Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Fussball und Gott = Fussballgott?

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Fussball und Gott = Fussballgott?

    Ich verfolge mit grossem Interesse die WM und schaue natürlich jedes Spiel der Schweizer Nationalmannschaft. Ich hocke wie viele Millionen vor der Glotze und fluche wenn Frei mal wieder an die Latte statt ins Tor schiesst...
    diese Begeisterung fasziniert mich und zugleich mache ich mir Gedanken über diese Fans, die zum Teil richtig austicken.
    Ich mag es ja jedem gönnen, zu feiern wenn wir gewonnen haben. Aber dass man bis um zwei Uhr morgens herumfahren muss und hupen, wenn um elf der Match aus war, ist doch nicht mehr ganz normal. Dieser Hype gleicht ja schon fast einer Droge. Schade eigentlich. Ich freue mich ja auch, ausserdem sind wir Gruppenerste und unser Goalie ist der einzige ungeschlagene der ganzen WM. (Zubi soll leben, drei mal hoch ) Wo aber ist da noch die Grenze zum Überbordenden. Was macht das aus?
    Ausserdem finde ich die Bezeugungen zu irgendeinem Glauben an eine Göttlichkeit ganz symphatisch. Da steht der Wicky und schlägt das Kreuz und betet kurz vor dem Match. Die Argentinier ziehen nach dem Match ihre Leibchen aus und tragen darunter eines auf dem steht: I Love Jesus! Ein Iraner zieht die Gebetskette durch die Finger und betet eine Sure. Aber wie manche Fans sich benehmen, denke ich eher, dass Fussball ihr Gott ist. Ob das so gut ist, weiss ich nicht. Was denkt ihr darüber?
    Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts. Elias Canetti
    Take it easy, but take it. Nothing Comes to you, when you waite to long.

  • #2
    Also laut Nikolaus Schneider, Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, darf der Christ für den Erfolg der Deutschen Mannschaft beten, sollte aber nicht erwarten, dass Gott seine Gebete positiv beantwortet. Gott sei nicht unsere WM-Wunschkiste, heißt es. Verboten, Gott um solche Nichtigkeiten wie einen Sieg der DFB Elf zu bitten, ist es bei den Protestanten netterweise aber nicht. Linky

    Jetzt frage ich mich was die Katholiken zum Thema zu sagen haben, schließlich stellten die bei den letzten drei Turnieren den Weltmeister. Da scheinen die Gebete zu funktionieren.

    Wenn sich einzelne Spieler oder ganze Mannschaften auf dem Platz bei Gott bedanken, ist das natürlich deren Sache. Persönlich meine ich, dass sie ihre guten Leistungen lieber ihrer eigenen harten Arbeit und nicht ihrem imaginären Freund im Himmel zuschreiben sollten.

    Zitat von Gabriela
    Aber wie manche Fans sich benehmen, denke ich eher, dass Fussball ihr Gott ist. Ob das so gut ist, weiss ich nicht. Was denkt ihr darüber?
    Nicht ihr Ersatzgott, aber vielleicht eine Art Ersatzreligion. Feiern, Rituale, Gesänge, das gute Gefühl Teil einer Menschenmenge zu sein, die etwas bewegen kann und sei es nur die eigene Mannschaft zum Sieg zu brüllen, alles findet man im Stadion.

    Um zur Eingangsthese "Fussball und Gott = Fussballgott?" zu kommen:
    Der Fußballgott hat mit dem abrahamitischen Gott natürlich nichts zu tun und im Gegensatz zu Jahwe/Allah ist seine/ihre Existenz durchaus bewiesen. Während eines Spieles manifestiert sich der Fußballgott grundsätzlich in einem Spieler der Mannschaft, die nach seinem/ihrem Willen den Sieg davon tragen soll. Die Zuschauermenge im Stadion erkennt den FG auf dem Platz und die Masse feiert die Ankunft des Gottes in dem sie den "Namen des Spielers in dem sich der Gott befindet" singt und "Fußballgott" anhängt. Beispielsweise "Miro Klose, Fußballgott!"
    Für einen Euro durch die Spree, nächstes Jahr am Wiener See. - Treffen der Generationen 2013
    "Hey, you sass that hoopy Ford Prefect? There's a frood who really knows where his towel is." (Douglas Adams)

    Kommentar


    • #3
      Ob die Spieler lieber einen Gott für ihre Siege danken oder ihrer Arbeit, ist natürlich ihnen überlassen. Vielleicht tun sie ja auch beides.

