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Die Entwicklung der chinesischen Identität

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  • Die Entwicklung der chinesischen Identität

    Ich komme aus China und ich besuche gerade ein Gymnasium.

    Schon während meiner Kinderzeit in China hat mich die chinesische Geschichte sehr interessiert.

    Seit ich in Deutschland bin, scheint mir die chinesische Identität besonders wichtig zu sein.Auch wenn ich jetzt schon deutscher Staatsbürger bin,weiss ich doch,dass ich in Deutschland immer als Chinese bleiben werde.China ist nicht wie Indien oder Europa.Die Chinesen glauben fest daran,dass das chinesische Volk aus einem gemeinsamen Ursprung abstammt.Ob Legende oder nicht,so glauben wir, dass das chinesische Volk einen Urahne hatte,nämlich den sogenannten „gelben Kaiser“.

    Historiker glauben, dass der gelbe Kaiser einem sinotibetischen Volksstamm angehört,das vor 5000 Jahren am gelben Fluß angesiedelt war.Dieser Volkstamm besiegte unter dem gelben Kaiser ein rivalisierendes Volk am gelben Fluß, wahrscheinlich Vorfahren des Volkes Hmong, und vertrieb es nach Südchina.

    Dann verbündete sich der gelben Kaiser mit dem „Yan Kaiser“eines anderen sinotibetischen Volksstamms.Dieses neu entstandene Volk verbreitete sich über Zentralchina und gründete vor 4000 Jahren das Königreich der Xia,(gesprochen wie Schia), auch Xia Dynastie genannt.Nach 400 Jahren Herrschaft wurde das Königreich Xia von einem sinisierten Volk Shang angegriffen und vernichtet. Die Shang waren höchstwahrscheinlich ein Mischvolk aus sinotibetischen Volkstämme und Dongyi(wörtlich:Babaren des Ostens,bewohnt in Provinz Shangdong).
    Die Shang gründeten ein Königreich und entwickelte die Kultur der Xia Dynastie weiter.Nach 600 Jahren Herrschaft wurde dieses Königreich von einem sinotibetischen Volk namens Zhou aus Westen Chinas angegriffen und vernichtet.Die Zhou behaupteten sich Nachfahren des gelben Kaisers zu sein.Sie gründeten ein Königreich, und errichteten hunderte von Herzogtürmern.
    771.vor Chr. wurde die damaligen Hauptstadt der Zhou von einem Reitervolk, damals Babaren des Westens genannt, angegriffen und zerstört.

    Die königliche Familie,die diese Katastrophe überlebt hatte, versetzte die Hauptstadt in eine Stadt weit im Osten des Zentralchinas.Aber die königliche Macht war bereits stark geschwächt.Die Herzogtümer wurden mächtiger und führten miteinader Kriege.Einige Jahrhunderte später wurden aus diesen hundert von Herzogtürmern 7 Königreiche.

    Die Zhou bezeichneten sich als das „Huaxia“ Volk.Das Zeichen „Hua“bedeutete Schönheit.Gemeint waren die schönen Kleidungen,die die Zhou trugen.Das Wort Xia bedeutete Größe.

    Da die Menschen von den vielen Herzogtümern mit dem Zhou irgendwie verwandt waren,be zeichneten sie sich selbst auch als „Huaxia“.Alle anderen Völker waren für sie Babaren.Das ist ziemlich ähnlich wie bei den alten Griechen.Obwohl es viele griechischen Staaten gab,bezeichneten die Spartaner oder Athener oder Makedonier sich als Angehörige des Hellenismus.

    Die Beichnung „Huaxia“ entwickelte sich später als Han Chinesen oder auch ethnichen Chinesen.

    Dazu ist anzumerken,dass damals das Hochchinesisch die Sprache von Zhou war.Die Huaxia konnten sich mit dieser Sprache überall in den Huaxia Staaten verständigen.So konnten zum Beispiel die Schüler von Konfuzius die Sprache des Konfuzius (Zhou Sprache ) verstehen,obwohl sie aus verschiedenen Staaten kamen.


    Das Königreich von Qin vereinigte mit Gewalt alle Huaxia Staaten in China im 3.Jahrhundert v. Chr. zu einem Großreich.Der König von Qin nannte sich der erste Kaiser von Qin.Er vereinigte die chinesischen Schrift.So wurde die gemeinsame Identität der Huaxia noch verstärkt.


    Das Qin Imperium war nur von kurzer Dauer.Das Reich wurde innerhalb von 20 Jahren von Aufständen zertrümmert.
    Zuerst wollten die Adligen der alten Huaxia Königreiche die Feudalstaaten wiederherstellen.


