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Dialekte - Gut oder schlecht?

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  • Dialekte - Gut oder schlecht?

    Mich würde mal interessieren ob Ihr selber Dialekt sprecht? Oder wie steht Ihr generell zur Mundart? Welche Dialekte gefallen Euch, welche evtl. weniger?

    Ich komme darauf da ja seit einigen Jahren in Deutschland eine Trendwende in diesem Thema erkennbar ist. Während in den 70er und 80er Jahren Dialekt als etwas schlechtes angesehen wurde, weiß man heutzutage ja dass Dialekt z.B. für die Sprachentwicklung eines Kindes äußerst förderlich ist (siehe z.B. Dialekt: Vorteil oder Nachteil für Kinder? | Baby und Familie)

    Das geht jetzt immerhin sogar schon in der hochdeutsch sprechenden Stadt München so weit dass in Kindergärten Bayrischkurse durchgeführt werden: Bayrisch-Kurs für Kinder in München - SPIEGEL ONLINE

    Die Züricher sind uns da übrigens voraus: Seit 2 Jahren ist in Züricher Kindergärten Schweizerdeutsch die einzig erlaubte (!) Unterrichtssprache: Mundart im Kindergarten: Ausländer freuen sich über Hochdeutsch-Verbot | Zürich | Blick


    Persönlich finde ich - abgesehen von meinem eigenen niederbayerischen Dialekt - das schwäbische und fränkische sehr sympathisch. Grad bei Frauen hört sich das sehr süß an. Sehr schade finde ich hingegen dass manche Dialekte wie z.B. die sächsisch/thüringischen so einen negativen Ruf haben. Ein guter Kumpel von mir ist aus Thüringen, spricht sehr starken Dialekt und muss sich da öfters mal dumme Kommentare anhören.
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  • #2
    Dialekte im Allgemeinen finde ich wichtig, ein Dialekt gehört irgendwie zur Identität dazu. Gleichzeitig kennzeichnen die Dialekte (wenn auch nicht mehr so stark wie früher) verschiedene Regionen Deutschlands, was für Leute aus dem Ausland durchaus verwirrend sein kann

    Wer welchen Dialekt schön findet ist natürlich dem persönlichen Geschmack zuzuordnen. Ich bin teilweise hallenserisch, teilweise hochdeutsch aufgewachsen, habe mir außerdem verschiedene andere Dialekte ganz passabel angeeignet. Dialekte die ich mag sind Sächsisch (was ja angeblich so unbeliebt sein soll), Berlinerisch, Bayrisch, "Hessisch", Kölsch und alles was im Norden gesprochen wird. Was ich überhaupt nicht leiden kann ist Schwäbisch (wie passend, ich wohne ja in Schwaben...) und das was in Hohenlohe, sowie im Jagsttal gesprochen wird. Genau so hinterwältlerich wie die Leute ist auch die Sprache, fällt für mich persönlich nicht mehr unter Dialekt, sondern unter Krankheit.

    Einerseits finde ich es wichtig, dass man Dialekte konserviert, es würde ein wichtiger Teil unserer Kultur verloren gehen. Andererseits finde ich beispielsweise im schulischen Kontext den übermäßigen Gebrauch von Dialekten sehr bedenklich. Hier in Baden-Württemberg wird gerade ein neues Modell an Grundschulen eingeführt: Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht mehr nach Fibel schreiben lernen, sondern sollen bis einschließlich zur 4. Klasse schreiben wie sie sprechen, dazu kommt, dass die Lehrer sie nicht verbessern sollen/dürfen, also auch keine Fehler anstreichen. Diese Entwicklung halte ich für äußerst falsch, sowas kann man eventuell in Hannover machen, dort versteht man ja wegen des sehr guten Hochdeutsches auch schon sehr kleine Kinder, aber hier in Schwaben, wo Kinder nichtmal in der Oberstufe "das Maul aufkriegen" frage ich mich, was das für einen Sinn ergeben soll. Ich stelle mal die These in den Raum, dass es einfacher ist schreiben gleich "richtig" beizubringen, anstatt ab der 4./5. Klasse gegen falsch Gelerntes anzukämpfen.
    "Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir. Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde." (Danzelot von Silbendrechsler)

