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Haben die Kapitalisten Hitler an die Macht gebracht?

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  • Haben die Kapitalisten Hitler an die Macht gebracht?

    Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
    Ich würde Wikipedia dann doch nicht zur obersten Instanz der Geschichtsschreibung erklären.
    Mach ich auch nicht. Ich hole mir nur Informationsmaterial. Wenn du willst, kann du diese Fakten ja widerlegen.

    Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
    Wenn kurz nach der Eingabe Hitler Reichskanzler wird, dann gehören schon Schönfärber wie Turner dazu, um keinen Zusammenhang zu erkennen.
    "Zusammenhang". Was sollte da für ein Zusammenhan bestehen? Hindenburg wollte Hitler nicht, und musste ihn nach dem Druck, die er im Parlament ausüben konnte, einfach zum Reichskanzler machen?

    Und Begriffe wie Schönfärber kannst du dir behalten. Wenn differenzierte Auseinandersatzung jetzt schon Schönfärberei ist, dann frag ich mich, wie man den neomarxistischen Unsinn erst bewerten soll.

    Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
    Es dürfte auf der Hand liegen warum bürgerliche Historiker den Zusammenhang zwischen Kapital und Faschismus bis aufs letzte vertuschen.
    Es dürfte aber auf der Hand liegen, warum angeblich marxistische Historiker alles einer globalen Verschwörung zuschreiben wollen. Ist ja kein Zufall, warum diese Theorien zuerst in der DDR aufgetauch sind - man kann die Bürger für das "antikapitalistische" System gewinnen, indem man ihnen sagt, dass der Kapitalismus die NS-Zeit zu verschulden hat - und gleichzeitig befreit man sie von der Schuld, Hitler zu unterstützt zu haben, denn an der Machtergreifung war ja nur die Großindustrie schuld.

    Etwas vergisst du aber: dass die deutschen Bürger Hitlers Weg zum Reichskanzler bereitet haben, und nicht die Großindustrie. 17 Millionen Deutsche haben ihn gewählt, und DAS war der Grund für seine Machtergreifung.

    Wenn du das ignorieren willst, bitte, aber dann führen wir keine ernsthafte Diskussion mehr, sondern nur mehr ein Kasperletheater.

    Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
    ich habe ja bereits einen Artikel verlinkt, welcher ein anderes Licht auf die Ereignisse wirft.
    Den ich nicht lesen kann, weil ich kein "Onlineabo" dieser Zeitung habe. Kann ich auch gut drauf verzichten.

    Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
    Die Großindustrie hat massiv die Rechtsparteien unterstützt, davon gingen etwa 10-15% an die NSDAP. Dem Großkapital dürfte es egal gewesen sein, wer das autoritäre Regime am Ende leitet.

    Um diese OT-Debatte zusammenzufassen: Alle Historiker sind sich einig, dass die Großindustrie den Zusammenbruch der Demokratie wollte und ein autoritäres Regime wollte, dabei war ihnen Hitler genauso Recht wie jeder andere.
    Dem Widerspreche ich nicht. Sie waren vielleicht schuld daran, dass die Rechtsparteien weniger Geldsorgen hatten; aber schuld daran, dass Hitler Reichskanzler wurde, waren sie nicht.

    Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
    Richtig, ich bin mir sicher mit Hilfe von Zwangsarbeitern Millionen zu verdienen hat sie unglaublich traurig gestimmt. Die Ausplünderung der betroffenen Gebiete war bestimmt auch ein schwerer Schlag für sie. Die Verbrechen der Konzerne und Banken während des dritten Reiches sind ein Kapitel für sich.
    Und die Konzerne und Banken waren die einzigen, die während des Dritten Reiches Verbrechen verübt haben? Es waren keine einfachen Soldaten, die auch Verbrechen verübt habe? Keine Angestellten in den KZ? Keine Bürger, die Hitler zugejubelt haben? Nur die Großindustriellen waren die bößen Buben?

