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Captain Future - Für immer (Kurzgeschichte)

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  • Captain Future - Für immer (Kurzgeschichte)

    Hallo zusammen!

    Ich würde euch allen gerne zum Einstand eine Fan-Fic Kurzgeschichte aus dem Captain Future Universum vorstellen. Meine Stories basieren auf den Charakteren und Namen der Animeserie aus den 80ern. Ich betone ausdrücklich, dass sie in der Welt der CF-Geschichten stattfinden, aber nicht immer zwingend Curtis Newton/Captain Future als DEN Hauptdarsteller haben müssen.

    In der folgenden Kurzgeschichte (kurz ist relativ, das Worddokument hat 23 A4 Seiten) geht es ausschließlich um Futures Freundin, die blonde Joan Landor und ihre Zeit während der Ausbildung an der Polizeiakademie und wie sie nach anfänglichen Schwierigkeiten mit ihrer Ausbilderin …


    Ach, lest doch selbst.

    Ich stelle täglich ein Häppchen hier rein und freue mich sehr über Feedback, Kritik und Kommentare.


    Viel Spaß!





    Für immer

    Der lange Winter hatte mir echt zu schaffen gemacht und ich war wirklich froh, dass es jetzt endlich wieder etwas wärmer wurde, immerhin hatten wir schon Anfang Mai. Das letzte Jahr war schrecklich für uns alle gewesen, die Meuterei, meine Geiselnahme, die vielen unnötigen Tode guter und lieber Menschen und dann noch dieser Piratenüberfall auf das Passagierschiff, mit dem Kat und John auf Hochzeitsreise waren. Und Kuolun war immer noch irgendwo auf freiem Fuß. Ich fragte mich immer und immer wieder, warum diese Galaxis nicht endlich mal zur Ruhe kommen konnte. Ich wollte auch mal zur Ruhe kommen. Curtis hat immer noch nicht gefragt, ob wir nicht auch endlich mal heiraten wollten.

    Ach ja, meine Name ist Joan, Joan Landor. Ich bin Agentin der Weltraumpolizei und vor kurzem wurde ich zum Captain befördert, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Ich wollte auf diesem Wege einfach nur mal ein paar Gedanken loswerden, vielleicht interessiert es Sie ja.

    Wie gesagt, ich genoss die ersten Sonnenstrahlen bei einer kühlen Schorle in einem der kleinen Cafés im New Yorker Central Park und wartete. Ich wartete und wartete – auf meine langjährige Freundin und Kollegin Kat. Kat, eigentlich Katherine Ballard, arbeitet ebenfalls bei der Weltraumpolizei als Psychologin und Profilerin.

    Also, ich saß dort in dem Café und wartete schon über eine halbe Stunde auf Kat. Kat hatte sicherlich die eine oder andere Unart, aber Unpünktlichkeit kannte ich nicht bei ihr, irgendetwas musste also vorgefallen sein. Ich nahm meinen Kommunikator und wollte sie gerade anrufen, als sie neben mir stand. Sie sah aus, als hätte sie kürzlich geweint aber ihre Mimik sagte genau das Gegenteil von Trauer aus. Nein, sie strahlte über das ganze Gesicht! Und sie sah aus, als wollte sie mir etwas mitteilen.

    „Kat!“ rief ich, „Wo zum Teufel hast du so lange gesteckt? Ist was passiert?“

    Sie zog ihre schwarze Lederjacke aus und legte sie über die Stuhllehne. In ihrer Armbeuge konnte ich ein kleines Pflaster erkennen. So langsam ahnte ich etwas.

    Kat war sichtlich außer Atem und das, obwohl sie eine ausgezeichnete Sportlerin war. „Joan, ich muss dir was sagen und du bist die erste, die es erfährt. Nicht einmal John weiß es.“

    Ich musste nur eins und eins zusammenzählen, Kat und John hatten schon so oft darüber gesprochen, es konnte also nur eines sein: „Du bist schwanger“, sagte ich und stand von meinem Stuhl auf.

    „Jajajajaja!!!“ rief sie und hüpfte wie ein kleines, aufgeregtes Mädchen auf der Stelle. Sie kreischte förmlich vor Freude, dass die anderen Gäste sie missbilligend ansahen. Ich konnte nicht anders, als meiner Freundin einfach nur um den Hals zu fallen. „Ich war gerade beim Arzt. Definitiv! Sechste Woche! Oh Joan, ich freu mich so!!!“

    Ich konnte Kat kaum beruhigen aber ich freute mich so sehr mit ihr, das können Sie sich nicht vorstellen. Sie müssen wissen, dass Katherine im Juni 35 wurde und sich schon lange Kinder wünschte. Allerdings hatte Kat erst zwei Jahre zuvor den Mann ihres Lebens gefunden und Ende letzten Jahres geheiratet. Jetzt hatte sie es – verständlicherweise – eilig, ihr Glück zur Perfektion zu bringen. Die Glückliche. Wann ich heirate und endlich eine Familie gründen kann, wissen nur die Sterne. Wobei … an mir liegt es eigentlich nicht. Ich würde dafür alles hergeben …

    Aber ich schweife ab. Ich sah Kat an. Sie war so wunderschön, wie sie mich anstrahlte. Ihr langes tiefschwarzes Haar glänzte mit ihren grauen Augen um die Wette. Die Anstrengungen und Schrecken des vergangenen Jahres schienen ihr äußerlich nichts ausgemacht zu haben, aber ich wusste, dass sie im Inneren brodelte. Oft kam sie nach dieser Meuterei zu mir und klagte über Schlafstörungen und Alpträume, immerhin hatte man versucht, sie zu vergewaltigen. Zum Glück ist es nur bei diesem Versuch geblieben und durch intensive Gespräche im Freundeskreis schaffte sie es schnell, über das Erlebte hinweg zu kommen. Überhaupt ist Kat eine bemerkenswerte energiegeladene Frau mit Charme, Witz und fast schon angsteinflößender Intelligenz. Allerdings, und das sollte mit ihrer kommenden Rolle als Mutter Gott sei Dank endlich vorbei sein, war sie ein schlimmes Partytier, immer die erste, die irgendwo auftauchte, wenn es was zu feiern gab und meistens eine der letzten, die ging. Aber wer Kat kannte, musste sie einfach gern haben – bei mir war das nicht immer so…

    Kat und ich saßen eine Weile im Café und schwatzten und lachten und gingen mit den Themen immer weiter zurück in die Vergangenheit. Plötzlich fragte sie mich: „Sag mal, Süße. Erinnerst du dich noch, wie wir uns kennengelernt haben? Dein erster Tag an der Polizeiakademie?“

    „Nur zu gut“, antwortete ich. „Das war ein Scheißtag, den ich niemals im Leben vergessen werde …“




    ***



    … denn dieser Tag fing schon furchtbar an. Es war ein grauer, nasskalter Tag im Oktober, eine Woche nach Ende der großen Ferien. Ich war neunzehn und hatte mich zwei Jahre zuvor bei der Weltraumpolizei für eine Ausbildung beworben. Die Aussichten waren vielversprechend, Grund- und Fachausbildung, Studium mit vollem Lohn, Pensionsansprüche ab dem fünften Dienstjahr, regelmäßige Solderhöhungen und, und, und. Und man kam rum. Reisen hatte mir schon immer Spaß gemacht und ich hatte, schon seitdem ich ein kleines Kind war, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Jura zu studieren und Anwältin oder Richterin zu werden, war mir zu trocken und wäre mir auf Dauer zu langweilig gewesen. So blieb nur die Weltraumpolizei. Ich hatte sehr gute Noten und wurde zu diversen Tests eingeladen. Lange Zeit hatte ich dann nichts mehr von meiner Bewerbung gehört und die Hoffnung schon fast aufgegeben. In der letzten Schulwoche bekam ich dann den Brief aus New York City, die Einberufung zur Ausbildung in Westpoint, der ehemaligen Militärakademie und seit mehr als fünfzig Jahren Ausbildungsstätte der Weltraumpolizei. Unterschrieben war der Brief von einem gewissen Colonel Ezella Garnie, Chef des Stabes. Zu meinem Erstaunen lag neben dem offiziellen Schreiben noch eine handschriftliche Note des Colonels. „Ich habe Ihre Bewerberakte gelesen. Wenn Sie sich in der Ausbildung gut anstellen, habe ich einen interessanten Posten für Sie, Miss Landor. Ich werde Sie in der Hälfte Ihrer Ausbildung besuchen. Viel Erfolg! E. Garnie“

    Da stand ich also vor dem großen Kasernentor in einer langen Schlange neuer Kadetten. Ich hielt den Einberufungsbescheid und Garnies Schreiben in den Händen und las es immer und immer wieder. Ich konnte es einfach nicht glauben, ein persönliches Begrüßungsschreiben des zweithöchsten Polizeioffiziers in den Händen zu halten. Plötzlich wurde ich durch einen rüden Schubser von hinten aus meinen Gedanken gerissen und ließ meine Papiere fallen. Schnell sammelte ich sie auf und drehte mich um. Ein grobschlächtiger, leicht übergewichtiger blonder Junge mit schlechten Zähnen grinste mich debil an. „Los, mach hin Träumelinchen!“ rief er und lachte wie ein gackerndes Huhn. Die Kerle hinter ihm fielen in sein dämliches Lachen ein. Ich zeigte ihm mit einer Handgeste, was ich von ihm hielt und drehte mich wortlos wieder um. „Schöner erster Tag“, dachte ich mir und: „Kann nur noch besser werden.“ Die „Träumelinchen“-Rufe hinter mir fingen nach ein paar Minuten an zu nerven doch bevor ich mich noch einmal umdrehen und diesem dummen Bauernrüpel die Meinung geigen konnte, war ich auch schon an der Reihe. Brav legte ich dem Unteroffizier meinen Einberufungsbescheid vor und stellte zu meinem Entsetzen fest, dass das Schreiben von Colonel Garnie fehlte! Erschrocken sah ich mich um, es war nirgendwo zu sehen. Der Wind hatte es wohl fortgeweht.

    „Scheiße“, flüsterte ich zu mir.

    „Haben Sie etwas gesagt, Kadett?“ herrschte mich der Sergeant an und schaute böse drein.

    „Nein, hab ich nicht“, nuschelte ich verlegen.

    „Nein, Sergeant!“ brüllte mein Gegenüber und die Jungs hinter mir kicherten wieder albern. Ich wollte nur noch im Boden versinken.

