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Rise of the Tomb Raider

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    Review - Rise of the Tomb Raider

    Hallo zusammen,

    da es noch keinen Thread zu Laras neustem Abenteuer gibt und ich mir das Spiel gekauft und mittlerweile durchgespielt habe, wollte ich einmal ein Review dazu schreiben. Das ganze wird etwas länger, also hoffe ich, dass ihr Durchhaltevermögen habt.


    Vorgeschichte

    Als 1996 damals Tomb Raider erschien, hat wohl niemand damit gerechnet, dass sich diese Reihe als extrem langlebig herausstellen würde. Der Großteil der Bekanntheit verdankt die Serie ohne Zweifel der Hauptfigur Lara Croft. Damals war es noch absolut unüblich, einen weiblichen Hauptcharakter in einem Action-orientierten Videospiel zu haben. Die meisten spielbaren Protagonisten in diesem Gerne erschöpften sich doch eher in muskelbepackten Kampfmaschinen oder cleveren Helden wider Willen. Und auch für Tomb Raider war ursprünglich ein männlicher Held geplant. Ich denke, es ist keine falsche Annahme, dass die Tomb Raider Serie mit einem Mann als Helden nie ihren heutigen Status erhalten hätte, sondern nach spätestens 3 Spielen in der Versenkung verschwunden wäre.

    Natürlich war die Figur der Lara Croft auch nicht unumstritten und erfüllte mit ihren anfangs unrealistischen Oberweiten und ihrem hautengen und knappen Kleidungsstil schon das Bild einer Spielefigur, die ziemlich klar auf ein männliches Publikum abzielte. Dennoch war es seinerzeit eben etwas Besonderes, eine toughe und schlagfertige Frau zu spielen. Und das Tomb Raider auch spielerisch richtig gut war tat sein Übriges.

    Das Spiel war jedenfalls ein sensationeller Erfolg. so dass nur ein Jahr später mit "Tomb Raider II - Starring Lara Croft" bereits der zweite Teil in den Läden stand. Optisch war das Spiel im Vergleich zum ersten Teil deutlich verbessert worden - vor allem Lara bekam dank wesentlich mehr Polygonen auch im Spiel einen abgerundete Busen und ihren charakteristischen Zopf spendiert. Auch spielerisch wurden nun abwechslungsreichere Schauplätze und mehr spielerische Vielfalt geboten. Das zweite Tomb Raider war auf jeden Fall ein noch größerer Erfolg und legte damit auch den Grundstein für den großen Popkulturellen Erfolg der Figur Lara Croft.

    Auf jeden Fall war es ausgemacht, dass ein weiterer Teil kommen würde und dies geschah wiederum ein Jahr später, 1998, mit "Tomb Raider III - Adventures of Lara Croft". Auch wenn der Teil wieder ein paar Verbesserungen bot - verschiedene Spielbereiche konnten frei gewählt werden und Lara trug in jedem Areal passende Kostüme - so stellte sich doch langsam eine gewisse Stagnation ein. Spielerisch und optisch hatte sich die Reihe kaum verändert in einer Zeit, in der sich Grafik und Spielmechaniken im Action-Gerne der Videospiele rasant veränderten. Dennoch war Lara spätestens mit diesem Teil fest in der Popkultur verankert; so trat die Figur beispielsweise in einem Musikvideo der Prinzen auf und war das Titelthema mehrerer Lifestyle-Magazine.

    Dennoch schient man aus Sicht der Entwickler am Ende des Lateins angekommen zu sein und so starb Lara am Ende des 4. Teils "Tomb Raider - The Last Revelation" von 1999 den Heldentod. Dies war aus der damaligen Sicht auch durchaus passend, denn Spielerisch trat die Reihe nun sichtbar auf der Stelle und galt zunehmend als veraltet.

