Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Darf man Hitler als Mensch zeigen?

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Darf man Hitler als Mensch zeigen?

    Wie schon im Guido Knopp-Thread erwähnt, kommt ja bald der Film „Der Untergang“ in unsere Kinos. Es ist eines der ehrgeizigsten und auch teuersten Filmprojekte aus Deutschland überhaupt. Der Film handelt von Hitlers letzten Tagen in Führerbunker und zeigt ihn als gebrochenen, an Parkinson leidenden alten Mann mit zunehmenden Realitätsverlust. Fast könnte man Mitleid mit ihm bekommen und genau daran scheiden sich die Geister.
    Darf man eines der größten Monster der Geschichte als mitleideregendes Wrack zeigen oder ist es zu einfach, ihn als Monster zu bezeichnen?

    Bruno Ganz als Hitler am Ende

    Ich persönlich kann dazu jetzt auch noch nicht allzu viel sagen , da ich den Film noch nicht kenne. Allerdings gab es ja schon einiges an Pressestimmen.
    Prinzipiell finde ich es aber richtig, auch diese Seite Adolf Hitlers einmal zu betonen. Schon allein weil es helfen könnte, seinen Bewunderern mal die Augen zu öffnen und ihnen zu zeigen, was für ein armseliges Wesen er im Grunde doch war.

    In dem Zusammenhang möchte ich auch mal auf den Zweiteiler „Hitler – Aufstieg des Bösen“ verweisen. Diese Produktion beschäftig sich mit Hitlers Jugend und Werdegang bis hin zu seiner Machtergreifung und musste sich, soweit ich weiß, ähnliche Vorwürfe wie „Der Untergang“ gefallen lassen.
    RTL2 zeigt diese US-Produktion am 24.9 und 25.9. Im Anschluss an den zweiten Teil werden dann noch mal beide Teile zusammen gezeigt.

    Robert Carlyle als aufstrebender Diktator

    In Erwartung einer hoffentlich sachlichen Diskussion:
    succo
    Ich blogge über Blogger, die über Blogger bloggen.

  • #2
    Ich finde das Thema sehr interessant!


    Also mich interessiert der Film auch sehr. Vielleicht gehe ich sogar rein. Weil ich bis jetzt nur positives über den Film gehört habe. Besonders Bruno Ganz als Darsteller.

    Meiner Meinung nach ist es richtig Hitler auch mal aus einen anderen Blickwinkel zu zeigen. Auch wenn er krank und bösartig war. Vielleicht kann man dann eher "verstehen" wie er solche folgenschweren Entscheidungen treffen konnte.

    Der Werdegang interessiert mich auch. Möchte auch mal etwas über die Kindheit erfahren. Auch wie dieser Rassenwahn entstanden ist. Auch das Paradox der arischen "Übermensch" Figur, weil er dem ja gar nicht entsprach.


    Für mich ist Hitler nicht "das größte Monster" der Geschichte. Es hat noch zahlreiche andere Tyrannen gegeben, die auch genug Unheil angerichtet haben. Siehe römisches Reich.

    Z.B war Stalin auch nicht viel besser. Er hat das nur nach innen ausgetragen. Hitler und die Nazis wollten ein Weltreich und machten die Judenverfolgung öffentlich.

    Hitler alleine konnte sowas sowieso nicht anrichten. Er konnte gut überzeugen und manipulieren, aber das wahre Böse war die Ideologie der Nazis allgemein. Das Böse als Kollektiv gebündelt.

    Er war ein sehr kranker Mensch mit einer falschen Position.

    Kommentar


    • #3
      Ich persönlich denke, dass dieser Film sicher nicht zur Aufgabe hat den "Führer" zu verharmlosen. Vielmehr glaube ich, dass Leute im Stande sein sollten sich sachlich mit diesem Thema auseinander setzen zu können. Mit dieser zeitlichen Distanz die mittlerweile gegeben ist, sieht man Dinge ja doch anders. In den letzten Jahren in denen soviele Details durchgesickert sind von Vertrauten, Bekannten und Mitarbeitern Hitlers erfährt man doch mehr über seine Persönlichkeit. Und mittlerweile geht es mir schon in vielen sachlichen Reportagen so, dass ich denke "was für ein armer, verbitterter, kranker Mann".