    „Folgen Sie den roten Schildern“, wurde ich von dem Sergeant angepflaumt. „Nächster!“

    Ich schulterte meine Reisetasche, nahm meine Papiere an mich und folgte dem Tross von neuen Rekruten, mit denen ich die nächsten zwei Jahre Tisch und Bett teilen würde. Noch einmal sah ich mich zum Kasernentor um, die Schlange dort wurde nicht kürzer. Als ich wieder nach vorne schaute, blieb ich kurz an einer Gruppe jüngerer Offiziere hängen, die breitbeinig und mit den Händen auf dem Rücken die Ankunft der Neuen beobachtete. Einer der Offiziere, eine junge Frau mit schwarzen langen Haaren, sah mich neugierig und musternd an. Sie hielt den kleinen Zettel in der Hand, den ich ein paar Minuten zuvor verloren hatte. Sie war nach meiner Ansicht ziemlich hübsch, aber sie hatte so kalte graue Augen, die mich förmlich durchbohrten.




    Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

    Mission accomplished.

  • #2
    Wußte nicht, daß du auf ein WUFFF sooo schnell reagierst.

    Ich liebe deinen Schreibstil.
    ZUKUNFT -
    das ist die Zeit, in der du bereust, dass du das, was du heute tun kannst, nicht getan hast.
    Mein VT: http://www.scifi-forum.de/forum/inte...ndenz-steigend
    Captain Future Stammtisch: http://www.scifi-forum.de/forum/inte...´s-cf-spelunke

    Kommentar


    • #3
      Jetzt werd ich rot...

      Weiter gehts!

      Um die Frau nicht zu provozieren, sah ich schnell wieder nach vorne und folgte dem Weg in eine der Unterkünfte, wo wir unseren Quartieren zugewiesen wurden. Selbstverständlich wurden Frauen und Männer getrennt voneinander untergebracht. Die Gebäude, in denen wir wohnten, waren allesamt die originalen Bauwerke der Westpointkaserne aus dem 19. Jahrhundert, gepflegt von außen und hochmodern im Inneren. Ich teilte meine Stube mit zwei anderen Mädchen in meinem Alter. Ein Bett blieb leer, höchstwahrscheinlich hatte diejenige kurz vorher kalte Füße bekommen oder etwas anderes gefunden. Man hat es uns nie gesagt.

      Man gab uns einen kurzen Moment Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschnuppern, dann wurden wir nach draußen auf den Flur befohlen. Nachdem sich der allgemeine Tumult gelegt hatte, ging ein gutaussehender, großer Latino von Mitte dreißig über den Flur, er sah verdammt gut aus in seiner dunkelblauen Polizeiuniform. Er sah sich jeden Kadetten eine Sekunde lang an, als wollte er sich die Gesichter einprägen. Es war eine gespannte Stimmung auf dem Flur, keiner von uns Rekruten wagte es, zu Husten, laut zu atmen oder sonst welche Geräusche von sich zu geben. Aus dem Augenwinkel erkannte ich einige der jüngeren Offiziere, die ich schon am Kasernentor gesehen hatte, unter ihnen war auch diese schwarzhaarige Frau. Wieder trafen sich unsere Blicke kurz, aber sie verzog keine Miene. Ich fühlte mich einfach nur unwohl. Ich hatte mit ihr noch nicht ein einziges Wort gewechselt, aber ich spürte, dass sie mich auf dem Kieker haben musste und obwohl sie nur die paar Zeilen von Colonel Garnies Zettel gelesen haben mochte, glaubte ich, dass sie alles über mich wissen würde, was es über mich zu wissen gab. Der Latinooffizier kam zu mir und sah mir eine lange Sekunde tief in die Augen. Mann, sah der gut aus! Auf seinem Namenschild stand „Cpt. R.E. Sanchez“. Er starrte mir immer noch in die Augen und lächelte mich aufmunternd an. Höchstwahrscheinlich sah er mir an, dass mich etwas beängstigte. Zum Glück war ich eine der letzten in der Reihe und Captain Sanchez‘ Musterung war schnell vorbei. Er bewegte sich mit einem zackigen Schritt in die Mitte des Flurs und baute sich vor uns auf.

      Er räusperte sich und begann mit einem sympathischen Lächeln zu sprechen: „Meine Damen und Herren, ich bin Captain Ricardo Sanchez und heiße Sie hier in Westpoint herzlich willkommen! Ich bin Ihr Zugführer und Ausbilder für Recht und Gesetzeswesen. Zu meiner Rechten sehen Sie Ihre anderen Ausbilder: Lieutenant Dr. Jim Buffon, Naturwissenschaften, Lieutenant Katherine Ballard, Psychologie und Sport, Sergeant Emma Ball, Waffen und Kommunikationstechnik und Corporal Frank Hofmeister, Sanitätsdienst.“

      Katherine Ballard hieß die Frau mit den Eisaugen also. Jetzt hatte das Grauen einen Namen. Und dann noch Sport und Psychologie. Sie würde mich fertig machen, das konnte ich in ihrem Gesicht lesen. Ich selbst war nicht unsportlich, aber ich konnte diesem Lieutenant durch die Uniform ansehen, dass sie mir gnadenlos davonlaufen würde oder mich jederzeit einfangen konnte, um mich dann psychisch fertig zu machen. Ja, ich war überzeugt, dass die Kleine das fertig bringen würde.

      „Ich möchte Ihnen eines vorab sagen“, fuhr Sanchez fort. „Wir sind hier nicht beim Militär, auch wenn durch diese heiligen Hallen immer noch der Geist von Zucht und Drill schweben mag. Sicherlich werden Sie hier durch eine knallharte Ausbildung gehen …“

      Klar, knallharte Ausbildung, Ballard würde schon dafür sorgen, dass wir hier alle spätestens nach drei Wochen aufgegeben haben oder rausgeflogen sind und ich zuallererst.

      „… und wir werden aussieben. Aber, und das verspreche ich Ihnen, meine Damen und Herren, wir werden Sie mit Anstand und Respekt behandeln, wenn Sie uns diesen entgegenbringen. Wir wollen, dass Sie gute Polizisten werden und keine stumpfen Befehlsempfänger. Sie werden da draußen Ihren Kopf mehr als Ihren Körper einsetzen müssen und wir bringen Ihnen bei, wie Sie es richtig anstellen. Natürlich kommt es in unserem Job auch auf eine gute Physis an und damit komme ich auch schon zur ersten Ausbildungseinheit. Wir müssen feststellen, auf welcher körperlichen Leistungsstufe Sie stehen. Daher werden Sie jetzt Ihre Sportkleidung anlegen und Lieutenant Ballard wird mit Ihnen einen Sporttest durchführen. Es ist nur eine Bestandsaufnahme heute. Nach dieser Bestandsaufnahme werden einige von Ihnen mit Lieutenant Ballard ein persönliches Gespräch führen müssen. Sie wird Ihnen sagen, ob Sie den Anforderungen gerecht werden, ob Sie Ihr Potenzial ausbauen müssen oder ob Sie eventuell im nächsten Jahr noch einmal bei uns vorbeischauen. Das war es von meiner Seite erst einmal. Lieutenant Ballard, Ihr Zug.“

      Scheiße … ich war noch nicht mal eine ganze Stunde in der Ausbildung und schon kurz davor, in meine Stube zu stürmen, meine Tasche an mich zu reißen und aus dieser Kaserne zu fliehen. Da stand es nun, mein Furcht- und Hassobjekt für die nächsten zwei Jahre: weiblich, Mitte zwanzig, einen Meter siebzig groß, sportlich, schwarze lange Haare, graue Augen, Ausbilderin für Sport und Psychologie:

      „Ich bin Lieutenant Katherine Ballard“, sagte sie mit einer klaren und energischen, aber dennoch angenehmen Stimme.
      Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

      Mission accomplished.

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      • #4
        Bis jetzt eine interessante Geschichte.
        Was ich sehr gut finde ist, dass du ganz bewusst nicht Future und seine Mannen in den Vordergrund stellst, sondern die Vergangenheit einer "Nebendarstellerin" beleuchtest. Ich bin schon gespannt darauf, wie es mit Joan und Kat weitergeht - und ob eine gewisse grünhaarige Dame auch noch mitmischen wird (wenn du sie schon im Nickname hast... ).
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        • #5
          Vielen Dank!

          Diese Geschichte findet knapp zehn Jahre vor den eigentlichen CF-Geschichten statt. Joan und curtis kennen sich noch gar nicht und "Lady" Nurara ist selber gerade aus dem Teenager Alter heraus. Aber ich habe noch eine Story mit der bösen Dame als Hauptdarstellerin auf Lager - in Romanlänge...
          Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

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          • #6
            Neue Woche, weiteres Häppchen! Viel Spaß!

            Ballard sah langsam von links nach rechts und verzog nicht eine Miene. Die zwei Jungs zu meinen beiden Seiten grinsten, anscheinend hatten sie Gefallen an dieser Frau gefunden und freuten sich bereits jetzt schon auf die Nahkampfausbildung mit ihr. Zugegeben, Ballard war mit Abstand eine der schönsten Frauen, die ich jemals im Leben gesehen hatte, aber ihre unterkühlte Art machte sie mir nicht sonderlich sympathisch. Falsch, sie war nicht unsympathisch, sie war mir schlicht und einfach unheimlich.

            „Auch ich heiße Sie alle herzlich willkommen.“

            Oh, sie gönnte sich ein kleines Lächeln, oder zuckte nur ihr Mundwinkel?

            „Wie Captain Sanchez bereits sagte, werde ich gleich feststellen, wie fit Sie sind. Dazu werde ich Sie in drei einfachen Disziplinen testen. Wir machen gleich einen viertausend Meter Lauf, Weitsprung und danach einen hundert Meter Sprint. Mir geht es nicht darum, von Ihnen Bestleistungen zu sehen. Ich will nur wissen…“

            … wann wir auf dem Zahnfleisch kriechen, ist schon klar, Lieutenant.

            „… wo Ihre momentanen Leistungsgrenzen liegen. Sie kommen alle frisch von der Schule und hatten dort ganz normalen Sportunterricht. Und hier will ich nur sehen, was Sie aus dem Sportunterricht mitgenommen haben, nicht mehr und nicht weniger. Also, gehen Sie sich bitte umziehen, wir sehen uns in fünf Minuten vor dem Gebäude. Dort stellen Sie sich bitte in einer Zweierreihe auf. Und los!“

            In weniger als drei Minuten war ich umgezogen und unten vor dem Block. Komisch, keiner da. Hatte ich den falschen Ausgang genommen? In diesem Moment ging die Tür auf, es war Ballard und sie kam allein heraus. Was sollte ich nun tun? Ich konnte versuchen, sie zu erschlagen und schnell ihre Leiche in den Büschen zu verstecken, aber der Verdacht würde wahrscheinlich zu schnell auf mich gelenkt werden, wenn man Colonel Garnies Nachricht bei ihr fände, mein Name stand darin. Also verwarf ich den Gedanken, Lieutenant Ballard ins Jenseits zu befördern. Höchstwahrscheinlich wäre dieser Plan ohnehin nach hinten, respektive gegen mich, losgegangen und ich hätte den Versuch, meine Ausbilderin zu töten, schon im Ansatz nicht überlebt. Ganz davon ab, dass ein versuchter Mord meiner noch jungen Polizeikarriere ziemlich abträglich gewesen wäre.

