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kacir'Arab #1

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  • kacir'Arab #1

    Salve, alle miteinander!

    Kurze Geschichte, neulich wieder damit angefangen meine Gedanken zu Papier zu bringen.

    Das Universum in dem die Geschichte handelt ist komplett eigene Fiktion, will heißen: meines.

    Kritik, Kommentare und Anregungen sind SELBSTVERSTÄNDLICH gerne gesehen. Und nun ohne weitere Umschweife zur Geschichte, viel Spaß!

    (Gleich Vorweg: Das Ganze geht noch weiter und ist auch schon weiterentwickelt, wenn ihr also mehr wissen wollt fragen oder warten )

    kacir'Arab-System, Raumstation Shab al-Mady, Zivilhangar II
    32 Thaleb (03.6259/17.IR)


    Sheik Thaleb beobachtet das Universum. Durch die beinahe unsichtbare stabilisierte Atmosphäre des Hangartors sehen die Sterne wie milchige kleine Lichter auf dem Boden eines endlosen Brunnens aus. Diesen Anblick genießt er so häufig er kann, meist jedoch nicht aus einem der Hangartore hinaus, sondern in den opiumgeschwängerten Kanzeln der Astroptiker.

    Er wartet auf den Botschafter des Rogan-Systems: Julyen Sveeta. Die beiden Männer verbindet eine langjährige geschäftliche Beziehung, die sich im Laufe der Zeit auch auf den privaten Raum ausgeweitet hat. Trotzdem ist es diesmal kein freundschaftlicher Besuch, es geht wie immer um den Handel. Die neue Partei an der Spitze des roganischen Systemrates hat die Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel erhöht und schickt nun Sveeta, um mit ihm zu verhandeln.

    Sheik Thaleb ist ein hochgewachsener Mann, gutaussehend und gebildet. Seine milchkaffeefarbene Haut ist makellos rein und nur an den Unterarmen und Händen durch Tätowierungen verziert. Seine Augen sind metallisch grau, im Gegenlicht aber sieht es so aus als ob blaue Risse seine Iris durchziehen. Scharfgezeichnete Augen und Nase vermitteln Scharfsinn und Wachsamkeit, betont von einem schmalen Mund, der meist zu einem wissenden, fast verhöhnenden Lächeln geformt ist. Sein schwarzes Haar trägt er offen. Schmuck trägt er außer dem Ring an der rechten Hand keinen, denn dies ist Männern seiner Religion verboten. Der Ring zeichnet ihn als das aus was er ist: der Systemverwalter, Herrscher, Richter und oberster Befehlshaber des kacir'Arab-Systems.
    Doch jetzt gerade wird seine ansonsten kühle Mimik immer wieder von nervösem Zucken unterbrochen. Ungeduldig starrt er weiter aus dem Hangartor, hinaus zu den Sternen.

    Von hinten hört er leise Schritte, die im ihm gebührenden Abstand von 10 Schritten verstummen. Thaleb dreht sich um und erblickt einen seiner Hausdiener. Er kniet mit dem linken Knie auf der linken Hand und hat die rechte quer vor die Brust gelegt.
    "Was gibt es, Rashid?" der Diener sieht nicht auf, aber reckt seine rechte Hand in die Höhe. In ihr hält er eine Datentafel.
    "Wir haben endlich das Signal der Rogan Embassy empfangen, Sheik. Sie müsste jeden Moment durch das Portal springen, Sheik."
    "Danke, Rashid. Geh."
    Der Diener verneigt sich dreimal, steht auf ohne den Kopf zu heben und verlässt rückwärtsgehend den Hangar. Thaleb legt die Datentafel auf eine der Kisten ohne sie anzuschauen. Er schaut an sich hinab, ordnet seine Kleidung und schaut in Richtung des Portals.