    Nach Jahrzehnte Kämpfe jedoch gelang es Liu Bang,der König von Han(sein Lehen umfaßte die ehemaligen Gebiete des Qin Königreiches),ganz China zu vereinigen und gründete das Han Reich.Im Laufe der folgenden 4 Jahrhunderte wurde das Han Reich auf das Zweifache vergrößert.

    Die Huaxia Völker wurden fortan von den Babarenvölker als Leute der Han bezeichnet.

    Diese Bezeichnung übernahmen die Huaxia später als ihre eigene.


    Am Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. spaltete sich das Han Reich in drei Kaiserreiche:Kaiserreich von Wei, Kaiserreich von Shu und Kaiserreich von Wu.

    Nach ungefäir 50 Jahren wurden 3 Reiche zum „Jin“ Reich vereinigt.

    Beachte hierbei,dass die Namen der Königreiche und Kaiserreiche im antiken China fast immer auf die adligen Titel der Staatsgründer beziehen.So war der Jin kaiser früher Herzog von Jin im kaiserreich von Wei,später König von Jin.Er war irgendwann so mächtig dass der Wei Kaiser abdanken musste und er das Jin Reich begründete.Danach führte er Krieg gegen Kaiserreich von Wu und eroberte es.Das Kaiserreich von Shu war bereits paar Jahren zuvor von Kaiserreich von Wei erobert worden.


    Jahrzehnte nach der Reichsgründung von Jin gab es Bürgerkrieg zwischen 8 Prinzen um den Kaiserkron.
    Dadurch wurde das chinesische Reich sehr stark geschwächt.

    Die schon Jahrhundert zuvor von den Chinesen unterworfenen Hunnen machten das zum Nutzen und rebellierten gegen die Chinesen.Bald eroberten sie die Hauptstadt der Chinesen und besetzten Nordchina.

    Wie in Europa,gab es nun eine Völkerwanderung.Es war jedoch keine germanische Völkerwanderung,sondern eine chinesische.Hunderttausende Chinesen flohen vor dem Hunnensturm nach Südchina,das damals noch unterentwickelt war und große Teile noch Kolonien der Chinesen waren.

    Das Hunnenreich in Nordchina wurde aber bald darauf von den in china siedelnden Völker aus Zentralasiens vernichtet.Insgesamt 5 Völker aus Zentralasien und Mandschurei gründerten auf nordchinesischen Boden 16 Königreiche.Südchina blieb jedoch in chinesischer Hand.

    Die Chinesen,die in Nordchina geblieben waren,litten natürlich unter Diskriminierung.Es gab massenweise Völkermorde zwischen Chinesen und nichtchinesischen Völkern, Völker aus Zentralasien gegen Völker aus der Mandschurei,usw.

    Eine dunkle Epoche,in der Kanibalismus und Morde nur zu häufig waren.
    Da war noch ein chinesischer General Ran Min,der aus Rache die chinesische Bevölkerung in Nordchina aufrief,alle nichtchinesischen Völker zu vernichten.Allein in der Hauptstadt Yecheng wurden 200.000 Nichtchinesen umgebracht.
    Aus Angst vor Vergeltung flohen viele Völker wieder nach Zentralchina zurück.Auf dem Weg nach Hause kämpften sie sich gegenseitig.Nur etwa 2 oder 3 von Zehn Menschen kehrten in ihre Heimat zurück.

    Die verbliebenen Völker aus der Mandschurei waren gegenüber den Chinesen stark in der Unterzahl, sodass sie mit den Chinesen kooperieren mussten.Diese Völker wurden im Laufe der Geschichte sehr schnell sinisiert.
    Ran Min war sehr kontrovers in die Geschichte Chinas eingegangen.Viele Historiker bezeichneten ihn als Teufel,andere jeoch lobten ihn als der Retter des Chinesentums.Noch heute feiern viele Han chinesische Nationalisten ihn insgeheim als Held.

    Im Jahr 589 n. Chr. wurde ganz china unter einem Han Chinese namens Yang Jian vereinigt.Er gründete das Sui Reich.29 Jahre später wurde die Sui Dynastie durch das Tang Reich der chinesichen Li Familie ersetzt.Die Tang Periode war der goldene Zeitalter der chinesichen Expansion,

    Nach Tang Dynastie folgte die Han chinesische Song Dynastie.

    1126 n. Chr. wurde Nordchina von einem kriegerischen Nomadenvolk Jurchen aus der Mandschurei erobert und im 1279 wurde schließlich ganz China von Mongolen erobert.Die Mongolen brauchten ein halbes Jahrhundert,um das Chinesisches Reich im Südchina zu erobern.

