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    Hallo,
    ein Kumpel von mir schreibt seid einer Weile (rein Hobbymäßig und aus Spaß) an einer recht umfangreichen Geschichte, und da er hier nicht angemeldet ist habe ich ihm einfach Angeboten die ersten 3 Kapitel + Prolog hier reinzustellen, weil er gerne ein wenig Feedback haben möchte. Bitte beachtet das dass der erste Versuch im schreiben einer größeren Geschichte ist und daher mit Sicherheit noch einiges Verbesserungswürdig ist! Aber genau deswegen auch dieser Thread

    Kurz noch ein paar Sachen: Das ganze spielt in einem fiktiven Universum in dem die Menschheit viele Planeten durch Terraforming bewohnbar gemacht hat. Es gibt keine Außerirdischen (zumindest nicht im klassischen Sinne).

    Prolog: „Nur ein Terrorakt"


    23. März 3567 nach Terra
    12:30 Uhr nach Vega
    Boring City

    Der Name dieser Stadt war sicher ein Scherz. Ich meine dafür, dass es das Touristenziel Nummer eins im vegenischen Winter war, war sie wirklich nicht langweilig. Aber der Namensgeber hatte wohl einen schlechten Tag hinter sich. Naja, also schlenderten wir am hellichten Tag durch die überfüllten Straßen einer Großmetropole auf einem der letzten von Menschen bewohnten Planeten dieser Galaxie. Vega, ein Planet wie es für mich keinen anderen gibt. Ein Planet bei dem die Jahresdurchschnittstemperatur meistens bei Minus zwei Grad Celsius liegt; Vega-- meine Heimat. Und im Gegensatz zu Boring City eine langweilige Gegend. Vergleichsweise langweilig. Zumindest was die alten Schriften anbelangt gibt es bei weitem viel interessantere Planeten, zu denen es aber seit fast hundert Jahren keinen Kontakt mehr gab. Das lag an einem Krieg der direkt nach der Zerstörung des Sonnensystems ausgebrochen war. Ein Krieg um die Vorherrschaft über die Galaxis. Er endete mit der Zerstörung des Kommunikationsnetzwerkes Internet was damals als Abkürzung für Intergalaktisches Netzwerk stand. Damit war sämtlicher Kontakt abgebrochen und der Krieg war vorbei. Alles auf einen Schlag. Einfach Bumm und aus. Apropos Bumm: Wir waren nicht hier um Einkäufe zu erledigen oder das große Aufgebot an Feiertagsattraktionen zu bestaunen, nein. Wir waren hier-- und da kommt der Faden wieder beim Bumm an-- um einen Anschlag auf den Feiertagsumzug zu verhindern. Dafür waren wir schließlich da., um zu verhindern, dass irgend jemand zu Schaden kommt. Mein kleiner Bruder sah sich gründlich in der Masse von Menschen um, schüttelte aber den Kopf. Ich sah aus Misstrauen selber noch mal nach, aber es war niemand zu entdecken. Ohnehin bezweifelte ich, dass unser Ziel frei herumlaufen würde. Es würde schon mit einem Transporter oder ähnlichem fahren müssen um einen Anschlag auf so viele Menschen durchführen zu können. Bloß, dass so etwas ziemlich auffällig wäre, weshalb ich gespannt war, wie kreativ unsere Freunde diesmal waren. Ich hatte schon mal irgendwo gehört, dass ein Terrorist Gasflaschen mit Etiketten beklebt hatte, die sie als Saft kennzeichneten. Gute Idee für einen Massenanschlag, aber wer ohne Handschuhe beklebt wird halt schnell mal eben vom nächsten Besuch mitgenommen. Aus langer Weile gab ich meinem kleinen Bruder ein Zeichen, dass ich mich in den Seitenstraßen umsehe. Er gab mir ein „Verstanden"-- Zeichen zurück, weshalb ich mich aufmachte meiner kleinen Idee nachzugehen. Ich zeigte dem Heli, der über den Häusern flog das Gleiche, indem ich mit einer Hand eine Welle andeutete. Jack, der Pilot, gab ein kurzes Signal durch. Also hatte er verstanden. Daraufhin ging ich zur Treppe, rannte den ersten Abschnitt, bis ich mich dazu entschloss einfach das Geländer runter zu rutschen. Nach einem Absturz von 25 Metern schwor ich mir dann nie wieder ein offenes Geländer als Rutsche zu benutzen und humpelte zum Ausgang des Wohnhauses. An der Stelle fragt man sicher, wer ein 25 Meter hohes Treppenhaus baut. Oder besser, wer ich bin der so einen Sturz ohne Schaden überlebt; und ja das Humpel war nur zum Ausdruck gebrachter Selbstmitleid. Ich bin, wie man sich schon denken kann, kein Mensch. Aber es ist mein Vermächtnis wie einer zu denken und zu handeln. Das „und" hervorgehoben, da es welche wie mich mehr als hundert mal gibt, aber den meisten das Handeln verwehrt bleibt. Ich bin keine Art von Lebewesen. Meine Existenz ist absolut virtuell, was einem jedoch nicht so vorkommen mag, da ich wie gesagt handeln kann. Bringen wir´s auf den Punkt: Ich bin eine KI. Eine künstliche Intelligenz-- eine menschliche künstliche Intelligenz. Humanity Artificial Intelligenz. HAI, ohne Fisch aber der Fähigkeit zu denken und nach meinen Interessen zu handeln. Eingesperrt in einem Körper aus Stahl, der meinem Ich Freiheit verleiht. Aber Freiheit hat den Preis der Gebundenheit, welcher mich an meine Aufgabe einer Kampf-- KI bindet. Und so komme ich hier her. Auf eine festlich Veranstaltung welche durch mich und ein paar andere völlig ohne Zwischenfälle ablaufen soll. Nur leider hat sich bereits im Voraus ein Terrorist angekündigt. Oh, hab was vergessen: Ich heiße 224, freut mich Sie, dich oder wen auch immer kennen zu lernen.

    Ich lief also durch die Gasse, die mich direkt zu Menschenmasse brachte. Bevor mich jemand sah, stellte ich meine Holotarnung ein, die mich aussehen ließ wie etwa zwanzig, kurze, dunkle Haare und ziemlich schmächtig. So drängelte ich mich durch eine Masse von jubelnden Menschen, die gar nicht an eine unsichere Lage denken konnten, so beeindruckend war die Veranstaltung für sie. Gerade, als mir jemand auffiel kam ein Spruch durch mein eingebautes Kom. „Hier 227. Kannst du mich hören?", knisterte es von meinem linken Unterarm. Ich stellte auf Stumm, leitete das Signal in meinen Kopf und begann mit Kommunikation über Gedanken, weil die ja auch nichts anderes waren als Signale. So sendete ich an den kleinen Bruder zurück: „Ich glaube ich hab ihn auch. Fünfte Straße von dir aus links, groß, graue Jacke, darunter ne´ Railpistole."
    „224, ich glaube du hast eben 228 entdeckt du Trottel! Nein, ich meine dritte Straße rechts.", antwortete mir 227, der kleine Bruder. Der Mann mit der schrulligen alten Jacke nickte mir zu. Ich wieder an 227: „Und wie soll ich über die Straße kommen, Witzbold?"
    „Is´ nich´ mein Problem. Du bist unten. Ich sag Jack bescheid."
    „Na toll! Und ich werd´ hier im Stich gelassen!"
    „Keine Sorge, ich mach das schon.", erklang plötzlich 228´s Stimme in meinem Kopf. Kaum hat er das gesagt macht er auch schon los. Er zog seine Waffe, zielte auf mich und rief: „Haltet den Dieb!", woraufhin sich alle um mich herum zerstreuten und zur Seite traten. Vielleicht nicht originell aber wirkungsvoll. So wurde nur der schmächtige vom Bullen über die Straße gejagt und das reinste Chaos brach los. Alle rannten mir aus dem Weg und fanden als Masse wieder hinter mir zusammen. 228 verschwand in der Menge und ich rannte auf unser Opfer zu. Dieser sah mit Schrecken, dass man ihn aufgedeckt hatte und rannte los. Blöderweise war ich viel zu weit weg. Ich sprang über die Absperrung auf die Straße, rannte dem einen der Umzugswagen entgegen, sprang nach oben, hielt mich an der Kante fest, zog mich rauf und kletterte der nachgeahmten Statue unseres Präsidenten hinauf, von dessen Kopf ich mitten ins Getümmel sprang meinem Ziel hinterher. „227, brauche Unterstützung, schneid ihm den Weg ab, schnell sonst entkommt er!"

    Als 227 das hörte gab er Jack ein Zeichen und dieser kam mit dem Heli an die Hauskante geflogen. 227 rannte auf den Heli zu, sprang und hielt sich an einer der Landestangen der Flugmaschine fest. „Jack! Drüben, andere Hauptstraße, dritte quer!", schrie er über den Lärm hinweg, woraufhin Jack zum gennanten Platz flog. Während des kurzen Fluges meinte 227 am Horizont Punkte wahrzunehmen, die ihm zuvor nicht aufgefallen waren. Aber zum scannen war keine Zeit. Als Jack über der Querstraße flog ließ sich 227 einfach fallen. Zu seinem Unmut musste er feststellen, das er noch ein Stück in Richtung des gegenüber liegenden Gebäudes fiel, weshalb er ziemlich lautstark dessen Hauswand hinunterbretterte.

