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Ursache von allen Problemen:Unser Minderwertigkeitsgefühl gegenüber dem Westen

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  • Ursache von allen Problemen:Unser Minderwertigkeitsgefühl gegenüber dem Westen

    Ich habe 12 Jahren in China verbracht.Ich weiß wie die Chinesen allgemein über den Westen denken.

    Im Grunde haben wir Chinesen sehr starkes Minderwertigkeitsgefühl gegenüber
    dem Westen.

    Schon in der Grundschule wurde uns eingeprägt was die westlichen Großmächte uns im
    19.Jahrhundert angetan haben, als wäre es erst gestern gewesen.

    Hingegen wurde die Kulturrevoltution schnell überflogen,als ob sie zur
    antiken Geschichte gehöre.

    Zugleich erfuhren wir wie rückständig
    China war,wie die Kolonialmächte uns Chinesen Jahrhundert lang durch ihre
    materielle Überlegenheit fertig gemacht haben.

    Schuld für den Untergang unseres Landes
    sei die korrupte Mandschu Regierung und
    der Westen gewesen.

    Auch wurde uns erzählt dass der Westen unser Land Jahrhundert lang ausgebeutet hat.

    Wir hatten in der Grundschule Schultexte,die beschreiben wie wir Chinesen in der
    Kolonialzeit von den Europäern in unserem eigenen Land erniedrigt wurden,wie
    wir als Untermenschen behandelt wurden.Fast alle chinesische Grundschüler kannten die
    Geschichte von „Hund und Chinesen dürfen
    nicht rein“.

    Es war einmal ein Park in China in der Kolonialzeit.Im Eingang stand ein Schild
    mit der Inschrift drauf „Hund und Chinesen dürfen
    nicht rein“.Da der Hund in China als ein Schimpfwort gilt,so blieb diese
    Inschrift für uns eine
    unglaublich schmerzhafte Erinnerung der nationalen Schmach.

    So bekamen wir aber schon als kleines Kind Minderwertigkeitsgefühl gegenüber
    dem sagenhaft überlegenen Westen.

    Später wurde uns in der Schule unterrichtet wie glorreich China in der Antike und im
    Mittelalter war.Eine großartige Zivilisation hatten wir. Wir können uns stark
    mit dem antiken China identifizieren,zumal ein durchschnittlicher Chinese von heute die chinesischen Zeichen vor 2000 Jahren noch gut lesen kann.Auch die
    Literatur der Antike lesen wir in der Schule.Wir können uns stark in die
    chinesische Antike hineinversetzen.Wir verstehen die antiken Chinesen gut,wir
    sind uns fest davon überzeugt
    dass wir direkt von ihnen abstammen.Deswegen ist die Gloria der alten Chinesen auch
    unsere----so denken die meisten Chinesen.

    Wir Chinesen seien Nachfolger des Drachen,wir hätten in unserer Ader edles Blut der
    mysterischen Urkaiser Yan und Huang vor 5000 Jahren,die die großartigste
    Zivilisation erschaffen haben.

    Dadurch sind wir auch unglaublich stolz auf unser Land als Kulturnation.Viele von uns
    denken dass wir Chinesen eigentlich
    bessere Menschen seien,besser als die„
    europäischen Barbaren“.

    Dieser enorme Kontrast von der unglaublichen glorreichen Antike und Mittelalter zum
    unglaublich demütigenden
    19.und 20.Jahrhundert hinterlassen uns Chinesen ein sehr verzerrtes Stolzsein
    als Chinese.

    Zurück in der Realität stellen wir
    uns aber fest,dass wir Chinesen als ein Volk immer noch bitterarm sind im
    Vergleich zu den ehemaligen „Barbaren“ Europas.Wir stellen uns fest dass alles
    was heutezutage das moderne China bildet,eigentlich aus der westlichen Zivilisation
    kommt.

    Wir stellen uns auch fest dass die Staatsbürger
    der Industrienationen immer noch überall
    in China von unseren Behörden bevorzugt
    werden,dass die Europäer in unserem Land als ne Art Übermenschen behandelt
    werden.

