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Q-Cells pleite - deutsche Solarindustrie am Ende?

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  • Q-Cells pleite - deutsche Solarindustrie am Ende?

    Mit Q-Cells ist nun der nächste große deutsche Solarmodulhersteller in die Pleite gegangen: Solarbranche in der Krise: Q-Cells ist pleite | FTD.de

    Noch was zu dem Thema:

    Hype und Niedergang: Deutschlands dunkles Solar-Kapitel | FTD.de

    Solarhersteller Q-Cells stellt Insolvenzantrag - Wirtschaft - sueddeutsche.de

    Diese Pleitewelle ist ja nun schon seit einiger Zeit im Gange. Woran liegt's? Klassische Übersubventionierung? Hat sich die Solarbranche zu lange auf den garantierten Renditen ausgeruht und schlicht verpennt Qualitätsmarken zu etablieren?
    Oder ist der böse Chinese Schuld, der uns mit merkantilistischer Außenwirtschaftspolitik zu Tode exportiert.

    Ich denke, die Wahrheit liegt mal wieder in der Mitte. Trotz der brachialen Kürzungen in den letzten Jahren ist es ja nicht so dass die Nachfrage nach Solarmodulen groß nachgelassen hätte. Eher das Gegenteil. Es besteht also offenkundig kein großer Bedarf mehr nach Förderung, um die Nachfragerseite in Schwung zu kriegen.
    Aber es stimmt schon auch dass China hier nicht sehr sensibel auftritt (alles andere wäre auch seltsam), zum einen gibt es afaik direkte Exportsubventionen und andererseits Schutzzölle, zum anderen wird der Yuan Renmimbi künstlich unterbewertet.

    Was denkt ihr?
    "The only thing we have to fear is fear itself!"

  • #2
    Der Solarbranche gehts europaweit im Moment nicht so gut.
    In der Schweiz krieselt Meyer Burger AG.

    Ob China direkt schuld dran ist.... sicher verhält sich die Volksrepublik auf dem Weltmarkt etwas unsubtil, aber ob das der Ausschlag gibt?

    Ich denke eher es ist eine gewisse Ernüchterung, nachdem die Solarenergie in letzter Zeit gehypt wurde.
    Understanding the scope of the problem is the first step on the path to true panic.

    - Florance Ambrose

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    • #3
      Zellen für den Massenmarkt kann der Chinese genauso gut und auch westliche Unternehmen werden die Produktion solcher Zellen wohl zunehmend nach Asien verlegen.
      Und dann ist es doch klar, dass China den Markt übernimmt. Die Löhne sind niedrig, die Umweltstandard ebenfalls und die Währung unterbewertet.
      I am altering the movie. Pray I don't alter it any further.

      - George Lucas

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      • #4
        Das zentrale Problem der Solarindustrie, ist die im Vergleich zur Produktionskapazität weltweit zu geringe Nachfrage. Vor der Finanzkrise 2007 hat die Nachfrage die Produktionskapazität überstiegen, die Krise brachte dann einen enormen Investitionseinbruch in den sonnenreichen Ländern (z.B. Spanien).
        Das Ergebnis waren fallende Preise bei den Solarpanellen, dabei ist den deutschen Hersteller ihre Gewinnmarge eingebrochen. Die Krise hat die deutschen Hersteller kalt erwischt, und ihnen keine Zeit gelassen ihre Produktion in günstigere Länder auszuweiten. Nun ja ein bisschen geschlafen haben die auch, die Jahre davor liefen so gut, das man sich hier wohl in einer falschen Sicherheit gewogen hat.
        Well, there's always the possibility that a trash can spontaneously formed around the letter, but Occam's Razor would suggest that someone threw it out.
        Dr. Sheldon Lee Cooper

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        • #5
          Was sagen eigentlich die Grünen dazu, dass die Solarbranche hierzulande zusammenklappt? Mit den Verdiensten um Arbeitsplätze haben sie sich ja gerne geschmückt, geben sie jetzt auch Fehler zu?
          When I feed the poor, they call me a saint.
          When I ask why the poor are hungry, they call me a communist.


