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Das Gewissen

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  • Das Gewissen



    Ich habe die Suche genutzt, aber keinen Thread zu dem Thema gefunden.

    Erst letztens wurde im Religionsunterricht das Gewissen behandelt, aber nicht genau drauf eingegangen, obwohl ich das Thema eigentlich sehr interessant finde, da man ja auch nicht viel darüber weiß. Interessant, wenn man mal das ganze christliche Gedöns drum herum weglässt.
    Vor allem finde ich es interessant, dass es keine eindeutige Definition zum Gewissen gibt und man sich somit selber ein Reim machen kann und es deshalb auch viele unterschiedliche Interpretationen gibt. Zwar kann man ungefähr beschreiben, was als Gewissen gesehen wird, aber ob es wirklich so ist, kann ja doch keiner sagen.
    Ausnahmsweise kann ich dem Inhalt der Religionsstunde mal zustimmen, denn im Gewissen wägt der Mensch meiner Meinung nach sein Handeln ab und trifft dann eine Entscheidung. Doch ist es nicht auch so, dass es im Gewissen darum geht, dass sich ein Mensch selber die Frage stellt, ob er richtig oder falsch gehandelt hat und die Entscheidung bzw. die Tat bereits geschehen ist? Aber was genau das Gewissen ist, kann man so scheinbar nicht sagen. Man kann es ja weder beweisen, noch gibt es scheinbar eine allgemeine Einstellung zu dem Thema.

    In meinen Unterlagen des Religionsunterrichts ist außerdem enthalten, dass das Gewissen etwas mit „Wissen“ und/oder „Bewusstsein“ zu tun hat. Da keine eindeutige Erklärung dazu im Heft steht, interpretiere ich diese Aussage so, dass man durch das Wissen über ein Tat und das verbundene Bewusstsein der Ausmaße und der Unterscheidung in gut und böse das Gewissen bildet. Man muss sich bewusst werden, was für eine Auswirkung und was für eine Schwere vorliegt und ob es richtig und falsch war. Jedenfalls würde ich es so auffassen, aber was damit wirklich gemeint ist, weiß ich auch nicht so richtig.

    Des Weiteren findet sich noch ein Abschnitt, in welchem geschrieben steht, dass es in dem Gewissensvorgang darum geht, dass ein Mensch konkret von einer sittlichen Forderung getroffen wird. Dies würde ich so ebenfalls unterschreiben, wenn ich es richtig interpretiert habe. Verstanden habe ich es in dem Sinne, dass ein Mensch ein Gewissen bildet, wenn er konkret von etwas getroffen ist, denn wieso sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn irgendwer irgendwen umbringt, den ich nicht einmal kenne. Jedoch hat jeder scheinbar eine andere Vorstellung von dem, was für ihn ein schlechtes Gewissen bedeuten sollte. Ereignisse formen Menschen und manchmal auch ins Negative. Es gibt bestimmt Menschen, die kein schlechtes Gewissen mehr dabei haben, wenn sie Kinder als Sklaven einsetzen und sie missbrauchen. Hier ist das Gewissen nach meiner Ansicht eingeschränkt und abgestuft. Dort ist bereits verblasst, dass man sich an die Normen und Werte einer friedlichen Gesellschaft halten sollte, auch wenn diese überall anders sind, so sollte das Gewissen dennoch nicht so herabgestuft werden, sodass man dies nicht mehr wahrnimmt. Zwar können Werte angepasst werden, da sie sich auf eine jeweilige Gesellschaft beziehen und die Zielvorstellungen dieser sich auch unterscheiden, jedoch sollten sie niemals gegen die Würde des Menschen verstoßen. Genauso sehe ich das auch mit den Normen, welche sich ja auch von Gesellschaft zu Gesellschaft ändern, denn überall sind die Anforderungen an eine Person verschieden. Deshalb ist das Gewissen meiner Meinung nach eigentlich immer an einem Grundprinzip ausgerichtet, nämlich die Würde des Menschen zu achten. Jedoch kann bestimmt nicht jeder Mensch etwas dafür, wenn er eine nicht moralisch gute Tat vollbringt, denn nicht jeder hat vielleicht gelernt, was richtig und was falsch ist. Es gibt meiner Meinung nach immer Gründe, die das Gewissen abstumpfen lassen, auch wenn es nicht in Ordnung ist, wenn so etwas passiert, aber das hat dann meist auch andere schwerwiegende Gründe.

    In der Verbindung mit dem Gewissen ist mir aufgefallen, dass die Verantwortung des Öfteren mit diesem in Verbindung gebracht wird. Doch welche Verantwortung genau? Die, die man trägt, zu der man gezogen wird oder bei welcher man für Verfehlungen haften muss? Rein logisch gesehen müsste es doch die erste genannte sein, da man dort die Entscheidungen meist trifft, welche auch andere Personen betreffen. Die anderen beiden Unterteilungen stellen ja nur da, dass man für etwas Falsches haften und gerade stehen muss. Was genau das mit dem Gewissen zu tun hat? Frag mich nicht. Ich bin nur einige Mal drüber gestolpert. Im Gewissensvorgang geht es so gut wie immer um Entscheidungen und die Verantwortung hat zwingerndermaßen etwas mit Entscheidungen zu tun.

    Dazu finde ich die Grafik ganz interessant.

