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Unternehmer kehren nach Deutschland zurück

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  • Unternehmer kehren nach Deutschland zurück

    Zitat von ard
    Warum Unternehmer nach Deutschland zurückkommen
    Reumütige Rückkehr aus dem Osten

    Jedes fünfte deutsche Unternehmen, das in China oder Osteuropa Kosten senken wollte, kehrt inzwischen laut Fraunhofer-Institut reumütig nach Deutschland zurück. Plusminus hat die Gründe dafür untersucht und mit Mittelständlern und Wissenschaftlern gesprochen. Das Fazit eines Globalisierungsforschers: "Deutschland nicht wettbewerbsfähig? Das ist doch lächerlich."

    Von Ingo Blank und Wolfgang Wirtz-Nentwig

    Tresore "Made in Germany": Im letzten Jahr hat die Firma Format einen zweistelligen Millionenbetrag in eine neue Fertigungsanlage in Hessisch-Lichtenau bei Kassel und nicht in ihr polnisches Werk investiert. Vierzig zusätzliche Stellen wurden geschaffen. Auch für Michael Staufenberg. Der Werkzeugmacher hatte die Hoffnung schon aufgegeben, in seiner Heimat im strukturschwachen Nordhessen noch einmal Arbeit zu finden. Doch jetzt sei "das Gefühl, wieder Arbeit zu haben, schon super nach langer Arbeitslosigkeit".

    Grenzübergang Slubice-Frankfurt/Oder: Seit Mai 2004 gehört Polen zur EU. Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die niedrigeren Lohnkosten galten lange Zeit als Hauptargument für eine Prodkution in Polen (Archivbild: Grenzübergang Slubice-Frankfurt/Oder)]
    Jahrelang hatte die Firma ihre Tresore wegen der geringeren Löhne in Polen produziert. Acht Stunden brauchte ein Schweißer für einen handgemachten Rohling. Das Werk in Polen hat Format nun dicht gemacht und dort 150 Leute entlassen. Durch die neue Fertigungsanlage in Deutschland werden heute nur noch Spezialtresore manuell hergestellt. Ansonsten ist die Produktion hoch automatisiert und effizient - wie in vielen Branchen üblich.
    Ständige Qualitätskontrollen verteuern Produktion

    "Als wir damals die Entscheidung trafen, nach Polen zu gehen, lagen die Lohnkosten in Polen etwa bei einem Euro", erklärt Format-Geschäftsführer Rainer Grösch, "doch die haben sich inzwischen etwa um das Zehnfache verteuert. Das bedeutet, dass ich heute zwischen zehn und elf Euro Lohnkosten dort habe. Und das ist bei einem Arbeiter, der jetzt hier in Hessisch-Lichtenau arbeitet, in etwa gleich."

    Die Löhne in dem hoch automatisierten Werk machen ohnehin nur noch 15 Prozent der gesamten Produktionskosten aus. Aber es gibt auch noch andere Gründe, warum Format nach Deutschland zurückgekehrt ist, erklärt Grösch: "Einmal natürlich das Knowhow - das mussten wir nicht in das Werk nach Polen transferieren. Auf der anderen Seite waren die hohen stetigen Qualitätskosten, die wir dadurch hatten, dass wir ständig überprüfen mussten, ob die Qualität eingehalten wird." Zudem habe die Infrastruktur für Hessisch-Lichtenau gesprochen.
    Großkunden drängen auf Billiglohn-Produktion - noch

    In Ense in Nordrhein-Westfalen ist die Firma Brökelmann spezialisiert auf Alu-Profile. Vor allem die Kunden aus der Automobilindustrie schätzen das Fachwissen und die hohe Qualität des Mittelständlers. In Zukunft wollen sie dafür aber weniger bezahlen. Drei Großkunden drängen massiv darauf, die Produktion in ein Billiglohnland zu verlegen. Obwohl Brökelmann fürchten muss, Aufträge zu verlieren, lehnt er das ab.

    Beim Versuch, einfache Profile für Fenster und Türen in Polen herzustellen, hat er schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, berichtet Friedrich Brökelmann, der Geschäftsführer von Brökelmann Aluminium: "Wir haben die Leute dort geschult, wie man Systeme herstellt und wie man die verarbeitet. Die dadurch hoch qualifizierten Mitarbeiter sind dann abgewandert, haben sich teilweise selbstständig gemacht oder sind auch zu Wettbewerbern gegangen - und haben das Know-how mitgenommen."

    Die Niederlassung in Polen musste Brökelmann aufgeben und die Mitarbeiter entlassen. Gegen die dortige Billig-Konkurrenz konnte er nicht bestehen. Langsam merken auch seine Kunden, dass die gewohnte Qualität und Serviceleistung in Polen nicht mehr zu bekommen ist.
    "Bedeutung der Globalisierung wird stark überschätzt"

    In Genf sitzt die Ilo, die Internationale Arbeitsorganisation, die 1919 gegründet wurde und heute der Uno angegliedert ist. Hier sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Regierungen aus 178 Staaten vertreten, um internationale Standards für die Arbeitswelt festzulegen und zu überwachen.

