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Würdet Ihr einem Terroristen auf der Flucht Unterschlupf gewähren?

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  • Würdet Ihr einem Terroristen auf der Flucht Unterschlupf gewähren?

    Würdet Ihr einem Terroristen auf der Flucht Unterschlupf gewähren, wenn Ihr von den Zielen dieser (vom Staat verbotenen und polizeilich gesuchten) Gruppe überzeugt wärt? Ich möchte jetzt nicht auf eine bestimmte Gruppe hinaus, viel eher möchte ich einfach wissen, wie weit Ihr gehen würdet, wenn Euch eine Sache wirklich wichtig wäre. Was würdet Ihr noch unterstützen – was nicht mehr?

    Ich habe mir diese Frage eben gestellt, als ich zum wiederholten Male eine Folge der Dokumentation „Die Geschichte der R.A.F.“ gesehen habe, in der Zeitzeugen u.a. darüber berichtete, dass diese Frage in den damaligen linken Kreisen oft gestellt worden war: „Wenn Gudrun Ensslin plötzlich vor Eurer Türe stehen würde, würdet Ihr ihr Unterschlupf gewähren?“

    Ok – in meinem Fall wäre die Frage sicher nicht „Würdest Du Mitgliedern der R.A.F. helfen“, sondern vielleicht eher „Würdest Du einem gesuchten Öko-Terroristen, von dessen Zielen Du überzeugt wärst, Unterschlupf gewähren?“ Bei Anderen wäre es eventuell „Occupy Wall Street“ oder „Attack“, oder weiß der Kuckuck was. Es ist gleichgültig. Wichtig ist mir nur die Frage „Wie weit würdet Ihr gehen?“ Wann ist bei Euch „der Ofen aus“.

    Und wie sieht es mit früheren „Terroristen“-Gruppen aus, wie z.B. „Der Weißen Rose“. Hättet Ihr ihnen geholfen zu entkommen? Damals – zu ihrer Zeit, unter Lebensgefahr und ohne jetzt das Ende der Geschichte zu kennen?

    Welcher Widerstand gegen den Staat oder Konzerne (muss ja nicht immer was Politisches sein) ist legitim, was nicht mehr?
    *Behandle einen Stein wie eine Pflanze, eine Pflanze wie ein Tier und ein Tier wie einen Menschen.*
    *Alles was einmal war, ist immer noch, nur in einer anderen Form.*
    Indianische Weisheiten
    Ich bin nicht kaffeesüchtig, aber wenn ich irgendwann einmal verbrannt werde, werde ich vermutlich nicht zu Asche zerfallen, sondern zu Kaffeesatz! ;)

  • #2
    Kannst du mir mal erklären, wie du die "Weiße Rose" hier reinbringst? Die haben Flugblätter per Post verschickt bzw. in der Uni runterregnen lassen. Das ist kein "Terrorismus".
    Republicans hate ducklings!

    Kommentar


    • #3
      Da du die RAF und die Weisse Rose zusammen in einem Post erwähnst, sollte man vielleicht erstmal die Ausgangssituation genau definieren. Sind wir noch in einer Demokratie oder nicht? Bis nämlich der GG 20.4 (das vielzitierte "Widerstandsrecht") in Betracht kommen könnte, muss eine Menge passieren. Insbesondere muss das Parlament vollkommen entmachtet und die Wiederherstellung der Demokratie praktisch unmöglich sein. Selbst wenn in Deutschland zB plötzlich Verhältnisse wie im heutigen Polen oder Ungarn eintreten sollten, hätten die Deutschen noch nicht das Recht zur Gewalt gegen den Staat oder zur Unterstützung solcher Täter. Soviel vorweg.


      Bleiben wir also erstmal in einer Demokratie

      Ich lehne Gewalt als Ausdrucksform in einer Demokratie ab. Gegen Sachen, und gegen Personen sowieso. Ich lehne auch Aufrufe zu solchen Taten ab. Somit werde ich in unserem demokratischen System sicher niemanden Unterschlupf geben, der Gewalt in jeglicher Form gut heißt. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn es bei den Zielen der Täter geistige Überschneidungen mit meinen eigenen politischen oder gesellschaftlichen Ansichten geben sollte (Konjunktiv!). Somit werde ich sicherlich niemals einem Terroristen (d.h. einem Gewalttäter, nach der gebräuchlichsten Definition) helfen.

