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Kunst...oder so

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  • Kunst...oder so

    Boah, ich hab ja gerade eben was erlebt...echte Kunst, so wurde es zumindestens angepriesen...200 Meter von meiner Wohnung entfernt ist eine alte Fabrikanlage, die gerade renoviert wird und ein Künstler (den Namen weiß ich nicht, ist aber auch nicht so wichtig) hatte die eben für heute abend gemietet um seine neue Platte "Fleisch" vorzustellen und dann eine Kuh aus 40 Meter Höhe auf den Boden zu werfen....ja, ihr habt richtig gehört, es wurde eine Kuh aus 40 Meter Höhe auf den Boden geworfen!!

    Ok, die Kuh war schon tot, aber trotzdem war das alles recht merkwürdig..es waren ungefähr 1500 Menschen da, das ganze wurde ziemlich propagiert...na ja, ich kam da an und erstmal lief nur Musik aus den Boxen und ein Video an einer Leinwand, das den Künstler zeigte, der am Seilen an den Füßen aufgehängt zwischen zwei Metallplatten hin- und herpendelte. Diesem Schauspiel konnte man 5 Minuten zusehen, dann begann der wirkliche Event. Auf dem Dach der Fabrik erschien die Band des Künstlers und kurz darauf auch er, er schwebte an einem Kran aufgehängt über der Band, in Jesushaltung, also Arme weit ausgestreckt...am Anfang zierte ihn noch ein weißes blutverschmiertes Tuch, das aber auch nach und nach runterrutschte und den Blick auf seinen fast nackten (nur die Gurte, die ihn am Kran hielten, waren noch sichtbar) Körper und von daaus sang er dann eines seiner neuen Lieder....

    Am Ende des Liedes (die Arme immer noch weit ausgestreckt, der muss echt gute Trapez-Muskeln haben) flog dann ein Hubschrauber heran, von hinter dem Haus kommend, mit eben jener Kuh, die an einem Seil hing...der Hubschrauber verharte einen Moment und lies dann die tote Kuh fallen, in die Baugrube, die vor der Fabrik war. Man konnte den Aufprall nicht sehen, da alles versperrt war, man hörte nur ein dumpfes Krachen....

    Naja, und dann gingen im ersten Stock der Fabrik die Lichter an und man konnte in einen Raum gucken, in dem drei Tanzpaare standen. Einer von Richard Strauss´ Walzern erklang und die Paare begannen zu tanzen, der Künstler war zu der Zeit schon wieder aus dem Blickfeld verschwunden...

    Na ja, also ich muss ja sagen, viel gehalten habe ich von der Aktion nicht, find schon seltsam, was einem heute als Kunst verkauft wird, fand ja, das Beste am Ganzen war nachher wirklich der Walzer, schöne Musik, beinahe zeitlos, ja, das ist doch echte Kunst!

    Oder nicht?
    "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
    "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

    Member der NO-Connection!!

  • #2
    IMO eine ziemlich bescheuerte Aktion !
    Aber noch nicht gegen die Aktionen eines gewissen Hermann Nitsch !!
    Dieser "Künstler" beschüttet z.B. öffentlich Modells mit Tierblut und behängt sie mit Gedärmen von Schweinen oder Rindern !
    Das ist IMO wirklich krank !!
    Dagegen ist der von dir beschriebene "Künstler" ja noch harmlos .
    “Are these things really better than the things I already have? Or am I just trained to be dissatisfied with what I have now?”― Chuck Palahniuk, Lullaby
    They have nothing in their whole imperial arsenal that can break the spirit of one Irishman who doesn't want to be broken - Bobby Sands
    Christianity makes everyone have this mentality that escapism is a bad thing. You know "Don't run away from the real world - deal with it." Why ? Why should you have to suffer? - Marilyn Manson

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    • #3
      Ich finde in beiden Fällen, daß es hierbei nicht um Kunst geht, sondern um reine Progaganda um Aufmerksamkeit zu erregen. Und da heute schon alles einmal dagewesen ist, muß man schon mit ziemlich krassen Sachen kommen um die Leute aufzuregen und somit genug Mundpropaganda zu haben. Je größer der Rummel um solche Leute, desto eher berichten auch die Medien davon.

      Ich versteh nur nicht, daß niemand solchen Treiben irgendwie eine Schranke vorschiebt. Wie weit soll denn das noch gehen? Bald verwenden sie noch Leichen aus der Leichenhalle, die niemand mehr braucht.

      Gibt es heutzutage noch echte Künstler? Oder blühen sie nur mehr im Dunkeln?

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      • #4

        Kunst ist die Bezeichnung für die Gesamtheit des von Menschen Hervorgebrachtes, das nicht durch eine Funktion eindeutig festgelegt ist oder sich darin erschöpft.
        Mozart`s Musik löste einen Schock aus,
        Oscar Wilde starb verarmt, weil es es gewagt hatte seine Homosexualität öffentlich zuzugeben,
        Michelangelo wurde wegen seiner monumentalen Art der Darstellung verspottet,....

        Leonardo da Vinci szezierte Leichen, - dass war damals absolut verboten! - eine Gotteslästerung!

