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Pressefreiheit - im großen und im kleinen Stil

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  • #16
    Hallo,

    ...jedes Recht ist untrennbar mit dementsprechenden Verpflichtungen verbunden.
    Pressefreiheit ja, deren Missbrauch definitiv nein. Wir sollten trotz aller Freiheiten nie die Tragweite unserer Handlungen aus den Augen verlieren, nie die damit verbundene Verantwortung.
    Denn es ist nur ein kleiner Schritt von kontrovers zu unverantwortlich.

    Da werde ich mal eben mich selbst zitieren:
    [...]Wir rühmen uns nicht zu Unrecht mit den Idealen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Aufklärung, Reformation, Rede- und Pressefreiheit sowie Humanismus. Natürlich können wir stolz sein die Willkürmonarchien feudaler Herrscherfamilien, totalitäre Systeme und die Unterdrückung durch die Dogmen, von nicht weniger machtbesessenen, Kirchenfürsten erfolgreich bekämpft und überstanden zu haben.
    Frei- und Andersdenker nährten einst die „heiligen Feuer“ der Inquisition. Angezündet von christlich-fanatischen Dogmatikern und deren weltlichen Spießgesellen. Die Zensur des 19 und 20 Jahrhunderts hat manchen Zeitungsschreiber in die Konzentrationslager und Kerker dieser Zeit verfrachtet.

    Alleine schon deshalb sind Informations-, Presse- und Redefreiheit mit die schützenswertesten Güter einer freiheitlich-demokratischen, modernen Gesellschaft. Dazu bedarf es allerdings einem gleichwertigen Zugang zu essentiell wichtigen Informationen und einer gebildeten Bevölkerung. Die dazu in der Lage ist, die immense Flut an Informationen zu filtern, mit der nötigen Distanz zu bewerten und letztendlich die „subjektiv“ richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

    Auf der anderen Seite ist das Bild eines Landes, einer Gesellschaft oder einzelner Personen schnell gezeichnet. Viel zu schnell. Nicht erst der Zweite Weltkrieg, mit seinen totalitären Nachrichtenmaschinerien und Propagandakampagnen wie der nationalsozialistischen oder der sowjetischen Regime, hat den jeweiligen Interessengruppen die Macht der Medien aufgezeigt. Schon immer war man sich der rhetorischen Kraft und Bedeutung des Wortes bewusst.
    Nur das die Macht des geschriebenen oder gesendeten Wortes, zunehmend unser Denken und Handeln irrational zu beeinflusst scheint. Eilfertig verfasste Artikel oder Sendungen, gepaart mit journalistischen Entgleisungen und unseriöser Berichterstattung, trugen schon zur Zerstörung von manchen Existenzen bei. „Die Ehre der Katharina Blum“ ist ein passendes, wenn auch fiktives Beispiel.
    „Ups, da haben wir uns wohl geirrt. War nur ein journalistisch-intellektueller Totalausfall.“[...]
    „Redefreiheit(Pressefreiheit) gibt uns nicht das Recht, in einem vollen Theater "Feuer!" zu brüllen.“
    (Morris Seidmann)

    Gruß Night...
    "Unzählige Menschen haben Völker und Städte beherrscht, ganz wenige nur, sich selbst."(Lucius Annaeus Seneca)
    "Ich bin mit meinem bisschen Mensch sein derartig ausgelastet - zum Deutsch sein komm' ich ganz selten." (V. Pispers)

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    • #17
      Zitat von max
      Das gilt auch für die Presse. Eine freie Presse kann es natürlich nur geben, wenn diese auch finanziell frei ist.
      Die finanzielle Freiheit ist a) heutzutage generell gegeben, da die notwendigen finanziellen Mittel für die Veröffentlichung sehr gering bis null sind b) grundsätzlich nicht schaffbar, da investigativer Journalismus im Zweifel keine Ergebnisse bringt. Zwischen diesen beiden Extremen vermittelt der Markt für Informationen.

