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Spiritual Warfare Review

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    Spiritual Warfare Review

    Quelle: www.Pixel-Heroes.de

    Ist zwar ein langes Review, aber extremst geil und satirisch geschrieben!
    Lest es und lacht ab!


    Spiritual Warfare Review: Auch Christen spielen Videospiele - solche hier...

    Heute werde ich mir einmal den guten alten Star Trek-Introsatz "...and boldly go where no man has gone before" als Motto nehmen und etwas tun, was noch so gut wie niemand vor mir getan oder besser "gewagt" hat. Etwas, woran viele Menschen, die Reviews zu Videospielen schreiben, noch nie auch nur gedacht haben. Etwas, was nur ein Mensch mit einer großen Willenskraft und einem starken Geist unbeschadet bestehen könnte. ...und selbst in diesem Moment zweifle ich noch ein wenig, ob ich es schaffen werde. Aber es muss sein, denn ohne Dinge zu tun, die unmöglich erscheinen, wäre die Menschheit nie so weit gekommen wo sie heute ist. Es gäbe keine Belletristik, es gäbe keine Musik, es gäbe kein Ozonloch, es gäbe keine Talkshows und vor allem - es gäbe keine Handy-Klingeltöne zu Musikstücken von SCOOTER. Ich frage euch, was würde die Menschheit ohne Handy-Klingeltöne von Scooter machen? ...aber zum Thema. Ich werde hiermit ein Review präsentieren zu einer Sorte Spiel, von der es a) nur sehr wenige Spiele gibt und die b) eigentlich so gut wie niemanden wirklich interessiert. Nein, ich rede nicht von Quizspielen zu namhaften (?) Vorabend-Serien, sondern von etwas, das viel bizarrer ist. Nämlich von... CHRISTLICHEN Spielen. Spielen, die "eigentlich" recht normale Spiele sind, aber offensichtlich sehr stark christlich inspiriert sind und unverhohlen ihren christlichen Inhalt präsentieren. Was genau damit gemeint ist, werdet ihr später noch deutlich genug sehen... Ich persönlich frage mich allerdings wirklich, warum es überhaupt solche Spiele gibt... Dürfen "wahre" Christen keine Spiele wie Final Fantasy, Tetris oder *Name eines beliebigen indizierten 3D-Shooters einsetzen* spielen? Sollen Jugendliche von solchen Spielen dazu animiert werden, "christlicher" zu leben? [Hmm, letzteres wäre ja genau so, als würde man eine Armee Kriegsspiele veröffentlichen, um damit potentielle Soldaten zu "züchten"... ...hey, Moment mal, die US-Armee MACHT genau so etwas. Ich wittere eine Verschwörung von US-Armee und dem Vatikan...] Was auch immer der Grund sein mag, christliche Spiele existieren. Meist führen sie ein regelrechtes Mauerblümchendasein, im Konsolenbereich wurden sie meist ohne Lizenz veröffentlicht und fast immer ist die Qualität in einem auch nur annähernd neutralen Vergleich lächerlich - aber es gibt auch hier die Ausnahme von der Regel.