      Außerdem ist es immer leicht eine Sündenfigur zu finden der man die ganze Schuld zuschiebt - aber die gewaltige Maschinerie im Hintergrund sollte nicht außer Acht gelassen werden.

      Meiner Meinung nach ist der Film jetzt auch nicht "das" Ereignis des Jahres. Ich bewundere Bruno Ganz, dass er den Mut aufgebracht hat sich dieser schauspielerischen Leistung zu stellen - mehr aber nicht. Ich will auch nicht mutmaßen welchen Zweck der Film jetzt haben soll - Aufarbeiten der Geschichte oder reine Geldmacherei.

      Jedem gebührt hier seine eigene Meinung - keiner braucht mehr Angst haben sich zu verbrennen wenn er offen über Hitler spricht. Er war ein Monster, ein Verbrecher ein schlechter Mensch - aber genauso armselig und bemitleidenswert.

      MFG
      Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Ich bin schizophren und ICH bin es auch. :)

      It is ridiculous claiming that video games and internet influence children. For instance, if Pac-man affected kids born in the eighties, we should by now have a bunch of teenagers who run around in darkened rooms and eat pills while listening to monotonous electronic music.

      Kommentar


      • #4
        Ich hätte da mal eine Frage:

        War Hitler denn wirklich schon so alt, wie in dem Film gezeigt, irgendwie verwunderte mich diese sehr alte Darstellung sehr (sieht aus wie über 60) und war er auch wirklich so krank?

        Also wie realistisch ist dieser Film eigentlich?
        "I spent a lot of money on booze, birds and fast cars. The rest I just squandered" -George Best-

        Kommentar


        • #5
          @Doom:
          Das kommt mit der Optik schon hin. Er war Mitte 50, etwas darüber und dann musst du natürlich auch die Umstände bedenken.

          Natürlich darf man Hitler auch als Mensch zeigen, man muss es sogar.
          Und das ist auch etwas, was ich Knopp vorwerfe: Die ganze Dämonisierung führt dazu, dass man Hitler für ein "übernatürliches Böses" hält, gegen den es gar kein Mittel gegeben hätte. Das ist erstes nicht richtig und zweitens führt das an der zentralen Fragestellung vorbei.
          Republicans hate ducklings!

          Kommentar


          • #6
            Also da lief mal eine Reportage über die Krankheiten die Hitler hatte und die waren zahlreich vorhanden. Besonders Magen-Darm soll er irgendwas ärgeres gehabt haben. Auch Mangelerscheinungen in der Kindheit - nicht zu sprechen von den psychischen Gebrechen. Weiß jetzt aber nichts genaueres - ist schon zu lange her.
            Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Ich bin schizophren und ICH bin es auch. :)

            It is ridiculous claiming that video games and internet influence children. For instance, if Pac-man affected kids born in the eighties, we should by now have a bunch of teenagers who run around in darkened rooms and eat pills while listening to monotonous electronic music.

            Kommentar


            • #7
              Ich denke auch das es absolut richtig ist, Hitler als Mensch zu zeigen.
              Letzlich war er so ziemlich der Tiefpunkt dessen, was ein Mensch zu werdeb im Stande ist, und ein Studie einer solchen kranken Persönlichkeit ist sicher nichts verwerfliches, solange es nicht in den Bereich der Verharmlosung geht.
              Was die Krankheiten angeht, wird sogar teils vermutet, dass Hitler an Parkinson gelitten hat, BTW.
              “Are these things really better than the things I already have? Or am I just trained to be dissatisfied with what I have now?”― Chuck Palahniuk, Lullaby
              They have nothing in their whole imperial arsenal that can break the spirit of one Irishman who doesn't want to be broken - Bobby Sands
              Christianity makes everyone have this mentality that escapism is a bad thing. You know "Don't run away from the real world - deal with it." Why ? Why should you have to suffer? - Marilyn Manson

              Kommentar


              • #8
                Meiner Meinung nach ist es wichtig diesen Nimbus des "Satans auf Erden" von Hitler zu nehmen, den dieser macht für viele gerade jugendliche Menschen die Fazination Hitlers aus. Außerdem denke ich, dass gerade Mitleid mit diesem verbitterten, alten und kranken Mann die Zuschauer besser macht, als das mitleidlose, menschenverachtende System Hitlers.