    Es gibt keine Vorzeichen und keine sichtbaren Signale, kurz bevor ein Raumschiff aus einem Portal austritt. Nur der gleißende Blitz, die Lichtexplosion, ist zu sehen und schon schiebt sich der Rumpf der Rogan Embassy aus dem glatten kalten Portal, dessen Oberfläche von blauen Minientladungen erhellt wird. Wenige Minuten später sind alle Protokolle ausgetauscht und die mittelgroße Fähre steht in der Mitte des Hangars.
    Als sich die Rampe unter lautem Zischen öffnet, schleicht sich ein Lächeln der Freude in Thalebs Gesicht. Der rote Schopf von Botschafter Sveet wird sichtbar, dann sein bärtiges Gesicht, mit der großen Narbe, die seine linke Gesichtshälfte dauerhaft lächeln lässt.
    "Botschafter Sveet! Welch' große Ehre euch zu empfangen!" Der Sheik schreitet langsam und mit ausgebreiteten Armen auf die sich öffnende Rampe zu.
    "Danke, Sheik. Es ist mir eine ebensogroße Ehre, dass ich mich euren Gast nennen darf." Er deutet eine Verneigung an, was Thaleb mit einem kleinen Nicken zur Kenntnis nimmt. "Schade nur, dass wir uns unter diesen Umständen wiedersehen müssen, Sheik."
    "Bitte, Botschafter. Seid zuerst mein Gast und lasst uns dann in die schaudrigen Gefilde der Diplomatie und Marktwirtschaft abtauchen." Er legt seinen Arm sachte um den Botschafter, wobei der deutliche Größenunterschied sichtbar wird und deutet mit der freien Hand auf eine Transportplattform. Als der Sheik, der Botschafter und ihre Gardisten auf der Plattform stehen erhebt sie sich einen Zentimeter über den Boden und schwebt aus dem Tor hinaus auf die Flure der Station.

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    "Weisst du, Thaleb, wir sollten uns öfter sehen. Ich habe noch niemanden getroffen, der es so sehr versteht geschäftliches mit genußvollem zu verbinden." Er leert seinen dritten Krug Wein und hält ihn dem Diener hin, der beflissen nachschenkt. "Eigentlich solltest du mir einen Platz in deinem Stab anbieten, hier könnte es mir gefallen. Und du weißt wie gut ich meine Arbeit mache."
    Thaleb und Botschafter Sveet sitzen in einer der frontalen Aussichtskanzeln und blicken auf die Tagseite von Yenodogusz, dem einzigen bewohnbaren Planeten dieses Systems. Sie thronen auf einer Insel aus Kissen und Decken, umgeben von einem Dutzend Dienern die Früchte, Obst, Getränke und Rauschmittel darbieten. Die Frauen des Sheiks halten sich hinter einem Vorhang auf, sie wollen nicht gestört werden.
    Der Sheik zieht an einer Wasserpfeife, hält die Luft einen Moment an und lässt dann langsam den dichten weißen Nebel aus seinem Mund gleiten. Ein süßlicher Geruch, von Orangen, Zitronen und einem dem Botschafter unbekannten Rauschmittel, verteilt sich im Raum.
    "Ja, das weiß ich allerdings. Aber ich weiß auch, dass der Systemrat es niemals zulassen würde, dass der oberste Botschafter ... überläuft." Das letzte Wort betont er durch eine Geste, die deutlich macht, dass dies nicht seine eigene Sichtweise ist.
    "Nanana! Wir befinden uns jawohl nicht im Krieg, oder? Und sofern ich mich richtig erinnere, und das tue ich immer, gibt es in der Verfassung der Republik keinen Artikel der die freie Arbeitsplatzwahl verbietet, auch nicht für Botschafter."
    "Sicherlich, aber du musst auch bedenken, dass du Geheimnisse kennst. Jemand könnte daran interessiert sein, dass diese Geheimnisse auch solche bleiben. Du wärst in Gefahr. Ich könnte einen Freund nicht einer solchen Gefahr aussetzen."
    "Es ist meine eigene Entscheidung! Wenn ich umsiedeln möchte, dann kann ich das auch tun. Ich brauche dafür niemandes Zustimmung!" der Botschafter schreit so laut und plötzlich, dass einem der Diener ein Tablett mit Trauben entgleitet. Niemand nimmt es zur Kenntnis.
    Thaleb versucht ein besänftigendes Lächeln aufzusetzen, doch die Rauschmittel in seinem Körper machen ihn emotional taub. "Doch, mein Freund, die brauchst du. Die meinige und die Allahs."
    Bei der Erwähnung des vollautomatischen "Gottes" dieses Systems, kann der Botschafter nicht umhin das Gesicht zu verziehen und einen Laut des Unbehagens von sich zu geben.
    "Diese blöde Blechbüchse, die euch alle zu Gefangenen eures eigenen Geistes macht? Dessen Zustimmung brauche ich nicht. Nein, ich MÖCHTE sie nicht!"
    "Und doch würdest du mein Ja benötigen. Und auch bei bester Freundschaft, kann ich es dir nicht geben," sagt der Sheik und weicht etwas tiefer in die Kissen zurück, war er doch schon öfter Zeuge der spontanen Wutausbrüche des Botschafters, zu denen er nur neigt, wenn er etwas Alkohol getrunken hat. Sveets Blick ist auf einen unbestimmten Punkt gerichtet, seine Hände zu Fäusten geballt. In seinem Gesicht ist keine Emotion, keine Regung zu erkennen. Thaleb hat bereits alle nicht-lethalen Waffen mittels seiner ARD in diesem Raum auf den Botschafter gerichtet, falls er ihn angreifen sollte. Doch plötzlich fällt er in sich zusammen und lacht lauthals auf.
    "Mehr Wein! Lassen wir uns die Stimmung jetzt noch nicht verderben, wir kommen später doch ohnehin noch zum Geschäftlichen!" Er lässt sich nachschenken und stopft eine große Portion Datteln in seinen Mund.

