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Tun, was nötig ist! (Perry Rhodan Kurzgeschichte)

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  • Tun, was nötig ist! (Perry Rhodan Kurzgeschichte)

    Anbei eine Kurzgeschichte von mir aus dem Universum von Perry Rhodan. Die Geschichte ist Teil des Ebooks "11x Alltag", an dem mehrere Autoren mitgewirkt haben. Man kann es sich hier runterladen, viel Spaß: 11xAlltag.epub ? Yandex.Disk

    Tun, was nötig ist!


    Den vier Giftklingenkämpfern, die gegenüber auf einer Sitzbank hockten, schenkte Garth Vinclo keine Beachtung. Er schwieg, genau wie die Männer, die sich mit ihm in dieser Kabine im unteren Segment der Großen Arena von Tagnor befanden. Der durchtrainierte Mensch mit der kupferfarbenen Haut und dem strähnigen, grünen Haar starrte mit ausdrucksloser Miene auf den gefliesten Boden der Kammer. Hoch über Vinclo, wo die riesenhafte Kampfarena in den Himmel hinaufragte, erschallte ein Jubel aus Zehntausenden Kehlen. Hier unten, in den katakombenartigen Gewölben, hörte sich das Geschrei wie ein dumpfes Raunen und Grollen an.
    Die Giftklingenkämpfer erhoben sich von ihren Plätzen, Garth Vinclo hingegen hob kurz den Blick, um den Kopf dann sofort wieder sinken zu lassen. Eine Durchsage hatte die muskelbepackten Krieger zu den Aufzügen gerufen, die sie nach oben bringen würden. Einer der Männer, eine hünenhafte Gestalt mit fast schneeweißer Haut und rotblonden Haaren, murmelte irgendetwas in Vinclos Richtung. Obwohl der Meredier nichts verstanden hatte, quittierte er die Aussage mit einem beiläufigen Lächeln. Vermutlich hatte sich der Mann lediglich verabschieden wollen. Eigentlich eine nette Geste, wenn man bedachte, dass diese Arena ein Ort des Todes war, in der man nur auf sich allein gestellt war.
    Jedenfalls waren die Giftklingenkämpfer vor Garth Vinclo dran. Sie hatten die Aufgabe, die sensations- und blutgierige Masse dort oben zuerst zu unterhalten. Dann würde der grünhaarige Mensch an der Reihe sein, um entweder im Jubelgeschrei der Masse zu baden oder schnell und ruhmlos zu scheitern.
    „Nein!“, zischte Vinclo still in sich hinein, nachdem die vier Fremden die Kabine verlassen hatten. „Ein Scheitern steht nicht zur Diskussion!“
    Er musste den Kampf gewinnen, um seinen eigentlichen Auftrag durchführen zu können. Ein Auftrag, den er von keinem geringeren als Lordadmiral Atlan selbst entgegengenommen hatte.
    Garth Vinclo spürte, wie der Druck und die Nervosität in seinem Inneren anwuchsen, je intensiver er über seine Lage nachdachte. Das Adrenalin rauschte schmerzhaft durch seine Adern, während das Herz immer heftiger zu pochen begann.
    „Ruhig! Kontrolliere deine Gedanken! Angst besteht aus schlechten Gedanken – und Gedanken kann man kontrollieren!“, versuchte sich der Meredier zu beruhigen.
    Vinclo schloss die Augen und ließ den Kopf in den Nacken sinken. Er entsann sich den Atemübungen, der Angstkontrolle und dem Zähmen verwirrender Gedanken, so wie er es in seiner Ausbildung als Agent der United Stars Organisation gelernt hatte. Er war kein gewöhnlicher Mensch, kein einfacher Bürger des Imperiums. Garth Vinclo war Mitglied einer Elite. Demnach hatte er sich auch entsprechend zu verhalten, daher musste er seine Pflicht tun. Ein Versagen stand einfach nicht zur Debatte!
