Tag genau sind vier Monate vergangen, seit dem unglaublichen Überfall der Nietzscheaner auf das Commonwealth. Die Ehrengarde erholt sich langsam von dem Schlag, den uns der Feind verpasst hat. Wir mussten auf San Ska Re große Verluste hinnehmen, aber wir haben den Planeten gehalten. Auf Herodotus beginnt der Feind, zusammenzubrechen. ihre Linien werden schwächer und porös. Wir konnten sie von einem Großteil ihrer Rohstoffe abschneiden. In weniger als einem Jahr wird ihre gesamte Industrie stillstehen. Aber bedenkt, wie lange es dauern wird, bis sie endgültig in die Knie gezwungen sein werden. Aber wie viele tapfere Soldaten der Ehrengarde werden bis dahin noch ihre Leben werden lassen müssen! Ich sage Nein! Diese Nation verfügt über mehrere hundert Novabomben. Wir müssen sie einsetzen, um diese große Gefahr vom Commonwealth abzuwenden! Ich beantrage hiermit das Omega-Verfahren, durch das die Benutzung von Novabomben erlaubt wird! Die Kaiserin ist tot, aber wir leben in so modernen Zeiten, dass eine so fortgeschrittene Nation auch selbst Entscheidungen treffen kann. Und ich will euch, Bürgerinnen und Bürger des Commonwealth, dass ihr euch eines bewusst werdet:
                        Wir haben nicht den ersten Schuss gefeuert. Wir sind ein friedliebendes Volk, und ich sehe es als meine Pflicht an, dieses Volk zu schützen!
                        Ich werde alles bereit machen, dem Feind die Zähne zu zeigen.
                        Für das Commonwealth!“

                        Die kurze Rede der nun stellvertretenden Kriegsministerin Constanza Stark war zu Ende. Die Holoscreens auf ganz Tarn Vedra erloschen wieder.
                        „Unfassbar“, sagte Actrao, ehemals Leibwächter der Kaiserin, zu sich selbst. „Nur die vedranische Kaiserin selbst kann diesen Schritt tun. Das ist Amtsanmaßung! Ich werde dich im Auge behalten, Constanza...“

                        123. Tag des Krieges, Ikarus

                        Man hatte beschlossen, die Rückkehr nach San Ska Re zu verschieben. Fast alle Schiffe der Flotte waren schwer beschädigt, und sie waren hinter der Front in nietzscheanischem Raum. Sollten sie den Versuch wagen, durch die feindlichen Verteidigungslinien ins Commonwealthgebiet zurückzubrechen, würde sie das sicher hunderte von Schiffen kosten. Alle waren gerade dabei, die Schäden zu reparieren. Alle Nanobots waren reparierten die äußeren Hüllen. Man wartete jetzt einfach darauf, dass sich eine Kampfgruppe zu ihnen durchschlug und sie dann sicher ins Commonwealthgebiet zurückbrachte.
                        Aber das interessierte Laco im Moment gar nicht. Er lag im Bett und war hellwach. Sucharitkul war eben aufgewacht und ging sich waschen. Die letzte Nacht war wieder wundervoll gewesen. Eigentlich wollte Laco aufstehen und sich etwas anziehen, da es schon auf 7:00 zuging, aber ein Teil von ihm wollte liegen bleiben und einfach den Augenblick genießen. Sucharitkul kam gerade aus dem Bad zurück und band sich ein Handtuch um die Hüfte. Dann legte sie sich wieder zu Laco ins Bett.
                        „Weißt du“, sagte sie zu ihm. „Ich will eigentlich gar nicht nach Tarn Vedra. Es ist wunderschön, hier zu sein, wo einen niemand kennt. Sobald klar wird, dass ich die Nachfolgerin der letzten Kaiserin bin, wird es einen riesigen Aufstand um meine Person geben. Und außerdem will ich nicht... du weißt schon...“
                        „Die Novabomben“, riet Laco.
                        „Ja, genau. Ich kann es nicht einschätzen, wie viel Blut ich an meine Hände bringe, wenn ich die Garde autorisierte, diese Massenvernichtungswaffen zu benutzen. Ich will diese Schuld nicht auf mir tragen! Könnten wir nicht einfach irgendwo hinfliegen, vielleicht in die Randgebiete und einfach warten, bis der Krieg zu Ende ist? Wir könnten uns dort ein Haus bauen, unser Kind aufziehen...“
                        „Nein. Ich kann das Commonwealth jetzt wo es mich braucht nicht im Stich lassen. Und das kannst du auch nicht“, sagte Laco bestimmt.
                        „Bei meiner Geburt hat das Commonwealth mich im Stich gelassen. Ich schulde ihm nichts! Hörst du, gar nichts“
                        Laco strich ihr über die Schulter.
                        „Wir fliegen einfach nach Tarn Vedra, du lässt dich zur Kaiserin ernennen, du unterschreibst das Protokoll und der Krieg ist zwei Tage später aus. Sobald die Nietscheaner merken, dass wir Ernst machen und Novabomben auf sie richten, werden sie aufgeben. Die wahre Stärke der Novabomben liegt darin, sie nicht einzusetzen“
                        „Captain Agros. Beantwortet mir eine Frage in strategischer Hinsichicht“, sagte Sucharitkul streng. „Was ist, wenn sie nicht aufgeben?“
                        Laco blieb die Luft im Hals stecken. Er wusste ganz genau, was dann passieren würde. Das Commonwealth würde die Novawaffen auf Fountainhead abfeuern und mehrere Milliarden Fühlender würden sterben. Er wusste, dass Sucharitkul es wusste, aber er konnte es nicht sagen.
                        „Was ist, Captain Agros? Unsicher? Das dachte ich mir“
                        „Beantworte mir eine Gegenfrage! Was ist, wenn das Commonwealth den Krieg verliert und Billiarden Unschuldiger sterben, nur weil du dieses Protokoll nicht unterzeichnet haben wirst? Kannst du diese Schuld auf dir lassen?“
                        Ohne ihr eine Chance zur Antwort zu geben stand Laco auf und ging ins Bad. Er liebte sie und wollte sie nicht unglücklich machen. Aber er musste zwischen seinem Wohl und dem Wohl des Commonwealth entscheiden. Und diese Entscheidung fiel ihm leicht. Noch.

                        Tausende Magog jagten durch die Städte. Wen sie in ihre Klauen bekamen, schlitzten sie blutdurstig auf. Männer, Frauen, Kinder, Alte, Magog machten da keinen Unterschied. Sie ergötzten sich am noch warmen Fleisch ihrer Opfer und töteten, gierig auf Blut, jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Und wer von den Magog gefressen wurde, hatte es noch gut! Die Anderen wurden bei vollem Bewusstsein Wirte für die Larven der Magog. Feuer breitete sich aus. Das Gekreische der Magog war unvergleichlich. Manchmal fielen Schüsse. Die Menschen trampelten sich auf der Flucht vor den Monstern gegenseitig nieder. Einer schwarzhaarigen Frau durchtrennte ein Magog die Kehle und riss ihr Fleisch von den Knochen.

                        Tarik erawchte. Delta B-Tor. 9766. Tarik und Laco waren dabei gewesen, als die Magog vor zwanzig Jahren eine Milliarde Fühlender auf dem Planeten Delta Brandenburg-Tor getötet hatten. Männer hatten ihnen Pistolen in die Hand gedrückt und sie aufgefordert, zu schießen. Tarik hatte seitdem immer wieder Albträume, und er wusste, dass Laco an den selben Träumen litt.
                        Das Commonwealth hatte einen Fehler gemacht, indem es den Vertrag von Antares geschlossen hatte. Mit blutrünstigen Monstern wie den Magog konnte man nicht in dauerhaftem Frieden leben. Sie hätten ausgelöscht gehört. Das Commonwealth hatte mit diesem Friedensvertrag auf das Andenken einer Milliarde Fühlender gespuckt. Alleine auf diesem Planeten. Das war ein Zeichen der Schwäche des Commonwealth. Und deshalb musste das Commonwealth ausgelöscht werden, und Tarik wusste das. Er stand auf und zog seine schwarze Uniform an. Er würde das Commonwealth verraten müssen, es führte kein Weg daran vorbei. Er machte sich auf den Weg zum Observationsdeck. Er traf dort viele Freunde. Er wusste, dass er sich, wenn er seinen Plan verwirklichen würde, all diese Freunde zu Feinden machen würde. Auch Laco, ja, vor allem Laco! Zweifel an seinem Vorhaben beschlichen ihn, als er sich wie gewohnt zu Elacta an den Tisch setzte.
                        Kurz darauf trafen auch Laco und seine Frau ein. Sie sah atemberaubend aus. Der Arzt der Ikarus hatte ihre Narbe auf dem Gesicht entfernt. In dieser eleganten Kleidung war sie kaum wiederzuerkennen. Laco durfte sich glücklich schätzen, mit so einer bildhübschen Frau verheiratet zu sein. Tarik selbst war mit der Tochter eines mächtigen Mannes verlobt, würde sie aber wohl nie heiraten können. Nein. Tarik konnte Laco das nicht antun. Er hatte nicht das Recht, ein Leben auszulöschen, nur um die Fehler seines Volkes auszubügeln. Tarik al Ashraf war sein ganzes Leben lang ein Offizier der Ehrengarde gewesen. Er würde das nicht aufgeben. Tarik war sich unsicher. Er hatte nicht mehr viel Zeit. Vor zehn Minuten war er sich noch sicher gewesen, das Richtige zu tun. Jetzt war er sich sicher, dass er das Falsche tun würde!