    Einige Historiker behaupten,dass bei dem Eroberungsfeldzug Chinas durch die Mongolen mehr als 50 Millionen Chinesen getötet oder verhungert worden waren,

    Aber die Han Chinesen waren trotz dieser Eroberungen die überwiegend Mehrzahl der Bevölkeung Chinas.

    In dem Mongolenreich wurden alle Menschen des Reiches in Rassenklassen unterteilt.Da waren die Nordchinesen die 3. Klasse Und Südchinesen die 4.Klasse.Die Chinesen wurden diskriminiert.Zum Beispiel brauchte ein Mongole nur den Preis eines Esels zu zahlen,falls er einen Chinesen totschlug.

    Die mongolische Herrschaft dauerte nur weniger als hundert Jahren.Dann vertrieben die Chinesen Mongolen aus China.Die mongolische Bevölkerung,die in China geblieben war,fiel einem Massaker zum Opfer.

    Die Chinesen gründeten das Ming Reich.Im 1644 jedoch wurde die Ming Dynastie von den Bauernaufständen gestürzt.Die Mandschus aus der Mandschurei machten das zum Nutzen und fielen in China ein.China war damals in einer Anarchie gestürzt und die chinesische Bevölkerung konnten keine wirksamen Widerstand leisten.
    Die verbliebene Ming Regierung in Südchina war viel zu sehr um den Thron verstritten,um sich erfolgsam die Mandschusinvasion abzuwehren.
    So eroberten die Mandschus in 20 Jahren mit Hilfe von chinesischen Generäle,denen sie Reichturm und Königtitel versprochen haben,ganz China.

    Die Mandschus waren damals fast noch eine Sklavengesellschaft.Sie machten chinesische Bauern zu Leibeigene und befahlen alle Chinesen wie sie einen Zopf zu tragen,um die Chinesen zu demütigen.Es gab erbitterten Aufstände gegen diesen Befehl und Millionen Toten auf der Seite der chinesischen Bevölkerung waren die Folge.
    Die Mandschus verbrannten viele wissenschaftlichen Bücher und vernachlässigten und verzichteten gleichzeitig die Entwicklung der hochentwickelten Schußwaffen und Kanonenbau der Han Chinesen.Neue Ideen von Aufklärung von konfuzianischen Denkern wurden verboten und auch christliche Missionäre wurden später vertrieben.(Die Ming Rigierung hatte großen Respekt zu den Missionäre.Viele konfuzianischen Ming Beamte wurden zum Christentum konvertiert)


    Sogar noch in der Revolution von 1911 riefen chinesische Nationalisten, Huaxia(China) wiederherzustellen und die Mandschus zu vertreiben.
    Schließluch wurde die Mandschu Fremdherrschaft in 1911 gestürzt,die chinesische Republik wurde gegründet.

    Da das Mandschu Reich Tibet,Xinjiang(Ostturkistan) und Mongolei beherrschte, wollten die Chinesen diese Gebiete nach der Gründung der Republik nicht verlieren.So erfanden sie ein neues „Volk“,sogenanntes“zhonghuaminzu“.
    Zhonghua war eine andere Bezeichnung für die chinesische Zivilisation.
    Laut diesem Begriff sollten alle Tibter,Mongolen, Mandschus,auch Han Chinesen zu diesem „Staatsvolk“gehören.

    Heute gibt es viele Bezeichungen für Chinesen in Chinesisch:

    Zhonghuaminzu:alle Völker in der Volksrepublik China gehören zu diesem „Staatsvolk“
    Zhongguoren:Mensch des Reiches der Mitte.
    Hanren;Mensch der Han, Angehörige des Han Volks
    ….


    So gibt es heute viele Verwirrungen, was die Identität der Chinesen betrifft.Wenn ein Europäer etwa sagt,dass Tibet von China besetzt wird,würden die meisten Chinesen antworten:“Die Tibeter gehören auch zum chinesischen Volk-------- Zhonghuaminzu“

    So interpretierten die „modernen“ chinesischen Historiker die Invasion der Mongolen und Mandschus als „Bürgerkrieg“ .Sie wurden sogar als „Einigung Chinas“hochgelobt,ungeachtet der Tatsache,dass damals Millionen von Chinesen umgebracht wurden.So wurden die Vergewaltigungen der chinesischen Frauen durch die Mongolen und Mandschus in den Büchern de facto als“Blutauffrischung für das alte Han Volk“ interpretiert.So wurden plözlich traditionelle chinesische Helden wie Yue Fei nicht mehr als „nationale Helden“ bezeichnet ,da die Nachfahren der Jurchen(die Mandschus),gegen die er gekämpft hat, heute ja chinesische Staatsbürger sind.