                Im übrigen war Hitler im Gegensatz zu vielen Legenden, die so herumgeistern, nicht geisteskrank. Er war in seinem Denken und seinen Ansichten nicht viel anders als viele seiner Mitkämpfer und Zeitgenossen. Er ist letztendlich nur am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen und besaß zusätzlich noch ein wenig demagogisches Talent. Die historische Figur Hitler ist ansonsten auswechselbar.

                Zum RTL2 Zweiteiler: den halte ich für billige Quotenhascherei. Alleone der Titel
                : "Aufstieg des Bösen"... Auch die Bilder der Vorschau lassen auf ein drittklassiges Machwerk schließen, das mit imposanten Massensequenzen zu beeindrucken sucht.

                Aber mal was anderes: Hat jemanden den äußerst interessanten 2-Teiler "die Wannenseekonferenz" gesehen? Ich find ihn äußerst beeindruckend.
                Möp!

                Kommentar


                • #9
                  Ich denke auch das man ihn Zeigen darf.
                  Schließlich war er trotz seiner Weltanschauung und seiner Taten, immernoch ein Mensch.
                  "Wissenschaft ist die einzige Wahrheit, die reinste Wahrheit"

                  Kommentar


                  • #10
                    Man sollte Hitler beider Seiten zeigen. Er war natürlich ein sehr kranker Mann in beider Hinsicht. Wie kann ein Mesch so einen Hass auf Menschen entwickeln, dass ein ganzes Volk hinter ihm steht? Wieso kam es dazu, dass ein Mann der einst Kunst studieren wollte eine so fatalen Wahn bekommt und in so einer Richtung sich entwickelt wie er es getan hat? Klar hatte Hitler auch eine Art Familie. Wie man es in manchen Reportagen auf seiner Residenz in Berg des Garden sieht. Dort erkannte man private und friedliche Augenblicke. Doch tief in ihm brodelte das Monster, dass es vermochte ganze Völker auszurotten und Menschen zu quälen.

                    Ich bin auf den Film gespannt und gebe auch einen Kompliment an den Schauspieler, dass er den Mut und sein ganzen Können darin legt, solch eine "kranke Person" zu verkörpern.

                    Doch beruht der Film wirklich auf der Wahrheit. Man kann ja nicht wissen wie es wirklich geschah. Man hat zwar einige Akten oder die Sekretärin sollte noch Leben aber man kann nicht wissen wie es wirklich war.
                    ***Wer bist du? (Vorlonen!) Was willst du? (Schatten!)***
                    ***Leben heisst zu lernen wie man fliegt! (Wicked)***
                    +++Wir fallen, um zu lernen wieder aufzustehen. (Alfred Pennyworth)+++

                    Kommentar


                    • #11
                      Zitat von Cu Chulainn
                      Zum RTL2 Zweiteiler: den halte ich für billige Quotenhascherei. Alleone der Titel
                      : "Aufstieg des Bösen"... Auch die Bilder der Vorschau lassen auf ein drittklassiges Machwerk schließen, das mit imposanten Massensequenzen zu beeindrucken sucht.

                      Aber mal was anderes: Hat jemanden den äußerst interessanten 2-Teiler "die Wannenseekonferenz" gesehen? Ich find ihn äußerst beeindruckend.
                      Der Titel "Aufstieg des Bösen" klingt natürlich erst mal sehr billig. Alles in allem hat die Produktion aber recht gute Kritiken erhalten und wurde insgesamt 7 mal für den Emmy nominiert. Allerdings wurde auch hier der Vorwurf laut, einen "menschelnen" Hitler zu zeigen.

                      "Die Wannenseekonferenz" hab ich auch gesehen, aber das war doch nur ein Teil, oder?
                      Jedenfalls lief es einem schon kalt den Rücken runter, wie diese illustere Gesellschaft die "Endlösung" beschloss und nebenbei über das Essen plauderte.
                      Der Film beruht, soweit ich weiß, auch auf den Originalprotokollen.