      Zitat von max
      Das ist ja auch ein Problem, wenn man das nur auf die Freiheit vor staatlicher Zensur reduziert. Freiheit braucht auch eine materielle Grundlage.
      Wenn man das mal von den finanziellen Aspekten abstrahiert, stellt man fest, dass eine ideale freie Presse nur dann möglich ist, wenn sie quasi eine Art Parallelgesellschaft darstellt, die in keinster Weise (also weder finanziell, noch politisch oder juristisch) von der eigentlichen Gesellschaft, die sie ja kontrollieren soll, beeinflusst wird, was natürlich das Problem aufwirft, dass die Presse selbst nicht kontrolliert wird usw.
      Insbesondere ist eine freie Presse in einem Staat ohne strikte Gewaltenteilung (hier zwischen 1.,2. und 3. Gewalt auf der einen und 4. auf der anderen Seite) nicht möglich. Das Ideal kann also auch mit maximaler finanzieller Freiheit nicht erreicht werden.

      @LuckyGuy:
      ein rechter Sozialdemokrat ist ein rechter Sozialdemokrat. D.h. diese Person steht natürlich links z.B. von den Konservativen
      ...
      Jemand, der dies auf der Grundlage z.B. des Sozialstaats, Steuerrechts etc. der 60er kritisiert, erscheint dann als links - obwohl es um Verteidigung von Massnahmen geht, die damals die CDU umgesetzt hat.
      Das ist übrigens genau das, was ich mit sozialkonservativ gemeint habe, es gibt derzeit keine nennenswerten linken progressiven Kräfte. Praktisch alle beziehen sich auf Konzepte, die schon uralt sind. Progressive Parteien entstehen heutzutage nur noch aus sehr speziellen Partikularinteressen (Piratenpartei) oder finden überhaupt nur noch als Bürgerinitiativen statt (die sich dann aber auch sehr schnell auf Verteidigung alter Zustände konzentrieren siehe AK Vorrat). Es ist schon bemerkenswert, dass die progressivsten Impulse für die Gesellschaftsordnung dieses Landes in letzter Zeit vom BVG kamen (Recht auf Informationelle Selbstbestimmung, Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme.
      können wir nicht?

      macht nix! wir tun einfach so als ob!

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      • #18
        Zitat von blueflash Beitrag anzeigen
        Die finanzielle Freiheit ist a) heutzutage generell gegeben, da die notwendigen finanziellen Mittel für die Veröffentlichung sehr gering bis null sind b) grundsätzlich nicht schaffbar, da investigativer Journalismus im Zweifel keine Ergebnisse bringt. Zwischen diesen beiden Extremen vermittelt der Markt für Informationen.
        Die Veröffentlichung von reinen Meinungsartikeln ist billig, aber richtige Recherche ist es nicht. Diese braucht alleine schon Zeit und diejenigen, die die Recherchen machen, brauchen in dieser ein Einkommen (die Kosten sind übrigens ein Grund, warum es diesen Journalismus kaum mehr gibt. Viele schreiben ja nur noch Pressemitteilungen und Berichte von anderen ab).
        Zitat von blueflash Beitrag anzeigen
        Wenn man das mal von den finanziellen Aspekten abstrahiert, stellt man fest, dass eine ideale freie Presse nur dann möglich ist, wenn sie quasi eine Art Parallelgesellschaft darstellt, die in keinster Weise (also weder finanziell, noch politisch oder juristisch) von der eigentlichen Gesellschaft, die sie ja kontrollieren soll, beeinflusst wird, was natürlich das Problem aufwirft, dass die Presse selbst nicht kontrolliert wird usw.
        Es würde schon reichen, wenn eine Finanzierung unabhängig von den vertretenen Meinungen garantiert ist - was ja heute nicht der Fall ist.
        Zitat von blueflash Beitrag anzeigen
        Das ist übrigens genau das, was ich mit sozialkonservativ gemeint habe, es gibt derzeit keine nennenswerten linken progressiven Kräfte. Praktisch alle beziehen sich auf Konzepte, die schon uralt sind.
        Ob ein Konzept Wurzeln hat, die schon ein paar Jahre alt sind oder nicht, hat doch nichts damit zu tun, ob es progressiv oder konservativ ist. Progressiv ist auf Fortschritt ausgelegt - konservativ auf die Erhaltung des Bestehenden. Man kann jemand wie Lafontaine sozialkonservativ nennen, wenn er den Sozialstaat der 70er verteidigt. Die drei "neuen" Grundrechte des Bundesverfassungsgerichts sind meiner Meinung nach auch nicht neu - sondern eigentlich Selbstverständlichkeiten, die sich aus der Übertragung bestehenden Rechts auf neue Kommunikationstechnologien ergeben. In dem Sinn sind sie "konservativ".
        Resistance is fertile
        Für die AGENDA 3010! 30-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich und 10 Euro gesetzlichem Mindestlohn!
        The only general I like is called strike