                        124. Tag des Krieges, auf irgendeinem Asteroiden

                        Saladin war nervös. Es lief nicht mehr nach Plan. Der Abyss hatte ihm doch versprochen, im Krieg das Commonwealth enorm zu schwächen. Im Moment war davon jedenfalls nichts merkbar. Saladin stand in der kahlen Eingangshalle im Inneren des Asteroiden, sein Shuttle hatte draußen gedockt. Der menschliche Diener des Abyss trat ein.
                        „Mr. Gree, guten Tag“, begrüßte er ihn.
                        „Guten Tag“, stotterte Saladin.
                        „Was kann ich für Euch tun, mein Freund?“
                        „Ich möchte wissen, wie der Plan des Abyss weiterhin aussieht...Wisst Ihr, der Krieg steht zur Zeit nicht so sehr zu unseren Gunsten, wie ich es gerne hätte...“
                        „Und Ihr wollt, dass mein Meister etwas dagegen unternimmt, habe ich Recht?“
                        „So direkt würde ich es nicht ausdrücken, aber es kommt schon hin, ja...“
                        „Hat der Abyss nicht schon genug für Euch getan?“
                        „Er hat sehr viel für mich getan“, sagte Saladin unsicher. „Aber ich hätte diesen Krieg nie geführt, wenn er mir nicht versichert hätte, dass er mir hilft, ihn auch zu gewinnen!“
                        „Mein Meister hat mir bereits verkündigt, dass Ihr so etwas vorbringen würdet. Seid unbesorgt, er weiß, wie er das Commonwealth auf einen Schlag so sehr verkrüppeln kann, dass sogar Ihr in der Lage sein solltet, es zu besiegen!“
                        „Hat er Euch auch gesagt, wie er das anstellen will?“
                        Eine blaue Formation erschien und verschlang den Menschen. Er tauchte wenige Meter von seiner ursprünglichen Position wieder auf.
                        „Damit. Tesserakte“
                        „Daraus könnten wir sicher eine mächtige Waffe bauen“, spekulierte Tarik.
                        „Ganz im Gegenteil. Das Commonwealth forscht zur Zeit auf dem Gebiet der Tesserakte. Wir konnten ihre Technologie stehlen und enorm verbessern. Jetzt ist es an der Zeit, diese verbesserte Technologie den Vedranern erneut in die Hände zu spielen. Mehr werde ich Euch nicht verraten. Mein Herr ist der Herr des Wahnsinns und der Zerstörung. Und diese Technologie in den richtigen Händen... wird dem Commonwealth das Herz herausreißen“
                        „Wann?“, wollte Saladin wissen.
                        „Wir werden sicherlich noch einige Monate brauchen, um seinen Plan zu verwirklichen. Aber seid unbesorgt. Mein Meister wird Euch in diesem Krieg beistehen“
                        „Danke. Ich bin Euch sehr verbunden, dass Ihr Euch immer wieder Zeit für mich nehmt“
                        „Wo wir doch Freunde sind“, sagte der Mensch.

                        Saladin ging zur Luftschleuse und verließ den Asteroiden. Saladin war so naiv! Der Mensch wandte sich um und ging in den Raum, wo ihm sein Meister ab und zu erschien. Er nannte es das Heiligtum. Er wartete einige Zeit auf Knien, dann erschien er ihm. Der Abyss stand leibhaftig vor ihm. Eine pulsierende Gestalt aus rotem und violettem Licht manifestierte sich. Dort, wo bei einem Menschen der Kopf war, erschienen zwei stierende rote Augen. Der Mensch hörte die Stimme des Abyss in seinem Kopf.
                        „Ja, mein Herr“, sagte er. „Ich werde es hinauszögern. „Ja, Saladin muss noch durchhalten. Aber dann wird unsere Armee bereit sein, zuzuschlagen“
                        „Ja, mein Herr. Ich werde es ihm sagen“
                        Der Abyss verschwand. Der Mensch empfand immer Todesangst, wenn er seinem Meister begegnete. Der Herr der Zerstörung. Zerstörung, das war sein einziger Plan. Und Saladin durfte das auf keinen Fall erfahren!

                        125. Tag des Krieges, Ikarus


                        Tarik ging die Straßen entlang. Delta Brandenburg-Tor war ein schöner Planet. Über drei Milliarden Fühlende bevölkerten ihn. Es war eine Welt im Muttawalis Globular Cluster. Nahe der später entstehenden Quarantänezone der Magog. Das wusste allerdings noch niemand. Der jugendliche Tarik al Ashraf aus dem Stamm der Kondor leckte an einer Eiscreme. Es war gerade die Zeit der Abenddämmerung. Plötzlich sah er einen roten Strich am Himmel, dann immer mehr. Viele Passanten sahen nichts ahnend zum Himmel hinauf. Alle wussten, dass es die Spuren von Schiffen waren, die die Atmosphäre durchquerten, aber niemand dachte sich etwas dabei. Die Schiffe kamen näher. Sie waren größer als Slipfighter, aber kleiner als die Standard-Shuttles des Commonwealth. Sie sahen auf eine skurrile Weise schön aus. Plötzlich fuhren sie vier zackige Krallen aus, die vom Heck bis über den Bug des Schiffes hinausreichten. Den ersten Leuten wurde etwas mulmig. Die Schiffe flogen dicht über dem Boden.
                        Dann überschlugen sich die Ereignisse. Die meisten der Schwarmschiffe bohrten sich in die Gebäude, manche schlugen auf den Straßen auf. Sie schossen auf Delta B-Tor. Es war ein Angriff! Die Türen der gelandeten Schiffe öffneten sich. Hunderte plump wirkende, behaarte Zweibeiner sprangen aus den Schiffen. Tarik hatte nie zuvor Wesen wie sie gesehen. Sie trugen keinerlei Waffen. Er hatte sich geirrt, sie hatten Waffen in ihrem Körper. Ihre Scharfen Klauen gruben sie in ihre Opfer und sie konnten ein Gift aus ihrem Mund spritzen. Tarik rannte weg. Aber er sah, dass es kein Entkommen gab. Das Gekreische war unerträglich. Diese Viecher schienen so zu kommunizieren! Erste Schüsse fielen. Ein Mann schrie: „Die Gog und die Magog sind aus der Hölle entkommen!“ Überall waren die Schiffe gelandet. Man konnte rennen, wohin man wolle, man entkam ihnen nicht. Er sah wieder das Kind, dem ein Magog den Arm ausriss. Tarik rannte weiter und stürzte. Er drehte sich um und sah ein Monster über sich stehen. Seine Zeit war zu Ende. Er versuchte, mit dem Vieh zu ringen, hatte aber, obwohl er größer und genetisch aufgewertet war, hatte er keine Chance. Das Vieh war viel zu stark. Es beugte sich über ihn. Heute wusste Tarik, dass es versucht hatte, seine Larven in ihm abzulegen. Das Fell des Magog brannte. Er war von einer Kugel getroffen worden. Aber er schien, keinen Schmerz zu spüren. Zwei weitere Schüsse trafen es, bis es schließlich zusammenbrach. Ein Mann in schwarzer Uniform drückte ihm eine Waffe in die Hand und sagte: „Schieß auf jedes dieser Viecher!“ Tarik hatte eine Pistole in der Hand, aber wusste nicht, wie man sie benutze. Er drückte den Abzug und traf einen Zivilisten. Die Frau brach schreiend zusammen. Tarik zielte erneut. Diesmal traf er einen Magog. Er schoss nochmal und nochmal. Ein weiteres Schwarmschiff landete direkt neben Tarik. Er ging einige Schritte zurück, zielte auf die Tür und schoss, sobald sie aufging. Feuer brach in der Stadt aus und immer mehr Monster landeten auf dem Planeten. Die Heimatgarde konnte sie nicht zurückschlagen. Delta B-Tor war verloren! Tarik schoss und schoss. Er sah einen Magog von links kommen und drückte den Abzug. Dann rannte einer geradewegs auf ihn zu. Tarik hob die Pistole. Der Zielmonitor zeigte auf grün, die Linien liefen alle auf das Ziel zu. Tariks Finger zog den Abzug zurück und – nichts passierte. Der Magog rannte weiter auf ihn zu. Tarik schoss und schoss wieder, aber keine Kugel verließ die Pistole. Ende der Munition. Tarik stürzte. Der Magog war nur noch wenige Meter von ihm entfernt, als er getroffen nach rechts flog. Eine blaue Hand ergriff seine und zog ihn wieder auf die Beine.

                        Tarik saß aufrecht in seinem Bett. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Tarik al Ashraf vom Stamm der Kondor wusste, was getan werden musste. Das Commonwealth musste für das, was es auf Delta B-Tor zugelassen hatte, büßen. Und das würde es!
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                        • #13
                          So, ich danke jetzt einmal für genau 1.000 und besonders denen, die die Geschichte auch wirklich gelesen haben.
                          Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


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                          • #14
                            Gerne X-Man, mir hat gefallen was du geschrieben hast. Sehr detailiert sehr ausführlich geschrieben. Hut ab und schade das du kaum Resonanz bekommen hast!