                      Gruß, succo
                      Ich blogge über Blogger, die über Blogger bloggen.

                      Kommentar


                      • #12
                        Ich finde es wahnsinnig wichtig das dieser Film realisiert wurde.

                        Weil dieser Film so nah an der Person Hitler gedreht wurde, kann man nun endlich sagen, dass es sich um eine wirkliche Aufarbeitung unserer Vergangenheit handelt. Der Name "Knopp" kommt mir zwar bekannt vor, aber ich kenne ihn nicht. Alles was ich weis ist, dass seine Haltung gegenüber dieses Filmes falsch ist. Eigentlich das versammelte Ausland "gratuliert" uns bereits zu diesem Werk. Dieser Knopp will das Geschehene verdrängen, aber ich hoffe das mit dem Kinostart genau das Gegenteil passieren wird und die Leute noch mehr darüber reden.

                        Ich bin sehr gespannt auf diese Darstellung "Hitler als Mensch". Ich muss gestehen mein Weltbild von diesem Menschen gleichzusetzen ist mit dem Fabelwesen "Satan". Als Mensch habe ich ihn noch nie zu gesicht bekommen.
                        Just because it is the truth doesn't mean anyone wants to know about it.
                        Alle vier Jahre machen die Wähler ihr Kreuz. Und hinterher müssen sie's dann tragen. - Ingrit Berg-Khoshnavaz
                        Statt 'Gier' sagen wir 'Profitmaximierung', und schon wird aus der Sünde eine Tugend. - Ulrich Wickert

                        Kommentar


                        • #13
                          Selbst oachim Fest, Historiker und Autor des Buches "Der Untergang", sagte erst kürzlich in einem Interview auf diese Frage, daß es Hitler zweifelsfrei ein Mensch ist. Er ist eben die bösartige, dunkle Seite des Menschseins.

                          Die Bilder und Erzählungen von Hitlers Privatleben zeigen besonders deutlich, daß der gemeine Spießbürger der gefährlichste ist.
                          Bevor du dich daran machst, die Welt zu verbessern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus.

                          Kommentar


                          • #14
                            Bei den Kritikern ist der Film jedenfalls heftigst umstritten. Hier sind stellvertretend mal zwei Meinungen.

                            Contra:
                            "Der Untergang": Mitleiden mit Hitler?

                            “Der Untergang“, so nennt Bernd Eichinger seinen Film über die letzten Tage Hitlers im Bunker der Reichskanzlei. Ein Bestseller von Joachim Fest sowie die Erinnerungen der Hitler Sekretärin Traudl Junge liefern den Stoff für den 150 Minuten Film.

                            Ab 16. September wird der Film in den Kinos gezeigt. Bereits im Vorfeld der Aufführungen ereignet sich Ungeheuerliches.

                            “Mitleid mit Hitler“

                            Bruno Ganz gibt in dem Film den Hitlerdarsteller. Der Schauspieler äußerte sich öffentlich über seinen Umgang mit der Figur des Massenmörders Hitler. Herr Ganz erklärte: “Ich habe mich zu Hause geschützt, damit ich nicht zu tief eintauche und mich mit der Figur zu sehr identifiziere“ (AZ-25.8.04).

                            Offensichtlich ist es dem Schauspieler nicht gelungen, eine Identifizierung mit dem größten Massenmörder der Geschichte zu vermeiden. Bruno Ganz meinte, “er habe sogar Mitleid mit diesem armseligen Mann empfunden“. Kein Wort verliert Ganz über die Opfer Hitlers, im Gegenteil, er ist augenscheinlich von der "leidenden Kreatur" Hitler empfindlich in seinem Seelenleben getroffen. Die Seelenqualen des Herrn Ganz macht die Münchner AZ zu einem Thema, indem sie die Leser auffordert, über die Frage “Mitleiden mit Hitler“ zu diskutieren.