  • #2
    "Zusammenhang". Was sollte da für ein Zusammenhan bestehen? Hindenburg wollte Hitler nicht, und musste ihn nach dem Druck, die er im Parlament ausüben konnte, einfach zum Reichskanzler machen?
    Das Hindenburg die Macht an Hitler übertragen musste ist ein Märchen

    Interessant folgender Satz: "und ab November 1932 hält ihn der Reichspräsident sogar für geeignet für die Kanzlerschaft – aber natürlich nur zu den Bedingungen Hindenburgs."

    Am 19. November war die Industrielleneingabe, welche er in der bürgerlichen Welt natürlich nicht erwähnt. Sicherlich genauso Zufall wie das Gespräch vor dem Industriellenclub wonach die Spenden drastisch anstiegen.

    Auch interessant: " Von der Eingabe an Hindenburg veröffentlichte Luntowski in einer Ausstellung des Dortmunder Stadtarchivs ein Begleitschreiben, mit dem die Herren Albert Vögler, Paul Reusch und Fritz Springorum unter dem Eingangsstempeldatum des Büros des Reichspräsidenten vom 22. 11. 32 mitteilen, daß sie „voll und ganz auf dem Boden der Eingabe stehen“. Durch Otto Köhlers Recherche wissen wir von den gegenseitigen Hilfen von IG Farben und NSDAP im Sommer 1932, und Luntowski benennt einen wichtigen Deal aus dem Bereich der Schwerindustrie." -http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0002_ruhrlade.htm

    Oder ein Zitat von Kurt Freiherr von Schröder aus dem IG-Farben Prozess über das Treffen zwischen Hitler und von Papen in Haus von Schröder:
    "Bevor ich diesen Schritt unternahm, besprach ich mich mit einer Anzahl von Herren der Wirtschaft und informierte mich allgemein, wie sich die Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit der beiden (Hitler und Papen- Anmerkung von mir) stellte. Die allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden würde, die lange Zeit an der Macht bleiben würde. Als die NSDAP am 6. November 1932 einen ersten Rückschlag erlitt und somit also ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde eine Unterstützung durch die deutsche Wirtschaft besonders dringend. Ein gemeinsames Interesse der Wirtschaft bestand in der Angst vor dem Bolschewismus und der Hoffnung, dass die Nationalsozialisten – einmal an der Macht – eine beständige politische und wirtschaftliche Grundlage in Deutschland herstellen würden."

    "Diese Bestrebungen, Deutschland autark zu machen, wurden von gewissen
    wirtschaftlichen Unternehmungen möglicherweise nicht aus
    Idealismus, sondern aus nackter Profitgier begrüßt, als (im
    Original: also) eine Möglichkeit, den eigenen Machtbereich zu
    vergrößern. Eine solche Möglichkeit war zweifellos auf dem Gebiet
    der Erzeugung des synthetischen Öls und Kautschuks gegeben.

    Das wirtschaftliche Programm Hitlers war der Wirtschaft allgemein
    bekannt und wurde von ihr begrüßt.
    " -http://www.ns-archiv.de/krieg/1933/04-01-1933.php

    (Turner ignoriert diesen Zitat natürlich vollständig in seinen Werken)

    Und Begriffe wie Schönfärber kannst du dir behalten. Wenn differenzierte Auseinandersatzung jetzt schon Schönfärberei ist, dann frag ich mich, wie man den neomarxistischen Unsinn erst bewerten soll.
    Was soll die unnötige Agressivität? Das ist mir jetzt schon mehrfach bei dir aufgefallen und trägt zu einer Diskussion überhaupt nichts bei.

    Wer die Bücher von Turner gelesen hat, der weiß, dass dieser mit aller Macht beweisen wollte, dass die DDR-Historiker unrecht hatten. Er war in diesem Zusammenhang auf einem Auge blind, die Gegenseite in einigen Punkten genauso.