                            Kommentar


                            • #15
                              Freut mich, dass es dir gefällt. Wenn dir das bisherige schon zugesagt hat, hoffe ich, dass dir auch dieses Kapitel gefällt. Ich finde, dass es bisher eines der besten ist. Diesmal sind es 15 Seiten geworden, 3 mehr als beim Vorherigen. Soviel sei verraten: Das nun folgende Kapitel stellt einen großen Wendepunkt in der Geschichte dar, der Titel sagt das meiste schon aus.
                              Noch was...wie drücke ich mich wohl jetzt am Gewähltesten aus...? Ah ja. "Ich habe Jolly nie das Monopol gegeben, als einziger seine Meinung zu posten. Meinungen von anderen wären auch nicht schlecht"


                              VIII. Vertrauen, Verrat, Verzweiflung, Vergeltung


                              „Drei Dinge, die man nicht kaufen kann:
                              Liebe, Vertrauen, Respekt
                              sie sind das Wichtigste
                              im Universum“

                              perseidisches Sprichwort, Verfasser unbekannt


                              „Ikarus? Ikarus, kannst du mich hören?“, fragte Commander Tarik al Ashraf.
                              Die KI des Schiffes gab kein Zeichen von sich.
                              „Soweit, so gut“, sagte Tarik zu sich selbst. Es war der einhundertfünfundzwanzigste Tag des Krieges, etwa 16:00 CT. Er sendete ein Kommunikationssignal im oberen EM-Band, das die Sensoren des Schiffes nicht so leicht erkennen würden. Ein so waghalsiges Vorhaben sollte immerhin gut durchdacht und geplant sein. Dann klinkte er sich wieder in die VR-Matrix ein und schaltete sowohl die internen als auch die externen Zielerfassungssysteme der Ikarus auf Standby.
                              Der technische Bereich war erledigt. Tarik schritt leicht nervös den Korridor hinab, bis er Lacos Quartier erreichte. Er wusste, dass der Vedraner sich im Moment nicht dort aufhielt.
                              „Sicherheitsüberbrückung al Ashraf Delta Omega Retro 225 Zero Strike. Tür öffnen. Die ovale Tür schob sich auf. Tarik betrat das Quartier seines Freundes. Er suchte eine Zeit lang, bis er sie gefunden hatte. Die beiden Schnellfeuerpistolen von Ezaca Prince, dem ehemaligen zweiten Triumvir des Commonwealth. Tarik schob sie in die Taschen seiner Uniform. Jetzt musste er nur noch in sein eigenes Quartier, um eine Nachricht aufzuzeichnen.

                              Laco hatte gerade das Kommandodeck zusammen mit Elacta verlassen. Sie gingen den Korridor entlang. Die Than wollte Lacos Einverständnis zur Ausarbeitung eines Durchbruchversuches durch die feindlichen Reihen. Beim Schott vor dem Medizindeck trennten sich ihre Wege mit einer Erlaubnis. Laco betrat die Krankenstation. Sucharitkul lag auf einer der Liegen und hatte ein seltsames Gerät über den Unterleib gelegt. Der Arzt kam herbei.
                              „So, dann fangen wir mal an“
                              Ein Lichtstrahl ging von dem Gerät aus, wenige Augenblicke später schwebte ein Hologramm im Raum.
                              „So“, sagte der Arzt. „Das ist Euer Kind“. Er deutete auf das Hologramm. Eigentlich sind schon alle Organe vollständig ausgeprägt. Hier sieht man die vier Beine und hier die Arme“
                              Dieses winzige kleine Leben war sehr gut erkennbar.
                              „Ich habe schon alles durchgescannt. Sie wird gesund und-“
                              „Sie?“, unterbrach ihn Laco. „Wir bekommen eine Tochter?“
                              „Ja“
                              Ein Strahlen breitete sich auf den Gesichtern der Vedraner aus. Eine Tochter war das wertvollste, was ein Vedraner in seinem Leben bekommen konnte. Laco hatte viele Brüder, aber nur eine Schwester. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein vedranisches Kind weiblich war, stand eins zu sechs.
                              „Oh, Gott. Heute ist der beste Tag meines Lebens!“, sagte er. „Verzeihung, Doktor. Ich wollte Euch nicht unterbrechen“
                              „Auf jeden Fall wird Eure Tochter gesund auf die Welt kommen. Ich konnte weder physische noch psychische Schäden feststellen. Zur Sicherheit würde ich zwar ein paar Nanobots injizieren, die notfalls noch immer etwas reparieren könnten, aber es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, dass wir noch etwas entdecken“
                              Laco konnte sein Glück kaum fassen. Er wurde der Vater der nächsten vedranischen Kaiserin. Noch wichtiger war ihm aber, dass seine Frau ein gesundes Kind bekommen würde, ganz ohne medizinische Nachhilfe.

                              „Könntet Ihr vielleicht ein Bild unserer Tochter kreieren, wenn sie älter ist?“, fragte sie.
                              „Natürlich“. Der Arzt änderte einige Einstellungen, dann erschien ein Hologramm eines nackten etwa zwölfjährigen vedranischen Mädchens. Sie sah genau so aus, wie ihre Mutter.
                              „Ich finde, im Gesicht hat sie etwas von dir“, sagte Sucharitkul. „Diese Linien auf der Stirn und die Augen“
                              „Nein, eigentlich nur die Augen“, meinte Laco. „Die Stirn hat sie von deiner Mutter“
                              Eine peinliche Stille trat ein. Sie durften vor dem Arzt auf keinen Fall sagen, dass Sucharitkul die Tochter der vedranischen Kaiserin war.
                              „Ich bitte, zu berücksichtigen, dass sich das Aussehen durch äußere Einflüsse auch etwas ändern kann. Wir fixieren uns hier auf keinen Fall“
                              „Selbstverständlich“, sagte Laco.

                              In diesem Augenblick kam ein Mitglied der Mannschaft herein. Er hatte sich anscheinend bei der Reparatur mit einer Lasersäge geschnitten. Es blutete ordentlich. Der Arzt wies ihn in den Nebenraum und bereitete sofort alles für eine Behandlung vor. Laco und seine Frau waren jetzt allen. Sucharitkul nahm den Scanner ab und das Hologramm verschwand augenblicklich. Sie strahlte über das ganze Gesicht wie ein kaputter Slipstreamkern.
                              Laco sagte: „Das ist wunderbar, oder?“
                              Sie nickte kurz.
                              „Nachdem die Ikarus auf Tarn Vedra eingetroffen ist, unterzeichnest du einfach das Nova-Protokoll, die Nietzscheaner kapitulieren, und was dann passiert, liegt nur an uns selbst“, meinte Laco.
                              „Du könntest aus der Ehrengarde austreten, und wir könnten uns irgendwo im Universum ein ruhiges Fleckchen aussuchen und dort bleiben“
                              „Sobald der Krieg vorbei ist, ja... Ich war mal auf einem Planeten, der heißt Rhal Partia. Er hat eine fast unberührte Natur und viele Vedraner lieben ihn fast so sehr wie Tarn Vedra. Manche sogar noch mehr. Wir könnten uns ein kleines Anwesen in den Tojalya Mountains bauen und dort leben...“
                              „Ich würde lieber ans Meer“, sagte Sucharitkul. „Unser Kloster auf Yakosh war in den Bergen und es war mir immer viel zu kalt“
                              „Wir könnten auch auf Tarn Vedra bleiben“, schlug Tarik vor.
                              „Nein, lieber nicht. Städte sind nicht so mein Ding...“

                              Der Arzt kam wieder herein. Er nannte den Crewman einen Idioten, der zu dumm war, eine Lasersäge zu halten.
                              „Gut. Nehmt diese Nanobots am besten heute Abend ein. Nur zur Sicherheit, wisst Ihr...“
                              „Selbstverständlich“
                              „Gut. Das wär's für heute. Kommt bitte nächste Woche zur Routineuntersuchung wieder, oder natürlich, wenn es irgendwelche Probleme gibt“
                              „Danke, Herr Doktor“
                              Der grauhaarige Arzt nahm eine Salbe vom Tisch und ging wieder zu dem verletzten Crewman in den Behandlungsraum.

                              In der VR-Matrix sah noch immer alles gut aus. Ikarus hatte den Virus noch nicht entdeckt, der alle Zielerfassungssysteme außer Betrieb stellte. Tarik klinkte sich aus der Matrix aus und machte sich bereit. Er zog saubere schwarze Zivilkleidung an und schob sich eine Kampflanze in die Hose. Dann legte er sich den ledernen Waffengürtel um. Er zog schwarze Lederstiefel an, wobei er sich in jeden einzelnen einen Wurfstern steckte. Dann nahm er die schwere Feuerschutzweste, die ihn zumindest bei einem Treffer am Leben erhalten sollte. Er zog den Reißverschluss bis ganz nach oben. Dann steckte er sich ein kleines Viper-Survival-Messer in eine Schlaufe über dem Ärmel. Tarik steckte sich eine Kapsel mit Killer-Naniten unter die Zunge, falls etwas schief gehen würde. Dann befestigte er eine Mark V-ECM-Einheit an seinem linken Arm. In den Waffengürtel steckte er sich einige Plasmagranaten und als Krönung nahm er die beiden dreiläufigen Pistolen von Typhoon Technology, die er aus Lacos Quartier gestohlen hatte. Er setzte einen Zielmonitor auf, und schob jeweils ein Magazin Effektoren statt der Standardmunition in die Pistolen. Er prüfte sie und steckte sie in den Waffengürtel.
                              „Ikarus? Wo ist Laco?“
                              „Auf dem Medizindeck“, antwortete die KI. Tarik öffnete die Tür zu seinem Quartier und trat auf den Korridor.