                            Die Entsorgung deutscher Geschichte läuft rasant ab. Mitleiden mit den nazistischen Tätern ist angesagt. Die Opfer des Genozids werden in esoterische Nebel verpackt und wehe jemand versucht, einer empfindsamen Künstlerseele wie Ganz, das Mitleiden mit dem Hauptverantwortlichen des Genozids zu verbieten. Die Normalität des reaktivierten Bösen, verführt den Hauptdarsteller Ganz, seine Figur Hitler historisch zu rehabilitieren. Ganz sagte gegenüber der Berliner Zeitung: “Die Rolle hätte einen Kern berührt, weil es sich um ein zensiertes Thema handelt“ und “Der lebende Hitler vor 1945 sei ein anderer, als der tote Hitler nach 1945 - der wäre durch die Nachwelt geschaffen worden“.
                            Die AZ fragt ziemlich vorsichtig, auf was der Schauspieler sich bezieht. Den AZ Redakteuren kann geholfen werden, Herr Ganz bezweifelt die Hitlerdarstellung nach 1945. Er wünscht sich offenbar, dass der von ihm gespielte Star Hitler ähnlich betrachtet wird, wie von vielen Deutschen bis 1945. Deshalb klagt Ganz wie die nazistischen Geschichtsrevisionisten über Zensur.
                            Den Weg bereiten ihm Filmemacher wie Bernd Eichinger, der erklärte: “Wir wollen Geschichte erzählen, nicht kommentieren“. Bernd Eichinger pflegt die Mär der wertneutralen Erzählung. In der Realität stellt sich immer die Frage, wer was erzählt und mit welcher Absicht. Sucht der Erzähler die Wahrheit in den Tatsachen oder in metaphysischen Spekulationen. Filmemacher Eichinger bereitet “wertneutral“ solchen perfiden Schlüssen, wie sie Herr Ganz an den Tag legt, den Weg. Auch der Regisseur Oliver Hirschbiegel hat etwas gegen die Ablehnung des Täters Hitler. Hirschbiegel meinte: “Die Diabolisierung und damit die Vereinfachung der Materie ging mir auf die Nerven, eine objektive Betrachtung geht nur über Hintergrundbetrachtung und nicht über Vorverurteilung“. Der Regisseur Hirschbiegel bestreitet damit kategorisch die historische Faktenlage und das gängige Urteil über die Person Hitler.

                            Gegen die Erklärungen von Ganz und Hierschbiegel protestierten einige Schauspieler aus der bundesdeutschen Filmszene sowie der bekannte Publizist und Schoah-Überlebende Ralph Giordano. Das Feuilleton der SZ vom 26. August ficht das nicht an. Unter der Überschrift “So perfide brach das Tabu“ wird eine ironische Breitseite gegen die Presse im “perfiden Albion“ (England) abgeschossen. In Wahrheit brachten einige englische Journalisten die Kritik an Bernd Eichingers Film auf den Punkt. Dem deutschen Publikum sollte diese Kritik nicht vorenthalten werden.

                            Daily Mail: “Vergibt Deutschland Hitler doch noch ?“

                            Mit dieser groß aufgemachten Schlagzeile erschien in dieser Woche die Daily Mail. Der Berliner Mail Korrespondent Allan Hall erkennt in der “Vermenschlichung“ Hitlers durch den Schauspieler Bruno Ganz den Endpunkt einer Entwicklung. Hall schreibt, “dass die Deutschen vor einiger Zeit damit begannen, sich in einer Opferrolle zu suhlen“. Damit wurde die Kriegsschuld abgeworfen, indem sie ihr eigenes Leid während des zweiten Weltkrieges in den Vordergrund stellten - Alliierte Bombardements, Massenvergewaltigung und Vertreibung. Die Folge ist nach Hall “Nazi-Light“, die sich von einer musealen Tour, “wie vom Besuch einer mittelalterlichen Burg kaum unterscheide“.
                            Scharf attackierte Hall den Historiker Guido Knopp, eine “Ein Mann Hitler Industrie“, dessen Dokumentationen über Stalingrad und Hitlers Liebhaberinnen “in der Maske ernsthafter Forschung daher kämen“.

