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Zwergsterne zur Supernova?

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  • Zwergsterne zur Supernova?

    Schaut einmal, das habe ich gerade in meiner Tageszeitung gefunden (WESTFALENPOST vom Do., 23. Mai 2002 - Zeitgeschehen):


    Supernova bedroht die Erde
    London
    (dpa) In unmittelbarar Nachbarschaft der Erde droht eine kosmische Explosion, die ein Massensterben auslösen könnte - allerdings erst in vielen Millionen Jahren.
    Eine Harvard-Studentin hat festgestellt, dass ein Zwergstern namens HR 8210 in etwa 150 Lichtjahren Entfernung "demnächst" in einer Supernova explodieren könnte.


    So weit der Artikel.
    Das "erlernbare Grundlagenwissen", dass ich habe (), besagt eindeutig, dass ROTE ÜBERRIESEN zu Supernovae werden. Sie entstehen aus den BLAUEN Riesen.
    Eine NOVA entsteht aus einem ROTEN RIESEN, der wiederum eine GELBE SONNE zum Vorläufer hat.
    ZWERGSTERNE hingegen erlöschen einfach und fertig ist....

    Meine Frage also: Wieso behauptet die dpa, ein Zwergstern könne zur Supernova werden? Das widerspricht meinem kosmologischen Wissen!
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  • #2
    Ja, das widerspricht auch dem, was ich weiß...isolierte Zwergsterne sollten eigentlich nicht zur Nova werden.

    Allerdings ist das Ganze komplexer, wenn es sich um ein Mwhrfachsternensystem handelt, aber da hab ich wenig von, will deswegen hier nix falsches sagen.,.
    "Also wahrscheinlich werde ich heute abend defnitiv nicht zurückschreiben können..."
    "Da werd' ich vielleicht wahrscheinlich ganz sicher möglicherweise definitiv mit klarkommen."

    Member der NO-Connection!!

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    • #3
      Hehe, dafür ich... :-)

      Es gibt zwar keine Supernova aus einem isolierten Zwergstern, aber in ungleich grossen Doppelsternsystemen kann es zu Supernovea kommen. Man nennt diesen Supernovatyp "Typ II" und er läuft ca. so ab:

      Ein Zwergstern (ein weisser Zwerg, kein kleiner roter Stern) umkreist einen viel grösseren, anderen Stern. (Etwa so wie beim Stern Sirius) Wenn der grössere Stern alt wird (=wenn sein Brennstoffvorrat aufgebraucht ist), dehnt er sich aus. Teile seiner Hülle gelangen in den Anziehungsbereich des weissen Zwerges und fallen in einer Akkretionsscheibe langsam auf ihn hinunter. So baut sich langsam ein immer stärkerer Druck (und Temperatur) auf, bis dass der weisse Zwerg unter dem Druck zu einem Neutronenstern implodiert und dabei das angesammelte Gas wegschleudert. Oft wird der andere Stern dabei zerstört. Es gibt aber auch Anzeichen dafür, dass in solchen Systemen, bei denen sich grosser Stern und weisser Zwerg relativ eng umkreisen, dieser Vorgang mehrmals hintereinander ablaufen kann. Jetzt müsste man noch herausfinden, was dieser HR 8210 für ein Stern ist. Wenn es kein weisser Zwerg ist, ist der Artikel - genau wie es dein "Grundlagenwissen" besagt - Unsinn.
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      • #4
        Das habe ich gefunden zum Thema HR 8210. Vorsicht, Fachenglisch:



        Landsman, et al., THE HOT WHITE DWARF COMPANIONS OF HR 1608, HR 8210, AND HD 15638

        We have obtained low-dispersion IUE spectra of the late-type stars HD 15638 (F3 V), HR 1608 (=63 Eri, K0 IV), and HR 8210 (A8m). Each of these stars had been detected as a strong EUV source with the Wide Field Camera (WFC) aboard the ROSAT satellite. The short-wavelength IUE spectrum of each star reveals the presence of a hot white dwarf companion.