    Ich sah 227 vor unserem Freundchen landen. Der Anblick eines Clowns, der von über hundert Metern problemlos landete, ohne Fallschirm oder Schaden war dem dann offensichtlich doch etwas zu viel. Er schrie einmal grausam grell und schlug den Weg in das linke Gebäude ein. Dafür musste er das Schaufenster, genau wie seinen Weg einschlagen. Blödes Wortspiel. Dann rannte er zum Treppenhaus, 227 und ich hinterher, wobei wir alle drei den ganzen Menschen ausweichen mussten, die kaufwütig wie sie waren, partou nicht aus dem Weg gingen. Unser Kumpel rempelte alle um, wir andern beiden wichen gekonnt aus. Leider wa er schneller, und so ging unsere Verfolgungsjagd bis hoch aufs Dach. Als 227 und ich oben ankamen, sahen wir 228 vor dem Terri stehen. „Wie kommst du hier hoch verdammt?", rief 227. 228 zuckte mit den Schultern und antwortete: „Als ich euch hier rein rennen gesehen hatte bin ich hinterher."
    „Aber wie kommst du so schnell hier hoch?"
    „Fahrstuhl."
    „Wie? Mit dem..."
    „Sie sind bereits hier!", rief unser kleiner Terrorist mit triumphaler Stimme. „Sie sind hier und ihr könnt nichts mehr retten!"
    „Hey, du halt bloß die Klappe, wir haben uns eben unterhalten!", erklärte 227. 228 hob den Kopf: „Hört ihr das?"
    „Ja, das is´ Jack´s Heli."
    „Nein, ich meine das andere."
    „Das Geschrei der Leute, oder...?"
    Auf einmal krachte es laut und eines der Hochhäuser vor uns begann zu wanken. Staub rieselte auf uns herunter. „Bloß weg hier! So ne´ Scheiße aber auch, das Gebäude stürzt ein!", schrie 227. Auf einmal kamen mehrere Helikopter um das eben erwähnte Gebäude und unser Gefangener rief mit heiserem Jauchzen: „Sie sind hier und mich werden sie verschonen, weil ich ihnen half! Und ihr werdet sterben!", als dann auch schon die ersten Raketen in unser Einkaufshaus rasten und es sich in eine ungute Schieflage bewegte. Unser Freund verlor das Gleichgewicht und fiel, aber das war unser geringstes Problem war, dass über uns ein Haus einbrach und das Haus auf dem wir standen genau diesem entgegen rutschte. „Lauft!", schrie 228 und wenn der schrie, hatte es seine Gründe. Also rannten wir gemeinsam ein immer schräger werdendes Dach entlang, bis dieses fast senkrecht stand. Wir sprangen auf die Fenster des Hauses und rannten immer weiter. Dann kam Jack mit seinem Heli vorgeflogen und Jinkins öffnete uns den kleinen Frachtraum für Passagiere, doch wir mussten erst mal bis da hin kommen. Dummer Weise eröffneten die feindlichen Helis hinter uns noch mal das Feuer. Überall neben uns rasten Raketen ins Haus und die Glassplitter und Betonbrocken flogen uns um die Ohren. Dann flogen die Helikopter weiter und ließen alles andere außer Acht. Noch während wir rannten fielen um uns herum erste Glassplitter, von dem viel zu schiefen Gebäude über uns, überall auf die Scheiben. Viele brachen. Am Heli angekommen sprang erst 227 irein, dann ich und zum Schluss 228, der sich noch mal umsah. Das Gebäude über uns brach nun und der obere Teil fiel auf genau die Stelle, die wir die ganze Zeit gelaufen sind. „Was meinst du wie viele umgekommen sind?", fragte ich 228. Er sah mich an. „Du meinst wie viele umkommen."
    „Völlig egal.", meinte 227, „Unser Auftrag ist gescheitert."
    „Völlig egal? Es sind auf einen Schlag tausend Menschen umgekommen, wenn nicht noch mehr!", protestierte ich. Wie konnte er so einfach darüber hinweg sehen? „Ich glaube wir haben bereits einen neuen Auftrag.", sagte 228 und deutete nach draußen auf eine weitere Staffel Helikopter, die anscheinend Truppen absetzten. Ich schaute ein wenig weiter in die Ferne und konnte eine Art Welle erkennen, die aus den angreifenden Helikopter bestand. Vor ihnen gingen die Häuser in Rauch ein, wie Butter in einer heißen Pfanne. „Wie wollen wir die alle aufhalten?", fragte ich. 228 nickte und wandte sich an Jack: „Fliegen Sie uns nach Vega City! Wir führen einen Rückschlag durch!"
    „Aber wir brauchen hunderte Männer! Wir können unmöglich den Generalstab überreden!", rief 227 und lud seine Waffe durch. Zwei Helis hatten die Verfolgung aufgenommen. 228 schüttelte den Kopf. „Ach, 227! Weißt du überhaupt etwas über meine Fähigkeiten?"
    Dann lud er seine Waffe ebenfalls durch. Ich drehte mich zu Jinkins um und gab ihm ein Zeichen. Er zog das Scharfschützengewehr aus der Halterung und warf es mir zu. Schon lud ich nach und entsicherte. Wir drei nickten uns zu und die anderen Beiden sprangen aus den Öffnungen, hielten sich an den Landestangen fest und eröffneten das Feuer auf unsere Verfolger. Die wiederum schossen nun mit Gattlings und Raketen auf uns. „Jetzt!", schrie 227 und er und 228 schossen auf die Raketenköpfe und brachten diese so zum explodieren. „224, du bist dran!", brüllte 228 und die Zwei schwangen sich wieder in den Innenraum. Ich beugte mich vor und visierte an. Dann schoss ich die Piloten der Helikopter einfach in ihren Cokpits ab, sodass unsere Freunde einfach nach unten trudelten und abstürtzten. Ich lehnte mich wieder nach innen. „Das sind keine Terroristen, oder?", fragte Jinkins. Ich zuckte mit den Schultern. „Allenfalls gut vorbereitete. Ich meine, wer ist sonst in der Lage ganze Städte in Brand zu setzen?"
    „Wir zum Beispiel.", bemerkte 227. Wir sahen ihn an. „Ich mein ja nur. Schließlich sind wir nicht nur Menschen."
    „Was heißt hier nur?", empörte sich Jinkins. Dann lachten wir alle. Das war vielleicht nicht der Situation angemessen, aber mit Sicherheit eines der wenigen Dinge um sie zu verarbeiten, während wir ein brennendes Feld hinter uns ließen und die Schreie der Sterbenden auszublenden versuchten. Sie verfolgen mich immer noch und noch viele mehr.

    1. Kapitel: „Unter Vorbereitung"

    24. März 3567 nach Terra
    10:00 Uhr nach Vega
    Vega City

    „Ha! Anfänger!", rief 227 und wich gekonnt den Schlägen von 229 aus. 229 war der Neue und nach Angaben von Hawker auch der Letzte. Die Puste war raus. Ich schaute zu, wie 227 einfach von links nach rechts auswich und 229 krampfhaft versuchte ihn zu treffen. Ohne Erfolg, da 227 bei weitem mehr Erfahrung besaß und die Kampfstrategien neuer Gegner fast sofort durchschaute. Besonders jemand wie 229, dessen Erfahrungswerte gegen Null waren, hatte gar keine Chance. Abgesehen davon war er fast zwei mal so groß wie 227, was die ganze Sache noch erschwerte. Der Stil 229´s war dem von 228 und mir nachempfunden, was uns alle drei sehr ähnlich machte, wobei 227 in seinem Clownsaufzug sofort herausstach. Ich sah unserem Neuen an, dass er eine zurückhaltende Person war weshalb ich ihm zurief: „Na komm schon! Hau ihm so richtig in die Fresse, er hat´s verdient!"
    227 wollte sich soeben empören, kam jedoch nie dazu, da ihn 229 just in diesem Augenblick voll in den Bauch traf und 227 so mit ordentlich Schwung durch die Luft flog. Wir trainierten draußen, auf einem Platz, der extra für uns hergerichtet worden war und welcher zu Schießübungen ebenso von der Armee genutzt wurde. Da gerade niemand etwas zu tun hatte, schauten ziemlich viele mit zu. Auch Doktor Hawker, unser Erbauer und so eine Art Vater für uns. Wir lehnten alle am Geländer und beobachteten den ersten Kampf von 229. Neben mir bekam sich Jinkins kaum noch vor Lachen ein. 227 und er kannten sich noch aus ihrer Ausbildungsphase, weshalb die Beiden zusammen gehörten wie Hammer und Amboss, oder Apfel und Pferd. Wenn einer einen Auftrag hatte, dann nie ohne den anderen da mit rein zu ziehen. 229 erfreute sich soeben an seinem Sieg, als 227 aufstand und auf den Turbomodus stellte. Eine ziemlich hässliche und unfaire Funktion, die verdammt viel Energie fraß, aber in Notsituationen absolut unvergleichlich nützlich ist. Zwar war das hier keine Notsituation, aber es war ja das Ziel 229 an seine Grenzen zu bringen. 227 stellte sich in eine sprungbereite Haltung und rief 229 zu: „Hey! Neuling! Wie gefällt dir das?"
    229 drehte sich wie alle anderen um und erblickten eine dampfende KI, die so aussah, als hätte sie sich eben Luftballons in den Klamotten auf gepustet um den Anschein eines Muskelprotzes zu erwecken. Tatsächlich aber hatte 227, die dafür vorgesehenen, Luftpolster gefüllt und ließ die Luft mit einem Stoß austreten. Stand er eben noch im Staub, raste er nun auf 229 zu und ballerte Luftstöße auf diesen. Der Arme wurde herum geworfen, während 227 um ihn herum raste und aus allen Richtungen Luftstöße und Faustschläge auf ihn niederfahren ließ. Plötzlich stand er direkt vor 229 und legte ihm die Hand auf den Brustpanzer. „Verdammt, was ist das zum Teufel?", schrie 229, als sich 227 Arm mit Luft füllte. „Asta la vista, Baby!", sagte 227 und ließ 20 Tonnen komprimierte, heiße Luft auf einen Schlag durch seine Handfläche austreten. Der Neue wurde wie eine Puppe durch die Gegend geschleudert, ohne sich irgendwie verteidigen zu können. Hawker nickte 227 zu, dieser nickte zurück und stellte auf Stand-By. Da stand er nun, völlig regungslos. „Räumt ihn bitte zur Ladestation.", bat der Professor zwei Soldaten, die dem sofort nachgingen. Während sich die Zuschauer überall hin verstreuten, lief ich zu 229, der im Staub lag und in den Himmel starrte. „Hast dich wacker geschlagen."
    „Ich habe doch verloren. Wie kannst du das da sagen?", fragte er mich und drehte den Kopf in meine Richtung. Ich nickte. „Tja, ein guter Kampf muss nicht immer gewonnen sein. Aus Niederlagen lernt man mehr."
    „Wie zum Beispiel ich jetzt gelernt habe, dass ich kleine Leute niemals unterschätzen sollte."
    „Nein, das solltest du tatsächlich nicht, da du sowieso größer bist als alle anderen hier."
    Das war er wirklich. Mit 2,50 Metern war er 50 Zentimeter größer als 228 und Jack, die mit ihren zwei Metern einiges her machten. „Wie soll man so kleine Leute eigentlich besiegen? Ich meine, man trifft sie fast nie. Das ist unmöglich!", beschwerte sich 229. „Erzähl das mal 228. Der wird sich vor Lachen kaum mehr einkriegen."
    „Was? Wieso das?"
    „Der hat seinen ersten Kampf ebenfalls gegen 227 durchgeführt..."