    Ende der Achtziger und bis Mitte der Neunziger veröffentlichte die amerikanische Firma Wisdom Tree Inc. einige christlich inspirierte Spiele, die *nicht ganz so* schlecht waren wie das, was man bis dahin kannte. Fürs Protokoll seien hier die Namen 'Exodus' (eine Art Boulder Dash-Clone mit Moses als Hauptcharakter), 'Joshua' (eine Art Fortsetzung von Exodus) und 'Bible Adventures' (eine Sammlung von drei wirklich grottenschlechten Pseudo-Jump´n´run´s mit biblischen Hintergrundgeschichten) genannt. Als anerkannt bestes Spiel von Wisdom Tree gilt bis heute ihr letztes großes Werk mit Namen 'Spiritual Warfare', welches eine Art Action-Adventure im altmodischen Sinn ist und im Jahre 1992 zuerst für das NES erschien. Im Jahre 1994 wurde es dann in einer leicht überarbeiteten Version auch noch für das Genesis (amerikanische Version des Mega Drive) veröffentlicht (was wirtschaftlich betrachtet eigentlich recht wenig Sinn machte, weil das Mega Drive 1994/1995 de facto in seinen letzten Zügen lag). Und genau um diese MD-Version von 'Spiritual Warfare' soll es hier gehen. Ein Hinweis allerdings noch vorneweg: Auch wenn es in diesem Review einige Scherze und sarkastische Kommentare gibt, so ist es dennoch absolut nicht meine Intention, mich über irgendjemandem oder irgendetwas lustig zu machen oder jemanden / etwas nicht ernst zu nehmen. Ich möchte weder das Christentum allgemein schlecht machen noch über Gott oder Jesus oder einen beliebigen gläubigen Christen oder die Leute bei Wisdom Tree oder irgendetwas anderes spotten. Ich gebe lediglich die äußerst abstrakte und teils widersinnige Logik des Spiels wieder, die unter Garantie von mindestens 50% der Weltbevölkerung - wenn nicht noch mehr - nicht verstanden werden würde. Auch gebe ich niemandem die Schuld für diese abstrakte Logik oder sage, dass sie explizit schlecht ist. Ich schreibe hier lediglich als eine im christlichen Sinne nicht sonderlich gläubige Person ein Review für ein Publikum, das Statistiken zufolge ebenfalls nicht besonders gläubig im christlichen Sinne ist und passe die Stimmung des Reviews dementsprechend an. Sollte doch eine sehr gläubige Person (Und ich meine wirklich sehr, sehr, sehr, sehr gläubig. Extrem gläubig. Hardcore-gläubig. Im Sinne von "Verhütung ist BÖSE.", "Ich bin so ein schlechter und sündiger Mensch und muss mich jeden Tag für meine Sünden geißeln.", "Was man liebt, das ZÜCHTIGT man.", "Es war doch nichts Schlechtes an der Inquisition und den ganzen Hexenverbrennungen." und ähnlichem. Also sehr unwahrscheinlich, dass jemand, der derart gläubig ist, überhaupt ein solches Review lesen würde...) dieses Review lesen, dann kann ich nur eines sagen: Du wirst dieses Spiel *lieben*. Aber hör jetzt lieber auf, diesen Text zu lesen, in Ordnung? Alle anderen dürfen weiterlesen. ...so, nachdem ich das geklärt habe, kommen wir zur Bibel... ich meine zum Thema. Brr, dieses Spiel hat einen merkwürdigen Einfluss...

    Die Geschichte des Spiels lässt sich erstaunlich gut mit einem Bibelzitat verbinden:
    "Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt. Seid also standhaft: gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, [...]"

    Für alle, die sich jetzt fragen, ob dieses Zitat irgendeine merkwürdige Form von Sarkasmus meinerseits darstellen soll, muss ich eines klarstellen: Das ist nicht der Fall. GENAU DIESES ZITAT - Epheser Kapitel 6, Vers 13-18 übrigens - steht in der ANLEITUNG von Spiritual Warfare unter dem PUNKT "STORY". Dort natürlich in Englisch, aber wofür habe ich denn meine gute alte Einheitsübersetzung? ...jedenfalls, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, dieses Zitat HAT etwas mit der Geschichte zu tun. Das Spiel nimmt diese paulinischen Worte nämlich absolut WÖRTLICH und setzt die Existenz einer "realen" 'Rüstung Gottes' aus exakt den sechs oben erwähnten Stücken 'Gürtel der Wahrheit', 'Panzer der Gerechtigkeit', 'Schuhe des Evangeliums', 'Helm des Heils', 'Schwert des Geistes' und 'Schild des Glaubens' voraus, die der Spieler zusammentragen muss. Ich schwanke zwischen "ausgefallen" und "merkwürdig" bei der Bewertung dieses Ansatzes...