    Dennoch, der Erfolg der Marke nahm zwar ab, aber man verdiente immer noch gutes Geld mit ihr, so dass 2000 noch ein weiterer Teil - "Tomb Raider - Die Chronik" nachgeschoben wurde. In diesem kommen Laras Freunde bei Ihrer Beerdigung zusammen und erzählen sich Geschichten über ihre früheren Abenteuer. Dies wirkte zu der Zeit schon etwas wie Leichenfledderei - unnötig zu sagen, dass 2000 die Spielmechanik und verbesserte Grafikengine von 1996 hoffnungslos veraltet war.

    Spieleentwickler Core Design wollte aber Lara doch nicht endgültig sterben lassen und so nahm man sich eine längere Pause, um ein komplett neues Tomb Raider zu entwickeln. Handlungstechnisch wurde es so gedreht, dass Lara am Ende des 4. Teil doch nicht gestorben ist, wobei dies im Spiel keine Erwähnung findet sondern nur in einem zu der Zeit erschienenen Lara Croft Roman. Das Ziel mit "Tomb Raider - Angel of Darkness" war es, die Reihe zu neuen Höhen zu führen - leider wurde es bis heute der Tiefpunkt der Serie und beinahe das aus für Lara Croft. Auch wenn der Teil State-of-the-Art-Grafiken besaß, spielerisch hatte man sich weiterhin auf langwierige und streckenweise unlogische Verschiebepuzzle konzentriert. Außerdem wurde ein halbgares Mini-Rollenspielsystem über das Spiel gestülpt, dass seinen Gipfel der Absurditäten drin fand, das Lara in einigen Leveln mache Türen nicht öffnen konnte, wenn man mit ihr vorher nicht einige hundert Klimmzüge an einer Häuserkante gemacht hatte. Fakt ist jedenfalls, das "Angel of Darkness" am Ende regelrecht verramscht wurde und es kaum einer haben wollte.

    Dies hätte das Ende von Tomb Raider sein können, aber die Rettung kam wahrscheinlich aus einer ganz anderen Richtung. Nach vor "Angel of Darkness" erschien 2001 der lang geplante Tomb Raider Kinofilm mit Angelina Jolie in der Hauptrolle. Diese war nach Meinung der Kritiker eine sehr gute Verkörperung der Figur der Lara Croft und die Rolle brachte Frau Jolie höchstwahrscheinlich den Durchbruch als Hollywoods beliebteste Action Darstellerin in den 2000er Jahren. Auch wenn der Film ansonsten ob der unlogischen Handlung kritisiert wurde, fuhr er doch einen Achtungserfolg ein. Und auch wenn der in allen Belangen schlechtere zweite Teil "Die Wiege des Lebens" die Kinoserie schon wieder beendete, das Interesse an weiteren Abenteuern von Lara Croft war geweckt.

    Die Reihe wechselte nun zu Crystal Dynamics, einem Entwicklerstudio das bereits eine große Erfahrung in Action Adventure Genre besaß. Die Serie wurde einer drastischen Frischzellenkur unterzogen. Lara war in dem 2006 erschienenen "Tomb Raider - Legends" nun wesentlich realistischer proportioniert und die Spielmechanik wesentlich flotter, wobei man den Rätselaspekt und das Erforschen alter Gräber nicht vernachlässigte. In Bezug auf die Handlung wurde ein kleiner Reboot der Reihe unterzogen - vor allem Laras Biographie wurde entscheidend verändert. Dazu hatten die Lara Croft Kinofilme einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Spiel, denn wie im Film wird Lara nun ständig per Funk von einem in ihrem englischen Anwesen stationierten Team mit Fakten, Tipps und amüsanten Kommentaren unterstützt.

