Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Star Trek Lazarus

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Star Trek Lazarus

    STAR TREK LAZARUS
    Pilotepisode Part I


    Wir schreiben das Jahr 2380.
    Ein halbes Jahrzehnt lang ist der Krieg zwischen der Föderation und dem Dominion nun schon vorbei, doch hat dieser Konflikt tiefe Lücken in die Verbände der Sternenflotte gerissen, welche noch immer nicht vollends geschlossen werden konnten. Nirgends scheint der Wiederaufbau gänzlich beendet und so investiert die Föderation auch Ressourcen in humanitäre Hilfe, welche dem cardassianischen Volk zu gute kommt, das in den entscheidenden Kriegsmomenten besonders unter dem Zorn des Dominion zu leiden hatte. Die Union ist zerschmettert und so werden die Cardassianer unterstützt bei der Gründung einer demokratischen Republik, um für längerfristigen Frieden im Alpha-Quadranten zu sorgen.
    Doch auch der Beta-Quadrant befindet sich in Schwierigkeiten. Das Klingonische Reich hat große militärische Kapazitäten im Dominion-Krieg einbüßen müssen und das Romulanische Sternenimperium befindet sich in einem Zustand anhaltender Bürgerkriege, seit der Klon Shinzon vor einem Jahr den Senat auf Romulus ermordete.
    Die Vereinigte Föderation der Planeten hat Entscheidungen zu treffen, um nicht im drohenden Chaos unterzugehen. Doch wird sie wieder den Weg zu ihren eigenen Wurzeln finden, oder ist ihr ideologischer Kern längst ein Opfer des Krieges geworden?


    Anfang 2380
    Iphydron-System, Romulanisches Territorium

    Administrator Wraanus blickte voller Abscheu auf diese Horde, die seine Wächter getötet hatte und sich nun anmaßte, ihn als Gefangenen zu nehmen. Grünes Blut klebte dem ergrauten Romulaner im Gesicht, der die Nase vor den remanischen Minenarbeitern rümpfte. Sein weißes Gewand war schmutzig und angerissen als Spur der barbarischen Behandlung, die er erdulden musste.
    Seit dem Sturz des Senats durch diese menschliche Abscheulichkeit Shinzon herrschte zwar Aufruhr im Sternenimperium, doch war die Bergbaukolonie auf Iphydron III bisher von jedem Ärger verschont geblieben.
    Wraanus hatte gedacht, sein Durchgreifen hätte vor diesen hässlichen Kreaturen klargemacht, dass er keine Rebellion duldete. Blut war hier mit Blut beglichen worden und Tod mit Tod. Für jeden romulanischen Senator, der bei dem Unsturz vor einem Jahr sein Leben verloren hatte, hatte Wraanus als Ausgleich einen remanischen Arbeiter erschießen lassen. Ein gerechtes und wahrhaft mildes Urteil, das für seinen gnadenvollen Charakter sprach. Schließlich war ein Romulaner hundert Remaner wert. Doch so viele Arbeiter hätte er gar nicht opfern können, ohne die Produktivität auf Iphydron III völlig zusammenbrechen zu sehen.
    Nun hockte er auf den Knien auf dem Podest, von dem aus er sonst seine Anordnungen gegeben hatte, zu den Füßen eines remanischen Rebellen namens Vaccoryn, der zu seinen Artgenossen sprach.
    „Sie haben uns versklavt! Sie haben uns als Kanonenfutter missbraucht! Wir haben für das Sternenimperium gekämpft, für sie gekämpft und wurden dafür beschimpft und bespuckt! Für unsere Dreistigkeit, den Krieg überlebt zu haben!! Den Krieg, den wir für sie erst gewonnen haben!“
    Die remanischen Arbeiter vor dem Podest brüllten laut ihren primitiven Unmut heraus und Wraanus spürte, wie das Lärmen in seinen spitzen Ohren schmerzte. Er hätte nicht so gnädig mit ihnen sein sollen. Ein großer Fehler.
    „Sie wollten mich töten, weil ich in Gefangenschaft geriet. Ich überlebte die Schlacht, die Folter und allen Schmerz! Nur damit ich als Verräter hingerichtet werde?“, fragte Vaccoryn laut. „Dafür haben meine Männer und ich den Tod in Kauf genommen?“
    Wieder brüllten die Remaner und Vaccoryn stachelte sie noch an. Wie für seine Spezies üblich besaß er einen haarlosen Schädel und eine graue Haut, spitze Ohren und Augen, die in tiefen Höhlen im Schädel lagen.
    Vaccoryn wandte sich an Wraanus. „Sprich, Romulaner! Wo ist da die Gerechtigkeit?!“
    Die Arbeiter stimmten zu und verlangten Antwort von ihrem Administrator.
    Wraanus achtete drauf, nicht das Gesicht zu verlieren. „Ich habe nicht nötig, mich vor euch zu rechtfertigen. Ihr seid Diener des Sternenimperiums. Das ist alles. Beim Beginn dieser Rebellion sandte ich ein Notsignal. Warbirds sind schon auf dem Weg. Ihr werdet von den romulanischen Ulanen niedergemacht werden. Ihr alle!“
    Vaccoryn ging in die Hocke und brachte sein Gesicht nahe an das des Romulaners. „Das stimmt. Warbirds waren auf dem Weg. Drei von ihnen. Meine Flotte hat sie vernichtet. Es wird niemand mehr kommen, um dich zu retten, Romulaner.“
    Wraanus erschauderte kurz und sein Gesicht versteinerte im Schreck, dann griff er nach dem letzten Strohhalm Hoffnung. „Dann nehmt ihr mich also als Geisel?“
    Vaccoryn erhob sich wieder und sprach zu den Remanern. „Es ist eine alte Regel des Kampfes, dass man Geiseln nimmt, um mit dem Feind verhandelnd zu können.“ In einem weiten Grinsen zeigte er seine Reißzähne. „Wollt ihr verhandeln? Mit romulanischem Abschaum, für den ihr kaum den geschmacklosen Brei wert seid, den sie euch hier vorgesetzt haben? Nein, ich bin nicht hier, um zu verhandeln! Ich führe Krieg! Ich will sie töten!“ Vaccoryn zog ein Messer mit gebogener Klinge.
    „Das wagst du nicht!“, rief Wraanus, der dann anfing, um Hilfe zu schreien. Laut und angstvoll. Niemand reagierte darauf mit mehr als Jubelrufen.
    „Seht ihn euch an!“, sagte Vaccoryn laut. „Ich kannte einen Vulkanier, der hätte in einer solchen Situation keinen Laut von sich gegeben. Weder vor Angst, noch vor Schmerz!“
    Gnadenlos rammte der Remaner seinem Gefangenen die Klinge in die Kehle. Wraanus gurgelte erbärmlich, während er eine Fontäne grünen Blutes verspritzte. Am Ende der Darbietung präsentierte Vaccoryn seinen remanischen Brüdern und Schwestern einen wahrgewordenen Traum. Das abgetrennte Haupt des Administrators in den Händen eines remanischen Kriegers. Zum Dank würden sie sich ihm als neue Soldaten anschließen. So wuchs seine Armee mit jedem rollenden Kopf eines romulanischen Beamten um mindestens hundert Remaner.