    Peking (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: China boomt - doch einige deutsche Unternehmer kehren inzwischen reumütig zurück.]
    Peter Auer ist Leiter der Abteilung Beschäftigungsanalysen und -strategien. Der gebürtige Österreicher beschäftigt sich nicht zuletzt mit den Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitsmärkte. Alle vorliegenden Studien, so sagt er, weisen darauf hin, dass der Verlust an Arbeitsplätzen durch Standortverlagerungen deutlich geringer ist als allgemein angenommen - in Deutschland wie überhaupt in Europa. Auer: "Das wird überschätzt. Es ist ganz klar, dass die Bedeutung der Globalisierung stark überschätzt wird. Die Zahlen geben das nicht her. Wir gehen von fünf Prozent Arbeitsplatzverlusten auf europäischer Ebene aus. Das zeigt, dass das Problem zwar existiert, und dass das im Einzelnen natürlich auch schmerzhaft ist, wenn eine Firma abwandert. Aber dass nicht die gesamte Wirtschaft abwandert, ist ziemlich klar."
    Nicht wettbewerbsfähig? - "Das ist doch lächerlich"

    Nicht die Arbeitskosten seien das Hauptproblem in Deutschland, sondern eher die schwache Binnen-Nachfrage und vor allem die Bürokratie: 20 Jahre für einen Flughafen oder 30 Jahre, um doch keine Transrapid-Bahn zu bauen. Ansonsten seien die Deutschen Weltmeister darin, den eigenen Standort schlecht zu reden, glaubt Auer: "Warum Deutschland eine so schlechte Presse hat, obwohl es gar nicht so schlecht ist, das ist für mich ein Rätsel. Man ist Exportweltmeister. Wie kann man dann sagen: 'Deutschland ist absolut nicht wettbewerbsfähig?' Das ist doch lächerlich."

    Eginhard Vietz, Inhaber und Geschäftsführer von Vietz Pipeline Equipment, hat seine Globalisierungserfahrungen in China gemacht. Er war sicher, dass ihm keine Anfängerfehler passieren würden. Schließlich hatte er seine Werkzeuge für den Pipelinebau schon jahrelang dorthin geliefert. Als seine Partner dann ein Joint-Venture-Unternehmen gründen wollten, wurde er schwach. Zu verlockend waren die Versprechungen. Heute weiß er, dass es nur darum ging, sein firmeninternes Fachwissen zu bekommen: "Man hat ganz genau versucht, diese Schlüsseltechnologie in eigener Regie zu produzieren, und ich bin von höchster Stelle ausgeplündert worden. Die Produktion, die wir aufgezogen hatten, war nur eine Täuschung, um mein Vertrauen zu gewinnen." Und wenige Kilometer entfernt sei alles "eins zu eins nachgebaut" worden.
    China-Erfahrung: Von höchster Stelle ausgeplündert

    Transrapid fährt in Station Longyang in Schanghai ein (Archivbild) (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Alles nur geklaut? China hat inzwischen einen eigenen Transrapid angeküdigt.]
    2004 gehörte Vietz zur Delegation des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, als dieser in China für mehr Zusammenarbeit warb. Vietz war damals von den unbegrenzten Möglichkeiten begeistert. Heute schätzt er seinen unmittelbaren Schaden auf rund eine Million Euro. Viel mehr Sorgen macht ihm aber, dass die Chinesen inzwischen Nachbauten seiner Maschinen zu Spottpreisen auf dem Weltmarkt anbieten. Vietz' Fazit: "Ich kann nur jedem Mittelständler empfehlen, der in China investieren will, dort eine Million Euro über zu haben - die ihm nicht weh tut, wenn er die verliert. Die Million ist schneller weg, als er denkt. Nicht nur die eine Million, sondern das Know-how, das von dem mittelständischen Unternehmer nach China gebracht wird, ist auch noch weg. Und dann wird der Wettbewerber aus Asien wesentlich billiger die nachgemachten Produkte anbieten und den Weltmarkt damit bedienen. Und der deutsche Unternehmer hat dann das Nachsehen - nicht nur in China, sondern auch in Deutschland wird er dann mit den eigenen Produkten geschlagen."

    Auch am Profilhersteller Brökelmann waren chinesische Firmen interessiert. Denn trotz modernster Maschinen gelang es ihnen nicht selbst, hochwertige Profile für die Autoindustrie herzustellen. Brökelmann hat dankend abgelehnt: "Wir werden unser technisches Know-how nicht an die Chinesen oder an Andere weiter geben. Das ist unser Know-how, da stehen wir dahinter. Und das ist auch das, was die Arbeitsplätze hier in Deutschland sichert, und das ist unser Hauptanliegen."

    Ansonsten kann er die Anfrage aber durchaus als Kompliment für seine Firma betrachten. Denn kopiert zu werden gilt in China als Ehre, die nur den Besten der Besten zuteil wird.