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    • #3
      Früha ha' ick balinert wie nischt Jutet, awa denn bin ick dahin jezooren, wo die Leute astreinet Hochdeutsch palaavern und nu' mach' ick dit nich mehr.
      Inna Schule wurde mir det rejelrecht ausjetriem, wobei det Bayrische awa witzjerweise akzeptiert war. Nur ick als Balinerin durfte nich' so re'en, wie ick wollte.
      In alltn Krimis ham übrijens die Asis oda die Bösen immer balinert, det fand ick ooch nich in Ordnung. War echt oft so, müssta ma' druff achten, wenna euch 'n alltn Tatort oder sowat reinzieht.
      Pluto for Planet!

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      • #4
        Dialekt ein interessantes Thema, was bleibt mir da als waschechter 1988 in Köln-Holweide geborener Kölner wohl überig, ja natürlich Kölsch! Kölsch ist die einzige Sprache, die man auch trinken kann und finde diesen Spruch jedes mal wieder lustig und super gut! Ich kann einiges an Kölsch, aber richtig gelernt habe ich es nie, das was ich kann ist mehr das Kneipen und Veedels Kölsch (Stadtteil Kölsch) Natürlich gehört auch das Fastelovends Kölsch dazu (Karnevals Kölsch). doch das waschechte Kölsch, sprechen seltenst Junge Leute sondern hauptsächlich die alten Kölner, die alten Generationen eben.

        Hana ja Berlinerisch hat jedes mal wieder was, ich find es faszinierend immer wenn ich in Berlin bei Freunden bin, innerhalb kürzester Zeit hat man sich das angewöhnt!
        Ich wurde als Krieger geboren. Nun sehe ich, dass der Ruf meines Herzens religiös ist. Der Krieg ist vorbei! Hört auf sie! Hört zu.

        Meine Telefonsammlung: http://www.Projekt-Telefon-Sammlung.de.tl
        Bei Facebook: https://www.facebook.com/ProjektTelefonSammlung

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        • #5
          Frueher dachte ich ja, dass alle Deutschen abgesehen von Bayern und Sachsen das gleiche Hochdeutsch sprechen. Mittlerweile hoere ich auch bei Hochdeutschsprechenden die regionalen Unterschiede heraus. Viele Bayrer sprechen komischerweise "korrekteres" Deutsch als Koelner, Hamburger oder Berliner.

          Mit den Dialekten (ausser dem Bayrischen) hingegen kenn ich mich gar nicht aus, ich kann sie aber aufgrund der Akzentunterschiede beim Hochdeutschsprechen erahnen. Was ich auf eine gewisse Art elegant finde, ist das schwäbische Deutsch.

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          • #6
            Dialekte sind der größte Feind von NSA und anderen Spitzeldiensten. Es empfiehlt sich, auch schriftlich etwa bei Facebook etc. den Dialekt zu nutzen.

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            • #7
              Zitat von Leftover Beitrag anzeigen
              Dialekte sind der größte Feind von NSA und anderen Spitzeldiensten. Es empfiehlt sich, auch schriftlich etwa bei Facebook etc. den Dialekt zu nutzen.
              Auch eine interessante Frage:
              Wer kennt noch Menschen die bei der privaten schriftlichen Kommunikation Dialekt benutzen?

              Ich persönlich schreibe privat ein paar Wörter auf Bayerisch (z.B. "i" anstatt "ich", "net" anstatt "nicht", "koa" anstatt "keine", usw.), aber in meiner Heimat ist das - vor allem im bayerischen Wald - erheblich krasser.

              Beispiel SMS von meinem Onkel:
              "Ja wad net schlecht, en sunda wenn nix dazwischa kimmd, bin i do! Schäne griaß und servus."
              Diese Art der Kommunikation ist dort auch bei jungen Leuten vollkommen normal!