    Sol-System, Raumdock

    Guy befand sich im Herzen der Föderation. Im Zentrum einer Macht, die vor etwas mehr als zweihundert Jahren von Menschen, Vulkaniern, Tellariten und Andorianern gegründet worden war und sich heute über weit mehr als 150 Mitglieder mit mehr als 1000 Kolonien in einem Raumgebiet von etwa 8000 Lichtjahre erstreckte. Eine Allianz geboren durch den Wunsch der Kooperation und Erforschung der Weiten, die nie ein Mensch oder irgendein anderes Wesen, wenn es denn Augen besaß, je gesehen hatte. Natürlich gab es in einer Geschichte, die sich über zwei Jahrhunderte erstreckte hin und wieder Meinungsverschiedenheiten und Rangeleien mit anderen Spezies.
    Guy wusste das aus erster Hand. Er hatte ein paar davon mitgemacht. Tzenkethi, Borg und Dominion.
    Der 41 Jahre alte Mann mit den Narben im Gesicht und den tiefbraunen Augen verzog die Lippen und bestellte mit einem Schnipsen das Übliche.
    Das Herz der Föderation war in diesem Fall der Club 47, wo man sich bei stilvoller Musik betrinken konnte. Und da er zivil unterwegs war, musste sich Guy für nichts schämen. So stellte ihm der caitianische Barkeeper Niwan nicht das erste Glas Romulanisches Ale hin. Ein berüchtigtes Getränk mit einer blauen Farbe und bitterem Geschmack. Früher war sie nur unter dem Ladentisch gehandelt worden, doch die Zeiten hatten sich geändert.
    „Dafür hat sich das Kämpfen gelohnt.“, sagte Guy mit schwerer Zunge. Er griff erst an dem Glas vor sich vorbei, doch beim zweiten Versuch erwischte er es. „Für Freiheit, Frieden und bisher verbotene Gesöffe aus dem Beta-Quadranten!“
    Nach diesem improvisierten Toast nahm Guy einen tiefen Schluck und bereute es kopfschüttelnd. Doch das Trinken war eine alte Tradition auf der Erde und vielen anderen Welten. Er folgte den Regeln, die sich seit Jahrtausenden kultiviert hatten.
    Der felide Humanoide Niwan fauchte leise und zeigte Zähne. „Fchrrr…Ich hörte, sie wollen das Ale bald wieder verbieten. Wegen dem Ärger, den die Romulaner haben…Chrrr.“
    Guy schmunzelte. „Was soll’s? Ist nur Eigenwerbung für das Arschgesicht von Politiker, der es vorgeschlagen hat. Man kam früher an das Zeug, wenn man wollte. Das wird sich dadurch nicht ändern.“
    Niwan nickte und spielte mit einer Hand an seinen Schnurrhaaren. „Das stimmt. Ich kenne da ein paar Ferengi.“
    „Sehr gut.“, sagte Guy und hob wieder das nun halbleere Glas. „Was wäre die Motivation tüchtiger Offiziere ohne ein paar tüchtige Schmuggler für die richtigen Waren?“
    Guys Stimme war so laut gewesen, dass er vom Tresen aus das Interesse mehrerer Kadetten an den hinteren Tischen weckte. Er begegnete ihren neugierigen Blicken mit Gleichgültigkeit. Diese Grünschnäbel kannten den Dienst zu 85 Prozent nur aus den Lehrprogrammen und Holo-Simulationen. Sie wussten nicht, wie kalt es im Weltall wirklich war.
    Guy kratzte sich am etwas unrasierten Kinn und ächzte. Das Romulanische Ale würde ihn irgendwann umbringen, wollte ihm eine dieser leisen Vernunftstimmen einreden, doch er erstickte sie mit dem Selbstbetrug, alles überleben zu können. Sein Hauptargument war das Gefangenenlager Arrak’nor.
    Niwan kümmerte sich gerade um ein paar andere Gäste, während sich Guy aus den Augenwinkeln umsah, auch wenn alles vor seinem Sichtfeld ein wenig verschwamm. Tatsächlich waren die meisten Gäste hier Sternenflottenpersonal meist jüngerer Semester. Irgendwelche Hinterweltler, die sich von einem der Rekrutierungsspots hatten begeistern lassen. Die Ränge mussten schließlich gefüllt werden.
    Auf einer kleinen Bühne spielte eine Jazzband. Guy war sich im ersten Moment nicht sicher, ob es Hologramme waren, doch da er keine Ermitter sah, oder sie zumindest übersah, waren das wohl Musiker aus Fleisch und Blut. Drei Menschen und ein weißhaariger Efrosianer mit goldenem Saxophon.
    Guy wandte sich ab und hatte gar nicht bemerkt, dass Niwan wieder bei ihm stand. „Frrrch…habe gehört die Jungs auf Station K-7 machen etwas, dass dem Romulanischen Ale ähnlich ist. Ist rot und schmeckt feuriger. Etwas andere Zusammensetzung.“
    „Werde ich probieren.“, sagte Guy.
    „Sie verlassen das Sol-System?“, fragte Niwan mit einem leisen Laut der Überraschung.
    Guy nickte und seufzte. „Schon mal von dem Lazarus-Flottenprogramm gehört?“