            Ballard schien keinerlei Notiz von mir zu nehmen. Sie hielt ein Klemmbrett mit ein paar Zetteln und schrieb darauf rum. Sie hatte sich ebenfalls innerhalb kürzester Zeit umgezogen. Sie trug schwarze, leicht transparente Leggings, eine rote kurze – für meinen Geschmack etwas zu kurze – Sporthose und einen grauen Kapuzenpullover mit dem markanten Westpoint-Wappen. Ihre langen Haare hatte sie zu einem dicken Pferdeschwanz gebunden. Sie sah kurz von ihrem Klemmbrett auf und mir direkt ins Gesicht. „Ist was, Kadett?“

            Zaghaft schüttelte ich den Kopf. „N-nein, Lieutenant“, antwortete ich richtigerweise, den Rüffel des Sergeants am Eingang hatte ich noch im Ohr. „Ich frage mich nur, wo die anderen bleiben.“

            Ballard sah auf ihre Uhr. „Das frage ich mich allerdings auch. Die fünf Minuten sind gleich um, jede Sekunde länger gibt ne Extrarunde.“

            Wow! Sie hatte mit mir gesprochen, ohne mich aufzufressen! Steckte hinter dieser Eiger Nordwand doch ein menschliches Wesen? Ich wagte es zu grinsen.

            „Für Sie auch, Kadett. Das freche Grinsen können Sie sich sparen!“ sagte sie und funkelte mich unheilvoll an.

            Zu früh gefreut. Kein menschliches Wesen drin. In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und meine dreißig Kameraden schossen in einen großen Pulk aus dem Gebäude. Wir stellten uns wie von Lieutenant Ballard befohlen in einer Zweierreihe auf und warteten ab, was nun passieren würde.

            Ballard sah nur kopfschüttelnd auf die Uhr, verdrehte einmal kurz die Augen und ließ uns in einem leichten Trab zum Sportplatz joggen.

            Den Sporttest selbst empfand ich als gar nicht so schlimm, die zehn Runden um den Sportplatz absolvierte ich im guten Mittelfeld, den Weitsprung ebenso und den Sprint als eine der besten. Insgesamt war ich mit meinen Leistungen zufrieden. Einige andere taten sich dagegen recht schwer und wieder andere, die schon in der Schule zu den Spitzenportlern gehörten, waren nach den Tests erst einmal richtig warm geworden. Ballard kommentierte keine Leistung sofort, sie beobachtete uns schweigend und machte sich ständig Notizen, und ich beobachtete sie. Wie ich schon sagte, sie war mir unheimlich und doch fand ich sie als Mensch unsagbar faszinierend, so dass ich immer wieder zu ihr hinsehen musste.
            Gegen Ende des Tests wurden wir von Corporal Hofmeister abgeholt und zur Kleiderkammer gebracht, wo wir unsere Uniformen erhalten sollten. Blaue Uniformen? Fehlanzeige. Man stattete uns mit olivgrünem Drillich aus, dazu kamen Armeestiefel und Helme und alles was zu einer Soldatengrundausstattung dazu gehörte. Zurück in den Unterkünften erging sofort der Befehl, die Uniformen anzulegen. Duschen? Wozu? Insgesamt war der Tagesablauf ziemlich eng gesteckt und durchorganisiert. Es gab nur wenig Luft zwischen den einzelnen Einheiten.

            Hofmeister, ein junger Deutscher, nur wenig älter als wir Rekruten, ließ uns wieder auf dem Flur antreten und informierte uns über den weiteren Tagesablauf. Er würde uns im Anschluss zum Mittagessen führen, insgesamt hatten wir eine Stunde Pause, anschließend den ersten Unterricht mit Captain Sanchez, danach wieder eine kurze Pause, Bekanntgabe der Sportergebnisse, Begrüßung durch den Schulkommandeur im großen Auditorium und am späten Nachmittag eine Doppelstunde Einführung in die Polizeipsychologie mit Lieutenant Ballard. Zum Abschluss noch einmal ein gemeinsames Antreten und gegen 17.30 Uhr sollte der erste Tag für uns beendet sein.

            Hofmeister erklärte uns noch einige Details des Dienstplans, wie zum Beispiel die Abkürzungen für den jeweilig befohlenen Anzug der Unterrichtseinheit. KA stand für „Kampfanzug“, also den grünen Drillich, den wir trugen, SP für „Sportkleidung“ und Zv für „zivile Kleidung“, was sich erstaunlicherweise und ausschließlich in Ballards Psychostunden wiederfand. Immerhin durften wir also in unserer Lieblingskleidung zur Schlachtbank gehen. Übrigens lagen die Psychostunden immer am Ende des Unterrichtstages. Klar, wir sollten den ganzen Tag mit Wissen vollgebombt werden und schwere körperliche Leistungen erbringen, um dann abends noch dem hochgeistigen Psychologieunterricht zu folgen. Ich ahnte schon, dass viele von uns einfach abschalten und Ballard nicht mehr zuhören würden. Ballard würde sie gnadenlos absägen. Das war eindeutig Methode!

            Damit hatte sie auf meiner Sympathieliste eine weitere Reihe von Negativpunkten eingefahren.
            Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

            Mission accomplished.

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            • #7
              Zitat von Nurara McCabe Beitrag anzeigen
              Vielen Dank!

              Diese Geschichte findet knapp zehn Jahre vor den eigentlichen CF-Geschichten statt. Joan und curtis kennen sich noch gar nicht und "Lady" Nurara ist selber gerade aus dem Teenager Alter heraus. Aber ich habe noch eine Story mit der bösen Dame als Hauptdarstellerin auf Lager - in Romanlänge...
              Darauf darf man gespannt sein...

              Das aktuelle Kapitel gefällt mir sehr gut. Die Gedankengänge eines Rookies hast du gut eingefangen, ich bin ja mal gespannt darauf, ob und wie heftig Joan und Kat aneinanderrasseln werden...
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              • #8
                Na da hoffe ich doch, dass die beiden charmanten Damen dich weiter fesseln.

                Hier kommt die erste Konfrontation zwischen den beiden.


                Das Essen in der Gemeinschaftskantine war reichlich und erstaunlich gut, da hatte ich schlimmeres befürchtet. Ich saß zusammen mit meinen Zimmergenossinnen Inga und Solveig. Inga Kroeger war Norwegerin, sehr hübsch, drall und rothaarig. Sie hatte einen süßen Akzent, wenn sie mit uns sprach. Solveig von Brandhaus war eine distinguierte brünette Deutsche aus dem mittleren Adelsstand, nach außen hin. In Wirklichkeit war sie frech, hasste ihren Adelstitel, bestand darauf, Sally statt Solveig genannt zu werden und plante die Ausrottung des Adels, indem sie einen normalen bürgerlichen Mann zu heiraten gedachte, um dessen Namen anzunehmen. Wir drei mochten uns von Anfang an. Immerhin schien es auf kameradschaftlicher Ebene zu laufen, wenn ich schon am ersten Tag meine Ausbilderin hassen musste. Aber beim Essen kamen wir wie automatisch auf Ballard zu sprechen.

                „Ich finde sie richtig cool“, meinte Sally. „Ihr glaubt es nicht, aber sie ist nur nach außen hin so hart. Eben, bei der Essensausgabe, hat sie mir einen richtig guten Witz erzählt!“

                „Lass hören“ nuschelte Inga mit vollem Mund.

                Sally lehnte sich zurück und wiederholte den Witz. „Also, ein Tramper ist unterwegs auf einer Landstraße und wird von zwei Typen mitgenommen. Unterwegs rauben sie ihn aus und fesseln ihn nackt mit dem Bauch voran an einem Baum. Nach einer Stunde kommt ein Gleitertruck vorbei. Der Fahrer hält an und steigt aus. Der Typ ist schon froh, dass er jetzt endlich befreit wird, da macht der Trucker seine Hose auf und sagt: ‚Tut mir echt leid, aber heute ist nicht dein Tag, was? ‘“
                Inga brüllte vor Lachen und auch ich konnte nicht anders, als mit einzustimmen. Der Witz war gut, ganz eindeutig und er verschaffte mir einen kleinen Einblick in Lieutenant Ballards Wesen. Sie war also mehr für den derben, bösen, schwarzen Humor. Sah ihr ähnlich…

                Nach dem schmackhaften Essen ging ich mit Inga hinaus, um etwas frische Luft zu schnappen. In einer Raucherecke standen die beiden Jungs aus unserem Zug, die beim ersten Antreten schon so breit gegrinst hatten, als Captain Sanchez Ballard vorgestellt hatte. Mit einem Ohr bekam ich mit, dass sich bei den beiden, sie hießen Oliver und Jerzy, auch das Gespräch um sie drehte. Die zwei waren schier aus den Häuschen, was Ballards äußeres Erscheinungsbild anging und ihre Darstellung, was sie gerne mit ihr anstellen würden, war gelinde gesagt, mehr als blumig. So langsam bekam ich zuviel. Irgendwie schien sich hier alles nur noch um diese Frau zu drehen. Was war sie? Ein Filmstar? Nein, sie war bloß eine Polizistin, zugegeben verdammt gut aussehend und nicht dumm. Sie hatte immerhin Psychologie studiert und gab ihr Wissen an uns unbedarfte Rekruten weiter. Obendrein war sie sportlich und vielleicht auch witzig. Die Jungs waren fasziniert von ihr, logisch so ein Gesamtpaket musste auf einen jungen Mann mit andauernden Testosteronschüben schwer Eindruck machen. Mir wurde diese Femme fatale von Minute zu Minute unheimlicher. Ich malte mir schon aus, dass ich in der ersten Nacht hier Alpträume bekommen würde.