    Warum aber muss der Spieler die 'Rüstung Gottes' zusammentragen? Das ist eigentlich recht einfach. Die Figur, die der Spieler im Spiel steuert, ist offensichtlich eine der oben erwähnten extrem gläubigen Personen. Er liebt Gott, Jesus ist für ihn der Heilsbringer schlechthin und der Sinn seines Lebens besteht darin, das Evangelium zu verbreiten und Ungläubige zu bekehren / bekämpfen [diese beiden Handlungen liegen bei der christlichen Kirche mitunter nahe beieinander, siehe beispielsweise die Kreuzzüge]. Soweit so gut, mit diesen Voraussetzungen wäre er natürlich der ideale Pfarrer, aber leider hat er wohl nach der siebten Klasse die Schule abgebrochen und lebt seitdem ein kärgliches Leben als Obstverkäufer auf dem Markt der mittelgroßen Stadt, in der er lebt. Doch EINES TAGES... fing er an, Engel zu sehen. Diese Engel sagten ihm, dass das BÖSE, ja? B Ö S E. Schlimm. Gemein. Schrecklich. *BÖSE* die Stadt übernommen habe und nur ein paar reine Seelen verblieben wären - und ER der einzige sei, der die Stadt noch retten könne. Dann machte unser Held etwas sehr widersinniges: Anstelle zum Psychologen zu gehen, - was die meisten vernünftigen Menschen machen würden, wenn sie auf einmal ENGEL SEHEN WÜRDEN, die ihnen sagen, dass NUR SIE ALLEINE EINE MITTELGROßE STADT AUS DEM WÜRGEGRIFF DES BÖSEN BEFREIEN KÖNNEN - sank er auf seine Knie und betete zu Gott, Ihm dankend, dass Er ihn auserwählt hatte als seinen Krieger. Ziemlich genau an dieser Stelle beginnt das eigentliche Spiel. Und spätestens an dieser Stelle habe ich ein Drittel der anfänglichen Leser dieses Reviews verloren. Seufz. Aber es kommt noch schlimmer. Während die Sache mit der 'Rüstung Gottes' ja noch ganz nett war, beginnt das Spiel spätestens hier bei der Geschichte mit dem drögen "Einsamer Held besiegt das absolute Böse und rettet den Frieden"-Story-Einheitsbrei, den man bereits aus 36774 anderen Spielen / Büchern / Filmen / eigenen Weltrettungen kennt. Und das IST absolut MIES. Ob man das zu Grunde liegende christliche Setting dann noch positiv oder negativ dazurechnet, ist wohl eine individuelle Frage. Ich nehme es mal als positiv. Viel mehr als vorhersehbare Wendungen und ein Ende, bei dem man schon ein des logischen Denkens vollkommen unfähiger Mensch sein müsste, damit es ÜBERRASCHEND wirken würde, sollte man allerdings von dieser Geschichte NICHT erwarten.

    Gameplay-wise ist das Spiel etwas, was man ohne Probleme auch "The Legend of Zelda: Link goes to church" nennen könnte. Das Spiel ist so DERMAßEN OFFENSICHTLICH an Zelda angelehnt, dass es wirklich niemanden verwundert, dass Wisdom Tree bei der ursprünglichen NES-Version von SW keine Lizenz für ein offizielles NES-Modul bekommen oder gar zu bekommen versucht hat. Nintendo hätte ihnen ordentlich in den Hintern getreten und gesagt, dass sie ihre Spieldesigns woanders klauen sollen... Allerdings Vorsicht: Man neigt heutzutage leicht dazu, bei "Zelda" zuerst an 'Ocarina of Time', 'Majora´s Mask' oder 'Wind Waker' zu denken, die damals natürlich noch sehr weit entfernt waren. Wisdom Tree hat sich vielmehr vom ALLERERSTEN Teil der Zelda-Saga "inspirieren lassen" und ein entsprechend einfaches Gameplay hat das Spiel. Ganz praktisch betrachtet läuft man lediglich von Bildschirm zu Bildschirm, - die ganz klassisch Zelda-artig "umgeblättert" werden - erledigt Gegner, findet ab und zu einen wirklich simplen Dungeon, durchquert ihn, besiegt dort meist auch einen Boss und findet schließlich einen besonderen Gegenstand, logischerweise auch sechsmal einen Teil der 'Rüstung Gottes'. Diese geben dem Helden jeweils eine von diversen Spezialfähigkeiten wie z.B. übermenschliche Stärke, mit der er Felsen zur Seite schieben kann oder Unverwundbarkeit durch Feuer von Dämonen. [Bitte beachten, wie die Fähigkeit des 'Schildes des Glaubens' wörtlich aus der Bibelstelle übernommen wurde.]

    Was die Steuerung angeht, so greift man mit der B-Taste an, benutzt mit der C-Taste den aktuell ausgewählten Gegenstand, ruft mit der Start-Taste das Menü inklusive Karte auf und kann durch Gedrückthalten der A-Taste laufen (by the way, dies ist eine der Verbesserungen im Vergleich zur NES-Version, wo man nicht laufen konnte). Also eigentlich ein ganz simples, an ein Action-RPG oder in diesem Fall natürlich ein Action-Adventure angelehntes Gameplay. Was aber im einzelnen daraus in diesem Spiel gemacht wird, das spottet jeglicher Beschreibung. Extra für dieses Spiel werde ich einmal JEDEN nennenswerten Punkt in einem eigenen Absatz behandeln. Seid bereit für die Galerie des Schreckens...