    Der Neustart der Reihe war jedenfalls geglückt und der nächste Teil konnte kommen. Dies war dann 2007 so weit und zum 10. Geburtstag der Serie kam mit "Tomb Raider - Anniversary" ein Remake des ersten Teils in die Läden. Die alten Areale mit der Grafik und Spielmechanik von 2007 zu sehen war schon damals etwas nostalgisches und auch spielerisch hatte der Teil einiges auf dem Kasten - die leicht überarbeiteten Rätsel von 1996 waren mit der schnelleren Spielweise auf einmal wieder auf der Höhe der Zeit. Und auch die Handlung wurde etwas verändert und passte somit in den in "Legends" etablierten Hintergrund hinein.

    Ein weiterer Teil war also unausweichlich, aber in dem 2008 erschienen "Tomb Raider - Underworld" machen sich erneut Ermüdungserscheinungen breit. So wirkte dieser Teil nicht mehr so hochwertig produziert wie die beiden Vorgänger und vor allem erzählerisch vollführte die Handlung einige Kapriolen. Auf jeden Fall war der mit "Legends" eröffnete Handlungsbogen auserzählt so dass man sich nun für einen radikalen neuen Ansatz entschied.

    2013 war es so weit und mit "Tomb Raider" erschien ein kompletter Reboot der Serie, der diesmal komplett neu Laras erstes Abenteuer erzählte. Spielerisch machte der Neustart einiges anders. So war die neu designte, junge Lara Croft optisch nunmehr endgültig realistisch proportioniert, ohne unrealistische Oberweite oder Wespentaille. Dazu war es eine Abwechslung, einmal eine verletzliche Lara zu erleben, deren Wunden optisch bis zum Ende des Spiels sichtbar blieben. Spielerisch orientierte man sich dabei an der Uncharted-Spieleserie, was aber nur fair war, denn schließlich hatte sich Uncharted wiederum unübersehbar einige Anleihen an Laras früheren Abenteuern genommen.

    Trotz großen Kritikerlobs war der Erfolg des Spiels anfangs aber eher verhalten und erst nach einigen Monaten in der Gewinnzone. So dauerte es auch einige Zeit, bis man sich an den nächsten Teil wagte. Dieser erschien jetzt Ende 2015 und um "Rise of the Tomb Raider" geht es nun in diesem Review.


    Was wird erzählt?

    Nach Ihren Erlebnissen auf Insel Yamatai im Vorgänger "Tomb Raider" ist Lara Croft nun bereit, an die auf Mythen und Sagen fokussierte Forschung ihres verstorbenen Vaters zu glauben und diese fortzusetzen. Dessen letzte Arbeit drehte sich um die sagenumwobene "Göttliche Quelle" des unsterblichen Propheten von Byzanz. Dieser wurde im Mittelalter vom Trinity-Orden, einem Ritterorden der Kirche, aus Konstantinopel vertrieben und ließ sich mit seinen Anhängern anschließend in Syrien nieder. Dort wurde er der Sage nach vom Trinity-Orden aufgespürt und getötet. Gegen den Rat von Anna, der ehemaligen Lebensgefährtin ihres Vaters, macht sich Lara auf den Weg zum Grab des Propheten, findet den Sarkophag aber leer vor. Dafür trifft sie auf die aktuelle Inkarnation von Trinity, eine paramilitärische Söldnertruppe unter der Führung eines gewissen Konstantin. Vor diesen kann Lara aber fliehen, wobei die ganze Anlage einstürzt.

    Im Grab hat Lara einen Hinweis gefunden, der auf die legendäre, in Russland verschollene Stadt Kitesch hindeutet, ebenfalls ein Forschungsobjekt von Lord Croft und der Legende nach der letzte Rückzugsort des Propheten und der göttlichen Quelle. Nachdem sie im Croft'schen Familiensitz von einem Trinity-Schergen überfallen wurde, der die Aufzeichnungen ihres Vaters über Kitesch stiehlt, macht sich Lara mit ihrem Freud Jonah - auch ein Überlebender des vorherigen Teils - auf den Weg nach Sibirien. Dort werden beide kurz vor ihrem Ziel durch eine Lawine getrennt und als Lara Jonah in Sicherheit weis macht sie sich alleine auf die Suche nach Kitesch - aber Trinity ist bereits vor Ort…


    Wie spielt es sich?