                Ich schüttelte erst einmal die Befürchtungen ab, indem ich mich in Gedanken auf die ersten Unterrichtsstunden mit Captain Sanchez freute. Er war mir überaus sympathisch, mit seinem freundlichen Lächeln und seiner Samtstimme. Und in der Tat war sein Einführungsunterricht sehr unterhaltsam. Er erzählte einiges über sich, von seiner kubanischen Herkunft, seiner großen, musikalischen Familie und dass er selber noch nicht liiert sei. Bei dieser Information war im Unterrichtssaal bei einigen weiblichen Rekruten ein leises Seufzen zu hören. Den Unterricht selbst gestaltete Captain Sanchez anschaulich und humorvoll, was bei den trockenen Rechtsthemen nicht wirklich einfach zu sein schien. Aber er schaffte es immer wieder lustige und spannende Beispiele aus der Praxis anzuwenden und uns so den eher langweiligen Stoff interessant nahe zu bringen. Jede Wette, dass Ballard das nicht konnte, sondern brutal kaltschnäuzigen Frontalunterricht bevorzugte.
                Ballard. Die stand mir ja auch noch bevor, im persönlichen Gespräch. Nach dem Rechtsunterricht ließ uns Corporal Hofmeister wieder auf unserem Flur antreten. Die Büros der Ausbilder lagen auf dem gleichen Flur, am Ende des Ganges. Wir waren einunddreißig Rekruten und Ballard rief jeden von uns einzeln auf, um sie oder ihn über das Ergebnis der Sportprüfung zu informieren. Es dauerte nur maximal ein bis zwei Minuten, bis der- oder diejenige wieder herauskam. An ihren Gesichtern konnte ich erkennen, wer bleiben konnte und wer gleich seine Sachen wieder packen durfte. Die meisten kamen mit einen Lächeln oder breiten Grinsen wieder heraus. Inga und Sally hatten es geschafft. Traurige Mienen zählte ich derer sechs. Eine gute halbe Stunde stand ich auf dem Flur und es wurde immer leerer um mich herum. Dieses Biest ließ mich bis zum Schluss warten! Und tatsächlich rief Lieutenant Ballard mich als allerletzte auf.

                „Landor!“ rief sie, als sie den Kopf zur Tür heraus streckte. Langsam, mit zitternden Knien und einen Kloß im Hals, betrat ich ihr Büro. Es war eher nüchtern und sachlich eingerichtet, mit weißen Büromöbeln. Nur an der Wand, hinter Ballards Stuhl, hing zwischen den beiden Fenstern eine ausgewehte Flagge des Bundesstaates Alabama, ein rotes Andreaskreuz auf weißem Grund. Vermutlich stammte sie von dort.
                „Machen Sie die Tür zu, Kadett Landor“, sagte Ballard leise, als sie sich wieder hinter ihren Schreibtisch setzte. Dem kam ich nach und blieb vor ihrem Schreibtisch stehen, da die Aufforderung Platz zu nehmen ausblieb. Sie trug immer noch ihre Sportkleidung, hatte aber den Kapuzenpullover ausgezogen und saß nur in einem Trägershirt dort. Sie hatte eine tolle Figur, das musste ich neidlos zugeben. Ballard zog ein Blatt Papier von ihrem Klemmbrett ab und las es kurz durch. Sie nickte stumm, wog dann den Kopf hin und her, dann sah sie mich einen langen Moment an. „Sprint und Weitsprung waren okay, Landor. Bei der Ausdauer müssen Sie noch etwas nachlegen. Sie sind gut gestartet und lagen im vorderen Drittel. Bei den letzten vier Runden ist Ihnen wohl etwas die Puste ausgegangen, was?“ Sie blickte mich starr und emotionslos an.

                Ich druckste herum und nickte. „Ja, Lieutenant.“ Mehr wagte ich nicht zu sagen.

                „Sie werden daran arbeiten müssen. Von sich aus. Ab der kommenden Woche biete ich nach Dienstschluss Ausdauertraining für die neuen Rekruten an, auf freiwilliger Basis versteht sich. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, sagen Sie es mir. Es lohnt sich.“

                Freiwillig meine Freizeit mit dieser Hexe verbringen? Niemals! „Danke, Lieutenant. Ich denke darüber nach.“
                „Denken Sie nicht zu lange nach, Landor, ich kann mich maximal um zehn Teilnehmer kümmern, dafür bekommen Sie ein gutes Intensivtraining. Aber fürs erste hat Ihre Leistung gereicht. Sie bleiben. Glückwunsch.“ Ballard konnte anscheinend nicht lächeln. „Das war‘s fürs erste. Sie können gehen.“

                „Danke, Lieutenant“, antwortete ich knapp und war froh, diese Schlangengrube endlich wieder verlassen zu können. Das Damoklesschwert war für den Moment über meinem Kopf entfernt worden. Ich drehte mich um und hatte die Türklinke schon wieder in der Hand. Da pfiff Ballard mich noch einmal zurück.

                „Landor?“

                „Ja, Lieutenant?“

                „Da wäre noch etwas. Tür zu und hinsetzen!“

                Scheiße, dachte ich, was kommt nun noch? Mit zitternden Händen fasste ich die Stuhllehne und setzte mich hin, dabei ertappte ich mich, dass ich züchtig die Knie zusammenpresste und meine Hände auf die Knie legte. Ballard beobachtete jede meiner Bewegungen mit Argusaugen. Sie selbst zog ein Knie an und stellte den Fuß auf die Sitzfläche ihres Stuhls. Die Haltung sollte mir zeigen, dass sie hier das Kommando hatte und das absolute Sagen. Sie war Herr der Situation und das ließ sie mich spüren. Ihre steingrauen Augen hatten sich auf mich geheftet, noch nie zuvor hatte ich jemals eine solche Augenfarbe bei einem Menschen gesehen.

                Ballard gab einen vernehmlichen Seufzer von sich, bevor sie sprach. „Landor.“ Pause. Ich schluckte und war auf das Allerschlimmste gefasst. „Warum haben Sie Angst vor mir?“

                Ertappt riss ich vor Schreck die Augen auf. Wie konnte sie das erkennen? „Entschuldigung … ich … ich verstehe nicht, Lieutenant …“, stammelte ich.

                Ballard legte ihr Kinn auf ihr Knie, während sie es umklammerte und zog die Augenbrauen nach oben. „Seit dem Sie hier sind, starren Sie mich dauernd an, wenn ich Sie ansehe, weichen Sie mir aus. Sie zittern am ganzen Körper, das sieht ein Blinder und schauen Sie sich an, wie Sie gerade da sitzen! Allein Ihre Körperhaltung spricht Bände! Ich habe Sie beobachtet, Landor. Wenn Sie sich mit Ihren beiden Kameradinnen Kroeger und von Brandhaus alleine wähnen, sind Sie locker und unbeschwert, sobald ich in der Nähe bin, verkrampfen Sie. Was meinen Sie wohl, warum ich von Brandhaus diesen Witz erzählt habe?“

                Verdammt, dieses Miststück war gut. Sie hatte mich durchschaut. Mutlos ließ ich den Kopf sinken.

                „Nochmal, Landor. Warum haben Sie Angst vor mir?“

                „Ich … ich … ich weiß es nicht“, flüsterte ich, dabei war ich den Tränen nahe.

                Ballard nahm das Knie herunter und rückte mit dem Stuhl näher zum Tisch. Ich starrte immer noch verschämt nach unten. „Sehen Sie mich an, Landor. Sehen Sie mich an und sagen Sie mir ins Gesicht, warum Sie Angst vor mir haben!“
                Langsam hob ich den Kopf und sah auf einmal eine andere Katherine Ballard! Sie lächelte! Sie lächelte so freundlich und offen, dass jede Kälte und Emotionslosigkeit aus ihrem Gesicht verschwunden war. Ein völlig anderer Mensch saß mir gegenüber. Aber welche von diesen beiden Ballards war jetzt die echte?

                „Ich will Ihnen jetzt mal was sagen, Landor“, fuhr Ballard lächelnd und mit ruhiger Stimme fort. „Es gibt nicht einen einzigen Grund, warum Sie vor mir oder irgendeinem anderen Ausbilder Angst haben müssten. Sie sind freiwillig hier und unsere Aufgabe ist es, Sie auszubilden. Sie haben sich für einen schweren und verantwortungsvollen Beruf entschieden und wir sorgen dafür, dass Sie später mal diesen Job vernünftig machen können. Wir haben kein Interesse daran, Ihnen das Leben schwer zu machen, dann würden wir keinen guten Nachwuchs bekommen. Ich bin das zweite Jahr als Ausbilderin hier und Sie gehören zu meiner zweiten Ausbildungscrew. Wenn Sie so wollen, bin ich auch noch etwas grün hinter den Ohren. Was meinen Sie, was ich für einen Bammel an meinem ersten Tag hier hatte? Gerade zum Lieutenant ernannt, das Diplom in der Tasche und schon lässt man mich auf dreißig Rekruten los! Was mir geholfen hat, war mein Selbstbewusstsein und das Wissen um meine Fachkompetenz. Sie sind auch eine selbstbewusste Frau, das spüre ich, sonst wären Sie nicht hier. Dazu braucht es kein Psychologiestudium. Die Fachkompetenz erhalten Sie von uns und in diesem Zug haben Sie die besten Ausbilder in der ganzen Akademie. Machen Sie sich keine Sorgen. Wenn Sie mitziehen, kommen wir beide prima miteinander aus. Sollten Sie mir aber quer kommen, weil Sie ein persönliches Problem mit mir haben, kann ich Ihnen die Hölle auf Erden bereiten. Also, sagen Sie mir lieber gleich, was los ist. Schaffen wir das Problem aus der Welt, Landor! Ich werde Sie nicht fressen!“

                Wow! Das war eine Ansage, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich brauchte ein paar Sekunden, um meine Gedanken zu ordnen.

                „Lieutenant, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Heute Morgen, am Kasernentor, hat mich ein Typ von hinten angerempelt und ich habe meine Papiere fallen lassen. Als sich sie wieder eingesammelt habe, fehlte mir ein persönliches Schreiben, das mir sehr wichtig ist. Als ich an Ihnen vorbeikam und diesen Zettel in Ihrer Hand sah und dann Ihren Blick, hatte ich so eine Ahnung, dass es nicht gut war, diesen Zettel zu verlieren.“
                Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

                Mission accomplished.

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                • #9
                  Ballard stand auf und ging zu ihrer blauen Uniform, die an der Garderobe an der Wand hing. Sie öffnete eine Beintasche ihrer Hose und zog eben diesen Zettel heraus. Sie kam zu mir zurück und reichte ihn mir. „Es tut mir leid, aber ich musste ihn nun mal lesen, sonst hätte ich ihn Ihnen gar nicht zurückgeben können. Ich hatte ohnehin vor, das zu tun.“

                  Erleichtert nahm ich das kleine Schriftstück an mich. „Danke Lieutenant“, sagte ich leise.

