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Familienpolitik in Deutschland

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    Kindergeld, Elterngeld, Betreuungsgeld. In Deutschland gibt's eine ganze Latte und in der Summe ziemlich üppige so genannte "familienpolitischer Leistungen". Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie kommt offenbar - mal wieder - zu dem Ergebnis, dass das meiste davon ziemlich wirkungslos und zum Teil sogar kontraproduktiv ist:

    Regierungsstudie: Milliardenförderung für Familien verpufft | tagesschau.de

    Aber gut, dass die Parteien, die uns sonst von früh bis spät die Litanei vom "ausufernden Sozialstaat" verzapfen, in diesem Bereich getreu dem Motto "viel hilft viel" agieren. Bin schon auf das Geschrei der CSU gespannt.
    "The only thing we have to fear is fear itself!"

  • #2
    Das Kindergeld erweise sich demnach als "wenig effektiv", zitiert das Nachrichtenmagazin "Spiegel" aus dem Gutachten. Auch das Ehegattensplitting sei "ziemlich unwirksam", die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung sogar "besonders unwirksam".
    "Wenig effektiv" und "Unwirksam"? Ich vermisse sowohl im Artikel der Tagesschau als auch in der Originalmeldung bei SPON eine kurze Beschreibung der Ziele der Maßnahmen. Was heißt denn "Förderung der Familie"? Ohne zu wissen, was denn genau gefördert werden sollte, kann man das Ergebnis ja schlecht kritisieren.

    Offensichtlich ging es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, denn nur dann macht wohl die Betrachtungsweise der Studie Sinn, die eingesetzten Gelder mit den Steuereinnahmen in Verbindung zu setzen. Aber das steht nirgendwo. Journalismus allererster Güte.
    Für einen Euro durch die Spree, nächstes Jahr am Wiener See. - Treffen der Generationen 2013
    "Hey, you sass that hoopy Ford Prefect? There's a frood who really knows where his towel is." (Douglas Adams)

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    • #3
      Hier wäre weniger mal wieder mehr, solange es überschaubar ist.

      Es ist jedenfalls ein Unding, all diese Forumlare auszufüllen, um all die Leistungen zu erhalten. Das ist so kompliziert, dass es einem direkt vergeht, überhaupt was beantragen zu wollen. Und dann wartet man monatelang bis ein Bescheid kommt, ob die Leistung bewilligt wurde oder nicht. Nicht selten fehlt dann noch ein Bescheid und ein Formular, welches man nachreichen muss, und schon wieder verlängert sich die Chose um ein paar Wochen.

      Es gibt heute so viele Minileistungen, die sich zwar in der Summe ordentlich summieren, aber man muss erstmal wissen, welche Möglichkeiten und Ansprüche man denn überhaupt hat. Und frisch gewordene Eltern haben noch ein paar andere Sachen, um die sie sich kümmern müssen, da sollten doch wenigstens die staatlichen Hilfeleistungen einigermaßen formlos und zügeg über die Bühne gehen können. Das ist Gegenteil ist der Fall.

      Das bringt an den Anfang meiner kleinen Rede zurück: Es sind zu viele Minileistungen, die unnötig Bürokratie und Komplikationen schaffen. Darüber hinaus ist es doch völlig bescheuert, auf den STAAT angewiesen zu sein, um seine Kinder ernähren zu können. Würden die Menschen wieder anständige Löhne/Gehälter verdienen, könnte man sich diesen ganzen Proporz sparen. Ein schlichtes Kindergeld dazu wäre freilich auch nicht zu verachten. Doch wenn man als Eltern VOLLKOMMEN auf staatliche Leistungen angewiesen ist (und damit auf Bewilligungsbescheine und dem Wohlwollen der Schreibtischbeamten angewiesen ist), dann vergeht einem das Elternsein. Das ist wie: Wir als Bürger gehen in Vorleistung (=Kind) und sind dann auf das WOhlwollen des Staates angewiesen, um das Kind durchzubringen. Aus meiner Sicht eine unerträglich blöde Situation.

      Deshalb mein Rezept: Diese unsäglich komplizierte Litanei von familienförderlichen Leistungen sind ein einziger Urwald, den kaum einer mehr durchschaut. Deshalb weg damit! Gebt den Leuten anständige Löhne/Gehälter, sodass sie auf Förderungen erst gar nicht angewiesen sind, dann machen sie wieder aus reiner Freude Kinder! Und etwas Kindergeld dazu, schon macht es noch mehr Spaß.