    Spielerisch hat sich in "Rise oft he Tomb Raider" im Vergleich zum Vorgänger wenig verändert. Wer diesen gespielt hat, kommt mit der Steuerung auf Anhieb zurecht. Lara lässt sich sehr gut steuern und man hat alle Aktionen immer gut im Griff. Ein paar neue Aktionen kommen im Spielverlauf hinzu, aber im Großen und Ganzen vertraut Lara auf die Ausrüstung des ersten Teils. Dies bedeutet aber auch, dass man im Waffenarsenal ein ordentliches Deja Vu erlebt. Wie in "Tomb Raider" setzten sich die Schießprügel aus Pistole, Sturmgewehr und Schrotflinte zusammen. Und natürlich Laras neuer Signaturwaffe - dem Bogen. Dieser ist auch in dem Teil die hauptsächlich verwendete Waffe und bietet die bekannten Zusatzfunktionen wie Seil- oder Sprengpfeile um zusätzliche Pfade zu öffnen. Letztlich bedeutet dies aber, dass alte Tomb Raider Fans auch in diesem Teil auf Laras alte Signaturbewaffnung - zwei gleichzeitig geführten Pistolen - verzichten müssen. Im Nahkampf vertraut Lara nun auf gleich zwei Kletteräxte, die natürlich auch in ihrer eigentlichen Funktion häufig zum Einsatz kommen.

    Das Waffenarsenal muss man sich aber erst zusammensuchen, denn die Handlung will es, dass Lara am Anfang des Spiels ohne jegliche Ausrüstung dasteht. Dafür kann man auch wieder Teile von neuen Waffen einsammeln. Diese ersetzen aber nicht mehr die bereits gefundenen Waffen, sondern sind Alternativen zu den bisher gefundenen. So bietet Laras Standard-Bogen eine ausgewogene Mischung aus Schaden, Auflade- und Haltezeit, während der moderne Reflex-Bogen deutlich mehr Schaden verursacht, dies aber mit einer längere Spannzeit und einer geringeren Haltezeit bezahlen muss. Der noch später zu findende Hirschhorn-Bogen setzt dafür auf einen regelrechten Pfeilhagel, das heißt, er weist praktisch keine Aufladezeit auf und kann lange gespannt gehalten werden, dafür muss man aber auch mit reduziertem Schaden leben. Dies gilt ähnlich für alle vier Waffenarten, wobei das einschüssige Repetiergewehr als Alternative zum Sturmgewehr mir fast schon als zu stark erschien.

    Alle Waffen und Munitionstaschen können außerdem wieder aufgerüstet werden. Dafür sammelt Lara jetzt aber nicht mehr eine globale Ressource "Upgradematerialien", sondern verschiedene Rohstoffe wie Leder, Felle, Holz, Schrauben, etc. Diese werden natürlich aus unterschiedlichen Quellen gewonnen. So findet man die mechanischen Teile für Waffenupgrades vor allem bei menschlichen Gegnern und in Gebäuden während man für das notirisch knappe Leder auf das Erlegen von Tieren angewiesen ist - eine Sache, die schon im Vorgänger machen konnte, dort aber kaum notwendig war. Auch hier zeigt der Bogen seine Vorteile, denn Pfeile können aus Ästen und Federn selbst an jeder Stelle des Spiels gebastelt werden, während andere Munition weitaus knapper ist. Dies führt zu einem angenehmen Survival-Aspekt, denn jedes Upgrade bringt eine spürbare Verbesserung und die vormals fabrikneuen Waffen werden auch optisch deutlich personalisiert.