      Aber wo ist die Grenze, zB bei Schäden im Bagatellbereich? Was wäre zB mit extrem-politischem Graffiti auf einer halb eingestürzten Mauer (kaum finanzieller Schaden)? Immer häufiger heißt es dann in den Medien, "der Staatsschutz ermittle", und die Täter werden so in den Bereich des Links-, Rechts- oder Sonstwas-Extremismus gepackt. Und wenn Möchtegern-Nazis oder -Anarchiste ihre wursteligen Ansichten verbreiten wollen, so neigt man als guter Demokrat dazu, das abzulehnen. Aber sind das Terroristen?

      Wo ist also die rote Linie in einer Demokratie? Sollte man als Demokrat nicht darauf bestehen, dass Gesetze grundsätzlich eingehalten werden müssen, um das System zu schützen? Nun, meine Antwort kann man sich ableiten, wenn man zB an die 1950er bis 70er Jahre und den Umgang mit Homosexuellen denkt. Homosexualität war damals in den meisten Ländern eine schwere Straftat. Und doch haben sich in vielen Ländern Millionen Menschen nicht an die Gesetze gehalten (aka schwere Straftaten begangen) und damit aber den Weg für die Toleranz geebnet, die heute vielerorts üblich ist. (Das soll natürlich nicht darüber hinweg täuschen, dass es immer noch zu viele Länder und Regionen mit entsprechendem Handlungsbedarf gibt.) Die geänderte Sichtweise auf die Homosexualität ist somit ein Beispiel, wie das massenhafte Übertreten von Gesetzen gesellschaftliche Änderungen herbeiführen kann. Wichtig ist jedoch, dass die Dinge in der Gesellschaft diskutiert werden. Wieder und immer wieder. Dazu muss die Gesellschaft aber wissen, was hinter den Kulissen vor sich geht.

      Anderes Beispiel: Innenminister/-politiker neigen dazu, zB die Nutzer von TOR oder dem *räusper* Darknet als Cyberterroristen darzustellen. Von der Verwendung von Kryptotechnologie ganz zu schweigen. In den USA war der (versuchte) Export von starker Kryptosoftware lange Zeit ein Staatsverbrechen, ein Delikt gegen die Nationale Sicherheit, sprich: Verschlüsseler waren potentielle Terroristen. In UK soll Kryptosoftware ohne staatliche Hintertür (indirekt) verboten werden. Das bedeutet, dass zwar der Besitz und die Verwendung nicht per se verboten sein werden, aber im Falle einer Untersuchung muss man in der Lage sein, eine Entschlüsselung vorzulegen. Falls nicht, Pech gehabt. Meine Prognose: In UK wird es sehr bald sehr viele Menschen geben, die als potentielle Staatsfeinde eingestuft werden könnten - bis sich wieder alles ändert.

      Ich persönlich halte das verantwortliche Publizieren von vertraulichen Daten (neudeutsch: Whistleblowing) für eine vertretbare Option, um Missstände aufzuzeigen. Verantwortlich heißt, nicht einfach alles raushauen (à la Wikileaks), sondern journalistisch-fachlich aufbereitet und in abgewogenen Mengen, so dass die (bis dahin) uninformierte Bevölkerung die wichtigen Punkte leicht erfassen kann, zB wie bei Edward Snowden oder den Panama-Papers. Dies mag nicht immer gesetzeskonform sein, doch für mich ist es -allgemein- eine vertretbare Form von Widerstand. Allerdings muss in jedem einzelnen Fall die Gesellschaft entscheiden, ob der "Verrat" moralisch berechtigt war.

      Ich würde Snowden ein Bett anbieten.


      .

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      • #4
        Zitat von endar Beitrag anzeigen
        Kannst du mir mal erklären, wie du die "Weiße Rose" hier reinbringst? Die haben Flugblätter per Post verschickt bzw. in der Uni runterregnen lassen. Das ist kein "Terrorismus".
        Aus der Sicht der Nazis schon, denke ich. Ich weiß es nicht genau, aber bei dem Verein und der Unterdrückung, die damals herrschte, schätze ich schon, dass die Versuche der Weißen Rose die Bevölkerung aufzurütteln, als "Terrorismus" angesehen wurde. Deshalb hatte ich das Wort ja in Anführungszeichen gesetzt.