        Aus meiner eigenen Geschichte weiß ich, wie meine Eltern auf die Beatles, auf Janis Joplin reagierten: "DAS ist Musik!.... in ein /zwei Jahren sowieso wieder vergessen ----
        es war ein Irrtum.

        Eine objektive Messung - was ist noch Kunst - was nicht mehr - wäre der Versuch zu verhindern, dass das was gerade in unserer Gesellschaft "da" ist, aufgezeigt wird.

        es gab bereits einmal eine Zeit in der von der "entarteten " Kunst die Rede war,


        Nicht alles findet mein subjektives Gefallen,
        dies jedoch zu verbieten
        wäre für eine gesellschaftliche Entwicklung sehr tragisch.

        t´bel

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        • #5
          Ich finde auch, der wollte wahrscheinlich erstmal provozieren und schockieren und dass du hier einen extra thread aufmachst, gehört bestimmt mit dazu.

          @t'bel: Wann hat Mozarts Musik denn schockiert?

          endar
          Republicans hate ducklings!

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          • #6
            Leute, die sowas machen und sich Künstler nennen, haben IMHO die Grenze des guten Geschmacks weit überstritten!

            Ich sehe es auch so, dass dieser Künstler lediglich versucht, durch solche "schundmagazine" wie "explosiv, punkt12, blitz" oder welche Sendungen auch immer bekannt zu werden!

            Und das schlimme daran: Für einen Tag wird er tatsächlich berühmt sein und im Fernsehen auftauchen!

            Kommentar


            • #7
              @Zefram
              Naja... Kunst soll vor allem etwas aussagen.
              Wenn sie jetzt die Aussage hat, daß der Künstler nicht ganz richtig im Kopf ist und total mediengeil, dann ist das doch auch eine Aussage. Oder etwa nicht.

              Kommentar


              • #8
                Originalnachricht erstellt von endar

                @t'bel: Wann hat Mozarts Musik denn schockiert?

                endar


                gleich als er seine ersten eigenen Werke präsentierte,

                weil diese Musik etwas Neues , Ungewohntes war,
                Mozart hatte jedoch den "Zeitgeist" getroffen und so galt es bald als "IN" sich seine Musik anzuhören.
                ähnlich , aber nur ähnlich wie bei den Beatles, die ersten Lieder,- -Aufschrei der "Etablierten", und jetzt sind diese Lieder absolut "salonfähig".
                ***********************
                ich denke jedeR sollte die Freiheit haben, das zu präsentieren was die jeweilige Person als Kunst betrachtet,... dies gehört für mich zur Meinungsfreiheit.

                und ich habe die Freiheit mir dies anzusehen, anzuhören, mitzutun ....oder auch nicht!

                t´bel

                Kommentar


                • #9
                  Also über die gesangsdarbietung dieses Künstlers kann ich ja nix sagen, deshalb laß ichs. Als Beispiel möchte ich mal anführen, daß z.B. meine Eltern es nicht unbedingt als Kunst ansehen, was an Heavy Metal aus meinem Radio kommt...

                  Was ich aber komplett verurteile ist die Sache mit der Kuh. Das zeigt, daß diese Leute keinen Respekt vor dem Laben haben. Wer auf diese Art zu Publicity kommen muß, hat in meinen Augen schon verloren.

                  CU

                  Kommentar


                  • #10
                    Originalnachricht erstellt von t´bel



                    gleich als er seine ersten eigenen Werke präsentierte,

                    weil diese Musik etwas Neues , Ungewohntes war,
                    Mozart hatte jedoch den "Zeitgeist" getroffen und so galt es bald als "IN" sich seine Musik anzuhören.
                    ähnlich , aber nur ähnlich wie bei den Beatles, die ersten Lieder,- -Aufschrei der "Etablierten", und jetzt sind diese Lieder absolut "salonfähig".
                    ***********************
                    t´bel
                    Ein spannendes Thema.

                    Seine erste Oper komponierte er mit 6, seine erste Symphonie mit 5 (oder so).
                    Dass er damit schockiert habe, stimmt nicht, zumal seine frühen Werke von Johann Christian Bach beeinflußt worden waren. Zumal er ja auch auf Europa-Tournee ging.

