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Das Wesen der Trauer

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  • Das Wesen der Trauer

    Da es kürzlich in meinem weiteren Bekanntenkreis einen Todesfall gab, habe ich über das Wesen der Trauer nachgedacht und es gibt mir einige Rätsel auf.

    Ich möchte keinesfalls, dass ihr jetzt denkt, dass ich kalt, gefühllos und pur analytisch bin und dass ich nicht trauern würde, wenn ein lieber Mensch stirbt, nur weil ich es einfach nicht verstehe.


    Der sichere Grund ist natürlich das Mitleid, das ich mit dem Verstorbenen empfinde.
    Der weitere? Könnte das auch damit zusammenhängen, dass man nun selbst ohne diese Person weiterleben muss? Also eine Spur Selbstzentriertheit? Oder ist es NUR Mitleid, aber ein Mitleid, das über das "normale" Mitleid hinausgeht, dass ich z.B. empfinde, wenn ich einen Obdachlosen sehe, also ein tiefes, unglaublich tiefes Mitleid?

    Warum trauere ich nur um Menschen, die ich gut gekannt habe? Ist das diese Selbstzentriertheit, ein Mitleid mit mir selber, das ich empfinde, da ich nun ohne diese Person weiterleben muss?
    Warum empfinde ich dieses Gefühl dann, auch wenn ich diese Person objektiv eigentlich gar nicht brauche usw.?

    Wie nennt man das, was ih empfinde, wenn ich an den toten Menschen denke? Mitleid. Wie nennt man das, diese innere Leere? Wodurch wird sie verursacht? Ist Trauer vielleicht - und nur vielleicht - ein Gefühl, dass wir von der Gesellschaft erhalten? Ich weiß es nicht. Da ich mit meinen Gedankengängen nun gegen eine Mauer stoße, suche ich Rat.

  • #2
    Mit dem Verstorbenen muss ja kein Mitleid empfunden werden. Entweder er ist tatsächlich tot, bekommt sein eigenes Todsein also gar nicht mit, oder in irgendeinem anderen Zustand, den alle Religionen positiv beurteilen.

    Ergo handelt es sich tatsächlich um Selbstzentriertheit. Betrauert wird der eigene Verlust und der Verlust anderer nahestehender, von ihm wird man keinen Witz mehr hören, mit ihm kein Gespräch mehr führen können... Das ist für einen selbst ein schwerer Verlust. Der Tode bekommt diesen Verlust nicht mehr mit, kann also gar nicht daran leiden. Aber man selbst leidet, weil das einzige, das von ihm bleibt eine stetig verblassende Erinnerung aus der Vergangenheit ist, aber keine Zukunft mehr.


    Die Frage erinnert irgendwie an Datas Frage nach Tasha Yars Tod.

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    • #3
      Ich schließe mich newman an, obwohl man sagen muss, dass in den Religionen der Tod nicht unbedingt für alle Personen gut ist. Immer diese Positivstellung. Ich glaube kaum, dass nach christlicher Vorstellung Menschen, die ungeheuer viele Sünden auf sich geladen haben, danach auch in den Himmel kommen.

      Mitleid kann man eigentlich nur empfinden, wenn die Person möglicherweise schon in jungen Jahren gestorben ist und noch eine längere Zeitspanne zu leben hätte. Dann kann man vielleicht Mitleid zeigen, in dem Sinne, dass er/sie nicht älter geworden ist. Bei älteren Menschen, die an Altersschwäche gestorben sind, ist Mitleid wohl eher unangebracht, denn jeder Mensch muss mal sterben. Obwohl man noch Mitleid in dem Sinne vielleicht aufbringen könnte, dass eine Person ihre Kinder, etc. nicht weiter aufwachsen sehen kann. Ich halte Mitleid in solche Fällen trotzdem als überbewertet.

      Trauer hängt ja normalerweise mit dem Verlust eines Lebewesens oder eines Gegenstandes ab. Wenn mir heute zum Beispiel mein Laptop runterfallen würde und er danach nicht mehr funktionstüchtig wäre, so würde ich womöglich auch in tiefe Trauer verfallen. Weil ich einen Verlust erlitten habe, der mich schwer triff. Würde jedoch vergleichsweise ein Buch nicht mehr zu gebrauchen sein, so würde mich das vielleicht überhaupt nicht treffen. Somit hängt Trauer wohl damit zusammen, wie nah man jemand stand oder wie wichtig etwas für einen war. Würde man für jeden getöteten Mensch trauern, weil es einem nahe ginge, könnte man damit nicht mehr aufhören.