        Der Begriff "Terrorismus" wird ja nicht von allen gleich benützt. Hängt sehr oft vom Standpunkt und von den Machtverhältnissen ab. Bestes Beispiel, das mir gerade einfallt: Die Résistance in Frankreich während des 2. WKs.


        *Behandle einen Stein wie eine Pflanze, eine Pflanze wie ein Tier und ein Tier wie einen Menschen.*
        *Alles was einmal war, ist immer noch, nur in einer anderen Form.*
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        Ich bin nicht kaffeesüchtig, aber wenn ich irgendwann einmal verbrannt werde, werde ich vermutlich nicht zu Asche zerfallen, sondern zu Kaffeesatz! ;)

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        • #5
          Zitat von xanrof Beitrag anzeigen
          Da du die RAF und die Weisse Rose zusammen in einem Post erwähnst, sollte man vielleicht erstmal die Ausgangssituation genau definieren. Sind wir noch in einer Demokratie oder nicht? Bis nämlich der GG 20.4 (das vielzitierte "Widerstandsrecht") in Betracht kommen könnte, muss eine Menge passieren. Insbesondere muss das Parlament vollkommen entmachtet und die Wiederherstellung der Demokratie praktisch unmöglich sein. Selbst wenn in Deutschland zB plötzlich Verhältnisse wie im heutigen Polen oder Ungarn eintreten sollten, hätten die Deutschen noch nicht das Recht zur Gewalt gegen den Staat oder zur Unterstützung solcher Täter. Soviel vorweg.
          Hm. - Wann weiß man, dass eine Demokratie nicht wiederherstellbar ist? Woher weiß ich, dass das Parlament noch Macht hat, wenn die Tatsache, dass es sich bei den Politikern nur noch um Marionetten handelt, verschleiert wird? GUT verschleiert wird...

          Was, wenn ich sehe, dass mein Land eine Entwicklung nehmen wird, die nicht mehr rückgängig zu machen ist, weil klar ist, dass die Demokratie Stück für Stück ausgehölt werden wird, bis sie in einer Präsidialdiktatur enden wird. Muss ich das aushalten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, oder darf ich mich dagegen wehren? Und wenn ja - wie?


          Eigentlich wollte ich kein reales Szenario, sondern eher eine Art Gedankenspiel - aber so weit wie möglich gefasst (deshalb auch der Griff ins Geschichtsbuch).

          In meinem speziellen Überlegungen war der Hintergrund eine fiktive Demokratie, in der die Konzerne soviel Einfluss auf die Politiker haben, dass sie mehr in deren Sinn handeln, als im Sinne der Bevölkerung. Z.B. Fracking - Die (fiktive) Regierung Deutschlands erlaubt Fracking, obwohl bewiesen wurde (fiktiv), dass das das Grundwasser kontaminiert und ungenießbar macht, aber die Mehrheit der Bevölkerung nicht davon in Kenntnis gesetzt, bzw es werden bewußt falsche Informationen verbreitet. Demonstrationen werden niedergeknüppelt und die Interessen des Konzerns mit Gewalt durchgesetzt.

          Wenn sich Leute dagegen wehren und dann zu Terroristen werden (ohne dass sie Morde begehen - denn soetwas würde ich nie akzeptieren) - wie sieht es dann mit der Unterstützung aus?


          Ich seh schon - ich hätte mir mehr Gedanken darüber machen müssen, wie ich Euch das Ganze verklickere, ohne dass Ihr Gedanken lesen können müsst....



          Zuletzt geändert von Noir; 28.07.2016, 18:41.
          *Behandle einen Stein wie eine Pflanze, eine Pflanze wie ein Tier und ein Tier wie einen Menschen.*
          *Alles was einmal war, ist immer noch, nur in einer anderen Form.*
          Indianische Weisheiten
          Ich bin nicht kaffeesüchtig, aber wenn ich irgendwann einmal verbrannt werde, werde ich vermutlich nicht zu Asche zerfallen, sondern zu Kaffeesatz! ;)

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          • #6
            Zitat von Noir Beitrag anzeigen
            Aus der Sicht der Nazis schon, denke ich. Ich weiß es nicht genau, aber bei dem Verein und der Unterdrückung, die damals herrschte, schätze ich schon, dass die Versuche der Weißen Rose die Bevölkerung aufzurütteln, als "Terrorismus" angesehen wurde. Deshalb hatte ich das Wort ja in Anführungszeichen gesetzt.