    Drei Tage vorher...

    Guy war es gar nicht mehr gewohnt, Haltung anzunehmen. Doch es fühlte sich auf eine gewisse Weise gut an, während es gleichzeitig aber eine Leere in ihm spüren ließ. Vor ihm saß Admiral William Ross an seinem Schreibtisch und studierte auf einem Pad seine Personalakte. Ein Mann, der durch seine Rolle im Dominion-Krieg eine gewisse Popularität errungen hatte. Der perfekte Mann für das Programm, welches der Föderation vorschwebte.
    „Gaius McLouis, 2339 in der Marskolonie geboren. Ihre Mutter war Diplomatin und ihr Vater Schiffstechniker auf Utopia Planetia. Sie schlossen die Akademie 2358 mit guten Ergebnissen ab und verbrachten ein Jahr auf der andorianischen Militärschule. Wie war es dort?“
    „Sehr kalt, Sir.“
    Admiral Ross verzog die Augenbrauen und las dann weiter. „Ihren ersten Posten traten Sie 2360 auf der USS Al-Batani unter Owen Paris an. Sie wurden dann zeitweise auf Sternenbasis 515 versetzt und dann ab 2365 auf die USS Davidson unter Thoshuur Mn’athaan. Aber auch da sind Sie nicht lange geblieben. Was war los?“
    „Nun, ich respektierte alle meine Vorgesetzten.“, hielt Guy für ratsam zu erwähnen. „Doch wenn es Konflikte gab, war es in meinen Augen besser, um Versetzung zu bitten.“
    „Interessanterweise haben aber stets Ihre Vorgesetzten dieses Gesuch eingebracht.“
    „In gegenseitigem Einvernehmen, Sir.“
    Ross kratzte sich am Kinn. „Natürlich. Das kann ich mir vorstellen, McLouis. Dann änderte sich alles, als sie auf Captain Sarpock trafen, wie mir scheint. In seinen Berichten werden sie in den höchsten Tönen gelobt.“
    „Und das nehmen Sie nicht für voll, Admiral?“
    „Unsinn, McLouis!“, gab Ross zurück. „Ich kannte Sarpock. Es ist schwer, von einem vulkanischen Offizier solche Loblieder in die Akten geschrieben zu bekommen. Sarpock war da keine Ausnahme. Was ist geschehen? Wieso hat sich Ihr verhalten plötzlich so zum Besseren gewandelt?“
    „Ich weiß es selber nicht, Sir.“, sagte Guy nach bestem Gewissen. „Wahrscheinlich wusste Captain Sarpock, wie man Leute führt. Die Dinge waren unter seinem Kommando immer klar und nachvollziehbar. Es gab keine Eitelkeiten. Er gab die Befehle und wir befolgten sie.“
    Ross betrachtete McLouis nachdenklich. „Sie dienten unter Captain Sarpock zuletzt auf der USS Achilles, einem Kampfschiff der Defiant-Klasse. Bis 2374…“
    „Bis zur Schlacht von Betazed, Sir.“, sagte Guy. „Dann kam bis 2377 das Gefangenenlager Arrak’nor.“
    Guy versuchte, die Erinnerungen an diese Zeit möglichst kurz zu halten. Das Lager hatte zwei Jahre nach dem Kriegsende noch bestanden, bis es von einem Verband klingonischer Schiffe entdeckt und befreit worden war. 510 Gefangene waren sie gewesen am Anfang, doch hatten nur 38 bis zur plötzlichen Befreiung 2377 überlebt. Guy war einer von ihnen und das einzige Crewmitglied der USS Achilles, dessen Herz noch schlug.
    „Dann werden die Daten schwammig. Was haben sie dann getan?“, fragte Ross.
    „Nachdem mir körperliche Gesundheit attestiert wurde, flog ich nach Vulkan, um mich mit Sarpocks Wittwe zu treffen. Eine Frau namens T’arin. Ich hatte ihr ein paar persönliche Worte auszurichten. Dort blieb ich ein paar Monate, bis ich von der Sternenflotte auf das Transportschiff USS Fivepoint versetzt wurde. Ich quittierte nach drei Wochen den Dienst.“
    „Wieso?“
    „Replikatoren nach Cardassia zu transportieren, passte nicht zu meinen Vorstellungen, Sir.“
    „Sie sind kein Freund der Unterstützung, welche die Föderation auf Cardassia Prime leistet?“
    Guy presste die Lippen aufeinander. „Sir, bei allem Respekt. Was den Cardassianern widerfuhr ist grausam, das stimmt. Doch es ist ihre eigene Schuld, da sie dem Dominion die Tür in den Alpha-Quadranten öffneten. Ihre Militärunion hat ganzen Völkern Schreckliches angetan, bevor wir…“
    „Was haben die Cardassianer Ihnen angetan, McLouis?“, fragte Ross. „Arrak’nor wurde von einem Gul Dhomarr geleitet. Es gibt Berichte von Folterungen und falschen Berichten. Den dortigen Gefangenen wurden gefälschte Szenarien als Wahrheit verkauft, nicht wahr?“