    Den gesamten Beitrag können Sie heute Abend um 21.40 Uhr bei Plusminus sehen.
    Quelle: www.ard.de

    Man fängt immer erst an Dinge zu vermissen, wenn sie nicht mehr da sind. Es lässt sich nunmal nicht alles verlagern.
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    Alle vier Jahre machen die Wähler ihr Kreuz. Und hinterher müssen sie's dann tragen. - Ingrit Berg-Khoshnavaz
    Statt 'Gier' sagen wir 'Profitmaximierung', und schon wird aus der Sünde eine Tugend. - Ulrich Wickert

  • #2
    Zwei Punkte möchte ich noch mal hervorheben:
    Die Löhne in dem hoch automatisierten Werk machen ohnehin nur noch 15 Prozent der gesamten Produktionskosten aus.
    und
    Alle vorliegenden Studien, so sagt er, weisen darauf hin, dass der Verlust an Arbeitsplätzen durch Standortverlagerungen deutlich geringer ist als allgemein angenommen - in Deutschland wie überhaupt in Europa. Auer: "Das wird überschätzt. Es ist ganz klar, dass die Bedeutung der Globalisierung stark überschätzt wird. Die Zahlen geben das nicht her. Wir gehen von fünf Prozent Arbeitsplatzverlusten auf europäischer Ebene aus.
    Das bestätigt beides genau dies, worauf ich bei Diskussionen über Arbeitslosigkeit schon mehrfach hingewiesen habe: das Problem sind nicht primär Arbeitsplatzverlagerungen in Billiglohnländer. Dort wird ja auch auf die mangelnde Binnennachfrage hingewiesen, die eben hinter der Entwicklung der Produktivität zurückbleibt.
    Resistance is fertile
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    • #3
      Zitat von max Beitrag anzeigen
      Dort wird ja auch auf die mangelnde Binnennachfrage hingewiesen, die eben hinter der Entwicklung der Produktivität zurückbleibt.
      Damit magst Du in vielen Fällen richtig liegen, aber die Wirtschaft ist - wie der Mensch im Allgemeinen - eher irrational. Der Aktionär erwartet einfach bestimmte Vorgehensweisen, seien sie nun faktisch sinnvoll oder nicht. Diese "Trends" kann man schon länger beobachten. Vor ein paar Jahren war zB die Diversifikation "in". Damals hat Mercedes mit der Flugzeugbranche beinahe Schiffbruch erlitten, heute geht der Trend in die andere Richtung. Vielleicht liegen die Dinge hier auch so.
      Es hat schon immer Science-fiction gegeben - die Wettervorhersage im Fernsehen.
      -Peter Ustinov

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      • #4
        Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
        Damit magst Du in vielen Fällen richtig liegen, aber die Wirtschaft ist - wie der Mensch im Allgemeinen - eher irrational. Der Aktionär erwartet einfach bestimmte Vorgehensweisen, seien sie nun faktisch sinnvoll oder nicht. Diese "Trends" kann man schon länger beobachten. Vor ein paar Jahren war zB die Diversifikation "in". Damals hat Mercedes mit der Flugzeugbranche beinahe Schiffbruch erlitten, heute geht der Trend in die andere Richtung. Vielleicht liegen die Dinge hier auch so.
        Solche Trends waren und sind natürlich dafür verantwortlich, dass überhaupt Betriebe verlagert wurden. Aber sie können eben die Massenarbeitslosigkeit in den Industrieländern nicht erklären.

        Ich zitiere noch mal aus dem Text, den matrix089 zitiert hat:
        "Bedeutung der Globalisierung wird stark überschätzt"
        und
        "Man ist Exportweltmeister. Wie kann man dann sagen: 'Deutschland ist absolut nicht wettbewerbsfähig?' Das ist doch lächerlich."
        Nur weil einzelne Menschen zeitweise irrational handeln - längerfristig ist dies durchaus selten - bedeutet dies noch lange nicht, dass man die Wirtschaft nicht rational verstehen kann. Ich könnte natürlich mal wieder darauf hinweisen, dass die heutige Wirtschaftsform im Interesse der klaren Mehrheit der Menschheit alles andere als rational ist. Aus der Sicht einer winzigen Minderheit - dummerweise eben die Herrschende - ist sie aber sehr wohl rational, da sie deren Privilegien und Macht garantiert.
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        • #5
          Zitat von max Beitrag anzeigen
          Aus der Sicht einer winzigen Minderheit - dummerweise eben die Herrschende - ist sie aber sehr wohl rational, da sie deren Privilegien und Macht garantiert.
          Wobei man da ergänzen kann, dass ein Haufen (Klein-)Aktionäre ebenfalls diesem Gewinnstreben anheimfällt, sich aber nicht selten über die Verlagerung von Arbeitsplätzen echauffiert. Jeder von uns kauft gerne günstig ein, aber kaum einer will realisieren, dass Dumpingpreise oft nur mit Dumpinglöhnen realisiert werden können. Es sind meiner Meinung nach nicht nur "die Herrschenden", die sich als Heuschrecken verdingen.
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          -Peter Ustinov

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          • #6
            Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
            Wobei man da ergänzen kann, dass ein Haufen (Klein-)Aktionäre ebenfalls diesem Gewinnstreben anheimfällt, sich aber nicht selten über die Verlagerung von Arbeitsplätzen echauffiert. Jeder von uns kauft gerne günstig ein, aber kaum einer will realisieren, dass Dumpingpreise oft nur mit Dumpinglöhnen realisiert werden können. Es sind meiner Meinung nach nicht nur "die Herrschenden", die sich als Heuschrecken verdingen.
            Das hatten wir schon mal: wie will man hohe Preise bezahlen, wenn laufend der Reallohn sinkt? Wer setzt den die Reallohnsenkungen durch?

