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Meinungsfreiheit und Wirtschaft

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  • Meinungsfreiheit und Wirtschaft

    Gestern sah ich im NDR in der Sendung "Zapp" einen interessanten Beitrag darüber, wie die dt. Wirtschaft mit der Pressefreiheit umgeht. Danach setzen Firmen vor allem kleinere Zeitungen massiv unter Druck. Dies geschieht über die Kündigung von Werbeverträgen in Zeitungen, die kritisch über Firmen berichten. In einem Fall (Baadische neue Nachrichten) wurde sogar eine Redakteurin gefeuert, weil sie kritisch über Lidl berichtete.

    Mit unserer gern gepriesenen Pressefreiheit scheint es wohl doch nicht soweit herzusein, wenn es um die Interessen von großen Unternehmen geht. Dies scheint umso erbärmilcher im Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit.
    Möp!

  • #2
    Jo, ist sicherlich eine schlimme Sache. Wenn man sich aber die Hickhack um die Lobbyisten in den USA und deren "angebliche" freiwillige Entmacht durch den Congress anschaut, dann wundert mich gar nichts. Drüben, wie hier regiert das Geld. Und eine kleine badische Redakteurin hat einfach nicht genug Geld, um auf sich aufmerksam zu machen und sich dagegen zu wehren.

    Wäre aber mal interessant, wie ihre Entlassung begründet worden ist, denn "Hat zu kritisch über einen unseren Anzeigenkunden berichtet" würde wohl kaum ein Arbeitsgericht durchgehen lassen.

    Christianity: The belief that some cosmic Jewish zombie can make you live forever if you symbolically eat his flesh and telepathically tell him that you accept him as your master, so he can remove an evil force from your soul that is present in humanity because a rib-woman was convinced by a talking snake to eat from a magical tree.
    Makes perfect sense.

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    • #3
      Zitat von Harmakhis

      Wäre aber mal interessant, wie ihre Entlassung begründet worden ist, denn "Hat zu kritisch über einen unseren Anzeigenkunden berichtet" würde wohl kaum ein Arbeitsgericht durchgehen lassen.
      Die Begründung weiß ich net, aber zu einem Prozess kam es wohl nicht, da sie nach massiven öffentlichen Protesten wieder eingestellt wurde.
      Möp!

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      • #4
        Dies ist aber nunmal ein typisches Problem des Liberalismus. Wenn ich gewisse Rechte der Allgemeinheit zugestehe, kann ich nicht auf der anderen Seite kommen und sagen: es ist aber eigentlich nicht gerecht, wenn X dieses Recht ausübt, weil ja Y von ihm abhängig ist. Es wird immer Menschen geben, die von anderen abhängig sind. Das ist ganz normal.
        (Das ist übrigens der gleiche Widerspruch, mit dem einige hier Argumentieren, die Rechte der Unternehmer einzuschränken, weil ja die Arbeitnehmer von diesen abhängig sind. In unserem Rechtsverständnis sind Bürgerrechte eben universell und nicht irgendwie "gebalanced".
        können wir nicht?

        macht nix! wir tun einfach so als ob!

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        • #5
          Zitat von blueflash
          Dies ist aber nunmal ein typisches Problem des Liberalismus. Wenn ich gewisse Rechte der Allgemeinheit zugestehe, kann ich nicht auf der anderen Seite kommen und sagen: es ist aber eigentlich nicht gerecht, wenn X dieses Recht ausübt, weil ja Y von ihm abhängig ist. Es wird immer Menschen geben, die von anderen abhängig sind. Das ist ganz normal.
          (Das ist übrigens der gleiche Widerspruch, mit dem einige hier Argumentieren, die Rechte der Unternehmer einzuschränken, weil ja die Arbeitnehmer von diesen abhängig sind. In unserem Rechtsverständnis sind Bürgerrechte eben universell und nicht irgendwie "gebalanced".
          Also damit ich das richtig Verstehe:

          Pressefreihiet aufrgrund Religionsfreiheit/ religiöse ansichten einschränken: BÖSE

          Pressefreiheit aufgrund wirtschaftlicher "Freiheit"/ Interessen einschränken: völlig in Ordnung

          ????????????????????????????????????????????????????????????????????????
          Möp!