    Aber nichtsdestotrotz bin ich stolz auf die Han Zivilisation,schon allein daher, dass sie und damit auch das Han Volk als Einzige die drei Jahrtausende überlebt hat.
    Zuletzt geändert von mzhu; 30.12.2007, 17:22.

  • #2
    Das ist eigentlich auch ein hochaktuelles Thema in China.


    Es ist nämlich so,dass in den letzten Jahrzehnten im chinesischen Fernsehen massenweise historische romantische Filmserien veröffentlicht worden sind,die um das Mandschu Reich handelten.Nun, Die Regisseure haben unverschämterweise die Mandschu Herrschenden derart gelobt,als wären sie die größten Herrscher Chinas überhaupt.


    Was viele Europäer nicht wissen, ist , das viele Han Chinesen es verabscheuen,das Image der Chinesen als ein Mandschu Chinese mit einem Zopf zu sehen.Diese Haartracht ist längst ein Symbol der Barbarei und Unterwürfigkeit geworden.

    Daher empört es den Han chinesischen Zuschauern,vor allem jungen Leute,dass im TV plötzlich nur so von Leuten mit Mandschu Anzug und Zopf wimmelt.

    Dass die Mandschu Fremdherrscher als nette und große Herrscher dargestellt werden, auch die hochgelobte Fremddynastie, empört viele Han Chinesen.Sie sind ja nicht blöd, viele wissen über die Geschichte Bescheid.


    Ausserdem ist das Thema „Nationalismus“in China sehr populär.Man erkennt ,wie blind junge Chinesen sein könnten,wenn es um Japan handelt.Mit welchen blinden Haß sie dann gegen Japan einsetzen würden.Dazu kommt es,dass Rassismus und Nationalismus in China lange nicht aufgeklärt sind wie in Deutschland.Viele jungen Chinesen verehren im wahrsten Sinne des Wortes Das Dritte Reich und hoffen auch auf einen „chinesischen Führer“.


    Hinzu kommt der enorme soziale und wirtschatliche Druck.Da ist jeder noch so kleine Konflikt zum Sprengstoff des blinden Nationalismus geworden.

    Dass die Volkrepublik jetzt Dschingis Khan, oder Nurhachi als Helden ansieht, kann auf lange Sicht nur auf einen ungeheueren Haß der jungen Han Chinesen erwarten.Schon jetzt gibt es im Internet eine „Schlacht“ zwischen Mandschus, die Befürworter der Mandschu Dynastie und Han Nationalisten.Dann gibt es noch die Ungerechtigkeiten,dass Ein-Kind-Politik in China nur auf die Han Chinesen beschränkt ist und die Minderheitbevölkerung so viele Kinder zeugen kann wie sie es nur will.Das empört die Han Chinesen auf tiefste.Schon im 2005 zählen die neugeborenen Kinder der Minderheitvölker Chinas 44% der gesamten neugeborenen Kinder Chinas.Heute sind über 91% aller Chinesen Han Chinesen, aber wie ist es in 50 Jahren,wenn diese Ein-kind Politik weiter nur auf die Han Chinesen beschränkt ist?

    Deswegen denke ich machmal,dass die Mentalität der jungen Chinesen mit dem Thema Nationalismus vielleicht viel „rückständiger“ ist als die Europäer sich nur vorstellen können.
    Zuletzt geändert von mzhu; 30.12.2007, 18:09.

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    • #3
      Wow, das ist ja wirklich hochinteressant was du hier schreibst. Hier gibt es übrigens noch einen anderen - inzwischen "etwas" längeren - Thread über China, wo es inhaltlich allerdings mehr um zukünftige Entwicklungen geht: http://www.scifi-forum.de/off-topic/...r-zukunft.html
      "The only thing we have to fear is fear itself!"

      Kommentar


      • #4
        Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
        Wow, das ist ja wirklich hochinteressant was du hier schreibst. Hier gibt es übrigens noch einen anderen - inzwischen "etwas" längeren - Thread über China, wo es inhaltlich allerdings mehr um zukünftige Entwicklungen geht: http://www.scifi-forum.de/off-topic/...r-zukunft.html

        Danke.

        Die Seite kannte ich schon.Das ist schließlich die Seite,die mich hierher geführt hat.

        Nun ja, ich finde die Vergangenheit auch sehr wichtig.Denn
        ohne zu wissen was die Chinesen unter ihrer Identität verstehen kann der Europäer sich unter dem Patriotismus oder Nationalismus der heutigen Chinesen
        nicht vorstellen.

        Leider sind viele Berichte und Diskussionen
        über China eher oberflächlich,und manchmal auch nur schlicht
        übersetzt worden aus den chinesischen Medien.
        Aber nicht immer alles was die VR China so behauptet ist richtig.
        Zuletzt geändert von mzhu; 31.12.2007, 15:13.

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