    Diese zeigt das Persönlichkeitsmodell von Freud.
    Das Über-Ich verstehe ich in dem Sinn als der Ort, wo die Gewissensentscheidung stattfindet, da dort die Werte und Normen verinnerlicht sind, welche einem einen Weg vorgeben und zeigen, was richtig oder falsch ist. Dieses Über-Ich ist schon sehr früh mit Normen, Werten und Grundsätzen gefüllt, da das Gewissen eine meist angeborene Eigenschaft ist.
    Das Ich ist dann sozusagen die Vermittlungsinstanz zwischen dem Über-Ich und dem Es, wobei das Ich hilft, gesund und möglichst weise durchs Leben zu gehen.
    Das Es stellt in dem Sinne dann die Wünsche und Triebe da, auf welche man wenig Einfluss hat. Sie geschehen unterbewusst und machen sich keine Gedanken darüber, ob es schlecht oder gut ist. Und da das Über-Ich oftmal so gesehen wird, dass man von dort Signale bekommt, ob man etwas richtig oder gut gemacht hat, würde ich es als einen der Hauptorte nennen, wo die Gewissensbildung stattfindet. So würde ich das deuten.

    Außerdem finde ich wichtig zu erwähnen, dass meiner Meinung nach das Gewissen auch nicht unfehlbar ist, denn man kann auch gegen das Gewissen entscheiden. Wenn ich z.B. einen Menschen töten müsste, um fünf andere zu retten, so würde mir mein Gewissen sicherlich sagen, dass es falsch sei, da jedes Leben heilig ist und ich nicht im Recht stehe zu entscheiden, welches Leben mehr oder weniger wert ist. Wenn ich jedoch für eine andere Person eine wichtige Entscheidung treffen muss, so darf ich mich im Gewissensvorgang nicht von meinen eigenen Vorteilen leiten lassen, sondern muss ganz auf die Bedürfnisse des Anderen eingehen, solange diese Entscheidungen nicht gegen die ethischen Grundwerte sprechen. Dies hat meiner Meinung auch etwas mit dem Gewissen zu tun, in welchem man nun abwägt, ob man sich von seinen eigenen Vorteilen leiten lassen sollte oder sich um den anderen sorgen sollte. Je nachdem wie man sich entscheidet, ändert sich bestimmt auch das Gewissen. Entweder ist es rein oder man hat ein schlechtes Gewissen und es plagen einen Zweifel.
    Wenn ich etwas Gutes für einen Menschen tue, woraus ich keinen erzwungenen Vorteil erhalte, so kann ich mich glücklich schätzen und gewissenhaft sagen, dass ich das Richtige getan habe. Ist es jedoch andersrum und ich habe nur an mich selbst und meine eigenen Wünsche gedacht, so kann es leicht passieren, dass man sich Vorwürfe über sein Handeln macht und es gegebenenfalls auch in Frage stellt. Das Gewissen sehe ich also als eine Art Richter, welcher schon vor einer Entscheidung richtet und dir sagt, ob es richtig oder falsch sei und nach einer Entscheidung bzw. Tat bestraft es dich durch ein schlechtes oder reines Gewissen, welches sich natürlich auch im Empfinden äußert. Ich stelle das Gewissen somit auch in gewisser Weise mit einem Erzieher gleich.

    Natürlich kann man sein Gewissen möglicherweise nach einer falschen Tat wieder bereinigen, in dem sich z.B. entschuldigt, etc. obwohl das auch nicht immer hilft, wie ich aus Erfahrung weiß. Wenn man beispielsweise mit jemanden in Streit gerät und sich dann darauf entschuldigt, habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen, dass ich mich entschuldigt habe, obwohl es gar nicht meine Schuld war.

    Ich selbst stehe zwischen zwei Türen, denn einerseits erscheint mir die Existenz etwas Höherem etwas absurd, weil es nicht nachweisbar ist und meiner Meinung nach ist das Gewissen nichts Anderse als eine höhere Form. Andererseits erscheint es mir ebenso absurd, dass das Ganze auf die Funktion von ein paar Nervenenden zurückgeht. Beides kann ich somit nicht ausschließen und das möchte ich auch überhaupt nicht. Mir reicht, dass es vorhanden ist und man sich darüber den Kopf zerbrechen kann. Wie es nun in Wirklichkeit aufgebaut ist und welchen aus welchem Grund es existiert, interessiert mich eigentlich weniger.

    Welche Frage sich mir noch stellt: Haben Tiere auch ein Gewissen? Wenn man sich bei den Menschen schon nicht sicher ist, wie kann man es dann bei Tieren sein? Möglicherweise werden bei den anderen Lebewesen einfach andere Dinge in den Vordergrund gestellt, als bei uns Menschen, aber dennoch könnte es doch theoretisch existieren.

    Das ist lediglich meine Vorstellung vom Gewissen und die Bildung von diesem. Interessant wäre es durchaus zu wissen, wie andere das sehen. Mich interessieren weniger die Ansichten der Religionen, sondern vielmehr die ganz persönliche Einstellung zu dem Thema…wenn sie mit dem der Religion gleichzusetzen ist, so ist das natürlich auch erwünscht.



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    Nur wer vergessen wird, ist tot.
    Du wirst leben.