    „Sir, 2374 gerieten wir in Gefangenschaft und damals sah es nicht aus, als würde die Föderation dem Dominion noch eine Menge entgegensetzen können. Also konnte Dhomarr behaupten, was er wollte. Sie zeigten mir zum Beispiel das Hologramm der entvölkerten Erde. Aber das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, dass wir nicht aufgeben wollten. Wir mussten uns die Hoffnung bewahren. Die Schwächsten unter uns sind zum Glück schnell gestorben, die anderen haben sie gegen die Jem’Hadar-Wachen kämpfen lassen. Und nur wenn einer von uns gewann, konnten wir am Glauben festhalten, das Dominion sei nicht unbesiegbar. Und der Adjutant Dhomarrs, so ein blasser Vorta namens Irldryn, war besessen von den Schmerzrezeptoren verschiedener Spezies. Ein Interesse, das viele Gefangene mit dem Leben bezahlt haben.“
    „Ist so Sarpock gestorben?“, fragte Ross.
    „Das klingt einfacher, als es für ihn war. Er war unter uns schließlich derjenige, der am schwersten zum Schreien zu bringen war.Es hat sehr lange gedauert.“, deutete Guy das Geschehen an.
    Ross seufzte und legte den Pad auf den Tisch vor sich. „McLouis, ich bin nicht sicher, was Sie angeht. Und ich fürchte mich davor, einen Fehler zu machen.“
    Meinte der Admiral einen Fehler wie nur acht Kampfschiffe zur Verteidigung Betazeds zurückzulassen? Guy behielt diesen Gedanken für sich und ballte Fäuste.
    „Sie haben viel durchgemacht. Das haben wir alle. Der Krieg hat uns geprägt und verändert.“, sagte Ross traurig. „Doch wir müssen uns darauf besinnen, wer wir sind. Wo unsere Wurzeln liegen und unsere Aufgaben. Der Krieg ist vorbei, auch wenn er für Sie zwei Jahre länger gedauert hat. Wir haben gewonnen, die Föderation war siegreich. Sagen Sie mir, McLouis. Sind Sie bereit, in den aktiven Dienst zurückzukehren?“
    Guy antwortete automatisch wie auf einen Befehl. „Ja, Sir.“
    Ross wirkte skeptisch, sprach jedoch weiter. „Ich könnte Ihnen das Kommando über ein Schiff anbieten im Rahmen des Lazarus-Flottenprogramms. Es soll die Wiederauferstehung unserer Ideale symbolisieren. Die Rückkehr zu den Werten, durch welche die Föderation groß wurde.“
    „Ich kenne den Holospot, Sir.“, sagte Guy und erinnerte sich daran, dabei nur den Kopf geschüttelt zu haben. „Havarierte Schiffe der Sternenflotte wurden geborgen, repariert und schließlich modernisiert, um wieder in den Dienst gestellt zu werden.“
    „Was denken Sie darüber?“, fragte Ross.
    Guy gab eine Antwort, wie sie auch Sapock gegeben hätte. „Eine gute Strategie. Wir heben die Moral und füllen die Ränge, bis der Ausbau der neuen Schiffsklassen abgeschlossen ist.“
    „Sehr nüchterne Bewertung, McLouis.“
    Guy nickte. „Ja, Sir.“
    „Würden Sie das Kommando über USS Lazarus übernehmen? Sie hieß früher USS Titania.“
    Guy verstand die Angelegenheit. „Die Lazarus ist das Aushängeschild des Programms, Sir.“
    „In der Tat.“
    „Ich erinnere mich noch gut an die erste Zeit nach der Befreiung, Sir.“, meinte Guy dann. „Die Öffentlichkeit war sehr an uns interessiert. An unseren Erlebnissen und ständig wollte man von uns hören, wie glücklich wir sind, zurückkehren zu dürfen. Sir, ich würde dieses Schiff kommandieren, wenn ich sicher wüsste, wieso ich es kommandieren soll.“
    „Wie meinen Sie das?“
    „Ich lasse mich von der Sternenflotte nicht zu einer Werbefigur machen, um Rekruten anzulocken. Ich bin damals selbst auf so einen Trick hereingefallen. Aber ich erfülle meine Pflicht als Offizier. Alles andere habe ich eh verlernt.“
    Admiral Ross faltete die Hände vor dem Mund. „Halten Sie das für klug, so mit mir zu reden?“
    „Die Frage ist eher, für wie klug Sie mich halten, Admiral.“, hielt Guy dagegen. „Soll die Lazarus nur gesehen werden, oder bekommt sie eine klare Aufgabe?“
    Ross lehnte sich zurück. „Wissen Sie, McLouis? Die Sternenflotte kann sich momentan gar nicht leisten, Schiffe zu unterhalten, nur damit sie gesehen werden. Die Lage ist zu schwierig und unsicher. Wir wissen nicht, wer in vielleicht ein oder zwei Jahren auf Romulus die Kontrolle hat. Trotz der kurzen Allianz gibt es im Sternenimperium noch genug konservative Kräfte, die nicht viel von der Föderation halten. Wir müssen Präsenz zeigen an der Neutralen Zone und im Beta-Quadranten.“
    „Ich verstehe.“
    „Sie sind bereit dafür, McLoius?“
    „Ja, Sir.“
    „Dann haben Sie eine Woche, um sich vorzubereiten. Ihre Crew ist dann hier versammelt. Wenn Sie Ihr Schiff sehen wollen, dann begeben Sie sich zum Aussichtsgalerie 11. Sie haben dort perfekten Blick auf Lazarus.“

    Fortsetzung folgt...