    Erstens haben wir da die Art und Weise, WIE man Gegner angreift. Kein Schwert, keine UZI, keine hübsch animierten Bibelworte, nein, man bekämpft die Gegner in SW mit... FRÜCHTEN. Mit OBST. Man schmeißt mit Birnen, Äpfeln, Granatäpfeln, Trauben und BANANEN auf Gegner, um sie zu besiegen. Und das SOLL sogar einen gewissen Sinn haben, weil es die "Früchte des Geistes" sind. [(...) Argh, wo bin ich hier nur hingeraten...?] Natürlich haben alle Früchte andere Eigenschaften, ein Apfel ist beispielsweise langsamer als eine Birne, kann dafür allerdings auch durch Mauern hindurchgehen - aber es ist irgendwie irritierend, mit Früchten zu schmeißen. Ja, "irritierend" ist ein gutes Wort. Jedenfalls kann man insgesamt vier Früchte von jeder Sorte nach und nach im Spiel finden - später meist gut versteckt - und auch der Anzahl der aktuell im Besitz des Spielers befindlichen Früchte entsprechend viele Früchte auf einmal werfen. [Diesen Satz ruhig zweimal hintereinander lesen, er IST grammatikalisch absolut korrekt. ]

    Zweitens gibt es da die ART der "Gegner". Ich kann ja in einem gewissen Sinne nachvollziehen, dass man Gangmitglieder, die mit Pistolen aufeinander schießen, zu einem friedlichen Umgang miteinander bekehren möchte oder sich gegen muskulöse Bauarbeiter, die mit überdimensionalen SCHRAUBENZIEHERN auf andere Personen werfen, verteidigen muss. Aber was um alles in der Welt ist so BÖSE an einem Mann mittleren Alters, der gerade sein HAUS VERLÄSST und sich offensichtlich auf den WEG ZUR ARBEIT macht? Oder einem Geschäftsmann im Anzug? Einem MATROSEN? Und wieso ist bitte ein KIND, das mit KREIDE auf den BÜRGERSTEIG MALT, "UNGLÄUBIG"?! Es kann ja wirklich sein, dass es einen abstrakten Grund dafür GIBT (in der Art: "Das Kind treibt sich draußen auf der Straße herum und spielt anstelle drinnen mit seiner Mutter eine Bibelstunde abzuhalten. Dadurch verstößt es gegen das fünfte Gebot 'Du sollst Vater und Mutter ehren.' " oder so...) - dieser müsste dann allerdings wirklich KRASS religiös motiviert sein. Fazit: Entweder sind die "Gegner" schlicht schlecht ausgewählt oder nur durch von "Außenstehenden" nicht nachvollziehbare "christliche" Maßstäbe in ihrer Existenz begründet. Für einen "normalen" Spieler ist beides gleich SCHLECHT weil unlogisch. Einziger - und ich meine damit ABSOLUT EINZIGER - positiver Punkt hierbei: Es gibt etliche "Gegner", und die "Gegner" passen sehr gut zu der Umgebung, in der man sie trifft. In den Slums wird man auf Straßengangs treffen, im Downtown auf Geschäftsmänner und Bauarbeiter, im Hafen auf Matrosen und so fort. ...absolut einziger positiver Punkt.

    Drittens: WENN man einen dieser "Gegner" erledigt hat, - also beispielsweise ein harmlos mit Kreide etwas auf den Bürgersteig zeichnendes Kind mit einem Granatapfel beworfen hat... *Alarmsirene heult, eine roboterhafte Frauenstimme sagt: "Zu schwachsinnig, als dass man es ertragen könnte. Zu schwachsinnig, als dass man es ertragen könnte."* [...Mist, meine Schwachsinn-Alarmanlange ist losgegangen... Irgendwie habe ich befürchtet, dass so etwas beim Schreiben dieses Reviews passieren würde...] - dann sinkt er nicht etwa theatralisch seinen letzten Atem aushauchend zu Boden, verschwindet auch nicht mit einem Flash in Regenbogenfarben und löst sich auch nicht einfach in Luft auf. Nein, er SINKT LANGSAM ZU BODEN UND BETET! Offenkundig DANKBAR, dass der Spieler ihn von seinen Sünden erlöst hat und Gott ihm selbige verzeiht. Wenn es irgendetwas in diesem Spiel gibt, das ein nicht sonderlich gläubiger Mensch als WIRKLICH NERVIG empfinden wird, dann ist es DAS. IMMERHIN gibt das der Hintergrundgeschichte einen hübschen Touch von "Wahnsinniger will die gesamte Stadt zum Christentum konvertieren.", heh. [Wobei es mich ernsthaft beunruhigt, dass das so in der Art auch in der Anleitung steht... Natürlich ohne das "Wahnsinniger", aber dennoch...]

