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Die FDP und die Finanzkrise

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  • Die FDP und die Finanzkrise

    Hi,

    in diesem Thread koennen wir mal ueber die Frage diskutieren, warum die FDP nicht geschwaecht wird durch die Krise.

    Eigentlich ist es doch recht paradox, dass in einer Krise des Finanzkapitalismus die "einzig wahre" marktliberale Partei Deutschlands eher gestaerkt als geschwaecht aus der Krise kommt.
    Was koennen die Gruende dafuer sein?

    - Abwanderung von der CDU zur FDP, da die CDU auch Verstaatlichungen nicht abgeneigt ist

    Dieser Punkt erklaert aber nicht, warum die CDU mit 35 % Umfragewerte genauso stark ist wie zur Bundestagswahl 2005. Somit koennen nicht alle neuen Stimmen von der CDU abgewandert sein.

    - FDP ist die einzige der bekannten Parteien, die am laengsten in Opposition ist (seit 1998)

    Es koennte sein, und den Anschein versucht die FDP ja auch zu erwecken, dass die FDP nicht "schuld sei" an der Krise (Hedgdefonds,etc. sollen ja erst unter Schroeder gekommen sein). Obwohl sich die meisten aber eigentlich denken koennen, dass die FDP es unter Regierungsverantwortung nicht anders gemacht haetten.

    - FDP ist Steuersenkungspartei

    Viele Arbeitnehmer wollen mehr Netto vom Brutto. Und die FDP erscheint da am realistischsten, dass sie das durchsetzt.

    Was meint ihr, warum schwaecht die Krise nicht die "neoliberale" FDP?

  • #2
    Mehr als ein Gedankenspiel kann das wohl nicht sein, außer einer hier ist Politologe und hat zufälligerweise repräsentative Umfragewerte zur Hand. Was ich mir denken könnte:

    1. Die erwähnte Oppositionsstellung. Egal wofür sie eigentlich steht, sie ist die einzige etablierte Partei, die keine Gesetze zu rechtfertigen hat, welche die Finanzkrise mit verschärft haben könnten.
    Das macht es für alle anderen Parteien auch etwas schwerer die FDP voll unter Beschuss zu nehmen, wie man es eigentlich in so einer Situation erwarten würde, es könnte ja als Boomerang zurückkommen.

    2. Sie sticht aus der Parteienmasse hervor. Nachdem alle anderen nach links gerutscht sind und sich mehr oder weniger um die selbe Wählerklientel streiten, hat die FDP inzwischen eine Alleinstellung unter den großen Parteien, die sie relativ einzigartig macht. Das zieht CDU Wähler an und überhaupt alle, denen ein Linksrutsch nicht gefällt.

    Während sich alle etwas linkeren Parteien um 10 - 20% Hartz IV Bezieher streiten, gibts für 10% Besserverdienenden, die nicht selbst linke Einstellungen vertreten, nur die FDP.
    Fraglich bleibt noch wer die Menschen zwischendrin gewinnt, hier kommts drauf ob die FDP den Eindruck des Netto vom Brutto und nicht nur Großkonzerne unterstützen bis zur Bundestagswahl bewahren kann, oder nach den ersten Wahlkämpfen wieder die gewonnenen Prozente verliert.

    3. Bei neuen Überwachungsgesetzen ist fast immer ein FDPler dabei, der Verfassungsbeschwerde mit einreichte. Könnte hier aber Konkurrenz bekommen, durch Parteien wie die Piraten, die Bürgerrechte ohne zusätzliche ideologische Lasten vertreten.




    Nicht zu unterschätzen ist aber, dass vor der BT-Wahl 2005 auch ganz andere Umfragewerte insbesondere für die SPD vorhergesagt waren und am Ende doch alles anders kam als man dachte.