              Kennt jemand sowas aus anderen Regionen?
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              • #8
                Ich selber bin mit zwölfeinhalb Jahren aus meinem Dialektumfeld Raum Berlin herausgerissen worden und habe seitdem in den unterschiedlichsten Dialekträumen leben müssen.
                Dass ich dabei meinen ursprünglichen Dialekt - den ich allerdings schon als Kind im Elternhaus nicht so richtig ausleben durfte - mehr und mehr verlor, habe ich immer als Mangel empfunden. Ich kam auch nicht so oft zurück in den Berliner Raum, wo ich ihn hätte auffrischen können.

                Allerdings habe ich vor ein paar Monaten mal frei improvisierte Geschichten auf Band gesprochen und war verblüfft, dass ich ab und zu - vor allen im Tonfall - ins Berlinerische fiel. Habe ich selber nie davor gemerkt.

                Genau wie beim Hamburger Platt ist auch das Berlinerische - und möglicherweise sämtliche Dialekte - eine Möglichkeit, mentale Empfindungen auszudrücken, die das Hochdeutsche nicht ermöglicht.

                So wurde mal in einem plattdeutschen Profi-Theater ein Stück von Henrik Ibsen (Norweger) auf Platt gespielt, und es war voll faszinierend, wie allein durch diese Sprache das Verhältnis der Personen zueinander und die Atmosphäre des Stückes in einer Weise vermittelt wurde, die auf Hochdeutsch gänzlich unmöglich ist. Es war alles weicher, intimer.

                Das ist der Hauptgrund, warum ich stark dafür plädiere, dass man seinen Dialekt möglichst behält und sich Raum schafft, sich in ihm auszudrücken. Das Hochdeutsche müssen sowieso alle können, und das finde ich auch in Ordnung.

                Platt ist in Norddeutschland teilweise wieder Schulfach, das begrüße ich sehr.

                Es ist wahr, dass manche Dialekte für manche Ohren nicht so toll sind. Aber wenn man insgesamt Dialekte liebt, dann kann man die Schönheit und Eigenart eines jeden Dialektes würdigen lernen.

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                • #9
                  Die Frage ob Dialekte gut oder schlecht sind, lässt sich nicht abschließend beantworten. Dialekte haben Vor- aber auch Nachteile.

                  Dialekte bieten eine unglaublich gute Möglichkeit zur Identifikation mit der Heimat. Dort wird man verstanden und versteht die anderen auch, andere werden dahingehend ausgegrenzt, man muss zu einer anderen Sprachebene (Hochdeutsch) wechseln, damit man dann noch verstanden wird. Sowas stärkt die Bande untereinander und ist deswegen natürlich vorteilhaft.

                  Andererseits bin ich kein großer Freund von einer Zersplitterung der Sprachen. Ich wäre glücklicher, wenn jeder Mensch die selbe Sprache könnte, das würde in vielen Gebieten unglaublich hilfreich sein.

                  Tendenziell bin ich Dialekt stark abgeneigt, weil der in der Regel nur dazu genutzt wird, andere nicht an Unterhaltungen teilhaben zu lassen. Das mag man ja einmal ganz lustig finden, wenn das aber permanent so passiert (und zwar nicht, weil es die dritte Person nichts anginge, sondern nur aus Bosheit), dann werden Dialekte schnell nervig. Eventuell würde ich das anders sehen, wenn ich selbst Dialekt spräche, aber ich spreche und verstehe nur Hochdeutsch und da ist man dann gerne mal Opfer.
                  "But who prays for Satan? Who in eighteen centuries, has had the common humanity to pray for the one sinner that needed it most, our one fellow and brother who most needed a friend yet had not a single one, the one sinner among us all who had the highest and clearest right to every Christian's daily and nightly prayers, for the plain and unassailable reason that his was the first and greatest need, he being among sinners the supremest?" - Mark Twain

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                  • #10
                    Zitat von V-o-l-k-e-r Beitrag anzeigen
                    Die Züricher sind uns da übrigens voraus: Seit 2 Jahren ist in Züricher Kindergärten Schweizerdeutsch die einzig erlaubte (!) Unterrichtssprache: Mundart im Kindergarten: Ausländer freuen sich über Hochdeutsch-Verbot | Zürich | Blick
                    Von Dialekten und einem Hochdeutschverbot halte ich nicht viel. Das erschwert nur unnötig die Kommunikation. Manche Leute können anscheinend nur Dialekt, dann wird es schwierig. Ich gebe mir durchaus Mühe, Dialekte zu verstehen, aber mehr auch nicht. Ich sehe es nicht ein, Dialekte auch noch zu fördern. Hochdeutsch mit ein bisschen Akzent und ein paar eingesprengselten Wörtern, so wie das "Bayrische", was man im Fernsehen manchmal so hat, ist natürlich noch lange kein Dialekt. Das stört mich auch überhaupt nicht.