                            Die konservative Tageszeitung Daily Telegraph kritisiert speziell einige Szenen aus dem Film “Der Untergang“. Nach dem Telegraph trete Hitler in dem Film “als onkelhafter Mensch auf, der Schokolade möge und erst in den Wahnsinn abrutsche, als ihm der Lebenstraum vom Tausendjährigen Reich entgleite. Hitler streichelt seine Schäferhündin Blondie und behandelt seine Sekretärin mit Feingefühl und Geduld.“

                            Auch für die BBC stellt der Film mit Hitler als zentraler menschlicher Gestalt “einen Tabubruch dar“. Solche Einschätzungen werden von den meisten bundesdeutschen Feuilletons nicht geteilt. In der Mitte der Gesellschaft ist man “objektiv“, “kunstbeflissen“ und sehr “mitfühlend“ gegenüber nazistischen Verbrechern.

                            Max Brym
                            Quelle

                            Pro:
                            Die Faszination des Monsters

                            Bernd Eichingers neuer Film "Der Untergang", den der NDR mitproduzierte, kommt erst in drei Wochen in die Kinos, doch schon jetzt sorgt er für Schlagzeilen. Er zeigt die letzten zwölf Tage Hitlers im Führerbunker bis zu seinem Selbstmord am 30. April 1945 und der Kapitulation des Deutschen Reiches. Bruno Ganz gibt den weinenden, cholerischen, manchmal sogar fürsorglichen Hitler - einen Diktator mit menschlichen Zügen. Darf man das? Braucht Deutschland einen solchen Film? Produzent und Drehbuchautor Eichinger findet, fast 60 Jahre danach, sei die Zeit reif. Am 16. September kommt der Film in die deutschen Kinos

                            April '45. Adolf Hitler in der Wochenschau. Er verteilt Orden für die Kindersoldaten, die lediglich Kanonenfutter sind. Jetzt nachgestellt im Spielfilm. 1 zu 1. Das meiste, was in den letzten Tagen der Naziherrschaft geschah, kann man nur aus Zeugenaussagen rekonstruieren. Was genau passierte - darüber spekulierten Historiker jahrzehntelang.


                            Authentische Rekonstruktion von Geschichte

                            Drehbuchautor und Produzent Bernd Eichinger bringt jetzt seine Version auf die Leinwand: mit dem Spielfilm "Der Untergang", der wirklichkeitsgetreue Bilder liefert. Rekonstruktion statt Interpretation. Eichinger: "Es gibt keine Moral, es ist eine ganz wesentliche Aufgabe des Unternehmens und des Drehbuchs gewesen, dass wir überhaupt in keiner Weise moralisieren, denn das wäre ja wiederum eine Interpretation dessen, was wir tun. Was wir versuchen, soweit wir das irgend können, ist, die Fakten darzustellen, die Geschichte zu erzählen. Und die Geschichte zu interpretieren. Und die Geschichte zu erzählen, heißt, sie so authentisch wie irgend möglich zu erfassen. Und dann muss der Zuschauer sich zu diesen Dingen stellen. Er selbst muss sich stellen."


                            Hitler-Filme gibt es viele. Doch bislang trauten sich - wie zum Beispiel Charlie Chaplin als "der große Diktator" nur die Anderen daran. Die Bestie als Lachnummer. Den einzigen deutschsprachigen Versuch, die letzten Tage im Führerbunker auf die Leinwand zu bringen, unternahm 1955 G. W. Pabst mit seinem Film "Der letzte Akt". Doch der Film floppte. Fast 50 Jahre später kommt jetzt Eichingers Hitler: Bruno Ganz.


                            Ganz: "Mitleid mit diesem armseligen Typen"

                            Lagebesprechung im Führerbunker. Der Krieg ist längst verloren. Bruno Ganz spielt einen hysterischen, unbelehrbaren Adolf Hitler. Bedrückend, bedrohlich. "Ich schäme mich nicht, für Bruchteile oder auch ganze Sekunden Mitleid mit diesem armseligen Typen gehabt zu haben", gibt Ganz zu. "Insofern - wenn Sie mir das politisch erlauben - habe ich auch manchmal Mitleid mit Hitler. Ich hätte ihn auch gar nicht spielen können, wenn ich nicht diese Art von Empfindungen hätte mobilisieren können. Auch diesem Mann gegenüber."