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    • #3
      Es dürfte Zuwachs aus dem Lager der Nichtwähler geben. Viele Manager und Finanzmarkt-Gewinner dürften sich verstärkt der FDP zuwenden, um ihre über die Jahre gewonnen Begünstigungen durch die Krise nicht zu verlieren.
      Und dann gibt es noch den Faktor Unwissenheit. Ich hatte mal einen Freund, der in ziemlich ärmlichen Verhältnissen lebt. Von Politik hatte er keine Ahnung, und als ich ihn vor einem Wahltag mal gefragt hatte, wen er denn wählen würde, antwortete er, er wolle die FDP wählen. Verständlicherweise war ich etwas verdutzt und fragte ihn nach seinen Gründen. Seine Antwort: "Es muss ja irgendwas anders gemacht werden." Er hatte keine Ahnung, wofür die FDP steht, außer, dass sie was anderes sagt, als die Regierungsparteien.
      Waldorf: "Say, this Thread ain't half bad."
      Stalter: "Nope, it's all bad."

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      • #4
        Ein wichtiger Punkt ist, dass die neoliberale Ideologie zum Mainstream in der öffentlichen Wahrnehmung geworden ist. Das hat folgenden Grund: die Profiteure neoliberaler Politik (z.B. Geschäftsleute, Vermögende) können größere Mengen an finanziellen Mitteln zur Realisierung von Marketing-Kampagnen mobilisieren als diejenigen, die von einer solchen Politik benachteiligt sind (z.B. Arbeiter, Arbeitslose). So konnten Initiativen wie der "Bürgerkonvent", "Du bist Deutschland" oder die "Initiative neue soziale Markwirtschaft" zahlreiche Kampagnen realisieren, deren Ziel es war, Reformen im Sinne der Neoliberalen der Öffentlichkeit schmackhaft zu machen.
        Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat anhand der INSM untersuchen lassen, welcher Methoden sich solche Vereine bedienen. Die lesenswerten Arbeit kann man sich hier anschauen:
        http://www.boeckler.de/pdf/fof_insm_studie_09_2004.pdf

        Besonders krass ist dabei natürlich, dass die INSM Wissenschaftler (z.B. Bernd Raffelhüschen) "kauft" und sie als unabhängige Sachverständige in Talkshows und Nachrichtensendungen auftreten lässt. Es ist menschlich absolut verständlich, dass man solchen renommierten Experten glaubt und deren Forderungen übernimmt. Ein Skandal ist auch, dass die INSM Dialoge in der TV-Serie "Marienhof" gekauft hat. Dabei hat man in einzelnen Szenen z.B. Lohnnebenkosten negativ bewertet und eine 50-Stunden-Woche als etwas selbstverständliches dargestellt hat. Das Ziel ist natürlich, jugendliche Zuschauer zu indoktrinieren.
        Hier kann man sich den schon etwas älteren Beitrag aus der Sendung "Monitor" anschauen:
        YouTube - Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft 1/2
        YouTube - Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft 2/2

        Es liegt auf der Hand, dass eine solche Manipulation der Bevölkerung nicht folgenlos geblieben ist. Ein Teil des Stimmengewinns der FDP ist damit zu erklären.
        Mein Profil bei Last-FM:
        http://www.last.fm/user/LARG0/

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        • #5
          Die FDP profitiert davon, dass der radikalisierte Teil der Union-Wähler, die enttäuscht sind, dass die Merkel nur die Politik Schröders fortgesetzt hat und nicht noch radikaler zu den Reichen umverteilt und die Rechte der Mehrheit beschnitten hat. Die FDP sammelt rechts von der Union die Neoliberalen auf.
          Resistance is fertile
          Für die AGENDA 3010! 30-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich und 10 Euro gesetzlichem Mindestlohn!
          The only general I like is called strike

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          • #6
            Zitat von max Beitrag anzeigen
            Die FDP profitiert davon, dass der radikalisierte Teil der Union-Wähler, die enttäuscht sind, dass die Merkel nur die Politik Schröders fortgesetzt hat und nicht noch radikaler zu den Reichen umverteilt und die Rechte der Mehrheit beschnitten hat. Die FDP sammelt rechts von der Union die Neoliberalen auf.
            LOL
            Quellen? Beweise? Statistiken? Ansichtskarten?