            Und noch mal: die meisten vernichteten Arbeitsplätze wurden nicht verlagert. Das geht doch eben u.a. aus diesem Text eindeutig hervor!

            Die meisten vernichteten Arbeitsplätze wurden wegrationalisiert, um die Profitspanne zu erhöhen. Und daran haben halt selbst Kleinaktionäre (die eine kleine Minderheit sind) auch kein Interesse, wenn ihnen der Arbeitsplatz vernichtet wird oder ihr Lohn mal wieder gesenkt wird.
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            • #7
              Zitat von max Beitrag anzeigen
              Das hatten wir schon mal: wie will man hohe Preise bezahlen, wenn laufend der Reallohn sinkt?
              Interessanterweise kann man die "Geiz ist geil"-Mentalität aber auf sehr vielen Bereichen beobachten, nicht nur im Bereich von Lebensmitteln, also der Basisversorgung. Man danke nur an Unterhaltungselektronik. Und man sollte nicht vergessen, dass von einem Mangel an Geld an sich keine Rede sein kann, denn die Sparquote war nie so hoch, wie momentan.

              Zitat von max Beitrag anzeigen
              Die meisten vernichteten Arbeitsplätze wurden wegrationalisiert, um die Profitspanne zu erhöhen. Und daran haben halt selbst Kleinaktionäre (die eine kleine Minderheit sind) auch kein Interesse, wenn ihnen der Arbeitsplatz vernichtet wird oder ihr Lohn mal wieder gesenkt wird.
              Sag ich ja: Irrationales Verhalten aller Beteiligter. Ich sehe mitnichten das vernünftige Verhalten, von dem Du sprichst.
              Es hat schon immer Science-fiction gegeben - die Wettervorhersage im Fernsehen.
              -Peter Ustinov

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              • #8
                Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                Interessanterweise kann man die "Geiz ist geil"-Mentalität aber auf sehr vielen Bereichen beobachten, nicht nur im Bereich von Lebensmitteln, also der Basisversorgung. Man danke nur an Unterhaltungselektronik.
                Warum sollte dies auch nur bei Lebensmittel gelten? Es gilt natürlich in allen Bereichen. Das ändert doch an meiner Aussage nichts, dass man aufgrund der sinkenden Löhne dazu gezwungen ist, auf den Preis zu schauen.

                Wenn man dies in einzelnen Bereichen nicht macht (z.B. Biolebensmittel kauft), dann muss man dies in anderen Bereichen um so stärker machen. Man hat insgesamt weniger zur Verfügung und entsprechend hat man die Wahl weniger zu kaufen oder zu schauen, dass man weniger bezahlt. Was gesamtwirtschaftlich übrigens den gleichen Effekt hat: eine Reduktion der Binnennachfrage.
                Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                Und man sollte nicht vergessen, dass von einem Mangel an Geld an sich keine Rede sein kann, denn die Sparquote war nie so hoch, wie momentan.
                Natürlich gibt es keinen Mangel an Geld! Ich habe dich auch schon Xmal darauf hingewiesen, dass es keinen absoluten Mangel gibt und deshalb z.B. Einschränkungen bei den Renten, Sozialleistungen etc. nicht damit begründet werden können, weil heute durchschnittlich pro Person viel mehr vorhanden ist. Aber es ist eben nur durchschnittlich mehr pro Person vorhanden, aber real ist dieser Reichtum extrem ungleich verteilt und wird immer ungleicher verteilt. Das gilt auch für die Sparquote. Du spielst auf den Durchschnittswert an. Aber tatsächlich ist es so, dass die unteren Einkommensgruppen eine negative Sparquote haben (sie sind verschuldet), während eine hohe Sparquote bei hohen Einkommen zu finden ist. Da insgesamt die Einkommen/Vermögen etc. extrem ungleich verteilt ist, kommt dann trotzdem eine hohe Sparquote heraus, wenn nur eine Minderheit viel sparen kann.