    ---- RIP - mein Engel ----

  • #2

    Den Text kannst Du deiner Freundin für eine Erörterung geben.
    Wenn Du noch ein paar philosophische Fachbegriffe und z.B. Kants Kategorischen Imperativ eingefügt hättest, wäre das schon fast als Handout für das Referat in einem philosophischen Proseminar geeignet.
    Jede Gemeinschaft hat z.T. unterschiedliche ethische Grundwerte.
    Ein Snooker-Spieler (Billard) wird von sich aus ein Foul zugeben, wenn z.B. seine Kleidung einen Ball berührt. Bei anderen Sportarten versucht man clevere Tricks und hofft der Schiedsrichter sieht nichts.
    In der Familie, Schule, im Verein, der Gemeinde, dem Staat oder im Ausland können diese Werte sehr unterschiedlich sein, oft einfach aus Gewohnheit. Wichtig ist auch, ob eine Ethik auf grundsätzlichen Werten besteht, ob z.B.Lügen immer falsch ist, selbst wenn man durch Lügen einen Freund vor bösen Menschen schützt (so in Kants Vernunftethik), oder ob man die Folgen seines Tuns (Konsequenzialistik) als wesentlicher ansieht.
    Die Stoa ist eine Pflichtenethik. Man soll sich als Stoiker gemäß seinen natürlichen Fähigkeiten für die Gesellschaft einsetzen.
    Einige Aspekte des Gewissens findet man in den griechischen Tragödien,
    die Nazis pervertierten den Begriff der Treue etwa mit dem "Führer-Eid" der Soldaten auf Hitler. Daher gibt es die Dienstpflicht für das Vaterland im Gelöbnis/dem Diensteid bei der Bundeswehr.
    Dieser Durchhaltewille Ende des II. WK war eingetrichterte "Nibelungen-Treue".
    Zuletzt geändert von Thomas W. Riker; 12.11.2011, 18:17.
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    • #3
      Zitat von Thomas W. Riker Beitrag anzeigen
      Wenn Du noch ein paar philosophische Fachbegriffe und z.B. Kants Kategorischen Imperativ eingefügt hättest, wäre das schon fast als Handout für das Referat in einem philosophischen Proseminar geeignet.
      Kant: "Handle so, dass die Grundsätze, nach denen du handelst, jederzeit ein allgemeines Gesetz sein könnten"
      Rechtspositivismus: "Gut ist, was das im jeweiligen Staat festgelegte Gesetz sagt."
      Hedonismus: "Gut ist, was dem Menschen Lustgewinn bringt"
      Utilitarismus: "Gut ist, was für möglichst viele Menschen von Nutzen ist."
      Jetzt hast du genug ethische Maßstäbe. Religion ist doch zu was nütze, auch wenn es irgendwann wieder aus meinem Gedächtnis entweichen sollte.

      Jede Gemeinschaft hat z.T. unterschiedliche ethische Grundwerte.
      Ein Snooker-Spieler (Billard) wird von sich aus ein Foul zugeben, wenn z.B. seine Kleidung einen Ball berührt. Bei anderen Sportarten versucht man clevere Tricks und hofft der Schiedsrichter sieht nichts.
      Das halte ich für ein Gerücht. Wenn dieser Spieler dadurch ein Vorteil erreicht, so wird er es möglicherweise doch nicht zugeben, dass es ein Foul war.
      Sportlichen Ehrgeiz nennt man sowas. Und auch außerhalb einer sportlichen Aktivität hat sowas in der Art Bestand. Wer wird schon zugeben, dass er einen Fehler, etc. begangen hat, wenn er dadurch nur einen Nachteil erreichen würde. Und ich spreche jetzt nicht von Fehlern gegenüber Freunde. Dort halte ich es selbstverständlich, dass man sich nicht immer vom eigenen Vorteil verleiten lässt und außerdem ist der eigene Vorteil meist nicht so überwiegend, wie die eigentliche Freundschaft. Nur von eigener Erfahrung sprechend, aber wenn ich durch einen Fehler oder "Foul" einen Geldbetrag in Höhe von z.B. 100 € erreichen würde, aber dadurch die Freundschaft zu einer wichtigen Person auf wackligen Füßen stehen würde, wüsste ich sicherlich, wie ich mich entscheiden würde.

      Wichtig ist auch, ob eine Ethik auf grundsätzlichen Werten besteht, ob z.B.Lügen immer falsch ist, selbst wenn man durch Lügen einen Freund vor bösen Menschen schützt (so in Kants Vernunftethik), oder ob man die Folgen seines Tuns (Konsequenzialistik) als wesentlicher ansieht.
      Lügen ist sicherlich nicht immer falsch. Manchmal ist Lügen nur einfacher, als die Wahrheit zu erzählen, wenn letzteres sowieso Nichts bringt.
      Nur wer vergessen wird, ist tot.
      Du wirst leben.

      ---- RIP - mein Engel ----

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      • #4
        Snooker ist ein Gentleman-Sport:
        Ich habe schon mehrmals im TV gesehen, wie Spieler solche Kleiderfouls zugegeben haben,obwohl es weder Schiedsrichter noch Gegenspieler gesehen haben. Selbst in TV-Zeitlupen war das Foul oft nur zu erahnen.
        Und man verhält sich so auf den ca 10 Weltranglisten-Turnieren incl WM, genauso wie auf der Amateurebene.

        Vulkanische Ethik:
        Das Wohl vieler ist wichtiger als das Wohl weniger oder einzelner.
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        • #5
          Zitat von Thomas W. Riker Beitrag anzeigen
          Snooker ist ein Gentleman-Sport:
          Ich habe schon mehrmals im TV gesehen, wie Spieler solche Kleiderfouls zugegeben haben,obwohl es weder Schiedsrichter noch Gegenspieler gesehen haben. Selbst in TV-Zeitlupen war das Foul oft nur zu erahnen.
          Und man verhält sich so auf den ca 10 Weltranglisten-Turnieren incl WM, genauso wie auf der Amateurebene.
          Ob Gentleman oder nicht: Ich glaube kaum, dass jeder dort einen solche Ehrlichkeit darlegt, wie du sie darzustellen versuchst. Unzulässige Verallgemeinerung.

          Vulkanische Ethik:
          Das Wohl vieler ist wichtiger als das Wohl weniger oder einzelner.
          Utilitarismus.
          Nur wer vergessen wird, ist tot.
          Du wirst leben.

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          • #6
            Zitat von Vanth_ Beitrag anzeigen
            Lügen ist sicherlich nicht immer falsch. Manchmal ist Lügen nur einfacher, als die Wahrheit zu erzählen, wenn letzteres sowieso Nichts bringt.
            Ich finde Lügen sowieso richtig, wenn es keine Benachteiligten gibt und man sich einen Vorteil verschafft.