    .
    EDIT (autom. Beitragszusammenführung) :

    Lasarus schrieb nach 6 Stunden, 46 Minuten und 59 Sekunden:

    Natürlich sind kurze Rezensionen zwischen den Teilen sehr gern gesehen, wenn man mag
    Zuletzt geändert von Lasarus; 27.03.2012, 19:23. Grund: Antwort auf eigenen Beitrag innerhalb von 24 Stunden!

  • #2
    STAR TREK LAZARUS
    Pilotepisode Part II



    Sol-System, Raumdock

    Nachdem Guy den Club 47 verlassen hatte, war er zum wiederholten Male in den letzten drei Tagen zur Aussichtsgallerie 11 aufgebrochen, um das Schiff zu betrachten, welches mindestens so viel hinter sich hatte wie er selbst. Das Schiff, mit dem er zur Neutralen Zone aufbrechen sollte. Sein Schiff.
    Eine komische Vorstellung.
    Captain Gaius McLouis, das klang ungemein fremd in seinen Ohren, nachdem er solange der 1st Commander gewesen war. Die Zeiten haben sich halt geändert, sagte er zu sich selbst und betrachtete durch die Scheiben den Schweren Kreuzer der Ambassador-Klasse. Die USS Lazarus.
    Sie bestand aus dem klassischen Design einer Untertassensektion, die mit einem Hinterrumpf verbunden war, an welchem schließlich zwei abstehende Warpgondeln befestigt waren. Die Lazarus besaß insgesamt 33 Decks, war über 500 Meter lang, 280 Meter breit und nicht weniger als 101 Meter hoch, um im Betrieb 320 Crewmitglieder zu fassen und im Notfall 1000 Passagiere.
    Insgesamt zehn neue Phaserbänke wurden auf dem Rumpf der Lazarus verlegt und zwei Torpedorampen an der „Kehle“ des Schiffs, um sich sowohl defensiv als auch offensiv behaupten zu können. Die Maximalgeschwindigkeit lag bei Warp 9.
    Guy fuhr sich über die Stoppeln an seinem Kinn und seinem Hals. Er hatte Bilder der Lazarus gesehen, als sie noch die USS Titania gewesen war. Ein Wrack von den Waffen dutzender Jem’Hadar-Angriffsschiffe zerschossen. Manchmal war wirklich unglaublich, was die Techniker der Föderation zu leisten in der Lage waren.
    Sie hatten dem Schiff ein neues Leben, eine neue Identität geschenkt. Vielleicht war es das Romulanische Ale in seinem Körper, doch er spürte etwas wie Neid gegenüber seinem Schiff, das sich nicht daran erinnerte, was ihm im Krieg geschehen war.
    Guy wusste es hingegen. Er erinnerte sich an die Sitzungen bei dem verrückten Vorta und das Geräusch seiner eigenen Schreie. An die Besuche beim Gul, der genüsslich sein Frühstück einnahm, während er behauptete, die Föderation sei zerschlagen worden.
    Doch was brachten im diese Wünsche? Guy konnte dadurch nichts ungeschehen machen. Er lebte und musste versuchen, nach vorn zu blicken. Auch wenn er hinter der Lazarus nichts wahrnahm. Nichts, das ihm eine Perspektive gegeben hätte.
    Ein paar Sekunden, das wusste er. Wäre er bei Betazed ein paar Sekunden schneller gewesen, hätte er es geschafft, die Selbstzerstörung der USS Achilles zu aktivieren, bevor die Jem’Hadar an Bord gekommen waren. Dann wäre ihm und dem verletzten Sapock das Lager erspart geblieben.
    Auch ein sinnloser Gedanke, der ihm nichts einbrachte. Er würde einfach tun, was ihm Admiral Ross zu befehlen gedachte. Was sollte er auch sonst mit sich anfangen? Ein Raumtransportunternehmen aufmachen, bis er von einem Ferengi übers Ohr gehauen wurde oder Nausikaaner sein Schiff enterten? Guy war ein Offizier. Und das schon zu lange, um noch etwas anderes zu tun.
    Und eines musste er der Sache lassen. Die USS Lazarus sah toll aus…