                              Sucharitkul erhob sich gerade von der Liege und ging mit Laco hinaus.
                              „Was tun wir heute Abend?“, fragte sie.
                              „Ich weiß nicht, ob ich heute Abend Zeit habe. Heute ist Offiziersdinner, aber ich denke, du kannst sicherlich mitkommen“
                              Sie gingen in Richtung der Offiziersquartiere.
                              „Ich weiß nicht, ob das so angemessen ist. Schließlich bin ich nicht mal beim Militär!“
                              „Ob das angemessen ist?“, fragte Laco. „In drei Tagen bist du die Kaiserin von Tarn Vedra und nominelle Regentin über die gesamte Lokale Gruppe. Das ist dann praktisch eine Ehre für die, dass du dich an unseren Tisch gesetzt hast!“

                              Sucharitkul begann zu lachen. Sie gingen Hand in Hand den Korridor entlang, als ihnen Tarik entgegenkam. Er sah irgendwie seltsam aus. Kleidung wie ein zu teuerer Sölndner und ein Gesicht, so hart, als wäre es aus einem einzigen Felsen herausgeschlagen.
                              Der Nietzscheaner schlug sich mit der rechten Hand hart auf die Brust und seine Gesichtszüge verhärteten sich noch mehr. Dann streckte er den Rechten Arm aus, mit der Handfläche nach oben, die Finger leicht angewinkelt. Es war die typische Verabschiedung der Nietzscheaner.
                              „Captain Laco nax Agros“

                              Tarik zog blitzschnell die beiden Pistolen an seiner Seite aus dem Waffengurt und feuerte mit jeder einen Effektor. Laco spürte warmes Blut auf seinem Gesicht, aber keinen Schmerz. Er sah, wie seine Frau, von den Effektoren getroffen, mehrere Meter nach hinten geschleudert wurde. Verdammt! Voller Wut zog Laco seine Kampflanze und feuerte auf Tarik. Er traf den flüchtenden Nietzscheaner nicht. Laco rannte ihm hinterher und fuhr seine Lanze aus.
                              „Ikarus, knall ihn ab!“
                              Laco bog im Korridor scharf rechts ab. Er schoss auf seinen Freund, traf aber nicht. Rauch stieg von den Stellen auf, wo Lacos Schüsse die Wand trafen. Als der Vedraner erneut abbog, sah er, wie sich der Nietzscheaner in eine Fluchtkapsel stürzte. Laco schoss erneut, traf aber nur das sich schießende Schott. Er stand vor der Fluchtkapsel und sah durch das Fenster Tarik, seinen Freund, den Verräter, ein letztes Mal salutieren. Dann wurde die Kapsel mit voller Wucht ins All hinausgeschleudert.
                              „Ikarus!“, schrie Laco. „Aktiviere die Waffen und schieß die Kapsel ab!“
                              Ein Hologramm der KI erschien. Ich kann ihn nicht erfassen, meine Zielerfassungsscanner wurden sabotiert“
                              „Dann soll ihm ein verdammtes anderes Schiff den Gar aus machen!“
                              „Meine Kommunikation ist ebenfalls nicht einsatzbereit“

                              Sucharitkul!
                              Laco vergaß seinen Zorn, ließ seine Kampflanze fallen und sprintete die Gänge zurück. Der Anblick, der sich ihm bot, war schrecklich. Die Vedranerin lag auf dem Boden, mit zwei großen Löchern in der Brust.
                              „Nein!“, schrie Laco entsetzt. „Das darf nicht wahr sein! Heute ist der schlimmste Tag meines Lebens!“
                              Er kniete sich zu seiner Frau, die im Begriff war, das Bewusstsein zu verlieren. Der ganze Korridor war mit Spritzern blauen Blutes bedeckt, auch die Wände und Lacos Uniform.
                              „Keine Angst! Ich bin bei dir! Verlass mich nicht!“, rief Laco verzweifelt.
                              Der Vedraner packte seine Frau und lief mit ihr in den Armen in Richtung Medizindeck zurück. Das schwere Schott glitt geräuschlos auf, als Laco in den Raum rannte.
                              „Ich brauche einen Arzt“, schrie er. „Schnell!“
                              Er legte Sucharitkul sanft auf ein Bett, als der Doktor den Raum betrat.
                              „Oh Gott“, hauchte er.
                              „Verdammt, tu doch irgendwas!“, schrie ihn Laco an.
                              Der Arzt gab seiner Helferin ein Gerät in der Hand. Sie hielt es über Sucharitkuls Schusswunden. „Die Blutung stoppt nicht!“
                              Der Mediziner injizierte der Vedranerin eine Ladung Nanobots und strich ihr eine Salbe über die Wunden. Binnen Sekunden verschlechterte sich die Lage dramatisch.
                              „Die Atmung versagt! Ebenso der Herzschlag!“, rief die Krankenschwester.
                              Laco stand hilflos daneben und sah zu, wie die beiden Ärzte verzweifelt versuchten, das Leben seiner Frau zu retten. Geräte wurden angebracht, die ihren Herzschlag und Atmung übernahmen. Die Wunden bluteten nicht mehr. Laco sah wieder ein schwaches Licht am Horizont. Er hörte den Arzt aber sagen, dass nur kein Blut mehr austrat, die innere Blutung aber weiterging.
                              „Wir verlieren ihre synaptische Aktivität!“
                              Der Mediziner schloss sie an ein Gerät an, das ihre Nervenimpulse kürzlich aufrecht erhalten konnten.

                              Sucharitkul erlangte deswegen kurzzeitig das Bewusstsein wieder.
                              „Laco“, flüsterte sie. „Bring es zu Ende. Ich liebe dich“
                              Sie küssten sich ein letztes Mal kurz, Stille.
                              Nach einigen Sekunden hörte Laco den Arzt sagen: „Es ist zu Ende. Sie ist tot“
                              Als hätte Laco in diesem Augenblick ebenfalls jegliche Lebensenergie verlassen, gaben seine Füße nach und er brach zu Boden. „Was ist mit dem Kind?“, hauchte Laco.
                              Es dauerte einige Sekunden, bis er die Antwort erhielt. „Es tut mir Leid. Die Verletzungen waren zu schwer. Auch Euer Kind ist tot“

                              So trug es sich zu, dass die 10.000 Jahre lang bestehende Linie der vedranischen Kaisein Yoweri I. hundertfünfundzwanzig Tage nach dem Ausbruch des intergalaktischen Krieges zwischen dem Commonwealth und des Nietzscheanischen Imperiums ihr Ende fand.

                              Laco versagte die Stimme. Tränen flossen über seine Wangen. Das durfte einfach nicht wahr sein, ja, es konnte nicht wahr sein! Er träumte das nur, sie war nicht tot, es...
                              Laco bemerkte, wie die beiden Mediziner den Raum verließen. Er richtete sich wieder auf und sah auf den toten Körper seiner Frau hinab. Ihr Gesicht war unvergleichlich schön und mit einem seltsam ausgeglichenen Ausdruck. Die beiden Einschusslöcher der Effektoren waren beide nur wenige Zentimeter unter ihrem Busen, wobei alles mit glänzendem Blut verschmiert war, das die Farbe eines abendlichen Himmels hatte.
                              Laco konnte es noch immer nicht glauben. Mit jedem Moment, indem er auf den toten Körper sah, wurde seine unsägliche Trauer immer mehr zu Wut und brodelnden Hass auf Tarik al Ashraf. Laco konnte das nicht mehr ertragen. Er verließ das Medizindeck, und rannte in Richtung seines Quartiers. Er war wie ein Vulkan, bereit, jeden Moment auszubrechen. Dieser verdammte Über! Laco hob im Vorbeigehen seine Kampflanze auf.

                              Er betrat sein Quartier und verschloss die Tür hinter sich und fuhr die Kampflanze ein. Der wenige Zentimeter lange, pulsierende Strahl der Monomolekularpeitsche erschien an der Spitze der Lanze.
                              In seinem Zorn hieb Laco mit der auf mehrere Meter Länge anwachsenden Peitsche auf sein Büro ein. In seinem Hass fluchte Laco immer wieder auf Tarik. Dort, wo die Peitsche aufschlug, ließ sie meterlange, rot glühende Striemen zurück. Auf eine abstrakte Weise sahen die wirr glühenden Linien in dem dunklen Zimmer wie ein wunderschönes Muster aus.
                              Dann wurde Laco klar, was jetzt alles nicht mehr war. Er hatte ein zweites Mal seine große Liebe verloren, und auch seine noch nicht mal geborene Tochter. Sein Traum, ein Leben mit seiner Familie auf einem ruhigen Planeten, war zerplatzt. Eine Hoffnung auf auf ein schnelles Ende des Krieges, war verschwunden. Das letzte Licht am Horizont, Sucharitkul, war untergegangen. Laco würde wohl nie wieder lachen können. Der Krieg würde sich vermutlich noch Jahre ziehen.
                              „Laco, du musst es zu Ende bringen!“, sagte er.
                              „Ich will mich noch nicht von dem Leben trennen!“, antwortete Laco sich selbst.
                              „Leben? Was hast du noch vom Leben, außer Schmerz und Leid?“
                              Laco dachte über die Frage nach. „Nichts, Laco. Du hast nichts“
                              Laco nickte. „Du musst es zu Ende bringen“
                              „Sie hat gesagt, dass du es zu Ende bringen sollst!“
                              „Ja... Sucharitkul, ich werde dir folgen ins Elysium. Ich werde dem ein Ende setzen!“

                              Laco nax Agros stand reglos da. Er schaltete die Peitsche ab und stellte die Waffe auf Effektorfeuer. Er lud die Kampflanze und hielt sie sich an die Schläfe. Bald war es vorbei.
                              „Laco. Das darfst du nicht tun, und das weißt du auch!“, sagte er.
                              „Wieso?“
                              „Er ist noch am Leben. Der Verräter. Kannst du ins Jenseits übertreten, während er noch im Diesseits wandelt?“
                              „Nein... Das kannst du nicht tun!“
                              Laco senkte die Waffe.

                              Es war an jenem Tag, als Lacos Frau und Tochter starben, als er sich entschied, nicht zu sterben, sondern weiterzuleben. Als er beschloss, Rache zu nehmen, an dem Mann, der ihn kaltblütig verraten hatte!