                Man muss halt auch eben berücksichtigen, dass um so höher das Einkommen, um so geringer fällt der Anteil des Konsums aus. Deshalb kann die Binnennachfrage sinken oder stagnieren, obwohl mehr Mittel vorhanden sind. Das war übrigens mal wirtschaftswissenschaftliches Allgemeinwissen, scheint es heute aber nicht mehr zu sein. Das ist jetzt keine Kritik an dir, sondern eine Kritik an dem wirtschaftswissenschaftlichen neoliberalen Mainstream.
                Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                Sag ich ja: Irrationales Verhalten aller Beteiligter. Ich sehe mitnichten das vernünftige Verhalten, von dem Du sprichst.
                Das ist kein irrationales Verhalten aller Beteiligter. Wenn ein "Unternehmer" rationalisiert, um seine Profitspanne zu erhöhen, ist dies für ihn a) nützlich (potentiell höheres Einkommen bzw. Verhinderung eine Reduzierung des Einkommens) und b) notwendig, da er nur mit einer möglichst hohen Profitrate über genügend Kapital verfügt, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Solche Massnahmen sind betriebswirtschaftlich gesehen sogar sehr rational. Das es gesamtwirtschaftlich oder in Bezug auf die Interessen der Mehrheit irrational ist, spielt ja keine Rolle, da es um die Interessen des einzelnen "Unternehmers" geht. Dieser hat - dank der kapitalistischen Gesellschaftsstruktur - auch die Möglichkeiten seine Interessen durchzusetzen.

                Die Kleinaktionäre können diesbezüglich auch keine Entscheidungen treffen. Kleinaktionäre sind im Endeffekt billige Kapitalgeber, nennenswert etwas zu sagen haben sie nicht. Mit Aktien kann man eben keine Demokratie aufbauen, da entscheidend ist, wie viele Aktien man hat. Die Anzahl der Stimmen hängt vom Besitz ab, d.h. man hat das Gegenteil einer Demokratie. Die Entscheidungen treffen immer noch die Grossaktionäre.
                Resistance is fertile
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                • #9
                  Es ist gut, dass sich wieder Unternehmen in Deutschland ansiedeln oder Standorte wiedereröffnen/vergrößern. Auf dem ersten Blick mögen ja die Kosten im Osten geringer ausfallen, aber allein durch oft auftretende Qualitätsprobleme kann der Schuß ganz schnell nach hinten losgehen.

                  Und was die "Geiz-ist-Geil"-Mentalität angeht: Wenn jedes Produkt wirklich mit dem Preis bedacht würde, der real ist und nicht super billig, dann könnten die Unternehmer auch besser wirtschaften. Ich rede jetzt nicht von großen Unternehmen, die nur zur Gewinnverbesserung Menschen entlassen. Ich rede vor allem von KMU. Dort ist der Preisdruck so hoch, dass man eben keine weitere Stelle schaffen könnte. Oder den Angestellten mehr Lohn zahlen. Aber wenn man seine Produkte für einen ordentlichen Presi verkaufen könnte, kann man im Gegenzug auch die Löhne steigern, was eine Steigerung der Kaufkraft zur Folge hätte was wieder den Gewinn der Unternehmen steigert usw. usf.
                  Aber um dies zu schaffen, müßte es einen Anstoß geben. Warum sollten die Menschen jetzt umdenken? Es gibt ja alles preiswert, und wenn nicht aus D dann eben auch Taiwan. Was interessiert es mich, dass da hier ein paar Arbeitslos werden, ich habe ja arbeit..... Genau diese Einstellung ist das Problem. Wenn man Deutschland mit Einfuhr-Zöllen versehen würde, wie es jetzt in der Schuh- und Textilbranche geschehen wird, hätten die Deutschen Unternehmen wieder eine bessere Chance. Denn nicht alles aus D ist überteuert.
                  It is the heart that gives - the fingers just let go. (Nigerianisches Sprichwort)

                  Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (A. Einstein)