    Viertens: Natürlich hinterlassen die Gegner auch etwas, nachdem man sie besiegt hat. Sehr selten Herzen, mit denen die Energie regeneriert werden kann, manchmal auch Dämonen, von denen sie besessen waren, meistens aber das Äquivalent des Spiels zu "Geld" - FRIEDENSTAUBEN. FRIE-DENS-TAU-BEN. ...sind in diesem Spiel so etwas wie Geld und man kann maximal 255 davon besitzen. Offiziell heißen sie auch nicht "Friedenstauben", - auch wenn sie eindeutig so aussehen wie Friedenstauben - sondern "Glaube in Gott". Ich rekapituliere: Indem man Ungläubige mit Obst bewirft, erhält man Friedenstauben, die den Glauben in Gott symbolisieren. Nein, ich bin NICHT betrunken. ...ich glaube allerdings, dass ich nach diesem Spiel nie wieder um Erntedank herum in die Nähe einer christlichen Kirche kommen werde, jetzt da ich weiß , was sie mit dem ganzen Obst wirklich machen...

    Fünftens taucht von Zeit zu Zeit einer der eingangs erwähnten Engel auf und belohnt den Spieler für seinen unermüdlichen Kampf gegen das Böse - indem er ein kleines BIBEL-QUIZ mit ihm macht. [Wir denken uns an dieser Stelle bitte ein apathisch klingendes "yay".] In diesem Quiz wird logischerweise die Bibelkenntnis und das allgemeine Wissen um Grundlagen des christlichen Glaubens überprüft. Während das eigentlich nichts Negatives ist, so denke ich doch irgendwie, dass die meisten "normalen" Spieler dieses Quiz als recht störend empfinden werden, weil sie Fragen wie "Jesus sagte, dass Gottes Wort... ist. a) ein Blitz b) die Wahrheit c) lebensspendend" nicht unbedingt beantworten können. Das gewählte Beispiel ist übrigens die ALLERERSTE Frage überhaupt und die Schwierigkeit steigt auf jeden Fall im Laufe des Spieles an. Ich selbst besitze ein relativ gutes Wissen, was diese Thematik angeht und konnte im Durchschnitt auch nur etwa 3 von 4 Fragen richtig beantworten. Positiv allerdings: es macht im Endeffekt kaum einen Unterschied, ob man die Fragen richtig beantwortet oder nicht. Das einzige, was man für richtige Antworten erhält, sind Friedenst... ich meine, ist "Glaube in Gott", den man auch auf anderem Wege leicht erhalten kann. Selbst wenn man alle der insgesamt 100 Fragen richtig beantwortet hat, gibt es keine besondere Belohnung dafür. Fazit: Komisch, aber nicht sonderlich nervig.

    Sechstens etwas, was auf seine spezielle Art und Weise fast noch merkwürdiger ist als alles bisher genannte: Man hat in SW nicht nur die Früchte und später natürlich das 'Schwert des Geistes' als Waffen, sondern auch Krüge. Krüge? Krüge. Nein, keine GEWÖHNLICHEN Krüge. Krüge, in denen der ZORN GOTTES ist. Sollte noch irgendein Leser interessiert mitlesen, so möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Umstand explizit keinen Sinn macht. Wie will man bitte etwas Immaterielles wie den 'Zorn Gottes' in einem KRUG transportieren? Wieso kann man den 'Zorn Gottes' überall in der Stadt in praktischen 7´er-Packs finden? ...ugh, absolut sinnlos. Im Endeffekt sind diese Krüge in SW so etwas wie die Bomben in Zelda oder einem beliebigen anderen Action-Adventure / Action-RPG, und man nutzt sie, um Hindernisse wie Fässer oder Steine wegzusprengen. Das merkwürdige daran ist allerdings, dass SW in diesem Punkt wirklich FRAPPIEREND an BOMBERMAN erinnert... Brr, warum habe ich nur gerade den merkwürdigen Gedanken, dass der Held von SW das uneheliche Kind von Link und Lady Bomberman ist...? ...von den Bom... 'Krügen mit dem Zorn Gottes' kann man übrigens auch "nur" maximal 255 mit sich führen...

