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Warum keine Erbschaftssteuer?

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  • Warum keine Erbschaftssteuer?

    Hallo,

    sicher haben viele von euch von der Initiative eines Hamburger Millionärs gehört, der für eine Erbschaftssteuer von 10% eintritt.
    Diesem Mann zufolge würde das 16Mrd. € p.a. einbringen.

    Mit diesem Geld könnten ein 4Mrd. Hochtechnologieprogramm aufgelegt und 500 000 Menschen vollzeit beschäftigt werden.

    Nun stellt sich mir die Frage, warum die neue Bundesregierung über diese Steuer zumindest öffentlich nicht nachdenkt. Man stelle sich das mal vor: 2007 sinkt die Arbeitslosenzahl unter 4Mio. und die Binnenkonjunktur wird aufgrund der höheren Ausgaben nicht durch die Mehrwertsteuer abgewürgt. Merkel wäre doch die Heldin, ihre Wiederwahl praktisch gesichert.

    Was meint ihr spricht dagegen? Gibt es praktische Erwägungen?

    Achja, bitte keine: "Die Regierung hat sich gegen uns verschworen."/"...schenkt den Reichen Geld"/"verteilt die Risiken/Reichtümer um." Posts, davon hatten wir doch schon genug.
    können wir nicht?

    macht nix! wir tun einfach so als ob!

  • #2
    Die die grosse Summen vererben würden wandern ab?

    Ist doch genauso wie diverse Steuern auf Unternehmen usw...
    Die Grenzenlose Freiheit Einzelner Bedeutet Stets Die Begrenzung Der Freiheit Vieler!
    Willkommen in der DDR - Demokratischen Diktatur der Reichen

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    • #3
      Solange die Bonzen auch mal zur Kasse gebeten werden....

      Erbschaftssteuer für kleinere Erbschaften kommen für mich nach den ganzen anderen Belastungen nicht in Frage.

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      • #4
        Prinzipiell bon ich dafür, wenn wirklich die Reichen auch "zur Kasse gebeten werden." Aber Skymarshall hat schon recht für kleinerre Erbschaften ist diese Steuer vollkommen unnütz, man sollte daher irgendwo ein Mindestmaß festlegen, ab welcher Summe man zahlen muss.

        Nur mal eine Frage: Ist das der selbe Millionär, der auch für eine weitere Erhöhung der "Reichensteuer" ist?
        Es ist alles wahr
        Alles! Hörst du?
        Vertraue niemandem
        Nur Wahrheit schafft Unsterblichkeit

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        • #5
          Zitat von janus
          Prinzipiell bon ich dafür, wenn wirklich die Reichen auch "zur Kasse gebeten werden." Aber Skymarshall hat schon recht für kleinerre Erbschaften ist diese Steuer vollkommen unnütz, man sollte daher irgendwo ein Mindestmaß festlegen, ab welcher Summe man zahlen muss.
          Du meinst also man braucht beim Erbe auch ein Staffelsystem? Wer wenig erbt zahlt wenig und wer mehr erbt zahlt bis zu 50 %?
          Just because it is the truth doesn't mean anyone wants to know about it.
          Alle vier Jahre machen die Wähler ihr Kreuz. Und hinterher müssen sie's dann tragen. - Ingrit Berg-Khoshnavaz
          Statt 'Gier' sagen wir 'Profitmaximierung', und schon wird aus der Sünde eine Tugend. - Ulrich Wickert

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          • #6
            Zitat von blueflash
            Was meint ihr spricht dagegen? Gibt es praktische Erwägungen?

            Achja, bitte keine: "Die Regierung hat sich gegen uns verschworen."/"...schenkt den Reichen Geld"/"verteilt die Risiken/Reichtümer um." Posts, davon hatten wir doch schon genug.
            Es sind die gleichen Argumente, mit denen auch die Geschenke an die Reichen gerechtfertigt werden: "die Kohle ist für Investitionen nötig", "man muss den Standort Deutschland sichern", "Kapitalflucht verhindern" etc. etc. etc. Du kannst dir aussuchen, ob die Regierung wieder einmal die Interessen der Reichen vertritt (was übrigens offen macht und nicht etwa heimlich) oder ob sie ideologisch total verblendet ist.
            Resistance is fertile
            Für die AGENDA 3010! 30-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich und 10 Euro gesetzlichem Mindestlohn!
            The only general I like is called strike

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            • #7
              Wie kommst eigentlich auf die lustige Idee, dass es keine Erbschaftssteuer in Deutschland gibt ? Hier mal eine kleine Übersicht:

              Erbschaftsteuer

              Steuerklassen (§ 15 ErbStG):

              Steuerklasse I: Ehegatten, Kinder, Stiefkinder, Abkömmlinge der Kinder und Stiefkinder, die Eltern und Voreltern bei Erwerb von Todes wegen.

              Steuerklasse II: Eltern und Voreltern, soweit sie nicht zu Steuerklasse I gehören (bei Schenkungen), die Geschwister, Abkömmlinge 1. Grades von Geschwistern, Stiefeltern, Schwiegerkindern, Schwiegereltern, geschiedene Ehegatten.