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    "Gehabt euch wohl, Botschafter. Ich freue mich über die Früchte, die unsere Zusammenarbeit getragen hat." Es gelingt Thaleb nicht ganz seine Abscheu über den neuen Systemrat und die Rohstoffpreise zu verbergen. "Es war wie immer eine große Freude, euch meinen Gast nennen zu dürfen. Und war sie auch nur von kurzer Dauer, freue ich mich darauf euch wieder begrüßen zu dürfen." Thaleb reicht dem Botschafter die Hand.
    "Die Freude ist ganz meinerseits, Sheik. Und überdenkt nochmal mein Angebot, ihr könntet einen guten Botschafter gebrauchen." Er ergreift die Hand des Sheiks und schüttelt sie dreimal kräftig.
    "Ich bin mir sicher Rogan braucht diesen Botschafter, von dem ihr da sprecht, mehr als ich. Aber ich habe noch ein kleines Geschenk für euch! Ich weiß doch wie sehr ihr unsere heimischen Weine genießt, darum dachte ich überlasse ich euch einfach einige Kisten." Eine Plattform schwebt heran, auf ihr Kisten mit der Aufschrift -Fragile. Nicht werfen.-.
    "Ich danke euch, Freund. Das verkürzt vielleicht das Warten auf meine nächste Mission in dieses System ein wenig. Sergeant, aufladen!"
    Zwei der botschafterlichen Gardisten schieben die Plattform in den Bauch der kleinen Fähre und entladen sie.
    "Also dann, auf bald, Botschafter Sveet."
    "Auf bald, Sheik Thaleb."
    Der Botschafter wendet sich um, schreitet die Rampe hinauf und verschwindet im Bauch der Rogan Embassy.

    Thaleb wartet noch bis die Nachbrenner des Schiffes nicht mehr von den Sternen zu unterscheiden sind. Er versendet eine Anfrage über sein ARD. Wenig später, der Rückruf.
    "Thaleb, wie steht es?"
    "Gut, Herrin. Alles verläuft nach Plan."
    "Die Sprungphase wird in T-20 Sekunden iniziiert. Du weißt was du zu tun hast. Wir dürfen andere nicht so mit uns umgehen lassen, auch nicht unsere Freunde."
    "Ja, Herrin. Ich bin glücklich euch dienen zu dürfen."
    Das Gespräch ist beendet. In Gedanken zählt Thaleb von 20 abwärts. Als er bei 3 angekommen ist, öffnet er das Interface, welches ihn direkt mit der Bombe verbindet. Er setzt den Timer auf 4 Sekunden. Dann blendet er alles künstliche aus und schaut hinaus, zu dem Punkt von dem er weiß, dass das Raumschiff des Botschafters dort vor einer glatten kalten Metallfläche schwebt, dem Portal. Gerade werden die Hyperraum-Triebwerke gezündet, das Schiff macht einen beinahe unwahrnehmbaren Ruck und kurz bevor es in das aktivierte Tor hineinfliegt, wird es von einer gigantischen Explosion erschüttert und in zwei Teile zerissen, die nun mit Hyperraum-Geschwindigkeit in das Portal eintreten.

    Thaleb nimmt nur eine kleine weiße Wolke wahr, die für den Bruchteil einer Sekunde am ewig schwarzen Nachthimmel des Universums aufblüht und dann für immer erlischt.
    "Mach es gut, Freund. Es tut mir leid."
    Zuletzt geändert von DasSystem; 19.10.2010, 23:36.
    Innocentia nihil probat.

