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Der Verfall der Jugend - dieses mal Bashing anhand von ST11

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  • Der Verfall der Jugend - dieses mal Bashing anhand von ST11

    Herausgesplitter aus:
    http://www.scifi-forum.de/science-fi...n-spoiler.html


    Zitat von MFB Beitrag anzeigen
    Ich fürchte fast es ist noch weit schlimmer;
    Keine SAU interesiert sich für die Verpackung solange der Inhalt nur leicht genug zu verdauen ist. Bloss nichts Anstrengendes das einen zum Denken zwingt.
    Das ist jetzt vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen, und vielleicht begebe ich mich mal wieder auf glattes Eis, aber...

    Brot und Spiele!

    Gib dem Zuschauer etwas, was ihn von der Wirklichkeit ablenkt. Diese interessiert sowieso kaum noch jemanden. Früher war die SF auch mal ein Spiegel für die Realität. Heute teilweise nur noch ein Abklatsch eines 08/15 Action Filmes.

    Und das Fernsehen heute? Wenn ich mir die primitive Haushaltsunterhaltung (dazu gehört auf gar keinen Fall Lafer! Lichter! Lecker! ) und die Boulevard Nachrichten (z.B. Brisant) da ansehe, drängt sich der Gedanke an Brot und Spiele förmlich auf. Füttert die Leute mit Belanglosigkeiten und gebt ihnen was zu essen. Nicht umsonst darf der Harz 4 Empfänger neben Essen und wohnen auch noch Fernsehen.

    Unser Azubi ist mit seinen jetzt 18 Jahren ein besonderes Beispiel.
    Liest er Bücher? Nein.
    Sieht er Nachrichten oder Dokumentationen im TV? Nein.
    Kennt er Cicero? Ja, aber Marcus Tullius gehört nicht dazu!
    Er schaut dumme Casting-Shows und ausschließlich Actionfilme. Den Star Trek Film fand er übrigens auch gut! Ansonsten... Party und saufen! Besonders das zweitere.

    Fährt man morgens mal mit der S-Bahn und erlebt einige (nicht alle) Schulkinder von heute, dann fällt einem nicht mehr viel ein. Manchmal denke ich, dass der Punkt gekommen ist, an dem künstlich eine Unterschicht herangezogen wird, die nur noch Schrott konsumiert. Vielleicht denkt man, die Dummen sind wohl später leichter zu kontrollieren.

    Nur noch zur Richtigstellung:
    Ich unterstelle niemanden, der Brisant, Actionfilme oder Casting-Shows sieht, dass er/sie dumm wäre! Manchmal schaue ich sogar selber mal in Maskerade rein und gehe bestimmt auch in Transformers 2 um Spass zu haben. Aber wenn man NUR sowas schaut, ist das zumindest bedenklich.

    Noch was kleines zur Entwicklung des Actionfilmes am Beispiel Rambo:
    Der erste Teil "First Blood" hatte sogar eine tiefere Geschichte und einen nachvollziehbaren, geistig extrem angegriffenen Charakter. Und was ist dann daraus geworden? Zwei Cold-War Filme, mit einem eindeutigen russischen Feindbild. Und ein Film aus dem neuen Jahrtausend. Ein sinnfreies, aber gut gefilmtes und unterhaltsames Gemetzel. Es wir immer extremer. Und was wird noch kommen? Stehen wir in ein paar Jahrzehnten auf einem Marktplatz und beobachten, wie im alten Rom, sich Menschen (in diesem Fall für Geld) ernsthaft gegenseitig die Fresse blutig schlagen UND haben unseren Spass dabei?
    Zuletzt geändert von Dr.Bock; 23.06.2009, 13:11.
    HOFFNUNG ist alles!

  • #2
    Ich weiss zwar nicht, was dieser Abgesang aufs gute alte Abendland im Thread über ST XI zu suchen hat, aber wir haben schon längst unsere Gladiatorenspiele... ob das jetzt Big Brother oder Dschungelcamp ist, divese Varianten von Spiel ohne Grenzen bzw Takeshis Castle (ich kann mir diesen denglischen Titel der neuesten Abkupferung einfach nicht merken). Dass sich Leute der Gefahr aussetzen sich schwer zu verletzen damit andere sich daran sattsehen können, bzw den angenehmen Grusel starken Ekels oder Fremdschämens verspüren können, ist schon lange wieder Realität im Fernsehen. Man denke auch an die holländische "nierenspender" Show die sich als bewusstes Fake herausgestellt hat um dem Publikum mal den Spiegel vorzuhalten.

