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Körperwelten - Kunst oder Geschmacklosigkeit?

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  • Körperwelten - Kunst oder Geschmacklosigkeit?

    Viele von Euch werden bestimmt die in den Medien laufende Diskussion über die berühmt berüchtigte Körperwelten-Ausstellung mitverfolgt haben.
    Das der Initiator zwar nach eigenen Angaben bewusst keine Hingerichteten „verwendet“ hat, es aber auch nicht völlig ausschließen kann, dass dies eventuell „versehentlich“ geschah zeigt deutlich, dass er über die Herkunft seiner „Exponate“ nicht einhundertprozentig bescheid weiß. Daraus lässt sich schließen, dass viele der dort gezeigten wohl auch nicht einhundertprozentig wussten, was nach ihrem Tod nun genau mit ihnen geschieht.

    Ich denke die Meisten von Ihnen haben durchaus verfügt, dass nach dem Tod ihr Leichnam der Forschung zur Verfügung steht. Doch wussten sie auch, dass sie in einer „Wanderausstellung“ landen?

    Ich persönlich würde nach meinem Ableben auch gern alles für Forschung und Medizin spenden, was sich noch verwenden lässt. Der Rest ergibt bestimmt noch einen guten Pflanzendünger (am besten für eine stolze Eiche).
    Falls aber die Möglichkeit besteht, dass man meine Leiche in einer grotesken Pose in Plastik gießt, ihr einen lustigen Hut aufsetzt, sie zur Belustigung anderer ausstellt, wodurch sich ein zwielichtiger Typ dann die Taschen füllt...
    Also, da lass ich mich doch lieber verbrennen.

    Ich weiß, das ist ein etwas morbides Thema, doch was meint denn Ihr?

    Gruß, succo
    Ich blogge über Blogger, die über Blogger bloggen.

  • #2
    Nun, generell bin ich ein Befürworter der Körperwelten-Ausstellung. Allerdings findet dieser Zuspruch dort sein Ende, wo die Körper von Personen für die Plastination verwendet werden, die diesem nicht vor ihrem Ableben ausdrücklich zugestimmt haben, so wie es mit den angeblichen Hinrichtungsopfern aus China geschehen sein soll.

    Generell sehe ich aber, das Einverständnis der späteren Exponate voraus gesetzt, kein Problem darin.
    “Are these things really better than the things I already have? Or am I just trained to be dissatisfied with what I have now?”― Chuck Palahniuk, Lullaby
    They have nothing in their whole imperial arsenal that can break the spirit of one Irishman who doesn't want to be broken - Bobby Sands
    Christianity makes everyone have this mentality that escapism is a bad thing. You know "Don't run away from the real world - deal with it." Why ? Why should you have to suffer? - Marilyn Manson

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    • #3
      Ich habe nichts gegen diese Ausstellung. Das heißt, ich finde sie nicht empörend oder unmoralisch. Denn jetzt mal von dem aktuellen Skandal abgesehen, halte ich es prinzipiell nicht für unethisch, tote Menschen auszustellen, wenn diese sich zu Lebzeiten dazu bereit erklärt haben.

      Aber ich persönlich finde diese Austellung weder geschmackvoll noch in irgendeiner Hinsicht künstlerisch wertvoll.
      Und ich vermute, dass 90% der Besucher sich die Ausstellung nicht ansehen, weil sie ein ehrliches Interesse an Anatomie oder an Kunst haben, sondern weil sie scharf darauf sind, mal ein paar zerstückelte Leichen zu sehen. Ich wette, für die meisten Leute ist diese Ausstellung einfach eine bessere Geisterbahn.

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      • #4
        Ich stimme da voll und ganz mit NHs Meinung überein.
        Ich war selbst vor 2 Jahren auf der Ausstellung, als sie in Oberhausen war, und fand sie sehr interessant.
        Auch habe ich Respekt vor den Menschen, die ihren Körper nach ihrem Ableben der Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben.
        Genauso unmenschlich finde/fände ich es aber, wenn dort tatsächlich Körper von Menschen ohne deren Zustimmung ausgestellt werden (würden).
        "Mai visto un compagno uscire dal campo senza aver dato tutto e anche di più. Siamo la squadra più straniera d’Italia, dicono. Faccio però fatica a trovare in giro per il mondo un gruppo più attaccato alla maglia del nostro." - Javier Zanetti
        ¡Pueblo no bueno! ¡Pueblo es muy mal!

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        • #5
          Ich hatte die Ausstellung damals in Berlin besucht und von Belustigung war die Atmosphäre dort sicherlich sehr weit entfernt. Irgendwie wurde einem die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers mehr als bewusst gemacht und so war es eine Mischung aus leichtem Unwohlsein und gespannter Faszination, die wohl auch den Erfolg des Ausstellung ausmacht. Grundsätzlich also eine Sache mit der ich kein Problem hatte.
          Als ich in der letzten Ausgabe des Spiegels aber über die angewandten Praktiken und der quasi industrialisierten Plastinatherstellung gelesen habe, bin ich mir über meine Einstellung zur Ausstellung nicht mehr so im Klaren.
          Für einen Euro durch die Spree, nächstes Jahr am Wiener See. - Treffen der Generationen 2013
          "Hey, you sass that hoopy Ford Prefect? There's a frood who really knows where his towel is." (Douglas Adams)

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          • #6
            Körperwelten - Kunst oder Geschmacklosigkeit?