            Der Begriff "Terrorismus" wird ja nicht von allen gleich benützt. Hängt sehr oft vom Standpunkt und von den Machtverhältnissen ab. Bestes Beispiel, das mir gerade einfallt: Die Résistance in Frankreich während des 2. WKs.
            Ja, das musst du in der Tat erläutern, wie du im obigen Beitrag auch schon festgestellt hast.

            Du musst schon darlegen, ob das moralische Dilemma a) jemanden zu beherben, der von der Polizei gesucht wird und damit dein eigenes Leben zu gefähren oder b) jemanden zu beherbergen, der zur Durchsetzung seiner Ziele das Leben Unschuldiger gefährdet (hat und gefährden wird) bzw. getötet hat und dann noch von der Polizei gesucht wird, wobei man damit nur eine Bewährungs- oder Haftstrafe riskiert. Das ist etwas vollkommen anderes. Oder wenn man den "Öko-Terrorist" nimmt, noch eine ganz andere Konstellation. "Tierrechts-Terroristen" töten ja auch keine Menschen, sondern verüben Sachbeschädigung.

            Republicans hate ducklings!

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            • #7
              Zitat von Noir Beitrag anzeigen
              Würdet Ihr einem Terroristen auf der Flucht Unterschlupf gewähren, wenn Ihr von den Zielen dieser (vom Staat verbotenen und polizeilich gesuchten) Gruppe überzeugt wärt?
              Jein. Prinzipiell ja, aber wenn ich von den Zielen der Gruppe überzeugt wäre, wäre ich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Mitglied, und dann wäre der Unterschlupf bei mir eh nicht sicher Das wären rein methodentechnisch aber auch keine Terroristen, sondern Attentäter.

              Welcher Widerstand gegen den Staat oder Konzerne (muss ja nicht immer was Politisches sein) ist legitim, was nicht mehr?
              Alles, was muss. Ist ne blöde Formulierung, aber im Endeffekt das Einzige, was zum Ziel führt. Man sollte nicht gleich gewaltsam anfange, aber (Polizei-)Staat wie (Macht-)Konzerne würden ihre Position sehr schnell aussnutzen, um mit Gewalt zurückzuschlagen; als "Echo" wär's ab dann ok. Allerdings: eine Gruppe, die auf die Zivilbevölkerung losgeht, kann bei mir nicht punkten. Weder der normale Arbeiter aus der Unterschicht noch der Angestellte der Mittelschicht (Funfact: Einkommensmässig sind im Moment eher die Arbeiter an der Mittelschicht dran solange sie nicht in der Zeitarbeitsfalle landen, während Angestellte in vielen Branchen bis zu 1000 Euro unterm Brutto-Durchschnittsgehalt "rumlungern") könnten Zielen wie "Ende von Korruption und Lobbyismus" im Weg stehen. Ziel von Gewalt müssten schon die Verursacher der Mißstände sein; Verursacher, die sich innerhalb des Systems gegen Strafverfolgung immunisiert hätten.

              Unnötig zu erwähnen, daß es gegenwärtig keine derartige Organisation gibt, die meine Unterstützung verdient hätte Unterm Strich wollen Terrorgruppen, wenn sie ein Machtvakuum schaffen, das auch selbst füllen. Ist also die gleiche Sorte Arschloch-Mensch dahinter wie bei korrupten Regierigen oder Konzernchefs auf dem Machttrip

              Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

              "Ich mag meine Familie kochen und meinen Hund" - Sei kein Psycho. Verwende Satzzeichen!

              Star Wars 7? 8? Spin-Offs? Leute, das Haftmittel für meine Dritten macht bessere Filme!

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              • #8
                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Ich seh schon - ich hätte mir mehr Gedanken darüber machen müssen, wie ich Euch das Ganze verklickere, ohne dass Ihr Gedanken lesen können müsst....
                Dafür solltest Du Dir bewusst sein, dass sich Geschichte und Gegenwart schlecht miteinander vergleichen lassen. Du hast da eine interessantes, facettenreiches Thema aufgeworfen, weshalb ich glaube, ...