    Bis Blut fliesst kann es nicht mehr lange dauern. Ultimate Fighting gibt's ja auch schon. Der Fight Club lebt. Und man spricht sogar darüber.


    Überfragt mich trotzdem, wie man hier mit Gewalt einen Zusammenhang mit ST XI herbeidiskutieren kann. Der bewegt sich noch lange nicht an der Front der Actionfilme oder Gewaltdarstellungen UND hatte zumindest noch Ansätze von brauchbaren Botschaften.
    »We do sincerely hope you'll all enjoy the show, and please remember people, that no matter who you are, and what you do to live, thrive and survive, there are still some things that make us all the same. You, me, them, everybody!«

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    • #3
      Überfragt mich trotzdem, wie man hier mit Gewalt einen Zusammenhang mit ST XI herbeidiskutieren kann.
      Schau einfach mal die Posts auf den letzten Seiten an.
      Der Zusammenhang ist der das hier einige, allen vorran ich, der Ansicht sind das sich ST 11 diesem "Unterhaltungsstandard" doch sehr angepasst hat.

      UND hatte zumindest noch Ansätze von brauchbaren Botschaften
      Na auf die bin ich mal gespannt...

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      • #4
        Zitat von Viper2008 Beitrag anzeigen
        Na auf die bin ich mal gespannt...
        Schau dir einfach die Posts auf den ersten 30-50 Seiten an, da wurde bis zum Erbrechen darüber diskutiert.

        Und sorry. Wer ST XI und Dschungelcamp in den gleichen Topf wirft, besitzt nur einen einzigen Topf zum reinwerfen. Da gibt es durchaus "dezente" Unterschiede, um nicht zu sagen himmelweite.
        Zumal man dem Film weder gegenüber den Filmen 8-10 noch gegenüber Serien wie DS9 oder Enterprise mit ihren stark actionlastigen/-betonten Bögen/Staffeln irgendwelche Entwicklungen zum schlechteren vorwerfen kann. Gabs alles schon da. Wenn man wirklich ernsthaft annimmt dass ST mit diesem Film beim fiesesten Schmutz der Unterhaltungsindustrie angekommen wäre, hat man fast 2 Jahrzehnte verpennt.
        »We do sincerely hope you'll all enjoy the show, and please remember people, that no matter who you are, and what you do to live, thrive and survive, there are still some things that make us all the same. You, me, them, everybody!«

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        • #5
          Zitat von Rhiannon Beitrag anzeigen
          [I]Das ist jetzt vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen, und vielleicht begebe ich mich mal wieder auf glattes Eis, aber...
          Das Star Trek nichts mit dem zu tun hat, worüber du hier schreibst, ist ja offensichtlich.

          Zitat von Rhiannon Beitrag anzeigen
          ...Unser Azubi ist mit seinen jetzt 18 Jahren ein besonderes Beispiel.
          Liest er Bücher? Nein.
          Sieht er Nachrichten oder Dokumentationen im TV? Nein.
          Kennt er Cicero? Ja, aber Marcus Tullius gehört nicht dazu!
          Er schaut dumme Casting-Shows und ausschließlich Actionfilme. Den Star Trek Film fand er übrigens auch gut! Ansonsten... Party und saufen! Besonders das zweitere.
          Ja, und? Weiß er eigentlich, das du hier so über ihn lästerst? Machst du das hinter seinem Rücken? Findest du das wirklich ok?

          Zitat von Rhiannon Beitrag anzeigen
          ...Ich unterstelle niemanden, der Brisant, Actionfilme oder Casting-Shows sieht, dass er/sie dumm wäre! ...
          Du lästerst über euren Azubi in einem öffentlichen Forum. Wirklich sehr fein von dir ...

          Zitat von Rhiannon Beitrag anzeigen
          ... UND haben unseren Spass dabei?
          Na, dann klär uns doch mal auf. Hattest du Spass, als du in einem öffentlichen Forum über euren Azubi ohne sein Wissen hergezogen bist? Hat es dir gefallen?
          Ein kleines Land kann nicht mit einem großen wetteifern, wenige nicht mit vielen; die Schwachen nicht mit den Starken.