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          • #6
            Also damit ich das richtig Verstehe:

            Pressefreihiet aufrgrund Religionsfreiheit/ religiöse ansichten einschränken: BÖSE

            Pressefreiheit aufgrund wirtschaftlicher "Freiheit"/ Interessen einschränken: völlig in Ordnung
            Nein. Natürlich nicht.
            Im Klartext: Die Pressefreiheit ist im wesentlichen ein vom Staat garantiertes Recht, das Autoren Schutz vor (juristischer) Verfolgung wegen ihrer Schreibe garantiert. Es garantiert nicht, dass jeder damit einverstanden sein, muss, was eine Zeitung schreibt. Was eine Zeitung schreibt ist ja auch nicht automatisch richtig.
            Auf der anderen Seite genießt die Wirtschaft das Recht der Vertragsfreiheit. D.h. sie kann nicht gezwungen werden, "gerechterweise" irgendwelche Verträge einzugehen oder nicht zu kündigen. Das sind beides Bürgerrechte.
            Durch die Kündigung wird ja nicht die Pressefreiheit eingeschränkt. Vielmehr steht die Presse unter wirtschaftlichen Zwängen.

            Oder anders ausgedrückt: Wenn Du die BILD nicht kaufst, weil du für Schmarrn hältst, was da drin steht, greifst du damit die Pressefreiheit an?
            können wir nicht?

            macht nix! wir tun einfach so als ob!

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            • #7
              Zitat von blueflash
              Nein. Natürlich nicht.
              Im Klartext: Die Pressefreiheit ist im wesentlichen ein vom Staat garantiertes Recht, das Autoren Schutz vor (juristischer) Verfolgung wegen ihrer Schreibe garantiert. Es garantiert nicht, dass jeder damit einverstanden sein, muss, was eine Zeitung schreibt. Was eine Zeitung schreibt ist ja auch nicht automatisch richtig.
              Auf der anderen Seite genießt die Wirtschaft das Recht der Vertragsfreiheit. D.h. sie kann nicht gezwungen werden, "gerechterweise" irgendwelche Verträge einzugehen oder nicht zu kündigen. Das sind beides Bürgerrechte.
              Durch die Kündigung wird ja nicht die Pressefreiheit eingeschränkt. Vielmehr steht die Presse unter wirtschaftlichen Zwängen.
              Nur wenn ein System bedingt, dass Presse von Wirtschaft abhängig wird, bzw. nichtstaatliche Presse nicht mehr unabhängig von Interessen großer Unternehmen berichten kann, so sehe ich die Freiheit der Presse in Gefahr. Vertragsfreiheit ist im Übrigen AFAIR kein Verfassungsrecht sondern bürgerliches Recht und somit nachgestuft
              Möp!

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              • #8
                Nur wenn ein System bedingt, dass Presse von Wirtschaft abhängig wird, bzw. nichtstaatliche Presse nicht mehr unabhängig von Interessen großer Unternehmen berichten kann, so sehe ich die Freiheit der Presse in Gefahr.
                Nur ist die Presse eben auch eine Menge von Unternehmen. Du unterscheidest hier zwischen zwei Trägern von Bürgerrechten.
                Die Pressefreiheit garantiert ja nicht irgendwelchen Unternehmen besondere Immunität vor dem Markt, sondern vor der Justiz.
                Sicherlich entsteht ein Spannungsfeld zwischen Pressefreiheit und Einfluss. Aber in jeder nicht völlig egalitären Gesellschaft muss eine solche Spannung ja zwangsläufig entstehen.
                Auf der anderen Seite ist es ja nicht so, dass Unternehmen völlig immun gegenüber der Presse sind, oder?
                können wir nicht?

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                • #9
                  Also irgendwie schmeißt Cu die Sachen durcheinander finde ich.

                  Pressefreiheit besagt, dass es eine Freiheit der Berichterstattung gibt.
                  Sie besagt aber nicht, dass jemand, der in einem Artikel heruntergemacht wird das hinnehmen muß. Wenn eine Firma danach keine Anzeigen mehr schaltet ist das ihre legitime Entscheidung.
                  LANG LEBE DER ARCHON

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                  • #10
                    Zitat von Direwolf
                    Also irgendwie schmeißt Cu die Sachen durcheinander finde ich.