    Und schließlich Nummer 7. Das Spiel - ein Spiel von 1994, in Worten Neunzehnhundertvierundneunzig - nutzt ein PASSWORTSYSTEM. Keinen Batteriespeicher. ...das *könnte* damit zusammenhängen, dass die Leute bei Wisdom Tree entweder kein Geld hatten, um die SW-Module mit einem Batteriespeicher zu versehen oder die für einen Batteriespeicher notwendigen Programmroutinen nicht programmieren konnten. Wenn ich mir das billige Passwortsystem so anschaue, das vermutlich ein 13-jähriger [manche Änderungen durch die Rechtschreibreform sehen irgendwie merkwürdig aus...] problemlos hacken könnte, tendiere ich irgendwie zu der zweiten Alternative... Immerhin kann man nach dem Ableben des Helden auch *komfortabel* einfach gleich weiterspielen, allerdings wird man dabei - genau wie, wenn man Passwörter nutzt - an den Eingang des aktuellen Abschnitts zurückversetzt, selbst wenn man gerade vor der Tür des Endgegners stand... Bei diesem Punkt hat sich Wisdom Tree eindeutig nicht mit Ruhm bekleckert...

    ...etwas, was ich ursprünglich für einen Bug hielt, ist kein Bug im eigentlichen Sinne, sondern eine weitere der dutzenden spieleigenen Skurrilitäten. You see, im Spiel gibt es einige Türen, die man nur mit einem SCHLÜSSEL öffnen kann. Aber es gibt weitaus weniger Stellen, an denen man Schlüssel finden kann, als Türen, die man nur mit Schlüsseln öffnen kann. ...die Lösung für dieses Problem? Das Spiel ERWARTET vom Spieler, dass er mehrere Male zu einer der "Schlüssellagerstellen" zurückläuft und sich einen neuen Schlüssel holt, wenn er einen neuen Schlüssel braucht. Das führt nicht nur zu jeder Menge unnötiger Lauferei, es IST auch wirklich unnötig. Warum nicht einfach ein paar Schlüssel mehr in den Dungeons verstecken? ...die Krönung ist allerdings, dass man auch ganz einfach am Anfang des Spiels, wenn man den ersten Schlüssel findet, den aktuellen Abschnitt verlassen und wieder zurückkehren kann - und dann schon ein neuer Schlüssel wartet. Und dies beliebig oft tun kann. Au, sage ich dazu nur. Noch mehr Abzug bei Design notieren...

    So, jetzt aber zu dem einzigen wirklich ohne jeden winzigen Makel positiven Punkt von Spiritual Warfare. Wie bereits angedeutet, spielt das Spiel ja in einer mittelgroßen Stadt. Diese Stadt ist aufgeteilt in elf verschiedene Abschnitte wie Park, Downtown, Slums oder Gefängnis. Diese Einteilung ist wirklich gut gelungen, die Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten machen Sinn, die Ereignisse in den Abschnitten passen zum Thema des jeweiligen Abschnitts, jeder Abschnitt ist deutlich erkennbar individuell grafisch gestaltet und, wie weiter oben schon erwähnt, die Gegner in den einzelnen Abschnitten haben eine sinnvolle Zuteilung. Und - was wichtig ist für einen ungetrübten Spielfluss - auch die Reihenfolge, in der man die Abschnitte aufsuchen muss, ist nicht allzu streng vorgegeben, man hat aber auch nicht zu große Freiheit dabei, weil man stets irgendeinen Gegenstand aus dem aktuellen Abschnitt braucht, um im nächsten Abschnitt weiter zu kommen. Wenn man mal absolut nicht weiß wohin, kann man auch jederzeit in der RIESIGEN KIRCHE (na, war das offensichtlich, oder was?) in einem der Abschnitte Rat suchen und sich obendrein noch komplett heilen lassen. Als letztes Plus kann man die einzelnen Abschnitte auf der Karte noch wesentlich besser erkennen und voneinander unterscheiden als beispielsweise bei Zelda I. ...welches allerdings natürlich auch ein paar Jährchen früher erschien... In jedem Fall wirklich gute Arbeit hier von Wisdom Tree.

    Was sich von der Grafik generell allerdings wirklich NICHT sagen lässt. Es ist mehr als deutlich, dass das Spiel eigentlich eine Art "fanprogrammiertes" Spiel ist und sie keine Top-CG-Designer zu Verfügung hatten. Im PC-Bereich gab es 1994 auch einige Share- oder sogar Freeware-Spiele dieser Art, die bessere Grafik hatten. Dennoch muss man die Arbeit von Nina, die bei SW als Grafikdesignerin gewirkt hat, anerkennend zur Kenntnis nehmen. Selbst wenn es unter dem Standard "normaler" Spiele liegt, so ist es doch für ein christliches Spiel ganz nett anzuschauen. Und auch für ein unlizenziertes MD-Spiel ist es soweit ganz ansehnlich. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Action-Adventures und Rollenspiele auf Mega Drive (Abgesehen von gewissen chinesischen Rollenspielen, heh.) ohnehin eher etwas schwächelten, was die Grafik angeht. Fazit: Nicht wirklich gut, aber auch nicht auffallend schlecht und im Vergleich definitiv annehmbar.