          ~ Hélder Câmara

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          • #6
            Zitat von Kid Beitrag anzeigen
            Was sagen eigentlich die Grünen dazu, dass die Solarbranche hierzulande zusammenklappt? Mit den Verdiensten um Arbeitsplätze haben sie sich ja gerne geschmückt, geben sie jetzt auch Fehler zu?
            Inwiefern sind den die Grünen, für die unternehmerischen Versäumnisse der deutschen Solarindustrie verantwortlich? Das erstarken der ausländischen Konkurrenz, zeichnet sich ja schon recht lange ab, das es bei einem internationalen Nachfrageeinbruch zu einem Verdrändungswettbewerb kommen würde, war vorhersehbar.
            Well, there's always the possibility that a trash can spontaneously formed around the letter, but Occam's Razor would suggest that someone threw it out.
            Dr. Sheldon Lee Cooper

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            • #7
              Zitat von Enas Yorl Beitrag anzeigen
              Inwiefern sind den die Grünen, für die unternehmerischen Versäumnisse der deutschen Solarindustrie verantwortlich? Das erstarken der ausländischen Konkurrenz, zeichnet sich ja schon recht lange ab, das es bei einem internationalen Nachfrageeinbruch zu einem Verdrändungswettbewerb kommen würde, war vorhersehbar.
              Durch die massiven Subventionen natürlich.

              Man hat die Branche über-gepampert und hat sie künstlich am Leben gehalten, nebenbei hat man noch mit dem Verhalten die chinesische Solarwirtschaft gestärkt.
              Der Konkurrenzdruck war dank unseren Steuergeldern doch nicht so schlimm und die Solarbosse wussten, dass der Karren an die Wand fährt und haben nochmal kräftig die Taschen gefüllt.
              When I feed the poor, they call me a saint.
              When I ask why the poor are hungry, they call me a communist.


              ~ Hélder Câmara

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              • #8
                Zufällig habe ich gestern eine Talkshow gesehen, wo der Niedergang einer amerikanischen Solarfirma thematisiert wurde.

                Und zwar hat die Firma Solyndra einen Kredit von 2,5 Milliarden Dollar von der Obama-Regierung bekommen. China hat darauf mit einem 30 Milliarden Dollar Darlehen für ihre eigene Solar-Industrie reagiert. Kritiker behaupten, China würde Solar-Panele unter Fertigungspreis verkaufen. Unnötig zu erwähnen, dass Solyndra am Ende pleite gegangen ist.

                Die Deutschen sowie auch die Amerikaner (mit Verzögerung) sind zu dem Schluss gekommen, dass Solarenergie eine der wichtigsten Kerntechnologien des 21. Jahrhunderts werden wird. Der Wunsch, in solch eine wichtige Zukunftstechnologie zu investieren, ist vernünftig und nachvollziehbar. Unglücklicherweise sind die Chinesen zu denselben Schlussfolgerungen gekommen
                .

                Das 19.- und das 20. Jahrhundert waren das westliche bzw. amerikanische Jahrhundert. Die Chinesen sind fest entschlossen, dass 21. Jahrhundert zum chinesischen Jahrhundert zu machen.

                Behagt euch das? Mir nicht.
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                • #9
                  Solartechnologie ist für Deutschland einfach der falsche Zug, auf den aufgesprungen wurde.
                  Sie hätten Windkraft primär (und Geothermie) fördern sollen; die Solarenergie hätte hier nur subventioniert werden dürfen, um bereits bestehende Anlagen anderer Art in einem festen Verhältnis zu ergänzen.

                  Auch ich sehe die Gründe für ihren Niedergang in erster Linie bei fehlerhafter Förderungspoltik und schlechtem Management; erst dann dürfte das Problem der chinesischen Konkurrenz kommen.

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                  • #10
                    Windkraft und andere erneuerbare Energien wurden und werden teilweise noch gefördert. Meiner Meinung nach ist das vernünftige Politik.

                    Solartechnologie hat jedoch das Potential, eine viel ergiebigere Energiequelle zu werden als andere erneuerbare Energien. Das ist ja auch der Grund, warum so viele Länder in diese Technologie investieren (investiert haben).

                    Die Marktführerschaft in dieser Branche einem nicht freundlichen gesinnten Staat zu überlassen, könnte sich als einen riesigen strategischen Fehler erweisen.

                    Und was passiert eigentlich, wenn China entscheidet, die deutsche Windkraftindustrie ebenfalls anzugreifen? Was passiert, wenn in 10 Jahren chinesische Windräder genauso gut wie deutsche Windräder sind, allerdings nur ein Drittel kosten (weil u.a. unter Fertigungspreis verkauft)?