    Als „gewöhnlich“ konnte man den Meredier aber auch sonst nicht bezeichnen. Der Abkömmling terranischer Kolonisten stammte von einer lebensfeindlichen Dschungelwelt, deren aggressive Tierwelt ihresgleichen suchte. Die Eroberung von Meredi IV war ein niemals endender Kampf gegen eine feindliche Umwelt, seit der erste Mensch seinen Fuß auf den Planeten gesetzt hatte. Dieses Leben im Konflikt, abgesehen von diversen genetischen Eingriffen, hatte die Meredier in jene streitbaren Menschen mit grünen Haaren und kupferroter Haut verwandelt, die sie heute waren. Harte, kampfstarke, überall im Solaren Imperium gern gesehene Soldaten und Flottenangehörige. Garth Vinclo war stolz auf das, was er war.
    „Culax von Methral, machen Sie sich für den Hauptkampf des heutigen Tages bereit und kommen Sie unverzüglich nach oben!“, schallte es aus einem Lautsprecher an der Decke der Kabine.
    Garth Vinclo erwachte aus seiner grüblerischen Starre. Wie viel Zeit war vergangen, seit die vier Giftklingenkämpfer die Kammer verlassen hatten? Vinclo hatte so viel nachgedacht, dass er die Welt um sich herum aus den Augen verloren hatte.
    Mit unsicheren Bewegungen stand er von der Sitzbank auf und ging zur Tür. Vinclo fühlte sich nackt. Und das war er auch; jedenfalls beinahe. Er trug lediglich einen Lendenschurz, ganz nach altarkonidischer Tradition. Hier auf dem Planeten Zalit, wo Arenakämpfe seit vielen Jahrhunderten zum Kulturgut gehörten, mochten es die Zuschauer, wenn die Krieger primitiv und urtümlich wirkten.
    Als Vinclo auf den Korridor hinaustrat, wurde er von zwei arkonidischen Würdenträgern in Empfang genommen. Die hochgewachsenen Männer mit ihren weißblonden Haarmähnen, die lange, wallende Seidengewänder trugen, geleiteten den Arenakämpfer zu einem der Aufzüge am Ende des langen Ganges. Garth Vinclo folgte ihnen wortlos. Tief im Inneren kämpfte er gegen die aufkeimende Furcht, die immer wilder und wütender zu rumoren begann.
    „Wir wünschen Euch einen langen Ruhm oder einen schnellen Tod!“, sagte einer der Diener, wobei er sich, genau wie der andere, höflich verbeugte.
    Vinclo nickte den beiden Arkoniden zu. Dann betrat er den Aufzug, der sofort nach oben schoss. Schon öffnete sich die Tür des Lifts erneut; Vinclo schluckte, das erwartungsvolle Raunen und Brüllen einer riesigen Zuschauermasse war nun ganz nah.
    Zwei arkonidische Wachsoldaten mit schweren Impulsstrahlern und eindrucksvollen Zierkörperpanzern empfingen den Meredier mit einem freundlichen Lächeln. Vinclo war kein Strafgefangener, der zu einem letzten Kampf in die Arena geschickte wurde. Er war ein Freiwilliger, ein Mann, der Ruhm und Ehre erringen wollte. So jemand wurde auf Zalit überall geachtet und bestaunt, obwohl die breite Masse der Arkoniden eher groß im Zuschauen und weniger groß im Kämpfen war. Garth Vinclo nannte sich „Culax von Methral“, ein wohlklingender Name für einen Arenakämpfer, wie er meinte. Außerdem wusste niemand, wer er wirklich war, und vor allem: Warum er eigentlich nach Zalit gekommen war.
    Grelle Scheinwerfer erleuchteten einen endlos erscheinenden Durchgang, der direkt zur Großen Arena führte. Hinter Vinclo gingen sich die beiden Wachsoldaten, die sein Ehrengeleit darstellten. Arenakämpfer wurden stets von arkonidischen Soldaten begleitet, wenn sie auf den Kampfplatz gingen. Auch dies war eine Tradition, die seit Jahrtausenden bestand. Die beiden Männer, die mit Garth Vinclo den langen Korridor hinabschritten, trugen daher auch mit Goldbeschlägen und Diamanten verzierte Rüstungen. Auf Zalit wurden diese Soldaten als „Traditionswächter“ bezeichnet.
    Langsamen Schrittes bewegte sich Vinclo vorwärts, eingehüllt in ein erwartungsvolles Getöse, das von den Rängen zu ihm herabbrauste. Der Agent kämpfte derweil mit seiner Angst, deren Tentakel sich mittlerweile in seinem Hirn festgesaugt hatten.