                              Laco registrierte erneut das in regelmäßigen Abständen folgende Geräusch des Türsignals. Schon seit über einer Stunde läutete es ungefähr alle zehn Minuten. Laco hatte in dieser Zeit alle Gefühlszustände erlebt. Freude, wenn er seine Rache an Tarik vollstreckt haben würde, Wut auf seinen alten Freund, Angst vor der Zukunft und Trauer um seine Frau und Tochter. Doch jetzt war das vorbei. Im Moment fühlte Laco gar nichts mehr.
                              Die Flasche Feuerwhisky war schon fast geleert, nur noch einen Schluck des glänzenden Getränks hatte er übrig gelassen.
                              Laco stellte die Flasche ab, stand auf und öffnete die Tür. Wenig erstaunt sah er die Lieutenant Commander Elacta Blutroter Feuerball in tiefschwarzer Nacht in der Tür stehen.
                              „Komm rein“, sagte er kurz angebunden.
                              „Es tut mir so Leid, Laco“, sagte sie, als sie sich auf das Bett setzte und die abkühlenden Striemen in der Wand begutachtete.
                              „Das ändert nichts“
                              „Laco, glaub mir, ich weiß, wie schlimm das ist“
                              „Ach ja? Woher?“
                              „Meine ganze Paarungsgruppe, jeder meiner Verwandten, wurde bei der Schlacht um San Ska Re getötet! Als die Übers auf die Schiffswerften feuerten, traf eine verirrte Negativbombe das Asteroidenhabitat, auf dem sie lebten“
                              Laco reichte ihr die Whiskyflasche und entgegnete: „Ja, sicher, aber das ist etwas Anderes. Deine Familie wurde durch den Kriegsfeind ausgelöscht. Sucharitkul und meine Tochter wurden von dem Mann ermordet, dem ich am meisten vertraut habe!“
                              „Was? Sucharitkul?“
                              „Ja. Meine Frau war die vedranische Kaiserin. Ich hatte zu niemanden so viel Vertrauen wie zu Tarik, er war der Einzige, der es wusste. Und ich habe es ihm gesagt! Ich trage allein die Verantwortung für ihren Tod! Kannst du dir vorstellen, was auf mir lastet?“
                              „Ja... Aber dann war diese ganze Mission nach dem Gefecht und euer vorgespielter Tod nur eine Aktikon, um sie zu retten?“
                              „Nein“, entgegnete Laco. „Wir wurden wirklich ausgesetzt, ich habe mich in sie verliebt und wir haben geheiratet. Und zwar bevor ich wusste, wer sie war!“
                              „Mach dir keine Vorwürfe, Laco. Du konntest nicht wissen, dass er-“
                              „Nach der Alaxaai-Mission, ganz am Anfang des Krieges, hat er mir bereits gesagt, dass er mich eines Tages verraten würde. Er hat es nicht nur angedeutet, er hat es wirklich zugegeben!“
                              „Und du hast ihm nicht geglaubt“, stellte die Than fest.
                              „Nein. Ich habe ihm nicht geglaubt. Seit wir uns das erste Mal vor zwanzig Jahren auf Delta B-Tor begegnet sind, sind wir unzertrennliche Freunde! Ich habe ihm nie zugetraut, so etwas zu tun!“
                              „Das hat keiner von uns“, sagte Elacta. „Noch dazu, weil er seit Kriegsbeginn zum Commonwealth gehalten hat!“
                              Laco nahm einen Holoprojektor vom Tisch.
                              „Das ist eine Nachricht von ihm, da bin ich mir sicher. Aber ich habe es nicht übers Herz gebracht, sie mir anzusehen“
                              „Hey... ich will dich wirklich nicht unter Druck setzen, aber kommst du mit mir zu einer Besprechung der weiteren Lage? Alle Schiffskommandanten sind dabei. Das ist wirklich wichtig...“
                              Laco schob den Projektor ein und trottete der Than hinterher.

                              Elacta stellte dem Führungsstab der Flotte gerade ihren Plan vor, die Flotte ohne Unterstützung von außen gut durch die feindlichen Linien zu bringen. Ihr Plan besagte, die Flotte in viele kleine Gruppen aufzuteilen, die an verschiedenen Stellen durchbrechen sollten. Die Nietzscheaner könnten ihre Truppen so nicht zum Abfangen großer Gruppen verlegen und nur wenige Commonwealthschiffe würden draufgehen. Laco war skeptisch. Im letzten Gefecht hatten sie viele gute Schiffe verloren, unter Anderem die Gladiator, Roosevelts Schiff. Es würde schwierig werden, eine schutzlose Flotte ohne kampfstarke Schiffe durch feindliches Gebiet zu eskortieren. Aber so viel wollte Laco sowieso nicht mehr denken, da er bereits einen ordentlichen Brummschädel hatte. Alkohol war die vermeintliche Ursache und Lösung aller Probleme.

                              Die Admiralität in der Flotte hatte Elactas Plan bereits bestätigt. Laco war nicht gerade glücklich darüber, dass die Ikarus das einzige noch kampfbereite Schiff der Zwölf in seiner Gruppe war.
                              Der VR-Link zu den anderen Schiffen wurde deaktiviert, nun sprachen nur noch die Führungsoffiziere der Ikarus ihre Pläne ab.
                              Laco flüsterte: „Ich hoffe, Ihr seid alle einer Meinung mit mir, dass Lieutenant Commander Elacta zum neuen ersten Offizier der Ikarus werden sollte. Sie hat mehr als genug Kampferfahrung und hat als taktischer Offizier glänzende Leistung gebracht“
                              Alle Anwesenden nickten.
                              „Ikarus, notiere den Zeitpunkt der Beförderung von Elacta Blutroter Feuerball in tiefschwarzer Nacht in den Rang eines Commanders!“
                              „Aye, Sir“

                              „Wenn wir jetzt erfahren dürften, was heute Abend vorgefallen ist?“, fragte Chiquon.
                              Alle Anwesenden waren schon die ganze Zeit auf die Frage gespannt gewesen.
                              „Wie Ihr bereits alle bemerkt haben solltet, weilt Tarik al Ashraf nicht mehr an Bord der Ikarus. So unglaublich es auch klingen mag. Er war immer unser Feind, der nur auf den Augenblick gewartet hat, uns zu schaden!“
                              „Und wieso hat er Eure Frau getötet? Das macht keinen Sinn!“, meinte McDill.
                              „Sie war die Nachfolgerin der vedranischen Kaiserin!“

                              Erstaunen und Unfassbarkeit trat in die Gesichter der Anwesenden. Laco beantwortete keine, der wild durcheinander gestellten Fragen und hielt sich die Hand an die Stirn.
                              Als es wieder leiser wurde, meinte er: „Mich würde aber brennend interessieren, was aus der verschwundenen Rettungskapsel geworden ist“
                              Elacta antwortete: „Im Moment ihres Abschusses ist ein Zivilshuttle des Commonwealth aufgetaucht und hat sie aufgenommen. Bevor wir begriffen haben, dass es ein nietzscheansisches Rettungskommando war, waren sie schon im Slipstream“

                              In genau diesem Shuttle saß in diesem Moment Tarik al Ashraf. Er war innerlich aufgewühlt, fragte sich noch immer, ob er sich richtig entschieden hatte. Aber jetzt war es zu spät für eine Umentscheidung. Er hatte der nietzscheanischen Pilotin gegenüber nichts von seiner Unsicherheit preisgegeben. Jetzt, wo er unter seinesgleichen kommen würde, irritierte ihn sein Verhalten sehr. Er spielte sich vor dieser Frau auf wie ein Gockel. War das der berüchtigte Balztrieb, der die Verbreitung der nietscheanischen Rasse einst so rasend schnell vorangetrieben hatte?
                              Tarik war mit einer schönen Frau verlobt, aber trotzdem sagten ihm seine Lenden im Moment, dass es oberste Priorität hatte, diese Frau zu besteigen. Allerdings konnte er seine Triebe glücklicherweise im Zaum halten. Die Frau hatte ihm die ganze Zeit die kalte Schulter gezeigt. Natürlich wusste sie nicht, was Tarik vollbracht hatte, sie war nur auf einer Mission, die ihr Odin Athorak, Tariks Kontaktmann, befohlen hatte.
                              Der Shuttle verließ den Slipstream.
                              „Ich habe sie auf dem Sensor“, sagte die Frau. Nach Tariks Schweigen fügte sie hinzu: „Die Zerberus“
                              Die Fähre schwenkte ein und hielt mit 5 PSL auf die das Schiff zu.
                              „Hier ist Shuttle 015. Bitte melden, over“
                              „Hier spricht Dreadnought Zerberus, kommen, over“
                              „Befinden uns auf Rendezvous-Kurs, over“
                              „Shuttle 015. Wir schicken zwei unserer Fighter, Echo Alpha und Echo Bravo zur Eskorte, over“
                              „Empfangen, over“
                              Der Sensor zeigte die beiden sich nähernden Fighter an, sie schwenkten ein und flogen im Abstand von nur hundert Metern an beiden Seiten des Shuttles. Tariks Magen verkrampfte sich. Diese Garuda-Fighter waren immer ein Zeichen des Feindes gewesen. Sie waren beim Commonwealth sehr gefürchtet, da die größer und stärker waren als ihre Slipfighter. Sie nun als Eskorte zu sehen, war ein seltsames Gefühl für Tarik.