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Eigentlich wollte ich kein reales Szenario, sondern eher eine Art Gedankenspiel - aber so weit wie möglich gefasst (deshalb auch der Griff ins Geschichtsbuch).
                ... dass sich historische Beispiele vermutlich nicht einmal richtig dafür eignen, ein hypothetisches Zukunftsszenario zu entwerfen:

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                In meinem speziellen Überlegungen war der Hintergrund eine fiktive Demokratie, in der die Konzerne soviel Einfluss auf die Politiker haben, dass sie mehr in deren Sinn handeln, als im Sinne der Bevölkerung. Z.B. Fracking - Die (fiktive) Regierung Deutschlands erlaubt Fracking, obwohl bewiesen wurde (fiktiv), dass das das Grundwasser kontaminiert und ungenießbar macht, aber die Mehrheit der Bevölkerung nicht davon in Kenntnis gesetzt, bzw es werden bewußt falsche Informationen verbreitet. Demonstrationen werden niedergeknüppelt und die Interessen des Konzerns mit Gewalt durchgesetzt.
                Das geht schon in Richtung Dystopie und einem Kampf gegen Windmühlen, weil in dem Fall Deutschland (oder irgendeine andere Nation) keine einsame Insel des Bösen, sondern nur ein weiterer Standort eines multinationalen Konzerns mit einer weltumspannenden Lobby im Rücken wäre.

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Hm. - Wann weiß man, dass eine Demokratie nicht wiederherstellbar ist? Woher weiß ich, dass das Parlament noch Macht hat, wenn die Tatsache, dass es sich bei den Politikern nur noch um Marionetten handelt, verschleiert wird? GUT verschleiert wird...
                Ich bin mir nicht sicher, ob Du hier nicht unwissentlich ein Paradoxon konstruiert hast, denn wie willst Du da die Fakten ausgemacht haben? Womöglich bist Du ja bloß den Behauptungen von Verschwörungstheoretikern aufgesessen.

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Was, wenn ich sehe, dass mein Land eine Entwicklung nehmen wird, die nicht mehr rückgängig zu machen ist, weil klar ist, dass die Demokratie Stück für Stück ausgehölt werden wird, bis sie in einer Präsidialdiktatur enden wird. Muss ich das aushalten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, oder darf ich mich dagegen wehren? Und wenn ja - wie?
                Natürlich darfst Du Dich wehren, aber das WIE musst Du mit Dir allein ausmachen, das kann Dir niemand abnehmen. In der Regel geht ein Individuum auch erst dann in aktive Opposition, wenn es sich durch die momentan herrschenden Verhältnisse selbst unter Druck gesetzt fühlt, und nicht, weil ihm das Gemeinwohl unter den Nägeln brennt.

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Aus der Sicht der Nazis schon, denke ich. Ich weiß es nicht genau, aber bei dem Verein und der Unterdrückung, die damals herrschte, schätze ich schon, dass die Versuche der Weißen Rose die Bevölkerung aufzurütteln, als "Terrorismus" angesehen wurde. Deshalb hatte ich das Wort ja in Anführungszeichen gesetzt.
                Ich frage mich, ob das Naziregime die Flugblattaktionen als ernsthafte Bedrohung angesehen hätte, wenn sich zu dem Zeitpunkt der weitere Kriegsverlauf nicht schon am Horizont abgezeichnet hätte. Die Mitglieder der Weißen Rose wurden knapp drei Wochen nach der verlorenen Schlacht um Stalingrad verhaftet.

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Der Begriff "Terrorismus" wird ja nicht von allen gleich benützt. Hängt sehr oft vom Standpunkt und von den Machtverhältnissen ab. Bestes Beispiel, das mir gerade einfallt: Die Résistance in Frankreich während des 2. WKs.
                Ja, was für die einen ein Terrorist, ist für die anderen ein Freiheitskämpfer. Allerdings ist auch die Geschichte des Widerstands nicht frei von dunklen Kapiteln. So (er)kannte nach der Kapitulation der triumphale französische Widerstand vielfach keinen Unterschied zwischen Nazikollaborateuren und Frauen, die mit deutschen Besatzungssoldaten eine Beziehung eingegangen waren. Und auch ein Großteil der Kinder, die aus diesen Beziehungen hervorgingen, musste für die Umstände bezahlen, unter denen sie gezeugt wurden.