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                  • #10
                    Zitat von Liska Beitrag anzeigen
                    Und was die "Geiz-ist-Geil"-Mentalität angeht: Wenn jedes Produkt wirklich mit dem Preis bedacht würde, der real ist und nicht super billig, dann könnten die Unternehmer auch besser wirtschaften.
                    Die Produkte werden aber immer billiger, da immer weniger Arbeitsaufwand in ihnen steckt. Natürlich ist dies für die "Unternehmer" egal welcher Größe ein massives Problem. Sie müssen irgendwie versuchen, dies zu kompensieren. Z.B. durch Lohnsenkungen, Entlassunge. Grosse Unternehmen können es auch versuchen dadurch zu kompensieren, dass sie mehr verkaufen, also expandieren. Da haben natürlich kleine Firmen ein massives Problem.
                    Zitat von Liska Beitrag anzeigen
                    Dort ist der Preisdruck so hoch, dass man eben keine weitere Stelle schaffen könnte. Oder den Angestellten mehr Lohn zahlen. Aber wenn man seine Produkte für einen ordentlichen Presi verkaufen könnte, kann man im Gegenzug auch die Löhne steigern, was eine Steigerung der Kaufkraft zur Folge hätte was wieder den Gewinn der Unternehmen steigert usw. usf.
                    Du kannst es auch umdrehen. Diese Unternehmen erhöhen die Löhne stark und du hast auch den Effekt. Dir sollte aber klar sein, dass es nicht funktioniert. Weder können die Leute einfach höhere Preise zahlen. als sie sich angesichts der sinkenden Löhne leisten können, noch können die Unternehmer angesichts des Konkurrenzdrucks sich leisten, massiv höhere Löhne zu zahlen. Das ist doch genau eines der Grundwidersprüche im Kapitalismus, die nur durch sehe hohe Wachstumsraten und sehr hohe Profiraten überdeck werden können. Aber woher sollen diese hohen Wachstumsraten und Profitraten in diesem Stadium des Kapitalismus kommen? Ich sehe da keine Möglichkeit und ich kenne auch niemanden, der eine Möglichkeit sieht. Die meisten Anhänger des Kapitalismus zumindest sehen keine, da sie in der Regel nur Vorschläge machen, wie man die Kosten der Unternehmer senken kann und die Binnennachfrage weiter schrumpfen lässt. Es gibt auch ein paar Ausnahmen. Die machen halt Vorschläge auf Kosten der Unternehmer. Das ist zwar symphatischer, weil es eher auf Kosten derer geht, die sich auch massive Einkommenseinbussen leisten könnten, aber das löst auch kein Problem. Es gibt im Endeffekt nur Ansätze, wie man die Probleme auf andere abwälzen kann. Der Ansatz der deutschen Regierungen seit 30 Jahren ist es, die Probleme auf die Arbeiterklasse und Teile der Mittelschichten abzuwälzen und Umverteilung zu den Grossunternehmern zu betreiben. Das kompensiert aber nur deren Probleme, vergrösstert aber natürlich insgesamt die Probleme.
                    Zitat von Liska Beitrag anzeigen
                    Es gibt ja alles preiswert, und wenn nicht aus D dann eben auch Taiwan. Was interessiert es mich, dass da hier ein paar Arbeitslos werden, ich habe ja arbeit..... Genau diese Einstellung ist das Problem.
                    Die Einstellung, dass man auf Kosten der Arbeiter in Taiwan vorgeht, ist auch nicht besser Noch mal: ein Grossteil der hier vernichteten Stellen wurden nicht verlagert. Die Massenarbeitslosigkeit und die Kostendruck gäbe es genauso auch, wenn die BRD alleine ohne umgebende Weltwirtschaft existieren würde. In vielen Bereichen ist die BRD einer der billigsten Produktionsstandorte, was eben daran liegt, dass die Lohnkosten nur einen kleinen Teil der Gesamtproduktionskosten ausmachen. Entscheidend sind aber die Gesamtkosten. Deshalb ist die BRD ja auch Exportweltmeister. Weil vieles hier billig produziert werden kann. Das steht übrigens in dem Text, den matrix089 zitiert hat.
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                    • #11
                      Zitat von max Beitrag anzeigen
                      Wenn man dies in einzelnen Bereichen nicht macht (z.B. Biolebensmittel kauft), dann muss man dies in anderen Bereichen um so stärker machen. Man hat insgesamt weniger zur Verfügung und entsprechend hat man die Wahl weniger zu kaufen oder zu schauen, dass man weniger bezahlt. Was gesamtwirtschaftlich übrigens den gleichen Effekt hat: eine Reduktion der Binnennachfrage.
                      Ja, wobei es aber insgesamt Verschiebungen gibt. Früher war Unterhaltungselektronik weitaus teurer und nahm nicht den Stellenwert ein. Durch die Massenverfügbarkeit sinkt der Preis, sie wird für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich und auch nicht mehr so sehr als Luxusgut angesehen. Diese Preisabfälle haben also nicht (nur) mit geringeren Löhnen zu tun.

                      Zitat von max Beitrag anzeigen
                      Du spielst auf den Durchschnittswert an. Aber tatsächlich ist es so, dass die unteren Einkommensgruppen eine negative Sparquote haben (sie sind verschuldet), während eine hohe Sparquote bei hohen Einkommen zu finden ist.
                      Soweit ich weiß, ist die Sparquote nicht nur bei den oberen Zehntausend hoch, sondern auch in der "Mittelschicht". Insbesondere gibt es das sog. "Angstsparen" bei vielen Menschen, die objektiv nicht von Hartz IV und möglichen Entlassungen bedroht sind.

                      Zitat von max Beitrag anzeigen
                      Mit Aktien kann man eben keine Demokratie aufbauen, da entscheidend ist, wie viele Aktien man hat. Die Anzahl der Stimmen hängt vom Besitz ab, d.h. man hat das Gegenteil einer Demokratie. Die Entscheidungen treffen immer noch die Grossaktionäre.
                      Ich wollte auch nicht sagen, dass man über Aktien eine Demokratie aufbauen kann oder gar soll. Und natürlich haben die Großaktionäre das Sagen, das ist doch keine Frage. Darum ging es ja auch nicht, sondern darum, dass Otto Normalverbraucher doch genauso gierig ist / war und sein Stück vom Kuchen abhaben will. Wem die Politik eines Konzerns wie Siemens nicht gefällt, der darf nicht seine Aktien kaufen. Viele haben sie dennoch gekauft, weil das ja eine vermeintlich sichere Bank ist - aber die Entlassungen, mit denen man ja durchaus den Profit steigert: Pfui! Das ist doch kein konsequentes Verhalten, und weniger "verwerflich" als das von Großaktionären ist es meines Erachtens auch nicht.
                      Es hat schon immer Science-fiction gegeben - die Wettervorhersage im Fernsehen.
                      -Peter Ustinov