  • #2
    Und weiter geht es mit der ersten Hälfte des zweiten Kapitels.

    Ab sofort ist die Geschichte auch in etwas angenehmer lesbarer Form auf myStories zu finden. Hier der Link: http://www.buch-schreiben.net/b42536...rber=DasSystem

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    Rogan-System, Rogan III, Residenz des Reichskanzlers
    03.6259/18.RO

    "Kanzler Behleen! Kanzler Behleen! Die Rogan Embassy wurde gefunden. Der Vizekanzler bittet euch um Anwesenheit." Der junge Mann in schlichter schwarzer Uniform bleibt nach Atem ringend stehen und stützt seine Hände auf die Knie.
    "Gefunden? Ihr meint zurückgekehrt." Der Kanzler des roganischen Reiches stellt mit gebotener Vorsicht das syperische Porzellan auf den gläsernen Tisch und leckt die hängengebliebenen Tropfen des Getränks aus seinem Schnauzer.
    "Nein, Kanzler. Es gab wohl ... einen Zwischenfall. Ich wurde nicht genauer unterrichtet, entschuldigt."
    "Zwischenfall?" Seine Hand formt sich zu einer Faust. "Diese Hundesöhne... Unterrichte meinen Stab, Junge. Ich möchte in 10 Minuten abflugbereit sein."
    "Soll ich die Streitkräfte darüber unterrichten, dass ihr nicht an der Vereidigung der neuen Rekruten teilnehmen werdet?"
    "Ja, tu das. Danke, Junge." Ein Ausdruck von Müdigkeit zeigt sich unter der starren Maske des alten Mannes. Zorn empfindet er keinen, denn im Grunde hatte er mit einem solchen Ausgang der Verhandlungen gerechnet. Es war ohnehin nichts weiter als ein Akt diplomatischer Provokation und der Systemrat hatte genau das erreicht, was er wollte: das Recht auf Rache. Alles was er jetzt noch braucht ist die Zustimmung und Erlaubnis des Senats, dann steht einem Einmarsch in das kacir'Arab-System nichts mehr im Wege.
    Er erhebt sich langsam mit der Tasse in der Rechten und bleibt noch einen Moment vor der breiten Glasfront des Zimmers stehen. Seine Residenz befindet sich beinahe auf dem Gipfel des höchsten Berges von Rogan III, von hier hat er einen beneidenswerten Ausblick auf die schier unendlichen Wälder des Planeten.
    "Was ist nur aus mir geworden, wenn ich schon meinen eigenen Schwager opfere, nur um ..." er atmet tief aus, blickt noch einmal mit schwermütigem Blick hinaus und verharrt einen kurzen Moment auf einer Landefähre, die gerade den einzigen Raumhafen des Planeten ansteuert. In sich birgt sie die Anwärter auf einen Platz bei den Bärenjägern, der besten Kampftruppe im roganischen Militär. "Es ist für euch, Kinder." Er stürzt den Inhalt der Tasse hinunter. "Bitte, seht es mir nach." Der Cognac brennt in seiner Kehle, er muss sich beherrschen nicht zu husten. Eine einsame Träne aber entringt sich seiner Beherrschung und rinnt ihm über die Wange in den dichten weißen Bart. Dann wendet er sich zum gehen, denn es gibt momentan wichtigeres als seine Gefühle: Politik.


