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Künstler Jörg Immendorf verstorben

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    »Ich halte mich als Verteidigungsminister bereit«
    Kaum ein DDR-Künstler kam den Forderungen des »Sozialistischen Realismus« so nahe wie der Westdeutsche Jörg Immendorf


    Was für ein Leben! Auf sich aufmerksam gemacht hatte der junge Aktionskünstler Jörg Immendorf 1969, als er das Bonner Bundeshaus durch eine »Bundeshütte« erweiterte und per Flugblatt verkündete: »Ich halte mich als Verteidigungsminister bereit.« In den 70er Jahren spürte er dem revolutionären Subjekt mit den Mitteln der Kunst nach und er hat sich, anders als manche früheren Politaktivisten, nie von seiner »wilden Zeit« distanziert.
    Immendorf blieb weiter wild und machte 1984 seine »La Paloma Bar« im Hamburger Kiez auf. Ein Jahr später verblüffte er mit einer imposanten Hans-Albers-Plastik. In den 90er Jahren erhielt er schillernde Reputation als »Kanzlerfreund«; er gehörte zu dem Kreis von Künstlern und Literaten, mit denen Gerhard Schröder sich während seiner Amtszeit umgab – ob aus tatsächlichem persönlichen Interesse oder mehr aus Marketinggründen, blieb unklar. 2003 schließlich regte Immendorf die kleinbürgerliche Öffentlichkeit auf, als er mit Kokain und Prostituierten erwischt wurde.
    Am Pfingstmontag ist der seit einigen Jahren durch die Nervenkrankheit ALS schwer gehandicapte Jörg Immendorf im Alter von 61 Jahren gestorben. Sein künstlerisches Werk blieb für eine breite Öffentlichkeit stets im Schatten seiner Skandale. Was durchaus zu bedauern ist. Denn in seinem Werk spiegelte sich wie wohl bei kaum einem anderen Künstler seiner Generation gesamtdeutsche Geschichte wider. Der kurz nach Kriegsende in Bleckede bei Lüneburg geborene Immendorf widmete sich nach seiner frühen neodadaistischen Phase einer kämpferischen Agit-Prop-Malerei. Männer im Blaumann gerieten ihm zu Titanen der Arbeit, in die er seine Hoffnungen auf Veränderungen der Gesellschaft setzte. Wohl kaum ein in der DDR entstandenes Werk kam den Forderungen des »Sozialistischen Realismus« so nahe wie der erzählende Realismus dieses Kunstlehrers einer Düsseldorfer Hauptschule. Stets setzte sich Immendorf mit dem Verhältnis des Malers als kleinbürgerlicher, auf sich selbst fokussierter Handwerker zum revolutionären Prozess auseinander. Seine Enttäuschung über das in die westliche Konsumgesellschaft desertierende revolutionäre Subjekt artikulierte er in Bildern wie jenem über den Ausflug ins Grüne einer Arbeiterfamilie am 1. Mai.
    Ab 1977 beschäftigte sich Immendorf intensiv mit der deutsch-deutschen Teilung. Er besuchte mehrfach den damals noch in Dresden lebenden A.R. Penck und gründete mit diesem das »Kollektiv Immendorf-Penck«. Im »Café Deutschland«-Zyklus entwarf Immendorf schließlich seine groteske Vision einer Wiedervereinigung. Unter den fetten Schwingen eines Adlers versammelte er mit grellem Pinselstrich die deutsch-deutsche Künstlerprominenz zu stumpfem Sitzen, wilden Orgien und manchmal klugem Beobachten.
    An diesen Zyklus schloss sich in den späten 80er Jahren ein wildes Wühlen in christlicher, nationalsozialistischer und bolschewistischer Metaphorik an. In den letzten Jahren schließlich untersuchte der Maler, der nicht mehr selbst den Pinsel führen konnte, das Phänomen Tod. Er instruierte seine Assistenten, Rasterpunkte und Ornamente à la Polke zu setzen und sie mit schemenhaft eleganten Silhouetten à la Modigliani sowie Todesskeletten aus der mittelalterlichen Malerei zu konfrontieren. Es entstand ein atemberaubender Totentanz, der nach dem Tod des Malers noch seiner Entdeckung harrt.
    Jörg Immendorf war ein Malerfürst, der aus seiner Reibung mit der Welt schöpfte, seine Kunst mehrfach neu erfand und nicht sonderlich auf den Markt achtete. Er ragt wie ein Fels über die dekorative Leinwandbeschichtung der jetzt so gefeierten deutschen Jungrealisten hinaus.
    Quelle:Neues Deutschland - Jörg Immendorf

    Für mich eine sehr interessante Persönlichkeit und einer der wichtigsten deutschen Künstler in der Nachkriegsgeschichte. Er hat war kein bequemer Bürger und hat teilweise in "Saus&Braus" gelebt. Immerdorf ist auch schon mal wegen Alkohol und Kokain Exzessen in den Schlagzeilen gewesen. Zuletzt hat ihn die Krankheit "ALS" dahingerafft. Schade. Aber er hat bis zum Ende gekämpft.
    Zuletzt geändert von Skymarshall; 31.05.2007, 18:10. Grund: Bild eingefügt...
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