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      • #4
        Zitat von Ford Prefect Beitrag anzeigen
        "Wenig effektiv" und "Unwirksam"? Ich vermisse sowohl im Artikel der Tagesschau als auch in der Originalmeldung bei SPON eine kurze Beschreibung der Ziele der Maßnahmen. Was heißt denn "Förderung der Familie"? Ohne zu wissen, was denn genau gefördert werden sollte, kann man das Ergebnis ja schlecht kritisieren.

        Offensichtlich ging es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, denn nur dann macht wohl die Betrachtungsweise der Studie Sinn, die eingesetzten Gelder mit den Steuereinnahmen in Verbindung zu setzen. Aber das steht nirgendwo. Journalismus allererster Güte.
        Das erklärte Ziel des Elterngeldes war es, die Geburtenrate zu erhöhen. Dies ist klar gescheitert, womit man den Krampf auch sofort wieder abschaffen könnte.
        Darüber hinaus wird in den Artikel gesagt, dass die Studie noch nicht veröffentlicht ist. Man darf also davon ausgehen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt noch eine ausführlichere Berichtersattung darüber geben wird.
        "The only thing we have to fear is fear itself!"

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        • #5
          Die Veröffentlichung dieses Papiers wird sowieso gestoppt.

          Vertuschung war ja schon beim Armutsbericht gang und gäbe.
          When I feed the poor, they call me a saint.
          When I ask why the poor are hungry, they call me a communist.


          ~ Hélder Câmara

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          • #6
            Zitat von Kid Beitrag anzeigen
            Die Veröffentlichung dieses Papiers wird sowieso gestoppt.
            Ach, das geht so ohne weiteres?
            "The only thing we have to fear is fear itself!"

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            • #7
              Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
              Das erklärte Ziel des Elterngeldes war es, die Geburtenrate zu erhöhen. Dies ist klar gescheitert, womit man den Krampf auch sofort wieder abschaffen könnte.
              Laut Familienministerium bekommen wir insgesamt wieder mehr Kinder, insbesondere die Hauptzielgruppe des Elterngeldes, die Akademikerrinnen.

              In diesem aktuellen internen Zwischenbericht geht es aber auch nicht vornehmlich um die Geburtenrate. Zumindest lese ich dies aus dem konfusen SPON Artikel nicht heraus. So heißt es zum Beispiel:
              Die tatsächlichen Kosten etwa einer Kindergelderhöhung liegen demnach "in etwa beim Doppelten der nominalen direkten Kosten". Weil die Mütter weniger arbeiten, entgingen "dem Staat Steuereinnahmen sowie Einnahmen der Sozialversicherung".
              Wenn ich diese Logik zu Ende denke ist es besser, wenn die Frauen gar keine Kinder bekommen, denn dann muss der Staat a) kein Elterngeld zahlen und hat b) keine Steuerausfälle zu verzeichnen. Keine Kinder sind aber sicherlich nicht das Ziel der aktuellen Familienpolitik.

              Der Artikel ist schlichtweg viel zu wage, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wo die Gutachter die Probleme sehen. Als Grundlage für eine Diskussion gibt er meiner Meinung nach nicht viel her.
              Für einen Euro durch die Spree, nächstes Jahr am Wiener See. - Treffen der Generationen 2013
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              • #8
                Zitat von Ford Prefect Beitrag anzeigen
                Laut Familienministerium bekommen wir insgesamt wieder mehr Kinder, insbesondere die Hauptzielgruppe des Elterngeldes, die Akademikerrinnen.
                Der Link geht grad nicht (sueddeutsche.de offenbar gerade down), deswegen kann ich dazu jetzt nichts sagen. Wäre mir aber neu, wenn die Geburtenrate insgesamt signifikant gestiegen wäre. Und überhaupt darf man sich fragen, ob - vermeintlich gut verdienende - Akademikerinnen jetzt wirklich die Gruppe sind, die man mit monetären sozialstaatlichen Leistungen päppeln muss.