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            • #7
              Gewissen ist künstlich, ein Ergebnis von Indoktrination in der Aufzucht-Phase des Menschen. Dem Jungmenschen werden da allerlei Verhaltensmaßregeln eingetrichtert, die allgemein auf das Leben in der Kultur und nach den Regeln der Gesellschaft vorbereiten sollen, in die der betroffene Jungmensch geboren wurde. Damit können Menschen zu vollkommen unterschiedlichen Gewissensbissen erzogen werden. In einer Gesellschaft, die offen nach dem Recht des Stärkeren lebt, bekommt ein Mensch also eventuell Gewissensbisse, weil er Mitleid mit einem Schwächeren hatte und den ziehen ließ; in einer Gesellschaft wie der unseren kommen die Gewissensbisse, weil man die Schwäche eines anderen ausgenutzt hat - das ist der Punkt, den das Schaubild nicht zeigt. Denn "richtig" und "falsch" hängen davon ab, welche Werte vermittelt wurden. Das Über-Ich wird fremdgefüttert, ferngesteuert. Wer lernt, sein Über-Ich umzuprogrammieren mit Wertnormen wie "Wenn ich damit durchkomme, ist es auch legal" und "Womit man durchkommt, wobei man mit einem 'blauen Auge' davonkommt", kann in einer Gesellschaft, deren Funktion dieses "normal programmmierte" Über-Ich als Basis vorraussetzt, sehr weit kommen. Schönreden von Norm-Brüchen wie "....wenn es keine Benachteiligten gibt...." sind der halbe Weg auf der Strecke zur Selbst-Programmierung: man entzieht dem Einwand der Fremdnormen im Über-Ich Nährboden.

              Die heutige Politik zeigt sehr gut, was "Gewissen" heutzutage noch wert ist: In der Zeit der Gesetzgebung für die Bundesrepublik wurde das Gewissen noch als hohes, eigenes Kontrollorgan angesehen; die Abgeordneten sind ihrem "Gewissen" gegenüber gesetzlich verpflichtet (Art. 38 GG) - was die inzwischen so alles mit ihrem Gewissen vereinbaren können, verbirgt sich hinter Euphemismen wie "Politsponsoring" oder auch die Streichung des Begriffs "Vetternwirtschaft" und die nahtlose Ersetzung desselben durch "social networking" mit dem dringenden, wiederholten Appell an die Bevölkerung, da mitzumachen. Einzelfälle wie der Freiherr zu Guttenberg, Frau Koch-Merin (beide mit zweifelhafter Doktorarbeit), diverse Dienstwagen- oder Bonusmeilen-Affären usw. zeigen entweder die Beugungsfähigkeit des Gewissen, den Niedergang desselben als inneres, erstes Kontrollorgan der kulturtypischen Ethik oder belegen die prinzipielle Selbst-Programmierbarkeit des Über-Ichs.

              Ich hoffe, daß hilft dir weiter
              Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

              Star Wars 7? 8? Spin-Offs? Leute, das Haftmittel für meine Dritten macht bessere Filme!

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              • #8
                Zitat von Uriel Ventris Beitrag anzeigen
                Ich finde Lügen sowieso richtig, wenn es keine Benachteiligten gibt und man sich einen Vorteil verschafft.
                Darf ich dich haben?
                Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
                Gewissen ist künstlich, ein Ergebnis von Indoktrination in der Aufzucht-Phase des Menschen. Dem Jungmenschen werden da allerlei Verhaltensmaßregeln eingetrichtert, die allgemein auf das Leben in der Kultur und nach den Regeln der Gesellschaft vorbereiten sollen, in die der betroffene Jungmensch geboren wurde. Damit können Menschen zu vollkommen unterschiedlichen Gewissensbissen erzogen werden. In einer Gesellschaft, die offen nach dem Recht des Stärkeren lebt, bekommt ein Mensch also eventuell Gewissensbisse, weil er Mitleid mit einem Schwächeren hatte und den ziehen ließ; in einer Gesellschaft wie der unseren kommen die Gewissensbisse, weil man die Schwäche eines anderen ausgenutzt hat - das ist der Punkt, den das Schaubild nicht zeigt. Denn "richtig" und "falsch" hängen davon ab, welche Werte vermittelt wurden.
                Da gebe ich dir vollkommen Recht, wie ich es ja auch schon so ähnlich geschrieben habe:
                Zwar können Werte angepasst werden, da sie sich auf eine jeweilige Gesellschaft beziehen und die Zielvorstellungen dieser sich auch unterscheiden, jedoch sollten sie niemals gegen die Würde des Menschen verstoßen. Genauso sehe ich das auch mit den Normen, welche sich ja auch von Gesellschaft zu Gesellschaft ändern, denn überall sind die Anforderungen an eine Person verschieden. Deshalb ist das Gewissen meiner Meinung nach eigentlich immer an einem Grundprinzip ausgerichtet, nämlich die Würde des Menschen zu achten.

                Natürlich beziehst du dich hier darauf, dass man nie entscheiden kann, was falsch und richtig ist, da es unterschiedliche Normen und Werte in den verschiedenen Gesellschaften gibt. Hier unterscheidet sich deine Aussage von meiner, denn egal in welcher Gesellschaft man sich auch zu befinden vermag, so ist es nach meiner Einschätzung ein Grundprinzip des Gewissens das man die Würde des Menschen zu würdigen vermag. In manchen Ländern mag das Menschenleben womöglich nicht viel Wert sein und auch der Mensch als Person wird vielleicht nicht geachtet, aber Nichts desto Trotz halte ich es einfach als Vorraussetzung, dass man jedes Leben würdigt und achtet. Ich stehe nicht im Recht zu behaupten, was falsch und richtig ist – das möchte ich auch überhaupt – aber nach meiner persönlichen Anschauung kann ein Gewissen erst richtig entwickelt werden, wenn man die Würde des Menschen und der Lebewesen zu achten vermag. Worauf sollte man sonst sein Gewissen bilden können.