        We have fit the Ly-alpha profile and ultraviolet continuum of each white dwarf using pure hydrogen models. The excellent fit of the data to the models provides confirmation of the Finley and Koester absolute calibration of the SWP camera of IUE. The ultraviolet data alone are insufficient to constrain the model gravity, but an additional constraint is provided by the photometric distance to the late-type primary. We derive T_eff = 50,000 K, log g = 8.15 for the white dwarf companion to HD 15638, T_eff = 26,000 +/- 1500 K, log g = 7.5 +/- 0.5 for the companion to HR 1608, and T_eff = 35,500 +/- 1500 K and log g = 9.0 for the companion to HR 8210.

        The most interesting of the three white dwarfs is the companion to HR 8210 for which our results imply a mass of 1.15 M. This result is in good agreement with the lower limit on the mass derived from the spectroscopic orbit (M > 1.1 solar mass), provided that the inclination is close to 90 degrees. HR 8210 thus shows similarities to the Sirius system, although with a cooler primary (7700 K vs. 10,000 K), a hotter white dwarf (35,500 K vs. 25,000 K), and a 100 times smaller component separation (3 x 10^7 km vs. 3 x 10^9 km). We discuss the importance of future observations of HR 8210 for the study of high mass white dwarfs, and for scenarios of binary star evolution. (c) Astronomical Society of the Pacific


        Also, mein Englisch ist gerade noch erträglich, mein FACHenglisch leider nicht.

        Jedenfalls entnehme ich dem Artikel, das HR 8210 einem weißen Zwergstern als Begleiter hat, und dass dieses System deshalb so interessant ist, weil es so viel Ähnlichkeit mit dem Siriussystem aufweist.
        Bynaus, dein "Stehgreifwissen" über alles, was mit Naturwissenschaften zu tun hat, ist immer wieder beeindruckend!

        Hat jemand genug Englisch drauf, um diesem Artikel weitere sinnvolle Informationen zu entlocken?


        Ansonsten betrachte ich dieses Rätsel als gelöst
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        • #5
          Übersetzung des Artikels
          Wir haben ein niedrigstreuendes IUE der Spättyp-Sterne HD 15638 (F3 V), HR 1608 (=63 Eri, K0 IV) und HR 8210 (A8m) erhalten. Jeder dieser Sterne wurde als eine starke EUV-Quelle mittels der Weit-Feld-Kamera (WFC) des ROSAT-Satelliten ermittelt. Das kurzwellige IUE Spektrum jedes der Sterne weißt auf die Anwesenheit eines heißen weißen Zwerges als Begleiter hin.
          Wir haben das LY-alpha Profil und das ultraviolette Kontinuum eines jeden weißen Zwerges angepasst, indem wir reine Wasserstoff Modelle benutzten. Das genaue Zusammenpassen der Daten mit den Modellen stellt eine Bestätigung der absoluten Berechnungen Finleys und Koesters der SWP Kamera des IUE dar. Die ultraviolett Daten alleine sind nicht ausreichend, um die Modellanziehungskraft zu erzwingen, aber ein zusätzlicher Zwang wird durch die photometrische Distanz zum Spät-Typ Zentralstern geliefert. Wir ermitteln ein T eff = 50.000 K, log g = 8,15 für den weißen Zwerg, der HD 15638 begleitet, T eff = 26.000 +/- 1500K log g = 7,5 +/- 0,5 für den Begleiter von HR 1608, und T eff = 35.500 +/- 1500 K und log g = 9,0 für den Begleiter von HR 8210
          Der interessanteste der 3 weißen Zwerge ist der Begleiter von HR 8210, für den unsere Ergebnisse eine Masse von 1,15M andeuten. Dieses Ergebnis steht in guter Übereinstimmung mit der Untergrenze der Masse aus der Herleitung vom spektroskopischen Orbit (M > 1,1 Sonnenmassen), vorausgesetzt, dass die Inklination [der Winkel zum Betrachter, Anm. des Übersetzers] annähernd 90° beträgt. HR 8210 zeigt darüber hinaus noch Ähnlichkeiten zum Sirius System, obwohl es einen kühleren Hauptstern (7.700 K gg. 10.000 K), einen heißeren weißen Zwerg (35.500 K gg. 25.000 K), und eine 100fach geringere Teilchentrennung (3 x 10^7 km gg. 3 x 19^9km) verfügt. Wir diskutieren die Wichtigkeit künftiger Beobachtungen von HR 8210 für das Studium massereicher weißer Zwerge, und für Szenarios von Zwillingssternentwicklungen.
          Leider weiß ich nicht, was IUE und EUV bedeutet. Muss ich wohl erst noch nachschauen.
          Auf jeden Fall steht in dem Artikel nichts davon, dass es demnächst zu einer Supernova kommen soll. Das letzte, was ich gehört habe war auch, dass in unserer Umgebung demnächst keine Supernova anstehen soll. Allerdings sind diese Daten auch schon wieder 3 Jahre alt und ich weiß nicht, ob sich was neues ergeben hat. Bedürfte einer weiteren Überprüfung.
          Zuletzt geändert von Spocky; 25.05.2002, 14:03.
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          • #6
            @LuckyGuy: danke!
            IUE kenn ich nicht, EUV steht für "Extreme Ultra Violett". Noch eine Anmerkung: es ist keine "hunderfach geringere Teilchentrennung", sondern ein hundertfach geringerer Abstand zwischen den Komponenten, dh zwischen dem Haupt- und Begleitstern. Der Begleiter von HR 8210 umkreist diesen 100 mal näher als der Begleiter des Sirius jenen.
            Die hohe Masse des HR 8210 Begleiters hat wohl die Schreibsel des obigen Artikel veranlasst, eine baldige Supernova zu verkünden (mit grösserer Masse und engem Radius geht es schneller, bis daraus eine SN II wird).