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            • #7
              Zitat von Sinclair_ Beitrag anzeigen
              Quellen? Beweise? Statistiken? Ansichtskarten?
              Schau dir doch einfach mal die Wählerwanderungen bei den letzten Wahlen an, bei denen die CDU mal wieder verloren hat - und die FDP etwas dazu gewonnen hat (vor dem Hintergrund einer niedrigen Wahlbeteiligung).

              Und dann schau dir mal an, was für eine Wirtschaftspolitik die FDP fordert - und was Merkel vor der Wahlniederlage 2005 versprochen und dann in der Grossen Koalition der Wahlverlierer nicht umgesetzt hat.
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              • #8
                Nichts davon unterstützt deine kruden Reden über die neuerlichen Wählermotive.

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                • #9
                  Zitat von Sinclair_ Beitrag anzeigen
                  Nichts davon unterstützt deine kruden Reden über die neuerlichen Wählermotive.
                  Häh? Dass "frustrierte" CDU-Wähler zur FDP abwandern, gilt unter Wahl- und Parteiforschern als relativ gesichert. Wo ist das Problem?
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                  • #10
                    Es geht nicht um die Abwanderung an sich, sondern um ihre Motiviation:
                    Zitat von max
                    Die FDP profitiert davon, dass der radikalisierte Teil der Union-Wähler, die enttäuscht sind, dass die Merkel nur die Politik Schröders fortgesetzt hat und nicht noch radikaler zu den Reichen umverteilt und die Rechte der Mehrheit beschnitten hat. Die FDP sammelt rechts von der Union die Neoliberalen auf.
                    Dafür hätte ich doch ganz gerne einen Beleg, wenn du verzeihst.

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                    • #11
                      Zitat von Sinclair_ Beitrag anzeigen
                      Es geht nicht um die Abwanderung an sich, sondern um ihre Motiviation
                      Die Vermutung von max ist einfach das wahrscheinlichste Szenario. Die CDU vereint eine Reihe verschiedener Wählergruppen (z.B. einfache Arbeitnehmer, selbständige Handwerker, Bauern, Geschäftsleute), die jeweils nicht immer die gleichen Interessen verfolgen. Im Wahlkampf 2005 hat die CDU z.B. einen neoliberalen Kurs gefahren, wovon viele "linke" CDU-Wähler angewidert waren, sodass die SPD profitiert hat. In der Regierung macht die CDU zusammen mit der SPD nun moderat neoliberale Politik. Die CDU weicht damit von ihren Versprechen im Wahlkampf (z.B. einheitlicher Steuersatz von 25%) ab, weshalb die "rechten" Anhänger der CDU enttäuscht sind. Genau die sind bei der FDP bestens aufgehoben. Das ist eigentlich so offensichtlich, dass mich die Diskussion etwas verwundert.
                      Mein Profil bei Last-FM:
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                      • #12
                        Zitat von Largo Beitrag anzeigen
                        Die Vermutung von max ist einfach das wahrscheinlichste Szenario. Die CDU vereint eine Reihe verschiedener Wählergruppen (z.B. einfache Arbeitnehmer, selbständige Handwerker, Bauern, Geschäftsleute), die jeweils nicht immer die gleichen Interessen verfolgen. Im Wahlkampf 2005 hat die CDU z.B. einen neoliberalen Kurs gefahren, wovon viele "linke" CDU-Wähler angewidert waren, sodass die SPD profitiert hat. In der Regierung macht die CDU zusammen mit der SPD nun moderat neoliberale Politik. Die CDU weicht damit von ihren Versprechen im Wahlkampf (z.B. einheitlicher Steuersatz von 25%) ab, weshalb die "rechten" Anhänger der CDU enttäuscht sind. Genau die sind bei der FDP bestens aufgehoben. Das ist eigentlich so offensichtlich, dass mich die Diskussion etwas verwundert.
                        Mag sein dass eine Abwanderung stattfindet.
                        Trotzdem ist Schwarz-Gelb laut Umfragen besser als 2005, also muessen neue Waehler hinzugekommen sein (oder geringere Wahlbeteiligung). Bei den Umfragen, die ja sowieso nur stichprobenartig zu werten sind, zaehlt aber das Argument der geringen Wahlbeteiligung nicht. Summasummarum ist das buergerliche Lager staerker geworden.