                Das Über-Ich wird fremdgefüttert, ferngesteuert. Wer lernt, sein Über-Ich umzuprogrammieren mit Wertnormen wie "Wenn ich damit durchkomme, ist es auch legal" und "Womit man durchkommt, wobei man mit einem 'blauen Auge' davonkommt", kann in einer Gesellschaft, deren Funktion dieses "normal programmmierte" Über-Ich als Basis vorraussetzt, sehr weit kommen.
                Ich denke nicht, dass man das gleich als Normen bezeichnen kann, aber wenn ich z.B. mich an irgendeinen Ort aufhalte, wo ich eigentlich nicht sein dürfte, aber es für keinen Beteiligten einen Nachteil ergibt, sondern es nur von Seiten des Staates verboten ist, so habe ich kein schlechtes Gewissen, denn ich habe nichts Anderes als vielleicht das Gesetz gebrochen, was in dem Fall aber für niemanden irgendeinen Nachteil ergibt, außer für mich, falls ich erwischt werden würde.

                Schönreden von Norm-Brüchen wie "....wenn es keine Benachteiligten gibt...." sind der halbe Weg auf der Strecke zur Selbst-Programmierung: man entzieht dem Einwand der Fremdnormen im Über-Ich Nährboden.
                Aber wieso denn? Wenn ich etwas tue, was nicht rechtens ist, aber niemanden einen Nachteil bringt, so brauche ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich einen Nutzen aus dem ziehe, was ich getan habe, aber zugleich niemand anderen dadurch benachteilige. Das Gewissen sollte doch davon nicht betroffen sein. Natürlich könnte ich mir selbst dann ins Gewissen reden, dass das schlecht war, aber solange es niemanden negativ beeinflusst oder getroffen hat, mache ich mir persönlich darüber wenige Gedanken und mein Gewissen – falls ich so was besitze – ist dann sicherlich nicht betroffen.

                Die heutige Politik zeigt sehr gut, was "Gewissen" heutzutage noch wert ist: In der Zeit der Gesetzgebung für die Bundesrepublik wurde das Gewissen noch als hohes, eigenes Kontrollorgan angesehen; die Abgeordneten sind ihrem "Gewissen" gegenüber gesetzlich verpflichtet (Art. 38 GG) - was die inzwischen so alles mit ihrem Gewissen vereinbaren können, verbirgt sich hinter Euphemismen wie "Politsponsoring" oder auch die Streichung des Begriffs "Vetternwirtschaft" und die nahtlose Ersetzung desselben durch "social networking" mit dem dringenden, wiederholten Appell an die Bevölkerung, da mitzumachen.
                Die haben es schon damals nur mit reingesetzt, weil es sich vertrauensvoll und gut anhört. Ich glaube nicht, dass damals jeder nach seinem Gewissen gehandelt hat. Es schaut allgemein gut aus, wenn eine solche Äußerung im Grundgesetz enthalten ist. Es gibt bestimmt genug Formulierungen in Gesetzen, etc., die schon lange kein Bestand mehr haben bzw. eher noch nie Bestand hatten. Diese sollte man einmal überarbeiten und bei Gelegenheit könnte man das Grundgesetz in eine Verfassung umbenennen, jetzt wo Deutschland wieder vereinigt ist.

                Einzelfälle wie der Freiherr zu Guttenberg, Frau Koch-Merin (beide mit zweifelhafter Doktorarbeit), diverse Dienstwagen- oder Bonusmeilen-Affären usw. zeigen entweder die Beugungsfähigkeit des Gewissen, den Niedergang desselben als inneres, erstes Kontrollorgan der kulturtypischen Ethik oder belegen die prinzipielle Selbst-Programmierbarkeit des Über-Ichs.
                Mit dem Wort „zweifelhaft“ hast du es aber sehr höflich ausgedrückt.

                Ich hoffe, daß hilft dir weiter
                Danke, Danke.
                Nur wer vergessen wird, ist tot.
                Du wirst leben.

                ---- RIP - mein Engel ----

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                • #9
                  Zitat von Vanth_ Beitrag anzeigen
                  ....Ich denke nicht, dass man das gleich als Normen bezeichnen kann, aber wenn ich z.B. mich an irgendeinen Ort aufhalte, wo ich eigentlich nicht sein dürfte, aber es für keinen Beteiligten einen Nachteil ergibt, sondern es nur von Seiten des Staates verboten ist, so habe ich kein schlechtes Gewissen, denn ich habe nichts Anderes als vielleicht das Gesetz gebrochen, was in dem Fall aber für niemanden irgendeinen Nachteil ergibt, außer für mich, falls ich erwischt werden würde....
                  Weil das von deiner Wahrnehmung abhängig ist, und die ist nur menschlich und daher selten vollständig genug, um ein "Ganzes" als Abbild der Situation zu rekonstruieren. Nehmen wir mal dein Beispiel. Nehmen wir weiterhin an, du hast wirklich niemanden bemerkt, und du hast dich nur umgeschaut. Deiner Wahrnehmung nach gibt es niemand Geschädigten. Damit "beruhigst" du dein Gewissen. Man könnte auch annehmen, dein Gewissen ist nicht ausreichend ausgebildet oder die Indoktrination der Jungmenschen von heute ist nicht mehr stark genug, um durch den bloßen Bruch eines Gesetzes noch "schlechtes Gewissen" zu verursachen. Oder die Wahrnehmung der Jungmenschen von heute ist zu egozentrisch (im ureigensten Sinne des Wortes). Eine Abgestumpftheit gegenüber möglichen Konsequenzen könnte auch möglich sein. Wir haben: a) ein abgesperrtes Gelände und b) einen Jungmenschen Vanth_ mit nicht unterdrückter Neugier. Vanth_ fragt sich aber nicht:

                  - Wieso ist das Gelände abgesperrt?
                  - Wenn jemand sich die Mühe macht, einen Zaun zu setzen, platziert dieser Jemand dann vielleicht auch Kameras?
                  - Ist der Zaun mit einem stillen Alarm zu einem Wachdienst/Objektschutz verbunden?