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                    • #11
                      Zitat von Amaranth Beitrag anzeigen
                      Ich wäre glücklicher, wenn jeder Mensch die selbe Sprache könnte, das würde in vielen Gebieten unglaublich hilfreich sein.
                      Vor allem für Headhunter und die Werbeindustrie. Und natürlich für die NSA und wer uns sonst noch alles bespitzelt.

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                      • #12
                        Ich komme aus Schleswig-Holstein aber ich rede eigentlich nur hochdeutsch. Interessiere mich aber nicht so für Dialekte. Natürlich darf jeder sein Dialekt reden.
                        Hochdeutsch in der Schweiz zu verbieten, finde ich blöd, dass erschwert doch nur die Kommunikation unnötig.
                        Nicht versuchen, tu es oder tu es nicht, es gibt kein Versuchen. (Yoda)

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                        • #13
                          Zitat von Leftover Beitrag anzeigen
                          Vor allem für Headhunter und die Werbeindustrie. Und natürlich für die NSA und wer uns sonst noch alles bespitzelt.
                          Man muss aber auch hinter allem ne Verschwörung wittern, oder?
                          Eigentlich sollten wir mit jedem einzigartigen Gesprächspartner, den wir haben, sofort eine Geheimsprache entwickeln. Weil die NSA keine Dialekte lesen kann.
                          Schonmal darüber nachgedacht, dass manche einfach extreme Schwierigkeiten haben, Sprachen zu lernen und es deswegen einfach nützlich sein würde, wenn jeder die gleichen Worte verwendet?
                          "But who prays for Satan? Who in eighteen centuries, has had the common humanity to pray for the one sinner that needed it most, our one fellow and brother who most needed a friend yet had not a single one, the one sinner among us all who had the highest and clearest right to every Christian's daily and nightly prayers, for the plain and unassailable reason that his was the first and greatest need, he being among sinners the supremest?" - Mark Twain

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                          • #14
                            Ein deutscher Staatsbürger sollte in der Lage sein, Deutsch zu sprechen, d.h Hochdeutsch. Punkt!Wenn jemand darüber hinaus der Meinung ist, seine Kinder provinzialistisch aufziehen zu müssen, soll er das tun, aber irgendwelche Kulturpreise würde ich dafür nicht verleihen.
                            I reject your reality and substitute my own! (Adam Savage)

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                            • #15
                              Zitat von Amaranth Beitrag anzeigen
                              Man muss aber auch hinter allem ne Verschwörung wittern, oder?
                              Wieso Verschwörung? Ist die NSA-Spitzelei für dich eine Verschwörung? Oder die gezielten Werbeattacken auf Basis von Profilen, die die Werbeindustrie über Menschen zusammenträgt?

                              Eigentlich sollten wir mit jedem einzigartigen Gesprächspartner, den wir haben, sofort eine Geheimsprache entwickeln. Weil die NSA keine Dialekte lesen kann.
                              Richtig, das kann sie nicht.
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                              Schonmal darüber nachgedacht, dass manche einfach extreme Schwierigkeiten haben, Sprachen zu lernen und es deswegen einfach nützlich sein würde, wenn jeder die gleichen Worte verwendet?
                              Ja. Ich habe darüber nachgedacht und das als nicht erstrebenswert empfunden. Kommunikation funktioniert über viel mehr Ebenen als Sprache. Wer will, der kann auch. Unabhängig seiner Sprachfertigkeiten. Eine sprachliche Reinrassigkeit wäre weder verlockend noch nützlich.

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