    Es war ein so herrlicher Tag. Strömender Regen, kein Auftrag und einfach nichts und wieder nichts zu tun. 227 ließ einen kleinen Ball um seine Hand rollen, was irgendwie magisch anmutete. Dabei berechnete er nur genau, wann die Gravitation zum Fallen des Balles führen würde und drehte die Hand um genau das zu verhindern. Ich ließ einen Stift in den Fingern drehen und versuchte die maximale Umdrehungsgeschwindigkeit zu erreichen. Blöd nur, dass der Prof. eben in dem Moment mit einer seltsamen Gestalt herein trat, als der Stift mir aus der Hand flog und die seltsame Gestalt am Kopf traf. Wer auch immer es war, hatte soeben einen Bleistift mit einer Geschwindigkeit von 300 Metern pro Sekunde gegen den Kopf bekommen. Das der Bleistift jetzt kaputt war stand fest. 227 warf den Ball in die Höhe, ließ ihn über seine Schultern rollen und fing ihn geschickt mit der anderen Hand auf. Wir beide wussten, dass es der Neuling war, der so überraschend aus dem Raum geflogen war, wie er herein kam. 228 war sein Name. Keiner von uns Zweien hatte irgendwie Interesse daran jemand Neuen ausbilden zu müssen. Ich hatte das jetzt schon drei mal gemacht und nie wurde es einfacher. 225 kann ich immer noch nicht leiden und umgekehrt. 226 hatte sich immer nur auf seine Stärke und Größe verlassen, was ihm dann auch das Leben kostete. Und 227 war auch nicht gerade einfach gewesen. Er hatte mir dann ein wenig mit 225 geholfen, der nach seinen ersten richtigen Schwierigkeiten dann zumindest auf mich hörte. Ja und jetzt ein Neuer. Ich ging auf ihn zu und hielt ihm die Hand hin. Er ergriff sie und ich zog ihn wieder auf die Beine. „Entschuldige, war nicht mit Absicht.", sagte ich und ging wieder auf meinen Platz zurück. Der Dok hatte wohl bemerkt, dass meine Laune nicht wirklich einer guten entsprach und stellte uns schnell vor: „227, 224, deine neuen Mentoren. Das hier ist 228, seid nicht so hart zu ihm.", und schon machte er sich aus dem Staub. Wenn ich schlechte Laune hatte machte er das immer, weil Diskussionen keinem von uns gefiel. Also gingen wir uns einfach aus dem Weg, bis sich die Laune besserte. Ich nickte 228 zu, stand auf und ging an ihm vorbei. In der Tür blieb ich stehen und sagte: „Punkt zehn in der Übungshalle. 227, du auch."
    „Geht klar.", bestätigte 227 und begann wieder mit dem Ball zu spielen. 228 sah mir fragend hinterher. Dann wandte er sich an 227: „Wo ist die Übungshalle?"
    227 zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung."
    „Was, aber wie... Hä?"
    „Es gibt keine Übungshalle."
    „Aber warum hat er gesagt, dass wir uns dort treffen?"
    „Du sollst einen geeigneten Ort finden. Da Punkt zehn schon durch ist, bedeutet das, dass du zu jeder Zeit an irgendeinem Ort mit mir trainieren sollst."
    „Aber warum spricht er in Rätseln?"
    „Damit du ihm nicht hinterher läufst. Er will seine Ruhe."
    „Gut, ähm... Und wo gehen wir trainieren?"
    „Das sollst du entscheiden."
    „Dann treffen wir uns... Punkt zehn im Trainingsraum.", sagte 228 und lief los. 227 rannte direkt hinterher. Als die Beiden um die Ecke rannten, brachte ich 228 mit einem geschickten Tritt aus dem Gleichgewicht und packte 227 am Brustpanzer. Er legte den Kopf schief. „Und jetzt?", fragte er mich hämisch, während das Messer vor meinem Hals schwebte. „Du solltest mit 228 trainieren."
    „Wir wollten eben los legen."
    „Aber die Grundkenntnisse müssen erst einmal in der Theorie erläutert werden. Was wäre, wenn das Gebäude angegriffen worden wäre, ohne dass ihr es wisst?"
    „Dann... Tja."
    „Dann wärt ihr dem Feind in die Arme gelaufen. 228 steh wieder auf und geht langsam, wohin ihr auch wollt."
    „Und was machst du jetzt?", fragte mich 227 und drückte mir das Messer an die Kehle. Ich drehte meine Hand und 227 wurde herumgerissen, während das Messer durch die Luft flog. „Ich gehe zum Hauptquartier. 225 müsste von seinem Auftrag zurück sein. Und du solltest mit 228 etwas ernster umgehen. Schließlich hat er noch nie gekämpft."
    „Ha! Aber ich hab dich in der Falle!", rief 228 triumphierend, wie ein kleines Kind. Er hielt mir 227´s Messer an den Rücken. Mit einer schnellen Umdrehung und einigen komplizierten Manövern hatte ich dann wiederum 228 im Schwitzkasten. Dann streckte ich meinen Arm aus, 228 wurde herumgewirbelt und landete auf dem Boden. Ich warf 227 sein Messer zu und nickte. Er nickte zurück und hatte wohl verstanden. 228 hatte noch viel zu lernen. Als ich mich auf den Weg machte um 225 in Empfang zu nehmen, machten sich 227 und 228 einen Spaß daraus, durch die Gänge zu streifen und nicht entdeckt zu werden. Dann kamen die Beiden hinaus auf den Platz vor dem Energie-Groups-Gebäude. Es hatte aufgehört zu regnen und der Stern erleuchtete alles schimmernd. 228 genoss den Anblick. Er begann das Leben als solches zu schätzen. „Los, komm! Jetzt kämpfen wir mal ordentlich!", meinte 227 und lief die Treppen zum Platz hinunter. 228 nickte und ging 227 hinterher. Dann stellten sich Beide gegenüber. 227 nahm eine Kampfpose ein, weshalb ihn 228 mit Neugier betrachtete. Dann nahm er selber eine ein. Die Tatsache, dass es eine andere war, hätte 227 beunruhigen müssen. Der Dok, der soeben aus dem Gebäude kam, bemerkte diese Anomalie jedoch sehr wohl. „Drei, zwei, eins... Los!", rief 227 und sprang auf 228 zu. Dieser schnappte dessen Faust jedoch aus der Luft und drehte sie in seiner Hand, was 227 zu Fall brachte. Er stand sofort wieder auf und breitete die Arme aus. „Komm schon! Schlag mich doch mal!", provozierte er 228. Dieser begann sofort damit und ließ einen Schauer an Schlägen auf 227 niederprasseln. Doch kein einziger traf. 227 wich gekonnt aus und war sogar in der Lage selber noch zurück zu schlagen. 228 konnte jedoch ebenfalls allen ausweichen. Der Kampf wurde immer heftiger. Keiner von Beiden traf, jeder wich aus. 227 legte einen Hintersalto hin und landete auf der Statue irgend eines Menschenhelden, die den Mittelpunkt des Platzes darstellte. Er zog zwei Messer und rief: „Na komm schon rauf, Frischling!"
    Ich kam eben mit 225 vom HQ und wir wollten soeben den Platz passieren, als wir den ganzen Lärm hörten. „Wer is´ das?"
    „Der Neue."
    „Und was macht der da?"
    „Sich mit 227 anlegen."
    „Der is´ gut."
    „Ja, das glaub ich auch.", beendete ich unser kleines Gespräch, als 228 die Statue hinauf sprang und den Kampf fortsetzte. Zuerst entwaffnete er 227 und dann schubste er ihn runter. 227, so wie ich ihn kannte, gefiel es ganz sicher nicht, von einem Anfänger besiegt zu werden. Und wie zu erwarten, aktivierte er den Turbomodus. 228 sprang von der Statue, ohne zu wissen, was auf ihn zukam. Aber ich sagte nichts, da er selber lernen musste. Als er dann vor 227 stand, bemerkte er wohl, dass dieser sein Aussehen veränderte. Er stellte sich wieder in seine Kampfpose. Ich erschrak fürchterlich, als ich das sah. Normalerweise nahmen Frischlinge immer die Kampfposen ein, die sie bereits gesehen hatten. Erst später entwickelt sich eine eigene. Aber bei 228 war das anders. Seine Kampfpose hatte ich noch nie zuvor gesehen. „Hey, kann´s sein, dass er dich nachahmt?"
    „Was? Wie... Aber."
    Ich verstand. Diese Kampfpose hatte ich noch nie gesehen, weil ich sie immer annahm. In dieser Pose konnte man alle Arten von Angriffen aus allen Richtungen sehr gut ablenken. Das hatte er wohl erkannt, als ich ihn und 227 besiegt hatte. Sein Kampfstil war auch meinem sehr ähnlich. Jedoch erkannte ich Elemente von 227 darin. Anscheinend war 228 jemand der sehr gut und sehr schnell lernte. Selbst als 227 ihn dann im Turbomodus angriff, bewahrte er Ruhe und wich gekonnt allen Schlägen aus. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Der Ausweichstil entsprach dem von 227, welchen er jahrelang eingeübt hatte. 228 imitierte diesen einfach. Er hatte sich im Laufe dieses Kampfes alles, was 227´s Kampfstil anbelangte gelernt und verarbeitet, wodurch er für diesen unangreifbar wurde. „227, du hast verloren, das solltest du mittlerweile bemerkt haben!", rief der Dok. Er erkannte so etwas aus Erfahrung. Ich schon eher aus Berechnung. Trotz all dem was der Dok sagte, und er erklärte ausführlich was er an 228 verbessert hatte, konnte 227 seine Niederlage nicht eingestehen. Und plötzlich kippte er um. Seine Energiereserven waren aufgebraucht.

    „... Und so gewann 228 schließlich gegen 227."
    „Wieso konnte ich das nicht?"
    „Weil 228 allein schon eine sehr große Gefahr darstellt. Er ist vollkommen selbstständig. Wenn er wollte, könnte er der Untergang der Menschheit werden. Aber er ist vernünftig, doch eine weitere KI dieser Stärke wäre zu riskant gewesen. Aber du besitzt einige technische Vorteile sagte der Dok."
    „Wer ist der Dok?"
    „Oh! Stimmt, du kennst ihn nicht unter diesem Namen. Ich meine Professor Hawker. Er repariert uns, wenn wir kaputt gehen. Deshalb nennen wir ihn Dok."
    „Ah, klar. Ähm, könnten wir mal gegeneinander kämpfen?"
    „Was? Nein. 227 ist nicht umsonst unser Versuchskaninchen. Ich bin alt, 229. Mein Körper ist dir technisch so unterlegen, dass ich keine Chance hätte."
    „Dann würde ich aber mal gewinnen."
    „Das wirst du noch, aber Niederlagen sind unumgänglich für Frischlinge."
    „Dann muss ich dich zu einem Kampf zwingen!"
    „Leg´s nicht drauf an.", warnte ich ihn. Zwar war meine Technik tatsächlich unterlegen, aber selbst 228 hatte seine Probleme mit mir. Aber 229 war auf einen Sieg aus. Er stand schnell auf und ließ den ersten Schlag auf mich niederfahren. Ich blieb an Ort und Stelle stehen. Er hatte damit gerechnet, dass ich ausweichen würde. Genau deswegen tat ich es nicht. Frustriert schlug er auf mich ein. Ich blieb stehen. Jeder Schlag ging daneben. Er konnte mich nicht treffen, aber er wusste nicht warum. 228 kam eben vorbei und lehnte sich an das Geländer. „Na, versucht er´s wirklich?", fragte er fröhlich. Ich zuckte mit den Schultern. „Anscheinend ja."
    „Weiß er es noch nicht?"
    „Anscheinend nein."
    „Und anscheinend bist du nicht darauf aus es ihm zu erklären."
    „Anscheinend nicht."
    „Verdammt!", schrie 229 wütend. Er hörte auf mit seinem Gefuchtel. „Warum treff´ ich nicht?"
    „Das liegt an der Führungsmatrix.", erklärte 228. „224 wurde vom Dok zu dem gemacht, der uns KI beeinflussen kann. Alles was wir machen, kann er geringfügig beeinflussen. Hast du eigentlich schon diese Idee mit dem Ton probiert?", fragte er mich. Ich schüttelte den Kopf. „Is´ zu kompliziert. Ich müsste bestimmte Tonfrequenzen abspielen, die meine Stimmbänder nicht her geben."
    „Ach stimmt ja, du funktionierst ja noch mit Stimmbändern."
    „Was? Worüber redet ihr eben?"
    „224 und ich hatten die Idee die Signale der Führungsmatrix in Töne umzuwandeln, um ihren Effekt auf Menschen zu übertragen."
    „Ich versteh nur Bahnhof."
    „Die Führungsmatrix gibt mir die Fähigkeit eure Aktivitäten geringfügig zu beeinflussen.", erklärte ich noch einmal. 229 nickte. „So viel hab ich auch schon verstanden."
    „Ja genau. Du hast eben versucht mich zu schlagen. Ich habe dir in den Kopf gesetzt ich würde ausweichen. Das habe ich aber nicht getan. Deshalb konntest du mich nicht treffen."
    „Und wir zwei hatten die Idee", setzte 228 fort, „diese Signale, die dabei gesendet werden in nicht hörbare Töne umzuwandeln, um auch Menschen beeinflussen zu können. Aber das funktioniert leider nicht."
    229 schaute uns verwirrt an. Dann sagte er zu mir:"Kannst du mir in den Kopf setzen, dass ich das verstehe?"
    228 und ich schüttelten die Köpfe. Was hatte der Dok sich dabei nur gedacht. Aber da mussten wir durch. Wir alle. Ich schaute auf und wendete mich an 228: „Dein Kommen war doch kein Zufall. Also, was gibt´s?"
    „Nen´ Auftrag. Wir sollen uns schon mal vorbereiten. Sag Jack Bescheid er soll den Heli klar machen und fünf andere informieren."
    „Was? Sechzig Mann? Wofür das?"
    „Wir erobern Boring City zurück. Dafür.", sagte 228 und ging. Ich sah 229 an und erkannte Freude in seinen Augen. Der erste Auftrag. Doch er wusste nicht, was ich wusste. Hatte nicht gesehen, was ich sah. Und ich wollte es ihm ersparen. „Du bleibst in Reserve. Komm, wenn wir dich rufen."
    Und schon war die Freude von ihm gewichen. Er sollte mir dankbar sein, aber so etwas konnte man niemandem klar machen. Weder Mensch noch KI. Ich lief los und ging mehrere Gänge entlang, bis in die Eingangshalle. Dort gab ich 225 und 227 das Zeichen, dass sie mir folgen sollen. Zu dritt liefen wir dann, als Menschen getarnt, zum HQ der vegenischen Armee. Im Flugzeughangar trafen wir dann Jack und Jinkins, die gegeneinander boxten. Der Boxkampf endete wie immer in einer Rauferei, zu deren Ende hin alle lachten. Die Soldaten, die um die Beiden herum standen schauten ziemlich komisch, als drei Teenager durch die Tür kamen. „Jack, mach sechs Helis klar! Einen für die Reserve. Der soll 229 mitnehmen. Das is´ der Neue."
    Jack nickte und stand sofort auf. Jinkins tat es ihm gleich, klopfte seine Sachen ab und ging zu 227. Wir hoben unsere Tarnung auf und liefen zum Waffenständer. Ich nahm meine persönliche Railpistole und eine MP. Dann hängte ich mir einen Gürtel über die Schulter, an dem ich alles fest machte, hob mein Scharfschützengewehr aus der Halterung und ging zu Jack Heli. Ich hakte das Gewehr in die Vorrichtung, drehte mich um und auf einmal stand 227 mit zwei Händen voll Granaten vor mir. „Die werden wir brauchen.", sagte er und drückte sie mir in die Hände. Dann hob er seinen Granatwerfer in den Helikopter, befestigte eine Gattling an jeder Seite und hob zwei Raketenwerfer in den Innenraum. Ich schleppte derweil C6 heran und weitere Scharfschützengewehre. Dann überprüfte ich alles noch mal und ging zu unserem Team. Das bestand aus 227, 225, Jinkins (unser Superheld der mit 227 den meisten Mist hinbekommt), Sacrifice (ziemlich ruhig, gefasst und ein besserer Scharfschütze als ich), Skript (ein Schreiberling, Träumer, usw.), Hawker (der nicht mit dem Dok verwandt war aber dennoch den Sanitäter in unserer Truppe war, liegt vielleicht am Namen oder so), Grotz (Schwere Waffen, Granaten und Sprengstoff, eben alles was Spaß macht), Sleep (keine Ahnung warum, aber er schläft fast nie, eine super Wache), Shy (der Frauenheld der sich an wirklich jede ran macht) und Past (unser Truppenführer). Und zu guter letzt Jack, unser Flugheinz. Wir nickten uns gegenseitig zu, wie jedes mal bevor es losging. Unsere Art sich voneinander zu verabschieden, denn es könnte jederzeit zu spät sein.