                  Wenn jemand sich die Mühe macht, ein Gelände abzusperren, kann der Grund dafür die technische Weiterführung des instinktiven Revierverhaltens sein. Genauso gut kannst du aber auch in ein biologisches Messgebiet gestapft sein und mit im Versuchsaufbau nicht geplanten Vanth_-Werten die Messung eines Monats ruiniert haben Wenn Kameras installiert waren, besteht die Möglichkeit, daß du darauf nachträglich nachhaltig aufmerksam gemacht wirst; in diesem Fall wird sich vermutlich dein "schlechtes Gewissen" nachträglich bemerkbar machen.

                  Wenn es einen stillen Alarm zu einem schlechten Objektschutz gab, der erst 20 Minuten nach deinem Verlassen des Geländes eintraf, wirst du nie erfahren, daß du einem Frührentner einen Abend seines sonst total ruhigen Jobs unnötige Arbeit beschert hast und der Wachschutzfirma Benzinkosten (erhöhte Betriebskosten). Wenn der Vertrag auf 'ner Minipauschale mit Aufpreis "pro Ausrücken" abgeschlossen wurde, hast du dem Besitzer des Geländes auch Geld gekostet. Aber wenn du nicht erwischt wirst, erfährst du das alles nicht und kannst dein Gewissen "aktiv" mit der "hat ja keinem geschadet"-Floskel beruhigen - bei Einhalten der Regeln bleibt dein Gewissen auch ohne diese Floskel/Selbstrechtfertigung nicht. Im Sich-selbst-Belügen ist der Mensch an sich übrigens führend in der Evolution

                  Zitat von Vanth_ Beitrag anzeigen
                  Aber wieso denn? Wenn ich etwas tue, was nicht rechtens ist, aber niemanden einen Nachteil bringt, so brauche ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich einen Nutzen aus dem ziehe, was ich getan habe, aber zugleich niemand anderen dadurch benachteilige. Das Gewissen sollte doch davon nicht betroffen sein....
                  Warum dann der Hinweis darauf, daß es ja keinen Geschädigten gibt? Wenn man kein Gewissen hat, macht man einfach das, was nicht rechtens ist, streicht den Vorteil ein, und es ist egal, ob ein Geschädigter real existiert, existieren könnte oder nach eigener Wahrnehmung nicht existiert. Wenn man ein Gewissen hat, daß sich regen könnte, man den Vorteil aber wahrnehmen will, nimmt man so viel Rücksicht dabei, daß es - nach bester eigener Wahrnehmung - keine Geschädigten gibt, und streicht den Vorteil ein, und beruhigt sein Gewissen damit, daß es ja keinen Geschädigten gegeben hat - was aber im neutral vollständigen Ganzen sehr wohl doch der Fall sein könnte, man denkt nur selbst nicht weit genug, bis ein virtuell möglicher Geschädigter im Kopf existent wird - das würde einen ja entweder zögern lassen, seinen unrechtmäßigen Vorteil zu ergreifen oder später ein "schlechtes Gewissen" bescheren Dieses teilweise vorsätzliche Nicht-weit-genug-Denken wurde bis Anfang des Jahres zB in der Atompolitik gerne in den einschränkenden "Restrisiko"-Floskeln verpackt

                  Zitat von Vanth_ Beitrag anzeigen
                  ....Natürlich könnte ich mir selbst dann ins Gewissen reden, dass das schlecht war, aber solange es niemanden negativ beeinflusst oder getroffen hat, mache ich mir persönlich darüber wenige Gedanken und mein Gewissen – falls ich so was besitze – ist dann sicherlich nicht betroffen....
                  Und wenn dieser negativ Betroffene nachträglich real auftaucht, meldet sich dein Gewissen doch ? Allein die Tatsache, vorher über einen möglichen Betroffenen nachzudenken, ist der Vorgang, in dem das Über-Ich dich an die mitgenommen Werte und Normen deiner Aufzuchtphase erinnert Kein Gewissen würde bedeuten: Eventuell Geschädigte sind egal!
                  Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

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                  Kommentar


                  • #10
                    Hervorragende Eröffnungspost, Vanth_
                    Und ein interessantes Thema.

                    Vielleicht interessiert Dich in diesem Zusammenhang die Diskussion über das Gewissen zwischen dem Theologen, Dr. Thomas Schwartz und dem Physiker Prof. Harald Lesch:
                    YouTube - Gewissen 1/3 - Harald Lesch & Thomas Schwartz
                    YouTube - Gewissen 2/3 - Harald Lesch & Thomas Schwartz
                    YouTube - Gewissen 3/3 - Harald Lesch & Thomas Schwartz

                    Leider habe ich zurzeit keinen Sound bei meinem Computer, aber dies habe ich aus einen vielen Postings im Gläubig-Thread ausgegraben:

                    Nach ca. einer Minute im 2. Video wird das Urgewissen angesprochen, welches laut Dr. Schwartz jeder Mensch hat und sich dadurch auszeichnet, dass es jeden Mensch sagt: 'Das Gute, dass soll ich tun und das Böse oder Schlechte, dass lass ich.' Er nennt es auch das erste Prinzip der praktischen Vernunft.
                    Natürlich hängt die Definition von dem, was "Gut" ist, von unserem Wertesystem ab (wird 3:24 im Video 2 angesprochen).
                    Lesch zitiert 4:20 Kant: "Handle so, dass deine Handlungen zum allgemeinen Gesetz werden können."
                    Nach rund 6 Minuten wird die Gewissensentwicklung erörtert.
                    Ab etwa der 9. Minute wird die Gewissensanlage des Kindes angesprochen. Das Gewissen erfordert aber Wissen, damit das Gewissen praktisch angewandt werden kann. Bis zu 11:30 wird die Werteentwicklung über die Erziehung kurz erläutert (Lesch: "Aufruf zur Erziehung").
                    Kurz darauf sagte sinngemäß Dr. Schwartz (12:00): "Medien sind Mittel - jedes Mittel muss dazu verwandt werden, den Menschen Werte zu vermitteln."
                    Um die 13. Minute wird die Werteabwägung (Gewissenszweifel) angesprochen.