                In diesem aktuellen internen Zwischenbericht geht es aber auch nicht vornehmlich um die Geburtenrate. Zumindest lese ich dies aus dem konfusen SPON Artikel nicht heraus. So heißt es zum Beispiel: Wenn ich diese Logik zu Ende denke ist es besser, wenn die Frauen gar keine Kinder bekommen, denn dann muss der Staat a) kein Elterngeld zahlen und hat b) keine Steuerausfälle zu verzeichnen. Keine Kinder sind aber sicherlich nicht das Ziel der aktuellen Familienpolitik.
                Ein gut ausgebautes System von Kitas dürfte theoretisch die Kombination beider Aspekte (Kinder + Mutti arbeitet) erlauben. Zumindest funktionert es in Frankreich so. Wobei man hier sicherlich kulturelle Unterschiede im generellen Habitus beachten sollte.
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                • #9
                  Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                  Ach, das geht so ohne weiteres?
                  Wurde ja von der Regierung in Auftrag gegeben. Warum also nicht?
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                  ~ Hélder Câmara

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                  • #10
                    Zitat von Kid Beitrag anzeigen
                    Wurde ja von der Regierung in Auftrag gegeben. Warum also nicht?
                    Was heißt "in Auftrag gegeben"? Dass sie's auch bezahlt haben?

                    Wenn die an ein öffentliches Institut herantreten und eine Studie erbitten, fände ich es schon sehr seltsam wenn die Regierung hier nach Gutdünken die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten bestimmen darf. Auch wenn sie der Auftraggeber ist.
                    "The only thing we have to fear is fear itself!"

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                    • #11
                      Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                      Wäre mir aber neu, wenn die Geburtenrate insgesamt signifikant gestiegen wäre.
                      Es kommt wahrscheinlich darauf an, wie man "signifikant" definiert.

                      Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                      Und überhaupt darf man sich fragen, ob - vermeintlich gut verdienende - Akademikerinnen jetzt wirklich die Gruppe sind, die man mit monetären sozialstaatlichen Leistungen päppeln muss.
                      Das Problem liegt halt darin, dass wenn eine Akademikerin ein Kind bekommt und sie mit ihrem Baby ein paar Monate zu Hause bleiben möchte oder wegen fehlender Betreuungseinrichtungen zu Hause bleiben muss, sie eben nicht mehr gut verdient. Das Elterngeld soll den Einkommensausfall überbrücken, so wohl die Überlegung. Wobei jetzt gerade zum (Miss)Erfolg des Elterngeldes nichts im Artikel steht.

                      Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                      Ein gut ausgebautes System von Kitas dürfte theoretisch die Kombination beider Aspekte (Kinder + Mutti arbeitet) erlauben. Zumindest funktionert es in Frankreich so. Wobei man hier sicherlich kulturelle Unterschiede im generellen Habitus beachten sollte.
                      Mit dem zügigen Ausbau der Kitas tun sich die Regierung und insbesondere westdeutsche Kommunen ja besonders schwer. An dieser Stelle kann der Bericht vielleicht helfen, wenn man bedenkt, dass 48% der Investitionen in Kitas und Krippen durch dann eben nicht fehlende Steuereinnahmen wieder rein geholt werden. Das sollte man bei den Kosten für den Ausbau sicherlich berücksichtigen. Wobei der kulturelle Aspekt, den du erwähnst der Sache vielleicht doch mehr im Wege steht als fehlende finanzielle Mittel.
                      Für einen Euro durch die Spree, nächstes Jahr am Wiener See. - Treffen der Generationen 2013
                      "Hey, you sass that hoopy Ford Prefect? There's a frood who really knows where his towel is." (Douglas Adams)

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                      • #12
                        Zitat von SF-Junky Beitrag anzeigen
                        Was heißt "in Auftrag gegeben"? Dass sie's auch bezahlt haben?
                        Ja. Die Gutachten werden von den Ministerien öffentlich ausgeschrieben und die Ministerien bezahlen natürlich auch dafür.

                        Wenn die an ein öffentliches Institut herantreten und eine Studie erbitten, fände ich es schon sehr seltsam wenn die Regierung hier nach Gutdünken die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten bestimmen darf. Auch wenn sie der Auftraggeber ist.
                        Ist aber so. Wenn es ihnen nicht passt, veröffentlichen sie es nicht oder halt erst nach der Wahl, oder es wird die "Interpretation" redigiert.

                        Normalerweise dringt es trotzdem zumindest durch, dass das Gutachten existiert, und dann gibt's erst ein Gezeter oder es wird an die Presse durchgestochen, so dass es am Ende meist doch veröffentlicht wird.

                        Was meiner Erfahrung nach nicht passiert ist allerdings, dass direkt auf die Studie selber Einfluss genommen wird.