    2. Kapitel: „Keine Terroristen"

    24. März 3567 nach Terra
    16:47 Uhr nach Vega
    Kurz vor Boring City

    Die sechs Helikopter rasten dem Trümmerfeld einer ganzen Stadt entgegen. Wir folgten dem High Way unter uns, welcher etwa ein Kilometer vor der Stadt den ersten Abbruch aufwies. Niemand von uns hatte den Anblick erwartet der sich nun bot. Es standen nur noch wenige Gebäude der Downtown, der Rest lag in Trümmern wie eine Mauer darum herum. Es hatte seinen strategischen Wert, da man nie in so kurzer Zeit so riesige Wälle hätte errichten können, die ja obendrein noch durch die vielen Metallstreben, Stahlseile und Sonstiges, einige Fallen aufwiesen. Jack drehte mit den anderen im Schlepptau nach links ab und wir umflogen den Trümmerwall bis zu unserem abgemachten Absprungspunkt. Ich stand auf und gab Jack das Zeichen zum Drehen, was er auch sogleich tat und nebenbei noch die Lukentür öffnete. Eiskalter Wind wehte mir entgegen, als ich mich an die Seite es Einganges stellte und mein Scharfschützengewehr klar machte. 227 und die anderen, außer Sacrifice der wie ich sein Scharfschützengewehr vorbereitete, machten sich zum Absprung bereit. 227 nickte mir noch schnell zu, dann warf er zwei Hände voll Rauchgranaten nach unten und sprang direkt hinterher. Einer nach dem anderen folgte ihm. Sacrifice nickte mir ebenfalls zu, endsicherte seine Waffe und schaute zur Downtown hinüber. Er, wie auch ich, erkannten in der Ferne die ersten Helikopter die zum Abfangen in unsere Richtung schwebten. Wir beide gaben uns noch mal die Hand, ein Ritual bei welchem die Zählerei offiziell begann um Unfairness oder Frühstart zu verhindern. Sobald wir wieder losließen zielten wir auf die Kogpits der feindlichen Helis und begannen zu schießen. Wir waren natürlich sehr bedrückt, als wir bemerken mussten, dass unsere Schüsse einfach abprallten. Wir schossen hintereinander weg, ebenso die Scharfschützen der anderen Gruppen, aber es schien einfach nicht zu wirken. „Verdammt! Das sind doch keine normalen Terroristen!", bemerkte Sacrifice laut, und sprach damit nur die Gedanken aller anderen Scharfschützen aus.

    227 landete kurz nach der ersten Explosion der Rauchgranaten. Er schwebte mit dem Fallschirm hinein und kappte dann einfach die Seile. Er stellte auf Wärmebildkamera und sah sich um, aber es ließ sich kein Feind blicken. Als neben ihm die anderen landeten und sich bei Past wieder formierten war jedoch eine Veränderung zu bemerken. Seltsame Inteferenzen störten das Funksignal. 227 führte dies auf die vielen Gebäudeteile um sie herum zurück, da sich ja überall Handys oder ähnliches befinden konnten. Past erklärte noch einmal schnell den Plan und dann ging es los. Durch die Gebäudetrümmer rückten sie weiter in Richtung Downtown vor, deren Hochhäuser wie Grashalme in die Höhe schossen. Als die Acht dann eine Art Platz betraten, erkannte er, dass er diesen schon einmal gesehen hatte. Es war der Platz auf welchem sie vor einem Tag noch nach Selbstmordattentätern gefahndet hatten. Der Anblick war schrecklich, wenn man ihn mit damals verglich. Mit Gestern. An einigen Stellen konnte man noch die Körper von Menschen erkennen, die Schlaff aus den Gebäuderesten hingen oder auf dem Platz verteilt lagen. Männer, Frauen und Kinder. Tausende, die ihr Ende in den Flammen oder zusammenbrechenden Gebäuden gefunden hatten. Es kamen zwei andere Teams aus den Trümmern, was fast zu einer Schießerei zwischen Verbündeten geführt hätte. Zum Glück hatte man sich schnell genug untereinander erkannt um dem vorzubeugen. Als sich dann alle etwa in der Mitte des Platzes zusammenfanden, wurde kurz alles erläutert. Das genauere Vorgehen wurde noch einmal abgesprochen, Aufgaben verteilt und ein Sanizelt eingerichtet. Nach und nach entstand ein kleines Lager. Mitten in der Arbeit wurde plötzlich der ganze Platz grell erhellt. Alle schauten nach oben. Einer der feindlichen Helikopter war über dem Platz explodiert. Dann rasten, wie aus dem Nichts aufgetaucht, drei weitere über den Platz und eröffneten das Feuer irgendwohin in Richtung Absprungsort. 227 erkundigte sich über das Komm: „224, alles in Ordnung mit euch?"

    Ich hörte die Frage gar nicht, so laut ratterten die Gatlings unseres Helikopters. Sacrifice und ich hatten keinen der Helikopterpiloten aus dem Kogpit schießen können, bevor diese in Schussreichweite ihrer eigenen Waffen waren. Jack flog mit Höchstgeschwindigkeit über das Trümmerfeld, in der Hoffnung unsere Verfolger abzuschütteln, jedoch war diese Aktion zum Scheitern verurteilt. Demnach hatten Sacrifice und ich das Feuer eröffnet, aber es waren einfach zu viele. Einen der feindlichen Helikopter hatten wir erst zerstört, zwanzig verfolgten uns mindestens noch. In kleinen Gruppen und guter Formation, mit sehr hoher Geschwindigkeit, rasten sie an uns vorbei, wendeten, kamen wieder zurück und hielten uns dabei unablässig unter Beschuss. Als eben ein Trio an uns vorbeiraste, zog ich schnell meine Railpistole und schoss durch das Kogpit eines Helis und der Kopf des Piloten löste sich in roten Nebel auf, während die Flugmaschine dem Boden entgegentrudelte. Die anderen beiden Helikopter drehten ab und formieten sich hinter uns noch einmal neu. Jack schrie irgendwas hinter und stand zu meinem Schrecken plötzlich neben mir. „Wer fliegt zum Teufel?", brüllte ich ihn an. Er zeigte mit den Händen, das niemand flog, sofern der Wind die Bewegung zuließ. „Sie haben uns erfasst! Hier, nimm und spring!"
    Er drückte mir einen Fallschirm in die Hände und sprang. Ich schaute zu Sacrifice und sah zu meinem Erstaunen keine Angst in seinen Augen. Nur Entschlossenheit. Er drehte sich wieder um und feuerte weiter mit der Gatling auf einen unserer Verfolger. Ich war nicht lebensmüde wie er und sprang. Zu spät bemerkte ich, dass ich meinen Fallschirm vergessen hatte umzuschnallen. Das musste ich jetzt im freien Fall erledigen. Bei hundert Metern über dem Boden konnte ich dann endlich mein Schirm öffnen. Mit viel zu hoher Geschwindigkeit krachte ich auf einen Stahlträger eines zerstörten Gebäudes. Ein sogenanntes „Ex-Gebäude"... Blöder Beitrag. Als ich mich dann aus den Leinen gefizzt hatte, warf ich das Riesenbündel Kunststoffplane vom Stahlträger. Ich schaute nach Sacrifice, aber mehr als einen brennenden, abstürzenden Helikopter konnte ich nicht erkennen. Ein kurzes Gebet vor mir hinmurmelnd wurde ich von hinten auf die Schulter getippt. Ich erschrak, drehte mich um und packte, wen auch immer, an der Kehle. Ich hielt 225 zwanzig Meter über dem Boden vom Stahlträger weg. „Verdammt, was machst du hier?"
    „Ich wurde als Unterstützung geschickt. 228 hat die Satelitenvideos als eindeutig aufgefasst. Wir haben es hier nicht wirklich mit Terroristen zu tun oder?"
    Ich stellte 225 zurück auf den Stahlträger und zuckte mit den Schulter. „Ich glaube wir haben´s hier mit Bewohnern irgend eines anderen Planeten zu tun. Zumindest passt die Hautfarbe nicht hier her."
    „Schwarze gibt es überall, du Rassist."
    „Nein, ich meine die weiße Hautfarbe ist anders. Mehr Bräune im Gesicht als echte Veganer."
    „Das hab ich gehört!", rief von unten Sergeant Paul mit warnendem Unterton. Er war der Truppenführer von 225´s Team, welches immer nur in Notfällen eingesetzt wurde. Das sah man auch an der Ausrüstung. Schwerste Rüstungen, Laserwaffen, Handrailgun´s, allerhand Granaten und Waffenaufsätze, von denen ich nur träumen konnte. Weniger sichtbar waren die besonderen Munitionstypen, es sei denn man war ein Feind, aber selbst dann sah man sie nur kurz oder gar nicht. Großteils war Spulenmunition geladen, welche unweigerlich durch alles hindurchdrangen. Es waren, wer hätte das gedacht, stromlinienförmige, beziehungsweise spulenförmige Geschosse, deren Form sie zu dem absolut hässlichsten Munitionstypen machten. Zumindest für jene, die davon getroffen wurden. Sie durchdringen das Gewebe und lassen einen ausbluten. Die Variante dazu war Explosivmunition, welche 225 mit Vorliebe in seine Handrail lud. Ich kannte das Team kaum, bis auf Sergeant Paul, 225 und Chris, ein Soldat der kurze Zeit in meinem Team dabei war. Er wollte aber schon immer das beste vom Besten, weshalb er nur für fünf Monate bei uns mitmachte. 227 konnte ihn nie leiden, ich mochte ihn mäßig, 228 hielt nichts von ihm, aber 225 war einer seiner wenigen Freunde, seit sie in einer Truppe waren. Die vorhin erwähnte Reaktion von Sergeant Paul war eine häufige, bei allen Vegenern. 227 und ich hatten uns zum Spaß darauf geeinigt von Veganern zu reden, stießen dabei jedoch auf sehr viel Widerstand und Abneigung. Aber es war schwierig sich so etwas abzugewöhnen, zumindest für mich. Sergeant Paul begrüßte mich dennoch herzlich, schließlich kannten wir uns schon seit wir Rekruten waren. Damals war noch 221 mein Mentor, bis er aus unerklärlichen Gründen verschwunden war. 222 existierte nie aus Aussprachegründen, zumindest sagte es der Dok so. Und 223 starb noch bevor der Dok begonnen hatte 225 zu bauen. Seitdem war ich der Mentor für alle folgenden KI. Zwar wusste es niemand, aber ich war nach all den Jahren immer noch auf der Suche nach 221 und hatte tatsächlich Spuren gefunden. Aber keiner glaubte mir, dass er noch lebte und keiner half mir bei der Suche, weswegen ich sie lange vor 226´s Erbauung größtenteils eingestellt hatte. Fand ich zufällig Hinweise auf seinen Verbleib, versuchte ich sie dennoch mit den anderen abzugleichen, aber mittlerweile gab es keinen Zusammenhang mehr. Irgendetwas war mir entgangen. Etwas wichtiges. 225 riss mich aus meinen Gedanken: „Hey, Schlafmütze, es wird Zeit aufzubrechen!"
    „Tut mir leid, aber ich muss Jack finden. Er ist hier sicher irgendwo gelandet, aber allein kommt er nicht durch. Bis später dann!", sagte ich und rannte los, bevor 225 widersprechen konnte. Er sah Sergeant Paul an, zuckte die Schultern und sie machten sich gemeinsam auf den Weg.´Ich kletterte eben ein Gebäudetrümmerhaufen hinauf, als ich laute Explosionen vernahm. Ich schaute zur Downtown, welche im Begriff war einzustürzen als das Artilleriefeuer auf die Türme niederregnete. In der Ferne der Tundra sah ich auch die Geschütze stehen. Das unverwechselbare Donnern der Kanonenrohre rollte über die weite Ebene und ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben sehr, sehr klein. Verdammt klein. Denn die Geschosse waren fünfmal größer als ich und wurden zwei Kilometer weit geschleudert, nur um beim Einschlag eine gewaltige Explosion zu verursachen. Der Anblick war unglaublich, sowohl im Guten, als auch im Schlechten, wenn man sieht wie siebenhundert Meter Stahlkolosse das Gleichgewicht verloren und im Regen der Geschosse einknickten. Unsere Gegner waren mit Sicherheit keine Terroristen, wenn 228 zu solchen Mitteln griff. Das hatte Gründe. Eine Niederlage war jetzt vollkommen ausgeschlossen. Ich versuchte mit 228 Kontakt über Kom aufzunehmen, aber irgendetwas störte die Verbindung. Beunruhigend, das stand fest. Besonders, dass ich keinen Kontakt mit Jack aufnehmen konnte. So hätte ich vielleicht eine Richtung vorgeben können, damit wir nicht aneinander vorbeiliefen. Doch ohne Kommverbindung ging gar nichts. Also machte ich mich auf die Suche nach ihm, in der Hoffnung die Nadel im Heuhaufen zu entdecken.