      Besonders die Südamerikaner(vor allem Brasilien)und die orientalischen Mannschaften sind da ein wenig gläubiger. Europäer pragmatischer.

      Auf jeden Fall ist internationaler Fußball ein Massenphänomen und kann wie der Glaube selbst sehr viele Menschen begeistern.

      Und wie Ford Prefect es sagte sind manche Spieler gottgleich...

      Kommentar


      • #4
        Da muss ich gleich wieder an die Worte eines argentinischen Fans zu einem deutschen Reporter über Maradona denken:
        "Ihr habt vielleicht den Papst, aber wir haben Gott!"

        Zitat von Ford Prefect
        Wenn sich einzelne Spieler oder ganze Mannschaften auf dem Platz bei Gott bedanken, ist das natürlich deren Sache. Persönlich meine ich, dass sie ihre guten Leistungen lieber ihrer eigenen harten Arbeit und nicht ihrem imaginären Freund im Himmel zuschreiben sollten.
        Vielleicht ist das psychisch gesehen gar nicht mal die falsche Variante.
        Wer sich an seinen guten Leistungen hochzieht, ist auch der erste, der Nerven zeigt, wenn es nicht so gut läuft. Wer dagegen seine positiven Energien aus seinem Gottvertrauen zieht, kann durch kurzfristige Ereignisse wie ein schlechtes Spiel nicht so leicht seine Motivation und sein Selbstbewusstsein verlieren.
        "Mai visto un compagno uscire dal campo senza aver dato tutto e anche di più. Siamo la squadra più straniera d’Italia, dicono. Faccio però fatica a trovare in giro per il mondo un gruppo più attaccato alla maglia del nostro." - Javier Zanetti
        ¡Pueblo no bueno! ¡Pueblo es muy mal!

        Kommentar


        • #5
          Zitat von Spooky Mulder
          Vielleicht ist das psychisch gesehen gar nicht mal die falsche Variante. Wer sich an seinen guten Leistungen hochzieht, ist auch der erste, der Nerven zeigt, wenn es nicht so gut läuft. Wer dagegen seine positiven Energien aus seinem Gottvertrauen zieht, kann durch kurzfristige Ereignisse wie ein schlechtes Spiel nicht so leicht seine Motivation und sein Selbstbewusstsein verlieren.
          Wie gesagt, wenn es denen hilft, sollen sie. Ich kann mir schon vorstellen, dass so etwas gerade nach einer unglücklichen Niederlage über Selbstzweifel hinweg hilft. Als kleiner Psychotrick vielleicht nicht verkehrt. Normalerweise sollte man weltliche Probleme, wie die Niederlage in einem Fußballspiel, aber schon weltlichen Ursachen zuschreiben.

          Ich kann natürlich als Trainer weitermachen und sagen, dass man härter trainieren und taktisch Dinge anders machen muss, damit Gott im nächsten Spiel wieder wohlwollender auf die Mannschaft blicken wird...
          Zuletzt geändert von Ford Prefect; 26.06.2006, 10:45.
          Für einen Euro durch die Spree, nächstes Jahr am Wiener See. - Treffen der Generationen 2013
          "Hey, you sass that hoopy Ford Prefect? There's a frood who really knows where his towel is." (Douglas Adams)

          Kommentar


          • #6
            Die Diskussion hat ja interessante Züge angenommen. Mir ist das ganze dahinter schon klar. Wie aber seht ihr das? Ich brülle auch (zwar vor dem Fernseher, aber was solls) damit meine Manschaft endlich das ersehnte Goal schiesst. Ist denn kein fanatischer Fan im Forum, der diesen Aspekt deutlicher beantworten kann? Ich glaube selbst an Gott und Jesus Christus seinen Sohn. Diesen Glauben kann ich nachvollziehen. Ich wollte aber vergleichen, wie es für einen Fan ist.
            Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts. Elias Canetti
            Take it easy, but take it. Nothing Comes to you, when you waite to long.