    Rogan-System, Rogan III, Raumhafen der Bärenjäger-Kaserne
    03.6259/18.RO

    "Hört mir gut zu, Frischlinge! Ihr alle seid Anwärter auf einen Platz bei den Bärenjägern. Das heisst ihr wollt sterben. Das Auswahlverfahren ist kein Spaziergang, da draussen gibt es für jeden von euch einen Bären mit eurem Namen auf seiner Speisekarte und es ist eure Entscheidung ob ihr ihm seine Mahlzeit serviert oder nicht." General MacKeen steht mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor 20 jungen Männern, denen nicht neu ist was er ihnen mit tiefem Bariton vorträgt, aber die Präsenz des Generals und die Direktheit seiner Stimme flößt den Rekruten Respekt ein vor dem was sie noch erwartet.
    "In den nächsten 8 Wochen ist meine Stimme in euren Ohren die eurer Mutter und meine Hand in eurem Nacken die eures Vaters. Ungehorsam bedeutet da draußen den Tod. Das heißt ihr tut genau das was ich sage, wenn ich es sage. Ihr stellt meine Befehle nicht in Frage. Habt ihr das verstanden?"
    "Sir, ja, Sir!" tönt es einstimmig aus 20 trockenen Kehlen.
    "Gut. Jetz' schnappt euch eure Ausrüstung und folgt Sergeant Herggs in eure Quartiere. Ihr habt eine Stunde euch klarzumachen was euch erwartet, dann tretet ihr zu eurer Vereidigung an. Weggetreten!" Ein kurzer Salut, der von den Rekruten erwiedert wird, 20 Paar Stiefel drehen sich um 90 Grad und marschieren im Gleichtakt dem nur unwesentlich kleineren Sergeant hinterher.
    Der General dreht sich ohne Hast zum Kanzler, der bereits seit Beginn der Ansprache hinter ihm steht.
    "Guten Morgen, Kanzler. Ich habe erst in 2 Tagen mit eurer Abreise gerechnet. Ich bedauere es, dass wir unser gestriges Gespräch nicht weiterführen können."
    "Wie ich sehe hat sich in den letzten 30 Jahren nur wenig an ihrer Ansprache verändert, alter Freund. Immer noch direkt, herzlos und brutal. Und unsere Konversation können wir gerne auf dem Flug nach Rogan II fortsetzen, ihr werdet mich begleiten." Kanzler Behleen wendet sich zum gehen und deutet dem General durch eine Handbewegung sich an seine Seite zu gesellen.
    "Ich fühle mich selbstverständlich geschmeichelt, Kanzler, aber was macht meine Anwesenheit so wichtig?"
    "Es gab einen kleinen ... Zwischenfall. Die Rogan Embassy wurde zerstört. Botschafter Sveet war noch an Bord." Er kann dem General nicht in die Augen sehen, zu stark das Gefühl einer der Ihren ausgeliefert oder vielmehr geopfert zu haben. In der Miene des Generals hingegen spiegelt sich aufrichtige Trauer und tiefgründiger Zorn wieder.
    "Wie ist das passiert? Botschafter Sveet war ein vorsichtiger Mann."
    "Der nicht immer den richtigen Menschen vertraut hat, er war stets ein wenig zu ... offenherzig. Scheinbar gab es einen Anschlag auf das Schiff, kurz bevor es durch das Portal gesprungen ist. Es war auf dem Rückweg von kacir'Arab. Der Rat vermutet, dass Sheik Thaleb seine Finger im Spiel hat. Wir bereiten einen Rückschlag vor und fordern vor dem Senat unser Recht auf Rache ein."
    "Wozu brauchen sie mich?" Sie stehen mittlerweile an der Treppe die in den Bauch der Provost, der persönlichen Fähre des Kanzlers, führt.
    "Mit einem Rückschlag meinen wir nicht einfach nur einen Denkzettel, geehrter MacKenn. Wir beabsichtigen das kacir'Arab-System zu besetzen und zu einer unserer Kolonien zu machen."
    Statt sofort etwas zu erwidern versinkt General MacKeen kurzzeitig in seinen Gedanken. "Es ist lange her, dass wir ein ganzes System erobert haben und der Senat war schon das letzte Mal nur mit Mühe und Not zu überzeugen. Glaubt ihr wirklich, dass wir diesmal wieder die Zustimmung der Mehrheit bekommen?"
    "Ich bin sogar davon überzeugt." Der Kanzler stellt seinen Fuß auf die erste Stufe: "Ihr solltet nicht vergessen, dass der Botschafter der Sohn von Senator Sveet war. Er hat viele Freunde im Senat, von denen ihm viele noch einen Gefallen schuldig sind." Er steigt weiter die Stufen hinauf und dreht sich dann nocheinmal um. "Ich erwarte eure Ankunft im Palast in 4 Stunden, von jetzt an. Packen sie schnell General, wir dürfen keine Zeit vergeuden."
    "Jawohl, Kanzler." MacKeen salutiert knapp und wartet bis die Fähre abgehoben hat, dann wendet er sich zum Gehen. Er hat ein ungutes Gefühl, was diese Sache angeht und sein Bauchgefühl hat ihn noch nie im Stich gelassen. Härter jedoch trifft ihn der Verlust seines langjährigen Vorgesetzten und Freundes, dem er sein eigenes Leben zu verdanken hat.
    Innocentia nihil probat.

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