    Es dürfte aber auf der Hand liegen, warum angeblich marxistische Historiker alles einer globalen Verschwörung zuschreiben wollen. Ist ja kein Zufall, warum diese Theorien zuerst in der DDR aufgetauch sind - man kann die Bürger für das "antikapitalistische" System gewinnen, indem man ihnen sagt, dass der Kapitalismus die NS-Zeit zu verschulden hat - und gleichzeitig befreit man sie von der Schuld, Hitler zu unterstützt zu haben, denn an der Machtergreifung war ja nur die Großindustrie schuld.
    Die Dimitroff-These wurde ganz bestimmt nicht in der DDR entwickelt, sondern am 2. August 1935 auf einer KomIntern-Konferenz verabschiedet. Insbesondere die dortigen Aussagen über einen künftigen Angriffskrieg Hitlerdeutschlands klingen nicht nach neo-marxistischem Unsinn.

    Etwas vergisst du aber: dass die deutschen Bürger Hitlers Weg zum Reichskanzler bereitet haben, und nicht die Großindustrie. 17 Millionen Deutsche haben ihn gewählt, und DAS war der Grund für seine Machtergreifung.
    Man sollte allerdings betonen, dass die letzten Wahlen nicht mehr frei waren, sondern massiv vom Terror der SA überschattet, allerdings brauchte der Faschismus natürlich die Unterstützung von Teilen der Bevölkerung wie jedes System.

    Wenn du das ignorieren willst, bitte, aber dann führen wir keine ernsthafte Diskussion mehr, sondern nur mehr ein Kasperletheater.
    Den ich nicht lesen kann, weil ich kein "Onlineabo" dieser Zeitung habe. Kann ich auch gut drauf verzichten.
    Wieder völlig unnötige Schärfe, wenn das so weitergeht werde ich die Diskussion sicherlich nicht weiterführen. Beim Artikel habe ich nicht drauf geachtet, weil ich eingeloggt war, mein Fehler.

    Dem Widerspreche ich nicht. Sie waren vielleicht schuld daran, dass die Rechtsparteien weniger Geldsorgen hatten; aber schuld daran, dass Hitler Reichskanzler wurde, waren sie nicht.
    Sie haben nach allen Kräften einen Zusammenbruch der Demokratie gefördert und als dies gelungen war, haben sie einen Hitler genauso willig akzeptiert wie jeden anderen.

    Sie haben für die Mörder der Demokratie die Pistole und die Patronen bezahlt und ihnen war jeder Schütze recht.


    Und die Konzerne und Banken waren die einzigen, die während des Dritten Reiches Verbrechen verübt haben? Es waren keine einfachen Soldaten, die auch Verbrechen verübt habe? Keine Angestellten in den KZ? Keine Bürger, die Hitler zugejubelt haben? Nur die Großindustriellen waren die bößen Buben?
    Verbrechen der einen machen die Verbrechen der anderen kein Stück besser, besonders wenn die Verbrecher ihren erraubten Reichtum mit in die BRD retten konnten.
    “Sag mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht.” - Lenin

    Kommentar


    • #3
      Zuerst einmal schicke ich voraus: Ich bezweifle nicht, dass ein bestimmtes Choleur unter im Großunternehmertum Gefallen an einem autoritären System gefunden hat. Da stimme ich mit dir überein.

      Was ich sagen will, ist, dass aber Hitler ganz bestimmt nicht von den Großindustriellen an die Macht gebracht wurde. Denn zur Machtergreifung braucht es mehr als eine volle Parteikasse (und die Parteikasse wurde nur zu einem geringen Teil von den Industriellen gesponsert).

      Außerdem: Wenn nicht der zweite Weltkrieg und die Massenvernichtung von über zehn Millionen Menschen gewesen wären, wäre das Nazi-Regime wie viele andere Diktaturen gewesen. Und das konnten die Industriellen vorher nicht wissen. Vielleicht hätte sich manch einer dagegen entschieden.
      Ddie Bevorzugung von Leuten mit viel Geld für konservative und autoritäre Systeme ist jetzt nicht etwas neues, und ist im Falle von Nazi-Deutschland auch nicht etwas besonders schreckenerregendes.