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                        • #13
                          Zitat von Ltd. Commander Data Beitrag anzeigen
                          Mag sein dass eine Abwanderung stattfindet.
                          Trotzdem ist Schwarz-Gelb laut Umfragen besser als 2005, also muessen neue Waehler hinzugekommen sein (oder geringere Wahlbeteiligung). Bei den Umfragen, die ja sowieso nur stichprobenartig zu werten sind, zaehlt aber das Argument der geringen Wahlbeteiligung nicht. Summasummarum ist das buergerliche Lager staerker geworden.
                          Ja, klar. Deshalb muss man weitere Erklärungsansätze hinzuziehen. Ich habe weiter oben ja bereits geschrieben gehabt, dass in den letzten 10 Jahren eine massive Indoktination weiter Teile der Bevölkerung stattgefunden hat. Die Wirtschaftselite hat versucht, uns neoliberale Politik schmackhaft zu machen und hat ein schweres Geschütz von "unabhängigen Sachverständigen" aufgefahren, die neoliberale Politik als alternativlos dargestellt hat. Was unter Hitler/Goebbels funktioniert hat, kann oder Schröder/Merkel nicht völlig verpufft sein.
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                          • #14
                            Es gibt denke ich viele Gründe warum die FDP ihre Umfrageergebnisse einigermaßen stabil halten kann.
                            Ein Grund, den ich hier noch nicht gelesen habe, könnte sein, dass die FDP in letzter Zeit relativ ruhig ist. Man hört in den Nachrichten oder liest in den zeitungen überwiegend Anfeindungen von SPD, Linke und Grüne und Uneinigkeit bei der CDU. Ich denke, der Großteil der Bewölkerung hat einfach die Nase voll von Streitigkeiten, die Sommerlochniveau haben. Solche hört man derzeit von der FDP am wenigsten und so scheint sie, so paradox es klingt, die beste Werbung für sich zu machen indem sich die FDP nur zu Kernthemen äußert und sich nicht auf Grabenkämpfe einlässt. Und sachliche Themen dürften den meisten zu trocken und zu uninteressant sein um sich damit zu beschäftigen, jedoch genug um die Partei als vernünftige Option zu erkennen.

                            Nur meine Meinung

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                            • #15
                              Zitat von Pythas Beitrag anzeigen
                              Man hört in den Nachrichten oder liest in den zeitungen überwiegend Anfeindungen von SPD, Linke und Grüne und Uneinigkeit bei der CDU. Ich denke, der Großteil der Bewölkerung hat einfach die Nase voll von Streitigkeiten, die Sommerlochniveau haben.
                              Sorry, aber Uneinigkeit und Streit gehören für mich zur Politik einfach dazu. Man kann doch nicht ernsthaft der Meinung sein, dass es in einer Partei, die 30% der Wählerstimmen vereinigt, keine zwei Meinungen gibt. Für mich sind Parteien verdächtig, in denen es gar keine Diskussion zu geben scheint und in denen offensichtlich Leute mit anderen Meinungen ignoriert oder gemobt werden. Streit muss nichts schlechtes sein und es gibt eine Streitkultur. Politische Diskussionen und Auseinandersetzungen müssen innerhalb und zwischen den Parteien stattfinden um eine Richtung festzulegen, so funktioniert Demokratie. Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen wollen mit den Entscheidungen der Regierung gar nicht belastet werden und interessieren sich nicht für die Hintergründe und die Prozesse zur Entscheidungsfindung. Es reicht ihnen scheinbar, sich ab und zu über die regierung zu beklagen. Ob es eine Monarchie, Demokratie oder Diktatur ist, scheint in ihren Augen egal zu sein.

                              Mehr Interesse beim Wählervolk wäre dringend geboten. Wenn sich die Leute das Wahlprogramm vieler Parteien einmal durchlesen würden, hätten diese Parteien sicherlich andere Umfragewerte.
                              Ich bin durchaus nicht zynisch, ich habe nur meine Erfahrungen, was allerdings ungefähr auf dasselbe hinauskommt

                              Oscar Wilde

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