                  „Und deswegen haben Sie so einen Aufstand gemacht? Sie hätten genauso gut heute Morgen zu mir kommen und den Zettel einfordern können. Ich hätte ihn ohne Diskussion zurückgegeben, stattdessen quälen Sie sich den ganzen Tag mit dem Gedanken rum, Sie hätten mit mir ein Ungeheuer im Nacken! Sehe ich denn wirklich so gefährlich aus?“

                  Ja, tust du, Ballard und am liebsten hätte ich dich in diesem Moment gerne geohrfeigt.

                  „Ich hatte es zu keiner Zeit auf Sie abgesehen, bitte glauben Sie mir. Und was die Nachricht angeht, ich entschuldige mich dafür in aller Form, sie gelesen zu haben. Ich hoffe Sie nehmen meine Entschuldigung an. Ich kenne zwar Ihre Bewerberakte noch nicht, aber an Ihnen muss etwas Besonderes sein, wenn Ihnen der Chef des Stabes eine Stelle in Aussicht gestellt hat.“
                  Ballard begann zu lachen. Sie lachte mich nicht aus, offensichtlich war auch sie darüber froh, dass die Situation entschärft worden war. Es war das erste Mal, dass ich Ballard richtig lachen sah. Auch wenn es allem Anschein nach ein offenes, ehrliches und herzliches Lachen war; mir war die Situation überaus peinlich, am liebsten wäre ich mitsamt Stuhl im Boden versunken.
                  Sie sah mich wieder einen Moment an, zog das Haargummi aus ihrem Pferdeschwanz und schüttelte ihre schwarze Mähne auf. „Das war‘s erst mal, Landor. Sie können jetzt gehen, wenn Sie keine Fragen haben. Wir sehen uns dann nachher im Unterricht. Ach übrigens, Landor! Der Typ, der Sie heute Morgen gestoßen hat, konnte gleich am Tor wieder kehrt machen, dafür habe ich gesorgt. Ein solches Verhalten dulden wir hier nicht. “

                  Irgendwie geknickt und doch erleichtert ging ich über den Flur zurück zu meinen Kameradinnen. Als ich die Stube betrat, sah Inga mich sorgenvoll an. „Was ist, Joan, warst du jetzt so lange bei Lieutenant Ballard? Warum guckst du so traurig? Bist du etwa raus?“

                  Ich schüttelte den Kopf und grinste. „Nein Inga, du hast mich noch eine Weile am Hals.“ Dann sah ich rüber zu Sally, die auf ihrem Bett saß und mich ebenfalls erwartungsvoll anschaute. „Du hattest Recht, Sally. Lieutenant Ballard ist wirklich irgendwie cool.“

                  Der brandenden Rede des Schulkommandeurs, Commander Sir Thomas Mulligan, seines Zeichens Ritter der britischen Krone, hörte ich nur mit halbem Ohr zu. Meine Gedanken schweiften immer wieder hinüber zu dem, was Lieutenant Ballard mir zuvor gesagt hatte. Im Grunde genommen war ich tatsächlich nie ein übermäßig ängstlicher Mensch gewesen. Berührungsängste bei fremden Menschen kannte ich eigentlich nicht, ich war bisher immer offen für neue Erfahrungen. In der Tat hatte Lieutenant Ballard mir allein durch ihre Erscheinung Angst eingeflößt. Dabei war es nicht ihr Aussehen, sondern die Aura, die sie umgab. Ballard hatte in dem kurzen Gespräch versucht, mir die Angst zu nehmen, aber irgendwie mochte ich ihr doch noch nicht vertrauen. Sie wirkte so streng und unnahbar, dass es mir schlicht und einfach schwerfiel, mich dieser Frau zu öffnen. Auf den gleich folgenden Unterricht freute ich mich überhaupt nicht. Ich beschloss, mich nach Möglichkeit in die letzte Reihe zu setzen, dem Unterricht als fleißige Schülerin zu folgen und ansonsten Ballard für die nächsten zwei Jahre so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen.

                  Als wir in Zivilkleidung im Unterrichtsraum saßen, wurde ich von Lieutenant Ballard aufs Neue überrascht. Auch sie erschien in ziviler Kleidung, sie trug figurbetonte Bluejeans, elegante schwarze Schuhe mit Absatz und eine weiße Bluse. Ihre Haare hatte sie hochgesteckt und war dezent geschminkt. Mit einem breiten Lächeln betrat sie den Unterrichtsraum und wirkte wie ausgewechselt. Ein leises, anerkennendes Raunen der männlichen Rekruten war zu vernehmen, was Ballard mit einem Schmunzeln quittierte. Sie legte ihre Unterrichtsmaterialien auf dem Lehrerpult ab und setzte sich lässig auf die Tischkante. Sie sah jeden Anwesenden einen kurzen Moment an, mir zwinkerte sie obendrein zu.
                  „Okay, Leute“, begann sie in einem leutseligen Tonfall. „Etwas Grundsätzliches vorab. Wenn wir uns nachmittags hier treffen und diese Tür zugeht, bin ich nicht Lieutenant Ballard für Sie, sondern einfach Katherine. Ich werde Sie ebenfalls mit Vornamen ansprechen, wenn es Ihnen Recht ist. Sie sind erwachsene Menschen und wir betreiben hier Erwachsenenbildung, entsprechend werde ich Sie behandeln. Demzufolge erwarte ich von Ihnen, dass Sie sich auch so verhalten.“ Ballard machte eine kurze Pause und sah sich einige der männlichen Rekruten genauer an. „Sollten Sie aber der Meinung sein, dieses Privileg schamlos ausnutzen zu müssen und glauben, ich wäre draußen Ihr Duz-Kumpel, sitzen wir alle schön brav in Uniform hier. Ansage angekommen?“ Wieder sah sie lächelnd in die Runde und erntete schweigendes Nicken. Nur nicht von mir, ich starrte Ballard einfach nur mit offenem Mund an.

                  „Fein! Dann können wir ja anfangen!“, rief sie und zog sich grinsend die Nadeln aus ihrer Hochsteckfrisur. Damit legte Ballard die letzte optische Strenge ab. „Was verstehen Sie unter einem Vorurteil?“, fragte sie und sah mir in die Augen. „Joan?“

                  „Die … die unbegründete Angst vor dem Unbekannten?“, stotterte ich. Und wieder hatte sie mich drangekriegt. Langsam begann ich, Ballard zu hassen.

                  ***

                  Kat sah mich an, als hätte ich sie mit einem Gleiter angefahren. „Du hast mich wirklich gehasst? Ich kann es kaum glauben. Ich bin doch der liebste Mensch der Welt!“

                  „Und wer Ironie findet, darf sie behalten, Kat“, gab ich beißend zurück. „Du hattest nichts Besseres zu tun, als ständig auf mir rumzureiten und mich aufzuziehen.“

                  Kat hob verneinend den Zeigefinger. „Das war der Eindruck, den du von mir hattest. Die Frage nach den Vorurteilen war mehr als berechtigt. Ich wollte dich nur fordern und aus der Reserve locken. Du solltest deine Vorbehalte gegen mich endlich ablegen.“

                  „Was mir reichlich schwer gefallen ist. Als ich dann noch gesehen habe, dass du mit Captain Sanchez rumgemacht hast, gingen bei mir alle Lichter aus. Ich wollte dich nur noch umbringen“, antwortete ich seufzend. „Ich war so unsterblich verliebt in ihn.“

                  Kat verzog spöttisch grinsend den Mund. „Sanchez wäre nichts für dich gewesen. Schließlich bin ich auch auf ihn reingefallen. Zum Glück war das nichts Ernstes.“

                  „Und ich war tierisch eifersüchtig auf dich …“

                  ***
                  Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

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                  • #10
                    Ein guter Fortgang, auch wenn ich Joans Reaktion im letzten Abschnitt etwas überzogen finde. Aber gut - Eifersucht spielt ja auch noch mit.
                    Deutsches BABYLON5 Forum || STAR TREK - ICICLE || STAR TREK - BREAKABLE
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                    • #11
                      Dass Joan etwas überzogen reagiert, habe ich mit purer Absicht so gestaltet. Bedenke, Joan ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal süße 19 Jahre alt und noch sehr unerfahren, die coole Agentin, die wir kennen, will sie erst noch werden. Dass sie noch nicht alle "Teenageruntugenden" abgelegt hat, ist fast normal.

                      Kat ist mitte Zwanzig, ziemlich tough, steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, hat schon einiges erreicht (Studium, Offiziersausbildung) und sieht toll aus. Welches junge Mädchen wäre da nicht ein wenig neidisch oder gar eifersüchtig?

                      - - - Aktualisiert - - -

                      ...und wenn die toughe Ausbilderin sich auch noch den süßen Zugführer angelt, dann ist aber der Ofen aus.

                      … denn ich glaubte, dass Captain Sanchez sich wirklich für mich interessierte. Dem war aber nicht so. Dennoch hing ich meinen Tagträumen hinterher, wenn er unterrichtete. Ich sah mich mit ihm an einem kubanischen Strand unter Palmen, mit blauem Wasser und einem kühlen Cocktail in der Hand. Wenn Inga, Sally und ich abends draußen in der kleinen Sportbar waren, kam Sanchez ab und zu ebenfalls dorthin und genoss mit einigen anderen Ausbildern seinen Feierabend. Hin und wieder setzte er sich zu uns, beantwortete bereitwillig offene Fragen aus dem Unterricht, machte Witze mit uns und hielt ganz einfach und entspannt Konversation. Ich genoss seine Gegenwart – mehr als es sich für mich als Kadettin geziemte. Für mich war er nicht nur Zugführer und Ausbilder, ich hatte mich in ihn verliebt. Nur es ihm zu sagen hätte ich mich nie gewagt.

                      Eines Abends, ich saß alleine in der Bar und wartete auf meine beiden neuen Freundinnen, kam er herein und ich winkte ihm zu. Er verstand es wohl als Aufforderung, sich zu mir zu setzen. Ich konnte es kaum fassen, ich hatte Ricardo endlich mal ein paar Minuten für mich. Er begrüßte mich freundlich und setzte sich. Eine Sekunde sah er mich lächelnd an, dann wurde er eine Spur ernster.
                      „Kadett Landor, ich muss mal kurz mit Ihnen reden, eigentlich wollte ich Sie heute schon in mein Büro rufen, aber ich kam nicht dazu“, sagte er und sah mir tief in die Augen. Mein Herz begann zu klopfen. Hatte er etwa gemerkt, was ich für ihn empfand?

                      „Sir …“, begann ich, aber Ricardo hob eine Hand und deutete mir, zu schweigen.