    Viele von uns sind sogar wütend dass
    viele chinesische Frauen, die kaum Englisch sprechen sich mit Europäern verheiraten.

    Viele beschimpfen die Ursache dahinter als „Gier nach Geld“,“Gier nach besseres Leben“.

    Aber chinesische Männer die europäische Frauen geheiratet haben sind dagegen sehr stolz dafür und zeigen dies gerne als eine Show bei anderen
    Chinesen,um von allen „beneidet“zu werden.

    Ja, wir
    Chinesen haben Minderwertigkeitskomplexe,daher sind wir hochsensibel wenn die Europäer
    unser Land kritisieren.

    Manch einer von uns kritisiert auch gerne die
    chinesische Regierung,aber nur unter uns.
    Wenn aber z.B. ein Deutscher Kritik gegen China ausübt,fühlt sich der
    durchschnittliche Chinese beleidigt.Da er sich nur schwer unterscheiden kann ob
    der Deutsche "nur"die chinesische Regierung attackiert oder Chinesen
    allgemein.Viele Chinesen sind immer noch der Meinung dass die Deutschen(auch
    andere Europäer) sich gegenüber Chinesen "rassistisch" überlegen
    fühlen.

    Viele chinesische Bürger
    beneiden Auslandschinesen in Amerika.

    Aber zugleich bezeichnen sie die amerikanischen Chinesen gerne als Bürger zweiter Klasse in
    Amerika,was der Realität nicht entspricht was jedoch das Minderwertigkeitsgefühl vieler Chinesen klar herraus
    stellt.

    Wer bezeichnet seine eigenen Landsleute schon so gern als Bürger zweiter Klasse in Amerika?

    Wenn ein amerikanischer Chinese etwa sagt dass er ein Amerikaner ist und dass er
    Amerika als sein Land ansieht,wird er schon von vielen Chinesen beschimpft.Man
    würde ihn verhöhnen:“Du bist
    kein Amerikaner da du die gelbe Haut in dir trägst.Du wirst nie von den
    Amerikanern als einer von ihnen akzeptiert werden!“

    Ist das nicht eine Art vom Minderwertigkeitsgefühl
    von uns Chinesen selber,dass wir unsere Landsleute im Ausland so verbal
    erniedrigen?

    Auch ich hatte Minderwertigkeitskomplex.Denn meine alte Heimatland war im Vergleich
    zu Deutschland ziemlich armselig.

    Ich wollte auch von niemandem wegen meiner ethnischer Herkunft diskriminiert
    werden,also verteidigte ich stets mein Vaterland China vor meinen Mitschülern.

    Ich zeigte ihnen Zeitungsartikel die über
    den rasanten Wirtschaftsaufstieg Chinas beschreiben.

    Als ich mit einem deutschen Freund in China war,war ich hoch begeistert und zeigte
    ihm überall die prächtige Seite
    vom Chinas wirtschaftlichen Erfolg.

    Er aber fotografiert gerne Chinas Schattenseite: alte kaputte Autos,in sich
    zusammenbrechen aussehende Häuser,arme Wanderarbeiter.

    Ich war sehr zornig darüber und ich
    habe mit ihm lang gestritten.Ich rechtfertigte mein Land.

    Genau so ergeht es bei vielen anderen Chinesen.

    Letztendlich habe ich meinen Minderwertigkeitskomplex größen Teils überwunden.



    Denn ich weiß nun dass man nur stolz auf sich sein kann.

    Auf ein Land muss man nicht stolz sein.

    Ich habe auch schon längst begriffen dass die meisten Deutschen schon längst keine
    Rassisten sind wie viele Chinesen behaupten.

  • #2
    hmmm... was ich als "westler" nicht begreifen kann, ist warum die Chinesen nach aussen so loyal zu ihrer Regierugn zu stehen scheinen obwohl diese eigentlich (zumindest aus westlicher Sicht) nur am Laufmeter Scheisse baut.
    Understanding the scope of the problem is the first step on the path to true panic.

    - Florance Ambrose

    Kommentar


    • #3
      In gewisser Weise kann ich die Reaktionen der Chinesen durchaus nachvollziehen. Wenn ich mir die Geschichte Deutschlands und der Menschen ansehe, dann erkenne ich darin einige Parallelen.