                            Das Monster als Mensch. Bruno Ganz gibt einen Hitler, der mal väterlicher Freund ist, mal cholerischer Tyrann, immer aber ein wirrer, alter Mann am Ende seiner Kräfte. Eine schauspielerische Glanzleistung! Verstörend: Hitler als netter Chef. Eine Gradwanderung.


                            Banalität im Monströsen

                            Die minutiöse Rekonstruktion der Ereignisse zeigt mitunter die ganze Banalität des Geschehens. Dann wieder ihre erschreckende Monstrosität. Heino Ferch als Albert Speer. Was die Schauspieler zeigen war so. Oder so ähnlich. Historiker und Journalisten haben bereits vor Eichinger versucht, den Nazi-Wahnsinn zu ergründen. Wieso also jetzt ein Spielfilm? Joachim Fest - Autor der Sachbuchvorlage - hält ihn für lehrreich: "Wir wissen ja inzwischen, wie sehr man auch mit Dokumentaraufnahmen lügen kann und die Wahrheit verdrehen kann. Also, es wächst ja eine zunehmende Skepsis gegen so genannte Dokumentationen. Oft ist die fiktive Darstellung eines historischen Sachverhalts authentischer als das, was wir an dokumentarischen Bildern geboten bekommen."

                            Durch die Vermenschlichung des Wahnsinns wird die Unmenschlichkeit des Systems umso spürbarer. Über so einen Kunstgriff kann man streiten. Aber gerade das macht den "Untergang" sehenswert.
                            Quelle

                            succo
                            Ich blogge über Blogger, die über Blogger bloggen.

                            Kommentar


                            • #15
                              @succo:
                              Ich habe deine Zeitungszitate jetzt nicht alle gelesen, aber das, was ich gelesen habe, finde ich hochnotpeinlich. (im contra Block).
                              Man muss da nicht so verkrampft rangehen - was darf man, was darf man nicht...

                              Man wird ohnehin zu einem tieferen Verständnis erst dann gelangen, wenn man die Schubladen und Klischees weglässt. Schubladen, die ohnehin zur Selbstentlastung enstanden sind. Denn je böser Hitler, desto unschuldiger der Rest.
                              Die Allgemeinheit benötigt offensichtlich klare Schwarz-Weiß-Bilder, aber die Geschichte ist eben nicht schwarz-weiß.

                              Die Darstellung des Leids von Deutschen ist auch nicht gleichzusetzen mit der Schaffung eines "deutschen Leids", wie das hier befürchtet wird. Es ist aber ganz eindeutig, dass im zweiten Weltkrieg auch Deutsche Leid erfahren haben. Die Betrachtung dieser Lebengeschichten nimmt dabei den Lebensgeschichten der Opfer anderer Nationen nichts weg. Auch Vertriebenenschicksale gehören aufgearbeitet.
                              Der 2. Weltkrieg war so unglaublich grausam, dass es für alle reicht. :-/
                              Und es ist durchaus möglich, dass ein und dieselbe Person "Opfer" UND "Täter" war. Die Linien zwischen Opfern und Täter lagen nicht nur zwischen "Ariern" und "Nichtariern", sondern liefen durch Familien, teilweise durch Ehebetten. Dieses wurde in den 50ern zugunsten des sozialen Friedens oder einfach aus totaler Erschöpfung alles verdrängt und es ist gut, wenn man diese Kapitel wieder aufschlägt.

                              Natürlich darf man das nicht für eine Selbstreinwaschung nutzen und darf aus den Deutschen keine reinen Opfer machen, so als seien das nationalsozialistische Regime und der Krieg wie eine Krankheit oder Naturgewalt "ausgebrochen".
                              Das halte ich für Heuchelei. Man darf bei der Betrachtung die Ursachen nicht vergessen.
                              Man darf aber auch nicht aus übertriebener political correctness denjenigen, die sich mit Vertriebenen auseinandersetzen, Geschichtsvergessenheit vorwerfen.

                              Ansonsten muss ich mir den Film erstmal angucken.
                              Republicans hate ducklings!

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X