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        • #19
          Zitat von max Beitrag anzeigen
          Es würde schon reichen, wenn eine Finanzierung unabhängig von den vertretenen Meinungen garantiert ist - was ja heute nicht der Fall ist.
          Entweder, der Journalist arbeitet ohne Bezahlung, ehrenamtlich, oder er nimmt von irgend jemandem Geld.
          Und so bald er von irgend jemandem Geld nimmt hat dieser jemand Einfluß auf den Journalisten - bewusst oder unbewusst.

          Das ist übrigens der Grund, warum es nicht reicht, eine Zeitung zu lesen, um umfassend informiert zu sein.

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          • #20
            Zitat von Pyromancer Beitrag anzeigen
            Und so bald er von irgend jemandem Geld nimmt hat dieser jemand Einfluß auf den Journalisten - bewusst oder unbewusst.
            Sicher. Dagegen würde es aber helfen, wenn eine Finanzierung grundlegend gesichert ist. Z.B. etwas in der Art eines staatlichen Einkommens, was gesetzlich ohne Bedingungen garantiert ist (man kann übrigens in der BRD problemlos fünf, sechs Zeitungen lesen - alle vom gleichen Besitzer ).
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            • #21
              Zitat von max Beitrag anzeigen
              Sicher. Dagegen würde es aber helfen, wenn eine Finanzierung grundlegend gesichert ist. Z.B. etwas in der Art eines staatlichen Einkommens, was gesetzlich ohne Bedingungen garantiert ist
              Das löst gar nichts und verursacht nur einen Rattenschwanz von weiteren Problemen.

              (man kann übrigens in der BRD problemlos fünf, sechs Zeitungen lesen - alle vom gleichen Besitzer ).
              Man kann aber in Deutschland auch problemlos fünf, sechs Zeitungen lesen - alle von verschiedenen Besitzern. Und wenn ich weiß, wer bezahlt, dann weiß ich auch gleich, unter welchem Blickwinkel ich den Artikel betrachten muss. Es macht eben einen Unterschied, ob er in der Jungen Welt oder in der Jungen Freiheit erscheint.

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              • #22
                Zitat von Pyromancer Beitrag anzeigen
                Das löst gar nichts und verursacht nur einen Rattenschwanz von weiteren Problemen.
                Welche den? Eine Abhängigkeit gäbe es dann eben nicht und somit auch keine entsprechende Beeinflussung.
                Zitat von Pyromancer Beitrag anzeigen
                Man kann aber in Deutschland auch problemlos fünf, sechs Zeitungen lesen - alle von verschiedenen Besitzern.
                Sicher. Aber dafür muss man zumindest noch nachlesen, wem die jeweilige Zeitung gehört - was ja nicht unbedingt offensichtlich ist. Es ist ja auch oft nicht offensichtlich, welche Marken zu einem Konzern gehören - also das die angebliche Vielfalt in manchen Supermarktregalen tatsächlich keine ist.
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                • #23
                  Zitat von max

                  Welche den? Eine Abhängigkeit gäbe es dann eben nicht und somit auch keine entsprechende Beeinflussung.
                  Es gibt dann aber auch keinen Grund mehr für den Journalisten, Qualitätsarbeit abzugeben. Ob das also nun besser ist...
                  können wir nicht?