                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Würdet Ihr einem Terroristen auf der Flucht Unterschlupf gewähren, wenn Ihr von den Zielen dieser (vom Staat verbotenen und polizeilich gesuchten) Gruppe überzeugt wärt? Ich möchte jetzt nicht auf eine bestimmte Gruppe hinaus, viel eher möchte ich einfach wissen, wie weit Ihr gehen würdet, wenn Euch eine Sache wirklich wichtig wäre. Was würdet Ihr noch unterstützen – was nicht mehr?

                Ich habe mir diese Frage eben gestellt, als ich zum wiederholten Male eine Folge der Dokumentation „Die Geschichte der R.A.F.“ gesehen habe, in der Zeitzeugen u.a. darüber berichtete, dass diese Frage in den damaligen linken Kreisen oft gestellt worden war: „Wenn Gudrun Ensslin plötzlich vor Eurer Türe stehen würde, würdet Ihr ihr Unterschlupf gewähren?“
                Nein, schon allein zu meiner eigenen Sicherheit. Weil ich davon ausgehen würde, dass sie hochgradig nervös und paranoid ist und schlussendlich vielleicht glaubt, sich eines Zeugen entledigen zu müssen.

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Wenn sich Leute dagegen wehren und dann zu Terroristen werden (ohne dass sie Morde begehen - denn soetwas würde ich nie akzeptieren) - wie sieht es dann mit der Unterstützung aus?
                Für mich würde sich hier unweigerlich die Frage stellen, wie lange es wohl noch braucht, bis die Hemmschwelle durchbrochen ist und die "Erkenntnis" einsickert, dass Kollateralschäden im Kampf für die Sache mitunter eben nicht zu vermeiden sind.


                Ich glaube, es war Peter-Jürgen Boock, der in einem Interview nach seiner Motivation gefragt (sinngemäß) antwortete:
                Damals war Che Guevara in aller Munde, jeder feierte ihn als heldenhaften Kämpfer. Wir wussten zwar nicht so genau, wer er war, wir wollten es auch gar nicht so genau wissen. Aber wir wollten alle so sein wie er.

                Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                Welcher Widerstand gegen den Staat oder Konzerne (muss ja nicht immer was Politisches sein) ist legitim, was nicht mehr?
                Der Widerstand, der die Berliner Mauer überwand.
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                Zuletzt geändert von Viola; 30.07.2016, 22:30.
                »Speaking only for myself here, it feels tiring. It feels like around 3/4 of people are the emotional equivalent of blind elephants, going around knocking things over, trampling each other and not even realising what they do.« (Paul Miller)

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                • #9
                  Zitat von Noir Beitrag anzeigen

                  In meinem speziellen Überlegungen war der Hintergrund eine fiktive Demokratie, in der die Konzerne soviel Einfluss auf die Politiker haben, dass sie mehr in deren Sinn handeln, als im Sinne der Bevölkerung. Z.B. Fracking - Die (fiktive) Regierung Deutschlands erlaubt Fracking, obwohl bewiesen wurde (fiktiv), dass das das Grundwasser kontaminiert und ungenießbar macht, aber die Mehrheit der Bevölkerung nicht davon in Kenntnis gesetzt, bzw es werden bewußt falsche Informationen verbreitet. Demonstrationen werden niedergeknüppelt und die Interessen des Konzerns mit Gewalt durchgesetzt.

                  Gerade dann ist die Frage sehr einfach zu beantworten, meinen Zielen und dem Rechtsstaat ist gedient, wenn ich den Terroristen der Justiz ausliefere. Dann bekommt das Problem Fracking ja eine Plattform auf der die Konzerne und die Politiker keinen Einfluss haben.

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                  • #10
                    Zitat von Viola Beitrag anzeigen
                    Der Widerstand, der die Berliner Mauer überwand.
                    Das müsste dann aber konsequenterweise alle Maßnahmen des Westens gegen die Staaten des Warschauer Pakts einschließen also Spionage, Stellvertreterkriege, Embargos auf Kosten der Bevölkerung, Aufrüstung uvm.
                    Wichtig für den Widerstand gegen das DDR-Regime waren übrigens u.a. illegaler Grenzverkehr/Migrations-/Flüchtlingsbewegungen und das Einmischen von religiösen Gruppen in den Widerstand. Heute wird das ja sehr kritisch gesehen, wenn Staatsgrenzen illegal überschritten werden und Glaubensgemeinschaften versuchen Einfluss auf den Staat zu nehmen, von Umsurzbemühungen ganz zu schweigen.
                    Ich will jetzt übrigens keine unbegründeten Behauptungen lesen nach denen die Einschränkung der Reisefreiheit zum Erhalt des Staates in eine Richtung legitimer wäre als in die andere.
                    Zuletzt geändert von Tibo; 30.07.2016, 21:37.