    „Das ist nicht das erste Mal, Garth! Ruhig! Nicht die Nerven verlieren! Nur so kommst du an ihn ran!“, wisperte der drahtige Meredier in sich hinein, während seine hellblauen Augen nervös die Umgebung absuchten.
    „Ausweichen! Zuschlagen! Ausweichen! Zuschlagen!“, fügte Vinclo kaum hörbar hinzu.
    Allmählich verwandelte sich der Gang zur Großen Arena in einen ewig erscheinenden, qualvollen Marsch ins Ungewisse. Garth Vinclo rief sich noch einmal ins Gedächtnis, warum er heute überhaupt hier war. Warum er sein Leben riskierte – und wofür. Das war das Wichtigste! Er musste sich noch einmal klarmachen, warum er dem Tod gegenübertrat. Er war ein Agent der USO, ein Elitekämpfer des Solaren Imperiums. Seine Mission war wichtig. Er, Garth Vinclo, konnte dem Imperium, der gesamten Menschheit, einen unschätzbaren Dienst erweisen. Perry Rhodan, der Mann, dem er verpflichtet war, konnte nicht überall sein. Er brauchte treue Helfer, Helfer wie Garth Vinclo.
    Rhodan, der Mann, der als kleiner Astronaut zum Mond aufgebrochen war, um als Messias wiederzukehren. Die Machtergreifung des Größten aller Großen lag nunmehr schon lange zurück. Vinclo hatte die terranische Geschichte und natürlich Rhodans Biographie genau studiert. Als Mitarbeiter der USO und Angehöriger der politischen Elite des Solaren Imperiums gehörte dies einfach dazu.
    Damals, im Jahre 1982, als sich die Menschheit in einem Zustand des fortschreitenden Zerfalls befunden hatte, war durch Perry Rhodan alles verändert worden. Er hatte alles neu gemacht. Der hochgewachsene, blonde Mann, der sich selbst über den Tod erhoben hatte, war wie ein gewaltiger Asteroid auf der Erde eingeschlagen. Mit außerirdischer Technologie und fremdartigen Verbündeten war er aufgetaucht, um die Machtstrukturen auf Terra zu zerschlagen und jene, die den Planeten einst in ihrem Würgegriff gehalten hatten, niederzuwerfen. Niemand hatte mit einer Anomalie wie Rhodan gerechnet, keiner hatte eine Erscheinung wie ihn eingeplant gehabt. Und doch war es geschehen – „er“ war geschehen!
    Heute, über 150 Jahre nach dem Auftauchen des großen Führers und Gründers des Imperiums, wurden die alten Zeiten häufig verklärt dargestellt. Garth Vinclo allerdings wusste, dass Perry Rhodan und sein Führungsstab, die noch heute die politische Leitung des Imperiums fest in Händen hielten, viele Kämpfe hatten bestehen müssen, um die Menschheit zu dem zu machen, was sie heute war.
    Die Kräfte, die die Erde in der Vergangenheit beherrscht und kontrolliert hatten, waren nicht freiwillig abgetreten. Oftmals hatte sie Rhodan zwingen müssen, ihre Macht aufzugeben; nicht alles war dabei unblutig abgelaufen, auch wenn sich der Großadministrator zumeist gesprächsbereit gezeigt hatte.
    Der Meredier jedenfalls meinte, dass Perry Rhodan die Menschheit vor Verfall und Degeneration gerettet hatte. Er war in einer Zeit vom Himmel gekommen, in der weitere Teile Terras von Kriegen und Hungersnöten erschüttert worden waren und sich die Situation seit Jahrzehnten zugespitzt hatte. In Europa, dem Kontinent, von dem Garth Vinclos Vorfahren stammten, hatten damals schwere ethnische und religiöse Konflikte getobt. Das Sozialsystem war in dieser Epoche längst kollabiert gewesen; nur Rhodans Auftauchen hatte den völligen Zusammenbruch Europas verhindert.
    Heute jedoch war die Menschheit längst aus ihrem Madedasein erlöst. Inzwischen vergrößerte das Solare Imperium zielstrebig seine Macht. Perry Rhodan tat alles dafür, sein Reich zu einer galaktischen Großmacht zu formen. Die Sternenflotte wuchs mit immer größerer Geschwindigkeit an, Terra rüstete zu einer Expansion nie gekannten Ausmaßes. Er hatte einfach alles verändert, der Großadministrator.