                    Pressefreiheit besagt, dass es eine Freiheit der Berichterstattung gibt.
                    Sie besagt aber nicht, dass jemand, der in einem Artikel heruntergemacht wird das hinnehmen muß. Wenn eine Firma danach keine Anzeigen mehr schaltet ist das ihre legitime Entscheidung.
                    Ich kann euch nicht verstehen Leute. Wenn es darum geht, dass die Pressefreiheit durch religiöse Gefühle "bedroht" wird, schreien alle auf, wenn aber die Wirtschaft vor allem kleinere Zeitungen derart unter Druck setzt, dass diese nicht mehr frei berichten können (die Firmen werden in solchen Artikeln ja nicht "heruntergemacht") dann ist das legitim. Für mich ist das ein ziemlich einseitiges Verständnis von Pressefreiheit.

                    Ich möchte ja nur noch mal das Beispiel anführen, indem eine Redakteurin gefeuert wurde, weil sie über die unhaltbaren Arbeitszustände bei Lidl berichten wollte, die Zeitung aber Angst um ihre Existenz hatte, da sie von Anzeigekunden abhängig war. Wo bitte bleibt da die Pressefreiheit? Oder geht die Pressefreiehit ur bis zu den Eingangstüren der Konzerne? Im Artikel 5 GG steht do ch drin "eine Zensur findet nicht statt", gilt das nicht auch für vorsorglich gehorsame Zensur?
                    Wenn sich bald keine Zeitung mehr traut kritisch über die Wirtschaft zu schreiben, woher erfahren wir dann noch über Ausbeutung bei Lidl und Schlecker, woher erfahren wir noch objektive Nachrichten über die Bahn oder die Lufthansa?
                    Möp!

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                    • #11
                      Wo bitte bleibt da die Pressefreiheit? Oder geht die Pressefreiehit ur bis zu den Eingangstüren der Konzerne? Im Artikel 5 GG steht do ch drin "eine Zensur findet nicht statt", gilt das nicht auch für vorsorglich gehorsame Zensur?
                      Hier geht es dir doch nicht um die Pressefreiheit, wie sie als Grundrecht definiert ist, sondern um den Schutz und Erhalt einer unabhängigen Presse, oder?
                      Die Freiheit der Presse macht aber nicht jedes Lokalblatt frei von wirtschaftlichen Zwängen, oder?

                      Wenn sich bald keine Zeitung mehr traut kritisch über die Wirtschaft zu schreiben, woher erfahren wir dann noch über Ausbeutung bei Lidl und Schlecker, woher erfahren wir noch objektive Nachrichten über die Bahn oder die Lufthansa?
                      Wie wäre es mit den öffentlich rechtlichen Medien.
                      Wenn eine Zeitung ihre Anzeigenkunden über eine wirklich gute Story stellt, ist sie nicht wirklich gut, oder? Es geht ja nicht ums trauen, sondern um die Fähigkeit einer Redaktion ihre wirtschaftlichen Ziele mit journalistischen Idealen zu vereinbaren.
                      können wir nicht?

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                      • #12
                        Zitat von Cu Chulainn
                        Ich kann euch nicht verstehen Leute. Wenn es darum geht, dass die Pressefreiheit durch religiöse Gefühle "bedroht" wird, schreien alle auf, wenn aber die Wirtschaft vor allem kleinere Zeitungen derart unter Druck setzt, dass diese nicht mehr frei berichten können (die Firmen werden in solchen Artikeln ja nicht "heruntergemacht") dann ist das legitim. Für mich ist das ein ziemlich einseitiges Verständnis von Pressefreiheit.
                        Also für mich stellt sich das so dar. Wenn eine Firma Einfluß nimmt, um eine Veröffentlichung zu verhindern, dann ist das ein Eingriff auf die Pressefreiheit. Wenn aber ein solcher Bericht erschienen ist, dann ist es das gute Recht einer Firma die Zusammenarbeit mit dieser Zeitung einzustellen.

                        Natürlich besteht da die Gefahr einer Selbstzensur, wie du sie beschrieben hast. Aber das wird man nicht verhindern können. Ausser vielleicht wenn man Werbung in Medien verbietet, aber das erscheint mir kein Königsweg zu sein.
                        LANG LEBE DER ARCHON

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                        • #13
                          Zitat von blueflash
                          Hier geht es dir doch nicht um die Pressefreiheit, wie sie als Grundrecht definiert ist, sondern um den Schutz und Erhalt einer unabhängigen Presse, oder?
                          Die Freiheit der Presse macht aber nicht jedes Lokalblatt frei von wirtschaftlichen Zwängen, oder?
                          Ja um den Schutz und Erhalt derunabhängigen Presse! Die Presse solte frei sein von wirtschaftlichen Zwängen.