            Weder noch, das hat nichts mit Kunst zu tun und nichts mit Geschmacklosigkeit und sollte meiner Meinung nach nur der Forschung dienen ...

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            • #7
              Also ich traue dem von Hagen nicht so über den Weg und es würde mich nicht wundern, wenn der tatsächlich sich hier illegal Leichen beschafft hätte und dann noch - was besonders übel ist - von chinesischen Regimegegnern, damit der Westen was zu Gaffen hat.
              Republicans hate ducklings!

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              • #8
                Also ich finds schon sehr geschmacklos. Die Darstellung der Körper ist für mich einfach nur pervers. Werd sicherlich nie hingehen ...

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                • #9
                  Im Prinzip finde ich die Austsellung "ganz in Ordnung".
                  Natürlich ist die Ausstellung von Leichen und Leichenteilen (auch Mumien) moralisch gesehn immer etwas schwer, aber wenn ich in die Ausstellung gehen werde (falls sich die Gelegenheit ergibt), dann nicht um mir in einer Mutprobe etwas zu beweisen, sondern um mich zu informieren.
                  Warum sollen die Plastinate nur Medizinstudenten zugänglich gemacht werden? Warum sollen dies nicht auch Leute mit anderen Berufswünschen ansehn? Ich intressiere mich sehr stark dafür, würde aber nie Medizin studieren.
                  Zur Not, es wird keiner gezwungen hinzugehn.

                  Allerdings glaube ich, das bei der Ausstellung ein Mindestalter erforderlich sein sollte. Ich war zwar noch nicht drinnen und ich weis, dass man eine klare Altersgrenze kaum bis gar nicht definieren kann, aber ich würde es nicht befürworten, wenn beispielsweise eine achte Klasse auf der Klassenfahrt einen Tagesausflug "in die Leichenhalle" machen würde.
                  Rettet die Bäume - Eßt mehr Biber!

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                  • #10
                    Original geschrieben von monster
                    Allerdings glaube ich, das bei der Ausstellung ein Mindestalter erforderlich sein sollte. Ich war zwar noch nicht drinnen und ich weis, dass man eine klare Altersgrenze kaum bis gar nicht definieren kann, aber ich würde es nicht befürworten, wenn beispielsweise eine achte Klasse auf der Klassenfahrt einen Tagesausflug "in die Leichenhalle" machen würde.
                    Also als ich mir die Ausstellung angesehen habe, empfand ich die ausgestellten Körper größtenteils nicht als sehr real. Mag auch daran liegen, dass sie diese bestimmte Flüssigkeit gespritzt bekommen, die sie so plastikartig macht. Daher glaube ich auch nicht, dass eine Altersgrenze notwendig wäre.

                    Die richtig "harten" Exponate (Missbildungen, Mutationen, etc.) waren jedoch in einem gesonderten FSK 16 - Bereich. Das empfand ich allerdings auch für angemessen, da dies für schwache Nerven imho wirklich nichts ist...
                    "Mai visto un compagno uscire dal campo senza aver dato tutto e anche di più. Siamo la squadra più straniera d’Italia, dicono. Faccio però fatica a trovare in giro per il mondo un gruppo più attaccato alla maglia del nostro." - Javier Zanetti
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                    • #11
                      Ich gehe am Mittwoch mit einigen Kollegen von der Arbeit nach Frankfurt und dort wollen sie sich auch zum Teil die Ausstellung ansehen.
                      Was mich selbst angeht, so bringen mich keine 10 Pferde da rein. Mir wäre das zu viel, weil mir da denke ich schnell übel werden würde.
                      To see the world, things dangerous to come to, to see behind walls, to draw closer, to find each other and to feel - that is the purpose of life.
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                      • #12
                        Wir waren vor ca. 4-5 Jahren mit der ganzen Klasse in der Körperwelten Ausstellung, als sie damals in Basel zu Besuch war. Mich hat die Ausstellung sehr fasziniert, ich finde sie war grösstenteils auch sehr pietätvoll "eingerichtet". Ich würde nicht sagen, dass da eine gafferische Atmosphäre gewesen ist, sondern eher Faszination und Neugier (im wissenbeschafferischen Sinne). Da die Körper plastiniert wurden, haben sie etwas Fremdes, man hat nicht direkt das Gefühl, da einfach nur totes Fleisch vor sich liegen/stehen zu haben. (und zum Glück riechts auch nicht so nach Formalin wie später in den Seziersäälen, wenn man als Medistudent seine Leiche zu sezieren hat) Ich würde die Ausstellung jedem weiterempfehlen, der sich ein bisschen für den menschlichen Körper interessiert, recht krass fand ich die (abgesonderte) Ausstellung der Missbildungen (v.a. Föten), aber das ist halt auch die Natur, wobei es in mancher anatomischer Studiensammlung noch ein paar "schlimmere" Exponate gibt. (Wenn man aber schon ein bisschen was über die Embryologie weiss, sind jedoch auch die noch recht "interessant", bzw informativ, da man sehr genau sieht, was da in der Entwicklung schiefgelaufen ist.
                        Ich hoffe, das tönt jetzt nicht zu pietätlos, aber als Medizinstudent ist so eine Sammlung halt zu einem grossen Teil auch Wissenserwerb, man darf sich da irgendwie auch nicht ständig vor Augen halten, dass das mal echte Menschen waren wie du und ich, denn sonst kann man sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren. Ich habe jedoch grössten Respekt vor den Leuten, die sich nach ihrem Tod zur Verfügung stellen, was mich damit auch zum im Titel angesprochenen Punkt bringt:

                        Wenn sich die ausgestellten Personen vor ihrem Tod damit einverstanden erklärt haben, find ich es ganz OK, aber die letzten Berichte haben mich schon etwas stutzi gemacht, falls das stimmt mit den chinesischen Hingerichteten find ichs eine Schweinerei, und für von Hagens würd ich meine Hand nicht ins Feuer legen, seine Art aufzutreten hat mich immer gestört, er hat so etwas Effekthascherisches, was sich zum Glück nicht gross in die Ausstellung (zumindest damals in Basel) übertagen hat.
                        "All I ask is a small Ship and a Star to steer her by."

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                        • #13
                          *nichtdahingehenwird*
                          Irgendwie halt ich nicht sonders viel von Körperwelten. Moralisch isses mir relativ egal - früher werden unsere Körper ja schließlich alle zu "Müll" (ob jetzt recycelt wird oder nicht).
                          Allerdings trau ich dem Hagen nicht über den Weg. Der feiert sich selbst einfach zu viel um bie mir wirklich noch als Wissenschaftler durchzugehen. Es erscheint mir bei ihm so, dass er das ganze nur macht um sich selbst ein Denkmal für alle Ewigkeit zu setzen. Realistische Darstellung und Moral auf seiner Seite treten dabei vollkommen in den Hintergrund.

                          Aussderdem tun mir noch die Deppen leid, die sich freiwillig zum plastinieren gemeldet haben - sobald die Ausstellung nimmer läuft, wird wohl der eine oder andere welcher sich körperliche Unsterblichkeit erhofft hat auf irgend einer Sondermülldeponie landen!
                          Andererseits.... selber Schuld!
                          Seid gegrüßt Programme!

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                          • #14
                            Gegen Präparate für Medizinstudenten ist ja auch nichts einzuwenden. Dann müsste diese Ausstellung aber auch nur einem Fachpublikum zugänglich sein.

                            Für einen Forscher ist dieser von Hagen auch etwas zu geschäftstüchtig. Hier noch mal ein kurzer Bericht vom Spiegel:

                            Die horrenden Geschäfte des Leichen-Schaustellers Gunther von Hagens

                            Mehr als 14 Millionen Menschen weltweit haben die "Körperwelten"-Ausstellung besucht. Kritik an Gunther von Hagens' bizarrer Leichenpräsentation gab es von Anfang an. Stets beteuerte der Plastinator, dass die Menschen ihm ihre sterblichen Überreste freiwillig überlassen hätten. Nun aber stellt sich heraus, dass von Hagens ein weltumspannendes Unternehmen betreibt, das in nahezu industriellem Maßstab tote Menschen verwertet.

                            Nach monatelanger Recherche ist der SPIEGEL auf einige besonders schaurige Beispiele der Geschäftstüchtigkeit Gunther von Hagens' gestoßen: In der chinesischen Werkstatt des "Körperwelten"-Machers, nicht weit von mehreren Straflagern entfernt, wurden offenkundig auch die Körper Hingerichteter präpariert.
                            Gestern wurden in Spiegel-TV einige Bilder aus dem chinesischen Werk gezeigt. Es wirkte auf mich wie eine etwas andere "Spielzeugfabrik". Einfach nur widerlich.

                            Gruß, succo
                            Ich blogge über Blogger, die über Blogger bloggen.

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                            • #15
                              Original geschrieben von succo
                              Gegen Präparate für Medizinstudenten ist ja auch nichts einzuwenden. Dann müsste diese Ausstellung aber auch nur einem Fachpublikum zugänglich sein.
                              Das sehe ich anders.
                              IMO ist es auch voll und ganz OK solche Präperate einem interessierten "Laienpublikum" zugänglich zu machen.

                              Nur bei der Verwendung von Leuten, die dem nicht zugestimmt haben endet für mich dann das Ganze wie gesagt auch !
                              “Are these things really better than the things I already have? Or am I just trained to be dissatisfied with what I have now?”― Chuck Palahniuk, Lullaby
                              They have nothing in their whole imperial arsenal that can break the spirit of one Irishman who doesn't want to be broken - Bobby Sands
                              Christianity makes everyone have this mentality that escapism is a bad thing. You know "Don't run away from the real world - deal with it." Why ? Why should you have to suffer? - Marilyn Manson

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