                      „Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie ein Problem mit Lieutenant Ballard haben. Ist das richtig?“, fragte er und lächelte mich aufmunternd an. „Sagen Sie mir, woran es liegt? Fühlen Sie sich von Lieutenant Ballard schlecht oder unfair behandelt?“

                      „Nein, nein Sir. Alles in Ordnung! Lieutenant Ballard ist mehr als fair zu mir“, antwortete ich eilig.

                      Ricardo nickte. „Das sehe ich genauso, Kadett. Es hat bisher noch keine Beschwerden über Lieutenant Ballard oder ihre Ausbildungsmethoden gegeben. Zugegeben, sie unterrichtet unkonventionell, aber effizient. Die letzte Crew hat sie weit über den grünen Klee gelobt. Und ich möchte, dass es so bleibt. Wenn Sie Ballard nicht mögen, sagen Sie es mir bitte jetzt, dann klären wir das ein für alle Mal zu dritt. Die Konsequenz daraus wäre, dass Sie meinen Zug verlassen und in einen anderen Zug gehen. Als Rekrutin kann ich Ihnen nichts vorwerfen, Ihre Leistungen sind überdurchschnittlich und Sie sind beliebt bei Ihren Kameraden. Aber ich dulde keine Unruhestifter in meinem Zug, verstanden?“

                      „Ja, Sir. Voll und ganz!“, gab ich kleinlaut zurück. Ricardo stand auf und wandte sich zum Gehen.

                      „Captain?“, rief ich Sanchez halblaut nach.

                      Ricardo drehte sich wieder um und lächelte mich an. „Ja, Kadett Landor?“

                      „Hat Lieutenant Ballard mit Ihnen über mich gesprochen?“ Kaum hatte ich die Frage gestellt, hielt ich sie für so unsagbar dämlich.

                      Ricardo nickte. „Ja, das hat sie. Und ich kann Ihnen kaum sagen, wie oft und wie glaubhaft sie immer wieder beteuert hat, dass sie nichts gegen Sie hat. Ganz im Gegenteil! Lieutenant Ballard hat sich mir gegenüber überaus positiv über Sie und Ihre Leistungen geäußert. Lieutenant Ballard schätzt Ihren Fleiß und Ihre Einsatzbereitschaft, deshalb kann sie nicht verstehen, warum Sie sich ihr gegenüber so abweisend verhalten. Reißen Sie sich bitte Ballard gegenüber etwas zusammen. Sie hat Ihnen nichts getan und will Ihnen auch nichts Böses! Wollen Sie in meinem Zug bleiben?“

                      Ich nickte eifrig. „Natürlich Sir! Unbedingt!“

                      Ricardo beugte sich herab und stützte sich mit beiden Händen auf die Tischplatte. Sein Rasierwasser roch so wunderbar, ich hätte ihn küssen können. Eindringlich sah er mich mit seinen schwarzbraunen Augen an. „Dann seien Sie verdammt nochmal Lieutenant Ballard gegenüber etwas offener! Sie beide müssen nicht beste Freundinnen werden, das verlangt niemand, aber lassen Sie meine Ausbilderin ihre Arbeit machen!“

                      „Ja, Sir“, antworte ich kleinlaut und etwas eingeschüchtert. Seine klare Ansage hatte gesessen.

                      „Sie sind eine gute Schülerin und, wenn Sie mir diese Formulierung gestatten, Kadett Landor, ich mag Sie wirklich sehr. Ich würde Sie nur ungern verlieren, Sie verstehen?“

                      Sally und Inga waren auf der Bildfläche erschienen. Als Ricardo sie sah, sagte er nur noch: „Meine Türe steht immer für Sie offen, Landor. Tag und Nacht. Wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, reden Sie bitte mit mir und fressen es nicht in sich hinein, okay? Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!“ Er lächelte mit seinem perlweißen Gebiss und winkte mir noch einmal zu, dann ging er an die Bar, wo er von seinen Offizierskameraden mit Schulterklopfen und Händeschütteln empfangen wurde.

                      Sofort stürzten Inga und Sally auf mich zu und redeten gleichzeitig auf mich ein. „Was wollte Ricky von dir?“ „Hast du ihm gesagt, was du für ihn empfindest?“ „Du warst allein mit der Sahneschnitte?“

                      Abwehrend hob ich die Hände und bat meine Freundinnen um Einhalt. „Mädels, beruhigt euch! Es ist nicht das, wonach es aussieht.“

                      „Was dann?“, fragte Inga und nahm einen großen Schluck aus meiner Bierflasche.

                      Ich stützte mein Kinn auf eine Faust und sah sehnsüchtig zu Bar herüber. „Er hat mir eine Standpauke wegen Ballard gehalten. Ich soll mich zusammenreißen und netter zu ihr sein, sonst versetzt er mich in einen anderen Zug.“

                      „Also ist es auch endlich beim Captain angekommen“, rief Sally belustigt. „Findest du nicht auch, dass du dich langsam etwas lächerlich machst? Sie ist wahnsinnig nett, okay, streng und fordernd, aber sie ist super, als Frau wie auch als Ausbilderin. Das sagen alle, nur du tanzt aus der Reihe.“

                      „Ich mag sie einfach nicht“, brummte ich trotzig. „Und daran wird sich so schnell nichts ändern.“ Nein, es sollte noch schlimmer kommen …

                      Die Tür der Bar ging auf und herein schwebte eine atemberaubend schöne Katherine Ballard. Sie trug eine schwarze Lederjacke, ein rotes Minikleid und hohe schwarze Stiefel. Sie nickte uns kurz freundlich zu und marschierte schnurstracks zur Bar und in die Arme von Ricardo, der sie sofort innig küsste.

                      Für mich brach eine Welt zusammen. Die Frau, die ich so abgrundtief hasste, küsste den Mann, in den ich so sehr verliebt war! Mein Hals schnürte sich zusammen und so stand ich auf und warf ein paar Geldscheine auf den Tisch. „Ich glaube, mir wird schlecht. Ich muss hier raus“, flüsterte ich. Inga und Sally sahen mich nur noch verständnislos an. Wie in Trance lief ich zurück zur Kaserne. Als ich auf der Stube mich auf mein Bett warf, begann ich nur noch hemmungslos zu weinen. Morgen, das hatte ich in diesem Moment beschlossen, würde ich zu Captain Sanchez gehen und um meine Entlassung bitten. Ich hatte genug.

                      Und dennoch blieb ich. Nur wenige Minuten später kamen Inga und Sally auf die Stube und versuchten mich zu trösten. Wir redeten lange, bis spät in die Nacht. Irgendwann hatten die beiden Miststücke mich überredet, meine Entscheidung zu revidieren. Sie hatten ja Recht, schließlich war ich hier, um Polizistin zu werden und nicht um einen kindischen Gefühlszirkus zu veranstalten. Es war Sanchez‘ wie auch Ballards gutes Recht, sich zu treffen, mit wem sie wollten. Mich hatte das nichts anzugehen. Das erste Jahr verging und ich schaffte es, mich irgendwie mit Ballard zu arrangieren. Bald machte es mir auch nichts mehr aus, Ricardo und Ballard abends zusammen in der Bar zu treffen. Ich stürzte mich in den Lehrstoff und drehte nach Dienstschluss meine Runden auf dem Sportplatz – allein.
                      Zuletzt geändert von Nurara McCabe; 20.12.2013, 15:57.
                      Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

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                      • #12
                        Die zweite Konfrontation...

                        An einem nasskalten Novemberabend war ich wieder auf der Laufbahn. Ich wurde definitiv besser, ich hielt mittlerweile fünfundzwanzig Runden bei gleichbleibender Rundenzeit durch und war mächtig stolz auf mich. Die Rennerei half mir auch beim Frust- und Aggressionsabbau. Als ich mein Zehnkilometerpensum für diesen Tag abgespult hatte und von der Bahn ging, stand Lieutenant Ballard am Rand. Sie trug einen Polizeiregenmantel und hatte die Hände tief in die Taschen gesteckt. Lächelnd sagte sie: „Sie werden immer besser, Joan. Meinen Respekt.“

                        „Danke“, antwortete ich kurz angebunden und kramte meine Trainingsjacke aus meiner Sporttasche. Ich hatte nicht wirklich das Bedürfnis, mit ihr zu reden, zumal ich auch ziemlich außer Atem war.

                        Sie kam direkt zur Sache. „Es wird nicht besser mit uns, was? Gibt es etwas, das ich tun kann? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, mir liegt es fern, um Ihre Gunst zu buhlen, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich möchte Sie einfach nur verstehen. Ich habe noch nie einen Menschen wie Sie erlebt.“

                        „Sie sind die Psychologin, sagen Sie es mir, Lieutenant“, antwortete ich leicht genervt. Ich freute mich auf eine heiße Dusche und einen dicken, widerlichen Burger im Anschluss in der Sportbar. Ballard war kurz davor, mir den Appetit zu verderben.

                        „Ich werde es Ihnen sagen, Sie treiben dieses Spielchen aus reinem Trotz. Es steckt nicht einmal böse Absicht dahinter, weil ich Ihnen überhaupt keine Angriffsfläche biete, stimmt’s?“ Ballard sah mich mit einem unverbindlichen Lächeln an und zog eine Augenbraue nach oben. „Stimmt’s?“ fragte sie noch einmal. „Warum tun Sie sich diesen Stress an? Ist es nicht auf Dauer furchtbar anstrengend, einen Menschen grundlos … zu hassen?“

                        Ich sah Lieutenant Ballard einen Moment an. Ich sah in ihre grauen Augen, die mich treuherzig und freundlich anblickten. Verdammt nochmal, ja, sie hatte Recht! Es war wirklich furchtbar anstrengend, sich immer wieder einreden zu müssen, diese Frau nicht zu mögen. Dann geschah etwas, was ich von mir selbst niemals erwartet hätte. Ich streckte meine Hand aus und hielt sie ihr hin. „Lieutenant, ich möchte nicht, dass man mir nachsagt, ich wäre eine Querulantin. Ich habe Ihnen schwer Unrecht getan und möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Frieden?“

                        Ballard zog ihre Hand aus der Manteltasche und griff zu. Sie hatte einen warmen und festen Händedruck. „Ich nehme Ihre Entschuldigung an, Joan. Frieden. Und ich danke Ihnen!“ sagte sie mit einem breiten Lächeln.

                        „Warum?“ fragte ich etwas verwirrt.

                        „Weil die letzten Monate für mich mindestens genauso anstrengend waren wie für Sie. Immer wieder habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe, womit ich es verdient habe, von Ihnen so abgewiesen zu werden. Ich hatte den Eindruck, dass es immer schlimmer wurde und das hat schwer an mir genagt. Ich hatte einfach keine plausible Erklärung für Ihr Verhalten.“

                        Ich schulterte meine Sporttasche und wir verließen gemeinsam den Sportplatz. Mittlerweile hatte ein eisiger Regen eingesetzt. „Einen Grund gibt es, Lieutenant“, antwortete ich zaghaft.

