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Paradoxien, Paradoxa und Antinomien

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  • Paradoxien, Paradoxa und Antinomien

    Wie ist jeweils die Definition von einer Paradoxie (Plural: Paradoxien), einem Paradoxon (Plural: Paradoxa), und einer Antinomie? Wo genau ist der Unterschied? Kennt ihr vieleicht auch ein paar Beispiele?

  • #2
    Paradoxie: "Verwunderung über einen sinnwidrigen Sachverhalt">: das dem Geglaubten, Gemeinten, Erwarteten Zuwiderlaufende; das Widersinnige, der Widerspruch in sich.

    Paradoxon: Scheinbar falsche Aussage (oft in Form einer Sentenz oder eines Aphorismus), die aber bei genauerer Analyse auf höhere Wahrheit hinweist.
    [Sentenz = Meinung, Urteil, Sinnspruch; Aphorismus = Abgrenzung, Bestimmung; kurzer (Lehr)satz]

    Antinomie: "Widerspruch innerhalb eines Gesetzes">: Widerspruch eines Satzes in sich oder zweier Sätze, von denen jeder Gültigkeit beanspruchen kann.
    "Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden." - Oscar Wilde

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    • #3
      Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das verstanden habe. Ich versuch das mal in meinen Worten nochmal zusammenzufassen:

      Paradoxie: Etwas, das dem als wahr abgenommenen/vermuteten widerspricht.
      Paradoxon: Scheinbar falsche, jedoch in Wirklichkeit richtige Aussage.
      Antinomie: Zwei oder mehrere sich widersprechende zusammenhängende Aussagen.

      Richtig so?

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      • #4
        Rein etymologisch (von der Wortherkunft her) ist Antinomie und Paradox- (welche Endung auch immer) dasselbe, nur eines ist Latein, das andere Griechisch.

        Aber im Gebrauch unterscheiden sich die Begriffe, wie oben beschrieben.

        Mit Beispielen kann ich spontan nicht dienen...

        Gruß,

        Pirx

        P.S.: Nein, ein Paradoxon ist nicht scheinbar falsch. Paradoxon ist weder falsch noch richtig - es ist nicht auflösbar. Aber darin liegt eine bestimmte Erkenntnis.
        Versucht, die Welt ein bißchen besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

        Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

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        • #5
          Original geschrieben von Apollo
          Paradoxie: Etwas, das dem als wahr abgenommenen/vermuteten widerspricht.
          Eher etwas Sinnwidriges mit einem Widerspruch in sich enthaltend.

          Paradoxon: Scheinbar falsche, jedoch in Wirklichkeit richtige Aussage.
          Jain, auf den quasie "ersten Hinsehen" falsche Aussage, die sich aber nach tiefgehenderem Analysieren als Wahrheit entpuppt.

          Antinomie: Zwei oder mehrere sich widersprechende zusammenhängende Aussagen.
          Nein, 2 in sich widersprechende Sätze, die aber trotzdem beide der Wahrheit entprechen. Oder einen Satz der in sich widerspricht, jedoch als gültig angesehen werden kann.

          ---

          Zumindest seh ich das so. Gegenstimmen?

          P.S.:
          paradox: <über (spät)lat. paradoxus aus gleichbed. gr. parâdoxos zu ^ para... u. dôxa "Meinung">: 1. widersinnig, einen Widerspruch in sich enthaltend. 2. (ugs.) sehr merkwürdig; ganz u. gar abwegig, unsinnig.

          Das Paradox: 1.... was einen Widerspruch in sich enhält, paradox (1) ist. 2. svw. Paradoxon (siehe Oben)
          "Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden." - Oscar Wilde

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          • #6
            Ja hier!

            Zitat:
            Original geschrieben von Apollo
            Paradoxie: Etwas, das dem als wahr abgenommenen/vermuteten widerspricht.



            Eher etwas Sinnwidriges mit einem Widerspruch in sich enthaltend.
            Was soll das bedeuten?

            Versucht, die Welt ein bißchen besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

            Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

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            • #7
              Jain, auf den quasie "ersten Hinsehen" falsche Aussage, die sich aber nach tiefgehenderem Analysieren als Wahrheit entpuppt. [...] Nein, 2 in sich widersprechende Sätze, die aber trotzdem beide der Wahrheit entprechen. Oder einen Satz der in sich widerspricht, jedoch als gültig angesehen werden kann.
              Aus meiner Sicht versuchen wir das gleiche, auf verschiedene Art zu sagen. Ich sehe bei beiden deiner Erklärungen keinen wirklichen Unterschied zu meinen. Zur Paradoxie: Ich erkenne auch hier nicht den Unterschied zwischen deiner Erklärung der Paradoxie, und deiner Erklärung der Antinomie!