            Kommentar


            • #7
              Wie ich schon schrieb sehe ich beim Fußball(besonders WM) eine Fesselung wie sie ähnlich bei Religionen auftritt. Aber das ist nur kurzfristig der Fall. Die Massen-Euphorie wird nach der WM wieder nachlassen. Anders als bei den Religionen...

              Kommentar


              • #8
                Zitat von Gabriela
                Ich verfolge mit grossem Interesse die WM und schaue natürlich jedes Spiel der Schweizer Nationalmannschaft. Ich hocke wie viele Millionen vor der Glotze und fluche wenn Frei mal wieder an die Latte statt ins Tor schiesst...
                diese Begeisterung fasziniert mich und zugleich mache ich mir Gedanken über diese Fans, die zum Teil richtig austicken.
                Ich mag es ja jedem gönnen, zu feiern wenn wir gewonnen haben. Aber dass man bis um zwei Uhr morgens herumfahren muss und hupen, wenn um elf der Match aus war, ist doch nicht mehr ganz normal. Dieser Hype gleicht ja schon fast einer Droge. Schade eigentlich. Ich freue mich ja auch, ausserdem sind wir Gruppenerste und unser Goalie ist der einzige ungeschlagene der ganzen WM. (Zubi soll leben, drei mal hoch ) Wo aber ist da noch die Grenze zum Überbordenden. Was macht das aus?
                Ausserdem finde ich die Bezeugungen zu irgendeinem Glauben an eine Göttlichkeit ganz symphatisch. Da steht der Wicky und schlägt das Kreuz und betet kurz vor dem Match. Die Argentinier ziehen nach dem Match ihre Leibchen aus und tragen darunter eines auf dem steht: I Love Jesus! Ein Iraner zieht die Gebetskette durch die Finger und betet eine Sure. Aber wie manche Fans sich benehmen, denke ich eher, dass Fussball ihr Gott ist. Ob das so gut ist, weiss ich nicht. Was denkt ihr darüber?
                Um 2 Uhr morgens rumzufahren und zu Hupen ist IMO in Ordnung. Es ist lediglich Freude die damit ausgedrückt wird.
                Wenn die Spieler ihren Glauben zur Show tragen ist das noch in Ordnung. Schließlich bedrängen sie niemanden es ihnen gleich zu tun.
                Das nun die Fans einzelne Spieler zum "Fussballgott" erheben bzw. Fussball einen höheren Stellenwert hat als Religion ist IMO nicht schlimm. Zwar verbietet die katholische Kirche "Vielgötterei", aber unter dem Gesichtspunkt der Toleranz muss sie es akzeptieren wenn Fans einzelne Spieler oder den Fussball ansich gottähnlich verehren.
                Vor allem wenn man bedenkt wie viel Leid in diesen Tagen auf der Erde herrscht aufgrund von Religionen, ist es mir lieber wenn Polen (Erzkatholisch) und Iran (muslimisch) friedlich den Fussball zelebrieren. Fussball schafft etwas was die Politik bzw. die Religionen nicht geschafft haben.
                Just because it is the truth doesn't mean anyone wants to know about it.
                Alle vier Jahre machen die Wähler ihr Kreuz. Und hinterher müssen sie's dann tragen. - Ingrit Berg-Khoshnavaz
                Statt 'Gier' sagen wir 'Profitmaximierung', und schon wird aus der Sünde eine Tugend. - Ulrich Wickert

                Kommentar


                • #9
                  Das hab ich mir auch schon gedacht. Anstatt Krieg ein Fussballspiel. Wär doch toll.
                  Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts. Elias Canetti
                  Take it easy, but take it. Nothing Comes to you, when you waite to long.

                  Kommentar

                  Lädt...
                  X