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Das Hindenburg die Macht an Hitler übertragen musste ist ein Märchen
      Ok, das mag stimmen. Und trotzdem war es nur eine pragmatische Entscheidung, sagst du ja sel bst:

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Interessant folgender Satz: "und ab November 1932 hält ihn der Reichspräsident sogar für geeignet für die Kanzlerschaft – aber natürlich nur zu den Bedingungen Hindenburgs."
      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Am 19. November war die Industrielleneingabe, welche er in der bürgerlichen Welt natürlich nicht erwähnt. Sicherlich genauso Zufall wie das Gespräch vor dem Industriellenclub wonach die Spenden drastisch anstiegen.
      Da unter der Industrielleneingabe nur wenige Schwergewichte unterschrieben haben, ist sie verglichen mit "dem Aufruf eines DNVP-nahen „Deutschen Ausschusses“ vom 6. November 1932, der sich unter der Überschrift „Mit Hindenburg für Volk und Reich!“ für die Regierung Papen, für die DNVP und gegen die NSDAP aussprach" unbedeutend. "Diesen Aufruf hatten insgesamt 339 Persönlichkeiten unterschrieben, darunter mehrere Dutzend Großindustrielle, also deutlich mehr als im Fall der Industrielleneingabe."

      Außerdem war die NSDAP bis 1930 relativ unbekannt und uninteressant. Erst nach dem Wahlerfolg bekam sie die ersten Zuwendungen. Drei Jahre sind zu wenig Zeit, um mit dem Einfuss von großem Kapital eine Partei zur führenden zu machen.

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Das wirtschaftliche Programm Hitlers war der Wirtschaft allgemein
      bekannt und wurde von ihr begrüßt.
      " -http://www.ns-archiv.de/krieg/1933/04-01-1933.php
      Ja, und? Das bestreite ich auch nicht.

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Wer die Bücher von Turner gelesen hat, der weiß, dass dieser mit aller Macht beweisen wollte, dass die DDR-Historiker unrecht hatten. Er war in diesem Zusammenhang auf einem Auge blind, die Gegenseite in einigen Punkten genauso.
      Das kann gerne sein. Turner wollte die Position widerlegen, aber die andere Seite wollte auch unbedingt einen Beweis für die Mithilfe der Großindustrie an den Haaren herbeiziehen.

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Die Dimitroff-These wurde ganz bestimmt nicht in der DDR entwickelt, sondern am 2. August 1935 auf einer KomIntern-Konferenz verabschiedet. Insbesondere die dortigen Aussagen über einen künftigen Angriffskrieg Hitlerdeutschlands klingen nicht nach neo-marxistischem Unsinn.
      Die Dimitrow-These beschäftig sich nicht explizit mit der Machtergreifung von Hitler, sondern ist allgemeiner. Ich widerspreche ihr nicht komplett.

      Allerdings ist es seltsam, dass der Mann eine Diktatur verteidigt, wo er doch selber später eine errichtet hat. Ironie der Geschichte? Oder symptomatisch für das staatskapitalistische System?

      Der Großteil der Arbeiten bezüglich dieses Themas entstand in der DDR.

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Man sollte allerdings betonen, dass die letzten Wahlen nicht mehr frei waren, sondern massiv vom Terror der SA überschattet, allerdings brauchte der Faschismus natürlich die Unterstützung von Teilen der Bevölkerung wie jedes System.
      Darüber müssen wir uns nicht streiten.

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Sie haben nach allen Kräften einen Zusammenbruch der Demokratie gefördert und als dies gelungen war, haben sie einen Hitler genauso willig akzeptiert wie jeden anderen.
      Tja. Ich will sie nicht verteidigen, aber etwas anderes blieb ihnen wohl auch nicht übrig. Ähnlich wie den meisten Deutschen.

      Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
      Verbrechen der einen machen die Verbrechen der anderen kein Stück besser, besonders wenn die Verbrecher ihren erraubten Reichtum mit in die BRD retten konnten.
      Das ist natürlich ein weiter Punkt der Ungerechtigkeit.