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                    • #11
                      Zitat von Tibo Beitrag anzeigen
                      Das müsste dann aber konsequenterweise alle Maßnahmen des Westens gegen die Staaten des Warschauer Pakts einschließen also Spionage, Stellvertreterkriege, Embargos auf Kosten der Bevölkerung, Aufrüstung uvm.
                      Wichtig für den Widerstand gegen das DDR-Regime waren übrigens u.a. illegaler Grenzverkehr/Migrations/Flüchtlingsströme und das Einmischen von religiösen Gruppen in den Widerstand. Heute wird das ja sehr kritisch gesehen, wenn Staatsgrenzen illegal überschritten werden und Glaubensgemeinschaften versuchen Einfluss auf den Staat zu nehmen, von Umsurzbemühungen ganz zu schweigen.
                      Ich habe auf die Montagsdemonstrationen angespielt.
                      »Speaking only for myself here, it feels tiring. It feels like around 3/4 of people are the emotional equivalent of blind elephants, going around knocking things over, trampling each other and not even realising what they do.« (Paul Miller)

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                      • #12
                        Ganz klar nein.

                        Einem politischen Attentäter, der einen Gewaltherrscher beseitigen will evtl schon, aber definitiv nicht jemanden, der unschuldige Menschen tötet, weil das ist für mich die Definition von Terrorist, ein Mensch, der mit Attentaten auf Unschuldige für Chaos und "Terror" in der Gesellschaft sorgen will. Das ist NIE eine gerechtfertigte politische Aktion.

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                        • #13
                          Zitat von Viola Beitrag anzeigen

                          Ich habe auf die Montagsdemonstrationen angespielt.
                          Das ist aber ne monokausale sehr optimistische und idealistische Sichtweise. Die Einmischung der Kirchen bleibt aber bestehen. Das wird heutzutage ja sehr kritisch gesehen. Man stelle sich mal vor eine islamische Glaubensgemeinschaft würde jeden Montag subversive Gruppen zu "Friedensgebeten" versammeln und sie dort Blätter verteilen in denen Rechte und Formen der Meinungsäußerung verlangt werden, die sich mit den Prinzipien unseres Staates nicht vertragen. Die islamische Glaubensgemeinschaft würde intensiv mit den (staatlichen) Medien islamischer Staaten zusammenarbeiten und regelmäßig Proteste organisieren und darin zu einer geistig moralischen Erneuerung der Gesellschaft aufrufen. Ich würde das sehr kritisch sehen.

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                          • #14
                            Zitat von Noir Beitrag anzeigen
                            Würdet Ihr einem Terroristen auf der Flucht Unterschlupf gewähren, wenn Ihr von den Zielen dieser (vom Staat verbotenen und polizeilich gesuchten) Gruppe überzeugt wärt? Ich möchte jetzt nicht auf eine bestimmte Gruppe hinaus, viel eher möchte ich einfach wissen, wie weit Ihr gehen würdet, wenn Euch eine Sache wirklich wichtig wäre. Was würdet Ihr noch unterstützen – was nicht mehr?

                            Ich habe mir diese Frage eben gestellt, als ich zum wiederholten Male eine Folge der Dokumentation „Die Geschichte der R.A.F.“ gesehen habe, in der Zeitzeugen u.a. darüber berichtete, dass diese Frage in den damaligen linken Kreisen oft gestellt worden war: „Wenn Gudrun Ensslin plötzlich vor Eurer Türe stehen würde, würdet Ihr ihr Unterschlupf gewähren?“

                            Ok – in meinem Fall wäre die Frage sicher nicht „Würdest Du Mitgliedern der R.A.F. helfen“, sondern vielleicht eher „Würdest Du einem gesuchten Öko-Terroristen, von dessen Zielen Du überzeugt wärst, Unterschlupf gewähren?“ Bei Anderen wäre es eventuell „Occupy Wall Street“ oder „Attack“, oder weiß der Kuckuck was. Es ist gleichgültig. Wichtig ist mir nur die Frage „Wie weit würdet Ihr gehen?“ Wann ist bei Euch „der Ofen aus“.