                        „Verraten Sie ihn mir?“, fragte Ballard vorsichtig.

                        „Captain Sanchez … und Sie …“, antwortete ich.

                        „Sie … Sie waren eifersüchtig auf mich?“, gluckste Ballard. „Ernsthaft?“ Erstaunt schüttelte sie den Kopf, aus ihrem Pferdeschwanz flogen die Wassertropfen.

                        „Allerdings“, brummte ich. „Ich war kurz davor, hier alles hinzuschmeißen.“

                        „Sie können es bei Sanchez gerne versuchen. Wir sind nicht mehr zusammen. Aber Sie werden bitter enttäuscht sein.“ Ballard hatte Mühe, ernst zu bleiben.

                        „Lieutenant?“ Ich hatte in diesem Moment sichtliche Verständnisprobleme.

                        „Sanchez ist ein wahnsinnig gut aussehender Mann und einer der kompetentesten Ausbilder, die ich kenne. Charmant bis in die Haarspitzen und ein traumhafter Liebhaber. Aber er kann mit Frauen in einer dauerhaften Beziehung nichts anfangen. Nichts für mich. Und so, wie ich Sie einschätze, Landor, auch nichts für Sie. Und ist er nicht ein wenig zu alt für Sie? Ich glaube auch nicht, dass er etwas mit einer Kadettin anfangen würde.“
                        Ich sah Ballard an und war erstaunt, wie gleichmütig und frei von Groll sie von dieser kurzen fehlgeschlagenen Affäre sprach. Ihre Offenheit und Ehrlichkeit hatte mich schwer beeindruckt.
                        „Gehen Sie duschen, Landor. Wenn Sie fertig sind, würde ich mich freuen, wenn ich Sie heute Abend auf ein paar Bier einladen dürfte. Ich habe nämlich noch ein paar Neuigkeiten, die Sie interessieren werden!“

                        In der Bar war nicht viel los und wir fanden einen Tisch in einer ruhigen Ecke. Nachdem wir uns gesetzt hatten, sah ich Ballard erwartungsvoll an. „Wollen wir was essen?“, fragte sie mich. „Ich sterbe vor Hunger! Ich lade Sie ein, Joan.“

                        Eigentlich wollte ich Ballard ätzend fragen, ob sie vorhatte, sich bei mir einzuschleimen, aber das verkniff ich mir. Ich hatte mir vorgenommen, wirklich mal nett zu ihr zu sein, obwohl mir das immer noch schwer fiel. Stattdessen antwortete ich: „Gern, mir geht’s genauso.“ Und das entsprach auch der Wahrheit. Während Ballard die Menükarte las, betrachtete ich sie eingehend. Sie war wirklich außergewöhnlich schön, mit ihrem ovalen, ebenmäßigen Gesicht, eingerahmt von tiefschwarz glänzendem, schulterlangem Haar, von dem ein paar unzähmbare Strähnen frech in ihre Stirn fielen und ihrer geraden, schlanken Nase. Sie hatte ein winziges Muttermal unter ihrem linken Auge und volle, rote Lippen, die im Kontrast zu ihrer hellen Haut standen. Lieutenant Ballard war trotz ihres jungen Alters, sie war vielleicht bestenfalls fünf oder sechs Jahre älter als ich, eine ungeheuer charismatische Erscheinung.

                        „Sie beobachten mich schon wieder, Joan“, raunte sie, ohne ihren Blick von der Karte abzuwenden. „Ist es die Faszination des Grauens?“ Sie sah mich an und grinste.

                        „Entschuldigung, Lieutenant. Kommt nicht wieder vor“, murmelte ich und versuchte mich, hinter meiner Menükarte zu verstecken.

                        Ballard zog sanft meine Karte herunter und sagte: „Erstens: ich möchte von Ihnen heute Abend kein ‚Lieutenant‘ mehr hören, ich habe auch einen Vornamen, den kennen Sie. Und zweitens: wenn Sie mich weiterhin so anstarren, nehme ich Eintritt von Ihnen! Klar?“

                        „Klar, Lieu… äh… ich meine Katherine.“

                        Nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben hatten, faltete Katherine die Hände und setzte einen feierlichen Blick auf. „Ich sagte doch vorhin, dass ich interessante Neuigkeiten für Sie habe, richtig?“

                        „Richtig“, bestätigte ich.

                        „Nächste Woche bekommen wir hohen Besuch aus New York City. Colonel Garnie wurde zum Marshall befördert und ist somit neuer Chef der Weltraumpolizei. Er wird hier her kommen und sich über den Ausbildungsstand informieren. Die fünf Lehrgangsbesten werden ihn bei einem gemeinsamen Essen persönlich kennenlernen, und Sie Joan, Sie sind eine davon! Und soweit ich weiß, hat Garnie einen Stellenplan für seinen Stab in der Tasche. Er muss nur noch die Namen eintragen. Captain Sanchez sagt, Ihre Chancen stehen gut und er wird eine Empfehlung für Sie aussprechen.“
                        Ich war wie vom Donner gerührt, ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Brauchte ich auch nicht, denn Katherine sprach weiter. „Das war die gute Nachricht.“

                        Jetzt erschrak ich. „Und die schlechte?“

                        Katherine druckste schmunzelnd herum. „Meine Zeit als Ausbilderin hier in Westpoint ist um. Ich werde nach Abschluss dieses Lehrgangs versetzt.“

                        Ich ahnte Schlimmes. „Wollen … Sie … mir etwa sagen, dass …“, stotterte ich.

                        „… ich nach New York City versetzt werde, richtig“, beendete Katherine meinen Satz und tätschelte meine Hand. „Es tut mir Leid, Joan, aber ich fürchte, Sie werden mich nicht los!“, fügte sie hinzu und bedachte mich mit einem halb spöttischen und halb mitleidigen Lächeln.

                        Als Psychologin würde sie zum engsten Kreis in Marshall Garnies Umfeld gehören, soviel war klar. Ich konnte auch eine angebotene Stelle ausschlagen, aber dann wäre meine Karriere schnell in einer Sackgasse, darüber war ich mir auch bewusst. Ein Stellenangebot direkt vom Polizeichef lehnte man nicht ab. Was sollte ich also tun? Als erstes senkte ich meinen Kopf, bis meine Stirn auf die Tischplatte donnerte. Dann sah ich Katherine an, die offensichtlich Mitleid mit mir hatte. „Warum?“ flüsterte ich in einem Stoßgebet gen Himmel.

                        Katherine nahm belustigt meine Hand in die ihre. „Kommen Sie Joan, das wird nicht so schlimm, wie Sie befürchten. Lassen Sie uns den Abend heute nutzen, um uns besser kennenzulernen. Genau deswegen sitzen wir nämlich hier. Das war mein Plan … und ich freue mich darauf, mit Ihnen nach New York zu gehen!“
                        Mir war in diesem Moment nach Heulen zumute und Katherine sah es mir an. Sie drückte meine Hand und sprach leise zu mir. „Joan, hören Sie mir zu. Ich bin wirklich nicht das, wofür Sie mich halten, bitte glauben Sie mir. Ich bin kein Monster, keine böse Hexe oder ein Ungeheuer, das sich in Ihrem Schrank versteckt und Ihnen des Nachts einen Schrecken einjagen will. Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen. Ich bin wirklich ein netter, umgänglicher Mensch, ich habe zu Hause einen großen Freundeskreis, mein Leben macht mir Spaß und ich genieße es in vollen Zügen. Wie kann ich es anstellen, dass Sie mir nur ein klitzekleines bisschen Vertrauen schenken?“

                        Offensichtlich begann Katherine an mir zu verzweifeln, so traurig, wie sie mich in diesem Moment ansah. Ein leichtes Gefühl des Triumphes machte sich in mir breit und dennoch hatte ich etwas Mitleid mit ihr. Ich gab meinem Herzen endlich einen Ruck. „Meinen Sie wirklich, dass wir in New York miteinander auskommen werden?“, fragte ich mit belegter Stimme.

                        Katherine ließ meine Hand los, nahm das Bier, das uns die Bedienung in diesem Augenblick brachte und stellte einen großen Pint vor mir ab. Sie hob ihren Krug und meinte nur: „Davon bin ich überzeugt. Und der Schlag soll mich treffen, wenn es nicht so ist. Auf Ihr Wohl, Joan!“ Wir stießen an, das Bier schmeckte nur zu gut und ich hatte das Gefühl, dass es all die bösen und schmutzigen Gedanken gegen Katherine fortspülte. Innerlich fühlte ich mich erleichtert, erleichtert darüber, dass diese junge Frau, die mir gegenüber saß, es wirklich ernst und gut meinte. Ich hatte mich so sehr in ihr geirrt, dass es mir furchtbar leid tat. Irgendwie musste ich es ihr noch gestehen.
                        Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

                        Mission accomplished.

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                        • #13
                          Das war von Joans Seite, eine ziemlich schwere Geburt...
                          Ich hoffe, sie kriegt jetzt allmählich die Kurve.
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                          • #14
                            Oh ja, Joan hat sich sehr schwer getan. Aber langsam wird es besser.

                            „Sie stammen aus Alabama?“, fragte ich mit ehrlichem Interesse. „Die Flagge in Ihrem Büro …“

                            Ein breites Grinsen huschte über Katherines Gesicht, offensichtlich hatte ich ein Thema gefunden, über das sie gerne sprach. Ja, sie stammte aus dem Süden und sie war unheimlich stolz darauf. Katherine begann zu erzählen, von ihren Eltern Ted und Eve, ihrem kleinen Bruder Steven, der gerade sein erstes Jahr rauf dem College verbrachte, dass sie ihre schwarzen Haare von ihrer Mutter hatte, die zur Hälfte eine Muskogee-Indianerin war. „Nur meine Augen wollen nirgendwo hinpassen, mein Dad hat grüne Augen, meine Mutter und mein Bruder braune. Ich bin da etwas aus der Art geschlagen“, war ihr kichernder Kommentar.