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                        • #14
                          Ist doch kein Wunder, dass das alles nicht klappt. Der Deutsche ist kein spontaner Typ. Er will Planungssicherheit. (gilt auch für Frauen, ich benutze nur die männliche Form der Einfacheit halber)
                          Nun kann man auf dem heutigen Arbeitsmarkt keinerlei Sicherheit mehr finden, es sei denn man schafft es sich verbeamten zu lassen.

                          Es wäre nun also die Aufgabe der Regierung diese Sicherheit abseits des Arbeitsmarktes zu schaffen. Gerade das sabotiert unsere Regierung aber nun schon seit den 90ern. Kinder in Hartz4 Familien leben in Armut und haben wesentlich geringere Chancen auf eine gute Ausbildung, als Kinder von arbeitenden Eltern.
                          Es ist ja schlimm genug, dass wir heutzutage alle eine Kündigung vom Abgrund entfernt leben, aber wer will das denn für seine Kinder riskieren?
                          Gerade höher gebildete Menschen haben Angst hiervor (zu Recht), denn sie können die Lage besser überschauen als weniger gebildete Menschen.

                          Wenn man die Geburtenrate erhöhen will muss man den Hartz4-Satz auf ein menschwürdiges Level anpassen und eine Menge der Sanktionen streichen, zumindest für Eltern von Kindern unter 6. Ich würde schätzen, dass die Geburtenrate dann nach 5-10 Jahren wieder steigt. (es dauert ein bisschen bis sich Vertrauen in das soziale Netz wieder aufbaut)

                          Zitat von Ford Prefect Beitrag anzeigen
                          Das Problem liegt halt darin, dass wenn eine Akademikerin ein Kind bekommt und sie mit ihrem Baby ein paar Monate zu Hause bleiben möchte oder wegen fehlender Betreuungseinrichtungen zu Hause bleiben muss, sie eben nicht mehr gut verdient. Das Elterngeld soll den Einkommensausfall überbrücken, so wohl die Überlegung. Wobei jetzt gerade zum (Miss)Erfolg des Elterngeldes nichts im Artikel steht.
                          Im ersten Lebensjahr muss so oder so ein Elternteil mit dem Kind zu Hause bleiben. Im ersten Lebensjahr braucht ein Kind eine ständige Bezugsperson. Nicht häufig wechselnde Bezugspersonen.
                          Ich halte diesen Kitaquatsch für ganz gefährlich. Am Ende haben wir dann mehr Kinder, die sind aber alle total vermurkst und unser Schulsystem (schon garnicht unser beschissenes Schulsystem) kann die dann unmöglich beschulen. Na da haben wir dann aber was gewonnen.
                          Zuletzt geändert von Slowking; 07.02.2013, 00:05.
                          Disclaimer: Meine Post sind meist nicht als Absolute zu vestehen, sondern sollen nur einen weiteren Blickwinkel bieten.
                          "Wer hat uns verraten? - Sozialdemokraten!" - Alte Volksweisheit
                          "The man who trades freedom for security does not deserve nor will he ever receive either." - Benjamin Franklin

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                          • #15
                            Zitat von Slowking Beitrag anzeigen
                            Im ersten Lebensjahr muss so oder so ein Elternteil mit dem Kind zu Hause bleiben. Im ersten Lebensjahr braucht ein Kind eine ständige Bezugsperson. Nicht häufig wechselnde Bezugspersonen.
                            Ich halte diesen Kitaquatsch für ganz gefährlich. Am Ende haben wir dann mehr Kinder, die sind aber alle total vermurkst und unser Schulsystem (schon garnicht unser beschissenes Schulsystem) kann die dann unmöglich beschulen. Na da haben wir dann aber was gewonnen.
                            Heißt das jetzt, alle ehemaligen Krippenkinder sind "total vermurkst" und können nicht beschult werden?
                            Seltsam, dass meine Schwester ihr Abitur mit einem guten Zweierschnitt gemacht und erfolgreich studiert hat. Und sie ist schon sehr früh in die Kinderkrippe gegangen, damit meine Mutter wieder arbeiten gehen konnte.
                            Das ist jetzt nur ein Beispiel von vielen. Aber in der ehemaligen DDR war es üblich, dass die Kinder in die Krippe geschickt wurden, damit ihre Mütter arbeiten gehen konnten. Ich glaube nicht, dass es deswegen jetzt in den neuen Bundesländern nur vermurkste Leute gibt.
                            Zugriff verweigert - Treffen der Generationen 2012

                            =/\= STARFLEET UNIVERSE =/\=

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