      Allerdings konnte man wohl nicht nachweisen, welches Geld jetzt aus Unrechtsgeschäften stammt.


      Zusammenfassend: Ich stehe in dem Großteil der Punkte nicht fern von dir.
      Hans-Ulrich Wehler stimme ich zu:
      "Das Ammenmärchen, dass sie sich Hitler und seine Schergen gekauft hätten, ist zwar endgültig widerlegt. Doch kann man sie mitnichten von dem gravierenden Vorwurf freisprechen, alles nur Mögliche zur Zerstörung der Republik beigetragen zu haben."
      Das ist wahr, mehr ist es aber auch nicht.
      a) Ist nach Einsicht der Spendenkonten der überwiegende Teil der Parteispenden durch Mitglieder, Eintrittsgelder und zahlungen von eher kleinen Unternehmen hereingekommen
      b) brauchte es, wie schon gesagt, mehr als die Unterstützung der Großindustrie, um Hitler an die Macht zu bringen.

      Kommentar


      • #4
        Zitat von Uriel Ventris Beitrag anzeigen
        Zuerst einmal schicke ich voraus: Ich bezweifle nicht, dass ein bestimmtes Choleur unter im Großunternehmertum Gefallen an einem autoritären System gefunden hat. Da stimme ich mit dir überein.
        Die Mehrzahl der Unternehmer dürfte für eine Diktatur gewesen sein, wer diese leitet war ihnen wohl relativ egal.

        Was ich sagen will, ist, dass aber Hitler ganz bestimmt nicht von den Großindustriellen an die Macht gebracht wurde. Denn zur Machtergreifung braucht es mehr als eine volle Parteikasse (und die Parteikasse wurde nur zu einem geringen Teil von den Industriellen gesponsert).
        Die NSDAP wurde auch schon früher von der Großindustrie gesponsort, nach dem gescheiterten Putsch Hitlers dauerte es allerdings wieder eine Weile bis die NSDAP eine gewisse Attraktivität aufbauen konnte.

        Ohne gewisse äußere Umstände (besonders die Wirtschaftskrise) hätte ein Hitler allerdings kaum die Macht erringen können.


        Außerdem: Wenn nicht der zweite Weltkrieg und die Massenvernichtung von über zehn Millionen Menschen gewesen wären, wäre das Nazi-Regime wie viele andere Diktaturen gewesen. Und das konnten die Industriellen vorher nicht wissen. Vielleicht hätte sich manch einer dagegen entschieden.
        Ddie Bevorzugung von Leuten mit viel Geld für konservative und autoritäre Systeme ist jetzt nicht etwas neues, und ist im Falle von Nazi-Deutschland auch nicht etwas besonders schreckenerregendes.
        Die agressive Außenpolitik Hitlers war den Industriellen durchaus bewusst und wurde von ihnen begrüßt, auch Zwangsarbeiter wurden gerne genutzt. Die Vernichtung der Sowjetunion war ebenso ein Ziel vieler Industrieller und der Antisemitismus war auch in diesen Kreisen weit verbreitet.

        Da unter der Industrielleneingabe nur wenige Schwergewichte unterschrieben haben, ist sie verglichen mit "dem Aufruf eines DNVP-nahen „Deutschen Ausschusses“ vom 6. November 1932, der sich unter der Überschrift „Mit Hindenburg für Volk und Reich!“ für die Regierung Papen, für die DNVP und gegen die NSDAP aussprach" unbedeutend. "Diesen Aufruf hatten insgesamt 339 Persönlichkeiten unterschrieben, darunter mehrere Dutzend Großindustrielle, also deutlich mehr als im Fall der Industrielleneingabe."
        Die Industrielleneingabe ist schließlich nicht das einzige Zusammentreffen von Hitler und Wirtschaft vor der Machtübertragung an die Faschisten. Das Treffen von Papen und Hitler im Hause von Schröder zeigt, dass eine Diktatur Hitler und Papen gewünscht war, aber eine Alleinherrschaft des Landschaftsmalers war ihnen dann auch Recht.