                            Und wie sieht es mit früheren „Terroristen“-Gruppen aus, wie z.B. „Der Weißen Rose“. Hättet Ihr ihnen geholfen zu entkommen? Damals – zu ihrer Zeit, unter Lebensgefahr und ohne jetzt das Ende der Geschichte zu kennen?

                            Welcher Widerstand gegen den Staat oder Konzerne (muss ja nicht immer was Politisches sein) ist legitim, was nicht mehr?
                            Die Frage ist schwer zu Beantworten im Normalfall bin ich da ganz bei Xanrof, allerdings weiss ich auch das manche Dinge überspitzt auch mit Gewallt durchgesetzt werden können ( fernab von dem was Terror genannt wird).Die allgemeine Frage in diesem Thema finde ich jedoch nicht verkehrt, da sie einiges beinhalten was Menschen dieer Tage bewegt viele berufen sich auf Ghandi und seiner Art des gewaltfreien Widerstandes in einem solch gegebenen Falle. Ghandi ist sicherlich nicht das schlechteste Vorbild jedoch führte die Quintessenz zu Bildung Pakistans, kostete viele Leben und zwang Millionen Menschen zu einer Umsiedlung.auch kann gewaltfreie Methodik durchaus auch von z.B. Rechtspopulistische bis Radikalen genutzt werden ( wenn ich da an Anetts Müllers Rose für ihr Deutschland denke). Es ist eine schwierige Zeit die Klare Positionen fordert, die keineswegs den Weg zur Gewallt eben sollten, dennoch wird sie meinem Bauchgefühl nach mehr und mehr gegenwärtig sein.

                            Also wenn ich einem "Terroristen" oder "Attentäter" / oder wie auch immer - Unterschlupf gewähre ( dessen Absichten und Einstellungen recht offenkundig sind) müsste ich zunächst seine Ideale teilen, was mich dann in gewisser Weise zum Komplizen machen würde, da ich seine Ansichten vertreten würde. Die zweite, wahrscheinlicher und gefährlichere Methode wäre wohl Sympathie, nicht für die Sache sondern für den Menschen ohne eine offenes Bekenntnis zu seiner Motivation.Ich bin mir nicht sicher ob ich da jede Täuschungsabsicht durchschauen würde, oder gar Interesse daran hätte Irgendetwas zu durchschauen.
                            Zuletzt geändert von Infinitas; 31.07.2016, 00:26.
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                            • #15
                              Zitat von Tibo Beitrag anzeigen
                              Das ist aber ne monokausale sehr optimistische und idealistische Sichtweise. Die Einmischung der Kirchen bleibt aber bestehen. Das wird heutzutage ja sehr kritisch gesehen. Man stelle sich mal vor eine islamische Glaubensgemeinschaft würde jeden Montag subversive Gruppen zu "Friedensgebeten" versammeln und sie dort Blätter verteilen in denen Rechte und Formen der Meinungsäußerung verlangt werden, die sich mit den Prinzipien unseres Staates nicht vertragen. Die islamische Glaubensgemeinschaft würde intensiv mit den (staatlichen) Medien islamischer Staaten zusammenarbeiten und regelmäßig Proteste organisieren und darin zu einer geistig moralischen Erneuerung der Gesellschaft aufrufen. Ich würde das sehr kritisch sehen.
                              Mischt die Kirche sich ein, wird gequengelt, mischt die Kirche sich nicht ein, wird gequengelt. Sicherlich, die Menschen hätten auch warten können, bis der letzte Funktionär an Altersschwäche stirbt.

                              Es gab während des Naziregimes Deutsche, die dahingehend gegen die Prinzipien des Staates verstießen, dass sie Juden in irgendeiner Form halfen. Ich bin mir sicher, das siehst Du ebenfalls kritisch.
                              »Speaking only for myself here, it feels tiring. It feels like around 3/4 of people are the emotional equivalent of blind elephants, going around knocking things over, trampling each other and not even realising what they do.« (Paul Miller)

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