              Steuerklasse III: Alle übrigen Erwerbe.

              Steuersätze: § 19 ErbStG.

              Stpfl. Erwerb in Steuersätze bei Steuerklasse
              EUR I II III

              --------------------------------------------------------------------------------

              52.000 7 % 12 % 17 %
              256.000 11 % 17 % 23 %
              512.000 15 % 22 % 29 %
              5.113.000 19 % 27 % 35 %
              12.783.000 23 % 32 % 41 %
              25.565.000 27 % 37 % 47 %
              über: 25.565.000 30 % 40 % 50 %

              Steuerbefreiungen (§§ 16, 17 ErbStG):

              1. Persönliche Freibeträge

              Ehegatte 307.000 EUR

              Kinder der Steuerklasse I 2 Nr. und Kinder
              verstorbener Kinder der Steuerklasse I Nr. 2
              205.000 EUR

              Übrige Personen der Steuerklasse I 51.200 EUR

              Personen der Steuerklasse II 10.300 EUR

              Personen der Steuerklasse III 5.200 EUR

              Bei beschränkter Steuerpflicht (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG) beträgt der Freibetrag 1.100 EUR.

              2. Versorgungsfreibeträge für Ehegatten und Kinder

              Überlebender Ehegatte: Neben dem persönlichen Freibetrag besonderer Versorgungsfreibetrag von 256.000 EUR .

              Kinder des Erblassers: Neben dem persönlichen Freibetrag besonderer Versorgungsfreibetrag in folgender Höhe:

              - bis zum Alter von 5 Jahren 52.000 EUR
              - bis zum Alter von 10 Jahren 41.000 EUR
              - bis zum Alter von 15 Jahren 30.700 EUR
              - bis zum Alter von 20 Jahren 20.500 EUR
              - bis zum Alter von 27 Jahren 10.300 EUR
              LANG LEBE DER ARCHON

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              • #8
                Hmm, interessant.

                Wie kommt der Typ dann zu der Aussage, in Deutschland würden Erbschaften nur mit 2% besteuert? Sind die Ausnahmetatbestände schuld?
                können wir nicht?

                macht nix! wir tun einfach so als ob!

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                • #9
                  Es gibt in der tat noch eine vielzahl von Zusatzregelungen, ich hab mir aber gedacht mit einem 40 Seiten Posting wäre niemandem geholfen.

                  Ein ziemliches Problem ist jedenfalls die Bewertung von Immobilienbesitz und ähnlichem Vermögen. Das ist extrem Aufwendig und erfolgt daher über Einheitswerte, die jedoch auf Jahrzehntealten Erhebungen beruhen. Daher werden Erbschaften sehr ungleich erfasst. Das war übrigens auch der Grund warum die früher geltende Vermögenssteuerpraxis für Verfassungswiedrig erklärt wurde
                  LANG LEBE DER ARCHON

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                  • #10
                    Zitat von matrix089
                    Du meinst also man braucht beim Erbe auch ein Staffelsystem? Wer wenig erbt zahlt wenig und wer mehr erbt zahlt bis zu 50 %?

                    Genau. Ich sehe es irgendwie nicht ein das jemand der, was weiß ich 1000 € erbt, genau soviele Prozente davon zahlt wie jemand der 1 Millionen Euro erbt.
                    Es ist alles wahr
                    Alles! Hörst du?
                    Vertraue niemandem
                    Nur Wahrheit schafft Unsterblichkeit

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                    • #11
                      Ich bin nicht dafür. Ganz einfach aus zwei Gründen:

                      1. Ich vererbe mein Geld an jemanden, den ich auswähle und möchte nichts davon Zwangs-Abgeben müssen. Dafür habe ich ein Erbe ja wohl nicht "angehäuft".
                      2. Keiner kann wirklich entscheiden, was gerechter wäre (alle gleich viel, die "Reichen" mehr usw.) und ob dies eine noch größere Kapitalflucht hervorrufen würde.

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                      • #12
                        Ich habe vor ein paar Wochen eine Rede des CSU-Landesgruppenchefs Herrn Ramsauer im Bundestag gesehen und mich hat es fast aus den Socken gehauen. Die CSU plädiert im Kern für eine Abschaffung der Erbschaftssteuer. So eine Auffassung kann man ja meinetwegen haben, aber die Begründung ist für viele Menschen sicher ein Schlag in die Magengrube. Raumsauer behauptet, diese Steuer sei unmoralisch, weil sie die Leistungsträger in Deutschland bestrafe. (siehe auch hier: Peter Ramsauer im Interview: "Neuer Klassenkampf" - WirtschaftsWoche)

                        Damit wird unterstellt, Menschen mit großem Vermögen (die Reichen also) Leistungsträger sind – Menschen ohne großes Vermögen sind das nicht. So eine Unterstellung ist eine absolute Frechheit. Viele Menschen leisten harte und gesellschaftlich notwendige Arbeit, die allerdings verhältnismäßig gering entlohnt wird. Die Rede ist von Altenpflegern, Friseusen oder Kleinstunternehmern, deren Einkommen gerade ausreicht, um die laufenden Kosten (Nahrung, Miete, Kleidung) abzudecken.