    Allerdings hat der Überlebensaspekt gewisse Grenzen, denn aus Heilkräutern und Stoff könnte sich Lara Verbände herstellen, im Spiel habe ich das auf dem normalen Schwierigkeitsgrad aber nur an zwei Stellen gebraucht. Denn man hat weiterhin eine automatische Gesundheitsregeneration und diese ist so flink, dass man die Heilpäckchen selbst in Gefechten kaum braucht. Und wenn man sie mal einwerfen könnte, ist Frau Croft meistens eher tot, bevor der Verband angelegt wurde. Hier wäre es interessanter gewesen, Lara diesmal wie früher eine Gesundheitsleiste zu spendieren, denn irgendwann quillt einem der Rucksack über von wenig nützlichen Heilkräutern.

    Auch "Rise of the Tomb Raider" bietet wieder ein Levelsystem. Dieses entspricht praktisch dem Vorgänger, nur wurden nun gut dreimal so viele erlernbare Fertigkeiten eingefügt. Dies hat auch zur Folge, dass man jetzt viel schneller einen Skillpunkt verdient als noch im Vorgänger - die Fertigkeitskästen wollen ja auch gefüllt werden. Spielerisch macht es dabei Sinn, bei Null anzufangen und Lara im Laufe des Spiels immer mächtiger zu machen. Logisch betrachtet ist es aber nicht so recht nachvollziehbar, warum Lara auch alle im ersten Teil erlernten Fähigkeiten nach knapp einem Jahr schon wieder vergessen haben soll und man auch Basics wie eine höhere Bogenhaltezeit oder schnelleres Ausplündern ausgeschalteter Gegner erneut erlernen muss.


    Wie sieht es aus?

    Grafisch spielt "Rise oft he Tomb Raiser" auf jeden Fall ist der obersten Liga. Das Spiel sieht auf der XBox One fantastisch aus. Laras Haare werden noch einmal eine Tick besser animiert und die Umgebungen und die sich dynamisch anpassenden Musikuntermalungen sind einfach nur hervorragend.

    Die von Lara bereisbaren Areale bestehen dabei aus zwei großen Regionen, die zum freien Erkunden einladen. Diese sind von mehren kleineren Arealen umgeben, die man im Laufe der Handlung aufsucht, und in die man aber zurückkehren kann, um versteckte Truhen, Verstecke etc. aufzustöbern. Die Landschaften sind dabei sehr abwechslungsreich. Das erste große Areal ist beispielsweise eine verschneite Winterlandschaft in der viele zerfallene Gebäude eines sovjetischen Minen- und Gulag-Komplexes aus den 1970er Jahren herumstehen, während das andere große Gebiet ein durch Thermalquellen begrüntes Tal ist. Dennoch herrschen in den meisten Arealen Eis und Schnee vor. Leider ist es dabei nicht möglich, die komplette Karte frei abzulaufen, da hinter Lara im Laufe der Handlung immer wieder Wege einstürzen oder sonst wie unpassierbar werden. Dorthin gelangt man nur per Schnellreise zwischen den verschiedenen Camps, was halt etwas unrealistisch ist, so aber auch schon im Vorgänger praktiziert wurde.

    Die allgegenwärtige Kälte hat übrigens auch zur Folge, dass Lara den Großteil des Spiels in entsprechender Winterkleidung absolviert. Sprich: Eine lange Thermohose und eine gefütterte Winterjacke. Auch später über die Handlung freigeschaltete und an den Lagern wechselbare Kleidung ist der Witterung angemessen. Ihr klassisches ärmelloses Tanktop trägt Lara nur im ersten kurzen Spielabschnitt in Syrien. Außerdem kann man gegen die im ganzen Spiel versteckten byzantinischen Münzen bei einem Händler das Kommando-Outfit kaufen, welches immerhin ein ärmelloses Top aufweist - und in der Schneelandschaft entsprechend unpassend wirkt.


    Was gibt es zu entdecken?