                            Ich rief mir nochmals den Namen von Katherines Vater in Erinnerung. Ted – Theodore. „Sagen Sie, Katherine, ist Ihr Vater rein zufällig die Boxlegende Ted Ballard? Er stammt doch aus den Südstaaten!“

                            Etwas berührt nickte Katherine. Nicht dass es ihr unangenehm gewesen wäre, die Tochter eines Superstars des Sports zu sein, aber in ihrer offensichtlichen Bescheidenheit hatte sie es nicht erwähnt. Und dann kam noch etwas hinzu, Katherine war von Hause aus steinreich! Ihr Vater hatte in seiner aktiven Zeit mit Siegprämien und Werbeverträgen ein Millionenvermögen angehäuft und als er sich vom aktiven Boxsport zurückgezogen hatte, bekleidete Ballard einen hochdotierten Beraterposten in der Sportartikelindustrie. Auch heute noch wurde Ballard gerne als Experte zu großen Events eingeladen und lebte mit seiner Familie skandalfrei und zurückgezogen in eine kleinen Ort im Süden Alabamas, direkt am Golf von Mexiko. Und mir gegenüber saß eine Frau, die, wenn sie einmal erben sollte, mit einem Millionenbetrag in dreistelliger Höhe rechnen durfte.

                            „Mein Dad genießt seinen Ruhestand, er malt und fährt gerne mit dem Boot raus in den Golf zum Angeln. Seine Knochen sind kaputt, wissen Sie? Fünfundzwanzig Jahre im Ring ist eine Wahnsinnsleistung. Ich gönne es ihm.“ Katherine war es anzusehen, wie sehr sie ihre Familie liebte und ganz besonders ihren Vater verehrte. „Meine Mutter arbeitet noch als Verwaltungsangestellte im Rathaus. Sie will aufhören, wenn Stevie mit dem College fertig ist und endlich auszieht. Stevie ist unser Familienparasit“, fuhr sie mit einem boshaften Grinsen fort.

                            Während wir aßen, tranken und redeten, begann ich mich in Katherines Gegenwart tatsächlich immer wohler zu fühlen. Sie konnte ohne Punkt und Komma reden, aber sie war auch eine ausgezeichnete Zuhörerin, als ich von mir erzählte. Sie hielt stets Augenkontakt und ging auf mich ein und, wenig überraschend für mich, denn das wusste ich ja bereits, hatte Katherine einen wirklich rabenschwarzen und dennoch feinsinnigen Humor. An diesem Abend, der feuchtfröhlich endete, fing ich an, Katherine wirklich ein wenig zu mögen.

                            Am Donnerstag der darauffolgenden Woche war es soweit. Marshall Garnie besuchte uns in Westpoint. Am Vortag hatten wir Rekruten alle Hände voll zu tun, die Kaserne aus Hochglanz zu bringen. Glücklicherweise hatte der bis dahin trübe Herbst noch einmal Gnade walten lassen und uns zwei sonnige Tage beschert. Ich war aufgeregt wie ein kleines Mädchen an Weihnachten, denn heute sollten die Weichen für mein weiteres Berufsleben gestellt werden. Captain Sanchez hatte tatsächlich eine großartige Empfehlung meiner Akte beigelegt, die ich im Vorfeld lesen durfte.
                            Gegen Mittag ließ man uns auf dem großen Platz antreten und ein Tross von dunkelblauen Gleiterlimousinen fuhr in die Kaserne ein. Garnie, ein großer, schlanker Mann mittleren Alters mit grauen Haaren und einem buschigen grauen Schnauzbart stieg aus und hielt eine kurze Rede. Ich fand ihn von seiner Erscheinung her sofort sympathisch, er hatte so etwas Väterliches.

                            Im Anschluss an seine Rede wurden von den fünf Ausbildungszügen die jeweils Besten mit ihren Ausbildern zum Essen ins Offizierscasino eingeladen. Garnie begrüßte uns Rekruten persönlich mit Handschlag. Als ich mich ihm vorstellte, erinnerte Garnie sich sofort an mich. „Miss Landor“, sagte er, „mit Ihnen möchte ich im Anschluss ein persönliches Gespräch führen. Sie will ich unbedingt in meinem Stab haben.“

                            Nach dem Essen, bei dem Garnie den Schulkommandeur und dessen Offiziere über Neuigkeiten und zukünftige Veränderungen innerhalb der Behörde informierte, zog sich der Marshall mit seinem Stab, dem Kommandeur und den Zugführern in das Büro des Kommandeurs zurück. Ich hatte mit den anderen vier Rekruten draußen zu warten. Die Rekruten wurden nacheinander ins Büro gerufen und kamen mehr oder minder glücklich mit ihren Zugführern wieder hinaus. Ich war mal wieder die letzte. Plötzlich hörte ich Absätze von Stiefeln auf der großen Marmortreppe. Lieutenant Ballard kam heraufgerannt, sichtlich außer Atem. Zu meinem Erstaunen trug sie die Ausgehuniform. „Lieutenant Ballard“, rief ich erstaunt, „was machen Sie denn hier?“

                            Sie zuckte fragend mit den Schultern. „Ich bin eben angerufen worden und sollte so schnell wie möglich im feinen Zwirn hier erscheinen. Da bin ich. Was geht hier ab?“

                            „Ich habe keine Ahnung. Captain Sanchez ist noch da drin“, antwortete ich und wies mit dem Daumen auf die Tür zum Kommandeursbüro, „und ich soll hier warten, bis man mich hereinruft.“ In diesem Moment ging die Tür auf und Captain Sanchez‘ Kopf lugte heraus. Mit ernster Miene winkte er uns beide heran.

                            Mit Herzklopfen betrat ich nach Ballard das Büro. Schwere Teppiche und dunkle Ledermöbel empfingen uns. Marshall Garnie saß am riesigen Schreibtisch des Kommandeurs, selbiger stand hinter ihm. Zusammen studierten sie Akten. Ich warf einen Blick auf meinen Captain, der mich aufmunternd anlächelte. Dann sah Garnie auf. „Ah, Lieutenant Ballard, Kadett Landor! Schön, Sie zu sehen! Ohne Meldung bitte!“ Er stand auf und kam um den Tisch herum, um uns beide noch einmal per Handschlag zu begrüßen. „Sie wissen, warum Sie hier sind, meine Damen?“

                            „Nicht ganz, Sir“, antwortete Ballard. „Ich kann nur für mich sprechen, ich vermute, es geht um meine Versetzung?“ Ich schwieg.

                            „Ganz richtig, Lieutenant. Bitte, meine Damen, setzen Sie sich doch.“ Mit einer Handbewegung wies der Marshall auf das antike Ledersofa. Garnie setzte sich uns gegenüber in einen Sessel und schlug entspannt die Beine übereinander. „Ich möchte gleich zur Sache kommen“, fuhr er fort, während Ballard und ich uns setzten. „Es wird einige Umstrukturierungen geben und damit werden mit Ende dieses Ausbildungsganges einige Stellen im Präsidium vakant oder neu geschaffen. Sie, Lieutenant Ballard, werden Ermittlerin und Profilerin. Ich werde Sie in eine Abteilung versetzen, die sich mit Serienstraftaten beschäftigt. Wenn ich mich recht entsinne, war das Thema Ihrer Abschlussarbeit, richtig?“

                            Ballard begann über das ganze Gesicht zu strahlen. „Ja, Sir! Vielen Dank, Sir!“ rief sie freudig aus. Anscheinend ging damit ihr Berufstraum in Erfüllung.

                            „Und Sie, Kadett Landor, Sie werden Außendienstagentin für Spezialaufträge. Es ist zwar ein langer Weg, bis Sie eigenständig ermitteln dürfen, aber ich gebe Ihnen die besten Ausbilder an die Hand, die ich habe. Allesamt erfahrene und verdiente Leute. Ich denke, das deckt sich mit Ihrem Verwendungswunsch?“ Garnie schmunzelte hinter seinem dichten Schnurrbart.

                            Mir fiel ein Stein vom Herzen, ja, Garnie hatte tatsächlich meine Bewerberakte von vorne bis hinten gelesen. „Ja, Sir, hundertprozentig, Sir!“, antwortete ich mit einem breiten Grinsen. Das zweite Jahr hier in Westpoint würde für mich ein Durchlauf werden und die Aussicht auf diese begehrte Stelle gab mir den Ansporn, mich noch mehr anzustrengen, als ich es jetzt schon tat.

                            Garnie klatschte in die Hände und stand auf. „Wunderbar! Meine Damen, meine Herren, dann darf ich Sie im Rahmen einer Formalität zum Abschluss noch bitten, Grundstellung einzunehmen.“

                            Alle Anwesenden gingen in die Hab-Acht-Stellung und Garnie zog aus einer Mappe eine gelbe Urkunde hervor. Er räusperte sich und las den Text des Dokuments vor: „Hiermit ernenne ich Lieutenant Katherine Anne Ballard zum Captain. New York City, den 20. November 2194. Bitte stehen Sie bequem!“

                            Ballards Augen wurden groß und vor Schreck riss sie den Mund zu einem stummen Schrei auf. Mit einer Beförderung hatte sie bei weitem nicht gerechnet. Garnie und Commander Mulligan schoben der völlig verdutzten Katherine die neuen Dienstgradabzeichen auf die Schulterstücke und schlugen sie nach alter Tradition mit einem kräftigen Schlag mit der flachen Hand auf die Schulter der frisch Beförderten „fest“.

                            ***


                            Kat sah sehnsüchtig zum Himmel. „Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit einer Beförderung zum Captain. Das war mindestens ein Jahr zu früh!“

                            „Hättest ja ablehnen können“, stichelte ich. „Ich hätte die Beförderung sofort angenommen.“

                            Kat zeigte mir einen Vogel und grinste. „Ja, ist klar. Vom Kadetten gleich zum Captain befördert werden, das hätte dir ähnlich gesehen.“

                            Ich sah Kat an, wir kannten uns seit mittlerweile fast zehn Jahren und ich kann Ihnen nicht sagen, wo die Zeit geblieben ist. Wir waren älter geworden, aber an Kat schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Sie hatte sich überhaupt nicht verändert, sie schien nicht einmal zu altern. Sie hatte nicht das kleinste Lachfältchen um die Augen und das obwohl sie gefühlt in einer Tour lachte. Wobei, das Lachen wäre uns in der vorletzten Ausbildungswoche des zweiten Jahres beinahe für immer vergangen …

                            ***

                            Für mich ist Gleichberechtigung dann erreicht, wenn es genauso viele weibliche wie männliche Idioten gibt.

                            Mission accomplished.

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                            • #15
                              ... und gibt es zum Jahreswechsel noch ein Häppchen?

                              ZUKUNFT -
                              das ist die Zeit, in der du bereust, dass du das, was du heute tun kannst, nicht getan hast.
                              Mein VT: http://www.scifi-forum.de/forum/inte...ndenz-steigend
                              Captain Future Stammtisch: http://www.scifi-forum.de/forum/inte...´s-cf-spelunke

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