          - Mencius

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          • #6
            Haben sich nicht schon die alten Babylonier darüber aufgeregt, dass die Jugend angeblich immer blöder, unnützlicher, frecher und respektloser gegenüber dem Alten werden würde?

            Jaja, wie sagen es doch die Franzmänner? Plus ça change plus c'est la même chose.

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            • #7
              Das Star Trek nichts mit dem zu tun hat, worüber du hier schreibst, ist ja offensichtlich.
              Deine 3 wiederholungen des selben Satzes nach jedem Zitat aber auch nicht wirklich...

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              • #8
                Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
                Das Star Trek nichts mit dem zu tun hat, worüber du hier schreibst, ist ja offensichtlich.
                Schön, dass Du das verstanden hast.

                Zitat von Admiral Ahmose Beitrag anzeigen
                Ja, und? Weiß er eigentlich, das du hier so über ihn lästerst? Machst du das hinter seinem Rücken? Findest du das wirklich ok?

                Du lästerst über euren Azubi in einem öffentlichen Forum. Wirklich sehr fein von dir ...

                Na, dann klär uns doch mal auf. Hattest du Spass, als du in einem öffentlichen Forum über euren Azubi ohne sein Wissen hergezogen bist? Hat es dir gefallen?
                Glaubst Du denn dass ihn das gestört hat? Für das Forum ist der Azubi als reale Person nicht Existent. Und das wird auch so bleiben. Stell Dir einfach vor ich hätte über den Weihnachtsmann geschrieben. Der Schaden, wäre der gleiche.

                @all
                Ich weiß, das dieses Thema hier nicht hingehörte, sorry. Außerdem wollte ich auch niemanden eine Spiegel vorhalten. Solls ein Admin wieder löschen, wenn es stört. Aber zu dem Zeitpunkt als ich den Post schrieb, hat mich das Thema sehr beschäftigt. Ich halt mich jetzt wieder ans Topic!
                HOFFNUNG ist alles!

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                • #9
                  Zitat von Makaan Beitrag anzeigen
                  Haben sich nicht schon die alten Babylonier darüber aufgeregt, dass die Jugend angeblich immer blöder, unnützlicher, frecher und respektloser gegenüber dem Alten werden würde?
                  Von den Babyloniern weiss ich es nicht, aber Sokrates hat sich definitiv darüber beschwert, dass die Jugend nicht mehr das wäre, was sie früher mal war
                  Und DER hat es dann auch nicht lange überlebt
                  »We do sincerely hope you'll all enjoy the show, and please remember people, that no matter who you are, and what you do to live, thrive and survive, there are still some things that make us all the same. You, me, them, everybody!«

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                  • #10
                    Zitat von Sternengucker Beitrag anzeigen
                    Und sorry. Wer ST XI und Dschungelcamp in den gleichen Topf wirft, besitzt nur einen einzigen Topf zum reinwerfen. Da gibt es durchaus "dezente" Unterschiede, um nicht zu sagen himmelweite.
                    Zumal man dem Film weder gegenüber den Filmen 8-10 noch gegenüber Serien wie DS9 oder Enterprise mit ihren stark actionlastigen/-betonten Bögen/Staffeln irgendwelche Entwicklungen zum schlechteren vorwerfen kann. Gabs alles schon da. Wenn man wirklich ernsthaft annimmt dass ST mit diesem Film beim fiesesten Schmutz der Unterhaltungsindustrie angekommen wäre, hat man fast 2 Jahrzehnte verpennt.
                    Die dritte Staffel ENT, ST8 und 10 waren in der Tat sehr actionlastig. Wirklich ins "Actionfilm-Genre" würde ich diese jedoch nicht einordnen. ST11 da schon eher. Ab der Ankunft auf Vulkan ist der Film (fast) eine Aneinanderreihung diverser Action-Szenen. In dieser Form gab es das vorher nicht bei Star Trek. Zumindest subjektiv empfand ich ST11 als die actionreichste ST-Produktion bisher.

                    Auf einer Stufe mit "Dschungelcamp" steht ST11 deshalb natürlich noch lange nicht (dürfte auch ne andere Zielgruppe sein). Auf einer mit Filmen wie "Transformers" jedoch schon eher.