    Garth Vinclo lächelte in sich hinein, während er die Gedanken an sein großes Vorbild wieder auf rationale und weniger emotionale Bahnen zu lenken versuchte. Man sagte sich in den Reihen der USO, dass Rhodan großen Wert darauf legte, keinen allzu großen Kult um seine Person aufkommen zu lassen. Meistens zeigte er sich der breiten Masse in der schlichten Uniform der Sternenflotte und benahm sich wie ein „normaler“ Mensch. Allerdings, so sagte es sich Vinclo, wusste der Großadministrator sicherlich zu gut, dass er ein Übermensch war.
    Demnach war der Kult um Perry Rhodan vollkommen gerechtfertigt, meinte der grünhaarige Agent. Es war besser, wenn der einfache Bürger des Imperiums ein strahlendes Vorbild hatte und nach oben schaute, als wenn er seinen Blick auf den Dreck der Straße richtete.
    Demnach fühlte sich Garth Vinclo als rechte Hand des Großadministrators, denn nichts anderes war er als Agent der United Stars Organisation. Der imperiale Geheimdienst bekämpfte den Feind im Inneren, den Verräter und Kollaborateur, der das von Rhodan geschaffene Wunderwerk zu unterhöhlen versuchte. Und ebenso führte die USO einen geheimen Krieg gegen feindliche Außerirdische, von denen mit jedem verstreichenden Jahr der Expansion neue entdeckt wurden. Die Aufgaben des imperialen Geheimdienstes waren vielfältig, genau wie die Gegner des Sternenreiches selbst.
    Somit war es vielleicht sinnvoller, die USO als die in Wahrheit „linke Hand“ des Solaren Imperiums zu bezeichnen, denn nicht selten mussten die Agenten Aufgaben übernehmen, die die breite Masse der Menschen nichts anging. Als Eingeweihter wusste Vinclo, dass sich kein Welt- und schon gar kein Sternenreich auf Dauer erhalten konnte, ohne gelegentlich auch auf Gewalt und sogar Grausamkeit zurückzugreifen.
    „Tun, was nötig ist!“, lautete einer der internen Leitsprüche der USO. Garth Vinclo jedenfalls tat alles, was er tat, aus tiefster, innerer Überzeugung.
    Das Sinnieren des grünhaarigen Mannes endete, als sich ein gewaltiges Portal vor seinen Augen öffnete und der Blick auf eine sonnendurchflutete Arena frei wurde. Ohrenbetäubender Jubel erschütterte die Ränge, auf denen sich Zehntausende von Schaulustigen befanden. Der Arenakämpfer von Meredi IV trat blinzelnd einen Schritt vor, während ihm ein unbeschreiblicher Lärm entgegenschlug. Die beiden Traditionswächter hinter ihm verschwanden wieder in dem Durchgang. Stattdessen kam ein kahlköpfiger Arkonide auf Vinclo zu und überreichte ihm seine Waffe: ein beidhändig geführtes Schwert mit langer Klinge. Der Meredier nahm es wortlos entgegen. Dann ging er immer weiter geradeaus, mitten ins Herz der riesigen Arena hinein.
    Unter seinen nackten Füßen spürte Garth Vinclo den warmen Sand, auf seiner Stirn brannten die Strahlen einer unbarmherzigen Sonne. Der Mensch zuckte zusammen, als man ihn mit feierlicher Stimme ausrief.
    Auf einer prunkvoll verzierten Antigravsänfte, über den Köpfen der einfachen Zuschauer des Spektakels schwebend, breitete Patriarch Echnach der Zweidenker gebieterisch die Arme aus. Der reiche Springer, neben dem zwei riesenhafte Leibwächter vom Stamm der Überschweren standen, war der vielleicht einflussreichste Bankier im galaktischen Zentrum. Echnach herrschte nicht nur über ein Finanzimperium, sondern war auch bei den zalitischen Spielen als Wettkönig und Geldgeber bekannt. Hinter dem kugelbäuchigen Springer mit dem schwarzen Vollbart stand der planetare Statthalter von Zalit. Allein die Tatsache, dass Echnach und nicht der Arkonide die Arenakämpfe ansagten, zeigte, wer die mächtigere Stellung innehatte.