    An Bord der USS Lazarus NCC-81002

    Früher hatten Lt. Danny Cortez Namenslisten nicht besonders gestört. Zumindest hatte sie mit ihnen nichts Übleres verbunden als Arbeit. Doch eines Tages hatte sich das geändert. Eines Tages war das Dominion mit seinen gezüchteten Jem’Hadar-Legionen in den Alpha-Quadranten eingefallen. Im Krieg hatten Namenslisten eine neue, grausame Bedeutung. Jedes Schicksal, jedes Verhängnis wurde auf ihnen zu einer kurzen Anmerkung. Und bis zur Eroberung Cardassias hatte es viele dieser Listen gegeben, lange Listen.
    Heute hatten Namenslisten wieder ihre einfache Bedeutung, die allein mit der Arbeit und dem Alltag zu tun hatte. Danny ging sie durch, um einen Dienstplan für die Schiffssicherheit zu erstellen. Mehr war es nicht. Trotzdem würde sie Namenslisten nie wieder so ruhig und sachlich betrachten. Der Krieg hatte ihr nicht nur jemand Wichtiges genommen, er hatte sie auch verkorkst und komplizierter gemacht.
    Das hasste sie.
    Sie warf kurz einen Blick auf die Holophotografie, die auf ihrem Nachttisch stand. Ein Bild von Lt. Thomas Brightford und wurde traurig. Einst war er alles für sie gewesen, dann nur ein Name auf einer Liste, dann eine Erinnerung. Verdammt, sie hasste es wirklich. Früher war alles so leicht gewesen.
    Schließlich betrachtete sich die 31 Jahre alte Frau im Spiegel, als sie mit dem Planen fertig geworden war. Sie war zwar etwas kleiner als der menschliche Durchschnitt, dennoch durchaus patent und in der Lage, sich und andere zu verteidigen. Sie war der Aufgabe als Sicherheitschefin gewachsen. Das sagte sie sich. Früher wäre sie so sicher gewesen, dass es gar nicht nötig gewesen wäre, sich selbst gut zuzureden. Zumindest war sie noch optimistisch, wenn schon nicht völlig überzeugt.
    Danny zog ihre Uniform zu Recht und kontrollierte ihren schwarzen Zopf. Alles passte und saß. Sie atmete tief durch und brachte den Kommunikator an, ein fast plattes eckiges Gerät, und schloss dann noch einmal kurz die Augen.
    Ja, sie fühlte sich bereit, sie fühlte sich fähig. Alles war in Ordnung, denn es war ihre Aufgabe für diese Ordnung zu sorgen.
    Danny verließ ihre Kabine und trat in den Korridor auf Deck 5. Noch war wenig los, da bisher nur etwa ein Drittel der Besatzung an Bord war. Der Rest würde in den nächsten Tagen eintreffen. Viele Gesichter, viele Namen. Nicht grundlos hatte sich Danny vorab eine Kopie der Crewakten zusenden lassen. Längst wusste sie, womit sie zu rechnen hatte. Zwei Nächte hatte sie damit verbracht, sich wichtige Informationen zu merken und fühlte sich relativ sicher.
    Daher wusste sie schon eine Menge über die meisten Mannschaftsmitglieder. 1st Commander Solian Broxx war beispielsweise Bolianer mit familiären Verbindungen zu Admiralität, der trotz seiner relativen Jungend in wenigen Jahren eine beeindruckende Karriere gemacht hatte. Danny würde rausfinden müssen, ob man seinen Kompetenzen würde trauen können.
    Beeindruckend war auch der Werdegang des Cheftechnikers, für den man sogar Mitleid empfinden konnte. Lt. Grall Graaam, seines Zeichens ein Tellarit, von welchem behauptet wurde, er habe die letzten zwei Schiffe, auf denen er gedient hatte, durch eine Rettungskapsel verlassen müssen, denn alle seien im Gefecht durch einen Kernbruch zerstört worden. War das wohl ein gutes Omen für den Verlauf dieser Reise?
    Doch besonders achten müssen würde Danny auf den Fähnrich Jackson Lintao, dessen Familie aus der Entmilitarisierten Zone stammte. In seiner Akte war eine klare Tendenz zum Autoritätsproblem zu finden. Obwohl er als brauchbarer Pilot galt und erst frisch von der Akademie gekommen war, war der Dienst auf der Lazarus wohl schon so etwas wie eine letzte Bewährungsprobe für ihn und vielleicht eine Herausforderung an ihre eigene Geduld, sie rechnete da mit vielem.
    Surrend öffnete sich eine Tür und ein schlanker Mann mit kahlem Schädel und leichten Vollbart kam heraus. Danny erkannte ihn und nahm Haltung an. Lt. Commander Harosch Illarin war der führende Wissenschaftsoffizier an Bord.
    „Guten Morgen, Lt.“, sagte er fröhlich und zupfte an seiner Uniform herum.
    „Sir, ich heiße Danny Cortez. Ich bin die Chefin der Sicherheit an Bord.“
    „Ich fühle mich gerade zwar nicht unsicher, aber schön zu sehen, wer dafür sorgt, dass dem auch so bleibt. Mein Name ist…“
    „Harosch Illarin.“, sagte Danny. „Sie wurden von der USS Einstein hierher versetzt.“
    „Nicht schlecht, so früh schon so gut informiert?“
    Danny nickte und deutete dann auf die Tür, aus der Harosch gekommen war. „Das ist eigentlich Crewman Kuddingers Kabine, nicht wahr?“
    Der deltanische Wissenschaftsoffizier nickte. „Stimmt, es ist ihre.“
    „Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, Lt. Commander. Aber stehen Mitglieder des deltanischen Volkes in der Sternenflotte nicht unter besonderen Regeln?“
    „Die Erste Direktive? Ja, das tun wir.“
    Danny hasste es, veralbert zu werden. „Ich meinte eher den Zölibatseid.“
    Harosch Illarin lachte. Er schien weder provoziert noch beleidigt. „Aber, aber, Lt. Cortez. Woran denken Sie denn da? Kuddinger arbeitet für mich im Astrometrischem Labor der Lazarus. Wir haben nur über die Arbeit geredet.“
    „Ich verstehe.“, sagte Danny.
    Lt. Commander Illarin lächelte. „Keine Sorge, Lt. Sollten Sie Eifersuchtsgefühle deswegen entwickeln, dann können wir gerne auch einmal über die Arbeit reden, wenn Sie das möchten.“
    Danny Cortez wandte sich ab. „Ich bitte höchstens darum, dass Sie mir meine Arbeit nicht unnötig schwer machen, Lt. Commander. Für Unfug nehme ich mir keine Zeit.“
    „Sehr bedauerlich.“