                    Im 3. Video geht es weiter mit der Unstimmigkeit der Werte. Ich sage mal: Der Zweck darf nicht jedes Mittel heiligen.
                    Nach 3:20 werden die Manager angesprochen. Es geht um das Wertebewusstsein und der "Unkultur" des Egoismus.

                    Bei Gewissenszweifeln führt Dr. Schwartz in Bezugname zu Kant aus (8:40), dass man einen anderen Menschen niemals zum Mittel zum Zweck machen darf, sondern darauf achten muss, dass auch der andere seine Würde behält.
                    Dabei geht es auch darum, den anderen gut zu behandeln und sich die Zeit zu nehmen, über sein Gewissen zu reflektieren.
                    "Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht, und wohin sie uns führen wird. Nur eines wissen wir: Sie wird stets unter Schmerzen geboren." - G'Kar
                    Tja, ein Proton müsste man sein: Dann würde man die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf und hätte eine nahezu unendliche Lebenszeit:-) - Silvia Arroyo Camejo

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                    • #11
                      Wieso schreibst du soviel? Ich muss ins Bett.

                      Weil das von deiner Wahrnehmung abhängig ist, und die ist nur menschlich und daher selten vollständig genug, um ein "Ganzes" als Abbild der Situation zu rekonstruieren. Nehmen wir mal dein Beispiel. Nehmen wir weiterhin an, du hast wirklich niemanden bemerkt, und du hast dich nur umgeschaut. Deiner Wahrnehmung nach gibt es niemand Geschädigten. Damit "beruhigst" du dein Gewissen. Man könnte auch annehmen, dein Gewissen ist nicht ausreichend ausgebildet oder die Indoktrination der Jungmenschen von heute ist nicht mehr stark genug, um durch den bloßen Bruch eines Gesetzes noch "schlechtes Gewissen" zu verursachen. Oder die Wahrnehmung der Jungmenschen von heute ist zu egozentrisch (im ureigensten Sinne des Wortes).
                      Ich habe mich nicht umgeschaut, sondern ein Picknick mit einer Freundin in dem Gebäude gemacht. Das Gelände ist provisorisch mit einem Bauzaun umgeben und total verwachsen, sowie abrisswürdig. Das einzige was passieren kann ist, dass man durch irgendein Dach knallt. Das ist dann aber wiederum auch sein Problem.

                      Eine Abgestumpftheit gegenüber möglichen Konsequenzen könnte auch möglich sein. Wir haben: a) ein abgesperrtes Gelände und b) einen Jungmenschen Vanth_ mit nicht unterdrückter Neugier. Vanth_ fragt sich aber nicht:
                      Die nicht unterdrückte Neugier soll doch auch da sein. Wo kämen wir hin, wenn jeder nur noch nach den Maßstäben der heutigen Gesellschaft lebt? Hier ist Alles verboten. Moment…versuchst du mich gerade zu erziehen?

                      - Wieso ist das Gelände abgesperrt?
                      Weil die Stadt um die Sicherheit ihrer Bürger besorgt ist, da es ein brüchiges Gebäude beinhaltet.
                      - Wenn jemand sich die Mühe macht, einen Zaun zu setzen, platziert dieser Jemand dann vielleicht auch Kameras?
                      Dieser jemand wird dort sicherlich keine Kameras platzieren, wenn der Mist sowieso abgerissen wird.
                      - Ist der Zaun mit einem stillen Alarm zu einem Wachdienst/Objektschutz verbunden?
                      Sicherlich nicht, denn es war ein Bauzaun.

                      Wenn jemand sich die Mühe macht, ein Gelände abzusperren, kann der Grund dafür die technische Weiterführung des instinktiven Revierverhaltens sein. Genauso gut kannst du aber auch in ein biologisches Messgebiet gestapft sein und mit im Versuchsaufbau nicht geplanten Vanth_-Werten die Messung eines Monats ruiniert haben
                      Das macht Nichts. In diesem Bereich, den ich zu meinen versuche –wird sicherlich niemand eine Messung durchführen wollen. Soviel kann ich dazu sagen.

                      Wenn Kameras installiert waren, besteht die Möglichkeit, daß du darauf nachträglich nachhaltig aufmerksam gemacht wirst; in diesem Fall wird sich vermutlich dein "schlechtes Gewissen" nachträglich bemerkbar machen.
                      Wieso? Mein schlechtes Gewissen macht sich nur dann bemerkbar, wenn ich andere durch eine Tat in Mitleidenschaft gezogen habe. Wenn ich aber auf Grund eines entdeckten Fehlers meinerseits zur Rechenschaft gezogen werde, so bildet sich kein schlechtes Gewissen, da niemand einen Schaden ertragen hat, außer ich. Für meine Fehler bin ich verantwortlich und ich bin mir bewusst, was genau ich tue. Ziehe ich jemand anderen in einer Sache hinein und es fliegt z.B. auf, so mache ich mir durchaus Gedanken, ob es richtig oder falsch war bzw. mein Gewissen meldet sich zu Wort. Solange es nur mich betrifft, ist es mir egal.