    Die Spielwelt ist auf jeden Fall wieder mit einer Menge an versteckten Objekten und Geheimnissen vollgestopft. So warten neun Gräber auf ihre Entdeckung. Diese zum Teil nur mit späterer Ausrüstung betretbaren Grüfte bieten wie auch im Vorgänger eine mittelschwere Rätselnuss, sind aber stets fair und in wenigen Zügen zu lösen. Außerdem gibt sich Lara in der zuschaltbaren Überlebensansicht sehr schnell geistige Hinweise, was wohl jetzt zu tun wäre. Die Gräber sind dabei auch nicht viel größer als die im Vorgänger, aber der Zugang zu diesen ist nun wesentlich länger und spektakulärer und nicht mehr nur ein kurzer, enger "Nachlade"-Tunnel. Auch bieten die Verstecke nun echte spielerische Vorteile und nicht nur einen großen Batzen an Upgrade-Ressourcen. So lernt man beispielsweise das schnellere Abfeuern von Pfeilen, das effizientere Erlegen von Tieren oder direkte Aufspüren von Ressourcenquellen, die in einiger Entfernung zu Lara optisch direkt hervorgehoben werden und nicht mehr in der Überlebensansicht aufgespürt werden müssen.

    Dann gibt es auch noch 5 Krypten, in denen man einen besonderen Bogen zusammensetzen kann, die erwähnten Münzverstecke, Dokumente, Artefakte, besondere Herausforderungen, etc. Es gibt also einiges zu tun und ich habe so manchen Umweg in Kauf genommen und die Handlung streckenweise echt vernachlässigt, um zumindest alle Gräber und Krypten aufzusuchen. Und das macht abseits der Geschichte wirklich eine Menge Spaß, dass kann ich sagen.


    Was gibt es zu kritisieren?

    Was ich bisher geschrieben habe liest sich (hoffentlich) positiv und so gibt es am neusten Tomb Raider auch wenig auszusetzen. An der Spielmechanik und der Grafik habe ich nichts zu kritisieren. In Bezug auf die Spielmechanik ist es eben schade, dass man zu Fuß nicht mehr in früher besuchte Gegenden zurückkommt und so auf den Teleport per Camp angewiesen ist.

    Wenn es wirklich etwas wirklich Kritikwürdiges gibt, dann ist es die Inszenierung. Die Handlung habe ich oben ja schon beschrieben und sie trägt das Spiel, ist aber auch nichts Preisverdächtiges. So sind einige Wendungen schon vorher abzusehen und einiges erinnert an diverse, fürs TV inszenierte Indiana Jones-Kopien wie "Jagd nach dem <<Artefakt der Woche>>. Hier muss man aber ehrlich sein und festhalten, dass dies bei Tomb Raider schon immer der Fall war und damit nichts wirklich Neues darstellt. Für andere Kritiken meinerseits an der Handlung müsste ich einiges spoilern, aber das will ich an der Stelle nicht. Falls gewünscht, kann ich das per spoilertags nachschieben.

    Erschwerend kommt hinzu, dass man durch die vielen zu erforschenden Gräbern länger von der Handlung abgelenkt wird als noch im Vorgänger, wo man die Gräber ja meist "on the fly" in so 10 - 15 Minuten erledigen konnte, während jetzt ein echtes Backtrekking und längere Lauf- und Kletterwege nötig werden. Allerdings bieten die Gräber auch echte spielerische Vorteile, die sich vor allem in der späteren Handlung spürbar auswirken. Vor einer höheren Präzision hat man wenig, sollte man die Gräber erst nach Abschluss der Haupthandlung erkunden - wie in Tomb Raider hat man auch in diesem Teil die Option, nach dem Ender der Geschichte in aller Ruhe alle Geheimnisse aufzudecken. Dadurch, dass man nun länger abseits der Haupthandlung unterwegs sein kann, gerät die Geschichte schnell mal aus dem Blickfeld.