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              • #8
                Original geschrieben von Apollo
                Aus meiner Sicht versuchen wir das gleiche, auf verschiedene Art zu sagen. Ich sehe bei beiden deiner Erklärungen keinen wirklichen Unterschied zu meinen.


                Giebts auch kein Wirklichen. Ich hab es nur nochmal etwas genauer versucht zu beschreiben. Im Sinne schon richtig denke ich.

                Zur Paradoxie: Ich erkenne auch hier nicht den Unterschied zwischen deiner Erklärung der Paradoxie, und deiner Erklärung der Antinomie!
                Ich glaube das der Begriff der Antinomie auf unsere Gesetzesbücher bzw. Sätze bezogen ist. Also eher speziell.

                Und beim Paradoxon muss erst tief hineininterpretiert werden um zu verstehen und die Wahrheit zu erkennen. Also allgemein.

                Original geschrieben von Pirx
                Ja hier!



                Was soll das bedeuten?

                Streichen wir mal meine 2. Aussage zu Paradoxie! Apollos scheint mir doch richtiger!
                Zuletzt geändert von The Guardian; 10.06.2002, 18:29.
                "Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden." - Oscar Wilde

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                • #9
                  Eine Paradoxie ist zum Beispiel: "Der stumme Sänger."

                  Weil: Geht nicht. Läuft jeder Erfahrung und Wahrnehmung zuwider.
                  Kennt Ihr den: "Dunkel war´s, der Mond schien helle... usw." Da stecken auch ein paar Paradoxien drin, wie "saßen stehend Leute"

                  "Dunkel war´s, der Mond schien helle" ist eine Antinomie. Es war dunkel, denn es war Nacht. Der Satz hat Gültigkeit. Der Mond schien, und zwar helle. Stimmt auch. (Den Widerspruch in einer Antonomie kann man evtl. auflösen, hier zum Beispiel, indem man ergänzt: "Es war vergleichsweise dunkel, inmitten dieses Dunkels schien der Mond hell." Oder so *gg*.)

                  Ein Paradoxon ist, wenn ich in der Zeit zurückreise, meine Oma umbringe, bevor meine Mutter geboren wurde, und mich dann ewig frage, wie ich das hingekriegt habe, da es mich doch gar nicht gibt. Das kann man drehen und wenden, wie man will, man kommt nicht dahinter und kann den Widerspruch nicht auflösen.
                  Die Erkenntnis (tiefere Weisheit) aus der Sache: Ich kann nicht in der Zeit zurückreisen.

                  So besser?

                  Gruß,

                  Pirx
                  Zuletzt geändert von Pirx; 11.06.2002, 23:56.
                  Versucht, die Welt ein bißchen besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

                  Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

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                  • #10
                    "Der stumme Sänger." würde ich eher als Antinomie einstufen. Anders ausgedrückt könnte der Satz auch heissen: "Der sprechunfähige Sprecher."

                    Hier nochmal die Definitionen (so wie ich sie jetzt verstanden hab):
                    Antinomie: Eine Aussage und dessen Negation sind gleichzeitig gültig.
                    Paradoxie: Eine Aussage widerspricht dem als richtig angenommen.

                    "Dunkel war's, der Mond schien helle" würde ich weder als Antinomie, Paradoxie, noch als Paradoxon einstufen. Eben eine ganz normale widerspruchsfreie Aussage.

                    Aber was genau ein Paradoxon ist, habe ich immer noch nicht ganz verstanden...

                    Kommentar


                    • #11
                      Antinomie: Eine Aussage und dessen Negation sind gleichzeitig gültig.
                      Na, das kann ja nicht sein. Vom "Prinzip" her vielleicht...

                      Hier hab ich noch was gefunden:

                      "Antinomie: Widerspruch zweier Aussagen, von denen jede vernünftig begründet zu sein scheint, die sich jedoch gegenseitig ausschließen."

                      *im Büchern kram*

                      Zum Beispiel die hier von Eubulides:

                      1) Der Lügner: Wenn der Lügner sagt, daß er lügt, dann lügt er und sagt zugleich die Wahrheit.