    „Culax von Methral gegen eine Urweltbestie, wie sie schlimmer und schrecklicher nicht sein könnte!“, rief Echnach der Zweidenker mit donnernder Stimme. „Dort steht er, der kleine Mensch, der aus den Tiefen der Galaxis nach Zalit gekommen ist, um Ruhm und Ehre zu gewinnen!“
    Garth Vinclo sah zu Echnach und der schwebenden Sänfte hinauf. Aufgeregt umklammerte er den Griff seines Schwertes, während sich am anderen Ende der Arena langsam ein riesiges Gatter öffnete.
    „Der kleine Mensch…gegen die schuppige Bestie von Meredi IV!“, brüllte Echnach gedehnt, wobei er die Arme in die Höhe warf und die Zuschauer wie verrückt zu johlen anfingen.
    Garth Vinclo stieß einen Schwall Luft aus. Das Gatter war offen, ein hellbrauner Echsenkopf wurde sichtbar, schob sich aus dem Halbdunkel heraus. Es dauerte nur noch wenige Sekunden, bis ein vier Meter großer Tremak-Saurier mit flinken, hüpfenden Bewegungen auf ihn zuraste.
    „Konzentrieren! Nicht die Nerven verlieren!“, ermahnte sich der Meredier in diesem Augenblick höchster Anspannung.
    Das schuppenbewehrte Monstrum, das sich auf zwei muskulösen Beinen vorwärtsbewegte, schnellte heran. Der Kopf schoss herunter, Vinclo sprang instinktiv zur Seite, ein riesiges Maul voller scharfer Zähne schloss sich nur knapp vor seinen Augen. Der Agent schlug mit dem Zweihandschwert um sich, doch der Saurier wich seiner Attacke ebenso geschickt aus, wie er der seinen.
    „Gefährliches Mistvieh!“
    Derweil steigerten sich die Zuschauer in eine begeisterte Extaste hinein. Tausende begannen Garth Vinclo beziehungsweise Culax anzufeuern, während der Saurier schon zum nächsten Angriff ansetzte und nicht daran dachte, seinem Gegner auch nur eine Sekunde Ruhe zu gönnen.
    Tremaks waren die vielleicht gefährlichsten Echsen, die die Fauna von Meredi IV zu bieten hatte. Dieses Exemplar war allerdings noch ein Jungtier. Ein ausgewachsener Tremak konnte dagegen eine Schulterhöhe von über sieben Metern erreichen und trug ein derart hartes Schuppenkleid, dass man ohne ein Strahlengewehr nicht sonderlich große Chancen hatte, ein Zusammentreffen zu überleben.
    Aber dieses Jungbiest reichte Vinclo völlig. Brüllend schnappte die Echse nach dem Oberkörper des Menschen, um sich dann blitzartig umzudrehen und mit dem Schwanz um sich zu schlagen. Der Meredier duckte sich, sprang sofort wieder auf, nur um sich im nächsten Augenblick wieder fallen lassen zu müssen. Neben ihm schlug ein mit langen Hornstacheln bewehrter Schwanz im Sand der Arena ein und wirbelte eine Staubwolke auf.
    „Drecksvieh!“
    Vinclos Schwertklinge schnitt wirkungslos durch die Luft. Erneut hatte er eines der Beine des Sauriers verfehlt. Im Gegenzug kam die Bestie zurück und versuchte ihn mit blitzartigen Bissen und weit ausholenden Schwanzschlägen zu Fall zu bringen. Der USO-Agent wich jedoch aus, genau wie sein tierischer Gegner im Gegenzug. Dieser Jungtremak war unfassbar schnell und flink. Er bereitete Vinclo ernsthafte Schwierigkeiten.
    Dann sprang die Echse plötzlich hoch und versuchte ihn mit ihrem ganzen Gewicht zu zermalmen. Mit einem solchen Angriff hatte der Meredier nicht gerechnet. Panisch schreiend rollte er sich seitwärts ab, während der Saurier neben ihm zu Boden krachte und noch im Flug mit dem Schwanz um sich schlug.
    Garth Vinclo brüllte auf, als ihm die Spitze eines Hornstachels den Oberschenkel aufriss. Verstört taumelte der Agent nach hinten, wobei er abwehrend das Schwert anhob.