                              Anfangs sah es nur aus, wie ein Stern. Dann wurde es größer. Tarik erkannte, dass sie nur noch wenige hundert Kilometer von der Zerberus entfernt waren. Die Frau hatte stark abgebremst, der Shuttle schlich auf das riesige Kampfschiff zu.
                              „Hier Zerberus Zentrale, Ihr habt Landeerlaubnis auf Hangardeck 14, over“
                              „Verstanden, over“. Eines der großen Tore, die sich am ganzen unteren Rumpf der Längsseite des Schiffes erstreckten, öffnete sich. Die Zerberus war wahrhaft ein gewaltiges Schiff. Wie auch bei der Ehrengarde waren die kleineren Geschütze eingefahren und von einer schweren Panzerung bedeckt, damit sie bei einem Überraschungsangriff nicht so leicht zerstört werden konnte. Der Shuttle kam fast zum Stillstand, als der Hangar nur noch etwa dreihundert Meter entfernt war.
                              „Hier Zerberus. Bitte Antrieb abstellen. Ein AG-Feld bringt Euch sicher in den Hangar“
                              „Verstanden, over“
                              Die Pilotin drehte der Maschine den Saft ab. Tarik war versucht, seinen Arm um sie zu legen, während der Shuttle in den Hangar gezogen wurde, ließ es aufgrund des kalten Blickes dann aber lieber doch bleiben.
                              Die beiden Fighter drehten ab. Der Shuttle landete sicher auf der Zerberus.
                              „War doch ein schöner Flug“, sagte Tarik.
                              Die Pilotin sah in an und zog eine Augenbraue hoch. Keine Chance.
                              Der Hangar wurde wieder mit Luft gefüllt, dann erhielten sie die Erlaubnis, auszusteigen. Die Tür der Fähre fuhr auf. Vor ihnen hatte sich bereits ein Empfangskomitee versammelt. Die Pilotin hatte wohl nicht erwartet, dass es sich bei dem Gast um eine so wichtige Person handeln würde, dass sogar Odin Athorak anwesend war. Tja, sie hatte sich geirrt.

                              Odin winkelte seinen rechten Arm an und hielt ihn sich vor die Brust, sodass die Knochenklingen sichtbar wurden. Tarik wiederholte die Geste. Der nietscheanische Gruß.
                              „Dann hast du dich doch für uns entschieden“, sagte Odin.
                              „Ich war immer auf Eurer Seite, Flottenmarschall“, antwortete Tarik.
                              Odin sah sich um und flüsterte, dass nur Tarik ihn verstand: „Hast du es getan?“
                              Tarik nickte.
                              „Gut. Dann sehen wir uns heute zum Dinner, mein zukünftiger Schwiegersohn“, rief Odin.

                              „Erzähl mir doch, wie es dir vor dem Krieg ergangen ist, Tarik“, forderte ihn der Flottenmarschall auf.
                              Ein noch blutiges Steak lag auf dem Teller vor Tarik. Er hatte nach dem, was er heute getan hatte, keinen Appetit, stocherte aber in dem Fleisch herum, um seinen Gastgeber nicht zu beleidigen. Odin und zwei seiner Frauen waren anwesend, Tarik saß ihnen gegenüber.
                              Der Flottenmarschall hatte ihm gerade ganz ausführlich beschrieben, wie es um den Krieg stand. Er schien ziemlich entmutigt, immerhin schritt die Ehrengarde auf Herodotus immer weiter voran und außerdem hatte die vierte Flotte das Zionsystem angegriffen. Zion war einer der wichtigsten Planeten des Majorum-Stammes und seine Schwerindustrie wurde bitter gebraucht.

                              Und jetzt wollte er, dass Tarik ihm über seine Zeit im Krieg erzählte.
                              „Nun ja, eigentlich hatte ich gehofft, auf ein größeres Schiff versetzt zu werden, als auf die Ikarus. Irgendwo, wo der Verrat eine größere Wirkung gehabt hätte“
                              „Ich denke, die Wirkung war perfekt, nicht wahr?“
                              Tarik nickte und nippte an seinem Glas Rotwein, Jahrgang 8847 n.C.
                              Odin fuhr fort: „Aber warum hast du so lange gewartet, Tarik? Ich habe eine Holoaufzeichnung von Hera bekommen. Sie hat sich fast die Augen aus dem Schädel geweint, weil sie dich für einen Verräter an der eigenen Rasse sah. Sei mir jetzt nicht böse, Tarik, aber alles sah so aus, als ob du uns im Stich lassen würdest. Hera war am Boden zerstört, sie hat sich nicht mal mehr aus ihrer Wohnung getraut, weil sie sich als Trägerin der Schande sah“
                              Tarik sagte empört: „Aber jetzt bin ich doch hier, oder nicht? Ich bin Euch und ihr treu geblieben“
                              „Tarik, Tarik... sie ist ein Mädchen mit viel Gefühl... Außerdem hatten wir abgemacht, dass du diesen Laco umlegst, die Ikarus in unsere Gewalt bringst und sie dann heiraten kannst. Und seit hundertfünfundzwanzig Tagen habe ich nichts mehr von dir gehört, mein Freund“
                              „Und was ist mit der Alaxaai-Mission?“
                              „Ach, die war doch ganz am Anfang des Krieges“
                              „Ich habe Euch den Anführer des Widerstands geliefert, das ist doch was“
                              Odin seufzte vernehmlich und widmete sich wieder seinem Steak. Tarik begutachtete seinen baldigen Schwiegervater. Der Mann hatte schon sich grau färbendes Haar, sah aber jünger aus, als siebzig Jahre. Er war Nietzscheaner, sie hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa hundertfünfzig Jahren.

                              Noch immer auf dem Bissen kauend, sagte er: „Ihr wolltet mir doch noch irgendwas über taktische Verfahren und so mitteilen, hm?“
                              Tarik machte eine unauffällige Kopfbewegung zu Odins Frauen. Dieser gab ihm ein Signal, dass er alles erzählen durfte.
                              „Die nahe Enkindu festsitzende Ehrengardeflotte, wo ich stationiert war, hat sich eingekesselt. Das ganze System ist vermint und sie reparieren ihre Schiffe. Sie glauben, dass ich ihren Plan noch nicht kenne, aber da haben sie sich geirrt. Ich habe ihn auf einem Flexi gefunden und ihn sofort kopiert“
                              Er reichte Odin die Kunststofffolie, auf der jede Menge Daten gespeichert waren.
                              „Es wird keine Entsatzflotte kommen und sie retten. Die Garde kann keine weiteren Schiffe von San Ska Re abziehen. Sie sind auf sich allein gestellt. Sie werden jetzt, um die Verluste so gering wie möglich zu halten, sich in kleine Gruppen aufteilen und an verschiedenen Stellen durch unsere Front schlüpfen. Die Schiffe sind aber teils so schwer beschädigt, dass wir viele Schiffe mit wenig Aufwand zerstören können, bevor sie San Ska Re erreichen. Ist alles auf dem Flexi“

                              Odin überflog die Daten.
                              „Ich lasse die Zerberus und Begleitflotte Abfangkurs setzen“, sagte er.
                              „Gut. Ich werde mich dann auf den Weg nach Fountainhead machen“, sagte Tarik. „Immerhin wartet dort Eure Tochter schon sehnsüchtig auf mich“
                              Odin fing an zu grinsen. „Nicht mit mir, Junge. Wir werden zusammen kämpfen, zusammen siegen und zusammen deine Hochzeit feiern. Du hast dir über vier Monate Zeit gelassen, unseren Plan auszuführen. Ich kann das Risiko nicht eingehen und dich gehen lassen, wer weiß, vielleicht überlegst du dir es ja doch nochmal anders. Diese paar Tage wirst du jetzt auch noch Zeit haben. Du bleibst schön bei mir!“

                              126. Tag des Krieges, Ikarus


                              Die symmetrischen Linien hatten etwa einen Abstand von einem Meter. Die grauen Platten schoben sich anneinander. In der Dunkelheit vermochten sie menschliche Augen nicht zu erkennen und auch der Vedraner tat sich schwer, diese feinen Konturen zu sehen. Schräg zu den parallel laufenden Linien zog sich ein weiterer Strich durch und durch, der sich aber schon abgekühlt hatte. Es war einer der Striemen, die Laco der Decke mit der M-Peitsche zugefügt hatte.

                              Der Vedraner lag auf dem Rücken im Bett. Seit Stunden konnte er nicht einschlafen. Dieses Bett war so groß und kalt! Er drehte sich auf den Bauch. Instinktiv streckte er seinen linken Arm aus, den er so gerne beim Schlafen über Sucharitkuls Brust gelegt hatte. An dieser Stelle fand sich aber jetzt nur der kühle Stoff der Decke wieder. Erneut flossen Tränen aus Lacos Augen, die aber bald darauf wieder versiegten. Hier, an dieser Stelle hatte er oft zugesehen, wie Sucharitkul ihr Oberteil abgenommen hatte, was der Anfang ihres Liebesspiels gewesen war. Er hatte dann immer ihren BH geöffnet und ihn von hinten nach vorne abgezogen und seine Hände über ihre Brüste gleiten lassen.
                              Wenn er jetzt über diese Stelle fahren würde, würde er nur zwei raue, mehrere Zentimeter tiefe Löcher vorfinden, und aus ihren geschlossenen Augen würden ihn keine zärtlichen Blicke mehr treffen und ihr tiefblauer Mund würde ihn nie wieder küssen. Ihre Zungen-

                              Laco richtete sich ruckartig auf. Er versuchte, es zu verdrängen. Erfolglos. Nur mit dem grauen Overall bekleidet verließ Laco fast schon fluchtartig sein Quartier. Wohin er auch ging, die Mannschaft der Gamma-Schicht warf ihm mitleidige Blicke zu oder versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen. Der Vedraner erreichte die Tür des Frachtraumes. Wie er gehofft hatte, war er leer.
                              Er sah schon in der hinteren Ecke des Raumes mehrere Kühlkammern stehen. Laco blickte auf die vier Särge hinab. Durch die Scheiben konnte er ganz klar das Gesicht der Leichen sehen. Innerhalb der Kammern herrschte ein Unterdruck und eine Temperatur, die fast den Nullpunkt erreichte. Zwei der Leichen gehörten der Mannschaft an, die während des letzten Gefechts getötet worden war. Die dritte war die des Lancers, der einst gegen Laco gemeutert hatte. Laco stand vor der letzten Kühlkammer.
                              Er wusste, wessen Gesicht er als nächstes sehen würde, und war sich nicht wirklich sicher, ob er wirklich den leichten Beschlag von der Scheibe entfernen sollte. Er tat es.