      Nach den beiden verlorenen Weltkriegen - vor allem des letzten - haben viele (vielleicht sogar die meisten) Menschen in Deutschland sich auch geschämt, Deutsche zu sein. Sie haben versucht, ihre Vergangenheit zu verdrängen und haben sich vollständig auf Amerika und dessen Kultur konzentriert. Alles, was aus Amerika kam war gut und und interessant; so wie die Amerikaner waren, wollten die Deutschen auch sein. Sie haben versucht ihre Vergangenheit tot zu schweigen und zu vergessen. Deutschland vor 1945 schien es nie gegeben zu haben.

      Dennoch fühlten wir uns alle schuldig. Ich sage "alle", denn ich habe dieses Schuldgefühl auch sehr lange mit mir herum getragen, obwohl ich eigentlich nie wußte, warum ich mich schuldig gefühlt habe (ich wurde fast 20 Jahre nach Beendigung des Krieges geboren). Es war einfach so ein Gefühl, als würde einem das Dritte Reich wie eine Erbsünde hinterher hängen. Und "netterweise" wurde einem das auch von anderen Ländern - oder besser einem Teil der dortigen Bevölkerung - durchaus auch deutlich gemacht. Als mein Bruder anfing, LKW zu fahren und öfter nach Frankreich kam, wurde er dort in einigen Gastwirtschaften nicht bedient - weil er Deutscher war. Und auch ich habe bei meinem ersten Besuch in den Niederlanden Leute getroffen (die meist so zwischen 30 und 40 Jahre alt waren), die mich abgelehnt hatten, weil ich Deutsche bin. Und das tut echt weh. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, und man fühlt sich wie ein geprügelter Hund und weiß nicht einmal, warum. Wut und Trotz ist darauf in den meisten Fällen die erste - durchaus nachvollziehbare - Reaktion. So war es auch bei mir.

      Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich dieses Schuldgefühl (und auch den Trotz und den unterschwellige Zorn) losgeworden bin und in der Zwischenzeit kann mich niemand mehr damit beleidigen, dass er in den Deutschen nur die Nachkommen von Nazis sieht. In der Zwischenzeit lache ich darüber, denn die Leute, die glauben, die Deutschen auf diese Weise beleidigen zu können, beleidigen eigentlich nur sich selbst.

      Etliche andere sind noch nicht so weit und werden vielleicht nie soweit kommen. Sie flüchten sich in einen unsinnigen und dummen Nationalismus und glauben, sie würden etwas Besseres sein, wenn sie andere Völker gering schätzen und beleidigen - also ähnlich reagieren, wie Du es von einem Teil der Chinesen beschrieben hast. Die vermeindliche "Schande" werden sie aber auf diese Weise nicht los. Die wird man nur los, wenn man sich selbst findet und die Vergangenheit und die Gegenwart zu akzeptieren lernt - so wie Du.

      Wenn ich übrigens China kritisieren (so, wie ich auch andere Länder kritisiere), dann meine ich damit ausschließlich die Regierung. Für das Volk der Chinesen selbst empfinde ich nur Sympathie - vor allem, wenn ich z.B. Berichte sehe, die von Menschen handeln, die von der Partei einfach enteignet und aus ihrer Heimat zwangsumgesiedelt werden, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Ich wundere mich immer wieder, wie die Menschen das alles ertragen.
      Aber ich bin sicher, dass auch das mit der Zeit besser werden wird. Ich drücke den Chinesen auf alle Fälle die Daumen. Auch dafür, dass sie nicht in blinden Nationalismus abdriften.
      Zuletzt geändert von Noir; 23.04.2008, 08:24.
      *Behandle einen Stein wie eine Pflanze, eine Pflanze wie ein Tier und ein Tier wie einen Menschen.*
      *Alles was einmal war, ist immer noch, nur in einer anderen Form.*
      Indianische Weisheiten
      Ich bin nicht kaffeesüchtig, aber wenn ich irgendwann einmal verbrannt werde, werde ich vermutlich nicht zu Asche zerfallen, sondern zu Kaffeesatz! ;)

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