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                      • #12
                        Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                        Ja, wobei es aber insgesamt Verschiebungen gibt. Früher war Unterhaltungselektronik weitaus teurer und nahm nicht den Stellenwert ein. Durch die Massenverfügbarkeit sinkt der Preis, sie wird für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich und auch nicht mehr so sehr als Luxusgut angesehen. Diese Preisabfälle haben also nicht (nur) mit geringeren Löhnen zu tun.
                        Natürlich haben sinkende Preise nicht nur mit geringeren Löhnen zu tun. Die Preise bei Elektronikartikel sind stark gesunken, weil der Arbeitsaufwand massiv gesunken ist. Dort sind die Preise eben nicht deshalb niedrig, weil da Arbeiter mit Hungerlöhnen ausgebeutet werden. Auf Hungerlöhne setzen vereinzelt "Unternehmer" hier nur, weil sie ihre Profitspanne erhöhen wollen. Billig herstellen kann man diese Artikel überall.

                        Es ging ja um eine andere Frage: warum vielen "Konsumenten" auf niedrige Preise setzen. Diese Frage ist ja eine andere Frage, als die Frage, warum niedrige Preise überhaupt möglich sind.
                        Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                        Soweit ich weiß, ist die Sparquote nicht nur bei den oberen Zehntausend hoch, sondern auch in der "Mittelschicht". Insbesondere gibt es das sog. "Angstsparen" bei vielen Menschen, die objektiv nicht von Hartz IV und möglichen Entlassungen bedroht sind.
                        Da könnte ich mal nachschauen, da ich irgendwo eine Auflistung der Sparquote aufgeteilt nach Einkommen habe (die ich auch schon mehrfach gepostet habe). Aber inzwischen sind auch die "Mittelschichten" (gemeint sind wohl mehrheitlich Angehörige der Arbeiterklasse, die "mittlere Einkommen" haben) von Hartz IV bedroht. Das ist ja gerade die Neuheit. Jeder fällt bei längerer Arbeitslosigkeit in die Armut, eben auf Hartz IV-Niveau.

                        Auf jeden Fall ändert dies nichts daran, dass die Reallöhne jetzt schon seit vielen Jahren sinken und entsprechend ein Druck erzeugt wird, möglichst billig einzukaufen.
                        Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                        Darum ging es ja auch nicht, sondern darum, dass Otto Normalverbraucher doch genauso gierig ist / war und sein Stück vom Kuchen abhaben will. Wem die Politik eines Konzerns wie Siemens nicht gefällt, der darf nicht seine Aktien kaufen. Viele haben sie dennoch gekauft, weil das ja eine vermeintlich sichere Bank ist - aber die Entlassungen, mit denen man ja durchaus den Profit steigert: Pfui! Das ist doch kein konsequentes Verhalten, und weniger "verwerflich" als das von Großaktionären ist es meines Erachtens auch nicht.
                        Es geht auch nicht um die Frage, wer der beste Mensch ist oder weniger verwerflich handelt, sondern wer die Möglichkeit hat, anderen z.B. Entlassungen aufzuzwingen. Ein Kleinaktionär hat dazu nicht die Möglichkeit. Ein Grossaktionär sehr wohl. Ein Kapitalist kann wegen der gesellschaftlichen Struktur anderen seinen Willen aufzwingen. Diese gesellschaftliche Struktur ist eben darauf optimiert, dass die herrschende Klasse andere ausnützen kann. Wenn man so will: "der Kapitalismus berücksichtigt die Natur des Menschen nicht, da Menschen nicht selbstlos sind und deshalb andere ausnutzen, wenn sie dazu die Möglichkeit haben".
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                        Für die AGENDA 3010! 30-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich und 10 Euro gesetzlichem Mindestlohn!
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                        • #13
                          Zitat von max Beitrag anzeigen
                          Es ging ja um eine andere Frage: warum vielen "Konsumenten" auf niedrige Preise setzen. Diese Frage ist ja eine andere Frage, als die Frage, warum niedrige Preise überhaupt möglich sind.
                          Naja, aber das lässt sich ja durchaus auch mit Deinem Zitat beantworten: Jeder folgt den eigenen Interessen, jeder kauft das möglichst billigste Produkt - und dass auf Qualität nicht geachtet wird, sieht man daran, dass trotz Gammelfleischskandal fleissig weiter beim Discounter gekauft wird.