    Der erste Schuss krachte ganz in der Nähe in einen der Trümmerhaufen und eine Flut an Stahl-- und Glassplittern regnete auf das Sanilager herab. 227 rannte nach draußen und schaute sich um. Anfangs dachte er es wäre ein Fehlschuss der Artillerie gewesen, doch als die nächsten Schüsse angeflogen kamen, erkannte er, dass sie aus einer völlig falschen Richtung kamen. Mehrere Geschosse schlugen um den Platz herum ein, eines traf in die Mitte und sprengte alles auseinander. Fünfzehn Sekunden lang war alles still und der Rauch verdeckte jegliche Sicht. Dann aber verzog er sich und das reinste Chaos brach los. Überall hatten sich Feindeinheiten positioniert und eröfneten das Feuer auf die vegenischen Soldaten. Alle die nicht sofort erschossen wurden, rannten in die nächstbeste Deckung, in der Hoffnung nicht dem Kreuzfeuer zum Opfer zu fallen. 227 stand eben auf und sah noch die Granate auf ihn zufliegen, als er eine Eisenstange aufhob und das Geschoss zurückschlug. Drei der Feinde wurden von der Explosion der Granate erfasst, schossen jedoch unbeirrt weiter, da ihre Rüstungen sie anscheinend vor Feuer und Splittern schützte. Zumindest schienen sie unbeschadet. Frustriert zog sich 227 zurück, während er mit seinem Sturmgewehr einem der Feinde den Garaus machte. Mehrere Schüsse folgten dann und zerfetzten das Clownskostüm teilweise. Durch zu wenige Alternativen war 227 dann gezwungen eine Blendgranate zu werfen und warf zur Verwirrung noch eine Rauchgranate hinterher. Die Feinde, welche anfangs geblendet worden waren bekamen zwar ihr Augenlicht zurück, jedoch versperrte der Nebel immer noch jegliche Sicht. 227 rannte derweil vom Platz und wurde von Past in ein improvisiertes Versteck gelotst, der an dessen Eingang winkte. In diesem Versteck angekommen erkannte 227 seine Truppe und noch einige wenige der anderen. „Wer zum Henker sind die?", fragte Jinkins. Past zuckte mit den Schultern. Grotz meinte dann mies gelaunt: „Ganz sicher keine Terroristen."
    „Zum wie vielten Mal habe ich das jetzt schon gehört?", fragte einer aus der anderen Truppe. Mehr als ein Schulterzucken, Kopfschütteln oder an den Fingern abzählen konnte er jedoch nicht erwarten.

    228 war mehr als nur frustriert. Er konnte niemanden kontaktieren um den Rückzug anzuordnen. Allein die Idee die Downtown zu bombadieren war gewagt. Dass der Feind zurück schoss hatte er jedoch für unmöglich gehalten. Bis jetzt. Mittlerweile donnerten nicht nur die Abschüsse der Artilleriefahrzeuge, sondern ebenso die Einschläge der feindlichen Geschosse. Über dem ganzen Chaos ratterten obendrein noch die Helikopter in einer Luftschlacht mit ihren Gattlings und Raketenwerfern. Zwar konnte 228 weitere Luftunterstützung anfordern, doch in Richtung Stadt ging nichts durch. Irgendetwas störte sämtlichen Kom-- und Funkverkehr. Aber die anderen mussten da raus bevor die Jet´s alles notdürftig niederbomben konnten. Ein Sergeant kam vorbei und fragte ihn irgendetwas, von wegen es seien zu viele und wir müssten uns zurückziehen und neu formieren. Aber genau das wollte ja 228. Nur konnte er nicht einfach einen Elitetrupp und sechs Sondertrupps zurücklassen und obendrein noch drei KI. In dem ganzen Geballer um ihn herum entdeckte er 229 und direkt neben ihm ein Jeep, an welchen er sich lehnte. Dabei kam 228 die rettende Idee. „Wir werden niemanden zurücklassen.", sagte er entschlossen. Der Sergeant nickte zustimmend, widersprach dann aber: „Wir können sie nicht kontaktieren. Es wurde kein Signal zum Rückzug festgelegt, welches ohne Komübertragung mitgeteilt werden könnte."
    „Stimmt. Und dennoch werden wir sie kontaktieren."
    „Wie, wennich fragen darf?"
    „Auf die altmodische Variante.", erklärte 228 zufrieden und zeigte auf 229 und den Jeep...

    Ich hatte zwar Jack gefunden, aber niemand hätte damit rechnen können, dass wir nach fünf Schritten gemeinsamen Weges von Feinden überfallen werden. Tatsächlich aber sind wir nur um die Ecke eines Trümmerhaufens gebogen und hatten etwa zwanzig schwer bewaffnete Soldaten vor uns, die ganz sicher nicht auf unserer Seite waren. Wir hatten uns eben von unserem Schreck erholt, als Jack über die Deckung lugte und das Rattern von mehreren Sturmgewehren zu vernehmen war. Sofort befand er sich wieder neben mir in Deckung. „Was sollen wir tun?", fragte er und beantwortete seine Frage selber, als er eine Blendgranate endsicherte und über den Rücken warf. Als wir lautes Geschrei und das berüchtigte Explosionszischen der Granaten vernahmen, drehten wir uns im Aufstehen herum und eröffneten das Feuer. Keiner der Schüsse war gezielt, aber sie zeigten ihre Wirkung, als die geblendeten, verschreckten Soldaten in die nächstbeste Deckung rannten. Und wir zwei rannten auch. Wir gaben kurze Feuerstöße über die Schultern ab und rannten blindlinks in die nächste feindliche Truppe hinein. Diesmal waren es nur sieben, aber das waren immer noch zu viele um sie einfach platt zu machen. Sie bemerkten uns etwas spät und legten bereits an, als einer von ihnen zu Boden ging. Die anderen schauten erschrocken in alle Richtungen, wie auch Jack und ich. Ein leisen Flop war zu vernehmen, ein Zischen und noch einer ging zu Boden. Einer der Soldaten rief irgendetwas Ausländisches, was entweder Scharfschütze oder Deckung bedeutete. Tatsächlich rannten alle wild in alle Himmelsrichtungen, aber eine Deckung erreichte keiner von ihnen. Dafür war Sacrifice zu gut. Als er sich sehen ließ und von dem Schutthaufen neben uns herunter gestolpert kam, musste ich mich zuerst einmal wieder zusammenreißen, weil er in diesem Augenblick das absolut Letzte war, was ich erwartet hatte. „Verdammtes Hammel! Ich dachte du wärst tot!"
    „War ich auch fast. Aber dieser Kerl hier hat mir geholfen.", erklärte Sacrifice und zeigte auf einen toten Scharfschützen. „Kurz bevor der Helikopter abgestürzt ist hatte er mir in die Schulter geschossen. Demnach bin ich heraus gefallen und die Explosion hat mich nicht erwischt. Außerdem war der Fallweg so gering, dass ich überlebt habe, wie man sieht."
    „Ah...", machte ich und ob verschwörerisch den Finger. „Ha!", sagte Jack und drückte meinen Arm wieder runter. Zumindest versuchte er es, aber schließlich kam er gegen die Kraft eines Roboterarmes nicht an. Ich schaute mich um. „So, was machen wir jetzt?", fragte ich und Sacrifice zeigte auf ein pyramidenartiges Gebäude in der Downtown mit fünf Türmen, die von oben betrachtet, wie die Augen eines Würfels angeordnet waren. Ich erkannte blass eine Antenne auf einem der Seitentürme, die mich an eine Art... Störsender erinnerte.

    Der Jeep raste über die Tundra hinweg, begleitet von zwei weiteren, alle mit Soldaten vollgestopft. Als sie sich der Stadt näherten, bemerkte 228 bereits eine Veränderung. Die Artillerie des Feindes hatte ihr Feuer eingestellt. Das konnte nur eines bedeuten... „Schneller!", schrie 228 und drückte selbst heftig auf´s Gaspedal. Auf einmal kamen drei Jäger mit sehr futuristischem Aussehen angerast, tief über dem Boden. 500 Meter vor den Jeep´s wechselten sie in einen Modus, welcher einem Helikopterflug gleichkam. Im Schwebemodus feuerten sie dann ihre Raketen ab, welche den ausweichenden Fahrzeugen vor die Front donnerten. 228 sprang aus dem Jeep und zog seine Railpistole, mit welcher er auf das Kogpit der Flieger schoss, ohne besondere Wirkung zu erzielen. Der Jeep, welcher ins Schleudern gekommen war, wurde von Ancient wieder in Stellung gebracht. 229 eröffnete derweil das Feuer auf die V-Tol´s, von denen eine schwer getroffen wurde und abstürzte. 228 schoss dem zweiten der Flieger in die Turbine, welche unter lautem Krachen in Flammen aufging und explodierte. Der Flieger kam ins Schleudern und donnerte auf den Boden. 228 wandte sich um und lief gemächlich zurück zum Jeep, während der dritte Flieger wieder den Modus wechselte und zurück zur Downtown flog. Ancient nickte anerkennend, 228 stieg in das Fahrzeug und sie fuhren weiter über die Ebene. 229 tippte 228 auf die Schulter und fragte: „Woher wusstest du, dass die Schwachstellen die Turbinen sind?"
    „Das war geraten. Ich kenne zwar ähnliche Flieger, aber die waren völlig anders gebaut und meiner Meinung nach sogar besser als die unseren."
    „Aber gegen wen kämpfen wir dann?"
    „Frag doch einen."
    „Ha, ha, h...", sagte 229 und brach aprupt ab, als etwa zehn V-Tol´s zurück kamen und über sie hinweg flogen. Ancient fluchte, als er fast die Kontrolle über den Jeep verlor. Der entstandene Wind war außerdem stark genug um 229 von der Ladefläche zu pusten. 228 sah im Rückspiegel die Artilleriestellung unter einem Raketenhagel verschwinden. „Halt an, wir brauchen 229!", rief 228 und sprang wieder einmal aus dem Jeep. Er rannte zu 229, der verwirrt am Boden lag und sich eben aufrappelte. „Los, nicht so langsam.", trieb ihn 228 an, als er ihn auch schon vor sich her schubste. Plötzlich erbebte die Erde, wie es 228 nie zuvor gespürt hatte. Die Zwei drehten sich um und erkannten einen riesigen Feuerball, der einmal ihr Munitionslager für die Artillerie gewesen war. Die Explosion der selbigen ließ eine Druckwelle entstehen, die sowohl 229, als auch 228 zu Boden warf. 229 stand geschockt auf, 228 genervt. Sein Plan war im Eimer. Mit der Artilleriestellung wollte er eigentlich den Störsender zerstören, was aber missglückt war, wie er bemerkt hatte. Wütend trampelte er zum Jeep zurück. „228, lauf! Sie haben dich erfasst! Lauuuf!", schrie 229, der sah, wie die Ziellaser der V-Tol sich auf 228´s Rücken sammelten. Auf einmal war eine laute Stimme zu hören, in der Allgemeinsprache, die seit fast zweihundert Jahren als ausgestorben galt. 228 verstand sie, wie auch 229, trotzdem, da der Dok oft in ihr sprach um unnötige Zuhörer im Dunkeln zu lassen: „Erschießt den seltsamen General! Auf mein Kommando... Eins", 228 kramte im Laderaum des Jeep´s, „...Zwei...", ertönte die Stimme erneut. 228 holte etwas aus dem Jeep und drehte sich um. „...Drei, Feu...", ertönte die Stimme ein letztes mal. 228 schoss mit der Handrailgun gezielt in die Kogpits der V-Tol´s, sodass sie abwichen, mit anderen zusammenstießen oder gleich der Treibstofftank getroffen wurde, sodass sie mit Feuerschweifen hinter sich herziehend abstürzten. 229 betrachtete gespannt das Schauspiel und den Soldaten in den anderen Jeep´s klappten die Kinnladen herunter und große Augen waren keine Einzelfälle. 229 kam erfürchtig auf 228 zu, der sich wieder in den Jeep setzte und meinte: „Tss! Seltsamer General!", während um sie herum die V-Tol´s herunterstürzten. Ancient zuckte mit den Schultern. „Wer auch immer die Neuen sind; besonders einfallsreich sind sie nicht."