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                    • #11
                      Zitat von MFB Beitrag anzeigen
                      Lindeloff als Co-Autor ist soweit ich weiß schon fix. Hat auch Orci schon mal in einem Interview gesagt. Aber ich glaube, dass auch schon für ST11 Lindeloff ein Inputs und Ideen beigesteuert hat. Kann man sich ja fast nicht leisten, einen Trekkie beim Drehbuch außen vor zu lassen, wenn man schon einen in der oberen Produktionsebene hat.
                      Das ist halt die Frage. Er wird im Produktionsprozess sicher einige Inputs gegeben haben und er war ja bei den wichtigen Entscheider als Teil des "Supreme Courts" mit dabei.
                      Aber man liest auf der anderen Seite immer wieder, dass durch den Autorenstreik das Drehbuch praktisch 1:1 verfilmt worden ist und man hier wenig Spielraum hatte noch großartig herumzudoktern.

                      Zitat von Rhiannon
                      Unser Azubi ist mit seinen jetzt 18 Jahren ein besonderes Beispiel.
                      Liest er Bücher? Nein.
                      Sieht er Nachrichten oder Dokumentationen im TV? Nein.
                      Kennt er Cicero? Ja, aber Marcus Tullius gehört nicht dazu!
                      Er schaut dumme Casting-Shows und ausschließlich Actionfilme. Den Star Trek Film fand er übrigens auch gut! Ansonsten... Party und saufen! Besonders das zweitere.
                      Das ist doch das typische "früher war alles besser" - Totschlagargument. In meinen Augen pure Ignoranz und Schönmalerei der Vergangenheit.

                      Es gibt z.B. auch heute einige junge Menschen, die von sich aus, ohne großes Tamtam darum zu machen, soziale Aufgaben übernehmen, von denen spricht nie jemand, die Jugendkriminalität geht tendenziell, so weit ich weiß, seit über einem Jahrzehnt zurück,...

                      Die hochgebildeten Leute der Vergangenheit waren doch auch größtenteils aus bürgerlichen Bildungsfamilien. Meine Großmutter, aus einer Bauernfamilie, erzählt mir heute mit Stolz, dass sie überhaupt zu einer weiterbildenden Agrarschule gehen durfte und unter anderem das Traktorfahren erlernen durfte und wie gut wir es heute doch hätten. Echt toll wie die Bildung früher war.
                      Und als jemand, der aus einer klassischen Arbeiterfamilie stammt, kann ich auch nicht erkennen was bei den etwas jüngeren Ü40 jährigen bildungstechnisch besser wäre, als ob sich da irgendeiner aus diesem Milieu über Cicero unterhalten würde. Man darf sich halt nicht nur unter seinesgleichen bewegen und meinen die gebildete Umgebung des eigenen Milieus wäre repräsentativ...
                      Zuletzt geändert von newman; 22.06.2009, 12:53.

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                      • #12
                        Zitat von newman Beitrag anzeigen
                        Das ist doch das typische "früher war alles besser" - Totschlagargument. In meinen Augen pure Ignoranz und Schönmalerei der Vergangenheit.
                        Ich denke, die Jugend hat sich im Vergleich zur Vergangenheit nicht "verschlimmert" sondern eher ausdifferenziert. Früher haben alle Jugendlichen gemeinsam an bestimmten Lebensbereichen partizipiert (man war Mitglied der Hitlerjugend oder der FDJ, ist gemeinsam zur Schule gegangen) und hat eine Vielzahl von Werten und Erfahrungen (z.B. Krieg, Hunger, körperliche Arbeit) miteinander geteilt. Deshalb stellen die alten Leute von heute auch eine relativ homogene Masse dar.
                        Heute zerfällt die Gesellschaft und damit die Welt der Kinder dagegen in eine Vielzahl unterschiedlicher Lebenswelten (z.B. Milieus): Lebenswelten, in denen Arbeit, Fleiß und bewusste Enthaltsamkeit als zentrale Werte im Mittelpunkt stehen, oder solche, in denen Lebensgenuss an oberster Stelle steht, Lebenswelten, wo Kinder schon früh mit Hochkultur in Berührung kommen, oder solche, wo die Erfahrung von Gewalt etwas Selbstverständliches ist.
                        Diese Entwicklung hin zu einer zunehmend kulturell pluralisierten Gesellschaft ist nicht grundsätzlich neu (auch früher waren nicht alle Menschen gleich), aber die Ausmaße sind nun wesentlich gravierender.