                      Weil: Wenn er ein Lügner ist, dann lügt er. Wenn er sagt, er lügt, dann sagt er aber die Wahrheit. Da er aber ein Lügner ist, kann das nicht die Wahrheit sein, also lügt er nicht. Also sagt er die Wahrheit...

                      2) Die Hörner: Deine Hörner hast du nicht verloren, und was du nicht verloren hast, das hast (besitzst) du, also hast du Hörner.

                      Also liegt der Witz darin, aufzuzeigen, wo die Begründung einer der Aussagen nur scheinbar ist.


                      Zu Paradoxon und Paradoxie finde ich bei mir nichts mehr. Aber die Definition der Paradoxie würde ich so stehen lassen.

                      Und den Unterschied des Paradoxon zur Paradoxie sehe ich darin, daß ersteres mir eine Erkenntnis vermitteln kann, während zweiteres schlicht Unsinn ist.
                      Versucht, die Welt ein bißchen besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

                      Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

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                      • #12
                        Paradoxon griechisch = das Unerwartete
                        z.B.: "Wer sein Leben gewinnen will, der wird es verlieren" (Matt. 10, 39)

                        Paradoxon und Paradoxie kann man laut Duden gleichsetzen ;-)

                        Original geschrieben von Pirx
                        Eine Paradoxie ist zum Beispiel: "Der stumme Sänger."

                        Da muss ich Protest erheben.
                        Dabei handelt es sich meiner Ansciht nach um ein Oxymoron.
                        Oxymoron = Ein scheinbarer Widerspruch weist bei genauerer Betrachtung auf eine "höhere" hin. Das entpsricht auch den griechischen Wortteilen des Wortes Oxymoron... erster teil "scharf" ...zweiter Teil "dumm"

                        Das hängt alles dicht beieinander.

                        Sonderformen des Oxymorons sind dann noch die "Contradectio in adiecto" [= Eine Sonderform des OXy, bei der ein Widerspruch zwischen Substantiven und adjektivischen Beiwort besteht] Weitere Sonderform ist die Katachrese, dabei handelt es sich meist um einen Bild- und Stilbruch durch die Verwendung metaphischer Wendungen, die nicht zusammen passen.

                        z.B. beredtes Schweigen, bittere Süße, alter Knabe oder eben genau genommen auch der stumme Sänger

                        Aber die Deutschstunde sind bei mir ein Weilchen her

                        Wozu brauchst Du das eigentlich??

                        MfG
                        "Mind the gap!"

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                        • #13
                          Miss Hanson, Oxymoron und so sind Stilfiguren und haben nur mittelbar mit dem Inhalt zu tun.

                          Paradoxa und dem Verwandte sind rein inhaltlich gemeint. Ob Paradoxon und Paradoxie dasselbe sind, wäre ich nicht sicher. Im allgemeinen Sprachgebrauch vielleicht, aber es stellt sich in der Tat die Frage:

                          Apollo, wofür brauchst Du das?

                          Pirx


                          edit: Hab mal scharf nachgedacht... (Wo sind die Altgriechen, wenn man sie mal braucht??)

                          para - dox(a?) müßte so etwas wie "über die Lehre hinweg / (ent)gegen der/die Lehre" bedeuten, genaugenommen. Jedenfalls so genau, wie ich das beurteilen kann. Das ist aber nicht so furchtbar aufschlußreich hinsichtlich der heutigen, aktuellen und exakten Bedeutung...
                          Versucht, die Welt ein bißchen besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

                          Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

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                          • #14
                            Apollo, wofür brauchst Du das?
                            Ich brauche es nicht wirklich. Interessiert mich halt nur so.

                            Ich habe auch noch was ziemlich blödes gefunden. Im Brockhaus (als Bücher) wird zwischen Paradoxon (Plural: Paradoxa) und Paradoxie (Plural: Paradoxien) klar unterschieden, wobei ich zugeben muss den Unterschied nicht verstanden zu haben. Bei MS Encarta Professional 2002 gibts es nur den Eintrag Paradoxon, wobei hier als Plural Paradoxien genannt wird. Da stimmt doch irgendwas nicht?!

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                            • #15
                              Könntest Du den Brockhaus mal zitieren?

                              Mir ist auch aufgefallen, daß "Paradoxie" selten in den Lexika auftaucht.

                              Pirx

                              P.S.: Ach ja, und von wann ist der Brockhaus?
                              Versucht, die Welt ein bißchen besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt.

                              Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

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