    Hätte 227 das in diesem Augenblick gehört, hätte er laut angefangen zu lachen. Erst dachten alle, sie würden Verwundete gefunden haben, dann beginnen genau diese Verwundeten auf sie zu schießen. Als das Gemetzel beendet war kamen fast fünfzig bettelnde Zivilisten um die Ecken gerannt, alle in Panik mit Bomben um den Bauch gebunden und Waffen in den Händen. Einer schrie etwas wie: „Ich werde nicht auf sie schießen!", als dann schon seine Bombe zündete. Die anderen begannen daraufhin zu schießen, in der Hoffnung nicht so zu enden wie er. 227 lag mit Past in Deckung und beide versuchten keine Geräusche zu machen, damit die Zivilisten sie nicht bemerkten, die eben nach Überlebenden fahndeten. Shy lag halb tot mitten auf dem Platz, aber niemand konnte ihm in diesem Moment helfen. Plötzlcih und völlig unerwartet hörte man Jubelschreie, Klacken und Gerenne und schon kamen mehrere Zivies an der Deckung vorbeigerannt, ohne Bomben am Bauch. Dann hörte man einen lauten Knall, der ohne Zweifel von den eben entfernten Bomben kam. 227 schaute auf und sah Jack, Sacrifice und mich, die wir eben mit gut gezielten Schüssen die Halterungen für die Bomben zerschossen hatten. Past rannte sofort zu Shy hinüber und versuchte ihn zum Reden zu bekommen. Jack rannte auch hin, Sacrifice überprüfte alle Ecken des Platzes und 227 und ich rannten laut schreien und wild brüllend aufeinander zu. Kurz bevor wir uns gegenseitig umgehauen hätten, bremsten wir ab und ließen die Hände und Zufallsgeneratoren spielen. Katschi war eine Art von Schere-Stein-Papier, aber mit etwa hundertfünfzig Zeichen. Wie immer verlor ich die Schlacht der Händedrehungen. Es kam darauf an, wer als Letzter seine Finger sosehr verheddert hatte, das keine Handbewegungen mehr möglich waren. Menschen hätten sich für das Spiel sämtliche Handknochen brechen müssen, weshalb es für Außenstehende oder Leute die nicht wussten wer wir sind, ziemlich grotesk anmutete. Dann begann die altbekannte Zankerei, wer denn nun gewonnen hätte. Meine kleinen Wortspiele und meine Art sie herüber zu bringen brachten 227 wie immer in Zweifel, ob er wirklich richtig lag. Selbstzweifel hervorrufen war eines meiner Spezialitäten und war obendrein mein liebstes Hobby. So konnte man Feinde gegeneinander kämpfen lassen. 228 nahm es mir immer noch übel, dass ich fast dreißig Terroristen umgebracht hatte, ohne eine Waffe zu ziehen. Man musste nur behaupten man habe die Aufenthaltsinformation vom Anführer. Das war genug. Innerhalb von Sekunden hatten sich fast zehn verschiedene Standpunkte entwickelt und das Chaos, welches darauf entstand, tötete alle anwesenden. Außer natürlich mich und unseren Mittelsmann. Der war natürlich der Anführer. Ich hatte ihm dafür versprochen ihn nicht zu töten, obwohl er eine Millionen Vegener auf dem Gewissen hatte. Das erledigte dann 228 mit einem beiläufigen Schuss, kurz bevor er sich über mich aufregte. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mein Vorgesetzter. Dadurch wurde es nicht gerade einfacher für mich. Seitdem bin ich unter ständiger Beobachtung, damit ich keinen Mist anstelle, wobei ich mir kaum vorstellen konnte, was das wäre. Aber sicher hatte 228 wie immer seine Gründe. Ich drehte mich um und sah Shy langsam aufstehen. Past hielt ihm die Waffe hin, schaute zu uns herüber und schüttelte den Kopf. „Wie´s aussieht gehen wir alleine weiter.", sagte ich zu 227. Der sah mich schief an und fragte: „Wohin gehen wir eigentlich?", wobei er den Teil der Maske auf einer Seite nach oben schob, der beim Menschen die Augenbraue gewesen wäre. Als er mich so ansah viel mir erst sein Aussehen wirklich auf. Man muss sich ihn so vorstellen: Eine recht kleine Person in gestreiftem, bunten Anzug und Hose, deren Streifen auf der einen Seite vertikal, auf der anderen horizontal verliefen, von Hose zu Anzug umgekehrt und die Ärmel hielten sich an das Konzept. Genauso verwirrend beschrieben wie es aussah. Ein halber Umhang war an der rechten Schulter befestigt, welche noch einen sehr hohen Kragen aufwies. Die linke Schulter besaß zwar kein Kragen, aber eine halbe Harlekinmütze zierte an der Stelle den Kopf. Das Gesicht war von einer Maske bedeckt, welche auf der rechten Seite weiß mit bösem Grinsen und Auge in schwarz und auf der anderen Seite schwarz mit weißem Auge bemalt war. Die Handgelenke waren von feiner Spitze geziert, weiße Handschuhe bedeckten seine unechten Hände. Die Schuhe waren, obgleich sie vor lauter Schlamm sowieso nicht zu sehen waren, nicht weiter erwähnenswert. Er stand mir so gegenüber wie ein Schuljunge, der den Bandenchef nach der nächsten Schlägerei fragte. Ich zeigte nur auf das Pyramidengebäude, welches als einziges Gebäude der Downtown noch gerade stand. Der Rest war im Begriff zusammenzubrechen oder existierte schon gar nicht mehr. Es war die Pyramidenform, die das Gebäude vor dem Zusammenbruch bewahrte und die Tatsache, dass der Störsender auf einem der Türme verhinderte, dass man Luftunterstützung rufen konnte. Wie ich 228 kannte hätte er längst den Rückzug angeordnet, weshalb ich auf die eine oder andere Art und Weise froh war, dass dieses dumme Teil dort stand. 227 sah es sich an, dann wieder mich, das etwa fünf mal und dann fragte er: „Bist du lebensmüde oder war das ein Scherz?"
    Wie um die Frage noch einmal zu unterstreichen donnerten Artilleriegeschosse in die Downtown. Ich zuckte mit den Schultern und es klang so, als ob in zwei bis drei Kilometern Entfernung ein Munitionslager in die Luft fliegen würde. Ein kurzen Moment lang war absolute Stille, alle sahen sich einander erschrocken an und auf einmal kamen weitere Explosionsgeräusche herüber gerollt. Sacrifice, 227 und ich rannten, wie auch Jinkins, auf einen Trümmerhaufen und blickten in die Ferne. Ich konnte eben noch erkennen, wie drei Jeep´s in Richtung Downtown fuhren und überall neben ihnen gingen Wracks von Fliegern zu Bonden. Dieser Anblick wurde von einem brennenden Horizont untermalt, als wäre es geplant gewesen eine zusätzliche Beleuchtung einzufügen. Dieser makabere Gedanke vermischte sich mit der Angst, dass demnächst 228 das Truppenkommando übernehmen würde. Schließlich war seine Vorgehensweise so durchdacht, dass es gar kein Risiko mehr gab. Keine spannenden Kämpfe oder sonstiges. Nur ein Angriff nach dem nächsten und hunderte feindliche Verluste mit zehn Personen. Zumindest hatte er das schon mal geschafft. Wenn er, 227 und ich miteinander vorgingen wurde es sogar ab und zu langweilig. Ich hätte nie gedacht, dass das überhaupt möglich ist, wenn man in Lebensgefahr schwebt Langeweile zu verspüren. Ich bedeutete 227 mir zu folgen, während Sacrifice und Past Shy stützen und sich zu Aufbruch bereit machten. Jinkins zu saagen er müsse 227 im Stich lassen hatte eh keinen Sinn, darum nahmen wir ihn einfach mit. Dann machten wir uns auf den Weg ins Gefecht. Oder, wie sich später herausstellen wird, mitten in die ausgebreiteten Arme des Todes. Oder wie man es auch immer nennen mag.

    Als sie sich dem Trümmerwall näherten sah 228 die ersten Verteidiger Stellung beziehen. Er lehnte sich über die Frontscheibe des Jeep´s und ließ sich ein Sturmgewehr von 229 reichen. Die meisten anderen Soldaten taten es ihm nach, 229 hob die Minigun aus der Halterung und Ancient zog seine Pistole während er weiter fuhr. Der Feind ging gleich auf´s Ganze, was bedeutete, dass ihnen zehn Panzerabwehrraketen entgegen flogen. Mit mehreren gewagten Lenkmanövern und Flüchen auf den Lippen wich Ancient den Geschossen aus, die anderen beiden Fahrer taten es ihm nach, wobei der eine nicht so viel Glück hatte. Die Rakete krachte auf die Front des Fahrzeugs und beide explodierten in einem sich immer noch fortbewegenden Feuerball, welcher abrupt stoppte und sich überschlug. Übrig blieb ein brennendes Fahrzeugwrack und die Erinnerung an die Insassen. Die übrig gebliebenen in den Jeep´s begannen zu feuern. Zwar trafen nicht alle Schüsse, (tatsächlich gingen zwei Drittel daneben) aber der Effekt war erreicht. Die Feinde gingen in Deckung und sämtliche Soldaten, inklusive 228 und 229 konnten zwischen die Trümmer rennen und mit einer koordinierten Aufteilung den Feind aufmischen und umlegen, bevor dieser etwas dagegen unternehmen konnte. Alle trafen sich in einer Deckung. Ancient kletterte eben wieder zu 228 herüber und sagte: „Wir haben zwei Mann verloren."
    228 schüttelte den Kopf. „Ich komme aus der Übung."

