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Könnte Deutsch als dritte Amtssprache in Belgien bald verschwinden?

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  • Könnte Deutsch als dritte Amtssprache in Belgien bald verschwinden?

    Das habe ich mir schon länger gedacht, nachdem ich mich über Belgien genauer informiert habe. Es sprechen nur 1 % der Belgier Deutsch. Das ist doch fast nichts. z.B. in Kanada sprechen auch 1 bis 2 % Deutsch aber trotzdem ist Deutsch keine Amtsprache geworden. In Namibia wurde Deutsch sogar abgeschafft, obwohl es viele gesprochen haben. Warum hält sich Deutsch in Belgien trotzdem so lange als Amtssprache?
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  • #2
    Wir haben hier eine andere Situation als in Kanada oder Namibia.
    Die Region Eupen-Malmedy wurde 1920 als Entschädigung für die schweren Verwüstungen in Belgien von Deutschland (unfreiwillig) abgetreten. Es handelt sich – im Gegensatz zu Kanada oder Namibia – um ein weitestgehend abgeschottetes Siedlungsgebiet, d.h. es findet nur in geringem Maße so etwas wie Zuwanderung und Abwanderung statt. Zudem konzentriert sich die deutsprechende Bevölkerung auf einen sehr kleinen Raum. Dadurch ist ein hohes Maß an Homogenität der Bevölkerung gewährleistet. Die Deutschen bleiben unter sich. Durch die angrenzende Lage an Deutschland ist zudem weiterhin ein kultureller Austausch möglich.
    Aufgrund der Anerkennung der deutschen Sprache in Belgien besteht für die ansässige Bevölkerung zudem kaum Notwendigkeit einer Anpassung an die flämische und französisisch sprechende Bevölkerungsmehrheit. In anderen Ländern war dies z.B. nicht der Fall (z.B. in der Sowjetunion). Trotzdem besteht natürlich grundsätzlich ein gewisses Problempotential, wie man z.B. anhand von Elsass-Lothringen sehen kann, wo die deutsche Sprache ganz klar auf dem Rückzug ist (was allerdings auf die restriktive Sprachpolitik früherer Jahrzehnte zurückgeht).
    Zuletzt geändert von Largo; 14.05.2011, 07:13.
    Mein Profil bei Last-FM:
    http://www.last.fm/user/LARG0/

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    • #3
      Zitat von Knörf Beitrag anzeigen
      In Namibia wurde Deutsch sogar abgeschafft, obwohl es viele gesprochen haben. Warum hält sich Deutsch in Belgien trotzdem so lange als Amtssprache?
      In Namibia gilt nur noch Englisch als Amtssprache, auch Afrikaans (was dort noch mehr Sprecher hat als Deutsch!) und die Sprachen der Ureinwohner sind nur noch "Nationalsprachen". Englisch war dagegen eigentlich gar nicht stark verbreitet, wurde aber als Amtssprache gewählt, weil es dort neutral ist, also weil es in der Region keine Belastung als "Sprache der Kolonialisten" hat und um keine Bevölkerungsgruppe stark zu bevorteilen.

      Zum Deutschen in Belgien hat Largo ja schon einiges geschrieben, und nach meinem Eindruck ist es wirklich so, dass in der Region Eupen hauptsächlich Deutsch gesprochen wird. Für diese eigentlich recht kleine Region gibt es auch eine spezielle deutschsprachige Zeitung, und selbst die Regionalbusse dort tragen deutsche Anschriften und Werbungen, obwohl die Gesellschaft in der gesamten Provinz Liège/Lüttich fährt. Deutsch spielt in Belgien zwar fast keine Rolle, trotzdem gibt es dort, anders als in Kanada (oder auch in Namibia), eine Region in der Deutsch den größten Anteil an Sprechern hat, daher ist es sinnvoll dass dort Deutsch als Amtssprache gilt, und die Abschaffung würde gerade dort wohl zu starken Protesten führen...