                        Durch selektive Wahrnehmung (z.B. weil man jeden Tag mit der Straßenbahn fährt und dort betrunkene, arbeitsscheue Jugendliche sieht) kann nun der Eindruck entstehen, die aktuell jungen Menschen entwickeln sich mit jeder Generation immer mehr in Richtung Tier. Dabei wird übersehen, dass sich die Mehrzahl der alten Menschen keineswegs mit der Philosophie von Kant und ähnlichen Dingen beschäftigt und auch sonst eher mit schlichter Kost (z.B. Musikantenstadel) zufriedenzustellen ist. Andererseits sehe ich auch viele junge Menschen, die durchaus offen für neue künstlerische Ausdrucksformen sind. Bevor man also behauptet, in welche Richtung sich die Konsumgewohnheiten der Menschen entwickeln, sollte daher vielleicht etwas genauer hingeschaut werden. Begriffe wie Pluralisierung, Ausdifferenzierung oder Individualisierung beschreiben die Realität sehr viel treffender.
                        Mein Profil bei Last-FM:
                        http://www.last.fm/user/LARG0/

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                        • #13
                          Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                          Heute zerfällt die Gesellschaft und damit die Welt der Kinder dagegen in eine Vielzahl unterschiedlicher Lebenswelten (z.B. Milieus): Lebenswelten, in denen Arbeit, Fleiß und bewusste Enthaltsamkeit als zentrale Werte im Mittelpunkt stehen, oder solche, in denen Lebensgenuss an oberster Stelle steht, Lebenswelten, wo Kinder schon früh mit Hochkultur in Berührung kommen, oder solche, wo die Erfahrung von Gewalt etwas Selbstverständliches ist.
                          Diese Entwicklung hin zu einer zunehmend kulturell pluralisierten Gesellschaft ist nicht grundsätzlich neu (auch früher waren nicht alle Menschen gleich), aber die Ausmaße sind nun wesentlich gravierender.
                          Sehe ich nicht so also dass es "gravierender" ausfällt. Du verwechselst hier ein bisschen das was in der Biologie Genotyp und Phänotyp heisst... also Grundveranlagung und oberflächliches Aussehen... Zwei Dinge wirken auf den ersten Blick sehr verschieden, aber bei genauerer Untersuchung sind sie (genetisch) dasselbe. Oder so gut wie.

                          Wir hätten es sicher gerne dass wir so viel komplizierter sind als unserer Vorfahren, aber bis auf Details sind wir weiterhin aufrecht gehende Affen mit Ganzkörperglatze (mal mehr mal weniger ausgeprägt ) Kulturelle Vielfalt? Eine Illusion. The more the things change the more they stay the same. Man kann ja fast kein Lebensmodell finden, das nicht schon uralte historische Vorbilder hätte. Vom Aussteiger bis zum hochgeistig-kultivierten Geniesser, alles schon dagewesen. Nur weil jemand in Deutschland sich zB indische Vorbilder sucht, sind die ja dadurch nicht "neu" oder ohne Entsprechung im deutschen Traditionsraum.
                          »We do sincerely hope you'll all enjoy the show, and please remember people, that no matter who you are, and what you do to live, thrive and survive, there are still some things that make us all the same. You, me, them, everybody!«

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                          • #14
                            Zitat von Sternengucker
                            Vom Aussteiger bis zum hochgeistig-kultivierten Geniesser, alles schon dagewesen.
                            Natürlich gibt es kaum etwas, das nicht irgendwer irgendwann schon einmal vor einem gedacht hat.
                            So was darf man höchstens mal erleben, wenn in der Wissenschaft eine neue Entdeckung gemacht wird, die ganz neue Weltvorstellungen generiert.

                            Aber auf was Largo hinaus will, und was ich unterschreiben kann, ist die Heterogenisierung der Gesellschaft. Es gibt nicht die Wahrheit, es gibt nicht die Kultur. Die westliche Gesellschaft hat sich individualisiert und auch was die Kulturen angeht pluralisiert.
                            Da geht es gar nicht um die Neuartigkeit dieser individuellen Lebensentwürfe, die können gerne auf einer uralten indischen Philosophie basieren, entscheidend ist hier die Emanzipation von dem Lebensentwurf, der für die ganze Gesellschaft prägend ist.