    Wir kletterten eine der Seitenwände des Pyramidengebäudes entlang zu dem Turm mit dem Störsender. Es war wohl eine der dümmsten Ideen die 227 je gehabt hatte. Die Feinde unten standen in Zwanzigertruppen mit Transportern hinter sich und geschätzt zehn Panzern. Ganz zu schweigen von den ganzen Helikoptern die um das Gebäude flogen. Bisher hatte uns noch niemand gesehen, da uns alle den Rücken zugedreht hatten. Wir waren kurz vor unserem Ziel als einer der Helikopter vor uns in der Luft stehen blieb. „OH, SHIT!", entfuhr es 227. Ich lies ein „Tss!", los und begann schneller zu klettern. Entfernt hätte es an eine Spinne erinnert, so wie ich an der Wand entlang kletterte, indem ich meine Finger und Fußspitzen in den Stein steckte und das schnell genug um auch schon an der Gebäudekante zu hängen. Dann sprang ich hinüber zum Turm, etwa zehn Meter und kletterte an dessen Seite nach oben. Unter mir hatte 227 den Kampf aufgenommen. Er war auf das Helikopterkogpit gesprungen und hatte diesen zum Absturz gebracht. Hinter den brennenden Überbleibseln als Deckung hatte er dann den Kampf gegen die Infanteristen aufgenommen, die von schweren Mg´s auf den Transportern und Panzern unterstützt wurden. Da die Entfernung zu gering war, konnten sie es sich nicht leisten einfach mit der Hauptkanone zu schießen, da es ebenfalls einige der eigenen Leute in den Tod gerissen hätte. Genauso wenig konnten sie auf mich schießen, da sie ihren Großen Vorteil verloren hätten. Oben auf dem Turm angekommen kamen mir gleich drei brüllende Infanteristen mit Messern entgegen, die man fast als Schwert bezeichnen konnte. Die Messer, nicht die Infanteristen. Ich fuhr als Entgegnung zwei Schwerter aus meinen Unterarmen aus. Dann fuchtelte ich ein wenig herum und stellte mich in eine provozierende Kampfpose. Plötzlich grollte es laut, der Turm vibrierte und das Treppenhaus etwa links neben dem Störsender (der zehn mal größer war als ich) brach auf und ein anscheinend mutierter Mensch von zwei Metern mit Muskeln wie Kanonenrohren und einer Metallstange in der Hand erschien aus dem Staub. Die Infanteristen lachten und sahen mich mit triumphierenden Blicken an. Der Koloss kam langsam auf mich zu, wiegte die Stahlstange in seiner Hand und ein dämliches Grinsen zierte sein verformtes Gesicht. Ich verdrehte die Augen. „Ach, Scheiß drauf! Ich habs eilig.", bemerkte ich, zog meine Railpistole und schoss den überraschten Affen die Köpfe weg. Dann drehte ich die Knarre noch um meinen Finger und pustete über den Lauf. Eben war ich im Begriff zum Störsender zu schlendern, als mir ein Mann auffiel der direkt daneben stand. Er war groß für einen Menschen und hatte schwarze Haare, nein halt, nur ziemlich dunkle braune Haare und war mit leichten Sachen bekleidet. Das heißt T-Shirt, Jeans und dergleichen, wodurch seine muskolösen Oberarme den Blick auf sich zogen. Ich wusste, dass dies alles nur unecht war. Eine filigrane Brille zierte sein verbissenes Antlitz. Zwar lächelte er, aber ich konnte 228 die ganze Geschichte seines Generaldaseins aus dem Gesicht ablesen. Zerfressen vom Krieg gegen die Terroristen der seit zwanzig Jahren auf Vega tobte. Und jetzt das. Mir viel auf, dass 228 meistens als Mensch herum lief. Der Gummiüberzug, der die Haut simulierte, hatte bereits Schaden genommen und man sah an einigen besonders schwer getroffenen Stellen blankes Metall hindurch schimmern. In der rechten Hand hielt er ein Zünder und die Ladung C6 blinte aktiv am Störsender. „Wieso bist du immer schon eher da?"
    „Gewöhn dich dran meine Ablenkung zu sein. Jetzt komm! Wir sollten 227 helfen."
    Kaum hatte er das gesagt wurden seine Worte von einem lautstarken Fluch und der Explosion eines Panzers untermalt. Ich zuckte mit den Schultern, lehnte mich an das Geländer des Turmes und wartete kurz auf 228. Er kam mir entgegen, setzte sich neben mich auf die Stange und fragte: „Bereit?", woraufhin ich mich lächelnd fallen ließ. 228 saß noch kurz oben, schaute mir nach, machte: „Hmpf!", drückte ab und ließ sich ebenfalls in die Tiefe fallen. Über ihm donnerte es, eine Flammenwand erfasste das ganze obere Teil des Turmes und die Trümmer flogen in alle Richtungen davon. Hätte man weiter weg gestanden, hätte man wohl die zwei Antennen des Störsenders im Rauch abknicken sehen. Ich sah bloß direkt nach meiner Landung ein drei Kubikmeter großen Betonklotz auf mich zurasen. Bevor ich irgendwie auch nur auf den Gedanken kam, auszuweichen, sprang ein Schatten über mich hinweg, machte einen Hintersalto und schrie: „Home-Run!"
    Schon schleuderte 229 das Stück Stein auf einen Panzer, der dadurch berächtlichen Schaden nahm. Als 229 dann neben mir aufkam meinte er triumphierend: „Das macht noch mal hundert Punkte!"
    227 schüttelte den Kopf und protestierte: „Panzer bringen nur fünfzig! Und ich bin eh schon bei zweihundertsieb... zweihundertachtzig!", korrigierte er und blies einem Soldaten die Schulter und den daran befestigten Arm durch den Staub der sich überall vom Boden erhob, so stark waren die Erschütterungen der einschlagenden Geschosse der Panzer. Eigentlich hatte 229 etwas entgegnen wollen, als 228 auf einmal auf ihm landete. Dieser bedankte sich freundlich für das Auffangen, während 229 verwirrt versuchte wieder aufzustehen. 227 sah nach oben zum Turm und fragte: „Fertig?"
    Ich nickte und sprang zur Seite, da soeben irgendeiner der Panzerschützen auf die Idee gekommen war auf mich zu schießen. Das Geschoss schlug ein, riss 228 fast auseinander und 229 durfte noch einmal aufstehen. „So eine #######! Das ist mir heute schon zum zweiten Mal passiert!" (Das ####### war als lauter, durchdringender Piepton zu vernehmen, da sich 229 wahrscheinlich für das Wort Sch**** für unangebracht hielt, auszusprechen.) Ich fragte interessiert: „Was? Das dir 228 um die Ohren fliegt, oder das mit dem Aufstehen?"
    „Beides!", beschwerte sich 229. „Hahaha!", ließ 228 von sich hören, zog seine Railgun und zielte in das Rohr des auf ihn zielenden Panzers. Im Moment des Abfeuerns explodierte der Panzer durch sein eigenes Geschoss, samt Munitionsvorrat und Treibstoff. Der Feind wurde auf einmal von hinten niedergemäht und 225, seine Truppe und der Rest der Soldaten überrannten das Schlachtfeld. Die Geschütztürme der Panzer kamen nicht einmal zum drehen, so überraschend war das Auftauchen der Überzahl von Feinden. Ich war froh Shy wohlauf zu sehen. Er lehnte sich an Past und feuerte eifrig mit seiner Pistole in die aufgescheuchte Masse des Feindes. Jinkins kam mit Shy´s und seinem Sturmgewehr über einen der Trümmerhaufen gerannt und eröffnete mit beiden Waffen aus der Hüfte das Feuer. Obendrein brüllte er lauthals von Ruhm und Ehre und nur die ihn kannten mussten anfangen zu lachen, weil er der Letzte war, der sich für einen ehrenvollen Sieg interessierte. Was für ihn zählte waren eine höhere Punktzahl als die von 227. Zwar war das makaber, aber es war eben so. Ich weiß nicht warum, aber er war einer derjenigen, die nie starben. Ob aus Glück oder sturem Überlebenswillen, völlig egal, denn selbst fünf Treffer ließen ihn kalt und er feuerte schrecklich ungenau auf alle sich bietenden Ziele. Der Sieg war gewiss, zumindest hier. Dachte ich. Doch dann kamen die Bomber. Und dann war es aus mit Ruhm und Ehre. Dann war es aus mit einer Schlacht. Denn dann begann das, was man Krieg nennt.

    3. Kapitel: „Ein harter Rückschlag"

    24. März 3567 nach Terra
    20:39 Uhr nach Vega
    Boring City; Ruinen

    Die Meldung war so erschreckend wie eine Hiobsbotschaft nur sein kann. Vega City war angegriffen worden, während wir gegen den neuen Feind gekämpft hatten. Die Terroristengruppierung, welche 20 Jahre Krieg mit uns führte, hatte in der Abwesenheit der Antiterroreinheiten das Hauptgebäude von Energie Groups fast vollständig gesprengt. Niemand wusste, wie sie wohl hinein gekommen sein mochten, aber es stand fest, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Die Flugabwehr hätte zu diesem Zeitpunkt eingreifen müssen, was sie aber nicht getan hatte. Fünf Flieger hatten die Stadt überflogen und etwa zehn Mal das Zielgebäude bombardiert. Dem Bericht nach hat man bisher keine Überlebenden gefunden, die sich zu diesem Zeitpunkt drinnen befunden hatten. Als wir die Botschaft abhörten sahen wir KI uns geschockt an. 229 setzte sich, den Kopf nach unten geneigt und wiederholte immer wieder: „Das kann nicht sein!", währenddessen begann 228 einfach nur zu weinen an. Eine Geste die ich nie von ihm erwartet hatte. 225 zuckte die Schulter und sagte herabwürdigend: „Sicher nur ein blöder Scherz vom Dok um unsere Gefühlslagen zu erforschen."
    227 sah ihn an und meinte gut gelaunt: „Ganz deiner Meinung. Seht doch, was ist denn am wahrscheinlichsten? Na?"
    Die Antwort darauf ließ ihn vestummen. Er senkte den Kopf. „Scheiße Mann!", schrie er und begann ebenfalls zu weinen. Kurz darauf fing auch 225 an, als er die Wahrheit anerkennen musste. Ich gab keinen Ton von mir. Bis auf: „Wurde langsam Zeit."
    228 brachte mich zum Schweigen indem er mich zu Boden warf und auf mich eindrosch. Er schrie wie wild: „Wie kannst du sowas sagen du unterentwickeltes, unmenschliches, bemitleidenswertes Stück Schrott!"
    „Er hat recht.", sagte 229 und stand auf. 228 sah ihn an, als wäre der Teufel aus ihm erwachsen. 227 und 225 schauten sich an, zuckten mit den Schultern und sahen dann zu 229. „Wie meinst du das?", fragte 225. 229 begann: „Das Durchschnittsalter der Menschen von heute liegt bei etwa 120 Jahren. Das hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt. Vor etwa zweitausend Jahren lag es bei weitem darunter. Etwa bei Sechzig oder so, später bei achtzig.", erklärte er und 225 meinte: „Das wissen wir alle, aber was hat das mit dem Dok zu tun?"
    229 nickte und meinte: „Tja, ganz einfach: Das Durchschnittsalter der Menschen hat sich im Laufe der Zeit verlängert. Aber hier kommt der Knackpunkt: Der Dok ist vor etwa tausend Jahren geboren."
    „Ja, aber auf der Flucht vor der Zerstörung der Erde ist er in Stasis versetzt worden und das Schiff ist abgestürzt. Erst nach fast neunhundert Jahren wurde er gefunden und aufgetaut.", erklärte 225 als Gegenargument. „Und? Fällt dir da nichts auf?"
    228 ließ endlich von mir ab und stand auf. „Zu seiner Zeit lag das Durchschnittsalter bei hundert Jahren. Die hätte er längst hinter sich nach dem Auftauen."
    „Nein etwa jetzt hätte er sie hinter sich. Kann doch sein, dass er langlebig ist.", kam wieder das Gegenargument von 225. Eine kurze Pause trat ein. Ich nickte, da es langsam klickte. Dann schaltete sich 227 mit dem letzten Schritt zur Erkenntnis aller ein: „War der Dok nicht schon fast sechzig als er floh?"

    Ich erwachte in Staub und Asche. Als ich aufstand betrachtete ich meine Umgebung. Alles um mich herum waren Trümmer, Leichen und Feuer. Ich scannte auf mehreren Sichtebenen und bemerkte sich bewegende Wärmepunkte zwischen dem Feuer. Es tat mir Leid um die Rettungskraft, aber um zu verschwinden war dies die beste Möglichkeit, die sich mir sicher nicht ein zweites Mal bot. Ich war froh, dass der Dok das alles nicht mehr miterleben musste. Er war ein guter Vater für mich gewesen, weshalb ich ihm diesen Wunsch einfach erfüllen musste. Alle Spuren waren verwischt. 224 suchte nach mir, ohne zu wissen, dass ich die meiste Zeit neben ihm stand, 223 hatte zu früh alles erfahren, es war notwendig gewesen. Und 226... Ich konnte nur hoffen die anderen würden ihn finden. Dann wäre eine Plage aus der Welt geschafft. Doch da war er bereits. Und es war ganz klar was jetzt kam. „Du wirst sie nicht länger hintergehen!", sagte er entschlossen. Er war groß, aber dumm. Dumm sich mit mir angelegt zu haben. „Erzähl es ihnen doch! Ach, ich hatte vergessen: Das würde alles aufdecken."
    „Halt deine Verdammte Schnauze! Du wirst zur Rechenschaft gezogen und das hier und jetzt!", rief er und rannte auf mich zu. Der erste Schlag war hart. Sogar sehr hart. Aber ich wich ohne größere Schwierigkeiten aus. Der nächste Schlag kam überraschend schnell und ließ mich über die Trümmer donnern. Ich wälzte mich auf und sah zwei Mitglieder eines Rettungstrupps erschrocken zu mir aufblicken. Sie hatten schon zu viel gesehen. Als ich mich dann umdrehte raste schon 226 auf mich zu. Eine zwei hundertstel Sekunde. Der Treffer ging ihm direkt ins Auge. Er stolperte, flog weiter auf mich zu und ich tat einen Schritt zur Seite. „Glaub mir: Du hast dich mit dem Falschen angelegt. Die Wahrheit ist für mich jetzt völlig unwichtig. Der Dok hat mir diesen Auftrag gegeben, ich habe seinen Willen erfüllt und seine Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Es ist sogar noch schlimmer als erwartet. Möglicherweise müssen wir uns auf einen Krieg vorbereiten, der nicht zu gewinnen ist. Sie werden die Menschheit vernichten. Ich hatte Kontakt. Und der Grund sind wir. Und im Namen unseres Vaters werde ich alles wieder gut machen und die Menschheit beschützen."
    „Du lügst! Sie sind reine Spekulation!", rief 226. Ich schüttelte den Kopf. „Der Admiral ist bereits verständigt worden. Vega ist ein Schlüsselpunkt. Hier waren die ersten Entdeckungen, weshalb wir diesen Planeten einnehmen müssen."
    „Wieso lässt du dann alle sterben, wenn du sie schützen willst?"
    Wieder schüttelte ich den Kopf. „Noch mal ganz langsam: 224 ist einfach nur schwach und viel zu eigenwillig. Würde ich ihm etwas sagen, würde er sich sicher etwas völlig ausgefallenes einfallen lassen und seiner Nase nachgehen. Man kann ihn nicht kontrollieren. 227 ist zu stark mit 224 befreundet, weshalb er ebenfalls weg muss. Das gleiche trifft für 228 zu, aber ich befürchte nebenbei, er könnte mir den Rang ablaufen. Und 225... Naja. Zumindest brauchen wir uns keine Sorgen machen. Keiner von ihnen lebt jetzt noch. Schließlich war die Chance zu überleben für sie bei 0,02 Prozent."
    „Du Schwein!"
    „Bitte. Nenn mich Kriegsmeister."
    „Ich schnapp dich und dann werde ich dich zermalmen, 221!"