                          Man kann also die Sache auch anders herum aufziehen, und das meinte ich damit: Es sind nicht nur die gefallenen Löhne, es ist auch eine Nachfrage nach solchen Billigprodukten gegeben, weil jeder das Maximum rausholen will. Ich glaube sogar, dass MediaMarkt und Co. nicht bereitwillig diesen ruinösen Konkurrenzkampf mitmachen, sondern sich des Risikos bewusst sind. Der Verbraucher will das aber auch so - und das gilt nicht nur für die Masse, die reale Einbussen zu verdauen hat. Vor jedem Aldi parken Mercedesse, Audis und BMWs.

                          Wir alle tragen letztlich unser Scherflein zur gegenwärtigen Lage bei, das ist nicht nur eine moralische Frage.

                          Zitat von max Beitrag anzeigen
                          Auf jeden Fall ändert dies nichts daran, dass die Reallöhne jetzt schon seit vielen Jahren sinken und entsprechend ein Druck erzeugt wird, möglichst billig einzukaufen.
                          Ja, dieser Druck besteht zweifellos. Aber nochmal: Nicht nur die, die den Druck tatsächlich verspüren, wollen so billig, wie nur irgend möglich einkaufen.
                          Es hat schon immer Science-fiction gegeben - die Wettervorhersage im Fernsehen.
                          -Peter Ustinov

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                          • #14
                            Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                            Man kann also die Sache auch anders herum aufziehen, und das meinte ich damit: Es sind nicht nur die gefallenen Löhne, es ist auch eine Nachfrage nach solchen Billigprodukten gegeben, weil jeder das Maximum rausholen will.
                            Die beschriebenen Auswirkungen liegen allerdings nicht an der Moral oder der Haltung möglichst viel für sich herausholen zu wollen, sondern an der gesellschaftlichen Struktur, die einer Minderheit ermöglicht, dies auf Kosten der klaren Mehrheit zu machen.

                            An dem Willen, den eigenen Lebensstandard zu maximieren, ist ja nichts falsches.
                            Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                            Ich glaube sogar, dass MediaMarkt und Co. nicht bereitwillig diesen ruinösen Konkurrenzkampf mitmachen, sondern sich des Risikos bewusst sind.
                            MediaMarkt & Co setzen bewusst auf diese Strategie, um Konkurrenten von Markt zu drängen, die sich auf Dauer keine solchen Preise leisten können. Es ist eine recht übliche Strategie, um in einem stagnierenden Markt trotzdem wachsen zu können.
                            Zitat von Sandswind Beitrag anzeigen
                            Der Verbraucher will das aber auch so - und das gilt nicht nur für die Masse, die reale Einbussen zu verdauen hat. Vor jedem Aldi parken Mercedesse, Audis und BMWs.
                            Die, die diesen Druck nicht verspüren und trotzdem möglichst billig einkaufen wollen, sind ja auch nicht die Opfer dieser Entwicklung, sondern profitieren zumindest teilweise von ihrer. Das ist aber eben eine Minderheit.

                            Es ist ja nicht so, dass es nur Verlierer gibt. Das charakteristische an der Entwicklung der letzten Jahre ist doch gerade, dass eine Minderheit ihren Reichtum massiv erhöhen konnte, während der Lebensstandard der Mehrheit sinkt (Reallohnverluste, Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau, Rentenkürzungen etc.). Bezeichnend war doch, dass gleichzeitig mit den beiden Studien über dem Umfang der Armut in der BRD (inkl. von Millionen, die Anspruch auf Sozialleistungen haben, sei aber trotzdem nicht beantragen) bekannt wurde, in welchem Umfang die Vorstände der Grosskonzerne ihre Einkommen gesteigert haben. Aber leider wird sowohl die steigende Armut ignoriert, als auch der steigende Reichtum. Wir leben in einer der reichsten Gesellschaft, die je existiert hat und in einer Gesellschaft, die immer reicher wird. Aber trotzdem steigt die Armut. Das ist eben kein Naturgesetz oder durch absoluten Mangel bedingt, sondern durch eine Gesellschaftsstruktur, die dafür optimiert ist, dass eine Minderheit die Mehrheit ausbeuten kann - und einer Politik, die sich der herrschenden Klasse unterordnet und eine Umverteilung zu den Reichen betreibt.

                            Wie der von matrix089 zitierte Text zeigt, sind die Gründe hierfür nicht bei der "Globalisierung" zu suchen. Die "Globalisierung" ist auch nur eine der Auswirkungen.
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                            • #15
                              Jedes fünfte deutsche Unternehmen, das in China oder Osteuropa Kosten senken wollte, kehrt inzwischen laut Fraunhofer-Institut reumütig nach Deutschland zurück.
                              und wieviele sind es die "noch" auslagern und erfolg haben? es gibt sicherlich produkte die im ausland besser dran sind, .......für viele sind noch 15 % von was ? 100 % von wo ? wieviele firmen sind es ? 5 ? 6? 12? aus der statisik ....hmmm und es wird vieles schön geredet, die pleiten im auslang "können" viele gründe haben, aber wenn man davon ausgeht was im text steht dann ist es auch en glaubensfrage. Ausser China oder Osteuropa gibt es noch etliche andere Länder die auch erfolgslos waren oder erfolgreich sind hängt vom produkt ab.

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