      Dass es dabei jedoch unbedingt um den eigenen Verlust geht, kann ich so nicht bestätigen. Als eine Person aus meinem Verwandtenkreis starb, habe ich persönlich keinen großen Verlust erlitten, obwohl diese Person mir doch sehr nah verwandt war. Einen wirklichen Verlust habe ich somit nicht erlitten, aber meine anderen Verwandten jedoch schon. Dann zeigt man eben keine Trauer für sich selbst, weil man etwas Wertvolles verloren hat, sondern Trauer gegenüber denen, die ebenfalls etwas Wertvolles verloren hat, aber welche bei weitem stärker davon betroffen sind.

      Außerdem trauern verschiedene Menschen auch unterschiedlich. Deshalb glaubt man womöglich, dass manche Menschen nicht in der Lage sind zu trauern, obwohl sie es auf ihre ganz eigene Art tun.
      Nur wer vergessen wird, ist tot.
      Du wirst leben.

      ---- RIP - mein Engel ----

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      • #4
        Wenn ich mich richtig erinnere, definieren Psychologen den Begriff "trauern" eindeutig als das Verarbeiten eines Verlustes. Das finde ich als Beschreibung auch ganz gut. Mit Mitleid hat Trauer erstmal wenig zu tun, auch wenn die beiden oft gemischt auftreten. Mitleid schmerzt auch nur über den empathischen Kanal, Trauer dagegen erfährt man wirklich als ohnmächtiges Opfer. Der Unterschied ist zum Beispiel, dass Trauer oft auch Schlaflosigkeit mit sich bringt. Das schafft pures Mitleid nicht.

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        • #5
          Kann meinen Vorpostern nur zustimmen. Trauer ist das Gefühl des Verlustes einer geliebten Person. Die/Der Gestorbene kann (wenn man wie ich nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt) ihren/seinen eigenen Tod nicht betrauern, da sie/er das gar nicht mehr wahrnehmen kann. Zu Bemitleiden ist die/der Verstorbene, wie schon geschrieben wurde, wenn der Tod in jungen Jahren eintrat und der gestorbenen Person die Erfüllung vieler Wünsche und das Ausleben vieler Erfahrungen (die möglicherweise erst in späteren Jahren möglich gewesen wären) nicht mehr möglich wurden.
          Zu Bemitleiden sind Verstorbene auch wenn der Tod unter unmenschlich qualvoller Art und Weise eintrat und im Gedächtnis bleibt, das extreme Schmerzen das letzte waren, das die/der Verstorbene empfunden hat.

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          • #6
            Ich glaube, ich sollte aufhören, um 5 Uhr morgens über solche Sachen zu phiolosphieren. Heute ist es mir eigentlich schon viel klarer.

            Zitat von Vanth_ Beitrag anzeigen
            Dann zeigt man eben keine Trauer für sich selbst, weil man etwas Wertvolles verloren hat, sondern Trauer gegenüber denen, die ebenfalls etwas Wertvolles verloren hat, aber welche bei weitem stärker davon betroffen sind.
            Den engsten Verwandten, den ich verloren habe, war ein Onkel, den ich nicht gekannt habe; das einzige was da war war Mitleid mit meiner Mutter, Oma und nen Muttergeschwistern. Deswegen hab ich mit Trauer eigentlich keine Erfahrungen.
            Aber jetzt kan ich das, glaube ich, ganz gut einordnen.

            Was mich aber selbst stört und wofür ich mich schäme ist, dass mir der Tod meiner geliebten Katze vor einigen Jahren nicht mehr bedeutet hatte...

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            • #7
              Zitat von Uriel Ventris Beitrag anzeigen
              Den engsten Verwandten, den ich verloren habe, war ein Onkel, den ich nicht gekannt habe; das einzige was da war war Mitleid mit meiner Mutter, Oma und nen Muttergeschwistern. Deswegen hab ich mit Trauer eigentlich keine Erfahrungen.
              Aber jetzt kann ich das, glaube ich, ganz gut einordnen.
              Eben. Die Trauer gegenüber jemanden anderen , bzw. eher gesagt das Mitleid, hält die Trauer in gewisser Weise auch am Leben, weil jeder für den anderen mit leidet. Das Leben wird auch weitergeführt, wenn eine Person nicht mehr da ist. Für manche wird es nur schwerer sein, als für andere.
              Was mich aber selbst stört und wofür ich mich schäme ist, dass mir der Tod meiner geliebten Katze vor einigen Jahren nicht mehr bedeutet hatte...
              Wenn ein Tier oder Mensch sterben muss, um sein Leid zu beenden oder es auf Grund von Altersschwäche geschieht, ist es nur nachvollziehbar, wenn man weniger trauert, da man weiß, dass es das Tier/Mensch jetzt vermutlich besser hat und nicht mehr leiden muss. Wenn deine Katze überfahren worden ist, weiß ich auch nicht. Ich persönlich trauere um Tier immer mehr, als um Menschen. Der Tod von Menschen ist mir eigentlich immer erschreckend egal, selbst wenn ich die Person gekannt habe.
              Nur wer vergessen wird, ist tot.
              Du wirst leben.