    Von unserer Überlebenschance wussten wir nicht viel, als wir die Schlacht gewannen. Auf der Rückfahrt erwähnte es 227 mal kurz, berechnet durch den Rückblick auf das, was uns widerfahren war. Die drei Jeeps waren rappelvoll von den ganzen Überlebenden. Außerdem war es ne ziemliche Schweinerei gewesen sie auf den High Way rauf zu bekommen. 229 hatte ihnen einen Schubs gegeben, damit sie rauf rollten, einer rollte wieder runter und hatte mich überfahren. Die meisten waren geschockt, die anderen hatten gelacht und ich war eingeschnappt. Das war ich jetzt immer noch. Wir kamen nach zwei Stunden Fahrt am Krankenhaus im westlichen Teil Vega City´s an. Die Verwundeten wurden ausgeladen, Befehle verteilt und ich fuhr mit 228 und 227 zur Flugabwehr. Wir fuhren direkt neben eines der Transporter für die Aufräumarbeiter. Zu dritt stiegen wir aus dem Jeep und liefen gemeinsam zu den Ermittlern. Wir hatten uns wieder getarnt um nicht aufzufallen. Vor uns liefen alle durcheinander. Wände und Böden wurden geputzt, die Presse unterrichtet und geredet wurde auch allgemein sehr viel. Das interessanteste Thema war ganz klar: der Anschlag. Wir gesellten uns zu den Ermittlern die zu fünft dastanden und Untersuchungsergebnisse austauschten. „Meine Herren, wie ist die Lage?", fragte 228. Die Beamten drehten sich um und schauten erstaunt. Einer ergriff das Wort: „Her General! Sie hatte ich hier nicht erwartet."
    „Das war nicht die Antwort auf meine Frage!", schnauzte 228. Seine schauspielerischen Fähigkeiten waren beeindruckend. Eigentlich war ihm ja zum Heulen, was er aber sehr gut zu verbergen wusste, wie es schien. Ein zweiter, schmieriger Ermittler ergriff nun seinerseits das Wort: „Euer Ehren, wir bitten untertänigst um Entschuldigung. Anscheinend sind die Flugabwehrgeschütze in diesem Sektor sabotiert worden. Sie wurden abgestellt, kurz bevor die Flieger eintrafen. Um das zu meistern, muss aber ein Mitarbeiter mit Zugangscode auf die Hauptrechner der Täter gewesen sein. Die hier anwesenden Arbeiter wurden nieder geschossen, anscheinend von hinten."
    Er deutete auf eine Leiche und fuhr fort: „Der benötigte Rang jedoch liegt nicht bei den Arbeitern, sondern muss mindestens der eines... Nun ja... Generals sein."
    „Wie bitte?", rief 228. Alle anwesenden schauten zu uns. Eine Journalistin kam angerannt, ihr hinterher schwebend die Kamera. „Hier sehen sie General Crowe, einer der bedeutendsten Generäle unserer Zeit. Bitte, euer Ehren: Wie, glauben sie ist dies hier geschehen?"
    „Zu diesem Thema habe ich nichts zu sagen!", schnautzte 228 und zerdrückte die Kamera in seiner Hand. Alle schauten ihn erschrocken an, da er vor einer Sekunde noch zwei Meter von dieser weg gestanden hatte. „Sergeant, Major. Wir gehen.", sagte er zu 227 und mir und lief zurück zum Jeep. Wir gingen hinterher. „Wer is´ jetzt der Sergeant und wer der Major?", fragte ich 227. Der lächelte mich an und sagte: „Das liegt doch auf der Hand."
    „Ach, richtig Sergeant. Wegtreten!", befahl ich und rannte blöde feixend zum Jeep vor. 227 hatte nicht einmal Zeit zu reagieren. Als wir dann fuhren meinte 227: „Das nehm´ ich dir jetzt übel."
    „Ich weiß, Danke."
    „Schnauze jetzt! Nächster Halt: Energie Groups HQ."

    Ich war auf dem Weg zur Raumstation und hoffte, die Leiche des Piloten meiner kleinen Maschine würde nicht so schnell gefunden werden. Die Raumstationen für Planetensicherheit fragten nach dem Code, den ich sofort darauf beantwortete und die freundliche Mitteilung bekam: „Guten Flug, Professor."
    Ich bedankte mich ganz herzlich und flog weiter zu den gesendeten Koordinaten. Die Tarnschilde waren unglaublich gut. Hätte ich nicht gewusst wo sich die Kreuzer befinden, wäre ich wohl dagegen geflogen. Ein Tor öffnete sich mitten im Vakuum und ich steuerte die Fähre in den Hangar. Dieser schloss sich wieder und es wurde das Luftgemisch eingefüllt. Ich stieg trotzdem vorher aus. Als sich die Tür öffnete und Estiros mir entgegen kam, stand ich schon so gut wie vor ihm. „Ihr seid spät, Kriegsmeister."
    „Ich weiß. Ich wurde... aufgehalten. Neuigkeiten?"
    „Viele, aber die bitte erst in meinen Privatgemächern.",sagte er und deutete voraus. Ich schritt an ihm und an zwanzig in Reihe aufgestellten Wachen vorbei. Sein Berater wartete an der Tür und lief Estiros wie ein Dackel hinterher, als er, mir folgend, an ihm vorbei ging. „Und, wie lang haben sie sich gehalten?"
    „Das möchte ich wie gesagt in meinem Privatbereich mit euch besprechen."
    Das tat er dann auch. Vor lauter Wut zertrümmerte ich den 190.000 Credits teuren Tisch und schleuderte die eine Hälfte durch den Raum und trat die andere zur Seite. Estiros saß mir gegenüber auf einem roten Samtsofa und trank einen Schluck Tee. „Rückschläge sind normal. Das ist eben so im Krieg. Entweder man gewinnt die Schlacht oder man verliert sie. Den Krieg gewinnt eh keiner.", sagte er seelenruhig. Er nahm noch einen Schluck Tee und betrachtete mich interessiert. „Wo sind die Pläne?"
    „Welche...? Ah! So wird das gespielt! Erst so tun als ob und dann was verlangen! Für nichts!"
    „Nicht für nichts. Es läuft alles nach Plan, keine Sorge. Es hat erst begonnen. Ich bringe das hier zu Ende. Aber der Admiral verlangt dafür die Pläne. Dagegen kann ich auch nichts machen."
    „Meine Voraussetzung wurde nicht erfüllt. Das heißt keine Pläne."
    „Falsch. Die Voraussetzung war einen Angriff zu provozieren und ihn mit angegebenen Mittel zu zerschlagen. Die Mittel wurden gegeben. Ich habe gute Männer und gute Maschinen verloren. Also? Die Pläne."
    Ich wollte vor lauter Frust die Faust auf den Tisch schlagen, bemerkte aber, dass er bereits irgendwo im Raum verteilt lag. Aber er hatte recht. Ich dachte, mit dieser Aufstellung würde ich sie besiegen. Ich war mir so sicher. „Was hat eigentlich für die Niederlage gesorgt?"
    „Ach, so einiges. Die Zerstörung des Peilsenders war eigentlich kein Grund. Zum einen das schnelle aufstellen einer Artillerie. Ihr hattet gemeint, sie würden in Helikoptern kommen. Das taten sie. Aber nach den ersten Schusswechseln wurde Artilleriefeuer auf die Innenstadt eröffnet und die Männer mussten ihre Position ändern, weshalb die Aufstellung kaputt ging. Und dann war da noch die Ablenkung vor dem letzten Gefecht. Das waren angeblich vier bis fünf Mann und dann fielen die eigentlichen Truppen von hinten in den Rücken. Wär auch seltsam wenn sie es von vorn getan hätten... Spaß bei Seite. Der letzte Grund war, dass unsere Helikopter sehr früh zerstört wurden. Nicht zuletzt durch einen lebensmüden Schützen in einem abstürzenden Helikopter des Feindes. Wen auch immer ihr da ausschalten wollt, euch sollte klar sein, dass ihr sie unterschätzt."
    Ich nickte geistesabwesend und hielt Estiros eine Datenspeicherplatte vor die Teetasse. „So leicht werde ich mich nicht noch einmal hintergehen lassen.", sagte ich und ging aus dem Raum. Als die Tür zuknallte sagte Estiros zu sich selbst: „Das glaube ich kaum.", wobei er den Speicherchip betrachtete. Dann hielt er diesen hoch. „Bringen sie den nach Heles und starten sie die Produktion, James. Bald werden Schlachten mit besseren Waffen geschlagen."
    Estiros nahm noch einen Schluck Tee. „Ach und: Schalten sie ihn aus. Seine Arbeit ist getan."

    Wir kamen am HQ an und ich erschrak bei dem Anblick der sich uns nun bot. Der Platz, auf welchem einst 227 gegen 228 gekämpft hatte war von Trümmern übersät. Der Gestank von verbranntem Fleisch und zerbröselten Beton lag in der Luft, wie auch der von geschmolzenem Metall. Noch bevor 228 anhielt, sprang ich aus dem Wagen und rannte auf die Trümmer zu, die einst eine Art zu Hause für mich waren. 227 rief noch irgendetwas, aber ich ignorierte ihn. Tatsächlich. Das war es! Ich fand drei Rettungsarbeiter, tot. Ihnen war durch die Augen in den Kopf geschossen worden. Außerdem sah ich Spuren eines Kampfes. Eines Kampfes, der nicht zwischen Menschen ausgeführt worden war. Ich schaute mich weiter um. Dann fand ich einen eindeutigen Hinweis. Die Überreste eines mechanischen Auges. Ich hob es auf und betrachtete es. Aber das konnte nicht sein! Das war unmöglich! Er war längst tot, kein Zweifel! Jedoch spürte ich, dass gerade der sich in mir breit machte. 228 und 227 steuerten auf mich zu. 227 war geschockt und versuchte alles um sich herum zu verarbeiten. Ich hörte ihn die einstigen Raumnummern aufzählen. Das war zu viel für ihn an einem Tag. 228 hingegen war anscheinend drüber weg gekommen. Er stellte sich neben mich. „Das ergibt keinen Sinn.", stellte er fest. Ich betrachtete weiter die Überbleibsel des Auges. „Ich weiß. Wir sind hier in etwas hineingeraten, was bei weitem tiefer geht als wir angenommen hatten. Aber was hat 226 damit zu tun?"
    Nun sah ich 228 an und hielt ihm das Bündel aus Kabeln hin. Schockiert sah er zwischen mir und dem Auge hin und her. „Was zum Teufel ist hier los?"

    Das hätte ich auch gern gewusst. Eben noch hatte ich mich ganz freundlich mit Estiros unterhalten und plötzlich griffen mich alle an. Ich flog soeben in meiner Fähre in den Bereich der Absprungzone, der Bereich in welchem die Anziehungskraft des Planeten so weit nachgelassen hat, dass man in den Hyperraum wechseln konnte. Hinter mir hingen noch die Trümmer der drei Kreuzer im All und wurden nun von Untersuchungseinheiten eingesammelt. Anscheinend musste ich nun allein für das Überleben der Menschheit sorgen. Da ich das nicht konnte fasste ich einen Entschluss, der vielleicht nicht der Angenehmste war, aber die einzige Möglichkeit...

    Als die Nachricht rein kam, es seien drei Kreuzer mitten im All explodiert, die vorher noch nicht gesichtet worden waren, überschlug sich alles. 228 ging zum Generalstab um die Ereignisse mit den anderen Sesselfurzern auszuwerten und darüber zu diskutieren, was die Öffentlichkeit erfahren durfte. Außerdem mussten wir herausfinden, wer der Verräter war.
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