                          Wie wäre es mit den öffentlich rechtlichen Medien.
                          Wenn eine Zeitung ihre Anzeigenkunden über eine wirklich gute Story stellt, ist sie nicht wirklich gut, oder? Es geht ja nicht ums trauen, sondern um die Fähigkeit einer Redaktion ihre wirtschaftlichen Ziele mit journalistischen Idealen zu vereinbaren.
                          Selbst öffentzlichg rechtliche Medien sind da anfällig, so hat die Bahn Werbeblöcke bei der ARD gestrichen, aufgrund von kritischer Berichterstattung, oder Drehgenehmigungen in Zügen entzogen. Und welche Zeitung ist heutzutage öffentlich-rechtlich? Außerdem: was soll eine Zeitung sich trauen, wenn sie kein Geld hat um zu drucken?
                          Möp!

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                          • #14
                            Ja um den Schutz und Erhalt derunabhängigen Presse! Die Presse solte frei sein von wirtschaftlichen Zwängen.
                            Das hat nun aber mit der Pressefreiheit als Grundrecht ja nichts zu tun, sondern ist eher eine Art gesellschaftliche Vision, die (zumindest IMO) nicht erreichbar sein kann.
                            können wir nicht?

                            macht nix! wir tun einfach so als ob!

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                            • #15
                              Also ich finde das Problem liegt nicht unbedingt darin, dass Unternehmen Zeitungen "unter Druck setzen" können. Vielmehr das sich Zeitungen unter Druck setzen lassen. Eine Zeitung sollte doch nicht von wirtschaftlichen Zwängen gesteuert werden und je nach dem subjektiv oder objektiv schreiben. Sie sollte vielmehr grundsätzlich neutral bleiben. Ich glaube eine vollkomen neutrale und objektive Zeitungen findet noch weit mehr Werbepartner, als eine Manipulierte. Und ich persönlich würde solche Zeitungen auch eher kaufen als wirschaftlich Abhängige und ich hoffe doch, dass die Mehrheit der Deutschen genauso denkt. Dabei kann eine Zeitung natürlich leicht liberal oder konservativ angehaucht sein, sie muss nur bei den Fakten bleiben.
                              Aber anscheinend ist unsere Gesellschaft schon soweit, dass man für Ehrlichkeit nicht mehr belohnt wird. Das ist IMO sehr schade.
                              Es ist nicht mehr möglich völlig unabhängig zu schreiben.
                              Ein gutes Beispiel dafür bietet das Fußballgeschäft. Trainer werden doch nicht von den Vereinen entlassen, sondern von den Medien. Nur ein paar Vereine schaffen es noch unabhängig von den Medien und wirtschaftlichen Erfolg über Trainer zu entscheiden. Genauso ist es z.B mit dem Doppelpass am Sontag im DSF, das IMO in Sachen Trainerentlassungen durch Medien hauptverantwortlich ist neben z.B der Bild, in der nur irgendwelche Bildzeitungsredakteure und ähnliche vertreter anderer Boulevardblätter ihre Meinungen kunttun und das DSF dadurch hohe Einnahmen hat, allerdings die Objektivität darunter leidet und fakten verdreht werden. Wäre nicht wenigstens immer ein Manager oder Trainer da wäre es eine Katastrophe.
                              Aber nicht nur das Fussballgeschäft ist betroffen, leider noch viele andere Branchen.
                              Die öffentlich rechtlichen Sender dagegen sind wohl zusammen mit deren Inforadiosendern noch die objektivsten und weitesgehend unabhängig.
                              Vielleicht ist ja die Pressefreiheit einfach etwas zu frei?
                              Nur einschränken darf man sie eben auch nicht. Da hilft IMO nur Ehrlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen und kein Lug und Betrug und kurzsichtiges Streben nach wirtschaftlichen Erfolg.
                              „Dass man diesen Arschlöchern immer die Welt erklären muss." (Helmut Schmidt)

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