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Haiti: neues Beispiel für einen gewaltsamen "Regimewechsel"

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  • Haiti: neues Beispiel für einen gewaltsamen "Regimewechsel"

    In Haiti wurde letztes Wochenende der gewählte Präsident Jean-Bertrand Aristide gestürzt. Nach eigener Aussage wurde er durch US-Soldaten gezwungen Haiti zu verlassen und nach Zentralafrika entführt. Zuvor hatte die US-Regierung und die französische Regierung deutlich gemacht, dass sie Aristide nicht helfen würden sich gegen die "Rebellen" zu verteidigen. Die "Rebellen" sind Reste der Armee und Milizen (z.B. der FRAPH), die während der Militärdiktatur Anfang der 1991-94 ein Terrorregime über Haiti errichteten.

    Haiti hatte sich 1804 durch einen Aufstand der Sklaven die Unabhängigkeit von Frankreich erkämpft. 1915 war von den USA besetzt worden, die sich erst 1934 wieder zurückzogen. Sie installierten die Diktatur der Duvaliers als ihre Interessenvertretung. Nach dem Sturz des Diktatur "Baby Doc" Duvaliers 1986, wurde 1991 Aristide zum Präsidenten gewählt. Aristide hatte sich schon zu Zeiten der Diktatur einen Namen als Verfechter der Rechte der Armen gemacht. Auf diese Ruf stützte sich auch noch, als er schon längst eine andere Politik machte. 1991 wurde Aristide nach achtmonatiger Regierungszeit durch einen Militärputsch gestürzt, der von der Regierung Bush sen. unterstützt wurde. Die heutigen "Rebellen" gehören zu den Verantwortlichen für die Verbrechen der Militärdiktatur. Diese wurde 1994 durch eine Invasion der USA gestürzt, die erneut Aristide einsetzten. Allerdings musste sich Aristide verpflichten die IWF-Vorgaben zu erfüllen, was bedeutete, dass er eine Politik gegen die Armen machen musste. Jetzt wurde Aristide erneut durch einen Putsch gestürzt. P. J. Patterson, der Premierminister Jamaicas, der gegenwärtig der Gemeinschaft karibischer Staaten CARICOM vorsteht, kritisierte den Sturz:
    Die Absetzung von Präsident Aristide [...] schafft einen gefährlichen Präzedenzfall für demokratisch gewählte Regierungen an jedem Ort, denn sie fördert die Beseitigung ordentlich gewählter Personen von Regierungsämtern mit Hilfe aufständischer Truppen.
    Quelle
    Resistance is fertile
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    The only general I like is called strike

  • #2
    Bezueglich der angewendeten Gewalt steht Aussage gegen Aussage - Colin Powell gegen Aristide. Wem glaube ich eher? Natuerlich Colin Powell.
    Aristide haette auf Haiti nicht mehr lange gelebt, gut fuer ihn, dass ihn die Staaten ausgeflogen haben. Wenn er noch einen Tritt in den Hintern gekriegt hat, hat der Treter auch ohne voelkerrechtliche Grundlagen meine Sympathie. Wir reden immerhin von Aristide, einem Menschen, der sich selbst massiv bereichert hat, waehrend seine Waehler verhungerten.

    Dass jetzt nichts besseres nachkommen wird, ist allerdings sehr bedauerlich. Die Haitianer sind ja wirklich arm dran, eine so geschundene Bevoelkerung...
    Der Mensch ist endlich auch ein Federvieh, denn gar mancher zeigt, wie er a Feder in die Hand nimmt, dass er ein Viech ist.
    Johann Nestroy

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    • #3
      Ich muss auch sagen, Powell ist der einzige aus der Bush-Administrative, dem ich auch nur ein Wort glaube.
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      • #4
        Also nach den "Beweisen" *lol* für die Massenvernichtungswaffen im Irak die Powell der UN vortrug traue ich Powell genau so weit wie ich einen M 1 A 1 Abrams Panzer werfen kann ! Jeder kann sich denken dass dies nicht sehr weit ist !
        “Are these things really better than the things I already have? Or am I just trained to be dissatisfied with what I have now?”― Chuck Palahniuk, Lullaby
        They have nothing in their whole imperial arsenal that can break the spirit of one Irishman who doesn't want to be broken - Bobby Sands
        Christianity makes everyone have this mentality that escapism is a bad thing. You know "Don't run away from the real world - deal with it." Why ? Why should you have to suffer? - Marilyn Manson

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        • #5
          kann es sein dass der spruch aus einer b5 folge kommt in der sheridan zu bester meint , dass er ihm nur so weit traut wie er die station werfen kann ?
          Kurdy: All right now, you're gonna do this calm like we planned, right?
          Jeremiah: Yeah, calm's my middle name.
          Kurdy: Too bad your last name is "Before-The-Storm".