        Außerdem war die NSDAP bis 1930 relativ unbekannt und uninteressant. Erst nach dem Wahlerfolg bekam sie die ersten Zuwendungen. Drei Jahre sind zu wenig Zeit, um mit dem Einfuss von großem Kapital eine Partei zur führenden zu machen.
        Wie bereits geschrieben gab es auch vorher schon enge Kontakte, allerdings hat der sagenhafte Aufstieg der NSDAP natürlich erst das große Interesse geweckt. Das Interesse an einer Beseitigung der Weimarer Republik war allerdings von Beginn an vorhanden.

        Das kann gerne sein. Turner wollte die Position widerlegen, aber die andere Seite wollte auch unbedingt einen Beweis für die Mithilfe der Großindustrie an den Haaren herbeiziehen.
        Sicherlich, die Geschichte ist immer ein Kind ihrer Zeit und wird dementsprechend immer wieder umgedeutet.

        Der Großteil der Arbeiten bezüglich dieses Themas entstand in der DDR.
        Die DDR war in diesem Bereich führend und auch im Westen anerkannt. Es ist im nachhinein bedauerlich, dass die meisten Professoren nach der Wiedervereinigung abgewickelt wurden. Vielleicht wären in der Zusammenarbeit zwischen DDR- und West-Historikern interessante Arbeiten entstanden.


        Das ist natürlich ein weiter Punkt der Ungerechtigkeit.

        Allerdings konnte man wohl nicht nachweisen, welches Geld jetzt aus Unrechtsgeschäften stammt.
        Es war wohl angesichts des Kalten Krieges auch nicht gewollt, die Industriellen in ein allzu schlechtes Licht zu rücken. Schließlich stand zu Beginn der BRD selbst die CDU sozialistischen Ideen nahe.

        Zusammenfassend: Ich stehe in dem Großteil der Punkte nicht fern von dir.
        Hans-Ulrich Wehler stimme ich zu:

        Das ist wahr, mehr ist es aber auch nicht.
        a) Ist nach Einsicht der Spendenkonten der überwiegende Teil der Parteispenden durch Mitglieder, Eintrittsgelder und zahlungen von eher kleinen Unternehmen hereingekommen
        b) brauchte es, wie schon gesagt, mehr als die Unterstützung der Großindustrie, um Hitler an die Macht zu bringen.
        Ich würde Wehlers These auch durchaus zustimmen und vielleicht noch ergänzen, dass viele Konzerne vom Faschismus profitiert haben.

        Sie tragen also eine nicht geringe Mitschuld, aber sie sind natürlich nicht alleine dafür verantwortlich.
        “Sag mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht.” - Lenin

        Kommentar


        • #5
          Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
          Die Mehrzahl der Unternehmer dürfte für eine Diktatur gewesen sein, wer diese leitet war ihnen wohl relativ egal.
          Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob sie Hitler auch gewollt hätten, wenn sie von vorneherein von der Massenvernichtung und dem Krieg gewusst hätten.

          Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
          Die NSDAP wurde auch schon früher von der Großindustrie gesponsort, nach dem gescheiterten Putsch Hitlers dauerte es allerdings wieder eine Weile bis die NSDAP eine gewisse Attraktivität aufbauen konnte.
          Zwischen Sponsoring eines Industriellen, der mit Hitler sympathisiert, und einer Verschwörung im Hintergrund ist aber ein großer Unterschied.

          Und schließlich ist ein reicher Nazionalsozialist auch nicht schlimmer als ein armer. Ersterer kann halt spenden, letzterer nicht oder nur wenig.

          Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
          Ohne gewisse äußere Umstände (besonders die Wirtschaftskrise) hätte ein Hitler allerdings kaum die Macht erringen können.
          Ja. Die äußeren Umstände sind entscheidend. An der Theorie "die Großindustrielle haben Hitler geschaffen" mag ich eben nicht die Aussage, dass das Geld alleine Hitler auf den Thron gebracht habe.

          Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
          Die agressive Außenpolitik Hitlers war den Industriellen durchaus bewusst und wurde von ihnen begrüßt, auch Zwangsarbeiter wurden gerne genutzt. Die Vernichtung der Sowjetunion war ebenso ein Ziel vieler Industrieller und der Antisemitismus war auch in diesen Kreisen weit verbreitet.
          Wahrscheinlich mal in erster Line eine Eingrenzung des "Kommunismus".

          Und Antisemitismus hat ja auch verschieden Qualitäten. Mancher mag die "jüdische Rasse" für schlecht halten und dagegen wettern, aber im Anbetracht von Hitlers Plänen blass anlaufen.

          Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
          Die DDR war in diesem Bereich führend und auch im Westen anerkannt. Es ist im nachhinein bedauerlich, dass die meisten Professoren nach der Wiedervereinigung abgewickelt wurden. Vielleicht wären in der Zusammenarbeit zwischen DDR- und West-Historikern interessante Arbeiten entstanden.
          Eine deliberativere Geschichtsschreibung würde sicher um ein Vielfaches differenziertere Ergebnisse bieten, da stimme ich dir zu.

          Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
          Es war wohl angesichts des Kalten Krieges auch nicht gewollt, die Industriellen in ein allzu schlechtes Licht zu rücken. Schließlich stand zu Beginn der BRD selbst die CDU sozialistischen Ideen nahe.
          Nicht zu vergessen die Einbindung von Personen mit teils erschreckender Vergangenheit in den Parteien- und Institutionsapparat...

          Zitat von HerrHorst Beitrag anzeigen
          Ich würde Wehlers These auch durchaus zustimmen und vielleicht noch ergänzen, dass viele Konzerne vom Faschismus profitiert haben.

          Sie tragen also eine nicht geringe Mitschuld, aber sie sind natürlich nicht alleine dafür verantwortlich.
          Darüber sind wir uns einig. Über den Grad der Mitschuld kann man natürlich weiter diskutieren.

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          • #6
            Zitat von Uriel Ventris Beitrag anzeigen
            Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob sie Hitler auch gewollt hätten, wenn sie von vorneherein von der Massenvernichtung und dem Krieg gewusst hätten.
            Und vor allem, dass er den Krieg verliert

            Die Vernichtung in den Konzentrationslagern war wohl kaum im Interesse der Konzerne und letzendlich der Wahnideologie von Hitler und seinen Getreuen geschuldet. Wobei sich insbesondere die IG-Farben auch am Holocaust enorm bereichert haben.
            Ja. Die äußeren Umstände sind entscheidend. An der Theorie "die Großindustrielle haben Hitler geschaffen" mag ich eben nicht die Aussage, dass das Geld alleine Hitler auf den Thron gebracht habe.
            Bei Hitler kamen alle Unglücksfälle zusammen: Eine Wirtschaftskrise, welche insbesondere die Juden als Sündenböcke gesellschaftsfähig machte; eine geschwächte Demokratie und Eliten, welche die Weimarer Republik beseitigen wollten.

            Wahrscheinlich mal in erster Line eine Eingrenzung des "Kommunismus".

            Und Antisemitismus hat ja auch verschieden Qualitäten. Mancher mag die "jüdische Rasse" für schlecht halten und dagegen wettern, aber im Anbetracht von Hitlers Plänen blass anlaufen.
            Die Eingrenzung des "Kommunismus" war wohl das Hauptziel, allerdings wurden Bolscheswismus und Judentum häufig gleichgesetzt. Nicht umsonst haben Industrielle wie Henry Ford die Nazis lange Zeit unterstützt.

            Der Faschismus war schließlich auch dazu gedacht eine Revolution der Arbeiterparteien zu verhindern und diese anschließend (mit den Gewerkschaften) zu zerschlagen. Wobei ich angesichts der Wählerschaft der damaligen KPD nicht glaube, dass diese 1933 zu einer Revolution in der Lage war.
            “Sag mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht.” - Lenin

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