              ---- RIP - mein Engel ----

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              • #8
                Das hängt, wie schon gesagt wurde, wohl von der Bindung ab. Tiere, um die man trauert, sind meistens Haustiere und damit oft beste Freunde. Ich habe noch nie um einen Menschen getrauert, ganz einfach deswegen, weil glücklicherweise noch niemand gestorben ist, der mir wirklich nahe stand.

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                • #9
                  Seid froh, dass ihr noch niemanden verloren habt, der euch nahe steht...

                  Vor 3 Wochen starb mein Lebensgefährte (fast 12 Jahre lange Beziehung) mit 33 Jahren... Er hatte noch so viele Wünsche und Träume... (@ DnuhD2: Genau so einen Fall beschreibst du) Es tut mir für ihn einfach so wahnsinnig Leid, dass er all dies nicht mehr machen kann.
                  Und ja, ich leide und trauer sehr. Was ich diesbezüglich fühle, kann ich gar nicht wirklich in Worte fassen...

                  @Vanth_: ich kann überhapt nicht nachvollziehen, wie du das hier einfach so sagen kannst:
                  Der Tod von Menschen ist mir eigentlich immer erschreckend egal, selbst wenn ich die Person gekannt habe.

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                  • #10
                    Hallo Space Lady,
                    die kommende Advents- und Weihnachtszeit wird für Dich sicher bitter und leer sein.
                    Als mein Vater im Oktober 2000 starb, ging es mir in dieser düsteren Zeit genauso.
                    Es ist fast nicht zu verhindern, dass sich die Gedanken im Kreis drehen. Aber dies ist wohl nötig, um den Schmerz zu verarbeiten und irgendwann wieder an die Gegenwart und Zukunft denken zu können.
                    Irgendwie hilft dies aber bei der persönlichen Weiterentwicklung.
                    Das ist aber im Moment kein Trost, ich weiß...
                    \\// Dup dor a´az Mubster
                    TWR www.labrador-lord.de
                    United Federation of Featherless
                    SFF The 6th Year - to be continued

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                    • #11
                      Zitat von Space Lady Beitrag anzeigen
                      @Vanth_: ich kann überhapt nicht nachvollziehen, wie du das hier einfach so sagen kannst:
                      Wahrscheinlich meint sie damit Menschen, die sie nur gekannt hat, z.B. Eltern von Freunden, sonstige Bekannte, Nachbarn mit denen man wenig zu tun hatte etc.

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                      • #12
                        Ja, die Weihnachtszeit, Neujahr und mein Geburtstag im Januar waren nicht sehr erfüllend...
                        Bin nat. immer noch wahnsinnig traurig und vermisse ihn einfach unendlich ... Für mich ist die Trauerphase noch lange nicht vorbei.
                        Ich hoffe, ich kann hier vielleicht in einem Jahr schreiben, dass es mir wieder besser oder sogar gut geht...

                        @vanth_: ich hoffe wirklich, dass dir und anderen Menschen so ein Schicksalsschlag nicht passiert.

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                        • #13
                          Zitat von newman Beitrag anzeigen
                          Ergo handelt es sich tatsächlich um Selbstzentriertheit.
                          Das kann man so pauschal nicht sagen. Soziales Handeln hat immer auch etwas mit Verinnerlichung von Normen sowie Selbstdarstellung/Inszenierung zu tun. D.h. es gibt bestimmte Erwartungen, wie man sich beim Tod anderer Menschen zu verhalten hat. Diese Normen werden im Rahmen von Lernprozessen verinnerlicht. Beispielsweise beobachten wir schon als Kind, wie sich andere Menschen nach dem Tod eines Angehörigen verhalten, und ahmen dieses Verhalten nach. Wie wissen einfach, dass wir zu weinen haben, wenn ein Verwandter/Freund stirbt. Abweichungen von diesen Verhaltensnormen werden typischerweise sanktioniert. Beispiel: jemand trägt ein buntes T-Shirt auf der Beerdigung vom Opa.

                          Damit ist Trauer ein Phänomen, welches auch auf andere gesellschaftliche Akteure bezogen ist. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Reaktion von Teilen der nordkoreanischen Bevölkerung auf das Ableben von Kim Jong Il.
                          Mein Profil bei Last-FM:
                          http://www.last.fm/user/LARG0/

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