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          • #6
            ...was wäre denn gewesen, wenn Aristide geblieben wäre? So wie ich das mitbekommen habe waren die Rebellen gerade dabei, sich auf einen Angriff auf Port-au-Prince vorzubereiten...also wahrscheinlich wäre Aristide wenn er geblieben wäre heute tot und mit ihm noch ne ganze Menge Leute mehr...
            "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
            "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

            Member der NO-Connection!!

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            • #7
              Original geschrieben von Nicolas Hazen
              Also nach den "Beweisen" *lol* für die Massenvernichtungswaffen im Irak die Powell der UN vortrug traue ich Powell genau so weit wie ich einen M 1 A 1 Abrams Panzer werfen kann ! Jeder kann sich denken dass dies nicht sehr weit ist !
              Ja, aber wenigstents hatte Powell den Anstand, dabei rot zu werden.
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              • #8
                Original geschrieben von LuckyGuq
                Ja, aber wenigstents hatte Powell den Anstand, dabei rot zu werden.
                Das konnte ich damals im Sicherheitsrat nicht erkennen. Hast du dafür einen photographischen Beweis? Ich stimme Nic zu. Die Glaubwürdigkeit von Powell ist nach den ganzen Lügen in Bezug auf die Massenvernichtungswaffen gleich null.
                Original geschrieben von notsch
                ...was wäre denn gewesen, wenn Aristide geblieben wäre? So wie ich das mitbekommen habe waren die Rebellen gerade dabei, sich auf einen Angriff auf Port-au-Prince vorzubereiten...also wahrscheinlich wäre Aristide wenn er geblieben wäre heute tot und mit ihm noch ne ganze Menge Leute mehr...
                Darum geht es nicht. Die Frage ist, welche Rolle haben die ehemaligen Kolonialmächte, also USA und Frankreich, gespielt? Wurde Aristide gewaltsam zum Rücktritt gezwungen? (hierfür spricht nicht nur die Aussage Aristides, sondern auch weitere Presseberichte). Was haben sie mit den ehemaligen Todesschwadronen der Militärdiktatur ("Rebellen") zu tun? Es ist klar, dass ein Teil dieser Leute in den USA ausgebildet wurde. Genauso ist es klar, dass sowohl die US-amerikanische, als auch die französische Regierung Aristide zum Rücktritt aufgefordert haben und das Vorgehen der Todessschwadronen nicht deutlich verurteilt haben. Diese Einheiten sind aus der Dominikanischen Republik mit Waffen der dominikanischen Armee in Haiti eingefallen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dafür alleine die dominikanische Regierung verantwortlich ist und z.B. das Bush-Regime keine Rolle gespielt hat.

                Im übrigen geht es mir nicht um die Verteidigung Aristides. Dieser hat eine neoliberale Wirtschaftspolitik gemacht und eigene Todesschwadronen und Schlägertrupps gegen friedliche Demonstranten eingesetzt. Nur die "Rebellen" sind für den Tod von Tausenden während der Militärdiktatur 1991-94 verantwortlich und ihre gewaltsame Machtergreifung verheisst nichts gutes. Vielleicht werden die USA diesen Sweat-Shop-Besitzer (Andre Apaid) als demokratisches Feigenblatt für die alten Militärs installieren, was aber kaum etwas am Charakter der neuen Regierung ändern dürfte.
                Resistance is fertile
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                • #9
                  Was ist das Problem mit Apaid - das ist doch der Millionaer, der diese Gruppe 184 anfuehrt, oder?
                  OK, er ist zu weiss fuer die Haitianer, aber ich meine, objektiv betrachtet.
                  Ausserdem besser ein Feigenblatt als gar nichts. Und bisher gehe ich mal davon aus, dass der Typ anstaendig ist (habe noch nichts anderes von ihm gehoert).