                        Eine kritische Betrachtung der Frage, wie große Vermögen überhaupt zustande kommen (nämlich z.B. durch Macht und Ausbeutung), wird von der CSU nicht vorgenommen. Sie weist auch nicht die geistige Beweglichkeit auf, um zu erkennen, dass gerade eine Ausweitung der Besteuerung von Vermögen es ermöglichen würde, alle Leistungsträger und die, die das noch werden wollen (z.B. Kinder aus sozial benachteiligten Familien), umfassender zu unterstützen.
                        Mein Profil bei Last-FM:
                        http://www.last.fm/user/LARG0/

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                        • #13
                          Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                          Ich habe vor ein paar Wochen eine Rede des CSU-Landesgruppenchefs Herrn Ramsauer im Bundestag gesehen und mich hat es fast aus den Socken gehauen. Die CSU plädiert im Kern für eine Abschaffung der Erbschaftssteuer. So eine Auffassung kann man ja meinetwegen haben, aber die Begründung ist für viele Menschen sicher ein Schlag in die Magengrube. Raumsauer behauptet, diese Steuer sei unmoralisch, weil sie die Leistungsträger in Deutschland bestrafe. (siehe auch hier: Peter Ramsauer im Interview: "Neuer Klassenkampf" - WirtschaftsWoche)

                          Damit wird unterstellt, Menschen mit großem Vermögen (die Reichen also) Leistungsträger sind – Menschen ohne großes Vermögen sind das nicht. So eine Unterstellung ist eine absolute Frechheit. Viele Menschen leisten harte und gesellschaftlich notwendige Arbeit, die allerdings verhältnismäßig gering entlohnt wird. Die Rede ist von Altenpflegern, Friseusen oder Kleinstunternehmern, deren Einkommen gerade ausreicht, um die laufenden Kosten (Nahrung, Miete, Kleidung) abzudecken.

                          Eine kritische Betrachtung der Frage, wie große Vermögen überhaupt zustande kommen (nämlich z.B. durch Macht und Ausbeutung), wird von der CSU nicht vorgenommen. Sie weist auch nicht die geistige Beweglichkeit auf, um zu erkennen, dass gerade eine Ausweitung der Besteuerung von Vermögen es ermöglichen würde, alle Leistungsträger und die, die das noch werden wollen (z.B. Kinder aus sozial benachteiligten Familien), umfassender zu unterstützen.
                          Das was du sagst ist das eine (Man kann ja am Beispiel Investmentbanker sehen, dass hohe Einkommen nicht zwangsläufig mit Leistung verbunden waren), aber es gibt noch einen sehr viel wichtigeren Punkt, warum man die Aussage des Politikers als völligen Schwachsinn bezeichnen kann. Nämlich das eine Erbschaft eben generell nichts mit Leistung zu tun hat. Ein Erbe muss nichts leisten um eine Erbschaft zu erhalten. Er bekommt eine Art von Einkommen völlig ohne Gegenleistung. Und Vorstellung dass Menschen mittlerweile nach Willen der CSU Millionen von Euro kassieren dürfen ohne einen einzigen Cent an Steuern zu zahlen, ist der größte Skandal seit der Steuerfreistellung von Veräußerungsgewinnen. Wer tatsächlich von Leistungsgesellschaft spricht und fordert dass sich Leistung lohnen soll, für den sollte es kein wichtigeres Thema geben als die Erhöhung der Erbschaftsteuer.

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                          • #14
                            Erbschaftssteuern auf Immobilien (besonders Wohnhäuser) finde ich ziemlich unsinnig, weil ja praktisch nicht bezahlbar.

                            Aber bei Gelderben sollte man mit entsprechendem Freibetrag schon eine progressive Steuer erheben. Und zwar bitte ohne großartige Ausnahmeregelungen.

                            Ich habe mich jetzt nicht so über-intensiv mit der Materie beschäfigt, aber ich finde das ganze Gezaudere schon etwas befremdlich. Ist es denn so schwer, eine einfache Regelung zu finden?
                            Flassbeck Economics | Keynes-Gesellschaft | Steve Keen's Debtwatch

                            "It is better to die for an idea that will live, than to live for an idea that will die." - Steve Biko

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                            • #15
                              Die Erbschaftssteuer entspricht doch voll und ganz dem Geist des Kapitalismus: Jeder darf sich so viel Reichtum erarbeiten, wie er will- nur kann er es halt nicht weitergeben, weil das dem Leistungsprinzip entgegensteht. Wenn der Ramsauer da grundsätzlich gegen ist, outet er sich also ganz und gar nicht als Freund des Kapitalismus.

                              Besitzer großer Eigentumswerte mit Leistungsträgern gleichzusetzen, ist natürlich auch Quatsch.
                              I reject your reality and substitute my own! (Adam Savage)

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