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                            • #15
                              Zitat von Sternengucker Beitrag anzeigen
                              Sehe ich nicht so also dass es "gravierender" ausfällt.
                              ...
                              Kulturelle Vielfalt? Eine Illusion.
                              Das kannst Du ja gerne so sehen, aber in der Wissenschaft (namentlich von Leuten wie Durkheim oder Habermas) wird die zunehmende soziale Differenzierung, Individualisierung und Pluralisierung schon lange als tiefgreifender Prozess innerhalb moderner Gesellschaften beschrieben. Diese Entwicklung findet auf verschiedenen Ebenen ihren Ausdruck:
                              - Ausdifferenzierung von Funktionssystemen wie Wirtschaft, Kunst, Religion, Familie, Wissenschaft oder Recht (in primitiven Gesellschaften wurden diese Funktionssystem von den Gesellschaftsmitgliedern nicht als autonome Sinnwelten identifiziert)
                              - zunehmende Arbeitsteilung, d.h. Differenzierung von Berufen und Arbeitsvollzügen in der Erwerbssphäre (früher gab es lediglich eine nach Alter und Geschlecht differenzierte Arbeitsteilung)
                              - zunehmende Individualisierung von Biographien (früher waren Kindheit, Arbeitsleben, Familienleben, Konsumverhalten usw. bei allen Gesellschaftsmitglieder sehr ähnlich strukturiert)
                              - Differenzierung sozialer Lagen (früher haben alle Gesellschaftsmitglieder unter sehr ähnlichen Bedingungen gelebt)

                              Eine wesentliche Folge dieser Entwicklung ist die zunehmende Differenzierung der Erfahrungen der Gesellschaftsmitglieder (bzw. verringertes Kollektivbewusstsein, wie Durkheim sagt):
                              Wer als Leiharbeiter schwere körperliche Arbeit verrichtet sieht die Welt z.B. typischerweise durch eine andere Brille als ein leitender Angestellter einer Bank. Und wer die Hauptschule besucht hat, erlebt eine andere Realität als ein Gymnasiast.
                              Damit korrespondieren logischerweise auch unterschiedliche Werthaltungen und Lebensstile. Wer etwa selbst die Erfahrung von Ausgrenzung und Ausbeutung gemacht hat, wird tendenziell ein anderes Gesellschaftsbild entwickeln, als jemand, der die Erfahrung gemacht hat, dass sich Fleiß und Leistung lohnen. Jemand der keinen Zugriff auf regelmäßiges Erwerbseinkommen hat, wird andere Dinge konsumieren, als jemand, der ein hohes Einkommen hat. Jemand, der in einer Diktatur groß geworden ist, nimmt Demokratie anders wahr, als Menschen, bei denen das nicht der Fall ist. Jemand, der in einem bildungsfernen Milieu großgeworden ist, hat einen anderen Bezug zu Kunst und Kultur, als jemand, der in einem intellektuellen Milieu aufgewachsen ist. Und so weiter.

                              Allerdings werden Einstellungen und Lebensstile nicht ausschließlich durch externe Zwänge bestimmt, sondern sind zu einem gewissen Grad "frei wählbar". Man kann sich z.B. aussuchen, ob man Geld eher spart oder ausgibt, ob man sich eine Superstar-Sendung oder eine Dokumentation ansieht, ob man alleine in der Natur meditiert oder mit oberflächlichen BWL-Typen herumhängt, ob man heiratet oder eine eheähnliche Lebensform bevorzugt.

                              Man muss gar nicht so weit bis zu den Urmenschen zurückblicken, um diese Entwicklung wahrnehmen zu können: wenn man sich nur einmal anschaut, wie unsere Großeltern gelebt haben, wird deutlich, in was für einer differenzierten und individualisierten Welt wir leben. Dabei ist es natürlich keineswegs so, dass alles jetzt völlig individuell ist, und es gibt sicher auch gegenläufige Tendenzen (z.B. Entdifferenzierung in einigen Bereichen). Nichtsdestotrotz dürfte deutlich geworden sein, dass zunehmende Differenzierung und Individualisierung eine Entwicklung ist, die tatsächlich stattfindet und die man auch als Laie beobachten kann.

                              Wie newman dankenswerterweise angemerkt hat, hat Individualisierung nichts damit zu tun, ob ein bestimmtes Phänomen tatsächlich neu ist. Es geht vielmehr darum, dass eine Vielzahl möglicher Lebensstile nebeneinander existieren.
                              Mein Profil bei Last-FM:
                              http://www.last.fm/user/LARG0/

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