    Und dann… Ja, dann ist da noch der unsägliche Exklusivdeal, den Microsoft für "Rise of the Tomb Raider" ausgehandelt hat. Die Redmonder müssen Crystal Dynamics eine ordentliche Stange Geld geboten haben, denn das Spiel erschien jetzt erst einmal exklusiv für die XBox One (und die XBox 360). Eine PC-Version soll es im Frühjahr 2016 geben und mit einer Fassung für die Playstation 4 ist nicht vor dem Herbst/Winter 2016 zu rechnen. Dies ist vor allem für einen Tomb Raider Fan wie mich ärgerlich, denn die Marke war auf Microsofts Konsolen nie wirklich erfolgreich (Legends hatte so schwache Verkäufe, dass Anniversary gar nicht erst für die 360 erschien - und auch Underworld war auf der XBox nicht wirklich beliebt). Eigentlich war Tomb Raider immer stark auf der Playstation und so habe ich die Befürchtung, dass die Marke Tomb Raider trotz des wirklich guten Teils durch diesen Deal großen Schaden nehmen könnte - denn ob das Spiel sich in einem Jahr noch gut verkaufen wird, sei mal dahingestellt. Und aktuell sieht es ja wirklich so aus, als würde sich das Spiel auf One und 360 nur sehr mäßig verkaufen - und das hat es eigentlich nicht verdient.


    Wie sieht also das Fazit aus?

    "Rise of the Tomb Raider" ist eine gelungene Ergänzung der Saga um Lara Croft. Im direkten Vergleich zu "Tomb Raider" von vor knapp 3 Jahren gefällt er mir sogar einen Tick besser. Es gibt mehr spielerische Möglichkeiten, mehr zu entdecken und auch das Setting gefällt mir besser als das verregnete Yamatai. Die Figur der Lara Croft ist außerdem jetzt etabliert und trägt das Spiel als Heldin problemlos. Man merkt in der Erzählung, dass Lara an den bisherigen Erfahrungen gereift ist, da braucht es auch keine im Laufe des Spiels immer mehr verletzte Lara. (Ach ja, ein nettes Detail: Bei Stürzen aus größerer Höhe hält sich Lara einige Sekunden die Stelle, wo ihr am Anfang von Tomb Raider eine Eisenstange durch den Körper gerammt wurde - anscheinend macht ihr die alte Verletzung immer noch Probleme.)

    Ein großer Nachteil ist natürlich die Zeitexklusivität für die XBox One. Ich besitze mittlerweile alle aktuellen Konsolen und als alter Tomb Raider Fan habe ich den Teil auch gekauft, aber ich denke nicht, dass man sich nur dafür eine One kaufen sollte - statt dessen würde ich als PS4 Besitzer das Jahr abwarten. Das lohnt sich aber unbedingt, denn "Rise of the Tomb Raider" ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Spiel geworden.

    Bewerten würde ich es in der für Videospiele üblichen Prozentskala mit 85 Prozent. In den hier im Forum üblichen Skalen wären es 5 von 6 Sternen oder (großzügig aufgerundet) 9 von 10 Punkten.
    (Abzüge gibt es vor allem durch einige Kritiken, die ich an der Handlung hätte, die ich an der Stelle aber nicht spoilern will.) 

  • #2
    Ahh, Exklusivtitel...

    Die Art des Herstellers zu sagen: "Tja, usere Konsole hat absolut garnichts was sie vom Konkurenzprodukt abheben würde, also haben Geld auf das Problem geworfen und uns eine Reihe von Exklusivtitel gekauft, die ihr nur spielen könnt, wenn ihr unsere Konsole kauft."
    Sozusagen die kreative Kapitulationserklärung des Konsolenherstellers.

    Ist vermutlich unvermeidlich, wenn zwei Konkurenten ein essential gleiches Produkt auf einen Markt werfen, dem eigentlich eines reichen würde.
    Understanding the scope of the problem is the first step on the path to true panic.

    - Florance Ambrose

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