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                  • #24
                    Zitat von blueflash Beitrag anzeigen
                    Es gibt dann aber auch keinen Grund mehr für den Journalisten, Qualitätsarbeit abzugeben.
                    Im Endeffekt gibt es überwiegend die gleichen zahlreichen Gründe wie zuvor - man will ja nicht hoffen, dass die meisten Journalisten ihren Beruf eigentlich hassen und zu guter Arbeit gezwungen werden müssen oder?
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                    • #25
                      Nein, aber die wenigsten, die einfach kein Talent dafür haben, aber es eben toll finden, werden in der Lage sein, zu dieser Einsicht alleine zu kommen. Kurz gesagt: Wenn es keine Beeinflussung von Journalisten gibt, gibt es keine Qualität mehr (bzw. noch weniger als ohnehin schon).
                      können wir nicht?

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                      • #26
                        Zitat von blueflash Beitrag anzeigen
                        Wenn es keine Beeinflussung von Journalisten gibt, gibt es keine Qualität mehr.
                        Häh? Dafür braucht es doch keine Beeinflussung von Geldgebern! Die Qualitätskontrolle erfolgt primär durch andere Journalisten (in Form der Kritik dieser Artikel) und zum Teil durch die Leser (z.B. durch Leserbriefe).
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                        • #27
                          Quatsch, das ist die Kritik. Die Qualitätskontrolle kann immer nur durch den Auftraggeber erfolgen. Und den kann eine wirklich freie Presse nunmal nicht haben.
                          können wir nicht?

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                          • #28
                            Zitat von blueflash Beitrag anzeigen
                            Die Qualitätskontrolle kann immer nur durch den Auftraggeber erfolgen. Und den kann eine wirklich freie Presse nunmal nicht haben.
                            Das stimmt so eben nicht. Qualitätskontrolle erfolgt in anderen Bereichen eben auch nicht durch den Auftragsgeber (z.B. in der Wissenschaft), sondern durch andere Wissenschaftler. Das gilt auch heute für Journalisten. Die Auftraggeber machen keine Qualitätskontrolle - sie versuchen entweder Geld zu verdienen (kommerzielle Verlage) oder bestimmte Ziele zu verfolgen. Die eigentliche Überprüfung der Qualität von Journalisten erfolgt durch Kritik - primär durch Kritik anderer Journalisten.

                            Irgendwie habe ich den Eindruck, dass manche Leute meinen, dass man alle Menschen durch erleuchtete Bosse zu Arbeit insgesamt und zu guter Arbeit insbesondere zwingen müsse. Eine sehr seltsame Vorstellung. Interessant wäre, durch was diese bedingt ist.
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                            • #29
                              Ach was, wann hatte sich ein Mensch jemals von purer Kritik abhalten lassen, der von seiner Sicht der Dinge überzeugt ist? Die Wirklichkeit sieht doch so aus: Zuspruch gibt es auch für die unmöglichsten Freaks, und solange die Mittel nicht gestrichen werden, machen die weiter. Warum sollten die auch aufören? Das beste Beispiel bist Du selbst: Du erhältst hier weit mehr Wider- als Zuspruch und trotzdem hörst Du nicht auf - weil Du davon überzeugt bist, Recht zu haben.

                              Zitat von max
                              Irgendwie habe ich den Eindruck, dass manche Leute meinen, dass man alle Menschen durch erleuchtete Bosse zu Arbeit insgesamt und zu guter Arbeit insbesondere zwingen müsse. Eine sehr seltsame Vorstellung. Interessant wäre, durch was diese bedingt ist.
                              Ich habe den Eindruck, dass gewisse Menschen hier ihr Weltbild von den rein rational und im Zweifel eher für das Gemein- als das eigene Wohl handelnden Menschen nur noch dadurch verteidigen können, dass sie anderen mentale Probleme unterstellen...
                              können wir nicht?

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                              • #30
                                Zitat von max Beitrag anzeigen
                                Sicher. Aber dafür muss man zumindest noch nachlesen, wem die jeweilige Zeitung gehört - was ja nicht unbedingt offensichtlich ist.
                                Jemandem, der zwei Tageszeitungen lesen will traue ich die Medienkompetenz zu, diese einmal erforderliche Hintergrundrecherche zu leisten. Dass ist ja echt kein Problem.

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