                      Wenn es einen stillen Alarm zu einem schlechten Objektschutz gab, der erst 20 Minuten nach deinem Verlassen des Geländes eintraf, wirst du nie erfahren, daß du einem Frührentner einen Abend seines sonst total ruhigen Jobs unnötige Arbeit beschert hast und der Wachschutzfirma Benzinkosten (erhöhte Betriebskosten).
                      Was wäre, wenn es nie einen Alarm gäbe? Der Beruf und die damit verbundenen Arbeitsplätze wären nicht mehr nötig. Ich schaffe Arbeitsplätze. Sei ein wenig stolz auf mich.

                      Aber wenn du nicht erwischt wirst, erfährst du das alles nicht und kannst dein Gewissen "aktiv" mit der "hat ja keinem geschadet"-Floskel beruhigen - bei Einhalten der Regeln bleibt dein Gewissen auch ohne diese Floskel/Selbstrechtfertigung nicht. Im Sich-selbst-Belügen ist der Mensch an sich übrigens führend in der Evolution.
                      Ich belüg mich nicht. Oder denkst du, dass ich etwaige Dinge durchziehe ohne mich davor zu erkundigen? Nein, so naiv bin ich trotz allem nicht. Nehmen wir ein Anderes Beispiel. Wenn ich später nach Hause komme (sei es nur 19 Uhr) und ich Mama nicht Bescheid gegeben habe, wird sie mich fragen, wo ich war. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass ich mich den Tag bei einem Freund aufhielt, welcher 10 Jahre älter ist als ich. Auf Grund dieser Aussage müsste ich mir eine Moralpredigt anhören. Sage ich jedoch, dass ich in der Stadt war, so gibt es keine weiteren Nachfragen. Niemand hat ein Nachteil und ich einen Vorteil.

                      Und wenn dieser negativ Betroffene nachträglich real auftaucht, meldet sich dein Gewissen doch ? Allein die Tatsache, vorher über einen möglichen Betroffenen nachzudenken, ist der Vorgang, in dem das Über-Ich dich an die mitgenommen Werte und Normen deiner Aufzuchtphase erinnert Kein Gewissen würde bedeuten: Eventuell Geschädigte sind egal!
                      Mein Gewissen meldet sich nur, wenn ich durch eine von mir begangene Tat jemanden in Mitleidenschaft gezogen habe. Im Grunde passiert es mir eigentlich so gut wie nie, dass etwas passiert, wodurch durch meine Tat jemand in Mitleidenschaft gezogen wird. Es läuft immer andersrum.
                      Nur wer vergessen wird, ist tot.
                      Du wirst leben.

                      ---- RIP - mein Engel ----

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                      • #12
                        Deinen mehrmaligen Ausführungen "wenn ich einem anderen schade" zu Folge, funktioniert dein Gewissen wunderbar. Denn es ist nicht zu deinem Schutz da, sondern wird Jungmenschen zum Schutz der Gesellschaft anerzogen, also zum Schutz deiner Mitmenschen. Zumindest in unserer Kultur, denn in unserer Kultur gehört Rücksichtnahme auf andere ja zu einem der Kernwerte (Schutz der Menschenrechte usw.) - zumindest in der offiziellen Version. Die kleine Elite, die sich bewußt zur eigenen Bereicherung darüber hinwegsetzt, wird ihre Jungmenschen natürlich anders erziehen - natürlich inoffiziell
                        Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

                        Star Wars 7? 8? Spin-Offs? Leute, das Haftmittel für meine Dritten macht bessere Filme!

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                        • #13
                          Gewissen hat mit der Fähigkeiten des Menschen zur Scham zutun.
                          Grundlagen für Schamgefühle finden sich auch bei anderen sozialen Tieren.
                          Menschen haben aber einen beosnders hochentwickelten Grad an FÄhigkeiten zur Selbstreflektion sowie ein prospektives Gedächtnis, das Handlungsfolgen in die Zukunft projizieren kann.
                          Das Gewissen ist ein evolutionärer Schutzmechanismus, um uns von Handlungen abzuhalten, die durch die Gesellschaft geahndet werden.

                          Das ist vernünftig, denn nur Gesellschaften, die egoistisches Handeln ahnden, können altruistische Handlungen gedeihen.

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                          • #14
                            Zitat von Dannyboy Beitrag anzeigen
                            Gewissen hat mit der Fähigkeiten des Menschen zur Scham zutun.
                            Grundlagen für Schamgefühle finden sich auch bei anderen sozialen Tieren.
                            Menschen haben aber einen beosnders hochentwickelten Grad an FÄhigkeiten zur Selbstreflektion sowie ein prospektives Gedächtnis, das Handlungsfolgen in die Zukunft projizieren kann.
                            Das Gewissen ist ein evolutionärer Schutzmechanismus, um uns von Handlungen abzuhalten, die durch die Gesellschaft geahndet werden.

                            Das ist vernünftig, denn nur Gesellschaften, die egoistisches Handeln ahnden, können altruistische Handlungen gedeihen.
                            Jetzt erklär mir doch nochmal schnell, wie das so absolut mit unserer kapitalistischen Gesellschaft zusammenpassen soll
                            Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Foren-Autor aller Zeiten wurde heute von einem Bus auf der Datenautobahn überfahren.

                            Star Wars 7? 8? Spin-Offs? Leute, das Haftmittel für meine Dritten macht bessere Filme!

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                            • #15
                              Zitat von Karl Ranseier Beitrag anzeigen
                              Jetzt erklär mir doch nochmal schnell, wie das so absolut mit unserer kapitalistischen Gesellschaft zusammenpassen soll
                              Sehr gut. Die meisten kapitalistischen Handlungen erfordern die Bereitschaft zum Altruismus, um langfristig egoistische Ziele verfolgen zu können.

                              Man muss bereit sein, seinen Vorteil jetzt aufzugeben, nur mit dem Versprechen, später dafür etwas zurück zu bekommen.
                              Das ist reziproker Altruismus.

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