                    Richtig ist, dass besonders Frauen in seinen Konzerten manchmal ohnmächtig (!!!) wurden, aber *schockiert* hat Mozart nie. Das waren alles Ohnmachten der Begeisterung.
                    Seine geistliche Musik aus der Salzburger Zeit fand nicht die Zustimmung Colloredos (Erzbischof), zumal Mozart da drauf keinen *Bock* hatte und Salzburg hasste.
                    Das ist aber durchaus zeittypisch, da die neue aufkommende *Wiener Klassik* Opernelemente in die geistliche Musik mischte und damit einen großen Disput auslöste.
                    Mozarts Musik hinkte an Wagnissen und Originalität dennoch anderen Komponisten hinterher, was mit der Qualität der Musik nun nichts zu tun hat. *Experimente* finden sich in Mozarts Werk aber weitaus weniger als z.B. bei Haydn, dessen Schaffen zur Entwicklung der viersätzigen Symphonie entscheidend beigetragen hat.
                    Auch Mozarts Opern stehen zu Unrecht in dem Ruf, angeeckt zu sein. Sie waren ein dicker *Kassenschlager*, besonders die Aufführungen in Prag (Figaro, Don Giovanni).
                    In Bereichen wie Verwendung der deutschen Sprache und Themenwahl ging Mozart allerdings neue Wege. "Die Entführung aus dem Serail" ist keine "Erbauungsoper" im barocken Sinn mehr, sondern dreht sich um Gefühlsbeschreibungen und "normale" Leute.
                    Der Figaro (Beaumarchais) zeigt zudem durchaus gesellschaftskritische Züge.
                    Ganz entgegen der landläufigen Meinung gehörte Mozart am Ende seines Lebens zu den bestverdienende Komponisten Europas. Er starb keineswegs verarmt und unverstanden, wie das in den Filmen immer so gern dargestellt wird.
                    Er war zudem in vielen Bereichen mehr *Handwerker* als *Künstler*. Erscheinungen, wie bei Bach, der seine h-moll Messe quasi als "Abschlußwerk" hinterlassen hat, traten bei Mozart nicht auf.
                    Mozart komponierte für Geld. Seine "Pariser" Symphonie (Nr. 31) schrieb er für den Geschmack des Pariser Publikums - für das deutsche Publikum allerdings schrieb er einen anderen, langsamen Satz - eben, um ein Anecken zu vermeiden.
                    Als die Finanzierung für die Wiener Messe c-moll KV 427 versiegte, beendete er das Werk in der Mitte und schrieb das Material zu einem Singspiel um. Ich kenne kein orchestrales Werk Mozarts, welches nicht auch aufgeführt worden wäre (mit Ausnahme des Reqiuems, aber da war auch schon tot).
                    Der musikalische *Künstler* mit universeller Aussage trat eigentlich erst mit Schubert und Beethoven auf. Tiefschläge oder grobes Unverständnis gegenüber der Musik sind auch eher Erscheinungen, die Beethoven, Brahms und Tschaikowsky etc. betrafen.

                    gruß, endar
                    Republicans hate ducklings!

                    Kommentar


                    • #11
                      Naja, also ich denke auch der gute Mann wollte nur etwas auf sich aufmerksam machen, schockieren und provozieren. Ansonsten halte ich es nicht gerade für Kunst Kühe vom Helikopter zu schmeißen, und sich wie Jesus aufzuführen..., mal ehrlich irgendwo haben solche Leute doch einen ganz gewaltigen Schlag...

                      Zek

                      Kommentar


                      • #12
                        Johann Christin Bach wer ist das? Mir ist nur der wehrte Johann Sebastin Bach bekannt. Könntest du mich bitte aufklären.
                        »Ich habe nie eine Chance hastig vergeben, sondern lieber gemütlich vertändelt.« - Willi »Ente« Lippens

                        Läuft!
                        Member der No - Connection

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                        • #13
                          @op42
                          Ja, das mit der Kuh finde ich auch zum Verurteilen. Das trifft mich ebenso wie die vielen Kühe, die wegen BSE-Verdacht geschlachtet werden und mit Kränen wie Dreck zusammengeschaufelt und verbrannt werden. Da wird mir richtig übel dabei.

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                          • #14
                            Originalnachricht erstellt von endar

                            Richtig ist, dass besonders Frauen in seinen Konzerten manchmal ohnmächtig (!!!)
                            gruß, endar


                            das war´s doch was ich meinte!

                            du wähltest andere Worte, endar.

                            ich gebe dir recht,....

                            t´bel

                            Kommentar


                            • #15
                              Originalnachricht erstellt von The Bastard
                              Johann Christin Bach wer ist das? Mir ist nur der wehrte Johann Sebastin Bach bekannt. Könntest du mich bitte aufklären.
                              Bach (1685-1750) hatte einen ganzen Haufen Kinder. Einige davon haben sich zu Musikern entwickelt, die man heute noch hört. Da wären:
                              1710 Wilhelm Friedemann ("Hallescher Bach")
                              1714 Carl Philipp Emanuel ("Berliner, bzw. Hamburger Bach")
                              1732 Johann Christoph Friedrich ("Bückeburger Bach")
                              1735 Johann Christian ("Mailänder, bzw. Londoner Bach")

                              Die Linie der Bach läßt sich bis zu einem Caspar Bach zurückverfolgen. Der war Stadtpfeifer in Gotha und kam um 1570 zur Welt. Das war der Bruder des Ururgroßvaters von Johann Sebastian selbst. Bachs Ururgroßvater war Müller, dessen Sohn war Teppichmacher, aber zugleich auch schon "Musicus". Von dem Müller gehen alle bekannten Bachs aus. Seine Enkel waren vorwiegend Musiker und Organisten. Der letzte musikalische Bach war ein Enkel, Wilhelm Friedrich Ernst, der Cembalist und Hofkapellmeister in Berlin geworden ist.

                              Inwieweit sich die Musikalität in der Familie bis heute gehalten hat, weiß ich nicht.

                              gruß, endar
                              Republicans hate ducklings!

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