                    Viele deutsche Unternehmen sind mittlerweile zu sehr vom chinesischen Absatzmarkt abhängig. Ich habe vor kurzem einen Zeitungsartikel gelesen, wo behauptet wurde, Volkswagen könnte nächstes Jahr in China mehr Umsatz machen als in Deutschland. Und die Chinesen sind nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, ausländische Firmen aus ihrem Land rauszuschmeissen, wenn betreffende ausländische Regierungen wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen einleiten (z. Bsp. Schutzzölle).
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                    • #11
                      Die Subventionen in Solarenergie sind immer noch nicht entfernt vergleichbar mit dem, was man an direkten oder indirekten Subventionen in Atomenergie, nicht zu reden von Kohle, steckt bzw. gesteckt hat.

                      Es ist nicht alles volkswirtschaftlich verkehrt, was Subvention heißt. Subventionen können in der Anfangsphase volkswirtschaftlich sinnvoll sein, um eine Technologie überhaupt erst kompetitiv zu machen. Ohne Subventionen durch FIT keine Massenproduktion von Solarpanels und keine Kostendegression. Der Ausbau der Solarenergie wäre hierzulande nie auf einen grünen Zweig gekommen. Das System wird nicht grundlos in über 60 Staaten kopiert. Natürlich kann das nicht ewig so weiter gehen; deshalb ist die Förderung auch degressiv ausgestaltet.

                      Subventionen können auch volkswirtschaftlich sinnvoll sein, wenn sie helfen, Fehlallokationen zu korrigieren. Im Fall der Solarenergie helfen sie dabei, negative Externalitäten durch Stromerzeugung aus Kohle- und Nuklearenergie und Monopolrenten durch die Konzentration auf einige wenige Stromkonzerne abzubauen.

                      Dass die deutsche Solarindustrie auf Dauer mit dem Bau von Panels nicht überleben konnte, ist bitter, war aber abzusehen und ändert meines Erachtens an der volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit der Solarsubventionen grundsätzlich nichts.
                      Zuletzt geändert von Chloe; 03.04.2012, 21:33.

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                      • #12
                        IhanK, du stößt hier zu Recht ins Horn der Dummheit des Westens gegenüber China; dass dieses Land eine sehr fragwürdige Politik gerade im Bereich der Know-How-Erwerbs fährt, ist nichts Neues. Aber es reicht eben nicht aus, um die Solarenergiekrise der dt. Wirtschaft zu erklären. Es ist ein sehr gewichtiger Teilaspekt, zugegeben.

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                        • #13
                          Kleiner Bericht von der Stuttgarter Energiemesse: Die deutsche Solarindustrie, soweit sie dort vertreten ist, glaubt demzufolge nicht, dass sie am Ende ist.

                          Energiemesse: Schatten auf der Solarbranche bleiben nicht lange - Stuttgart - Stuttgarter Zeitung

                          Teilweise wird die Kürzung der Einspeisevergütung auch als Chance, die Entwicklung von Speichermedien zu fördern, gesehen. Besonders interessant fand ich diesen Hinweis hier:

                          Auf der Messe waren aber schon verschiedene Komplettlösungen zu sehen. Sehr weit geht jene von Hummel-Solar in Frickenhausen (Kreis Esslingen): Die Fotovoltaikanlage ist so konzipiert, dass man mit dem Strom nicht nur die Elektrogeräte und die Lichtquellen, sondern auch die Heizung und eine Raumlüftung betreiben kann; vier Batterien, jede kaum größer als ein Leitz-Ordner, halten Energie bereit, auch wenn die Sonne nicht scheint. Zumindest rein rechnerisch, sagt Alexander Hummel, könne so der gesamte Strom selbst erzeugt werden – die Anlage koste für eine dreiköpfige Familie rund 20 000 Euro.
                          Das dürfte auch ohne Subventionen in absehbarer Zeit in einen konkurrenzfähigen Bereich kommen. Sieht aus, als rücke der Tag näher, an dem der Strom tatsächlich aus der Steckdose kommt.

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                          • #14
                            Pleite ja nicht gleich, es wird bis jetzt ganz normal ohne Kurzarbeit weitergearbeitet.

                            Wo soll das mit den Chinesischen Kopien noch hinführen?

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                            • #15
                              Im Handelsblatt war ein Artikel über eine Dienstleistungsfirma im Bereich der Solarindustrie; denen ging es durchweg besser als der Produktionskonkurrenz - die boten unter anderem die hybridische Vernetzung von Solar - mit anderen regenerativen Energiequellen an, die Wartung der Anlagen und allen anderen Schnickschnack, der über das pure Ankaufen und Aufbauen von Solarmodulen hinausgeht.

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