    Bei den Soundeffekten gibt es allerdings wirklich nichts zu loben. Es gibt nur eine Handvoll davon - selbst wenn im Music Test 45 Soundeffekte stehen. Das Spiel LÜGT. Diese sind schlecht, klingen billig und sind ungefähr so passend zu den zugehörigen Tätigkeiten wie eine Nacktschnecke zum Nordpol. Einzige Ausnahme: Das Geräusch, das Dämonen machen, wenn man sie erledigt hat. Das ist zwar auch nicht passend, aber es klingt zumindest cool. Heh.

    Was die Musik angeht, so erreichen wir hier noch einen finalen Tiefststand. Der Music Test zeigt zwar, dass das Spiel insgesamt satte FÜNF [FÜNF, ja? Das ist fast schon Space Invaders-Niveau...] verschiedene Musikstücke aufweist, ein bestimmtes davon erklingt allerdings während MINDESTENS 95% des Spieles. Und nein, es ist unsinnigerweise nicht das beste der fünf Stücke, sondern das ALLER-, ALLER-, ALLER-, ALLERNERVIGSTE davon. Ein Stück, das einen nach einer halben Stunde schon ankotzt [und ich bitte meine Wortwahl diesbezüglich wirklich zu entschuldigen, aber es IST so] und nach spätestens zwei Stunden überlegt man, ob man nicht mal versuchen sollte, den schlimmsten Computervirus der Geschichte zu entwickeln und die Website von Wisdom Tree damit lahmzulegen, damit NIEMAND mehr DIESES SPIEL mit DIESEM MUSIKSTÜCK dort erwerben kann. Fazit: Wer nicht nach diesem Spiel sämtliche Musik HASSEN will, tut gut daran, sich nicht die Kakophonie dieses Spiels zu geben, sondern die Musik im Hauptmenü AUSZUSCHALTEN (SW ist eines von ganz wenigen Spielen, die ich kenne, bei denen man die Musik komplett ausschalten kann. Und oh, wie ich den Leuten bei Wisdom Tree für diese Option danke...) und während des Spiels stattdessen eine CD zu hören. Meinetwegen sogar eine CD von Scooter...

    Interessanterweise scheinen die Leute bei Wisdom Tree allerdings ein wenig realitätsfern zu sein, [und das sage ich nur auf diesen speziellen Punkt bezogen, wirklich...] denn sie haben tatsächlich einen Music Test eingebaut. Und wisst ihr (Sollte tatsächlich noch jemand lesen...) was? Man kann sich dort nicht nur die Musik anhören, - wer auch immer das wollen würde... - man kann dort sogar ein beliebiges Instrument auswählen, mit dem ein bestimmtes Stück gespielt werden soll! Ist DAS nicht wirklich *großartig*? In der NES-Version konnte man *nur* die Geschwindigkeit verändern. Das einzige, was noch besser wäre, wäre eine Option, sich die Musik als Klingelton (polyphon) direkt auf sein Handy übertragen zu können. Natürlich nicht zum *Anhören*, sondern zur Verteidigung für den Fall eines Überfalls. Wenn man diese Musik als Klingelton unauffällig aktiviert, wenn man überfallen wird, schlägt das JEDEN in die Flucht. ...ähm, aber zum Thema zurück. Obwohl der Music Test von meinem persönlichen Empfinden her vollkommen nutzlos ist, haben sich die Wisdom Tree-Leute hier scheinbar besondere Mühe gegeben. Denn man kann jedes Stück hier auf ca. 25 verschiedene Arten und Weisen abspielen lassen. Was bei 5 verschiedenen Songs insgesamt deutlich über 100 verschiedene Musikstücke macht. ...wie konnten sie bitte ÜBER 100 Musikstücke für den MUSIC TEST PROGRAMMIEREN, aber nur EIN EINZIGES MUSIKSTÜCK FÜR 95% des Spieles?! Warum? WARUM? W A R U M?! ...ich sollte noch erwähnen, dass man sogar die angeblich 45 verschiedenen Soundeffekte im Music Test mit verschiedenen Instrumenten abspielen kann. Aber fragt mich bitte nicht, was für einen Sinn das haben soll... Vermutlich gar keinen. Wie so manches in diesem Spiel.