                              Sucharitkuls Augen waren geschlossen. Sie hatte einen so friedlichen Ausdruck auf dem Gesicht, dass man meinen konnte, sie schlief nur. Die Narbe auf ihrem Gesicht konnte man nicht mehr erkennen, auch wenn man wusste, wo sie war. Die leicht schräg gestellten Augen, die Linien auf der Stirn, die relativ dünnen und unheimlich zärtlichen Lippen, die kleine gerade Nase... das war für Laco das mit Abstand schönste Gesicht, das er je gesehen hatte. Auf ihrem Sarg lag eine kleine, metallene Schatulle. In dieser Urne lag sein Kind. Es war nicht üblich, zwei Leben miteinander zu bestatten. Jedes musste getrennt verbrannt, begraben und betrauert werden. Anscheinend hatte der Arzt deswegen noch den Fötus aus dem Mutterleib entfernt.
                              Laco stand stundenlang vor dem Sarg. Bevor sie zu ihrer Bestattung nach Tarn Vedra kommen würden, hätte er jetzt wohl die letzte Gelegenheit, sich wirklich von ihr zu verabschieden. Er versuchte es, stellte aber fest, dass er dazu nicht in der Lage war. Er konnte nicht mehr länger hier stehen, und auf das Gesicht seiner toten Frau starren. Er konnte aber auch nicht weggehen.

                              Tariks Beine schmerzten schon. Er hatte eine kurze Nacht gehabt, und Odin hatte ihn früh aus dem Bett geholt, um ihm vor Schichtbeginn das ganze Schiff zeigen zu können. Antrieb, Fighterkatapulte, Raketenwerfer, Gauss-Kanonen, Slipstream-Kern... Der Flottenmarschall hatte anscheinend viel Spaß daran, Tarik die Vorzüge seines Schiffes genauestens zu beschreiben. Und Tarik war zu höflich, ihm einfach die Meinung zu sagen.
                              „Und hier ist das Nervenzentrum der Zerberus. Die Kontrollzentrale des Schiffes“
                              Die schweren Panzertüren öffneten sich und gaben ihnen Zugang zur Brücke.
                              „Aaachtung! Der Flottenmarschall an Deck!“
                              Die Männer erhoben sich und salutierten ihrem Anführer gegenüber. Dieser schritt durch die Reihen und inspizierte die Kontrollzentrale.
                              „Weitermachen“, befahl er, nachdem er seine Runde beendet hatte. Er setzte sich auf seinen erhöhten Platz in der Mitte an der Rückwand der Brücke. Er wirkte fast wie ein Thron auf Tarik.
                              „Bitte, setz' dich!“, sage er und deutete auf eine Art Schemel heben ihm. Tarik folgte der Aufforderung. Das Kontrollzentrum der Zerberus war gigantisch. Hundert Leute arbeiteten hier, und überwachten die zentralen Funktionen des Schiffes. Das Fehlen einer künstlichen Intelligenz machte es natürlich notwendig, eine größere Besatzung einzusetzen. Die Brücke wurde nach vorne hin immer schmäler, bis sie vorne in einem breiten Bildschirm endete. Die Besatzung saß in den Kontrollbuchten, unterteilten Gräben, bei denen jeder eine spezielle Aufgabe und einen Kommandanten hatte. Das Mannschaftssystem der Nietzscheaner war ganz anders aufgebaut, als das der Ehengarde.
                              „Bereitmachen zum Sprung in den Slipstream!“
                              Die Navigation meldete ein Ok, die Fighter wurden in den Hangar geholt und die Zerberus sprungbereit gemacht. Ein gleißendes Slipportal öffnete sich und träge wurde die Zerberus hineingezogen.
                              „Wo fliegen wir hin?“, fragte Tarik.
                              „Lass dich überraschen!“

                              Laco konnte seine Augen kaum offen halten, so müde war er. Nachdem er seinen Acht-Stunden-Dienst auf der Brücke gehalten hatte, war er in den Frachtraum zurückgekehrt. Er bemerkte, dass er schon wieder über eine Stunde vor der Kühlkammer stand und langsam Hunger bekam. Er konnte – und wollte – aber nicht weggehen!

                              „Captian Agros, Code Blue, sofort aufs Kommandodeck!“
                              Das Hologramm verschwand. Laco begann zu rennen.
                              Das Kommandodeck war schon voll besetzt, als er ankam.
                              „Bericht!“, forderte er.
                              „Wir haben wieder mal Besuch! Ein Dreadnought der Apocalypse-Klasse. Es ist die Zerberus!“
                              „Verfolgt mich der, oder was?“, fragte sich Laco.
                              „Alle Waffensysteme scharf! Entfernung 4,2 LM! Alle Stationen besetzt und bereit, 3 Minuten und 12 Sekunden!“, meldete Commander Elacta.
                              Laco fragte Chiquon: „Kann die Flotte in den Slipstream übergehen?“
                              „Nein, Sir. Wir sind gerade erst gesprungen. Die GFG-Linsen brauchen noch Zeit, bis sie abgekühlt sind. Lediglich die Ikarus ist schon wieder sprungbereit!“
                              „Wie viele kampfbereite Schiffe haben wir?“
                              „Nur die Ikarus!“, meinte Elacta.
                              „Wie viele Fühlende sind auf den anderen Schiffen?“
                              „Über tausendfünfhundert!“
                              „Verdammt“, fluchte Laco.
                              „Wie lange brauchen wir noch, bis die Flotte springen kann?“
                              „Viele Schiffe in der Flotte haben extreme Schäden davongetragen. An den Linsen, an den Energieverteilern. Ich würde sagen, in etwa zwanzig Minuten kann die Flotte komplett springen“
                              Die Zerberus startete erste Offensivraketen auf die Flotte, die Ikarus schoss mit Abfangraketen.
                              „Viel zu spät! Wir können dieses Monster auf keinen Fall so lange aufhalten!“
                              „Sir, die Zerberus startet ihre Jäger, Entfernung jetzt 3,4 LM!“
                              „Die Flotte soll alle verfügbaren Defensivwaffen aktivieren!“
                              „Aye, Sir!“
                              Ikarus und Zerberus tauschten weitere Salven Raketen aus, auf der Ikarus schlugen die ersten auf, die Jäger der Zerberus fingen alles ab.

                              „Elacta, können wir den Plan durchführen?“
                              „Ja, Sir!“
                              „Gut. Dann lasst es uns tun!“
                              Einige Schiffe schwenkten aus der Formation der Flotte aus und gingen parallel zur Ikarus auf Angriffskurs. Sie aktivierten ihr Spur-Vergrößerungs-System, kurz SVS.
                              „Die Übers werden dieses Schiffe als kampfbereite Kriegsschiffe werten. Ihre Panzerungen sind noch in Ordnung, also können sie eine Zeit lang das Feuer von uns und der Flotte ablenken, bis sie zerstört sind!“
                              Sie hatten vorher schon Schiffe abgesondert, und ihre Besatzungen bis auf drei oder vier Mitglieder auf andere Schiffe evakuiert. Diese Schiffe dienten jetzt als Kanonenfutter.
                              „Sir, die Zerberus beachtet die Schiffe gar nicht. Sie konzentrieren ihr gesamtes Feuer auf uns!“
                              „Nein! Das konnten sie nicht wissen, kein Mensch- Tarik“, stellte Laco fest. Dieser verdammte Hurensohn muss unseren Plan preisgegeben haben!“

                              „Was sollen wir tun, Sir?“
                              Elacta bekam Panik. Obwohl sie als taktischer Offizier perfekte Arbeit geleistet hatte, versagte sie als XO.
                              „Neuer Plan! Die Flotte verteilt sich. So können sie nur wenige Schiffe auf einmal abschießen und ihre Negativwaffen nicht effizient zum Einsatz bringen! Die Slipfighter starten!“
                              Chiquon sagte ruhig: „Laco, wenn die uns mit ihren paar Raketen schon aufmischen, was passiert dann erst, wenn sie sich auf unter fünf LS genähert haben? Die zerlegen die Flotte mit ihren Gauss-Geschützen komlett!“
                              „Das ist mir bewusst! Wir müssen auf Zeit spielen!“
                              „Sir, Entfernung nur noch 1 LM!“
                              „Können wir sie irgendwie angreifen? Negativbomben?“
                              „Nein, Sir, ihre Fighter bilden zwei komplette Verteidigungswälle!“
                              „Können wir durchbrechen?“
                              „Nein, Sir“, antwortete Ikarus. „Die Chancen, dass wir überleben, bis wir die Bombe setzen können, liegen bei 0,7 Prozent! Und dann wäre die Zerberus noch lange nicht zerstört!“