                  Haiti haette ganz gute Chancen, den Wohlstand zu heben (Tourismus, Billigstproduktion) - und eine gleichmaessig wohlhabende Bevoelkerung neigt weniger dazu, sich regelmaessig abzuschlachten. Ein bisschen Anstand und wirtschaftliches Verstaendnis innerhalb der Regierung sollten Haiti nicht schaden.
                  Der Mensch ist endlich auch ein Federvieh, denn gar mancher zeigt, wie er a Feder in die Hand nimmt, dass er ein Viech ist.
                  Johann Nestroy

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                  • #10
                    In der Zwischenzeit gibt es einen Regierungschef fuer Haiti:

                    www.orf.at
                    Gerard Latortue wird neuer Ministerpräsident von Haiti. Dies gaben zwei führende Oppositionspolitiker gestern Abend in Port-au-Prince bekannt.
                    Der frühere UNO-Mitarbeiter Latortue war 1988 Außenminister unter Leslie Manigat, einem Vorgänger des gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide.

                    Kennt den wer?
                    Der Mensch ist endlich auch ein Federvieh, denn gar mancher zeigt, wie er a Feder in die Hand nimmt, dass er ein Viech ist.
                    Johann Nestroy

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                    • #11
                      @Locksley, max verurteilt die Militärjunta als grausame und gewalttätige Exregierung... ein Feigenblatt vor dieser Junta wäre demnach nur Fassade und die nicht zu begrüßenden alten Zustände wären hintenrum mit Billigung des Westens wieder hergestellt... nicht gut, wenn du mich fragst
                      »We do sincerely hope you'll all enjoy the show, and please remember people, that no matter who you are, and what you do to live, thrive and survive, there are still some things that make us all the same. You, me, them, everybody!«

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                      • #12
                        Nein, gar nicht gut, eigentlich ziemlich scheisse, aber vielleicht besser als wenn es gar kein Feigenblatt gaebe - wer weiss, vielleicht wird das Feigenblatt ja unterschaetzt?
                        Der Mensch ist endlich auch ein Federvieh, denn gar mancher zeigt, wie er a Feder in die Hand nimmt, dass er ein Viech ist.
                        Johann Nestroy

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                        • #13
                          Wie oft in der Geschichte gab es Solche Toyota-Feigenblätter (weil deiner Meinung nach ja wohl nichts unmöglich ist was die angeht oder wie? ) denn?

                          einmal auf 100.000 Diktaturen/Juntas/Genozide?

                          Die Chance ist nahezu gleich Null und das ist nicht fein...

                          wobei die Lage mit/um Aristide ja vorher auch nicht rosig und erträglich war und das jetzige Chaos wohl vorhersehbar...leider.
                          »We do sincerely hope you'll all enjoy the show, and please remember people, that no matter who you are, and what you do to live, thrive and survive, there are still some things that make us all the same. You, me, them, everybody!«

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                          • #14
                            Über Gerard Latortue, den neuen Ministerpräsidenten, kann ich auch nicht viel mehr sagen, als in Locksleys Zitat. Er ist anscheinend Anwalt und Unternehmensberater und hat in den letzten Jahren in Florida, wo auch die Terroristen gegen Kuba und Venezuela ihre Basis haben, einen rechten Propagandasender gegen Aristide betrieben. Bezeichnend ist aber, dass er Herard Abraham zum Minister für Sicherheit und Verteidigung ernannt hat. Der war ein führender Militär während der Diktatur von Baby Doc Duvalier und Prosper Avril. Die "demokratische Opposition" fordert auch, dass die unter Aristide aufgelöste Armee (also der Terrorapparat der Militärdiktur) wieder legalisiert werden soll. Mehrere Vertreter der "demokratischen Opposition", z.B. die Sprecher Evans Paul und Michel Gaillard, haben erklärt, dass sie keinerlei Gegensätze zu den rechten Todesschwadronen haben. Es gibt dazu anscheinend keinerlei Bestrebungen die rechten Todesschwadronen um Guy Philippe zu entwaffnen (US-Militärs haben sich explizit geweigert). Bezeichnend ist auch, dass es angeblich nicht möglich war zum Schutz von Aristide Truppen zu schicken, dies aber sofort möglich war, um den Putsch abzusichern. Dazu hat die US-Regierung verhindert, dass die Söldner (eine US-Sicherheitsfirma), die den Präsidentenpalast bewachten, verstärkt werden um Aristide zu schützen. Und es gibt immer noch den Entführungsvorwurf ...
                            Resistance is fertile
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