    Azel´s Meinung:
    ...ich bin müde. Aber meine Kraft hat tatsächlich ausgereicht, um über dieses Spiel zu berichten, yay. Was ist noch zu sagen? Nun, wie aus dem Review hervorgegangen sein sollte, hat SW eine für einen normalen, nicht überdurchschnittlich gläubigen Spieler sehr große Menge an Dingen, die als nervig und übertrieben christlich empfunden werden können. Aber es sollte nicht vergessen werden, dass ich diese für dieses Review bewusst ein wenig überspitzt dargestellt habe und man nicht zwingend dermaßen genervt davon sein muss. Zumindest solange man beim Spielen nicht allzu viel nachdenkt. Dann kann man SW nämlich wirklich einfach als eine Art Zelda-Clone mit massiven religiösen Untertönen wahrnehmen und sich (hoffentlich) ganz auf das Gameplay konzentrieren. In diesem Punkt ist SW wahrlich nichts wirklich besonderes oder gar... innovatives, aber auf jeden Fall ein nettes kleines Spiel für alle Leute, die nicht genug von Spielen im klassischen Zelda-Stil bekommen können. Und unter den Spielen in diesem "Pseudo-Subgenre" ist SW im Vergleich auch ziemlich gut gelungen. Finales Fazit: Keine absolute Empfehlung, aber für Fans von Zelda und Menschen, die von massiven religiösen Untertönen nicht gestört werden, auf jeden Fall ein Anspielen wert. TROTZ der vergleichsweise schlechten Wertung. Hmm, ausnahmsweise habe ich diesmal keine Lust, etwas zu lesen... ...vermutlich, weil dieses Spiel hier schon genug Bibelinhalt hatte, heh. Offensichtlich ist der Sinn solcher Spiele doch nicht, Jugendliche unterbewusst zu christlicherem Verhalten und mehr Interesse an der Bibel zu motivieren. Oder es funktioniert nicht so, wie es sich die Leute von Wisdom Tree vorgestellt haben. Tja... Übrigens halte ich es für einen Paradox, dass ich gerade zu Spielen wie Quest RPG und jetzt Spiritual Warfare meine bislang längsten Reviews geschrieben habe... Ja, es ist die Tragödie des Trashs. *sigh*

    Spiritual Warfare (1994, Wisdom Tree)
    Action-Adventure im klassischen Zelda-Stil
    Schwierigkeit: ausgeglichen, eher sogar etwas zu leicht
    Spielzeit: 5-10 Stunden
    System: Sega Genesis (Mega Drive)
    Andere Systeme: NES, angeblich auch GB (beides allerdings deutlich schlechter als die MD-Version)
    Features: ...Action-Adventure im klassischen Zelda-Stil, eines der besten "christlichen" Spiele, gut gelungenes Map-Design, einfache Steuerung || Unmengen von potentiell nervigen religiösen Untertönen, extrem religiös angehauchte und dennoch platte Hintergrundgeschichte, diverse widersinnige bis sinnlose "Features" des Gameplays, simple Dungeons, ziemlich einfache Grafik, LACHHAFTE Musikuntermalung...
    Spieler: 1 (NIE IM LEBEN würde jemand bei diesem Spiel MITSPIELEN wollen...)

    Grafik: 60/100
    Animation: 45/100
    Musik: 01/100
    Sound-FX: 25/100
    Handhabung: 80/100
    Dauerspaß: 75/100
    Story/Setting: 30/100

    WERTUNG: 45/100

    Special Quotes:
    [Ein Wort: NEIN!!]
    Obwohl man natürlich auch mal einen Blick auf die Website von Wisdom Tree werfen könnte und sich unglaublich beeindruckt von ihrem Gesamtwerk eventuell gar fortan dem Christentum verschreibt und selbst beeindruckende Zitate aus Bibelstellen präsentiert...
    Hier der Link:

    Allerdings kann man dort *leider* keine Spiele mehr BESTELLEN. Andererseits müsste man auch wirklich extrem doof sein, wenn man für ein 10 Jahre altes, nicht einmal besonders gutes Genesis-Spiel zwischen 29$ und 49$ ausgeben wollte...
    http://www.my-darkloft.de.vu

    Meine Homepage mit Gedichten, Serienvorstellungen, MP3-Rotation, etc. Befindet sich noch im Aufbau!
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