            Ansonsten danke Spocky für die gute Übersetzung.

            Hey, mein 1500stes Post. Ist mir eine Ehre. :-)
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            • #7
              Habs erst gelesen, als es schon die 1501 war .

              Bitte, ich tat mein möglichstes. Immerhin muss ich meine Diplomarbeit ja auch auf Englisch verfassen und Quellen gibts eh nur auf Englisch.

              Es muss doch aber Beispiele für die Abläufe solcher SNII geben, wenn sie A einen Namen haben und B man berechnen kann, wann sie stattfindet. Kennst du welche?
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              • #8
                Eigentlich beobachtet man ja immer wieder Supernovae, vor allem in fernen Galaxien, da es davon so viele gibt und damit rein statistisch immer wieder eine Supernova entdeckt wird. Ich glaube, man verwendet die SN II auch als Standardkerzen für die Entfernungsbestimmung, da ihre Dauer mit der Helligkeit gekoppelt ist (wie bei den Cepheiden-Sternen). Ich weiss nicht, ob die wenigen bekannten SN in unserer Galaxis und der magellanschen Wolke vom Typ I oder II waren. Ich glaube, beide waren Typ I, aber keine Garantie darauf.
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                • #9
                  Mein Astro-Lehrer meint mal das selbst unsere Sonne zu wenig masse habe um zur Supernova zu werden. Also dürfte ein Zwergstern Theoretisch auch keine bilden können !
                  The very young do not always do as they are told.
                  (Die sehr jungen tun nicht immer das, was man ihnen sagt.)
                  [Stargate: Die Macht der Weisen / The Nox]

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                  • #10
                    Der Zwergstern ist ja auch nur der Begleiter eines VIIIEEEl GRÖÖÖSSEREN Sterns!
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                    • #11
                      Admiral Harry, lies das Posting oben durch, dort steht, wie ein Zwergstern zu einer Supernova wird. Natürlich nicht aus "eigener Kraft" sondern mit Hilfe seines Begleitsterns, wie LuckyGuy das richtig sieht.
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                      • #12
                        Original geschrieben von Bynaus
                        Ich glaube, man verwendet die SN II auch als Standardkerzen für die Entfernungsbestimmung, da ihre Dauer mit der Helligkeit gekoppelt ist (wie bei den Cepheiden-Sternen).
                        Ja, ich glaube, du hast Recht. Bei Alpha Centauri gabs mal 3 Folgen zum Thema "wie misst man Entfernungen im All?". In der 2. gings auch um bestimmte SN-Typen, die verwendet werden können. Ich glaube, das könnten die sein. Klingt ja auch logisch, da sie durch die Art, wie sie entstehen theoretisch immer dieselbe Masse haben müssten.
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