    „Es hat mich erwischt! Dieses verfluchte Vieh hat mich erwischt!“, schoss es Vinclo durch den Kopf. Schlagartig wuchsen Panik und Todesangst wieder an. Die Wendigkeit des Tremak begann den Agenten zu verunsichern. Dieses Dschungeltier kämpfte beinahe intelligent, es ging taktisch vor, mit einer instinkthaften, gefährlichen Schläue.
    Glücklicherweise hatte ihn der Schwanzschlag nicht richtig getroffen. Ein Volltreffer hätte ihn bereits kampfunfähig machen können. Vinclo versuchte die Furcht und derartige Gedanken zu verdrängen. Außerdem ließ ihm der Saurier keine Zeit zum Grübeln.
    Immer ungestümer und wütender griff die Kreatur an. Vinclo duckte sich unter einer ganzen Serie von Bissattacken und Schwanzschlägen weg. Doch diesmal erwischte er die Riesenechse. Mit aller Kraft schlug er ihr die Klinge in die Seite, als sich das Tier gerade umdrehen wollte. Der Tremak stieß ein zorniges Grollen aus; ein blutiger Regen spritzte Vinclo ins Gesicht.
    Außer Atem taumelte der Mensch über den heißen Sand. Er hatte das Monstrum erwischt. Keine schwere Wunde, aber immerhin. Vinclo rang sich ein erschöpftes Lächeln ab, während der Saurier mit aufgerissenem Maul auf ihn zugerannt kam.
    „Ausweichen! Zuschlagen! Nerven behalten!“, sagte der Meredier zu sich selbst. Seine Zuversicht wuchs. Derweil brüllten sich die Zuschauer die Kehlen heiser. Die Große Arena von Tragnon hatte sich in einen Hexenkessel aus brodelnder Leidenschaft verwandelt.
    Vinclo hechtete zur Seite, der Saurier schnappte ins Leere. Wieder fuhr das Schwert nach unten, die scharfe Spitze bohrte sich ein zweites Mal durch den etwas dünneren Schuppenpanzer des Wesens unterhalb der kurzen, verkümmert wirkenden Greifarme. Der auf zwei Beinen rennende Tremak brüllte auf. Vinclo setzte nach. Während sich das Tier noch umzudrehen versuchte, schlug er mehrfach zu. Blut spritzte umher; Vinclo hatte den Saurier am Hals getroffen.
    Verzweifelt versuchte der Tremak ihn mit dem Schwanz zu treffen, doch Vinclo sprang hoch, so dass die gefährlichen Hornstacheln unter ihm hindurchfegen konnten. Dann griff der Mensch weiter an. Sein tierischer Feind wurde langsamer und wirkte geschwächt.
    Drei wohlgezielte Schläge später torkelte der Saurier unter dem aufbrausenden Gejohle des Publikums zurück. Vinclo bohrte ihm die Schwertspitze ins rechte Auge. Der junge Tremak heulte vor Schmerzen auf. Überall um das mächtige Tier herum färbte sich der Sand der Arena rot.
    „Töte ihn! Töte ihn!“, kreischten die Zuschauer auf den Rängen.
    Garth Vinclo hatte nicht vor, das Tier von seiner Heimatwelt noch länger leiden zu lassen. Dieser Kampf war vorbei, die Riesenechse war zu schwer verwundet, um den Meredier noch ernsthaft gefährden zu können. Mit langsamen, ungeschickten Bewegungen zog sich der Saurier vor dem USO-Agenten zurück. Vinclo setzte zum Sprint an, rannte los, sprang hoch und schlitzte dem Tier mit einem wuchtigen Streich den Hals auf. Brummend brach der Saurier zusammen, um in einer sich schnell ausbreitenden Blutlache liegen zu bleiben.
    Garth Vinclo warf sein Schwert erschöpft in den Sand. Das laute Jubelgeschrei des Publikums nahm er kaum noch wahr. Schweißströme rannen sein Gesicht herunter, das Herz hämmerte noch immer wie verrückt.