                              Die Ikarus musste einige schwere Treffer an den unteren Auslegern einstecken. Eine Verlustmeldung von drei Personen erreichte die Brücke. Zwei der Slipfighter wurden abgeschossen, die Drohnen bildeten einen Schutzwall um die Ikarus, wurden aber mit der Zeit stark dezimiert.
                              „Wie lange noch?“, fragte Laco.
                              „Elf Minuten!“
                              Die Zerberus näherte sich der Flotte auf eine Reichweite, wo sie die schweren Geschütze einsetzen konnte. Sie zielte auf die unbewaffneten Begleitschiffe der Ikarus, die das SVS aktiviert hatten, und schoss ihre großen und kleinen Gauss-Kanonen. Die Schiffe wurden durchschlagen, oftmals traten mehr als zwanzig Feuerlanzen aus einem Schiff aus. Nach etwa zehn Sekunden waren sie alle zerstört. Sobald der AP-Tank eines Schiffes schwer getroffen wurde, war es aus. Die Zertörung des Antiprotonentanks war eine der wenigen Möglichkeiten, ein Schiff wirklich vollständig zu zerstören. Die Ikarus stand jetzt allein gegen das fünf Kilometer lange Schiff der Apocalypse Klasse.
                              „Wir sind die Nächsten“, sagte Elacta, während die Begleitschiffe vernichtet wurden.
                              „Passt gut auf, so was lernt man nicht auf der Akademie! GFG-Linsen laden, bereitmachen zum Öffnen eines Slipstreamportals, Minen bereitmachen! Tarnmodus bereitmachen!“
                              Lacos Befehle wurden ausgeführt.
                              „Diesn Trick habe ich von meinem Bruder“, sagte Laco.
                              „Von dem Säufer oder vom Raumpiraten?“, wollte Elacta wissen.
                              „Vom Raumpiraten“

                              „Die Zerberus zielt auf uns!“, berichtete der XO.
                              „Slipportal öffnen, Minen ausklinken und sofort nach Steuerbord abdrehen, maximaler Tarnmodus! Aktive Sensoren deaktivieren!“
                              Ein Slipstreamportal öffnete sich. Die Raketen und Gauss-Geschosse der Zerberus wurden hineingezogen und trafen die Ikarus nicht. Die Minen detonierten und machten glaubhaft, dass das Schiff zerstört worden sei.
                              „Und während sie feiern, nähern wir uns auf unter zwei Lichtsekunden. Die Negativbombe laden!“

                              Ohne gesehen zu werden, glitt die Ikarus immer näher an die Zerberus heran, die mittlerweile ihre Geschütze auf die wehrlose Flotte richtete. Sie waren im Krieg, dieses Verhalten war also theoretisch zu rechtfertigen. Die Ikarus hatte sich der Zerberus auf zwei LS genähert.
                              „Alle AP-Kanonen ausfahren und auf das Heck der Zerberus zielen! Raketen mit Antiprotonensprengköpfen bereitmachen und auf die selbe Stelle feuern!“
                              Die Ikarus wurde für die feindlichen Sensoren wieder sichtbar. Die Zerberus versuchte, ihre Waffen auszurichten. Zu spät.
                              Hunderte Antiprotonenladungen flogen auf den Dreadnought zu. Sie annihilierten mit seiner Hülle und hinterließen Krater auf der äußeren Oberfläche. In eben diese Krater schlugen die Raketen, deren AP-Ladungen zwar nicht so stark waren, aber sie dank ihrer enormen Geschwindigkeit doch einen großen Schaden anrichteten. Die Fighter gingen zum Angriff auf die Ikarus über.
                              „Die AP-Kanonen auf Fighterabwehr schalten. Die Negativbombe klar machen und sie auf die Zerberus feuern, sobald bereit!“

                              Mit einem gewaltigen Schweif wurde die Rakete aus dem Schiff gepresst und schlug am Heck des Dreadnoughts auf. Die Zerberus wurde von der Druckwelle heftig aus der Bahn geworfen, sie verlor die Zielpeilung.
                              Auch die Ikarus wurde schwer getroffen. Mehrere hundert Jäger feuerten ihre Waffen auf das Schiff der Eternal Vigilance Klasse. Kurzzeitig fiel die Beleuchtung aus, Dampf und Funken strömten von der Decke der Brücke.
                              „Elacta! Schadensmeldung!“
                              Die Than lag anscheinend verletzt am Boden.
                              „Leanne! Schadensmeldung!“
                              „Wir haben alle Steuerbordverteidigungsstationen verloren. Außerdem Backbordstationen 1, 2, 4, 6 und 9! Die Energiezufuhr zu den Raketenwerfern ist unterbrochen, außerdem sind die Antiprotonenleitungen dicht. Im Grunde sind alle schweren Waffensysteme ausgefallen! GFG-Linsen wurden zerstört, Sensoren sind offline!“
                              „Was haben wir denn noch?“, schrie Laco.
                              „Den Antrieb und...“
                              „Das gesamte Schiff wird evakuiert! Alle Mann in die Rettungskapseln! Den Frachtraum entlüften!“
                              „Was?“
                              „Sofort!“
                              Die Fracht wurde in den Weltraum hinausgeblasen und alle Besatzungsmitglieder verließen die Brücke.
                              Laco sah wenig überrascht, dass Chiquon noch immer auf dem Stuhl des Steuermanns saß.
                              „Los, verschwinde! Ab in die Kapsel!“
                              „Du wirst einen Piloten brauchen, wenn du das durchziehen willst, Laco“
                              „Du bist ein verdammt sturer Käfer! Setze einen Kollisionskurs auf die Zerberus! Genau dorthin, wo die Negativbombe eingeschlagen ist!“
                              „Aye, Sir“

                              Träge setzte sich die Ikarus in Bewegung. Die GFGs waren ausgefallen, deshalb musste die gesamte träge Masse des Schiffes beschleunigt werden, und nicht nur wenige Gramm.
                              Das Schiff musste auf seiner letzten Reise noch viele Treffer einstecken. Die Kampfflieger beschossen sie mit allem, was sie hatten, aber die Panzerung war stark. Die unteren Ausleger, die Waffensysteme und Wasserstoffkollektoren trugen, wurden komplett vom Schiffsrumpf abgetrennt. Durch Schüsse der Hauptwaffen der Zerberus wurde der Hauptrumpf mehrmals durchschlagen. Der vordere Ausleger brach ab.
                              „Verdammt! Dieser Kasten fliegt auseinander, bevor wir ihn zur Kollision bringen“, schrie Laco.
                              Ikarus hörte das. „Sir, es war mir eine Ehre, unter Euch zu dienen!“
                              „Die Ehre war ganz-“
                              Eine weitere Explosion erschütterte das Schiff.
                              „Komm schon, Chiquon. Lass uns dieses Wrack zu einem glorreichen Ende führen!“
                              „Geschwindigkeit 1 PSL! Entfernung: Eine Lichsekunde! 0,9...0,8...0,6“
                              Laco bereitete sich seelisch auf sein Ende vor, doch er würde in dem Wissen sterben, den Konvoi gerettet zu haben.
                              „0,5 Lichtsekunden...0,4...0,3“
                              Das Schiff wurde von der heftigsten Explosion bisher durchstoßen. Alles auf der Brücke fiel aus. Laco sah Flammen durch die Korridore auf das Kommandodeck zu schießen. Wegen des Drucks der Explosion flog er quer durch den Raum. Die Panzertüren schlossen sich.

                              Sekunden später öffnete Laco die Augen. Er war ganz sicher tot. Er schwebte im Raum und es war dunkel. Dann wurde ihm klar, dass die künstliche Schwerkraft versagt hatte, und er noch lebte. Die Ikarus war anscheinend nicht mit der Zerberus kollidiert. Er packte seine Kampflanze und schaltete sie auf Lampe. Ein leichter Plasmaausstoß zeigte ihm, dass sich Chiquon gerade aus seinem Sitz befreite.

                              „Was ist da los?“, flüsterte der Kalderaner vorsichtig, als könnte zu lautes Sprechen die gespannte Lage zerreißen.
                              „Keine Ahnung, die Ikarus ist wohl nicht eingeschlagen“
                              „Aber wir waren direkt auf Kollisionskurs! Ich habe es gesehen!“
                              „Unwichtig. Wir verschwinden von diesem Schiff, wir können nichts mehr tun!“
                              „Dann musst du aber erstmal die Panzertür aufkriegen, Laco“
                              „Kein Problem“
                              Der Vedraner packte die Kampflanze aus und hieb mit der M-Peitsche ein dreieckiges Loch in die Tür. Auf einen Tritt hin schwebte sie langsam aus ihrem Platz. Der Vedraner und der Kalderaner zogen sich an der Decke entlang. Wohin sie auch gingen, alle Fluchtkapseln waren schon gestartet worden. Laco wollte eine weitere Panzertür mit der Peitsche öffnen. Schon nach dem ersten Schlag strömte die Luft durch die Luke, die gesamte Atmosphäre wurde langsam aber sicher abgebaut.
                              „Schlechte Idee“, meinte Laco.
                              „Sehr schlechte Idee, fügte Chiquon hinzu, und sie machten sich auf, vom Hüllenriss wegzuschweben.
                              „Da vorne! Diese Kapsel wurde noch nicht gestartet!“, schrie Chiquon und fiel dabei etwas in das Gekreische seiner Sprache zurück.

                              In der Hoffnung, den morgigen Tag doch noch mitzuerleben schleppten sie sich zur Rettungskapsel. Chiquon öffnete die Tür und sie schwangen sich in die Zwei-Mann-Kapsel. Schreckliche Erinnerungen an das letzte Mal in einer Kapsel wurden in Laco wach. Er wollte nicht in dieser Nussschale bleiben! Aber er wollte auch nicht draufgehen! Chiquon schloss das Schott und legte einer seiner Krallen auf den Startknopf. Laco nickte ihm kaum merklich zu.
                              Jäh von der Halterung befreit, schoss die kleine Kapsel in die unendlichen Weiten des Weltraums hinaus. Die Düsen bremsten die Fluchtkapsel automatisch ab. Laco sah aus dem Fenster.
                              Vor Staunen blieb ihm die Luft weg.
                              Mein neuer Star Trek Fanfiction-Roman: [Star Trek] ZEIT für REVOLUTION


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