    Kithomer-Außenposten, Romulanisches Territorium


    Der junge Romulaner Nirean blickte aus dem gewaltigen Fenster des Gebäudes auf die stillen Wälder Kithomers und erinnerte sich der blutigen Geschichte dieses Ortes, der einst eine klingonische Kolonie gewesen war, bevor sein Volk ihn zu erobern gedachte.
    Damals war das Sternenimperium stark und geeint gewesen. Eine massive Großmacht mit verdienten Ambitionen. Doch diese Tage waren vorbei. Aus dem Reich seines Volkes war ein Flickenmosaik geworden, das sich selbst bekämpfte.
    Ehrgeizige Gouverneure und Offiziere verlangten dort zu herrschen, wo die Verräterin Tal’Aura den Senat und Nireans Vater umgebracht hatte. Auch die remanische Unterklasse erhob sich vielerorts angeführt von einem Aufrührer namens Vaccoryn, der im Dominion-Krieg viele Frontalangriffe geführt und überlebt hatte.
    Nirean ertrug es nur schwer und er wünschte sich, älter zu sein. Er wünschte sich eine Flotte, die er hätte anführen können, um Romulus im Namen seines Vaters zurückzuerobern. Um als Prätor eines gerecht eingesetzten Senats das Sternenimperium aus dem Chaos führen zu können. Doch er war gerade sechzehn Jahre alt und niemand würde ihm folgen. Und würde er irgendwann alt genug sein, würden vielleicht schon die Verräter oder diese schmutzigen Remaner herrschen. Eine verabscheuungswürdige Vorstellung.
    Bisher war Nireans Rolle die einer Gallionsfigur, das erkannte er. Die Loyalisten wollten ihn als Symbol ihres Kampfes zur Wiederherstellung der alten Ordnung. Dafür brauchten sie den Sohn des vor einem Jahr getöteten Prätors Hiren.
    Ein älterer Romulaner trat an seine Seite, der eine graue Uniform mit schwarzer Schärpe trug.
    „Ich grüße Euch, Centurion Trochrak“, sagte Nirean.
    Der Offizier nickte und faltete die Hände auf dem Rücken. „Die Remaner haben eine Bergbaukolonie eingenommen im Iphydron-System. Drei Warbirds, die dem Notsignal folgten, gerieten in einen Hinterhalt und wurden zerstört.“
    „Das sind keine guten Nachrichten, Centurion.“, meinte Nirean, der so etwas schon gewohnt war. Gouverneur Wraanus war ein törichter Narr gewesen und Idioten verdienten, was ihnen geschah, so zumindest war es dem jungen Romulaner beigebracht worden. „Ich nehme an, dass das Auswirkungen auf mich haben wird?“
    Trochrak nickte grimmig. „Flottentribun Athrreus gab Befehle, Euren Aufenthaltsort zu wechseln.“
    „Dachte ich es doch. Und wohin soll ich gehen?“
    Der Centurion zögerte.
    „Sprecht!“
    „Fürs Erste soll die Föderation um Asyl gebeten werden?“
    „Wie bitte?“, entfuhr es Nirean. „Die Föderation hat mit den internen Angelegenheiten des Sternenimperiums nichts zu schaffen!“ Danach bedauerte er schon wieder diesen Ausbruch, denn er erkannte das größere Bild dieser Strategie und fand wieder seine innere Fassung. „Der Rat der Loyalisten ist die einzige Fraktion, die diplomatische Kontakte zur Föderation unterhält. Und niemand kann sich leisten, eine Attacke auf die Sternenflotte zu führen, solange er in unserem eigenen Reich an mehreren Fronten kämpft.“
    Trochrak betrachtete den jungen Romulaner. „Klingt nach einer weisen Taktik.“
    „Hm…“, machte Nirean. „So scheint es. Ich nehme an, Athrreus wird mich solange auf irgendeiner Föderationswelt versauern lassen, bis das Remanerproblem gelöst ist und der wahre Kampf gegen Tal’Aura beginnt. Um widerliche Remaner zu töten, braucht es meine Symbolkraft wohl noch nicht.“
    „Vielleicht könntet Ihr auch neue Kontakte knüpfen.“, schlug der Centurion vor.
    Nirean überdachte diesen Einfall. „Verbündete für einen Krieg lassen sich nur finden, wenn man gewinnt oder genug von dem zu bieten hat, was die potenziellen Freunde gebrauchen können. Die Föderation wird keine Flotten mehr für unsere Belange riskieren und die Klingonen trinken lieber ein Fass Blutwein auf die Asche des Sternenimperiums. Von den Gorn oder den Tholianern möchte ich gar nicht erst reden. Und die Föderation wird mir nur Asyl gewähren, wenn sie der Meinung ist, dass wir unsere Konkurrenz ausschalten können.“
    „Das werden wir auch.“, sagte der Centurion mit soldatischer Loyalität.
    Nirean sah die Dinge nüchterner. „Zumindest werden wir sehen, ob wir das werden. Nicht wahr? Ich hoffe, die Sternenflotte schickt die Enterprise-E, um mich aufzulesen.“
    Trochrak räusperte sich. „Eher nicht. Ihr werdet nicht als politische Person um Asyl bitten sondern zusammen mit 500 Zivilisten in Lumpen, die von der remanischen Willkür bedroht werden.“
    Nirean verzog den Mund. „Glänzend….“