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      • #4
        Dies würde auch dem europäischen Gedanken stark widersprechen. Belgien gehört zu den 7 Gründerstaaten der EU. Ähnliche Minderheitsrechte gibt es für die Dänische Minderheit in Süd-Schleswig und die Sorben an der Lausitz in Deutschland. Für das Europa nach dem II. Weltkrieg ist das zum Glück Standard geworden.
        \\// Dup dor a´az Mubster
        TWR www.labrador-lord.de
        United Federation of Featherless
        SFF The 6th Year - to be continued

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        • #5
          In Österreich gibt es neben Deutsch ebenso regionale Amtssprachen. Ungarisch, Slowenisch und Kroatisch. Hier sind die Sprecherzahlen ebenso gering:

          Ungarisch: ca 40k = ca 0,5% der Bevölkerung
          Slowenisch: ca 25k = ca 0,3%
          Bgld-kroatisch: ca 19k = ca 0,2%

          (Zahlen errechnet lt Wiki-Angaben)

          Die Begründung ist, dass eben in bestimmten Regionen fast ausschließlich diese Sprachen gesprochen werden und deshalb im lokalen Amtsgebrauch (Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft, etc.) anerkannt werden. Das ist auch richtig so.
          "Aufgrund eines Pünktlichkeitsdefizits verspätet sich dieser Beitrag um 64+ ms" | #Krümelchen2018
          "Bajoranische Arbeiter...." - Hamburg Silvester 2016/17

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          • #6
            Seltsam, die deutsche Sprache wäre doch die Lösung für alle Probleme Belgiens. Wenn alle Deutsch lernen würden, gäbe es endlich keine Streiterei mehr zwischen Flandern und Wallonen
            I am altering the movie. Pray I don't alter it any further.

            - George Lucas

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            • #7
              Zitat von Largo Beitrag anzeigen
              Wir haben hier eine andere Situation als in Kanada oder Namibia.
              Die Region Eupen-Malmedy wurde 1920 als Entschädigung für die schweren Verwüstungen in Belgien von Deutschland (unfreiwillig) abgetreten. Es handelt sich – im Gegensatz zu Kanada oder Namibia – um ein weitestgehend abgeschottetes Siedlungsgebiet, d.h. es findet nur in geringem Maße so etwas wie Zuwanderung und Abwanderung statt. Zudem konzentriert sich die deutsprechende Bevölkerung auf einen sehr kleinen Raum. Dadurch ist ein hohes Maß an Homogenität der Bevölkerung gewährleistet. Die Deutschen bleiben unter sich. Durch die angrenzende Lage an Deutschland ist zudem weiterhin ein kultureller Austausch möglich.
              Aufgrund der Anerkennung der deutschen Sprache in Belgien besteht für die ansässige Bevölkerung zudem kaum Notwendigkeit einer Anpassung an die flämische und französisisch sprechende Bevölkerungsmehrheit. In anderen Ländern war dies z.B. nicht der Fall (z.B. in der Sowjetunion). Trotzdem besteht natürlich grundsätzlich ein gewisses Problempotential, wie man z.B. anhand von Elsass-Lothringen sehen kann, wo die deutsche Sprache ganz klar auf dem Rückzug ist (was allerdings auf die restriktive Sprachpolitik früherer Jahrzehnte zurückgeht).
              In Belgien hatte man schon seit der Staatsgründung das Problem, zwei Sprachen unter einen Hut bringen zu müssen und somit keine Schwierigkeiten, noch eine dritte zu integrieren, vor allem, da es sich um ein zusammen hängendes Gebiet handelt. Außerdem hat man damit erreicht, was man wollte - zu verhindern, dass die Leute in dem Gebiet wegen kultureller Bevormundung revoltieren. Immerhin geschah der Anschluss nur unter Erpressung der Bevölkerung und bis 1925 unterlagen die Zeitungen strengster Zensur. Irgendeinen Ausgleich musste man daher finden.
              "En trollmand! Den har en trollmand!"

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