    „Du hättest mich auch erwischen können. Hast gut gekämpft, Tremak…“, flüsterte der Mensch mit der kupferroten Haut dem sterbenden Saurier zu. Plötzlich tat ihm das Tier leid. Es hatte sein Leben nur zur Belustigung eines dekadenten Publikums geben müssen. Aber dieser Kampf war notwendig gewesen, dachte sich Vinclo. Er war nun einmal Teil seines Auftrages.
    Während es immer noch „Culax! Culax!“ von den Rängen der Arena hallte, setzte sich hoch oben Echnachs Antigravsänfte in Bewegung. Langsam kam sie zu Garth Vinclo herabgeschwebt, wobei der Springerbankier grüßend die Hände hob.
    „Ich habe es geschafft“, sagte Vinclo leise zu sich selbst.
    Schließlich blieb die Sänfte über dem Arenakämpfer in der Luft stehen. Echnach der Zweidenker klatschte theatralisch und grinste Vinclo dabei zu. Sicherlich hatte der bärtige Banker auf ihn gewettet. Als Sieger dieses Kampfes würde der Meredier heute Abend in Echnachs Landhaus am Rande der zalitischen Hauptstadt eingeladen werden. So machte es der Finanzmagnat seit Jahren, der reiche Springer umgab sich gerne mit siegreichen Arenakämpfern. Heute Abend würde Garth Vinclo in Echnachs Villa sein, im Hause des mächtigen Patriarchen.
    Die Antigravsänfte erhob sich wieder. Echnach nickte Vinclo noch einmal anerkennend zu. Der USO-Agent jedoch sah nur mit ausdruckslosen Augen zu ihm herauf.
    „Heute Abend werde ich dir direkt gegenüber stehen. Und morgen wirst du tot sein!“, dachte sich Garth Vinclo.
    Echnach war ein Feind des Solaren Imperiums, ein Feind Perry Rhodans, ein Feind der Menschheit. Atlan hatte Garth Vinclo den Befehl gegeben, zu tun, was nötig ist. Jetzt hatte der Meredier die Chance, sich zu beweisen. Er würde nicht versagen…
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  • #2
    Prima.
    Was mir speziell gefällt ist der Name des Merediers - bei Garth Vinclo musste ich, abseits der Körperbeschreibung, instinktiv sofort an den "Dreitöter", Arl Tratlo, denken.

    Die Kurzgeschichte bringt das eigentliche Thema - die Liquidierung des Springers - sehr interessant zur Geltung. Indem nicht direkt darauf eingegangen wird. Sehr schöne Idee IMO.

    Das Ding hat mir, als Rhodan Fan der besonders die ersten 500 Bände mag, wirklich sehr gut gefallen, und ich hoffe, dass es zukünftig Nachschub von dir geben wird...
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    • #3
      Vielen Dank für das Lob. Ja, wenn es die Zeit zulässt, dann werde ich sicherlich noch die eine oder andere Kurzgeschichte nachliefern. Freut mich, dass sie dir gefallen hat. Ich mag die alten PR-Romane auch sehr, die hatten einfach ein ganz bestimmes Flair.
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      • #4
        Hallo Alexandermerow!

        Wow, ich war tief beeindruckt von dieser sehr detaillierten Beschreibung des Hauptprotagonisten und der Situation, in der er steckte!
        Und ich, der ich noch nicht viel mehr vom Perry Rhodan-Universum kenne, außer den Erzählungen in der Bekanntschaft, habe einen kleinen Eindruck von den Zielen und der Komplexität der Geschichten um PR bekommen!
        Ich danke Dir dafür und werde immer wieder nachsehen, ob es Neues bei Dir gibt!

        LG
        earthquake
        Entgegen der um sich greifenden Legendenbildung habe ich mein "altes" Forum nicht freiwillig verlassen, sondern ich wurde von den neuen "Betreibern" vor die Tür gesetzt, um den "echten" Fans den Anblick meiner Geschichten zu ersparen!

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        • #5
          Danke für das Lob, Earthquake. Der 3. Teil meiner SF-Reihe "Das aureanische Zeitalter" (Die Hölle von Thracan) ist jedenfalls mein neuestes Buch, wenn ich mir diese kurze Eigenwerbung erlauben darf
          Wer gerne in ein unendlich großes SF-Universum eintauchen möchte, der ist mit "Perry Rhodan" auf jeden Fall gut bedient. Lesestoff (fast) für die Ewigkeit.
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