    Deck 1 an Bord der USS Lazarus NCC-81002


    Noch 31 Stunden, wusste Guy. Dann würde das Schiff starten mit Kurs auf den Beta-Quadranten. Doch nicht nur das. Der frischgebackene Captain kam gerade von einer weiteren Unterredung mit Admiral Ross, wo ihm die Einzelheiten seines ersten Auftrages näher gebracht worden waren.
    Glücklich damit war Guy nicht unbedingt. Ein Ausflug in das Reich der Romulaner klang nach nichts, auf das man sich freuen konnte. Doch Mission war Mission. Der Captain saß in seiner Kabine und trank ein Glas des blauen Ales, das er Niwan abgekauft hatte. Der Kragen der neuen Uniform, die er trug, war offen und auf einem Bildschirm vor sich sah er den wohl berühmtesten Botschafter der Vulkanier in Paris vor dem Föderationsrat sprechen.
    „Geehrte Gesandte und Repräsentanten. Der Krieg gegen das Dominion liegt hinter uns und wir blicken in eine Zukunft, deren Werdegang ungewiss ist. Die letzten Konflikte haben den Alpha- und Betaquadranten aufgewühlt und politische Kettenreaktionen in Gang gesetzt, deren finale Konsequenzen nicht absehbar sind. Die Föderation muss zeigen, ob sie gestärkt oder geschwächt aus diesen Ereignissen hervorgegangen ist….“, dann schaltete Guy ab und der Bildschirm wurde dunkel. Irgendwie konnte der Captain dem so legendären Botschafter Spock nicht lange zuhören.
    Das Türsignal wurde aktiviert.
    „Herein!“, blaffte Guy.
    Ein haarloser Bolianer mit hellblauer Haut trat ein und Guy erkannte ihn als seinen ersten Offizier. Jemand, der das Glück besaß, die richtigen Verwandten in den richtigen Positionen zu haben.
    „Captain McLouis, ich bin 1st Commander Solian Broxx.“
    Guy nickte und nippte an seinem Getränk. Er war weniger als wenig beeindruckt. „Ja,…hab die Akte gesehen.
    Der bolianische Mann wirkte verunsichert, behielt aber Haltung. „Es ist mir eine Freunde, unter Ihnen zu dienen und ich denke…“
    „Ich habe versucht, Sie auszuwechseln Broxx.“, sagte Guy dazwischen. „Kurz nachdem ich das Kommando übernommen hatte, wollte ich Sie loswerden. Nehmen Sie es nicht persönlich.“
    „Sir, ich verstehe nicht ganz.“, sagte Solian vorsichtig und wohl auch ein bisschen gekränkt.
    Der Captain schnalzte mit der Zunge. „Belassen wir es dabei. Ich will Sie nämlich nicht beleidigen.“
    „Sir, ich bitte um Aufklärung. Was könnte ich getan haben, um Ihren Unmut zu erregen.“
    Guy seufzte. „Sie nichts. Sie sind ein automatisches Opfer Ihrer guten Beziehungen, Broxx. Als ich den Austausch beantragte, schaltete sich ein Commodore namens Oloon Broxx ein und sorgte dafür, dass Sie in meiner Crew bleiben. Darf ich raten? Sie spielen jetzt drei bis fünf Jahre den Ersten Offizier und dann besorgt Ihnen Onkel Oloon ein eigenes Kommando?“
    „Sir…also…ich muss doch sehr bitten!“, schnappte Solian.
    Guy zuckte mit den Schultern. „Deswegen wollte ich, dass wir es dabei belassen, Broxx. Sie sind beleidigt.“
    „Ich bin durchaus kompetent.“, sagte Solian. „Meine Ergebnisse auf der Akademie durchweg sehr gut.“
    „Sehr schön.“
    „Besser als Ihre, Captain.“, sagte der Bolianer dann etwas unüberlegt, doch Guy war niemand, der sich darüber aufregte.
    Der Captain stand auf und holte ein zweites Glas. „Wie viel Kampferfahrung haben Sie, Broxx?“
    „Anscheinend ausreichend.“
    Guy füllte das zweite Glas mit Romulanischem Ale und hielt es dem Bolianer hin. „Ein paar Gefechte als Eskorte für Transportschiffe, nicht wahr? Sie waren weder an Offensiven wie der Operation Rückkehr beteiligt noch an den Schlachten bei Chin’Toka. Onkel Oloon hat Ihnen recht sichere Posten besorgt.“
    Der Bolianer nahm das Glas entgegen, trank aber nicht. Er wirkte eher beschämt.
    Guy seufzte. „Ich bin ziemlich ehrlich, Broxx. Daran müssen Sie sich gewöhnen. Das ist ein Kommandostil, den ich mir von einem Freund abgeschaut habe. Also, ich konnte Sie nicht loswerden. Nun, dann muss ich halt mit Ihnen arbeiten. Ich werde Sie behandeln, wie jeden anderen auch. Mehr als Gehorsam erwarte ich dafür nicht. Wir werden also miteinander klarkommen. Möchten Sie anstoßen?“
    „Ich bin im Dienst, Sir.“, sagte Broxx säuerlich und stellte das Glas ab. „Und tatsächlich. Ich habe nicht viele Schlachten gesehen, dafür hat mein Onkel gesorgt. Aber ich war dabei, als die Breen für das Dominion San Francisco angegriffen haben. Durch die Energiedämpfungswaffen wurde unser Schiff handlungsunfähig gemacht. Wir mussten bei diesem Schlag tief ins Innere der Föderation hilflos zusehen. Ein schreckliches Gefühl.“
    „Das kann ich mir vorstellen. Ich habe davon gelesen.“, meinte Guy und leerte sein Glas. „Von dieser Attacke auf der Erde haben sie uns erzählt. Sie haben die ganze Sache nur aufgebauscht.“
    „Sie?“, fragte Solian erst, begriff dann aber. „Ihre Wärter Arrak’nor meinen Sie. Ich verstehe.“
    Guy wollte etwas entgegen, da meldete sich seine Sicherheitschefin Danny Cortez via Kommunikator. „Captain, würden Sie bitte zu den Arrestzellen kommen? Es gab da einen Vorfall auf im Shuttlehangar, über den Sie entscheiden müssen.“
    Guy stöhnte und klopfte Solian auf die Schulter. „Dann los, kommandieren wir ein bisschen.“

    Fortsetzung folgt...

    Kommentar

    Lädt...
    X